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Berlin: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, 2000
Leipzig, 1798.
Ich fühle es mit der lebhafte&longs;ten Ueberzeugung,
daß &longs;ich gegen die anjetzt &longs;o gewöhnliche Methode,
wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Gegen&longs;tände in alphabeti&longs;cher
Ordnung vorzutragen, &longs;ehr viele gegründete Einwendungen
la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat doch auch die&longs;e
Methode gewi&longs;&longs;e ganz unverkennbare Vorzüge. Es
i&longs;t allerdings nothwendig, daß der Anfänger die er&longs;te
Ueber&longs;icht einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft durch ein in &longs;y&longs;temati&longs;chem
Zu&longs;ammenhange abgefaßtes Lehrbuch erhalte; bey weiterm
Fortgange aber wird er &longs;ich oft wün&longs;chen, alles,
was einen und den andern einzelnen Gegen&longs;tand betrift,
und was in den Lehrbüchern durch mancherley Stellen
zer&longs;treut i&longs;t, zu&longs;ammengebracht und unter einerley Ge&longs;ichtspunkt
vereiniget zu finden — eine Zu&longs;ammen&longs;tellung,
die oft &longs;elb&longs;t für den Kenner der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey
Bearbeitung einzelner Gegen&longs;tände wün&longs;chenswerth,
oder wenig&longs;tens bequem und erleichternd i&longs;t. Ueberdies
giebt die alphabeti&longs;che Anordnung, bey welcher jeder in
der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gebräuchliche Name an &longs;einer Stelle
vorkömmt, die &longs;chön&longs;te Gelegenheit zu richtiger und fe&longs;ter
Be&longs;timmung der Hauptbegriffe, auf welche &longs;ich alle wi&longs;&longs;en&longs;chaftlichen Die&longs;e Vorzüge der alphabeti&longs;chen Methode, welche
&longs;ich durch das Bey&longs;piel mhrerer guten Wörterbücher,
undbe&longs;onders des Macquer&longs;chen, von Herrn Leonhardi
&longs;o &longs;chön bearbeiteten chymi&longs;chen, hinlänglich be&longs;tätigen,
bewogen mich bereits im Jahre 1783, den Antrag einer
Ueber&longs;etzung des von Phy&longs;ikali&longs;ches
Wörterbuch
oder
Ver&longs;uch
einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe
und Kun&longs;twörter
der Naturlehre
mit kurzen Nachrichten von der Ge&longs;chichte
der Erfindungen und Be&longs;chreibungen der
Werkzeuge begleitet
in alphabeti&longs;cher Ordnung
von
D. Johann Samuel Traugott Gehler
Oberhofgerichtsa&longs;&longs;e&longs;&longs;orn und Senatorn zu Leipzig, auch der
ökonomi&longs;chen Societät da&longs;elb&longs;t Ehrenmitgliede
Er&longs;ter Theil
von A bis Epo
mit &longs;ieben Kupfertafeln
Neue Auflage.
Leipzig,
im Schwickert&longs;chen Verlage 1798.Vorrede.Sigaud de la Fond in franzö&longs;i&longs;cher
Sprache herausgegebnen phy&longs;ikali&longs;chen WörterbuchsDictionnaire de Phy&longs;ique par Mr. Sigaud de la Fond,
Pro&longs;e&longs;&longs;eur de Phy&longs;ique experimentale, Membre de la Societé
Royale des Sciences de Montpellier etc. à Paris. 1781.
IV Tomes. 8.
Wie die&longs;er Ver&longs;uch ausgefallen &longs;ey, und ob es der Mühe lohne, ihn fortzu&longs;etzen, darüber wird das Urtheil der Kenner und die Aufnahme die&longs;es er&longs;ten Theiles meiner Arbeit ent&longs;cheiden. Ich habe den Plan dazu &longs;o angelegt, daßich das Ganze binnen einigen Jahren in vier Bänden zu vollenden hoffen kan. So lange meine Verufsge&longs;chäfte noch nicht alle Stunden ausfüllen, die ich zur Arbeit anwenden darf, kenne ich kein größeres Vergnügen, als den Gedanken, durch meine geringe Kenntniß der Mathematik und Naturlehre irgend etwas Nützliches bewirket zu haben. Und da die&longs;es der einzige Zweck meiner Bemühungen i&longs;t, &longs;o wird mir jeder gegründete Tadel und jeder freund&longs;chaftliche Rath willkommen, und wenn er mich auf be&longs;&longs;ere Wege leitet, oder von einer unbrauchbaren Arbeit abhält, in hohem Grade &longs;chätzbar &longs;eyn.
Bey allem dem, was ich an den Werken des
Bri&longs;&longs;on und la Fond auszu&longs;etzen gefunden habe,
muß ich dennoch dankbar ge&longs;tchen, daß &longs;ie mir bey meiner
eignen Arbeit keinesweges unbrauchbar gewe&longs;en &longs;ind.Bri&longs;&longs;on, man
ches aufgenommen, de&longs;&longs;en Herbeyholung aus andern
Quellen mir mehr Zeit und Mühe würde geko&longs;tet haben.
Ueberhaupt wird Niemand in die&longs;em Wörterbuche neue
Erfindungen &longs;uchen; eine Arbeit die&longs;er Art kan nicht viel
mehr, als Compilation aus andern Schrift&longs;tellern &longs;eyn.
Ich habe daher, um mich keines Plagiats &longs;chuldig zu machen,
am Ende eines jeden Artikels mit kleinerer Schrift
diejenigen Quellen angezeigt, aus welchen ich bey Abfa&longs;ung
de&longs;&longs;elben ge&longs;chöpft habe. Man wird, wieich hoffe,
finden, daß ich gute Quellen gewählt, auch daß ich die&longs;elben
nie &longs;clavi&longs;ch und ohne Beurtheilung gebraucht habe.
Wo dergleichen Quellen nicht angegeben &longs;ind,
habe ich entweder gar keine, oder bloß die im Texte &longs;elb&longs;t
angezeigten Schriften gebraucht.
Mit Vor&longs;atz habe ich, vielleicht wider den Ge&longs;chmack
des gegenwärtigen Zeitalters, an ver&longs;chiedenen-
Stellen die&longs;es er&longs;ten Theils, mathemati&longs;che Berechnungen
und durch Formeln ausgedrückte Bewei&longs;e eingerückt,
theils weil &longs;ich gewi&longs;&longs;e wichtige Sätze gar nicht
anders oder doch nicht kürzer ausdrücken und bewei&longs;en
la&longs;&longs;en, theils auch, um deutlich zu zeigen, daß zu einer
wahren und richtigen Kenntniß der Natur die Bekannt&longs;chaft
mit der höhern Mathematik ganz unentbehrltch
Ein großer Theil der Artikel die&longs;es Wörterbuchs i&longs;t der Ge&longs;chichte der Meinungen und Erfindungen gewidmet, welche wenig&longs;tens für mich jederzeit ein &longs;ehr lehrreiches und angenehmes Studium ausgemacht hat. Mehrentheils läuft auch alles, was wir von einem phy&longs;ikali&longs;chen Begriffe oder Gegen&longs;tande &longs;agen können, auf eine Erzählung de&longs;&longs;en hinaus, was die Men&longs;chen bisher über den&longs;elben gedacht und erfahren haben und &longs;o i&longs;t die Naturlehre &longs;elb&longs;t großentheils Ge&longs;chichte. Au erdem bietet aber auch die alphabeti&longs;che Ordnung eine be&longs;ondere Bequemlichkeit dar, hi&longs;tori&longs;che Nachrichten bey jedem einzeinen Gegen&longs;tande beyzubringen, welche bey einer &longs;y&longs;temati&longs;chen Anordnung den Zu&longs;ammenhang der Sätze allzu oft unterbrechen würden, und ich habe nicht umhin gekonnt, die&longs;e Bequemlichkeit, &longs;o viel möglich war, zu benützen, auch in den mei&longs;ten Artikeln die vornehm&longs;ten Schri&longs;ten, aus welchen man mehrern Unterricht &longs;chöp&longs;en kan, anzuzeigen.
Bri&longs;&longs;on hat in der, &longs;einem Wörterbuche beygefügten,
Einleitung eine Ordnung angegeben, in welcher
Leipzig, in der Iubilateme&longs;&longs;e 1787.
D. Johann Samuel Traugott Gehler.
Phy&longs;ikali&longs;ches Wörterbuch
oder
Ver&longs;uch einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe
und Kun&longs;tworte der Naturlehre, in alphabeti&longs;cher
Ordnung.
Eine chymi&longs;che Arbeit, durch welche man vermittel&longs;t der Luft und eines gewi&longs;&longs;en Grades der Wärme flüchtige Sub&longs;tanzen von feuerbe&longs;tändigen oder weniger flüchtigen &longs;cheidet. So läßt man z. B. aus Salzauflö&longs;ungen das überflü&longs;&longs;ige Wa&longs;&longs;er an der warmen Luft abdampfen, um die Salze, welche alsdann in Kry&longs;tallen an&longs;chießen, übrig zu behalten.
Das Abdampfen i&longs;t von der De&longs;tillation nur darinn unter&longs;chieden, daß man die flüchtige Sub&longs;tanz beym De&longs;tilliren auf&longs;ammelt, beym Abdampfen aber davon gehen läßt; daher ge&longs;chieht das Abdampfen in ofnen und flachen Gefäßen, welche der Luft viel Oberfläche aus&longs;etzen, z. B. in Schaalen, Näpfen, Scherben. Der nöthige Grad der Wärme richtet &longs;ich nach den Graden der Flüchtigkeit und Feuerbe&longs;tändigkeit beyder Sub&longs;tanzen und nach der Stärke ihres Zu&longs;ammenhangs. I&longs;t die Sub&longs;tanz, welche zurückbleiben &longs;oll, weniger feuerbe&longs;tändig, und hängt &longs;ie fe&longs;t an der flüchtigen, &longs;o muß die Wärme gelind und lang&longs;am wirken. Im entgegenge&longs;etzten Falle i&longs;t ein höherer Grad der Wärme, und ein auf die Ober&longs;läche der Mi&longs;chung gerichteter Luftzug dienlich.
Macquers chymi&longs;ches Wörterbuch, Art. Abdampfen.
Occidens, Plaga occidentalis,
Occident, Oue&longs;t. Diejenige Welt- oder Himmelsgegend,
an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Man hat
&longs;ie zur Rechten, wenn man das Ge&longs;icht nach Mittag kehret.
Die Zeit, um welche die Sonne untergehet, die Stunden vor und nach dem Augenblicke des Untergangs mit begriffen.
Abenddämmerung, &longs;. Dämmerung.
Der Durch&longs;chnittspunkt des Aequators
mit dem Horizonte an derjenigen Seite des Himmels, an welcher
die Ge&longs;tirne untergehen. Er i&longs;t einer von den vier
Haupt-oder Cardinalpunkten, durch welche im Horizonte
die vier Hauptgegenden be&longs;timmt werden. &longs;. Weltgegenden.
Die Schiffer nennen ihn We&longs;ten. Von ihm heißt
die ganze umliegende Gegend des Himmels die Abendgegend,
und man &longs;agt von dem, was &longs;ich in die&longs;er Gegend
zuträgt, es ge&longs;chehe gegen Abend. An den Tagen
der Nachtgleichen (um den 21 März und 21 Sept.),
wenn die Sonne im Aequator &longs;teht, geht &longs;ie im Abendpunkte
&longs;elb&longs;t unter. An den übrigen Tagen des Jahres &longs;tehen
die Punkte| des Horizonts, in welchen die Sonne untergeht,
von die&longs;em wahren oder eigentlichen Abendpunkte ab,
und fallen bey uns im Sommer weiter gegen Mitternacht,
im Winter weiter gegen Mittag. Die Untergangspunkte
der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage &longs;ind vom wahren
Abendpunkte am weit&longs;ten entfernt, und führen bisweilen
die Namen des Sommer- und Winterabendpunkts ( Occident
d'été, Occident d'hiver). Für Leipzig &longs;tehen
&longs;ie vom
wahren Abendpunkte um 39°35′39″ ab.
He&longs;perus. Ein Beyname der Venus,
wenn &longs;ie, nach ihrer obern Conjunction mit der Sonne, auf
der Morgen&longs;eite der&longs;elben er&longs;cheint, und al&longs;o Abends nach
Sonnenuntergang ge&longs;ehen wird. &longs;. Venus.
Taf. I. Fig. 1. Die Abendweite OS
i&longs;t der Ab&longs;tand des Punktes S, in welchem ein Ge&longs;tirn untergeht,
vom wahren Abendpunkte O. Die&longs;er Ab&longs;tand
i&longs;t, wie die Figur zeigt, ein Bogen des Horizonts HR.
I&longs;t der&longs;elbe, wie in der Figur, von O aus gegen Mitternachtnördlich
(&longs;eptemtrionalis);
gienge aber das Ge&longs;tirn in S unter, daß
OS von
O aus nach Mittag gekehrt wäre, &longs;o hieße die Abendweite
&longs;üdlich (meridionalis). Man &longs;ieht leicht, daß die
Ge&longs;tirne
in der nördlichen Halbkugel AOQP eine nördliche,
hingegen die in der &longs;üdlichen Halbkugel AOQp eine &longs;üdliche
Abendweite haben.
Um die Abendweite OS eines Ge&longs;tirns zu finden, muß
&longs;ein Ab&longs;tand vom Aequator DS oder &longs;eine Abweichung,
neb&longs;t der Aequatorhöhe des Orts, welche dem Winkel O
gleich i&longs;t gegeben &longs;eyn. Dann i&longs;t im Dreyeck ODS
&longs;in. O: &longs;in. DS=&longs;in. tot: &longs;in. OS,
wo
Vermittel&longs;t die&longs;er Formel läßt &longs;ich eine Tafel berechnen,
in welcher man für die Polhöhe eines jeden Orts und die Declination
eines jeden Ge&longs;tirns die zugehörige Abendweite auf&longs;chlagen
kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner Sammlung
a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (Band lll. S. 255) unter dem Titel:
Tafel für die Weiten in O&longs;t und We&longs;t, findet.
Für Leipzig, de&longs;&longs;en Polhöhe 51° 19′ 41″ i&longs;t, findet man die Abendweite der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage (wo die Abweichung = 23° 28′ 8″ beträgt) = 39° 35′ 39″. Anden Tagen der Nachtgleichen hingegen i&longs;t die Abendweite der Sonne =0.
Die Berechnung der Abendweiten der Sonne nützt vorzüglich den Seefahrern zu Beobachtung der Abweichung der Magnetnadel.
Eine &longs;cheinbare Bewegung der Sterne, vermöge welcher &longs;ie jährlich am Himmel eine kleine Ellip&longs;e zu durchlaufen &longs;cheinen, deren große Axe 20 Secunden eines größten Krei&longs;es beträgt.
Die&longs;e merkwürdige Er&longs;cheinung ward von JacobBradley entdeckt, als er im Jahre 1725 in Kew bey London
mit einem von Graham verfertigten Sector von 24
Fuß Halbme&longs;&longs;er, de&longs;&longs;en Gradbogen nur einige Minuten
vom Krei&longs;e enthielt, die Ab&longs;tände einiger Sterne vom Zenith
ver&longs;chiedene Tage nach einander beobachtete, um zu
&longs;ehen, ober dabey irgend ein Merkmal einer jährlichen Parallaxe
der Erdbahn wahrnehmen könnte, &longs;. Parallaxe
der Erdbahn. Er &longs;etzte &longs;eine Beobachtungen hierüber
bis ins Jahr 1728 fort, und bemerkte, daß alle Fix&longs;terne
zu der Zeit, wenn &longs;ie am Tage durch den Mittagskreis
giengen, täglich etwas weiter gegen Süden fortrückten; zu
der Zeit hingegen, wenn &longs;ie des Nachts culminirten, von
Tag zu Tag weiter gegen Norden giengen; überhaupt aber
alle nach Verlauf eines Jahres wieder in ihre vorige Stelle
zurück kamen, nachdem &longs;ie mittlerweile eine Ellip&longs;e durchlaufen
hatten, deren große mit der Ekliptik parallele Axe
40″ betrug, die kleinere auf der Ekliptik &longs;enkrecht &longs;tehende
aber, bey Sternen in der Ekliptik &longs;elb&longs;t, Null, im Pole der
Ekliptik ebenfalls 40″ war, und in den Zwi&longs;chen&longs;tellen
&longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt; daher
der Stern B im Drachen, welcher nahe am
Nordpole der Ekliptik &longs;teht, einen Kreis von 40″ im
Durchme&longs;&longs;er zu be&longs;chreiben &longs;chien. Die&longs;e Bewegung aber
erfolgte gar nicht nach den Regeln, nach welchen &longs;ich eine
aus der jährlichen Parallaxe der Erdbahn ent&longs;tehende &longs;cheinbare
Bewegung hätte dar&longs;tellen mü&longs;&longs;en.
Als Bradley ver&longs;ichert war, daß die&longs;e Bewegung ein
allgemeines Phänomen aller Fix&longs;terne &longs;ey, &longs;o unternahm
er es, die Ur&longs;ache der&longs;elben zu erfor&longs;chen. Es mußte eine
jährlich wiederkehrende und allgemeine Ur&longs;ache entdeckt
werden, deren Wirkung &longs;ich, wie der Sinus der Breite
des Sterns, verhielt, und bey ihrem größten Werthe
40″ betrug.
Glücklicher Wei&longs;e bemerkte Bradley, daß die&longs;e 40″
genau den Bogen der Erdbahn ausmachen, den die Erde
in 16 Minuten Zeit durchläuft, und es fiel ihm bey, daß
das Licht gerade eben die&longs;e Zeit von 16 Minuten brauche,&longs;. Licht.
Er konnte &longs;ich nun &longs;ogleich vor&longs;tellen, daß wir die in der
Ekliptik &longs;tehenden Sterne, wenn &longs;ie in Conjunction mit
der Sonne &longs;ind, und al&longs;o hinter ihr und weiter von uns
&longs;téhen, um 16 Minuten &longs;päter erblicken mü&longs;&longs;en, als wenn
&longs;ie in Oppo&longs;ition, d. i. auf eben der Seite der Sonne mit
uns &longs;elb&longs;t, und al&longs;o uns um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn
näher &longs;tehen, und daß wir &longs;ie eben deswegen im er&longs;tern
Falle um 40″ weniger fortgerückt erblicken, als im letztern,
woraus &longs;ich die Phänomene der Abirrung für die in der
Ekliptik &longs;tehenden Sterne, welche &longs;tatt der Ellip&longs;e eine gerade
Linie zu be&longs;chreiben &longs;cheinen, vollkommen erklären.
In Ab&longs;icht auf die außer der Ekliptik &longs;tehenden Sterne
fiel Bradley auf den glücklichen Gedanken, die Bewegung
des Lichts mit der Bewegung der Erde nach den
Ge&longs;etzen der Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen (&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung
der Bewegungen) zu verbinden,
und nachdem er &longs;eine Erklärung mit allen Beobachtungen
überein&longs;timmend gefunden hatte, &longs;tattete er davon im
Jahre 1728 öffentlich Bericht ab. (Philo&longs;. Transact,
No. 406.)
Es &longs;ey E (Taf. I. Fig. 2.) ein Stern, der den Licht&longs;trahl
EB zu uns &longs;endet, AB ein kleiner Theil der
Erdbahn, und CB der Weg, den der Stral durchlaufen
hat, indem die Erde von A bis B gieng, daß &longs;ich
al&longs;o CB und AB, wie die Ge&longs;chwindigkeiten des Lichts und
der Erde, d. i. wie 10313: 1 verhalten mü&longs;&longs;en. Man verzeichne
das Parallelogramm ABCD, &longs;o wird &longs;ich die Bewegung
des Licht&longs;trals CB, in die beyden Bewegungen CD
=BF und CA=DB zerlegen la&longs;&longs;en (&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung
der Bewegungen). Von dem Theile BF kan das
in B anlangende Auge nichts empfinden, weil die Bewegung
BF mit der Bewegung des Auges durch AB nach einerley
Richtung geht; es empfindet daher nur den Theil
DB, und &longs;ieht den Stern E nach der Richtung BD, al&longs;o von
&longs;einem wahren Orte E um den Winkel EBD entfernt, welcher=ACB i&longs;t, und der Abirrungswinkel genannt wird.
I&longs;t der Winkel B ein rechter, und CB:BA, wie
10313: 1, &longs;o giebt die Trigonometrie den Abirrungswinkel
ACB=20 Secunden.
I&longs;t hingegen, wie Taf. I. Fig. 3, CB gegen AB
geneigt, &longs;o i&longs;t ACB kleiner, als im vorigen Falle, oder
wie die Trigonometrie lehrt, = 20″ multiplicirt in den
Sinus des Winkels CAB. Auch rückt die Abirrung den
&longs;cheinbaren Ort des Sterns E jederzeir nach derjenigen Gegend
fort, nach welcher die Erde &longs;elb&longs;t fortgehet.
Nun &longs;ey Taf. I. Fig. 4. CROH die Erdbahn um die
Sonne S, in e ein Stern unter der nördlichen Breite
eSG,
&longs;o wird der&longs;elbe mit der Sonne S in Conjunction er&longs;cheinen,
wenn die Erde in C, in Oppo&longs;ition hingegen, wenn &longs;ie in O
&longs;tehet. In beyden Fällen treffen die von e einfallenden
überall mit eS parallelen Licht&longs;tralen eC und eO
unter rechten
Winkeln auf die Richtungen der Erdbahn bey C und
O, es i&longs;t al&longs;o der Abirrungswinkel beydemal 20″, und zwar
bey der Conjunction we&longs;tlich nach c, bey der Oppo&longs;ition ö&longs;tlich
nach o gerichtet. Daher der Ab&longs;tand der beyden &longs;cheinbaren
Orte c und o, 40″ betragen muß.
In den mittlern Zeitpunkten hingegen, wenn des
Sterns Länge um 90° vom Orte der Sonne unter&longs;chieden
i&longs;t, d. i. wenn die Erde in R und H &longs;teht, machen die von
e einfallenden Licht&longs;tralen eR und eH mit der Richtung
der
Erdbahn in R und H Winkel, welche der Breite des
Sterns eSG gleich &longs;ind; daher i&longs;t hier die Größe der Abirrung
= 20″ multiplicirt in den Sinus der Breite des
Sterns, und zwar das Einemal nach r, das Anderemal nach
h zu gerichtet, wodurch im er&longs;ten Falle die Breite vermindert,
im andern vergrößert wird. Der Unter&longs;chied beyder
Breiten in r und h beträgt daher 40″
multiplicirtin den
Sinus der Breite. Die Erde in C, R, O, H &longs;ieht al&longs;o
den Stern in der Ellip&longs;e c, r, o, h gehen, deren große der
Ekliptik parallele Axe co = 40″, die kleine rh =
40″
multiplicirt in den Sinus der Breite i&longs;t.
So be&longs;chreibt Arktur, de&longs;&longs;en nördliche Breite beyläufig
30 Grad beträgt, eine jährliche Abirrungsellip&longs;e, deren=40″. fin. 30°
=20″ beträgt. Den 13 October am Tage &longs;einer Conjunction
mit der Sonne &longs;teht er im äußer&longs;ten we&longs;tlichen
Theile der&longs;elben zur Rechten, den 11 Jan. am unter&longs;ten
oder &longs;üdlichen Ende der kleinen Axe, den 12 April, am
Tage der Oppo&longs;ition am mei&longs;ten o&longs;twärts, und den 12
Jul. am mei&longs;ten nordwärts.
Die&longs;e Veränderung des Ortes der Sterne in ihrer Abirrungsellip&longs;e ändert ihre Länge, Breite, gerade Auf&longs;teigung und Abweichung. Wie viel jede die&longs;er Veränderungen betrage, läßt &longs;ich durch trigonometri&longs;che Rechnungen be&longs;timmen. Bey den Planeten und Kometen &longs;ind die Wirkungen der Abirrung &longs;o groß, als der Winkel, unter welchem ihre Bewegung in der Zeit, in welcher das Licht von ihnen zu uns kömmt, von der Erde aus in die Augen fällt, und la&longs;&longs;en &longs;ich al&longs;o aus ihren Entfernungen und Bewegungen leicht berechnen.
Die Abirrung des Lichts hat übrigens den A&longs;tronomen
einen ganz neuen und directen Beweis von der Wirklichkeit
des Umlaufs der Erde um die Sonne ver&longs;chaft, und
dadurch die Wahrheit der Lehren des Copernicus auf eine
unerwartete Wei&longs;e be&longs;tätiget, &longs;. Welt&longs;y&longs;tem.
de la Lande a&longs;tronomi&longs;ches Handbuch, §. 772 und f.
Smith's Lehrbegrif der Optik, durch Kä&longs;tner, 4 Buch, 7 Cap.
Seite 353 Bode Erklärung der Sternkunde, §. 615.
Ableiter, &longs;. Blitzableiter.
nennt man dasjenige, was bloß an &longs;ich,
und ohne Beziehung auf etwas anderes ähnliches betrachtet
wird. Dem Ab&longs;oluten wird das Relative, bisweilen
das Specifi&longs;che, entgegenge&longs;etzt. Bey&longs;piele hievon findet
man in den Artikeln: Bewegung, Ge&longs;chwindigkeit,
Gewicht, Kraft, Ort, Schwere.
heißen
überhaupt alle Sub&longs;tanzen, welche &longs;ich mit Säuren zu verbinden
im Stande &longs;ind, z. B. die Laugen&longs;alze und Kalcherden,
Haupt&longs;ächlich führen die letztern, z. B. der Kalch&longs;tein, dieAufbrau&longs;en.
Ab&longs;tand, &longs;. Entfernung.
Der zwi&longs;chen dem Scheitelpunkte oder Zenith und einem Ge&longs;tirne oder andern Punkte des Himmels enthaltene Bogen eines Scheitelkrei&longs;es. Da der Scheitelpunkt überall um 90° vom Horizonte entfernt i&longs;t, &longs;o macht eines Ge&longs;tirns Ab&longs;tand vom Scheitel mit de&longs;&longs;en Höhe jederzeit 90° aus, oder: der Ab&longs;tand vom Scheitel i&longs;t das Complement|der Höhe. I&longs;t z. B. die Höhe eines Sterns 55°, &longs;o wird &longs;ein Ab&longs;tand vom Scheitel 35° &longs;eyn.
Die Sonne hat den gering&longs;ten Ab&longs;tand vom Scheitel am Mittage des läng&longs;ten, den größten am Mittage des kürze&longs;ten Tages. Jener beträgt für Leipzig 27° 51′ 33″, die&longs;er 74° 47′ 49″.
heißt in der Sternkunde die Anzahl von Graden oder von Stunden, welche der Frühlingspunkt von dem Augenblicke des Mittags an noch zu durchlaufen hat, ehe er in den Mittagskreis gelangt.
Die&longs;er Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage i&longs;t, in Graden ausgedrückt, jederzeit 360° weniger der geraden Auf&longs;teigung der Sonne. Man &longs;etze z. B. die gerade Auf&longs;teigung der Sonne &longs;ey 90°, oder die Sonne komme mit dem 90&longs;ten Grade des Aequators zugleich in den Mittagskreis, &longs;o wird in dem Augenblicke, da die&longs;es ge&longs;chieht, der Frühlingspunkt oder Anfang des Aequators 90° weiter gegen Abend &longs;tehen, und al&longs;o noch 270° zurückzulegen haben, ehe er den ganzen Cirkel'vollendet, und al&longs;o das Näch&longs;temal wieder in den Mittagskreis tritt. Daher i&longs;t &longs;ein. Ab&longs;tand vom Mittage 270°=360°—90°.
Will man die&longs;en Ab&longs;tand in Zeit ausdrücken, &longs;o mü&longs;&longs;enSternzeit, Sonnenzeit. Sogeben 270° in
dem angenommenen Bey&longs;piele 18 Stern&longs;tunden oder 17
St. 57 Min. 3 Sec. mittlere Sonnenzeit. So viel Zeit
verfließt al&longs;o noch, vom Mittage an gerechnet, ehe der
Frühlingspunkt den Mittagskreis erreicht.
In den be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Kalendern (z. B. Bode
a&longs;tronomi&longs;chem Jahrbuch) findet man für jeden Mittag des
Jahres die&longs;en Ab&longs;tand in Sternzeit, unter der Rubrik:
Oe&longs;tlicher Ab&longs;tand 0° von der Sonne, angegeben.
Man gebraucht ihn, um die Stunde zu finden, zu welcher
jeder Stern durch den Mittagskreis geht,
Ab&longs;teigende Knoten, &longs;. Knoten.
Ab&longs;teigende Zeichen, &longs;. Thierkreis.
i&longs;t mit der geraden Auf&longs;teigung völlig einerley. Es
wird nemlich darunter der Bogen des Aequators ver&longs;tanden,
welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte und dem Abweichungskrei&longs;e
eines Ge&longs;tirns enthalten i&longs;t. Der letzte
Punkt die&longs;es Bogens geht in den Ländern, wo die Sterne
unter rechten Winkeln auf- und untergehen, mit dem Sterne
zugleich auf und unter; er begrenzt al&longs;o de&longs;&longs;en gerade
Auf&longs;teigung und Ab&longs;teigung zugleich, daher beyde einerley
&longs;ind. &longs;. Auf&longs;teigung.
Derjenige Bogen des Aequators, welcher
zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte oder Anfange des Aequators,
und dem mit einem Ge&longs;tirne zugleich untergehenden
Punkte de&longs;&longs;elben, enthalten i&longs;t. Zur Vergleichung &longs;. den
Artikel: Auf&longs;teigung, &longs;chiefe.
Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Ab&longs;teigung eines
Ge&longs;tirns heißt &longs;eine De&longs;cen&longs;ionaldifferenz. Die&longs;e
i&longs;t bey Ge&longs;tirnen, die ihre Lage gegen die Fix&longs;terne nicht
merklich ändern, mit der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz einerley,
&longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz. Aus ihr findet &longs;ich die &longs;chiefe
Ab&longs;teigung durch die Formel&longs;chiefe Ab&longs;t.=gerade Auf&longs;t.+De&longs;e. diff.
wo man bey negativem Werthe der De&longs;cen&longs;ionaldifferenz,
&longs;tatt zu addiren, &longs;ubtrahiren muß.
hei&longs;t in der Sternkunde
der Ab&longs;tand der Ge&longs;tirne vom Aequator, durch den
Bogen eines größten Krei&longs;es geme&longs;&longs;en. Wenn Taf. I.
Fig. 5. durch den Stern S und die beyden Weltpole P und
p ein größter Kreis PSDp geführt wird, welcher
auf dem
Aequator AQ &longs;enkrecht &longs;tehet, weil er durch de&longs;&longs;en Pole
geht:&longs;o hei&longs;t die&longs;er Kreis des Ge&longs;tirns Abweichungskreis
oder Declinationscirkel. Der zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne S
und dem Punkte des Aequators D enthaltene Bogen die&longs;es
Krei&longs;es SD i&longs;t des Ge&longs;tirns Abweichung.
Wenn das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem
Nordpole P &longs;teht, &longs;o hei&longs;t &longs;eine Abweichung SD
nördlich
(borealis), &longs;üdlich (au&longs;tralis) hingegen, wenn &longs;ich
das
Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem Südpole befindet.
In den Formeln kan man die nördlichin Abweichungen po&longs;itiv,
die &longs;üdlichen negativ, &longs;etzen. Die Abweichung eines
im Aequator &longs;elb&longs;t &longs;tehenden Ge&longs;tirns i&longs;t=0; eines im
Pole &longs;tehenden Abweichung wäre =90°. Auch erhellet,
daß keine Abweichung über 90° betragen könne.
Durch die Abweichung SD und die gerade Auf&longs;teigung
D (&longs;. Auf&longs;teigung) wird die Stelle eines Ge&longs;tirns am
Himmel be&longs;timmt, und von den Stellen aller übrigen Ge&longs;tirne
unter&longs;chieden. Es i&longs;t daher für den Sternkundigen eine
&longs;ehr wichtige Arbeit, die Abweichungen der Ge&longs;tirne
durch Beobachtungen zu erfor&longs;chen.
Man findet aber die Abweichungen der Ge&longs;tirne &longs;ehr
leicht durch Beobachtungen ihrer Mittagshöhen. In dem
Augenblicke, in welchem ein Ge&longs;tirn durch den Mittagskreis
geht, coincidirt &longs;ein Abweichungskreis mit dem Mittagskrei&longs;e,
als welcher allezeit durch die Weltpole, und in
die&longs;em Augenblicke auch durch das Ge&longs;tirn geht. Mithin i&longs;t
die Abweichung dem zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne und dem Aequator
enthaltenen Bogen des Mittagskrei&longs;es gleich, welcher in&longs;. Aequatorhöhe), &longs;o läßt &longs;ie, von der
Mittagshöhe
des Ge&longs;tirns abgezogen, die Abweichung de&longs;&longs;elben
übrig z. B.
I&longs;t die Mittagshöhe des Ge&longs;tirns kleiner, als die Aequatorhöhe, &longs;o bleibt eine negative oder &longs;üdliche Abweichung übrig.
Die A&longs;tronomen haben durch häufige Beobachtungen
der Mittagshöhen die Abweichungen der mei&longs;ten Fix&longs;terne
gefunden, und in die Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e (Catalogos fixarum)
eingetragen. Aus deh geraden Auf&longs;teigungen und
Abweichungen der Sterne la&longs;&longs;en &longs;ich ihre Längen und Breiten
berechnen; und die&longs;e von Tycho de Brahe mehr in
Gang gebrachte Methode i&longs;t leichter und &longs;ichrer, als ein gewi&longs;&longs;es
Verfahren der Alten, welche die Längen und Breiten
unmittelbar durch Beobachtungen &longs;uchten. Tycho hat
zu Be&longs;timmung der Mittagshöhen den in der Mittagsfläche
befe&longs;tigten Quadranten (Mauerquadrant, quadrans
Tychonicus) eingeführt.
Die Abweichung der Sonne i&longs;t in un&longs;ern Ländern im
Frühling und Sommer nördlich, im Herb&longs;t und Winter
&longs;üdlich. An den Tagen der Nachtgleichen (den 21 März u.
21 Sept.) i&longs;t &longs;ie=0, an den Tagen der Sonnenwenden
(den 21 Jun. u. 21 Dec.) hingegen am größten, und der
Schiefe der Ekliptik gleich, d. i. jetzt 23° 28′ 8″. &longs;.
Schiefe
der Ekliptik. Man berechnet die Abweichung der
Sonne für jeden Tag im Jahre aus der Schiefe der Ekliptik
und dem Orte oder der Länge der Sonne, durch die Formel:
&longs;in. Abweich.=&longs;in. Schiefe der Ekl.X&longs;in.
Länge der Θ.
Dadurch la&longs;&longs;en &longs;ich Tafeln berechnen, in welchen man die
Abweichung der Sonne für jeden Punkt ihrer Bahn durch
oder Abirrung der
Glä&longs;er, Aberratio lentium, Aberration des verres,
heißt derjenige Unter&longs;chied, der bey Glä&longs;ern, Fernröhren und
Mikro&longs;kopen daraus ent&longs;teht, daß &longs;ich die aus einem Punkte
des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nicht wieder genau
in einem Punkte vereinigen. Da aber zu einem deutlichen
Bilde erfordert wird, daß alles aus einem Punkte
des Gegen&longs;tandes gekommene Licht, wieder in einem Punkte
vereiniget werde, &longs;o &longs;tört die&longs;e Abweichung die Deutlichkeit
der Bilder, und man muß &longs;ie daher bey allen dioptri&longs;chen
Werkzeugen, &longs;o viel möglich, zu vermeiden &longs;uchen.
Sie ent&longs;teht aber aus einer doppelten Ur&longs;ache, und theilt
&longs;ich daher in zweyerley Abweichungen, von welchen die beyden
folgenden Artikel handeln.
Aberratio ob figuram &longs;.&longs;phaericitatem lentium, Aberration
de &longs;phèricité. Die&longs;e ent&longs;teht daher, weil eine
Glaslin&longs;e,
deren Oberflächen eine &longs;phäri&longs;che Krümmung haben,
die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen
nie wieder völlig in einen Punkt vereiniget. Jedoch
vereinigen &longs;ich diejenigen Stralen, welche nahe bey
der Axe oder um die Mitte des Gla&longs;es einfallen, in einem
&longs;ehr engen Raume, und für &longs;ie i&longs;t al&longs;o die&longs;e Abweichung
geringer, als für die weiter von der Axe ab und gegen den
Rand zu einfallenden Stralen. Man vermeidet daher den
größten Theil die&longs;er Abweichung, wenn man den Rand der
Glä&longs;er mit etwas Undurch&longs;ichtigem bedeckt, und nur in der
Mitte eine kreisrunde Oefnung frey läßt.
Man &longs;chrieb ehedem die Undeutlichkeit, die in den
dioptri&longs;chen Werkzeugen noch immer unvermeidlich blieb,
ganz allein die&longs;er Art von Abweichung zu, und &longs;uchte daher
zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch andere und wirk&longs;amere
Mittel zu finden, als die damals gewöhnlichen &longs;tarken
Bedeckungen waren. Die Theorie der Brechung lehrt,
daß planconvexe Glä&longs;er, mit ellipti&longs;chen Hinterflächen von
einer be&longs;timmten Krümmung, Parallel&longs;tralen genau in einen
Punkt vereinigen; Glä&longs;er mit hyperboli&longs;chen Vorderflächen
aber die aus ihrem Brennpunkte kommenden Stralen
wieder parallel aus&longs;enden. Man dachte daher, nach
dem Vor&longs;chlage des Carte&longs;ius, die Abweichung wegen
der Ge&longs;talt der Glä&longs;er durch Lin&longs;en mit ellipti&longs;ch und hyperboli&longs;ch
gekrümmten Flächen zu vermeiden. D. Wrenn
gab dazu (Philo&longs;. Transact. no. 53.) ein &longs;innreiches Mittel
an; ja Newton &longs;elb&longs;t be&longs;chäftigte &longs;ich im er&longs;ten Anfange
&longs;einer Unter&longs;uchungen mit Schleifung opti&longs;cher Glä&longs;er
von anderer als &longs;phäri&longs;cher Ge&longs;talt.
Nachdem aber der Letztere im Jahre 1666 die zweyte weit beträchtlichere Abweichung der Glä&longs;er entdeckt hatte, verwarf er &longs;ogleich die&longs;e Bemühungen, ellipti&longs;che und hyperboli&longs;che Glä&longs;er zu &longs;chleifen, als unnütz, weil jede andere Brechung eine andere Ge&longs;talt der Glä&longs;er erfordere, und al&longs;o bey der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts ein Glas von be&longs;timmter Ge&longs;talt nur für eine gewi&longs;&longs;e Gattung von Licht&longs;tralen, keinesweges aber für alle Stralen, die Abweichung heben könne. Ueberdieß fand er die Wirkungen der zweyten neuentdeckten Abweichung mehrere tau&longs;endmal größer, als die Wirkungen der bisher bekannten, und &longs;chloß daher mit Recht, daß die Unvollkommenheiten der Fernröhre fa&longs;t gänzlich auf die Rechnung der zweyten Art der Abweichung zu &longs;etzen wären, daher es überflüßig &longs;ey, für die Vermeidung der er&longs;tern weiter Sorge zu tragen, bevor man nicht Mittel gefunden habe, der zweyten abzuhelfen, von welcher der folgende Artikel handelt.
Die&longs;e Abweichung rührt daher, daß die Licht&longs;tralen nach
Newtons Entdeckung bey der Brechung zertheilt, und in
Stralen von ver&longs;chiedenen Farben zer&longs;treut werden, deren
einige eine &longs;tärkere, andere eine geringere Brechung leiden.
&longs;. Brechbarkeit, Farbenzer&longs;treuung. Daher werden
unter den von einem Punkte ausgehenden Stralen einige
näher, andere weiter hinter dem Gla&longs;e vereiniget, und es
ent&longs;tehen &longs;o viele Bilder des Gegen&longs;tandes, als das Licht
Farben enthält. Das von den blauen oder violetten Stralen
ent&longs;tandene Bild &longs;teht dem Gla&longs;e am näch&longs;ten, wie bey
B, Taf. I. Fig. 6: das von den rothen Stralen gebildete
am weite&longs;ten bey R. Beyder Ab&longs;tand BR beträgt, wenn
die Stralen nahe bey der Axe DC einfallen, ohngefähr
(1/30) von BC, &longs;on&longs;t noch mehr. Bey dem im Jahre 1774
in Paris ange&longs;tellten Ver&longs;uchen mit einer hohlen mit Weingei&longs;t
gefüllten Lin&longs;e, von welcher nur ein 6—7 Lin. breiter
Ring am Rande offen gela&longs;&longs;en war (&longs;. Brennglas),
fand Bri&longs;&longs;on (Mém. de Paris 1774.) die Entfernung
des Vereinigungspunkts der Sonnen&longs;tralen vom Mittelpunkte
der Lin&longs;e
Da &longs;ich nun die von einem Punkte kommenden Stralen
auf die in der Figur deutlich vorge&longs;tellte Art durchkreuzen,
&longs;o kan weder in B oder R &longs;elb&longs;t, noch irgendwo zwi&longs;chen
die&longs;en Punkten, ein deutliches Bild des &longs;tralenden Punktes
ent&longs;tehen. In B z. B. wird das deutliche Bild, welches
die blauen Stralen machen, mit Lichte von andern Farben,
und am Rande mit rothem Lichte aus eben dem Punkte des
Gegen&longs;tandes, umgeben &longs;eyn; daher die&longs;e Abweichung dem
Bilde zugleich fal&longs;che Farben und farbichte Ränder giebt.
Sobald Newton die&longs;e Abweichung entdeckt hatte, berechnete
er, daß &longs;ie bey den gewöhnlichen Fernröhren auf
die Undeutlichkeit des Bildes 5000mal &longs;tärker wirke, als
die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Gla&longs;es, daß &longs;ie al&longs;o
das vornehm&longs;te Hinderniß ausmache, welches der Vollkommenheit
der Fernröhre im Wege &longs;tehe, von denen es,
wie er &longs;agt, zu verwundern &longs;ey, daß &longs;ie die Gegen&longs;tände
noch &longs;o deutlich zeigten, als es wirklich ge&longs;chähe.
Er dachte nunmehr auf Mittel, die&longs;e Abweichung aufzuheben,
ward aber unglücklicher Wei&longs;e durch gewi&longs;&longs;e von
ihm ange&longs;tellte Ver&longs;uche und daraus gefolgerte Sätze verleitet,
es für unmöglich zu halten, daß man jemals bey
Glä&longs;ern die Wirkung der Farbenzer&longs;treuung werde aufheben
können. Er gieng von die&longs;er Zeit an ganz von den
Gedanken an die Verbe&longs;&longs;erung der Glä&longs;er ab, und &longs;chlug
&longs;tatt der Fernröhre mit bloßen Glä&longs;ern die mit Spiegeln
vor, &longs;. Spiegeltele&longs;cop, weil bey der Zurückprallung
des Lichts von Spiegeln keine Farbenzer&longs;treuung &longs;tatt findet.
Dadurch i&longs;t die weitere Unter&longs;uchung die&longs;er Materie
beynahe um ein ganzes Jahrhundert ver&longs;pätiget worden.
Endlich machte in neuern Zeiten, auf eine von Herrn
Euler gegebne Veranla&longs;&longs;ung, der engli&longs;che Kün&longs;tler Dollond
die wichtige Entdeckung, daß es allerdings möglich &longs;ey
die Farbenzer&longs;treuung auch bey Fernröhren mit Glä&longs;ern zu
vermeiden, wenn man zu die&longs;er Ab&longs;icht die Glä&longs;er aus ver&longs;chiedenen
Glasarten zu&longs;ammen&longs;etze. Hierauf gründet &longs;ich
die Erfindung der Dollondi&longs;chen achromati&longs;chen Fernröhre,
in welchen die Abweichung wegen der Farbenzer&longs;treuung
vermieden wird, wovon man den Artikel: Achromati&longs;che
Fernröhre, nach &longs;ehen kan.
oder Abirrung der
Hohl&longs;piegel, Aberratio ob figuram &longs;peculorum, Aberration
de &longs;phèricité des miroirs, heißt der Unter&longs;chied,
welcher bey Hohl&longs;piegeln und Spiegeltele&longs;copen daher ent&longs;teht,
daß die &longs;phäri&longs;chen oder Kugel&longs;piegel die aus einem
Punkte ausgegangenen Licht&longs;tralen nicht wieder in einen
Punkt vereinigen, woraus eine Undeutlichkeit des Bildes
So nennt man denjenigen Winkel, um welchen
die Richtung der Magnetnadel von der wahren Mittagslinie
abweicht. Obgleich insgemein ge&longs;agt wird, der
Magnet habe die Eigen&longs;chaft, &longs;ich mit einem gewi&longs;&longs;en Punkte
nach Norden zu richten, und theile die&longs;e Eigen&longs;chaft, die
man &longs;eine Polarität nennt, auch den mit ihm be&longs;trichenen
Nadeln mit, &longs;o gilt doch die&longs;e Behauptung nur mit
einiger Ein&longs;chränkung. Sowohl der Magnet &longs;elb&longs;t, als
auch die Nadeln, richten &longs;ich in den wenig&longs;ten Fällen genau
nach Norden; &longs;ie weichen fa&longs;t allezeit von der wahren Richtung
der Mittagslinie um einige Grade, gegen O&longs;ten oder
We&longs;ten, ab.
Allem An&longs;ehen nach hat man die Abweichung der Magnetnadel
bald nach dem er&longs;ten Gebrauche des Compa&longs;&longs;es
zur Schiffahrt entdecken mü&longs;&longs;en. Auch ver&longs;ichert Thevenot
in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung (Recueil des voyages.
Paris, 1681. 8.), aus einem Briefe des Peter Ad&longs;igerus
ge&longs;ehen zu haben, daß de&longs;&longs;en Verfa&longs;&longs;er &longs;chon im Jahre
1269 eine Abweichung der Magnetnadel von 5 Graden
wahrgenommen habe. Inzwi&longs;chen finden &longs;ich doch die er&longs;ten
zuverläßigen Beobachtungen die&longs;er Abweichung nicht
eher, als im &longs;echszehnten Jahrhunderte. Herr de l'Isle
be&longs;aß ein Manu&longs;cript eines Piloten Crignon aus Dieppe,
vom Jahre 1534, welches dem Admiral Seba&longs;tian
Chabot zugeeignet war, und worinn die Abweichung der
Magnetnadel erwähnt ward; daher es ein Misver&longs;tänduißRiccioli (Geograph. reform. L.
VIII, c. 12.) den Chabot &longs;elb&longs;t neb&longs;t dem Gonzalez
von Oviedo als die Erfinder der Abweichung der Magnetnadel
nennet. Levin Hul&longs;ius (De&longs;criptio et v&longs;us
viatorii et horologii &longs;olaris, Norib. 1597. 12mo) führt
an, daß Georg Hartmann in Nürnberg im Jahre
1536 bey Verfertigung von Sonnenuhren die Abweichung
10 1/4 Grad gefunden habe, und 1550 ward &longs;ie zu Paris
von Orontius Fineus 8 Grad ö&longs;tlich beobachtet.
(Man &longs;. Petr. van Mu&longs;&longs;chenbroek di&longs;&longs;. phy&longs;ica experimentalis
de Magnete, in &longs;einen
Die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten, zieht
man auf dem fe&longs;ten Lande eine Mittagslinie, &longs;etzt einen gewöhnlichen
Compaß oder eine Bou&longs;&longs;ole (&longs;. Compaß) &longs;o
auf die&longs;elbe, daß der Stift, auf welchem die Nadel ruht,
auf der Mittagslinie &longs;teht, und die Linie, welche durch den
Anfang der Theilung des Compa&longs;&longs;es geht, mit der Richtung
der Mittagslinie concidiret, &longs;o zeigt der Grad, auf
welchen die Nadel &longs;pielet, die Größe ihrer Abweichung an.
Man pflegt einen hiezu eingerichteten Compaß einen Abweichungscompaß
(Declinatorium) zu nennen. Die
Herren Brander und Hö&longs;chel haben im Jahre 1779 eine
Be&longs;chreibung der von ihnen verfertigten Compaf&longs;e unter
dem Titel: Be&longs;chreibung des magneti&longs;chen Declinatoriiund Inclinatorii,desgleichen eines be&longs;onders
bequemen und nutzbaren Sonnenquadranten, zu
genauer Be&longs;timmung der Mittagslinie, Aug&longs;purg.
8. herausgegeben.
Auf der See, wo &longs;ich die&longs;e Methode nicht anwenden
läßt, pflegt man ein Bleyloth &longs;o über dem Seecompaß aufzuhängen,
daß de&longs;&longs;en Schatten durch den Mittelpunkt des
Compa&longs;&longs;es geht; &longs;o giebt der Rhumb oder TheilungspunktAbendweite), &longs;o wird der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der berechneten
Morgenweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten
Anfangsgegend von O&longs;ten; oder zwi&longs;chen der berechneten
Abendweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Untergangsgegend
von We&longs;ten, die Abweichung der Magnetnadel
angeben.
Durch Beobachtungen die&longs;er Art mußte man bald
wahrnehmen, daß die Abweichung der Magnetnadel nicht
allein an ver&longs;chiedenen Orten der Erde ver&longs;chieden, &longs;ondern
auch, &longs;elb&longs;t an einerley Beobachtungsorte, zu ver&longs;chiedenen
Zeiten veränderlich &longs;ey. Die&longs;e Veränderung
der Abweichung an einerley Orte (Variatio Declinationis
&longs;. Variationis) geht bisweilen &longs;o weit, daß die
Nadeln &longs;chon binnen einer Stunde ihre Richtung merklich
ändern. Länger fortge&longs;etzte Beobachtungen hierüber &longs;cheinen
zu&longs;ammengenommen etwas Regelmäßiges zu zeigen.
Man hat zu Paris und London dergleichen Beobachtungen
&longs;eit langer Zeit ununterbrochen fortge&longs;etzt. Die vornehm&longs;ten
Re&longs;ultate der Pari&longs;er Beobachtungen enthält folgende
Tabelle:
In den Mémoires de l' Acad. Royale des Sc. vom
Jahre 1770. S. 459 bemerkt Herr le Monnier von der
Abweichung der Nadel in Paris, &longs;ie habe von 1666 bis 1769
jährlich immer um etwas zugenommen, zuer&longs;t um 15 bis
16, dann um 9 Minuten, womit auch obige Tabelle überein&longs;timmt.
Jetzt aber &longs;cheint die we&longs;tliche Abweichung
da&longs;elb&longs;t wieder abzunehmen.
In London, wo Gellibrand im Jahre 1625 zuer&longs;t
genaue Beobachtungen angefangen, und in die&longs;er Ab&longs;icht
eine eigne Mittagslinie gezogen hat, war die Abweichung
der Nadel nach Halley (Philo&longs;. Trans. n. 195. p. 564.)
Wenn man aus mehrern an vielerley Orten der Welt
ange&longs;tellten Beobachtungen auf einer Landkarte die Orte
bemerkt, an welchen die Magnetnadel für eine gewi&longs;&longs;e Zeit
einerley Abweichung gehabt hat, und durch die&longs;e Orte Linien
zieht, &longs;o kommen ver&longs;chiedene be&longs;onders gekrümmte
Züge, Abweichungslinien, zum Vor&longs;chein, welche &longs;ich
auf gewi&longs;&longs;e Gegenden zu beziehen &longs;cheinen. Halley hat
dies zuer&longs;t entdeckt, und eine &longs;olche für das Jahr 1700 eingerichtete
Karte verzeichnet, welche &longs;ich in den Philo&longs;.
Transact. no. 195, ingleichen in den Mi&longs;cellaneis curio&longs;is
Vol. l. p. 80, und in Mu&longs;&longs;chenbroeks oben angeführter
Di&longs;&longs;. de Magnete findet. Eine neuere für das Jahr 1772
hat Lambert aus den neu&longs;ten Beobachtungen entworfen,
und ich habe &longs;ie hier Taf. II. aus dem Berliner a&longs;tronomi&longs;chen
Jahrbuche für 1779 mitgetheilet. Aus der Betrachtung
die&longs;er Karte la&longs;&longs;en &longs;ich für das Jahr 1770 folgende
merkwürdige Sätze ziehen:
1. In ganz Europa, Afrika, dem ö&longs;tlichen Theile von
Nordamerika und dem &longs;üdlichen Theile von A&longs;ien, neb&longs;t den
angrenzen den Meeren war die Abweichung der Nadel durchaus
we&longs;tlich.
2. Im Ocean, we&longs;twärts von Grosbritannien, und o&longs;twärts vom Vorgebirge der guten Hoffnung, war &longs;ie am größten, und betrug da&longs;elb&longs;t 25°.
3. Die bey den für die Abweichung von 15° gezognen
Linien kreuzen &longs;ich mitten in Afrika. Die&longs;e Linien &longs;ind
zwar nicht unmittelbar aus Beobachtungen be&longs;timmt, die
in Afrika &longs;elb&longs;t ange&longs;tellt wären; aber &longs;ie haben doch ohne
Verletzung der Analogie nicht anders können gezogen
werden.
4. Vom weißen Meere aus geht durch A&longs;ien, das &longs;üdliche China und die philippini&longs;chen In&longs;eln eine Linie, in welcher gar keine Abweichung &longs;tatt findet.
5. Die&longs;er Linie gegen Morgen fängt die Abweichung
an ö&longs;tlich zu werden, und bleibt dies bis an eine Linie,
welche von Florida aus an der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te hin bis
an den er&longs;ten Meridian unter 40° &longs;üdlicher Breite geht,
in welcher Linie wiederum gar keine Abweichung i&longs;t.
6. Die größte ö&longs;tliche Abweichung von 25° findet unterhalb der &longs;üdlichen Spitze von Amerika &longs;tatt.
7. Halley hatte in &longs;einer Karte die Linien für die
größten Abweichungen von 25°, bey Afrika und Amerika
um 15° weiter gegen Morgen, bey Grosbritannien
40 — 50° weiter gegen Abend ge&longs;etzt, wie die
punktirten Linien der Karte andeuten; um &longs;o viel haben
&longs;ich al&longs;o die&longs;e Linien &longs;eit 70 Jahren verrückt.
Eben dergleichen Abweichungslinien &longs;ind auch für das
Jahr 1744 auf einer von Mountaine und Dod&longs;on
entworfenen Karte (&longs;. Philo&longs;. Transact. Vol. L. P.I. p.
329), und für 1755 auf einer von Zegoll&longs;tröm (Di&longs;&longs;. de
theoria decl. magn. Vp&longs;al.), ingleichen auf des Herrn Profe&longs;&longs;or
Funk zu Leipzig Karten unter dem Titel: Die nördliche
und &longs;üdliche Erdoberfläche auf die Ebne des
Aequators projicirt. Leipzig, 1781. verzeichnet.
Man hat die Abweichung der Magnetnadel und deren Veränderungen durch ver&longs;chiedene Hypothe&longs;en zu erklären ver&longs;ucht. Anfänglich, als die beobachteten Veränderungen noch gering waren, &longs;chrieb man die&longs;elbe, &longs;o wie die ganze Abweichung, nur der größern oder geringern Kraft des Magnets, mit dem die Nadel be &longs;trichen worden, zu oder auch dem Um&longs;tande, daß die Nadeln bald näher an den Polen des Magnets, bald weiter von den&longs;elben, ge&longs;trichen würden. Man glaubte nemlich, eine genau an dem Pole eines &longs;tarken Magnets ge&longs;trichene Nadel werde gar keine Abweichung zeigen. Die&longs;e Meynungen aber wurden gar bald durch die Erfahrung widerlegt.
William Gilbert (De magnete magneticisque
corporibus, et de magno magnete tellure phy&longs;iologianova. Lond. 1600. fol.), der Er&longs;te, der gründlich über den
Magnet ge&longs;chrieben, und keine Thorheiten mehr darüber
vorgebracht hat, nahm an, die Erde &longs;ey ein Magnet das Wa&longs;&longs;er
aber nicht; folglich mü&longs;&longs;en &longs;ich die Nadeln überall nach
derjenigen Gegend kehren, nach welcher das mei&longs;te und
näch&longs;te Land liege. Nach die&longs;er Voraus&longs;etzung müßte in
den Azori&longs;chen In&longs;eln, welche von Afrika und Amerika
beynahe gleich weit entfernt liegen, gar keine, von ihnen
gegen Afrika zu eine ö&longs;tliche, und gegen Amerika zu eine
we&longs;tliche Abweichung &longs;tatt finden. Am Vorgebirge der
guten Hofnung mü&longs;te wiederum gar keine oder nur eine &longs;ehr
geringe Abweichung &longs;eyn, weil die Nadel von beyden Seiten
des fe&longs;ten Landes gleich &longs;tark angezogen würde u. &longs;. f.
Die&longs;es &longs;chien auch mit den damals bekannten wenigen Beobachtungen
der O&longs;tindienfahrer ziemlich übereinzu&longs;timmen;
aber Halley &longs;etzt die&longs;er Theorie das Bey&longs;piel der bra&longs;iliani&longs;chen
Kü&longs;te entgegen, an welcher &longs;ich die Nadel ganz
vom Lande abwendet, und gegen O&longs;ten abweicht, da doch
das Land der Kü&longs;te we&longs;twärts liegt.
Descartes &longs;uchte die Ur&longs;ache der Abweichung in den
Ei&longs;enerzen und Magneten, welche im Inner&longs;ten der
Erde und im Meergrunde verborgen lägen; Auzout darin,
daß der Strom der magneti&longs;chen Materie durch die
in der Erde ent&longs;tandenen natürlichen und kün&longs;tlichen Aushöhlungen
ge&longs;tört, und von &longs;einem eigentlichen Wege abgelenkt
werde; Hevel in einem Schwanken der Erde, und
dergleichen; aber alle die&longs;e Hypothe&longs;en &longs;ind von Halley und
Mu&longs;&longs;chenbroek gründlich widerlegt worden, und fallen
von &longs;elö&longs;t zu Boden, wenn man nur einen Blick auf Halley's
oder Lamberts Karte wirft und bemerkt, wie viel
Regelmäßiges und welche geometri&longs;che Beziehung auf gewi&longs;&longs;e
Punkte aus dem ganzen Abweichungs&longs;y&longs;teme unverkennbar
hervorleuchte.
Halley &longs;etzte daher an die Stelle der vorigen eine neue
Theorie (A theory of the variation of the magnetical
compa&longs;s by Mr. Edmund Halley, in Philo&longs;. Transact.
num. 143. pag. 208), die er auf eine zahlreiche Sammlung
von Beobachtungen baute, aus welchen er auch &longs;eine
1. In ganz Europa i&longs;t jetzt die Abweichung we&longs;tlich,
gegen Morgen zu &longs;tärker, als gegen Abend, &longs;cheint
auch durchgängig von Abend gegen Morgen zuzunehmen.
2. An der Kü&longs;te von Nordamerika i&longs;t die Abweichung
ebenfalls we&longs;tlich, und wird größer, je weiter man
gegen Norden geht, &longs;o daß &longs;ie in Neufowndland 20, in der
Hud&longs;ons&longs;traße 30, in der Baffinsbay &longs;ogar 57 Grad beträgt;
&longs;ie wird hingegen geringer, je weiter man von die&longs;er
Kü&longs;te o&longs;twärts &longs;egelt. Hieraus folgert Halley, daß
irgendwo zwi&longs;chen Europa und Nordamerika, vielleicht
um die In&longs;el Terceira, eine ö&longs;tliche Abweichung, oder wenig&longs;tens
keine we&longs;tliche mehr, &longs;tatt finden mü&longs;&longs;e.
3. An der Kü&longs;te von Bra&longs;ilien i&longs;t die Abweichung
ö&longs;tlich, und wäch&longs;t weiter &longs;üdwärts immer mehr, &longs;o daß
&longs;ie bey Cap Frio 12, und beym Platafluß 20 1/2 Grad beträgt.
Südwe&longs;twärts nach der magellani&longs;chen Straße zu
nimmt &longs;ie wieder ab, und i&longs;t an der we&longs;tlichen Einfahrt der
Straße nur 14 Grad.
4. O&longs;twärts von Bra&longs;ilien nimmt die&longs;e ö&longs;tliche Abweichung
ab, wird bey St. Helena und A&longs;cen&longs;ion &longs;ehr gering,
und verliert &longs;ich endlich 18 Grad we&longs;twärts vom
Cap der guten Hoffnung ganz und gar.
5. Noch weiter o&longs;twärts fängt wieder eine we&longs;tliche
Abweichung an, welche &longs;ich durch den ganzen indi&longs;chen
Ocean er&longs;treckt, und unter dem Aequator in dem Mittagskrei&longs;e
von Madaga&longs;car bis auf 18 Grad &longs;teigt. In
eben die&longs;em Mittagskrei&longs;e, unter dem 30&longs;ten Grade &longs;üdlicher
Breite, findet &longs;ie &longs;ich 27 1/2 Grad, und nimmt von hier
aus ab, &longs;o daß &longs;ie bey Cap Comorin nur 8, an der Kü&longs;te
von Iava nur 3 Grad beträgt, und endlich in den Molucken,
&longs;o wie auch we&longs;twärts von Van Diemensland,
ganz ver&longs;chwindet.
6. Weiter o&longs;twärts ent&longs;teht unter &longs;üdlicher Breite eine
neue ö&longs;tliche Abweichung, die aber weder &longs;o &longs;tark, nochRotterdam i&longs;t &longs;ie &longs;chon merklich kleiner, als an der
Kü&longs;te von Neuguinea, und nach dem Verhältni&longs;&longs;e, in
welchen &longs;ie abnimmt, läßt &longs;ich annehmen, daß 20 Grad
weiter o&longs;twärts, oder bey 225 Grad Länge von London
aus, unter dem 20&longs;ten Grade &longs;üdlicher Breite wiederum
eine we&longs;tliche Abweichung anfange.
7. Die Abweichungen in Baldivia und der magellani&longs;chen
Straße zeigen, daß die Num. 3. angeführte ö&longs;tliche
Abweichung &longs;ehr &longs;chnell abnehme, und &longs;ich wahr&longs;cheinlicher
Wei&longs;e nur bis auf einige Grade über die Kü&longs;ten von
Peru und Chili hinaus in die Süd&longs;ee er&longs;trecke, wo denn
wieder eine we&longs;tliche Abweichung in der Gegend der unbekannten
Länder zwi&longs;chen Chili und Neu&longs;eeland anfangen
muß.
8. Von St. Helena nordwe&longs;twärts bis an den Aequator bleibt die Abweichung ö&longs;tlich, aber &longs;ehr gering und immer gleich groß, daß al&longs;o in die&longs;er Gegend die Linie, in welcher die Abweichung Null i&longs;t, nicht nach der Mittagslinie, &longs;ondern nach Nordwe&longs;t geht.
9. Die Einfahrt der Hud&longs;ons&longs;traße und die Mündung
des Plata liegen beynahe unter einerley Meridian;
dennoch weicht die Nadel an dem einen Orte 19 1/2 Grad
we&longs;tlich, am andern 20 1/2 Grad ö&longs;tlich ab.
Aus die&longs;en Sätzen nun zog Halley die Hypothe&longs;e,
die Erdkugel &longs;ey ein großer Magnet mit vier magneti&longs;chen
Polen oder Anziehungspunkten, von
denen je zween und zween nahe an jedem Pole
des Aequators lägen. An den Orten, welche &longs;ich
nahe an einem die&longs;er magneti&longs;chen Pole befänden, richte
&longs;ich die Nadel nach dem&longs;elben, und überhaupt behalte jederzeit
der nähere Pol die Oberhand über den entferntern.
Den Pol, der un&longs;ern Ländern am näch&longs;ten ligt, &longs;etzt
Halley in den Meridian von Lands-end, nicht über 7
Grad vom Nordpole entfernt. Die&longs;er be&longs;timme die Abweichung
der Nadel in Europa, der Tartarey und demEismeere, obgleich auch mit Beziehung auf den andern
Nordpol, der ohngefähr in den mitten durch Californien
gehenden Meridian, 15 Grad vom nördlichen Erdpole falle.
Nach die&longs;em richte &longs;ich die Nadel haupt&longs;ächlich in Nordamerika
und den daran&longs;toßenden Meeren von den Azoren
we&longs;twärts bis Japan.
Die beyden &longs;üdlichen Pole &longs;ollen vom Südpole der Erde
etwas weiter ab&longs;tehen. Der eine wird 16 Grad weit
vom Südpole in einen 20 Grad we&longs;twärts von der magellani&longs;chen
Straße ab&longs;tehenden Meridian ge&longs;etzt, und &longs;oll
die Nadel in Südamerika, der Süd&longs;ee und einem gro&longs;&longs;en
Theile des äthiopi&longs;chen Meeres lenken. Der vierte
bekömmt &longs;eine Stelle 20 Grad weit vom Südpole in
dem Meridiane, der 120 Grad o&longs;twärts von London durch
Neuholland und die In&longs;el Celebes geht. Die Kraft
die&longs;es Poles &longs;oll, weil er am weit&longs;ten vom Pole der Erde
ab&longs;teht, überall den &longs;tärk&longs;ten Einfluß haben, und &longs;ich über
den &longs;üdlichen Theil von Afrika und A&longs;ien und die daran
grenzenden Meere er&longs;trecken. Dies i&longs;t nun nach Halley
die Stellung des Magnetismus der Erde für das Jahr
1700, aus welcher er die aus den Beobachtungen gezognen
Sätze auf folgende Art erklärt.
1. Den europäi&longs;chen Pol im Meridiane von Landsend
in England haben alle Orte in Europa auf der We&longs;t&longs;eite
ihres Meridians. Sie mü&longs;&longs;en al&longs;o eine we&longs;tliche
Abweichung haben, welche immer größer wird, je weiter
man o&longs;twärts geht.
2. Auf der We&longs;t&longs;eite des Meridians von Lands-end
würde die Nadel eine ö&longs;tliche Abweichung erhalten, wofern
&longs;ie nicht wegen der Annäherung des amerikani&longs;chen
Nordpols, der etwas mehr Kraft, als der er&longs;tere, zu be&longs;itzen
&longs;cheint, we&longs;twärts gezogen würde, welcher Zug auch
unter dem Meridian von Lands-end &longs;elb&longs;t noch einige we&longs;tliche
Abweichung verur&longs;acht. In der Gegend des Meridians
von Terceira mag vielleicht der europäi&longs;che Pol &longs;oviel
überwiegen, daß da&longs;elb&longs;t eine ö&longs;tliche, oder wenig&longs;tens
keine we&longs;tliche Abweichung mehr, &longs;tatt findet. We&longs;twärts
von den Azoren aber überwiegt der amerikani&longs;che Pol, undwe&longs;tliche Abweichung wieder ab, i&longs;t in
dem Meridian, der durch Californien geht, Null, und
muß weiter we&longs;twärts gegen Yed&longs;o und Japan ohne Zweifel
ö&longs;tlich &longs;eyn, bis &longs;ie wieder der durch den europäi&longs;chen
verur&longs;achten we&longs;tlichen begegnet.
3. Gegen den Südpol zu erfolgen ähnliche Wirkungen,
nur daß hier der Nadel &longs;üdliche Spitze angezogen wird.
Liegt al&longs;o der magneti&longs;che Pol 20 Grad we&longs;twärts von der
magellani&longs;chen Straße, &longs;o muß die Abweichung an der bra&longs;iliani&longs;chen
Kü&longs;te, dem Plataflu&longs;&longs;e u. &longs;. w. ö&longs;tlich &longs;eyn,
und &longs;ich über einen großen Theil des äthiopi&longs;chen Meeres
er&longs;trecken.
4. Endlich aber wird &longs;ie noch weiter o&longs;twärts von der
Kraft des a&longs;iati&longs;chen Südpols überwogen, welches ohngefähr
zwi&longs;chen dem Cap der guten Hoffnung und den In&longs;eln
des Tri&longs;tan d'Aeunha ge&longs;chieht.
5. Noch weiter o&longs;twärts zieht der a&longs;iati&longs;che Pol die
&longs;üdliche Spitze der Nadel, und verur&longs;acht dadurch eine
we&longs;tliche Abweichung, welche wegen der weiten Entfernung
die&longs;es Pols vom Südpole der Erde &longs;tark &longs;eyn und &longs;ich
&longs;ehr weit er&longs;trecken muß, bis &longs;ie endlich in den Molucken
um den Meridian der In&longs;el Celebes, in welchem die&longs;er
Pol &longs;elb&longs;t liegt, ver&longs;chwindet, und einer neuen ö&longs;tlichen
Raum giebt.
6. Die&longs;e ö&longs;tliche Abweichung reicht ohngefähr bis in
die Mitte der Süd&longs;ee.
7. Hier fängt, wegen der Wirkung des amerikani&longs;chen
Südpols, zwi&longs;chen Neu&longs;eeland und Chili wieder
eine we&longs;tliche an.
8. In der heißen Zone, und be&longs;onders unter dem Aequator,
muß man auf alle vier Pole &longs;ehen. So i&longs;t z. B.
in dem von St. Helena nordwe&longs;twärts gerichteten Striche
die Abweichung ö&longs;tlich und &longs;ehr gering, weil hier dieamerikani&longs;chen Südpols, der die&longs;en Gegenden
am näch&longs;ten liegt, und eigentlich eine große ö&longs;tliche Abweichung
verur&longs;achen &longs;ollte, durch die entgegenge&longs;etzten
vereinten Wirkungen des amerikani&longs;chen Nordpols und
des a&longs;iati&longs;chen Südpols ge&longs;chwächt wird, der europäi&longs;che
Nordpol aber ohnehin beynahe in den Meridian die&longs;er
Gegenden &longs;elb&longs;t fällt.
9. Auch wird hieraus begreiflich, wie die Abweichung
unter einerley Meridiane an einem Orte ö&longs;tlich, am
andern we&longs;tlich &longs;eyn kan.
So erklärt Halley den Zu&longs;tand der Abweichungen für
das Jahr 1700. Weil er aber auch auf die Veränderungen
der Abweichung &longs;ehen, und al&longs;o nothwendig eine
Bewegung &longs;einer magneti&longs;chen Pole annehmen mu&longs;te, wobey
die Fragen ent&longs;tanden: ob &longs;ich alle vier Pole zugleich,
ob &longs;ie &longs;ich um die Pole der Erde, und mit welcher Ge&longs;chwindigkeit
&longs;ie &longs;ich bewegten, &longs;o &longs;uchte er die&longs;e Fragen in
einem andern Auf&longs;atze (An account of the cau&longs;e of the
change of the variation of the magnetical needle, by
Edm. Halley, in den
Der äußere Theil der Erde macht nach &longs;einer Meynung
nur eine Rinde aus, um&longs;chließt einen concentri&longs;chen kugelförmigen
Kern, und der Raum zwi&longs;chen beyden i&longs;t mit
einer flüßigen Materie angefüllt. Kern und Rinde drehen
&longs;ich zwar beyde täglich um ihre Axen, aber die Umdrehungszeit
des Kerns i&longs;t von der Umdrehungszeit der Rinde um
ein kleines Zeittheilchen unter&longs;chieden; die&longs;er Unter&longs;chied
wird nach oft wiederholter Umdrehung merklich, und die
Stellen der Rinde treffen alsdann nicht mehr mit den vorigen
Stellen des Kerns zu&longs;ammen.
Nimmt man nun an, beydes Rinde und Kern &longs;eyen
Magnete mit zween Polen, &longs;o ändern fich| freylich die
Stellungen die&longs;er vier Pole gegen einander, und wenn
man, wie natürlich, die Pole der Rinde als die unbeweglichen
betrachtet, &longs;o muß man alsdann den Polen
des Kerns eine be&longs;tändige Bewegung beylegen. Unter
den Nordpolen i&longs;t der bewegliche der europäi&longs;che,amerikani&longs;che, weil in den Gegenden
um die&longs;e Pole die Veränderungen am größten &longs;ind.
Die Bewegung geht nach We&longs;ten; al&longs;o bleibt die innere
Kugel, bey der täglichen Umdrehung von We&longs;ten nach
O&longs;ten, ein wenig zurück, welches davon herkommen kan,
daß beym er&longs;ten Anfange der Umdrehung der der äußern
Rinde ertheilte Stoß &longs;ich dem Kerne nicht ganz hat mittheilen
können. Um die Erdaxe &longs;cheint die&longs;e Bewegung nicht
zu gehen, weil &longs;on&longs;t die Abweichungen in einem Parallelkrei&longs;e
immer die&longs;elben bleiben, und nur von einem Punkte
zu andern fortrücken müßten; welches doch der Erfahrung
nicht gemäß i&longs;t. Da die&longs;e Bewegung &longs;ehr lang&longs;am i&longs;t, &longs;o
läßt &longs;ich aus &longs;o wenigen und neuen Beobachtungen nichts
Zuverläßiges über die Dauer ihrer Periode be&longs;timmen; doch
&longs;cheint &longs;ich der amerikani&longs;che Pol in 90 Jahren um 46
Grad we&longs;twärts bewegt zu haben, woraus &longs;ich die Dauer
der Umlaufszeit ohnge&longs;ähr auf 700 Jahre &longs;etzen
ließe.
So weit Halley. Man kan dem Scharf&longs;inne und
geometri&longs;chen Gei&longs;te, mit welchem er aus &longs;o vielen ohne
Ordnung durch einander liegenden Beobachtungen die Linien
&longs;einer Karte gezogen, und &longs;eine Schlü&longs;&longs;e hergeleitet
hat, die verdiente Bewunderung nicht ver&longs;agen; aber
die Hypothe&longs;e von vier Polen, deren zween beweglich &longs;ind,
und die daraus ent&longs;prungene Idee von Kern und Rinde
bringen etwas Sonderbares und Unwahr&longs;cheinliches in &longs;eine
Erklärung.
Der jüngere Herr Euler (Recherches &longs;ur la declinai&longs;on
de l'aiguille aimantée, in Mémoires de l' acad. des
Sc. à Berlin, ann. 1757. p. 175) hat daher zu zeigen ge&longs;ucht,
daß man zu Erklärung der beobachteten Abweichungen
keinesweges nöthig habe, vier Pole anzunehmen, indem
&longs;ich von allen Er&longs;cheinungen aus dem Da&longs;eyn zweener Pole
Rechen&longs;chaft geben la&longs;&longs;e. Er berechnet zu dem Ende Formeln,
wodurch &longs;ich die halleyi&longs;chen Abweichungslinien aus
der gegebenen Lage zweener magneti&longs;cher Pole würden be&longs;timmen
la&longs;&longs;en, wenn die&longs;e Pole 1) einander nach dem
Durchme&longs;&longs;er entgegenge&longs;etzt, 2) in zween entgegenge&longs;etztenMountaine und Dod&longs;on. Er theilt die Zeichnung einer
nach &longs;einen Formeln entworfenen Karte mit, in welcher
der magneti&longs;che Nordpol über Amerika, der Südpol hingegen
unter Neu&longs;eeland fällt, und die Abweichungslinien
für 12° 5′ ö&longs;tliche Declination &longs;ich einmal im rothen
Meere, das anderemal we&longs;twärts von Californien nahe am
Wendekrei&longs;e kreuzen. Die Linien, in welchen gar keine
Abweichung &longs;tatt findet, fallen bloß etwas weiter o&longs;twärts,
als in der Taf. II. mitgetheilten Karte des Herrn Lambert.
Nach Herrn Eulers eigner Vermuthung würden &longs;eine
Formeln mit den Beobachtungen noch be&longs;&longs;er überein&longs;timmen,
wenn er den Nordpol 17 und den Südpol 40 Grad von
den Polen der Erde entfernt hätte. Es i&longs;t al&longs;o durch die&longs;e
Bemühungen des Herrn Euler wenig&longs;tens &longs;o viel erwie&longs;en,
daß es überflüßig &longs;ey, vier magneti&longs;che Pole anzunehmen.
Unter den ungedruckten Abhandlungen des großen göttingi&longs;chen
A&longs;tronomen, Tobias Mayers, befindet &longs;ich
eine über den Magnet, welche er der da&longs;igen Societät der
Wi&longs;&longs;en&longs;ch aften im Jahre 1762 vorgele&longs;en hat. Den
Nachrichten der Herren Erxleben und Lichtenberg zufolge
(&longs;. Erxlebens Anfangsgr. der Naturlehre nach der
Lichtenbergi&longs;chen Ausgabe, §. 709.) erklärt Mayer da&longs;elb&longs;t
die Er&longs;cheinung &longs;ehr natürlich daraus, daß in der Erde
ein Magnet anzutreffen &longs;ey, den man in Vergleichung mit
der Erde &longs;elb&longs;t für unendlich klein annehmen könne. Die&longs;er
Magnet liege vom Miitelpunkte der Erde etwa 120 Meilen
weit entfernt nach dem Theile der Erde zu, den das &longs;tille
Meer bedecke. Eine gerade Linie durch die Mittelpunkte
die&longs;es Magnets und der Erde &longs;chneide die Erdfläche
in einer Länge von 201 Graden von der In&longs;el Ferro,
und unter 17 Grad nördlicher Breite. Der Magnet
Aus die&longs;er Hypothe&longs;e folgert Mayer Größen der Abweichungen
für ver&longs;chiedene Orte der Erde, welche von den
wirklich beobachteten nicht &longs;ehr unter&longs;chieden &longs;ind. So findet
er z. B. die Abweichung für Paris 14° 2′, für Berlin
12° 2′ we&longs;tlich, da man &longs;ie um das Jahr 1760 am er&longs;ten
Orte gegen 18°, am zweyten 12° 40′ gefunden hat. Nach
Herrn Lichtenbergs richtigem Urtheile muß man eine &longs;olche
Ueberein&longs;timmung bewundern, wenn man bedenkt, was
für unvollkommne Beobachtungen Mayer bey Fe&longs;t&longs;etzung
der Hauptgrößen &longs;einer Hypothe&longs;e zum Grunde legen mußte.
Man kan al&longs;o Mayers Erklärung wenig&longs;tens als eine
gute Vor&longs;tellungsart von der Ur&longs;ache der Abweichungen
gelten la&longs;&longs;en, um in Zukunft mehrere Beobachtungen damit
zu vergleichen, und &longs;ie nach den&longs;elben zu berichtigen,
und zu prüfen. Es i&longs;t nicht zu zweifeln, daß man durch
häufigere und genauere Beobachtungen mehr Licht über die
Ur&longs;achen der Abweichungen erhalten werde, wenn man auf
dem von Halley, Euler und Mayer vorgezeichneten Wege
fortgehen wird, auf welchem Geometrie und Analy&longs;is
&longs;o wirk&longs;ame Unter&longs;tützungen darbieten.
Man hat kugelrunde Magnete unter dem Namen der
Terrellen (terrellae) gemacht, um durch Beobachtung
der Stellungen des Compa&longs;&longs;es an ver&longs;chiedenen Punkten
der&longs;elben, die Phänomene der Abweichung an ver&longs;chiedenen
Stellen der Erde zu erklären. Sie haben aber noch
wenig Dien&longs;te gelei&longs;tet. Zwar ver&longs;ichert Adams (E&longs;&longs;ay
on megnetism, in &longs;einem
Außer der bekannten immer fortgehenden Veränderung
hat &longs;chon Graham im Jahre 1722 noch eine tägliche
periodi&longs;che Veränderung in der Abweichung der Magnetnadel
entdeckt, über welche Wargentin und Canton weitere
Beobachtungen ange&longs;tellt haben. Der Letztere theilte
&longs;eine Ver&longs;uche hierüber im Jahre 1759 der königlichen
Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu London mit. (An attempt
to account for the regular diurnal variation of
the horizontal magnetic needle, by Iohn Canton, in
Philo&longs;. Transact. Vol. LI. P. I. p. 398). Er hatte &longs;eine Beobachtungen
vom Ende des Jahres 1756 an, 603 Tage
lang fortge&longs;etzt, und die&longs;e tägliche Veränderung an 574
Tagen regelmäßig gefunden. Die we&longs;tliche Abweichung
der Nadel nahm von 8 oder 9 Uhr Morgens bis 1 oder 2 Uhr
Nachmittags zu; alsdann &longs;tand die Nadel eine Zeitlang
&longs;till, endlich gieng &longs;ie wieder zurück, bis &longs;ie in der Nacht
oder am näch&longs;ten Morgen wieder in ihre vorige Stelle zurückkam.
Die&longs;e tägliche Veränderung der Abweichung erklärt
Canton aus dem Satze, daß die anziehende Kraft des
Magnets durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Er bewei&longs;et
die&longs;en Satz durch folgende Ver&longs;uche. Er &longs;tellte an die
Gegend O&longs;t-Nord-O&longs;t eines Compa&longs;&longs;es einen kleinen
Magnet, &longs;o weit ab, daß die Kraft &longs;eines Südpols gerade
im Stande war, den Nordpol der Nadel auf Nord-
O&longs;t, oder auf 45° zu halten. Die&longs;en Magnet be&longs;chwerte
er mit einem Gewichte von 16 Unzen, und goß 2 Unzen
&longs;iedendes Wa&longs;&longs;er in da&longs;&longs;elbe, wodurch der Magnet 7—8
Minuten lang erhitzt ward. Während die&longs;er Zeit gieng
die Nadel 3/4 Grad we&longs;twärts, binnen 9 Minuten kam &longs;ie
Aus die&longs;en Ver&longs;uchen i&longs;t klar, daß die magneti&longs;che
Anziehung durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Wenn
nun, &longs;agt Canton, die magneti&longs;chen Theile der Erde auf
der O&longs;t&longs;eite Vormittags von der Sonne eher erwärmt werden,
als die auf der We&longs;t&longs;eite, &longs;o i&longs;t es klar, daß &longs;ich die
Nadel mehr we&longs;twärts bewegen muß; wenn die Wärme
der anziehenden Theile auf jeder Seite gleich &longs;tark zunimmt,
&longs;o muß die Nadel &longs;till &longs;tehen, und die Abweichung ein
Größtes &longs;eyn; wenn die we&longs;tlichen Theile &longs;chneller erwärmt
werden, oder lang&longs;amer abkühlen, als die ö&longs;tlichen, &longs;o muß
die we&longs;tliche Abweichung der Nadel wieder kleiner werden,
und ein Klein&longs;tes &longs;eyn, wenn die Theile auf beyden Seiten
gleich ge&longs;chwind abkühlen. Auch muß nach die&longs;er Theorie
die tägliche Veränderung im Sommer größer, als im
Winter, &longs;eyn; &longs;ie i&longs;t auch in der That im Iunius und Iulius
fa&longs;t doppelt &longs;o groß, als im December und Januar,
gefunden worden.
Unregelmäßige kleine Veränderungen der Abweichung
hat Canton &longs;eltner, etwa zwey-bis dreymal|monatlich,
und fa&longs;t jederzeit mit einem Nordlichte begleitet gefunden.
Er i&longs;t geneigt, &longs;ie aus plötzlichen Veränderungen der unterirdi&longs;chen
Einige Kün&longs;tler haben &longs;ich bemüht, Nadeln oder magneti&longs;che
Ringe zu verfertigen, welche die Mittagslinie ohne
Abweichung zeigten. Mu&longs;&longs;chenbroeks Ver&longs;uche
hierüber &longs;ind vergeblich gewe&longs;en. Le Maire, ein franzö&longs;i&longs;cher
Kün&longs;tler, verfertigte neuerlich nach Bri&longs;&longs;ons Zeugniß
(Dictionnaire rai&longs;onné de phy&longs;ique, art. Aimant)
&longs;piralförmige Nadeln und magneti&longs;che Ringe, deren Pole &longs;o
ge&longs;tellt waren, daß &longs;ie einander &longs;törten, und dadurch
Ein größter Kreis der Himmelskugel,
welcher durch die beyden Pole und ein Ge&longs;tirn geht. So
i&longs;t Taf. I. Fig. 5. PSDp der Abweichungskreis des Ge&longs;tirns
S. &longs;. Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che.
Wenn das Ge&longs;tirn in den Mittagskreis kömmt, &longs;o i&longs;t
die&longs;er mit dem Abweichungskrei&longs;e einerley. Auch &longs;ind die
Abweichungskrei&longs;e einerley mit den Stundenkrei&longs;en, welche
ebenfalls durch beyde Pole gehen. Wenn z. B. das Ge&longs;tirn
vor einer Stunde durch den Mittagskreis gegangen
i&longs;t, &longs;o fällt &longs;ein Abweichungskreis auf den er&longs;ten Stundenkreis
u. &longs;. w. Nur bleiben die Stundenkrei&longs;e unbeweglich,
die Abweichungskrei&longs;e hingegen gehen mit der täglichen Bewegung
der Ge&longs;tirne fort. &longs;. Stundenkreis.
Accord, &longs;. Con&longs;onanz.
Tubi achromatici,
Lunettes achromatiques, hei&longs;&longs;en diejenigen Fernröhre, in
welchen die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit
der Licht&longs;tralen,
Newton, der die ver&longs;chiedene Brechbarkeit der Licht&longs;tralen
entdeckt, und die daraus ent&longs;tehende Abweichung der
Glä&longs;er mit Recht für die Hauptur&longs;ache der Undeutlichkeit in
den Fernröhren erkannt hatte, ließ &longs;ich bey die&longs;er wichtigen
Entdeckung dennoch zu einem Irrthume verleiten. Er
glaubte nemlich, die ver&longs;chiedenen bey der Brechung von
einander ge&longs;onderten Farben&longs;tralen würden von allen brechenden
Mitteln in einerley allgemeinem Verhältni&longs;&longs;e zer&longs;treut;
wenn al&longs;o die Brechung der Stralen von der mittlern
Gattung be&longs;timmt &longs;ey, &longs;o &longs;ey dadurch auch die Brechung
derer von den äußer&longs;ten Gattungen, d. i. der rothen
und violetten gegeben, das brechende Mittel möchte
&longs;eyn, welches man wolle. Die&longs;en Satz &longs;ahe er als eine
nothwendige Folge eines &longs;einer Ver&longs;uche an. Er glaubte
nemlich gefunden zu haben (Newtoni Optice lat. redd. a
Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. L. I. Part. II. Exp. 8.),
daß das Licht, durch wie vielerley ver&longs;chiedene brechende Mittel
es auch immer gehen möchte, allezeit weiß bleibe, wenn
des Strales Richtung beym Ausgange der beym Eingange
parallel &longs;ey; hingegen allezeit in Farben zer&longs;treut werde,
wenn der ausgehende Stral eine andere Richtung nehme,
als er beym Eingange gehabt habe. Weil nun aus dem
Objectivgla&longs;e eines Fernrohrs die von entlegnen Punkten
einfallenden Stralen &longs;o ausgehen mü&longs;&longs;en, daß &longs;ie nach dem
Brennraume zu&longs;ammenlaufen, und al&longs;o ihre Richtung beym
Ausgange nie mit ihrer Richtung beym Eingange in das
Glas parallel bleiben kan, &longs;o hielt er es für eine ent&longs;chiedene
Unmöglichkeit, durch das Objectivglas eines Fernrohrs
wei&longs;&longs;es Licht und ungefärbte Bilder zu erhalten. Er
zog daher &longs;eine Gedanken von Verbe&longs;&longs;erung der Objectivglä&longs;er
gänzlich ab, und verwendete alle &longs;eine Bemühungen
blos auf die Spiegeltele&longs;cope.
Bey dem großen An&longs;ehen, in welchem Newtons
Behauptungen und Ver&longs;uche &longs;tanden, blieb die Frage von
Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey Objectivglä&longs;ern
auf achtzig Jahre lang unberührt, bis endlich EulerSur la perfection des verres objectifs des lunettes par
M. Euler, in den
”Schon Newton, &longs;agt Euler, hat vermuthet,
”daß Objectivglä&longs;er aus zwo Lin&longs;en, deren Zwi&longs;chenraum
”mit Wa&longs;&longs;er angefüllt wäre, zur Verbe&longs;&longs;erung der Fern”röhren
in Ab&longs;icht auf die Abweichung wegen der
”Ge&longs;talt der Glä&longs;er dienen könnten: aber den Gedan”ken,
daß man durch eben die&longs;es Mittel den Raum ver”kleinern
könne, durch welchen &longs;ich die Vereinigungspunkte
”der ver&longs;chiedenen Farben&longs;tralen ausbreiten, &longs;cheint er da”bey
ganz und gar nicht gehabt zu haben. Mir hingegen
”i&longs;t es &longs;ogleich vom|er&longs;ten Anfange wahr&longs;cheinlich gewe&longs;en,
”daß man durch gewi&longs;&longs;e Zu&longs;ammen&longs;etzungen ver&longs;chiede-
”ner durch&longs;ichtiger Mittel auch die&longs;em Fehler werde abhel”fen
können, und ich bin überzeugt, daß die ver&longs;chie-
”denen Feuchtigkeiten in un&longs;erm Auge &longs;o geord-
”net &longs;ind, daß durch die&longs;elben die Ausbreitung
”und Zer&longs;treuung der Vereinigungspunkte gänz-
”lich gehoben wird. Dies i&longs;t, &longs;o viel ich glaube, eine
”ganz neue Seite, von welcher der Bau des Auges un&longs;ere
”Bewunderung verdient: denn wäre es nur darauf ange”kommen,
Bilder der Gegen&longs;tände im Auge darzu&longs;tellen,
”&longs;o wäre dazu ein einziger durch&longs;ichtiger Körper hinreichend
”gewe&longs;en, wofern er nur die dazu nöthige Ge&longs;talt gehabt
”hätte: &longs;ollte aber das Auge ein vollkommnes Werkzeug
”&longs;eyn, &longs;o mußten mehrere ver&longs;chiedene durch &longs;ichtige Ma”terien
dazu gebraucht, und in gehöriger Ge&longs;talt nach den
”Regeln der erhaben&longs;ten Geometrie verbunden werden, da”mit
die Deutlichkeit des Bildes nicht durch die ver&longs;chie”deneEulern höchft rühmlich;
inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;ie &longs;chon läng&longs;t vor ihm von David Gregory
(Catoptricae et Dioptricae elementa, Oxon. 1697.
8.) gemacht, und als Vor&longs;chlag zur Verbe&longs;&longs;erung der
Fernröhre vorgetragen worden; allein man hat &longs;ie damals
gleichgültig über&longs;ehen. Euler unter&longs;uchte durch Rechnung,
welche Ge&longs;talten und Verhältni&longs;&longs;e &longs;olche aus Glas
und Wa&longs;&longs;er zu&longs;ammenge&longs;etzte Objectivglä&longs;er erforderten;
aber die nach &longs;einen Rechnungen ange&longs;tellten Proben hatten
nicht den gewün&longs;chten Erfolg.
Inzwi&longs;chen erregte Eulers Abhandlung die Aufmerk&longs;amkeit
des John Dollond, eines ge&longs;chickten engli&longs;chen
Kün&longs;tlers, der die&longs;e Rechnungen &longs;orgfältig durchgieng,
aber &longs;ie nothwendig fal&longs;ch finden mußte, weil er &longs;ie nach
Newtons Grund&longs;ätzen prüfte. Euler wagte noch nicht,
Newtons Ver&longs;uche zweifelhaft zu machen, er begnügte
&longs;ich blos im Allgemeinen zu antworten, daß &longs;ich der Bau
des Auges gar nicht würde erklären la&longs;&longs;en, wenn man nach
Newtons Bey&longs;piele die Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung
bey allen Brechungen durch erhabne Glä&longs;er für
unmöglich erklären wollte.
Endlich rückte Herr Klingen&longs;tierna im Jahre
1754. in den &longs;echszehnten Band der &longs;chwedi&longs;chen Abhandlungen
eine geometri&longs;che Prüfung des oben angeführten
newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs ein (Anmerkung über das Ge&longs;etz
der Brechung bey Licht&longs;tralen von ver&longs;chiedener Art, wenn
&longs;ie durch ein durch&longs;ichtiges Mittel in ver&longs;chiedene andere
gehen, von Samuel Klingen&longs;tierna in den &longs;chwedi&longs;chen
Abhdl. 1754. der deut&longs;chen Ueber&longs;. S. 30.), worin
er bewieß, daß, wenn die&longs;er Ver&longs;uch eine allgemeine
Richtigkeit hätte, daraus nicht einerley be&longs;timmtes Ge&longs;etz
der Farbenzer&longs;treuung, &longs;ondern unzählige ver&longs;chiedene Ge&longs;etze
folgen würden, die &longs;owohl gegen einander &longs;elb&longs;t, als
gegen das von Newton angenommene &longs;tritten; und daß
vielmehr das Licht nach dem Durchgange durch ver&longs;chiedene
Durch die&longs;e &longs;ehr gründlich ange&longs;tellte Unter&longs;uchung
ward Dollond &longs;elb&longs;t bewogen, an der Richtigkeit des
newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs zu zweifeln, und zur An&longs;tellung
eigner Ver&longs;uche überzugehen. Er küttete daher zwo Glas&longs;cheiben
mit den Rändern &longs;o zu&longs;ammen, daß daraus ein
prismati&longs;ches Gefäß ent&longs;tand, kehrte de&longs;&longs;en Schärfe niederwärts,
&longs;tellte ein glä&longs;ernes Prisma mit der einen Schärfe
aufwärts hinein, und füllte den übrigen Raum mit Wa&longs;&longs;er
an. Wenn nun der Winkel, den beyde Glas&longs;cheiben mit
einander machten, gerade &longs;o groß war, daß ein Gegen&longs;tand,
durch die&longs;es doppelte Prisma betrachtet, eben &longs;o
hoch, als mit bloßen Augen, er&longs;chien, al&longs;o beyde Brechungen,
die durchs Glas, und die durchs Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehene,
einander aufhoben, und der ausgehende Stral dem
einfallenden parallel war, &longs;o &longs;ollte nach Newtons Grund&longs;ätzen
der Gegen&longs;tand in &longs;einer natürlichen Farbe er&longs;cheinen.
Allein er er&longs;chien vielmehr eben &longs;o &longs;tark mit prismati&longs;chen
Farben umringt, als ob er durch ein einziges glä&longs;ernes
Prisma mit einem Winkel von etwa 30° wäre betrachtet
worden. Hiebey hat al&longs;o Dollond eine &longs;tarke Färbung
ohne Brechung erhalten, und konnte es al&longs;o nicht mehr
für unmöglich an&longs;ehen, auch eine Brechung ohne Farben
zu bewerk&longs;telligen.
Er erhielt die&longs;e auch wirklich, da er einen Keil von
gemeinem Tafelgla&longs;e, de&longs;&longs;en Winkel etwa 9° betrug, eben
&longs;o, wie vorhin das glä&longs;erne Prisma, in ein keilförmiges,
mit Wa&longs;&longs;er gefülltes Gefäß aus zwey Glas&longs;cheiben &longs;etzte.
Denn, wenn er nun den Winkel beyder Glas&longs;cheiben &longs;o
lang vergrößerte, bis der betrachtete Gegen&longs;tand ohne
fremde Farben er&longs;chien, &longs;o &longs;ahe er den&longs;elben weit von dem
Orte verrückt, an welchem er dem bloßen Auge würde er&longs;chienen
&longs;eyn. Es war al&longs;o klar, daß die Farbenzer&longs;treuungen
einander aufgehoben hatten, obgleich die Brechungen
von einander ver&longs;chieden waren; al&longs;o ward Newtons
Satz, vermöge de&longs;&longs;en &longs;ich die Farbenzer&longs;treuungen, wie
Dollond fieng daher an, zu vermuthen, daß dasjenige,
was er hier bey den Brechungen durch Wa&longs;&longs;er und
Glas wahrgenommen hatte, auch bey Brechungen durch
ver&longs;chiedene Glasarten &longs;tatt finden werde, und nahm
&longs;ich daher vor, Prismen von ver&longs;chiedenen Glasarten zu
&longs;chleifen und an einander zu legen, um zu &longs;ehen, ob auch
hiebey die Brechung in andern Verhältni&longs;&longs;en, als die Farbenzer&longs;treuung,
ver&longs;chieden &longs;eyn würde. Sobald er dies
im Jahre 1757 vorgenommen hatte, zeigten &longs;ogleich die
er&longs;ten Proben, daß die Sache die äußer&longs;te Aufmerk&longs;amkeit
verdiene. (An Account of &longs;ome experiments concerning
the different refrangibility of light, by Mr. Iohn
Dollond, in den
Er fand nemlich das Verhältniß der Farbenzer&longs;treuung
gegen die Brechungen in einigen Glasarten weit
&longs;tärker ver&longs;chieden, als er zu hoffen gewagt hatte. Be&longs;onders
war die&longs;er Unter&longs;chied bey zwoen Glasarten &longs;ehr
beträchtlich. Das engli&longs;che Kry&longs;tallglas oder Flintglas,
eine &longs;ehr helle und weiße Glasart, zer&longs;treute die Farben
am &longs;tärk&longs;ten, eine andere mehr grünliche, das Crownglas,
am wenig&longs;ten, da doch beyder Brechungen fa&longs;t
gleich waren. Die&longs;e Entdeckung &longs;uchte Dollond &longs;ogleich
zur Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhren zu nützen. Er fieng an,
Objectivglä&longs;er aus die&longs;en beyden Glasarten zu&longs;ammenzu&longs;etzen,
welche das Licht ohne Farben brechen &longs;ollten. Damit
die beyden mit einander verbundenen Glä&longs;er das Licht
nach entgegenge&longs;etzten Seiten zer&longs;treuen möchten, mußte
das eine ein erhabnes, das andere ein Hohlglas &longs;eyn; und
da die Stralen &longs;ich wirklich in einen Punkt der Axe vereinigen
&longs;ollten, &longs;o mußte das erhabne die &longs;tärk&longs;te Brechung
verur&longs;achen, und daher aus derjenigen Glasart verfertiget
werden, welche bey &longs;tärkerer Brechung dennoch nur eine
gleich große Farbenzer&longs;treuung giebt, indem beyder Glä&longs;er
Farbenzer&longs;treuungen einander aufheben, und al&longs;o gleich
groß &longs;eyn mu&longs;ten. Die&longs;e Betrachtungen zeigten ihm, daß
er &longs;eine Objectivglä&longs;er aus einem Hohlgla&longs;e von Flintglas
Der Ruf von die&longs;er Entdeckung und von den neuen
Dollondi&longs;chen Fernröhren verbreitete &longs;ich bald unter den
Naturfor&longs;chern und Kün&longs;tlern. Weil aber Dollond die
Verhältni&longs;&longs;e, nach welchen die Glä&longs;er &longs;einer Objectivlin&longs;en
gekrümmt und zu&longs;ammenge&longs;etzt waren, nicht bekannt
machte, &longs;o &longs;uchte Clairaut, der &longs;ich &longs;chon vom Anfange
des Streits viel mit die&longs;er Sache be&longs;chäftiget hatte, eine
voll&longs;tändige, auf einige Ver&longs;uche gegründete, Theorie davon
auszuarbeiten, welche man in den Mémoires de l' academie
royale des Sc. à Paris von den Jahren 1756 und
1757 findet. Die&longs;e Arbeit hat nachher d' Alembert im
dritten und vierten Bande &longs;einer Opu&longs;cules mathematiques,
und in den Mém. de l' acad. des Sc. in den Jahren
1764, 1765, 1767 voll&longs;tändiger ausgeführt. Im Jahre
1762 gab die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Petersburg
die Preißfrage auf: wie die Unvollkommenheiten der opti&longs;chen
Werkzeuge, welche von der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit
und der Kugelge&longs;talt herrühren, zu heben &longs;eyen? wobey
die Abhandlung des Herrn Klingen&longs;tierna (Tentamen
de definiendis et| corrigendis aberrationibus luminis
in lentibus &longs;phaericis refracti, et de per&longs;iciendo
telo&longs;copio dioptrico. Petrop. 1762. gr. 4.) den Preiß erhielt.
Ohngeachtet aber die&longs;e großen Mathematiker fa&longs;t alles
er&longs;chöpft hatten, was die Rechnung in die&longs;em Fache lei&longs;ten
kann, &longs;o waren doch ihre Arbeiten den Kün&longs;tlern größtentheils
unbrauchbar, und die Engländer verfertigten ohne
Anwendung die&longs;er Formeln weit be&longs;&longs;ere Fernröhre, als
von den Ausländern, &longs;elb&longs;t unter unmittelbarer Auf&longs;icht
Euler, welcher zu die&longs;er Entdeckung die er&longs;te Veranla&longs;&longs;ung
gegeben hatte, war jetzt gerade derjenige, der
&longs;ich am &longs;chwer&longs;ten von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen
Ver&longs;uche und Erfindungen überzeugen ließ. Er hatte
&longs;chon im Jahre 1747 in den Mém. de l' acad. des Sc. de
Pru&longs;&longs;e eine Theorie der Farbenzer&longs;treuungen fe&longs;tge&longs;etzt, mit
welcher Dollonds Ver&longs;uche gar nicht überein&longs;timmten.
Er &longs;chrieb daher die außerordentlichen Wirkungen der Dollondi&longs;chen
Fernröhre, von welchen er durch unwider&longs;prechliche
Zeugni&longs;&longs;e überführt ward, blos der Krümmung der
Dollondi&longs;chen Glä&longs;er zu, welche durch einen glücklichen
Zufall &longs;o ausgefallen &longs;ey, daß &longs;ie eben die&longs;elbe Wirkung
thun würden, wenn &longs;ie auch nur aus einerley Glasart be&longs;tünden.
Endlich aber ward er durch die Ver&longs;icherungen,
die ihm Clairaut von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen
Ver&longs;uche gab, bewogen, &longs;eine Theorie aufzugeben, und
fieng nunmehr &longs;elb&longs;t an, die Dollondi&longs;che Erfindung durch
eigne Berechnungen aufzuklären, und Vor&longs;chläge zum Gebrauch
in der Ausübung anzugeben. Aus &longs;einen vielen
akademi&longs;chen Abhandlungen hierüber i&longs;t &longs;eine Dioptrik
( Leonh. Euleri Dioptrica, Petrop. et Lip&longs;. 1771. To.
II. gr. 4.) ent&longs;tanden, aus welcher Herr
Im Jahre 1758 trieb Dollond die Verbe&longs;&longs;erung
der Fernröhre noch höher, indem er &longs;eine Objectivlin&longs;en
aus drey Glä&longs;ern zu&longs;ammenzu&longs;etzen anfieng. Sein Sohn
Peter Dollond hat nachher die&longs;e dreyfachen Objectivglä&longs;er
in noch größerer Vollkommenheit verfertiget. Sie
be&longs;tehen aus zween erhabnen Lin&longs;en von Crownglas und
einer dazwi&longs;chen &longs;tehenden hohlen von Flintglas, &longs;. Taf. I.
Fig. 7. Sie werden zu galiläi&longs;chen Fernröhren mit einemFuß
die Abme&longs;&longs;ung dreyer achromati&longs;chen a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre
mittheilen, welche bey geringer Länge dennoch ungemein
&longs;tarke Vergrößerungen mit gehöriger Deutlichkeit
geben.
Nimmt man hiebey 1 Zoll für die Einheit an, &longs;o kan durch ein &longs;ieben Fuß langes Fernrohr eine 320 fache Vergrößerung im Durchme&longs;&longs;er erhalten werden, wozu &longs;on&longs;t, ohne Gebrauch eines achromati&longs;chen Objectivgla&longs;es, eine Länge von 200 Fuß nöthig gewe&longs;en wäre, welche das Fernrohr ganz unbrauchbar würde gemacht haben. Sollte man ja bey einer &longs;o kleinen Einheit, als 1 Zoll i&longs;t, die bis auf Hunderttheile vorge&longs;chriebne Genauigkeit der Maaße zu verfehlen fürchten, &longs;o wird man, durch Annehmung einer Einheit von 2 Zollen, noch immer die 320 fache Vergrö&longs;&longs;erung bey einer Länge von 14 Fuß, und die 60 fache bey einer von 3 Fuß erhalten können.
Man kan die dreyfachen Objectivglä&longs;er, welche weit
mehr, als die doppelten, lei&longs;ten, leicht von den letztern
unter&longs;cheiden, wenn man ihnen ein Licht vorhält, de&longs;&longs;en
Flamme &longs;ich in jeder Glasfläche &longs;piegelt, und al&longs;o bey dem
dreyfachen Objectivgla&longs;e &longs;echsfach, bey dem doppelten nur
vierfach er&longs;cheint. Unter die&longs;en Bildern der Lichtflamme
&longs;ind beym dreyfachen Objectivgla&longs;e drey umgekehrte, weil
die Flächen 2, 3, 6, Taf. I. Fig. 7. gegen das vor 1
gehaltene Licht zu hohl &longs;ind; die übrigen drey Bilder er&longs;cheinen
aufrecht.
Die engli&longs;chen Kün&longs;tler, vorzüglich beyde Dollonds,
Ramsden, Pyefinch u. a. haben &longs;olche achromati&longs;che
Fernröhre &longs;eit ihrer Erfindung jederzeit in gro&longs;&longs;er
Vollkommenheit verfertiget, ob &longs;ie &longs;ich gleich dabey
mehr auf Proben und Ver&longs;uche (tâtonnement) verla&longs;&longs;en,
als etwa die von Clairaut, d' Alembert und Euler
angegebnen Formeln und Berechnungen gebraucht haben.
Herr Bernoulli (Lettres a&longs;tronomiques. Berlin 1771.
8. lettre 5.) meldet, ihm &longs;ey von glaubwürdigen Per&longs;onen
ver&longs;ichert worden, daß der jüngere Dollond eineDollond habe ihm &longs;elb&longs;t ge&longs;agt, daß er fa&longs;t
alles durch prakti&longs;che Vortheile und durchs Probiren ausrichte.
Die Ur&longs;ache, warum man mit der Theorie allein
nicht weit komme, &longs;ey der er&longs;taunliche Unter&longs;chied unter
den Glasma&longs;&longs;en. Man pflege in den engli&longs;chen Glashütten
das Glas in hohle Cylinder zu rollen, aus welchen die
da&longs;igen Optiker, denen man dies erlaube, &longs;ich leicht die
be&longs;ten aus&longs;uchen könnten: hernach aber &longs;chmelze man die
übrigen Cylinder in ganze Ma&longs;&longs;en mit unebnen Oberflächen
zu&longs;ammen, an welchen kein Men&longs;ch &longs;ehen könne, ob
das Glas Bla&longs;en oder Streifen habe oder nicht. Auswärtige
Kün&longs;tler könnten das Glas fa&longs;t nie anders, als
in der letzten Ge&longs;talt, erhalten, und bekämen es daher
mei&longs;tentheils &longs;o &longs;chlecht, als möglich. Aehnliche Klagen
findet man in Macquer's chymi&longs;chem Wörterbuche unter
dem Artikel: Vergla&longs;ung. Nach Herrn Kä&longs;tners
Anführen (Anfangsgr. der angewandten Mathematik,
dritte Auflage. Göttingen, 1780. Dioptrik. S. 314.)
klagen &longs;ogar die engli&longs;chen Kün&longs;tler, daß das Flintglas in
England &longs;elb&longs;t &longs;chon lange nicht mehr in der vorigen Vollkommenheit
verfertiget werde.
Man hat über die Be&longs;tandtheile der oft angeführten
beyden Glasarten, des Flintgla&longs;es und Crowngla&longs;es,
Unter&longs;uchungen ange&longs;tellt, und Compo&longs;itionen von gleicher
Wirkung ausfindig zu machen ge&longs;ucht. Johann Ern&longs;t
Zeiher, nachmaliger Profe&longs;&longs;or der Mathematik zu Wittenberg,
entdeckte noch während &longs;eines Aufenthalts in Rußland,
daß die Farbenzer&longs;treuung der Glasarten &longs;tärker
werde, wenn man viel Bleykalch zu der Zu&longs;ammen&longs;etzung
der&longs;elben nehme (&longs;. &longs;eine Abhdl. von denjenigen Glasarten,
welche eine ver&longs;chiedene Kraft, die Farben zu zer&longs;treuen,
be&longs;itzen. Petersburg 1763. 4.), ingleichen, daß ein Zu&longs;atz
von Laugen&longs;alzen zu einem Gemenge von Bleykalch
und Kie&longs;el die Brechungskraft des Gla&longs;es vermindere,Flintglas. Statt
des Crowngla&longs;es haben die Kün&longs;tler, welche außerhalb
Englands achromati&longs;che Fernröhre verfertiget haben, ihre
einheimi&longs;chen Glasarten gebrauchen können; das Flintglas
aber hat man mehrentheils aus England kommen la&longs;&longs;en.
Inzwi&longs;chen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch
bisher den größten Theil der Vortheile verhindert, welche
die Dollondi&longs;che Erfindung im er&longs;ten Anfange zu ver&longs;prechen
&longs;chien.
Wie groß übrigens &longs;chon diejenigen Vortheile &longs;ind,
die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung
lehren. Nach Herrn le Gentil (Mém. de l' acad. des
Sc. de Paris. 1755. p. 462.) vergrößerte &longs;ein Fernrohr
von 18 pari&longs;er Fuß Länge 63mal, und da &longs;ich &longs;on&longs;t die
Längen, wie die Quadratzahlen der Vergrößerung, verhalten
mußten, &longs;o würde eine 126 fache Vergrößerung 72
Fuß Länge erfordert haben. Das achromati&longs;che Fernrohr
des Herrn Me&longs;&longs;ier hingegen (Mém. de l' acad. des Sc.
1775. p. 213.) vergrößerte 120mal bey einer Länge von
40 Zollen, d. h. es that fa&longs;t gleiche Wirkung mit dem
vorigen, ob es gleich über 21 mal kürzer war. Man kan
nemlich durch achromati&longs;che Fernröhre bey einer &longs;ehr geringen
Länge dennoch weit beträchtlichere Vergrößerungen,
Prie&longs;tley Ge&longs;chichte und gegenwärtiger Zu&longs;tand der
Optik, durch G. S. Klügel. S. 339. u. f. I. E. Zeiher programmata
II. de novis dioptricae augmentis. Viteb. 1768
et 1773. 4.
Die&longs;er Name wird dem allgemeinen Phänomen
der Attraction in dem be&longs;ondern Falle beygelegt, wenn
zween ver&longs;chiedene Körper bey ihrer Berührung mit
einander, oder bey &longs;ehr geringer Entfernung von einander,
&longs;o verbunden werden, daß eine äußere Kraft nöthig i&longs;t,
um &longs;ie wieder zu trennen. Haupt&longs;ächlich wird die&longs;er Name
gebraucht, wenn von gedachten Körpern der eine flüßig,
der andere fe&longs;t i&longs;t, und man &longs;agt alsdann, daß &longs;ich der
flüßige an den fe&longs;ten anhänge.
So hängt &longs;ich das Wa&longs;&longs;er an den darein getauchten
Finger oder an eine Glasröhre an: es bleibt nach dem Herausziehen
etwas Wa&longs;&longs;er an dem eingetauchten Körper hängen.
Man &longs;agt im gemeinen Leben, der Finger oder das
Glas werde naß oder benetzt; und das anhängende Wa&longs;&longs;er
geht nicht herab, bis es durch eine äußere Kraft, durch
Abreiben, durch die Wirkung der Wärme u. dgl. hinweggenommen,
d. i. bis der benetzte Körper durch irgend eine
äußere Einwirkung getrocknet wird. Alle dergleichen
Benetzungen fe&longs;ter Körper mit flüßigen &longs;ind Bey&longs;piele der
Adhä&longs;ion bey einer wirklich vorgegangenen Berührung.
Das Wa&longs;&longs;er und andere Flüßigkeiten ziehen &longs;ich aber
auch in Schwämmen, Lö&longs;chpapier u. dgl., die man nur
zum Theil eintaugt, nach und nach in die Höhe. Dies
&longs;ind Bey&longs;piele einer Adhä&longs;ion oder eines Anziehens, das
auch in einiger, wiewohl &longs;ehr geringer, Entfernung
&longs;chon wirk&longs;am i&longs;t.
Nothwendig mü&longs;&longs;en die Theilchen einer flüßigen Materie,
welche &longs;ich an einen fe&longs;ten Körper anhängen, von&longs;tärker zu&longs;ammenhängen, als &longs;ie von
dem fe&longs;ten Körper angezogen werden. So muß der Zu&longs;ammenhang
der Theile des Queck&longs;ilbers unter einander
&longs;elb&longs;t, &longs;tärker als ihr Anhängen an die Epidermis oder an
das Glas &longs;eyn; denn der Finger oder die Glasröhre werden
vom Queck&longs;ilber nicht benetzt, &longs;ondern trocken herausgezogen.
Queck&longs;ilber benetzt Bley, Gold, Silber und andere
Metalle, da es hingegen Ei&longs;en, Glas rc. trocken läßt.
Wa&longs;&longs;er hängt &longs;ich an die mei&longs;ten Körper, nur dann nicht,
wenn ihre Oberflächen mit Oel und andern fetten Materien,
mit Bärlapp oder Hexenmehl (&longs;emen lycopodii) rc.
bedeckt &longs;ind. Schon die&longs;e wenigen Bey&longs;piele zeigen, daß
&longs;ich ver&longs;chiedene Materien mit ver&longs;chiedener Stärke anziehen,
und daß das Anhängen bisweilen &longs;tärker, bisweilen
&longs;chwächer, als der Zu&longs;ammenhang der Theile flüßiger Körper
unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;ey. Einige Naturfor&longs;cher haben
hierüber das allgemeine Ge&longs;etz annehmen wollen, daß
flüßige Ma&longs;&longs;en mit &longs;pecifi&longs;ch &longs;chwereren fe&longs;ten
Ma&longs;&longs;en &longs;tärker, mit &longs;pecifi&longs;ch leichtern hingegen
&longs;chwächer, als unter &longs;ich, zu&longs;ammenhängen.
Die&longs;e Behauptung wird zwar dadurch wahr&longs;cheinlich, daß
&longs;chwere Flüßigkeiten, wie Queck&longs;ilber, &longs;ich nur an wenige,
und an die &longs;chwer&longs;ten fe&longs;ten Körper, leichte hingegen, wie
Wa&longs;&longs;er, &longs;ich fa&longs;t an alle fe&longs;te Körper, hängen. Es i&longs;t
aber die Allgemeinheit des Satzes bey weitem noch nicht
erwie&longs;en, und die Erfahrung &longs;timmt nicht allezeit mit ihm
überein: wenn man auch gleich die nöthige Ein&longs;chränkung
beyfügt, daß man ihn nicht von der &longs;pecifi&longs;chen Schwere
der ganzen Zu&longs;ammen&longs;etzung, &longs;ondern von der Schwere
der einzelnen Theile der Körper ver&longs;tehen mü&longs;&longs;e. Die
einzelnen Theile eines Körpers nemlich können &longs;pecifi&longs;ch
Die Ur&longs;ache der Adhä&longs;ion i&longs;t wohl ein für uns unerfor&longs;chliches
Geheimniß; ich beziehe mich hierüber gänzlich
auf dasjenige, was unter dem Artikel Attraction hievon
ge&longs;agt wird, und begnüge mich, dasjenige, was hier mit
dem Namen Adhä&longs;ion bezeichnet wird, als ein unläugbares,
durch unzählige Erfahrungen bewie&longs;enes, Phänomen
anzu&longs;ehen.
Die Wirkungen der Adhä&longs;ion &longs;ind &longs;ehr zahlreich. Außer dem Benetzen oder Naßwerden eingetauchter Körper, gehören dabin noch folgende Phänomene.
Flüßige Körper nehmen in Gefäßen aus &longs;olchen Materien, welche von ihnen benetzt werden, keine vollkommen horizontale Oberfläche an; &longs;ie &longs;teigen vielmehr um den Rand der Gefäße herum etwas in die Höhe. In Gefä&longs;&longs;en hingegen, welche nicht von ihnen benetzt werden, &longs;tehen &longs;ie am Rande etwas tiefer, als in der Mitte. So hat Wa&longs;&longs;er im glä&longs;ernen Gefäße eine Oberfläche, die in der Mitte vertieft, und ringsumher am Rande des Gla&longs;es aufwärts gekrümmt i&longs;t: Queck&longs;ilber im Gla&longs;e hingegen zeigt eine in der Mitte erhabne und ringsumher am Rande unterwärts gekrümmte Oberfläche. Leicht auf dem Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmende Körper bewegen &longs;ich dahin, wo des Wa&longs;&longs;ers Oberfläche am höch&longs;ten &longs;teht; daher &longs;cheinen &longs;ie von dem Rande der Gefäße angezogen zu werden.
Tropfen einer flüßigen Materie zerfließen auf den
Oberflächen &longs;olcher Körper, welche die&longs;e flüßige Materie
benetzt; &longs;ie behalten hingegen ihre Kugelge&longs;talt (welche
nur durch das Gewicht der obern Theile des Tropfens ein
wenig platt gedrückt wird) auf &longs;olchen Körpern, welche
von ihnen nicht benetzt werden. So zerfließt Wa&longs;&longs;er auf
Glas, Queck&longs;ilber auf Bley; eine platte Kugelge&longs;talt aber
behält das er&longs;tere auf Hexenmehle, auf polirten Metallflächen,
auf den Blättern vieler Gewäch&longs;e (daher die Thautropfen
ent&longs;tehen), auf fetten Flächen, das letztere auf
Gla&longs;e und den mei&longs;ten Körpern überhaupt.
Wa&longs;&longs;er aus einem glä&longs;ernen Gefäße gego&longs;&longs;en, läuft leicht am äußern Rande des Gefäßes herunter, be&longs;onders, wenn man lang&longs;am gießt, oder wenn das Gefäß &longs;ehr voll i&longs;t. Ein ausge&longs;chweifter Rand oder ge&longs;chneutzter Ausguß verhindert dies, weil er dem auslaufenden Wa&longs;&longs;er eine Richtung giebt, die es bey ge&longs;chwindem Gießen &longs;chnell vom Gla&longs;e abführt. Queck&longs;ilber hingegen läuft nie am Gla&longs;e, wohl aber an metallenen Gefäßen herab.
Ein Wa&longs;&longs;ertropfen, der an einem &longs;chief gehaltenen Gla&longs;e auswendig herabrinnt, nimmt eine unregelmäßige Ge&longs;talt an, welche den Streit zwi&longs;chen dem Gewichte, dem Zu&longs;ammenhange und dem Anhängen &longs;einer Theile an das Glas &longs;ehr deutlich zeigt.
Auch beym Durchfließen einer flüßigen Materie durch die engen Zwi&longs;chenräume der Leinwand, des Lö&longs;chpapiers u. dgl. muß die&longs;e Anziehung zwi&longs;chen den Theilen beyder Körper das ihrige beytragen. So kan man Qucke&longs;ilber in einem Beutel von Leinwand oder gar von Flor tragen, ohne daß es durchfließt, da doch das viel leichtere Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich durchfließen würde. Durch das weit dichtere Leder läßt &longs;ich Qeuck&longs;ilber mit mäßiger Kraft durchdrücken.
In &longs;ehr engen Röhren ent&longs;tehen aus dem Anhängen
der flüßigen Materien Wirkungen, welche be&longs;onders betrachtet
zu werden verdienen. &longs;. Haarröhren.
Auch die Luft hängt &longs;ich an die mei&longs;ten fe&longs;ten Körper, und es ko&longs;tet in &longs;olchen Fällen, wo &longs;ie hinderlich fällt, z. B. bey der Verfertigung der Barometer, nicht wenig Mühe, die Glasröhren ganz von der an ihnen anhängenden Luft zu befreyen.
Erxleben Anfangsgr. der Naturlehre. Sech&longs;ter Ab&longs;chnitt.
§. 180. u. f.
Aeolipile, &longs;. Windkugel.
heißt am
Himmel derjenige größte Kreis der Sphäre, welcher von den
Weltpolen überall um 90 Grad entfernt i&longs;t, de&longs;&longs;en PoleTagkreis.
Der Aequator theilt die ganze Himmelskugel in zwo
gleiche Helften, die nördliche und &longs;üdliche Halbkugel
(Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale) ein.
Von &longs;einen beyden Durch&longs;chnittspunkten mit dem
Horizonte fällt dem gegen Mittag gekehrten Zu&longs;chauer der
eine, der Morgenpunkt, zur Linken, der andere, der
Abendpunkt, zur Rechten. Jederzeit und an allen
Orten der Erde i&longs;t die eine Helfte des Aequators über, die
andere unter dem Horizonte. Wenn al&longs;o die Sonne in
die&longs;en Kreis tritt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und
Nacht gleich; hievon &longs;ind &longs;eine Benennungen herzuleiten.
Seine beyden Durch&longs;chnittspunkte mit der Ekliptik
oder jährlichen Sonnenbahn, heißen eben daher die Punkte
der Nachtgleichen, und insbe&longs;ondere derjenige, in welchen
die Sonne jährlich um den 21 März tritt, der Frühlingspunkt,
der andere, welchen die Sonne jährlich um
den 21 Sept. erreicht, der Herb&longs;tpunkt.
Der Aequator i&longs;t für die Sternkunde von der größten
Wichtigkeit. Schon in den älte&longs;ten Zeiten hat man ihn
gebraucht, um die Lagen der Ge&longs;tirne gegen ihn zu be&longs;timmen.
In die&longs;er Ab&longs;icht theilt man ihn jetzt, wie jeden
andern Kreis, in 360 Grade, und die&longs;e ferner in Minuten,
Secunden u. &longs;. f. Man fängt die&longs;e Theile vom
Frühlingspunkte (der daher des Aequators Anfangspunkt
i&longs;t) morgenwärts zu zählen an. Nach &longs;olchen Graden
und ihren Theilen werden die geraden Auf&longs;teigungen der
Ge&longs;tirne angegeben, &longs;. Auf&longs;teigung, gerade.
Auch bedient man &longs;ich die&longs;es Krei&longs;es &longs;ehr vortheilhaft
zum Maaße der Zeit. Da die tägliche Bewegung1 Grad: 4 Min. Zeit = 4 Grad: 16 Min. Zeit,
und findet die&longs;e Zwi&longs;chenzeit 16 Minuten. Die auf die&longs;e
Art be&longs;timmte Zeit i&longs;t Sternzeit oder Zeit der er&longs;ten Bewegüng,
&longs;. Sternzeit. Umgekehrt kan man auch leicht
berechnen, wie viel Grade, Minuten u. &longs;. w. des Aequators
in jeder gegebnen Zeit durch den Mittagskreis gehen.
Man nennt die&longs;es: Sternzeit in Bogen des Aequators,
und Bogen des Aequators in Sternzeit verwandeln.
Da das Verhältniß der Sternzeit zur mittlern Sonnenzeit
gegeben i&longs;t, &longs;. Sonnenzeit, &longs;o läßt &longs;ich auch für mittlere
Sonnenzeit die&longs;e Verwandlung leicht bewerk&longs;telligen.
Die Sammlungen a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln enthalten Tabellen,
welche zur Erleichterung &longs;olcher Verwandlungen
dienen.
Aequator der Erde, die Linie, Aequinoctiallinie,
Aequator telluris, Linea aequinoctialis, Equateur
de la terre, la Ligne, Ligne équinoxiale, heißt auf der
Erdkugel derjenige größte Kreis, welcher von den Polen der
Erde überall 90° weit ab&longs;teht, mithin die Pole der Erde
&longs;elb&longs;t zu &longs;einen Polen, und die Erdaxe zu &longs;einer Axe hat.
Alle Mittagskrei&longs;e &longs;tehen, weil &longs;ie durch die Pole gehen,
auf ihm &longs;enkrecht. Die tägliche Umdrehung der Erde um
ihre Axe erfolgt nach &longs;einer Richtung, d. i. jeder Ort der
Erde be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator
parallel laufenden Kreis von Abend gegen Morgen.
Auf der Erdfläche durch&longs;chneidet die&longs;er Kreis Afrika,
geht unter A&longs;ien hinweg durch die In&longs;eln Sumatra, Borneo,
Celebes und Gilolo, er&longs;treckt &longs;ich hierauf weit durch&longs;. Sphäre,
welcher Um&longs;tand die Benennung die&longs;es Krei&longs;es veranla&longs;&longs;et
hat. Den Namen der Linie pflegen ihm die Schiffer
zu geben.
Er theilt die Erde in die nördliche und &longs;üdliche
Halbkugel (Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale) ein.
Die Geographen zählen von ihm aus die Breiten
der Orte, &longs;. Breite, geographi&longs;che, theilen ihn, wie
jeden Kreis, in 360 Grade, und geben in &longs;olchen Graden
die Unter&longs;chiede oder Ab&longs;tände der Mittagskrei&longs;e von
einander an, &longs;. Mittagskrei&longs;e der Erde. Will man
die Grade des Aequators der Erde von einem be&longs;timmten
Anfangspunkte aus zählen, &longs;o i&longs;t die Wahl die&longs;es Punktes
willkührlich, daher ihn ver&longs;chiedene Geographen an
ver&longs;chiedene Orte &longs;etzen. I&longs;t aber die&longs;er Punkt gewählt,
&longs;o heißt der durch ihn und beyde Pole gehende Kreis der
er&longs;te Mittagskreis, und man zählt alsdann von dem&longs;elben
aus die Grade des Aequators von Abend gegen
Morgen.
So heißt der Bogen, um welchen
der im Mittagskrei&longs;e &longs;tehende Punkt des Aequators
über den Horizont erhaben i&longs;t. Wenn Taf. I. Fig. 5.
HOR den Horizont des Orts, P, p die bey den Pole,
PAHpRP den Mittagskreis, AOQ den Aequator vor&longs;tellt,
&longs;o i&longs;t der Bogen AH die Aequatorhöhe. Die&longs;er
Bogen mißt nach den Sätzen der Sphärik den Winkel,
welchen die Ebne des Aequators mit der Horizontalebne
macht, oder den Winkel AOH, unter welchem der Aequator
über den Horizont hervor&longs;teigt. Weil
Aequinoctialkreis, &longs;. Aequator.
Aequinoctiallinie, &longs;. Aequator der Erde.
Aequinoctialpunkte, Punkte der Nachtgleichen,
Puncta aequinoctiorum, points équinoxiaux,
&longs;ind die beyden Durch&longs;chnittspunkte des Aequators mit der
Ekliptik oder jährlichen Sonnenbahn, welche, wie alle
Durch&longs;chnittspunkte zweener größten Krei&longs;e, einander dem
Durchme&longs;&longs;er nach entgegen&longs;tehen, oder um 180° von einander
entfernt &longs;ind. Wenn die Sonne bey ihrem &longs;cheinbaren
jährlichen Umlaufe die&longs;e Punkte erreicht, und al&longs;o
in den Aequator kömmt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde
Tag und Nacht gleich,
Aequinoctium, &longs;. Nachtgleiche.
So hei&longs;t
die mathemati&longs;che Betrachtung der Eigen&longs;chaften der Luft,
z. B. ihrer Schwere, Ela&longs;ticität, Temperatur, Feuchtigkeit
u. &longs;. w. Der Freyherr von Wolf hat zuer&longs;t ver&longs;chiedene
&longs;chon vor ihm ange&longs;tellte mathemati&longs;che Unter&longs;uchungen
über die Eigen&longs;chaften der Luft, neb&longs;t &longs;einen eignen,Elementa Aërometriae, herausgegeben. Seitdem
i&longs;t es gewöhnlich geworden, die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft als einen
be&longs;ondern Theil der angewandten Mathematik anzu&longs;ehen,
und man hat ihr nach der Zeit mehrere wichtige Erweiterungen
und Zu&longs;ätze beygefügt. Denn
1) &longs;ind die Werkzeuge, wodurch &longs;ich die Eigen&longs;chaften
der Luft wahrnehmen und zum Theil abme&longs;&longs;en la&longs;&longs;en,
&longs;eit des Herrn v. Wolf Zeiten ungemein verbe&longs;&longs;ert worden,
wovon man die Artikel: Luftpumpe, Barometer,
Thermometer, Hygrometer u. a. nach&longs;ehen kan.
2) i&longs;t die Theorie der Höhenme&longs;&longs;ungen mit dem Barometer
&longs;eitdem weit mehr bearbeitet und berichtiget worden,
&longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen; barometri&longs;che.
3) hat man in neuern Zeiten außer der atmo&longs;phäri&longs;chen
Luft viele andere ela&longs;ti&longs;che flüßige Materien kennen
gelernt, die in Ab&longs;icht auf Druck, Ela&longs;ticität u. &longs;. f. auf
ähnliche Art wirken. &longs;. Gas. Daher la&longs;&longs;en &longs;ich jetzt die
Unter&longs;uchungen der Aerometrie auf alle ela&longs;ti&longs;che flüßige
Materien überhaupt anwenden, und man muß unter dem
Namen der Luft oft alle die&longs;e Luftgattungen oder Gasarten
ver&longs;tehen, &longs;o wie in der Hydro&longs;tatik, Hydraulik rc. der
Name Wa&longs;&longs;er alle flüßige Materien bedeutet.
4) Die ganz neue Erfindung der Aero&longs;taten oder
Luftbälle, wovon der näch&longs;tfolgende Artikel mehrere
Nachricht giebt, hat einen neuen Ab&longs;chnitt der Aerometrie
veranla&longs;&longs;et, welchem man den Namen der Aero&longs;tatik
beygelegt hat. Die&longs;er Name i&longs;t zwar nicht ganz &longs;chicklich,
da Aero&longs;tatik eigentlich die Lehre vom Gleichgewicht der Luft
mit &longs;ich &longs;elb&longs;t und mit fremden Körpern bedeutet; er &longs;cheint
aber bereits angenommen zu &longs;eyn. &longs;. Aero&longs;tatik.
5) Da die vom Herrn von Wolf ge&longs;ammelten Unter&longs;uchungen
größtentheils blos &longs;tati&longs;ch waren, oder den
Zu&longs;tand des Gleichgewichts betrafen, &longs;o hat man &longs;eitdem
auch die Bewegung ela&longs;ti&longs;cher flüßigen Materien in Betrachtung
gezogen, und den Unter&longs;uchungen darüber den
Namen der Pnevmatik gegeben. So, wie Anwendungen
der höhern Mathematik auf die Lehre von Druck undDynamik
und Hydrodynamik führen, &longs;o könnte man den
aerometri&longs;chen und pnevmati&longs;chen Unter&longs;uchungen, welche
Anwendungen der höhern Mathematik erfordern, den Namen
der Aerodynamik beylegen. &longs;. Pnevmatik.
Eine Ma&longs;chine, welche in der uns umgebenden Luft von &longs;elb&longs;t auf&longs;teigt, auch wohl Men&longs;chen und beträchtliche La&longs;ten mit &longs;ich erhebt. Die Erfindung die&longs;er Ma&longs;chinen i&longs;t un&longs;treitig eine der größten Entdeckungen der neuern Zeit; da es mit den Naturge&longs;etzen zu &longs;treiten &longs;cheint, daß eine La&longs;t in freyer Luft nicht allein &longs;chweben, &longs;ondern &longs;ogar empor&longs;teigen &longs;olle, &longs;o i&longs;t die Bewerk&longs;telligung die&longs;er für unmöglich gehaltenen Sache für den Unerfahrnën eben &longs;o er&longs;taunenswürdig, als &longs;ie für den Kenner wichtig i&longs;t.
Ver&longs;uche, zu fliegen, mögen &longs;chon in den älte&longs;ten
Zeiten gemacht worden &longs;eyn; vielleicht hat die Fabel vom
Dädalus und Icarus auf etwas ähnliches Beziehung.
Gellius (Noctes atticae, L. X. c. 12.) erzählt, Archytas
von Tarent habe eine fliegende Taube von Holz verfertigt,
welche durch mechani&longs;che Kräfte und einen einge&longs;chlo&longs;&longs;enen
Hauch (aura &longs;piritus inclu&longs;a) belebt worden &longs;ey.
Man hat dies für einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft erklären, und &longs;chon
die ganze Methode der Neuern darinn finden wollen, ohne
zu bedenken, wie groß die&longs;e hölzerne Taube ausfallen
mußte, wenn &longs;ie von einer einge&longs;chlo&longs;&longs;enen leichten Luftgattung
gehoben werden &longs;ollte. Mehrere dergleichen Erzählungen
und Vor&longs;chläge zu Flugma&longs;chinen aus ältern und
neuern Zeiten hat Herr von Murr (Auszug aus des
Faujas de St. Fond Be&longs;chreibung der aero&longs;tat. Ver&longs;.
Nürnb. 1784. 8.) &longs;ehr voll&longs;tändig ge&longs;ammelt. Unter
den von ihm angeführten Vor&longs;chlägen &longs;ind die des Franz
Lana oder de Lanis (Prodromo dell' arte mae&longs;tra.
Bre&longs;cia 1670. fol.) und des P. Galien (L' art de naviger
dans les airs. Avignon 1755. 12.) die merkwürdig&longs;ten.Lana durch luftleeren Raum zu ver&longs;chaffen,
und mußte daher eine Hülle von Kupfer wählen,
welche dem Drucke der äußern Luft zu wider&longs;tehen vermögend
war; die&longs;e Hülle wird entweder zu &longs;chwer, oder &longs;ie
muß &longs;o dünn &longs;eyn, daß dadurch die Möglichkeit der Ausführung
ganz aufgehoben wird; Galien war in der Wahl
der Hülle glücklicher, und hätte er &longs;tatt &longs;einer obern Luft
aus den Regionen des Hagels, eine durch Feuer verdünnte
Luft gewählt, &longs;o wäre &longs;einen Nachfolgern nichts, als die
Ausführung, übriggeblieben.
Nachdem Cavendi&longs;h um das Jahr 1766 die große
Leichtigkeit der brennbaren Luft entdeckt hatte (&longs;. Gas,
brennbares), kam D. Black in Edinburgh ein oder
zwey Jahre darauf zuer&longs;t auf den Gedanken, daß eine
dünne Bla&longs;e, mit &longs;olcher Luft gefüllt, in der Atmo&longs;phäre
auf&longs;teigen würde, ohne jedoch Ver&longs;uche darüber anzu&longs;tellen.
Cavallo, der die&longs;en Gedanken ebenfalls gehabt hatte,
fieng im Jahre 1782 eine Reihe von Ver&longs;uchen hierüber
an, fand aber das Papier, in welches er die brennbare
Luft ein&longs;chließen wollte, zu durchdringlich, die Schweinsbla&longs;en
hingegen zu &longs;chwer. Das Einzige, was ihm gelang,
war, Seifenbla&longs;en mit brennbarer Luft gefüllt hervorzubringen,
welche auf&longs;teigen und an der Decke des&longs;. The hi&longs;tory and practice of aëro&longs;tation
by Tiberius Cavallo. London 1785. gr. 8. p.
34. Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik von
Die große Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen
ward in Augu&longs;t 1782 von zween Brüdern, Stephan
und Jo&longs;eph Montgolfier, Papierfabrikanten zu Annonay
in Vivarais, Männern von Genie und eifrigen Liebhabern
der Naturlehre, gemacht. Nach der Erzählung
des jüngern Bruders (Di&longs;cours lû à l' acad. des Sc. de
Lyon. Nov. 1783.) ver&longs;uchten &longs;ie anfänglich, wie Cavallo,
Säcke von Papier mit brennbarer Luft zu füllen;
kamen aber nachher durch das Bey&longs;piel der in der Luft
&longs;chwebenden Wolken auf die Idee, eine durch Kun&longs;t erzeugte
Wolke in eine undurchdringliche Hülle einzu&longs;chlie&longs;&longs;en,
wobey &longs;ie auch den Gedanken mit einmi&longs;chten, daß
die Leichtigkeit die&longs;er Wolke durch die Elektricität werde befördert
werden können. Es gelang dem ältern Montgolfier,
im November 1782 zu Avignon, ein hohles Parallelepipedum
von Taffet, von 40 Cubik&longs;chuh Inhalt, nachdem
es inwendig durch brennendes Papier erhitzt worden
war, an die Decke des Zimmers &longs;teigen zu &longs;ehen. Kurz
darauf wiederholten beyde Brüder die&longs;en Ver&longs;uch zu Annonay,
und &longs;ahen das Parallelepipedum in freyer Luft eine
Höhe von 70 Schuhen erreichen. Eine noch größere Ma&longs;chine
von 650 Cubik&longs;chuh Inhalt &longs;tieg mit gleichem Erfolg;
&longs;ie be&longs;chlo&longs;&longs;en daher, den Ver&longs;uch noch mehr ins
Große zu treiben, verfertigten eine Ma&longs;chine von Leinwand,
welche 35 Schuh im Durchme&longs;&longs;er hielt, 450
Pfund wog, und noch über 400 Pfund La&longs;t mit &longs;ich aufhob,
und ließen die&longs;elbe nach einigen &longs;chon vorhergegangenen
Ver&longs;uchen am 5ten Iunius 1783 zu Annonay in
Gegenwart der Stände von Vivarais in die Luft &longs;teigen,
in welcher &longs;ie in weniger als zehn Minuten eine Höhe von
Die&longs;en Nachrichten zufolge hat man die Erfindung
der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen nicht dem Zufalle, &longs;ondern
dem Nachdenken und wiederholten Bemühungen zu danken.
Dennoch &longs;cheinen die Erfinder &longs;elb&longs;t von der Ur&longs;ache
des Auf&longs;teigens ihrer Ma&longs;chinen nicht ganz richtige Begriffe
gehabt zu haben. Das Mittel, de&longs;&longs;en &longs;ie &longs;ich bedienten,
war, daß &longs;ie unter der Oefnung des ganz zu&longs;ammengefalteten
leinenen Sackes ein Strohfeuer anzündeten,
und von Zeit zu Zeit etwas gekrempelte Wolle in da&longs;&longs;elbe
warfen. Dadurch entfaltete &longs;ich der Sack, &longs;chwoll auf,
und &longs;tieg endlich in der Luft empor. Die Erfinder &longs;chrieben
die&longs;es Auf&longs;teigen nicht der wahren Ur&longs;ache zu, welche
darinn be&longs;teht, daß der Sack mit erhitzter oder durchs
Feuer verdünnter Luft angefüllt wird; &longs;ie glaubten vielmehr,
es werde durch die Verbrennung des Strohes und
der Wolle ein eignes Gas entbunden, welches leichter,
als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft &longs;ey, und dem &longs;chon in einigen
Schriften der Name Montgolfier&longs;ches Gas beygelegt
ward. Die&longs;es, &longs;o wie die Idee einer kün&longs;tlichen Wolke,
und der Vor&longs;chlag, die Elektricität dabey zu gebrauchen,
zeigt, daß die Erfindung wenig&longs;tens auf einem &longs;ehr indirecten
Wege gemacht worden &longs;ey.
Der Ruf von die&longs;er er&longs;taunenswürdigen Entdeckung
verbreitete &longs;ich bald; weil aber die Mittel, deren &longs;ich die
Montgolfiers bedienten, nicht &longs;ogleich bekannt wurden, &longs;o
fielen die Pari&longs;er Naturfor&longs;cher auf die Vermuthung, der
Ver&longs;uch zu Annonay werde &longs;ich vermittel&longs;t der brennbaren
Luft nachahmen la&longs;&longs;en. Charles, Profe&longs;&longs;or der
Phy&longs;ik zu Paris, verfertigte mit Hülfe der Gebrüder Robert,
zweener ge&longs;chickten Mechaniker, eine Kugel von
Taffet mit Firniß von ela&longs;ti&longs;chem Harz überzogen, welche
mit brennbarer Luft aus Ei&longs;en und Vitriolöl gefüllt und
den 27 Augu&longs;t 1783 im Champ de Mars in die Luft aufgela&longs;&longs;en
wurde. Ihr Durchme&longs;&longs;er war 12 Fuß 2 Zoll;
&longs;ie wog 25 Pfund, &longs;tieg in zwo Minuten auf eine Höhe
von 488 Toi&longs;en, ver&longs;chwand in den Wolken, und fiel nach
So theilten &longs;ich die aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen gleich
bey ihrer Erfindung in zwo Cla&longs;&longs;en, diejenigen nemlich,
welche nach der Art der Montgolfiers mit erhitzter oder
verdünnter Luft, und die, welche nach Charles Bey&longs;piele
mit brennbarer Luft gefüllt werden.
Der jüngere Montgolfier kam um die&longs;e Zeit nach
Paris, und &longs;tellte da&longs;elb&longs;t einige Ver&longs;uche mit Ma&longs;chinen
an, welche durch Hülfe des Feuers gefüllt wurden. Der
merkwürdig&longs;te darunter i&longs;t der zu Ver&longs;ailles am 19 Sept.
1783 vor dem Könige von Frankreich ange&longs;tellte, bey
welchem ein Sphäroid von Leinwand, 57 Fuß hoch und
41 breit, de&longs;&longs;en Inhalt 37500 Cubik&longs;chuh betrug, durch
Verbrennung von 80 Pfund Stroh und 5 Pfund Wolle
aufge&longs;chwellt und auf eine Höhe von 240 Toi&longs;en erhoben
wurde. Die&longs;er Ball, der mit den daran befe&longs;tigten Stricken
und dem Kefich (worinn &longs;ich ein Hammel, eine Ente
und ein Hahn befand) 900 Pfund wog, erhielt &longs;ich 8 Minuten
lang in der Luft, und fiel bey Vaucre&longs;&longs;on, 1700
Toi&longs;en weit von dem Orte des Auf&longs;teigens, &longs;o &longs;anft nieder,
daß die Thiere dadurch nicht im Gering&longs;ten be&longs;chädiget
wurden. Die&longs;er Ver&longs;uch zeigt deutlich, daß das, was
die aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine hebt, kein aus den verbrannten
Materien entbundenes Gas &longs;eyn könne. Die Montgolfiers
glaubten bey ihren Ver&longs;uchen das, was die Ma&longs;chine ausfüllte,
etwa halb &longs;o &longs;chwer als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft gefunden
zu haben. Da ein Sphäroid von 37500 Cubik&longs;chuh Inhalt
ohngefähr 3192 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft enthalten
kan, &longs;o muß die darinn beym Ver&longs;uch enthaltene Materie
halb &longs;o viel, d. i. 1596 Pfund gewogen haben. Nun i&longs;t
es phy&longs;i&longs;ch unmöglich, daß 85 Pfund verbrannte Materialien
mehr als 85 Pfund Gas oder Dämpfe erzeugen
können, woraus &longs;ogleich zu über&longs;ehen i&longs;t, daß wenig&longs;tens
1511 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft in der Höhlung des Sphäroids
&longs;eyn mußten, welches auch daraus erhellt, weil der
durchs Feuer ent&longs;tehende Luftzug eben dasjenige i&longs;t, wasVerdünnung der Luft durch die Hitze allein
im Stande &longs;ey, die verlangte Wirkung hervorzubringen,
ohne daß man zu einem vermeynten Gas &longs;eine Zuflucht
nehmen darf, de&longs;&longs;en Quantität viel zu unbeträchtlich &longs;eyn
würde, um etwas ähnliches zu bewirken. Ueberdieß müßte
eine mit Gas gefüllte Ma&longs;chine ver&longs;chlo&longs;&longs;en &longs;eyn, und
nicht, wie die Montgolfieri&longs;che, offen bleiben.
Montgolfier fand in Paris einen unermüdeten Gehülfen
an Herrn Pilatre de Rozier, Vor&longs;teher des Mu&longs;eum,
welcher es am 15 October 1783 zum Er&longs;tenmale
wagte, auf einer von Montgolfier verfertigten 74 Schuh
hohen, 48 Schuh breiten, und mit einer Gallerie und
Glutpfanne zu be&longs;tändiger Unterhaltung des Feuers ver&longs;ehenen
Ma&longs;chine, 84 Schuh hoch vom Boden aufzu&longs;teigen,
und 4 1/2 Minuten lang in der Höhe zu bleiben, wobey
er jedoch die Ma&longs;chine an Stricken halten ließ. Die&longs;er
Ver&longs;uch wurde in den folgenden Tagen mit dem glücklich&longs;ten
Erfolge wiederholt, und durch die&longs;e Proben ermuntert,
wagten Pilatre de Rozier und der Marquis d' Arlandes
am 21 Nov. 1783 auf eben der&longs;elben Ma&longs;chine die
er&longs;te Luftrei&longs;e. Die&longs;e kühnen Luftfahrer &longs;tiegen um 1.
Uhr 54 Minuten, nachdem die Ma&longs;chine in acht Minuten
aufge&longs;chwellt worden war, im Schlo&longs;&longs;e la Muette
in die Höhe, blieben 25 Minuten in der Luft, wurden vom
Winde über einen Theil der Stadt und über die Seine getrieben
und kamen, nachdem &longs;ie durch ge&longs;chickte Behandlung
des Feuers den Gegen&longs;tänden, an die &longs;ie &longs;toßen konnten,
durch Hebung und Herabla&longs;&longs;ung der Ma&longs;chine ausgewichen
waren, auf 5000 Toi&longs;en weit von la Muette, unbe&longs;chädigt
wieder herab. Ihre Ma&longs;chine faßte 60000
Cubik&longs;chuh Raum; und die La&longs;t, welche &longs;ie mit|&longs;ich aufzog,
betrug 1600 — 1700 Pfund.
Die Herren Charles und Robert, welche als Erfinder
der Aero&longs;taten mit brennbarer Luft mit den Montgolfiers
wetteiferten, veran&longs;talteten am 1. Dec. 1783 eine
zweyte Luftrei&longs;e. Charles und der eine Robert &longs;tiegen
aus den Thuillerien um 1 Uhr 40 Min. in einer Art
von Triumphwagen auf, welcher mit Stricken an einer 26
Schuh im Durchme&longs;&longs;er haltenden und mit brennbarer Luft
gefüllten Kugel von Taffet hieng. Sie giengen in einer
Höhe von 250 — 300 Toi&longs;en über zwo Stunden lang
fort, und ließen &longs;ich endlich in der Pläne bey Ne&longs;le, welche
9 Stunden weit von Paris abliegt, nieder, wo Robert
aus&longs;tieg, der um 130 Pfund dadurch erleichterte Ball
aber mit Charles allein &longs;ich wieder auf eine dem Aetna
gleiche Höhe von 1500 Toi&longs;en auf&longs;chwang, noch 35 Minuten
in der Luft verweilte, und endlich bey dem Gehölze
von Tour du Lay ohne Be&longs;chädigung des Luftfahrers
herab kam.
Seitdem haben &longs;ich die Ver&longs;uche mit aero&longs;tati&longs;chen
Ma&longs;chinen und die auf den&longs;elben unternommenen Luftrei&longs;en
&longs;o vervielfältiget, daß man bis zum März 1785 bereits
35 Luftrei&longs;en und 58 ver&longs;chiedene Per&longs;onen zählen konnte,
die &longs;ich in die &longs;on&longs;t unzugänglichen Regionen der Atmo&longs;phäre
gewagt hatten. Die um&longs;tändlichere Ge&longs;chichte ihrer Ver&longs;uche
findet man in der am Ende die&longs;es Artikels angeführten
deut&longs;chen Ueber&longs;etzung des Faujas de St. Fond zu&longs;ammengetragen.
Hier kan ich nur noch das Merkwürdig&longs;te
aus der Ge&longs;chichte die&longs;er Ver&longs;uche mit wenigen Worten
anführen.
Pilatre de Rozier gieng bald nach &longs;einer er&longs;ten Luftrei&longs;e
zu dem ältern Montgolfier nach Lyon, um da&longs;elb&longs;t mit
ihm eine große aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine von 102 Schuh
Durchme&longs;&longs;er und 126 Schuh Höhe zu be&longs;teigen. Der
Ver&longs;uch mit die&longs;er ungeheuren Kugel gelang zwar am 19
Jan. 1784, da &longs;ie mit &longs;ieben Per&longs;onen bela&longs;tet auf 500
Toi&longs;en hoch in die Luft auf&longs;tieg; &longs;ie bekam aber 15 Min.
nach ihrem Abgange einen Riß, und &longs;ank zu Boden. Pilatre
&longs;tieg am 23 Jun. 1784. nochmals in Gegenwart
des Königs von Schweden zu Ver&longs;ailles in die Luft, kamBlanchard
kam ihm in die&longs;er Ueberfahrt zuvor; &longs;ein unglückliches
Schick&longs;al aber wollte, daß er dennoch auf &longs;einem Ent&longs;chlu&longs;&longs;e
beharrete, wobey er endlich neb&longs;t &longs;einem Gefährten
Romain nach langem Warten auf gün&longs;tigen Wind und
nach vielen &longs;einer Ma&longs;chine zuge&longs;toßenen Unfällen, am 15
Jun. 1785 nicht weit von Boulogne aus der Luft herab&longs;türzte,
und durch den Fall zer&longs;chmettert ward.
Glücklicher war der eben genannte Blanchard. Die&longs;er
hatte &longs;chon läng&longs;t vor der Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen
Ma&longs;chinen durch mechani&longs;che Mittel vergeblich zu fliegen
ver&longs;ucht; jetzt aber machte es ihm die&longs;e Erfindung er&longs;t
möglich, &longs;einen Zweck zu erreichen. Er &longs;tieg auf Aero&longs;taten
mit brennbarer Luft ver&longs;chiedenemal zu Paris und
Rouen auf, &longs;uchte die Lenkung der Aero&longs;taten durch Flügel
oder Ruder zu bewirken, gieng hierauf nach England,
und wagte da&longs;elb&longs;t, nach vorher ange&longs;tellten andern Ver&longs;uchen,
am 7 Jan. 1785 mit dem D. Iefferies aus Amerika
das kühne Unternehmen einer Ueberfahrt über den Canal,
die er auch in einer Zeit von 2 St. 32 Min. glücklich
vollendete. Er i&longs;t &longs;eitdem in Deut&longs;chland herumgezogen,
und hat an ver&longs;chiedenen Orten Luftrei&longs;en ange&longs;tellt, die jedoch
mehr öffentliche Schau&longs;piele als Ver&longs;uche zu Erweiterung
der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft genannt zu werden verdienen.
Die Gebrüder Robert &longs;ind noch zweymal, am 15
Jul. 1784 mit dem Düc de Chartres, und am 19
Sept. mit einem ihrer Verwandten durch die Luft gerei&longs;et.
Die&longs;e letzte Rei&longs;e i&longs;t unter allen die läng&longs;te. Sie dauerte
6 St. 42 Min. und gieng von Paris bis Beuvry in der
Graf&longs;chaft Artois, welches einen Weg von 50 Stunden
ausmacht. Sie bedienten &longs;ich dazu eines cylindri&longs;ch ge&longs;talteten
Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, und behaupten,
durch den Gebrauch ihrer Ruder 22 Grad Abweichung vom
Winde erhalten zu haben.
In England blieb man eine Zeitlang gleichgültig gegen
die&longs;e aus Frankreich gekommene Erfindung. Obgleich
&longs;chon im Nov. 1783 der Graf Zambeccari, ein Italiäner,Lunardi
unternommene, Luftrei&longs;e er&longs;t den 15 Sept. 1784. Mit
de&longs;to mehr Theilnehmung &longs;ahe man nachher die Ver&longs;uche,
welche Blanchard in London, Sadler in Oxford, Harper
in Birmingham u. a. an&longs;tellten.
In Ab&longs;icht auf die willkührliche Lenkung der Luftma&longs;chinen
&longs;ind den öffentlichen Nachrichten (Journ. de Paris vom
29 Aug. 1785) zufolge die Herren Vallet und Alban,
Directoren der chymi&longs;chen Officin zu Iavelle bey Paris,
glücklicher, als alle ihre Vorgänger, gewe&longs;en. Sie haben
den 25 Aug. 1785 eine Luftrei&longs;e nach vorherbe&longs;timmten
Richtungen gemacht, ihr Luft&longs;chif nach Gefallen an dem
dazu ausgezeichneten Orte niedergela&longs;&longs;en; &longs;ie &longs;ind früh von
Iavelle nach St. Cloud, und Abends wiederum nach Iavelle
zurück gegangen.
Der Name Aero&longs;tat i&longs;t die&longs;en Ma&longs;chinen zum Er&longs;tenmale
von le Roy in dem Berichte der Commi&longs;&longs;arien der
Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften vom 23 Dec. 1783
beygelegt worden.
Nach die&longs;er kurzen Dar&longs;tellung der Ge&longs;chichte und der bisherigen Fort&longs;chritte die&longs;er Erfindung will ich nun von der Theorie und Praxis der&longs;elben noch einige Nachricht geben.
Die Hydro&longs;tatik oder allgemeine Theorie des Gleichgewichts
flüßiger Körper lehrt, daß fe&longs;te Körper in
einem flüßigen Mittel &longs;o viel von ihrem Gewichte
verlieren, als die von ihnen aus der Stelle getriebne
flüßige Materie wiegt; daß &longs;ie al&longs;o nicht nur alles
Gewicht verlieren, &longs;ondern &longs;ogar emporgetrieben werden,
wenn das, was &longs;ie verlieren, mehr i&longs;t, als das, was &longs;ie
wiegen. Fe&longs;te Körper mü&longs;&longs;en al&longs;o auch in der Luft auf&longs;teigen,
wenn &longs;ie weniger wiegen, als die Luft, welche von
ihnen aus der Stelle getrieben wird. Für &longs;ich allein wiegen
alle bekannte fe&longs;te Körper mehr, als die Luft, deren
Raum &longs;ie einnehmen; &longs;ie mü&longs;&longs;en daher, um in der Luft
aufzu&longs;teigen, hohl und mit etwas angefüllt &longs;eyn, das leichter,
als Luft, i&longs;t. Alles kömmt hiebey auf die Wahl einesbieg&longs;ame Hülle wählen, z. B. Gold&longs;chlägerhaut,
Leinwand, Taffet und dergleichen; harte unbieg&longs;ame
Gefäße, wie die küpfernen Kugeln des Lana, würden zu
&longs;chwer &longs;eyn, auch würde &longs;ich die gemeine Luft, wenn man
an ihre Stelle etwas leichteres &longs;etzen wollte, nicht wohl heraus
bringen la&longs;&longs;en. In einer bieg&longs;amen Hülle aber muß
die einge&longs;chlo&longs;&longs;ene flüßige Materie eine gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität
mit der äußern Luft haben, weil &longs;on&longs;t der Druck der
letztern den bieg&longs;amen Körper zu&longs;ammen drücken, und das
darinn enthaltene heraustreiben würde. Daher muß man
eine &longs;olche flüßige Materie wählen, welche bey einer geringern
Schwere oder Dichte dennoch gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität
mit der gemeinen Luft hat, d. i. eine Materie von grö&longs;&longs;erer
&longs;pecifi&longs;cher Ela&longs;ticität, &longs;. Ela&longs;ticität. Es muß
al&longs;o eine ela&longs;ti&longs;che flüßige Materie, ein Gas, eine Luftgattung
&longs;eyn, welche leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft, i&longs;t.
Erhitzte Luft &longs;owohl, als brennbares Gas be&longs;itzen
die&longs;e Eigen&longs;chaft. Von der Wärme wird die Luft in
einen größern Raum ausgedehnt, d. h. &longs;pecifi&longs;ch ela&longs;ti&longs;cher
gemacht; man kan den Ver&longs;uchen zufolge annehmen, daß
eine Hitze von 160 Graden des Fahrenheiti&longs;chen Thermometers
&longs;ie um ein Drittel ihres gewöhnlichen Volumens
ausdehne. Das brennbare Gas i&longs;t, mit vorzüglicher
Sorgfalt bereitet und gereiniget, auf 13mal leichter, als
die gemeine Luft; wird es aber nach den gemeinen Methoden
bereitet, &longs;o kan man es nur 5 — 7 mal leichter annehmen.
Beyde Materien werden al&longs;o ge&longs;chickt &longs;eyn, Hüllen,
welche in der Atmo&longs;phäre auf&longs;teigen &longs;ollen, damit anzufüllen.
Jeder Körper verliert in der Luft &longs;oviel von &longs;einem Gewichte,
als die Luft wiegt, die er aus der Stelle treibt.
Nennt man nun den Raum, den er einnimmt, in Cubik&longs;chuhen
ausgedrückt, =c, und das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes
Luft=a, &longs;o i&longs;t die&longs;er Verlu&longs;t=ac.
Mit ihm aber wiegt zugleich die in ihm enthaltene Materie,
deren Gewicht (das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes davonrend="roman">=b ge&longs;etzt)
I&longs;t daher ac größer als bc+p, &longs;o i&longs;t klar, daß der
Körper nicht allein &longs;ein ganzes Gewicht verliert, &longs;ondern
auch noch mit dem Ueber&longs;chu&longs;&longs;e des ac über bc+p in die
Höhe getrieben wird. Die&longs;er Ueber&longs;chuß oder die&longs;e Kraft,
mit der er aufwärts getrieben wird, hei&longs;&longs;e k, &longs;o i&longs;t
k=ac—(bc+p)=c(a—b)—p; auch p+k
=c(a—b).
Bey der am 1. Dec. 1783 in den Thuillerien aufge&longs;tiegenen
Ma&longs;chine betrug der körperliche Raum c=
100000 Cubik&longs;chuh; rechnet man nun das Gewicht eines
Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft 604 Gran oder (8/1000) Pfund,
&longs;o i&longs;t ac= 800 Pfund. Weil aber der Ball nicht ganz
aufgebla&longs;en, &longs;ondern ungefähr (1/28) davon leer gela&longs;&longs;en ward,
&longs;o darf man nach Abrechnung des 28&longs;ten Theils ac nur =
771 1/2 Pf. &longs;etzen.
Da &longs;ich die hier gebrauchte brennbare Luft ohngefähr
5 1/4 mahl leichter, als die gemeine, annehmen läßt, &longs;o wird
bc=(771 1/2/5 1/4)=147 Pfund.
Das Gewicht der Ma&longs;chine, des Wagens, der beyden
Per&longs;onen, des Balla&longs;ts u. &longs;. w. p war = 604 1/2 Pf.
Al&longs;o bc+p=147+604 1/2=751 1/2 Pf.
Folglich k, die Kraft, mit welcher &longs;ich die Ma&longs;chine
hob=771 1/2—751 1/2=20 Pfund.
Man wird aus die&longs;er Berechnung deutlich &longs;ehen, warum die&longs;e Kugel &longs;teigen mußte. Sie wog mit aller daran hangenden La&longs;t nur 751 1/2 Pf., und ward doch von der äußern Luft mit 771 1/2 Pf. Kraft gehoben. Zugleich wird die&longs;es Bey&longs;piel zeigen, wie man &longs;ich bey andern ähnlichen Berechnungen zu verhalten habe.
Soll eine &longs;olche Ma&longs;chine nicht &longs;teigen, &longs;ondern nur
gerade &longs;chweben, &longs;o muß k=o, al&longs;o c(a—b)=p
&longs;eyn, woraus c=(p/a—b) folgt. Nun hei&longs;&longs;e die Oberfläche=s; der das
Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem zur Hülle gebrauchten
Zeuge aber=q, und man nehme an, die&longs;e &longs;chwebende
Ma&longs;chine &longs;olle keine weitere La&longs;t tragen, &longs;ondern nur
&longs;ich &longs;elb&longs;t halten; &longs;o i&longs;t die ganze La&longs;t p=sq; al&longs;o
c= (sq/a—b,) und c/s= (q/a—b), auch (6c/s)=(6q/a — b.)
Weil aber (6c/s) oder der &longs;echsfache körperliche Raum durch
die Oberfläche dividirt, für eine Kugel den Durchme&longs;&longs;er,
für einen Würfel die Seite giebt, &longs;o muß der Durchme&longs;&longs;er
einer Kugel oder die Seite eines Würfels von einem gegebnen
Stoffe, wenn der Körper ohne angehangene La&longs;t
gerade &longs;chweben &longs;oll,=(6q/a—b) &longs;eyen. Oder, um den Durchme&longs;&longs;er
der klein&longs;ten möglichen Kugel von einem gegebnen
Zeuge zu finden, welche mit erhitzter oder brennbarer Luft
gefüllt, gerade &longs;chweben würde, dividire man das
&longs;echsfache Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von
dem gegebnen Zeuge durch den Unter&longs;chied zwi&longs;chen
den Gewichten eines Cubik&longs;chuhes gemeiner
und eines Cubik&longs;chuhes erhitzter oder brennbarer
Luft. Die&longs;e Be&longs;timmung des Minimum, das
&longs;ich bey den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen erreichen läßt, hat
Hr. Lichtenberg (Göttingi&longs;ches Magazin, 3ter Jahrg. 5
Stück) angegeben, und darnach folgende Tafel berechnet.
Die Seite des klein&longs;ten mit brennbarer Luft gefüllten &longs;chwebenden Würfels (oder auch, der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel)
Werden die Durchme&longs;&longs;er größer genommen, &longs;o mü&longs;&longs;en
die&longs;e Kugeln &longs;teigen.
Die Gold&longs;chlägerhaut ( baudruche) i&longs;t un&longs;treitig
die bequem&longs;te Materie zu &longs;o kleinen Ballen. Es i&longs;t dies
das innere von den Och&longs;endärmen abgezogne Häutchen,
welches vom Fett gereiniget, auf einen Rahmen ge&longs;pannt,
getrocknet, mit Bim&longs;tein abgerieben, und zum Gebrauch
der Gold&longs;chläger noch mit einem Firniß überzogen wird.
Aus die&longs;em äußer&longs;t feinen und leichten Häutchen haben zuer&longs;t
der Maler
Die Ma&longs;chinen mit erhitzter Luft la&longs;&longs;en &longs;ich &longs;o klein
nicht verfertigen. Rechnet man darauf, daß die Luft beym
Ver&longs;uche um ein Drittel ausgedehnt werde, die brennbare
hingegen &longs;iebenmal leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che, &longs;ey, &longs;o
wird der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten möglichen &longs;chwebenden
Kugelfür erhitzte Luft =(6q/a—2/3a)=(18q/a)
für brennbare Luft=(6q/a—1/7a)=(7q/a) gefunden, daher in
die&longs;em Falle die mit erhitzter Luft gefüllte Kugel von eben
dem Zeuge einen (18/7) d. i. 2 4/7mal größern Durchme&longs;&longs;er
haben muß, und al&longs;o 6 3/5 mal mehr Zeug zur Hülle erfordert,
als die mit brennbarer Luft. Zu kleinen Ma&longs;chinen
mit verdünnter Luft i&longs;t un&longs;treitig das
Bey größern Aero&longs;taten hat man die Ab&longs;icht, außer
ihrem eignen Gewichte noch Men&longs;chen oder andere La&longs;ten
in die Atmo&longs;phäre zu erheben. Die Kugelge&longs;talt, welche
unter allen übrigen Ge&longs;talten der Körper mit der klein&longs;ten
Oberfläche den größten möglichen Raum um&longs;chließt,
&longs;cheint zu Aero&longs;taten die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn, weil &longs;ie bey
dem gering&longs;ten möglichen Gewicht ihrer Hülle das größte
mögliche Luftvolumen aus der Stelle treibt, und daher unter
allen übrigen Ge&longs;talten mit der größten Kraft auf&longs;teigt.
Man hat aber dagegen einwenden wollen, daß eines Theils
die Verfertigung einer großen Kugel &longs;ehr &longs;chwer &longs;ey, andern
Theils bey Lenkung der Aero&longs;taten in der Atmo&longs;phäre,
wenn ge&longs;chickte Mittel dazu erfunden werden &longs;ollten, eine
Kugel, welche der Luft eine &longs;ehr große Oberfläche darbietet,
weit mehr Wider&longs;tand leiden, und folglich weit &longs;chwerer zu
regieren &longs;eyn werde, als eine Ma&longs;chine, welche der Luft einen
&longs;pitzig zulaufenden Theil, oder eine &longs;chmale Seite, entgegenkehrte.
Daher hat man oft längliche, aus cylindri&longs;chen
und koni&longs;chen, oder prismati&longs;chen und pyramidenförmigen
Theilen zu&longs;ammenge&longs;etzte, Ge&longs;talten vorgezogen,
zu welchen der Zeug &longs;ich leichter zu&longs;chneiden läßt; und die
Roberts haben zween Luftrei&longs;en auf einem cylindri&longs;ch geformten
Aero&longs;taten unternommen. Inzwi&longs;chen &longs;ind die
Schwierigkeiten der Verfertigung einer Kugel nicht unüberwindlich,
Was den Stof betrifft, &longs;o hat man die Aero&longs;taten
zur verdünnten Luft von leinenem oder baumwollenem
Zeuge gemacht, der die Luft nicht gleich hindurch läßt,
wie denn die er&longs;te zu Annonay aufge&longs;tiegene Kugel bloß
mit Knöpfen und Knopflöchern zu&longs;ammengefügt war, und
doch eine Zeitlang Luft hielt. Man wählt dergleichen Zeuge
wegen ihres geringen Prei&longs;es, da &longs;olche Ma&longs;chinen
&longs;ehr groß &longs;eyn mü&longs;&longs;en. Bisweilen &longs;ind &longs;ie doppelt genommen,
bisweilen mit Papier gefüttert worden. Man
kan das Gewicht des Quadrat&longs;chuhes von leinenem Zeuge
2 Unzen rechnen. Zur brennbaren Luft, welche nicht
&longs;o große Ma&longs;chinen erfordert, aber weit leichter die Hüllen
durchdringt, hat man leichte &longs;eidne Zeuge genommen,
und mit be&longs;ondern Firni&longs;&longs;en über&longs;trichen. Den Quadrat&longs;chuh
Taffet kan man ohngefähr 3/4 Unzen &longs;chwer annehmen.
Um nun das Vermögen einer Ma&longs;chine von gegebner
Größe und Ge&longs;talt zu berechnen, kan man &longs;ich der Formel
k = c (a — b) — p &longs;o bedienen, daß man
unter p blos das Gewicht der Ma&longs;chine &longs;elb&longs;t=
sq ohne angehangene La&longs;t ver&longs;teht, &longs;o i&longs;t k die Kraft,
mit der &longs;ie unbela&longs;tet auf&longs;teigen würde, zeigt al&longs;o,
wie viel &longs;ie noch zu tragen vermöge, ehe &longs;ie ins Gleichgewicht
kömmt. Es &longs;ey z. B. das Vermögen einer Kugel
von 30 Schuh Durchme&longs;&longs;er zu berechnen, deren Oberfläche
s=2828 Quadrat&longs;chuhe, der Inhalt c=14142
Cubik&longs;chuhe i&longs;t. So i&longs;t, wenn man das Gewicht des Cubik&longs;chuhes
gemeiner Luft a=1, 4 Unzen, b aber für
erhitzte Luft=2/3a, für brennbare=1/7a &longs;etzt, die Rechnung
folgende:
Von dem gefundenen Vermögen der Kugel i&longs;t noch
das Gewicht alles de&longs;&longs;en abzuziehen, was außer dem Stoffe
zur Kugel hinzugethan wird; das übrigbleibende i&longs;t dann
die Summe der La&longs;t, die &longs;ie noch tragen kan, und der Kraft,
mit welcher &longs;ie auf&longs;teigen wird. Wird die Kugel nicht
ganz gefüllt, &longs;o muß &longs;o viel, als der leergela&longs;&longs;ene Theil
beträgt, von ihrem körperlichen Inhalt abgezogen werden.
Nach die&longs;en Anwei&longs;ungen kan es nicht &longs;chwer &longs;eyn, die
Berechnung in jedem vorkommenden Falle anzu&longs;tellen.
Da leinene und &longs;eidne Zeuge ebne Flächen bilden, &longs;o
wird die Fläche einer daraus verfertigten Kugel jederzeit
von der &longs;phäri&longs;chen Ge&longs;talt in etwas abweichen. Doch,
wenn die Streifen ge&longs;chickt zuge&longs;chnitten und verbunden
&longs;ind, &longs;o dehnen &longs;ie &longs;ich, wenn der Körper fürs er&longs;te nur
mit gemeiner Luft aufgebla&longs;en wird, um ihre Mitte ein wenig
aus, und geben dem Ganzen eine Ge&longs;talt, die von der
Kugel &longs;ehr wenig abweicht. Hiezu dient nun folgende Vor&longs;chrift,
Taf. I. Fig. 8. Man berechne den Umfang des
größten Krei&longs;es der Kugel, und mache die Linie AD dem
vierten Theile de&longs;&longs;elben gleich. Die&longs;e Linie AD theile man
in 18 gleiche Theile, ziehe durch die Theilungspunkte die
Linien DC, fg, hi u. &longs;. w. &longs;enkrecht auf AD. Ferner theile
man den gefundenen Umkreis in &longs;o viel gleiche Theile, als
man Streifen, wie ABEC, haben will; die Helfte eines
&longs;olchen Theils giebt die Länge der Linie DC. Die&longs;e Länge,
multiplicirt in den bey fg &longs;tehenden Decimalbruch, giebt die
Länge von fg; und &longs;o giebt die Länge von DC nach und nach,
durch Multiplication in die dabey&longs;tehenden Decimalbrüche,
die Längen der folgenden Parallellinien, mithin die Punkte
C, g, i u. &longs;. w., durch welche die krumme Linie CgiA leicht
aus freyer Hand gezogen werden kan. Hieraus ent&longs;teht
eine Patrone ADC, nach welcher &longs;ich, durch viermaliges
Auflegen auf die Seide oder Leinwand, der ganze Streif
ABEC, zu&longs;chneiden läßt. I&longs;t z. B. der Durchme&longs;&longs;er einer
Kugel, die man aus 12 Streifen zu&longs;ammen&longs;etzen will =
20 Schuhe, &longs;o hält der Umfang des größten Krei&longs;es =
62, 8 Schuhe wovon der vierte Theil 15,7 Schuh für
AD giebt. Der zwölfte Theil des Umkrei&longs;es 5, 236 Schuh
giebt BC, und die Helfte davon 2,618 Schuh die Länge
von DC. Die&longs;e multiplicirt mit 0,99619 giebt 2,608
Schuh für fg; mit 0,98481 giebt &longs;ie 2,578 Schuh für
hi u. &longs;. w. Die beyge&longs;chriebenen Decimalbrüche &longs;ind die
Co&longs;inus der Bogen von 5°, 10°, 15° rc. für den Sinustotus
= 1, nach deren Verhältni&longs;&longs;en ähnliche Bogen der
Parallelkrei&longs;e von 5 zu 5 Graden vom größten Krei&longs;e aus
gegen den Pol A abnehmen. Beym Zu&longs;chneiden &longs;elb&longs;t
Die Hüllen zu Kugeln mit erhitzter Luft werden von
innen mit etwas, das &longs;ie vor dem Feuer &longs;chützt, von
außen mit etwas, das vom Regen nicht aufgelö&longs;et wird, z.
B. inwendig mit einer Erdfarbe und auswendig mit einem
&longs;ehr &longs;chnell trocknenden Oelfirniß über&longs;trichen, auch wohl
vorher in einer Auflö&longs;ung von Salmiak und Kalk geweicht.
Die &longs;eidnen Zeuge zu Kugeln mit brennbarer Luft
werden mit Firni&longs;&longs;en über&longs;trichen, wozu man in Frankreich
eine geheim gehaltene Auflö&longs;ung des Federharzes
(gummi ela&longs;ticum), vermuthlich in irgend einem we&longs;entlichen
Oele, zu gebrauchen anfieng, bis man endlich gefunden
hat, daß ein Firniß von trocknendem Leinöl, mit Vogelleim
abgekocht und mit Terpentingei&longs;t vermi&longs;cht, eben
&longs;o gute, oder noch be&longs;&longs;ere Dien&longs;te lei&longs;te. Mit die&longs;em Firniß
wird der Seidenzeug auf beyden Seiten über&longs;trichen,
und, wenn alles getrocknet i&longs;t, werden die vorhin be&longs;chriebnen
Streifen zur Kugel zuge&longs;chnitten, mit den daran gela&longs;&longs;enen
Rändern an oder auf einander gelegt, gefaltet, und
mit fe&longs;ten Näthen zu&longs;ammenge&longs;tochen. Es i&longs;t gut, die
Näthe noch einmal mit Firniß zu über&longs;treichen.
Die Aero&longs;taten mit erhitzter Luft bekommen am Boden
eine Oefnung, deren Durch&longs;chnitt 1/4—1/3 vom Durchme&longs;&longs;er
der ganzen Ma&longs;chine beträgt; an die&longs;e wird ein leinener
cylindri&longs;cher Hals von gleichem Durch&longs;chnitte und
6 Schuh Höhe angenähet. Sollen Men&longs;chen mit in die
Höhe &longs;teigen, &longs;o wird von außen um die&longs;en Hals eine von
Weiden geflochtene 3 Schuh hohe und 18 Zoll breite Gallerie
angebracht, deren inneres Gelender an den Hals der
Ma&longs;chine be&longs;e&longs;tigt i&longs;t, das äußere aber an Stricken hängt,
die vom obern Theile der Kugel kommen, und an der obern
Helfte der Kugelfläche von andern Stricken in Form eines
Netzes durchkreuzt werden. Auch wird eine Glutpfanne
aus ei&longs;ernen Stäben, deren Durchme&longs;&longs;er etwa 1/3 von dem
Durch&longs;chnitte der Oefnung einnimmt, mitten unter der&longs;elben,
1 Schuh höher, als der untere Rand des Hal&longs;es, an
Ketten aufgehangen, welche an das innere Gelender derI. Fig. 9. zeigt
die Ge&longs;talt einer &longs;olchen Ma&longs;chine, wie &longs;ie in die Atmo&longs;phäre
auf&longs;teigt.
Um &longs;ie zu füllen, wird ein 6—8 Schuh hohes Gerü&longs;t
ABCD, Taf. I. Fig. 10. errichtet, in de&longs;&longs;en Mitte
der gemauerte Ofen oder Schor&longs;tein EF bis auf den Boden
herabgehet. Die&longs;er Ofen hat unten eine Thür,
das Feuer anzumachen, und muß 2 — 3 Schuh über
das Gerü&longs;t hervorragen. Er muß etwas &longs;chmäler, als der
Hals der Ma&longs;chine &longs;eyn. Man kan unten einen ei&longs;ernen
Ro&longs;t legen, um dem Feuer Luft von unten her zu ver&longs;chaffen.
An beyden Seiten des Gerü&longs;ts &longs;tehen &longs;tarke Bäume oder
Ma&longs;ten HI, KL, oben mit Rollen, über welche ein Strick
läuft, der durch einen Ring am obern Theile der Ma&longs;chine
gezogen, dazu dient, durch Anziehen &longs;einer Enden die obern
Theile der Ma&longs;chine in die Höhe zu heben. Auch um den
Aequator der Kugel &longs;ind Ringe angebracht, um an durchgezogenen
Stricken die Ma&longs;chine fe&longs;thalten zu können.
Die| Kugel wird nun zu&longs;ammengefaltet &longs;o aufs Gerü&longs;t gelegt,
daß die Oefnung des Hal&longs;es genau auf den Schor&longs;tein
pa&longs;&longs;et, in welchem ein helles, nicht viel Rauch gebendes
Feuer von kleinem Holze und Stroh angezündet wird.
Die&longs;es treibt einen Strom von erhitzter Luft in die Kugel,
entfaltet die&longs;elbe, &longs;chwellt &longs;ie an, und hebt ihren obern
Theil, dem man durch den über die Rollen gezognen Strick
nachhelfen kan. Nunmehr wird alles, was mit der Ma&longs;chine
auf&longs;teigen &longs;oll, in die Gallerie gebracht, in welche
&longs;ich auch die Luftfahrer &longs;tellen; man zieht die Kugel, &longs;obald
&longs;ie &longs;ich hebt, ein wenig &longs;eitwärts, hängt die Gluthpfanne
ein, zündet das Feuer in der&longs;elben an, und überläßt
die Ma&longs;chine der Luft.
Die Aero&longs;taten mit brennbarer Luft bekommen an
ihrem obern Theile eine Klappe, welche durch eine Feder
zugehalten wird, und mit einer Schnur, welche bis an den
Ort der Luft&longs;ahrer herabreicht, geöfnet werden kan. Die&longs;e
Klappe dient, brennbare Luft aus dem Balle herauszula&longs;&longs;en.I. Fig. 11. zeigt einen Aero&longs;tat von die&longs;er Art
in der Luft.
Um &longs;olche Ma&longs;chinen zu füllen, muß man zuer&longs;t für
die nöthigen Materialien zu Entbindung der brennbaren
Luft &longs;orgen. Man rechnet auf einen Pari&longs;er Cubik&longs;chuh
brennbares Gas, 6 Unzen Ei&longs;en&longs;päne, 6 Unzen Vitriolöl,
und 30 Unzen Wa&longs;&longs;er; hieraus läßt &longs;ich leicht finden, wie
viel Materialien zu Füllung einer Kugel von gegebnem Inhalte
nöthig &longs;ind. Obgleich die Kugeln nie ganz gefüllt
werden (damit das Gas Raum behalte, &longs;ich in der obern
weniger ela&longs;ti&longs;chen Luft auszubreiten) &longs;o i&longs;t es doch rath&longs;am,
bey An&longs;chaffung der Materialien aufs Ganze zu rechnen,
damit man deren eher zu viel, als zu wenig, habe. Taf.
I. Fig. 12. zeigt nun die Geräth&longs;chaft zur Füllung. A, A
&longs;ind zwo 3 Schuh breite und 2 Schuh tiefe Wannen, die in
zwo andere breitere und mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Wannen B B,
umge&longs;türzt &longs;ind. Am Boden jeder umge&longs;türzten Wanne
befindet &longs;ich eine blecherne Röhre E, 7 Zoll weit und eben &longs;o
lang. Um jede Wanne B, B werden 6—8 Fä&longs;&longs;er ge&longs;tellt,
deren jedes im obern Boden zwo Oefnungen hat. Aus der
einen Oefnung geht eine blecherne Röhre in die Höhe, beugt
&longs;ich über den Rand der Wanne B niederwärts, bis in das
Wa&longs;&longs;er die&longs;er Wanne herab, und endigt &longs;ich mit einer aufwärts
gekehrten und im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden Oefnung unter
der Wanne A. Die Weite einer &longs;olchen Röhre i&longs;t etwaA, A. Beym
Füllen &longs;elb&longs;t legt man das Netz über die Kugel, faltet &longs;ie
ganz zu&longs;ammen, um die gemeine Luft herauszutreiben,
bindet die &longs;eidnen Schläuche um die blechernen Röhren
EE, &longs;chüttet in die Fä&longs;&longs;er zuer&longs;t die Ei&longs;en&longs;päne, dann das
Wa&longs;&longs;er und zuletzt das Vitriolöl. Die brennbare Luft
&longs;teigt dann durch die Röhren an den Böden der Fä&longs;&longs;er,
und geht durch das in den Wannen B und A befindliche
Wa&longs;&longs;er in die Röhren EE, und durch die Schläuche in
die Kugel über, &longs;chwellt die&longs;elbe auf, und macht, daß &longs;ie
&longs;ich bald von &longs;elb&longs;t ohne Hülfe des Seils GH in der Höhe
erhält. So, wie &longs;ich die Kugel immer mehr aufblä&longs;et,
wird das Netz ringsumher in die gehörige Lage gebracht, der
Reif und das Boot für die Luftfahrer daran befe&longs;tiget,
und alles Nöthige zur Rei&longs;e vorbereitet. I&longs;t die Kugel
etwas über drey Viertel gefüllt, &longs;o bindet man die Schläuche
von den Röhren EE ab, bindet &longs;ie zu, und legt ihre
Enden neb&longs;t der Schnur zur Klappe in das Boot. Die
Kugel, welche bisher mit Stricken, die an das Netz befe&longs;tigt
&longs;ind, gehalten worden i&longs;t, wird nun freygela&longs;&longs;en,
und &longs;teigt mit dem Boote und den Luftfahrern auf.
Von dem Schau&longs;piele, welches Ma&longs;chinen von &longs;olcher
Größe dar&longs;tellen, wenn &longs;ie mit Men&longs;chen in die Luft
&longs;teigen, &longs;prechen alle Augenzeugen de&longs;&longs;elben mit Entzücken
und Bewundrung. Es hat Hohe und Niedrige, Kenner
und Unerfahrne, überall ohne Ausnahme zur leiden&longs;chaftlich&longs;ten
Theilnehmung hingeri&longs;&longs;en. Die Großen haben
ihren Beyfall durch königliche Belohnungen, die mittlern
Stände durch Lob&longs;prüche, Gedichte, Monumente, Münzen,
das gemeine Volk durch Jauchzen, Einführung im
Triumph, und Unwi&longs;&longs;ende nicht &longs;elten durch eine fa&longs;t abgötti&longs;che
Verehrung der Luftfahrer an den Tag gelegt.
Den Luftfahrern &longs;elb&longs;t fehlt es an Worten, um ihre Empfindungen
Welche Gattung von Aero&longs;taten vorzüglicher &longs;ey, läßt &longs;ich noch nicht ent&longs;cheiden. Die mit verdünnter Luft &longs;ind wohlfeiler und leichter zu verfertigen; die mit brennbarer hingegen &longs;icherer, kleiner und dauerhafter.
Die Bewegung des Aero&longs;taten in der Luft läßt &longs;ich,
wie alle Bewegungen, in eine vertikale und eine horizontale
zerlegen. Was die vertikale Bewegung betrifft,
&longs;o &longs;teigt der Aero&longs;tat, der in den obern Regionen leichtere
Luft antrifft, nur &longs;o lange, bis er &longs;ich in derjenigen Luft&longs;chicht
befindet, welche mit ihm &longs;elb&longs;t eine gleiche &longs;pecifi&longs;che
Schwere hat; oder er geht vielmehr wegen &longs;einer &longs;chon
vorher erlangten Ge&longs;chwindigkeit noch ein wenig über die&longs;e
Luft&longs;chicht hinaus, &longs;inkt wieder, und bleibt endlich nach
ver&longs;chiedenen O&longs;cillationen &longs;tehen. Die nähere Unter&longs;uchung
die&longs;er Bewegung macht ein &longs;ehr &longs;chönes Problem der
höhern Mechanik aus, über welches der große Leonhard
Euler wenige Tage vor &longs;einem Tode &longs;eine letzten Rechnungen
an&longs;tellte, und wovon Meu&longs;nier (Schreiben über
den Ball im Champ de Mars, in dem am Ende angeführten
Werke des Faujas) und Kramp (Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik,
Strasburg 1784. 8. Th. I. 11—15 Ab&longs;chnitt)
Auflö&longs;ungen zu geben ver&longs;ucht haben. Die&longs;e Rechnungen
gelten jedoch nur für Fälle, in welchen der Zu&longs;tand des
Aero&longs;taten &longs;elb&longs;t, während des Auf&longs;teigens, ungeändert
bleibt. Wenn Men&longs;chen auf Aero&longs;taten mit verdünnter
Luft auf&longs;teigen, &longs;o wirken &longs;ie durch Ver&longs;tärkung und
Verminderung des Feuers &longs;ehr ver&longs;chiedentlich auf den Zu&longs;tand
der darinn enthaltenen Luft; Ver&longs;tärkung des Feuers
treibt den Ball &longs;chneller in die Höhe, Verminderung de&longs;&longs;elben
hält ihn zurück, oder &longs;enkt ihn wieder herab, und
man &longs;ieht leicht, daß &longs;o willkührliche Veränderungen &longs;ich
keiner Rechnung unterwerfen la&longs;&longs;en. Einige Luftfahrer,
be&longs;onders der unglückliche Pilatre de Rozier, brachten
es &longs;ehr weit in der Ge&longs;chicklichkeit, das Feuer zu behandeln,
Die vertikale Bewegung der Aero&longs;taten mit brennbarer
Luft läßt noch eher einige Berechnung zu. Für
die Höhe, in welcher der Aero&longs;tat &longs;tehen bleibt, läßt &longs;ich
folgender Ueber&longs;chlag machen. Vorausge&longs;etzt, daß die
&longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticitäten der gemeinen und brennbaren Luft
unverändert bleiben, wenn &longs;ich gleich die ab&longs;oluten Ela&longs;ticitäten
ändern, nimmt a—b in gleichem Verhältni&longs;&longs;e mit
a &longs;elb&longs;t ab. Wenn daher das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes
Luft in der Region, worinn die Kugel &longs;till &longs;teht, = a—b da&longs;elb&longs;t in /a(a—b),
und weil für den Fall des Still&longs;tehens k = o wird, &longs;o
giebt die Formel p+k=c(a—b) hier
p = (c a/a) (a—b)
woraus
Er. Als Charles am 1 Dec. 1783 in der Pläne
bey Ne&longs;le auf&longs;tieg, wog die Ma&longs;chine mit aller La&longs;t 438
Pfund, das Gewicht der Luft, welche &longs;ie unten aus der
Stelle getrieben hatte, (oder ca) wird 800 Pfund &longs;chwer
angegeben, und a:b=5 1/4: 1=21: 4 ge&longs;etzt. Daher
i&longs;t c(a—b)=800—(4/21)·800=648. Das Barometer
hatte beym Abgange der Ma&longs;chine auf 28 Zoll
4 Lin. ge&longs;tanden. Nun i&longs;t
648:438=28″4‴:19″2‴Charles fand es zwar
nur auf 18 Zoll 10 Linien, welches eine Höhe von 1643
Toi&longs;en giebt; bringt man aber die gehörigen Berichtigungen
wegen der oben und unten ver&longs;chiedenen Wärme an,
&longs;o finden &longs;ich &longs;ogar 17 Zoll 9 Lin. Es i&longs;t al&longs;o der Theorie
&longs;ehr gemäß, wenn Charles behauptet eine Höhe von
1600 Toi&longs;en erreicht zu haben.
Auch bey die&longs;er Art von Aero&longs;taten haben die Luftfahrer
das Steigen und Fallen in ihrer Gewalt. Sie
&longs;teigen, wenn &longs;ie das Gewicht des Ganzen durch Herabwerfung
von Balla&longs;t vermindern, in welcher Ab&longs;icht &longs;tets
ein Vorrath von Sand&longs;äcken rc. mitgenommen wird; &longs;ie
&longs;inken, wenn &longs;ie durch die Klappe etwas brennbare Luft
herausla&longs;&longs;en. Da auch die be&longs;ten gefirnißten Seidenzeuge
nicht undurchdringlich für die brennbare Luft &longs;ind, &longs;o würde
der Aero&longs;tat bald von &longs;elb&longs;t herab&longs;inken, wenn man nicht
von Zeit zu Zeit Balla&longs;t auswerfen wollte. Daher i&longs;t zu
langen Luftfahrten ein ziemlicher Vorrath von Balla&longs;t nöthig,
de&longs;&longs;en Mangel oft viel Verlegenheit verur&longs;acht hat.
Blanchard war bey der Ueberfahrt über den Canal genöthigt,
&longs;ogar &longs;eine Kleider herabzuwerfen. Etwas Balla&longs;t
muß auch für das Herabkommen aufge&longs;part werden,
damit nahe an der Erde durch das Abwerfen de&longs;&longs;elben der
allzuplötzliche Fall der Ma&longs;chine verhütet werden könne.
Das Herausla&longs;&longs;en der brennbaren Luft durch die Klappe,
wenn man herab&longs;inken will, oder durch den Schlauch,
wenn die Ela&longs;ticität des einge&longs;chloßnen Gas die Kugel zu
&longs;tark aus&longs;pannt und &longs;ie zu zer&longs;prengen drohet, &longs;ind freylich
nur Nothmittel, bey denen man allezeit brennbare Luft
verliert. Es &longs;ind daher Vor&longs;chläge gethan worden, das
Sinken auf andere Art zu bewirken, z. B. durch Gefäße,
worein man äußere Luft pumpen und comprimiren könnte,
um dadurch das Gewicht des Ganzen zu vergrößern; durch
eine in die große Ma&longs;chine einge&longs;chlo&longs;&longs;ene zweyte, die man
durch eine Röhre mit atmo&longs;phäri&longs;cher Luft aufbla&longs;en könnte
u. &longs;. f. Allein die&longs;e Ver&longs;tärkungen des Gewichts &longs;ind
allzu unbeträchtlich; und der letztere Vor&longs;chlag nützt bloßCarolo-Montgolfieren genannt;
zwar verunglückte Pilatre de Rozier auf einer &longs;olchen,
es &longs;cheint aber die Ur&longs;ache die&longs;es Unfalls nicht die
Entzündung der brennbaren Luft, &longs;ondern das Zerreißen
der Ma&longs;chine gewe&longs;en zu &longs;eyn, welche &longs;eit langer Zeit
durch die Witterung gelitten hatte. Endlich hat man auch
das Steigen oder Fallen durch auf - und niederbewegte
Ruder oder Flügel zu bewirken ge&longs;ucht, bisher noch ohne
&longs;onderlichen Erfolg; Vlanchard hat &longs;einem Aero&longs;tat einen
Fall&longs;chirm ( Parachûte) in Ge&longs;talt eines ausge&longs;pannten Regen&longs;chirms
beygefügt, der allerdings dazu beyträgt, ein
plötzliches Niederfallen zu verhüten.
Was die horizontale Bewegung betrifft, &longs;o i&longs;t der
&longs;ich &longs;elb&longs;t überla&longs;&longs;ene Aero&longs;tat gänzlich ein Spiel des Windes,
der ihn ergreift und nach &longs;einer Richtung forttreibt,
da er bey einer vollkommnen Wind&longs;tille &longs;ich gar nicht horizontal
bewegen würde. Sich von die&longs;er Abhängigkeit zu
befreyen, und den Aero&longs;tat nach einer vom Winde abweichenden
willkührlichen Richtung zu lenken, das i&longs;t das
große Problem, de&longs;&longs;en Auflö&longs;ung noch bis jetzt die Naturfor&longs;cher
be&longs;chäftiget. Seitdem die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
zu Lyon die&longs;es Problem zur Preisfrage für 1784
aufgegeben hat, &longs;ind hierüber eine Menge theils &longs;innreicher,
theils thörichter Vor&longs;chläge gethan worden. Unter
die letztern &longs;ind diejenigen zu rechnen, welche Segel zu
brauchen anrathen, durch welche der &longs;chief an&longs;toßende Wind
den Aero&longs;taten, wie ein Schiff auf der See, treiben &longs;oll.
Man hat hiebey nicht bedacht, daß der Wind aufhört,
auf den Aero&longs;taten zu wirken, &longs;obald die&longs;er mit ihm eine
gleiche Ge&longs;chwindigkeit angenommen hat, daß &longs;ich al&longs;o der&longs;. Kraft, relative. Daher können hier
auch die Steuerruder keine Wirkung thun, welche man
&longs;chief gegen den Wind zu richten vorge&longs;chlagen hat.
Be&longs;&longs;er &longs;ind die Vor&longs;chläge von Rudern oder Flügeln,
welche von den Luftfahrern ihrer Ab&longs;icht gemäß gegen
die Luft, wie Ruder gegen das Wa&longs;&longs;er, bewegt werden.
Die damit ange&longs;tellten Proben &longs;ind noch bisher am
glücklich&longs;ten ausgefallen, und die Brüder Robert behaupten,
am 19 Sept. 1784 damit 2 Grad Abweichung
vom Winde erreicht zu haben. Es i&longs;t am be&longs;ten, &longs;olche
Ruder ganz einfach zu machen; alle mechani&longs;che Kün&longs;teleyen
würden mehr hinderlich &longs;eyn. So haben die Roberts,
Blanchard u. a. ganz einfache runde oder viereckichte
Flächen von Seide oder Leinwand in einen Rahmen
gefaßt, und mit dem Stiele, wenn &longs;ie nach der Richtung
des Windes &longs;chlugen, die Fläche, wenn &longs;ie das Ruder gegen
den Wind zurückzogen, die Schärfe nach dem Winde
gekehrt. Lunardi &longs;etzte &longs;eine Ruder aus &longs;eidnen Klappen
zu&longs;ammen, welche &longs;ich, nach dem Winde bewegt, zu&longs;chlugen,
gegen ihn geführt, öfneten, daß al&longs;o das Umwenden
nicht nöthig war. Zambeccari richtete die &longs;einigen &longs;o
ein, daß &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t umwendeten. Die glücklich&longs;te
Wirkung &longs;ollen die Ruder der Herren Vallet und Alban
bey ihrem Ver&longs;uche vom 29 Augu&longs;t 1785 gethan haben.
Der Vor&longs;chlag, durch eine kleine Oefnung an der
Seite des Aero&longs;tats eine Störung des Gleichgewichts zu
bewirken, und dadurch eine Bewegung der Kugel &longs;elb&longs;t in
Wind&longs;tillen zu veranla&longs;&longs;en, gehört dem einen Montgolfier
&longs;elb&longs;t zu; Andere haben durch den Stoß der Luft aus
einer Aeolipile oder durch Abbrennung von Racketen gegen
den Wind zu wirken angerathen. Noch Andere glauben,
da in den ver&longs;chiedenen Regionen der Atmo&longs;phäre ganz ver&longs;chiedene
Ueber den Nutzen, der &longs;ich von der Erfindung der
Aero&longs;taten erwarten läßt, etwas Ent&longs;cheidendes zu &longs;agen,
i&longs;t bey einem &longs;o geringen Alter und unvollkommenen Zu&longs;tande
der&longs;elben kaum möglich. Sie i&longs;t, wie Franklin
ge&longs;agt haben &longs;oll, ein neugebohrnes Kind, das der Erziehung
und Ausbildung bedarf, über de&longs;&longs;en künftige Verdien&longs;te
zu ent&longs;cheiden, Thorheit wäre. Unter den Händen
ein&longs;ichtsvoller Naturfor&longs;cher könnte &longs;ie vielleicht an&longs;ehnliche
Verbe&longs;&longs;erungen erhalten, und zur Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
&longs;owohl als zum Vortheile der men&longs;chlichen Ge&longs;ell&longs;chaft
auf manche Wei&longs;e nützlich werden; wofern nicht ein
unglückliches Schick&longs;al &longs;ie ganz den Händen eitler oder gewinn&longs;üchtiger
Waghäl&longs;e überliefert, die &longs;ie zur Schau herumzutragen,
und den Enthu&longs;iasmus, mit dem man &longs;ie
zuer&longs;t aufnahm, in kalte Gleichgültigkeit zu verwandeln
anfangen. Die bisher ange&longs;tellten Luftfahrten &longs;ind freylich
größtentheils bloße Schau&longs;piele gewe&longs;en, und haben uns
noch wenig eigentlichen Nutzen oder Belehrung über den
Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre ver&longs;chaft, ob &longs;ie gleich die Luftfahrer
immer &longs;ehr reichlich mit meteorologi&longs;chen Werkzeugen
ausgerüftet hatten. Die auffallende Unterla&longs;&longs;ung des
Gebrauchs die&longs;er Werkzeuge i&longs;t theils der Unwi&longs;&longs;enheit
mancher Luft&longs;chiffer, theils ihrer &longs;ehr zu ent&longs;chuldigenden
Zer&longs;treuung durch andere Gegen&longs;tände zuzu&longs;chreiben. Man
i&longs;t inzwi&longs;chen den kühnen Unternehmern der er&longs;ten Luftrei&longs;en
den wärm&longs;ten Dank &longs;chuldig; &longs;ie haben mit Gefahr
ihres Lebens die Möglichkeit einer Unternehmung bewie&longs;en,
die dem men&longs;chlichen Ver&longs;tande zur Ehre gereicht, und &longs;einer
Wirk&longs;amkeit ein neues Gebiet eröfnet. Dem er&longs;ten
Luftfahrer, Pilatre de Rozier, neb&longs;t &longs;einem Gefährten,
hat &longs;ie zwar das Leben geko&longs;tet; allein wie wahr&longs;cheinlich
Welche Vortheile die&longs;e Erfindung in Zukunft gewähren
könnte, kan &longs;ich Jeder, auch mit nur mäßig lebhafter
Einbildungskraft, &longs;elb&longs;t vor&longs;tellen; für die Phy&longs;ik werden
genauere Unter&longs;uchungen über den Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre,
über Wolken, Ent&longs;tehung des Regens und der Meteore
überhaupt, über die Stralenbrechung, Abnahme der
Schwere, Fortpflanzung des Schalls, Elektricität der
Atmo&longs;phäre rc. die wichtig&longs;ten &longs;eyn. Zur Unter&longs;uchung
der atmo&longs;phäri&longs;chen Elektricität &longs;ind kleinere Aero&longs;taten
mit brennbarer Luft, &longs;chon mit großem Vortheil, &longs;tatt der
bisher gewöhnlichen Drachen gebraucht worden.
De&longs;cription des experiences de la machine aëro&longs;tatique,
par M. Faujas de St. Fond. Paris 1783. 8. Premiere &longs;uite
de la de&longs;cription des exp. etc. Paris 1784. 8. Be&longs;chreibung
der Ver&longs;uche mit den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen von
Montgolfier&longs;che Luftkörper von F. L. Ehrmann. Straßburg
1784. 8. Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, hi&longs;tori&longs;ch, phy&longs;i&longs;ch
und mathemati&longs;ch ausgeführt (von Kramp.) Er&longs;ter Theil
Straßburg 1784. Zweiter Th. eb. 1785. 8. Tib. Cavallo
Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik., a. d. Engl. Leipzig 1785. 8.
Die&longs;er
Name gebührt eigentlich der Lehre vom Gleichgewicht der
Luft, &longs;owohl für &longs;ich, als mit andern Körpern, i&longs;t auch
in die&longs;er Bedeutung &longs;ehr richtig &longs;chon von Leupold (Theatr.
aëro&longs;tat.) und neuerlich von Herrn Kar&longs;ten (Lehrbegrif
der ge&longs;ammten Mathematik. III. Th. Greifswald 1769. 8.)
gebraucht worden. Er bezeichnet auf die&longs;e Art einen gro&longs;&longs;en
Theil der Aerometrie, welche &longs;ich in Aero&longs;tatik, Pnevmatik
und Aerodynamik abtheilen läßt, &longs;. Aerometrie.
Seit der Entdeckung der Luftbälle haben einige angefangen,
den Namen der Aero&longs;tatik in einge&longs;chränkterm Sinne bloßAeronautik &longs;chicklicher, da die Hauptab&longs;icht
doch auf Luft&longs;chiffahrt, oder willkührliche Bewegung
die Aero&longs;taten in der Luft, gerichtet i&longs;t. Die Engländer,
z. B. Cavallo, brauchen das noch un&longs;chicklichere Wort:
Aero&longs;tation, welches eher die Kun&longs;t bezeichnet, in der Luft
Aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Aero&longs;tat.
Namen, welche
die Naturfor&longs;cher einer von ihnen angenommenen äu&longs;&longs;er&longs;t
feinen und ela&longs;ti&longs;chen flüßigen Materie beylegen, welche
durch den ganzen Weltraum verbreitet &longs;eyn, und durch
die Zwi&longs;chenräume aller Körper dringen &longs;oll. Alles, was
&longs;ich von die&longs;em Gegen&longs;tande &longs;agen läßt, i&longs;t hypotheti&longs;ch,
und bloß zur Erklärung gewi&longs;&longs;er Er&longs;cheinungen angenommen;
unmittelbare und klare Erfahrungen über das Da&longs;eyn
und die Eigen&longs;chaften des Aethers fehlen gänzlich.
Daher die&longs;er Artikel nichts weiter, als eine kurze Anzeige
men&longs;chlicher Meynungen enthalten kan.
Descartes, welcher voraus&longs;etzte, daß es in der
Welt gar keinen| leeren Raum gebe, nahm an, der
Schöpfer habe bey Hervorbringung der Welt eine Menge
Theilchen von ver&longs;chiednen Ge&longs;talten in Bewegung ge&longs;etzt;
durch das Abtreiben die&longs;er Theilchen an einander &longs;eyen drey
Elemente ent&longs;tanden; aus den fein&longs;ten abgeriebnen Stäubchen
be&longs;tehe das er&longs;te, aus den kugelförmigen Theilchen
das zweyte, aus den gröbern und unregelmäßig gebildeten
das dritte Element. Die&longs;es dritte Element &longs;ey| der
Stof der Erde und der Planeten, das zweyte die Materie
des Lichts, das er&longs;te aber oder die &longs;ubtile Materie bilde,
wenn &longs;ie &longs;ich um einen Mittelpunkt ordne, eine Sonne,
fülle aber auch die Zwi&longs;chenräume aus, welche zwi&longs;chen
den eckichten oder runden Ge&longs;talten der übrigen Elementeer&longs;ten Elements fa&longs;t eben das vorge&longs;tellt,
was neuere Naturlehrer Aether nennen, eine feine
durch den Weltraum und die Zwi&longs;chenräume der Körper
verbreitete Materie, die er zwar von der Materie des Lichts
unter&longs;chied, aber doch mit zur Erklärung des Lichts und
überhaupt aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt gebrauchte.
Malebranche (Recherche de la verité. L. VI.
ch. 9.) und Jacob Bernoulli (De gravitate aetheris.
Am&longs;t. 1683. 8.) &longs;chreiben dem Drucke einer &longs;olchen Materie,
die &longs;ie Aether nennen, die Fe&longs;tigkeit und den Zu&longs;ammenhang
der Körper zu. Der Letztere nimmt eigentlich
den Aether hiebey zu Hülfe, weil er mit dem Drucke der
Luft allein nicht auskommen kann.
Huygens (Traité de la lumiere. Leide 1690. 4.)
legt der Lichtmaterie &longs;elb&longs;t den Namen Aether bey, &longs;chreibt
ihr Ela&longs;ticität zu, und erklärt die Fortpflanzung des Lichts
in der&longs;elben durch wellenförmige Bewegungen, oder Wirbel,
welche jedes von dem leuchtenden Körper bewegte
Theilchen der&longs;elben rings um &longs;ich her errege. Er leitet die
Phänomene des Doppel&longs;teins oder isländi&longs;chen Kry&longs;talls
von einer doppelten Art die&longs;er Wirbel her, deren eine kugelrund,
die andere länglich &longs;ey. So erdachten &longs;ich die&longs;e
Naturlehrer Materien und Bewegungen der&longs;elben nach ihrem
Gefallen und nach dem Bedürfni&longs;&longs;e ihrer Hypothe&longs;en,
ohne eine einzige unmittelbare Erfahrung über das wirkliche
Da&longs;eyn der&longs;elben anzuführen.
Newton, dem die willkührliche und hypotheti&longs;che
Art, über die Natur zu philo&longs;ophiren, äußer&longs;t misfiel,
ward durch Experimentalunter&longs;uchungen des Lichts auf das
Emanations&longs;y&longs;tem geleitet, und erklärt &longs;ich an ver&longs;chiedenen
Stellen &longs;einer Schriften gegen die Hypothe&longs;en vom
Aether, &longs;o wie gegen alle Hypothe&longs;en überhaupt. Haupt&longs;ächlich
aber be&longs;treitet er die Meynungen des Descartes
von dem völlig ausgefüllten Raume, und des Huygens
von der Fortpflanzung des Lichts durch wellenförmige
Schwingungen des Aethers. Inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;eine Meynung(Philo&longs;. naturalis princip.
math. L. III. Prop. 10.) behauptet, die Planeten
litten bey ihren Bewegungen im Himmelsraume keinen
Wider&longs;tand, &longs;o bewei&longs;et er die&longs;es nur daraus, weil die Luft
200 Meilen über der Erde &longs;chon 75 Billionenmal dünner,
als an der Erdfläche &longs;ey, und Iupiter in einem &longs;o dünnen
Mittel eine Million Jahre laufen könnte, ehe er durch den
Wider&longs;taud de&longs;&longs;elben nur ein Milliontheilchen der ihm mitgetheilten
Bewegung verlieren würde. Dies heißt wohl
nicht, eine ab&longs;olute Leere, es heißt, eine äußer&longs;t feine
Materie in den Himmelsraum &longs;etzen, oder es heißt vielmehr,
nicht ent&longs;cheiden, aber nur zeigen, daß auch, wenn
eine &longs;olche Materie da wäre, der Wider&longs;tand noch nicht
merklich &longs;eyn könne. Und was den Aether in den Zwi&longs;chenräumen
der Körper betrift, &longs;o zeigt der Schluß &longs;einer
Principien deutlich, daß er das Da&longs;eyn de&longs;&longs;elben für wahr&longs;cheinlich
gehalten habe. ”Adjicere liceret, &longs;agt er, non”nulla
de &longs;piritu quodam &longs;ubtili&longs;&longs;imo corpora cra&longs;&longs;a
”pervadente, et in iisdem latente etc.“ Er wirft über die&longs;e
in den Körpern verborgne feine Materie in &longs;einer Optik
einige merkwürdige Fragen auf. Zwar i&longs;t nicht zu läugnen,
daß in den ältern Ausgaben die&longs;es Werks (Optice;
aut. I&longs;. Newtono, latine redd. Sam. Clarke, Lond. 1706.
4. qu. 23.) &longs;eine Ausdrücke mehr Kräfte
Herr Euler hat in &longs;einer mit &longs;o vielem Beyfall aufgenommenen
Theorie des Lichts und der Farben (&longs;. Licht)
Huygens oben angeführte Meynung zum Grunde gelegt,
und ein Gebäude von Rechnungen darauf errichtet, welches
ihn als Mathematiker in &longs;einer ganzen Größe zeigt.
Fortpflanzung des Lichts und Ent&longs;tehung der Farben werden
darinn lediglich den Schwingungen des Aethers zuge&longs;chrieben.
Als Phy&longs;iker, hätte der vortrefliche Urheber
die&longs;er Theorie eigentlich mit Erfahrungen über das Da&longs;eyn
eines Aethers den Anfang machen &longs;ollen, wenn &longs;eine
Lehre mehr als Hypothe&longs;e oder Vor&longs;tellungsart &longs;eyn &longs;ollte.
Statt de&longs;&longs;en begnügt er &longs;ich, Newtons Emanations&longs;y&longs;tem
und die Leere der Himmelsräume zu be&longs;treiten. Er
wundert &longs;ich, daß Newton, um die Bewegung der Planeten
nicht zu hindern, eine Leere im Himmelsraume angenommen,
und doch durch &longs;eine ausfließenden Licht&longs;tralen
die&longs;e Leere wieder mit einer Materie ausgefüllt habe, deren
&longs;tete und heftige Bewegung den Lauf der Planeten unendlich
&longs;tärker &longs;tören mü&longs;&longs;e. ”Ein trauriges Bey&longs;piel
”men&longs;chlicher Weisheit,“ &longs;agt er (Lettres à une prince&longs;&longs;e
d' Allemagne. L. 18.), ”die, um einer Schwie”rigkeit
auszuweichen, oft auf eine weit größere Thor”heit
verfällt.“ Dies Urtheil über Newton &longs;cheint
mir zu hart; ich kenne keine Stelle &longs;einer Schriften, die
eine ab&longs;olute Leere im Weltraume behauptete; er &longs;treitet
überall bloß gegen den ab&longs;olut und ohne alle leere Zwi&longs;chenräumeerfüllten Raum ( plein ab&longs;olu) des
Euler macht &longs;ich vom Aether, der ihm zu &longs;einer
Theorie vom Lichte unentbehrlich i&longs;t, die Vor&longs;tellung, daß
er eine höch&longs;t feine, flüßige, ela&longs;ti&longs;che Materie &longs;ey, und
vermöge &longs;einer Ela&longs;ticität die Himmelsräume &longs;owohl, als
die Zwi&longs;chenräume der Körper erfülle. Er erklärt durch
die Schwingungen de&longs;&longs;elben das Licht und die Farben, aus
&longs;einer Ela&longs;ticität die elektri&longs;chen Er&longs;cheinungen und viele
andere Phänomene der Natur. Der Beyfall, den die
Euleri&longs;che Theorie des Lichts unter den Naturfor&longs;chern gefunden
hat, hat auch die&longs;er Idee vom Aether eine fa&longs;t allgemeine
Aufnahme ver&longs;chaft; und in der That kan man
eben &longs;o wenig gegen die Wahr&longs;cheinlichkeit des Da&longs;eyns
einer &longs;olchen Flüßigkeit etwas einwenden, als man unmittelbare
Bewei&longs;e dafür anführen oder Ver&longs;uche über ihre
Natur an&longs;tellen kan. Daß die Himmelsräume nicht leer
&longs;ind, und daß &longs;elb&longs;t in luftleeren Räumen noch etwas weit
Feineres, als Luft, vorhanden &longs;ey, läßt &longs;ich gar nicht
läugnen: daß man die&longs;es Etwas Aether nenne, dawider
i&longs;t nichts einzuwenden, wenn man nur zugleich ge&longs;tehet,
daß wir nicht viel von die&longs;em Etwas wi&longs;&longs;en.
Einige A&longs;tronomen haben in den Bewegungen der
Planeten Veränderungen finden wollen, welche einigen
Wider&longs;tand des Mittels, in welchem &longs;ie laufen, anzuzeigen
&longs;cheinen. Euler (De relaxatione motus planetarum
a re&longs;i&longs;tentia aetheris orta, in Opu&longs;c. To. I. no. 4.) &longs;etzt &longs;ie
haupt&longs;ächlich in eine Verkürzung der großen Axe ihrer
Bahnen und der Umlaufszeiten; er nimmt an, das Sonnenjahr
werde alle Jahrhunderte etwa um 5 Secunden
kürzer. Die Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften hatte
für 1762 die Frage aufgegeben, ob dergleichen Wider&longs;tand
vorhanden wäre, und was er für Wirkungen hätte. Der
Abbé Bo&longs;&longs;ut erhielt den Preis und Herr Albert Euler(Recueil des piéces, qui ont remporté le
prix de l'ac. roy. To. VIII. Bo&longs;&longs;ut Recherches &longs;ur les
altérations, que la re&longs;i&longs;tence de l' éther peut produire
dans les mouvemens moyens des planétes. Charleville
1766. 4.). Dennoch urtheilt Herr
Aether, Naphtha, Spiritus aethereus,
Ether. In der Chymie i&longs;t dies der Name einer weißen
durch&longs;ichtigen Feuchtigkeit, von einem be&longs;ondern höch&longs;tdurchdringenden
Geruche, welche ungemein leicht, flüchtig
und entzündbar i&longs;t, und aus dem Weingei&longs;te vermittel&longs;t
der Säuren bereitet wird. Der Aether vermi&longs;cht &longs;ich
nicht in allen Verhältni&longs;&longs;en mit dem Wa&longs;&longs;er; er &longs;cheint
überhaupt einigen Chymikern das Mittel zwi&longs;chen dem
Weingei&longs;te und den Oelen zu halten, und ein Weingei&longs;t
zu &longs;eyn, der durch die Säure &longs;eines Wa&longs;&longs;ers zum Theil
beraubt, und der Natur der Oele näher gebracht worden
i&longs;t; andere glauben, die Säure wirke mehr auf des Weingei&longs;ts
ölichte Theile, und erzeuge mit ihnen den Aether.
Der Aether wird durch die De&longs;tillation des rectificirten
Weingei&longs;ts mit Säuren bereitet; je nachdem man
hiezu Vitriol&longs;äure, Salpeter&longs;äure, Eßig&longs;äure oder Salzgei&longs;t
gebraucht, erhält er die Namen Vitriolaether
(Naphta vitrioli), Salpeteraether, Eßigaether,
Salzaether. Ohne nähere Be&longs;timmung des Worts wird
unter Aether gemeiniglich Vitriolaether ver&longs;tanden.
Der Aether verdün&longs;tet äußer&longs;t leicht, und bringt
dabey eine große Kälte hervor. Baume hat ein Reaumüri&longs;ches
Thermometer durch Umwicklung der Kugel mit
Leinwand, die in Aether getaucht war, bis auf 40 Grad
unter den Eispunkt fallen &longs;ehen. Man kan al&longs;o damit im
heiße&longs;ten Sommer Wa&longs;&longs;er zum Gefrieren bringen. Etwas(liquor anodynus mineralis) gebraucht.
Macqueur's chym. Wörterbuch, Art. Aether.
Aetzbarkeit, &longs;. Kau&longs;ticität.
Affinität, &longs;. Verwandt&longs;chaft.
Wenn
ein Ganzes aus mehrern Theilen &longs;o ent&longs;teht, daß ein Theil
&longs;ich bloß neben den andern legt, und durch die Kraft des
Zu&longs;ammenhangs bey der Berührung, oder durch ein bindendes
Mittel mit dem nebenliegenden vereiniget wird, &longs;o
erhält ein &longs;olches Ganzes den Namen Aggregat. Dabey
bleibt die Be&longs;chaffenheit der Theile unverändert. Wenn
hingegen die Theile in einander greifen, einander auflö&longs;en,
und &longs;ich &longs;o zu einem Ganzen verbinden, das andere Eigen&longs;chaften
hat, als vorher jeder Theil für &longs;ich hatte, &longs;o heißt
das Ganze ein Gemi&longs;ch, Mi&longs;chung (Mixtum). So
i&longs;t z. B. ein Sand&longs;tein oder eine Breccia ein Aggregat
von Körnern oder Steinen; eine Silberauflö&longs;ung hingegen
eine Mi&longs;chung von Silber und Scheidewa&longs;&longs;er.
heißt der Auf- oder Untergang der Ge&longs;tirne, wenn er zu Anfang der Nacht, oder mit Sonnenuntergang ge&longs;chieht. So geht Sirius für Leipzig jährlich um den 8 Febr. mit Sonnenuntergang auf, und um den 17 May mit der Sonne zugleich unter. Dies &longs;ind al&longs;o bey uns die Tage &longs;eines akronykti&longs;chen Auf- und Untergangs.
In den älte&longs;ten Zeiten, ehe noch der Kalender gehörig
geordnet war, pflegte man die Tage des Jahres
durch das mit Auf- oder Untergang der Sonne erfolgendeAufgang.
Die&longs;en Namen führt die Lehre vom Schall und Ton, welche zugleich die phy&longs;ikali&longs;chen und mathemati&longs;chen Gründe der Mu&longs;ik in &longs;ich begreift. Der Name i&longs;t griechi&longs;chen Ur&longs;prungs, und bedeutet: Gehörlehre.
Die mathemati&longs;che Theorie der Mu&longs;ik hat &longs;chon die
Alten be&longs;chäftiget. Man &longs;chreibt ihre Erfindung dem Pythagoras
zu, welcher nach der Erzählung des Iamblichus
in dem Klange der Schmiedehämmer Accorde bemerkt,
und aus dem Gewichte der Hämmer die Verhältni&longs;&longs;e der&longs;elben
ge&longs;chlo&longs;&longs;en haben &longs;oll. Es wird hinzuge&longs;etzt, er habe Saiten
durch angehangene Gewichte von gleicher Größe mit den Gewichten
der Hämmer ge&longs;pannt, uud durch eben die&longs;e Accorde
erhalten. Die&longs;er Zu&longs;atz i&longs;t offenbar fal&longs;ch, weil die Verhältni&longs;&longs;e
der Accorde oder Con&longs;onanzen (z. B. für die Octave
1:1/2) nicht Verhältni&longs;&longs;e der Spannungen, &longs;ondern vielmehr
der Längen der Saiten &longs;ind, und angehangene Gewichte,
wenn &longs;ie Saiten von gleicher Länge zu einem Accorde
&longs;pannen &longs;ollen, &longs;ich nicht, wie jene Längen, &longs;ondern
umgekehrt, wie die Quadratzahlen der&longs;elben (für die Octave
wie 1/4:1) verhalten mü&longs;&longs;en.
Die theoreti&longs;chen Mu&longs;iker der Alten haben &longs;ich in
zwo Secten, die Pythagoräer und Ari&longs;toxenianer,
getheilt. Jene &longs;ahen mit Recht auf die Zahl, welche
die Verhältni&longs;&longs;e der Accorde ausdrücken, hiengen aber an
gewi&longs;&longs;en willkührlich angenommenen Sätzen, z. B. daß
die Quarte über der Octave keine Con&longs;onanz gebe, weil
ihr Verhältniß (1:3/8) nicht einfach genug &longs;ey. Die&longs;e
verwarfen die Verhältni&longs;&longs;e gänzlich, beriefen &longs;ich bloß aufTon, und ob jedes Intervall eines ganzen oder halben
Tons &longs;o groß, als das andere, &longs;ey.
Die älte&longs;ten Schrift&longs;teller über die Mu&longs;ik hat Marcus
Meibom unter dem Titel: Mu&longs;ici veteres, 1652.
in zween Quartbänden herausgegeben. Des Claudius
Ptolomäus Harmonica neb&longs;t des Porphyrius Commentar
und Manuels von Bryenne Harmonica &longs;ind
von Wallis zu Oxford, 1682. 4. edirt, und nachher
in den dritten Band &longs;einer Werke ( Io. Walli&longs;ii Opera mathematica.
Oxon. 1699. III. Vol. fol.) eingerückt worden.
Die neuere Tonkun&longs;t weicht von den Grund&longs;ätzen der
Alten beträchtlich ab. Die Harmonie, oder Zu&longs;ammen&longs;timmung
mehrerer einander begleitenden Stimmen, i&longs;t,
wie Bürette (Hi&longs;t. de l'Acad. des In&longs;criptions et belles
lettres. a. 1716.) &longs;ehr wahr&longs;cheinlich gezeigt hat, den
Alten ganz unbekannt gewe&longs;en; unter den Neuern aber
anfänglich bloß nach Empfindung und Gehör behandelt,
und er&longs;t von Rameau (Traité de la harmonie. Paris
1722. 4.), wiewohl mit vielem Willkührlichen vermi&longs;cht,
in ein Sy&longs;tem gebracht worden. Seit die&longs;er Zeit haben
&longs;ich Mathematiker und Tonkün&longs;tler vereiniget, um die
Regeln der Mu&longs;ik auf be&longs;timmte Grund&longs;ätze zu bringen.
Euler (Tentamen novae theoriae mu&longs;ices. Petrop.
1739. gr. 4.) behandelt die Tonkun&longs;t ganz mathemati&longs;ch,
und hat zuer&longs;t über die vorher bloß durch Proben und Erfahrung
verbe&longs;&longs;erten Blasin&longs;trumente etwas Gründliches
ge&longs;agt; brauchbare Werke für die Tonkün&longs;tler &longs;elb&longs;t haben
Kirnberger (Die Kun&longs;t des reinen Satzes in der Mu&longs;ik.
Berlin 1771. 4.), Marpurg (Ver&longs;uch über die mu&longs;ikali&longs;che
Temperatur. Breslau 1776. 8.) und Sulzer
(Allgem. Theorie der &longs;chönen Kün&longs;te in alphabeti&longs;cher Ordnung.
Leipz. 1773. gr. 8.) geliefert.
In&longs;trumenta acu&longs;tica,
In&longs;trumens acou&longs;tiques. Werkzeuge, deren &longs;ich &longs;chwer hörende
Ein erdiges Mittel&longs;alz,
welches durch Verbindung der Vitriol&longs;äure und Thonerde
oder Alaunerde ent&longs;teht. Es läßt &longs;ich leicht in Wa&longs;&longs;er
auflö&longs;en und kry&longs;talli&longs;iren, hat einen herb-&longs;üßlichen &longs;tark
zu&longs;ammenziehenden Ge&longs;chmack, und weil die Kry&longs;tallen
de&longs;&longs;elben viel Wa&longs;&longs;er enthalten, &longs;o gerathen &longs;ie über dem
Feuer von &longs;elb&longs;t in Fluß, das Wa&longs;&longs;er verdün&longs;tet, und es
bleibt der gebrannte Alaun, ein lockeres, trocknes und
leicht zerreibliches Salz, übrig. Man bereitet den Alaun
aus mancherley kie&longs;ichten und erdichten Materien, z. B.
aus einer Erde der Solfatara bey Puzzuolo, einem Steine
in der Gegend von Civita-Vecchia, aus Kie&longs;en und Erzen
ver&longs;chiedener Bergwerke. Man gebraucht ihn vorzüglich
in der Färbekun&longs;t, in der er eine Hauptmaterie ausmacht,
um die Farben zu befe&longs;tigen; außerdem zum Planiren des
Papiers, Aus&longs;ieden des Silbers, Ver&longs;ilbern des Kupfers,
zur Lederbereitung, zu feuerabhaltenden An&longs;trichen, zu
Lackfarben u. &longs;. w.; auch in der Arzneykunde als ein wirk&longs;ames
zu&longs;ammenziehendes Mittel.
Macquer chym. Wörterbuch. Art. Alaun.
Alaunerde, &longs;. Thonerde.
Die&longs;en Namen,
der wegen des vorge&longs;etzten arabi&longs;chen Artikels &longs;o viel,
als Chymie im vorzüglichen Ver&longs;tande ( Chymie par
excellence) bedeutet, legen die &longs;ogenannten Adepten ihrer
vermeynten Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey, durch welche &longs;ie die Operationen
der Natur im Innern der Erde, Erzeugung und
Verwandlung der Metalle u. dgl. nachzuahmen und auszuführen
&longs;uchen. Seitdem man dem Golde durch ein&longs;timmigen
Vergleich einen &longs;o hohen Werth beygelegt hat, &longs;eitdem
hat auch die der aufgeklärtern Chymie &longs;o &longs;chädliche
Ra&longs;erey des Goldmachens gewüthet. Ohne die noch bis
jetzt unent&longs;chiedene Frage von der Möglichkeit de&longs;&longs;elben zu
unter&longs;uchen, überließen &longs;ich oft Köpfe, die auf einem be&longs;&longs;ern
Inzwi&longs;chen i&longs;t doch un&longs;ere neuere, durch Bemühungen
verdien&longs;tvoller Männer &longs;o &longs;ehr aufgeklärte, Chymie
eine Tochter die&longs;er übelberüchtigten Mutter, obgleich beyde
mit einander nichts mehr, als den Namen und einige im
Gebrauch gebliebene Kun&longs;tworte und Bezeichnungen, gemein
haben. Schon im &longs;echszehnten Jahrhunderte, undParacel&longs;us &longs;elb&longs;t, fiengen einige ver&longs;tändige
und gelehrte Männer, z. B. Agricola, Erker
rc. an, einen be&longs;&longs;ern Weg zu bezeichnen, indem &longs;ie
zuer&longs;t deutlich und genau die Arbeiten des Bergbaues und
der chymi&longs;chen Bereitung der Erze be&longs;chrieben, welche bis
dahin in einem &longs;tillen, aber ununterbrochenen, Fortgange getrieben
und &longs;chon zu einer ziemlichen Vollkommenheit gebracht
worden waren. Der Ge&longs;chmack an den nützlichen
Wi&longs;&longs;en&longs;chaften erweckte nach und nach Mehrere, welche die
bisher in den Händen gemeiner Arbeiter und Handwerker
verborgen gelegnen techni&longs;chen Handgriffe öffentlich bekannt
machten, und weitere Unter&longs;uchungen darüber veranlaßten.
Dies i&longs;t der eigentliche Ur&longs;prung der ächten neuern Chymie,
mit welcher jedoch noch Viele, wie Libavius, Van
Helmont, Borrichius u. a. die alten alchymi&longs;ti&longs;chen
Thorheiten zu vereinigen &longs;uchten.
Durch das ganze &longs;iebzehnte Jahrhundert hindurch
hat der Streit zwi&longs;chen Wahrheit und Irrthum in die&longs;em
Fache mit voller Lebhaftigkeit fortgedauert. Auf der einen
Seite verbreiteten die Experimentalunter&longs;uchungen der Naturfor&longs;cher,
die wichtigen Entdeckungen &longs;o vieler neuen
Wahrheiten, der Um&longs;turz eben &longs;o vieler alten Hypothe&longs;en
rc. ein ganz unerwartetes Licht über die Naturlehre und
Chymie; auf der andern &longs;ahe man noch oft die be&longs;ten Köpfe
den alten Ungereimtheiten nachhängen, und die &longs;ogenannte
Ge&longs;ell&longs;chaft der Ro&longs;encreuzer, die &longs;ich be&longs;onderer Geheimni&longs;&longs;e
rühmte, riß einige der größten Männer zu ihren Thorheiten
hin. Conring (De hermetica Aegyptiorum et
nova Paracel&longs;icorum medicina. Helm&longs;t. 1669.) be&longs;tritt
die Alchymie mit Gründlichkeit und Beyfall; da er aber
die hi&longs;tori&longs;chen Zeugni&longs;&longs;e, auf welche &longs;ich die Alchymi&longs;ten
&longs;tützen, nicht genug zu entkräften ge&longs;ucht hatte, &longs;o fand
Olaus Borrichius (De Hermetis, Aegyptiorum et
Chemicorum, &longs;apientia. Hafn. 1674.) noch Stof genug
zu einer Vertheidigung. Dennoch hat &longs;ich &longs;eit Conrings
Widerlegung das herabge&longs;unkene An&longs;ehen der Alchymie
unter den Gelehrten nie wieder ganz emporheben können;
und die großen Erweiterungen, welche die ächte ChymieStahls und Boerhavens Zeiten erhalten hat, haben
da&longs;&longs;elbe gänzlich zu Boden ge&longs;chlagen.
Es hat inzwi&longs;chen bis auf den heutigen Tag &longs;owohl
Betrüger als Betrogne gegeben, welche die alten Vorurtheile
zu erneuern bemüht gewe&longs;en &longs;ind; und noch itzt
&longs;chleicht im Dunkeln ein Hang zu vermeynten Geheimni&longs;&longs;en
und verborgnen Kün&longs;ten, welche, &longs;o &longs;ehr &longs;ie auch von den
wahren Gelehrten verachtet werden, dennoch einen großen
Theil der Men&longs;chen an &longs;ich ziehen. Bewei&longs;e hievon &longs;ind
die Menge unver&longs;tändlicher alchymi&longs;ti&longs;cher Schriften, welche
noch jetzt ge&longs;ammelt, wieder aufgelegt, und mit Begierde
gekauft und gele&longs;en werden, die Ent&longs;tehung eines
eignen alchymi&longs;ti&longs;chen Magazins (Schröters neu&longs;te
Samml. für die höhere Naturwi&longs;&longs;en&longs;chaft u. Chemie, Frkf.
u. Leipz. &longs;eit 1775. 8.), und Ge&longs;chichten wie die des Price
(&longs;. Göttingi&longs;ches Magazin, 3ten Jahrgangs 3tes Stück),
welche mit der &longs;o geprie&longs;nen Aufklärung un&longs;ers Zeitalters
in einem &longs;onderbaren Contra&longs;te &longs;tehen. Die&longs;en Thorheiten
haben &longs;chon mehrere ein&longs;ichtsvolle Chymiker, z. B.
Herr Wiegleb (Hi&longs;tori&longs;ch-kriti&longs;che Unter&longs;uchung der Alchemie,
oder eingebildeten Goldmacherkun&longs;t. Weimar
1777. 8.) zu &longs;teuern ge&longs;ucht, und vielleicht darf man
hoffen, in Zukunft durch mehrere Verbreitung der Wahrheit,
und Entlarvung des unter der Decke|vermeynter Geheimni&longs;&longs;e
verborgnen Betrugs, alle die&longs;e traurigen Ueberbleib&longs;el
der Barbarey und des Fanatismus gänzlich ausgetilget
zu &longs;ehen.
Alkali, &longs;. Laugen&longs;alze.
Ein Name, den
man dem bis auf den höch&longs;ten Grad rectificirten Weingei&longs;te
beygelegt hat, &longs;. Weingei&longs;t. Bisweilen giebt man die&longs;en
Namen auch Sub&longs;tanzen, welche in ein höch&longs;t zartes
fa&longs;t unfühlbares Pulver verwandelt worden &longs;ind.
Macquer chym. Wörterbuch.
So heißt
in der Chymie die Verbindung des Queck&longs;ilbers mit den
andern metalli&longs;chen Sub&longs;tanzen. Das Queck&longs;ilber verbindetAmalgama
beyleget.
Man gebraucht die Amalgimirungen des Goldes
und Silbers, um die&longs;e Metalle aus den erdichten und &longs;teinichten
Materien, denen &longs;ie beygemi&longs;cht &longs;ind, zu ziehen,
ingleichen zu gewi&longs;&longs;en Arten der Vergoldungen und Ver&longs;ilberungen,
wobey das äußer&longs;t flüchtige Queck&longs;ilber durchs
Feuer weggetrieben wird, und das Gold oder Silber auf
der mit dem Amalgama be&longs;trichenen Fläche zurückläßt.
Das Amalgama des Zinns mit Queck&longs;ilber, oder die vom
Queck&longs;ilber zerfreßne Spiegelfolie, dient zur Belegung der
Spiegel. Die in gewi&longs;&longs;en Proportionen gemachten Amalgamen
gewi&longs;&longs;er Metalle &longs;chießen in Kry&longs;tallen an, wovon
Bergmann (phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel,
nach Röhls Ueber&longs;etz. Greifswald 1780. gr. 8. II. Th.
S. 281.) nähere Nachricht giebt, um zu bewei&longs;en, daß
man von kry&longs;talli&longs;chen An&longs;chießungen nicht &longs;icher auf die
Gegenwart eines Salzes &longs;chließen könne.
Macquer chym. Wörterbuch.
Amalgama electricum,
Amalgame électrique. Ein Amalgama, de&longs;&longs;en &longs;ich
die Phy&longs;iker bedienen, um das Reibzeug der Elektri&longs;irma&longs;chinen,
oder auch das zu reibende Glas &longs;elb&longs;t, zu be&longs;treichen,
und dadurch die Erregung der Elektricität zu
befördern.
Die gewöhnliche Art, die&longs;es Amalgama zu verfertigen,
i&longs;t die&longs;e, daß man zer&longs;chnittne Stanniolblättchen
mit Queck&longs;ilber in einem ei&longs;ernen Mör&longs;el reibt, bis der
Noch be&longs;&longs;er wird das Amalgama, wenn man das Zinn &longs;chmelzet, und die gehörige Do&longs;e Queck&longs;ilber hinzugießt.
Higgins hat (Philo&longs;. Transact. for 1778. Vol.
XVIII. P. II. no. 38.) das Amalgama von vier Theilen
Queck&longs;ilber und einem Theile Zink als das wirk&longs;am&longs;te angegeben.
Nach Adams (E&longs;&longs;ay on Electricity. Lond. 1784.
8. p. 27.) &longs;chätzt man jetzt in England vornehmlich zwo
Arten von Amalgama. Die eine be&longs;teht aus fünf Theilen
Queck&longs;ilber und einem Theile Zink, mit ein wenig gelbem
Wachs zu&longs;ammenge&longs;chmolzen: die andere i&longs;t das gewöhnliche
in den Kaufläden zu habende Maler - oder Mu&longs;ivgold
(aurum mu&longs;ivum). Man trägt es nach Adams
Vor&longs;chriften, denen auch Hr. Lichtenberg (neu&longs;te Ausg.
von Erxl. Anfangsgr. der Naturl. §. 501.) bey&longs;timmet, vermittel&longs;t
ein wenig Schweinen-Schmalz auf ein Leder, und
reibt damit das Glas der Elektri&longs;irma&longs;chine gut durch;
auf das Ki&longs;&longs;en wird gar nichts ge&longs;trichen. Herr Lichtenberg
ver&longs;ichert, fa&longs;t nie eine &longs;tärkere Elektricität, als
auf die&longs;e Wei&longs;e erhalten zu haben. Man &longs;. die Artikel:
Elektri&longs;irma&longs;chine und Reibzeug, elektri&longs;ches.
Amphi&longs;cii,&longs;. Zwey&longs;chattichte.
Anakamptik, &longs;. Katoptrik.
Anakla&longs;tik, &longs;. Dioptrik.
Curvae anacla&longs;ticae,
Courbes anacla&longs;tiques. So nennt Herr v.
In&longs;trumentum anacla&longs;ticum,
In&longs;trument anacla&longs;tique. Ein Werkzeug, womit
man die Größe der Stralenbrechung in ver&longs;chiedenen
durch&longs;ichtigen Mitteln, und bey ver&longs;chiedenen Einfallswinkeln,
me&longs;&longs;en kan..
Die alten Optiker (man &longs;. Kircher Ars magna lucis
et umbrae, Romae 1686. p. 681. und
Kepler (Dioptr. Aug. Vind. 1611. 4. L. I. c. 3.) be&longs;chreibt
ein anderes In&longs;trument, welches Wolf aus ihm anführt,
durch den es in die Experimentalgeräth&longs;chaft der neuern
Phy&longs;iker gekommen i&longs;t. Ein glä&longs;erner Würfel HCBEGF
(Taf. I. Fig. 13.) wird in den Winkel zweyer rechtwinklicht
zu&longs;ammenge&longs;etzten Breter ABIN und INOP ge&longs;etzt, von
welchen das eine ABIN um das Stück CAHN vor dem
Würfel vorraget, übrigens aber mit ihm eine gleiche Höhe
hat. Setzt man die&longs;es In&longs;trument horizontal gegen die
Sonne, &longs;o wird der Schatten des Bretes ABIN außer
dem Würfel bis ML, innerhalb de&longs;&longs;elben aber nur bis
KQ reichen. Man kan alsdann die Linien HL und HK
me&longs;&longs;en, und aus ihnen neb&longs;t HC, durch trigonometri&longs;che
Auflö&longs;ung der Dreyecke HCL und HCK, die WinkelHCL und HCK be&longs;timmen, deren er&longs;ter dem Einfallswinkel
SCR gleich, der andere der Brechungswinkel i&longs;t.
So la&longs;&longs;en &longs;ich, wenn man den Ver&longs;uch unter ver&longs;chiedenen
Sonnenhöhen an&longs;tellet, Tafeln verfertigen, welche
angeben, was für ein Brechungswinkel jedem Einfallswinkel
zugehöre.
Vermittel&longs;t die&longs;es Werkzeugs fand Kepler, daß
&longs;ich bey der Brechung aus Luft in Glas, der Einfallswinkel
SCR, wenn er nicht über 30° betrage, zum Brechungswinkel
KCH, wie 3 zu 2, verhalte; ein Ge&longs;etz,
welches von der Wahrheit wenig abweicht, und al&longs;o für
Lin&longs;englä&longs;er zu Fernröhren, deren Krümmung, vom Mittel
an bis an den Rand gerechnet, &longs;elten 20° beträgt,
ohne Fehler brauchbar war; daher Kepler die Ab&longs;tände
der Vereinigungspunkte daraus &longs;chon &longs;ehr richtig hergeleitet
hat. &longs;. die Art. Brechung der Licht&longs;tralen, Lin&longs;englä&longs;er.
Will man eine andere durch&longs;ichtige flüßige Materie an&longs;tatt des Gla&longs;es unter&longs;uchen, &longs;o kan man einen hohlen, mit die&longs;er Materie angefüllten, Würfel an&longs;tatt des glä&longs;ernen gebrauchen.
Von neuern Werkzeugen und Veran&longs;taltungen zu
Me&longs;&longs;ung der Stralenbrechung &longs;. Prie&longs;tley Ge&longs;chichte der
Optik, durch Klügel, S. 241. f. ingl. S. 363. f. und
weiter unten den Art. Brechung der Licht&longs;tralen.
Analy&longs;e, Zerlegung, Zer&longs;etzung.
Verzeichnung einer Figur, welche, auf eine vorge&longs;chriebene Art betrachtet, etwas ganz anders dar&longs;tellet, als &longs;ie dem bloßen Auge in der gewöhnlichen Stellung darzu&longs;tellen &longs;cheint.
Man kan die Anamorpho&longs;en in opti&longs;che, katoptri&longs;che und dioptri&longs;che abtheilen.
Die opti&longs;chen Anamorpho&longs;en werden, um das verlangte
Bild darzu&longs;tellen, mit dem bloßen Auge, nur aus
einem angewie&longs;enen &longs;on&longs;t ungewöhnlichen Ge&longs;ichtspunkte,
betrachtet. Kann man z. B. (Taf. I. Fig. 14.) das in OA, B, C, D, E, keine Eindrücke erhält,
und daß daher die liegende Linie ABCDE eben &longs;o, wie
eine &longs;tehende Abcde, von dem Zu&longs;chauer empfunden
wird, &longs;o darf man nur die gleichen Theile eines regelmäßig
gezeichneten Bildes Ab, bc, cd, de durch eine proportionirte
Zeichnung in die ungleichen Theile AB, BC, CD,
DE, ausdehnen. Wird nun die &longs;olcherge&longs;talt verzerrte
Figur AE auf ein Bret gelegt, auf welchem ein anderes
Bret PQ &longs;enkrecht &longs;teht, und vom Auge durch die Oefnung
O betrachtet, &longs;o verliert der Zu&longs;chauer die Gegen&longs;tände
aus dem Auge, die ihm einen Maaß&longs;tab der Entfernungen
OE, OD, OC, rc. geben können. Es wirkt
das verzerrte Bild AE jetzt nicht anders auf &longs;ein Auge,
als das regelmäßige, in Ae aufge&longs;tellt, darauf wirken
würde. Seine Einbildungskraft &longs;elb&longs;t wird ge&longs;chäftig,
&longs;ich eher ein regelmäßiges, als ein verzerrtes Bild darzu&longs;tellen;
er glaubt al&longs;o eine in Ae aufge&longs;tellte richtige Zeichnung
zu &longs;ehen. So hat man verzerrte Figuren, in welchen
z. B. Kopf und Schultern durch ED ausgedehnt und
ungeheuer groß, die übrigen Theile des Körpers von D
bis A &longs;ehr klein &longs;ind, die &longs;ich aber, aus O betrachtet, ganz
richtig dar&longs;tellen. Nach Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire rai&longs;onné
de phy&longs;ique; Art. Anamorpho&longs;e) &longs;ind an der Wand einer
Gallerie im Minimenklo&longs;ter an der Place royale in Paris
ver&longs;chiedene Bilder gemahlt, welche, aus einem gewi&longs;&longs;en
Ge&longs;ichtspunkte von der Seite her betrachtet, &longs;ehr deutlich
eine reuige Magdalene dar&longs;tellen.
Hieher gehören auch die Bilder, welche in Streifen
zer&longs;chnitten und Streifenweis auf die Seitenflächen mehrerer
neben einander &longs;tehenden drey&longs;eitigen Prismen aufgeklebt
werden, da man denn ein anderes Bild &longs;ieht, je
nachdem man die&longs;e Prismen von der rechten oder linken
Seite her betrachtet. Von die&longs;en Bildern, die man oft
in Kun&longs;tkabinetten antrift, handeln Schwenter (Mathemati&longs;che
Erquick&longs;tunden, Nürnb. 1651. 4. Th. I. S.
271.) und Wolf (Elementa Optices. Probl. 28.).
Die katoptri&longs;chen Anamorpho&longs;en mü&longs;&longs;en, wenn
das gehörige Bild er&longs;cheinen &longs;oll, in coni&longs;chen, cylindri&longs;chen
oder pyramidenförmigen Spiegeln betrachtet
werden. Man &longs;ieht leicht aus Taf. I. Fig. 15, daß
der coni&longs;che Spiegel PQR dem in O ge&longs;tellten Auge den
Punkt A in a, B in b dar&longs;tellt, und al&longs;o dem Bilde auf
der umliegenden Fläche, wovon AB ein Theil i&longs;t, ganz
andere Lagen und Verhältni&longs;&longs;e &longs;einer Theile, d. h. eine
ganz andere Ge&longs;talt giebt. Auf eine ähnliche Art verändern
auch cylindri&longs;che und pyramidenförmige Spiegel die
Ge&longs;talten der um &longs;ie her liegenden Bilder. Es kömmt
al&longs;o darauf an, ein verzerrtes Bild zu verzeichnen, das
in einem Spiegel von gegebner Art, Größe und Stellung
dem Auge aus einem gegebnen Ge&longs;ichtspunkte regelmäßig
er&longs;cheine. Von der Verzeichnung &longs;olcher Bilder hat Simon
Stevin zuer&longs;t ge&longs;chrieben. Auch handeln davon
Ca&longs;p. Schott (Magia univer&longs;alis. Herbip. 1657. 4.) unter
dem Titel: Magia anamorphotica) und Wolf (Elem.
Catoptr. Probl. 25—27). Jakob Leupold, ein ehemaliger
Leipziger Mechaniker (Anamorpho&longs;is mechanica
nova. Lip&longs;. 1714. 4.), erfand ein eignes In&longs;trument,
durch de&longs;&longs;en Hülfe man jedes vorgezeichnete Bild, auf eine
bloß mechani&longs;che Wei&longs;e, durch eine Art von Storch&longs;chnabel
&longs;o ver&longs;tellen kan, daß es in einem gegebnen coni&longs;chen
oder cylindri&longs;chen Spiegel ordentlich er&longs;cheint. Die Be&longs;chreibung
die&longs;es In&longs;truments findet &longs;ich auch im Saverien
(Dictionnaire univer&longs;el de Mathematique et de
Phy&longs;ique; art. Anamorpho&longs;e).
Die dioptri&longs;chen Anamorpho&longs;en werden durch ein
Polyeder, oder vieleckicht ge&longs;chliffenes Glas betrachtet, &longs;.
Polyeder. Wer eine Tafel durch ein &longs;olches Glas betrachtet,
&longs;ieht durch die Flächen des Gla&longs;es nur gewi&longs;&longs;e
Theile der Tafel, welche an einander zu &longs;tehen &longs;cheinen,
ob &longs;ie gleich auf der Tafel &longs;elb&longs;t weit aus einander und an
ver&longs;chiedenen Orten liegen. Man &longs;ucht al&longs;o hier ver&longs;chiedene
Theile eines gewi&longs;&longs;en Gemäldes an diejenigen Stellen
der Tafel zu bringen, welche dem durch das Polyeder &longs;ehenden
Auge neben einander liegend er&longs;cheinen. Auf derWolf (Elem. Dioptr. Probl. 25.) und
Leutmann (Anm. vom Glas&longs;chleifen, Wittenb. 1719. 8.).
Machina anamorphotica,
Machine anamorphotique. So heißt das
von
Anelektri&longs;che Körper, &longs;. Leiter der Elektricität.
Anemometer, &longs;. Windme&longs;&longs;er.
Ein
Werkzeug, de&longs;&longs;en man &longs;ich bedient, die Richtung des Windes
zu bemerken. Das einfach&longs;te und gewöhnlich&longs;te Anemo&longs;kop
i&longs;t die gemeine Wetterfahne ( girouette) auf den
Thürmen und Häu&longs;ern. Gleiche Dien&longs;te thun die Flaggen
an den Ma&longs;ten der Schiffe.
Um die Richtung des Windes im Zimmer, und genauer,
als durch den bloßen Anblick der Wetterfahne zu
beobachten, kan man die Fahne, die &longs;ich &longs;on&longs;t um eine unbewegliche
Spindel dreht, an einer beweglichen Spindel fe&longs;t
machen, welche mit der Fahne zugleich umgedrehet wird.
Die&longs;e Spindel kan durch das Dach bis an die Decke des
Zimmers laufen, in welchem man die Beobachtungen machen
will, und unten mit einem Getriebe ver&longs;ehen werden,
welches in ein bezahntes Rad greift, de&longs;&longs;en Axe bis ins
Zimmer geht, und mittel&longs;t eines daran ge&longs;teckten Zeigers
auf einer an der Decke bezeichneten Windro&longs;e den Wind
bezeichnet. Soll die Windro&longs;e nicht an der Decke, &longs;ondern
vertikal an der Wand des Zimmers &longs;tehen, &longs;o läßtOzanam (Recreations mathematiques,
To. II.); Kircher &longs;etzt noch eine kleine Statue
hinzu, die durch einen verborgnen Magnet vom Zeiger herumgeführt
wird, und die Richtung des Windes mit einem
Stäbchen wei&longs;et. Leupold (Theatr. Aero&longs;tat. &longs;. Theatr.
Static. univer&longs;. P. III. Cap. X.) hat unter dem Namen
der Plago&longs;kope noch mehrere Abänderungen die&longs;es In&longs;truments
be&longs;chrieben, worunter die merkwürdig&longs;te|eine
kleine portative Windfahne, auf einen Compaß ge&longs;etzt i&longs;t,
die man überall auf&longs;tellen kan, um die Abweichung des
Windes von der Richtung der Magnetnadel zu bemerken.
Einige Schrift&longs;teller, z. B. Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire
de Phy&longs;.), nennen die&longs;es In&longs;trument ein Anemometer.
Es kömmt aber die&longs;er Name vielmehr andern Werkzeugen
zu, welche die Stärke und Ge&longs;chwindigkeit des Windes
me&longs;&longs;en, und von denen man den Artikel: Windme&longs;&longs;er,
nach&longs;ehen kan.
Auch i&longs;t der Name Anemo&longs;kop &longs;ehr uneigentlich andern
Werkzeugen beygelegt worden. Otto von Guericke
(Experimenta nova de vacuo &longs;patio, L. III. cap. 20.)
be&longs;chreibt unter dem Namen Semper Vivum eine glä&longs;erne
oben ver&longs;chloßne und in einen Liquor einge&longs;enkte Röhre, in
welcher der Druck der Atmo&longs;phäre den Liquor bald höher
bald niedriger erhält. Auf der Oberfläche des Liquors
&longs;chwimmt eine Figur, welche mit dem Finger Grade des
Steigens oder Fallens auf einer Scale angiebt, &longs;. Taf. I.
Fig. 16. Eigentlich i&longs;t die&longs;es In&longs;trument ein höch&longs;t unvollkommnesPerpetui
mobilis; und weil &longs;ich Guericke über die Einrichtung und
Verfertigung de&longs;&longs;elben nicht deutlich erklärt hatte, &longs;o hat
es viel Auf&longs;ehen gemacht. Comiers (l' Homme artificiel
anemo&longs;cope, im Mercure de France 1683.) hat
darüber ge&longs;chrieben, und ihm den Namen Anemo&longs;kop deswegen
gegeben, weil Guericke im Jahre 1660 aus dem
&longs;tarken Fallen des Männchens einen großen Sturmwind
vorherge&longs;agt hatte.
Stone (nach Bri&longs;&longs;on Dict. de Phy&longs;.) ver&longs;teht unter
Anemo&longs;kop nichts anders, als das Hygro&longs;kop oder Hygrometer.
Anhängen, Anhängung, &longs;. Adhä&longs;ion.
Die&longs;er aus der griechi&longs;chen Sprache entlehnte, und im eigentlichen Ver&longs;tande eine Ungleichheit oder Abweichung von der Regel bezeichnende Name wird in der Sternkunde dem Winkel beygelegt, welchen ein Planet bey &longs;einem Umlaufe um die Sonne, von der Sonnenferne aus, zurückgelegt hat, oder, von der Sonne aus betrachtet, zurückgelegt zu haben &longs;cheint. Die ungleiche Ge&longs;chwindigkeit der Planeten in ihren Bahnen, vermöge welcher &longs;ie in gleichlangen Zeiten bald geringere bald größere Winkel durchlaufen, hat zu die&longs;er Benennung Anlaß gegeben.
Keplers wichtige Entdeckung, daß die Laufbahnen
der Planeten Ellip&longs;en &longs;ind, in deren Brennpunkte &longs;ich die
Sonne befindet, und daß die ellipti&longs;chen Räume, welche
die von der Sonne nach dem Planeten gezogne Linie (radius
vector) be&longs;chreibet, &longs;ich wie die Zeiträume verhalten,
in denen &longs;ie be&longs;chrieben worden &longs;ind, veranla&longs;&longs;ete die&longs;en
großen Sternkundigen zu Erfindung einer Theorie, welche
noch jetzt unter dem Namen der kepleri&longs;chen Theorie
des Planetenlaufs, oder der ellipti&longs;chen Theorie
gebraucht wird, und bey der Berechnung der a&longs;tronomi&longs;chen
Tafeln zum Grunde gelegt werden muß. Die&longs;e
Theorie be&longs;chäftiget &longs;ich nun vornehmlich mit der Berechnungwahre, mittlere
und eccentri&longs;che Anomalie, unter&longs;cheidet.
Es &longs;ey Tafel I. Figur 17. die Ellip&longs;e AMP die
Bahn eines Planeten, AP ihre große Axe, der Brennpunkt
S der Ort der Sonne, A die Sonnenferne, P die
Sonnennähe des Planeten; &longs;o heißt der Winkel ASM,
um welchen &longs;ich der Planet von der Sonnenferne A an fortbeweget
hat, die wahre Anomalie, und M der wahre
Ort de&longs;&longs;elben.
Durchliefe der Planet &longs;eine ganze Bahn mit einer
gleichförmigen Winkelge&longs;chwindigkeit, d. h. &longs;o, daß er in
gleichen Zeitenimmer gleiche Winkel um die Sonne S zurücklegte,
&longs;o würde er in der Zeit, in welcher er nur bis
M gegangen i&longs;t, vielleicht &longs;chon bis m vorgerückt &longs;eyn.
Er würde den Winkel ASm zurückgelegt haben. Die&longs;er
Winkel heißt &longs;eine mittlere Anomalie, und der ihm zukommende
Ort m, des Planeten mittlerer Ort.
Wenn des Planeten Umlaufszeit um die Sonne bekannt
i&longs;t, &longs;o läßt &longs;ich für jede &longs;eit &longs;einem Durchgange durch
die Sonnenferne ver&longs;trichene Zeit die&longs;e mittlere Anomalie
durch die bloße Regel de Tri finden. Es verhält &longs;ich nemlich
die ganze Umlaufszeit zu der gegebnen Zeit, wie 360°
zu ASM. Wäre z. B. die Umlaufszeit 360 Tage, &longs;o
würde 30 Tage nach der Sonnenferne die mittlere Anomalie
30°, 60 Tage darnach 60° u. &longs;. w. &longs;eyn. Da
auch nach Keplers Regel der ellipti&longs;che Flächenraum ASM,
welchen der Radius Vector SM bey der wahren Bewegung
des Planeten von A nach M durchlaufen hat, der
gegebnen Zeit proportional i&longs;t, al&longs;o
Umlaufszeit; Zeit durch AM=Fläche der
Ellip&longs;e: Fläche ASM.
&longs;o &longs;tellt die Fläche
Da nun die mittlere Anomalie und die Fläche ASM
für jede von der Sonnenferne an gerechnete Zeit &longs;o leicht
zu finden &longs;ind, &longs;o kömmt es nur noch darauf an, aus die&longs;er
mittlern Anomalie und den gegebnen Abme&longs;&longs;ungen derASM den Winkel ASM zu
finden. Die&longs;e Aufgabe heißt das kepleri&longs;che Problem;
dagegen die Aufgabe, aus einer gegebnen wahren Anomalie
die zugehörige mittlere (aus dem Winkel ASM die
Fläche ASM) zu finden, den Namen des umgekehrten
kepleri&longs;chen Problems führet. Kepler &longs;elb&longs;t fand
es bey dem damaligen Zu&longs;tande der Geometrie unmöglich,
die Aufgabe &longs;elb&longs;t methodi&longs;ch aufzulö&longs;en, inzwi&longs;chen gab
er eine indirecte Auflö&longs;ung an, bey welcher noch eine dritte
Anomalie zu Hülfe genommen wird. Wenn man aus
dem Mittelpunkte der Ellip&longs;e C mit dem Halbme&longs;&longs;er CA
den eccentri&longs;chen Kreis ANP be&longs;chreibt, und das aus
dem wahren Orte des Planeten M auf die Axe AP gefällte
Perpendikel ML bis an die&longs;en Kreis in N verlängert; &longs;o
heißt der Winkel ACN, der durch den Bogen AN geme&longs;&longs;en
wird, des Planeten eccentri&longs;che Anomalie.
Durch die&longs;es Mittel, de&longs;&longs;en um&longs;tändlichere Auseinander&longs;etzung
für un&longs;ere Ab&longs;icht zu weitläuftig wäre, gelang
es Keplern, nach den damals bekannten Abme&longs;&longs;ungen
oder Elementen der Planetenbahnen Tafeln zu verfertigen,
in welchen man für die gefundenen mittlern Anomalien jedes
Planeten die zu ihnen gehörigen wahren Anomalien
durch Auf&longs;chlagen finden konnte (I. Kepleri tabulae Rudolphinae.
Vlm. 1627. fol.), deren An&longs;ehen &longs;ich durch
das ganze vorige Jahrhundert erhalten hat, bis die an&longs;ehnlichen
Verbe&longs;&longs;erungen und Erweiterungen der Sternkunde
freylich vollkommnere Tafeln nothwendig machten,
die &longs;ich inzwi&longs;chen noch immer auf keine andere Theorie,
als auf die kepleri&longs;che, gründen.
Kepler hatte den Geometern künftiger Zeiten die methodi&longs;che
Auflö&longs;ung &longs;eines Problems &longs;ehr angelegentlich
empfohlen; auch haben &longs;ich nach ihm die größten Mathematiker
damit be&longs;chäftiget. Die Infinite&longs;imalrechnung
hat zu die&longs;er Auflö&longs;ung ver&longs;chiedene Wege eröfnet, die
aber noch nicht &longs;o leicht und bequem, als man wohl wün&longs;chen
möchte, zur wirklichen Berechnung führen. Keil,
(Introductio ad veram a&longs;tronomiam, Lugd. Bat. 1725.Hermann, (De problemate Kepler. in Comm. Ac.
Petropol. To. I.) Euler (Theoria motuum planetarum
et comet. Berol. 1744. 4.) geben dergleichen Auflö&longs;ungen.
Die Euleri&longs;che hat auch Herr Kä&longs;tner (Analy&longs;is des Unendl.
S. 582. u. f.) mitgetheilt. Das umgekehrte kepleri&longs;che
Problem läßt &longs;ich leichter, vermittel&longs;t folgender beyden
Sätze auflö&longs;en, wo m, e, v, mittlere, eccentri&longs;che,
wahre Anomalie bedeuten.
I. √SP:√SA=tang.1/2v:tang.1/2e
II. e+CSX&longs;in. e=m.
Noch i&longs;t zu bemerken, daß der Unter&longs;chied zwi&longs;chen wahrer
und mittlerer Anomalie Gleichung der Bahn (Aequatio
orbitae), und daher die wahre Anomalie auch die coäquirte
genannt wird. In der er&longs;ten Helfte der Bahn AMP
bleibt die wahre Anomalie hinter der mittlern zurück; in der
zweyten Helfte hingegen kömmt die wahre der mittlern vor;
daher die Gleichung in jenem Falle von der mittlern Anomalie
abgezogen, in die&longs;em hinzuge&longs;etzt werden muß, wenn
man die wahre Anomalie finden will.
de la Lande a&longs;tronom. Handb. §. 482. u. f. Kä&longs;tners
Anfangsgr. der angew. Mathem. A&longs;tron. 235. u. f.
Antarkti&longs;cher Pol, &longs;. Pole.
Antimonium, &longs;. Spießglas.
Antipoden, &longs;. Gegenfüßler.
Anti&longs;cii, &longs;. Gegen&longs;chattichte.
Antoeci, &longs;. Gegenwohner.
Anziehung, &longs;. Attraction.
Die kreisrunde Fläche, welche man in der Mitte der Blendungen der Glä&longs;er oder Spiegel der Fernröhre offen läßt, damit die darauf fallenden Licht&longs;tralen wirklich durchgehen können.
Die Abweichungen wegen der Kugelge&longs;talt der Glä&longs;er
und wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Lich&longs;tralen
(&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che) verur&longs;achen, daß
nur diejenigen Stralen, welche nahe an der Axe, d. i.
um die Mitte eines Gla&longs;es einfallen, in den gehörigen&longs;. Blendung. Die&longs;e Blendung
läßt dnrch die in ihr befindliche runde Oefnung nur die
Stralen um die Mitte des Gla&longs;es durchfallen, und es i&longs;t
die Frage, wie groß die&longs;e Apertur &longs;eyn dürfe, wenn das
Bild die gehörige Deutlichkeit behalten &longs;oll.
Man &longs;ieht leicht, daß de&longs;to mehr Undeutlichkeit
vermieden werde, je kleiner die Apertur i&longs;t; daß hingegen
eine größere Apertur des Objectivgla&longs;es dem Bilde mehr
Helligkeit gebe, weil &longs;ie aus jedem Punkte des betrachteten
Gegen&longs;tandes mehr Licht&longs;tralen einfallen läßt, welche
auf der Netzhaut des Auges vereiniget, einen lebhaftern
Eindruck machen; daher das Auge jeden Punkt des Gegen&longs;tandes
&longs;tärker empfindet, d. h. ein lebhafteres und helleres
Bild &longs;iehet, als bey einer geringern Oefnung. Es
i&longs;t daher ein großer Vorzug der dioptri&longs;chen Werkzeuge,
wenn &longs;ie eine weite Oefnung vertragen, d. i. wenn man
auch die in einiger Entfernung von der Axe einfallenden
Stralen durchla&longs;&longs;en darf, ohne daß dadurch die Abweichungen
zu &longs;ehr vergrößert, und die Bilder undeutlich
werden.
Vor der Erfindung der achromati&longs;chen Fernröhre
richtete man &longs;ich in Ab&longs;icht auf die Be&longs;timmung der Aperturen
nach Huygens Theorie, welche in &longs;einer Dioptrik
(in Opu&longs;culis po&longs;thumis. Lugd. Bat. 1703. 4.) enthalten
und im Smith (Lehrbegrif der Optik, nach Kä&longs;tners
Ausgabe, S. 184 ff.) analyti&longs;ch ausgeführt i&longs;t. Huygens
&longs;etzt dabey die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt
bey&longs;eit, und betrachtet nur die ohnehin weit größere wegen
der Farbenzer&longs;treuung oder ver&longs;chiedenen Brechbarkeit.
Heißt nun die Brennweite des Objectivgla&longs;es F, der Durchme&longs;&longs;er
der Apertur de&longs;&longs;elben b, und die Vrennweite des
Augengla&longs;es f, &longs;o verhält &longs;ich die Helligkeit des Bildes wie
(b 2f2/F2), die von der Farbenzer&longs;treuung herrührende Undeutlichkeit
Nun fand Huygens durch die Erfahrung ein Fernrohr
gut, an welchem, in rheinländi&longs;chen Zollen ausgedrückt,
F=360; f=3,3; b=3 war. Dies gab
b 2/F=(9/360)=(1/40); b/f=(3/3,3)=(10/11). Eben &longs;o groß mußten
nun die&longs;e Ausdrücke auch für andere gute Fernröhre
bleiben. Aber aus
Es &longs;ey z. B. des Objectivgla&longs;es Brennweite 13 Schuh 4 Zoll=160 Zoll, &longs;o giebt &longs;ie, durch 40 dividirt, den Quotienten 4, de&longs;&longs;en Quadratwurzel 2 Zoll der Durchme&longs;&longs;er der Apertur i&longs;t, und um &longs;einen zehnten Theil vergrößert, die Brennweite des Augengla&longs;es (2 2/10) Zoll giebt. Der Quotient der 160 durch (2 2/10) giebt die Vergrößerung (72 8/11) mal.
Huygens berechnete durch die&longs;e Regel folgende Tabelle
für die Verfertigung a&longs;tronomi&longs;cher Fernröhre.
ein franzö&longs;i&longs;cher Mathematiker, überreichte
der königlichen Societät zu London im Jahre 1665 eine(Philo&longs;.
Transact. no. 4. p. 55.), in welcher &longs;ich ebenfalls der
Aperturen Durchme&longs;&longs;er, wie die Quadratwurzeln aus den
Brennweiten der Objectivglä&longs;er verhalten. Aber Auzout
giebt dem Objectivgla&longs;e von 30 pari&longs;er Schuhen eine Oefnung
von 3″ 8‴, wenn es vorzüglich gut, von 3″ 2‴,
wenn es von etwas geringerer, und von 2″ 7‴, wenn es
nur von gemeiner Güte i&longs;t. Man findet die Re&longs;ultate &longs;einer
Tabelle, wenn man die Brennweite des Objectivgla&longs;es
mit 27, 36 und 54 dividiret, und aus den Quotienten
die Quadratwurzel ausziehet. Die von Auzout berechnete
Tafel reicht von 4 Zoll bis 400 Schuh Brennweite.
D. Hook (Philo&longs;. Trans. a. a. O.) bemerkt bey die&longs;er
Gelegenheit &longs;ehr richtig, daß &longs;elb&longs;t einerley Glas ver&longs;chiedene
Aperturen erfordere, je nachdem der betrachtete
Gegen&longs;tand mehr oder weniger Licht aus&longs;ende. So erfordern
z. B. Venus und Iupiter eine geringere, Saturn
und Mars eine größere Oefnung. Aus die&longs;er Ur&longs;ache
&longs;chreibt Wolf (Elem. Dioptr. Probl. 37.) vor, Blendungen
mit ver&longs;chiedenen Aperturen in Vorrath auszu&longs;chneiden,
und durch Probiren auszumachen, welche darunter
für Gegen&longs;tände bey Tage, für die Sonne, für den
Mond, die Venus u. &longs;. w. die &longs;chicklich&longs;te &longs;ey.
Kleine Sternchen, be&longs;onders die Trabanten des Iupiters und Saturns zu beobachten, dienen am be&longs;ten große Aperturen mit Augenglä&longs;ern von großen Brennweiten, weil es hiebey nicht &longs;owohl auf Vergrößerung, als auf Helligkeit, ankömmt. Allzukleine Oefnungen &longs;ind nie rath&longs;am, weil bey ihnen die Bilder nicht allein matt, &longs;ondern auch undeutlich begrenzt ausfallen.
Für die Spiegeltele&longs;kope, wo die zurückgeworfenen
Stralen nicht in Farben zer&longs;treut werden, hat man bloß
die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Spiegels zu betrachten,
welche nicht groß i&longs;t, daher die&longs;e Tele&longs;kope große
Oefnungen zula&longs;&longs;en. Nach Herrn Kä&longs;tners Berechnung
(Smiths Lehrbegrif der Optik, S. 190 u. f.) verhält &longs;ich
im Spiegeltele&longs;kope, wenn die Brennweite des Hohl&longs;piegels'F, des Augengla&longs;es f, und der Durchme&longs;&longs;er der Oefnung
b heißt, die Undeutlichkeit, wie die Quadratzahl von
(b 3/F2f), die Helligkeit, wie die Quadratzahl von
Nun war in Hadley's Spiegeltele&longs;kop (Philo&longs;. Trans.
No. 376. 378.) F=62″, 5; f=0″, 3; b=5″,
mithinb 4/F3=(625/62,53)=(10/62,52) und
Vergleicht man die&longs;e Tabelle mit der für die a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre mitgetheilten, &longs;o findet man, daß zu einer hundertfachen Vergrößerung das a&longs;tronomi&longs;che Fernrohr 24 Schuh lang &longs;eyn mü&longs;&longs;e, da das Spiegeltele&longs;kop dazu nur 2 Schuh lang &longs;eyn darf. Die Oefnungen aber &longs;ind bey beyden ziemlich gleich, daher auch die Helligkeit einerley &longs;eyn würde. Al&longs;o lei&longs;tet das Spiegeltele&longs;kop hier bey einer 12mal geringern Länge eben &longs;o viel, als das gemeine Sternrohr. Könnte man dem Spiegel eine genau paraboli&longs;che Krümmung geben, &longs;o würde die Abweichung wegen der Ge&longs;talt gänzlich wegfallen, mithin würde gar keine Ein&longs;chränkung im Durchme&longs;&longs;er des Spiegels nöthig &longs;eyn, und die dadurch ungemein ver&longs;tärkte Helligkeit würde einem &longs;olchen Spiegeltele&longs;kope noch viel größere Vorzüge geben.
Dollond's wichtige Erfindung, &longs;. den Artikel:
Achromati&longs;che Fernröhre, &longs;etzt die Kün&longs;tler in Stand,
die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des
Lichts fa&longs;t gänzlich zu vermeiden; &longs;ie rühmen &longs;ich &longs;ogar,
durch ge&longs;chickte Zu&longs;ammen&longs;etzung ihrer Objectivglä&longs;er die
Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt großentheils aufheben
zu können. Hiedurch fallen nun die Blendungen gänzlich
weg, und man läßt in achromati&longs;chen Fernröhren das Licht
durch die ganze Fläche des Objectivgla&longs;es ungehindert einfallen.
Dies vermehrt nicht allein die Helligkeit, &longs;ondern
&longs;pricht auch den Kün&longs;tler von dem Zwange los, den ihm
&longs;on&longs;t die Theorie des Huygens in Rück&longs;icht auf die Vergrößerung
auflegte. Denn da &longs;ich &longs;on&longs;t die Vergrößerung
wie die Quadratwurzel aus der Länge des Fernrohrs verhalten
mußte, &longs;o kan man jetzt, vorausge&longs;etzt, daß alle Abweichungen
vermieden &longs;ind, jede beliebige Vergrößerung
ohne Schaden der Deutlichkeit wagen. So vergrößerte
Me&longs;&longs;ier's achromati&longs;ches Fernrohr (Mém. de l' Acad.
roy. des Sc. a. 1775. p. 213.) 120mal, ob es gleich
nur 40 Zoll lang war, und an einer andern Stelle
wird eben die&longs;em Fernrohre, vermuthlich mit einem
andern Augengla&longs;e ver&longs;ehen, eine 150 fache Vergrößerung
zuge&longs;chrieben, wozu nach der Theorie des Huygens
Aphelium, &longs;. Sonnenferne.
Apogäum, &longs;. Erdferne.
Die beyden Punkte einer Planetenbahn, in deren einem
der Planet von der Sonne am weit&longs;ten entfernt, im andern
der&longs;elben am näch&longs;ten i&longs;t. Taf. I. Fig. 17. &longs;ind es
die beyden Punkte A und P. In A i&longs;t der Planet von
der Sonne S am weit&longs;ten entfernt, in P der&longs;elben am näch&longs;ten.
&longs;. die Artikel: Sonnenferne, Sonnennähe.
Die&longs;er Name kömmt &longs;chon bey den griechi&longs;chen Schrift&longs;tellern
vor. Er bedeutet eigentlich Umfang eines Rads,
auch Krümmung eines Gewölbes, und i&longs;t dann den Hauptpunkten
der krummlinichten Bahnen der Ge&longs;tirne beygelegt
worden. Plinius (Hi&longs;t. nat. II. 15.) &longs;agt: Prima circulorum
(&longs;c. puncta), quos Graeci ab&longs;idas in &longs;tellis vocant.
Der Name Auges kömmt von den Arabern her.
Linea ap&longs;idum, axis orbitae, Ligne des ap&longs;ides, le
grand axe de l'orbite. Die gerade Linie
Die Ap&longs;idenlinien oder großen Axen der Planetenbahnen
verändern von Zeit zu Zeit ihre Lagen gegen die
Fix&longs;terne, und drehen &longs;ich um die Sonne nach der Ordnung
der Zeichen, d. i. von innen heraus betrachtet von
der Rechten zur Linken fort. Man &longs;. von die&longs;er Bewegung
den Artikel: Sonnenferne.
Aquädukt, &longs;. Wa&longs;&longs;erleitung.
Ein Werkzeug,
durch de&longs;&longs;en Ein&longs;enkung in flüßige Materien, z. B.
Die Theorie der Aräometer beruht auf folgenden
Gründen. Die Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren, D und
d, zweener Körper, verhalten &longs;ich, wie die Quotienten
ihrer Gewichte, P und p, durch ihre körperlichen Räume
oder Volumina, V und v (&longs;. Dichte und Schwere,
&longs;pecifi&longs;che), oder es i&longs;t D : d = P/V : p/v. Ferner
taucht ein &longs;chwimmender fe&longs;ter Körper &longs;ich in den flüßigen
&longs;o tief ein, bis er &longs;o viel flüßige Materie, als mit ihm
&longs;elb&longs;t gleich wiegt, aus der Stelle getrieben hat. (&longs;.
Schwimmen). Senkt man nun einen &longs;chwiminenden
fe&longs;ten Körper, de&longs;&longs;en Gewicht =P &longs;eyn mag in zwo ver&longs;chiedene
flüßige Materien, in deren er&longs;ter er &longs;ich um den
körperlichen Raum V, in der andern um den Raum v eintaucht,
&longs;o haben die&longs;e Materien unter den gedachten Räumen
beyde das Gewicht P, und es i&longs;t
I.) D : d = P/V:P/v = v: V
Senkt man aber den fe&longs;ten Körper in beyden Materien bis
an ein be&longs;timmtes Merkmal oder beydemal um den Raum
Die&longs;e Sätze heißen mit andern Worten:
I.) Wenn ein Aräometer von unverändertem Gewichte
in zwo flüßige Materien einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten
&longs;ich die Dichten die&longs;er Materien umgekehrt, wie die
Räume, um welche das Aräometer &longs;ich in die&longs;elben eingetaucht
hat.
II.) Wenn ein Aräometer in zwo flüßige Materien
bis zu gleicher Tiefe, oder bis an ein daran befindliches
Merkmal, einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten
die&longs;er Materien, wie die Gewichte, die man in beyden
Fällen dem Aräometer hat geben mü&longs;&longs;en, um es gleich
tief einzu&longs;enken.
Jeder die&longs;er beyden Sätze giebt eine be&longs;ondere Einrichtung des Aräometers. Man &longs;ieht leicht, daß diejenige vorzüglicher i&longs;t, welche &longs;ich auf den zweyten Satz gründet, weil &longs;ich Gewichte leichter und genauer be&longs;timmen la&longs;&longs;en, als körperliche Räume. Nach die&longs;er Theorie werden &longs;ich nun die ver&longs;chiedenen Einrichtungen des Aräometers über&longs;ehen und prüfen la&longs;&longs;en.
Daß bereits im vierten Jahrhunderte nach C. G.
etwas dem Aräometer ähnliches unter dem Namen Baryllion
bekannt gewe&longs;en &longs;ey, erhellet aus dem funfzehnten
Briefe des Bi&longs;chofs zu Ptolemais, Syne&longs;ius von Cyrene,
der an &longs;eine Lehrerin, die berühmte Hypathia in
Alexandrien, gerichtet i&longs;t. Fermat (Opera mathematica
Fermatii. Tolo&longs;ae 1679. fol. &longs;ub fin.) hat die&longs;e Stelle
zuer&longs;t richtig erklärt. Ob aber die&longs;es Baryllion unter die
Erfindungen der Hypathia gehöre, i&longs;t ungewiß.
Unter den Deut&longs;chen &longs;cheint der Gebrauch &longs;olcher
Werkzeuge zu Salzproben ziemlich alt zu &longs;eyn. Leupoid
(Theatr. Stat. univ. P. II. cap. 6.) führt an, daß Thölden
in &longs;einer 1603 herausgekommenen Halographie einer
Sol&longs;pindel (die aus einem hölzernen Cylinder, unten zuge&longs;pitzt,
und mit Bley ausgego&longs;&longs;en, be&longs;tanden habe), als
einer läng&longs;t bekannten Sache gedenke.
Die gewöhnlich&longs;te Art der neuern Aräometer i&longs;t diejenige,
die &longs;ich auf den er&longs;ten der obigen Sätze gründet.
Die&longs;e hat Boyle (Philo&longs;. Transact. num. 24. p. 447.)
be&longs;chrieben, und einige Jahre darauf (Phil. Trans. num.
115. p. 329.) auch als Goldwage zu brauchen gelehrt.
Gewöhnlich be&longs;teht ein &longs;olches Werkzeug (Taf. I. Fig. 18.)
aus einer Kugel B von dünnem Glas, an welche an einer
Glaslampe ein langer dünner Stiel oder Hals AC und
eine kleinere Kugel S angebla&longs;en wird. In die&longs;e Kugel SB und S
mü&longs;&longs;en &longs;o groß &longs;eyn, daß durch Ein&longs;enkung in Liquoren
allezeit mehr Liquor aus der Stelle getrieben wird, als das
ganze In&longs;trument wiegt, weil es &longs;on&longs;t nicht &longs;chwimmen
würde. Die&longs;es Werkzeug nun taucht &longs;ich, dem er&longs;ten der
obigen Sätze gemäß, in leichtere Liquoren tiefer, in dichtere
oder &longs;chwerere weniger ein; es wird z. B. im Salzwa&longs;&longs;er
bis D. im Wa&longs;&longs;er bis E. im Weine bis F. im
Weingei&longs;te bis G, ein&longs;inken. Eine am Stiele AC angebrachte
Theilung zeigt, wie weit es &longs;ich in jeden Liquor
&longs;enke, al&longs;o welcher unter zweenen der &longs;chwerere und leichtere
&longs;ey; obgleich dies allein noch nicht hinreichend i&longs;t, das
Verhältniß beyder &longs;pecifi&longs;chen Schweren in Zahlen anzugeben.
Man hat die&longs;es &longs;ehr we&longs;entlichen Mangels ohngeachtet
das Aräometer dennoch unter der angegebnen Ge&longs;talt
lang genug gebraucht, und zu ver&longs;chiedenen Ab&longs;ichten angewendet.
Man hat es aus Glas, Holz, Horn, Bern&longs;tein,
Kupfer, Me&longs;&longs;ing, Silber rc. verfertiget, und dem
Stiele AD entweder willkührliche Theile von gleicher
Größe, oder auch nur ein einziges aufgemahltes oder einge&longs;chnittenes
Merkmal gegeben, um dadurch anzuzeigen,
wie tief &longs;ich das In&longs;trument in einen gewi&longs;&longs;en Liquor eintauchen
mü&longs;&longs;e, wenn er genau die gehörige Güte haben
&longs;olle. Von die&longs;er Art &longs;ind die von Bern&longs;tein verfertigten
Danziger Bierproben, die ein zu leichtes Bier anzeigen,
wenn &longs;ie &longs;ich darein tiefer, als bis an das gemachte
Merkmal, tauchen. Man hat auch zu andern Ab&longs;ichten
die Größe der Theile durch ange&longs;tellte Ver&longs;uche be&longs;timmt,
oder das Aräometer graduirt. Lö&longs;et man z. B. zuer&longs;t
in 99 Loth Wa&longs;&longs;er ein Loth Salz, dann in 98 Loth Wa&longs;&longs;er
zwey Loth Salz u. &longs;. w. auf, &longs;o erhält man kün&longs;tliche Solen,
die auf 100 Loth Sole 1, 2 u. &longs;. w. Loth Salz enthalten,
dergleichen man bey uns einlöthige, zweylöthige rc.
Solen zu nennen pflegt. Senkt man das Aräometer inSolwage, Gradirwage,
Salzprobe, Salz&longs;pindel, wovon Leupold
(Theatr. &longs;tat. univer&longs;. P. II. c 6.) ver&longs;chiedene Arten
be&longs;chreibt. Aber die Schwierigkeit, bey &longs;o vielerley
Ver&longs;uchen den Punkt des Ein&longs;inkens jederzeit genau zu bemerken
und richtig zu bezeichnen, macht, daß man &longs;ich
von der Vollkommenheit eines &longs;olchen Werkzeugs insgemein
nicht viel ver&longs;prechen kan.
Man &longs;ieht leicht, daß &longs;ich auf eine ähnliche Art auch
Bierproben zubereiten la&longs;&longs;en. So hat Faggot (Abh.
der königl. &longs;chwed. Akad. der Wi&longs;&longs;. über&longs;. durch Kä&longs;tner,
für 1763. S. 49.) für das &longs;chwedi&longs;che Bier, ein &longs;olches
Aräometer ins &longs;tärk&longs;te Bier und in Mi&longs;chungen von 3,2,
1 Theilen Bier mit 1, 2, 3 Theilen Wa&longs;&longs;er zu &longs;enken und
die Punkte des Ein&longs;inkens zu bemerken, vorge&longs;chlagen.
Und, weil man nicht überall gleich gutes Starkbier finden
möchte, räth er an, kün&longs;tliche Solen zu verfertigen, welche
mit den angegebnen Bierarten (von welchen ein Cubikzoll
563, 558 1/2, 554, 550 Aß wog) gleiche Schwere hätten,
und die Bierprobe in die&longs;en Solen zu graduiren.
Vielleicht wäre die&longs;er Vor&longs;chlag für die Praxis nicht unbrauchbar;
es mü&longs;te aber für jede Sorte von Bier, deren
wir bey uns &longs;o vielerley haben, eine be&longs;ondere Probe verfertiget
werden. Die Graduirung durch Solen i&longs;t auch
nur dann &longs;icher, wenn &longs;tets Salz und Wa&longs;&longs;er von gleicher
Art, auch unter gleichen Graden der Wärme, gebraucht
wird.
Da es &longs;o müh&longs;am und un&longs;icher i&longs;t, jeden Grad eines
Aräometers durch einen be&longs;ondern Ver&longs;uch zu be&longs;timmen,
&longs;o haben einige vorge&longs;chlagen, nur zwey fe&longs;te Punktegleiche Theile zu theilen. Es i&longs;t aber zu bemerken,
1. daß hiebey der Stiel des Aräometers vollkommen
cylindri&longs;ch &longs;eyn mü&longs;&longs;e, welches bey glä&longs;ernen Röhren
nicht &longs;o leicht zu erhalten i&longs;t; 2. daß auf die&longs;e Art die
Grade der Theilung nicht völlig gleiche Unter&longs;chiede der
Dichtigkeiten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren angeben, mithin
noch eine Rechnung nöthig i&longs;t, wenn man die wahren Verhältni&longs;&longs;e
der Dichten finden will.
Ein &longs;olches Aräometer (Tafel I. Figur 19.) &longs;chlägt
Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad Philo&longs;. natur. To. II. §.
1384.) vor. Es &longs;oll &longs;ich im Regenwa&longs;&longs;er, mit Hülfe
eines unten ange&longs;chraubten Gewichts, ganz bis ans Ende
des Stiels, und in einem Liquor, der unter dem Volumen
des Aräometers 40 Gran &longs;chwerer, als Regenwa&longs;&longs;er, i&longs;t,
nur bis an den Anfang des Stiels eintauchen. Nun
theilt er den Stiel in 40 gleiche Theile, und meynt, &longs;o
werde &longs;ich beym Ein&longs;inken in einen andern Liquor zeigen,
wie viel der&longs;elbe &longs;chwerer &longs;ey, als Regenwa&longs;&longs;er. Für Liquoren,
welche leichter, oder über 40 Gran &longs;chwerer, als
Wa&longs;&longs;er wären, mü&longs;ten unten leichtere oder &longs;chwerere Gewichte
ange&longs;chraubt werden. Da &longs;ich Mu&longs;&longs;chenbroek nicht
ganz deutlich ausdrückt, &longs;o könnte man dies &longs;o ver&longs;tehen:
Wenn das Wa&longs;&longs;er unter dem Volumen des Aräometers
100 Gran wiegt, und das In&longs;trument in einem &longs;chwerern
Liquor nicht ganz untertaucht, &longs;ondern um 1 Theil des
Stiels hervorragt, &longs;o &longs;oll die&longs;er Liquor unter eben dem
Volumen 1 Gran mehr wiegen, al&longs;o das Verhältniß der
Dichten 100:101 &longs;eyn. Daß dies theoreti&longs;ch unrichtig
wäre, lehrt folgende Betrachtung: Soll &longs;ich das Aräometer
in einem Liquor, von welchem 140 Gran &longs;o viel
Raum einnehmen, als 100 Gran Wa&longs;&longs;er, nur bis C
(Taf. I. Fig. 19.) eintauchen, &longs;o muß das Volumen von
PC (100/140), das Volumen des Stiels AC (40/140), und ein Grad
der Theilung (1/140) des ganzen Volumens PA ausmachen.
War al&longs;o im Wa&longs;&longs;er alles eingetaucht, und ragt jetzt in
einem Liquor (1/140) hervor, oder &longs;ind jetzt nur (130/140) eingetaucht,
&longs;o i&longs;t das Verhältniß der Dichtigkeiten nach dem er&longs;ten derp Gran Wa&longs;&longs;er aus der Stelle treibt, und die
Anzahl der eingetauchten Grade der Theilung n heißt,
p+n:p+40; nicht, wie oben p:p+40—n. So
ver&longs;tanden, i&longs;t Mu&longs;&longs;chenbroeks Theorie richtig; er &longs;cheint
auch die Sache &longs;o genommen zu haben, weil er in der Figur
die Theile am Stiele von unten hinauf zählt, |und al&longs;o
die eingetauchten, nicht die hervorragenden, in An&longs;atz
bringt. Aber &longs;eine Worte la&longs;&longs;en auch die oben angegebne
fal&longs;che Erklärung zu. Uebrigens &longs;oll das Werkzeug von
Me&longs;&longs;ing &longs;eyn, und wegen des Anhängens der Liquoren nur
für die gröbere Praxis be&longs;timmt bleiben. Die Verfertigung
de&longs;&longs;elben nach den vorge&longs;chriebnen Bedingungen würde
allemal höch&longs;t müh&longs;am, und denen, die &longs;ich mit der |gröbern
Praxis befriedigen, gar nicht vorzu&longs;chlagen &longs;eyn.
Eine andere auf zween fe&longs;te Punkte gegründete Einrichtung
des Aräometers hat Herr Baume (Avant-Coureur
1768. no. 45, 50, 51, 52; 1769 no. 2.) vorge&longs;chlagen.
Sie &longs;oll den Grad der Rectification gei&longs;tiger
Liquoren und die &longs;pecifi&longs;che Schwere der&longs;elben zugleich angeben;
da aber, wie Bri&longs;&longs;on (Mém. de l' Acad. roy.
des Sc. 1769.) zeigt, beym Weingei&longs;te die Rectification
dem Grade der &longs;pecifi&longs;chen Schwere nicht proportional i&longs;t,
&longs;o kan beydes zugleich nicht mit einerley Werkzeuge geme&longs;&longs;en
werden. Uebrigens &longs;enkt Baume das Aräometer zuer&longs;t
in eine Mi&longs;chung von 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und 1 Theil
trocknen Koch&longs;alzes und dann in reines Wa&longs;&longs;er, bemerkt
die Punkte des Ein&longs;inkens mit 0 und 10, theilt den Zwi&longs;chenraum
in zehn gleiche Grade, und trägt &longs;olche Grade
bis 50 auf dem übrigen Theile des Stiels fort. Er erhält
auf die&longs;e Art eine Scale mit gleichen Theilen, welche
nie gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten anzeigen. Zwar
&longs;ucht er auch nicht Verhältni&longs;&longs;e der Dichtigkeiten &longs;elb&longs;t zu
be&longs;timmen, &longs;ondern nur durch &longs;eine Vor&longs;chriften alle Aräometer
mit einander überein&longs;timmend zu machen, &longs;o daß
man durch den Grad der&longs;elben die Dichte oder Güte eines
Die von den Ständen in Languedoc 1771 und 1773
aufgegebnen Preisfragen über die be&longs;te Art, die Güte der
gei&longs;tigen Liquoren zu prüfen, haben noch andere Vor&longs;chläge
zu Branntewein- und Weingei&longs;tproben von den Herren
Poncelet, Pouget und Bories veranla&longs;&longs;et, welche anzuführen
hier zu weitläuftig wäre.
Da die Be&longs;timmung zweener fe&longs;ten Punkte durch
Ver&longs;uche un&longs;icher i&longs;t, weil es Schwierigkeit macht, außer
dem de&longs;tillirten oder Regenwa&longs;&longs;er, noch einen Liquor von
&longs;tets gleicher Dichte zu erhalten, und da die gleichen
Theile der Scale niemals gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten
geben, &longs;o hat man vorge&longs;chlagen, das Aräometer
durch Veränderung &longs;eines Gewichts &longs;o zu graduiren, daß
es durch den Punkt &longs;eines Ein&longs;inkens &longs;ogleich die Dichte
des Liquors anzeige. Die&longs;e &longs;innreiche Methode lehrt Bri&longs;&longs;on
(Dictionnaire de Phy&longs;ique, art. Arèometre). Es
&longs;ey die Dichte des Wa&longs;&longs;ers zur Dichte eines Liquors
Zum genauern Graduiren empfiehlt Bri&longs;&longs;on' folgende
von Montigny (Mém. de l'Academ. roy. des Sc.
1768. p. 435.) angegebne Methode. An der Seite des
Gefäßes VV Taf. I. Fig. 20 geht der elfenbeinerne Stab
CD in die Höhe, und i&longs;t mit einem wohlgearbeiteten me&longs;&longs;ingnen
Schieber EF ver&longs;ehen. Man füllt das Gefäß mit
Regenwa&longs;&longs;er, und giebt &longs;tets Acht, daß da&longs;&longs;elbe darinn
gleich hoch &longs;tehe. Das bis G einge&longs;enkte Aräometer reiche
mit dem Ende des Stiels bis A, &longs;o wird der Schieber &longs;o
ge&longs;tellt, daß er A genau berührt, und auf dem elfenbeinernen
Stabe DG wird bey g ein Strich mit Bley&longs;tift gemacht.
Sinkt in andern Liquoren, oder unter anderm
Gewichte, das Aräometer bis H, I rc. ein, &longs;o wird der
Schieber die Punkte h, i rc. angeben, und die Bley&longs;tift&longs;triche
g, h, i geben eine Theilung, welche vom elfenbeinernen
Stabe auf ein Papier gebracht, und umgekehrt in das
Aräometer befe&longs;tiget wird, &longs;o daß der Punkt D, der beym
er&longs;ten Ein&longs;enken der Oberfläche des Wa&longs;&longs;ers im Gefäße VV
gegenüber&longs;tand, an das Ende des Stiels A kömmt, und
die Theilung in die Lage G, H, I bringt. Der Schieber
muß an den Stab GD nur auf drey Seiten an&longs;chließen,Bri&longs;&longs;ons Art, &longs;o muß das Papier, auf
welches die Theilung kommen &longs;oll, mit gewogen, und &longs;ein
Gewicht in das anfängliche Gewicht des Aräometers mit
eingerechnet werden.
Aus der bisherigen Theorie läßt &longs;ich auch die Einrichtung
über&longs;ehen, die le Raz de Lanthenee in einer kleinen
Schrift von 32 Seiten 12mo vorge&longs;chlagen hat, und
welche von Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire de phy&longs;. art. Arèometre)
angeführt wird. Sie &longs;cheint eine etwas veränderte
Nachahmung der
Noch eine &longs;ehr einfache Art des Aräometer gäbe ein
bloßes Stäbchen ohne Kugel, wie AB, Taf. II. Fig. 21.,
das etwa von einem leichten aber fe&longs;ten Holze ver&longs;ertiget
und überfirnißt werden könnte. Das Stäbchen mü&longs;te einE an einem Faden gehalten
(nicht gezogen), bis D, z. E. um 600 Theile ein&longs;enken.
Sänke es nun im Regenwa&longs;&longs;er um 550 Theile ein, &longs;o
würde &longs;ich des Regenwa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte,
wie 600:550 verhalten. Ich habe die&longs;e Einrichtung in
den hydro&longs;tati&longs;chen Vorle&longs;ungen meines ehemaligen Lehrers,
des Prof. Hein&longs;ius in Leipzig, kennen gelernt, der &longs;ie
zu Prüfung der &longs;pecifi&longs;chen Schweren der Mineralwa&longs;&longs;er
vor&longs;chlug.
Es i&longs;t zu verwundern, daß man die bisher be&longs;chriebenen Aräometer, welche die Dichte der Liquoren durch die Tiefe des Ein&longs;inkens me&longs;&longs;en, noch immer beybehält, und &longs;o viel daran kün&longs;telt, da doch die Be&longs;timmung der fe&longs;ten Punkte und das Graduiren &longs;o viel Mühe und Unzuverlä&longs;&longs;igkeit veranla&longs;&longs;en, daß In&longs;trumente die&longs;er Art aller angewandten Bemühungen ohngeachtet doch immer unvollkommen bleiben werden. Die Begierde, &longs;ogleich an einer Scale zu &longs;ehen, wie gut oder dicht ein Liquor &longs;ey, ohne daß es er&longs;t einer Rechnung bedürfe, mag wohl die Ur&longs;ache davon &longs;eyn; es heißt aber nicht die Chymiker ehren, wenn man ihnen unzuverläßige Weingei&longs;tproben in die Hände giebt, um ihnen eine Divi&longs;ion zu er&longs;paren.
Weit einfacher, leichter zu verfertigen, und in der
Anwendung &longs;icherer i&longs;t dasjenige Aräometer, welches die
Dichten der Liquoren durch Gewichte abmißt. Es führt
gemeiniglich den Namen des Fahrenheiti&longs;chen allgemeinen
Aräometers obgleich nach Leupold (Theatr.
Stat. P. II. §. 28. 29.) &longs;chon Moncony, ein Arzt in
Lyon († 1665) in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung, auch der P.
Feuillee (Journal des ob&longs;erv. de phy&longs;. Paris 1714. 4.)
ähnliche Einrichtungen be&longs;chreiben. Die&longs;es In&longs;trument
be&longs;teht aus einer hohlen glä&longs;ernen oder me&longs;&longs;ingnen Kugel BII. Fig. 22.), an welcher &longs;ich unten noch eine andere
mit etwas Queck&longs;ilber oder Schrot be&longs;chwerte S befindet.
Der Hals AC i&longs;t &longs;ehr dünn, und hat oben bey A eine
kleine Schale, um leicht Gewichte hineinwerfen zu können.
Am Hal&longs;e befindet &longs;ich bey a ein Merkmal. An Moncony's
Wage fehlen die Schale A und das Merkmal a;
denn die Gewichte werden wie Ringe geformt und auf den
etwas &longs;tärkern Hals aufge&longs;teckt, und das In&longs;trument wird
bis an die Spitze einge&longs;enkt; bey Feuillee's Angabe fehlt
nur die Schale, und die Gewichte, als durchlöcherte Blättchen
geformt, werden über den Hals auf die Kugel gelegt;
bey Leutmanns Angabe (Comm. Petropol. T. V. p.
273.) i&longs;t die Röhre CA offen, und die Gewichte werden
durch die Oefnung A hineingeworfen.
Um ein &longs;olches Werkzeug zu gebrauchen, muß zuer&longs;t
das Gewicht de&longs;&longs;elben =p &longs;orgfältig be&longs;timmt werden.
Man &longs;enkt es hierauf in de&longs;tillirtes oder Regenwa&longs;&longs;er, und
legt in die Schale A &longs;o viel Gewicht =q, bis es &longs;ich bis
an das Merkmal a eintaucht. Muß man nun, um es in
einem Liquor eben &longs;o weit einzutauchen, das Gewicht r in
die Schale legen, &longs;o i&longs;t nach dem zweyten der im Anfang
die&longs;es Artikels vorgetragnen Sätze des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu
des Liquors Dichte, wie das ganze Gewicht des Werkzeugs
beym er&longs;tern Ein&longs;inken zum ganzen Gewichte beym letztern,
oder wie p + q : p + r. Wiegt zum Bey&longs;piel das
Aräometer 496 Gran, und mü&longs;&longs;en im Regenwa&longs;&longs;er 32,
in einer Sole 64 Gran zugelegt werden, &longs;o verhalten &longs;ich
beyder Dichten oder &longs;pecifi&longs;che Schweren, wie 496 + 32:
496 + 64 = 528 : 560 = 1 : 1,060.
Es fällt in die Augen, wie weit die&longs;es In&longs;trument
die vorherbe&longs;chriebenen an Simplicität, Leichtigkeit der
Ausführung und Sicherheit des Re&longs;ultats übertrift. Es
bleibt nur noch die Einwendung übrig, daß das Anhängen
der Liquoren verhindere, genau wahrzunehmen, wenn
der Liquor gerade bis an das Merkmal reiche. Die&longs;e Einwendung
trift aber auch die Aräometer von jener Cla&longs;&longs;e,
und der zu be&longs;orgende Fehler i&longs;t bey einem dünnen Hal&longs;e
ganz unbeträchtlich. Noch wäre zu befürchten, daß es beyS immer &longs;chwer genug bleibt, um das Ganze
aufrecht zu erhalten. Es &longs;ollten al&longs;o die Naturfor&longs;cher
billig mehr Gebrauch von die&longs;er Einrichtung machen, als
insgemein zu ge&longs;chehen pflegt.
Wie man die Aräometer als Goldwagen gebrauchen
könne, be&longs;chreibt Cornelius Meyer (Nuovi Ritrovamenti
divi&longs;i in due parti. Rom. 1696. fol.). Er hat
&longs;eine Methode um das Jahr 1668 erfunden. und giebt
a. a. O. &longs;echs ver&longs;chiedene Arten &longs;olcher Goldwagen an,
worunter die mei&longs;ten dem Fahrenheiti&longs;chen Univer&longs;alaräometer
&longs;ehr ähnlich &longs;ind. Man hängt unten eine ächte
Goldmünze an, und bemerkt, wie weit &longs;ich das mit ihr
be&longs;chwerte In&longs;trument ins Wa&longs;&longs;er tauche. Eine fal&longs;che
Münze unten angehangen, wird es nicht &longs;o weit eintauchen.
Meyer erzählt, die General&longs;taaten hätten ihn
durch Abgeordnete um Mittheilung die&longs;er Erfindung| er&longs;uchen
la&longs;&longs;en. Boyle hat &longs;ein dazu dienliches In&longs;trument
1674 in den Transactionen bekannt gemacht, und Leupold
(Theatr. Stat. univer&longs;. p. II. c. 6.) handelt von der ganzen
Sache &longs;ehr um&longs;tändlich.
Bey dem Gebrauche aller Aräometer überhaupt &longs;ind
folgende von Nollet (Leçons de Phy&longs;. To. II. p. 388.)
angegebne Vor&longs;ichtsregeln zu beobachten.
1) Die Liquoren, in welche man das Aräometer ein&longs;enkt, mü&longs;&longs;en jederzeit auf einerley Grad der Wärme gebracht werden. Andere Grade der Wärme würden die Dichte des Liquors &longs;owohl, als das Volumen des Werkzeugs, ändern.
2) Bey Aräometern, die durch Eintheilung in
gleiche Theile graduirt werden, muß der Stiel genau
cylindri&longs;ch, d. i. durchgehends von gleicher Dicke
&longs;eyn. Unregelmäßige und ungleich dicke Stücken geben
bey gleich getheilter Länge nicht gleich getheilte
Volumina.
3) Beym Ein&longs;enken mü&longs;&longs;en die Aräometer genau &longs;enkrecht &longs;tehen. Eine &longs;chiefe Stellung verhindert, den Punkt des Ein&longs;inkens genau zu beobachten.
4) Das In&longs;trument muß &longs;tets &longs;ehr rein und &longs;auber gehalten, auch, ehe man es aus einem Liquor in den andern bringt, &longs;orgfältig abgetrocknet werden. Auf den Liquoren &longs;elb&longs;t darf kein Schaum &longs;eyn, weil Luftbla&longs;en &longs;ich an das Werkzeug hängen, und es höher, als gehörig, emporheben würden. Bey aller die&longs;er Vor&longs;icht bleibt es noch immer &longs;chwer, den Punkt des Ein&longs;inkens mit der gehörigen Genauigkeit zu bemerken, weil manche Liquoren genauer an das Glas an&longs;chließen, als andere, auch viele am Gla&longs;e mehr oder weniger in die Höhe &longs;teigen.
Zum Be&longs;chluß die&longs;es Artikels will ich noch eines In&longs;truments
gedenken, welches zwar nach der oben angegebnen
Definition nicht unter die Aräometer gehört, aber doch
zu Abme&longs;&longs;ung der Dichte der Liquoren dient, und von &longs;einem
Erfinder den Namen eines Aräometers bekommen
hat. Es i&longs;t von Homberg (Mém. de l'Acad. roy. des
Sc. 1699.) angegeben worden, und be&longs;teht aus einem glä&longs;ernen
Gefäße ABCD Taf. II. Fig. 23., de&longs;&longs;en Hals &longs;o
eng i&longs;t, daß ein Wa&longs;&longs;ertropfen darinn 6—7 Lin. Raum
einnimmt; oben i&longs;t er trichterförmig ausge&longs;chweift. An
der Seite bey D geht eine eben &longs;o enge 6 Lin. lange Röhre
mit AB parallel heraus, um der Luft einen Ausgang aus
dem Gefäße zu ver&longs;tatten. Wenn man die&longs;es Gefäß allemal
bis an das Merkmal e mit einem Liquor füllet, &longs;o hat
man wegen des engen Hal&longs;es, der keinen beträchtlichen
Fehler dabey ver&longs;tattet, immer einerley Volumen der Liquoren.
Wiegt man al&longs;o das Gefäß zuer&longs;t mit einem und
dann mit dem andern Liquor bis e gefüllt, und zieht von
beyden Gewichten das Gewicht des leeren Gefäßes ab, &longs;o
hat man die Gewichte der beyden Liquoren unter einerley
Volumen, welche &longs;ich wie ihre &longs;pecifi&longs;chen Schweren verhalten.
Der hiebey zu be&longs;orgende Fehler kan wegen der
Enge des Hal&longs;es nicht groß &longs;eyn; es ent&longs;teht aber daraus
zugleich die Unbequemlichkeit, daß der Hals ein Haarröhrchen
wird, und das Anhängen der Liquoren ungemein befördert.
Armillar&longs;phäre, &longs;. Ringkugel.
Armirung des Magnets, &longs;. Magnet.
Die&longs;e Materie i&longs;t der metalli&longs;che Kalch eines eignen Halbmetalls, des Ar&longs;enikkönigs, unter&longs;cheidet &longs;ich aber von den übrigen metalli&longs;chen Erden durch ihre Flüchtigkeit, Auflösbarkeit im Wa&longs;&longs;er, Geruch und Ge&longs;chmack, Verwandt&longs;chaft mit den übrigen Metallen und Schmelzbarkeit. Die&longs;en Eigen&longs;chaften nach muß man den Ar&longs;enik für eine mit einer eignen Säure verbundne metalli&longs;che Erde erklären. Der Ar&longs;enikkönig, den man durch Zu&longs;atz von mehrerem Brennbaren aus die&longs;em Kalche erhält, i&longs;t ein weißes bläuliches Halbmetall, de&longs;&longs;en &longs;pecifi&longs;che Schwere etwa 8, 31 mahl &longs;o groß, als die Schwere des Wa&longs;&longs;ers i&longs;t. Er wird an der Luft bald gelb und &longs;chwarz, i&longs;t &longs;ehr brüchig und äußer&longs;t flüchtig, brennt auch an der Luft mit einer bläulichen Flamme und einem &longs;tarken, wie Knoblauch, riechenden Dampfe.
Man findet den Ar&longs;enik in ver&longs;chiedenen Kobaltarten,
im weißen Kies oder Mißpickel, und vielen andern
Erzen, weil er ein Vererzungsmittel i&longs;t. Man &longs;ammelt
ihn in Sach&longs;en vornehmlich bey der Bereitung der Schmalte
aus dem Kobalt auf. Der uneigentlich &longs;ogenannte Scherbenkobalt
i&longs;t ein wahrer Ar&longs;enikkönig. Mit dem
Schwefel verbunden giebt der Ar&longs;enik den gelben und rothen
Ar&longs;enik, welche etwas feuerbe&longs;tändiger &longs;ind, und
durch die Kun&longs;t bereitet werden. Natürlich gefunden hei&longs;t
der gelbe Operment (Auripigmentum, Orpiment, Rizigal
jaune), der rothe
Macquer chym. Wörterbuch, Art. Ar&longs;enik.
Schon läng&longs;t hatten die Chymi&longs;ten den Ar&longs;enik wegen einiger
&longs;einer Eigen&longs;chaften unter die Cla&longs;&longs;e der Salze ge&longs;etzt,
und die Salz&longs;äure oder die Vitriol&longs;äure für einen &longs;einer
Be&longs;tandtheile ange&longs;ehen. Endlich haben es Scheele
(Abhdl. der &longs;chwed. Akad. d. Wi&longs;&longs;. 1775. Qu. IV. no. 1.)
und Bergmann (Nov. acta Vp&longs;al. To. II. pag. 208. ingl.
Di&longs;&longs;. de ar&longs;enico. Vp&longs;al. 1777. 4.) deutlich erwie&longs;en, daß
der Ar&longs;enik eine eigne von allen andern unter&longs;chiedene
Säure enthalte, welche durch das Brennbare er&longs;t zu einem
Ar&longs;enik und bey mehrerer Sättigung damit zu einem
be&longs;ondern Halbmetalle wird, und deren Neigung, &longs;ich mit
dem Brennbaren zu vermi&longs;chen, ungemein groß i&longs;t, woraus
wohl auch die &longs;chädlichen Wirkungen des Ar&longs;eniks auf
den men&longs;chlichen Körper, de&longs;&longs;en Theile er durch Anziehung
ihres Brennbaren zer&longs;etzt, zu erklären &longs;eyn dürften.
Leonhardi in Macquer's chym. Wörterbuch, Art. Ar&longs;enik&longs;äute.
A&longs;cen&longs;ion, &longs;. Auf&longs;teigung.
Differentia a&longs;cen&longs;ionalis,
Difference a&longs;cen&longs;ionelle. Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der
geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns,
Aus der Aequatorhöhe des Orts AH, welche dem
Winkel O gleich i&longs;t, und der Abweichung des Ge&longs;tirns
SD, und die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz OD durch Auflö&longs;ung des
techtwinklichen Kugeldreyecks ODS gefunden, wo
&longs;in tot: &longs;in OD=tang. O: tang SD, oder (für &longs;in tot=1)
Sin. A&longs;c. diff.=(tang. Abweich./tang.Aequ.höhe)=tang.Abw.Xtang.
Polhöhe.
Durch die&longs;e Formel ließen &longs;ich leicht Tafeln berechnen, in
welchen man für die Polhöhe jedes Orts und für die Abweichung
Für ein Ge&longs;tirn s in der &longs;üdlichen Halbkugel i&longs;t die
Abweichung ds der vorigen DS entgegenge&longs;etzt, al&longs;o negativ
welches der Formel gemäß eine ebenfalls negative
A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie Od in der Figur, giebt.
Für Orte in der &longs;üdlichen Halbkugel der Erde, deren Polhöhen
negativ &longs;ind wenn die nördlichen po&longs;itiv ge&longs;etzt werden,
geben &longs;üdliche Abweichungen wieder po&longs;itive, nördliche
Abweichungen negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen.
Die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz eines Ge&longs;tirns dient zur Erfindung
&longs;einer &longs;chiefen Auf&longs;teigung und &longs;eines Tagebogens.
Es i&longs;t nemlich
wobey eine negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie
Der zwi&longs;chen dem Mittagskrei&longs;e PAHp und dem
wahren Morgenpunkte O enthaltene Bogen des Aequators
AO i&longs;t = 90°, daher AD = 90° + A&longs;c. diff. Da
nun die Figur für den Augenblick des Aufgangs vom Ge&longs;tirn
S entworfen i&longs;t, &longs;o i&longs;t A der Punkt des Aequators,
der &longs;ich beym Aufgange von S im Mittagskrei&longs;e befindet;
D aber derjenige Punkt, welcher mit dem Sterne S in den
Mittagskreis kömmt. Vom Aufgange des Sterns bis
zu &longs;einem Durchgange durch den Mittagskreis verfließt
al&longs;o &longs;o viel Zeit, als der Bogen AD braucht, um &longs;ich
durch den Mittagskreis zu &longs;chieben. Verwandelt man
al&longs;o die&longs;en Bogen, oder 90° + A&longs;c. differ., in Zeit, &longs;.
Aequator, Sternzeit, &longs;o hat man die Zeit vom Aufgange
bis zum Durchgange durch den Mittag oder den
halben Tagbogen in Zeit, welcher verdoppelt die Zeit vom
Aufgange zum Untergange, oder die Dauer der Sichtbarkeit
(moram &longs;upra horizontem) giebt.
Man &longs;ieht hieraus, wie die Tageslänge gefunden
werde, wenn das Ge&longs;tirn S die Sonne i&longs;t. Es i&longs;t
nemlich
halbe Tageslänge=(90° + A&longs;c. diff. d. Θ) in Zeit.D bezeichnet i&longs;t, und
bey ihrem Aufgange durch den Abweichungskreis PSDp
abge&longs;chnitten ward; allein da das Fortrücken der Sonne
in jedem Zeitraume gerade &longs;o viel Wirkung auf die Zeit
äußert, daß es den in Sternzeit ausgedrückten Zeitraum
in eben &longs;o viel wahre Sonnen&longs;tunden u. &longs;. w. verwandelt,
als er &longs;on&longs;t, wenn die Sonne nicht fortgerückt wäre,
Stern&longs;tunden rc. gehabt haben würde (&longs;. Sonnenzeit),
&longs;o darf man nur die Stunden rc. des in Sternzeit verwandelten
Bogens AD geradehin für wahre Sonnen&longs;tunden
annehmen, um die halbe Taglänge richtig in wahrer Sonnenzeit
zu finden, oder es i&longs;t
halbe Taglänge, in Θzeit = (90° + A&longs;c. differ.)
in *zeit.
Die halbe Taglänge giebt, von 12 Stunden abgezogen,
die halbe Nachtlänge; und da wir im bürgerlichen Leben
un&longs;ere Stunden vom Mittage und der Mitternacht, d. i.
von der Helfte des Tages und der Nacht zu zählen anfangen,
&longs;o i&longs;t klar, daß wir bey Sonnenaufgang &longs;o viel Stunden
zählen mü&longs;&longs;en, als die halbe Nachtlänge beträgt, bey
Sonnenuntergang aber &longs;o viel, als die halbe Taglänge
ausmacht.
Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Berechnung der Tagund
Nachtlänge für den läng&longs;ten Tag in Leipzig. Aus
Leipzigs Polhöhe=51° 19′ 41″ und der Abweichung
der Sonne am läng&longs;ten Tage=23° 28′ 8″, findet &longs;ich
durch die Formel
&longs;in. A&longs;c. diff.=tang. Abw. X tang. Polh.
Die Grade des Bogens AD oder 90° + A&longs;c. diff.
drücken zugleich die Größe des halben Tagbogens vom
Ge&longs;tirn S aus, &longs;. Tagbogen. Zu Er&longs;parung oder Erleichterung
der Rechnungen hat man Tafeln, in welchen
man aus der gegebnen Polhöhe des Orts und Abweichung
des Ge&longs;tirns den halben Tagbogen, &longs;chon in Sternzeit verwandelt,
auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner
Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, B. III. S. 233 u. f.
unter der Auf&longs;chrift: Tafel für die halben Tagbögen,
findet.
Negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen &longs;ind, wie natürlich, von 90° abzuziehen, wenn man den halben Tagbogen finden will. Daher findet man für Tage des Winterhalbjahrs, wo die Sonne eine &longs;üdliche Abweichung hat, für un&longs;ere Länder den halben Tagbogen kleiner als 90°, und die halbe Taglänge kürzer, als 6 Stunden.
Auf eben die&longs;e Art wird für die Sterne die halbe
Dauer der Sichtbarkeit gefunden, wenn man den halben
Tagbogen in Sternzeit verwandelt; nur daß hier die gefundene
Zeit Sternzeit bleibt, weil die Annehmung der&longs;elben
für wahre Sonnenzeit im vorigen Falle bloß eine
Wirkung des Fortrückens der Sonne war, welches bey
den Fix&longs;ternen wegfällt.
Dasjenige, was von
den Körpern übrig bleibt, wenn &longs;ie durch die Verbrennung
oder Calcination an freyer Luft ihres Brennbaren
beraubt worden &longs;ind. Alle vegetabili&longs;che und thieri&longs;che
Materien la&longs;&longs;en, an freyer Luft verbrannt, einen &longs;olchen
erdichten, mehr oder weniger &longs;alzigen Rück&longs;tand übrig.
So pflegt man auch einigen metalli&longs;chen Erden, wenn die
Metalle an freyer Luft verbrannt und calcinirt worden &longs;ind,
den Namen A&longs;che beyzulegen, z. B. Zinna&longs;che: doch &longs;ollten
die&longs;e mit dem gewöhnlichen Namen Kalch benennet
werden.
Macquer chym. Wörterb. Art. A&longs;che.
A&longs;cii, &longs;. Un&longs;chattichte.
Ad&longs;pectus &longs;. Configurationes planetarum,
A&longs;pects. Man giebt die&longs;en Namen den ver&longs;chiedenen
Stellungen der Planeten im Thierkrei&longs;e gegen einander.
Da nemlich die Planeten, wozu hier auch Sonne und
Mond gerechnet werden, in ihren eignen Bewegungen mit
&longs;ehr ver&longs;chiedener Ge&longs;chwindigkeit fortgehen, einander bald
einholen, bald &longs;ich von einander entfernen rc., &longs;o kommen
&longs;ie in ver&longs;chiedene Stellungen oder A&longs;pecten gegen einander,
unter welchen folgende die vornehm&longs;ten &longs;ind.
Die Zu&longs;ammenkunft, Conjunctio, Conjonction,
(ihr Zeichen i&longs;t
Die Perioden, binnen welchen die Zu&longs;ammenkünfte
zweener Planeten wiederkehren, läßt &longs;ich aus den Zeiten
ihres &longs;cheinbaren Umlaufs um den ganzen Himmel, T
und t, durch die Formel (Tt/T—t) finden. Wenn al&longs;o Saturn
ohngefähr in 30, Iupiter in 12 Jahren den Thierkreis
einmal zu durchlaufen &longs;cheinen, &longs;o kommen beyde in
(30. 12/30—12)=20 Jahren, d. i. alle 20 Jahre einmal in
Zu&longs;ammenkunft. Eben &longs;o lä&longs;t &longs;ich aus den Längen des
Sonnenjahres und des &longs;ideri&longs;chen Monats, die Zeit von
einem Neumonde zum andern, der &longs;ynodi&longs;che Monat, berechnen,
&longs;. Monat.
Die Oppo&longs;ition oder der Gegen&longs;chein, Oppo&longs;itio,
Oppo&longs;ition, deren Zeichen
Im Gedritt- oder Trigonal&longs;cheine, Geviert-
oder Quadrat&longs;cheine, Ge&longs;ech&longs;t- oder Sextil&longs;cheine
&longs;tehen zween Planeten, wenn &longs;ich ihre Längen um den dritten,
vierten, &longs;ech&longs;ten Theil von 360°, oder um 120°,
90° 60° unter&longs;cheiden. Die Zeichen dafür &longs;ind
Der a&longs;trologi&longs;che Aberglaube hat den A&longs;pecten große
Einflü&longs;&longs;e in die Schick&longs;ale der Men&longs;chen und in die Begebenheiten
der Staaten zuge&longs;chrieben. Die Zu&longs;ammenkunft
des Jupiters und Saturns ward die große, und
wenn &longs;ie im Zeichen des Widders, oder nahe am Anfange
des Thierkrei&longs;es erfolgte, die grö&longs;te Conjunction genannt
und man erwartete von &longs;olchen Begebenheiten wichtige
Revolutionen. Es i&longs;t zu bedauern, daß dergleichen
Irrthümer durch &longs;chlechte Kalender noch immer unterhalten
und unter dem Volke verbreitet werden. Noch am
12 Iunius 1785, da Iupiter und Mars im Zeichen des
Widders zu&longs;ammenkamen, erwartete man, der Vorher&longs;agung
einiger Kalender gemäß, ich weiß nicht was für eine
&longs;chreckliche Kata&longs;trophe, und nach der Meynung vieler das
Ende der Welt. Welche lächerliche Auftritte die Furcht
vor die&longs;em Tage &longs;elb&longs;t in Sach&longs;en veranla&longs;&longs;ete, i&longs;t noch in
fri&longs;chem Andenken. Es i&longs;t doch nichts begreiflicher, als
daß der Zu&longs;ammenhang der Weltbegebenheiten von ganz
andern Ur&longs;achen abhängen mü&longs;&longs;e, als davon, ob zwo Linien
aus der Erde nach dem Mars und Iupiter gezogen,
einen großen oder kleinen Winkel mit einander machen.
Daß man übrigens auf die Zu&longs;ammenkünfte der Planeten
von &longs;ehr alten Zeiten her aufmerk&longs;am gewe&longs;en &longs;ey,
bewei&longs;t eine &longs;ine&longs;i&longs;che Beobachtung einer Conjunction von
fünf Planeten zu einer Zeit, da Sonne und Mond um
den 15ten Grad des Wa&longs;&longs;ermanns &longs;tanden, welche demT&longs;chuen-hi veranla&longs;&longs;er haben &longs;oll, den Anfang des
Jahres auf denjenigen Neumond zu &longs;etzen, der &longs;ich zunäch&longs;t
bey die&longs;em Grade der Ekliptik ereignet. Kirch
(Mi&longs;c. Berolinen&longs;. To. lll. p. 157.) berechnet, daß eine
&longs;ehr ähnliche Begebenheit im Jahre 2449 vor C. G. am
28 Febr. vorgefallen &longs;ey, und Montucla (Hi&longs;toire des
mathematiques. P. ll. L. 2. p. 386.) nimmt keinen An&longs;tand,
die Nachricht von die&longs;er Beobachtung für ächt zu
erklären, gegen einige Einwürfe zu vertheidigen, und das
hohe Alter der &longs;ine&longs;i&longs;chen Beobachtungen dadurch zu be&longs;tätigen.
A&longs;trogno&longs;ia,
A&longs;trogno&longs;ie. Die&longs;en Namen führt die Kenntniß der am
Himmel &longs;ichtbaren Ge&longs;tirne, in &longs;o fern &longs;ie bloß bey den
Namen und Stellungen der&longs;elben gegen einander &longs;tehen
bleibt. Da die in gewi&longs;&longs;e Bilder geordneten Fix&longs;terne umter
den Ge&longs;tirnen die grö&longs;te Anzahl ausmachen, &longs;o be&longs;chäftiget
&longs;ich die A&longs;trogno&longs;ie grö&longs;tentheils mit die&longs;en Bildern
und den in ihnen befindlichen Fix&longs;ternen, wovon man
unter den Artikeln,
Die Kenntniß der Sternbilder i&longs;t ein angenehmer und nothwendiger, aber in Ab&longs;icht auf den Umfang ein unbeträchtlicher Theil der Sternkunde. Sie enthält bloß die Nomenclatur der Himmelskörper, da die A&longs;tronomie der&longs;elben Bewegungen, Ge&longs;etze, Größen, Entfernungen rc. unter&longs;ucht. Es i&longs;t daher &longs;ehr un&longs;chicklich, was doch oft ge&longs;chieht, Leuten Kenntni&longs;&longs;e der A&longs;tronomie beyzulegen, wenn &longs;ie einige Sterne oder Bilder zu nennen wi&longs;&longs;en.
Seit Strauchs Zeiten (A&longs;trogno&longs;ia. Viteb. 1684.
8.) hat man mehrere &longs;chriftliche Anwei&longs;ungen zur Sternkenntniß
erhalten, unter welchen &longs;ich die Bücher der Herren
Helmuth (Ge&longs;tirnbe&longs;chreibung, Braun&longs;chweig 1774.
8.), Funk (Anwei&longs;ung zur Kenntniß der Ge&longs;tirne auf
zw ey Planiglobien und zween Sternkegeln, Leipzig 1777.
8.) und Bode (Anleitung zur Kenntniß des ge&longs;tirnten Himmels,
Dies i&longs;t der Name der eiteln und betrügeri&longs;chen Kun&longs;t, aus den Stellungen der Ge&longs;tirne zukünftige Dinge vorherzu&longs;agen.
Der Wahn, daß die Ge&longs;tirne &longs;owohl auf die Begebenheiten
ganzer Völker, als auf die Sitten und Schick&longs;ale
einzelner Men&longs;chen Einflü&longs;&longs;e hätten, i&longs;t &longs;ehr alt, und
nach Bailly (Ge&longs;chichte der Sternkunde des Alterthums,
I. B. aus dem Franz. Leipzig 1777. 8. S. 310.) aus
der Wahrnehmung ihrer Einflü&longs;&longs;e auf Jahrszeiten, Witterung
und Fruchtbarkeit ent&longs;tanden. Ein Beweis die&longs;es
hohen Alters i&longs;t, daß &longs;ich die mei&longs;ten a&longs;trologi&longs;chen Vorher&longs;agungen
auf die Stellung der Sterne gegen den Horizont
gründen, welches der er&longs;te Kreis war, den man am
Himmel kennen lernte. Die A&longs;trologie hat &longs;ich, nach den
ein&longs;timmigen Zeugni&longs;&longs;en der Alten, von den Chaldäern
aus über die Nationen der folgenden Zeiten verbreitet.
Die Sterndeuter werden auch bey den ältern Schrift&longs;tellen
durchgängig Chaldaei, &longs;on&longs;t genethliaci, genannt.
In der Folge, da &longs;ich bald Gewinn&longs;ucht und vor&longs;etzliche
Betrügerey mit einmi&longs;chten, gaben &longs;ie &longs;ich den Namen
Mathematici, unter welchem &longs;ie zu den Zeiten der römi&longs;chen
Kay&longs;er allgemein bekannt waren. Vulgus, quos
Chaldaeos gentilitio vocabulo dicere oportet, mathematicos
vocat, &longs;agt Gellius (Noct. Act. L. I. c. 9.). Ihr
Unfug war &longs;o groß, daß &longs;ie Tiber aus Rom vertrieb
(Sueton. vita Tib. c. 36.). Der achtzehnte Titel des
neunten Buchs im Codex i&longs;t de maleficis et mathematicis
über&longs;chrieben; doch unter&longs;cheidet das zweyte Ge&longs;etz
de&longs;&longs;elben ausdrücklich die geometri&longs;che Kun&longs;t von die&longs;er &longs;ogenannten
mathemati&longs;chen. Für die A&longs;tronomie i&longs;t die&longs;e
Vermi&longs;chung mit Sterndeuterey mehr vortheilhaft als
nachtheilig gewe&longs;en. Sie hat mehr Theilnehmung an den
Im mittlern Zeitalter erhielten &longs;ich die a&longs;trologi&longs;chen
Träumereyen mit der Sternkunde zugleich unter den Arabern,
von welchen uns ver&longs;chiedene Schriften davon, haupt&longs;ächlich
Commentarien über des Ptolemäus Tetrabiblos,
übriggeblieben &longs;ind. Scaliger (Prolegom. ad Manil.
p. 9.) erzählt, daß im Jahre 1179 alle orientali&longs;che,
chri&longs;tliche, jüdi&longs;che und arabi&longs;che A&longs;trologen Briefe ausge&longs;endet,
und durch Verkündigung einer fürchterlichen Revolution
auf das Jahr 1186, ein allgemeines Schrecken
verbreitet hätten. Sollte man &longs;ich bey den berufenen
Ziehen&longs;chen Prophezeihungen, wobey die Kabala, das
Buch Chevilla und der Stern Kapella &longs;o lächerlich durch
einander geworfen werden, nicht um volle 600 Jahre zurückver&longs;etzt
glauben?
Unter den er&longs;ten Beförderern der Sternkunde im
Occident hiengen noch viele fe&longs;t an die&longs;em Aberglauben.
Zwar be&longs;tritt &longs;chon gegen das Ende des funfzehnten Jahrhunderts
Pico, Graf von Mirandola, die Irrthümer der
A&longs;trologie &longs;ehr gründlich, fand aber damals noch viel Wider&longs;pruch.
Im 16ten Jahrhunderte waren Leovitius,
Gauricus, Cardan eifrige Vertheidiger des Sterndeutens.
Der Letztere trieb die&longs;e Thorheiten &longs;o weit, daß er dem
Heilande der Welt die Nativität &longs;tellte (Scaliger proleg. ad
Manil. p. 8.), und &longs;oll &longs;ich zu Tode gehungert haben, um
&longs;ein vorherge&longs;agtes Sterbejahr nicht zu überleben. Ca&longs;par
Peucer (De praecipuis divinationum generibus. Vitb.
1560. 8.) hat von der A&longs;trologie mit vieler|Gelehr&longs;amkeit
gehandelt. Noch im vorigen Jahrhunderte hiengen
&longs;elb&longs;t große A&longs;tronomen an der Sterndeuterey, wovon &longs;ich
in Keplers Briefwech&longs;el (Epi&longs;tolae ad Keplerum, ed. a
Han&longs;chio. Lip&longs;iae 1718. fol.) häufige Spuren finden.
Kepler &longs;elb&longs;t &longs;tellte Nativitäten, wenn es verlangt ward,
und &longs;oll &longs;ich Wallen&longs;teinen, der ihn 1629 nach Sagan
berief, durch Vorher&longs;agung &longs;eines Glücks zum GönnerOriganus (Ephemerides Brandenburg.
Frf. 1605. gr. 4.) &longs;etzte &longs;einen Ephemeriden eine, &longs;on&longs;t in
guter Ordnung ge&longs;chriebene, Einleitung in die A&longs;trologie
vor. Morin (A&longs;trologia Gallica. Hag. Com. 1661.
fol.) &longs;uchte die Sterndeutekun&longs;t aus phy&longs;i&longs;chen und mathemati&longs;chen
Gründen zu erwei&longs;en; zu &longs;einem Werke &longs;oll die
Königin von Polen Maria von Gonzaga eine an&longs;ehnliche
Geld&longs;umme hergegeben haben. Die A&longs;trologie galt etwas
bey den Großen. Daher hat Herr Kä&longs;tner (Schriften
der götting. deut&longs;chen Ge&longs;ell&longs;ch. II. Samml. 2.) gefragt:
ob die A&longs;tronomen klug daran gethan haben, daß &longs;ie &longs;o
ehrlich gewe&longs;en &longs;ind, die A&longs;trologie aufzugeben. Endlich
hat die völlige Be&longs;tätigung des Copernikani&longs;chen Sy&longs;tems
und die allgemeinere Verbreitung der be&longs;&longs;ern A&longs;tronomie
die&longs;e Thorheiten unterdrückt, und nur &longs;elten gelingt es noch
der Schwärmerey oder dem Betruge, die Leichtgläubigen
damit zu hintergehen.
Die&longs;en Namen führt die Lehre von den Weltkörpern. Die Bewegungen, Größen, Entfernungen, Wirkungen der&longs;elben auf einander rc. machen den erhabnen Gegen&longs;tand die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft aus, in welcher &longs;ich Ver&longs;tand und Fleiß der Men&longs;chen auf eine vorzügliche Art hervorgethan haben. Der griechi&longs;che Name der A&longs;tronomie drückt wörtlich Lehre von den Ge&longs;etzen der Ge&longs;tirne aus; er i&longs;t &longs;ehr &longs;chicklich gewählt, denn alle Bewegungen der Weltkörper erfolgen nach be&longs;timmten und unabänderlichen Ge&longs;etzen.
Man theilt die A&longs;tronomie in die &longs;phäri&longs;che, theori&longs;che
und phy&longs;i&longs;che ein. Die &longs;phäri&longs;che handelt von
den in die Sinne fallenden Er&longs;cheinungen des Weltgebäudes,
welches &longs;ich der Beobachter als eine &longs;ein Auge
umgebende Sphäre oder Kugel vor&longs;tellt; die theori&longs;che
(von Theorie oder &longs;peculativem Nachdenken über die Er&longs;cheinungen
benannt) &longs;ucht daraus die wahren Bewegungen
der Weltkörper und deren Ge&longs;etze herzuleiten; die phy&longs;i&longs;che
lehrt die Ur&longs;achen die&longs;er Bewegungen, oder dieRechnungen und Beobachtungen
(A&longs;tronomiam calculatoriam et ob&longs;ervatoriam)
hinzufügen.
Der Ur&longs;prung der Sternkunde i&longs;t ohne Zweifel ins
höch&longs;te Alterthum zu &longs;etzen. Nichts konnte die Aufmerk&longs;amkeit
der er&longs;ten Erdbewohner mehr reizen, als der große
Anblick und der regelmäßige Lauf der Sonne, des Monds
und der Ge&longs;tirne: es war &longs;ogar nothwendig für &longs;ie, die zu
ihren Be&longs;chäftigungen &longs;chicklichen Zeiten nach dem Laufe
der Himmelskörper zu ordnen. Daher enthalten auch die
Ge&longs;chichtbücher und Denkmäler der älte&longs;ten Völker von
den dunkel&longs;ten Zeiten des Alterthums her Beziehungen auf
Kenntni&longs;&longs;e des Himmels. Montucla (Hi&longs;t. des mathematiques.
Paris 1758. 4), Goguet (Ur&longs;prung der Ge&longs;etze,
Kün&longs;te und Wi&longs;&longs;.; aus dem Franz. v. Hamberger,
Lemgo 1760. III. B. 4.) und Bailly (Ge&longs;ch. der Sternk.
des Alterthums; aus d. Franz. von Wün&longs;ch, Leipz. 1777.
8.) haben dergleichen ge&longs;ammelt, und der letztere &longs;ucht
daraus das Re&longs;ultat zu ziehen, im entfernte&longs;ten Alterthume
habe in den Gegenden der a&longs;iati&longs;chen Tartarey ein
Volk gelebt, de&longs;&longs;en Ein&longs;ichten in den Wi&longs;&longs;en&longs;chaften fa&longs;t
den un&longs;rigen gleich gekommen wären: dies Volk &longs;ey untergegangen,
aber die Bruch&longs;tücke &longs;einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
&longs;eyen unter den uns bekannten älte&longs;ten Völkern erhalten
worden. Die&longs;e mit Bele&longs;enheit ausgeführte Hypothe&longs;e
möchte nach dem Urtheile der Kenner &longs;chwerlich mehr, als
ein Spiel des Witzes &longs;eyn.
Unter den a&longs;tronomi&longs;chen Beobachtungen, von welchen
&longs;ich Nachrichten erhalten haben, &longs;ind die älte&longs;ten &longs;ine-&longs;i&longs;che. Die er&longs;te, welche P. Martini (Hi&longs;t. de la Chine.
T. I. p. 51.) aus einer Schrift über das Sternbild Xe
anführt (&longs;. den Art. A&longs;pecten), betrift eine Zu&longs;ammenkunft
von fünf Planeten im Jahre 2449, die zweyte eine
Sonnenfin&longs;terniß im I. 2155 vor C. G. Montucla
und Bailly erklären aus triftigen Gründen beyde Nachrichten
für ächt, führen auch außerdem noch Spuren einer
höch&longs;t alten Bekannt&longs;chaft der Sine&longs;er mit dem Himmel
an. Die Chaldäer würden &longs;ich fa&longs;t eben &longs;o alter Beobachtungen
rühmen dürfen, wenn der Nachricht des Simplicius
(Comm. in Ari&longs;totel. de coelo) zu glauben wäre,
daß Ari&longs;toteles vom Calli&longs;thenes eine Reihe chaldäi&longs;cher
Beobachtungtn von 1903 Jahren her, erhalten habe.
Aber die zuverlä&longs;&longs;igen Beobachtungen die&longs;es Volks, die
Ptolemäus (Almag. L. IV. c. 6.) anführt, und welche
Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e betreffen, &longs;teigen nur bis zum Jahre 726
v. C. G. Die Egyptier hatten nach dem Zeugniß des
Diogenes Laertius bereits vor den Zeiten Alexanders des
Großen 373 Sonnen- und 832 Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e beobachtet,
welches einen Zeitraum von 12—1300 Jahren voraus&longs;etzt.
Auch &longs;ind die Seiten ihrer im höch&longs;ten Alterthum
erbauten Pyramiden genau nach den vier Hauptgegenden
gerichtet. Der Phönicier Schiffahrt und Aufmerk&longs;amkeit
auf den Polar&longs;tern fällt in die älte&longs;ten Zeiten.
Dies alles wird wenig&longs;tens &longs;o viel erwei&longs;en, daß das hohe
Alterthum der Sternkunde durch die Denkmäler der Ge&longs;chichte
vollkommen be&longs;tätiget werde.
Es &longs;cheinen aber die&longs;e älte&longs;ten Kenntni&longs;&longs;e der Sternkunde
kaum in etwas mehrerem, als in Aufmerk&longs;amkeit
auf den &longs;cheinbaren Himmelslauf, Erfindung der vornehm&longs;ten
Krei&longs;e, Eintheilung der Sterne in Bilder und Wahrnehmung
der Perioden, binnen welcher gewi&longs;&longs;e Himmelsbegebenheiten
wiederkehren, be&longs;tanden zu haben, welches
alles man zur Eintheilung der Zeit &longs;o gut, als möglich, zu
nützen &longs;uchte. Er&longs;t unter den Griechen erhob &longs;ich die
Sternkunde ein wenig aus die&longs;em Zu&longs;tande der er&longs;ten Kindheit.
Thales und Pythagoras trugen die Kenntni&longs;&longs;e
der Egyptier nach Griechenland über, pflanzten &longs;ie in ihren&longs;. Welt&longs;y&longs;tem); Meton und Euctemon
berichtigten den griechi&longs;chen Kalender; Ari&longs;tarch
von Samos zeigte Mittel, die Entfernung der Sonne zu
me&longs;&longs;en; Plato und Ari&longs;toteles waren zwar große Verehrer
der Sternkunde, verlohren &longs;ich aber zu &longs;ehr in Speculationen,
welche bey dem damaligen Mangel an Beobachtungen
noch zu frühzeitig waren. Am mei&longs;ten haben
zum Wachsthum der Sternkunde die A&longs;tronomen des Mu&longs;eum
zu Alexandrien beygetragen. Die&longs;er berühmten Stiftung
der Ptolemäer haben wir die Beobachtungen des Timocharis
und Ari&longs;tyllus, des Erato&longs;thenes, Conon
u. a. neb&longs;t den Entdeckungen des Hipparchus zu
danken, welcher 140 Jahr v. C. G. aus Vergleichung
alter und neuer Beobachtungen die Länge des Sonnenjahrs
und die Ungleichheiten des Mondlaufs be&longs;timmte, das
Vorrücken der Nachtgleichen und die Lage der Sonnenbahn
entdeckte, auch die er&longs;te Verfertigung eines Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;es
unternahm, au&longs;us rem etiam Deo improbam
annumerare po&longs;teris &longs;tellas, coelo in hereditatem
cunctis relicto, nach dem Ausdrucke des Plinius (Hi&longs;t.
nat. L. II. c. 26.). Zu die&longs;en Erweiterungen der Sternkunde
&longs;etzten noch andere alexandrini&longs;che A&longs;tronomen, vornehmlich
Ptolemäus im zweyten Jahrh. n. C. G. die ihrigen hinzu.
Die&longs;er große Sternkundige berichtigte Hipparchs Be&longs;timmungen
durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen,
&longs;etzte eine Theorie der Planeten hinzu, be&longs;timmte die
Ungleichheiten des Mondlaufs genauer, vermehrte das Verzeichniß
der Fix&longs;terne, und trug dies alles in &longs;ein großes
Werk (&longs;. Con&longs;tructio magna) in dreyzehn
Büchern zu&longs;ammen, welchem die Araber, die es 'im
Jahre 827 in ihre Sprache über&longs;etzten, den Namen Almage&longs;t
beygelegt haben. Die&longs;es Werk i&longs;t als eine voll&longs;tändige
Sammlung der alten a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e,
Tafeln und Beobachtungen höch&longs;t &longs;chätzbar; die theori&longs;chen
Erklärungen aber beruhen auf der fal&longs;chen Hypothe&longs;e der
Alten, daß die Erde unbewegt im Mittel &longs;tehe; die daherptolemäi&longs;chen Weltordnung erhalten
hat.
Da die Römer für die Sternkunde nichts Erhebliches
gethan haben, &longs;o finden &longs;ich weitere Bemühungen um
die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft er&longs;t vom neunten Jahrhundert nach C.
G. an unter den Arabern oder Saracenen. Sie &longs;ind aber
nicht von großem Erfolg gewe&longs;en. Obgleich ver&longs;chiedene
Califen, be&longs;onders Al-mamon zu Bagdad, die Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
eifrig unter&longs;tützten, auch die arabi&longs;chen A&longs;tronomen
häufig griechi&longs;che Werke in ihre Sprache über&longs;etzten,
commentirten, und hin und wieder durch Vergleichung
mit neuern Beobachtungen zu berichtigen &longs;uchten; &longs;o vermi&longs;chten
&longs;ie doch die A&longs;tronomie mit vielen willkührlichen
Hypothe&longs;en und a&longs;trologi&longs;chen Thorheiten. Die Verfertigung
der alphon&longs;ini&longs;chen Tafeln in der Mitte des
dreyzehnten Jahrhunderts i&longs;t die berühmte&longs;te a&longs;tronomi&longs;che
Unternehmung des mittlern Zeitalters; allein die&longs;e Tafeln
wichen im Jahr 1660 für einige Planeten fa&longs;t um 2 Grad
von dem wahren Himmelslauf ab. Inzwi&longs;chen hat man
den Arabern die Ueberlieferung der a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e
an den Occident größtentheils zu verdanken, wovon
die Menge der noch gebräuchlichen arabi&longs;chen Kun&longs;tworte
ein deutlicher Beweis i&longs;t.
Im funfzehnten Jahrhunderte ward das Studium
der Sternkunde vorzüglich im Deut&longs;chland durch Purbach
und Regiomontan belebt, welche &longs;ich um Rechnungen,
Beobachtungen, Ephemeriden und Ausbreitung der griechi&longs;chen
Schriften unvergeßliche Verdien&longs;te erworben haben.
Im &longs;echszehnten Jahrhunderte &longs;tellte Copernikus
das An&longs;ehen der richtigern Weltordnung der Pythagoräer
wieder her, welche über die Sternkunde ein ganz neues
Licht zu verbreiten anfieng, ob ihr gleich die Urtheile der
&longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltwei&longs;en und die übeln Auslegungen einiger
Stellen der heil. Schrift noch lange Zeit entgegen&longs;tanden.
Tycho de Brahe verbe&longs;&longs;erte in der letzten Helfte
die&longs;es Zeitraums die Werkzeuge und Methoden der Beobachtung.
Er &longs;ammelte den Schatz von Beobachtungen,
aus welchem im Anfange des &longs;iebzehnten JahrhundertsKepler die wahren Ge&longs;etze des Planetenlaufs zog, und
dadurch den Grund zur gehörigen Berichtigung der Tafeln
und zu allen neuern Erweiterungen der theori&longs;chen Sternkunde
legte.
Um eben die&longs;e Zeit (1610) gab die Erfindung des
Fernrohrs dem Galilei Anlaß, in kurzer Zeit am ge&longs;tirnten
Himmel die wichtig&longs;ten Entdeckungen zu machen, die
die&longs;en großen Mann zu einer eifrigen Vertheidigung der
copernikani&longs;chen Meynung veranlaßten, und ihn dadurch
noch im hohen Alter bittern Kränkungen aus&longs;etzten.
Dennoch erhielt durch die&longs;e Entdeckungen, mit Keplers
Sätzen verbunden, die&longs;e Meynung den vollkommen&longs;ten
Sieg über alle Vorurtheile, und die folgenden Verbe&longs;&longs;erungen
der Sternkunde &longs;etzen durchgängig die Wahrheit
der&longs;elben voraus. Die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
in Frankreich und England ge&longs;tifteten gelehrten
Ge&longs;ell&longs;chaften haben, unter&longs;tützt durch die Regenten, mit
unermüdetem Fleiße durch Unter&longs;uchungen, Rei&longs;en und
Beobachtungen in allen Welttheilen die Sternkunde zu erweitern
ge&longs;ucht, und ihr eine neue von der ehemaligen &longs;ehr
vortheilhaft unter&longs;chiedene Ge&longs;talt gegeben. Newton
legte endlich durch &longs;ein Sy&longs;tem der allgemeinen Schwere
den Grund zu der phy&longs;i&longs;chen A&longs;tronomie, worüber das
Alterthum nur geträumt, Descartes aber durch &longs;eine
Wirbel eine allen Ge&longs;etzen der Mechanik zuwiderlaufende
Erklärung gegeben hatte. Newton zeigte zuer&longs;t, daß die
Mechanik des Himmels mit der Mechanik der Erdkörper
völlig einerley &longs;ey. Es i&longs;t ein großer Triumph für &longs;eine
Erfindungen, daß man nicht eher genaue Rechen&longs;chaft von
allen Ungleichheiten und Abweichungen des Himmelslaufs
hat ablegen, und die Tafeln mit dem Himmel &longs;elb&longs;t in Ueberein&longs;timmung
bringen können, als bis man Newtons
Theorie mit den feinern Be&longs;timmungen der neuern Beobachter
und mit den Kun&longs;tgriffen der höhern Analy&longs;is verband.
Durch die&longs;e Hülfsmittel hat Mayer in &longs;einen
vortreflichen Mondstafeln dem Monde &longs;eine Laufbahn be&longs;timmt
vorgezeichnet, dem Monde, de&longs;&longs;en Lauf &longs;o verwickelt
i&longs;t, quae multiformi ambage tor&longs;erat animos contemplantium,
et, proximum &longs;idus ignorari maxime, indignantium
(Plin. H. N. L. II. c. 9.). Auch die Tafeln
der Hauptplaneten &longs;ind er&longs;t durch Berechnung der Störungen,
die ihre gegen&longs;eitige Einwirkung in einander veranla&longs;&longs;et,
zu ihrer gegenwärtigen Vollkommenheit gelanget.
In den neu&longs;ten Zeiten &longs;ind die&longs;e wichtigen Erfindungen
un&longs;erer Vorgänger nicht allein mehr ausgebildet, geprüft
und zum Gebrauch ge&longs;chickter gemacht, &longs;ondern auch
mit vielen neuen vermehrt worden. Die Beobachtungen
der Durchgänge der Venus durch die Sonnen&longs;cheibe in den
Jahren 1761 und 1769 haben uns zu genauern Be&longs;timmungen
der wahren Größen und Entfernungen der Körper
des Sonnen&longs;y&longs;tems verholfen; durch die Entdeckung eines
neuen Planeten (&longs;. Uranus) &longs;ind die bekannten Grenzen
die&longs;es Sy&longs;tems erweitert worden, und aus den eignen Bewegungen
der Fix&longs;terne, auf welche die A&longs;tronomen jetzt
vorzüglich aufmerk&longs;am werden, hat man angefangen, eine
fortdaurende Bewegung des ganzen Sy&longs;tems zu muthma&longs;&longs;en,
wodurch &longs;ich Aus&longs;ichten in ein ganz neues Fach der
Sternkunde eröffnen, in welchem vielleicht der Nachwelt
bey mehrerer Verbe&longs;&longs;erung der opti&longs;chen Werkzeuge und
Verfeinerung der Beobachtungen noch viele unerwartete
Entdeckungen vorbehalten &longs;ind.
Die Sternkunde in ihrer jetzigen Ge&longs;talt i&longs;t theils in
voll&longs;tändigen Lehrbüchern, theils zu allgemeinerer Ausbreitung
in kürzern und leichter ge&longs;chriebenen Einleitungen vorgetragen
worden. Unter den er&longs;tern nenne ich hier nur
das vortrefliche Lehrbuch des Herrn de la Lande (A&longs;tronomie.
Paris. To. I—III. 1771. To. IV. 1781. 4 ),
unter den letztern Schmid (Von den Weltkörpern, zur
gemeinnützigen Kenntniß der großen Werke Gottes, Leipz.
1772. 8.), Bode (Erläuterung der Sternkunde, Berlin
1778. gr. 8.) und Wün&longs;ch (Kosmologi&longs;che Unterhaltungen,
1&longs;ter Band, Leipzig 1778. 8.). Verzeichni&longs;&longs;e
a&longs;tronomi&longs;cher Schriften liefern Wolf (Kurzer Unterricht
von den vornehm&longs;ten math. Schriften, in &longs;. Anfangsgründen
der math. Wi&longs;&longs;.), Weidler (Bibliographia a&longs;tronomica,
Viteb. 1755. 8.) und Scheibel (Einleitung inBernoulli (Recueil
pour les a&longs;tronomes. To. l—lll. Berlin 1771—
1776. Nouvelles litteraires. Vl— Cahier. 1776—
1779.) über die neuere a&longs;tronomi&longs;che Litteratur &longs;chätzbare
Nachrichten mitgetheilt.
Die neu&longs;ten und be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln hat die
königlich preußi&longs;che Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften (Sammlung
a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, Berlin 1776. lll. B. gr. 8.)
&longs;ehr voll&longs;tändig herausgegeben.
Ich halte für überflüßig, mich über das Lob und den Nutzen die&longs;er vortreflichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaft weitläuftig zu verbreiten. Ihr erhabner Gegen&longs;tand darf nur genannt werden, um Empfindungen von Größe und Würde zu erregen, und die Begriffe, die &longs;ie uns von dem Umfange der Welt und von der Macht, Weisheit und Güte ihres gro&longs;&longs;en Urhebers giebt, mü&longs;&longs;en auch Men&longs;chen von &longs;on&longs;t &longs;tumpfem Gefühl zur Bewunderung und Anbetung hinreißen. Ihr Nutzen für die men&longs;chliche Ge&longs;ell&longs;chaft zur Eintheilung und Wahrnehmung der Zeit, zur Schiffahrt, Be&longs;timmung der Lage der Orte auf der Erde rc. liegt am Tage. Ueberhaupt aber i&longs;t die Kenntniß der wahren Verhältni&longs;&longs;e und Verbindungen, in welchen un&longs;ere kleine Erde mit dem großen Ganzen &longs;teht, dem aufgeklärtern Erdbewohner, wo nicht unentbehrlich, doch gewiß höch&longs;t nützlich und an&longs;tändig. Die&longs;e Kenntniß erhebt uns über manches, was das Herz &longs;on&longs;t an die Erde fe&longs;&longs;elt, und uns auf die&longs;em kleinen Planeten groß und wichtig däucht, und fängt vielleicht in uns eine Gedankenreihe an, deren Fort&longs;etzung noch jen&longs;eits des Grabes einen Theil un&longs;erer Glück&longs;eligkeit ausmachen kann.
Die zum Leben der Men&longs;chen und Thiere nothwendige
Bewegung, durch welche die Bru&longs;t abwech&longs;elnd erweitert
und verengert wird, um Luft in die Lungen zu ziehen,
und wieder aus den&longs;elben herauszutreiben. Das
Athmen be&longs;teht aus zwoen entgegenge&longs;etzten Bewegungen,Einathmen (In&longs;piratio) und dem Ausathmen (Ex&longs;piratio).
Bey jenem erweitert &longs;ich die Bru&longs;thöhle, und
die äußere Luft dringt durch die Luftröhre in die Lungenbläschen
ein; beym Ausathmen wird die&longs;e Luft größtentheils
wieder herausgetrieben, und die Bru&longs;thöhle zu&longs;ammengezogen.
Mit Uebergehung de&longs;&longs;en, was hiebey dem Anatomiker
und Phy&longs;iologen zu überla&longs;&longs;en i&longs;t, z. B. des von Boerhave
zuer&longs;t erklärten Mechanismus des Athmens rc. wollen
wir bloß einige Unter&longs;uchungen berühren, in welche &longs;ich
der Naturfor&longs;cher, auch ohne Arzt zu &longs;eyn, einla&longs;&longs;en kan.
Die Wirkungen der eingeathmeten atmo&longs;phäri&longs;chen Luft auf die Lungen und den thieri&longs;chen Körper überhaupt, &longs;ind: eine mechani&longs;che Verdünnung und Verfeinerung des Bluts, eine Ausführung überflüßiger oder &longs;chädlicher Theile, und die Unterhaltung der Wärme des Bluts.
Mechani&longs;ch werden durch das Ein- und Ausathmen die Bläschen der Lungen abwech&longs;elnd aufge&longs;chwellt und wieder zu&longs;ammengezogen, und daher die darüber hingehenden zarten Blutgefäße bald verlängert und ge&longs;pannt, bald wiederum nachgela&longs;&longs;en. Die&longs;es immer fortgehende Abwech&longs;eln der Verlängerung und Verkürzung muß nothwendig das darinn befindliche Blut feiner verarbeiten, &longs;eine Be&longs;tandtheile inniger vermi&longs;chen, das im Körper &longs;chon umgelaufene verbe&longs;&longs;ern, und dem aus dem hinzukommenden Milch&longs;afte neu ent&longs;tehenden die gehörige Vollkommenheit geben.
Daß ferner das Athmen etwas dem thieri&longs;chen Leben
Zuträgliches in den Körper bringe, und etwas Ueberflüßiges
oder Schädliches herausführe, erhellet daraus, weil die ausgeathmete
Luft von einer ganz andern Be&longs;chaffenheit, als
die eingeathmete, i&longs;t. Es i&longs;t eine läng&longs;t bekannte Erfahrung,
daß Thiere in einge&longs;chloßner Luft nur eine Zeitlang
athmen können, daß &longs;ie darinn nach einer gewi&longs;&longs;en Anzahl
von Athemzügen endlich mit Verzuckungen &longs;terben, und
daß in &longs;olcher durch das Athemholen eines darinn ge&longs;torbenen
Thieres verdorbner Luft, andere Thiere oft augenblicklich
und auf den er&longs;ten Athemzug &longs;terben. Eben dies widerfährt&longs;chwarze Höhle ge&longs;perrten 146
Engländer (&longs;. Yves Rei&longs;en nach Indien und Per&longs;ien,
über&longs;. von Dohm, Th. I. S. 162.), von welchen in die&longs;em
11 Fuß langen und 18 Fuß breiten Gefängni&longs;&longs;e in einer
Nacht 123 &longs;tarben, ein trauriges Bey&longs;piel gegeben.
Man erklärte dies &longs;on&longs;t durch ein gewi&longs;&longs;es in der Luft enthaltenes
pabulum vitae, welches ihr durch das Athmen
nach und nach entzogen würde. Da aber nach
Prie&longs;tley &longs;ucht die&longs;e Theorie durch einige Ver&longs;uche zu
be&longs;tätigen, welche angeführt zu werden verdienen. ”Alles
Blut, &longs;agt er, geht durch die Lungen, und nimmt nach
den Beobachtungen der Aerzte in den&longs;elben eine röthere
Farbe an. Es kan daher fa&longs;t nicht bezweifelt werden,Blut in den Lungen
phlogi&longs;ti&longs;iret werde. Inzwi&longs;chen &longs;chien es mir dienlich,
durch einen Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, ob das Blut auch
noch außer dem Körper und im Zu&longs;tande der Gerinnung
eine ähnliche Wirkung auf die Luft äußere. Ich ließ daher
Schafblut an der Luft gerinnen, goß das Wä&longs;&longs;erige
davon ab (wobey die der Luft ausge&longs;etzte Ober&longs;läche bekanntermaßen
eine hellrothe Farbe annimmt, das innere
hingegen dunkelroth und fa&longs;t &longs;chwarz wird), und brachte
einige von den dicken geronnenen Stücken, theils durch
Wa&longs;&longs;er, theils durch Queck&longs;ilber in ver&longs;chiedene Luftgattungen.
Die &longs;chwärze&longs;ten Stücken wurden in gemeiner
Luft roth, und noch mehr in dephlogi&longs;ti&longs;irter, welche zum
Athmen noch ge&longs;chickter i&longs;t; hingegen wurden die hell&longs;ten
rothen Theile in allen zum Athmen unge&longs;chickten Luftgattungen,
z. B. in fixer, brennbarer, &longs;alpeterartiger, phlogi&longs;ti&longs;irter
Luft &longs;ogleich &longs;chwarz; die in phlogi&longs;ti&longs;irter Luft
&longs;chwarz gewordenen erhielten in gemeiner oder dephlogi&longs;ti&longs;irter
Luft ihre rothe Farbe wieder, und &longs;o konnte ich &longs;ie
abwech&longs;elnd &longs;chwarz und roth färben.“ Fernere Ver&longs;uche
lehrten, daß dephlogi&longs;ti&longs;irte Luft durch geronnene Stücken
Blut, die er ihr ausge&longs;etzt hatte, in einigen Stunden,
auch durch &longs;chwarze mehr, als durch rothe, verdorben
ward. Prie&longs;tley macht &longs;ich &longs;elb&longs;t die Einwendung, das
Blut komme in den Lungen nicht in unmittelbare Berührung
mit der Luft, &longs;ondern werde durch Häutchen von der&longs;elben
getrennt, deren Dicke Hales (1/1000) Zoll &longs;chätze. Er
&longs;etzte daher eine Menge &longs;chwarzes Blut in einer zugebundenen
Bla&longs;e, mit etwas von dem wä&longs;&longs;erigen Theile des
Bluts angefeuchtet, der Luft aus, und fand den folgenden
Tag die untere Fläche de&longs;&longs;elben hellroth, in eben der Dicke,
in welcher &longs;ie, unmittelbar der freyen Luft ausge&longs;etzt, würde
roth geworden &longs;eyn. Die&longs;er Ver&longs;uch, der auch bey nicht
angefeuchteter Bla&longs;e gelang, zeigte, daß das Dazwi&longs;chenkommen
eines Häutchens die Einwirkung nicht hindere,
auch, daß die Veränderung der Farbe nicht von der Ausdün&longs;tung
herrühre. Der wä&longs;&longs;erige Theil des Bluts &longs;elb&longs;t
hält die Einwirkung der Luft nicht ab; die &longs;chwarzen Stücke
Die&longs;er Prie&longs;tley&longs;chen Theorie des Athmens i&longs;t inzwi&longs;chen
diejenige, welche Herr Scheele (Chemi&longs;che Abhdl.
von Luft und Feuer, von Hrn. Leonhardi. Leipz. 1782. 8.)
vorgetragen hat, gerade entgegenge&longs;etzt. Nach der Meynung
die&longs;es großen Chymi&longs;ten i&longs;t &longs;eine Feuerluft (eben
die&longs;elbe, welche Prie&longs;tley dephlogi&longs;ti&longs;irte nennt) eine mit
Brennbarem ge&longs;ättigte und ver&longs;üßte Luft&longs;äure, und die
reine Luft &longs;oll das Blut nicht des Brennbaren berauben,
&longs;ondern vielmehr mit mehrerem Brennbaren ver&longs;ehen, und
es dadurch flüßiger, beweglicher und röther machen. Durch
die Ab&longs;etzung eines Theils vom Brennbaren &longs;oll &longs;ich die
Feuerluft in verdorbene Luft verwandeln, dergleichen
die ausgeathmete i&longs;t. Scheele lä&longs;t es übrigens ganz unausgemacht,
wohin das viele Phlogi&longs;ton komme, welches
auf die&longs;e Art dem Körper durch die Feuerluft unaufhörlich
mü&longs;te zugeführt werden. Er gründet &longs;eine Behauptung
auf Ideen, welche mit &longs;einem ganzen Sy&longs;tem über Feuer,
Luft und Verbrennung &longs;o genau zu&longs;ammenhängen, daß &longs;ie
ohne Weitläuftigkeit hier nicht beygebracht werden können,
die ich daher den Artikeln: Feuer, Gas, Phlogi&longs;ton,
vorbehalte. Uebrigens beruft &longs;ich Scheele auf einen von
ihm ange&longs;tellten Ver&longs;uch, wobey es ihm gelungen, &longs;elb&longs;t
brennbare Luft durch wiederholtes Ein- und Ausathmen
der&longs;elben in verdorbne Luft zu verwandeln, und ihr ihre
brennbare Eigen&longs;chaft zu benehmen. Die&longs;es &longs;treitet aber
völlig mit den &longs;orgfältig ange&longs;tellten Ver&longs;uchen des Fontana
(Phil. Trans. Vol. LXIX. P. II. no. 24.), welcher
das Athmen der brennbaren Luft für die Thiere ohne Ausnahme
Die &longs;innreiche Erklärung, welche Crawford (Experiments
and ob&longs;ervations on animal heat, and the
in&longs;lammation of combu&longs;tible bodies, London. 1779.
8.) von der thieri&longs;chen Wärme und der Verbrennung gegeben
hat, &longs;timmt nicht nur mit Prie&longs;tleys Behauptungen be&longs;&longs;er
überein, &longs;ondern giebt auch zugleich von der durchs Athmen
erzeugten und unterhaltenen Wärme des Bluts im
thieri&longs;chen Körper auf eine &longs;ehr ungezwungene Art Rechen&longs;chaft.
Nach &longs;einer Meynung &longs;ind Feuer und Phlogi&longs;ton
zween be&longs;ondere einander ganz entgegenge&longs;etzte Stoffe.
Das Feuer i&longs;t entweder frey, wirkt dann aufs Gefühl und
aufs Thermometer, und verur&longs;acht fühlbare Wärme; oder
es i&longs;t gebunden, und macht einen Be&longs;tandtheil der Körper
&longs;elb&longs;t aus (&longs;. Feuer). Wird mit einem Körper mehr
Phlogi&longs;ton verbunden, &longs;o wird dadurch ein verhältnißmä&longs;&longs;iger
Theil &longs;eines Feuers frey. Wird ihm Phlogi&longs;ton entzogen,
&longs;o bindet er dagegen mehr Feuer, das er aus den
ihn berührenden Körpern an &longs;ich nimmt. Crawford nennt
ferner die Fähigkeit, Wärme anzunehmen oder mitzutheilen,
&longs;pecifi&longs;che Wärme, deren jeder Körper de&longs;to mehr
hat, je weniger Phlogi&longs;ton in &longs;einer Mi&longs;chung enthalten
i&longs;t. Seine Methode, die &longs;pecifi&longs;che Wärme der Körper
zu be&longs;timmen, &longs;. unter dem Art. Wärme, &longs;pecifi&longs;che.
Nach Crawfords Ver&longs;uchen nun hat d. s flüßigere und
röthere Blut der Pulsadern, welches in den Lungen der
Wirkung der eingeathmeten Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en i&longs;t, in
dem Verhältni&longs;&longs;e 23:20 mehr &longs;pecifi&longs;che Wärme, und
enthält daher weniger Phlogi&longs;ton, als das durch den Umlauf
im Körper wieder geänderte dickere und &longs;chwärzere
Blut der Blutadern. Dagegen hat die ausgeathmete Luft
67 mal weniger &longs;pecifi&longs;che Wärme, als die eingeathmete
atmo&longs;phäri&longs;che, woraus denn folgt, daß die ausgeathmete
weit mehr Phlogi&longs;ton enthalten und al&longs;o den brennbaren
Stoff aus dem Körper ausführen mü&longs;&longs;e.
Die dritte Wirkung des Athemholens i&longs;t die Erzeugung
und Unterhaltung der Wärme des thieri&longs;chen Körpers,
&longs;. Wärme, thieri&longs;che. Es i&longs;t läng&longs;t beobachtet
worden, daß alle Thiere, welche vermittel&longs;t vollkommner
Lungen athmen, und die Luft in Menge in &longs;ich ziehen, warmes
Blut, und daher weit mehr innere Wärme haben, als
ihnen die Temperatur der &longs;ie umgebenden Luft mittheilen
könnte. Diejenigen Thiere hingegen, welchen die Lungen
fehlen, &longs;ind nicht wärmer, als das Mittel, in welchem &longs;ie
leben. Die Vögel, als die wärm&longs;ten Thiere, haben in
Vergleichung mit der Größe ihres Körpers die größten Lungen.
Je &longs;chneller man athmet, und je mehr Luft man al&longs;o
in einer be&longs;timmten Zeit einziehet, de&longs;to mehr wird das
Blut erwärmt; daher kömmt die Erhitzung de&longs;&longs;elben durch
Bewegung und durch alles, was das Athmen be&longs;chleuniget.
Dies erklärt Crawfords eben angeführte Theorie auf
eine &longs;ehr leichte Art. Indem nemlich die reine oder zum
Athmen taugliche Luft das Phlogi&longs;ton des Bluts in den
Lungen an &longs;ich nimmt, wird ihr Vermögen, Feuer zu enthalten
oder zu binden, vermindert, und durch das Freywerden
ihres Feuers ent&longs;teht fühlbare Wärme. Beym Umlaufe
durch den Körper theilt das Blut die&longs;e fühlbare Wärme
den Theilen des Körpers mit, verliert zugleich einen
Theil des in ihm gebundenen Feuers, und nimmt dafür
Phlogi&longs;ton aus dem Körper an &longs;ich. So ent&longs;teht ein be&longs;tändiger
Kreislauf, der einer wech&longs;el&longs;eitigen chemi&longs;chen Anziehung
gleichet. Daß der ausgeathmete Hauch wärmer
i&longs;t, als die äußere Luft, i&longs;t dagegen keine Einwendung;
&longs;eine fühlbare Wärme kömmt bloß von dem zugleich ausgehenden
freyen Feuer her, und i&longs;t vielmehr ein Zeichen,
daß er weniger Feuer binde, als die äußere Luft. Ausführlicher
wird &longs;ich von die&longs;er Wirkung des Athmens unter
dem Worte: Wärme, thieri&longs;che, &longs;prechen la&longs;&longs;en.
Dies &longs;ind die neu&longs;ten Theorien über die Wirkungen
des Athmens. Die Aerzte haben hierüber &longs;ehr ver&longs;chieden
gedacht. Hippocrates, Ari&longs;toteles und Galen lie&longs;en
die eingeathmete Luft in das Blut und die Säfte übergehen,( ignem vitalem) annahmen, und glaubten, die&longs;es Feuers
übermäßige Hitze werde durch das Einathmen der fri&longs;chen
Luft abgekühlt und durchs Ausathmen &longs;ein Dampf abgeführt
Gewöhnlich athmet der Men&longs;ch während 4—5 Puls&longs;chlägen einmal, d. i. in einer Minute 20 mal, da die mittlere Anzahl der Puls&longs;chläge in einer Minute 80 i&longs;t. Man kan rechnen daß ein ge&longs;under Mann von gewöhnlicher Größe auf einmal dreyßig Cubikzoll Luft einathme. Beym Ausathmen bleibt viel Luft in den Lungen, der Luftröhre und dem Munde zurück. Bey einem &longs;tarken Ausathmen können vielleicht nach einem natürlichen Einathmen 60 Cubikzoll ausge&longs;toßen werden. Durch Be&longs;chleunigung des Pul&longs;es, Bewegung, Lungenkrankheiten, Unreinigkeit oder Verdünnung der Luft wird das Athmen be&longs;chleuniget. Thiere athmen in einge&longs;chloßner oder verdünnter Luft immer &longs;chneller und &longs;tärker.
Ueber die Be&longs;chaffenheit der ausgeathmeten Luft kan
der Artikel: Gas, phlogi&longs;ticirtes, und über die Mittel,
wodurch die Natur die durchs Athmen verdorbene Luft
der Atmo&longs;phäre wieder verbe&longs;&longs;ert, der Artikel: Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches,
nachge&longs;ehen werden.
Haller de part. corp. humani fabrica et funct. edit. Bernae
et Lau&longs;annae. To. VII. 1778. 8. Lib. VIII. Tib. Cavalle
treati&longs;e on the nature and properties of air. London 1771.
gr.
Atmometer, Atmidometer, Ausdün&longs;tungsmaaß,
Atmometrum, Atmométre. Eine Vorrichtung,
wodurch &longs;ich die Größe der Ausdün&longs;tung be&longs;timmen lä&longs;t.
Man kan bey den Beobachtungen über die Größe der Ausdün&longs;tung zweyerley Ab&longs;ichten haben; entweder wün&longs;cht man die ab&longs;olute Menge der in ver&longs;chiedenen Jahreszeiten oder Jahren aus den Gewä&longs;&longs;ern auf&longs;teigenden Dün&longs;te zu kennen, oder man will nur für einen gegebenen Augenblick die auflö&longs;ende Kraft der Luft be&longs;timmen. Jede Ab&longs;icht erfordert eine eigne Einrichtung des Werkzeugs.
Zu der er&longs;ten Ab&longs;icht i&longs;t es hinreichend, ein Gefäß
mit Wa&longs;&longs;er der Luft eine be&longs;timmte Zeit lang auszu&longs;etzen,
und den Verlu&longs;t, den es die&longs;e Zeit über durch die Ausdün&longs;tungMu&longs;&longs;chenbroek (Tentamina
experimentorum capt. in academ. del Cimento.
To. II. p. 62.), Richmann (Comm. Petropol. To.
XIV. p. 273. Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 198.
To. II. p. 145.), Wallerius (Schwed. Abhdl. 1746.
S. 3. 1747. S. 235.) und Lambert (E&longs;&longs;ai d' hygrométrie.
Mém. de l' Acad. de Pru&longs;&longs;e. 1769. p. 68. 1772.
p. 65. Hygrometrie, aus dem Franzö&longs;. über&longs;. Augsb.
1774. Fort&longs;etzung, Augsb. 1775. 8.) die Größe der Ausdün&longs;tung
unter&longs;ucht. Mu&longs;&longs;chenbroek brauchte bleyerne
Gefäße von &longs;echs Zollen ins Gevierte, fand die Ausdün&longs;tung
aus einem &longs;olchen Gefäße von 12 Zoll Höhe &longs;tärker,
als aus einem von 6 Zoll Höhe, und glaubte endlich daraus
das Re&longs;ultat ziehen zu können, daß &longs;ich unter übrigens
gleichen Um&longs;tänden die Größen der Ausdün&longs;tung, wie die
Cubikwurzeln aus der Höhe der Gefäße verhielten, wenn
er die Ver&longs;uche im Freyen an&longs;tellte; auf &longs;einem Zimmer
hingegen konnte er zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung
aus hohen und niedrigen Gefäßen nie einen merklichen Unter&longs;chied
finden. Richmann fand ebenfalls die Ausdün&longs;tung
aus tiefern Gefäßen &longs;tärker, und erklärt dies dadurch,
daß die Ausdün&longs;tung von dem Unter&longs;chiede der Temperaturen
des Wa&longs;&longs;ers und der Luft abhänge, und die&longs;er Unter&longs;chied
in tiefern Gefäßen größer und dauerhafter &longs;ey,
weil &longs;ie die Temperatur der umliegenden Luft nicht &longs;o &longs;chnell
annehmen. Hieraus erhellet auch, warum Mu&longs;&longs;chenbroek
die&longs;en Unter&longs;chied nur im Freyen, nicht auf &longs;einem Zimmer,
fand, weil &longs;ich da die Temperatur nur &longs;ehr wenig und lang&longs;am
änderte. Wallerius fand die Ausdün&longs;tung aus hohen
und niedrigen Gefäßen gleich &longs;tark, wenn er beyderley
Gefäße in Thon ver&longs;enkte, und dadurch be&longs;tändig in einerley
Temperatur erhielt. In Lamberts Ver&longs;uchen i&longs;t
die&longs;er Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung aus
hohen und niedrigen Gefäßen gar nicht anzutreffen; in des
P. Cotte Ver&longs;uchen (Journal de phy&longs;ique, Oct. 1781.)
aber zeigt er &longs;ich wieder; cubi&longs;che Gefäße von ver&longs;chiedenen
Größen dün&longs;teten in ganz ver&longs;chiedenen Verhältni&longs;&longs;enSau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrométrie. Neufchatel.
1783. 8. §. 243.) ein Quadrat&longs;chuh Wa&longs;&longs;erfläche
&longs;tärker aus, wenn er auf einem dürren Boden &longs;teht, als
wenn er mitten in einen Teich, oder See ge&longs;etzt wird;
weil in jenem Falle die auf ihn wirkende Luft trockner i&longs;t,
und mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;et. Daher mü&longs;te man, um die
wahre Größe der Ausdün&longs;tung der Gewä&longs;&longs;er zu finden, ein
&longs;olches zum Atmometer be&longs;timmtes Gefäß mitten aufs Wa&longs;&longs;er
&longs;etzen, &longs;o daß das Wa&longs;&longs;er in dem&longs;elben mit dem äußern
Wa&longs;&longs;er in einerley Horizontalebne &longs;tünde; auch mü&longs;te es
eben &longs;o, wie die ausdün&longs;tenden Gewä&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t, der Sonne,
der Luft und dem Winde ausge&longs;etzt &longs;eyn. Man mü&longs;te
auch ein Hyetometer oder Regenmaaß dabey haben, um
die Menge des etwa aufs Gefäß gefallnen Regens be&longs;timmen
und abziehen zu können. Endlich hat Richmann
(Comm. Petrop. To. XIV. p. 273. &longs;q.) vorge&longs;chlagen,
das Atmometer mit einem größern von oben bedeckten und
mit Wa&longs;&longs;er gefüllten Gefäße in Communication zu &longs;etzen,
damit die Höhe des Wa&longs;&longs;ers im Atmometer &longs;elb&longs;t weder
durch die Ausdün&longs;tung merklich vermindert, noch durch den
Regen vermehrt werden möge.
Will man aber die Größe der Ausdün&longs;tung für einen
be&longs;timmten kleinern Zeitraum kennen, wobey es auf
genaue Abwägung eines kleinen Verlu&longs;tes ankömmt, &longs;o
kann man &longs;ich eines kleinen und leichten Gefäßes bedienen,
das der Luft viel Oberfläche darbietet und an eine &longs;ehr genaue
und empfindliche Wage gehangen werden kan. Sollen
dergleichen Werkzeuge unter einander verglichen werden
können, um daraus Folgerungen über die verhältnißmä&longs;&longs;ige
Ausdün&longs;tung an ver&longs;chiednen Orten herzuleiten, &longs;o
mü&longs;&longs;en die Gefäße von einerley Ge&longs;talt, Größe und Materie
&longs;eyn, Wa&longs;&longs;er von gleicher Reinigkeit enthalten, und,
&longs;o viel möglich, in gleiche Stellungen gebracht werden.
Ein Werkzeug zu feinern Ver&longs;uchen die&longs;er Art be&longs;chreibt
Richmann (Atmometri &longs;. machinae hydro&longs;taticae con&longs;tructio,
in Nov. Comm. Petrop. To. II. p. 121.). Er
be&longs;timmt es eigentlich zu Abme&longs;&longs;ung der Ausdün&longs;tungen
des Wa&longs;&longs;ers von ver&longs;chiedener Temperatur. Es be&longs;teht
aus drey cylindri&longs;chen Gefäßen von Blech. Das weit&longs;te
und tief&longs;te der&longs;elben wird mit Wa&longs;&longs;er gefüllt. In die&longs;em
Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmt das zweyte etwas kleinere Gefäß, welches
leer bleibt, und ganz ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t; damit es nicht
&longs;chief &longs;chwimme, &longs;tehen Stäbe mit Rollen zur Seite, zwi&longs;chen
denen es frey auf- und ab&longs;teigen, aber nicht &longs;eitwärts
weichen kan. Das er&longs;te mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Gefäß i&longs;t
auch ver&longs;chlo&longs;&longs;en, aber in &longs;einem Deckel &longs;ind drey Löcher.
Durch die&longs;e gehen drey metallne Füße, welche auf dem
&longs;chwimmenden leeren Gefäße auf&longs;tehen und das dritte offne
Gefäß tragen, welches mit dem ausdün&longs;tenden Wa&longs;&longs;er angefüllt
i&longs;t. So, wie nun etwas von die&longs;em Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet,
und das Gefäß dadurch leichter wird, drückt es
weniger auf das &longs;chwimmende Gefäß, das letztere hebt &longs;ich
daher im Wa&longs;&longs;er höher, und die Füße, die &longs;ich in den Löchern
des Deckels frey bewegen können, treten mehr heraus,
heben al&longs;o das obere Gefäß, welches eine an ihm befe&longs;tigte
Scale an einem Zeiger hinführt, und dadurch die Größe
der Hebung anzeigt. Wie viel Gran jeder Theil der Scale
gelte, kan man durch hineingeworfene Gewichte leicht
vorher ausmachen, und &longs;o durch die Scale die Größe der
Ausdün&longs;tung bis auf die fein&longs;ten Theile abme&longs;&longs;en. Taf.
Nach de Sau&longs;&longs;ure's Anzeige hat Mo&longs;cati in
Mayland neuerlich eine andere zugleich bequemere und genauere
Einrichtung die&longs;es Werkzeugs vorge&longs;chlagen.
de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrométrie. §. 244-50.
Die&longs;er
ur&longs;prünglich &longs;o viel, als Dun&longs;tkugel, bedeutende
Name i&longs;t zwar anfänglich bloß von der um un&longs;ere Erde
ver&longs;ammelten Luft, dem Luftkrei&longs;e, gebraucht worden,
wird aber jetzt im Allgemeinen allen Anhäufungen eines
feinen ela&longs;ti&longs;chen flüßigen We&longs;ens beygelegt, welche einen
Viele Naturfor&longs;cher nehmen um alle Körper Atmo&longs;phären
an, oder glauben, daß der im Weltraume verbreitete
Aether &longs;ich in der Nähe eines jeden Körpers verdichte,
und eine Atmo&longs;phäre um ihn bilde, woraus &longs;ie neb&longs;t andern
Er&longs;cheinungen auch die Beugung der Licht&longs;tralen erklären,
&longs;. Beugung des Lichts. Da dies bloß hypotheti&longs;ch
i&longs;t, &longs;o bleibe ich hier nur bey den Atmo&longs;phären der
Erde, der Sonne und des Monds &longs;tehen.
Atmo&longs;phäre der Erde, &longs;. Luftkreis.
Atmo&longs;phaera &longs;olaris,
Atmo&longs;phère &longs;olaire. Eine feine um die Sonne verbreitete
und gegen die&longs;elbe gravitirende Materie, welche
&longs;ich uns unter der Ge&longs;talt des
Die Alten, welche die Sonne für das rein&longs;te und
unverderblich&longs;te We&longs;en hielten, konnten dem Gedanken
von einem Dun&longs;te um die&longs;elbe nicht Raum geben. Kepler
(Epit. a&longs;tron. Copernic. L. VI. p. 595.), wo er erklärt,
warum die totalen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e nicht eine völlige
Nacht machen, redet von einer &longs;ub&longs;tantia cra&longs;&longs;a circa
&longs;olem, non hic in no&longs;tro aëre, &longs;ed in ip&longs;a &longs;ede &longs;olis.
Ca&longs;&longs;ini aber, der das Thierkreislicht im Jahre 1683 entdeckte,
nahm keinen An&longs;tand, es für die vom weiten erblickte
Atmo&longs;phäre der Sonne zu erklären (Découverte de
la lumiére cele&longs;te, qui paroi&longs;t dans le zodiaque, in den
anciens Mém. To. VII.). Mairan (Traité de l' aurore
boreale. Paris 1733. 4. &longs;ec. edit. 1754. gr. 4.)
hat &longs;ehr ausführlich von die&longs;er Sonnenatmo&longs;phäre gehandelt,
und ihr Da&longs;eyn wird jetzt von keinem A&longs;tronomen
mehr in Zweifel gezogen.
Aus welcher Materie &longs;ie be&longs;tehe, ob die&longs;e Materie ein
Ausfluß aus der Sonne, oder eine Sammlung von heterogenen
aus dem Aether gegen die Sonne gefallenen Theilen
&longs;ey, darüber können wir nicht ent&longs;cheiden. Wir &longs;ehen
Die Ge&longs;talt der Sonnenatmo&longs;phäre muß, den Er&longs;cheinungen
des Thierkreislichts zufolge, ein &longs;ehr abgeplattetes
Sphäroid &longs;eyn, oder einer auf beyden Seiten erhabnen
Glaslin&longs;e gleichen. Wir &longs;ehen das Thierkreislicht &longs;tets
unter der Ge&longs;talt eines zuge&longs;pitzten Streifens, wie etwa
ACB Taf. II. Fig. 26. ( fu&longs;eau), und es giebt keinen runden
Körper, der &longs;o er&longs;chiene, als das lin&longs;enförmige Sphäroid,
wenn es aus der Ebne &longs;eines größten Krei&longs;es betrachtet
wird. Nach
Wie weit &longs;ich die&longs;e Sonnenatmo&longs;phäre er&longs;trecke, kan
aus der Weite ge&longs;chlo&longs;&longs;en werden, um welche die Spitze
des Thierkreislichts von dem &longs;cheinbaren Orte der Sonne
ab&longs;teht. Beträgt die&longs;e Weite 90°, &longs;o muß &longs;ich die Sonnenatmo&longs;phäre
bis an die Erdbahn er&longs;trecken; beträgt &longs;ie
noch mehr, &longs;o muß die letztere &longs;ogar bis über die Erdbahn
hinausgehen. Da man nun die gedachte Weite bisweilen
93, 95, 100 Grad gefunden hat, &longs;o lä&longs;t &longs;ich hieraus
folgern, daß der Umfang der Sonnenatmo&longs;phäre &longs;ich zuMairan hat hieraus eine &longs;ehr &longs;innreiche
Erklärung der Phänomene des Nordlichts hergeleitet, &longs;.
Nordlicht.
Atmo&longs;phaera lunaris,
Atmo&longs;phère lunaire. Nach der Meynung einiger
A&longs;tronomen &longs;oll auch der Mond mit einer dichtern
Materie oder Dun&longs;tkugel umgeben &longs;eyn. Allein die Erfahrungen,
welche man hierüber anführt, la&longs;&longs;en &longs;ich auch
anders erklären.
Schon Plutarch (Lib. de facie lunae, Op. Plut.
ex edit. Xylandri 1620. fol. To. II. p. 939.) gedenkt
einer Mondluft. Die neuern A&longs;tronomen hat wahr&longs;cheinlich
der Gedanke, daß der Mond bewohnt &longs;ey, die Bewohner
aber, wie wir, einer Luft bedürfen, zur Annehmung
einer Mondsatmo&longs;phäre veranla&longs;&longs;et. Daher i&longs;t ihr
Da&longs;eyn von Galilei, Kepler, Scheiner, Hevel, und
in die&longs;em Jahrhunderte von Wolf, Mairan, Bianchini,
Fontenelle u. a. angenommen und vertheidiget, von
andern Sternkundigen hingegen, z. B. Huygens, Ca&longs;&longs;ini,
Gregory, de la Hire, de l' Isle, Tob. Mayer,
geläugnet worden.
Man hat für das Da&longs;eyn einer Atmo&longs;phäre des
Monds den hellen concentri&longs;chen Ring, der &longs;ich bey gänzlichen
Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en um den Mond zeigt, und die
längliche Ge&longs;talt der Planeten, wenn &longs;ie nahe am Mondrande
ge&longs;ehen werden, anführen wollen. Andere haben
&longs;ich auf ein beobachtetes Zittern des Sonnenlichtes beym
Ein- und Austritte der Mond&longs;cheibe in da&longs;&longs;elbe, auf eine
unregelmäßige Bewegung der Fix&longs;terne bey dem Anrücken
des Mondrandes gegen die&longs;elben, auf die bald größere
bald geringere Deutlichkeit der Mondflecken, auf den im
dunkeln Theile des Mondflecken Plato bemerkten hellenWolf (Elem. A&longs;tron.), um die
höch&longs;te Aehnlichkeit zwi&longs;chen Erd- und Mondluft zu erwei&longs;en,
die er &longs;o weit treibt, daß er es im Monde &longs;ogar,
wie bey uns, regnen, hageln, &longs;chneyen und reifen lä&longs;t.
Halley (Philo&longs;. Trans. no. 343.) und Louville (Hi&longs;t.
de l' acad. roy. des Sc. 1715.) wollten bey der Sonnenfin&longs;terniß
am 3. May 1715 &longs;ogar Blitze im Monde
ge&longs;ehen haben. Von ähnlichen neuerlich beobachteten
Er&longs;cheinungen &longs;. den Art. Mond.
Einige die&longs;er Bewei&longs;e, z. B. der aus dem hellen
Ringe bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en, aus der länglichen Ge&longs;talt
der Planeten, und dem unregelmäßigen Fortrücken
der Fix&longs;terne bey Annährung an den Mondrand, la&longs;&longs;en
&longs;ich dadurch entkräften, daß man die&longs;e Phänomene eben
&longs;o leicht und natürlich aus der Beugung der Licht&longs;tralen
herleiten kan. Ein &longs;olcher Ring zeigt &longs;ich um jeden
Körper, mit dem man &longs;ich die Sonne verdeckt, oder mit
dem man das in einen verfin&longs;terten Ort fallende Sonnenlicht
auffängt; wie de la Hire und de l'Isle (Mém.
de l' Acad. des Sc. 1715. p. 147.) gezeigt haben.
Das Zittern des Sonnenlichts und die größere oder geringere
Deutlichkeit der Mondflecken &longs;cheinen eber von
Dün&longs;ten in un&longs;erer Atmo&longs;phäre herzurühren; der Licht&longs;tral
in der Hölung des Plato lä&longs;t &longs;ich durch das Einfallen
des Sonnenlichts zwi&longs;chen Bergen in ein übrigens dunkles
Thal auch obne Atmo&longs;phäre begreifen; die Vergrößerung
des &longs;cheinbaren Sonnentellers bey ringförmigen
Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en kan eine Wirkung der Beugung des
Lichts &longs;eyn, obgleich Euler (Mém. de l' Acad. de
Pru&longs;&longs;e. 1748. S. 103.) daraus wirklich eine Mondluft
&longs;chließt, die aber 200mal dünner, als die un&longs;rige,
&longs;ey.
Die neuern Vertheidiger der Mondatmo&longs;phäre, z. B.
du Sejour (Mém. de l'Acad. des Sc. 1775. p. 268.)
wenden dagegen ein, durch Erklärungen aus der Beugung
&longs;toße man jene Bewei&longs;e nicht um; denn Beugung der
Huygens (Co&longs;motheorus, Hagae Com. 1698. 4.
p. 115.) wendet gegen das Da&longs;eyn der Mondatmo&longs;phäre
ein, man würde den Mondrand bey Bedeckungen der
Sterne nicht &longs;o &longs;charf und glatt abge&longs;chnitten, &longs;ondern mit
einem Schimmer umgeben (evanida quadam luce, ac
velut lanugine finitam) finden; auch &longs;ey im Monde kein
Wa&longs;&longs;er, aus dem Dün&longs;te auf&longs;teigen könnten, wie man denn
auch keine Wolken darinn &longs;ehe. Dagegen erinnert Mairan
(Tr. de l' aurore boreale, &longs;ec. edit. 1754. p. 276.),
wenn man die Mondatmo&longs;phäre in Vergleichung mit dem
Monde &longs;o groß &longs;etze, als der Luftkreis in Vergleichung mit
der Erde i&longs;t, &longs;o gehe ein Stern durch den &longs;tralenbrechenden
Theil der&longs;elben in einer Secunde hindurch, welche
Zeit zu kurz &longs;ey, um die Wirkungen der Refraction zu
bemerken; man habe auch manchmal Sterne noch vor
dem Augenblicke ihrer Ver&longs;chwindung an den Mondrand
treten ge&longs;ehen; auf der Erde gebe es auch Länder, wo der
Himmel &longs;tets heiter &longs;ey; wenn kein Wa&longs;&longs;er im Monde
&longs;ey, &longs;o &longs;ey es leicht begreiflich, daß auch keine Wolken
da &longs;eyen, zumahl da der vierzehntägige Sonnen&longs;chein
die Dün&longs;te &longs;ehr verdünnen mü&longs;&longs;e; der im Plato ge&longs;ehene
Licht&longs;treif &longs;ey vielleicht ein &longs;olcher verdünnter Dun&longs;t gewe&longs;en,
wenig&longs;tens &longs;etze auch einfallendes Sonnenlicht in
dunklen Orten Dün&longs;te voraus, die es zurückwerfen und für
uns &longs;ichtbar machen könnten u. &longs;. w.
Man &longs;ieht hieraus, daß der Streit über das Da&longs;eyn
einer Mondatmo&longs;phäre noch immer unent&longs;chieden, und nur
&longs;o viel gewiß &longs;ey, daß der Mond in Ab&longs;icht auf Luft und
Luftbegebenheiten un&longs;erer Erde &longs;o ähnlich nicht i&longs;t, als einige
haben vorgeben wollen. Oft hat &longs;ich auch Vorliebe
zu gewi&longs;&longs;en Hypothe&longs;en mit eingemi&longs;cht, wie denn Hevel,
der in &longs;einer dem Monde be&longs;onders gewidmeten Selenographie
der Mondatmo&longs;phäre mit keinem Worte gedacht
hatte, er&longs;t zwanzig Jahre darnach ein Vertheidiger der&longs;elben
ward, als er &longs;ie zu &longs;einer Hypothe&longs;e über die Cometen
nöthig hatte, wobey er doch &longs;elb&longs;t ge&longs;teht (Cometograph.
L. VII. p. 362.), in luna manife&longs;tas atmo&longs;phaerae
ob&longs;ervationes plane deficere.
Chri&longs;tlob Mylius Gedanken über die Atmo&longs;phäre des
Monds, Hamburg 1746. 4. Kä&longs;tner Anfangsgr. der ang.
Math. 2 Abth. §. 191.
Atmo&longs;phären, elektri&longs;che, &longs;. Wirkungskrei&longs;e,
elektri&longs;che.
Atmo&longs;phäri&longs;che Elektricität, &longs;. Luftelektricität.
Atmo&longs;phäri&longs;che Luft, &longs;. Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches.
Atomi, Elementa corporum individua,
Atomes. So werden von einigen Naturfor&longs;chern
die er&longs;ten nicht weiter theilbaren aber immer noch körperlichen
Be&longs;tandtheilchen der Materie genannt. Daß wir
die Theilung der Körper durch allerley Mittel &longs;ehr weit
treiben können, i&longs;t bekannt, und wird bey dem Worte
Für die Meinung, daß alle Materie aus untheilbaren
Körperchen zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, haben &longs;ich &longs;chon im
Alterthum Mo&longs;chus, Leucippus, Democrit und
Epikur erklärt. Des letztern, noch mit vielen Zu&longs;ätzen
vermi&longs;chtes, Sy&longs;tem (&longs;. Cic. de fin. I. 6.) wird von Lucretius
(De rerum natural, Lib. VI. c. interpr. etnotis
Thom. Creech. Oxon. 1695. 8. Ba&longs;il. 1770. gr. 8.),
und unter den Neuern von
Wer die Exi&longs;tenz der Materie einräumt, kan ihr
auch er&longs;te ungetheilte Elemente nicht füglich ab&longs;prechen.
Ob die&longs;e ungetheilten Körperchen zugleich untheilbar
&longs;ind, das kömmt auf den Begrif an, den man mit den
Worten untheilbar und Materie verbindet. Ver&longs;teht
man unter Theilbarkeit die Möglichkeit, &longs;ich in jedem
Theile der Materie, den man als ausgedehnt betrachtet,
eine rechte und linke, eine obere und untere Seite
zu gedenken, welche der Ver&longs;tand als abge&longs;ondert betrachten
kan, &longs;o i&longs;t jedes Theilchen, &longs;o klein es auch &longs;ey,
noch theilbar. Ver&longs;teht man aber wirkliche Theilung,
&longs;o i&longs;t Theilbarkeit ins unendliche ein Ausdruck ohne Bedeutung,
und es giebt eine letzte Grenze, auf welcher
alle men&longs;chliche Möglichkeit der Theilung aufhört, und
bey aller etwa künftig noch zu hoffender Vervollkommnung
der mechani&longs;chen und chymi&longs;chen Theilungs- und Zer&longs;etzungsmittel
&longs;tets aufhören wird. Will man nun das,
was an die&longs;er letzten möglichen Grenze der Theilug übrig
bleibt, untheilbar nennen, &longs;o muß man in die&longs;em Sinne Atomen
einräumen, das i&longs;t, er&longs;te untheilbare Körperchen,
welche immer noch ausgedehnt &longs;ind, und, da &longs;ie &longs;ich durch
phy&longs;i&longs;che Kräfte nicht weiter trennen la&longs;&longs;en, Härte, folglich
auch alle übrige Eigen&longs;chaften der Materie be&longs;itzen.
Diejenigen, welche den er&longs;ten Theilen der Materie
die Ausdehnung ab&longs;prechen, machen &longs;ich freylich hievon,
&longs;o wie von der Materie überhaupt, andere Begriffe, &longs;.
Materie. Unter&longs;uchungen hierüber gehören mehr für
den Metaphy&longs;iker, als für den Naturfor&longs;cher, und gehen
allem Vermuthen nach weiter, als der Schöpfer dem Men&longs;chen
hier zu &longs;ehen vergönnt hat; man täu&longs;cht &longs;ich dabey
mit dem Wahn, etwas zu wi&longs;&longs;en, welchem der wei&longs;ere
und be&longs;cheidnere Naturfor&longs;cher ein offenherziges Ge&longs;tändniß
der Unwi&longs;&longs;enheit weit vorziehet.
Das Phänomen der Körperwelt, da Körper &longs;ich einander
nähern, oder, wenn &longs;ie aufgehalten werden, &longs;ich zu nähern
&longs;treben, da &longs;ie nach der Berührung an einander bleiben,
oder doch der Trennung wider&longs;tehen, ohne daß man eine
äußere in die Sinne fallende Ur&longs;ache davon, einen Druck,
Stoß u. dergl. gewahr wird. So fällt ein freygela&longs;&longs;ener
Körper &longs;enkrecht auf die Erdfläche nieder, nähert &longs;ich der
Ma&longs;&longs;e der Erde, oder äußert doch, wenn man ihn daran
hindert, &longs;ein Be&longs;treben zu fallen, durch &longs;ein Gewicht,
durch Druck auf das, was ihn trägt; &longs;o fließen zween einander
berührende Wa&longs;&longs;ertropfen in Einen zu&longs;ammen u. &longs;. w.
ohne daß man eine äußere Ur&longs;ache davon bemerkte; die
Erfahrung zeigt uns, daß es ge&longs;chehe, belehrt uns aber
gar nicht darüber, warum es ge&longs;chehe.
Wie weit &longs;ich die&longs;es Phänomen er&longs;trecke, lä&longs;t &longs;ich
aus folgenden Bey&longs;pielen über&longs;ehen. Die Theile aller fe&longs;ten
Körper hängen zu&longs;ammen, und wider&longs;tehen der Trennung;
auch die Theile der flüßigen la&longs;&longs;en &longs;ich nicht ohne
Wider&longs;tand trennen, und vereinigen &longs;ich in Tropfen; flü&longs;&longs;ige
Körper hängen &longs;ich an fe&longs;te, die &longs;ie benetzen; polirte
Marmorflächen oder Spiegeltafeln hängen bey der Berührung,
auch bey dazwi&longs;chen liegenden feinen Haaren oder
Seidenfäden, zu&longs;ammen; das Licht beugt &longs;ich beym Vorübergange
beym Rande der Körper vom geraden Wege
ab; jeder Körper nähert &longs;ich freygela&longs;&longs;en der Erde, oder
fällt gegen die&longs;elbe; der &longs;on&longs;t &longs;enkrecht gedehnte Bleywurfallgemeines Phänomen der Körperwelt,
für die Regel anzunehmen, und die Fälle, in denen
es &longs;ich nicht zu zeigen &longs;cheint, nur für Ausnahmen zu
erklären, bey welchen es durch irgend eine Ur&longs;ache aufgehoben,
oder nur für uns unbemerkbar gemacht wird?
In die&longs;em Sinne hat der große Newton das Wort
Attraction gebraucht, um das allgemeine Phänomen des
Be&longs;trebens der Körper nach wech&longs;el&longs;eitiger Annäherung
(conatus accedendi) damit zu bezeichnen, nicht um eine
Ur&longs;ache die&longs;es Phänomens dadurch anzugeben. Die&longs;er
bey der Größe &longs;eines Genies dennoch &longs;o be&longs;cheidne Naturfor&longs;cher
gieng &longs;tets den &longs;ichern Weg der Experimentalunter&longs;uchung,
zog aus vielen ähnlichen Erfahrungen allgemeine
Ge&longs;etze, und be&longs;timmte, unbekümmert um die verborgenen
Ur&longs;achen der&longs;elben, durch die erhaben&longs;ten Kun&longs;tgriffe
der Geometrie, die Folgen die&longs;er Ge&longs;etze für Fälle,
über welche unmittelbare Erfahrungen fehlten. Die&longs;e
nachahmungswürdige Methode gründet &longs;ich einzig auf Induction,
oder auf den der ge&longs;unden Vernun&longs;t einleuchtenden
Schluß, daß das, was in allen beobachteten Fällen
wahr gefunden ward, auch in ähnlichen unbeobachteten
&longs;tatt finden, und all&longs;o allgemein wahr &longs;eyn werde. Die
häufigen Bey&longs;piele von Fallen, Nähern, Anhängen der
Körper gegen und an einander veranlaßten ihn, die&longs;es
Nähern als ein allgemeines Phänomen anzu&longs;ehen, er entdeckte
das Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben für Erde und Mond, &longs;chloß,
daß eben die&longs;es Ge&longs;etz für Sonne und Planeten, und für
die Planeten unter einander &longs;elb&longs;t gelten werde, und mit
Ur&longs;achen die&longs;es Phänomens angeben zu können, hat
&longs;ich Newton nie gerühmt. Er erklärt an einigen Stellen
(Princip. L. I. Def. 8. et Sect. 11. Optice. Qu. 23.), er gebrauche
die Worte: Attractio, Impul&longs;io, Propen&longs;io, ohne
Unter&longs;chied, u. wolle durch Attraction nicht die Wirkungsart
oder die wirkende Ur&longs;ache anzeigen, u. etwa behaupten,
daß in den Mittelpunkten der Körper eine anziehende Kraft
vorhanden &longs;ey; vielleicht &longs;ey die&longs;e Attraction, phy&longs;ikali&longs;ch
zu reden, ein Stoß, oder die Wirkung einer andern uns
ganz unbekannten Ur&longs;ache. So &longs;agt auch 's Grave&longs;ande
(Phy&longs;. elem. mathem. Leid. 1742. gr. 4. L. I. c. 5.)
Attractionem vocamus vim quamcunque, quo duo
corpora ad &longs;e invicem tendunt; et&longs;i forte hoc per impul&longs;um
fiat. Hoc nomine phaenomenon, non cau&longs;am
defignamus. Man thut daher Newton Unrecht, wenn
man glaubt, er habe durch die Attraction das Phänomen
erklären wollen, da er es dadurch blos benennen will.
Aber auch als Benennung hat mir das Wort Attraction
nie wohl gewählt ge&longs;chienen. Unerfahrne &longs;tellen
&longs;ich dabey natürlich ein Ziehen, eine Kraft vor, welche in
dem einen Körper ihren Sitz hat, und den andern, wie an
einem Bande, gegen &longs;ich führt. Dergleichen verkehrte Begriffe,
die Newtons wahrer Meinung ganz zuwiderlaufen,
haben manche Philo&longs;ophen be&longs;tritten, und dabey gegen
Newton zu &longs;treiten geglaubt. Inzwi&longs;chen i&longs;t die&longs;es
Wort &longs;o allgemein angenommen, daß man &longs;chwerlich wagen
dürfte, ein anderes einzuführen; man muß am Ende
zufrieden &longs;eyn, daß die Wahl nicht noch &longs;chlimmer ausgefallen
i&longs;t. Mu&longs;&longs;chenbroek z. B. &longs;chlägt unter andern
das noch un&longs;chicklichere Wort Amicitia vor. ”Was
”würde nicht er&longs;t,“ &longs;agt Herr Lichtenberg (Erxlebens
Naturl. neu&longs;te Ausg. §. 113. b.), ”mancher gefolgertSehn&longs;ucht ge”nannt
hätte? Man &longs;ollte &longs;ich freylich hüten, da &longs;ich, wie
”Haller &longs;agt, un&longs;er Aug' am Kleid der Dinge &longs;tößt, über
”die&longs;es Kleid noch andere zu ziehen, an denen &longs;ich die Ein”bildungskraft
&longs;tößt, noch ehe das Auge bis zu jenem un”durch&longs;chaubaren
eindringt.“
Solche Kleider hatte Newtons &longs;on&longs;t vortreflicher Vorgänger,
Kepler, de&longs;&longs;en Einbildungskraft &longs;ehr oft einen
dichteri&longs;chen Schwung nahm, über den Begrif der Attraction
gezogen, von welchem in &longs;einen Schriften häufige
Spuren vorkommen, &longs;. den Artikel: Gravitation. Er
nahm nicht nur in den Körpern eine innere anziehende
Kraft ( vim attractivam) an; er redete auch von
Freund&longs;cha&longs;t, Gefühl, Abneigung, Er&longs;chrecken der Körper
vor einander, von Sympathie, Stralen, mit welchen
einer den andern um&longs;chlinge u. &longs;. f. Auch
Newtons Schüler &longs;ind inzwi&longs;chen viel weiter gegangen,
haben dadurch aufs neue manches Mißver&longs;tändniß
und viele unnöthige Einwendungen veranla&longs;&longs;et, undRoger Cotes (Praefatio ad Newtoni Princ. ed.
Cantabr. 1713. 4.) zählet die Gravitation unter die we&longs;entlichen
Eigen&longs;chaften der Materie, ohne welche Materie
gar nicht gedacht werden könne oder &longs;olle, dergleichen
Ausdehnung, Beweglichkeit, Undurchdringlichkeit rc. &longs;ind.
Quemadmodum, &longs;agt er, nulla concipi debent corpora,
quae non &longs;int exten&longs;a, mobilia et impenetrabilia;
ita dicendum e&longs;t, nulla concipi debere, quae non &longs;int
gravia. Newton hingegen verwahrt &longs;ich ausdrücklich, er
behaupte keinesweges, daß die Schwere den Körpern we&longs;entlich
&longs;ey. Man &longs;ieht hieraus, wie Joh. Bernoulli (Nouvelles
pen&longs;ées &longs;ur le &longs;y&longs;teme de Descartes. Op. To. lll.
p. 138.) &longs;agt, daß der Schüler weit kühner, als &longs;ein Lehrer,
gewe&longs;en &longs;ey. Die&longs;e der Materie we&longs;entliche und von ihr untrennbare
innere Kraft &longs;ollte nun die Ur&longs;ache der Schwere,
des Zu&longs;ammenhangs, der Anhängung, der chemi&longs;chen
Verwandt&longs;chaften, Auflö&longs;ungen und Nieder&longs;chläge, der
Beugung, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, der im
Laufe der Himmelskörper &longs;ichtbaren Centripetalkräfte und
überhaupt fa&longs;t aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt &longs;eyn.
Welchen &longs;tarken Einwürfen man &longs;ich durch die&longs;e Behauptung
einer vermeinten phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache aus&longs;etzt, will ich
bey dem Worte: Gravitation, um&longs;tändlicher zeigen.
Die&longs;er Begrif der Attraction, als einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft oder eines innern Vermögens der Materie, &longs;cheint mir nicht viel be&longs;&longs;er, als die Sympathien, Antipathien und verborgnen Qualitäten der Peripatetiker, und &longs;ollte aus einer ge&longs;unden Phy&longs;ik gänzlich entfernt bleiben; da hingegen die Attraction als Phänomen betrachtet, wenn man &longs;ich nicht anmaaßet, die Ur&longs;ache davon anzugeben, durch klare und unläugbare Erfahrungen be&longs;tätiget i&longs;t.
Die&longs;e Erfahrungen durch den Stoß einer Materie
zu erklären, hat &longs;ehr große Schwierigkeiten. Carte&longs;ens,
Huygens, Joh. Bernoullis, Bil&longs;ingers u. a. Erklärungen
haben im Allgemeinen das wider &longs;ich, |daß dieLichtenberg (a. a.
O.) zu glauben, daß das Phänomen der Attraction noch
allzuzu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, als daß man es in die Cla&longs;&longs;e
der ganz einfachen Phänomene, der Ausdehnung, Undurchdringlichkeit
u. &longs;. w. &longs;etzen, und alle Bemühungen,
es zu erklären, aufgeben &longs;ollte. Allein Bemühungen, es
zu erklären, &longs;ind wohl etwas anders, als der eitle Wahn,
es ohne Beyhülfe der Erfahrung erklärt zu haben. Auch
werden &longs;olche Bemühungen allem Vermuthen nach nie
anders, als auf dem Wege der Experimentalunter&longs;uchung
gelingen. Aber von Kräften oder Mechanismen reden,
die &longs;ich durch nichts un&longs;ern Sinnen dar&longs;tellen, die&longs;e nach
Ge&longs;etzen wirken la&longs;&longs;en, von denen man auch keine Erfahrung
hat, &longs;ondern die man nur &longs;o annimmt, wie man &longs;ie
nöthig hat, das heißt, nach Herrn Kä&longs;tners Ausdruck
(Prüfung eines von Hrn. le Sage angegebnen Ge&longs;etzes
fallender Körper, im deut&longs;chen Mu&longs;eum, Jun. 1776. und
in der deut&longs;chen Ueber&longs;. des de Lüc über die Atmo&longs;phäre,
II. B. S. 660.), nicht erklären, &longs;ondern erdichten. Da
die Ur&longs;ache der Attraction kein Gegen&longs;tand un&longs;erer Sinne
mehr zu &longs;eyn &longs;cheint, &longs;o &longs;teht es dahin, ob wir je in der
gegenwärtigen Welt zu einer zuverläßigen Kenntniß der&longs;elben
gelangen werden; wenig&longs;tens mü&longs;&longs;en wir vorjetzt
un&longs;ere gänzliche Unwi&longs;&longs;enheit hierüber aufrichtig ge&longs;tehen.
Newton, ohne &longs;ich bey den Ur&longs;achen des Phänomens
aufzuhalten, bemühte &longs;ich vielmehr, die Ge&longs;etze
de&longs;&longs;elben zu be&longs;timmen. Dies gelang ihm zwar nur für
diejenigen Fälle, in welchen die Attraction in beträchtlichen
Entfernungen wirkt; aber es i&longs;t unbe&longs;chreiblich, welch eine
reichhaltige Quelle von den wichtig&longs;ten Folgen die&longs;e Entdeckung
unter &longs;einen und &longs;einer Nachfolger Händen geworden
i&longs;t.
Das Phänomen der Attraction zeigt &longs;ich entweder
an Körpern, welche in beträchtlichen oder merklichen Entfernungen
von einander ab&longs;tehen, und heißt dann Gravitation,
allgemeine Schwere (&longs;. Gravitation); oder
an Körpern, welche &longs;ich berühren, deren Entfernungen unmerklich
&longs;ind, und führt dann bey Theilen eines und ebende&longs;&longs;elben
Körpers den Namen der Cohä&longs;ion, des Zu&longs;ammenhangs
(&longs;. Cohä&longs;ion), und wenn es zwi&longs;chen Theilen
eines flüßigen und einem fe&longs;ten Körper &longs;tatt findet, den
Namen der Adhä&longs;ion, des Anhängens (&longs;. Adhä&longs;ion).
Wenn man auch &longs;chon nicht alle einzelne Unterabtheilungen
die&longs;es Falles aufzählen und mit be&longs;ondern Namen belegen
kan, &longs;o gehören doch dahin auch die chemi&longs;chen Verwandt&longs;chaften,
auf welche &longs;ich Auflö&longs;ungen Nieder&longs;chläge,
Kry&longs;talli&longs;ationen, Gährungen, Gerinnungen,
und andere chemi&longs;che Proce&longs;&longs;e gründen. Sie &longs;ind
be&longs;ondere Attractionen gewi&longs;&longs;er Stoffe, werden auch
Wahlanziehungen ( attractiones electivae) genannt.
Die
Unter allen die&longs;en be&longs;ondern Arten der Attraction i&longs;t
die Gravitation die einzige, deren Ge&longs;etze genau entdeckt
und bewie&longs;en &longs;ind. Newton hat die&longs;elben aus den auf
Erfahrung und Beobachtung gegründeten Entdeckungen
des Galilei und Keplers entwickelt. Die Stärke der
Gravitation verhält &longs;ich direkt, wie die Ma&longs;&longs;e des anziehendenNewton (Princip.
L. I. Sect. 13. Prop. 85.) bewei&longs;et, daß die Anziehung,
wenn &longs;ie bey der Berührung viel &longs;tärker, als in einer geringen
Entfernung i&longs;t, in umgekehrtem Verhältniß einer
höhern Potenz als des Quadrats der Entfernung abnehmen
mü&longs;&longs;e. Nun i&longs;t es aber allen Erfahrungen gemäß,
daß eine im Berührungspunkte &longs;ehr &longs;tarke Anziehung, in
einer &longs;ehr geringen Entfernung von die&longs;em Punkte fa&longs;t unmerklich
wird. Es i&longs;t al&longs;o ziemlich ent&longs;chieden, daß die
Anziehung bey der Berührung im umgekehrten Verhältni&longs;&longs;e
einer höhern als der zweyten Potenz der Entfernung
abnehmen, und al&longs;o andern Ge&longs;etzen, als die Gravitation,
folgen mü&longs;&longs;e. Aber die&longs;e Ge&longs;etze &longs;ind noch unentdeckt, und
bey weitem nicht &longs;o leicht zu erfor&longs;chen, als es das Ge&longs;etz
der Schwere war. Die in der Berühruug auf einander
wirkenden Stoffe befinden &longs;ich in einem ganz andern und
weit verwickeltern Falle, als die &longs;o weit von einander entfernten
und &longs;o regelmäßig geformten Himmelskörper, deren
ganze Ma&longs;&longs;e man in einen Punkt ver&longs;ammlet annehmen
kan, und bey denen die Wirkung der Anziehung &longs;o
einfach und von andern Einwirkungen fa&longs;t gänzlich frey
bleibt. Bey den Berührungen vervielfältiget &longs;ich die
Menge der wirkenden Theilchen und der Berührungspunkte,
in jedem Augenblicke verändert &longs;ich die Lage der
Theile gegen einander, und jeder der&longs;elben &longs;tört und verändert
die Wirkung der andern. Wer den Ausgang aus
die&longs;em Labyrinthe fände, und die Ver&longs;uche und Beobachtungen
Newton &longs;elb&longs;t &longs;cheint geneigt, die Gravitation von der
Anziehung beym Berühren ganz zu unter&longs;cheiden. Nach
die&longs;en Grund&longs;ätzen, &longs;agt er (Traité d' optique, Am&longs;terd.
1720. p. 373.), wird man die Natur durchgängig mit
&longs;ich überein&longs;timmend und &longs;ehr einfach in ihren Wirkungen
finden; &longs;ie bewirkt alle große Bewegungen der Himmelskörper
durch die Attraction der Schwere, welche auf die
ganzen Körper wirkt, und fa&longs;t alle kleine Bewegungen
ihrer Theile durch eine andere anziehende Kraft, welche
durch die Theile verbreitet i&longs;t. In der That muß &longs;chon
der Um&longs;tand, daß die Gravitation &longs;ich blos nach der
Quantität der Ma&longs;&longs;e, die Verwandt&longs;chaft aber nach der
Qualität ihrer Theile richtet, auf den Gedanken einer
Ver&longs;chiedenheit beyder Phänomene leiten, die aber vielleicht
auch ihren Grund blos in der Form und Dichtigkeit
der klein&longs;ten Theile haben kan.
Keill, ein Schüler Newtons (Indroductio ad veram
phy&longs;icam, Oxon. 1700. 8.). hat für die Anziehung
beym Berühren und in geringen Entfernungen einige Regeln
anzugeben, und daraus Cohä&longs;ion, Flüßigkeit, Ela&longs;ticität,
Aufbrau&longs;en, Nieder&longs;chlag u dgl. zu erklären ver&longs;ucht.
Freind (Praelectiones chymicae, Oxon. 1704.
4.) hat eben die&longs;e Grund&longs;ätze noch um&longs;tändlicher auf die
chemi&longs;chen Er&longs;cheinungen und Operationen angewendet.
Den mei&longs;ten die&longs;er Erklärungen aber fehlt allerdings die
Deutlichkeit und befriedigende Voll&longs;tändigkeit, welche Kenner
der Chemie, zumal bey dem jetzigen &longs;ehr verbe&longs;&longs;erten
Zu&longs;tande die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, fordern würden.
Geometri&longs;che Unter&longs;uchungen über das ur&longs;prüngliche
oder allgemeine Ge&longs;etz der Attraction hat Maupertuis
(Sur l' attraction Neutonienne, Mém de l' ac. roy. des
Sc. de Paris 1732.) ange&longs;tellt. Hollmann (Succincta
attractionis hi&longs;toria, in Comm. &longs;oc. reg. Gotting. To.
IV.) erzählt die Ge&longs;chichte der Anziehung. Mu&longs;&longs;chenbroek
(Introd. ad Philo&longs;. nat. Cap. 20. de corporum
attractionibus) hat die vornehm&longs;ten Phänomene der Attraction
fe&longs;ter und flüßiger Körper ge&longs;ammlet, und
Eine im Augenblicke der Verbindung gewi&longs;&longs;er Sub&longs;tanzen ent&longs;tehende heftige und mit Bla&longs;enwerfen verbundene Bewegung.
Das Aufbrau&longs;en ent&longs;teht allezeit durch die Entbindung leines Gas, welches mit dem neuent&longs;tandnen Gemi&longs;ch nicht verbunden bleiben kan, und das &longs;ich durch &longs;chickliche Vorrichtungen auf&longs;ammlen lä&longs;t. Säuren mit Kalcherden oder laugenartigen Sub&longs;tanzen, denen man ihr Gas noch nicht entzogen hat, vermi&longs;cht, brau&longs;en allezeit auf; auch ent&longs;teht die&longs;e Wirkung bey Auflö&longs;ungen der Metalle durch Säuren, und beym Schmelzen der Alkalien mit Sand oder Erde.
Da bey der Gährung allezeit eine innerliche bla&longs;enwerfende
Bewegung vorgeht, &longs;o brauchte man &longs;on&longs;t die
Namen Aufbrau&longs;en und Gährung ohne Unter&longs;chied;
neuere Chymiker unter&longs;cheiden einfache Auflö&longs;ungen &longs;owohl
als Gährung von dem Aufbrau&longs;en, und &longs;ehen das
letztere mit Recht als einen jene Verbindungsarten begleitenden
Um&longs;tand an.
Macquer chym. Wörterb. Art. Aufbrau&longs;en.
Das Hervorkommen der Ge&longs;tirne über den
Horizont des Beobachters. Man kan die Stunde des
Aufgangs eines jeden Ge&longs;tirns für jeden Beobachtungsort
auf eine mechani&longs;che Art durch die kün&longs;tliche Himmelskugel
finden, &longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche. Genauer wird
&longs;ie aus der halben Dauer der Sichtbarkeit (&longs;. A&longs;cen&longs;io-naldifferenz, Tagbogen), und der Zeit der Culmination
(&longs;. Culmination), berechnet. Es i&longs;t alsdann
Zeit der Culm.—1/2 Dauer der Sichtb.=Stunde
des Aufgangs.
So findet &longs;ich für die Fix&longs;terne die Stunde des Aufgangs
in Sternzeit, welche man nach den Anwei&longs;ungen in dem
Artikel: Sonnenzeit, die Sonnenzeit verwandein kan.
Für die Planeten i&longs;t noch eine Berichtigung, wegen ihrer
eignen Bewegung vom näch&longs;tvorhergehenden Mittage an
bis zur Stunde des Aufgangs, nöthig; &longs;ie i&longs;t aber nicht
beträchtlich, außer beym Monde, für welchen man die
ganze Rechnung noch einmal wiederholen, und dabey die
Data &longs;o annehmen muß, wie &longs;ie für die durch die er&longs;te
Rechnung gefundene Stunde des Aufgangs gelten.
Für die Sonne i&longs;t die Stunde des Aufgangs der
halben Nachtlänge gleich, auch die Verwandlung der
Zeit unnöthig, &longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.
Da die Stralenbrechung im Horizonte alle Ge&longs;tirne
etwa um 32 1/2 Min. erhebt, &longs;o gehen &longs;ie alle etwas früher
auf, als die Rechnung angiebt: wie man bey der Rechnung
&longs;elb&longs;t hierauf Rück&longs;icht zu nehmen habe, werde ich
bey dem Worte: Tagbogen, angeben.
Unter dem Aequator der Erde gehen alle Ge&longs;tirne und zwar &longs;enkrecht, unter den Polen der Erde gehen gar keine, in den zwi&longs;chenliegenden Orten der Erde nur diejenigen auf, deren nördliche oder &longs;üdliche Abweichung kleiner als die Aequatorhöhe des Orts i&longs;t. Daher geht uns die Sonne täglich auf, weil ihre Abweichung nie über 23 1/2 Grad &longs;teigen kan, und al&longs;o jederzeit kleiner, als un&longs;ere Aequatorhöhe (38 2/3°) bleiben muß.
Da der Horizont der merklich&longs;te Kreis
am Himmel i&longs;t, &longs;o fieng man &longs;chon im höch&longs;ten Alterthum
an, den Aufgang der Ge&longs;tirne mit dem Auf- oder Untergange
der Sonne zu vergleichen, und daraus Eintheilungen
und Kennzeichen der Zeit herzunehmen. Die&longs;e waren
&longs;icherer, als die Be&longs;timmungen nach den damaligenFa&longs;tis vorbringt, weder auf &longs;eine
Zeit und auf die Lage von Rom pa&longs;&longs;end, noch auch unter
&longs;ich &longs;elb&longs;t überein&longs;timmend i&longs;t (&longs;. Kä&longs;tner, a&longs;tronomi&longs;ches
Mancherley, in Vollborths philolog. Bibl. II. Band.).
Man findet auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Schriften der Alten
keine &longs;onderlichen Belehrungen hierüber; das mei&longs;te
Licht geben noch die Elemente des Geminus (Gemini
I&longs;agoge in Phaenomena &longs;. Elementa a&longs;tron. in Petavii
Vranologio. Pari&longs;. 1600. fol.)
Die Neuern haben gefunden, daß man im Alterthum
unter dem Worte, Aufgang, haupt&longs;ächlich dreyerley ver&longs;tanden
habe, das Hervortreten eines Sterns aus den
Sonnen&longs;tralen, &longs;einen Aufgang bey Aufgang der Sonne,
und &longs;einen Aufgang bey Untergang der Sonne. Die&longs;en
drey Arten des poeti&longs;chen Aufgangs haben &longs;ie die Namen:
Ortus heliacus, co&longs;micus und acronychos, beygelegt.
Das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen, Ortus
heliacus, Lever heliaque, ereignet &longs;ich an dem Tage,
an welchem der Stern, der bisher nahe bey der Sonne ge&longs;tanden
hat, und durch ihren Glanz un&longs;ern Augen entzogen
gewe&longs;en i&longs;t, &longs;ich zum er&longs;tenmale wieder zeigt, und in
der Morgendämmerung auf eine kurze Zeit &longs;ichtbar wird.
Da Sterne er&longs;ter Größe &longs;ichtbar werden, wenn bey
ihrem Aufgange die Sonne nur wenig&longs;tens 10 Grad tief
unter dem Horizonte i&longs;t, &longs;o findet man ihr Hervortreten
aus den Sonnen&longs;tralen, wenn man den Stern unter den
Morgenhorizont der kün&longs;tlichen Himmelskugel führt, und
den Grad der Ekliptik bemerkt, der alsdann 10° tief unter
dem Morgenhorizonte liegt. Der Tag des Jahres,
an welchem die Sonne die&longs;en Grad der Ekliptik erreicht, i&longs;t
der Tag des Hervortretens oder der Wiederer&longs;cheinung des
Sterns. So findet man, daß heut zu Tag der Hunds&longs;tern
für die Polhöhe von Leipzig etwa den 23 Augu&longs;t aus
den Sonnen&longs;tralen hervortritt. Für ältere Zeiten wäre
freylich eine andere Einrichtung der Himmelskugel nöthig,
&longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche. In Ermanglung &longs;olcher
Einrichtungen muß man &longs;ich für die Zeiten des Alterthums
an die Berechnung halten, welche z. B. für das
Jahr 138 n. C. G. in welchem nach dem Cen&longs;orinus ein
neuer Hunds&longs;terncyclus anfieng, und die Polhöhe von Heliopolis,
die Wiederer&longs;cheinung des Sirius auf den 20
Jul. giebt.
Der Aufgang eines Sterns mit Aufgang der
Sonne, Ortus co&longs;micus, Lever co&longs;mique, fällt für Sterne,
welche nahe bey der Ekliptik &longs;tehen, gewöhnlich 12 bis
15 Tage früher, als das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen.
Man findet den Tag de&longs;&longs;elben, wenn man auf
der kün&longs;tlichen Himmelskugel den Grad der Ekliptik &longs;ucht,
Der Aufgang mit Untergang der Sonne, Ortus
acronyctos, Lever acronyche, wird gefunden, wenn
man den Grad der Ekliptik &longs;ucht, der im Abendhorizonte
&longs;teht, wenn der Stern im Morgenhorizonte i&longs;t. Die&longs;er
Grad i&longs;t dem, welcher dem kosmi&longs;chen Aufgange zugehört,
gerade entgegenge&longs;etzt, und es &longs;ind daher die Tage des
kosmi&longs;chen und akronykti&longs;chen Aufgangs ohngefähr um ein
halbes Jahr aus einander. So geht bey uns der Hunds&longs;tern
um den 8 Febr. akronykti&longs;ch oder mit Sonnenuntergang
auf.
Zur Erklärung der Alten muß man hiebey auf die
Polhöhen ihrer Beobachtungsorte und auf die damaligen
Stellungen der Fix&longs;terne, welche von den heutigen ver&longs;chieden
&longs;ind, Rück&longs;icht nehmen. Wie man dies für einzelne
Sterne bewerk&longs;telligen könne, hat Herr Scheibel
(Unterricht vom Gebrauch der Himmels- und Erdkugel.
Bresl. 1779. 8. §. 216.) gelehrt.
de la Lande a&longs;tronom. Handb. §. 205. u. f. Kä&longs;tners
Anfangsgr. der angew. Math. Zweyte Abth. A&longs;tr. §. 127.
Die&longs;en Namen
führt die Verbindung der Grund&longs;toffe zweener Körper
von ver&longs;chiedener Natur, aus welcher eine Trennung der
vorigen Verbindung ihrer Theile, und eine neue Verbindung
der&longs;elben, mithin ein neuer anders, als beyde vorige,
zu&longs;ammenge&longs;etzter Körper ent&longs;teht. So wird z. B. ein
Stück Silber im Scheidewa&longs;&longs;er aufgelö&longs;et, d. h. die Salpeter&longs;äure
trennt den Zu&longs;ammenhang der Be&longs;tandtheile des
Silbers, und verbindet &longs;ich mit dem darinn enthaltenen
Brennbaren; der erdichte Theil des Silbers hingegen verbindet
&longs;ich, wie es &longs;cheint, mit dem in der Salpeter&longs;äure
enthaltenen luftartigen Stoffe; aus allem zu&longs;ammen ent&longs;teht
ein neuer flüßiger Körper, die Silberauflö&longs;ung, in
Da hiebey der vorige Zu&longs;ammenhang der Theile getrennt
werden, und al&longs;o ein Körper in die Zwi&longs;chenräume
des andern eindringen muß, welches einen flüßigen Zu&longs;tand
des eindringenden Körpers voraus&longs;etzt, &longs;o muß bey
jeder Auflö&longs;ung wenig&longs;tens der eine Körper flüßig &longs;eyn.
Daher der chymi&longs;che Grund&longs;atz: Corpora non agunt,
ni&longs;i fluida.
Man nennt insgemein den flüßigen Körper das Auflö&longs;ungsmittel
(men&longs;truum). Dies kan zugela&longs;&longs;en werden;
nur muß man nicht den fal&longs;chen Begrif damit verbinden,
als ob das Auflö&longs;ungsmittel allein &longs;ich thätig, und
der fe&longs;te Körper nur leidend verhielte. Sie wirken beyde
in einander. Bisweilen &longs;ind beydes flüßige Körper und
dann i&longs;t es gar nicht mehr &longs;chicklich, den einen als Auflö&longs;ungsmittel,
den andern als aufgelößt werdenden, zu betrachten.
Wenn hingegen der eine fe&longs;t i&longs;t, &longs;o muß der
flüßige den &longs;tärkern Zu&longs;ammenhang &longs;einer Theile trennen,
und in die&longs;er Rück&longs;icht etwas mehr thun, als jener. Hier
i&longs;t es &longs;ehr &longs;chicklich, den flüßigen das Auflö&longs;ungsmittel zu
nennen; man muß nur nicht verge&longs;&longs;en, daß der fe&longs;te Körper
ebenfalls wirkt, und das Men&longs;truum auflö&longs;et.
Auflö&longs;ungen ge&longs;chehen entweder auf dem na&longs;&longs;en
Wege, d. i. durch Auflö&longs;ungsmittel, die im gewöhnlichen
Zu&longs;tande flüßig &longs;ind; oder auf dem trocknen
Wege, d. i. durch Schmelzung, wo einer oder beyde
Körper er&longs;t durchs Feuer flüßig gemacht werden.
Wenn alle und jede Grund&longs;toffe beyder Körper mit
einander vereiniget werden, &longs;o i&longs;t die Auflö&longs;ung vollkommen.
Aus dergleichen vollkommnen Auflö&longs;ungen ent&longs;tehen
durch&longs;ichtige Körper, z. B. das Glas aus einer vollkommnen
Auflö&longs;ung der Erden durch Alkalien auf dem
trocknen Wege.
Alle Auflö&longs;ungen &longs;ind Wirkungen der Anziehung
zwi&longs;chen den Theilen der Körper, Wirkungen der Attraction
bey der Berührung, &longs;. Attraction. Wenn Auflö&longs;ung&longs;. Adhä&longs;ion. Die
Anziehung zwi&longs;chen Glas und Wa&longs;&longs;er vermag nur den Zu&longs;ammenhang
der Wa&longs;&longs;ertheile, nicht den der Glastheile zu
trennen; daher hängt Wa&longs;&longs;er dem Gla&longs;e an, kan es aber
nicht auflö&longs;en. So erfolgen Anhängen und Auflö&longs;ung aus
einerley Grunde. Auch lö&longs;en &longs;ich nie Körper auf, die
nicht an einander anhängen.
Hieraus läßt &longs;ich leicht das Eindringen des flüßigen
Körpers in des fe&longs;ten innere Theile bey den Auflö&longs;ungen
erklären. Des fe&longs;ten Zwi&longs;chenräume &longs;ind eben &longs;o viele
Haarröhren, in welche der flüßige vermöge des Anhängens
eindringt, &longs;. Haarröhren. Die&longs;e Erklärung der
Newtonianer i&longs;t wenig&longs;tens wahr&longs;cheinlicher, als die von
Descartes, welcher hier &longs;eine &longs;ubtile Materie wirken,
und die &longs;pitzigen Keile der Auflö&longs;ungsmitel in die aufzulö&longs;enden
Körper hineintreiben ließ.
Man könnte die Auflö&longs;ungen in &longs;olche theilen, wobey
blos der Zu&longs;ammenhang der aggregirten Theile getrennt
wird (&longs;uperficielle Auflö&longs;ung, Solution), und
in &longs;olche, wobey dem einen oder beyden Körpern gewi&longs;&longs;e
Theile entzogen, und mit Theilen des andern Körpers inniger
verbunden werden (
Daß oft ganz leichte Flüßigkeiten &longs;chwere fe&longs;te Körperin
&longs;ich aufgelößt halten, i&longs;t leicht begreiflich, da die
Trennung der vorigen Theile auch die vorige &longs;pecifi&longs;che
Macquer chym. Wörterb. Art. Auflö&longs;ung, und Leonhardi
Anm.
hei&longs;&longs;en
diejenigen Körper, welche andere aufzulö&longs;en ge&longs;chickt
&longs;ind, vornehmlich die flüßigen, welche man zu Auflö&longs;ung
der fe&longs;ten gebraucht. Daß eigentlich bey jeder Auflö&longs;ung
beyde Körper in einander wirken, al&longs;o der aufgelößte Körper
allezeit auch das Men&longs;truum auflö&longs;e, i&longs;t &longs;chon bey dem
Worte Auflö&longs;ung bemerkt worden.
Der Name Men&longs;truum kömmt von dem Wahn der
Alchymi&longs;ten her, daß eine vollkommne Auflö&longs;ung einen
philo&longs;ophi&longs;chen Monat, oder vierzig Tage Zeit erfordere.
Auf&longs;teigender Knoten, &longs;. Knoten.
Auf&longs;teigende Zeichen, &longs;. Zeichen.
Hierunter wird (Taf. I. Fig.
5.) der Bogen des Aequators D ver&longs;tanden, welcher
zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte
Die Grade des Aequators werden vom Frühlingspunkte aus von Abend gegen Morgen, oder von der Rechten zur Linken in einem fort gezählt, daher ein Ge&longs;tirn nahe an 360° Recta&longs;cen&longs;ion haben kan.
Wenn die gerade Auf&longs;teigung oder Recta&longs;cen&longs;ion eines
Sterns D, und &longs;eine Abweichung
Die Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne wird, wenn man ihre
Abweichung durch Beobachtung gefunden hat, &longs;. Abweichung,
leicht berechnet. Taf. II. Fig. 27. &longs;ey AQ der
Aequator, EL die Ekliptik oder Sonnenbahn, S der Ort
der Sonne, deren Abweichung SD, die Recta&longs;cen&longs;ion
D i&longs;t, Der Winkel
Auch aus dem Ab&longs;tande der Sonne vom Frühlingspunkte
Länge
S (
Ueberdies findet man auch in den a&longs;tronomi&longs;chen
Ephemeriden, namentlich in des Herrn Bode Jahrbüchern,
die gerade Auf&longs;teigung der Sonne für den Mittag
jeden Tages angegeben.
Die Recta&longs;cen&longs;ion der Sterne findet man aus der
Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis. Der
Punkt D (Taf. I. Fig. 5.) i&longs;t eben derjenige, der mit dem
Sterne zugleich in den Mittagskreis kömmt; die Zeit,
welche zwi&longs;chen dem Durchgange der Sonne und dem des
Sterns verflo&longs;&longs;en i&longs;t, in Bogen des Aequators verwandelt,
&longs;. die Art. Aequator, Sternzeit, giebt an, was
für ein Bogen des Aequators &longs;ich zwi&longs;chen beyden Durchgängen
durch den Mittagskreis ge&longs;choben habe, d. i. um
wie viel des Sterns Recta&longs;cen&longs;ion größer &longs;ey, als die
Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne am vorhergehenden Mittage.
Die&longs;er Bogen, zur Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne addirt, giebt
al&longs;o die des Sterns. Kömmt hiebey mehr als 360°, &longs;o
muß man nur den Ueber&longs;chuß über 360° behalten, weil
im Aequator nie weiter gezählt, &longs;ondern bey 360° von
neuem angefangen wird. Man hatte nemlich DQAD
gefunden, da man nur
Aus gleichen Gründen giebt die Zeit, welche zwi&longs;chen den Durchgängen zweener Sterne durch den Mittagskreis verfließt, in Bogen des Aequators verwandelt, den Unter&longs;chied zwi&longs;chen den geraden Auf&longs;teigungen beyder Sterne. I&longs;t nun die des einen bekannt, &longs;o findet man daraus die des andern, daß al&longs;o die Be&longs;timmung der Recta&longs;cen&longs;ionen der Sterne lediglich von den Beobachtungen der Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis abhängt.
Da in vier Sekunden Zeit ein Bogen von einer Minute
durch den Mittagskreis gehet, &longs;o giebt ein Beobachtungsfehler
von 4 Sek. eine ganze Minute Irrthum in der
geraden Auf&longs;teigung. Man &longs;ieht hieraus, wie genaue Abme&longs;&longs;ungen
der Zeit zu die&longs;er Be&longs;timmung der geraden Auf&longs;teigungen
nöthig &longs;ind. Die Alten hatten hiezu keine Mittel;
ihre Wa&longs;&longs;eruhren (clep&longs;ydrae) reichten bey weitem
nicht an eine &longs;olche Genauigkeit. Sie be&longs;timmten daher
die Stellen der Sterne durch Armillen oder Ringe, welche
mit Hülfe der Sonne in eine dem Aequator und der Ekliptik
am Himmel ähnliche Stellung gebracht wurden, und
dann vermittel&longs;t eines auf den Stern gerichteten Diopterlineals
de&longs;&longs;en Lage gegen den Aequator oder die EkliptikTycho,
der noch immer Armillen für den Aequator gebrauchte,
wählte &longs;tatt des Mondes die Venus, welche lang&longs;amer
fortrückt, und be&longs;timmte &longs;o die Stellen von 777 Fix&longs;ternen
genauer, als Hipparch und Ptolemäus gethan
hatten. Aber er&longs;t die Erfindung be&longs;&longs;erer Uhren hat die
A&longs;tronomen in den Stand ge&longs;etzt, die Recta&longs;cen&longs;ionen der
Sterne, und dadurch die wahren Stellen, die &longs;ie am Himmel
einnehmen, richtiger anzugeben, und in die Catalogen
einzutragen, von welchen wir unter dem Artikel: Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e,
reden werden.
Der Bogen des Aequators O, Taf.
Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung
eines Ge&longs;tirns heißt &longs;eine A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, von der
ein eigner Artikel handelt. Die&longs;e i&longs;t wichtiger, als die
&longs;chiefe Auf&longs;teigung &longs;elb&longs;t. Es i&longs;t aber
&longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t.—A&longs;c. Diff.
wo man bey negativem Werthe der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz,
&longs;tatt zu &longs;ubtrahiren, addiren muß.
Aufthaupunkt, &longs;. Thermometer.
des Ei&longs;es, &longs;. Thauwetter.
Das Werkzeug des Sehens.
Bey der Be&longs;chreibung die&longs;es großen Mei&longs;ter&longs;tücks
Der Augapfel (bulbus oculi) liegt in der kegelförmig
gebildeten Augenhöhle (orbita), ragt nur wenig aus
der&longs;elben hervor, und wird am vordern Theile durch die
beyden Augenlieder (palpebrae) gehalten und gegen äu&longs;&longs;ere
Verletzungen und allzuheftiges Licht ge&longs;chützt. Er hat
ziemlich die Ge&longs;talt einer Kugel, i&longs;t aber am vordern
Theile bey AA, Taf. II. Fig. 28. mehr erhaben. Er i&longs;t
hart, und wegen &longs;einer runden Ge&longs;talt in dem weichen
Fette, in welchem er liegt, leicht beweglich. Hinten hängt
er am Sehnerven (nervus opticus). Der Durchme&longs;&longs;er
des Augapfels beträgt bey einem erwach&longs;enen Men&longs;chen
etwa 11 1/3 pari&longs;er Linien. Er wird durch &longs;echs Muskeln
bewegt, deren vier gerade, zween &longs;chief wirken.
Seine Haupttheile &longs;ind drey Häute (tunicae), die
harte Augenhaut, braune Haut und Netzhaut, und drey
&longs;ogenannte Feuchtigkeiten (humores), die| wä&longs;&longs;erichte,
glä&longs;erne und kry&longs;tallene.
Die harte Augenhaut (&longs;clerotica, cornée opaque)
i&longs;t eine &longs;tarke, dicke, ela&longs;ti&longs;che Haut, welche den äußern
Um&longs;chluß des ganzen Augapfels ausmacht. Sie i&longs;t weiß
und fa&longs;t ganz ohne Gefäße. Hinten beym Eintritte des
Sehnerven i&longs;t &longs;ie auf eine Linie dick, gegen den vordern
Theil wird &longs;ie dünner, bis in die Gegend
Die braune Haut, Gefäßhaut, Aderhaut
(chorioides, choroide, Uvée) liegt unter der harten Haut,
i&longs;t weich, zart, und mit Gefäßen und Zellgewebe ver&longs;ehen,
mit welchem &longs;ie an der harten Haut anhängt, und
&longs;o vom Rande des Sehnerven bis an die Hornhaut fortläuft.
Von außen i&longs;t die braune Haut mit einem dunkeln,
aber die Finger nicht &longs;chwärzenden Ueberzuge, auf der innern
Fläche aber mit einem &longs;chwarzen Leime bekleidet.
Nach Wegnehmung die&longs;es Leims findet man der braunen
Haut innere Fläche rauch und za&longs;ericht. Die&longs;e Haut ent&longs;teht
nicht aus der dünnen Hirnhaut, &longs;ondern hängt mit
der innern Hülle des Sehnerven durch Zellgewebe zu&longs;ammen,
und um&longs;chließt die kegelförmige Warze, mit welcher
&longs;ich das Mark die&longs;es Nerven endigt, genau. Nach
Die Netzhaut, Markhaut (retina, Rétine) i&longs;t
eine Verbreitung des ins Auge eingetretenen Markes des
Sehnerven. Die&longs;er tritt ein wenig unter dem der Pupille
gegenüber&longs;tehenden Punkte, nicht in der Mitte, &longs;ondern
ziemlich weit einwärts gegen die Na&longs;e zu, ein, wird merklich
dünner, und geht durch die
Die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit (humor aqueus,
humeur aqueu&longs;e) erfüllt den vordern Theil des Auges
Die glä&longs;erne Feuchtigkeit (humor vitreus, humeur
vitree) nimmt den hintern Raum des Auges
Die Kry&longs;tallin&longs;e CC (lens cry&longs;tallina, Cry&longs;tallin)
wird zwar unter die Feuchtigkeiten des Auges gezählt, i&longs;t
aber vielmehr ein fe&longs;ter durch&longs;ichtiger Körper, wie ein auf
beyden Seiten erhabnes Glas ge&longs;taltet, und liegt am vordern
Theile der glä&longs;ernen Feuchtigkeit, welche da&longs;elb&longs;t &longs;o
ausgehöhlt i&longs;t, daß die erhabne hintere Fläche der Kry&longs;tallin&longs;e
bis an den Rand in die&longs;er Höhlung liegen kan. Der
Kry&longs;tallin&longs;e hintere Seite i&longs;t mehr erhaben, als die vordere;
beyde Seiten aber werden mit zunehmendem Alter
immer flächer. Sie be&longs;teht aus mehreren mit Gefäßen
ver&longs;ehenen &longs;phäri&longs;chen Lamellen von denen die äußern
weicher, die innern, welche den Kern ausmachen, dichter
&longs;ind; die&longs;e Lamellen verbindet eine feine zellige Sub&longs;tanz,
in deren Zellen &longs;ich Wa&longs;&longs;er befindet. Bey neugebohrnen
Kindern i&longs;t die Kry&longs;tallin&longs;e röthlich, wird aber bald farbenlos,
und nach dem dreyßig&longs;ten Jahre von Zeit zu Zeit
gelblicher. Das Gelbwerden fängt im Kerne an, und
verbreitet &longs;ich nach und nach in die äußern Lamellen. Auch
wird die Lin&longs;e im Alter härter und flächer, weil die Gefäße
nicht mehr &longs;o viel Feuchtigkeit zuführen. Sie i&longs;t in
eine durch&longs;ichtige Kap&longs;el einge&longs;chlo&longs;&longs;en, welche am vordern
Nach den von Petit an vielen Augen ange&longs;tellten
Me&longs;&longs;ungen giebt Iurin (Abhdl. vom deutlichen Sehen, in
Smiths Lehrbegr. der Optik durch Kä&longs;tner. S. 486.) |in
Decimallinien des engli&longs;chen Zolles
Ein &longs;o bewundernswürdig gebautes Werkzeug hat
uns der Urheber der Natur zum Behuf eines Sinnes gegeben,
durch welchen wir die mei&longs;ten Begriffe erhalten
und die &longs;chätzbar&longs;ten Erfahrungen über die Dinge außer
uns an&longs;tellen. Auf die&longs;es Werkzeug wirken die äußern
Körper vermittel&longs;t des Lichts nach den Ge&longs;etzen der Brechung.
Die&longs;e Wirkung &longs;elb&longs;t i&longs;t noch ein Gegen&longs;tand die&longs;es
Artikels; was aber un&longs;ere Empfindungen bey der&longs;elben
und un&longs;ere Urtheile über die&longs;e Empfindungen betrift, &longs;oll
dem Artikel: Sehen, vorbehalten bleiben.
Da das Licht von jedem Punkte eines &longs;ichtbaren Körpers
nach allen Richtungen in geraden Linien ausgehet,&longs;. Licht, Licht&longs;tralen, &longs;o wird man &longs;ich Taf. III. Fig.
29. die vordere Fläche der Hornhaut KK, als die Grundfläche
der Stralenkegel AKK, BKK, CKK, vor&longs;tellen
können, deren Spitzen in den Punkten A, B, C des &longs;ichtbaren
Körpers liegen. Die&longs;e Stralenkegel dringen durch
die Hornhaut und wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit; ein Theil ihrer
Stralen wird zwar von der vorliegenden Iris aufgefangen;
das auf die Pupille fallende Licht aber trift die Kry&longs;tallin&longs;e
HH, dringt durch die&longs;elbe und durch die glä&longs;erne
Feuchtigkeit bis an die Netzhaut in a b c durch, und leidet
bey &longs;einem Durchgange durch vier ver&longs;chiedene Mittel,
nemlich die Hornhaut und die drey &longs;ogenannten Feuchtigkeiten,
vier Brechungen, &longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.
Die&longs;e Brechungen genau zu berechnen, i&longs;t im Allgemeinen
unmöglich, da die Größe der Brechung in jeder
Feuchtigkeit nicht genau genug be&longs;timmt, auch nicht jedes
Auge dem andern hierinn vollkommen ähnlich i&longs;t. Es
läßt &longs;ich aber über&longs;ehen, daß die Brechung in der Hornhaut
wegen der Ge&longs;talt und Dünne der&longs;elben unbedeutend
i&longs;t; daß ferner die divergirenden Stralen der Kegel AKK,
BKK, CKK, in der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit und noch
mehr in der weit &longs;tärker brechenden und wie ein erhabnes
Lin&longs;englas wirkenden Kry&longs;tallin&longs;e &longs;ehr convergirend werden
mü&longs;&longs;en, &longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Man wird al&longs;o erwarten, die
Stralen eines jeden Kegels in einiger Entfernung von
der Lin&longs;e wieder in einen Punkt vereiniget zu finden.
Die&longs;e Vereinigungspunkte &longs;ind in der Figur mit a, b, c
bezeichnet.
Es geht auf die&longs;e Art im Auge eben das vor, was
im verfin&longs;terten Zimmer ge&longs;chieht, de&longs;&longs;en Oefnung mit einem
erhabnen Gla&longs;e ver&longs;ehen i&longs;t, &longs;. Zimmer, verfin&longs;tertes.
Die aus einem Punkte des &longs;ichtbaren Gegen&longs;tandes
kommenden Stralen vereinigen &longs;ich hinter der Kry&longs;tallin&longs;e
wieder, und bilden, wenn die&longs;er Vereinigungspunkt genau
auf die |Netzhaut trift, auf der&longs;elben den Punkt deutlich
ab; aus den Bildern mehrerer Punkte |a, b, c ent&longs;teht,
wie die Figur deutlich zeigt, ein umgekehrtes Bild desABC, wie im verfin&longs;terten Zimmer umgekehrte
Bilder der Gegen&longs;tände auf der dem Gla&longs;e gegenüberliegenden
Wand ent&longs;tehen. Auch i&longs;t der innere mit
der glä&longs;ernen Feuchtigkeit erfüllte Raum des Auges einem
&longs;olchen Zimmer völlig ähnlich, und wird durch den
&longs;chwarzen die braune Haut von innen bekleidenden und
durch die durch&longs;ichtige Netzhaut durch&longs;cheinenden Leim
verdunkelt.
Die&longs;e Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten
Zimmer, welche Porta (De refractione, optices
parte libri IX. Neapol. 1583. 4.) zuer&longs;t entdeckt hat,
leitete die Naturfor&longs;cher auf be&longs;&longs;ere Wege zur Erklärung
des Sehens, und bewies, daß dabey etwas von außen her
ins Auge komme, da unter den Alten viele geglaubt
hatten, die Stralen giengen vom Auge aus, wie etwa
der Stock, durch den man etwas befühlt, von der Hand
ausgeht. Porta &longs;elb&longs;t war inzwi&longs;chen von der richtigen
Erklärung noch weit entfernt. Er nahm die Oefnung
des Sterns für das Loch im Laden des Zimmers
und die Kry&longs;tallin&longs;e für die Wand an, auf welcher &longs;ich
das Bild abmahle; er behauptete auch die&longs;er Theorie
gemäß, daß von jedem Punkte der Sache nur ein einziger
Stral ins Auge komme.
Kepler, der &longs;o viel neue Wahrheiten gelehrt hat,
lehrte auch zuer&longs;t (Paralipomena ad Vitellionem, Frf.
1604. 4. cap. 5.) die Art und Wei&longs;e der Ent&longs;tehung des
Bildes richtig. Er zeigte, daß es auf die Netzhaut falle,
und da&longs;elb&longs;t deutlich &longs;eyn mü&longs;&longs;e, wenn man deutlich &longs;ehen
&longs;olle. Er war der er&longs;te, der aus jedem Punkte des Gegen&longs;tandes
mehrere einen Kegel bildende Stralen ins Auge
kommen, und durch den Punkt ihrer Wiedervereinigung
den Ort be&longs;timmen ließ, in welchem &longs;ich das deutliche Bild
des &longs;tralenden Punkts entwirft. Scheiner in Rom &longs;etzte
endlich im Jahre 1625 die&longs;e Kepleri&longs;che Erklärung ganz
außer Zweifel. Er &longs;chnitt von einem Och&longs;en- oder Schaafauge
die hintern Häute bis auf die Netzhaut weg, und erblickte
nun die Bilder &longs;olcher Gegen&longs;tände, die &longs;ich in der
gehörigen Entfernung befanden, auf der bloßen Netzhaut
Inzwi&longs;chen muß man &longs;ich hüten, die Aehnlichkeit
des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer allzuweit zu
treiben, &longs;ich etwa die Seele als den Zu&longs;chauer vorzu&longs;tellen,
der das Bild betrachtet, und zu glauben, das,
was &longs;te empfindet, &longs;ey das auf der Netzhaut entworfene
Bild &longs;elb&longs;t. Die&longs;es Bild zu &longs;ehen, mü&longs;te &longs;ie noch ein
zweytes Auge haben, womit &longs;ie das Bild im er&longs;ten anblicken
könnte. Deutliches Bild und deutliches Sehen
&longs;ind zwar unzertrennlich mit einander verknüp&longs;t;
allein nur als zwo Wirkungen einer und ebender&longs;elben
Ur&longs;ache. Die genaue Wiedervereinigung der Stralen,
welche aus einerley Punkte des &longs;ichtbaren Körpers ausgiengen,
i&longs;t die Ur&longs;ache der Deutlichkeit des Bildes
und der Deutlichkeit des Sehens zugleich, &longs;. Sehen.
Die Deutlichkeit des Bildes auf der Netzhaut
wird ge&longs;tört, wenn die Vereinigungspunkte nicht genau
auf die&longs;elbe treffen, &longs;ondern entweder vor ihr, oder
hinter ihr liegen. Bey&longs;piele beyder Fälle geben Fig.
30. und 31. Taf. III. In Fig. 30. haben &longs;ich die
Stralen des Kegels BKK &longs;chon vor der Netzhaut bey
b vereiniget, und durchkreuzt; in Fig. 31. erreichen
&longs;ie einander bey b er&longs;t hinter der Retzhaut. In beyden
Fällen bilden &longs;ie &longs;tatt des Punkts B einen Kreis ab, der
die Linie ac zum Durchme&longs;&longs;er hat. Man &longs;ieht aber
leicht, daß ein Bild undeutlich werden muß, wenn &longs;ich
jeder Punkt de&longs;&longs;elben in einen Kreis ausbreitet. Mit
die&longs;em undeutlichen Bilde nun ent&longs;teht auch zugleich
undeutliches Sehen.
Entfernte Gegen&longs;tände &longs;enden von jedem ihrer Punkte
einen Stralenkegel ins Auge, de&longs;&longs;en Stralen nahe am Auge
keine merkliche Divergenz zeigen, eben darum, weil &longs;ie,
rückwärts betrachtet, er&longs;t in einem entfernten Punkte zu&longs;ammenlaufen.
Ein &longs;olcher Kegel lä&longs;t &longs;ich al&longs;o als ein
Stralencylinder an&longs;ehen, de&longs;&longs;en Stralen parallel laufen.
So i&longs;t BKK, Fig. 30. vorge&longs;tellt. Rückte der ge&longs;eheneC heran, &longs;o würde der Vereinigungspunkt
&longs;einer nun divergirenden Stralen weiter hinter
b hinausrücken (&longs;. Lin&longs;englä&longs;er), u. auf die Netzhaut
fallen, und das Bild würde deutlich &longs;eyn. Ein Auge, wie
Fig. 30. &longs;ieht al&longs;o nur in der Nähei, nicht in der Ferne
deutlich. Die &longs;olche Augen haben, heißen Kurz&longs;ichtige,
Myopen (myopes). Die letztere Benennung kömmt
von dem Zu&longs;ammen&longs;chließen oder Blinzen der Augenlieder,
womit &longs;ie die Augen vor dem einfallenden vielen Lichte
zu &longs;chützen &longs;uchen, u. welches man an den Augen der Mäu&longs;e
ebenfalls bemerkt. Der Punkt C, in welchem &longs;ie die Gegen&longs;tände
deutlich &longs;ehen (punctum vi&longs;ionis di&longs;tinctae),
liegt allzunahe vor ihren Augen. Gemeiniglich i&longs;t ihre
Hornhaut erhabner und ihre Pupille weiter eröfnet.
Eine allzu convexe oder zu dichte Kry&longs;tallin&longs;e, welche
parallele Stralen zu &longs;tark bricht, und al&longs;o zu &longs;chnell
vereiniget, oder ein allzugroßer Ab&longs;tand der Lin&longs;e von
der Netzhaut &longs;ind die unmittelbaren Ur&longs;achen der
Kurz&longs;ichtigkeit. Hohlglä&longs;er zer&longs;treuen die parallelen
Stralen, und machen, daß &longs;ie &longs;o divergiren, als ob
&longs;ie aus dem Zer&longs;treuungsraume die&longs;er Glä&longs;er herkämen,
&longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Hält daher ein Kurz&longs;ichtiger &longs;einem
Auge ein Hohlglas &longs;o vor, daß de&longs;&longs;en Zer&longs;treuungsraum
in die Gegend von C (dem Punkte des deutlichen
Sehens für &longs;ein Auge) fällt, &longs;o empfängt er die Stralenkegel
&longs;o, als ob &longs;ie aus der Gegend von C kämen,
und &longs;ieht auch entfernte Dinge deutlich.
Naher Gegen&longs;tände Punkte hingegen &longs;enden Stralen
aus, die noch beym Eintritte ins Auge merklich divergiren,
wie BKK, Fig. 31., deren Vereinigungspunkte al&longs;o
weiter hinter die Lin&longs;e fallen, als die der parallelen Stralen,
&longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Rückte B in eine größere Entfernung
hinaus, &longs;o würde der Vereinigungspunkt b näher
rücken, und endlich die Netzhaut &longs;elb&longs;t treffen, al&longs;o ein
deutliches. Bild geben. Ein Auge, wie Fig. 31., &longs;ieht
al&longs;o nur in der Ferne, nicht in der Nähe, deutlich. Diejenigen,
deren Augen &longs;o gebildet &longs;ind, heißen Weit&longs;ichtige,
Presbyten (bresbytae), weil man die&longs;en Fehler&longs;. Lin&longs;englä&longs;er, Brillen. Daher bedienen
&longs;ich Weit&longs;ichtige und Alte der Brillen, um auch
nahe Dinge deutlich zu &longs;ehen.
Die&longs;e Fehler der Augen, und die &longs;chon läng&longs;t bekannten
Mittel, ihnen durch Glä&longs;er abzuhelfen, hat
vor Keplern (Paralip. in Vitell. p. 200.) niemand
richtig erklären können. Da man aus jedem Punkte
nur Einen Stral ins Auge kommen ließ, &longs;o konnte man
auf die richtige Idee von Vereinigungspunkten nicht
kommen. Kepler ver&longs;ichert, daß er die&longs;er Sache drey
Jahre lang nachgedacht habe.
Für jedes Auge muß es eine gewi&longs;&longs;e Weite geben,
in welcher es in &longs;einem natürlichen Zu&longs;tande und ohne
alle An&longs;trengung deutlich &longs;iehet. Die&longs;e Weite (di&longs;tantia
vi&longs;ionis di&longs;tinctae) i&longs;t fa&longs;t für jedes Auge eine andere;
die Optiker pflegen &longs;ie zwar für ein gutgebautes
Auge im Durch&longs;chnitte auf 8 Zoll zu &longs;etzen, Iurin aber
nimmt 15 bis 16 engl. Zoll an, und &longs;ie kan, zumal für
weit&longs;ichtige Augen, vielleicht noch größer &longs;eyn. Das
Auge be&longs;itzt ein Vermögen, &longs;eine Einrichtung zu ändern,
und dadurch auch noch auf größere und kleinere
Weiten vollkommen deutlich zu &longs;ehen. Weil es aber
auch noch einige Undeutlichkeit vertragen kan, &longs;o la&longs;&longs;en
&longs;ich die&longs;e Weiten noch mehr aus einander rücken, daß
&longs;ich al&longs;o die Grenzen, in welchen ein gutgebautes und
&longs;eine Einrichtung &longs;tark zu ändern fähiges Auge mit ziemlicher
Deutlichkeit &longs;ehen kan, ungemein weit er&longs;trecken.
Worinn aber die&longs;es Vermögen des men&longs;chlichen Auges,
&longs;eine Einrichtung für nähere und entferntere Gegen&longs;tände
zu ändern, eigentlich be&longs;tehe, darüber &longs;ind die
Meinungen &longs;ehr getheilt. Kepler (Dioptr. prop. 64.)
glaubte, wenn man nahe Gegen&longs;tände betrachte, &longs;o mache
der Stralenkörper (corpus ciliare) durch &longs;eine Zu&longs;ammenziehung
das Auge länger, indem er die glä&longs;erne Feuchtigkeit
drücke, welche daher die Kry&longs;tallin&longs;e vorwärts treibe,
und weiter von der Netzhaut entferne. Die&longs;e Meinung
hat Porterfield (Treati&longs;e on the eye. Edinb. 1759.
II. Vol. 8.) mehr ausge&longs;chmückt, und behauptet, im natürlichen
Zu&longs;tande &longs;ey der Stralenkörper &longs;chlaff und das
Auge kürzer, daher man entfernte Gegen&longs;tände ohne An&longs;trengung
betrachten könne; nahe Gegen&longs;tände deutlich zu
&longs;ehen, mü&longs;&longs;e der Stralenkörper zu Verlängerung des Auges
wirken, daher es durch die&longs;e An&longs;trengung ermüde.
Scheiner und Descartes (Dioptr. c. 3.) nahmen an,
durch die Zu&longs;ammenziehung des Stralenkörpers werde
vielmehr die Ge&longs;talt der Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t convexer; und
überhaupt, &longs;agt der letztere, wird die Figur des Auges, ja
&longs;ogar eines Theils vom Gehirn verändert, wodurch die
Seele die Entfernungen zu &longs;chätzen weiß. Die&longs;er Meinung,
in &longs;o fern &longs;ie die Kry&longs;tallin&longs;e betrift, i&longs;t Iurins
Hypothe&longs;e (vom deutl. Sehen im Smith nach Kä&longs;tner
S. 497.) gerade entgegenge&longs;etzt. Er meint, für entlegnere
Sachen zögen &longs;ich die Stralenfa&longs;ern zu&longs;ammen, und
brächten die vordere Seite der Kap&longs;el der Kry&longs;tallin&longs;e etwas
vorwärts und auswärts, dadurch fließe das Wa&longs;&longs;er
in der Kap&longs;el von der Mitte nach dem erhabnen Theile
hin, die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit aber von dem erhabnen
Theile der Kap&longs;el nach der Mitte, und die Vorderfläche
der Lin&longs;e werde weniger convex. Für nähere Gegen&longs;tände
wirke ein Muskelring an der Iris, der die Hornhaut erhabner
mache. Pemberton glaubt, die Kry&longs;tallin&longs;e
&longs;elb&longs;t &longs;ey mit muskulö&longs;en Fibern ver&longs;ehen, welche ihren
Flächen die für die Entfernung der Gegen&longs;tände gehörige
Krümmung gäben. Mu&longs;&longs;chenbroeck (Introd. ad philo&longs;.
nat. To. II. §. 1884.), oder vielmehr
Eben &longs;o &longs;ehr &longs;ind die Meinungen über die Ur&longs;ache
der allgemein bekannten Verengerung der Pupille bey &longs;tarkem
Lichte, und ihrer Erweiterung im Dunkeln, getheilt.
Die&longs;e unwillkührliche Bewegung kan leicht vor dem Spiegel
wahrgenommen werden, wenn man das Auge bey &longs;tarker
Erleuchtung abwech&longs;elnd mit der Hand deckt und frey
lä&longs;t. Auch i&longs;t &longs;ie &longs;chon von Galen und den Arabern erwähnt
worden. Scheiner (Oculus p. 31.) bemerkt auch,
daß &longs;ich der Stern bey Betrachtung einer nahen Sache,
z. B. einer Nadel, verengere, und, wenn &longs;ie entfernt wird,
wieder öffne. Auch erweitert &longs;ich der Stern bey der Blindheit,
bey Wahnwitzigen, beym Schlagfluß, Ein&longs;chläfern
durch Opium, Fieberphanta&longs;ien, überhaupr bey vielen
Krankheiten, die das Gehirn betreffen, und im Tode
&longs;elb&longs;t. Man hat zu Erklärung die&longs;er Bewegungen der
Iris Muskelfibern angenommen, von welchen die geraden
zu Erweiterung, die ringförmigen zu Verengerung der
Oeffnung dienen &longs;ollten. Dies haben viele große Zergliederer
wie Rau, Ruy&longs;ch, Hei&longs;ter, Winslow, angenommen,
denen auch Porterfield bey&longs;timmt. Mery,
Mdrgagni, Zinn und Haller aber haben wenig&longs;tens
die ringförmigen nicht finden können. Der letztere fand
durch Ver&longs;uche die Iris nicht reizbar, und da er Reizbarkeit
für ein we&longs;entliches Kennzeichen der Muskelfa&longs;er hält,Demours hat in der Iris keine Reizbarkeit gefunden.
Fontana ließ Licht&longs;tralen durch einen papiernen Kegel
auf die Iris eines Thiers fallen, welche dadurch nicht
im gering&longs;ten bewegt wurde. Lambert (Photometrie
S. 371.) ließ vor einem Spiegel durch ein Lin&longs;englas das
Bild der Lichtflamme blos auf die Iris eines &longs;einer Augen
fallen; aber beyder Augen Oefnungen blieben gleich groß;
&longs;obald hingegen noch &longs;o wenig von dem Lichtbilde auf die
Pupille &longs;elb&longs;t fiel, ward die letztere kleiner, und dreymal &longs;o
klein, als die im andern Auge, wenn das ganze Bild der
Flamme darauf fiel. Dies bewei&longs;t nun wohl, daß das
Zu&longs;ammenziehen von demjenigen Lichte ent&longs;tehe, was auf
die Netzhaut fällt. Hartley (Ob&longs;ervations on Man,
Vol. I. p. 219.) vermuthet deswegen, daß Nervenä&longs;te
aus der Netzhaut in die Iris laufen; die Phy&longs;iologen der
Stahli&longs;chen Schule la&longs;&longs;en die Seele &longs;elb&longs;t den Stern erweitern,
wenn &longs;ie findet, daß ihr der Ueberfluß des Lichts
nicht &longs;chaden könne. Nach Hallern (Phy&longs;iolog. To. V.
p. 378.) erregt der Reiz des Lichts auf der Netzhaut einen
plötzlichen Zu&longs;ammenfluß der Säfte in die Gefäße und Zä&longs;erchen
der Iris, wodurch &longs;ich die&longs;e verlängern, und die
Oefnung enger machen. Die Erweiterung der Oefnung
i&longs;t die Rückkehr in den natürlichen Zu&longs;tand. Den Reiz
des &longs;tarken Lichts fühlt man mit Schmerz, wenn man in
die Sonne &longs;ieht, und ein allzu&longs;tarker Reiz kan das ganze
Werkzeug des Sehens zer&longs;tören. Er führt noch an, daß
er an einer er&longs;äuften Katze 23 Stunden nach dem Tode
an der gelinden Wärme des Ofens die &longs;ehr erweiterte Oefnung
des Augen&longs;terns &longs;ich fe&longs;t wieder habe &longs;chließen ge&longs;ehen,
wo al&longs;o der bloße Reiz der Wärme die Kräfte, welche
die Iris erweitern, in Bewegung ge&longs;etzt habe. Fontana
hält vielmehr den zu&longs;ammengezognen Zu&longs;tand des Augen&longs;terns
für den natürlichen, und leitet die Erweiterung von
einer Verminderung der Säfte in der Iris her.
Unmittelbare Ur&longs;achen der Blindheit &longs;ind unter andern
Verdunkelung oder Undurch&longs;ichtigwerden der Kry&longs;tallin&longs;e,graue Stahr (cataracta, cataracte), und Lähmung
oder Unempfindlichkeit des Sehnerven und der Netzhaut,
der
Mu&longs;&longs;chenbroek Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. c. 35. 36.
Zinn de&longs;criptio anatomica oculi humani. Gotting. 1755. 4.
v. Haller Elem. Phy&longs;iolog. To. V. L. 19.Licutaud Zergliederungskun&longs;t,
mit Portals Anm. aus dem Franz. mit Zu&longs;ätzen.
Leipzig 1782. 8. II. Band. Cap. 5. Ab&longs;chn. 2. Prie&longs;tley Ge&longs;chichte
der Optik, durch Klügel an mehreren Stellen.
Augenglas, &longs;. Fernrohr.
Die Fähigkeit der Körper, &longs;ich in einen größern Raum ausdehnen
oder verbreiten zu la&longs;&longs;en, &longs;. Ausdehnung (Dilatatio).
Der Körper, der die&longs;e Fähigkeit be&longs;itzt, heißt ausdehnbar.
Fa&longs;t alle bekannte Körper &longs;ind ausdehnbar.
Das Wort i&longs;t von Dehnbarkeit (Ductilitas) zu unter&longs;cheiden,
&longs;. Dehnbarkeit.
Das allgemeine Phänomen der Körper, vermöge de&longs;&longs;en
ein jeder in einem Raume enthalten zu &longs;eyn &longs;cheint, den
man nach dreyerley auf einander &longs;enkrecht &longs;tehenden Richtungen
abme&longs;&longs;en, oder in welchem man Länge, Breite und
Höhe unter&longs;cheiden kan. Die &longs;innlichen Eindrücke, welche
die Körper auf uns machen, belehren uns davon, daß ihre
Theile neben einander liegen, und daß die Stellen,
welche wir uns im Innern eines Körpers gedenken können,
von den Theilen des Körpers &longs;elb&longs;t nach allen möglichen
Richtungen umgeben werden, weil uns des Körpers äu&longs;&longs;erekörperlicher
Raum, körperliche Ausdehnung, bezeichnen, und
da wir dies an allen Körpern ohne Unter&longs;chied wahrnehmen,
und es al&longs;o nothwendig mit dem Begriffe von Körpern
überhaupt, der aus den &longs;innlichen Eindrücken abgezogen
i&longs;t, verbinden, &longs;o können wir uns keinen Körper anders,
als ausgedehnt, denken, daher die mei&longs;ten Phy&longs;iker
die Ausdehnung eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der Körper
oder der Materie nennen.
Denkt man &longs;ich die Materie des Körpers aus die&longs;em
Raume hinweggenommen, doch &longs;o, daß die Vor&longs;tellung
des Raumes &longs;elb&longs;t noch zurückbleibt, &longs;o hat man das, was
den Namen des geometri&longs;chen Raumes, der geometri&longs;chen
Ausdehnung führt, und de&longs;&longs;en Grenzen auf
die Begriffe von Flächen, Linien, Punkten leiten. Der
Geometer betrachtet die&longs;en Raum als eine &longs;tetige Größe
(continuum), deren Theile im ununterbrochen&longs;ten Zu&longs;ammenhange
fortgehen, wo zwi&longs;chen dem Ende des einen und
dem Anfange des folgenden Theils nichts i&longs;t, was nicht
zum Ganzen &longs;elb&longs;t mit gehörte. Er &longs;ieht die&longs;en Raum an
als vollkommen ausgefüllt durch &longs;eine Theile; daher kan
er| ihn auch &longs;o lange er will, d. h. ohne Ende theilen, weil
in dem Begriffe, den er &longs;ich davon macht, nichts liegt,
was der Möglichkeit einer fortge&longs;etzten Theilung je entgegen&longs;tünde.
Denkt man &longs;ich aber die Materie des Körpers wieder
in die&longs;en Raum gebracht, &longs;o füllt hn die&longs;e nicht &longs;o &longs;tetig,
&longs;o vollkommen aus, wie ihn der Geometer ausgefüllt
annahm. Sie lä&longs;t leere unausgefüllte Zwi&longs;chenräume
(&longs;. Leere, zer&longs;treute), und der ab&longs;olut volle Raum
des Descartes i&longs;t läng&longs;t aus der be&longs;&longs;ern Naturlehre verwie&longs;en.
Die&longs;e Zwi&longs;chenräume darf der Phy&longs;iker nicht &longs;o
in den phy&longs;ikali&longs;chen Körper mit einrechnen, wie der Geometer
alle Theile des Raums ohne Unter&longs;chied zu dem geometri&longs;chen
Körper rechnet. Dies i&longs;t nun eine Betrachtung,&longs;.
Theilbarkeit. Es lä&longs;t &longs;ich hier wenig&longs;tens als möglich an&longs;ehen,
daß es gewi&longs;&longs;e letzte Theile der Materie (&longs;. Atomen),
geben könnte, welche an &longs;ich nicht weiter theilbar wären.
Ob nun die&longs;e letzten Theile noch ausgedehnt &longs;eyn oder &longs;cheinen
würden, darüber haben wir wenig&longs;tens keine Erfahrungen,
weil wir &longs;olche letzte Theile nie einzeln und abge&longs;ondert
ge&longs;ehen haben. Prie&longs;tley hat &longs;ich die Materie als
eine Menge von Kräften vorge&longs;tellt, die &longs;ich auf mathemati&longs;che
Punkte bezögen, und unter dem Worte Materie
wird man ähnliche Vor&longs;tellungsarten andrer Weltwei&longs;en
antreffen. So viel &longs;ich metaphy&longs;i&longs;ch dagegen di&longs;putiren
lä&longs;t, &longs;o i&longs;t es doch unmöglich, durch Erfahrung etwas darüber
auszumachen. Die&longs;e Betrachtungen haben mich bewogen,
die Ausdehnung nicht eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft
der Materie, &longs;ondern ein allgemeines Phänomen der Körper
zu nennen, da das We&longs;en der Materie vor &longs;terblichen
Augen verborgen i&longs;t.
Die Art, wie Körper ihren Raum einnehmen, i&longs;t
von der Art, wie &longs;ich der Geometer den Raum ausgefüllt
denkt, gerade &longs;o unter&longs;chieden, wie die Ausfüllung eines
Maaßes durch Körner von dem ganzen Raume des Maaßes
&longs;elb&longs;t, wie der aus zählbaren Mengen be&longs;tehende
Gegen&longs;tand der Rechenkun&longs;t von dem meßbaren Gegen&longs;tande
der Geometrie. Wer das We&longs;en der Materie durch&longs;chauen
könnte, mü&longs;te anzugeben vermögen, wie viel er&longs;te
Theile, wie viel Atomen in jedem Körper vorhanden wären.
Obgleich dies unmöglich i&longs;t, &longs;o werden wir doch
durch das Gewicht der Körper davon belehrt, wie &longs;ich
die&longs;e Mengen von Materie in ver&longs;chiednen Körpern gegen
einander verhalten, &longs;. Ma&longs;&longs;e. Der Raum, den die Körper
einzunehmen &longs;cheinen, durch geometri&longs;che Ausme&longs;&longs;ung
be&longs;timmt, heißt ihr Volumen; die&longs;es mit dem durchs
Gewicht be&longs;timmten Verhältni&longs;&longs;e der Ma&longs;&longs;en verglichen,
führt auf die Begriffe von Dichte, &longs;pecifi&longs;cher Schwere,
worauf &longs;ich ein großer Theil desjenigen gründet, was
wir von den Körpern wi&longs;&longs;en.
Dilatatio, Expan&longs;io,
Dilatation, Expan&longs;ion. Die Verbreitung eines
Körpers durch einen größern Raum, als er vorher einnahm,
oder die Vergrößerung &longs;eines Volumens. Da
hiebey vorausge&longs;etzt wird, daß der Körper der&longs;elbe bleibe,
oder daß die Menge &longs;einer Materie nicht verändert werde,
&longs;o erfordert die Ausdehnung, daß &longs;ich &longs;eine Theilchen weiter
von einander entfernen, und größere Zwi&longs;chenräume
zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en mü&longs;&longs;en, d. i. daß der Körper dünner
werde, daher die Ausdehnung in die&longs;er Rück&longs;icht auch
Die Hauptur&longs;achen der Ausdehnung der Körper &longs;ind
die Wärme, welche fa&longs;t alle bekannte Körper ausdehnt
(&longs;. Wärme), und die Ela&longs;ticität, vermöge welcher &longs;ich
Körper, wenn &longs;ie durch irgend eine äußere Kraft zu&longs;ammengepreßt
waren, &longs;obald die&longs;e Kraft zu wirken aufhört,
oder &longs;chwächer wird, von &longs;elb&longs;t in einen größern Raum
ausdehnen, &longs;. Ela&longs;ticität. So wird die Luft durch die
Wärme ausgedehnt, und da &longs;ie &longs;chon in dem Zu&longs;tande,
in welchem &longs;ie &longs;ich um uns her befindet, zu&longs;ammengedrückt
i&longs;t, &longs;o dehnt &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t aus, &longs;obald ihr Raum dazu
gegeben wird.
Einige Schrift&longs;teller haben die Namen Ausdehnung
und Verdünnung unter&longs;cheiden, und den er&longs;ten
für die Wirkung der Ela&longs;ticität, den zweyten für die Wirkung
der Wärme brauchen wollen; da aber jede Ausdehuung
mit Verdünnung begleitet, und überdies das, was
die Wärme thut, im Grunde nichts anders, als eine Ver&longs;tärkung
der &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticität i&longs;t, &longs;o &longs;ehe ich keinen
Grund, einen &longs;olchen Unter&longs;chied einzuführen.
Die Ausdehnung i&longs;t der Zu&longs;ammendrückung, Zu&longs;ammenziehung
oder Verdichtung entgegenge&longs;etzt.
So nennt man die Auflö&longs;ung flüßiger Materien
und be&longs;onders des Wa&longs;&longs;ers in der Luft, durch welche der
Luftkreis unaufhörlich mit Dün&longs;ten, d. i. mit aufgelö&longs;ten
Theilen der Körper und mit Feuchtigkeit erfüllt wird.
Fa&longs;t aus allen flüßigen, ja auch aus vielen fe&longs;ten
Körpern &longs;teigen, wenn &longs;ie der Luft ausge&longs;etzt &longs;ind, Theile
in die&longs;elbe auf, durch deren Abgang das Gewicht der
Körper vermindert wird. Man findet, daß die&longs;er Uebergang
der Theile durch größere Wärme, Sonnen&longs;chein,
Reinigkeit der Luft, größere Oberfläche, Bewegung
der Luft rc. ver&longs;tärkt wird. Die&longs;e fremdartigen
Theilchen machen die Luft nicht undurch&longs;ichtig, la&longs;&longs;en
&longs;ich auch nicht leicht in der&longs;elben bemerken. Sie erheben
&longs;ich aber im Luftkrei&longs;e oft zu beträchtlichen Höhen,
und vereinigen &longs;ich endlich durch irgend eine im Luftkrei&longs;e
vorgehende Veränderung in kleine Ma&longs;&longs;en, welche
der Luft ihre Durch&longs;ichtigkeit benehmen, und die Be&longs;tandtheile
der Wolken ausmachen.
Be&longs;onders i&longs;t das Wa&longs;&longs;er die&longs;em Uebergange &longs;einer
Theile in die Luft in einem &longs;ehr hohen Grade ausge&longs;etzt,
und obgleich einige flüchtige Gei&longs;ter, z. B. der Aether,
der rauchende Salpetergei&longs;t, die flüchtige Schwefel&longs;äure
rc. noch weit &longs;chneller, als das Wa&longs;&longs;er, verdün&longs;ten, &longs;o
macht doch die große Menge des auf der Erdoberfläche
verbreiteten und in den Körpern enthaltenen Wa&longs;&longs;ers,
daß man die&longs;e Materie allerdings für den vornehm&longs;ten
Stoff halten muß, mit welchem &longs;ich die Luft bey der Ausdün&longs;tung
verbindet, und welcher das Vehikulum &longs;ehr vieler
übrigen in den Luftkreis auf&longs;teigenden Theile i&longs;t. Daher
hat auch die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers die Phy&longs;iker
von jeher am mei&longs;ten be&longs;chäftiget. Sie i&longs;t ohne Zweifel
die Hauptur&longs;ache der mei&longs;ten im Luftkrei&longs;e vorgehenden
Veränderungen, und macht in die&longs;er Rück&longs;icht einen
&longs;ehr wichtigen Gegen&longs;tand der Naturlehre aus.
Man hat durch die Werkzeuge, welche die Größe
der Ausdün&longs;tung zu be&longs;timmen dienen (&longs;. Atmometer),
gefunden, daß in der Gegend von Paris die Ausdün&longs;tung
des Wa&longs;&longs;ers, wenn &longs;ie über die Oberfläche,
von welcher &longs;ie auf&longs;tieg, wieder ergo&longs;&longs;en würde, jährlich
28 bis 30 Zoll Höhe betragen würde. Nach Sedileau
(Mém. de l' acad. des &longs;c, de Paris 1792.) war
die Ausdün&longs;tung in Paris
Rechnet man 30 Zoll jährlich als eine Mittelzahl,
&longs;o beträgt die jährliche Ausdün&longs;tung aus jedem Quadratfuße
Wa&longs;&longs;erfläche drey Cubikfuß; und wenn die halbe
Oberfläche der Erde mit Wa&longs;&longs;er bedeckt i&longs;t, &longs;o &longs;teigen jährlich
168 1/2 Cubikmeilen Wa&longs;&longs;er daraus in die Atmo&longs;phäre.
Setzt man hiezu die Ausdün&longs;tung der thieri&longs;chen Körper,
welche für einen mittelmäßigen Men&longs;chen jährlich auf 8
Zoll &longs;teigt, und für hundert Millionen Men&longs;chen allein
1280 Millionen Cubikfuß austrägt, ferner die Ausdün&longs;tung
der Pflanzen, welche bey der Sonnenblume (Helianthus
annuus) nach Hales in einem Sommertage auf (1/40)
Zoll &longs;teigt, und die des feuchten Landes, welche in England
jährlich 8 Zoll betragen &longs;oll, ingleichen des &longs;ehr &longs;tark ausdün&longs;tenden
Ei&longs;es, &longs;o &longs;ieht man wohl, daß die Atmo&longs;phäre
durch die Ausdün&longs;tung mit einer ungemeinen Menge von
Sub&longs;tanzen ver&longs;ehen werde, welche &longs;ich in ihr auf ver&longs;chiedene|
Die Theorie der Ausdün&longs;tung hat die Phy&longs;iker von
jeher be&longs;chäftiget. Es i&longs;t die Frage davon, auf welche
Art die Körper &longs;o getheilt werden können, daß &longs;ie in der
Luft, als einer leichtern Materie, auf&longs;teigen, und eine längere
oder kürzere Zeit &longs;chwebend erhalten werden können.
Man hat hierüber &longs;eit den älte&longs;ten Zeiten mancherley Hypothe&longs;en
ausgedacht, deren Fehler vornehmlich darinn be&longs;tehen,
daß jeder Raturfor&longs;cher den Grund aller Phänomene
der Dün&longs;te in einer einzigen Ur&longs;ache gefunden zu
haben glaubte, da &longs;ich doch hiebey gewiß mehrere Ur&longs;achen
mit einander vereinigen. Da die Wärme oder das Feuer
in die Ausdün&longs;tung einen &longs;o merklichen Einfluß hat, &longs;o
hat &longs;chon Ari&longs;toteles (Meteorologic. L. I. c. 9.) die
Ent&longs;tehung der Dün&longs;te der Wirkung oder dem Stoße des
Feuers zuge&longs;chrieben. Einige neuere &longs;ind ihm hierinn gefolgt.
's Grave&longs;ande (Elem. Phy&longs;. §. 2543.) glaubt,
der Stoß allein reiche zwar nicht hin, aber die Wa&longs;&longs;ertheilchen
würden durch die Wirkung der Wärme verdünnt,
und &longs;pecifi&longs;ch leichter gemacht, &longs;o daß &longs;ie den hydro&longs;tati&longs;chen
Ge&longs;etzen gemäß &longs;o hoch auf&longs;tiegen, bis &longs;ie eine Luft&longs;chicht
von gleicher &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit anträfen. Wenn
man bedenkt, daß das Wa&longs;&longs;er im gewöhnlichen Zu&longs;tande
auf 800mal &longs;chwerer, als die Luft, i&longs;t, und daß dennoch
das Eis &longs;ehr &longs;tark, &longs;elb&longs;t &longs;tärker als Wa&longs;&longs;er, ausdün&longs;tet,
&longs;o wird die&longs;e Erklärung unwahr&longs;cheinlich, da ein &longs;ehr geringer
Grad der Wärme eine 800mal größere &longs;pecifi&longs;che
Leichtigkeit bewirken mü&longs;te. Mu&longs;chenbroek aber (Elementa
phy&longs;. Lugd. 1734. 8.) &longs;ucht die&longs;em Einwurfe durch
folgende Rechnung zu begegnen. ”Die Dämpfe des ko”chenden
Wa&longs;&longs;ers, &longs;agter, &longs;ind 14000mal dünner, als
”das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t; die Hitze, welche die&longs;e Verdünnung
”bewirkt, i&longs;t nach Fahrenheits Thermometer 212 Grad;
”daher kan eine Sommerwärme von 90 Graden noch im”mer
eine 5943fache, und die Temperatur des Eispunkts
”von 32 Graden eine 2113fache Verdünnung bewirken,
”mithin Dämpfe erzeugen, welche weit leichter, als dieReaumürs Scale würde man eben
&longs;o finden, daß die Temperatur des Eispunkts gar keint
Dämpfe mehr erzeugen könnte; &longs;ie hat al&longs;o eigentlich
keine Beweiskraft. Da man aber doch weiß, daß &longs;elb&longs;t
in denen Temperaturen, die wir die kälte&longs;ten nennen,
noch Wärme anzutreffen &longs;ey, &longs;o kan man es wohl als
möglich an&longs;ehen, daß die beym Eispunkte noch anzutreffende
Wärme eine ziemliche Verdünnung bewirken
könnte, welches die Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Zahlen &longs;innlich
machen. Es lä&longs;t &longs;ich aber auch außerdem noch einwenden,
daß die Dün&longs;te, wenn &longs;ie blos der Verdünung der Theile
wegen auf&longs;tiegen, im Winter nicht &longs;o hoch als im Sommer
würden &longs;teigen können; da doch die Beobachtungen
lehren, daß das Auf&longs;teigen oder Niederfallen der Dün&longs;te
keinesweges von der Wärme allein abhange.
Viele Naturfor&longs;cher haben, um die Ent&longs;tehung und
das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te zu erklären, angenommen, daß
die im Wa&longs;&longs;er enthaltene Luft, oder auch das Feuer &longs;elb&longs;t
aus dem Wa&longs;&longs;er kleine Bläschen (bullulas, ve&longs;iculas)
bilde, in welchen eine &longs;ehr verdünnte Luft oder eine andere
äußer&longs;t feine und leichte Materie mit einer dünnen Wa&longs;&longs;erhaut
überzogen &longs;ey. Halley (Philo&longs;. Trans. no. 192.)
&longs;ucht durch &longs;olche Bläschen die Phänomene der Ausdün&longs;tung
zu erklären; Chauvin (Nova circa vapores hypothe&longs;is
in Mi&longs;c. Berol. To. I. p. 120.) und Leibnitz
(De elevatione vaporum et de corporibus, quae ob
inclu&longs;am cavitatem in aëre natare po&longs;&longs;unt, Mi&longs;c. Berol.
To. I. p. 123.) nehmen &longs;olche Bläschen ebenfalls an.
Der letztere berechnet, wenn die im Bläschen einge&longs;chlo&longs;&longs;ene
Luft zehnmal dünner, als die äußere, &longs;ey, &longs;o mü&longs;&longs;e
ein mit der äußern Luft im Gleichgewichte &longs;tehendes Wa&longs;&longs;erbläschen
888mal größer &longs;eyn, als der Raum, den &longs;eine
Wa&longs;&longs;erhaut allein einnehmen würde, und prüft dabey zugleich
den Vor&longs;chlag des Lana, eine luftleere küpferne Kugel
in die Luft zu erheben, &longs;. Aero&longs;tat. Fa&longs;t die mei&longs;ten
Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad philo&longs;. nat. To. II.
§. 2297.) glaubt, die Bewegung der Theile durch den
Stoß des Feuers allein reiche zur Erklärung nicht hin;
die Dün&longs;te mü&longs;ten &longs;on&longs;t &longs;o &longs;chnell, als der abge&longs;cho&longs;&longs;ene
Schrot, auf&longs;teigen, welches man doch nie wahrnehme;
auch verla&longs;&longs;e das Feuer dünne Körper bald. Das Feuer
dringe vielleicht in die Theilchen ein, vergrößere ihren
Durchme&longs;&longs;er, und verwandle &longs;ie in Bläschen, in welchen
eine dünne Wa&longs;&longs;erhaut etwas weniges Feuer um&longs;chließe.
Werde der Durchme&longs;&longs;er nur 10mal vergrößert, &longs;o werde
das Theilchen in den 1000fachen Raum ausgedehnt, al&longs;o
1000mal leichter. Er hält aber doch das Da&longs;eyn der
Bläschen nicht ganz für erwie&longs;en, zumal, da das Eindringen
der Luft &longs;elb&longs;t in &longs;olche hohle Körperchen die ganze Wirkung
wieder vereiteln würde; er nimmt daher noch eine
&longs;chon von Descartes angenommene umdrehende Bewegung
der Wa&longs;&longs;ertheilchen zu Hülfe, und &longs;chließt endlich
doch, das Feuer allein könne nicht die Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens
der Dün&longs;te bis in die Region der Wolken &longs;eyn. Es
komme daher noch die Elektricität zu Hülfe, woraus auch
De&longs;aguliers (Philo&longs;. Transact. no. 407. und Cour&longs;e of
exper. philo&longs;. To. II. lect. 10.) die Sache erklärt hat;
wenn kleine Körper von die&longs;er umgeben wären, würden &longs;ie
von der ebenfalls elektri&longs;chen Luft angezogen; &longs;o &longs;ey das
Feuer (ignis mas) die Ur&longs;ache des er&longs;ten Herausgehens,
und die Elektricität (ignis femina) die Ur&longs;ache des fernern
Auf&longs;teigens der Dün&longs;te, wozu er denn auch noch das unterirdi&longs;che
Feuer, die Gährungen im Innern der Erde,
die Winde rc. hinzu&longs;etzt. Die&longs;e kurze Dar&longs;tellung der
Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Meinungen wird zeigen, wie ungewiß
man damals über die Ur&longs;achen der Ausdün&longs;tung war, und
mich darüber rechtfertigen, daß ich nicht noch mehrere Hypothe&longs;en
hinzu&longs;etze.
Die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Vordeaux &longs;etzte
im Jahre 1743 einen Preis auf die Erklärung des Auf&longs;teigens
der Dün&longs;te, welchen Kratzen&longs;tein (Abhol. vomHamberger (Di&longs;&longs;. &longs;ur la cau&longs;e de l' elevation des vapeurs,
Bordeaux 1743. 4.) beyde erhielten. Der er&longs;tere
hielt &longs;ich ganz an das Sy&longs;tem der Bläschen (Ve&longs;icular&longs;y&longs;tem),
deren Größe und &longs;pecifi&longs;che Schwere er durch
&longs;innreiche Methoden zu be&longs;timmen &longs;uchte, &longs;. Dün&longs;te;
der zweyte erklärte das Auf&longs;teigen durch die Adhä&longs;ion der
Theilchen an Feuer und Luft; an das Wa&longs;&longs;ertheilchen auf
der Oberfläche hängt &longs;ich nach ihm von innen das Feuer,
welches &longs;einen Zu&longs;ammenhang mit dem übrigen Wa&longs;&longs;er
trennt, und von außen die Luft; da aber die Luft &longs;tärker
darauf wirkt, als das Feuer, &longs;o nimmt die&longs;e es an &longs;ich,
und &longs;o wird es aus einer Luft&longs;chicht in die andere erhoben.
In &longs;einen 1750 neu herausgekommenen Elementis phy&longs;ices
aber hat Hamberger die Ausdün&longs;tung gänzlich durch
eine Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in der Luft erklärt, und von der&longs;elben
eben &longs;o, wie von allen andern chymi&longs;chen Auflö&longs;ungen,
Rechen&longs;chaft abzulegen ver&longs;ucht.
Am weitläufig&longs;ten i&longs;t die Theorie der Ausdün&longs;tung
als einer Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in Luft von le Roi
(Mém. &longs;ur l' elevation et la &longs;u&longs;pen&longs;ion de l' eau
dans l' air, in den Mém. de l' acad. de Paris 1751. p.
481.) ausgeführt worden. Seine Sätze verdienen
wohl einige Anführung.
1. Das Wa&longs;&longs;er wird in der Luft wirklich aufgelö&longs;et.
Man werfe an einem heitern Sommertage etwas
Eis in ein recht trocknes Glas. Das Glas wird
davon bald trüb gemacht, und an &longs;einen äußern Wänden
zeigt &longs;ich eine unzählbare Menge kleiner Wa&longs;&longs;ertröpfchen.
Das Wa&longs;&longs;er, das &longs;ich in &longs;o großer Menge an die äußern
Glaswände legt, mu&longs;te doch vorher in der Luft &longs;chweben,
und da es die Heiterkeit und Durch&longs;ichtigkeit der&longs;elben nicht
minderte, mu&longs;te es in ihr vollkommen aufgelö&longs;et &longs;eyn.
2. Die&longs;e Auflö&longs;ung hat gleiche Eigen&longs;chaften
mit den Auflö&longs;ungen der Salze im Wa&longs;&longs;er. Luft
von gegebner Wärme kan nicht mehr als eine be&longs;timmte
Menge Wa&longs;&longs;er in &longs;ich aufgelö&longs;t halten; wird &longs;ie kälter, &longs;o
&longs;chlägt &longs;ich ein Theil des aufgelö&longs;ten Wa&longs;&longs;ers nieder; wirdRoi durch den Ausdruck: Auflö&longs;ung der Salze
in Wa&longs;&longs;er, nur &longs;o viel &longs;agen, es gehe eine wahre chymi&longs;che
Auflö&longs;ung vor; er gebraucht das Bey&longs;piel der
Salze blos, die Sache &longs;innlicher zu machen, weil die
Naturfor&longs;cher damals noch nicht &longs;o, wie jetzt, an die
Sprache der Chymie gewöhnt waren.
Le Roi &longs;chließt aus die&longs;er Theorie, es mü&longs;&longs;e für
jeden Zu&longs;tand der Luft eine gewi&longs;&longs;e Temperatur geben,
bey welcher &longs;ie anfangen würde, einen Theil des in ihr
aufgelö&longs;ten Wa&longs;&longs;ers fallen zu la&longs;&longs;en. Die&longs;e Temperatur
nennt er den Grad der Sättigung der Luft.
Wäre z. B. die&longs;er Grad der Sättigung für einen gewi&longs;&longs;en
Tag der zehnte Grad des Reaumüri&longs;chen Thermometers,
&longs;o würde die Luft, über die&longs;en Grad erwärmt, immer
noch mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;en; gerade auf die&longs;en Grad
erkältet, zwar keines mehr auflö&longs;en, aber auch noch keines
fallen la&longs;&longs;en; unter die&longs;en Grad erkältet aber de&longs;to mehr
fallen la&longs;&longs;en, je mehr &longs;ie erkältet würde. Ergiebt Methoden
an, die&longs;en Grad der Sättigung zu jeder Zeit zu be&longs;timmen,
und &longs;chlägt Beobachtungen hierüber, mit andern
meteorologi&longs;chen Wahrnehmungen verglichen, als die be&longs;ten
Mittel vor, die wahren Ur&longs;achen der veränderlichen
Auflö&longs;ungskraft der Luft zu entdecken, &longs;. Hygrometer.
Man könnte gegen die&longs;e Theorie des le Roi einwenden,
das Wa&longs;&longs;er dün&longs;te nach Wallerius (&longs;chwed. Abhdl.
1740. S. 27.) auch im luftleeren Raume aus; allein da
unter der Glocke der Luftpumpe eine &longs;o große Menge Luft
aus dem Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t hervorgehet, &longs;o kan ein Raum, in
welchem Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet, nie vollkommen luftleer &longs;eyn.
Die neu&longs;te und vorjetzt die befriedigend&longs;te Theorie
der Ausdün&longs;tung hat Herr de Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrometrie.
a Neuchâtel. 1783. 8. E&longs;&longs;ai III.) vorgetragen.
Außerdem aber lö&longs;et auch die Luft das Wa&longs;&longs;er auf, und verbindet &longs;ich vorzüglich &longs;ehr leicht mit dem durchs Feuer hervorgebrachten ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben, wenn er nicht mehr Kraft genug hat, die Luft aus der Stelle zu treiben. Nach Herrn de Sau&longs;&longs;ure &longs;oll die Luft das Wa&longs;&longs;er gar nicht unmittelbar auflö&longs;en, &longs;ondern blos &longs;ich mit dem ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben vermi&longs;chen, oder es &longs;oll keine Ausdün&longs;tung ohne Verdampfung geben. Ausdün&longs;tung i&longs;t al&longs;o nach ihm Au&longs;lö&longs;ung der ela&longs;ti&longs;chen Dämpfe des Wa&longs;&longs;ers in der Luft.
Hieraus erklärt &longs;ich nun leicht das Phänomen, daß
die Ausdün&longs;tung Kälte erzeugt. Richmann (Nov.
Comm. Petropol. To. I. p. 290.) und von Mairan
(Di&longs;&longs;. &longs;ur la glace, P. II. Sect. 2. ch. 8. et 9.) hatten
&longs;chon bemerkt, daß das Thermometer fällt, wenn man
&longs;eine Kugel aus dem Wa&longs;&longs;er zieht und an der Luft trocknen
lä&longs;t, oder wenn man &longs;ie abwech&longs;elnd befeuchtet und trocknen
lä&longs;t, allein &longs;ie &longs;chrieben das Phänomen nicht der wahren
Ur&longs;ache zu. Cullen (Edinburgi&longs;che Ver&longs;uche, Th. II.)
leitete es zuer&longs;t von der Ausdün&longs;tung her. Franklin be&longs;chreibtCD (Taf. III. Fig. 32.), an deren Enden
&longs;ich zwo luftleere und halb mit Wa&longs;&longs;er oder Weingei&longs;t
gefüllte Kugeln A und B befinden. Hält man beyde Kugeln
in den Händen, &longs;o zeigt &longs;ich keine Bewegung; hält
man aber nur die eine Kugel, indem die andere kalt bleibt,
&longs;o geht das Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich aus der erwärmten in die kalte
über, und kocht darinn &longs;o lange, als man die leere Kugel
in der Hand behält. So lange die&longs;e Kugel noch Wa&longs;&longs;er
enthält, das &longs;ich in Dämpfe verwandlet, bleibt &longs;ie immer
kalt, &longs;o warm auch die Hand &longs;eyn mag; &longs;obald aber das
Wa&longs;&longs;er heraus i&longs;t, wird &longs;ie &longs;ogleich warm. Sie entzog
nemlich vorher der Hand die Wärme, die zur Verdampfung
verwendet ward, und erregte dadurch Empfindung
der Kälte.
Auch erklärt &longs;ich, warum Wind oder Bewegung der Luft die Ausdün&longs;tung in &longs;o hohem Grade befördere. Die Winde erneuren die Luft um den ausdün&longs;tenden oder trocknenden Körper be&longs;tändig, und führen neue noch nicht ge&longs;ättigte Luft herbey, welche die Dämpfe &longs;chneller auflö&longs;et. Daher trocknen die Winde &longs;o &longs;chnell.
Die Wärme befördert die Ausdün&longs;tung, 1) weil &longs;ie mehr Elementarfeuer herbeybringt, 2) weil &longs;ie die auflö&longs;ende Kraft der Luft ver&longs;tärkt, 3) weil &longs;ie Bewegungen in der Luft verur&longs;achet.
Die nicht in der Luft aufgelö&longs;ten Dämpfe &longs;etzen &longs;ich
an den Oberflächen kalter Körper als Thau oder Kry&longs;tallen
an. Finden &longs;ie keinen kalten Körper hierzu, &longs;o vereinigen
&longs;ie &longs;ich in Tropfen, Nadeln oder Bläschen, und geben
dadurch die Anlagen zu Regen, Schnee, Wolken und
Nebeln, &longs;. Dün&longs;te.
In dünnerer Luft en&longs;tehen zwar wegen des geringern
Drucks die Dämpfe leichter, es wird aber auch weniger
davon in der Luft aufgelö&longs;et. Daher i&longs;t die Ausdün&longs;tung
in dünnerer Luft &longs;chwächer, wofern nicht das Wa&longs;&longs;er &longs;ehr
warm i&longs;t, und durch kalte Oberflächen ein be&longs;tändiger Nieder&longs;chlag
bewirkt wird. Man &longs;ieht bisweilen unter der
Glocke der Luftpumpe, bald nach den er&longs;ten Zügen, eineNollet (Leçons
de Phy&longs;ique exp. To. III. p. 364.) hatte die&longs;en
Dun&longs;t &longs;chon bemerkt, glaubte, er ent&longs;tehe aus der Luft,
die bey der Verdünnung Feuchtigkeit fallen la&longs;&longs;e, und erklärte
&longs;o die Ent&longs;tehung des Regens bey verdünnter Luft.
De Sau&longs;&longs;ure hingegen zeigt, er ent&longs;tehe aus dem feuchten
Körper der Luftpumpe, de&longs;&longs;en Feuchtigkeit bey vermindertem
Drucke der Luft mehr verdampfe, die näch&longs;ten Luft&longs;chichten
bald &longs;ättige, und durch den Ueberfluß einen bla&longs;enförmigen
Nieder&longs;chlag bilde, den aber die folgenden
Luft&longs;chichten bald auflö&longs;en. Eben die&longs;er Dampf er&longs;cheint
auch, wenn man verdichtete Luft wieder verdünnet, aus
gleichen Ur&longs;achen.
Daß die Ausdün&longs;tung durch ein mechani&longs;ches
Fortreißen der Wa&longs;&longs;ertheilchen vom Feuer bewirkt werde,
haben viele daher bewei&longs;en wollen, weil man Abends
nach Sonnenuntergang eine &longs;o &longs;tarke Ausdün&longs;tung des &longs;ich
abkühlenden Erdbodens wahrnimmt. Allein de Sau&longs;&longs;ure
zeigt &longs;ehr wohl, daß hiebey die Ausdün&longs;tung nicht &longs;tärker,
nur wegen der kühlen Luft &longs;ichtbarer &longs;ey. Wa&longs;&longs;er über
dem Feuer dün&longs;tet nicht wegen des ausgehenden Feuers
aus. Denn wenn die Mündung des Gefäßes in ein anderes
gleich heißes geht, &longs;o i&longs;t die Ausdün&longs;tung weit &longs;tärker,
obgleich alsdann gar kein Feuer aus dem Wa&longs;&longs;er herausgeht;
daher darf auch beym De&longs;tilliren die Vorlage
nicht allzuplötzlich oder zu &longs;tark erkältet werden. Mechani&longs;che
Austreibung würde auch das Schweben der Dün&longs;te
in der Luft nicht erklären, welches eine Fe&longs;thaltung durch
chymi&longs;che Auflö&longs;ung anzeigt.
Die Stärke der Ausdün&longs;tung hängt von Wärme des
Wa&longs;&longs;ers, Größe der Oberfläche, Wärme, Trockenheit,
Bewegung und Dichte der Luft ab. Sie wird durch
Werkzeuge geme&longs;&longs;en, von welchen das Wort Atmometer
nachzu&longs;ehen i&longs;t.
Das Eis dün&longs;tet, wie &longs;chon Plinius (Hi&longs;t. natur.
XXXI. 3.) bemerkt hat, &longs;ehr &longs;tark aus. Doch vermindertGauteron (Mém.
de l' acad. de Paris. 1708. p. 451.) bemerkt haben will,
daß es bey &longs;tärkerm Fro&longs;te &longs;tärker dün&longs;te, i&longs;t nach Wallerius
(&longs;chwed. Abhandlung. 1746.) nur für dem Augenblick
der Ent&longs;tehung des Ei&longs;es wahr, in welchem die Ausdün&longs;tung
überhaupt ungewöhnlich &longs;tark i&longs;t, &longs;. Eis.
Volatile Beymi&longs;chungen befördern die Ausdün&longs;tung
des Wa&longs;&longs;ers; &longs;alzige hemmen &longs;ie. Wallerius (a. a. O.)
giebt dies nur für die er&longs;ten 24—28 Stunden zu, nach
deren Verlauf Salzwa&longs;&longs;er eben &longs;o &longs;tark, als reines Wa&longs;&longs;er,
dün&longs;te. Auch will er es nur für Koch&longs;alz und Salpeter zugeben;
Vitriol und Alaun &longs;ollen die Ausdün&longs;tung befördern.
Es bleibt hierinn noch &longs;ehr viel zu unter&longs;uchen
übrig. v. Haller (Mém. de|l' acad. de Paris. 1764.),
der aus der Sole bey Bevieux in der Schweiz durch Ausdün&longs;ten
an der Sonne Salz zu ziehen ver&longs;uchte, fand auch,
daß mehr Salzgehalt die Ausdün&longs;tung &longs;chwäche.
Die neu&longs;ten Ver&longs;uche in Paris und London haben gelehrt, daß Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers negative Elektricität errege—ein Zeichen, daß die auf&longs;teigenden Dün&longs;te &longs;elb&longs;t po&longs;itiv elektri&longs;irt &longs;eyn mü&longs;&longs;en.
Bri&longs;&longs;on Dictionnaire rai&longs;onné de Phy&longs;. art. Evaporation.
Mu&longs;&longs;chenbroek Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. §. 2297.
&longs;qq.Torb. Bergmann phy&longs;. Be&longs;chreibung der Erdkugel durch
Röhl. Greifsw. 1780. §. 106. u. f. de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur
l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai III.
Ef&longs;luvia, Emanationes, Exhalationes,
Emanations, Emi&longs;&longs;ions, Exhalai&longs;ons. Wenn &longs;ich
Theile, die vorher zu einem Körper gehörten, von dem&longs;elben
trennen, und in flüßiger oder wenig&longs;tens &longs;ehr verfeinerter
Ge&longs;talt durch das ihn umgebende Mittel verbreiten,
&longs;o nennt man &longs;owohl die&longs;e Begebenheit, als auch dasjenige
&longs;elb&longs;t, was aus dem Körper herausgeht, einen Ausfluß.
Die Trennung der Ausflü&longs;&longs;e von dem Körper kan auf
mehrere Arten, z. B. durch eine innere Bewegung &longs;einer
Theile, durch Auflö&longs;ung rc. bewirkt werden.
So erzeugen die Verdampfung und Ausdün&longs;tung der
Körper, die Trans&longs;piration der Thiere und Pflanzen, die
Die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e &longs;ind oft von einer bewundernswürdigen
Feinheit. Boyle hat Bey&longs;piele hievon in einer
eignen Schrift (Exerc. de mira &longs;ubtilitate e&longs;&longs;luviorum,
in Opp. Genevae 1680. 4.) ge&longs;ammlet. Ein Gran Mo&longs;chus
kan 20 Jahr lang einen großen Raum mit merklichem
Geruch erfüllen, ungeachtet die Luft alle Tage abgeändert
wird. Eine Ma&longs;&longs;e A&longs;a fötida verlohr des heftigen
Geruchs ohngeachtet in 6 Tagen an freyer Luft nur 1/8 Gran
von ihrem Gewichte, woraus Keil (Introd. ad ver. phy&longs;.
Lect. V.) berechnet, daß die Größe eines jeden Theilchens
geringer, als ein 38 Trilliontheilchen eines Cubikfußes gewe&longs;en
&longs;ey. Die Ausflü&longs;&longs;e dringen daher oft durch die fein&longs;ten
Zwi&longs;chenräume, und werden von andern Körpern,
ohne Zweifel durch eine Wirkung der Anziehung, entweder
auf der Oberfläche fe&longs;tgehalten oder in das Innere einge&longs;ogen.
Die verderblichen Ausflü&longs;&longs;e kranker Körper haben
bisweilen auf wunderbare und fa&longs;t unbegreifliche Arten
Pe&longs;t und andere an&longs;teckende Krankheiten verbreitet. Sennert
(De febribus, L. IV. c. 5.) erzählt, nach der Pe&longs;t
zu Breslau im Jahre 1542 habe ein Pack Leinwand 14
Jahre gelegen, und nach Verlauf die&longs;er Zeit in einer andern
Stadt aufgewickelt, noch eine gefährliche An&longs;teckung
an mehrere Orte verbreitet; und nach Diemerbroek (De
pe&longs;te, L. IV.) &longs;tieß ein Mann in Nimägen etwas Stroh,
worauf ein Pe&longs;tkranker vor acht Monaten gelegen hatte,
das aber den ganzen Winter über der freyen Luft ausge&longs;etzt
gewe&longs;en war, mit dem Fuße fort, und bekam an die&longs;em
Fuße eine Pe&longs;tbeule, ohne Fieber zu fühlen, oder &longs;on&longs;t
krank zu &longs;eyn.
Die men&longs;chlichen und thieri&longs;chen Körper, &longs;o wie die
Pflanzen, verlieren durch die Ausflü&longs;&longs;e bey ihrer Trans&longs;piration
unaufhörlich etwas von ihren Be&longs;tandtheilen, welches
durch Nahrung und andere Zugänge wieder er&longs;etzt
Es i&longs;t daher nicht zu läugnen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der
Körper ein &longs;ehr wirk&longs;ames Mittel &longs;ind, wodurch die Natur,
ganz &longs;till und unbemerkt, manche Veränderung von
großen Folgen hervorbringt. Man hat &longs;ie aber auch
oft zu Erklärungen von Phänomenen und zu Theorien gemißbraucht,
welche nur den Aberglauben und die Betrügerey
zu nähren dienten. Ein Bey&longs;piel hievon i&longs;t die Erklärung
des Phänomens, daß der Wein in den Fä&longs;&longs;ern
trüb wird, wenn in den entfernten Ländern, wo die&longs;er
Wein wuchs, die Trauben reifen. Man hat behaupten
wollen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der reifenden Trauben, die &longs;ich
durch die ganze Atmo&longs;phäre verbreiteten, den Wein an
den entlegen&longs;ten Orten trüb machten, ohne zu bedenken,
daß eine gewi&longs;&longs;e Be&longs;chaffenheit der Luft in die&longs;er Jahrszeit
zugleich die Ur&longs;ache des Reifens und Trübwerdens
&longs;eyn kann. So hat man die fabelhafte&longs;ten Erzählungen
von &longs;ympatheti&longs;chen und antipatheti&longs;chen Wirkungen und
Heilmitteln, von Auf&longs;uchung der Metalle oder Entdeckung
der Mörder durch die Wün&longs;chelruthe, vom Spüren oder
vielmehr Fühlen des Wa&longs;&longs;ers in einer großen Tiefe unter
der Erde, u. dgl. durch Ausflü&longs;&longs;e begreiflich zu machen,
und viele abge&longs;chmackte Mährchen durch ein umgehangenes
Gewand einer phy&longs;ikali&longs;chen Erklärung ihrer verdienten
Verachtung zu entreißen ge&longs;ucht. Ein &longs;olches Verfahren
i&longs;t der Entdeckung und Ausbreitung der Wahrheit ungemein
hinderlich; es zieht von genauer Unter&longs;uchung der
That&longs;achen und von Entlarvung der Betrüger ab, unterhält
die Leichtgläubigkeit, und verführt auch denjenigen
Theil des Publikums, der &longs;on&longs;t wei&longs;e und aufgeklärt &longs;cheinen
will, durch den Vorwand, daß &longs;ich gewi&longs;&longs;e Sachen
doch phy&longs;ikali&longs;ch erklären ließen. Ich läugne nicht, daß
gegen die Ausflü&longs;&longs;e der Körper, die &longs;ich oft &longs;ehr weit verbreiten,
gewi&longs;&longs;e Men&longs;chen, Thiere u. &longs;. w. empfindlicher
als andere &longs;ind; von den Hunden z. B. i&longs;t dies unläugbar;
Man hat auch die elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen
durch Ausflü&longs;&longs;e aus den Körpern zu erklären
ge&longs;ucht. Es kömmt hiebey auf den Begriff an, den man
mit dem Worte Ausfluß verbindet. Ver&longs;teht man darunter
die in der Luft aufgelö&longs;eten Ausdün&longs;tungen oder flüchtigen
Be&longs;tandtheile der Körper, durch welche die&longs;e einen
Abgang ihrer Ma&longs;&longs;e leiden, ihren Geruch verbreiten u. &longs;. f.,
&longs;o &longs;ind die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e, &longs;o fein &longs;ie immer &longs;eyn mögen, doch
noch zu grob, um &longs;ich mit den weit feinern Ur&longs;achen der
Elektricität und des Magneti&longs;mus vergleichen zu la&longs;&longs;en.
Nennt man aber Ausfluß alles ohne Unter&longs;chied, was aus
den Zwi&longs;chenräumen eines Körpers kömmt, &longs;o kan man
es allenfalls zula&longs;&longs;en, die Materien, welche bey den elektri&longs;chen
und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen aus den Körpern
aus&longs;trömen, Ausflü&longs;&longs;e zu nennen, wie z. B. Mu&longs;&longs;chenbroek
und Nollet thun, ob es gleich nicht dem neuern
phy&longs;ikali&longs;chen Sprachgebrauche gemäß i&longs;t.
Da Newton das Licht für einen &longs;olchen Ausfluß
aus den leuchtenden Körpern angenommen bat, &longs;o wird
&longs;eine Theorie des Lichts insgemein das Emanations-
oder Emi&longs;&longs;ions&longs;y&longs;tem genannt.
So heißen ver&longs;chiedene zur elektri&longs;chen Geräth&longs;chaft gehörige Werkzeuge, welche zum Ausziehen der Funken und zur Entladung der Fla&longs;chen und Batterien dienen.
De Romas (Mém. pre&longs;entés à l' Acad. des Sc.
To. II. p. 393.) gab zu &longs;icherer Ausziehung der Funken
aus einer Werter&longs;tange bey Gewittern einen Auslader an.
Die&longs;er be&longs;teht aus einer glä&longs;ernen, etliche Schuh langen,
Röhre, an deren einem Ende &longs;ich eine blecherne Röhre befindet.
Von der blechernen Röhre hängt eine Kette vonde Romas Vor&longs;chrift wenig&longs;tens einen halben Zoll
im Durchme&longs;&longs;er halten, auch &longs;o lang als möglich, und vollkommen
trocken, die Kette aber 10—12 Schuh lang &longs;eyn.
Die Auslader, welche gewöhnlich zu Entladung der
Fla&longs;chen oder Batterien gebraucht werden, be&longs;tehen aus
einem Stabe von Me&longs;&longs;ing (Taf. III. Fig. 33.), der insgemein
in Ge&longs;talt eines C gekrümmt i&longs;t; man macht &longs;ie auch
aus zween Schenkeln, die &longs;ich wie ein Zirkel öfnen la&longs;&longs;en.
Die&longs;er Stab hat an &longs;einen beyden Enden B und C metallene
Knöpfe, und einen nichtleitenden Handgriff D, etwa
von Glas oder gedörrtem Holz, der in der Mitte de&longs;&longs;elben
befe&longs;tiget i&longs;t. Beym Gebrauche faßt man das In&longs;trument
bey dem Handgriff, berührt eine von den bey den Seiten
des geladenen elektri&longs;chen Körpers mit dem eineu Knopfe,
und nähert den andern an die andere belegte Seite,
oder an eine mit der&longs;elben verbundene leitende Sub&longs;tanz A,
&longs;o wird dadurch die Verbindung zwi&longs;chen beyden Seiten
ergänzt, der Schlag bricht aus, und der elektri&longs;che Körper
wird entladen, ohne daß die Hand den Schlag fühlt.
Wenn die Ladung nicht &longs;tark i&longs;t, &longs;o kan man auch ohne
glä&longs;ernen Handgriff den blotzen Stab CB anfa&longs;&longs;en, weil
die Elektricität den Weg durch das Metall nimmt, ohne
in die Hand zu wirken; bey &longs;tärkern Ladungen aber hat
man die Lateralexplo&longs;ion zu fürchten.
Bey Entladung einer Batterie wird insgemein der
Haken an der Seite des Ka&longs;tens, worinn die Fla&longs;chen &longs;tehen,
welcher mit der äußern Belegung verbunden i&longs;t, durch
einen Drath mit dem einen Arme des Ausladers zu&longs;ammengehangen,
der andere Arm aber mit &longs;einem Knopfe an
Es i&longs;t &longs;ehr bequem, die Dräthe B und C an den Enden
zuzu&longs;pitzen, und hohle me&longs;&longs;ingene Kugeln darauf zu
&longs;tecken. Wenn man alsdann die Kugeln abnimmt, &longs;o
kan man vermittel&longs;t der Spitzen eine &longs;tille Entladung ohne
Funken und Schlag bewirken.
Das Taf. III. Fig. 34. vorge&longs;tellte von Henly erfundene
In&longs;trument führt den Namen des allgemeinen
Ausladers ( univer&longs;al di&longs;charger), und i&longs;t zu &longs;ehr vielen
elektri&longs;chen Ver&longs;uchen brauchbar.
Die&longs;es In&longs;trument dient, elektri&longs;che Schläge aus geladenen
Fla&longs;chen oder Batterien durch oder über jeden beliebigen
Körper gehen zu la&longs;&longs;en. Verlangt man z. B.
den Schlag über die Fläche eines Kartenblatts zu führen,
&longs;o lege man das Blatt auf die Scheibe E, und &longs;telle die
Kugeln DD an die Fläche de&longs;&longs;elben, etwa 3/4 Zoll aus einander.
Verbindet man nun den einen Drath CD durchE, &longs;o daß es die Kugeln DD auf beyden Seiten
berühren. Legt man Goldblättchen zwi&longs;chen zwey Stücken
Glas, lä&longs;t &longs;ie an beyden Seiten ein wenig herausgehen,
preßt dann die Glas&longs;tücken mit der Pre&longs;&longs;e zu&longs;ammen,
und legt die herausgehenden Enden der Goldblättchen an
die Enden der Dräthe DD an, &longs;o verbindet der durchgehende
Schlag das Metall &longs;o innig mit dem Gla&longs;e, daß es
davon weder abge&longs;chabt, noch durch die gewöhnlichen Auflö&longs;ungsmittel
herausgebracht werden kan.
Cavallo voll&longs;t. Abhdl. der Lehre von der Elektricität, aus
d. Engl. dritte Aufl. Leipzig 1785. gr. 8. S. 129.
So heißt in der
Sternkunde der Augenblick, in welchem bey Verfin&longs;terungen
oder Bedeckungen ein Ge&longs;tirn aus dem Schatten oder
hinter dem bedeckenden Körper wieder hervortritt. Der
Augenblick, in welchem nach totalen Verfin&longs;terungen ein
Ge&longs;tirn zuer&longs;t wieder &longs;ichtbar zu werden anfängt, heißt
Anfang des Austritts; der Augenblick, in welchem
es ganz vom Schatten oder von dem bedeckenden Körper
verla&longs;&longs;en wird, i&longs;t der gänzliche Austritt.
Bey Durchgängen der Venus und des Merkurs
durch die Sonnen&longs;cheibe heißt Anfang des Austritts
der Augenblick, in welchem der vorangehende Rand des
Planeten den Sonnenrand von innen berührt; gänzlicher
Austritt der, in welchem der nachfolgende Rand
den Sonnenrand von außen berührt, oder der Planet
die Sonnen&longs;cheibe ganz verlä&longs;t, &longs;. Fin&longs;terni&longs;&longs;e, Bedeckungen,
Durchgänge.
Mechani&longs;che Kun&longs;twerke,
Einige Mechaniker haben die Kun&longs;t in Ab&longs;icht auf
dergleichen avtomati&longs;che Werke zu einer bewundernswürdigen
Höhe getrieben. Die mei&longs;te Bewunderung verdienen
diejenigen Avtomate, welche unter der Ge&longs;talt men&longs;chlicher
Figuren allerley men&longs;chliche Handlungen vorzunehmen
&longs;cheinen. Sie heißen Androide (hominem &longs;imulantia.)
Die Tradition &longs;agt von Albert Grot, insgemein
Albertus Magnus genannt, er habe bereits im dreyzehnten
Jahrhunderte ein Avtomat in men&longs;chlicher Ge&longs;talt
verfertiget, welches den Anklopfenden &longs;eine Thüre geöfnet,
und dabey einen Laut, als ob es &longs;ie anredete, von &longs;ich gegeben
habe. So &longs;oll auch Regiomontan nach dem Anführen
des Ramus (Schol. math. L. II. p. 65.) eine
ei&longs;erne Fliege verfertiget haben, welche &longs;ich aus &longs;einer Hand
um die Tafel herumbewegte, und wieder zu ihm zurückkam.
Beyde Erzählungen aber &longs;ind nicht glaubwürdig.
Vaucan&longs;on verfertigte im Jahre 1738 zu Paris
&longs;einen mit Recht &longs;o berühmt gewordenen Flöten&longs;pieler,
welcher von ihm &longs;elb&longs;t (Le Mécani&longs;me du Flûteur automate.
Paris. 1738. über&longs;. im Hamb. Mag. II. B. I. St.)
um&longs;tändlich be&longs;chrieben worden i&longs;t. Die Figur war 5 1/2
pari&longs;er Schuh hoch, &longs;itzend, und mit einem Piede&longs;tal ver&longs;ehen,
in welchem die Haupttheile des Mechani&longs;mus verborgen
waren. Mit einer unglaublichen Ge&longs;chicklichkeit
hatte der Urheber die&longs;es Kun&longs;t&longs;tücks die fein&longs;ten mechani&longs;chen
Hülfsmittel &longs;o zu nützen und zu verbinden gewußt,
daß die&longs;e Ma&longs;chine ver&longs;chiedene mu&longs;ikali&longs;che Stücke auf
der Querflöte mit der grö&longs;ten Genauigkeit in Unter&longs;cheidung
des ver&longs;chiedenen Takts und des Vortrags ausführte,
ohne anders in die Flöte zu wirken, als der Men&longs;ch, nemlich
mit den Lippen zum An&longs;atz, und mit den Fingern zurVaucan&longs;on verfertigte
noch außerdem einen Trommel&longs;chläger, der mit der einen
Hand das Flageolet &longs;pielte, und mit der andern das
Stück auf der Trommel mit einfachen, doppelten und
Wirbel&longs;chlägen begleitete; ingleichen eine Ente, welche
die Körner mit dem Schnabel aufnahm, kaute, ver&longs;chlang,
und durch die natürlichen Wege in einer verdauten Körnern
ähnlichen Ge&longs;talt wieder von &longs;ich gab. Die&longs;e Ente
&longs;chlug mit den Flügeln, richtete &longs;ich auf den Füßen in
die Höhe, drehte den Hals u. &longs;. w., und der Bau ihres
Körpers war der Natur &longs;o viel möglich nachgeahmt.
Die&longs;e Vaucan&longs;on&longs;chen Avtomate be&longs;itzt gegenwärtig Herr
Hofrath Beireis in Helm&longs;tädt.
Die beyden Iaquet Droz in der Chaux-de-Fonds,
Vater und Sohn, haben die&longs;e von Vaucan&longs;on zuer&longs;t in
Aufnahme gebrachte Kun&longs;t noch höher getrieben, und durch
avtomati&longs;che Mechani&longs;men alles ausgeführt, was nur das
fruchtbar&longs;te ganz für die Mechanik gebohrne Genie hat erdenken
können. In der von Herrn Bernoulli herausgegebenen
Be&longs;chreibung des Für&longs;tenthums Wel&longs;ch-Neuenburg
und Vallengin (Sammlung kurzer Rei&longs;ebe&longs;chreib.
er&longs;ter überzähliger Band. Berlin 1783. S. 152 u. f.)
findet &longs;ich eine kurze Anzeige der Werke die&longs;er berühmten
Kün&longs;tler, von deren jüngerem Vaucan&longs;on &longs;elb&longs;t ge&longs;agt
haben &longs;oll, die&longs;er junge Mann fange da an, wo er aufgehört
habe. Die merkwürdig&longs;ten die&longs;er Avtomate &longs;ind
die Figur eines zweyjährigen Kindes, das &longs;itzend an einem
Pulte &longs;eine Feder eintancht, das Ueberflüßige weg&longs;chüttelt,
und alles, was man ihm in franzö&longs;i&longs;cher Sprache vor&longs;agt,
nach&longs;chreibt; eine andere ähnliche Figur, welche mit dem
Bley&longs;tifte kleine Zeichnungen auf einer Schreibtafel verfertiget;
ein Mädchen, das den Flügel &longs;pielt, und ein zu&longs;ammenge&longs;etztes
Stück von 4 1/2 Schuh ins Gevierte und
2—3 Schuh Höhe, welches mancherley Scenen der Natur
Unter den neu&longs;ten Avtomaten hat der in Preßburg
verfertigte Schach&longs;pieler des Herrn von Kempelen
das mei&longs;te Auf&longs;ehen erreget. Be&longs;chreibungen des Aeußern
die&longs;er Ma&longs;chine und ihres Spiels haben Herr von Windi&longs;ch
(Briefe über den Schach&longs;pieler des Herrn von Kempelen.
Ba&longs;el 1783. 8.) und Herr Prof. Hindenburg
(Ueber den Schach&longs;pieler des H. v. K. Leipzig 1784. 8.
auch im Leipziger Magazin zur Naturk. Math. u. Oekon.
1784. drittes Stück) gegeben. Aber den innern Bau
der&longs;elben und die Art der äußern Einwirkung, welche nach
Be&longs;chaffenheit der Züge des Gegners die bewegende Kraft
&longs;o modificirt, daß &longs;ie pa&longs;&longs;ende Gegenzüge bewirkt, hält der
Kün&longs;tler geheim; auch i&longs;t die&longs;e Einwirkung dem Zu&longs;chauer
völlig un&longs;ichtbar, und auf die Walze und das Räderwerk
in einer vor der Figur &longs;tehenden und das Schachbret tragenden
Kommode werden nur vor Anfang des Spiels
flüchtige Blicke erlaubt. Herrn Nicolai Vermuthung
(Be&longs;chreibung einer Rei&longs;e durch Deut&longs;chland. VI. Band),
daß die Sache ein grober Betrug, und ein Knabe in der
Figur verborgen &longs;ey, wird dem, der die Ma&longs;chine ge&longs;ehen
hat, durch den Mangel des Raums, durch die Be&longs;chaffenheit
der Bewegungen &longs;elb&longs;t, und durch das Ein&longs;icht und
Be&longs;cheidenheit verrathende Betragen des Kün&longs;tlers, unwahr&longs;cheinlich.
Auch Herr Lichtenberg (Magazin für
das Neue&longs;te aus der Phy&longs;. III. B. 2. St.) glaubt, die&longs;er
Schach&longs;pieler &longs;ey kein mechani&longs;ches Kun&longs;twerk. Hr. Prof.
Hindenburg hingegen (a. a. O.) vermuthet eine mechani&longs;che
Anordnung, welche Bewegung hervorzubringen
&longs;trebt, aber er&longs;t durch den Zutritt einer Kraft von außen,
vielleicht der magneti&longs;chen, wirklich hervorbringt, und
glaubt, das Spiel der Figur &longs;ey großentheils mechani&longs;ch
Motus automatici,
Mouvemens automatiques, heißen nach
eigentlich wohl Avxometer, Vergrößerungsmaaß,
Auxometrum, Auzometre. Ein
Werkzeug, womit &longs;ich die Stärke der Vergrößerung
bey einem Fernrohre me&longs;&longs;en lä&longs;t.
Man kan zwar durch Berechnung finden, wie &longs;tark
ein Fernrohr vergrößere, &longs;. Fernrohr. Allein, weil man
hiezu die Brennweiten aller Glä&longs;er genau kennen muß, und
in Fällen, wo die Ocularröhre mehrere Lin&longs;en hat, die
Rechnung manchem be&longs;chwerlich fällt, &longs;o haben &longs;chon ältere
Lehrer der Dioptrik, z. B. Wolf (Elem. Dioptr.
Probl. 38.) die Vergrößerung durch die Erfahrung zu finden,
angewie&longs;en. Sie &longs;chreiben vor, Ziegeln auf dem
For&longs;te eines Hau&longs;es mit dem einen Auge durchs Fernrohr,
und zugleich mit dem andern ohne Fernrohr zu betrachten,
das Fernrohr &longs;o zu wenden, daß der Anfang beyder Bilder
auf einander falle, und zu zählen, wie viel mit dem
bloßen Auge ge&longs;ehene Ziegel von dem durchs Fernrohr vergrößerten
Bilde eines einzigen Ziegels verdeckt werden.
Die&longs;e Anzahl, die &longs;ich mit Hülfe des Fernrohrs leicht be&longs;timmen
lä&longs;t, wird die Vergrößerungszahl &longs;eyn. Die&longs;e
Der engli&longs;che Mechaniker Adams hat daher ein
&longs;ehr bequemes Werkzeug hiezu vorge&longs;chlagen, de&longs;&longs;en Be&longs;chreibung
&longs;ich im Rozier (Journal de phy&longs;ique, Janvier
1783. p. 65.) findet. Die Einrichtung de&longs;&longs;elben gründet
&longs;ich auf den Satz, daß die Vergrößerungszahl dem
Quotienten des Durchme&longs;&longs;ers der Oefnung des Objectivs
bd (Taf. III. Fig. 35.) durch fg, oder den Durchme&longs;&longs;er
des hellen Bildes, welches von der Oefnung des
Objectivgla&longs;es auf dem letzten Augengla&longs;e entworfen
wird, gleich &longs;ey. Wenn z. B. beym a&longs;tronomi&longs;chen
Fernrohre die Brennweiten beyder Glä&longs;er in n vereiniget
&longs;ind, &longs;o i&longs;t die Vergrößerungszahl eigentlich = (an/nz)
welches aber wegen der Aehnlichkeit der Dreyecke bnd
und fng eben &longs;o viel als (bd/fg) i&longs;t. Die Dioptrik lehrt,
daß der Satz für alle Fernröhre, auch für die mit mehreren
Ocularen, gelte.
Das Werkzeug &longs;elb&longs;t be&longs;teht aus drey kleinen metallnen
Röhren, die zu&longs;ammenge&longs;choben nur etwa 1 1/4 Zoll lang
&longs;ind, und 11 Linien im Durchme&longs;&longs;er haben. Die er&longs;te
Röhre aben (Taf. III. Fig. 36.) &longs;teckt in der zweyten,
und hat bey d eine Glaslin&longs;e in einiger Entfernung vom
Augenloche C. Die zweyte pmof i&longs;t am Ende mit einer
durch&longs;ichtigen Horn&longs;cheibe bedeckt, die durch Parallel&longs;triche,
welche nur (1/100) Zoll von einander ab&longs;tehen, getheilt
i&longs;t. Die äußer&longs;te Röhre gstr i&longs;t an beyden Seiten offen,
und dient blos dazu, der Scheibe mo den gehörigen Ab&longs;tand
zu geben, damit &longs;ie das Bild der Oefnung des Objectivgla&longs;es
auffangen könne, welches &longs;ich am Ende der
Ocularröhre da, wo man &longs;on&longs;t das Auge anhält, entwirft.
Auf eben die&longs;er Röhre i&longs;t ein Zoll in Zehntheile, und
das eine Zehntel in Hunderttheilchen getheilt.
Der Gebrauch i&longs;t folgender. 1) Man richtet das
Fernrohr &longs;o ein, daß man den Gegen&longs;tand deutlich &longs;ehenaben &longs;o weit aus,
daß man, gegen den Himmel, die Parallel&longs;triche auf
mo durch die Lin&longs;e d deutlich erkennt. 3) Man &longs;etzt
das Auzometer an die Ocularröhre, und ver&longs;chiebt die
Röhre gstr &longs;o lange, bis man durch C das durchs Fernrohr
gemachte Bild auf der Horn&longs;cheibe deutlich &longs;ehen
kan. 4) Man zählt, wie viel Parallel&longs;triche der
Durchme&longs;&longs;er die&longs;es Bildes einnimmt. 5) Man mißt
mit einem Zirkel den Durchme&longs;&longs;er der Oefnnng des Objectivgla&longs;es
in Hunderttheilchen des Zolles, und dividirt
ihn durch die Anzahl der Hunderttheilchen, die &longs;ein
Bild einnimmt. Der Quotient i&longs;t der obigen Theorie
gemäß die Vergrößerungszahl. Nimmt z. B. das
Stralenbild auf der Horn&longs;cheibe 5 Hunderttheile ein,
und i&longs;t der Durchme&longs;&longs;er des Objectivgla&longs;es 1 1/2 Zoll oder
150 Hunderttheile, &longs;o wird die Vergrößerung (150/5) oder
30fach &longs;eyn.
Beym galiläi&longs;chen oder holländi&longs;chen Fernrohre kan die&longs;es Auzometer nicht gebraucht werden, weil man da wegen des hohlen Augengla&longs;es kein eigentliches Bild hat; wohl aber bey Spiegeltele&longs;copen, wenn man es &longs;o anbringt, daß das Bild auf der Horn&longs;cheibe recht deutlich er&longs;cheint.
Lichtenberg Magazin für das Neue&longs;te aus der Phy&longs;ik,
II. B. 2 St. S. 74. u. f.
In der Sphärik oder der Lehre
von den Kugel&longs;chnitten wird die&longs;er Name als ein allgemeines
Kun&longs;twort der geraden Linie PR, Taf. III. Fig. 37.
beygelegt, welche die Mittelpunkte der aus mehreren parallellaufenden
Kugel&longs;chnitten ent&longs;tandenen Krei&longs;e, wie
HI, DE, AQ, FG, KL, mit einander verbindet. Die
Axe PR geht al&longs;o auch durch den Mittelpunkt der Kugek
C, welcher zugleich der Mittelpunkt des grö&longs;ten unter die&longs;en
Krei&longs;en, des Krei&longs;es AQ i&longs;t. Auch &longs;teht &longs;ie &longs;enkrecht
auf den Ebnen aller die&longs;er Krei&longs;e oder Kugel&longs;chnitte.
Wenn man daher aus dem Mittelpunkte eines auf der Kugelfläche
be&longs;chriebenen Krei&longs;es eine Linie auf &longs;eine Ebne
lothrecht aufrichtet, und auf beyden Seiten bis an die Kugelfläche
verlängert, &longs;o i&longs;t die&longs;e des Krei&longs;es Axe.
Stellt man &longs;ich vor, die Kugel würde an den Punkten
P und R fe&longs;tgehalten, und &longs;o um die unbewegliche
Linie PR umgedrehet, &longs;o muß bey die&longs;er Umdrehung jeder
Punkt der Kugelfläche einen von den parallelen
Krei&longs;en be&longs;chreiben, von welchen PR die Axe i&longs;t. Daher
kömmt auch die Benennung, welche ur&longs;prünglich
eine Linie bedeutet, um welche etwas gedreht wird.
So &longs;cheint &longs;ich das ganze Weltgebäude in 24
Stunden um eine unbewegliche Linie zu drehen, welche
die Weltaxe heißt, und die Axe des Aequators und der
mit ihm gleichlaufenden Tagekrei&longs;e i&longs;t, &longs;. Weltaxe.
Eigentlich aber i&longs;t es die Erdkugel, welche in die&longs;er Zeit
&longs;ich um die Erdaxe dreht. Die&longs;e i&longs;t die Axe des Aequators
der Erde und &longs;einer Parallelkrei&longs;e, &longs;. Erdaxe.
Für jeden Kreis der Himmelskugel lä&longs;t &longs;ich eine Axe
denken. So hat die Ekliptik ihre eigne Axe, &longs;. Ekliptik,
die Scheitellinie i&longs;t die Axe des Horizonts, die Morgenund
Abendlinie die Axe des Mittagskrei&longs;e, die Mittagslinie
die Ach&longs;e des er&longs;ten Scheitelkrei&longs;es.
Ein Rad dreht &longs;ich um das Holz, das man &longs;eine
Axe nennt, wie der Kreis AQ um &longs;eine Axe PR. Eben
&longs;o dreht &longs;ich ein Mühlrad an &longs;einer Welle, ein Uhrrad an
&longs;einer Spindel rc. um die von einem Zapfen zum andern
gezogne Linie; eben &longs;o i&longs;t der Kreis, den der umgedrehte
Arm einer Winde, eines Ha&longs;pels, einer Kurbel be&longs;chreibt,
gegen die durch ihre Zapfen oder Lager gezogene Linie gerichtet.
In die&longs;en Ma&longs;chinen heißen daher die genannten
Theile &longs;ämmtlich Axen. Auch führt die&longs;e ganze Cla&longs;&longs;e von
Ma&longs;chinen den Namen des Rads an der Axe, &longs;. Rad.
Axe eines Cylinders heißt die gerade Linie, welche die Mittelpunkte &longs;einer beyden Grundflächen verbindet, Axe eines Kegels die Linie aus &longs;einer Spitze in der Grundfläche Mittelpunkt. Die Ur&longs;ache der Benennung i&longs;t, weil man &longs;ich beym &longs;enkrechten Cylinder und Kegel vor&longs;tellen kan, &longs;ie &longs;eyen aus der Umdrehung eines Rechtecks oder rechtwinklichten Dreyecks um die&longs;e Linie ent&longs;tanden.
Auch den Kegel&longs;chnitten, z. B. der Ellip&longs;e Taf. I.
Fig. 17. werden Axen zuge&longs;chrieben. Sie &longs;ind diejenigenAP die
große, DE die kleine Axe der| Ellip&longs;e AMmDPE. Da
die Planetenbahnen Ellip&longs;en &longs;ind, &longs;o wird man hieraus
ver&longs;tehen, was große Axe der Planetenbahn &longs;ey, &longs;. Ap&longs;idenlinie.
Beyde Axen der Ellip&longs;e gehen durch den Mittelpunkt
C, die große auch durch die Brennpunkte, z. B.
durch S. Man nennt die&longs;e Linien vermuthlich darum Axen,
weil die Kegel&longs;chnitte &longs;ich um &longs;ie drehen mü&longs;&longs;en, wenn die
Körper erzeugt werden &longs;ollen, die man Ellip&longs;oide, Hyperboloide,
Paroboloide nennt.
Axe eines Lin&longs;engla&longs;es heißt die gerade Linie durch die Mittelpunkte der Krümmungen beyder Flächen. Sie geht durch die Mitte der Lin&longs;e, und i&longs;t die Axe des grö&longs;ten Krei&longs;es der&longs;elben. Axe eines erhabnen oder hohlen Spiegels, die Linie durch &longs;eine Mitte und den Mittelpunkt &longs;einer Krümmung. Axe eines Fernrohrs, die gemein&longs;chaftliche Axe aller &longs;einer Glä&longs;er. Axe des Auges, oder Ge&longs;ichtsaxe, die gerade Linie durch die Mitte des Augen&longs;terns und die Mittelpunkte der Krümmungen der Kry&longs;tallin&longs;e und der übrigen Feuchtigkeiten.
Das Azimuth
eines Sterns S, Taf. I. Fig. 5. heißt der Bogen des Horizonts
HT, welcher zwi&longs;chen dem Mittagspunkte H und
dem Scheitelkrei&longs;e des Sterns ZST enthalten i&longs;t. Das
Azimuth i&longs;t das Maaß des Winkels HZT, welchen der
Scheitelkreis des Sterns mit dem Mittagskrei&longs;e macht.
Es kan ö&longs;tlich (orientale) oder we&longs;tlich (occidentale)
&longs;eyn, je nachdem der Stern S vor oder nach &longs;einem Durchgange
drrch den Mittagskreis beobachtet wird. Beym
Durchgange &longs;elb&longs;t i&longs;t das Azimuth=0.
Durch die a&longs;tronomi&longs;chen Quadranten, an welchen
zu die&longs;er Ab&longs;icht ein getheilter horizontaler Kreis, der Azimuthalkreis,
befindlich i&longs;t, wird, mittel&longs;t einer einzigen
Beobachtung, das Azimuth HT mit des Sternes Höhe
ST zugleich gefunden.
Im Kugeldreyecke ZPS, de&longs;&longs;en drey Spitzen Scheitelpunkt,
Weltpol und Stern &longs;ind, i&longs;t ZP der Aequatorhöhe
des Orts, PS dem Complemente der Abweichung
des Sterns SD, ZS dem Complemente &longs;einer Höhe ST
gleich; der Winkel Z i&longs;t der Nebenwinkel des Azimuths
HZT; der Winkel P der Stundenwinkel, de&longs;&longs;en Maaß
der Bogen des Aequators AD i&longs;t, welcher &longs;ich noch durch
den Mittagskreis &longs;chieben muß, ehe der Stern culminiret,
oder &longs;ich, wenn der Stern &longs;chon durch den Mittagskreis
gegangen i&longs;t, &longs;eit dem Augenblicke der Culmination durchge&longs;choben
hat. Man &longs;ieht al&longs;o leicht, daß unter folgenden
fünf Stücken: Aequatorhöhe des Orts, Abweichung, Höhe,
Azimurh und Stundenwinkel des Ge&longs;tirns, nur drey
gegeben &longs;eyn dürfen, um die beyden übrigen vermittel&longs;t des
Dreyecks ZPS daraus zu berechnen. Von die&longs;er Auflö&longs;ung
machen die A&longs;tronomen in vielerley Ab&longs;ichten Gebrauch.
Der Name Azimuth i&longs;t arabi&longs;chen Ur&longs;prungs, und
im mittlern Zeitalter in die Sternkunde eingeführet
worden.
Die kleinern fließenden
Gewä&longs;&longs;er, welche unmittelbar aus den Quellen ent&longs;pringen,
und durch ihre Vereinigung Flü&longs;&longs;e und Ströme bilden,
&longs;. Quellen, Flü&longs;&longs;e.
Aquae calidae, Thermae,
Eaux, Eaux thermales. So heißen diejenigen Quellen,
welche wärmer &longs;ind, als der &longs;ie umgebende Luftkreis.
Da ihr Wa&longs;&longs;er großentheils minerali&longs;che aufgelö&longs;te Theile
mit &longs;ich führet, &longs;o wird es in medicini&longs;chen Ab&longs;ichten theils
getrunken, theils als Bad gebraucht, daher &longs;ich die Benennung
leicht erklärt.
Wallerius (Hydrologia, Stockh. 1748. 8. Hydrologie,
über&longs;. von Den&longs;o, Berlin 1751. 8.), Cartheu&longs;er
(Rudimenta hydrologiae, Frf. 1760. 8.) und Zückert
(Be&longs;chreibung aller Ge&longs;undbrunnen Deut&longs;chlands, Königsberg,
zwote Aufl. 1776. gr. 8.) cla&longs;&longs;ificiren und be&longs;chreiben
Des in ganz Europa berühmten Carlsbads wird
&longs;chon im achten Jahrhundert erwähnt, ob es gleich er&longs;t &longs;eit
1370 durch Kay&longs;er Carl IV bekannter geworden i&longs;t. Der
Brudel oder Sprudel bricht nahe am Töpelfluß häufig
aus fünf Oefnungen hervor, und &longs;teigt völlig 6 Fuß über
die Oberfläche. Die Adern &longs;treichen quer unter dem Flu&longs;&longs;e
durch, und mitten im Flu&longs;&longs;e, wo &longs;ich das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t
eine Steinrinde oder Sprudel&longs;chale gemacht hat, werden
&longs;ie jährlich zweymal durch eine &longs;ech&longs;te Oefnung abgezapft,
indeß man die Röhren und Ständer, durch die es gewöhnlich
&longs;pringt, reiniget. Die&longs;e Quelle giebt &longs;tündlich
50 Centner Wa&longs;&longs;er. Die Wärme i&longs;t ohngefähr 59 Grad
nach Reaumur, brüht das Federvieh, und &longs;iedet die Eyer
hart. Der Sprudel riecht etwas &longs;chweflicht, &longs;chmeckt, ehe
er erkaltet, &longs;alzig, etwas fett und laugenhaft. Nach Gewittern
&longs;chmeckt er &longs;tärker und kräftiger. Man erhält daraus
durch das Abdampfen einen Rück&longs;tand von 29 1/2 Gran
auf jedes Pfund, nemlich 2 1/2 Laugen&longs;alz, 19 1/2 Gran
Glaubers Salz, 2 1/4 Gran Kalk und 5 1/4 Gran Selenit.
Becher (Neue Abhdl. vom Karlsbade, Prag 1772. gr. 8.)
giebt auf ein Pfund an 3 1/3 Gran Erde, welche er für die alkalini&longs;che
Ba&longs;is der Schwefelkie&longs;e hält, 13 Gr. Glauber&longs;alz
neb&longs;t 4 Gr. Koch&longs;alz in Kry&longs;tallen, und 8 1/3 Gran minerali&longs;ches
Alkali mit einem geringen Ei&longs;engehalt. Selenit
findet er nicht darinn. Nicht weit davon &longs;ind noch einige
warme Quellen, unter welchen der Mühlbrunnen und Neubrunnen
die vornehm&longs;ten &longs;ind. Beyde geben einen &longs;tärkern
Rück&longs;tand, als der Sprudel, und enthalten vornehmlich
mehr Glauber&longs;alz. Der er&longs;te i&longs;t klärer und &longs;äuerlich,
auch angenehmer, als der Sprudel, und hat 40 Grad
Wärme nach Reaumur. Der letztere hat 48 Grad Wärme,
riecht nach Schwefelleber, &longs;chmeckt aber nicht unangenehm.
Der Sprudel i&longs;t wegen &longs;einer Wirkung gegen
Gicht und Stein bekannt. Er überzieht die mei&longs;ten hineingelegten
Sachen, doch das Flei&longs;ch nicht, mit einer Steinrinde,
In den Aachner Bädern i&longs;t der Rück&longs;tand ver&longs;chiedener
zu&longs;ammengeleiteter Wa&longs;&longs;er 20—24 Gran auf ein
Pfund. Er be&longs;teht aus einem be&longs;ondern Alkali, welches
in der Hitze verflieget, und nicht einmal Schwefel auflö&longs;et.
Dies macht ohngefähr den halben Gehalt aus; der Re&longs;t
i&longs;t Koch&longs;alz und Kalk. So &longs;ehr die&longs;es Wa&longs;&longs;er nach
Schwefelleber riecht und &longs;chmeckt, &longs;o hat man doch noch
keinen Schwefel aus dem&longs;elben ziehen können. Auf dem
Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t aber &longs;etzt &longs;ich Schwefel an den Stellen, wo
&longs;ich eine Steinrinde angelegt hat. Die&longs;er i&longs;t anfangs
weich, wird aber mit der Zeit hart, und bildet &longs;ich zu
&longs;chiefrigen bis 1 1/4 Lin. dicken Schichten. Um Aachen findet
man häufig Steinkohlen, auch Galmey und Ei&longs;enerz.
Das warme Wa&longs;&longs;er i&longs;t &longs;eifenartig, und wird mit Vortheil
zum Wa&longs;chen gebraucht.
Die Aachner Wa&longs;&longs;er &longs;ind &longs;o heiß, daß &longs;ie auf 12 (im Kay&longs;ersbade wohl 15 bis 18) Stunden lang &longs;tehen mü&longs;&longs;en, ehe &longs;ie gebraucht werden. Die&longs;e Hitze beträgt 32—56 Grad nach Reaumur. Man findet an andern Orten heiße Quellen fa&longs;t bis zur Hitze des Siedpunkts.
Die gewöhnlich&longs;ten in den warmen Bädern enthaltenen
Materien &longs;ind Laugen&longs;alz oder alkali&longs;che Erde, Glauber&longs;alz,
Koch&longs;alz, Selenit, Kalk oder weiße Magne&longs;ia,
auch zuweilen Ei&longs;en. Die &longs;chwefelartigen, welche wie
Schwefelleber riechen und das Silber &longs;chwarz machen, &longs;ind
die &longs;onderbar&longs;ten. Das Wa&longs;&longs;er von Bath in England
&longs;oll Alaun halten. Die &longs;eifenartigen Bäder führen eine
feine Thonmaterie. Anwei&longs;ungen zur chymi&longs;chen Unter&longs;uchung
der Bäder u. minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;er überhaupt geben
Bergmann (De analy&longs;i aquarum, in &longs;. SammlungMacquer (chym. Wörterb. Art.
Wa&longs;&longs;er, minerali&longs;che).
Da viele die&longs;er in den warmen Bädern enthaltenen
Materien, be&longs;onders der Selenit und das Koch&longs;alz, im
Wa&longs;&longs;er auflösbar &longs;ind, und häufig in der Erde angetroffen
werden, &longs;o i&longs;t es leicht begreiflich, wie das darüber
hinfließende Wa&longs;&longs;er Theile davon in &longs;ich nehmen könne.
Trift nun ein &longs;olches Salzwa&longs;&longs;er Thonerden an, &longs;o kan die
fa&longs;t in allen die&longs;en Erden enthaltene Vitriol&longs;äure einen
Theil &longs;eines Koch&longs;alzes zer&longs;etzen, und mitdem minerali&longs;chen
Alkali, als der Grundlage de&longs;&longs;elben, Glauber&longs;alz bilden.
Treffen hingegen &longs;olche Wa&longs;&longs;er unter der Erde auf Kie&longs;e,
die &longs;ich im Zu&longs;tande der Zer&longs;etzung befinden, &longs;o können &longs;ie
&longs;ich durch die&longs;elben mit Schwefel-Ei&longs;en - Kupfervitriol,
alaunigen Salzen u. dgl. überladen. So wird man &longs;ich
mit Macquer die Ent&longs;tehung &longs;olcher minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;er
&longs;ehr leicht vor&longs;tellen können.
Nach Bergmanns Meinung i&longs;t die Erklärung des
Schwefelgehalts am &longs;chwer&longs;ten, da die&longs;e Wa&longs;&longs;er zwar
von Natur durch eine darauf ent&longs;tehende Haut wirklichen
Schwefel ab&longs;etzen, die Kun&longs;t aber keinen daraus erhalten
kan. Da der Dun&longs;t, der beym Fällen einer Schwefelleber
auf&longs;teigt, oder das hepati&longs;che Gas, vom Wa&longs;&longs;er
einge&longs;ogen, ein Schwefelwa&longs;&longs;er erzeugt, &longs;o i&longs;t es &longs;ehr wahr&longs;cheinlich,
daß der Schwefelgehalt in den minerali&longs;chen
Wa&longs;&longs;ern grö&longs;tentheils in die&longs;em hepati&longs;chen Gas be&longs;tehe,
&longs;. Gas, hepati&longs;ches. Außerdem könnte wohl der
Schwefel nicht anders, als vermittel&longs;t eines Laugen&longs;alzes,
im Wa&longs;&longs;er aufgelö&longs;et &longs;eyn.
Die Hitze der warmen Bäder &longs;chreiben die Naturfor&longs;cher
fa&longs;t ein&longs;timmig dem unterirdi&longs;chen Feuer, oder wenig&longs;tens
eben den&longs;elben Ur&longs;achen zu, welche die&longs;es Feuer
erzeugen. Hierunter gehört vornemlich das mit einem hohen
Grade von Hitze begleitete Aufbrau&longs;en der Schwefelkie&longs;e
und anderer Mineralien bey ihrer durch Einwirkung
des Wa&longs;&longs;ers und der Luft erfolgenden Zer&longs;etzung, &longs;. Feuer,
unterirdi&longs;ches; daß al&longs;o die wohlthätigen warmen Bäder
einerley Ur&longs;prung mit den zer&longs;törenden Erdbeben undErxleben (Anfangsgr. der
Naturl. §. 692.) fragt, ob nicht vielleicht Vitriol&longs;äure, die
auf Ei&longs;en wirkt, die Ur&longs;ache der Hitze &longs;eyn könnte. Dies
kan nur bey ei&longs;enhaltigen Bädern der Fall &longs;eyn. Wenn
die Adern &longs;olcher Quellen tief unter der Erde liegen, &longs;o i&longs;t
leicht abzu&longs;ehen, daß &longs;ie ihre Hitze &longs;ehr lange behalten können,
und daß die&longs;elbe von der Wärme oder Kälte der äu&longs;&longs;ern
Luft ganz unabhängig i&longs;t.
Noch einige Um&longs;tände, den Gehalt der minerali&longs;chen
Wa&longs;&longs;er betreffend, wird man bey dem Worte: Ge&longs;undbrunnen,
antreffen.
Macquer chym. Wörterb. Art. Wa&longs;&longs;er, minerali&longs;che.
Bergmann phy&longs;. Be&longs;chr. der Erdkugel, 3 Abth. Cap.1. von Quellen.
Theoria balli&longs;tica &longs;. motus projectilium,
Balli&longs;tique. Die Lehre von den Bahnen, welche geworfene
Körper in der Luft be&longs;chreiben. Sie macht einen Theil
der höhern Mechanikaus und i&longs;t vornehmlich für die Artillerie
zur Theorie des Bombenwerfens und der Ladung und
Richtung des groben Ge&longs;chützes brauchbar.
Die Körper werden entweder lothrecht, oder horizontal,
oder &longs;chief geworfen. Mit der aus dem Wurfe ent&longs;tandenen
Bewegung verbindet &longs;ich der durch ihre Schwere
bewirkte Fall. I&longs;t der Wurf lothrecht, &longs;o bleibt die Bewegung
geradlinigt, und wird, wenn der Wurf von oben
herab ge&longs;chieht, durch den Fall be&longs;chleunigt, wenn aber
der Wurf von unten herauf gerichtet i&longs;t, retardirt, und
endlich ganz aufgehoben, worauf der Körper durch die bloße
Wirkung &longs;einer Schwere wieder herabfällt.
Bey horizontalen und &longs;chiefen Würfen aber, wo die
Richtungen des Wurfs und der Schwere Winkel mit einander
machen, ent&longs;tehen Bewegungen in krummen Linien,
welche nach den von Galilei entdeckten Ge&longs;etzen fallender
Körper Parabeln &longs;eyn mü&longs;&longs;en, in &longs;o fern der Wider&longs;tand
der Luft die&longs;es nicht ändert. Setzt man die&longs;en Wider&longs;tand
aus den Augen, &longs;o erhalten die Lehren, die &longs;ich aus den
Galilei&longs;chen Sätzen herleiten la&longs;&longs;en, den Namen der paraboli&longs;chen
Theorie der Balli&longs;tik. Nach die&longs;er würdenballi&longs;ti&longs;che
Problem. Außerdem gehören zur Anwendung der Balli&longs;tik
noch Unter&longs;uchungen über die Ge&longs;chwindigkeit, welche Ladungen
von be&longs;timmter Stärke den abgefeuerten Körpern
mittheilen. Einige zur paraboli&longs;chen Theorie gehörige
Sätze &longs;. bey den Worten: Wurf, Weite des Wurfs.
Vor Galilei hatte man von der Bahn der horizontal
oder &longs;chief geworfenen Körper &longs;ehr unrichtige Begriffe.
Man glaubte, der er&longs;te Theil des Weges einer Canonenkugel
&longs;ey geradlinigt, und der ganze Weg werde mit dreyerley
Bewegungen, der gewalt&longs;amen, vermi&longs;chten und natürlichen,
zurückgelegt. Solche Begriffe kommen noch
beym Schwenter (Mathemati&longs;che Erquick&longs;tunden, Nürnberg
1651. 4. Th. I. S. 427. u. f.) vor, der &longs;ie doch
&longs;chon be&longs;&longs;er hätte haben können. Tartalea hatte bereits
1537 entdeckt, daß der &longs;chiefe Schuß unter einem Winkel
von 45° der weit&longs;te, und kein Theil der Bahn geradlinigt
&longs;ey. Den er&longs;ten Um&longs;tand führt auch Schwenter, aber mit
einer ganz unver&longs;tändlichen Erklärung, an. Nach Galilei
Entdeckungen (Di&longs;cor&longs;ie dimo&longs;trazione matematiche.
Leid. 1638. Giornata 4.) ward die paraboli&longs;che Theorie
durch den P. Mer&longs;enne und Torricelli bald entwickelt;
man verfielaber in den Fehler, &longs;ich zu überreden, daß der Wider&longs;tand
der Luft unbeträchtlich, und al&longs;o die&longs;e Theorie allein
hinreichend &longs;ey. Sie i&longs;t von Blondel (l' Art de jetter les
bombes. Paris 1683. 4. Blondels Kun&longs;t, Bomben zu
werfen, Sulzbach 1686.), dem Grafen v. Herber&longs;tein
(Amari a Lapide artis technicae via plana. Stettin
1736.) und Belidor (Le bombardier françois. Paris
1740. 4.) vorgetragen, und von Maupertuis (Bali&longs;tique
arithmetique, in Mém. de l' acad. des &longs;c. 1732.) in
kurze Formeln zu&longs;ammengefa&longs;&longs;et worden. Belidor hat &longs;ie
mit Erfahrungen verglichen, und will die Abweichungen
unbeträchtlich gefunden haben. Robins (New principles
of gunnery. London 1742. Neue Grund&longs;ätze der
Artillerie, aus dem Engl. von Leonh. Euler, mitNewton hatte &longs;chon (Princ. L. II. Prop. 40.) Ver&longs;uche
über den Wider&longs;tand der Luft bey lang&longs;amen Bewegungen
bekannt gemacht, und eine Theorie darauf gebaut, nach
welcher &longs;ich der&longs;elbe, wie das Quadrat der Ge&longs;chwindigkeit,
verhält, und die Bahn der Ge&longs;chützkugeln mehr der Hyperbel
ähnlich wird; Robins aber glaubte durch Ver&longs;uche
mit Ge&longs;chützkugeln den Wider&longs;tand bey &longs;chnellen Bewegungen
fa&longs;t dreymal &longs;o groß, als nach Newtons Theorie,
gefunden zu haben, worinn ihm auch Euler bey&longs;timmt.
Beyde haben in der angeführten vortreflichen Schrift andere
Theorien zu geben ver&longs;ucht. Allgemeine Auflö&longs;ungen
des balli&longs;ti&longs;chen Problems, die &longs;ich auf mehrere Ge&longs;etze des
Wider&longs;tands anwenden la&longs;&longs;en, haben &longs;chon &longs;eit 1718 Joh.
Bernoulli, Hermann und Taylor gegeben. Eine
Abhandlung Eulers (Recherches &longs;ur la veritable courbe,
que décrivent les corps jettés dans l' air, in Mém.
de Berlin. To. IX.) be&longs;timmt die Bahn für ein be&longs;onderes
angenommenes Ge&longs;etz, und der Graf v. Grävenitz (Abhdl.
von der Bahn der Ge&longs;chützkugeln, Bützow 1764. 4.) hat
daraus Tafeln berechnet, und Anwei&longs;ungen für die Praxis
hergeleitet. Des Ritter d'Arcy Ver&longs;uche (Ver&longs;uch einer
Theorie der Artillerie, über&longs;. von Lambert, 1766. 8.)
&longs;cheinen mit denen von Robins übereinzu&longs;timmen; Lambert
aber hat in &longs;einen Anmerkungen zu den&longs;elben mit großem
Scharf&longs;inne gezeigt, daß beyde der Newtoni&longs;chen Theorie
nicht &longs;o &longs;ehr entgegen &longs;ind, als man geglaubt hatte.
Lambert hat ebenfalls (Mém. de Berlin. To. XXl.) eine
Auflö&longs;ung des balli&longs;ti&longs;chen Problems gegeben. Bisher
aber hat die Praxis aus den Bemühungen die&longs;er Gelehrten
noch nicht den gehörigen Nutzen ziehen können.
Ueber die Gewalt des Pulvers findet man Unter&longs;uchungen
im Robins. Man nimmt an, daß &longs;ich unter übrigens
gleichen Um&longs;tänden die anfängliche Ge&longs;chwindigkeit
des abge&longs;cho&longs;&longs;enen Körpers, wie die Quadratwurzel aus der
Menge des Pulvers, verhalte, womit Huttons Ver&longs;uche
(Phil. Trans. Vol. LXVlll. P. I. n. 3.) überein&longs;timmen.
Kä&longs;tner Anfangsgr. der höhern Mechanik. Er&longs;t. Ab&longs;chn.
Cap. 6. §. 186. Kar&longs;ten Lehrbegrif der ge&longs;ammten Mathem. 4.
Theil. Mechanik. XX. Ab&longs;chn. §. 27. u. f.
Das Werkzeug zu Abme&longs;&longs;ung des Drucks der Luft und &longs;einer Veränderungen. Man bedient &longs;ich dazu gemeiniglich einer mit Queck&longs;ilber gefüllten, oben luftleeren u. ver&longs;chlo&longs;&longs;enen Glasröhre, in welcher das Queck&longs;ilber, bey &longs;tärkerm Drucke im Luftkrei&longs;e, höher &longs;teigt, bey vermindertem Drucke herab&longs;inkt.
Da die Erfindung des Barometers durch Torricelli
im Jahre 1643 &longs;o viel zum Um&longs;turz der alten &longs;chola&longs;ti&longs;chen
Phy&longs;ik beygetragen hat, &longs;o verdient ihre Ge&longs;chichte
hier um&longs;tändlicher erzählt zu werden.
Die Wirkungen der Saugpumpen, ein&longs;augenden
Spritzen und Heber, der Gießkannen, welche gießen oder
&longs;till &longs;tehen, je nachdem man die obere Oefnung frey lä&longs;t
oder mit dem Finger zuhält (clep&longs;ydrae, Ari&longs;tot. Phy&longs;ic.
L. IV. c. 6.) u. dgl. wurden vom Ari&longs;toteles und nach
ihm von den &longs;chola&longs;ti&longs;chen Phy&longs;ikern bis ins &longs;iebzehnte
Jahrhundert durch einen der Natur angedichteten Ab&longs;cheu
vor dem leeren Raume (horror &longs;. fuga vacui)
erklärt. Galilei entdeckte zwar, daß das Wa&longs;&longs;er in den
Saugpumpen nie höher als 32 Schuh gehoben werde;
allein die&longs;e Entdeckung führte ihn nur &longs;o weit, daß er dem
eingebildeten Ab&longs;cheu vor der Leere gewi&longs;&longs;e Grenzen &longs;etzte.
Er &longs;ieht zwar (Di&longs;cor&longs;i e dimo&longs;trazione matematiche
intorno a due nuove &longs;cienze, Leid. 1638 Giornata 1.)
einen luftleeren Raum als möglich an, und lehrt ihn durch
einen oben ver&longs;chlo&longs;&longs;enen Cylinder, in welchem ein genau
an&longs;chließender Kolben durch Gewichte von oben herabgezogen
wird, hervorbringen. Aber er giebt dies für eine
Methode aus, die Kraft der Leere, d. i. die Größe oder
Grenze des Ab&longs;cheus vor der Leere, zu me&longs;&longs;en, und erklärt
daraus die Cohä&longs;ion der Körper. Da die&longs;er große Mann
auch die Schwere der Luft kannte, und a. a. O. zwo Arten,
&longs;ie zu bewei&longs;en, lehrt, &longs;o i&longs;t es kaum begreiflich, wie er
den letzten Schritt verfehlen konnte, der ihm noch zur
Evangeli&longs;ta Torricelli, des Galilei Schüler und
Nachfolger im Lehramte zu Florenz, betrieb die Sache
mit be&longs;&longs;erm Erfolg. Er kam auf den glücklichen Gedanken,
daß eben die Ur&longs;ache, welche das Wa&longs;&longs;er nur
32 Schuh hoch treibe und halte, das 14mal &longs;chwerere
Queck&longs;ilber nur (32/14) Schuh, d. i. 27 1/2 Zoll hoch treiben
und halten werde. Die&longs;e geringere Höhe ver&longs;chafte den
Ver&longs;uchen mehr Bequemlichkeit. Torricelli &longs;chmolz
nun eine Glasröhre von einigen Schuhen Länge an einem
Ende zu, füllte &longs;ie durch das andere mit Queck&longs;ilber,
ver&longs;chloß die Oefnung mit dem Finger, und brachte
&longs;ie in umgekehrter Stellung mit der zugehaltenen
Oefnung in ein mit Queck&longs;ilber angefülltes Gefäß.
Wenn er dann den Finger wegnahm, und das Queck&longs;ilber
auslaufen ließ, &longs;o fand er &longs;eine Erwartung be&longs;tätigt.
Nur der obere Theil der Röhre ward leer, und
es blieb eine 27 1/2 Zoll hohe Queck&longs;ilber&longs;äule in der Röhre
&longs;tehen. Taf. III. Fig. 38. giebt hievon eine Abbildung.
AB i&longs;t die Glasröhre, A ihr zuge&longs;chmolzenes, B ihr ofnes
Ende. Sie &longs;teht im Gefäße CDEF, das bis GH
mit Queck&longs;ilber gefüllt i&longs;t. Sobald der bey B vorgehaltene
Finger weggenommen ward, leerte &longs;ich die vorher
ganz angefüllte Röhre nur von A bis I aus. Die
&longs;enkrechte Höhe von I über der Fläche des Queck&longs;ilbers
im Gefäße GH betrug 27—28 Zoll.
Torricelli meldete den Erfolg die&longs;es Ver&longs;uchs im
Jahre 1644 an den P. Mer&longs;enne in Nevers, durch
de&longs;&longs;en ausgebreiteten Briefwech&longs;el damals fa&longs;t alle Naturfor&longs;cher
und Mathematiker der europäi&longs;chen Länder
in Verbindung &longs;tanden. Durch die&longs;en erfuhr ihn der
berühmte Pa&longs;cal, und &longs;chrieb darüber im 23&longs;ten Jahre
&longs;eines Alters eine Abhandlung (Experiences nouvelles
touchans le vuide, Paris 1645.), durch die
er zuer&longs;t von die&longs;er Seite berühmt ward. Doch nimmt
auch er hier noch den Ab&longs;cheu vor der Leere an.
Torricelli| hingegen kam nach einigem Nachdenken
auf die Vermuthung, daß die Erhaltung der Queck&longs;ilber&longs;äule
von GH bis I wohl von dem Drucke der auf der Fläche
GH ruhenden und bis an die Grenzen des Luftkrei&longs;es &longs;ich
er&longs;treckenden Luft&longs;äule herrühren möge. Die&longs;er Gedanke
i&longs;t den bekannten hydro&longs;tati&longs;chen Ge&longs;etzen &longs;o gemäß, daß
man ihn nur hören darf, um darinn &longs;ogleich die wahre Erklärung
des Phänomens zu erkennen. Der Urheber de&longs;&longs;elben
war im Begriff, ihn weiter zu verfolgen, als ihn
&longs;chon 1647 ein frühzeitiger Tod dahinriß. Von ihm heißt
noch die eben be&longs;chriebene Vorrichtung, die nichts anders
als das Barometer &longs;elb&longs;t i&longs;t, die torricelli&longs;che Röhre,
und der leere Raum AI, die torricelli&longs;che Leere.
Pa&longs;cal machte &longs;ich nun die Vermuthung des Torricelli
ganz eigen, und be&longs;tätigte &longs;ie durch ver&longs;chiedene
neue Ver&longs;uche. Er ließ durch Perrier, einen &longs;einer
Schwäger zu Clermont in Auvergne, &longs;chon 1648 Ver&longs;uche
auf dem Berge Puy-de-Dome an&longs;tellen (&longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen,
barometri&longs;che), wobey &longs;ich fand, daß
das Queck&longs;ilber in der torricelli&longs;chen Röhre auf dem Gipfel
des 500 Toi&longs;en hohen Berges über 3 pari&longs;er Zoll niedriger
&longs;tand, als es am Fuße des Berges ge&longs;tanden hatte, &longs;o
daß die Queck&longs;ilber&longs;äule auf dem Gipfel nur bis K reichte,
da &longs;ie, wenn der Ver&longs;uch am Fuße des Berges ange&longs;tellt
ward, bis I gieng. Hierdurch ward unwider&longs;prechlich erwie&longs;en,
daß die Aufrechterhaltung des Queck&longs;iilbers bis I
keinen Ab&longs;cheu vor der Leere, &longs;ondern den Druck der über
GH ruhenden Luft&longs;äule zum Grunde habe: denn &longs;o wie
man &longs;ich durch Be&longs;teigung des Berges den Grenzen des
Luftkrei&longs;es näherte, und al&longs;o die&longs;e Luft&longs;äule verkürzte, &longs;o
ward auch die Höhe der aufrechterhaltnen Queck&longs;ilber&longs;äule
verkürzt — ein Zeichen, daß zwi&longs;chen beyden Säulen ein
Gleichgewicht &longs;tatt finde. Auch fand Pa&longs;cal, daß, bey
weggenommener Luft über GH, das Queck&longs;ilber von I bis
ins Gefäß CDEF herab&longs;ank. Durch &longs;o überwiegende
Gründe &longs;chlug er in einer vortreflichen Schrift (Traité de
l' équilibre des liqueurs et de la pe&longs;anteur de la ma&longs;&longs;e
de l'air, Par. 1663. 12.) die ungegründete u. nichts &longs;agende
Descartes, der &longs;o eifrige Gegner der ari&longs;toteli&longs;chen
Weltweisheit, &longs;cheint doch &longs;chon vor Torricelli und Pa&longs;cal
richtige Begriffe von der Ur&longs;ache der Phänomene des Saugens
gehabt zu haben. In &longs;einen Briefen (Ren. De&longs;cartes
Epi&longs;tolae, Am&longs;t. 1682. III. Vol. 4.) finden &longs;ich ver&longs;chiedene
(P. II. 91. 94. 96. P. III. 102.), worinn er die
Cohä&longs;ion, das Auf&longs;teigen des Wa&longs;&longs;ers in den Pumpen,
die Erhaltung des Wa&longs;&longs;ers in ofnen Gefäßen bey ver&longs;topfter
oberer Oefnung, das Anhängen glatter Flächen an
einander, ja &longs;ogar die Erhaltung des Queck&longs;ilbers in einer
ofnen Glasröhre bey ver&longs;chloßnem obern Ende, dem Drucke
der Luft zu&longs;chreibt, und Galilei's Meinung von den
Grenzen des Ab&longs;cheus vor der Leere be&longs;treitet. Es &longs;ind
aber die Data die&longs;er Briefe ungewiß, und andere Bey&longs;piele
lehren, daß Descartes nicht der gewi&longs;&longs;enhafte&longs;te
war, wenn es darauf ankam, &longs;ich fremde Erfindungen
zuzueignen, &longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.
Torricelli und Pa&longs;cal hatten &longs;chon bemerken mü&longs;&longs;en,
daß die Höhe der Queck&longs;ilber&longs;äule in der torricelli&longs;chen
Röhre täglichen Veränderungen unterworfen &longs;ey; &longs;ie
&longs;chlo&longs;&longs;en daraus, daß auch der Druck der Atmo&longs;phäre von
Tag zu Tag veränderlich &longs;ey, und daß man die&longs;e Röhre zur
Wahrnehmung und Abme&longs;&longs;ung die&longs;er Veränderungen gebrauchen
könnte. Otto von Guericke war hierauf be&longs;onders
aufmerk&longs;am. Man fieng daher an, die&longs;es In&longs;trument
als etwas &longs;ehr nützliches zu betrachten, und jedermann
ver&longs;ahe &longs;ich mit dem&longs;elben. Man gab ihm den Namen
Barometer, der &longs;o viel als Maaß der Schwere
bedeutet; behut&longs;amere Naturfor&longs;cher wählten den Namen
Baro&longs;kop, oder Werkzeug zu Beobachtung der Schwere,
weil &longs;ie glaubten, zum Maaße werde mehr erfordert, als
das In&longs;trument lei&longs;te. Dennoch verdient die&longs;es Werkzeug
den Namen eines Maaßes mehr, als andere ähnliche; esWettergla&longs;es beygelegt.
Ver&longs;chiedene Einrichtungen des Barometers.
Da das Barometer in der Taf. lll. Fig. 38. abgebildeten
Ge&longs;talt unbequem war, und viel Queck&longs;ilber erforderte,
&longs;o verfiel man bald auf andere Einrichtungen,
unter welchen auch die Taf. lll. Fig. 39. vorge&longs;tellte war,
die man neuerlich für die be&longs;te mögliche befunden hat.
Hier drückt die äußere Luft durch die Oefnung B auf die
Fläche GH, und die Höhe der Queck&longs;ilber&longs;äule, welche
durch die&longs;en Druck erhalten wird, i&longs;t von der Horizontalfläche
LGH bis an I zu rechnen. Vermindert &longs;ich
die&longs;e Höhe um einen Zoll, &longs;o wird I um 1/2 Zoll bis K
&longs;inken, H aber um 1/2 Zoll bis M &longs;teigen, &longs;o daß die
ganze nun von MN bis K zu rechnende Höhe um 1 Zoll
kleiner i&longs;t. Das Sinken von I bis K beträgt al&longs;o nur
die Helfte der ganzen Veränderung. Die&longs;e &longs;cheinbare
Verminderung war Grund genug, die&longs;e Einrichtung
zu verwerfen, für ein Zeitalter, in welchem man glaubte,
es komme alles darauf an, die Veränderungen des
Barometers recht groß und merklich zu machen.
Man änderte al&longs;o die er&longs;te Einrichtung nur &longs;o ab,
daß man das Behältniß mit dem Queck&longs;ilber GH, wie
Taf. lll. Fig 40., an die Röhre AB anküttete, oder, wie
Taf. lll. Fig. 41, die Röhre unten umbog, und ein etwas
weiteres bey B ofnes Behältniß für das Queck&longs;ilber GH
daran bließ. So konnte man das ganze Werkzeug an ein
Bret befe&longs;tigen, und auf die&longs;em einen Maaß&longs;tab, eine
Scale verzeichnen, an welcher &longs;ich zeigt, um wie viel
Zoll oder Linien der Punkt I von Zeit zu Zeit über der
Fläche GH &longs;tehe. Der Maaß&longs;tab darf nur in der Gegend
von I in &longs;eine Zolle und Linien getheilt &longs;eyn, weil dasBarometer
mit Behältni&longs;&longs;en, Gefäßbarometer, Kap&longs;elbarometer
( barometres à reservoir) genannt. Sie
&longs;ind zu Beobachtungen der täglichen Veränderungen des
Drucks der Luft, deren Raum &longs;ich bey uns nie viel über
2 Zolle er&longs;treckt, ziemlich hinreichend. Aber es i&longs;t leicht
zu über&longs;ehen, daß eigentlich gar kein fe&longs;ter Maaß&longs;tab
an &longs;olche Barometer angebracht werden darf, weil die
Fläche
Man verfiel bald nach der Erfindung des Barometers
auf den Gedanken, die Veränderungen in der Höhe
der Queck&longs;ilber&longs;äule, oder das Steigen und Fallen &longs;o merklich
als möglich zu machen. Auf den er&longs;ten Blick &longs;cheint
die&longs;es die Genauigkeit der Beobachtungen zu erleichtern,
und &longs;ie bis auf die klein&longs;ten Veränderungen auszudehnen;
allein die Ge&longs;talt welche die Oberfläche des Queck&longs;ilbers
in glä&longs;ernen Gefäßen annimmt (&longs;. Adhä&longs;ion), das Reiben
des Queck&longs;ilbers am Gla&longs;e, der Einfluß der Wärme
und andere Um&longs;tände bringen in die Barometerbeobachtungen
unvermeidliche Unvollkommenheiten, welche durch
die&longs;e Vergrößerungen des Steigens und Fallens in eben
&longs;o &longs;tarkem und oft in noch &longs;tärkerm Verhältni&longs;&longs;e mit vergrößert
werden, und die gehoften Vortheile ganz vernichten;
Descartes &longs;cheint ihn zuer&longs;t betreten zu haben.
Pa&longs;cal (Traité de l' equilibre etc. S. 207.) führt &longs;chon
&longs;einen Vor&longs;chlag an, die Barometerröhre, wie Taf. lll.
Fig. 42., bey e, wo &longs;ich die obere Queck&longs;ilberfläche befindet,
mit einem weiten Behältni&longs;&longs;e zu ver&longs;ehen, über
da&longs;&longs;elbe noch eine lange dünne oben ver&longs;chloßne Glasröhre
zu &longs;etzen, und den Raum von e bis I mit Wa&longs;&longs;er
zu füllen. Wenn nun hiebey e in dem weiten Behältni&longs;&longs;e
fällt, &longs;o muß eben &longs;o viel Wa&longs;&longs;er von c aus nachgehen,
als Queck&longs;ilber herabgefallen i&longs;t, daher die Wa&longs;&longs;erfläche
I in der dünnen Röhre &longs;ehr weit herabfallen
muß. Die Rechnnng lehrt, daß der Raum der Barometerveränderungen
hiedurch (14 D 2/D2 + 13 d2) mal vergrößert
wird, wenn
Huygens gab daher (Mém. anciens de l' acad. roy.
des Sc. To. X. p. 542. ingl. Journal des Sav. 1672. p.
139.) &longs;ein Taf. lll. Fig. 43. vorge&longs;telltes noch jetzt bekanntes
Doppelbarometer an. In die&longs;em &longs;teigt und
fällt das Queck&longs;ilber bey I in einem weiten Behältni&longs;&longs;e.
An&longs;tatt aber Wa&longs;&longs;er über I zu &longs;tellen, läßt Huygens vielmehr
die untere Queck&longs;ilberfläche in einem eben &longs;o weiten
Behältni&longs;&longs;e bey H ab- und auf&longs;teigen, und gießt darüber
in den Raum c, und die darüber &longs;tehende enge Glasröhre
bis i gefärbten Weingei&longs;t oder Wein&longs;teinöl. H &longs;teigt &longs;o
weit, als I fällt, und treibt den Liquor ci durch ein geringes
Steigen &longs;ehr weit in die Höhe. Man findet die VergrößerungD und
d die vorigen Bedeutungen behalten, und das Queck&longs;ilber
m mal &longs;chwerer i&longs;t, als der|Liquor in ci) (m D 2/D2 +(2m—1)2)
fach. Al&longs;o, wenn das Queck&longs;ilber 14mal &longs;chwerer i&longs;t,
D. Hook (Philo&longs;. Trans. no. 185.) glaubte im Jahre
1686 die&longs;es Doppelbarometer dadurch zu verbe&longs;&longs;ern,
daß er über den Liquor ci noch einen zweyten leichtern Liquor
von einer andern Farbe zu gießen vor&longs;chlug, und auf
B noch ein Behältniß, wie A und H, von eben dem&longs;elben
Durchme&longs;&longs;er auf&longs;etzte, in welchem des zweyten Liquors
Oberfläche auf- und ab&longs;tieg. Die Barometerveränderungen
&longs;ollten durch das Auf- und Ab&longs;teigen des Punkts i,
wo &longs;ich beyde Liquoren &longs;chieden, bemerkt werden. De la
Hire und Amontons machen auf die&longs;e Erfindung auch
An&longs;prüche. Hiedurch &longs;ollte nun das Reiben der Liquoren
am Gla&longs;e immer gleich &longs;tark erhalten werden, weil beyde
Liquoren zu&longs;ammen immer einerley Höhe über H behalten;
auch glaubten die Erfinder, die Veränderungen hiedurchde Lüc hat &longs;ich zwar verleiten
la&longs;&longs;en, die vorgegebne unendliche Vergrößerung als
möglich einzuräumen: aber die Rechnung zeigt bald, daß
man &longs;ie nie über das (m/n—m,
n, m, n,
ci doch nicht über (14/1,073—0,866,)
d. i. nicht ganz 70mal vergrößern. Ueberdies i&longs;t der Druck
der Liquoren auf H ungleich, je nachdem der leichtere oder
der &longs;chwerere den größern Theil der Höhe ausfüllt, daher
zeigen gleiche Veränderungen die&longs;es In&longs;truments nicht
gleiche Aenderungen des Drucks der Luft an. Durch den
Uebergang der färbenden Theilchen verdunkelt &longs;ich die
Grenze beyder Liquoren; die Wärme hat einen höch&longs;t verwickelten
Einfluß, und es gilt auch hier der allgemeine Satz,
daß die complicirte&longs;ten Werkzeuge die &longs;chlechte&longs;ten &longs;ind.
Schon 1665 hatte D. Hook (Micrographia, Tab.
XXXVII. Fig. 4.) &longs;ein &longs;ogenanntes Radbarometer
( Wheel- Barometer, Barometrum cyclicum) be&longs;chrieben,
Taf.
Das Barometer mit der &longs;chiefgebognen Röhre,
Taf. III. Fig. 45. fällt, weil &longs;ich der Druck flüßiger Materien
nach ihrer &longs;enkrechten Höhe richtet, von i bis k, wenn
das gewöhnliche nur von I bis K fällt. Der Einfall i&longs;t
&longs;innreich; aber das Reiben wird durch den Druck des Queck&longs;ilbers
auf die untere Seite der Röhre AC &longs;ehr ver&longs;tärkt,
und die Queck&longs;ilberflächen bey i oder k &longs;tehen nie wagrecht,
daher es fa&longs;t unmöglich i&longs;t, ihre &longs;enkrechten Höhen über G
genau zu be&longs;timmen. Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad Phil.
nat. To. II. §. 2078.) &longs;chreibt die Erfindung dem Ritter
Morland zu; Leupold (Theatr. aero&longs;tat. Cap. III.)
&longs;agt, Ramazzini (Ephemerides barometricae, Mutini.
pag. 4.) be&longs;chreibe &longs;ie als &longs;eine eigne.
Das rechtwinklichte Barometer ( barometre à l'
équerre) des
Amontons (Remarques et experiences phy&longs;iques
&longs;ur les barom. etc. Paris 1695. 12.) hat das Taf. lll.
Fig. 47. vorge&longs;tellte kegel&longs;örmige oder coni&longs;che Barometer
angegeben und zum Gebrauch auf der See vorge&longs;chlagen.
Es be&longs;teht aus einer 3—4 Schuh langen bey
a ver&longs;chloßnen, bey b ofnen coni&longs;chen Glasröhre ab. Man
füllt in die&longs;elbe etwa 29 Zoll hoch Queck&longs;ilber, und kehrt
die Röhre um. Das Queck&longs;ilber, welches bey einer Höhe
von 29 Zollen &longs;chwerer als die Luft i&longs;t, fällt, kömmt aber
dabey in Theile, wo die Röhre weiter i&longs;t. Dadurch verkürzt
&longs;ich &longs;eine Säule, wird z. B. 28 Zoll rc. bis &longs;ie die
Länge erreicht, die mit dem Drucke der Luft das Gleichgewicht
hält. Dann bleibt &longs;ie z. B. in cd &longs;tehen. Wird
die Luft leichter, &longs;o fällt das Queck&longs;ilber weiter herab, und
verkürzt &longs;ich dadurch wieder bis zum Gleichgewicht; wird
&longs;ie &longs;chwerer, &longs;o treibt &longs;ie das Queck&longs;ilber &longs;o weit herauf in
die engern Theile, bis es &longs;ich wieder bis zum Gleichgewicht
verlängert hat. Der Raum ac i&longs;t luftleer. In der Theorie
läßt &longs;ich nicht leicht etwas &longs;innreicheres gedenken; allein
die Schwierigkeit, eine genau coni&longs;che Röhre zu erhalten,
macht es immer nöthig, die ganze Länge der Säule cd zu
me&longs;&longs;en, wodurch das Werkzeug wieder zu einem gewöhnlichen
Barometer wird, bey dem noch überdies das Reiben
wegen der Bewegung der ganzen Säule &longs;ehr &longs;tark i&longs;t, und
wegen einer bald anzuführenden Eigen&longs;chaft der Röhren
von ver&longs;chiednen Durchme&longs;&longs;ern noch eine neue Ungewißheit
ent&longs;teht.
Alle die&longs;e Vor&longs;chläge, die Barometerveränderungen
durch größere Räume auszudehnen, &longs;ind zweckwidrig.
Das einfache Barometer &longs;elb&longs;t bleibt allezeit bis auf (1/16) Lin.
unzuverläßig, und da &longs;ich die&longs;e Größe noch mit bloßen
Augen oder doch durch Hülfe eines Vergrößerungsgla&longs;es
unter&longs;cheiden läßt, &longs;o i&longs;t es höch&longs;t nachtheilig, durch eine
unnöthige Vergrößerung der&longs;elben das In&longs;trument noch
fehlerhafter zu machen.
Da die Höhe der gewöhnlichen Barometer unbequem
fallen könnte, &longs;o hat Amontons (Acienne hi&longs;t. de l'
acad. des &longs;c. To. II. p 39.) im Jahre 1688 ein verkürztes
Barometer angegeben. Taf. III. Fig. 48. i&longs;t
die er&longs;te Röhre ab mit Queck&longs;ilber gefüllt, und mit einer
zweyten bc verbunden, in der &longs;ich Luft befindet. Die&longs;e
hängt mit der dritten cd zu&longs;ammen, die wieder Queck&longs;ilber
enthält u. &longs;. f. So wird durch zwo Queck&longs;ilber&longs;äulen
und eine Luft&longs;äule die Höhe auf die Helfte herabge&longs;etzt.
Vier Queck&longs;ilber&longs;äulen und drey Luft&longs;äulen würden &longs;ie auf
den vierten Theil herabbringen u. &longs;. f. Die Luft&longs;äulen dienen
nur, den von der er&longs;ten Queck&longs;ilber&longs;äule ent&longs;tandenen
Druck auf die zweyte und die folgenden fortzupflanzen, daher
auf d die Summe aller Queck&longs;ilber&longs;äulen von unten her
drückt. An jeder obern Krümmung i&longs;t eine kleine Röhre g
zum Einfüllen des Queck&longs;ilbers, welche nachher wieder
ver&longs;chlo&longs;&longs;en wird. Die Veränderungen vertheilen &longs;ich aber
hier unter die Queck&longs;ilberflächen a, b, c, d, daß al&longs;o das Barometer
der Figur bey a nur 1/4 Zoll &longs;teigt, wenn das gewöhnliche
1 Zoll &longs;teigt. Daher füllte Amontons über d
noch einen Liquor, den er in der engen Röhre fe auf&longs;teigen
ließ, wie im Doppelbarometer, &longs;etzte auch in bc &longs;tatt der
Luft einen Liquor. Neuerlich hat Pa&longs;&longs;ement, zu mehrerer
Vergrößerung der Veränderungen, der Röhre bc mehr
Länge zu geben, und &longs;ie deswegen entweder im Zikzak hin
und her zu biegen, oder weit hinauf zu führen, und wieder
bis c herunter gehen zu la&longs;&longs;en, vorge&longs;chlagen. Er füllt &longs;ie
dann mit zween Liquoren von ver&longs;chiednen Farben, deren
Grenzpunkt bey den gering&longs;ten Veränderungen der Queck&longs;ilberhöhe
de&longs;to &longs;tärker hin und her geht, je länger und enger
die Röhre i&longs;t. Es i&longs;t aber wegen des &longs;tarken Reibens
und der verwickelten Einwirkung der Wärme unmöglich,
die&longs;em In&longs;trumente die gehörige Regelmäßigkeit zu
geben.
Auch gab Amontons (Mém. de l' acad. des &longs;cienc.
1705.) noch ein Meerbarometer an, welches &longs;chon im
Jahre 1700 von Halley (Phil. Trans. no. 269.) als eine
Erfindung des D. Hook be&longs;chrieben i&longs;t. Es i&longs;t die&longs;esThermometer
zu be&longs;chreibende Luftthermometer, welches zugleich als Barometer
wirkt. Die Erfinder &longs;chlugen vor, ein gewöhnliches
Thermometer daneben zu beobachten, und &longs;o zu &longs;ehen,
welcher Theil &longs;einer Veränderungen von der Wärme
herrühre. Das übrige müßte dann dem Drucke der Luft
zuge&longs;chrieben werden. Da der Liquor in|die&longs;em In&longs;trumente
nicht &longs;chwankt, wenn es bewegt wird, &longs;o glaubten
&longs;ie, es werde auf der See nützlich &longs;eyn. Man kan &longs;ich
aber von die&longs;em Verfahren wenig Genauigkeit ver&longs;prechen.
Neuerer Verbe&longs;&longs;erungen de&longs;&longs;elben von den Herren Magellan
und Luz werde ich unten gedenken.
Weit be&longs;&longs;er i&longs;t Pa&longs;&longs;ements neuerer Vor&longs;chlag, das
gewöhnliche einfache Barometer zum Gebrauch auf der
See &longs;o einzurichten, daß der mittlere Theil &longs;einer Röhre
etwa zweymal in Ge&longs;talt einer Spirallinie umgewunden
werde. Die äußere Windung kan 2 Zoll im Durchme&longs;&longs;er
halten. Durch die&longs;e Windungen wird die Wirkung des
Schüttelns aufgehoben, weil &longs;ie in den&longs;elben viele ver&longs;chiedene
Richtungen nehmen muß. Da aber auch das Reiben
hiedurch &longs;ehr ver&longs;tärkt wird, &longs;o i&longs;t ein &longs;olches In&longs;trument
zu genauern Beobachtungen untauglich; aber die Seefahrenden
haben auch einen &longs;o hohen Grad der Genauigkeit
nicht nöthig.
Zu gewöhnlicher Beobachtung der täglichen Barometerveränderungen
behält das einfache Barometer mit
dem Behältniß (Taf. III. Fig. 40 und 41.) ent&longs;chiedene
Vorzüge vor allen gekün&longs;telten Einrichtungen, zumal,
wenn der Durchme&longs;&longs;er des Behältni&longs;&longs;es weit genug i&longs;t, um
das Auf- und Ab&longs;teigen der Fläche GH unmerklich zu machen.
Ein in Holland lebender Kün&longs;tler, Prinz, erdachte
ein Mittel, die Horizontalfläche GH in der torricelli&longs;chen
Röhre (Taf. III. Fig. 38.) immer gleich hoch zu
erhalten. Er &longs;etzte über GH einen Deckel mit einer Oefnung
in der Mitte, durch welche die Röhre durchgieng,
ohne ihren Rand zu berühren. Das Gefäß war mit Queck&longs;ilber
gefüllt, welches &longs;elb&longs;t bey der größten Barometerhöhe
noch bis über die Oefnung des Deckels hervortrat, und &longs;ichde Lüc es wieder in Erinnerung gebracht, und dadurch
einige Neuere veranlaßt hat, es bey ihren Erfindungen
zu nützen. Herr Luz (Be&longs;chreibung von Barometern,
§. 131—134.) hat eine Verbe&longs;&longs;erung de&longs;&longs;elben vorge&longs;chlagen,
die er auch zum Rei&longs;ebarometer einzurichten lehret.
Zu genauern Beobachtungen aber, be&longs;onders zum
Gebrauch bey Höhenme&longs;&longs;ungen, wobey das Queck&longs;ilber oft
&longs;ehr tief fällt, und al&longs;o GH &longs;ehr hoch &longs;teigen würde, wo
auch die Ver&longs;chiedenheit der Durchme&longs;&longs;er der Röhre und
des Behältni&longs;&longs;es aus andern Ur&longs;achen die Richtigkeit des
Queck&longs;ilber&longs;tandes &longs;tören kan, &longs;ind die Barometer mit Behältni&longs;&longs;en
nicht mehr &longs;icher zu gebrauchen. Herr de Lüc, de&longs;&longs;en
Verdien&longs;te um die Verbe&longs;&longs;erung der meteorologi&longs;chen
Werkzeuge &longs;o ausgezeichnet &longs;ind, i&longs;t daher (Recherches
&longs;ur les modifications de l' atmo&longs;phère, Genev. 1772.
To. ll. 4.) wieder auf die läng&longs;t bekannte Einrichtung des
Barometers, Taf. lll. Fig 39., zurückgegangen. Erxleben
(Anfangsgr. der Naturl. §. 259.) &longs;agt, er &longs;ey &longs;chon
vor de Lüc auf die&longs;en Gedanken gerathen; wie denn auch
eine ähnliche Einrichtung &longs;chon beym Hook (Micrographia,
1665. Tab. l. Fig. 1.) und aus dem&longs;elben beym
Leupold (Theatr. aero&longs;tat. Tab. Vll. Fig. 5.) vorkömmt,
aus welcher Hook nachher das Radbarometer
gemacht hat.
Von der Aehnlichkeit mit dem Heber wird die&longs;es Barometer
das heberförmige oder Heberbarometer ( barometre
à &longs;iphon) genannt. Sein größter Vorzug be&longs;teht
darinn, daß beyde Queck&longs;ilberflächen in Röhren von gleichen
Durchme&longs;&longs;ern &longs;teigen und fallen.
Es erfordern aber die&longs;e Heberbarometer an jedem
Schenkel eine eigne Scale. Man kan &longs;ie, wie Taf. lll.
Fig. 49. einrichten, wo die ganze Röhre etwa 29 pari&longs;er
Zoll lang i&longs;t, und von der|an den &longs;iebenten Zoll von unten
ge&longs;tellten Null, 22 Zoll aufwärts am längern, und 7 Zoll
niederwärts am kürzern Schenkel gezählt werden. Die
Zolle mü&longs;&longs;en in Linien, und die&longs;e nach Herrn de Lüc mit
rothen Strichen in Viertel getheilt &longs;eyn. Das Augenmaaß
theilt leicht noch einmal in Viertel, und unter&longs;cheidet
al&longs;o Sechszehntheile der Pari&longs;er Linie. Die Genauigkeit
weiter zu treiben, ver&longs;tattet ohnehin das Reiben und AnhängenI bey 18, G bey 4 Zoll, &longs;o i&longs;t die ganze Höhe
von I über G, al&longs;o die eigentliche Barometerhöhe, 22 Zoll.
Der Ritter Landriani &longs;etzt nach Magellan (Be&longs;chreibung
neuer Barometer, neb&longs;t einer Anwei&longs;ung zum
Gebr. der&longs;. Leipzig 1782. 8.) &longs;tatt der Scale am kürzern
Schenkel, eine Büch&longs;e mit einem elfenbeinernen Hahne an,
und will, man &longs;olle bey der Beobachtung den Hahn ver&longs;chließen,
und das über den&longs;elben aufge&longs;tiegene Queck&longs;ilber
aus der Büch&longs;e durch einen Trichter in eine enge an den
Trichter ge&longs;chmolzene horizontale Glasröhre gießen, &longs;o
werde man durch eine an der&longs;elben angebrachte Scale die
Menge des ausgelaufenen Queck&longs;ilbers &longs;ehr genau abme&longs;&longs;en,
und dadurch den Stand des Barometers bis auf (1/50)
Linie be&longs;timmen können. Das ausgelaufene Queck&longs;ilber
muß nachher wieder ins Barometer gego&longs;&longs;en werden. Magellan
nennt dies ein &longs;tereometri&longs;ches Barometer.
Allein der Zeitverlu&longs;t bey jeder Beobachtung, die Gefahr,
beym Aus- und Eingießen Queck&longs;ilber zu verlieren oder
mit Luft und Schmuz zu vermi&longs;chen, auch durch den Hahn
einmal mehr, das anderemal weniger abzu&longs;chneiden, macht
die&longs;e Einrichtung unbrauchbar, und die ge&longs;uchte Genauigkeit
i&longs;t ohnedem höher getrieben, als es die Natur der Barometer
überhaupt ver&longs;tattet.
Magellan &longs;elb&longs;t (a. a. O.) &longs;chlägt vor, das Heberbarometer
um einen Punkt am längern Schenkel, wie etwa
der Punkt Null in der Figur, beweglich zu machen, und
bey jeder Beobachtung in eine &longs;chiefe Lage zu bringen, bis
das Queck&longs;ilber im kürzern Schenkel die auf dem Bret verzeichnete
Horizontalfläche 00 erreiche. Der Bogen, der
alsdann vom obern Ende der Röhre A, oder von irgend
einem andern Punkte des längern Schenkels be&longs;chrieben
worden i&longs;t, &longs;oll nun, durch eine Scale abgeme&longs;&longs;en, den
Stand des Barometers angeben. Ich kan nicht ab&longs;ehen,
was die&longs;e Kün&longs;teley helfen &longs;olle, welche offenbar nur die
Fehler vermehrt, und den Einfluß der Wärme unregelmäßiger
macht. Soll &longs;ie blos die Beobachtung an zwo
Changeux (De&longs;cription de nouveaux barometres
à appendice, Journal de phy&longs;ique, Mai 1783.)
will (Taf. lll. Fig. 50.) das Barometer mit dem Behältniß
noch mit einer Röhre c (appendice) ver&longs;ehen, welche
von c gegen d etwa um eine Linie in die Höhe läuft,
bey d aber aufwärts gebogen und offen i&longs;t. So,
meint er, werde das Queck&longs;ilber nie über c &longs;teigen, al&longs;o
im Behältni&longs;&longs;e die Horizontalebne c bey allen Veränderungen
des Steigens und Fallens von I immer die&longs;elbe
bleiben. Die&longs;e Ab&longs;icht aber wird nicht erreicht, weil
der Anhang bey c &longs;chief &longs;tehen muß, damit das hineingetretene
Queck&longs;ilber nachher wieder zurücklaufe. Wenn
al&longs;o der Anhang ganz voll wird, &longs;teht die Horizontalebne
im Behältniß doch 1 Linie höher, als wenn er leer
i&longs;t. Außerdem wird auch das Anhängen in c &longs;ehr &longs;tark.
Man &longs;ieht aus dem bisherigen, wie &longs;ehr man am
Barometer gekün&longs;telt, und wie oft man &longs;ich von derjenigen
Simplicität entfernt habe, welche ohne Ausnahme
das Kennzeichen guter Werkzeuge i&longs;t. Ich enthalte
mich aller fernern Bemerkungen hierüber, und gehe
zu den Vor&longs;chriften zu Verfertigung der Barometer fort,
bey welchen ich blos auf Barometer mit Behältni&longs;&longs;en
und Heberbarometer Rück&longs;icht nehmen werde.
Verfertigung der Barometer.
Die Glasröhren zum Barometer werden am bequem&longs;ten
von 1 3/4—2 Lin. Weite im Lichten, und 1/3 Lin. Glasdicke
gewählt. Sie mü&longs;&longs;en, &longs;o viel möglich, eine durchgehends
gleiche Weite haben; beym Heberbarometer mü&longs;&longs;en
wenig&longs;tens die Theile beyder Schenkel, in welchen die
Queck&longs;ilberflächen &longs;teigen u. fallen, vollkommen u. durchgehends
gleich weit &longs;eyn. Man nennt die Unter&longs;uchung
der gleichen Weite der Röhren das Calibriren. Sie hat
bey den weitern Barometerröhren mehr Schwierigkeit,
als bey den engern zum Thermometer dienenden. De Lüc
&longs;teckt in die&longs;er Ab&longs;icht einen Kork in die Röhre, gießtLuz
ver&longs;topft das Ende der Röhre, füllt aus einem kleinen
Maaße Queck&longs;ilber darüber, und &longs;ieht, ob das zweyte,
dritte rc. darüber gefüllte Maaß in der Röhre einen
eben &longs;o langen Raum einnimmt, als das er&longs;te.
Die Röhren werden vorher wohl getrocknet, und
mit einem durchgezognen trocknen Schwamm gereiniget;
dann &longs;chmelzt man das eine Ende-an der Flamme &longs;o zu,
daß man keine feine Spitze, &longs;ondern eine kleine und gleichförmige
Wölbung erhält. Man giebt ihr zugleich die am
untern Theile nöthige Krümmung; deren jedoch das Barometer
Taf. lll. Fig. 40. nicht bedarf. Hierauf muß &longs;ie
&longs;ogleich, und zwar nothwendig über dem Feuer, oder mit
Kochen des Queck&longs;ilbers, gefüllt werden.
Das Queck&longs;ilber muß vorher wohl gereiniget &longs;eyn.
Luz empfiehlt hiezu Prie&longs;tley's Methode, da&longs;&longs;elbe in
einer glä&longs;ernen Fla&longs;che &longs;o lange zu &longs;chütteln, bis &longs;ich keine
&longs;chwarze bleyi&longs;che Materie mehr davon ab&longs;ondert. Sobald
es ganz rein i&longs;t, fängt es beym Schütteln an zu ra&longs;&longs;eln.
Das gereinigte Queck&longs;ilber läßt man durch einen
papiernen oder glä&longs;ernen Trichter in die Röhren laufen,
bis etwa noch 3 Zoll der Röhre leer &longs;ind. In gekrümmten
Röhren wird es bey flach gelegter Röhre in den kürzern
Schenkel eingefüllt, bis es die Krümmung, &longs;o viel
möglich, anfüllt; dann hält man die Oefnung zu, kehrt
die Röhre um, und bringt das, was durch die Krümmung
in den längern Schenkel gekommen i&longs;t, durch
Schütteln vollends hinab bis an das zuge&longs;chmolzene
Ende. Da dies müh&longs;am i&longs;t, &longs;o krümmen manche die
Röhre er&longs;t, wenn &longs;ie &longs;chon gefüllt i&longs;t, wobey aber die
Röhren leicht zer&longs;pringen, &longs;obald der eben glühende
Theil vom Queck&longs;ilber berührt wird.
Das Kochen des Queck&longs;ilbers in der Barometerröhre,
welches zur Güte der Barometer &longs;o we&longs;entlich nothwendig
i&longs;t, ward dem Herrn du Fay (Mém. de l' acad.
roy. des Sc. 1723.) von einem deut&longs;chen Glasarbeiter alsCa&longs;&longs;ini und le Monnier entdeckten nachher (Mém. de
l'acad. des Sc. 1740.), daß das Queck&longs;ilber in allen &longs;olchen
durchs Kochen gefüllten Röhren gleich hoch &longs;tehe, und
gleich viel &longs;teige und falle, da Barometer, die nicht gekocht
&longs;ind, &longs;ehr beträchtlich von einander abweichen. Dennoch
hatte man noch nicht richtige Begriffe von den eigentlichen
Vortheilen des Kochens; Beighton (Phil. Trans.
no. 448.) gab es noch 1738 als ein Mittel an, den Einfluß
der Wärme aufs Barometer ganz zu verhindern, wofür
es auch du Fay gehalten hatte. De Lüc hält mit
Recht das Kochen. für das einzige Mittel, die Luft auf eine
&longs;tets gleiche Menge zu bringen, die &longs;ich aus dem Queck&longs;ilber
losmacht, und in den leeren Raum über der Queck&longs;ilber&longs;äule
auf&longs;teigt, wo &longs;ie nicht allein durch ihre Ela&longs;ticität
die Queck&longs;ilberfläche bey ungekochten Barometern, in einem
mehr als im andern, niederdrückt, &longs;ondern auch durch
ihre Empfindlichkeit gegen die Wärme höch&longs;t unregelmäßige
Einflü&longs;&longs;e die&longs;er Wärme auf den Gang des Barometers
veranla&longs;&longs;et. Zurückbleibende Feuchtigkeit &longs;chadet nach
Herrn Luz Ver&longs;uchen noch mehr. Ein Wa&longs;&longs;ertröpfchen
in den obern Raum gebracht, trieb das Queck&longs;ilber augenblicklich
um 11 Linien herab. Amontons hatte ein
Barometer, welches &longs;tets 18 Linien zu tief &longs;tand. Aus
die&longs;en Ur&longs;achen i&longs;t es &longs;chlechterdings nothwendig, die
Barometer durch Kochen zu füllen: nur dadurch kan man
den Stand der&longs;elben überein&longs;timmend, und den Einfluß
der Wärme auf den&longs;elben regelmäßig machen.
Man macht den Anfang des Kochens am zuge&longs;chmolzenen
Ende der Röhre, wovon man ein Stück von etwa
6 Zollen an einem gelinden Kohlenfeuer nach und nach erwärmt.
Bey zunehmender Hitze bedeckt &longs;ich die äußere
Fläche des Queck&longs;ilbers mit einer unglaublichen Menge
Luftbla&longs;en, wovon &longs;ie ganz a&longs;chgrau &longs;cheint; die&longs;e &longs;ammlen
&longs;ich endlich in größere, welche im Queck&longs;ilber hinauflaufen.
Noch kocht es aber nicht. Man hält nun die Röhre unter
Durch das Kochen kömmt das Queck&longs;ilber in &longs;o genaue
Berührung mit dem Gla&longs;e, daß beym Umkehren der
Röhre die ganze Säule darinn hängen bleibt, und er&longs;t
nach einigem Schütteln aus der Spitze bis zur gewöhnlichen
Barometerhöhe herabfällt. Man nimmt die&longs;es Anhängen
oft auch beym Füllen ungekochter Barometer
wahr. Wolf (Nützl. Ver&longs;. ll. Th. C. 3. §. 36.) erzählt die
hiehergehörigen Beobachtungen des Huygens, Brounker,
Boyle und Wallis. Der er&longs;te &longs;ahe das Queck&longs;ilber
in einer umgekehrten Röhre 75 rheinländi&longs;che Zoll
hoch &longs;tehen oder vielmehr hängen bleiben. Die&longs;es Phänomen
veranlaßte mancherley Hypothe&longs;en über gröbere
und feinere Luft, Druck der &longs;ubtilen Materie oder des Aethers
u. dgl. Es i&longs;t nichts anders, als eine Wirkung des
Das ausgekochte Barometer wird nun auf ein Bret
von Tannenholz &longs;o befe&longs;tiget, daß die Röhre mit einem
Drittel ihrer Dicke in einer mit dem Kehlhobel ausge&longs;to&longs;&longs;enen
Rinne liegt, und die Ränder der Rinne genau an
das Glas an&longs;chließen, daher die Rinne &longs;chmäler &longs;eyn muß,
als die Röhre. Bey Heberbarometern muß für den kürzern
Schenkel eine ähnliche Rinne da &longs;eyn. Luz &longs;chneidet
das Holz des Brets da, wo die Krümmung hinkömmt,
ganz aus. Das Bret wird mit Papier überkleidet, und
die Scale darauf gezeichnet.
Die gemeinen Barometer, welche die Italiäner bey uns zum Verkauf herumtragen, haben &longs;tatt der Scale einen willkührlich aufge&longs;etzten gedruckten Zettel mit Graden und den Worten: Schön Wetter, Veränderlich, Regen, Sturm u. dgl. Von &longs;olchen unnützen Werkzeugen &longs;timmt kein einziges mit dem andern überein, und &longs;ie dienen höch&longs;tens dazu, die gröb&longs;ten Veränderungen zum Zeitvertreib zu bemerken, und andern wieder zu erzählen, daß das Wetterglas auf Sturm gefallen &longs;ey.
Die Scale des Barometers &longs;oll angeben, wie hoch
die obere Queck&longs;ilberfläche über der untern &longs;tehe. Gewöhnlich
richtet man &longs;ie auf pari&longs;er Zoll ein, deren jeder in 12
Linien getheilt wird. Man kan aber jedes bekannte Maaß
gebrauchen, wenn man nur dazu &longs;agt, welches man gebraucht
habe. Die de Lüc&longs;che Einrichtung der Scale für
&longs;ein Barometer i&longs;t &longs;chon im vorigen be&longs;chrieben und Taf.
lll. Fig. 49. abgebildet worden. Man könnte auch am
kürzern Schenkel die Null unten &longs;etzen und von unten herauf
zählen. Dann würde am längern Schenkel fortgezählt,
daß z. B. in der Figur &longs;tatt 0;7, &longs;tatt 5;12,
&longs;tatt 22; 29 zu &longs;tehen käme. Bey der Beobachtung würden
dann die Angaben beyder Schenkel von einander abgezogen.
So würde in der Figur der längere 25 Zoll,
Um die doppelte Scale zu er&longs;paren, die doch immer
zwo Beobachtungen &longs;tatt einer nothwendig macht, hat
Herr Luz (Be&longs;chreibung von Barom. §. 113.) vorge&longs;chlagen,
das Heberbarometer &longs;o am Brete anzubringen,
daß &longs;ich &longs;eine Schenkel in den Rinnen auf- und ab&longs;chieben
la&longs;&longs;en. Er zieht nun auf dem Brete eine Horizontallinie,
macht bey die&longs;er den Anfang einer einzigen Scale, und
&longs;tellt bey jeder Beobachtung durch eine um einen Wirbel
gewundene Darm&longs;aite das Barometer &longs;elb&longs;t &longs;o, daß die
Queck&longs;ilberfläche im kürzern Schenkel auf die Horizontallinie
am Anfange der Scale fällt, auf welcher nun die
Queck&longs;ilberfläche im längern Schenkel die Höhe der Säule
richtig anzeigt.
Für die Barometer mit Behältni&longs;&longs;en, deren Stand
wegen der ungleichen Durchme&longs;&longs;er der beyden Queck&longs;ilberflächen
gewöhnlich niedriger i&longs;t, als der Stand der Heberbarometer,
räth Herr Luz (a. a. O. §. 115 u. f.) an, die
Scale der&longs;elben bey einem mittlern Barometer&longs;tande &longs;o anzu&longs;etzen,
daß die Angabe des Barometers mit der zugleich
beobachteten Angabe eines guten Heberbarometers übereinkomme;
oder noch lieber die Scale oder auch das Barometer
&longs;elb&longs;t beweglich zu machen, und es &longs;owohl im Anfange,
als auch hernach von Zeit zu Zeit nach einem guten
Heberbarometer zu berichtigen. Dies heißt wohl im Grunde
&longs;o viel als: es &longs;ey be&longs;&longs;er, mit dem Heberbarometer &longs;elb&longs;t
zu beobachten. Herr Luz aber glaubt doch, da man die
Barometer beobachtungen oft andern Leuten überla&longs;&longs;en mü&longs;&longs;e,
die das Heberbarometer nicht zu behandeln wüßten, und da
die öftere Reinigung des kürzern Schenkels, in welchem
das Queck&longs;ilber der Luft und dem Staube ausge&longs;etzt i&longs;t,
be&longs;chwerlich &longs;ey, &longs;o habe ein genau berichtigtes Behältnißbarometer
zu fortge&longs;etzten Beobachtungen noch Vorzüge
vor dem Heberbarometer. Die Vor&longs;chriften zur Berichtigung
mü&longs;&longs;en bey ihm &longs;elb&longs;t nachgele&longs;en werden.
Da man die Linie auf der Scale noch in vier Theile
theilen und durchs Augenmaaß Sechszehntheile unter&longs;cheidenLuz und Ro&longs;enthal|
vor&longs;chlagen, um den Stand des Barometers bis auf
noch feinere Theile zu bemerken, entbehrlich; auch wird
man die Erklärung der&longs;elben hier nicht erwarten.
Was die Behältni&longs;&longs;e betrift, &longs;o i&longs;t zu dem Taf. III.
Fig. 40. vorge&longs;tellten Barometer durch Leutmann (In&longs;trumenta
meteorogno&longs;iae in&longs;ervientia, Viteb. 1725.
8.) eine Büch&longs;e von Holz vorge&longs;chlagen worden, welche
noch jetzt häufig gebraucht wird. Sie i&longs;t ein wenig verändert
Taf. Ill. Fig. 51. aus Luz (Be&longs;chr. v. Bar. Taf. ll. F. 1.)
vorge&longs;tellt. adeda i&longs;t ein hölzernes Gefäß mit einer Oefnung
bey e, auf welches der Deckel Bffb pa&longs;&longs;et. Der
Deckel hat ein 3/4 Zoll weites Loch cc, mit Kork ausgefüttert.
Die Barometerröhre geht geräumig durch das in
den Kork gebohrte Loch. Nach dem Füllen, noch ehe die
Röhre umgekehrt wird, leimt man um ihren obern Theil
ein Streifchen Bla&longs;e, und dann den Deckel B&longs;fB in umgekehrter
Stellung darauf, &longs;o daß das Gefäß adeda,
wenn es darüber ge&longs;etzt wird, bey e etwa 1 1/2 Lin. von dem
Ende der Röhre ab&longs;teht. Man leimt das Gefäß an den
Deckel an, füllt durch die jetzt oben&longs;tehende Oefnung e alles
voll Queck&longs;ilber, und ver&longs;chließt die&longs;e Oefnung durch ein
genau pa&longs;&longs;endes eingeleimtes Zäpfgen. Nunmehr kan
man, da alles ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t, die Röhre mit der Büch&longs;e
ohne Gefahr umkehren, und an das Bret befe&longs;tigen. Jetzt
i&longs;t &longs;ie aber ganz voll Queck&longs;ilber; man zieht daher aus einem
&longs;chon vorher bey h eingebohrten Loche das Zäpfgen,
womit es ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t, heraus, &longs;o läuft das überflüßige
heraus, und das Queck&longs;ilber &longs;etzt &longs;ich in der Büch&longs;e und
der Nöhre auf die gehörigen Höhen. Einige la&longs;&longs;en die
Büch&longs;e ver&longs;chlo&longs;&longs;en, weil die äußere Luft durch das Holz
wirket; aber es i&longs;t rath&longs;amer, durch den Deckel eine Oefnung
zu bohren, die aber, wie natürlich, beym Füllen ver&longs;chlo&longs;&longs;en
werden muß. Be&longs;orgt man, das Queck&longs;ilber
Herr Luz be&longs;chreibt a. a. O. noch andere Einrichtungen
die&longs;er Büch&longs;e. Nollet machte &longs;ie von Glas, damit
man die untere Queck&longs;ilberfläche &longs;ehen konnte. Luz &longs;elb&longs;t
macht die Vertiefung ded &longs;ehr flach und kaum merklich,
läßt die Röhre bey e durch den Boden durchgehen, das
aus ihr herausgehende Queck&longs;ilber aber durch einen an der
Seite befindlichen Canal wieder herauf auf den Boden dd
kommen, wo es &longs;ich nach der flachen Vertiefung hinzieht
und um die Röhre einen Ring bildet, der &longs;ich bey mehrerm
oder wenigerm Queck&longs;ilber nur verbreitet oder verengert,
ohne &longs;eine Höhe zu ändern. Er giebt dies als eine
Verbe&longs;&longs;erung der Prinzi&longs;chen Einrichtung an.
Die Behältni&longs;&longs;e zu den Taf. lll. Fig. 41. abgebildeten
Barometern werden gewöhnlich noch vor dem Füllen
an die er&longs;t gekrümmten Röhren angebla&longs;en. Sie mü&longs;&longs;en,
wie die vorher be&longs;chriebenen Büch&longs;en, einen 10—12mal
größern Durchme&longs;&longs;er, als die Röhre, haben. Weil viel
Queck&longs;ilber erfordert wird, um die angebla&longs;enen Glasbehältni&longs;&longs;e
bis an ihren größten Kreis auszufüllen, &longs;o thut
Luz (§. 138. 139.) zur Er&longs;parung den Vor&longs;chlag, &longs;tatt
des Behältni&longs;&longs;es ein cylindri&longs;ches glä&longs;ernes Gefäß ohne
Boden in eine hölzerne Kap&longs;el zu fa&longs;&longs;en, die gekrümmte
Röhre bis durch den Boden der Kap&longs;el fortzuführen, und
das Queck&longs;ilber nur &longs;o weit gehen zu la&longs;&longs;en, daß es beym
höch&longs;ten Barometer&longs;tande gerade den hölzernen Boden der
Kap&longs;el bedeckt; er zeigt auch, wie &longs;ich dabey auf eine &longs;ehr
einfache Art die Prinzi&longs;che Einrichtung anbringen la&longs;&longs;e,
um immer einerley Horizontalebne zu behalten. Uebrigens
i&longs;t nicht zu verge&longs;&longs;en, daß dergleichen Behältnißbarometer
bey An&longs;etzung der Scale allezeit nach dem Heberbarometer
zu richten &longs;ind.
Einfluß der Wärme aufs Barometer.
Die Wärme dehnt das Queck&longs;ilber aus, macht es
&longs;pecifi&longs;ch leichter, und verur&longs;acht daher, daß die mit dem
Drucke des Luftkrei&longs;es gleichwiegende Säule bey wärmermAmontons (Mém.
de Paris 1740.) gab hierüber zuer&longs;t die Regel an, daß
&longs;ich von der größten Kälte bis zur größten Hitze in Paris
das Volumen des Queck&longs;ilbers um (1/115) ändere. De la
Hire, du Fay, Beighton aber läugneten den Einfluß
der Wärme auf die einfachen Barometer, wenig&longs;tens auf
die gekochten, gänzlich. De Lüc (Recherches §. 355. u. f.)
hat endlich zu genauern Unter&longs;uchungen hierüber die Bahn
gebrochen. Er zeigt, daß man von der Ausdehnung des
Queck&longs;ilbers im Thermometer keinen Schluß auf &longs;eine
Ausdehnung im Barometer machen könne; auch daß nur
in gekochten Barometern regelmäßiger Einfluß der Wärme
&longs;tatt finde, und &longs;chließt endlich aus Ver&longs;uchen mit Barometern
und Thermometern in einem kalten, nachher geheizten,
Zimmer, daß die Veränderung der Temperatur
vom Eis- bis Siedpunkt den Barometer&longs;tand von 27 par.
Zoll um 6 Linien ändere (§. 364.). Er theilt deswegen auf
&longs;einem Thermometer den Raum zwi&longs;chen Eis- und Siedpunkt
in 96 Grade; &longs;o kömmt jedem Grade Aenderung
der Wärme, (1/16) Lin. Aenderung des Barometer&longs;tands zu.
Die Null die&longs;er Thermometer&longs;cale zum zehnten Grade nach
Reaumur ge&longs;etzt, kömmt an den Eispunkt —12, an den
Siedpunkt +84 zu &longs;tehen. De Lüc beobachtet nun die&longs;es
Thermometer zugleich mit dem Barometer, und giebt für
die Berichtigung jedes Barometer&longs;tands eine Regel (§.
374.), die &longs;ich am kürze&longs;ten in einem allgemeinen Ausdrucke
abfa&longs;&longs;en lä&longs;t. Wenn der unverbe&longs;&longs;erte Barometer&longs;tand =B
Linien i&longs;t, und de Lücs Thermometer ± k Grade zeigt, &longs;o
i&longs;t der berichtigte Barometer&longs;tand B (1∓ (k/5184)) Lin.
Stünde z. B. das Barometer auf einem Berge bey 13 1/2
Zoll oder 162 Linien, und das Thermometer zeigte—16,
&longs;o würde der berichtigte Barometer&longs;tand 162.
(1+(16/5184))=162 Lin. &longs;eyn. So viel würde
nemlich das Barometer zeigen, wenn die Temperatur
10 Grad nach Reaumur wäre; die Kälte aufKä&longs;tner (Abhdl. von Höhenme&longs;&longs;ungen durch das
Barometer in &longs;. Anm. über die Mark&longs;cheidekun&longs;t, Gött.
1775. 8. §. 295—301.) zeigt, daß das Verfahren nach
die&longs;er Regel nicht in aller Schärfe richtig, doch in der Ausübung
brauchbar &longs;ey.
Der Ritter Shukburgh (Philo&longs;. Transact. Vol.
LXVII. no. 29.) giebt die Aenderung einer 30 engli&longs;che
Zoll langen Queck&longs;ilber&longs;äule für jeden Grad des Fahrenheiti&longs;chen
Thermometers=0,00323 Zoll an, welches nach
gehöriger Reduction der Maaße und Scalen nicht weit von
de Lücs Angabe abweicht.
Roy (Philo&longs;. Trans. Vol. LXVll. no. 34.) findet
durch Ver&longs;uche, die &longs;ehr genau &longs;cheinen, die Ausdehnung
eben die&longs;er Säule vom Eis-bis zum Siedpunkte 0,5117
engl. Zoll, das i&longs;t, für eine Säule von 27 par. Zoll nur
5,5262 par. Lin.
Ro&longs;enthal (Beyträge zur Verfertigung, Kenntniß
und Gebrauch meteorolog. Werkzeuge, Gotha. B. I. 1782.
B. ll. 1784. 8.) giebt aus eignen Ver&longs;uchen 5,56, und
Luz (Be&longs;chreib. v. Bar. §. 77.) 5,64 par. Lin. Der letztere
nimmt endlich 5,5 Lin. an, welches aber kein Mittel,
&longs;ondern nach allen Ver&longs;uchen zu wenig i&longs;t.
Als das bequem&longs;te Mittel, die Barometerbeobachtungen
nach die&longs;en Ver&longs;uchen zu berichtigen, &longs;chlagen fa&longs;t
alle prakti&longs;che Kenner des Barometers vor, &longs;ich be&longs;onderer
Thermometer&longs;calen zu bedienen, wovon die &longs;chon angeführte
Methode des de Lüc ein Bey&longs;piel giebt. Allein
es erfordert nicht allein jedes andere Ausdehnungs verhältniß,
und jede andere Temperatur, auf welche man die Barometerhöhen
reduciren will, eine andere Eintheilung der
Scale, &longs;ondern jede Scale gilt auch nur für eine einzige
Barometerhöhe, und muß für andere verhältnißmäßig vergrößert
oder verkleinert werden, welches die Menge der
Scalen fa&longs;t ins unzählbare vervielfaltiget. Aus der unnöthigen
Menge der Thermometer&longs;calen i&longs;t ohnehin &longs;chon
&longs;o viel &longs;chädliche Sprachverwirrung ent&longs;tanden, daß man
billig aufhören &longs;ollte, &longs;ie noch mehr zu häufen. Ueberdies
Die&longs;e Rechnung i&longs;t in folgender Formel enthalten.
Eine Queck&longs;ilber&longs;äule im Barometer, welche beym Eispunkte
die Länge m hat, dehne &longs;ich bis zum Siedpunkte
um die Länge n aus.
Das Thermometer, das man braucht, habe zwi&longs;chen
Eis und Siedpunkt f Grad, und zeige bey der Beobachtung
h Grad über dem Eispunkte. Die Temperatur, auf
welche man alle Beobachtungen reduciren will, &longs;ey g Grad
über dem Eispunkte.
Die beobachtete Barometerhöhe &longs;ey B.
So i&longs;t die berichtigte oder b=(fm+gn/fm+hn)B=B·(1+((g—h)n/fm+hn))
wofür man ohne merklichen Fehler in der Anwendung
B· (1+((g—h)n/fm))
&longs;etzen kan, weil
Nimmt man nun mit de Lüc n=6 Linien, für
m=27 Zoll=324 Lin., &longs;o wird n/m=(6/324)=(1/54), und
b=B· (1+(g-h/54f))
woraus de Lücs im Vorigen angegebne Regel folgt, wenn
man &longs;einer Scale gemäß
Beobachtet man an einem Fahrenheiti&longs;chen Thermometer,
nennt den Grad, den da&longs;&longs;elbe bey der Beobachtung
zeigt, k, und den, auf welchen man die Beobachtung reduciren
will, i; &longs;o i&longs;t f=180; g=i—32; h=
k—32, und
b=B (1+(i—k/9720))
Die Berichtigung wegen der Wärme be&longs;teht al&longs;o
darinn, daß man zur beobachteten Barometerhöhe B noch(i—k/9720) B hinzu&longs;etzt, oder, wenn i—k negativ i&longs;t, (k—i/9720)B von
ihr abzieht.
Er. Das Barometer zeigt 26 Zoll, 6 Lin.=318
Linien, das Fahrenheiti&longs;che Thermometer 40 Grad; man
will die Barometerhöhe auf die Temperatur 70 Grad nach
Fahrenheit reduciren. So hat man (70-40/9720)·318=(318/324) Lin.
hinzuzu&longs;etzen, und erhält 318,98 Lin.
Oder man will eben die&longs;e Beobachtung auf die Temperatur des Eispuncts reduciren, welche 32 Grad i&longs;t. So hat man (40-32/9720)· 318=(318/1215) Lin. abzuziehen, und erhält 317,73 Lin.
Das heißt: Eben der Druck der Luft, der jetzt bey 40 Grad Thermometer&longs;tand das Queck&longs;ilber 318 Lin. hoch hält, würde ein bis zu 70 Grad erwärmtes 318,98 Lin. und ein bis zum Eispunkte erkaltetes 317,73 Linien hoch halten.
Es erhält die&longs;e Formel durch die Ge&longs;chmeidigkeit, mit welcher &longs;ie &longs;ich allen möglichen Voraus&longs;etzungen, Scalen und Reductionstemperaturen anpa&longs;&longs;en läßt, einen großen Vorzug, und für die, welche die bey jeder Beobachtung nöthige Rechnung &longs;cheuen, wären Tabellen, nach der Formel berechnet, gewiß eben &longs;o leicht zu brauchen, als die vielen Scalen, welche nur Verwirrung und Unzuverlä&longs;&longs;igkeit in die Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bringen.
Die&longs;e Reduction des Barometer&longs;tandes auf das,
was er bey einer andern, zum allgemeinen Vergleichungspunkte
angenommenen, Temperatur des Queck&longs;ilbers gewe&longs;en
&longs;eyn würde, heißt Berichtigung wegen der Wärme
des Queck&longs;ilbers, und i&longs;t bey allen Beobachtungen
nöthig, wenn &longs;ie anders mit einander &longs;ollen verglichen
werden können. Das dabey zu beobachtende Thermometer
muß im Brete des Barometers &longs;elb&longs;t befe&longs;tiget &longs;eyn, damit
&longs;ich das Queck&longs;ilber in dem&longs;elben mit dem Queck&longs;ilber
des Barometers &longs;elb&longs;t in völlig gleichen Um&longs;tänden befinde,
und beyde einerley Temperatur erhalten, wozu man den
In&longs;trumenten einige Zeit la&longs;&longs;en muß.
Zur Temperatur, die den allgemeinen Vergleichungspunkt
abgeben &longs;oll, will Luz aus Ur&longs;achen, welche bey dem
Worte: Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che, erklärt werden,
+16 3/4 Gr. nach Reaumür gewählt wi&longs;&longs;en, welches mit
(69 11/16) oder fa&longs;t 70 Gr. nach Fahrenheit übereinkömmt, und
von Ro&longs;enthal die Normaltemperatur genannt wird.
Die Formel läßt &longs;ich auf jede &longs;olche Wahl leicht anwenden.
Ro&longs;enthal (Anleitung, das de Lüc&longs;che Barometer
zu einem höhern Grad der Vollkommenheit zu bringen,
Gotha, 1779. 8.) thut einen Vor&longs;chlag, die&longs;e Berichtigung
zu machen, ohne dazu eines Thermometers zu bedürfen.
Die&longs;er Vor&longs;chlag &longs;etzt einen Heberbarometer voraus,
an dem die Null an beyden Schenkeln unten &longs;teht,
wo al&longs;o die Angabe des kürzern Schenkels von der des
längern zu &longs;ubtrahiren i&longs;t. Er mißt die Länge des in beyden
Schenkeln über der 0 enthaltnen Queck&longs;ilbers zu einer Zeit,
da die Luft die Normaltemperatur hat, und nennt &longs;ie die
Normallänge. Ge&longs;etzt, er finde im längern Schenkel
5609, im kürzern 424 Sechszehntheile einer Linie, &longs;o i&longs;t
die Normallänge 5609+424=6033; der Barometer&longs;tand
hiebey aber, 5609—424=5185. Zeigt ihm
nun zu einer andern Zeit der längere Schenkel 5650, der
kürzere 427, &longs;o &longs;cheint der Barometer&longs;tand 5650—427
=5223 zu &longs;eyn; die Normallänge aber hat &longs;ich in 5650
+427=6077 verändert. Die&longs;e Veränderung i&longs;t blos
dem Einflu&longs;&longs;e der Wärme zuzu&longs;chreiben, und von ihr kömmt
auf den &longs;cheinbaren Barometer&longs;tand ein &longs;einer Größe gemäßer
Theil. Daher muß &longs;ich die jetzige Normallänge
(6077) zur eigentlichen (6033) verhalten, wie der &longs;cheinbare
Barometer&longs;tand (5223) zum berichtigten, wofür die
Regel Detri 5185 giebt. So hoch würde al&longs;o das Barometer
unter gleichem Drucke der Luft bey der Normaltemperatur
&longs;tehen. So &longs;innreich die&longs;e Methode in der
Theorie i&longs;t, &longs;o &longs;etzt &longs;ie doch voraus, daß die Röhren überall
vollkommen gleich weit &longs;ind, und nie Queck&longs;ilber verlohren
gehe, welches in der Ausübung zu erhalten kaum
möglich i&longs;t. Uebrigens i&longs;t nach Luz die&longs;er Vor&longs;chlag
&longs;chon 1759 von Herrn de la Grange gethan, auch nachherLamanon (Journal de phy&longs;ique,
Janv. 1782.) bekannt gemacht worden.
Methode, zu beobachten, und die Beobachtungen
aufzuzeichnen.
Das Bret des Barometers muß mit Hülfe eines
Bleyloths &longs;o aufgehangen und befe&longs;tiget werden, daß &longs;ich
die Röhren de&longs;&longs;elben neb&longs;t der Scale in einer völlig lothrechten
Stellung befinden. Auch portativen Barometern
muß man, &longs;o oft &longs;ie aufge&longs;tellt werden, die&longs;e lothrechte
Stellung geben. Es i&longs;t nicht genug, die Lage zu &longs;uchen,
in welcher das Queck&longs;ilber die gering&longs;te Höhe zeigt, und
die&longs;e für die richtige anzunehmen, wie le Monnier gethan
und noch neuerlich Ro&longs;enthal für zureichend gehalten
hat. Barometer mit gekrümmten Röhren geben wegen
des Anhängens die niedrig&longs;te Höhe in einer &longs;chiefen
Richtung.
Vor der Beobachtung muß man einigemal, zuer&longs;t &longs;tark, dann &longs;chwächer, an die Röhre &longs;chlagen, um &longs;o durch ein gelindes Schütteln dem anhängenden Queck&longs;ilber die gehörige Freyheit zu geben.
Bey der Beobachtung muß das Auge genau in einerley Horizontallinie mit der Queck&longs;ilberfläche &longs;tehen, um die in höhern oder niedrigern Ge&longs;ichtspunkten ent&longs;tehende Parallaxe zu vermeiden. Man giebt deswegen auf das Bild der Scale Achtung, das &longs;ich in der Röhre, wie in einem Spiegel, dar&longs;tellt; unter den Strichen die&longs;es Bildes er&longs;cheint nur einer horizontal, und wenn dies derjenige i&longs;t, der an der Queck&longs;ilberfläche &longs;tehet, &longs;o hat das Auge die gehörige Stellung, und eben die&longs;er Theilungs&longs;trich giebt die Höhe der Säule an.
Die Queck&longs;ilberfläche i&longs;t in glä&longs;ernen Röhren nie eben, &longs;ondern &longs;teht in der Mitte höher, als am Rande. Man muß aber ihre Höhe in der Mitte, nicht die am Rande, beobachten.
Jede Beobachtung muß, ehe man &longs;ie auf&longs;chreibt,
wegen der Wärme des Queck&longs;ilbers berichtiget, oder es
muß ihr wenig&longs;tens der zugleich beobachtete Thermometer&longs;tand
Zu Aufzeichnung vieler an einerley Orte fortge&longs;etzten
Beobachtungen in guter bald zu über&longs;ehender Ordnung erfindet
&longs;ich Jeder leicht eine bequeme Einrichtung. Am be&longs;ten
i&longs;t es wohl, ihnen die Form von Tabellen zu geben.
Mu&longs;&longs;chenbroek (Ephemerides meteorologiae Vltrajectinae
anni 1728 in Di&longs;&longs;. phy&longs;. Lugd. 1729. 4. p. 673.)
hat den &longs;innreichen Vor&longs;chlag gethan, die Barometerveränderungen
&longs;o aufzuzeichnen, wie Taf. lll. Fig. 52. nach
Luz, den Gang des Barometers vom 14ten bis 20&longs;ten
Iänner 1784 dar&longs;tellt. Der Anblick der Figur dient hier
&longs;tatt aller Be&longs;chreibung. Die vertikalen Fächer des Gitters
&longs;ind die Linien der Barometerhöhe; die horizontalen
&longs;ind die fortlaufenden Tage, an deren jedem drey Beobachtungen
ange&longs;tellt &longs;ind. Deutlicher und zur Ueber&longs;icht bequemer
läßt &longs;ich der Gang des Barometers nicht vor&longs;tellen.
Für diejenigen, die auch Sehen und Auf&longs;chreiben
noch zu müh&longs;am finden, &longs;ind Barometer erfunden worden,
die ihren Gang &longs;elb&longs;t aufzeichnen. Man giebt ihnen den
Namen der Barometrographen. Luz (§. 210. 211.)
be&longs;chreibt deren zween, wovon der er&longs;te in England erfunden,
der zweyte von Changeux (Journal de phy&longs;tque,
Nov. 1780.) angegeben worden i&longs;t. Ihr We&longs;entliches
be&longs;teht in folgendem.
Ein Heberbarometer hat an beyden Schenkeln 1 1/2 Zoll
weite Behältni&longs;&longs;e, in welchen die Queck&longs;ilberflächen &longs;teigen
und fallen. Auf dem Queck&longs;ilber im untern Schenkel liegt
ein Cylinder von Elfenbein mit einem &longs;enkrecht heraufgehenden
Drathe, der durch Hül&longs;en geführt i&longs;t, damit er
&longs;tets &longs;enkrecht bleibe. Alles dies wird von einem Gegengewichte
gehalten, damit es nicht zu &longs;ehr aufs Queck&longs;ilber
drücke. Oben am Drathe i&longs;t ein &longs;chreibender Stift angebracht.
Vor die&longs;em Stifte führt ein Uhrwerk mit &longs;tets
gleichförmiger Bewegung einen Schieber vorbey, auf welchem
ein Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;ches Gitter, wie Taf. lll. Fig. 52.,lll. Fig. 52., nur umgekehrt,
und um die Helfte kleiner, den Veränderungen im
untern Schenkel eines Heberbarometers gemäß. Changeux
hat dies verbe&longs;&longs;ert, indem er das Gitter in eine runde
Scheibe umbeugt, &longs;o, daß &longs;ich die horizontalen Linien in
concentri&longs;che Krei&longs;e, und die vertikalen in Stücken von
Halbme&longs;&longs;ern verwandeln. Die&longs;e Scheibe bringt er an eine
Penduluhr &longs;o an, daß &longs;ie gleichförmig umgedreht wird.
Der Stift &longs;teht hier vor der Scheibe; alle Stunden einmal
&longs;chlägt ein Hammer auf den Drath, und macht dadurch,
daß der Stift am gehörigen Orte die Scheibe mit
einem Punkte bezeichnet. Um die Unvollkommenheit &longs;olcher
Einrichtungen zu begreifen, darf man nur daran denken,
daß &longs;ich die beträchliche Länge des Draths durch die
Wärme ändern muß.
Rei&longs;ebarometer (barométre portatif).
Man hat zwar &longs;chon läng&longs;t auf Einrichtungen für
Barometer, die man auf Rei&longs;en mit &longs;ich führen könnte,
gedacht, dergleichen Leupold (Theatr. aëro&longs;tat. Tab.
IV. Fig. 3. 4. 5. Tab. Vlll. Fig. 2.) anführt. Seitdem aber
die barometri&longs;chen Höhenme&longs;&longs;ungen die Mitführung der
Barometer auf den be&longs;chwerlich&longs;ten Bergrei&longs;en nothwendig
gemacht haben, hat zuer&longs;t de Lüc (Recherches &longs;ur
les modif. de l' atmo&longs;ph. To. II. §. 464. u. f.) ein be&longs;&longs;eres
Rei&longs;ebarometer angegeben, von de&longs;&longs;en Güte ihn ein
zwölfjähriger Gebrauch überführt hatte. Um Weitläufigkeit
und zahlreiche Abbildungen zu vermeiden, gebe ich nur
die we&longs;entlichen Theile de&longs;&longs;elben an.
Ein Theil des kürzern Schenkels von einem Heberbarometer
i&longs;t hier von dem übrigen getrennt, und beyde
Stücken werden durch einen Hahn verbunden, der von Elfenbein
(nach Luz von Pockholz, Franzo&longs;enholz, Lignum
&longs;anctum, &longs;. Guayacum), der Schlü&longs;&longs;el de&longs;&longs;elben aber von
fe&longs;tem reinem Kork i&longs;t. Hahn und Schlü&longs;&longs;el bekommen
ein Loch, das im Schlü&longs;&longs;el mit einem Federkiel ausgefüttert
wird. Der Hahn wird zur Helfte ins Bret des Barometers
eingela&longs;&longs;en, und durch Schrauben daran befe&longs;tiget.
Er bekömmt einen Grif von Elfenbein.
In die&longs;en Hahn wird der größere Theil des Barometers, an dem der lange Schenkel befindlich i&longs;t, unten eingeleimt und verküttet, der kürzere Schenkel aber oben nur fe&longs;t einge&longs;teckt. Der längere Schenkel wird noch überdies an das Bret befe&longs;tiget, und wo er &longs;ich etwa &longs;toßen könnte, durch lederne Kü&longs;&longs;en ge&longs;ichert. Scalen und Thermometer &longs;ind am Brete, wie gewöhnlich, angebracht.
Will man dies Barometer mit &longs;ich führen, &longs;o neigt
man es unter einem Winkel von 40—50 Graden, wodurch
&longs;ich der längere Schenkel völlig bis oben mit Queck&longs;ilber
anfüllt. Ver&longs;chließt man nun den Hahn, &longs;o wird
dadurch das Queck&longs;ilber &longs;o einge&longs;chlo&longs;&longs;en, daß keine Bewegung
de&longs;&longs;elben mehr möglich i&longs;t. So kann man das
ganze Werkzeug in umgekehrter Stellung mit &longs;ich führen,
in welcher es auch empfindliche Stöße ohne Schaden verträgt.
De Lüc ver&longs;chließt es in ein Futteral von Tannenholz,
de&longs;&longs;en Boden zugleich das Bret des Barometers
i&longs;t.
Zur Beobachtung ö&longs;net man den Hahn, ehe das Barometer &longs;enkrecht ge&longs;tellt wird, damit das Oueck&longs;ilber nicht allzu&longs;chnell herabfalle. Am be&longs;ten neigt man es dabey unter einem Winkel von 40—50°. Man reinigt dann den kürzern Schenkel mit einem Wi&longs;cher, und läßt durch einen papiernen Trichter etwas weniges reines Queck&longs;ilber hienein.
Das Barometer i&longs;t mit einem eignen Bleyloth zur
&longs;enkrechten Sellung ver&longs;ehen, hat auch ein be&longs;onderes Stativ,
und wird bey der Beobachtung durch einen Schirm
vor den Sonnen&longs;tralen ge&longs;chützt, welche &longs;on&longs;t das Bret ungleich
erwärmen möchten. Man muß einige Zeit warten,
ehe man die Beobachtung an&longs;tellt, damit das Bret die gehörige
Temperatur erhalte.
Während einer Rei&longs;e wirkt doch die veränderliche Wärme auf das einge&longs;chloßne Queck&longs;ilber, dehnt es aus oder zieht es zu&longs;ammen. Im er&longs;tern Falle giebt der Kork ein wenig nach, im letztern ent&longs;teht ein leerer Raum, den man durch das An&longs;chlagen des Queck&longs;ilbers an die Röhre bemerkt. Man muß alsdann von Zeit zu Zeit den Hahn lüften, d. i. bey gehöriger Stellung des Barometers aufund &longs;ogleich wieder zu&longs;chließen, jedoch, ehe man es umkehrt, nach&longs;ehn, ob etwa Luft in die Krümmung gekommen &longs;ey, und die&longs;e gegen den Hahn zurückzubringen &longs;uchen, damit &longs;ie bey Oefnung de&longs;&longs;elben herausgehe.
Luz macht, um die doppelte Scale zu er&longs;paren, das
Bret doppelt, und giebt dem obern Theile die Form eines
Schiebers, welcher bey jeder Beobachtung &longs;o ge&longs;tellt wird,
daß eine darauf verzeichnete Horizontallinie|mit|der Queck&longs;ilberfläche
im kürzern Schenkel zu&longs;ammenfällt.
Die&longs;er Einrichtung giebt Luz (§. 153.) vor allen
übrigen den Vorzug. Die nachher erfundenen &longs;ind nach
&longs;einem Ausdrucke Rei&longs;ebarometer, welche nie das Zimmer
verla&longs;&longs;en haben. Es wird al&longs;o genug &longs;eyn, ihrer mit wenig
Worten zu gedenken.
Wie man das Barometer mit der Büch&longs;e, Taf. lll.
Fig. 40., wobey die Prinzi&longs;che Einrichtung angebracht i&longs;t,
ingleichen das mit einer gekrümmten Röhre und einem darauf
&longs;tehenden Behältni&longs;&longs;e, ebenfalls mit angebrachter Prinzi&longs;cher
Einrichtung, auch zum Rei&longs;ebarometer brauchbar
machen könne, lehrt Luz (§. 131. 140.).
Magellan (Be&longs;chreibung neuer Baromet.) giebt
eine &longs;ehr undeutlich abgefaßte Be&longs;chreibung eines Heberbarometers,
de&longs;&longs;en beyde Schenkel durch ein Gefäß verbunden
&longs;ind. Das Gefäß be&longs;teht aus zween zu&longs;ammenge&longs;chraubten
Theilen. Der obere Theil endigt &longs;ich unten
in einen ledernen Beutel, welcher das Queck&longs;ilber trägt.
Durch den Boden des untern Theils geht eine Schraube
mit einer Platte, durch welche man den ledernen Beutel
zu&longs;ammendrücken, oder nachla&longs;&longs;en, und &longs;o mehr oder weniger
Queck&longs;ilber nach Gefallen in beyde Schenkel des Barometers
bringen kan. Man &longs;oll bey der Beobachtung
Des A&longs;&longs;ier Perica Rei&longs;ebarometer (Lichtenberg
Mag. für das Neue&longs;te aus der Phy&longs;ik, l. B. 3 St. S. 98.)
i&longs;t das eben erwähnte Magellani&longs;che &longs;elb&longs;t, nur aus einem
Heberbarometer in ein Behältnißbarometer verwandelt.
Das Behältniß oder die Büch&longs;e i&longs;t von Cry&longs;tallglas in Elfenbein
gefaßt, und endigt &longs;ich ebenfalls in einen ledernen
Beutel, der von untenher durch eine Schraube zu&longs;ammengedrückt
werden kan. Dadurch &longs;oll immer die&longs;elbe Horizontalebne
im Behältniß erhalten und bey Rei&longs;en das
Queck&longs;ilber einge&longs;chlo&longs;&longs;en werden.
Ro&longs;enthal (Beyträge zur Verf. meteorol. Werkz.
S. 30.) be&longs;chreibt ein &longs;ehr einfaches Rei&longs;ebarometer des
Barometermachers Schiavetto. In einem Heberbarometer
wird, wenn es ungeneigt, und der längere Schenkel
ganz angefüllt i&longs;t, ein kleines Kork&longs;töp&longs;elchen an einem
Stiele von Fi&longs;chbein in den kürzern Schenkel bis aus Queck&longs;ilber
gedrängt, und da&longs;&longs;elbe dadurch einge&longs;chlo&longs;&longs;en. Man
giebt deswegen dem Theile der Röhre, in welchen der Kork
kömmt, an der Lampe einen engern Durchme&longs;&longs;er und eine
coni&longs;che Ge&longs;talt. Man &longs;ieht aber bald, daß die&longs;e Art des
Ver&longs;chlu&longs;&longs;es nicht &longs;icher genug &longs;ey.
Changeux (De&longs;cription de nouveaux barometres
à appendice Journ. de phy&longs;. Mai. 1783.) giebt
Barometer an, die auf einen Berg ge&longs;chickt, oder in eine
Tiefe gela&longs;&longs;en, wenn &longs;ie zurückkommen, den Barometer&longs;tand
in der Höhe oder Tiefe &longs;elb&longs;t angeben &longs;ollen. Sie &longs;ind
Heberbarometer. Für die Höhen wird ein Appendix, wie cd
Taf. lll. Fig. 50., nur herunterwärts geneigt, an den kürzern
Schenkel angebracht, und &longs;o viel Queck&longs;ilber eingefüllt,
daß es gerade bis an den Appendix reicht. Auf demChangeux nicht gedacht zu haben &longs;cheint.
In Lichtenbergs Magazin für das Neu&longs;te aus der
Phy&longs;ik, ll. B. 1. St. S. 129. wird noch ein wohleingerichtetes
Rei&longs;ebarometer mit einer Büch&longs;e be&longs;chrieben,
wobey die Prinzi&longs;che Einrichtung angebracht i&longs;t, und das
Queck&longs;ilber durch Herauf&longs;chraubung eines Stempels in
die Röhre gebracht, und darinn ver&longs;chlo&longs;&longs;en werden kan.
Zu den Rei&longs;ebarometern gehören auch die Meerbarometer,
bey welchen das be&longs;tändige Hin- und Hergehen
der Queck&longs;ilberflächen beym Schwanken des Schifs vermieden
werden &longs;oll. D. Hooks und Amontons obenangeführter
Vor&longs;chlag, hiezu das Luftthermometer mit einem
gewöhnlichen Thermometer zu verbinden, i&longs;t von
Magellan (Be&longs;chreibung neuer Barometer) dadurch
verbe&longs;&longs;ert worden, daß er das In&longs;trument mit Queck&longs;ilber
füllt, und um den Druck die&longs;es Queck&longs;ilbers auf die Lu&longs;t
aufzuheben, umkehrt. Er küttet nun die&longs;es Luftthermometer
auf ein hölzernes Kä&longs;tchen, welches das Queck&longs;ilber
in einem ledernen Beutel enthält, der mit einer Schraube
zu&longs;ammengedrückt werden kan. Mit die&longs;em Queck&longs;ilber
i&longs;t noch eine auf das Kä&longs;tchen aufge&longs;etzte Glasröhre verbunden,
in welcher man vermittel&longs;t der Schraube das
Queck&longs;ilber eben &longs;o hoch &longs;tellt, als es im Luftthermometer
&longs;teht. So halten &longs;ich beyde Queck&longs;ilber&longs;äulen das Gleichgewicht,
und der Druck der Atmo&longs;phäre auf die Luft in der
Kugel wird vom Queck&longs;ilber nicht mehr geändert. Noch
mehr Verbe&longs;&longs;erungen hat Luz (§. 177. u. f.) hiebey angebracht.
Es i&longs;t aber die von ihm vorge&longs;chlagne Einrichtung
der Scale &longs;owohl für die Barometer, als auch
für das dazu gehörige Thermometer, &longs;ehr be&longs;chwerlich auszuführen.
Von Amontons coni&longs;chem Barometer, und Pa&longs;&longs;ements
Vor&longs;chlage, die Röhre &longs;piralförmig zu winden,
i&longs;t &longs;chon im Vorigen geredet worden.
bey der franzö&longs;i&longs;chen Marine eingeführtes
Meerbarometer (Lichtenberg Magazin für das
Neu&longs;te a. d. Phy&longs;ik, I. B. 3. St. S. 80. u. f.) i&longs;t Taf. III.
Fig. 53. vorge&longs;tellt. Es i&longs;t das de Lüc&longs;che Rei&longs;ebarometer,
nur ganz, &longs;elb&longs;t bis auf den Hahn g, von Ei&longs;en verfertiget.
Der Schlü&longs;&longs;el des Hahns hat nur ein ganz enges
Loch, wird auch nie ganz aufgedrehet. So kan nur
wenig Queck&longs;ilber auf einmal durch den Hahn gehen, al&longs;o
das Schwanken des Schifs wenig Einfluß haben. Bey a,
wo der längere Schenkel aufge&longs;chraubt i&longs;t, hat die Schraube
auch nur eine enge Oefnung bb, theils um das Schwanken
noch mehr zu hindern, theils, damit beym Umkehren
das Queck&longs;ilber nicht zu &longs;chnell von oben herabfalle und
Luft in den obern Raum komme. Damit das einge&longs;chlo&longs;&longs;ene
Queck&longs;ilber den Veränderungen der Wärme be&longs;&longs;er
nachgeben könne (da hier der Hahn von Ei&longs;en i&longs;t, und
nicht, wie der von Kork bey de Lüc, nachgiebt), &longs;o wird
bey c eine Oefnung angebracht, und bey d mit einer Bla&longs;e
über&longs;pannt, gegen welche die Feder e das Ki&longs;&longs;en f andrückt,
welche Einrichtung &longs;chon de Lüc gewählt hatte,
aber nachher, da er den Hahn von Kork machte, wieder
aufgab. Weil beyde Schenkel undurch&longs;ichtig &longs;ind, &longs;o wird
auf die Queck&longs;ilber&longs;äule im kürzern ein Stück Elfenbein h
aufge&longs;etzt, von welchem ein ei&longs;erner Drath durch eine enge
Oefnung des Deckels i herausgeht. Das Ende k bemerkt
durch &longs;ein Steigen und Fallen die Veränderungen des Barometers.
Weil man die Beobachtungen nur am kurzen
Schenkel macht, in welchem die Queck&longs;ilber&longs;äule durch die
Wärme nicht &longs;ehr geändert wird, &longs;o hat hier die Wärme
wenig Einfluß; genau läßt &longs;ich mit die&longs;em Werkzeuge nicht
beobachten, da man den Stand im längern Schenkel gar
nicht bemerkt; inzwi&longs;chen &longs;cheint es hinreichend zum Gebrauch
auf der See zu &longs;eyn.
Zum Be&longs;chluß die&longs;es langen Artikels will ich noch
folgende Zu&longs;ätze beyfügen.
1) Manche Barometer leuchten, wenn &longs;ie im Dunkeln
ge&longs;chüttelt werden. Picard nahm dies zuer&longs;t 1676
wahr, und man findet &longs;eine, de la Hire's, Joh. Bernoulli's,
Hombergs, Mairan's Hypothe&longs;en darüber
beym de Lüc (Recherches, §. 69. u. f.). Dü Fay
glaubte, das Kochen &longs;ey ein untrügliches Mittel, alle Barometer
leuchtend zu machen: es reinige das Queck&longs;ilber
von gröberer Luft, und gebe der feinen Materie darinn eine
freyere Bewegung. Mu&longs;&longs;chenbroek hielt die Luft für
nothwendig zum Leuchten der Barometer. Hawksbee
(Phil. Trans. 1708.) nahm endlich das Leuchten mit Recht
für eine elektri&longs;che Er&longs;cheinung an. Unzählige Ver&longs;uche
bewei&longs;en, daß das elektri&longs;che Licht in &longs;ehr verdünnter Luft
vorzüglich &longs;tark &longs;ey; auch weiß man, daß das Reiben des
Gla&longs;es am Queck&longs;ilber Elektricität erregt. Daß nicht alle
Barometer leuchten, kömmt wahr&longs;cheinlich von der Be&longs;chaffenheit
ihres Gla&longs;es her. Das Kochen thut hiezu
nichts weiter, als daß es den obern Raum mehr luftleer
macht. Das Leuchten kan al&longs;o auch nicht als ein Kennzeichen
der Güte eines Barometers ange&longs;ehen werden.
2) Wenn die torricelli&longs;che Röhre, in ein auf dem
Boden ruhendes Gefäß einge&longs;enkt, gewogen wird, &longs;o wiegt
die in ihr befindliche Queck&longs;ilber&longs;äule mit ihr; die Röhre
wird &longs;chwerer, wenn das Queck&longs;ilber &longs;teigt, leichter, wenn
es fällt. Manche haben &longs;ich darüber verwundert, weil
doch die Queck&longs;ilber&longs;äule vom Drucke der Luft getragen werde,
und al&longs;o ihr Gewicht verliere. Dies i&longs;t auch richtig.
Es fällt aber alles Befremdende weg, wenn man bedenkt,
daß die Röhre dafür den Druck der auf ihr ruhenden Luft&longs;äule
von oben herab zu tragen bekömmt, welcher dem
Drucke der Queck&longs;ilber&longs;äule gleich i&longs;t, und jetzt durch keinen
Druck von unten mehr aufgehoben wird. Ver&longs;uche
hierüber führt Wolf (Nützliche Ver&longs;uche, Th. II. Cap. 3.
§. 38.) an, und Morland hat darauf ein &longs;ogenanntes
Waagbarometer gegründet, von welchem Magellan
und Luz (§. 12—14.) reden.
Recherches &longs;ur les modifications de l' atmo&longs;phère par
Iean André de Luc. à Geneve. To. I. et II. 1772. gr. 4.
I. A. de Lüc Unter&longs;uchungen über die Atmo&longs;phäre, aus
dem Franz. über&longs;. Leipzig I. Th. 1776. II. Th. 1778. gr. 8.
Fr. Luz Voll&longs;tändige und auf Erfahrung gegründete
Be&longs;chreibung von allen &longs;owohl bisher bekannten, als einigen
neuen Barometern, Nürnb. u. Leipzig 1783. gr. 8.
Barometerprobe, &longs;. Ela&longs;ticitätszeiger.
Variationes barometri, A&longs;cen&longs;us
et de&longs;cen&longs;us mercurii in tubo Torricelliano,
Variations du baromètre. So werden die Veränderungen
der Höhe des Queck&longs;ilbers in einem &longs;till&longs;tehenden, oder
immer an einerley Orte bleibenden, Barometer genannt,
welche man insgemein für Anzeigen der bevor&longs;tehenden
Witterung annimmt. Eigentlich &longs;ind &longs;ie blos Anzeigen
der &longs;tärker oder &longs;chwächer gewordenen Ela&longs;ticität der Atmo&longs;phäre;
der Schluß hievon auf die Wetterveränderungen
i&longs;t nie völlig &longs;icher, und findet oft gar nicht &longs;tatt.
In Frankreich wird die mittlere Barometerhöhe 27 1/2
pari&longs;er Zoll angegeben, und der tief&longs;te Stand des Queck&longs;ilbers
auf 26, der höch&longs;te auf 29 Zoll ge&longs;etzt; obgleich
Bri&longs;&longs;on (Dict. de phy&longs;. art. Barometre) ver&longs;ichert, daß
&longs;ich die Barometerveränderungen in Paris gewöhnlich
nicht weiter als von 27 bis 28 1/2 Zoll er&longs;trecken, einige &longs;elten
vorkommende Fälle abgerechnet. In Leipzig i&longs;t, nach den
Beobachtungen des Herrn D.
Auf das Fallen des Queck&longs;ilbers im Barometer folgt
oft Regen, Sturm, oder überhaupt trübe rauhe Witterung:
dahingegen das Steigen de&longs;&longs;elben oftmals ein heiteres
und &longs;tilles Wetter verkündigt. Die&longs;e Vorher&longs;agungen
aber trügen auch &longs;ehr oft. Nach Poleni Beobachtungen
in Padua &longs;ind in 12 Jahren unter 1175 Regenvan Swinden in Franecker fand im
Jahre 1778 unter den Barometerverkündigungen eben &longs;o
viele fal&longs;ch, als wahr. Doch &longs;cheint plötzliches Fallen
und Steigen des Queck&longs;ilbers, das z. B. bey uns in einigen
Stunden 3—4 Lin. beträgt, eine fa&longs;t untrügliche Anzeige
einer bevor&longs;tehenden Wetterveränderung zu &longs;eyn.
Die&longs;er Zu&longs;ammenhang der Barometerveränderungen
mit der Witterung ward bald nach der Erfindung des
Barometers entdeckt. Otto von Guericke &longs;cheint einer
der Er&longs;ten gewe&longs;en zu &longs;eyn, die ihn mit Richtigkeit wahrgenommen
haben. Er erkannte aus dem &longs;tarken Fallen &longs;eines
Wettermännchens (&longs;. den Art. Anemo&longs;kop) im Jahre
1660 eine &longs;olche Leichtigkeit der Luft, daß er &longs;ogleich &longs;agte,
es mü&longs;&longs;e irgendwo ein großer Sturm gewe&longs;en &longs;eyn. Nach
zwo Stunden erreichte der Sturm Magdeburg. (Exp. de
vacuo &longs;patio. L. III. c. 20. pag. 100.)
Pa&longs;cal hatte zwar die&longs;en Zu&longs;ammenhang auch entdeckt,
aber &longs;ich ganz unrichtige Begriffe davon gemacht.
Er glaubte (Traité de l' équilibre des liqueurs, p. 153.),
das Barometer falle, wenn es hell werden, und &longs;teige,
wenn es regnen wolle, welches allen Erfahrungen entgegen
i&longs;t. So leicht es aber war, die Barometerveränderungen
&longs;elb&longs;t und ihre Verbindung mit der Witterung durch Beobachtungen
wahrzunehmen, &longs;o &longs;chwer i&longs;t es den Naturfor&longs;chern
geworden, die Ur&longs;ache davon zu erklären, und man
i&longs;t hierüber noch bis jetzt zu keiner ent&longs;chiedenen Gewißheit
gelangt.
De Lüc (Recherches &longs;ur les modif. de l' atmo&longs;ph.
To. I. Sect. 1. cap. 3.) hat die Muthmaßungen der Phy&longs;iker
über die Ur&longs;achen der Barometerveränderungen ziemlich
voll&longs;tändig ge&longs;ammlet und &longs;charf geprüft. Er bringt
&longs;ie in gewi&longs;&longs;e Cla&longs;&longs;en, nach deren Ordnung ich hier in
möglich&longs;ter Kürze die vornehm&longs;ten anführen will. Da
einige Naturfor&longs;cher, nicht mit Unrecht, mehrere Ur&longs;achen
zugleich angenommen, oder ihre er&longs;te Meynung wieder geändert
haben, &longs;o werden manche Namen mehr als einmal
vorkommen.
De Lüc &longs;etzt in die er&longs;te Cla&longs;&longs;e diejenigen, welche
wirklich vorhandene phy&longs;i&longs;che Ur&longs;achen zur Erklärung
der Barometerveränderungen anwenden. Die Vermehrung
der Atmo&longs;phäre durch das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te,
und ihre Verminderuug durch das Herabfallen der&longs;elben,
wird von Pa&longs;cal (a. a. O.), Beal und Wallis (Phil.
Trans. no. 9 et 10.) und von Garcin (Journal helvetique,
ann. 1734 et 1735.) als die Ur&longs;ache des Steigens
und Fallens im Barometer ange&longs;ehen. Wenn das
Queck&longs;ilber falle, &longs;agt Garcin,, regne es &longs;chon in einem
Theile der zu un&longs;erm Orte gehörigen Luftma&longs;&longs;e, wodurch die
ganze Ma&longs;&longs;e leichter werde. Allein außerdem, daß man die
Luftma&longs;&longs;en der Atmo&longs;phäre nicht in Schranken ein&longs;chließen
kan, i&longs;t auch die Menge des Regens, die höch&longs;tens an einem
Tage auf 1 Zoll &longs;teigen kan, gar nicht hinreichend, das
Fallen des Queck&longs;ilbers zu erklären, welches oft an einem
Tage 6 Lin. beträgt, die mit 6X14 Lin. oder 7 Zoll Wa&longs;&longs;er
gleichwiegen.
Die Wärme haben Perrier ( Pa&longs;cal Traité de l'
équilibre. p. 199.),
D. Garden (philo&longs;. Trans. n. 171.) nahm die
Vermehrung der &longs;pecifi&longs;chen Schwere der Luft für die
Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te und des Steigens
der Barometer zugleich an, &longs;o wie er aus ihrer Verminderung
Herabfallen der Dün&longs;te und Fallen des Barometers
zugleich herleitete. De Lüc bemerkt, hiebey &longs;ey unerklärbar,
wie nach &longs;einen und de la Condamine's Beobachtungen
die Luft dann am durch&longs;ichtig&longs;ten &longs;eyn könne, wenn das
Queck&longs;ilber am höch&longs;ten &longs;teht. Es bleibe auch die Hauptfrage,
was denn dasjenige &longs;ey, das die &longs;pecifi&longs;che Schwere
der Luft ändere? Garden muthmaße zwar, in der Luft
halte &longs;ich noch eine feinere Materie neb&longs;t ver&longs;chiedenen andern
flüßigen Materien auf, die &longs;ich ver&longs;chiedentlich mit
ihr verbänden, und dadurch ihre Schwere änderten, aber
das &longs;tütze &longs;ich auf keine Bewei&longs;e. Vielleicht möchten doch
die neuern Entdeckungen über die Luftgattungen Bewei&longs;e
hiezu liefern, obgleich die Barometerveränderungen viel zu
groß &longs;cheinen, um &longs;ich daraus allein erklären zu la&longs;&longs;en.
Die Winde nimmt Halley (Philo&longs;. Trans. no.
181.) zur Hauptur&longs;ache der Barometer-und Wetterveränderungen
an. Gehen entgegenge&longs;etzte Winde von einem
Orte aus, &longs;o wird die Luft da&longs;elb&longs;t verdünnt, und kan die
Dün&longs;te nicht mehr erhalten; gehen &longs;ie auf einerley Ort zu, &longs;o
häufen und verdichten &longs;ie die Luft, die dann &longs;chwerer wird, und
die Dün&longs;te &longs;tärker hält, daher der hohe Stand des Barometers
bey hellem und &longs;tillem Wetter. Bey &longs;tarken Winden
&longs;teht das Queck&longs;ilber niedrig, weil &longs;ie die Luft wegführen,
die nicht gleich wieder er&longs;etzt wird, auch weil die horizontale
Bewegung den &longs;enkrechten Druck mindert; doch regnet
es nicht, weil die Dün&longs;te durch den Wind zer&longs;treut, und
vom Fallen abgehalten werden; nach dem Winde &longs;teigt
das Barometer &longs;chnell, weil nun der Er&longs;atz der Luft erfolgt.
In England &longs;teht das Barometer beym O&longs;t- und Nordo&longs;twinde
am höch&longs;ten, weil &longs;ich im atlanti&longs;chen Meere unter
35° Breite &longs;tets ein entgegenge&longs;etzter Wind findet, der
durch &longs;ein Zu&longs;ammen&longs;toßen die Luft über England anhäuft.
Bey &longs;tillem und kaltem Wetter &longs;teht das Queck&longs;ilber hoch;
denn die Kälte kömmt von Nord- und Nordo&longs;twinden,de Lüc bemerkt, daß Winde,
welche Luft wegführen, wohl auch die darinn enthaltnen
Dün&longs;te mitnehmen würden, daß das Zu&longs;ammen&longs;toßen
zweener entgegenge&longs;etzten Winde &longs;ehr &longs;elten eine Wind&longs;tille
verur&longs;achen dürfte, daß der Wind an den Orten, durch
die er wehe, die Luft nicht vermindern könne, weil er
eben &longs;o viel zu- als abführe; vielmehr mü&longs;&longs;e er &longs;ie wegen
der Trägheit der ruhenden, durch ihn er&longs;t zu bewegenden,
Luft noch vermehren u. &longs;. f. Daß die Winde aufs Barometer
&longs;owohl, als auf die Witterung, ungemeinen Einfluß
haben, läßt &longs;ich gar nicht in Zweifel ziehen; die de Lüc&longs;chen
Erinnerungen betreffen auch nur Halleys Erklärung die&longs;es
Einflu&longs;&longs;es.
Zur zweyten Cla&longs;&longs;e zählt de Lüc die Erklärungen,
welche &longs;ich nicht auf wirklich-vorhandene, &longs;ondern auf angenommene
Ur&longs;achen beziehen. Eine &longs;olche i&longs;t die vermeynte
Verminderung des &longs;enkrechten Drucks der
Luft, wenn &longs;ie bewegt wird, welche Wallis, Halley und
v. Mairan zu Hülfe nehmen, um das Fallen des Queck&longs;ilbers
beym Winde zu erklären. Es i&longs;t ganz fal&longs;ch, daß
der &longs;enkrechte Druck getragner Körper, wenn &longs;ie bewegt
werden, &longs;chwächer &longs;ey und Niemand zweifelt, daß der in
der Waag&longs;chale gedrehte Krei&longs;el eben &longs;o &longs;chwer wiege, als
der ruhende.
Wallis, de&longs;&longs;en Meynungen hierüber auf eine &longs;elt&longs;ame
Art durch einander laufen, hat (Phil. Trans. no. 10.)
auch die ver&longs;tärkte Ela&longs;ticität der Luft, &longs;ie möchte nun
von der Wärme oder andern Ur&longs;achen bewirkt werden, als
Ur&longs;ache des Steigens der Barometer ange&longs;ehen, worinn
ihm andere Phy&longs;iker gefolgt &longs;ind. Allein &longs;ie verwech&longs;eln
freye und einge&longs;chloßne Luft. Freye muß &longs;ich bey ver&longs;tärkter
Ela&longs;ticität mehr ausdehnen, mithin verdünnen, &longs;pecifi&longs;ch
leichter werden, und Fallen des Barometers, nichtWallis &longs;elb&longs;t nimmt in der Folge
(Phil. Trans. no. 171.) &longs;eine Meynung zurück, und glaubt
nun die ver&longs;tärkte Ela&longs;ticität wirke gar nicht in den Druck
der Luft.
Auch im Queck&longs;ilber hat man die Ur&longs;achen der Barometerveränderungen
&longs;uchen wollen. Wallis meynt (a.
a. O.), die im Queck&longs;ilber enthaltene Luft und Feuchtigkeit
dehne &longs;ich im Sommer aus, und treibe es im Barometer
höher, ohne daß der Druck der Luft &longs;ich ändere; im
Winter erfolge das Gegentheil; wenn aber die Feuchtigkeit
gefriere, dehne &longs;ich das Queck&longs;ilber wieder aus. Li&longs;ter
(Phil. Trans. no. 165.) erklärt die ganzen Barometerveränderungen
aus einem Zu&longs;ammenziehen des Queck&longs;ilbers
bey großer Wärme und Kälte, welche Meynung die
&longs;elt&longs;am&longs;te unter allen i&longs;t.
Schwingungen der Lufttheilchen, durch das
Zufammen&longs;toßen der Winde verur&longs;acht, nimmt Ger&longs;ten
(Di&longs;&longs;. Tentamina &longs;y&longs;t. novi ad mutationes barom.
ex natura elateris aërii demon&longs;tr. Frf. 1733. 8.) für
die Ur&longs;ache des Fallens im Barometer an. Solche Schwingungen
dehnen nach &longs;einer Meynung jede ela&longs;ti&longs;che Materie
mehr aus oder verdünnen &longs;ie. Die Sonne giebt der Atmo&longs;phäre
eine regelmäßige Bewegung, die in un&longs;erm Klima
ein Nordo&longs;twind i&longs;t. Dabey &longs;ind keine Schwingungen,
und das Barometer &longs;teht hoch; Schwingungen aber
ent&longs;tehen, wenn andere Winde mit jenem zu&longs;ammen&longs;toßen,
dann fällt das Barometer. Die&longs;e Hypothe&longs;e i&longs;t der Halleyi&longs;chen
gerade entgegenge&longs;etzt, nach welcher das Zu&longs;ammen&longs;toßen
der Winde Steigen des Barometers bewirken
&longs;ollte.
De la Hire (Mém. de Paris. 1705.) erklärt die Barometerveränderungen
aus dem Uebergange der Luft
von den &longs;üdlichen zu den nördlichen Gegenden. Er nimmt
an, die Atmo&longs;phäre &longs;ey unter den Polen weit höher, als
unter dem Aequator, daher werde ihre Höhe bey uns durch
Nordwinde vergrößert, durch Südwinde vermindert; da
nun Südwind auch Regen bringe, &longs;o regne es nach dem
Fallen des Barometers; man mü&longs;&longs;e aber nicht &longs;tets nachv. Mairan hat
der Erklärung des de la Hire beyge&longs;timmt, und die&longs;e Ur&longs;ache
als eine mitwirkende angenommen.
Aus der ver&longs;chiednen Neigung der Winde gegen
die Erdfläche leitet Mariotte (Di&longs;cours de la nature
de l' air. 1676.) &longs;eine Erklärung her. Nach ihm &longs;ollen die
Nordwinde von oben herab, die Südwinde nach der Tangente
der Erdkugel oder von unten herauf gerichtet &longs;eyn,
daher jene die untere Luft zu&longs;ammendrücken, die&longs;e mehr auf
die obere wirken, &longs;o daß &longs;ich die untere ausdehne, woraus
Steigen und Fallen des Barometers folge. Es i&longs;t aber
dies eine ganz willkührlich angenommene Behauptung.
Woodward (Hi&longs;t. natur. telluris. Lond. 1695.
8.) läßt den Stoß der Dün&longs;te, die aus &longs;einem großem
unterirdi&longs;chen Wa&longs;&longs;erbehälter auf&longs;teigen, &longs;o mächtig wirken,
daß dadurch der Druck der Luft vermindert, und das
Fallen des Barometers veranla&longs;&longs;et wird. Eben |dies behauptet
Hamberger (Elem. phy&longs;ices. Ed. tert. Jenae,
1741. 8.), aber nur von denjenigen Dün&longs;ten, welche von
der Erdfläche auf&longs;teigen. Woodwards Wa&longs;&longs;erbehälter i&longs;t
blos chimäri&longs;ch, und die von der Erdfläche auf&longs;teigenden
Dünfte möchten wohl zu einer &longs;o großen Wirkung des
Stoßes zu wenig &longs;eyn. Haupt&longs;ächlich aber müßte nach
die&longs;en Hypothe&longs;en das Barometer, ehe es regnete, zuer&longs;t
beym Auf&longs;teigen der Dün&longs;te fallen, dann bey ihrem Still&longs;tehen
wieder &longs;teigen, und al&longs;o unmittelbar vor dem Regen
gegen alle Erfahrung ein Steigen vorhergehen.
Herr v. Leibnitz hatte durch Ver&longs;uche, die Wolf
(Nützl. Ver&longs;. Th. l. C. 8. §. 194.) be&longs;chreibt, gefunden
daß ein im Wa&longs;&longs;er fallender Körper während des Falls
nicht mit dem Wa&longs;&longs;er wiege. Er &longs;chloß daraus, daß auch
Daniel Bernoulli (Hydrodynam. Sect. X.)
glaubt, die zunehmende unterirdi&longs;che Wärme treibe Luft aus
den Höhlen der Erde, dadurch werde die Atmo&longs;phäre vermehrt,
und das Barometer &longs;teige rc. Allein die unterirdi&longs;che
Temperatur bleibt &longs;ich ziemlich gleich, wir bemerken keine
&longs;o gewalt&longs;amen aus der Erde kommenden Luft&longs;tröme,
und die Erfahrung lehrt, daß das Barometer vielmehr
bey zunehmender Wärme falle.
De Lüc &longs;elb&longs;t (Recherches, To. II. Sect. IV. chap.
9.) gründet &longs;eine Erklärung der Barometerveränderungen
auf den Satz, daß die Dün&longs;te &longs;pecifi&longs;ch leichter, als
die Luft, &longs;ind, welchen er weitläufig erwei&longs;et, &longs;. Dün&longs;te.
Wenn die&longs;e Dün&longs;te, &longs;agt er, in der Luft auf&longs;teigen, &longs;o
tragen &longs;ie zwar durch ihr Gewicht etwas zur Vermehrung
des Drucks der Atmo&longs;phäre bey, wodurch der Stand des
Barometers etwa um 1 Lin. könnte erhöhet werden: allein
&longs;ie vertreiben dagegen aus den Stellen, welche &longs;ie einnehmen,
die weit &longs;chwerere Luft, welche ihnen ausweichen und
in andere Gegenden übergehen muß; daher wird eine mit
Dün&longs;ten angefüllte Luft&longs;äule jederzeit leichter, als reine
Luft, &longs;eyn, und das Fallen des Barometers i&longs;t eine Folge
der Anhäufung der Dün&longs;te, wovon auch der Regen eine
Folge i&longs;t. Fallen die Dün&longs;te herab, &longs;o kömmt die &longs;chwerere
reine Luft zurück, und das Barometer &longs;teigt mit der
Rückkehr des heitern Wetters. Die&longs;es Sy&longs;tem, welches
&longs;ich durch &longs;eine Simplicität &longs;ehr empfiehlt, erklärt doch
nicht, warum bisweilen auf ein &longs;tarkes Fallen des Barometers
nicht der gering&longs;te Regen oder Sturm folgt; ingleichen,
warum unter dem Aequator die Barometerveränderungen
fa&longs;t gänzlich wegfallen, da doch das Auf&longs;teigende Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais
&longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai IV. Ch. 3.) durch Ver&longs;uche
gefunden, daß die &longs;pecifi&longs;che Schwere der reinen
trocknen Luft &longs;ich zur Schwere der mit Feuchtigkeit völlig
ge&longs;ättigten nur wie 765:761|verhalte, daß al&longs;o das Auf&longs;teigen
der Dün&longs;te, &longs;elb&longs;t wenn die Luft völlig damit ge&longs;ättiget
würde, die &longs;pecifi&longs;che Schwere nicht mehr, als um
(4/765) vermindern, al&longs;o kaum 2 Lin. Queck&longs;ilberfall bewirken
könne, da &longs;ich doch die Barometerveränderungen bey uns
auf 22 Lin. und gegen Norden noch weiter er&longs;trecken.
Nach Hrn. de Sau&longs;&longs;ure Nachrichten hat Pignotti
in &longs;einen Congetture meteorologiche gemuthmaßet, die
phlogi&longs;ti&longs;chen Dämpfe und Gasarten machten die Luft
leichter, und verminderten zugleich ihre auflö&longs;ende Kraft
gegen die Feuchtigkeit; daher &longs;ey die Menge phlogi&longs;ti&longs;cher
Dün&longs;te Ur&longs;ache des Fallens im Barometer und des Regens
zugleich. De S. aber (E&longs;&longs;ai II. ch. 3 et 9.) fand durch
Ver&longs;uche, daß phlogi&longs;ti&longs;che Dämpfe nicht die gering&longs;te
Feuchtigkeit aus der Luft nieder&longs;chlagen, und daß die
brennbare Luft die Dün&longs;te eben &longs;o gut, als die gemeine,
auflö&longs;et.
Dem Monde haben Kratzen&longs;tein (Abhdl. vom
Einflu&longs;&longs;e des Monds in die Witterung rc. Halle, 1746,
1771. 8.) und Toaldo (Saggio meteorologico, Padova
1770. gr. 4.) Einflü&longs;&longs;e in die Barometerveränderungen
und die Witterung zuge&longs;chrieben. Da er Ebbe und Fluth
verur&longs;acht, &longs;o i&longs;t leicht begreiflich, daß er auch in der Atmo&longs;phäre
Aenderungen hervorbringen kan. Toaldo will
durch vierzigjährige Beobachtungen gefunden haben, daß
die Neumonde, be&longs;onders in der Erdnähe, niedrigen Barometer&longs;tand
und Sturm mit &longs;ich bringen. Allein die
Veränderungen des Barometers und der Witterung müßten
regelmäßiger erfolgen, wenn der Mond ihre er&longs;te und
vornehm&longs;te Ur&longs;ache wäre.
Herr de Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ai IV. ch. 3.) wagt es nicht,
eine be&longs;timmte Ur&longs;ache der Barometerveränderungen anzugeben.
Eine gute Hypothe&longs;e über die&longs;elben, &longs;agt er,
Die&longs;e Ungewißheit eines ein&longs;ichtsvollen Naturfor&longs;chers,
der &longs;o lange in die&longs;em Fache &longs;elb&longs;t gearbeitet, und
alle Behauptungen &longs;einer Vorgänger geprüft hatte, zeigt
wohl, daß wir nicht glauben dürfen, von der Ur&longs;ache der
Barometerveränderungen und ihrem Zu&longs;ammenhange
mit der Witterung etwas Zuverläßiges zu wif&longs;en, obgleich
das Barometer &longs;chon &longs;eit mehr als hundert Jahren von &longs;o
vielen Gelehrten und Ungelehrten als ein Witterungsorakel
gebraucht und &longs;o mancherley darüber nachgedacht und
ge&longs;agt worden i&longs;t. Dies &longs;ey ein Bey&longs;piel un&longs;ers Wi&longs;&longs;ens!
de Luc Recherches &longs;ur les modi&longs;ications de l' atmo&longs;phère,
To. I. Sect. I. chap. 3. To II. Sect.
de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai IV. chap. 3.
unter dem
Ab&longs;chnitte: Methode zu beobachten u. &longs;. w.
Baro&longs;cop, &longs;. Barometer.
Ba&longs;alt, &longs;. Vulkani&longs;che Produkte.
Eine zur elektri&longs;chen Geräth&longs;chaft gehörige Verbindung
von mehrern Leidner Fla&longs;chen, Glastafeln oder andern
belegten elektri&longs;chen Körpern, welche man auf einmal
laden und entladen, und dadurch elektri&longs;che Schläge von
ungemeiner Heftigkeit hervorbringen kan, &longs;. die Art. Fla&longs;che,
geladene; Schlag elektri&longs;cher.
Gralath in Danzig verband zuer&longs;t, bald nach Entdeckung
des Leidner Ver&longs;uchs, mehrere mit Wa&longs;&longs;er gefüllte
Di&longs;tillirkolben, um den elektri&longs;chen Schlag mehr zu ver&longs;tärken.
Franklin (Brief von der Elektricität, über&longs;.
v. Wilke, Leipzig 1758. 8. S. 36.) &longs;etzte eilf viereckichte
Glastafeln in ähnlicher Ab&longs;icht zu&longs;ammen, und gab die&longs;er
Taf. IV. Fig. 54. zeigt eine &longs;olche Batterie von &longs;echszehn
mit Stannidl belegten Fia&longs;chen. Jede Fla&longs;che i&longs;t mit
einem Korkdeckel ver&longs;chlo&longs;&longs;en, durch welchen ein mit ihrer
innern Seite verbundener Drath oder me&longs;&longs;ingener Stab
hervorgeht, der oben rund um den Drath EE gebogen,
oder an den&longs;elben angelöthet i&longs;t. Jeder Drath EE verbindet
&longs;o die innern Seiten von vier Fla&longs;chen, und hat an
jedem Ende einen Knopf. Durch die Dräthe FFF. die
&longs;ich nach Gefallen auf eine oder die andere Seite &longs;chlagen
la&longs;&longs;en, können die innern Seiten von acht, zwölf, oder
allen &longs;echszehn Fla&longs;chen mit einander verbunden werden.
Denn da jeder Drath F &longs;ich um den Drath E, der durch
&longs;einen Ring geht, bewegen läßt, &longs;o kan man ihn leicht aufheben
und auf den entgegenge&longs;etzten Drath E auflegen, wodurch
&longs;ich die Verbindung jeder Reihe von Fla&longs;chen mit
der neben&longs;tehenden nach Gefallen aufheben und wiederher&longs;tellen
läßt.
Der viereckichte Ka&longs;ten, worinn die&longs;e Fla&longs;chen &longs;tehen,
i&longs;t von Holz, und auf dem Boden mit Bley oder Stanniol
überlegt; er hat an zwoen einander gegenüber&longs;tehenden
Seiten zwo Handhaben, an welchen man ihn von einem
Orte zum andern tragen kan. In der einen Seite i&longs;t
ein Loch, durch welches ein ei&longs;erner Haken geht, der mit
der metalli&longs;chen Belegung des Bodens, und al&longs;o mit der
auswendigen Belegung der Fla&longs;chen verbunden i&longs;t. An
die&longs;em Haken hängt ein Drath, der mit dem andern Ende
an den Auslader befe&longs;tiget wird, &longs;. Auslader.
Man be&longs;timmt die Größe einer Batterie nach der
Größe der belegten Glasfläche, welche die zu ihr gehörigen
Fla&longs;chen enthalten, weil &longs;ich die Stärke ihres Schlags unter
übrigens gleichen Um&longs;tänden nach die&longs;er Fläche richtet.
Hat z. B. jede Fla&longs;che 3/4 Quadrat&longs;chuh belegte Glasfläche,
&longs;o wird die be&longs;chriebene Batterie von &longs;echszehn Fla&longs;chen eine
Batterie von zwölf Quadrat&longs;chuhen genannt. Eine &longs;olche
gehört, in Vergleichung mit andern jetzt gebräuchlichen,Cavallo eine Batterie von wenig&longs;tens
dreyßig Quadrat&longs;chuhen. Er räth aber, lieber zwo, drey
oder mehr kleinere, wie &longs;ie die Figur vor&longs;tellt, anzulegen,
als eine einzige &longs;ehr große zu verfertigen, welche &longs;chwer
und unbequem &longs;ey. Man kan mehrere Batterien leicht
durch einen Drath oder eine Kette vereinigen, wobey &longs;ie
dann in aller Ab&longs;icht, wie eine einzige große, wirken.
Zu den Fla&longs;chen großer Batterien muß man &longs;tärkeres und wohl abgekühltes Glas wählen; cylindri&longs;che Fla&longs;chen von 15 Zoll Höhe und 4—5 Zoll Durchme&longs;&longs;er &longs;ind die &longs;chicklich&longs;ten; zu kleinern Batterien von 8—9 Quadrat&longs;chuhen dienen &longs;chon gewöhnliche Apothekerglä&longs;er, die etwa ein oder ein halbes Nößel halten.
Die Batterien werden eben &longs;o, wie einzelne Fla&longs;chen,
geladen und entladen; doch thut beym Laden ein kleiner
er&longs;ter Leiter be&longs;&longs;ere Dien&longs;te, als ein großer, weil er nicht
&longs;o viel Elektricität, als der größere, zer&longs;treut. Die Entladung
einer Batterie muß mit der äußer&longs;ten Behut&longs;amkeit
ge&longs;chehen: wenn Ver&longs;ehen bey andern Ver&longs;uchen blos unangenehm
&longs;ind, &longs;o können &longs;ie hier noch überdies von unglücklichen
Folgen für die Um&longs;tehenden &longs;eyn. Man bedient
&longs;ich zur Entladung der Batterien &longs;tets eines Ausladers,
und es i&longs;t hiezu be&longs;onders der unter dem Worte Auslader
be&longs;chriebene allgemeine des Henly brauchbar. Er
ver&longs;chaft die Bequemlichkeit, den Schlag einer Batterie
durch oder über jeden Körper gehen zu la&longs;&longs;en, den man in
die zwi&longs;chen beyden Seiten der Fla&longs;chen gemachte Verbindung
gebracht hat. In vielen Fällen i&longs;t|auch der gemeine
in der Figur mit vorge&longs;tellte Auslader dazu hinreichend.
Durch den Schlag einer &longs;tarken Batterie werden
Dräthe von 2—3 Zoll Dicke glühend gemacht, Dräthe
von (1/50) Zoll Dicke in Klümpchen ge&longs;chmolzen und zum Theil
in Dämpfe aufgelö&longs;et, durch Gewichte ge&longs;pannte Dräthe
verlängert, durch ein Buch Papier oder ein Spiel Karten
Löcher ge&longs;chlagen, wobey jedes Blatt von der Mitte aus
durchbohrt wird, daß &longs;ich die Ränder des Lochs gegen die
Die Wirkungen einer Batterie werden noch an&longs;ehnlich ver&longs;tärkt, wenn die zur Entladung dienende Verbindung hin und wieder durch unvollkommne Leiter unterbrochen wird, z. B. durch Stücke trocknen Holzes, durch Glasröhren oder Oefnungen in Glasplatten, die man inwendig durch einige Tropfen Wa&longs;&longs;er feucht erhält u. &longs;. w.
Cavallo voll&longs;tändige Abhdl. von der Elektricität, II. Th.
3 und 11 Cap.
Adams Ver&longs;uch über die Elektricität, aus dem Engl.
Leipzig 1785. gr. 8. Cap. 8.
Wenn man einen auf Glas oder Pech i&longs;olirten Men&longs;chen
mit einer &longs;tarken Elektri&longs;irma&longs;chine verbindet, und
&longs;ein Haupt mit metalli&longs;chen Spitzen umringt, &longs;o bildet
das Aus&longs;trömen der&longs;elben im Dunkeln eine leuchtenoe Glorie.
Die&longs;en angenehmen, übrigens aber leicht zu erklärenden
Ver&longs;uch nannte &longs;ein Erfinder, Georg Matthias
Bo&longs;e, Prof. zu Wittenberg, die elektri&longs;che Beatification
oder Apotheo&longs;e.
hatte Be&longs;chreibungen die&longs;es Ver&longs;uchs nach
England und Frankreich ge&longs;andt, in welchen der Um&longs;tand,
daß er einen Helm mit metalli&longs;chen Spitzen hiebey gebrauche,
ver&longs;chwiegen war. Man ver&longs;tand ihn natürlich
&longs;o, als ob das Aus&longs;trömen von &longs;elb&longs;t erfolgen &longs;ollte, und
ließ &longs;ich dadurch zu vielen ko&longs;tbaren und doch fruchtlo&longs;en
Ver&longs;uchen verleiten, bis er &longs;ich endlich gegen Wat&longs;on
deutlicher darüber erklärte, da man denn fand, daß die &longs;o
geheimnißvoll behandelte Sache auf das läng&longs;t bekanntePoncelet (La nature dans la formation du tonnere,
Paris 1766. 8.) will doch an einem Men&longs;chen mit
kurzen Haaren die Beatification ohne metallene Spitzen
bewirkt haben.
Prie&longs;tley Ge&longs;ch. der Elektricität, über&longs;. v. Krünitz, Berlin
u. Stral&longs;. 1772. 4. S. 101.
So heißen in der Sternkunde diejenigen
Himmelsbegebenheiten, bey welchen ein Ge&longs;tirn durch das
Vortreten eines andern un&longs;ern Augen ganz oder zum Theil
entzogen wird. Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e &longs;ind Bedeckungen der
Sonne durch den Mond. Ueberhaupt verur&longs;acht der Mond
wegen &longs;einer beträchtlichen &longs;cheinbaren Größe und &longs;eines
&longs;chnellen Laufs die mei&longs;ten Bedeckungen der Planeten und
der im Thierkrei&longs;e &longs;tehenden Fix&longs;terne. Bedeckungen der
Planeten unter einander &longs;elb&longs;t &longs;ind von äußer&longs;ter Seltenheit,
und diejenigen, welche von ältern A&longs;tronomen, z. B.
Kepler (A&longs;tron. pars optica, p. 305.), angeführt werden,
fallen vor die Zeiten der Entdeckung des Fernrohrs,
und &longs;ind allem Vermuthen nach nur nahe Zu&longs;ammenkünfte
gewe&longs;en. Man hat &longs;on&longs;t die Ordnung der Weltkörper aus
ihnen gefolgert, z. B. daß Mars uns näher als Iupiter
&longs;ey, weil jener die&longs;en bedeckt habe u. &longs;. w. Aber es würde
um un&longs;ere Kenntni&longs;&longs;e von die&longs;er Ordnung &longs;chlecht &longs;tehen,
wenn &longs;ie &longs;ich blos auf die&longs;e Beobachtungen gründeten; da
das bloße Auge kaum hätte ent&longs;cheiden können, ob Mars
den Iupiter oder die&longs;er jenen bedecke. Eine wirkliche Bedeckung
des Merkurs durch die Venus ward den 17 May
1737 beobachtet (Phil. Trans. no. 450.).
Die Bedeckungen der Fix&longs;terne und Planeten durch den Mond werden von den A&longs;tronomen &longs;orgfältig beobachtet, und zu genauern Be&longs;timmungen des Mondlaufs und der geographi&longs;chen Lage der Beobachtungsorte genützt.
der Glä&longs;er in opti&longs;chen Werkzeugen,
&longs;. Blendung.
Belegung, &longs;. Fla&longs;che, geladene.
Erfahrungen,
welche wir vermittel&longs;t un&longs;erer Sinne an den
Körpern an&longs;tellen, heißen Beobachtungen, wenn wir
dabey die Körper nur blos in dem Zu&longs;tande betrachten, in
welchem &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t und ohne un&longs;er Zuthun befinden.
Ver&longs;etzen wir &longs;ie in einen andern Zu&longs;tand, um zu &longs;ehen,
wie &longs;ie &longs;ich dabey verhalten werden, &longs;o heißen &longs;olche Unternehmungen
Ver&longs;uche. So i&longs;t die Wahrnehmung, daß
die Körper drücken oder &longs;chwer &longs;ind, eine Beobachtung;
die Wahrnehmung, daß &longs;ie, unter Wa&longs;&longs;er ver&longs;enkt, weniger
drücken, ein Ver&longs;uch.
Auf un&longs;ern Erfahrungen über die Körper, al&longs;o auf
Beobachtungen und Ver&longs;uchen beruht alles, was wir von
ihnen wi&longs;&longs;en, &longs;. Erfahrung. Die Kun&longs;t, Beobachtungen
anzu&longs;tellen, zu be&longs;chreiben und gehörig zu gebrauchen,
i&longs;t daher für den Naturfor&longs;cher äußer&longs;t wichtig. Sie hat
zum Endzwecke, die Eigen&longs;chaften und Wirkungen der
Körper, &longs;o wie &longs;ie &longs;ich in der Natur &longs;elb&longs;t dar&longs;tellen, genau
zu bemerken, und ihre Verhältni&longs;&longs;e zu erfahren, damit
man nachher von dem Verhältni&longs;&longs;e und der Be&longs;chaffenheit
der Wirkungen auf das Verhältniß und die Natur der
Ur&longs;achen &longs;o &longs;icher, als möglich, &longs;chließen könne.
Obgleich dem Experimentator ein unendlich weiteres
Feld, als dem bloßen Beobachter, offen &longs;teht, &longs;o i&longs;t doch
nicht zu läugnen, daß die Beobachtungen in vielen Stükken
ent&longs;chiedne Vorzüge vor den Ver&longs;uchen voraus haben.
Der Beobachter &longs;ieht die Wirkungen der Natur &longs;elb&longs;t, der
Experimentator nur das Re&longs;ultat &longs;einer Verbindungen; die
Beobachtung entdeckt die Wahrheit durch bekannte Mittel,
der Ver&longs;uch &longs;pürt ihr oft durch Mittel nach, deren Wirk&longs;amkeit
unbekannt oder zweydeutig i&longs;t. Die Methode der
Beobachtung i&longs;t leichter und einfacher, als die der Ver&longs;uche,
und oft klärt &longs;ich eine Wirkung, an &longs;ich unter&longs;ucht,
weit be&longs;&longs;er auf, als wenn man &longs;ie kün&longs;tlich mit andern verbindet,
aus welchen man &longs;ie nachher wieder herauswickeln
muß. Vielleicht hätten die Phy&longs;iker, wenn &longs;ie &longs;ich mehr
auf einfache Beobachtung einge&longs;chränkt hätten, wenigerNewton
&longs;eine erhabnen Theorien. Oft &longs;ind Begriffe, die man
aus Ver&longs;uchen erlangt, unvollkommen, &longs;tehen im Verhältni&longs;&longs;e
mit den getroffenen Veran&longs;taltungen, und hängen
von den Kenntni&longs;&longs;en de&longs;&longs;en ab, der die Ver&longs;uche er&longs;onnen
hat. Endlich i&longs;t es fa&longs;t immer mißlich, nach den im Kleinen
ange&longs;tellten Ver&longs;uchen die großen Wirkungen der Natur
zu beurtheilen, und was die Natur wirklich thut oder
hervorbringt, wird man nie anders, als auf dem Wege
der Beobachtung finden. Man muß aber nie verge&longs;&longs;en,
daß Beobachten und Experimentiren beyde nothwendig
&longs;ind, um das, was die Erfahrung überhaupt lehren kan,
voll&longs;tändig zu machen. Die Beobachtung läßt Lücken, welche
die Ver&longs;uche ausfüllen mü&longs;&longs;en, und die Ver&longs;uche lehren
Sätze, die nur dann er&longs;t gewiß werden, wenn &longs;ie die Vergleichung
mit den Beobachtungen aushalten.
Die Eigen&longs;chaften eines guten Beobachters hat Senebier
im er&longs;ten Theile &longs;eines unten angeführten Werks
aus einander ge&longs;etzt. Er erfordert von ihm haupt&longs;ächlich
Genie und wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Kenntni&longs;&longs;e, aber auch einen hinlänglichen
Grad von philo&longs;ophi&longs;chem Scepticismus, der
ihn theils gegen das allzugroße Vertrauen auf &longs;ich &longs;elb&longs;t
wafne, welches Genie und Gelehr&longs;amkeit &longs;o leicht einzuflößen
pflegen, theils auch ihn abhalte, &longs;ich durch irgend ein
Vorurtheil des An&longs;ehens rc. blenden zu la&longs;&longs;en. Er muß
insbe&longs;ondere ein Kenner der Mathematik, und durch &longs;ie an
fe&longs;te Verbindung von Begriffen und Schlü&longs;&longs;en gewöhnt
&longs;eyn; er muß die Verhältni&longs;&longs;e in den beobachteten Gegen&longs;tänden
genau zu be&longs;timmen wi&longs;&longs;en, obgleich oft die allzufrühe
Anwendung mathemati&longs;cher Berechnung auf Grund&longs;ätze,
die noch nicht genug geprüft &longs;ind, &longs;chädlich &longs;eyn kan,
indem der getäu&longs;chte Mathematiker den Irrthum durch den
verführeri&longs;chen Schein der Wahrheit nur noch mehr befe&longs;tiget.
Die Berechnung nützt nur dann, wenn die genaue
Beobachtung nicht nur die Data hergiebt, &longs;ondern auch
die Re&longs;ultate bekräftiget. Endlich muß der Beobachter in
Beym Beobachten &longs;elb&longs;t muß man &longs;ich den Weg durch eine gute Methode zu verkürzen &longs;uchen, große und zu&longs;ammenge&longs;etzte Gegen&longs;tände in Theile zerlegen, und unter die&longs;en diejenigen auszuwählen wi&longs;&longs;en, an deren Ergründung das mei&longs;te gelegen i&longs;t. So verfuhr Newton bey &longs;einen Beobachtungen über das Licht, wobey er bald die ver&longs;chiedne Brechbarkeit der Stralen für den Um&longs;tand erkannte, der der Unter&longs;uchung vor andern würdig &longs;ey. Eine gute Methode führt oft zu Entdeckungen, die man &longs;on&longs;t nicht gemacht hätte, leitet auf die Mittel, das zu erkennen, was man &longs;ucht, und &longs;ichert für der Gefahr, etwas Wichtiges zu über&longs;ehen. Die be&longs;ten Beobachter haben &longs;ich im Anfange ihrer Unter&longs;uchungen methodi&longs;ch geordnete Fragen vorgelegt, und nach die&longs;en den Plan zu ihren Beobachtungen entworfen.
Der Beobachter muß ferner die Be&longs;chaffenheit &longs;einer
&longs;innlichen Werkzeuge, z. B. die Güte &longs;einer Augen, die
Entfernung, in der er deutlich &longs;ieht rc. genau kennen, &longs;o
wie die Mittel, &longs;ie auf die vortheilhafte&longs;te Art zu brauchen,
die gün&longs;tig&longs;ten Zeitpunkte für die&longs;elben, und die Hinderni&longs;&longs;e,
die ihrer Vollkommenheit entgegen&longs;tehen. Das
Zeugniß gut be&longs;chaffener und geübter Sinne führt &longs;elten in
Irrthum, wenn anders der Beobachter die Theorie des
Sinns wohl kennt, und weiß, wie er über die Empfindungen,
Der Unvollkommenheit der Sinne mü&longs;&longs;en die Werkzeuge
zu Hülfe kommen. Die&longs;e ver&longs;tärken entweder die
Sinne, wie die Fernröhre und Vergrößerungsglä&longs;er, oder
&longs;ie me&longs;&longs;en Größen ab, von welchen uns die Sinne nur
dunkle und unbe&longs;timmte Begriffe geben, wie die Winkelme&longs;&longs;er,
Quadranten, Penduln, Uhren, Barometer, Thermometer
u. &longs;. w. Die Werkzeuge des Beobachters mü&longs;&longs;en
&longs;o gut und vollkommen, als möglich, &longs;eyn; &longs;chlechte
Werkzeuge wider&longs;prechen der Natur, und &longs;türzen in de&longs;to
gefährlichere Irrthümer, je mehr man ihnen trauet. Man
muß daher &longs;eine Werkzeuge aufs genau&longs;te zu kennen, und
den Gebrauch, den man von ihnen macht, nach die&longs;er Kenntniß
einzurichten &longs;uchen. Auch be&longs;chreiben gute Beobachter,
um Vertrauen in ihre Wahrnehmungen einzuflößen, ihre
Werkzeuge bis auf den klein&longs;ten Um&longs;tand. Es i&longs;t aber
unmöglich, &longs;elb&longs;t bey dem be&longs;ten Werkzeuge die vollkommen&longs;te
Schärfe zu erreichen, oder die gleiche Er&longs;cheinung
mehrmal mit ebendem&longs;elben Werkzeuge auf völlig gleiche
Art zu beobachten und abzume&longs;&longs;en. Aus die&longs;em Grunde
i&longs;t es höch&longs;t nöthig, wenig&longs;tens die Grenzen der möglichen
Fehler, und den Grad der Zuverlä&longs;&longs;igkeit, den man einem
aus mehrern Beobachtungen gezognen Re&longs;ultate zu&longs;chreiben
kan, zu be&longs;timmen. Lambert (Beyträge zum Gebrauche
der Math. Th. I. Berlin, 1760. 8.) hat in die&longs;er
Ab&longs;icht eine &longs;ehr &longs;charf&longs;innige Theorie der Zuverlä&longs;&longs;igkeit
der Beobachtungen und Ver&longs;uche entworfen,
und auf eine ziemliche Anzahl merkwürdiger Bey&longs;piele angewendet.
Da es endlich Beobachtungen giebt, die an
ver&longs;chiednen Orten mit ähnlichen Werkzeugen wiederholt
werden mü&longs;&longs;en, &longs;o i&longs;t es &longs;ehr wichtig, &longs;olche Werkzeugeüberein&longs;timmende
( comparables). Die Herren
Der Beobachter muß eine Ge&longs;chicklichkeit be&longs;itzen,
das, was anfangs die Sinne zu fliehen &longs;cheint, durch neue
Mittel der Beobachtung zu unterwerfen, worinn es be&longs;onders
die Beobachter und Zergliederer der In&longs;ekten, Swammerdam,
Malpighi, Leeuwenhoek, Reaumür,
Trembley, Bonnet rc. &longs;ehr weit gebracht haben. Er
muß damit eine unermüdete Gedult verbinden, um jeder
Beobachtung die nöthige Zeit zu &longs;chenken, jeden Gegen&longs;tand
von allen Seiten zu betrachten, nichts aufzugeben,
was nicht im er&longs;ten Augenblicke gelingt, und die Beobachtungen
gehörig zu wiederholen und zu verändern. Vorzüglich
aber i&longs;t ihm eine anhaltende und ange&longs;trengte Aufmerk&longs;amkeit
nöthig. Die&longs;e macht ihn &longs;charf&longs;ichtig und genau,
lehrt ihn die nöthigen Vor&longs;ichtsregeln und Vorbereitungen,
läßt ihn durch Wiederholung oder Abänderung
&longs;einer Beobachtungen &longs;ich &longs;tärker von der Güte und Richtigkeit
der&longs;elben ver&longs;ichern, und giebt ihm die Mittel an die
Hand, &longs;ie ganz zu er&longs;chöpfen und auf mannigfaltige Art
zu be&longs;tätigen. Mit einer &longs;olchen Aufmerk&longs;amkeit hat Newton
den Licht&longs;tral behandelt, den er auf vielfältige Art zerlegt
und wieder zu&longs;ammen&longs;etzt, den er nicht eher verläßt,
als bis er die Nachwelt von allem unterrichtet hat, was
man hoffen kan, davon zu erfahren.
Die Bekanntmachung &longs;einer Entdeckungen wird der
wahrheitliebende Beobachter &longs;o lang auf&longs;chieben, als er
noch hoffen kan, &longs;ie vollkommner zu machen, &longs;o wieTrembley &longs;eine Polypen &longs;chon &longs;eit vierthalb Jahren
kannte, als er ihre Ge&longs;chichte herausgab. Dann aber
wird er nicht nur die Entdeckungen &longs;elb&longs;t, &longs;ondern auch die
Mittel, wodurch er zu den&longs;elben gelangt i&longs;t, ohne Zurückhaltung
eröfnen. Dies i&longs;t nothwendig, da kleine Unter&longs;chiede
in der Art zu verfahren oft große Abweichungen in
den Re&longs;ultaten veranla&longs;&longs;en. Er wird auch aufrichtig angeben,
was er gut, und was er mit minderer Zuverlä&longs;&longs;igkeit
wahrgenommen habe. Er wird &longs;eine Wahrnehmungen
mit allen nöthigen Bewei&longs;en ver&longs;ehen, ihre be&longs;ondern
Um&longs;tände zeigen, und alle Ur&longs;achen des Zweifels wegnehmen.
Er wird nicht alle Beobachtungen ohne Unter&longs;chied
anführen, &longs;ondern aus der Menge der&longs;elben diejenigen auswählen,
welche die entdeckte Wahrheit am be&longs;ten und leichte&longs;ten
enthüllen. Er wird endlich Ordnung und Methode
in &longs;einen Vortrag legen, damit man die Verbindung der
Beobachtungen unter einander, und das Licht, das eine auf
die andere wirft, be&longs;&longs;er über&longs;ehe. Newtons Vortrag
&longs;einer Beobachtungen und Ver&longs;uche über das Licht und die
Farben (Philo&longs;. Trans. num. 80—128. Abhandlungen
zur Naturge&longs;chichte, Phy&longs;ik und Oekonomie, aus den Philo&longs;ophi&longs;chen
Transact. Leipz. 1779. gr. 4. Th. I. S. 192—
228.) i&longs;t ein &longs;chönes Bey&longs;piel hievon, und doch &longs;ehr ver&longs;chieden
von dem &longs;y&longs;temati&longs;chen Vortrage eben die&longs;er Entdeckungen
in &longs;einer Optik, wo die Ab&longs;icht eine ganz andere
i&longs;t.
Ueber die Kun&longs;t zu beobachten hat zuer&longs;t der Kanzler
Baco in &longs;einen Werken De interpretatione naturae und
De augmentis &longs;cientiarum einige vortrefliche Vor&longs;chriften
gegeben. In der Folge hat man wenig oder gar nicht
darüber ge&longs;chrieben, obgleich ver&longs;chiedene große Naturfor&longs;cher
vortrefliche Mu&longs;ter der Beobachtungskun&longs;t in ihren
Schriften aufge&longs;tellt hatten. Lambert hat in &longs;einem
neuen Organon einige hieher gehörige Bruch&longs;tücke mit
dem ihm gewöhnlichen tief eindringenden Scharf&longs;inne behandelt.
Die holländi&longs;che Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu
Harlem &longs;etzte im J. 1770 einen Preis auf die be&longs;te Abhandlung
über die Beobachtungskun&longs;t, welchen eine SchriftCarrard erhalten hat. Herr Senebier, der
dabey das Acce&longs;&longs;it erhielt, ward dadurch veranla&longs;&longs;et, &longs;eine
Schrift voll&longs;tändiger auszuarbeiten, und &longs;ie unter dem Titul:
L'art d'ob&longs;erver, zu Genf 1775. II. Th. gr. 8. herauszugeben.
Ich habe in die&longs;em Artikel dasjenige, was aus die&longs;em
Werke eigentlich hieher gehört, in einen kurzen Auszug
gebracht. Auch das allgemein bekannte Zimmermanni&longs;che
Werke über die Erfahrung in der Arzneykun&longs;t enthält
vortrefliche Bemerkungen, welche für den Beobachter der
Natur überhaupt &longs;ehr brauchbar &longs;ind.
Die Kun&longs;t zu beobachten, von Johann Senebier, aus
dem Frz. über&longs;. von I. F. Gmelin. Leipzig 1776. II. B. 8.
So heißen die beträchtlichern
Erhöhungen auf der Oberfläche der Erdkugel.
Kleinere Erhöhungen führen den Namen der Hügel oder
Anhöhen. Selten finden &longs;ich einzelne Berge, und nie
beträchtliche, auf ganz ebnem Lande; mei&longs;tens liegen mehrere
Berge zu&longs;ammen, und bilden Gebirge, welche, wenn
&longs;ie &longs;ich in langen Reihen fort&longs;trecken, Bergreihen, Bergketten
genannt werden. Von den Hauptreihen der Berge
laufen insgemein kleinere Reihen &longs;eitwärts, als Zweige,
aus. Die Hauptgebirge &longs;tehen fa&longs;t über die ganze Oberfläche
der Erde in ununterbrochener Verbindung; vielleicht
&longs;elb&longs;t unter dem Wa&longs;&longs;er des Meeres, wie denn die In&longs;eln,
als die Gipfel der unter dem Meere befindlichen Berge,
ebenfalls in &longs;olchen Sammlungen und Reihen liegen, dergleichen
auf dem Trocknen die Gebirge und Bergketten
&longs;ind.
Die Oberfläche der Erde i&longs;t überhaupt äußer&longs;t ungleich;
bald &longs;teigt &longs;ie mehr oder weniger &longs;chnell in die Höhe,
bald &longs;enkt &longs;ie &longs;ich, und bildet Thäler, bald lauft &longs;ie in weit
ausge&longs;treckten Plänen fort. Die Seekü&longs;ten &longs;ind die niedrig&longs;ten
Theile des fe&longs;ten Landes, &longs;o wie insgemein der
mittlere Theil eines Stücks vom Trocknen am höch&longs;ten zu
liegen pflegt. Der Lauf der Flü&longs;&longs;e zeigt die höch&longs;ten Stellen
eines jeden Landes deutlich an. So liegt die Schweiz
in Europa am höch&longs;ten; denn aus der Gegend des Gotthards
ent&longs;pringen Gewä&longs;&longs;er, welche nach allen Seiten ausBourgogne durch die Seine, Loire und Rhone Wa&longs;&longs;er
in die Nord&longs;ee, in das atlanti&longs;che und mittelländi&longs;che Meer.
Solche Stellen, welche das Wa&longs;&longs;er nach vielen Seiten
austheilen, heißen überhaupt Landhöhen, oder wenn &longs;ie
&longs;ich in weite Flächen ausdehnen, Platformen, und wenn
&longs;ie &longs;ich an&longs;ehnlich nach einer oder der andern Richtung er&longs;trecken,
Landrücken oder Bergrücken.
Unter den merkwürdig&longs;ten Bergketten der Erdkugel
erwähnt Bergmann (Phy&longs;ikal. Be&longs;chreibung der Erdkugel.
I. B. 2 Abth. 4. Cap.) zuer&longs;t diejenigen, welche unter
dem Namen des Sewoberg-Rückens Schweden von
Norwegen und einem Theile von Rußland &longs;cheidet, &longs;ich
mit ver&longs;chiednen andern Landrücken vereiniget, und vom
weißen Meere theils o&longs;twärts bis zur Mündung des Flu&longs;&longs;es
Ob fortläuft, theils, wenig&longs;tens muthmaßlich, &longs;ich &longs;üdwärts
bis zum Wolga&longs;trom wendet, und von da aus o&longs;t&longs;üdo&longs;twärts
zwi&longs;chen Sibirien und der großen Tatarey fortläuft,
bis &longs;ie &longs;ich endlich nordwärts von Turke&longs;tan in zu&longs;ammenhängende
Hügel verwandelt. Pallas (Ob&longs;ervations
&longs;ur la formation des montagnes, Petersb. 1777.
4.) be&longs;chreibt eben die&longs;e Bergkette unter dem Namen der urali&longs;chen
Gebirge, und bemerkt, daß ein Theil der&longs;elben
von Strahlenberg mit Recht für die natürliche Grenze
zwi&longs;chen Europa und A&longs;ien angenommen worden &longs;ey. Ein
hievon ins Meer auslaufender Arm macht Nova Semlja
aus.
Ein zweytes Sy&longs;tem von Bergen geht nach Pallas
von den Gegenden des nördlichen Indiens, Tibet und Ca&longs;chemir
aus, welche Reiche das höch&longs;te Platform des mittäglichen
A&longs;iens ausmachen. Die von hier auslaufenden
Bergketten durch&longs;treichen abendwärts Per&longs;ien, gegen Mittag
die beyden Halbin&longs;eln von Indien, und gegen Morgen
Sina.
Im nördlichen A&longs;ien i&longs;t die größte Landhöhe bey dem
Gebirge Boghdo, der Grenze zwi&longs;chen den Kalmucken
und Mongolen. Von die&longs;em geht eine Kette unter dem
Namen Mu&longs;&longs;art nach Süden bis Tibet; eine zweyte
unter dem Namen Alak er&longs;treckt &longs;ich we&longs;twärts zwi&longs;chen
die Wü&longs;ten der freyen Tatarn und die Bucharey, hängt
mit dem Ende der urali&longs;chen Berge und dem großen Berge
(Ulu-tau) der wü&longs;ten Tatarey zu&longs;ammen, und verliert
&longs;ich gegen Per&longs;ien; eine dritte, mit Namen Khanghai,
läuft gegen Morgen in die Mongaley, biegt &longs;ich endlich
um, und bildet Corea und die Klippen und In&longs;eln gegen
Japan; die vierte und vornehm&longs;te macht die altai&longs;chen
Gebirge aus, welche die Grenze von Sibirien vom Irtyez
bis an den Amur bilden, und die ergiebigen ru&longs;&longs;i&longs;chen
Bergwerke enthalten. Die ganze Pläne zwi&longs;chen den beyden
letztern Ketten, die &longs;ogenannte Wü&longs;te Gobea oder
Cha-mo neb&longs;t einem Theile der mongali&longs;chen Plänen, i&longs;t
eines der höch&longs;ten Platformen der Erdfläche. Beyde Ketten
vereinigen &longs;ich, nachdem &longs;ie die&longs;es Platform umringt
haben, wieder, und laufen nordwärts bis in das Eismeer
fort. Die Nebenzweige aller die&longs;er Ketten &longs;ind unzählbar.
Eine andere der höch&longs;ten a&longs;iati&longs;chen Berg&longs;pitzen i&longs;t
der Cauca&longs;us, welcher den Raum zwi&longs;chen dem ca&longs;pi&longs;chen
und &longs;chwarzen Meere einnimmt. Vielleicht hängt er durch
Gebirge, welche Per&longs;ien durch&longs;chneiden, mit einer der vorerwähnten
Ketten zu&longs;ammen. Er &longs;elb&longs;t &longs;endet Zweige
durch Kleina&longs;ien bis nach Arabien, wozu der Taurus, Sinai,
Libanon gehören, und um das ca&longs;pi&longs;che und &longs;chwarze
Meer bis nach Europa, wo &longs;ie von Macedonien aus unter
ver&longs;chiedenen Namen fortlaufen. Das carpati&longs;che Gebirge
läuft vom &longs;chwarzen Meere zwi&longs;chen der Wallachey,
Moldau, Siebenbürgen, Schle&longs;ien und Polen fort. Das
&longs;udeti&longs;che geht durch Oe&longs;terreich zwi&longs;chen Böhmen und
Schle&longs;ien fort, und &longs;endet nord - und we&longs;twärts Zweige
nach Meißen und Voigtland. Das hercyni&longs;che geht in
vielen Windungen mitten durch Deut&longs;chland. Die hohen
Alpen &longs;cheiden Mayland und die Schweiz, und er&longs;treckenpennini&longs;che, von da
bis an den Mont-Cenis griechi&longs;che, alsdann bis zum
Monte-vi&longs;o cotti&longs;che, und endlich bis Monaco Seealpen.
Das apennini&longs;che Gebirge läuft von den Seealpen auf
der genue&longs;i&longs;chen Kü&longs;te durch ganz Italien bis Reggio fort,
und reicht vermuthlich durch Sicilien und unter dem Meere
bis an die afticani&longs;chen Berge. Die rhäti&longs;chen Alpen
gehen zwi&longs;chen Mayland und Graubündnerland, die tridentini&longs;chen
zwi&longs;chen Tyrol und dem venetiani&longs;chen Gebiete,
die nori&longs;chen zwi&longs;chen die&longs;em und Salzburg, die
kärnthner zwi&longs;chen Kärnthen, Krain, Friaul und I&longs;trien.
Das pyrenäi&longs;che Gebirge &longs;cheidet Frankreich von Spanien,
und i&longs;t ein Zweig von ebendem&longs;elben Stamme.
In Afrika läuft der Atlas von O&longs;ten nach We&longs;ten.
Der große Atlas, der vermuthlich mit den arabi&longs;chen Bergen
zu&longs;ammenhängt, geht durch Egypten, und &longs;cheidet die
Barbarey von Bilidulgerid; der kleinere geht von Tunis
bis Gibraltar. Auch &longs;treicht an beyden Seiten des Nils
eine Bergkette, welche aus den innern wenig bekannten
Theilen von Afrika kömmt, und mit den da&longs;elb&longs;t befindlichen
Mondbergen zu&longs;ammenhängt.
In Amerika laufen die berühmten Cordelieren
(Cordilleras) nach der Richtung der we&longs;tlichen Kü&longs;te von
Chili und Peru. An die&longs;er Kü&longs;te findet man zuer&longs;t eine
etwa 8 Meilen breite Pläne, hierauf folgen etwa doppelt
&longs;o breit abwech&longs;elnde Hügel und Thäler (Sierras), und
endlich etwa 16 Meilen breit die höch&longs;ten und &longs;teil&longs;ten
Berge (Andes), welche &longs;ich o&longs;twärts ganz &longs;anft gegen unermeßliche
von den größten Flü&longs;&longs;en durch&longs;trömte Ebnen nieder&longs;enken.
Die&longs;e Gebirge &longs;ind die höch&longs;ten, die man bisher
kennt. Von Cuenza bis Popaya i&longs;t die&longs;e Bergreihe
doppelt, und bildet zwi&longs;chen &longs;ich das 70 Meilen lange nnd
2—3 Meilen breite Thal oder Platform, worinn Quito
liegt, und welches das höch&longs;te auf der Erde i&longs;t. Andere
Bergrücken im &longs;üdlichen Amerika &longs;tehen mit die&longs;er Hauptkette
in Verbindung, welche durch die Landenge Panama
immer an der we&longs;tlichen Kü&longs;te von Nordamerika fortläuft,
So &longs;cheinen die großen Bergketten der Erdfläche
durchgängig zu&longs;ammenzuhängen, und ihre Verbindung
&longs;elb&longs;t unter dem Meere fortzu&longs;etzen. Sie &longs;ind nach dem
Ausdrucke einiger Naturfor&longs;cher das Geripp, welches der
Erdrinde Fe&longs;tigkeit und Zu&longs;ammenhang giebt. Schon
Plinius (Hi&longs;t. nat. XXXVI. 1.) äußert die&longs;en Gedanken.
Eine Bergkarte von Buache (Mém. de Paris 1752.)
&longs;tellt ihren Gang auf eine &longs;ehr erläuternde Art dar, bedarf
aber vieler Verbe&longs;&longs;erungen aus neuern Nachrichten. Lehmanm
(Specimen orographiae generalis, Petrop.
1762. 4.) und Gatterers neuere Bergkarte geben genauere
Vor&longs;tellungen. Buffon (Hi&longs;t. nat. der Ausg. in 3. Vol.
II. p. 17.) läßt die Richtung der Hauptreihen in Amerika von
Norden nach Süden, in der alten Welt aber von We&longs;ten
gen O&longs;ten laufen; ändert dies aber (Suppl. à l' hi&longs;t. nat.
To. IX. p. 440.) dahin ab, daß auch in der alten Welt
die höch&longs;ten Gebirge von Norden nach Süden laufen, und
die von andern Richtungen blos Seitenä&longs;te &longs;eyn &longs;ollen.
Der ungenannte Verfa&longs;&longs;er der Bemerkungen über Pallas
(Journal de phy&longs;ique, May. 1779. über&longs;. in den Leipziger
Sammlungen zur Phy&longs;. u. Naturg. II. B. 2. St.) nimmt
dagegen zwo mit dem Aequator parallele Hauptketten, die
eine um den 50&longs;ten Grad nördlicher, die andere um den
25&longs;ten &longs;üdlicher Breite, an, von welchen hin und wieder
Zweige &longs;owohl gegen den Aequator, als gegen die Pole,
auslaufen &longs;ollen. Pallas erklärt &longs;ich überhaupt gegen das
Da&longs;eyn einer allgemeinen Anordnung in der Richtung der
Bergketten, vermöge welcher &longs;ie &longs;ich in Form eines Netzes
kreuzen, oder wie die Ribben in einen gemein&longs;chaftlichen
Rückgrat vereinigen &longs;ollen. Solche Vor&longs;tellungen kopiren
nach &longs;einer Meynung blos die Be&longs;chaffenheit der Länder, in
denen &longs;ie erfunden &longs;ind, und machen keinen allgemeinen
Plan der Natur aus. Die a&longs;iati&longs;chen Bergreihen laufen
nach ihm von hohen Platformen, als von gemein&longs;chaftlichen
Mittelpunkten, nach ver&longs;chiedenen Richtungen aus;
(Mém. &longs;ur la theorie de la terre, bey &longs;.
Lettres &longs;ur la formation des &longs;els. Am&longs;t. 1729. 8.) fand
in der Ge&longs;talt und Lage der Gebirge eine allgemeine Aehnlichkeit
mit Fe&longs;tungswerken, wo einwärts gehende und hervor&longs;pringende
Winkel in parallelen Linien einander gegenüber&longs;tehen.
Eben dies nehmen Bertrand, Buffon und
de la Lande an. Allein &longs;o häufig &longs;ich die&longs;e Anordnung
der Berge in zwo parallele gegenüber&longs;tehende Reihen an
manchen Orten finden mag, &longs;o i&longs;t &longs;ie doch bey weitem nicht
allgemein.
Unter der Höhe eines Bergs über einem andern
Orte ver&longs;teht man eine Linie, welche von &longs;einem Gipfel
lothrecht herabgefället bis an die fortge&longs;etzte Horizontalfläche
des gedachten Orts reicht. Höhe des Aetna über Catania
i&longs;t die lothrechte Linie zwi&longs;chen des Aetna Gipfel und der
Horizontalfläche durch Catania. Es i&longs;t kaum nöthig zu
erinnern, daß hiebey nicht die &longs;cheinbare Horizontal-ebne,
welche die Fläche der Erdkugel berührt, &longs;ondern die wahre
mit der Erdfläche &longs;elb&longs;t concentri&longs;che Horizontal-fläche ver&longs;tanden
wird. Gemeiniglich werden die Höhen der Berge
über der Meeresfläche angegeben, welches jederzeit anzunehmen
i&longs;t, wo nicht ausdrücklich etwas anders erinnert
wird. Die Höhen der Berge werden entweder geometri&longs;ch
durch Abme&longs;&longs;ung einer Standlinie und der nöthigen
Winkel, und daraus hergeleitete trigonometri&longs;che Berechnung,
oder durch Wa&longs;&longs;erwägen, oder vermittel&longs;t
des Barometers gefunden. Die beyden er&longs;ten Methoden
werden in der prakti&longs;chen Meßkun&longs;t erklärt; die dritte
gehört zwar eben dahin, es wird aber von ihr, weil ihre
Theorie ganz phy&longs;ikali&longs;ch i&longs;t, unter dem Artikel: Höhenme&longs;&longs;ungen,
barometri&longs;che, gehandelt werden.
Die höch&longs;ten der bisher bekannten Berge &longs;ind die
amerikani&longs;chen, unter welchen der Chimbora ço, &longs;o wie
unter den europäi&longs;chen der
Um in den bey uns bekannten Maaßen einen Begrif
von der Höhe die&longs;er Berge zu geben, will ich bemerken,
daß die Höhe des Chimboraço (11/16), die des Mont-blanc
etwas über 1/2, die des Aetna etwas über 1/3 einer chur&longs;äch&longs;i&longs;chen
Meile von 32000 Leipziger Schuhen beträgt.
Die&longs;e Höhe kömmt gegen den Halbme&longs;&longs;er der Erde,
welcher im Durch&longs;chnitt 3270800 Toi&longs;en angenommen
werden kan, in keine &longs;onderliche Betrachtung. Die Höhe
des größten Berges beträgt noch nicht (1/1000) die&longs;es Halbme&longs;&longs;ers.
Berge und Thäler können al&longs;o der Erde &longs;o wenig
ihre Kugelge&longs;talt benehmen, als Ungleichheiten von
(1/10) Lin. die Rundung einer Kugel von 2 Schuh Durchme&longs;&longs;er
&longs;tören können. Dennoch ziehen große Berge das Bleyloth
merklich aus &longs;einer Richtung, &longs;. Gravitation.
Die äußere Ge&longs;talt der Berge i&longs;t unendlich mannigfaltig.
Der Fuß i&longs;t mehrentheils weit ausgebreitet, und
der Abhang mit Erde bedeckt, aus welcher bey den höch&longs;ten
Bergen oben &longs;teile Klippen hervor&longs;techen. Wenn
die&longs;e Klippen &longs;chmal &longs;ind, und mit fa&longs;t lothrechten Seiten
zu einer Spitze hinauf&longs;teigen, &longs;o heißen &longs;olche Berge Nadelberge,
Piken oder Aiguillen. Oft bilden die &longs;teilen&longs;. Vulkane.
Die Luft i&longs;t auf den Bergen weit kälter, als an der
Erdfläche, wo die unter&longs;te Luft&longs;chicht &longs;owohl wegen ihrer
größern Dichte, als wegen der Nähe des Erdbodens, der
die Sonnen&longs;tralen zurückwirft, &longs;tärker erwärmt wird.
Daher &longs;ind die Gipfel der hohen Berge, &longs;elb&longs;t unter den
wärm&longs;ten Klimaten, mit be&longs;tändigem Schnee und Eis bedeckt,
welches letztere da&longs;elb&longs;t eine blaugrüne Farbe annimmt.
Die zwi&longs;chen den Spitzen der Berge befindlichen
Thäler und Schluchten, in welchen fa&longs;t immerwährender
Schatten herr&longs;cht, &longs;ammeln und unterhalten ungeheure
Mengen von Schnee und Eis, und vermehren dadurch
noch die Kälte der darüberliegenden Luft. Doch liegt die&longs;e
be&longs;tändige Schneegränze in der heißen Zone höher,
und kömmt de&longs;to tiefer herab, je mehr man &longs;ich den Polen
nähert. In Peru geht &longs;ie bis auf eine Höhe von 2434,
in den Alpen bis 1500 Toi&longs;en; gegen die Pole zu &longs;enkt
&longs;ie &longs;ich nahe an die Meeresfläche &longs;elb&longs;t herab, doch machen
hiebey locale Ur&longs;achen unter ver&longs;chiedenen Meridianen mancherley
Abänderungen. Die Vegetation er&longs;treckt &longs;ich vom
Fuße der Berge bis nahe an die be&longs;tändige Schneegrenze;
in Peru z. B. hört &longs;ie mit der Höhe von 2300 Toi&longs;en auf;
auf Spitzbergen und Grönland findet man &longs;chon auf ebnem
Boden Alpengewäch&longs;e. Die Bäume und Gewäch&longs;e werden
in größern Höhen immer unan&longs;ehnlicher und niedriger;
in gewi&longs;&longs;en Höhen wach&longs;en nur noch Fichten, Tannen und
anderes harziges Holz, neb&longs;t den Pflanzen, die in der Botanik
Alpengewäch&longs;e genannt werden, die höch&longs;ten Spitzen
Man &longs;tand &longs;on&longs;t in der fal&longs;chen Meynung, daß die
dünnere Luft auf den hohen Bergen das Athmen er chweren
mü&longs;&longs;e. Schon Bouguer und de la Condamine
haben bey ihren Abme&longs;&longs;ungen auf den hohen Gebirgen in
Peru die&longs;e Einbildung ungegründet befunden. Die neuern
Bergbeobachter &longs;prechen vielmehr nie anders, als mit Entzücken
von der reinen und heitern Bergluft, die dem Körper
gleich&longs;am neues Leben einflöße, und in Verbindung mit
der Heiterkeit des Himmels, der Herrlichkeit der Aus&longs;ichten,
der Größe der Gegen&longs;tände und der tiefen Stille des
Schauplatzes die Seele mit einem unbe&longs;chreiblichen Gefühl
von Ruhe und Freude erfülle. Doch hat de Sau&longs;&longs;ure
(Voyages dans les alpes, To. II. p. 517.) durch Proben
mit dem Eudiometer die Luft auf den Gipfeln des Buet,
St. Bernhard u. &longs;. w. nicht &longs;o rein, als die Luft in Chamouny
und andern Alpenthälern gefunden, und glaubt hieraus
&longs;chließen zu dürfen, daß die Luft in den niedrigen Plänen
am wenig&longs;ten ge&longs;und, auf den hohen Bergen zwar etwas
ge&longs;ünder, am rein&longs;ten und unverdorben&longs;ten aber in den
Thälern &longs;ey, welche 200—300 Toi&longs;en hoch über der Meeresfläche
liegen.
Es findet &longs;ich unter den Bergen &longs;elb&longs;t &longs;owohl in Ab&longs;icht
ihrer Höhe und Lage, als auch ihrer innern Be&longs;chaffenheit,
ein mannigfaltiger Unter&longs;chied, welchen vorzüglich
die neuern Naturfor&longs;cher genauer be&longs;timmt, und zu Unter&longs;tützung
ihrer Meynungen über die Ent&longs;tehung der Berge
und die Ge&longs;chichte der Erde angewendet haben. Zwar hat
man &longs;chon läng&longs;t die Berge in ur&longs;prüngliche und neuere
(montes primitivos et recentes) abgetheilt; auch häben
die deut&longs;chen Mineralogen und Bergwerksver&longs;tändige &longs;ehr
frühzeitig Ganggebirge von Flötzgebirgen unter&longs;chieden,
Zur er&longs;ten Cla&longs;&longs;e der Gebirge gehören diejenigen,
welche von den an&longs;ehnlichen Bergketten der Erdfläche den
Körper &longs;elb&longs;t ausmachen. Sie erweitern &longs;ich nach unten
zu, treffen vermuthlich in der Tiefe zu&longs;ammen, und bilden
eine um die ganze Erde gehende fe&longs;te Schale. Die&longs;e
Berge der er&longs;ten Cla&longs;&longs;e be&longs;tehen mehrentheils durch und
durch aus einer gleichförmigen Materie (einer einfachen Gebirgsart),
welche nach allen Richtungen ge&longs;palten werden
kan, ob &longs;ie gleich oft wegen ungleicher Farben und Größen
ihrer Körner aus vielen parallelen, oft wagrechten, oft &longs;tark
ge&longs;türzten Lagern zu&longs;ammengebettet &longs;cheint. Die vornehm&longs;te
und häufig&longs;te Gebirgsart die&longs;er Cla&longs;&longs;e i&longs;t der Granit,
ein hartes mit dem Stahl Feuer gebendes Ge&longs;tein, aus
Quarz, Glimmer und Feld&longs;path zn&longs;ammenge&longs;etzt. Aus
die&longs;em Ge&longs;tein &longs;cheinen die Kerne der mei&longs;ten Berge zu be&longs;tehen;
es macht auch in den Bergwerken die am tief&longs;ten
liegende Gebirgsart aus, auf welche Sand&longs;tein, Schiefer
und gemengte Ge&longs;teine auf ver&longs;chiedne Art aufge&longs;etzt &longs;cheinen.
Der Granit findet &longs;ich in ganzen Ma&longs;&longs;en, oft auch
in horizontalen geradlinigten oder wellenförmigen Lagern,
in denen grobkörnigter mit feinkörnigtem abwech&longs;elt, oder
wo durch grobkörnigten Gänge von feinkörnigten, und
umgekehrt, durch&longs;etzen. Oft aber be&longs;tehen die&longs;e Berge der
er&longs;ten Cla&longs;&longs;e auch aus andern Materien, z. B. aus Serpentin&longs;tein,
Grauwakken, Verdantico, Gneuß rc. Sie
werden von den Naturfor&longs;chern uralte, uranfängliche
oder ur&longs;prüngliche genannt, von andern Berge der
er&longs;ten Ordnung, weil doch nicht allgemein erwie&longs;en werden
könne, daß &longs;ie vom Anfang bey der Schöpfung &longs;elb&longs;t
vorhanden gewe&longs;en. In der Lehre vom Bergbau heißen
diejenigen, in welchen &longs;ich Metalle und Erze finden, Ganggebirge.
Gänge nemlich &longs;ind offen gewe&longs;ene Ritze oder
Spaltungen des Ge&longs;teins, welche &longs;ich nachher mit denGangarten, z. B. Quarz, Spath, Horn&longs;tein u. dgl.
ausgefüllt zu haben &longs;cheinen, und in welchen man die Erze
aufzu&longs;uchen hat. Die dergleichen enthalten, werden fündige,
die übrigen taube Gänge genannt. In den Bergen
er&longs;ter Ordnung finden &longs;ich keine Seeprodukte; daher
ihre Ent&longs;tehung vor dem Da&longs;eyn der Seethiere vorhergegangen
zu &longs;eyn &longs;cheinet.
Zur zweyten Cla&longs;&longs;e der Berge rechnet man diejenigen,
welche unverkennbare Spuren einer &longs;pätern Ent&longs;tehung,
und vornehmlich einer unter dem Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehenen Bildung
an &longs;ich tragen. Dahin gehören baupt&longs;ächlich die
Kalk - oder Marmor - und Thon&longs;chiefergebirge.
Sie be&longs;tehen größtentheils aus Schichten oder Lagern, welche
völlig wie über einander liegende Boden&longs;ätze des Wa&longs;&longs;ers
ge&longs;taltet und geordnet &longs;ind, und die bis zur Bewunderung
bäufigen Seeprodukte, welche &longs;ich in die&longs;en
Schichten finden, &longs;etzen ihre Ent&longs;tehung unter dem Wa&longs;&longs;er
außer allen Zweifel. Dergleichen Kalk- und Thongebirge
&longs;cheinen &longs;owohl die höch&longs;ten Granitketten, als auch die niedrigern
Zweige des über die Erdfläche hie und da hervorragenden
uralten Ge&longs;teins überall auf beyden Seiten einzufa&longs;&longs;en
und zu begleiten. De Lüc (Briefe über die Ge&longs;chichte
der Erde und des Men&longs;chen, 38. Brief) be&longs;chreibt
eine &longs;olche Kette von Kalkgebirgen, welche die &longs;avoyi&longs;chen
Alpen unter dem Namen der Bornans einfa&longs;&longs;et. Einer
von die&longs;en Bergen, der Grenier am &longs;üdlichen Ufer des
Genfer&longs;ees, hat noch 1300 Toi&longs;en über der Meeresfläche
ver&longs;teinerte Ammonshörner. Eine andere &longs;olche Kette von
Kalkgebirgen i&longs;t der Jura. Auch Pallas (Ob&longs;. &longs;ur la
formation des montagnes) be&longs;chreibt dergleichen Kalkund
Thon&longs;chichten, die an den a&longs;iati&longs;chen Bergketten hinlaufen.
Die&longs;e werden von den Naturfor&longs;chern Berge der
zweyten Ordnung, oder in der Lehre vom Bergbau
Flötzgebirge genannt. Man findet in ihnen die Erze
nicht in Gängen, &longs;ondern nur Ei&longs;en und Kupfer in Flötzen
oder Schichten, welche augen&longs;cheinlich nichts anders, als
Boden&longs;ätze eines ehemaligen Meeres &longs;ind. Auch findet
man in ihnen keine Quarzkry&longs;tallen, wohl aber häu&longs;igeSpath, eine kalkartige Kry&longs;talli&longs;ation,
welche die Ri&longs;&longs;e der&longs;elben und die Höhlungen der darinn begrabnen
Seekörper anfüllet. Auch die Kreide liegt in
&longs;olchen Schichten, und enthält häufige Secprodukte mit
&longs;chwarzem Horn&longs;tein. Andere auch vom Meere gebildete
Berge mit häufigen Seeprodukten be&longs;tehen aus Sand&longs;tein,
oder lockerm unverbundenen Sande. Wo Berge beyder
Ordnungen zu&longs;ammen&longs;toßen, da werden die ur&longs;prünglichen
jederzeit von denen der zweyten Ordnung, nie aber die&longs;e
von jenen bedeckt—ein unwider&longs;prechlicher Beweis, daß
die der er&longs;ten Ordnung die älteren &longs;ind.
Zwi&longs;chen die&longs;e zwo &longs;o deutlich unter&longs;chiedene Cla&longs;&longs;en
fallen aber auch Berge, bey welchen die Charaktere zweydeutig
&longs;ind. Dahin gehören die Schiefergebirge, welche
&longs;ich bisweilen ohne alle Seeprodukte, oft mit &longs;enkrecht
&longs;tehenden oder doch &longs;ehr ge&longs;türzten Blättern bis zu den beträchtlich&longs;ten
Höhen erheben, wie denn der 1579 Toi&longs;en
hohe, von de Lüc be&longs;tiegene, Glet&longs;cher Buet ein Schieferberg
i&longs;t; bisweilen aber flötzwei&longs;e liegen, und zwi&longs;chen horizontalen
oder wenig geneigten Blättern, wie die Kupfer&longs;chiefer
der Graf&longs;chaft Mannsfeld, häufige Eindrücke von
Mu&longs;cheln, Fi&longs;chen und Pflanzen enthalten. Die letztern
Schiefer &longs;ind offenbar unter dem Wa&longs;&longs;er gebildet; von
den er&longs;tern läßt &longs;ich zwar nicht ent&longs;cheidend behaupten, daß
das Wa&longs;&longs;er gar keinen Antheil an ihrer Bildung gehabt
habe; es muß dies aber wenig&longs;tens auf eine andere Art,
als bey jenen, ge&longs;chehen &longs;eyn. Die Schiefergebirge ohne
Seekörper &longs;ind zugleich der Haupt&longs;itz der Metalle. Im
Granitgebirge &longs;ucht man nie fündige Gänge; häufiger in
andern mehr &longs;chiefrig liegenden Bergarten, z. B. dem
Gneuß, wie im &longs;äch&longs;i&longs;chen Erzgebirge, dem Grauwakken,
wie auf dem Harz. Herr v. Trebra (Erfahrungen vom
Innern der Gebirge, De&longs;&longs;au u. Leipz. 1785. Fol.) hat neuerlich
hierüber vortrefliche Bemerkungen mitgetheilt. Auch
der Kalk&longs;tein wird lagerwei&longs;e mitten in uranfänglichen einfachen
Gebirgen angetroffen.
Die Menge von ver&longs;teinerten Seeprodukten, welche
&longs;ich in den Schichten der Berge zweyter Ordnung findet,Steinkern, der &longs;ich in ihr formte, zurückgela&longs;&longs;en. Bey
der fa&longs;t allzugroßen Anzahl der Petrefactenbe&longs;chreiber kan
es Niemandem unbekannt bleiben, wie häufig und mannigfaltig
die&longs;e Ver&longs;teinerungen &longs;ind. Man findet viele
darunter, deren lebende Originale in den jetzigen Meeren
noch unbekannt &longs;ind. Die Originale der Ammonshörner,
die ver&longs;teinert in unglaublicher Anzahl von 1 1/2 Schuh
Durchme&longs;&longs;er bis zur gering&longs;ten kaum bloßen Augen &longs;ichtbaren
Größe gefunden werden, der Belemniten u. &longs;. w.
&longs;ind noch unentdeckt, oder doch nicht zuverläßig bekannt.
Pallas vermuthet, daß die Originale zwar da &longs;eyn, aber
in großen Tiefen im Meere leben mögen. Die Terebratuliten
&longs;ind in manchen Schichten &longs;o häufig, wie der Sand
&longs;elb&longs;t, vorhanden; inde&longs;&longs;en &longs;ind ihre lebenden Originale
äußer&longs;t &longs;elten. Dagegen enthält das Meer Conchylien,
wie z. B. das Meerohr und die Entenmu&longs;chel, welche &longs;elten
oder gar nicht ver&longs;teinert angetroffen werden. Oft findet
man die gegrabnen Mu&longs;cheln in ungemeinen Entfernungen
von den Orten, wo &longs;ich ihre noch lebenden Originale
aufhalten. De Lüc fand in England und Italien Ver&longs;teinerungen,
deren Originale nur in Indien leben. Häufig
findet man Nautilen, Au&longs;tern, Kammmu&longs;cheln, Tuten,
Schrauben, Fungiten von ungeheuren Größen, da
die bekannten Originale viel kleiner &longs;ind. Eben die&longs;e Ver&longs;chiedenheit
nimmt man auch in Ab&longs;icht auf die Abdrücke
der Seepflanzen wahr, die unter der Erde gefunden werden.
Buffon (Hi&longs;t. nat. gen. et part. To. I. p. 388.) hat
das viele Merkwürdige, was &longs;ich hierüber &longs;agen läßt, mit
der ihm eignen hinreißenden Bered&longs;amkeit vorgetragen.
Niemand wird wohl den unnatürlichen Hypothe&longs;en
einiger Schrift&longs;teller, daß die&longs;e Conchylien durch Men&longs;chen
Die Schichten der Berge zweyter Ordnung zeigen
viele Ver&longs;chiedenheit in Ab&longs;icht auf Materie, Mächtigkeit,
Ordnung und Stürzung, und es &longs;cheinen noch nach ihrer
Ent&longs;tehung hin und wieder beträchtliche Veränderungen in
ihnen vorgegangen zu &longs;eyn. Die Materien; aus welchen
&longs;ie be&longs;tehen, &longs;ind hauptfächlich Kalk&longs;teine und Thon&longs;chiefer,
welche letztern &longs;ich gemeiniglich unter den Kalkflötzen
finden, und die gewöhnlich&longs;te Lager&longs;tätte der Kieße &longs;ind,
ingleichen Steinkohlen. Lehmann (Ver&longs;uch einer Ge&longs;chichte
von Flötzgebirgen, Berlin 1756. 8.) giebt als eine
allgemeine Regel an, daß die Steinkohlen insgemein unten
auf einer Schicht von grobem ei&longs;en&longs;chüßigen Sande,
über die&longs;en die Thon&longs;chiefer, und ganz oben die Kalkflötze
und das Stein&longs;alz liegen.
Pallas(Ob&longs;. &longs;ur la formation des montagnes) erwähnt
noch eine dritte Cla&longs;&longs;e von Bergen, welche neuer
als die vom Meere gebildeten Schichten, und auf die&longs;e
aufge&longs;etzt &longs;ind. Die&longs;e Berge der dritten Ordnung be&longs;tehen
größtentheils aus Sand&longs;tein und Mergel&longs;chichten,
mit großen Mengen von &longs;andigen und thonigten Ei&longs;en- und
Kupfererzen und Gyps&longs;teinen vermi&longs;cht, welche letztern gememiglich
Anzeigen von Salzquellen geben. Sie enthalten
wenige oder gar keine Seeproducte, dagegen eine große
Menge ver&longs;teinertes Holz, Abdrücke von Pflanzen und
Knochen von Landthieren. Pallas be&longs;chreibt a. a. O. eine(ebur fo&longs;&longs;ile) enthält, welches in Sibirien einen
Handlungszweig ausmacht, und auch in Nordamerika gefunden
wird, obgleich die Elephanten &longs;elb&longs;t nur unter wärmern
Himmels&longs;trichen wohnen. In den &longs;tets gefrornen
Gegenden der Ufer des Wilui fand man &longs;ogar das Geripp
eines Rhinoceros mit noch erhaltener Haut und Ueberbleib&longs;eln
von Sehnen und Knorpeln, woraus Pallas &longs;chließt,
daß die&longs;e Berge und Hügel durch eine &longs;pätere aus den
Wohnplätzen die&longs;er Thiere hergekommene Ueber&longs;chwemmung
ent&longs;tanden &longs;eyen.
Die durch Ausbrüche des unterirdi&longs;chen Feuers gebildeten
Berge, Ba&longs;althügel, Traß- und Lava&longs;trecken u.
dgl. machen noch eine vierte Cla&longs;&longs;e aus, von welcher die
Artikel: Vulkane und Vulkani&longs;che Producte, um&longs;tändlichere
Nachricht geben werden.
Man wird aus dem Bisherigen leicht wahrnehmen,
wie genau die Entftehung und Bildung der Berge mit der
Ge&longs;chichte der Erde &longs;elb&longs;t zu&longs;ammenhänge. In der That
&longs;ind die Berge die vornehm&longs;ten Denkmäler und Urkunden,
aus welchen wir über die Veränderungen der Erdfläche Unterricht
erhalten, und die Revolutionen, durch welche un&longs;er
Wohnplatz in &longs;einen gegenwärtigen Zu&longs;tand übergegangen
i&longs;t, einigermaßen errathen können. Freylich i&longs;t die Sprache
die&longs;er Urkunden nicht überall gleich deutlich, und die
Erklärungen ihrer Ausleger weichen oft beträchtlich von
einander ab. Ich könnte hier &longs;ehr viele Meynungen über
die Ent&longs;tehung der Berge anführen; da &longs;ie aber alle zugleich
Hypothe&longs;en über die Ge&longs;chichte der Erde enthalten,
&longs;o werde ich &longs;ie, um einer Wiederholung auszuweichen, bey
dem Worte: Erdkugel, vortragen.
Der Nutzen der Berge i&longs;t &longs;ehr mannigfaltig, und für
die ganze Oekonomie der Natur auf der Erdfläche von äußer&longs;ter
Wichtigkeit. Bertrand hat dies in einer eignen Schrift
(E&longs;&longs;ai &longs;ur les u&longs;ages des montagnes, Zuric. 1754. 8.)
ausgeführt. Sie dienen nicht nur zur Zierde der Erde
Torbern Bergmann phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel,
a. d. Schwed. über&longs;. v. Röhl, 2te Aufl. Greifsw. 1780. 8.
G. S. Pallas Ob&longs;ervations &longs;ur la formation des montagnes,
à St. Petersbourg. 1777. 4. über&longs;etzt in den Leipziger
Sammlungen zur Phy&longs;ik und Naturge&longs;ch.
I. A. de Luc Lettres physiques etmorales &longs;ur l'histoire
de la terre et de l' homme, à la Haye 1779. To. V. gr. 8.
mit einer Abkürzung über&longs;etzt:
Berge, feuer&longs;peyende, &longs;. Vulkane.
Be&longs;chleunigende Kraft, &longs;. Kraft.
Be&longs;chleunigte Bewegung, &longs;. Bewegung.
Das Zunehmen der Ge&longs;chwindigkeit, mit welcher &longs;ich ein
Körper bewegt. Da die Größe der Ge&longs;chwindigkeit von
dem Raume abhängt, den ein Körper in einer gewi&longs;&longs;en Zeit
zurücklegt, &longs;o findet eine Be&longs;chleunigung &longs;tatt, wenn bewegte
Körper, in gleichen auf einander folgenden Zeiträumen,
immer größere Räume zurücklegen. So fällt ein
&longs;chwerer Körper auf der Erdfläche in jedem folgenden Zeittheile
weiter, als im vorhergehenden; in der er&longs;ten Secunde
beyläufig durch 15, in der zweyten durch 45, in der
dritten 75 Schuh u. &longs;. f.
Nimmt hiebey die Ge&longs;chwindigkeit &longs;o zu, daß &longs;ie in
gleichen Zeiträumen gleiche Zu&longs;ätze erhält, &longs;o heißt die Be&longs;chleunigung
gleichförmig (uniformis, aequabilis); &longs;ind
aber die in gleichen Zeiträumen erhaltenen Vermehrungen
der Ge&longs;chwindigkeit ungleich, &longs;o i&longs;t dies eine ungleichförmige
Be&longs;chleunigung (difformis, inaequabilis). Die Retardation
oder Verminderung der Ge&longs;chwindigkeit kan
als negative Be&longs;chleunigung ange&longs;ehen werden.
Seitdem nach Galilei Entdeckungen der Ge&longs;etze fallender
Körper die höhere Mechanik entwickelt und ausgebildet
worden i&longs;t, hat man die Be&longs;chleunigungen der Bewegung
durchgängig als Wirkungen der Kräfte ange&longs;ehen,
welche die Bewegung &longs;elb&longs;t hervorbringen oder ändern.
Die höhere Mechanik nimmt hierüber folgende mit den Erfahrungen
überein&longs;timmende Grund&longs;ätze an.
1. Einmal ent&longs;tandene Bewegungen dauern, auch ohne
weiteres Zuthun einer Kraft, fort, und behalten ihre
vorige Richtung und Ge&longs;chwindigkeit, ohne Be&longs;chleunigung,
&longs;. Trägheit.
2. Kömmt aberzu einer einmal ent&longs;tandnen Bewegung
in jedem Zeittheile eine neue Wirkung einer Kraft
hinzu, &longs;o ent&longs;teht Be&longs;chleunigung, wenn die&longs;e
Kraft ganz oder zum Theil nach der Richtung der
Bewegung &longs;elb&longs;t, Retardation, wenn &longs;ie ganz
oder zum Theil nach der entgegenge&longs;etzten Richtung
wirkt.
3. Sind die&longs;e neuen, mit jedem Zeittheile hinzukommenden,
Wirkungen der Kraft &longs;tets gleich groß, &longs;o ent&longs;teht
gleichförmige, &longs;ind &longs;ie ungleich, ungleichförmige
Be&longs;chleunigung oder Retardation.
Ab&longs;olute unveränderliche Kräfte, d. h. &longs;olche,
die in bewegte Körper, wie in ruhende, unaufhörlich und
immer gleich &longs;tark, auch immer nach einerley Richtung
wirken, mü&longs;&longs;en daher die Bewegungen, die &longs;ie hervorbringen,
auch gleichförmig be&longs;chleunigen. Denn ihre er&longs;te
Wirkung i&longs;t die Hervorbringung der Bewegung, zu welcher
ihre folgenden Wirkungen in jedem Zeittheile gleich
&longs;tarke Vermehrungen der Ge&longs;chwindigkeit nach eben der&longs;elbenVeränderliche Kräfte hingegen
verur&longs;achen ungleichförmige Be&longs;chleunigung.
Da die Schwere der Körper eine ab&longs;olute Kraft
i&longs;t, d. h. in bewegte Körper noch eben &longs;o, wie in ruhende,
wirkt, und in Räumen, welche gegen den Halbme&longs;&longs;er der
Erde unbeträchtlich &longs;ind, als unveränderlich ange&longs;ehen
werden kann, &longs;o folgt aus die&longs;en Grund&longs;ätzen, daß die
&longs;chweren Körper mit gleichförmiger Be&longs;chleunigung fallen
mü&longs;&longs;en. Für den Fall durch große Höhen, wo oben die
Schwere geringer, als unten, wäre, würde freylich die
Be&longs;chleunigung nicht mehr durchgehends gleichförmig &longs;eyn.
Fiele z. B. ein Körper von einer Höhe herab, welche &longs;o
groß als der Halbme&longs;&longs;er der Erde wäre, &longs;o würde die Be&longs;chleunigung
&longs;eines Falles am Ende viermal &longs;tärker werden,
als &longs;ie am Anfange gewe&longs;en wäre.
Aus die&longs;en Grund&longs;ätzen folgen nun leicht die Ge&longs;etze,
welche bey dem Worte: Bewegung, gleichförmig be&longs;chleunigte,
erklärt werden, und mit der Erfahrung &longs;o
vortreflich überein&longs;timmen.
Die irrigen Begriffe, welche &longs;ich ältere Naturfor&longs;cher
von den Ur&longs;achen der Be&longs;chleunigung, be&longs;onders beym
Falle der Körper, gemacht haben, werden unter dem Artikel:
Fall der Körper, vorkommen.
nennt Herr Kar&longs;ten
(Lehrbegrif der ge&longs;ammten Math. III. Theil, Mechanik,
Ab&longs;chn. 3. §. 46.) dasjenige, was Andere gemeiniglich
be&longs;chleunigende Kraft &longs;elb&longs;t nennen, &longs;. Kraft,
be&longs;chleunigende. Er ver&longs;teht nemlich die durch eine
Kraft hervorgebrachte Be&longs;chleunigung, und da die&longs;e der
Kraft &longs;elb&longs;t proportional i&longs;t, &longs;o weicht er von andern blos
darinn ab, daß er die bekannte Wirkung da nennt, wo
Andere die unbekannte Ur&longs;ache nennen.
Die Theile, aus welchen die Körper be&longs;tehen oder
zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ind.
Die&longs;e Theile werden entweder blos &longs;o betrachtet, wie
&longs;ie neben einander liegen, und durch eine blos mechani&longs;che
Trennung von einander ge&longs;ondert werden können, &longs;. Aggregat,
und heißen dann blos Theile, mechani&longs;che
Be&longs;tandtheile (partesintegrantes, parties); oder &longs;o, wie
&longs;ie durch die bey ihrer Vermi&longs;chung ent&longs;tandene wech&longs;el&longs;eitige
Anziehung und Auflö&longs;ung den Körper, als ein Product
von einer andern Be&longs;chaffenheit, erzeugt haben,
Inflexio &longs;. Difractio lucis,
Diffraction ou Inflexion de la lumiere. Die Abweichung
der Licht&longs;trahlen von ihrem geradlinigten Wege, wenn
&longs;ie nahe an dem Rande eines Körpers vorbeygehen.
Die Beugung des Lichts ward von dem P. Grimaldi
um die Mitte des vorigen Jährhunderts entdeckt
und bekannt gemacht ( Grimaldi de lumine, coloribus et
iride, Bonon. 1665. 4.), da man vorher keine andere
Abweichung des Lichts vom geraden Wege, als die Brechung
und Zurückwerfung gekannt hatte. Zwar hat D.
Grimaldi ließ durch ein kleines Loch in ein verfin&longs;tertes
Zimmer einen Stral fallen, der darinn einen Lichtkegel
bildete. Hielt er nun einen dunkeln Körper in beträchtlicher
Entfernung vom Loche in die&longs;en Lichtkegel, &longs;o
fand er den Schatten de&longs;&longs;elben viel breiter, als er der Berechnung
nach bey geradem Fortgange der Licht&longs;tralen hätte
&longs;eyn können. Auch &longs;ahe er um den Schatten herum mehrere
farbichte Licht&longs;treifen, nach dem Schatten zu durch
Blau, vom Schatten ab durch Roth begrenzt. Solche
farbichte Streifen zeigten &longs;ich auch innerhalb des Schattens.
Sie nahmen nach den ver&longs;chiedenen Winkeln des
dunkeln Körpers ver&longs;chiedene Krümmungen an. Grimaldi
wendet übrigens die&longs;e wichtige Entdeckung blos auf die Ent&longs;cheidung
der &longs;ehr unwichtigen Frage an, ob das Licht eine
Sub&longs;tanz oder Qualität &longs;ey, und ent&longs;cheidet endlich für die
Ari&longs;toteliker dahin, es &longs;ey eine qualitas