%Iso1; %Iso2; %Archent; ]> Physicalisches WörterbuchJ. S. T. Gehler

Berlin: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, 2000

Leipzig, 1798.

German French Latin Greek English

Phy&longs;ikali&longs;ches Wörterbuch oder Ver&longs;uch einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe und Kun&longs;twörter der Naturlehre mit kurzen Nachrichten von der Ge&longs;chichte der Erfindungen und Be&longs;chreibungen der Werkzeuge begleitet in alphabeti&longs;cher Ordnung von D. Johann Samuel Traugott Gehler Oberhofgerichtsa&longs;&longs;e&longs;&longs;orn und Senatorn zu Leipzig, auch der ökonomi&longs;chen Societät da&longs;elb&longs;t Ehrenmitgliede Er&longs;ter Theil von A bis Epo mit &longs;ieben Kupfertafeln Neue Auflage. Leipzig, im Schwickert&longs;chen Verlage 1798. Vorrede.

Ich fühle es mit der lebhafte&longs;ten Ueberzeugung, daß &longs;ich gegen die anjetzt &longs;o gewöhnliche Methode, wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Gegen&longs;tände in alphabeti&longs;cher Ordnung vorzutragen, &longs;ehr viele gegründete Einwendungen la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat doch auch die&longs;e Methode gewi&longs;&longs;e ganz unverkennbare Vorzüge. Es i&longs;t allerdings nothwendig, daß der Anfänger die er&longs;te Ueber&longs;icht einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft durch ein in &longs;y&longs;temati&longs;chem Zu&longs;ammenhange abgefaßtes Lehrbuch erhalte; bey weiterm Fortgange aber wird er &longs;ich oft wün&longs;chen, alles, was einen und den andern einzelnen Gegen&longs;tand betrift, und was in den Lehrbüchern durch mancherley Stellen zer&longs;treut i&longs;t, zu&longs;ammengebracht und unter einerley Ge&longs;ichtspunkt vereiniget zu finden — eine Zu&longs;ammen&longs;tellung, die oft &longs;elb&longs;t für den Kenner der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey Bearbeitung einzelner Gegen&longs;tände wün&longs;chenswerth, oder wenig&longs;tens bequem und erleichternd i&longs;t. Ueberdies giebt die alphabeti&longs;che Anordnung, bey welcher jeder in der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gebräuchliche Name an &longs;einer Stelle vorkömmt, die &longs;chön&longs;te Gelegenheit zu richtiger und fe&longs;ter Be&longs;timmung der Hauptbegriffe, auf welche &longs;ich alle wi&longs;&longs;en&longs;chaftlichen Sätze gründen, und der eigentlichen Bedeutung der Worte, welche &longs;elb&longs;t in den be&longs;ten Lehrbüchern bisweilen in einem &longs;chwankenden Sinne, und an|einer Stelle anders, als an der andern gebraucht werden, zu ge&longs;chweigen, daß die Ordnung der Buch&longs;taben oft auf Namen von Gegen&longs;tänden führt, an welche man bey dem gewöhnlichen Vortrage der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gar nicht oder doch nur im Vorbeygehen denket. Daß endlich die hi&longs;tori&longs;chen und litterari&longs;chen Nachrichten, welche &longs;o viel zur gründlichen Kenntniß der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften beytragen, &longs;ich bey die&longs;er Ordnung mit vorzüglicher Bequemlichkeit beybringen la&longs;&longs;en, fällt von &longs;elb&longs;t in die Augen.

Die&longs;e Vorzüge der alphabeti&longs;chen Methode, welche &longs;ich durch das Bey&longs;piel mhrerer guten Wörterbücher, undbe&longs;onders des Macquer&longs;chen, von Herrn Leonhardi &longs;o &longs;chön bearbeiteten chymi&longs;chen, hinlänglich be&longs;tätigen, bewogen mich bereits im Jahre 1783, den Antrag einer Ueber&longs;etzung des von Sigaud de la Fond in franzö&longs;i&longs;cher Sprache herausgegebnen phy&longs;ikali&longs;chen WörterbuchsDictionnaire de Phy&longs;ique par Mr. Sigaud de la Fond, Pro&longs;e&longs;&longs;eur de Phy&longs;ique experimentale, Membre de la Societé Royale des Sciences de Montpellier etc. à Paris. 1781. IV Tomes. 8. nicht ganz ohne Aufmerk&longs;amkeit zu übergehen, und mir in die&longs;er Ab&longs;icht &longs;owohl das genannte Werk &longs;elb&longs;t, als auch das zu gleicher Zeit herausgekommene Bri&longs;&longs;on&longs;che WörterbuchDictionnaire rai&longs;onné de phy&longs;ique par Mr. Bri&longs;&longs;on, anzu&longs;chaffen. Allein ich fand es bey genauerer Unter&longs;uchung beyder Werder Elektricität dü Fay, Nollet und Iallabert ganz allein &longs;eine Helden &longs;ind. Ich gab daher den Gedanken, eines die&longs;er Werke zu über&longs;etzen, gänzlich auf, und glaubte be&longs;&longs;er zu thun, wenn ich &longs;elb&longs;t den Ver&longs;uch machte, ein dem gegenwärtigen Zu&longs;tande un&longs;erer phy&longs;ikali&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e angeme&longs;&longs;eneres Wörterbuch auszuarbeiten.

Wie die&longs;er Ver&longs;uch ausgefallen &longs;ey, und ob es der Mühe lohne, ihn fortzu&longs;etzen, darüber wird das Urtheil der Kenner und die Aufnahme die&longs;es er&longs;ten Theiles meiner Arbeit ent&longs;cheiden. Ich habe den Plan dazu &longs;o angelegt, daßich das Ganze binnen einigen Jahren in vier Bänden zu vollenden hoffen kan. So lange meine Verufsge&longs;chäfte noch nicht alle Stunden ausfüllen, die ich zur Arbeit anwenden darf, kenne ich kein größeres Vergnügen, als den Gedanken, durch meine geringe Kenntniß der Mathematik und Naturlehre irgend etwas Nützliches bewirket zu haben. Und da die&longs;es der einzige Zweck meiner Bemühungen i&longs;t, &longs;o wird mir jeder gegründete Tadel und jeder freund&longs;chaftliche Rath willkommen, und wenn er mich auf be&longs;&longs;ere Wege leitet, oder von einer unbrauchbaren Arbeit abhält, in hohem Grade &longs;chätzbar &longs;eyn.

Bey allem dem, was ich an den Werken des Bri&longs;&longs;on und la Fond auszu&longs;etzen gefunden habe, muß ich dennoch dankbar ge&longs;tchen, daß &longs;ie mir bey meiner eignen Arbeit keinesweges unbrauchbar gewe&longs;en &longs;ind. Ich habe mich nicht allein bey Zu&longs;ammentragung der Worte, welchen die Artikel die&longs;es Wörterbuchs gewidmet &longs;ind, mit Nutzen bedient, &longs;onedrn auch bey der Ausführung &longs;elb&longs;t, be&longs;onders aus dem Bri&longs;&longs;on, man ches aufgenommen, de&longs;&longs;en Herbeyholung aus andern Quellen mir mehr Zeit und Mühe würde geko&longs;tet haben. Ueberhaupt wird Niemand in die&longs;em Wörterbuche neue Erfindungen &longs;uchen; eine Arbeit die&longs;er Art kan nicht viel mehr, als Compilation aus andern Schrift&longs;tellern &longs;eyn. Ich habe daher, um mich keines Plagiats &longs;chuldig zu machen, am Ende eines jeden Artikels mit kleinerer Schrift diejenigen Quellen angezeigt, aus welchen ich bey Abfa&longs;ung de&longs;&longs;elben ge&longs;chöpft habe. Man wird, wieich hoffe, finden, daß ich gute Quellen gewählt, auch daß ich die&longs;elben nie &longs;clavi&longs;ch und ohne Beurtheilung gebraucht habe. Wo dergleichen Quellen nicht angegeben &longs;ind, habe ich entweder gar keine, oder bloß die im Texte &longs;elb&longs;t angezeigten Schriften gebraucht.

Mit Vor&longs;atz habe ich, vielleicht wider den Ge&longs;chmack des gegenwärtigen Zeitalters, an ver&longs;chiedenen- Stellen die&longs;es er&longs;ten Theils, mathemati&longs;che Berechnungen und durch Formeln ausgedrückte Bewei&longs;e eingerückt, theils weil &longs;ich gewi&longs;&longs;e wichtige Sätze gar nicht anders oder doch nicht kürzer ausdrücken und bewei&longs;en la&longs;&longs;en, theils auch, um deutlich zu zeigen, daß zu einer wahren und richtigen Kenntniß der Natur die Bekannt&longs;chaft mit der höhern Mathematik ganz unentbehrltch &longs;ey. Daß ich bey den in die Chemie ein&longs;chlagenden Artikeln das Macquer&longs;che Wörterbuch mit Herrn Leonhardi Zu&longs;ätzen zum Grunde gelegt, und nur da, wo es erforderlich war, die neuern Entdeckungen nach getragen habe, wird Niemand, dem die Vorzüge die&longs;es Werks bekannt &longs;ind, tadeln.

Ein großer Theil der Artikel die&longs;es Wörterbuchs i&longs;t der Ge&longs;chichte der Meinungen und Erfindungen gewidmet, welche wenig&longs;tens für mich jederzeit ein &longs;ehr lehrreiches und angenehmes Studium ausgemacht hat. Mehrentheils läuft auch alles, was wir von einem phy&longs;ikali&longs;chen Begriffe oder Gegen&longs;tande &longs;agen können, auf eine Erzählung de&longs;&longs;en hinaus, was die Men&longs;chen bisher über den&longs;elben gedacht und erfahren haben und &longs;o i&longs;t die Naturlehre &longs;elb&longs;t großentheils Ge&longs;chichte. Au erdem bietet aber auch die alphabeti&longs;che Ordnung eine be&longs;ondere Bequemlichkeit dar, hi&longs;tori&longs;che Nachrichten bey jedem einzeinen Gegen&longs;tande beyzubringen, welche bey einer &longs;y&longs;temati&longs;chen Anordnung den Zu&longs;ammenhang der Sätze allzu oft unterbrechen würden, und ich habe nicht umhin gekonnt, die&longs;e Bequemlichkeit, &longs;o viel möglich war, zu benützen, auch in den mei&longs;ten Artikeln die vornehm&longs;ten Schri&longs;ten, aus welchen man mehrern Unterricht &longs;chöp&longs;en kan, anzuzeigen.

Bri&longs;&longs;on hat in der, &longs;einem Wörterbuche beygefügten, Einleitung eine Ordnung angegeben, in welcher man die Artikel de&longs;&longs;elben le&longs;en &longs;oll, wenn man es als ein voll&longs;tändiges Lehrbuch über die Naturlehre gebrauchen will. Ob ich gleich die Möglichkeit nicht läugne, aus einem wohl abgefaßten Wörterbuche auf die&longs;e Art eine Wi&longs;&longs;en&longs;chaft zu erlernen, &longs;o würde ich doch eine &longs;olche Methode nie anrathen. Ich be&longs;timme den Ver&longs;uch, de&longs;&longs;en Anfang ich hiemit dem Publikum übergebe, nicht für diejenigen, welche die ganze Naturlehre erlernen wollen, &longs;ondern für die, welche um&longs;tändliche, deutliche und richtige Belehrung über einzelne Gegen&longs;tände der&longs;elben &longs;uchen, oder, wenn &longs;ie bereits den Umfang der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft über&longs;ehen haben, &longs;ich alles desjenigen, was darinn einen be&longs;ondern Gegen&longs;tand angeht, aufs neue zu erinnern wün&longs;chen. In die&longs;er Ab&longs;icht habe ich mich bemüht, die in die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft vorkommenden Begriffe deutlich zu erklären die Bedeutung der Worte genau zu be&longs;timmen, bey jedem einzelnen Gegen&longs;tande eine kurze Ge&longs;chichte der darüber vorhandenen Meynungen, ange&longs;tellten Erfahrungen und daraus gezognen Folgen und Muthmaßungen beyzubringen, die vornehm&longs;ten für gewiß erkannten Sätze vorzutragen und zu bewei&longs;en, die zu An&longs;tellung der Ver&longs;uche nöthigen Werkzeuge zu be&longs;chreiben, überall aber, nach meinen be&longs;ten Ein&longs;ichten und Kräften, bloß nützliche Wahrheiten mitzutheilen, Vorurtheile hingegen und eingebildetes Wi&longs;&longs;en zu be&longs;treiten. Möchte ich doch beym Schlu&longs;&longs;e die&longs;er Arbeit &longs;o glücklich &longs;eyn, durch meine geringen Bemühungen etwas zur Verbreitung einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, die mir ungemein werth i&longs;t, beygetragen zu haben!

Leipzig, in der Iubilateme&longs;&longs;e 1787.

D. Johann Samuel Traugott Gehler.

Phy&longs;ikali&longs;ches Wörterbuch oder Ver&longs;uch einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe und Kun&longs;tworte der Naturlehre, in alphabeti&longs;cher Ordnung.

AAbdampfen, Abrauchen, Evaporatio, Evaporation.

Eine chymi&longs;che Arbeit, durch welche man vermittel&longs;t der Luft und eines gewi&longs;&longs;en Grades der Wärme flüchtige Sub&longs;tanzen von feuerbe&longs;tändigen oder weniger flüchtigen &longs;cheidet. So läßt man z. B. aus Salzauflö&longs;ungen das überflü&longs;&longs;ige Wa&longs;&longs;er an der warmen Luft abdampfen, um die Salze, welche alsdann in Kry&longs;tallen an&longs;chießen, übrig zu behalten.

Das Abdampfen i&longs;t von der De&longs;tillation nur darinn unter&longs;chieden, daß man die flüchtige Sub&longs;tanz beym De&longs;tilliren auf&longs;ammelt, beym Abdampfen aber davon gehen läßt; daher ge&longs;chieht das Abdampfen in ofnen und flachen Gefäßen, welche der Luft viel Oberfläche aus&longs;etzen, z. B. in Schaalen, Näpfen, Scherben. Der nöthige Grad der Wärme richtet &longs;ich nach den Graden der Flüchtigkeit und Feuerbe&longs;tändigkeit beyder Sub&longs;tanzen und nach der Stärke ihres Zu&longs;ammenhangs. I&longs;t die Sub&longs;tanz, welche zurückbleiben &longs;oll, weniger feuerbe&longs;tändig, und hängt &longs;ie fe&longs;t an der flüchtigen, &longs;o muß die Wärme gelind und lang&longs;am wirken. Im entgegenge&longs;etzten Falle i&longs;t ein höherer Grad der Wärme, und ein auf die Ober&longs;läche der Mi&longs;chung gerichteter Luftzug dienlich.

Macquers chymi&longs;ches Wörterbuch, Art. Abdampfen.

Abend, Abendgegend

Occidens, Plaga occidentalis, Occident, Oue&longs;t. Diejenige Welt- oder Himmelsgegend, an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Man hat &longs;ie zur Rechten, wenn man das Ge&longs;icht nach Mittag kehret.

Abend, Abendzeit, Ve&longs;pera, Soir.

Die Zeit, um welche die Sonne untergehet, die Stunden vor und nach dem Augenblicke des Untergangs mit begriffen.

Abenddämmerung, &longs;. Dämmerung.

Abendpunkt, We&longs;tpunkt, Occidens, Occident, Couchant, Oue&longs;t.

Der Durch&longs;chnittspunkt des Aequators mit dem Horizonte an derjenigen Seite des Himmels, an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Er i&longs;t einer von den vier Haupt-oder Cardinalpunkten, durch welche im Horizonte die vier Hauptgegenden be&longs;timmt werden. &longs;. Weltgegenden. Die Schiffer nennen ihn We&longs;ten. Von ihm heißt die ganze umliegende Gegend des Himmels die Abendgegend, und man &longs;agt von dem, was &longs;ich in die&longs;er Gegend zuträgt, es ge&longs;chehe gegen Abend. An den Tagen der Nachtgleichen (um den 21 März und 21 Sept.), wenn die Sonne im Aequator &longs;teht, geht &longs;ie im Abendpunkte &longs;elb&longs;t unter. An den übrigen Tagen des Jahres &longs;tehen die Punkte| des Horizonts, in welchen die Sonne untergeht, von die&longs;em wahren oder eigentlichen Abendpunkte ab, und fallen bey uns im Sommer weiter gegen Mitternacht, im Winter weiter gegen Mittag. Die Untergangspunkte der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage &longs;ind vom wahren Abendpunkte am weit&longs;ten entfernt, und führen bisweilen die Namen des Sommer- und Winterabendpunkts (Occident d'été, Occident d'hiver). Für Leipzig &longs;tehen &longs;ie vom wahren Abendpunkte um 39°35′39″ ab.

Abend&longs;tern

He&longs;perus. Ein Beyname der Venus, wenn &longs;ie, nach ihrer obern Conjunction mit der Sonne, auf der Morgen&longs;eite der&longs;elben er&longs;cheint, und al&longs;o Abends nach Sonnenuntergang ge&longs;ehen wird. &longs;. Venus.

Abendweite, Amplitudo occidua, Amplitude occa&longs;e ou occidentale.

Taf. I. Fig. 1. Die Abendweite OS i&longs;t der Ab&longs;tand des Punktes S, in welchem ein Ge&longs;tirn untergeht, vom wahren Abendpunkte O. Die&longs;er Ab&longs;tand i&longs;t, wie die Figur zeigt, ein Bogen des Horizonts HR. I&longs;t der&longs;elbe, wie in der Figur, von O aus gegen Mitternacht gerichtet, &longs;o heißt die Abendweite nördlich (&longs;eptemtrionalis); gienge aber das Ge&longs;tirn in S unter, daß OS von O aus nach Mittag gekehrt wäre, &longs;o hieße die Abendweite &longs;üdlich (meridionalis). Man &longs;ieht leicht, daß die Ge&longs;tirne in der nördlichen Halbkugel AOQP eine nördliche, hingegen die in der &longs;üdlichen Halbkugel AOQp eine &longs;üdliche Abendweite haben.

Um die Abendweite OS eines Ge&longs;tirns zu finden, muß &longs;ein Ab&longs;tand vom Aequator DS oder &longs;eine Abweichung, neb&longs;t der Aequatorhöhe des Orts, welche dem Winkel O gleich i&longs;t gegeben &longs;eyn. Dann i&longs;t im Dreyeck ODS &longs;in. O: &longs;in. DS=&longs;in. tot: &longs;in. OS, wo OS nördlich oder &longs;üdlich i&longs;t, je nachdem DS das eine oder das andere i&longs;t. Für &longs;in. tot=1, giebt dies die Formel &longs;in. Abendw.=(&longs;in. Abweich./&longs;in. Aequatorh.)=(&longs;in. Abweich./co&longs;. Polhöhe)

Vermittel&longs;t die&longs;er Formel läßt &longs;ich eine Tafel berechnen, in welcher man für die Polhöhe eines jeden Orts und die Declination eines jeden Ge&longs;tirns die zugehörige Abendweite auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (Band lll. S. 255) unter dem Titel: Tafel für die Weiten in O&longs;t und We&longs;t, findet.

Für Leipzig, de&longs;&longs;en Polhöhe 51° 19′ 41″ i&longs;t, findet man die Abendweite der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage (wo die Abweichung = 23° 28′ 8″ beträgt) = 39° 35′ 39″. Anden Tagen der Nachtgleichen hingegen i&longs;t die Abendweite der Sonne =0.

Die Berechnung der Abendweiten der Sonne nützt vorzüglich den Seefahrern zu Beobachtung der Abweichung der Magnetnadel.

Abirrung des Lichts, Aberratio lucis, Aberration de la lumiere.

Eine &longs;cheinbare Bewegung der Sterne, vermöge welcher &longs;ie jährlich am Himmel eine kleine Ellip&longs;e zu durchlaufen &longs;cheinen, deren große Axe 20 Secunden eines größten Krei&longs;es beträgt.

Die&longs;e merkwürdige Er&longs;cheinung ward von Jacob Bradley entdeckt, als er im Jahre 1725 in Kew bey London mit einem von Graham verfertigten Sector von 24 Fuß Halbme&longs;&longs;er, de&longs;&longs;en Gradbogen nur einige Minuten vom Krei&longs;e enthielt, die Ab&longs;tände einiger Sterne vom Zenith ver&longs;chiedene Tage nach einander beobachtete, um zu &longs;ehen, ober dabey irgend ein Merkmal einer jährlichen Parallaxe der Erdbahn wahrnehmen könnte, &longs;. Parallaxe der Erdbahn. Er &longs;etzte &longs;eine Beobachtungen hierüber bis ins Jahr 1728 fort, und bemerkte, daß alle Fix&longs;terne zu der Zeit, wenn &longs;ie am Tage durch den Mittagskreis giengen, täglich etwas weiter gegen Süden fortrückten; zu der Zeit hingegen, wenn &longs;ie des Nachts culminirten, von Tag zu Tag weiter gegen Norden giengen; überhaupt aber alle nach Verlauf eines Jahres wieder in ihre vorige Stelle zurück kamen, nachdem &longs;ie mittlerweile eine Ellip&longs;e durchlaufen hatten, deren große mit der Ekliptik parallele Axe 40″ betrug, die kleinere auf der Ekliptik &longs;enkrecht &longs;tehende aber, bey Sternen in der Ekliptik &longs;elb&longs;t, Null, im Pole der Ekliptik ebenfalls 40″ war, und in den Zwi&longs;chen&longs;tellen &longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt; daher der Stern g oder B im Drachen, welcher nahe am Nordpole der Ekliptik &longs;teht, einen Kreis von 40″ im Durchme&longs;&longs;er zu be&longs;chreiben &longs;chien. Die&longs;e Bewegung aber erfolgte gar nicht nach den Regeln, nach welchen &longs;ich eine aus der jährlichen Parallaxe der Erdbahn ent&longs;tehende &longs;cheinbare Bewegung hätte dar&longs;tellen mü&longs;&longs;en.

Als Bradley ver&longs;ichert war, daß die&longs;e Bewegung ein allgemeines Phänomen aller Fix&longs;terne &longs;ey, &longs;o unternahm er es, die Ur&longs;ache der&longs;elben zu erfor&longs;chen. Es mußte eine jährlich wiederkehrende und allgemeine Ur&longs;ache entdeckt werden, deren Wirkung &longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt, und bey ihrem größten Werthe 40″ betrug.

Glücklicher Wei&longs;e bemerkte Bradley, daß die&longs;e 40″ genau den Bogen der Erdbahn ausmachen, den die Erde in 16 Minuten Zeit durchläuft, und es fiel ihm bey, daß das Licht gerade eben die&longs;e Zeit von 16 Minuten brauche, um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn zu durchlaufen, &longs;. Licht. Er konnte &longs;ich nun &longs;ogleich vor&longs;tellen, daß wir die in der Ekliptik &longs;tehenden Sterne, wenn &longs;ie in Conjunction mit der Sonne &longs;ind, und al&longs;o hinter ihr und weiter von uns &longs;téhen, um 16 Minuten &longs;päter erblicken mü&longs;&longs;en, als wenn &longs;ie in Oppo&longs;ition, d. i. auf eben der Seite der Sonne mit uns &longs;elb&longs;t, und al&longs;o uns um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn näher &longs;tehen, und daß wir &longs;ie eben deswegen im er&longs;tern Falle um 40″ weniger fortgerückt erblicken, als im letztern, woraus &longs;ich die Phänomene der Abirrung für die in der Ekliptik &longs;tehenden Sterne, welche &longs;tatt der Ellip&longs;e eine gerade Linie zu be&longs;chreiben &longs;cheinen, vollkommen erklären.

In Ab&longs;icht auf die außer der Ekliptik &longs;tehenden Sterne fiel Bradley auf den glücklichen Gedanken, die Bewegung des Lichts mit der Bewegung der Erde nach den Ge&longs;etzen der Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen (&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen) zu verbinden, und nachdem er &longs;eine Erklärung mit allen Beobachtungen überein&longs;timmend gefunden hatte, &longs;tattete er davon im Jahre 1728 öffentlich Bericht ab. (Philo&longs;. Transact, No. 406.)

Es &longs;ey E (Taf. I. Fig. 2.) ein Stern, der den Licht&longs;trahl EB zu uns &longs;endet, AB ein kleiner Theil der Erdbahn, und CB der Weg, den der Stral durchlaufen hat, indem die Erde von A bis B gieng, daß &longs;ich al&longs;o CB und AB, wie die Ge&longs;chwindigkeiten des Lichts und der Erde, d. i. wie 10313: 1 verhalten mü&longs;&longs;en. Man verzeichne das Parallelogramm ABCD, &longs;o wird &longs;ich die Bewegung des Licht&longs;trals CB, in die beyden Bewegungen CD =BF und CA=DB zerlegen la&longs;&longs;en (&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen). Von dem Theile BF kan das in B anlangende Auge nichts empfinden, weil die Bewegung BF mit der Bewegung des Auges durch AB nach einerley Richtung geht; es empfindet daher nur den Theil DB, und &longs;ieht den Stern E nach der Richtung BD, al&longs;o von &longs;einem wahren Orte E um den Winkel EBD entfernt, welcher=ACB i&longs;t, und der Abirrungswinkel genannt wird.

I&longs;t der Winkel B ein rechter, und CB:BA, wie 10313: 1, &longs;o giebt die Trigonometrie den Abirrungswinkel ACB=20 Secunden.

I&longs;t hingegen, wie Taf. I. Fig. 3, CB gegen AB geneigt, &longs;o i&longs;t ACB kleiner, als im vorigen Falle, oder wie die Trigonometrie lehrt, = 20″ multiplicirt in den Sinus des Winkels CAB. Auch rückt die Abirrung den &longs;cheinbaren Ort des Sterns E jederzeir nach derjenigen Gegend fort, nach welcher die Erde &longs;elb&longs;t fortgehet.

Nun &longs;ey Taf. I. Fig. 4. CROH die Erdbahn um die Sonne S, in e ein Stern unter der nördlichen Breite eSG, &longs;o wird der&longs;elbe mit der Sonne S in Conjunction er&longs;cheinen, wenn die Erde in C, in Oppo&longs;ition hingegen, wenn &longs;ie in O &longs;tehet. In beyden Fällen treffen die von e einfallenden überall mit eS parallelen Licht&longs;tralen eC und eO unter rechten Winkeln auf die Richtungen der Erdbahn bey C und O, es i&longs;t al&longs;o der Abirrungswinkel beydemal 20″, und zwar bey der Conjunction we&longs;tlich nach c, bey der Oppo&longs;ition ö&longs;tlich nach o gerichtet. Daher der Ab&longs;tand der beyden &longs;cheinbaren Orte c und o, 40″ betragen muß.

In den mittlern Zeitpunkten hingegen, wenn des Sterns Länge um 90° vom Orte der Sonne unter&longs;chieden i&longs;t, d. i. wenn die Erde in R und H &longs;teht, machen die von e einfallenden Licht&longs;tralen eR und eH mit der Richtung der Erdbahn in R und H Winkel, welche der Breite des Sterns eSG gleich &longs;ind; daher i&longs;t hier die Größe der Abirrung = 20″ multiplicirt in den Sinus der Breite des Sterns, und zwar das Einemal nach r, das Anderemal nach h zu gerichtet, wodurch im er&longs;ten Falle die Breite vermindert, im andern vergrößert wird. Der Unter&longs;chied beyder Breiten in r und h beträgt daher 40″ multiplicirtin den Sinus der Breite. Die Erde in C, R, O, H &longs;ieht al&longs;o den Stern in der Ellip&longs;e c, r, o, h gehen, deren große der Ekliptik parallele Axe co = 40″, die kleine rh = 40″ multiplicirt in den Sinus der Breite i&longs;t.

So be&longs;chreibt Arktur, de&longs;&longs;en nördliche Breite beyläufig 30 Grad beträgt, eine jährliche Abirrungsellip&longs;e, deren kleine auf die Ekliptik &longs;enkrechte Axe=40″. fin. 30° =20″ beträgt. Den 13 October am Tage &longs;einer Conjunction mit der Sonne &longs;teht er im äußer&longs;ten we&longs;tlichen Theile der&longs;elben zur Rechten, den 11 Jan. am unter&longs;ten oder &longs;üdlichen Ende der kleinen Axe, den 12 April, am Tage der Oppo&longs;ition am mei&longs;ten o&longs;twärts, und den 12 Jul. am mei&longs;ten nordwärts.

Die&longs;e Veränderung des Ortes der Sterne in ihrer Abirrungsellip&longs;e ändert ihre Länge, Breite, gerade Auf&longs;teigung und Abweichung. Wie viel jede die&longs;er Veränderungen betrage, läßt &longs;ich durch trigonometri&longs;che Rechnungen be&longs;timmen. Bey den Planeten und Kometen &longs;ind die Wirkungen der Abirrung &longs;o groß, als der Winkel, unter welchem ihre Bewegung in der Zeit, in welcher das Licht von ihnen zu uns kömmt, von der Erde aus in die Augen fällt, und la&longs;&longs;en &longs;ich al&longs;o aus ihren Entfernungen und Bewegungen leicht berechnen.

Die Abirrung des Lichts hat übrigens den A&longs;tronomen einen ganz neuen und directen Beweis von der Wirklichkeit des Umlaufs der Erde um die Sonne ver&longs;chaft, und dadurch die Wahrheit der Lehren des Copernicus auf eine unerwartete Wei&longs;e be&longs;tätiget, &longs;. Welt&longs;y&longs;tem.

de la Lande a&longs;tronomi&longs;ches Handbuch, §. 772 und f. Smith's Lehrbegrif der Optik, durch Kä&longs;tner, 4 Buch, 7 Cap. Seite 353 Bode Erklärung der Sternkunde, §. 615.

Ableiter, &longs;. Blitzableiter.

Ab&longs;olut

nennt man dasjenige, was bloß an &longs;ich, und ohne Beziehung auf etwas anderes ähnliches betrachtet wird. Dem Ab&longs;oluten wird das Relative, bisweilen das Specifi&longs;che, entgegenge&longs;etzt. Bey&longs;piele hievon findet man in den Artikeln: Bewegung, Ge&longs;chwindigkeit, Gewicht, Kraft, Ort, Schwere.

Ab&longs;orbirend, Ab&longs;orbentia, Ab&longs;orbant.

heißen überhaupt alle Sub&longs;tanzen, welche &longs;ich mit Säuren zu verbinden im Stande &longs;ind, z. B. die Laugen&longs;alze und Kalcherden, Haupt&longs;ächlich führen die letztern, z. B. der Kalch&longs;tein, die Kreide, die Krebsaugen, gebrannten Knochen u. dergl. den Namen der ab&longs;orbirenden Materien. Wenn die&longs;e Materien ein gebundenes Gas in &longs;ich enthalten, &longs;o ent&longs;teht bey ihrer Verbindung mit den Säuren ein Aufbrau&longs;en.

Ab&longs;tand, &longs;. Entfernung.

Ab&longs;tand vom Scheitel, Di&longs;tantia a vertice, Di&longs;tance au Zenith.

Der zwi&longs;chen dem Scheitelpunkte oder Zenith und einem Ge&longs;tirne oder andern Punkte des Himmels enthaltene Bogen eines Scheitelkrei&longs;es. Da der Scheitelpunkt überall um 90° vom Horizonte entfernt i&longs;t, &longs;o macht eines Ge&longs;tirns Ab&longs;tand vom Scheitel mit de&longs;&longs;en Höhe jederzeit 90° aus, oder: der Ab&longs;tand vom Scheitel i&longs;t das Complement|der Höhe. I&longs;t z. B. die Höhe eines Sterns 55°, &longs;o wird &longs;ein Ab&longs;tand vom Scheitel 35° &longs;eyn.

Die Sonne hat den gering&longs;ten Ab&longs;tand vom Scheitel am Mittage des läng&longs;ten, den größten am Mittage des kürze&longs;ten Tages. Jener beträgt für Leipzig 27° 51′ 33″, die&longs;er 74° 47′ 49″.

Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage, Di&longs;tantia aequinoctii a Sole, Di&longs;tance de l'équinoxe au &longs;oleil ou au meridien.

heißt in der Sternkunde die Anzahl von Graden oder von Stunden, welche der Frühlingspunkt von dem Augenblicke des Mittags an noch zu durchlaufen hat, ehe er in den Mittagskreis gelangt.

Die&longs;er Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage i&longs;t, in Graden ausgedrückt, jederzeit 360° weniger der geraden Auf&longs;teigung der Sonne. Man &longs;etze z. B. die gerade Auf&longs;teigung der Sonne &longs;ey 90°, oder die Sonne komme mit dem 90&longs;ten Grade des Aequators zugleich in den Mittagskreis, &longs;o wird in dem Augenblicke, da die&longs;es ge&longs;chieht, der Frühlingspunkt oder Anfang des Aequators 90° weiter gegen Abend &longs;tehen, und al&longs;o noch 270° zurückzulegen haben, ehe er den ganzen Cirkel'vollendet, und al&longs;o das Näch&longs;temal wieder in den Mittagskreis tritt. Daher i&longs;t &longs;ein. Ab&longs;tand vom Mittage 270°=360°—90°.

Will man die&longs;en Ab&longs;tand in Zeit ausdrücken, &longs;o mü&longs;&longs;en die Grade de&longs;&longs;elben in Zeit verwandelt werden, &longs;. die Artikel: Sternzeit, Sonnenzeit. Sogeben 270° in dem angenommenen Bey&longs;piele 18 Stern&longs;tunden oder 17 St. 57 Min. 3 Sec. mittlere Sonnenzeit. So viel Zeit verfließt al&longs;o noch, vom Mittage an gerechnet, ehe der Frühlingspunkt den Mittagskreis erreicht.

In den be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Kalendern (z. B. Bode a&longs;tronomi&longs;chem Jahrbuch) findet man für jeden Mittag des Jahres die&longs;en Ab&longs;tand in Sternzeit, unter der Rubrik: Oe&longs;tlicher Ab&longs;tand 0°

von der Sonne, angegeben. Man gebraucht ihn, um die Stunde zu finden, zu welcher jeder Stern durch den Mittagskreis geht, &longs;. Culmination.

Ab&longs;teigende Knoten, &longs;. Knoten.

Ab&longs;teigende Zeichen, &longs;. Thierkreis.

Ab&longs;teigung, gerade, De&longs;cen&longs;io recta, De&longs;cen&longs;ion droite.

i&longs;t mit der geraden Auf&longs;teigung völlig einerley. Es wird nemlich darunter der Bogen des Aequators ver&longs;tanden, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte und dem Abweichungskrei&longs;e eines Ge&longs;tirns enthalten i&longs;t. Der letzte Punkt die&longs;es Bogens geht in den Ländern, wo die Sterne unter rechten Winkeln auf- und untergehen, mit dem Sterne zugleich auf und unter; er begrenzt al&longs;o de&longs;&longs;en gerade Auf&longs;teigung und Ab&longs;teigung zugleich, daher beyde einerley &longs;ind. &longs;. Auf&longs;teigung.

Ab&longs;teigung, &longs;chiefe, De&longs;cen&longs;io obliqua, De&longs;cen&longs;ion oblique.

Derjenige Bogen des Aequators, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte oder Anfange des Aequators, und dem mit einem Ge&longs;tirne zugleich untergehenden Punkte de&longs;&longs;elben, enthalten i&longs;t. Zur Vergleichung &longs;. den Artikel: Auf&longs;teigung, &longs;chiefe.

Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Ab&longs;teigung eines Ge&longs;tirns heißt &longs;eine De&longs;cen&longs;ionaldifferenz. Die&longs;e i&longs;t bey Ge&longs;tirnen, die ihre Lage gegen die Fix&longs;terne nicht merklich ändern, mit der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz einerley, &longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz. Aus ihr findet &longs;ich die &longs;chiefe Ab&longs;teigung durch die Formel &longs;chiefe Ab&longs;t.=gerade Auf&longs;t.+De&longs;e. diff. wo man bey negativem Werthe der De&longs;cen&longs;ionaldifferenz, &longs;tatt zu addiren, &longs;ubtrahiren muß.

Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che oder Declination der Ge&longs;tirne, Declinatio, Declinai&longs;on.

hei&longs;t in der Sternkunde der Ab&longs;tand der Ge&longs;tirne vom Aequator, durch den Bogen eines größten Krei&longs;es geme&longs;&longs;en. Wenn Taf. I. Fig. 5. durch den Stern S und die beyden Weltpole P und p ein größter Kreis PSDp geführt wird, welcher auf dem Aequator AQ &longs;enkrecht &longs;tehet, weil er durch de&longs;&longs;en Pole geht:&longs;o hei&longs;t die&longs;er Kreis des Ge&longs;tirns Abweichungskreis oder Declinationscirkel. Der zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne S und dem Punkte des Aequators D enthaltene Bogen die&longs;es Krei&longs;es SD i&longs;t des Ge&longs;tirns Abweichung.

Wenn das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem Nordpole P &longs;teht, &longs;o hei&longs;t &longs;eine Abweichung SD nördlich (borealis), &longs;üdlich (au&longs;tralis) hingegen, wenn &longs;ich das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem Südpole befindet. In den Formeln kan man die nördlichin Abweichungen po&longs;itiv, die &longs;üdlichen negativ, &longs;etzen. Die Abweichung eines im Aequator &longs;elb&longs;t &longs;tehenden Ge&longs;tirns i&longs;t=0; eines im Pole &longs;tehenden Abweichung wäre =90°. Auch erhellet, daß keine Abweichung über 90° betragen könne.

Durch die Abweichung SD und die gerade Auf&longs;teigung

D (&longs;. Auf&longs;teigung) wird die Stelle eines Ge&longs;tirns am Himmel be&longs;timmt, und von den Stellen aller übrigen Ge&longs;tirne unter&longs;chieden. Es i&longs;t daher für den Sternkundigen eine &longs;ehr wichtige Arbeit, die Abweichungen der Ge&longs;tirne durch Beobachtungen zu erfor&longs;chen.

Man findet aber die Abweichungen der Ge&longs;tirne &longs;ehr leicht durch Beobachtungen ihrer Mittagshöhen. In dem Augenblicke, in welchem ein Ge&longs;tirn durch den Mittagskreis geht, coincidirt &longs;ein Abweichungskreis mit dem Mittagskrei&longs;e, als welcher allezeit durch die Weltpole, und in die&longs;em Augenblicke auch durch das Ge&longs;tirn geht. Mithin i&longs;t die Abweichung dem zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne und dem Aequator enthaltenen Bogen des Mittagskrei&longs;es gleich, welcher in die&longs;em Augenblicke den Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Höhe des Ge&longs;tirns und der Höhe des Aequators im Mittagskrei&longs;e ausmacht. I&longs;t nun die letztere für den Ort der Beobachtung bekannt (&longs;. Aequatorhöhe), &longs;o läßt &longs;ie, von der Mittagshöhe des Ge&longs;tirns abgezogen, die Abweichung de&longs;&longs;elben übrig z. B. Mittagshöbe der Sonne zu Paris d.21 Jun. 173864°38′10″(Ca&longs;&longs;ini Elem. deAequatorhöhe von Paris41950l'A&longs;tr. L. ll. ch. 4)Abweichung der Sonne232820nördlich.

I&longs;t die Mittagshöhe des Ge&longs;tirns kleiner, als die Aequatorhöhe, &longs;o bleibt eine negative oder &longs;üdliche Abweichung übrig.

Die A&longs;tronomen haben durch häufige Beobachtungen der Mittagshöhen die Abweichungen der mei&longs;ten Fix&longs;terne gefunden, und in die Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e (Catalogos fixarum) eingetragen. Aus deh geraden Auf&longs;teigungen und Abweichungen der Sterne la&longs;&longs;en &longs;ich ihre Längen und Breiten berechnen; und die&longs;e von Tycho de Brahe mehr in Gang gebrachte Methode i&longs;t leichter und &longs;ichrer, als ein gewi&longs;&longs;es Verfahren der Alten, welche die Längen und Breiten unmittelbar durch Beobachtungen &longs;uchten. Tycho hat zu Be&longs;timmung der Mittagshöhen den in der Mittagsfläche befe&longs;tigten Quadranten (Mauerquadrant, quadrans Tychonicus) eingeführt.

Die Abweichung der Sonne i&longs;t in un&longs;ern Ländern im Frühling und Sommer nördlich, im Herb&longs;t und Winter &longs;üdlich. An den Tagen der Nachtgleichen (den 21 März u. 21 Sept.) i&longs;t &longs;ie=0, an den Tagen der Sonnenwenden (den 21 Jun. u. 21 Dec.) hingegen am größten, und der Schiefe der Ekliptik gleich, d. i. jetzt 23° 28′ 8″. &longs;. Schiefe der Ekliptik. Man berechnet die Abweichung der Sonne für jeden Tag im Jahre aus der Schiefe der Ekliptik und dem Orte oder der Länge der Sonne, durch die Formel: &longs;in. Abweich.=&longs;in. Schiefe der Ekl.X&longs;in. Länge der Θ. Dadurch la&longs;&longs;en &longs;ich Tafeln berechnen, in welchen man die Abweichung der Sonne für jeden Punkt ihrer Bahn durch Auf&longs;chlagen finden kan, dergleichen die Berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (B. 1. S. 274. Taf. XXI.) unter dem Titel: Die Abweichung der Sonne für die Schiefe der Ecliptik 32° 28′ 15″ neb&longs;t Verbe&longs;&longs;erung für eine Minute Veränderung die&longs;er Schiefe, liefert.

Abweichung, dioptri&longs;che

oder Abirrung der Glä&longs;er, Aberratio lentium, Aberration des verres, heißt derjenige Unter&longs;chied, der bey Glä&longs;ern, Fernröhren und Mikro&longs;kopen daraus ent&longs;teht, daß &longs;ich die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nicht wieder genau in einem Punkte vereinigen. Da aber zu einem deutlichen Bilde erfordert wird, daß alles aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes gekommene Licht, wieder in einem Punkte vereiniget werde, &longs;o &longs;tört die&longs;e Abweichung die Deutlichkeit der Bilder, und man muß &longs;ie daher bey allen dioptri&longs;chen Werkzeugen, &longs;o viel möglich, zu vermeiden &longs;uchen. Sie ent&longs;teht aber aus einer doppelten Ur&longs;ache, und theilt &longs;ich daher in zweyerley Abweichungen, von welchen die beyden folgenden Artikel handeln.

Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Glä&longs;er

Aberratio ob figuram &longs;.&longs;phaericitatem lentium, Aberration de &longs;phèricité. Die&longs;e ent&longs;teht daher, weil eine Glaslin&longs;e, deren Oberflächen eine &longs;phäri&longs;che Krümmung haben, die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nie wieder völlig in einen Punkt vereiniget. Jedoch vereinigen &longs;ich diejenigen Stralen, welche nahe bey der Axe oder um die Mitte des Gla&longs;es einfallen, in einem &longs;ehr engen Raume, und für &longs;ie i&longs;t al&longs;o die&longs;e Abweichung geringer, als für die weiter von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden Stralen. Man vermeidet daher den größten Theil die&longs;er Abweichung, wenn man den Rand der Glä&longs;er mit etwas Undurch&longs;ichtigem bedeckt, und nur in der Mitte eine kreisrunde Oefnung frey läßt. &longs;. Blendung und Apertur. Gewöhnlich werden dadurch die Wirkungen die&longs;er Abweichung &longs;o &longs;tark vermindert, daß man den noch übrigbleibenden Fehler für unbeträchtlich halten kan.

Man &longs;chrieb ehedem die Undeutlichkeit, die in den dioptri&longs;chen Werkzeugen noch immer unvermeidlich blieb, ganz allein die&longs;er Art von Abweichung zu, und &longs;uchte daher zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch andere und wirk&longs;amere Mittel zu finden, als die damals gewöhnlichen &longs;tarken Bedeckungen waren. Die Theorie der Brechung lehrt, daß planconvexe Glä&longs;er, mit ellipti&longs;chen Hinterflächen von einer be&longs;timmten Krümmung, Parallel&longs;tralen genau in einen Punkt vereinigen; Glä&longs;er mit hyperboli&longs;chen Vorderflächen aber die aus ihrem Brennpunkte kommenden Stralen wieder parallel aus&longs;enden. Man dachte daher, nach dem Vor&longs;chlage des Carte&longs;ius, die Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Glä&longs;er durch Lin&longs;en mit ellipti&longs;ch und hyperboli&longs;ch gekrümmten Flächen zu vermeiden. D. Wrenn gab dazu (Philo&longs;. Transact. no. 53.) ein &longs;innreiches Mittel an; ja Newton &longs;elb&longs;t be&longs;chäftigte &longs;ich im er&longs;ten Anfange &longs;einer Unter&longs;uchungen mit Schleifung opti&longs;cher Glä&longs;er von anderer als &longs;phäri&longs;cher Ge&longs;talt.

Nachdem aber der Letztere im Jahre 1666 die zweyte weit beträchtlichere Abweichung der Glä&longs;er entdeckt hatte, verwarf er &longs;ogleich die&longs;e Bemühungen, ellipti&longs;che und hyperboli&longs;che Glä&longs;er zu &longs;chleifen, als unnütz, weil jede andere Brechung eine andere Ge&longs;talt der Glä&longs;er erfordere, und al&longs;o bey der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts ein Glas von be&longs;timmter Ge&longs;talt nur für eine gewi&longs;&longs;e Gattung von Licht&longs;tralen, keinesweges aber für alle Stralen, die Abweichung heben könne. Ueberdieß fand er die Wirkungen der zweyten neuentdeckten Abweichung mehrere tau&longs;endmal größer, als die Wirkungen der bisher bekannten, und &longs;chloß daher mit Recht, daß die Unvollkommenheiten der Fernröhre fa&longs;t gänzlich auf die Rechnung der zweyten Art der Abweichung zu &longs;etzen wären, daher es überflüßig &longs;ey, für die Vermeidung der er&longs;tern weiter Sorge zu tragen, bevor man nicht Mittel gefunden habe, der zweyten abzuhelfen, von welcher der folgende Artikel handelt.

Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Lichr&longs;tralen, Aberratio ob diver&longs;am refrangibilitatem lucis, Aberration de refrangibilité.

Die&longs;e Abweichung rührt daher, daß die Licht&longs;tralen nach Newtons Entdeckung bey der Brechung zertheilt, und in Stralen von ver&longs;chiedenen Farben zer&longs;treut werden, deren einige eine &longs;tärkere, andere eine geringere Brechung leiden. &longs;. Brechbarkeit, Farbenzer&longs;treuung. Daher werden unter den von einem Punkte ausgehenden Stralen einige näher, andere weiter hinter dem Gla&longs;e vereiniget, und es ent&longs;tehen &longs;o viele Bilder des Gegen&longs;tandes, als das Licht Farben enthält. Das von den blauen oder violetten Stralen ent&longs;tandene Bild &longs;teht dem Gla&longs;e am näch&longs;ten, wie bey B, Taf. I. Fig. 6: das von den rothen Stralen gebildete am weite&longs;ten bey R. Beyder Ab&longs;tand BR beträgt, wenn die Stralen nahe bey der Axe DC einfallen, ohngefähr (1/30) von BC, &longs;on&longs;t noch mehr. Bey dem im Jahre 1774 in Paris ange&longs;tellten Ver&longs;uchen mit einer hohlen mit Weingei&longs;t gefüllten Lin&longs;e, von welcher nur ein 6—7 Lin. breiter Ring am Rande offen gela&longs;&longs;en war (&longs;. Brennglas), fand Bri&longs;&longs;on (Mém. de Paris 1774.) die Entfernung des Vereinigungspunkts der Sonnen&longs;tralen vom Mittelpunkte der Lin&longs;e Sch.Zoll.Lin.für rothe Stralen10311 1/2— orangegelbe10210— gelbe1023— blaue9710 1/2— violette964 1/2
wo BR, 9 Zoll 7 Lin., oder (1/12) von BC ausmacht.

Da &longs;ich nun die von einem Punkte kommenden Stralen auf die in der Figur deutlich vorge&longs;tellte Art durchkreuzen, &longs;o kan weder in B oder R &longs;elb&longs;t, noch irgendwo zwi&longs;chen die&longs;en Punkten, ein deutliches Bild des &longs;tralenden Punktes ent&longs;tehen. In B z. B. wird das deutliche Bild, welches die blauen Stralen machen, mit Lichte von andern Farben, und am Rande mit rothem Lichte aus eben dem Punkte des Gegen&longs;tandes, umgeben &longs;eyn; daher die&longs;e Abweichung dem Bilde zugleich fal&longs;che Farben und farbichte Ränder giebt.

Sobald Newton die&longs;e Abweichung entdeckt hatte, berechnete er, daß &longs;ie bey den gewöhnlichen Fernröhren auf die Undeutlichkeit des Bildes 5000mal &longs;tärker wirke, als die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Gla&longs;es, daß &longs;ie al&longs;o das vornehm&longs;te Hinderniß ausmache, welches der Vollkommenheit der Fernröhre im Wege &longs;tehe, von denen es, wie er &longs;agt, zu verwundern &longs;ey, daß &longs;ie die Gegen&longs;tände noch &longs;o deutlich zeigten, als es wirklich ge&longs;chähe.

Er dachte nunmehr auf Mittel, die&longs;e Abweichung aufzuheben, ward aber unglücklicher Wei&longs;e durch gewi&longs;&longs;e von ihm ange&longs;tellte Ver&longs;uche und daraus gefolgerte Sätze verleitet, es für unmöglich zu halten, daß man jemals bey Glä&longs;ern die Wirkung der Farbenzer&longs;treuung werde aufheben können. Er gieng von die&longs;er Zeit an ganz von den Gedanken an die Verbe&longs;&longs;erung der Glä&longs;er ab, und &longs;chlug &longs;tatt der Fernröhre mit bloßen Glä&longs;ern die mit Spiegeln vor, &longs;. Spiegeltele&longs;cop, weil bey der Zurückprallung des Lichts von Spiegeln keine Farbenzer&longs;treuung &longs;tatt findet. Dadurch i&longs;t die weitere Unter&longs;uchung die&longs;er Materie beynahe um ein ganzes Jahrhundert ver&longs;pätiget worden.

Endlich machte in neuern Zeiten, auf eine von Herrn Euler gegebne Veranla&longs;&longs;ung, der engli&longs;che Kün&longs;tler Dollond die wichtige Entdeckung, daß es allerdings möglich &longs;ey die Farbenzer&longs;treuung auch bey Fernröhren mit Glä&longs;ern zu vermeiden, wenn man zu die&longs;er Ab&longs;icht die Glä&longs;er aus ver&longs;chiedenen Glasarten zu&longs;ammen&longs;etze. Hierauf gründet &longs;ich die Erfindung der Dollondi&longs;chen achromati&longs;chen Fernröhre, in welchen die Abweichung wegen der Farbenzer&longs;treuung vermieden wird, wovon man den Artikel: Achromati&longs;che Fernröhre, nach &longs;ehen kan.

Abweichung, katoptri&longs;che

oder Abirrung der Hohl&longs;piegel, Aberratio ob figuram &longs;peculorum, Aberration de &longs;phèricité des miroirs, heißt der Unter&longs;chied, welcher bey Hohl&longs;piegeln und Spiegeltele&longs;copen daher ent&longs;teht, daß die &longs;phäri&longs;chen oder Kugel&longs;piegel die aus einem Punkte ausgegangenen Licht&longs;tralen nicht wieder in einen Punkt vereinigen, woraus eine Undeutlichkeit des Bildes ent&longs;teht Sollte die&longs;e Abweichung wegfallen, &longs;o müßte der Spiegel, wenn der Gegen&longs;tand &longs;ehr entfernt i&longs;t, eine paraboli&longs;che Krümmung haben. Denn die Parabel hat die Eigen&longs;chaft, Stralen, welche mit ihrer Axe parallel einfallen, in ihrem Vrennpunkte genau zu vereinigen. Man hat daher den Metall&longs;piegeln, die zu Tele&longs;copen dienen &longs;ollen, eine paraboli&longs;che Krümmung zu geben ge&longs;ucht, wovon man unter dem Artikel: Paraboli&longs;che Spiegel, ein mehreres finden wird.

Abweichung der Magnetnadel, Declinatio &longs;. Variatio acus magneticae, Declinai&longs;on ou Variation de l' aimant.

So nennt man denjenigen Winkel, um welchen die Richtung der Magnetnadel von der wahren Mittagslinie abweicht. Obgleich insgemein ge&longs;agt wird, der Magnet habe die Eigen&longs;chaft, &longs;ich mit einem gewi&longs;&longs;en Punkte nach Norden zu richten, und theile die&longs;e Eigen&longs;chaft, die man &longs;eine Polarität nennt, auch den mit ihm be&longs;trichenen Nadeln mit, &longs;o gilt doch die&longs;e Behauptung nur mit einiger Ein&longs;chränkung. Sowohl der Magnet &longs;elb&longs;t, als auch die Nadeln, richten &longs;ich in den wenig&longs;ten Fällen genau nach Norden; &longs;ie weichen fa&longs;t allezeit von der wahren Richtung der Mittagslinie um einige Grade, gegen O&longs;ten oder We&longs;ten, ab.

Allem An&longs;ehen nach hat man die Abweichung der Magnetnadel bald nach dem er&longs;ten Gebrauche des Compa&longs;&longs;es zur Schiffahrt entdecken mü&longs;&longs;en. Auch ver&longs;ichert Thevenot in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung (Recueil des voyages. Paris, 1681. 8.), aus einem Briefe des Peter Ad&longs;igerus ge&longs;ehen zu haben, daß de&longs;&longs;en Verfa&longs;&longs;er &longs;chon im Jahre 1269 eine Abweichung der Magnetnadel von 5 Graden wahrgenommen habe. Inzwi&longs;chen finden &longs;ich doch die er&longs;ten zuverläßigen Beobachtungen die&longs;er Abweichung nicht eher, als im &longs;echszehnten Jahrhunderte. Herr de l'Isle be&longs;aß ein Manu&longs;cript eines Piloten Crignon aus Dieppe, vom Jahre 1534, welches dem Admiral Seba&longs;tian Chabot zugeeignet war, und worinn die Abweichung der Magnetnadel erwähnt ward; daher es ein Misver&longs;tänduiß zu &longs;eyn &longs;cheint, wenn Riccioli (Geograph. reform. L. VIII, c. 12.) den Chabot &longs;elb&longs;t neb&longs;t dem Gonzalez von Oviedo als die Erfinder der Abweichung der Magnetnadel nennet. Levin Hul&longs;ius (De&longs;criptio et v&longs;us viatorii et horologii &longs;olaris, Norib. 1597. 12mo) führt an, daß Georg Hartmann in Nürnberg im Jahre 1536 bey Verfertigung von Sonnenuhren die Abweichung 10 1/4 Grad gefunden habe, und 1550 ward &longs;ie zu Paris von Orontius Fineus 8 Grad ö&longs;tlich beobachtet. (Man &longs;. Petr. van Mu&longs;&longs;chenbroek di&longs;&longs;. phy&longs;ica experimentalis de Magnete, in &longs;einen Di&longs;&longs;ert. phy&longs;. et geometr. Lugd. Bat. 1729. 4. ingl. Doppelmayr Nachricht von den Nürnbergi&longs;chen Mathematicis und Kün&longs;tlern. Nürnberg, 1750. Fol. S. 57.) Die ältern Naturfor&longs;cher pflegten das Abweichen der Nadel gegen Morgen, Graeci&longs;&longs;are, das gegen Abend, Magi&longs;tri&longs;&longs;are zu nennen.

Die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten, zieht man auf dem fe&longs;ten Lande eine Mittagslinie, &longs;etzt einen gewöhnlichen Compaß oder eine Bou&longs;&longs;ole (&longs;. Compaß) &longs;o auf die&longs;elbe, daß der Stift, auf welchem die Nadel ruht, auf der Mittagslinie &longs;teht, und die Linie, welche durch den Anfang der Theilung des Compa&longs;&longs;es geht, mit der Richtung der Mittagslinie concidiret, &longs;o zeigt der Grad, auf welchen die Nadel &longs;pielet, die Größe ihrer Abweichung an. Man pflegt einen hiezu eingerichteten Compaß einen Abweichungscompaß (Declinatorium) zu nennen. Die Herren Brander und Hö&longs;chel haben im Jahre 1779 eine Be&longs;chreibung der von ihnen verfertigten Compaf&longs;e unter dem Titel: Be&longs;chreibung des magneti&longs;chen Declinatorii und Inclinatorii, desgleichen eines be&longs;onders bequemen und nutzbaren Sonnenquadranten, zu genauer Be&longs;timmung der Mittagslinie, Aug&longs;purg. 8. herausgegeben.

Auf der See, wo &longs;ich die&longs;e Methode nicht anwenden läßt, pflegt man ein Bleyloth &longs;o über dem Seecompaß aufzuhängen, daß de&longs;&longs;en Schatten durch den Mittelpunkt des Compa&longs;&longs;es geht; &longs;o giebt der Rhumb oder Theilungspunkt des Compa&longs;&longs;es in dem Zeitpunkte, da der Schatten am kürze&longs;ten i&longs;t, die Größe der Abweichung an, weil in die&longs;em Zeitpunkte der Schatten die Richtung der Mittagslinie bezeichnet. Man kan auch die Weltgegenden, in welchen die Sonne, oder ein Stern auf- und untergeht, oder auch die Gegenden, in welchen die Sonne oder ein Stern gleiche Höhen auf der Morgen- und Abend&longs;eite erreicht, auf dem Compa&longs;&longs;e bemerken, &longs;o wird der zwi&longs;chen beyden enthaltene Bogen, in zwo gleiche Helften getheilt, den wahren Mittags- und Mitternachtspunkt bezeichnen, und man wird die Abweichung der Nadel von dem&longs;elben leicht bemerken können. Eine dritte Methode, bey welcher aber die geographi&longs;che Breite oder Polhöhe des Orts als bekannt vorausge&longs;etzt wird, i&longs;t die&longs;e. Man beobachte die Gegend des Compa&longs;&longs;es, in welcher die Sonne, oder ein Stern, auf- oder untergeht; man berechne ferner aus der gegebnen Abweichung der Sonne oder des Sterns und der Polhöhe, de&longs;&longs;elben Morgen- oder Abendweite (&longs;. den Artikel: Abendweite), &longs;o wird der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der berechneten Morgenweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Anfangsgegend von O&longs;ten; oder zwi&longs;chen der berechneten Abendweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Untergangsgegend von We&longs;ten, die Abweichung der Magnetnadel angeben.

Durch Beobachtungen die&longs;er Art mußte man bald wahrnehmen, daß die Abweichung der Magnetnadel nicht allein an ver&longs;chiedenen Orten der Erde ver&longs;chieden, &longs;ondern auch, &longs;elb&longs;t an einerley Beobachtungsorte, zu ver&longs;chiedenen Zeiten veränderlich &longs;ey. Die&longs;e Veränderung der Abweichung an einerley Orte (Variatio Declinationis &longs;. Variationis) geht bisweilen &longs;o weit, daß die Nadeln &longs;chon binnen einer Stunde ihre Richtung merklich ändern. Länger fortge&longs;etzte Beobachtungen hierüber &longs;cheinen zu&longs;ammengenommen etwas Regelmäßiges zu zeigen. Man hat zu Paris und London dergleichen Beobachtungen &longs;eit langer Zeit ununterbrochen fortge&longs;etzt. Die vornehm&longs;ten Re&longs;ultate der Pari&longs;er Beobachtungen enthält folgende Tabelle: JahrAbweichung155010′ö&longs;tlich15801130161080164030166600JahrAbweichung167030′we&longs;tlich16802401685410169255016956481700812170582517109351715105017201301725131517301425173515401740154517451615175017151760180177019017721955

In den Mémoires de l' Acad. Royale des Sc. vom Jahre 1770. S. 459 bemerkt Herr le Monnier von der Abweichung der Nadel in Paris, &longs;ie habe von 1666 bis 1769 jährlich immer um etwas zugenommen, zuer&longs;t um 15 bis 16, dann um 9 Minuten, womit auch obige Tabelle überein&longs;timmt. Jetzt aber &longs;cheint die we&longs;tliche Abweichung da&longs;elb&longs;t wieder abzunehmen.

In London, wo Gellibrand im Jahre 1625 zuer&longs;t genaue Beobachtungen angefangen, und in die&longs;er Ab&longs;icht eine eigne Mittagslinie gezogen hat, war die Abweichung der Nadel nach Halley (Philo&longs;. Trans. n. 195. p. 564.) im Jahre158011°15′ö&longs;tlich16225361634451657001672230we&longs;tlich1683430(Phil. Trans. Vol. LXIV. P. 2.) 17742116

Wenn man aus mehrern an vielerley Orten der Welt ange&longs;tellten Beobachtungen auf einer Landkarte die Orte bemerkt, an welchen die Magnetnadel für eine gewi&longs;&longs;e Zeit einerley Abweichung gehabt hat, und durch die&longs;e Orte Linien zieht, &longs;o kommen ver&longs;chiedene be&longs;onders gekrümmte Züge, Abweichungslinien, zum Vor&longs;chein, welche &longs;ich auf gewi&longs;&longs;e Gegenden zu beziehen &longs;cheinen. Halley hat dies zuer&longs;t entdeckt, und eine &longs;olche für das Jahr 1700 eingerichtete Karte verzeichnet, welche &longs;ich in den Philo&longs;. Transact. no. 195, ingleichen in den Mi&longs;cellaneis curio&longs;is Vol. l. p. 80, und in Mu&longs;&longs;chenbroeks oben angeführter Di&longs;&longs;. de Magnete findet. Eine neuere für das Jahr 1772 hat Lambert aus den neu&longs;ten Beobachtungen entworfen, und ich habe &longs;ie hier Taf. II. aus dem Berliner a&longs;tronomi&longs;chen Jahrbuche für 1779 mitgetheilet. Aus der Betrachtung die&longs;er Karte la&longs;&longs;en &longs;ich für das Jahr 1770 folgende merkwürdige Sätze ziehen:

1. In ganz Europa, Afrika, dem ö&longs;tlichen Theile von Nordamerika und dem &longs;üdlichen Theile von A&longs;ien, neb&longs;t den angrenzen den Meeren war die Abweichung der Nadel durchaus we&longs;tlich.

2. Im Ocean, we&longs;twärts von Grosbritannien, und o&longs;twärts vom Vorgebirge der guten Hoffnung, war &longs;ie am größten, und betrug da&longs;elb&longs;t 25°.

3. Die bey den für die Abweichung von 15° gezognen Linien kreuzen &longs;ich mitten in Afrika. Die&longs;e Linien &longs;ind zwar nicht unmittelbar aus Beobachtungen be&longs;timmt, die in Afrika &longs;elb&longs;t ange&longs;tellt wären; aber &longs;ie haben doch ohne Verletzung der Analogie nicht anders können gezogen werden.

4. Vom weißen Meere aus geht durch A&longs;ien, das &longs;üdliche China und die philippini&longs;chen In&longs;eln eine Linie, in welcher gar keine Abweichung &longs;tatt findet.

5. Die&longs;er Linie gegen Morgen fängt die Abweichung an ö&longs;tlich zu werden, und bleibt dies bis an eine Linie, welche von Florida aus an der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te hin bis an den er&longs;ten Meridian unter 40° &longs;üdlicher Breite geht, in welcher Linie wiederum gar keine Abweichung i&longs;t.

6. Die größte ö&longs;tliche Abweichung von 25° findet unterhalb der &longs;üdlichen Spitze von Amerika &longs;tatt.

7. Halley hatte in &longs;einer Karte die Linien für die größten Abweichungen von 25°, bey Afrika und Amerika um 15° weiter gegen Morgen, bey Grosbritannien 40 — 50° weiter gegen Abend ge&longs;etzt, wie die punktirten Linien der Karte andeuten; um &longs;o viel haben &longs;ich al&longs;o die&longs;e Linien &longs;eit 70 Jahren verrückt.

Eben dergleichen Abweichungslinien &longs;ind auch für das Jahr 1744 auf einer von Mountaine und Dod&longs;on entworfenen Karte (&longs;. Philo&longs;. Transact. Vol. L. P.I. p. 329), und für 1755 auf einer von Zegoll&longs;tröm (Di&longs;&longs;. de theoria decl. magn. Vp&longs;al.), ingleichen auf des Herrn Profe&longs;&longs;or Funk zu Leipzig Karten unter dem Titel: Die nördliche und &longs;üdliche Erdoberfläche auf die Ebne des Aequators projicirt. Leipzig, 1781. verzeichnet.

Man hat die Abweichung der Magnetnadel und deren Veränderungen durch ver&longs;chiedene Hypothe&longs;en zu erklären ver&longs;ucht. Anfänglich, als die beobachteten Veränderungen noch gering waren, &longs;chrieb man die&longs;elbe, &longs;o wie die ganze Abweichung, nur der größern oder geringern Kraft des Magnets, mit dem die Nadel be &longs;trichen worden, zu oder auch dem Um&longs;tande, daß die Nadeln bald näher an den Polen des Magnets, bald weiter von den&longs;elben, ge&longs;trichen würden. Man glaubte nemlich, eine genau an dem Pole eines &longs;tarken Magnets ge&longs;trichene Nadel werde gar keine Abweichung zeigen. Die&longs;e Meynungen aber wurden gar bald durch die Erfahrung widerlegt.

William Gilbert (De magnete magneticisque corporibus, et de magno magnete tellure phy&longs;iologia nova. Lond. 1600. fol.), der Er&longs;te, der gründlich über den Magnet ge&longs;chrieben, und keine Thorheiten mehr darüber vorgebracht hat, nahm an, die Erde &longs;ey ein Magnet das Wa&longs;&longs;er aber nicht; folglich mü&longs;&longs;en &longs;ich die Nadeln überall nach derjenigen Gegend kehren, nach welcher das mei&longs;te und näch&longs;te Land liege. Nach die&longs;er Voraus&longs;etzung müßte in den Azori&longs;chen In&longs;eln, welche von Afrika und Amerika beynahe gleich weit entfernt liegen, gar keine, von ihnen gegen Afrika zu eine ö&longs;tliche, und gegen Amerika zu eine we&longs;tliche Abweichung &longs;tatt finden. Am Vorgebirge der guten Hofnung mü&longs;te wiederum gar keine oder nur eine &longs;ehr geringe Abweichung &longs;eyn, weil die Nadel von beyden Seiten des fe&longs;ten Landes gleich &longs;tark angezogen würde u. &longs;. f. Die&longs;es &longs;chien auch mit den damals bekannten wenigen Beobachtungen der O&longs;tindienfahrer ziemlich übereinzu&longs;timmen; aber Halley &longs;etzt die&longs;er Theorie das Bey&longs;piel der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te entgegen, an welcher &longs;ich die Nadel ganz vom Lande abwendet, und gegen O&longs;ten abweicht, da doch das Land der Kü&longs;te we&longs;twärts liegt.

Descartes &longs;uchte die Ur&longs;ache der Abweichung in den Ei&longs;enerzen und Magneten, welche im Inner&longs;ten der Erde und im Meergrunde verborgen lägen; Auzout darin, daß der Strom der magneti&longs;chen Materie durch die in der Erde ent&longs;tandenen natürlichen und kün&longs;tlichen Aushöhlungen ge&longs;tört, und von &longs;einem eigentlichen Wege abgelenkt werde; Hevel in einem Schwanken der Erde, und dergleichen; aber alle die&longs;e Hypothe&longs;en &longs;ind von Halley und Mu&longs;&longs;chenbroek gründlich widerlegt worden, und fallen von &longs;elö&longs;t zu Boden, wenn man nur einen Blick auf Halley's oder Lamberts Karte wirft und bemerkt, wie viel Regelmäßiges und welche geometri&longs;che Beziehung auf gewi&longs;&longs;e Punkte aus dem ganzen Abweichungs&longs;y&longs;teme unverkennbar hervorleuchte.

Halley &longs;etzte daher an die Stelle der vorigen eine neue Theorie (A theory of the variation of the magnetical compa&longs;s by Mr. Edmund Halley, in Philo&longs;. Transact. num. 143. pag. 208), die er auf eine zahlreiche Sammlung von Beobachtungen baute, aus welchen er auch &longs;eine Abweichungskarte zu&longs;ammenge&longs;etzt hat. Er zog aus die&longs;en Beobachtungen folgende allgemeine Sätze für das Jahr 1700.

1. In ganz Europa i&longs;t jetzt die Abweichung we&longs;tlich, gegen Morgen zu &longs;tärker, als gegen Abend, &longs;cheint auch durchgängig von Abend gegen Morgen zuzunehmen.

2. An der Kü&longs;te von Nordamerika i&longs;t die Abweichung ebenfalls we&longs;tlich, und wird größer, je weiter man gegen Norden geht, &longs;o daß &longs;ie in Neufowndland 20, in der Hud&longs;ons&longs;traße 30, in der Baffinsbay &longs;ogar 57 Grad beträgt; &longs;ie wird hingegen geringer, je weiter man von die&longs;er Kü&longs;te o&longs;twärts &longs;egelt. Hieraus folgert Halley, daß irgendwo zwi&longs;chen Europa und Nordamerika, vielleicht um die In&longs;el Terceira, eine ö&longs;tliche Abweichung, oder wenig&longs;tens keine we&longs;tliche mehr, &longs;tatt finden mü&longs;&longs;e.

3. An der Kü&longs;te von Bra&longs;ilien i&longs;t die Abweichung ö&longs;tlich, und wäch&longs;t weiter &longs;üdwärts immer mehr, &longs;o daß &longs;ie bey Cap Frio 12, und beym Platafluß 20 1/2 Grad beträgt. Südwe&longs;twärts nach der magellani&longs;chen Straße zu nimmt &longs;ie wieder ab, und i&longs;t an der we&longs;tlichen Einfahrt der Straße nur 14 Grad.

4. O&longs;twärts von Bra&longs;ilien nimmt die&longs;e ö&longs;tliche Abweichung ab, wird bey St. Helena und A&longs;cen&longs;ion &longs;ehr gering, und verliert &longs;ich endlich 18 Grad we&longs;twärts vom Cap der guten Hoffnung ganz und gar.

5. Noch weiter o&longs;twärts fängt wieder eine we&longs;tliche Abweichung an, welche &longs;ich durch den ganzen indi&longs;chen Ocean er&longs;treckt, und unter dem Aequator in dem Mittagskrei&longs;e von Madaga&longs;car bis auf 18 Grad &longs;teigt. In eben die&longs;em Mittagskrei&longs;e, unter dem 30&longs;ten Grade &longs;üdlicher Breite, findet &longs;ie &longs;ich 27 1/2 Grad, und nimmt von hier aus ab, &longs;o daß &longs;ie bey Cap Comorin nur 8, an der Kü&longs;te von Iava nur 3 Grad beträgt, und endlich in den Molucken, &longs;o wie auch we&longs;twärts von Van Diemensland, ganz ver&longs;chwindet.

6. Weiter o&longs;twärts ent&longs;teht unter &longs;üdlicher Breite eine neue ö&longs;tliche Abweichung, die aber weder &longs;o &longs;tark, noch von &longs;o weitem Umfange, als die vorige, i&longs;t: denn auf der In&longs;el Rotterdam i&longs;t &longs;ie &longs;chon merklich kleiner, als an der Kü&longs;te von Neuguinea, und nach dem Verhältni&longs;&longs;e, in welchen &longs;ie abnimmt, läßt &longs;ich annehmen, daß 20 Grad weiter o&longs;twärts, oder bey 225 Grad Länge von London aus, unter dem 20&longs;ten Grade &longs;üdlicher Breite wiederum eine we&longs;tliche Abweichung anfange.

7. Die Abweichungen in Baldivia und der magellani&longs;chen Straße zeigen, daß die Num. 3. angeführte ö&longs;tliche Abweichung &longs;ehr &longs;chnell abnehme, und &longs;ich wahr&longs;cheinlicher Wei&longs;e nur bis auf einige Grade über die Kü&longs;ten von Peru und Chili hinaus in die Süd&longs;ee er&longs;trecke, wo denn wieder eine we&longs;tliche Abweichung in der Gegend der unbekannten Länder zwi&longs;chen Chili und Neu&longs;eeland anfangen muß.

8. Von St. Helena nordwe&longs;twärts bis an den Aequator bleibt die Abweichung ö&longs;tlich, aber &longs;ehr gering und immer gleich groß, daß al&longs;o in die&longs;er Gegend die Linie, in welcher die Abweichung Null i&longs;t, nicht nach der Mittagslinie, &longs;ondern nach Nordwe&longs;t geht.

9. Die Einfahrt der Hud&longs;ons&longs;traße und die Mündung des Plata liegen beynahe unter einerley Meridian; dennoch weicht die Nadel an dem einen Orte 19 1/2 Grad we&longs;tlich, am andern 20 1/2 Grad ö&longs;tlich ab.

Aus die&longs;en Sätzen nun zog Halley die Hypothe&longs;e, die Erdkugel &longs;ey ein großer Magnet mit vier magneti&longs;chen Polen oder Anziehungspunkten, von denen je zween und zween nahe an jedem Pole des Aequators lägen. An den Orten, welche &longs;ich nahe an einem die&longs;er magneti&longs;chen Pole befänden, richte &longs;ich die Nadel nach dem&longs;elben, und überhaupt behalte jederzeit der nähere Pol die Oberhand über den entferntern.

Den Pol, der un&longs;ern Ländern am näch&longs;ten ligt, &longs;etzt Halley in den Meridian von Lands-end, nicht über 7 Grad vom Nordpole entfernt. Die&longs;er be&longs;timme die Abweichung der Nadel in Europa, der Tartarey und dem Eismeere, obgleich auch mit Beziehung auf den andern Nordpol, der ohngefähr in den mitten durch Californien gehenden Meridian, 15 Grad vom nördlichen Erdpole falle. Nach die&longs;em richte &longs;ich die Nadel haupt&longs;ächlich in Nordamerika und den daran&longs;toßenden Meeren von den Azoren we&longs;twärts bis Japan.

Die beyden &longs;üdlichen Pole &longs;ollen vom Südpole der Erde etwas weiter ab&longs;tehen. Der eine wird 16 Grad weit vom Südpole in einen 20 Grad we&longs;twärts von der magellani&longs;chen Straße ab&longs;tehenden Meridian ge&longs;etzt, und &longs;oll die Nadel in Südamerika, der Süd&longs;ee und einem gro&longs;&longs;en Theile des äthiopi&longs;chen Meeres lenken. Der vierte bekömmt &longs;eine Stelle 20 Grad weit vom Südpole in dem Meridiane, der 120 Grad o&longs;twärts von London durch Neuholland und die In&longs;el Celebes geht. Die Kraft die&longs;es Poles &longs;oll, weil er am weit&longs;ten vom Pole der Erde ab&longs;teht, überall den &longs;tärk&longs;ten Einfluß haben, und &longs;ich über den &longs;üdlichen Theil von Afrika und A&longs;ien und die daran grenzenden Meere er&longs;trecken. Dies i&longs;t nun nach Halley die Stellung des Magnetismus der Erde für das Jahr 1700, aus welcher er die aus den Beobachtungen gezognen Sätze auf folgende Art erklärt.

1. Den europäi&longs;chen Pol im Meridiane von Landsend in England haben alle Orte in Europa auf der We&longs;t&longs;eite ihres Meridians. Sie mü&longs;&longs;en al&longs;o eine we&longs;tliche Abweichung haben, welche immer größer wird, je weiter man o&longs;twärts geht.

2. Auf der We&longs;t&longs;eite des Meridians von Lands-end würde die Nadel eine ö&longs;tliche Abweichung erhalten, wofern &longs;ie nicht wegen der Annäherung des amerikani&longs;chen Nordpols, der etwas mehr Kraft, als der er&longs;tere, zu be&longs;itzen &longs;cheint, we&longs;twärts gezogen würde, welcher Zug auch unter dem Meridian von Lands-end &longs;elb&longs;t noch einige we&longs;tliche Abweichung verur&longs;acht. In der Gegend des Meridians von Terceira mag vielleicht der europäi&longs;che Pol &longs;oviel überwiegen, daß da&longs;elb&longs;t eine ö&longs;tliche, oder wenig&longs;tens keine we&longs;tliche Abweichung mehr, &longs;tatt findet. We&longs;twärts von den Azoren aber überwiegt der amerikani&longs;che Pol, und verur&longs;acht an den Kü&longs;ten von Nordamerika eine we&longs;tliche Abweichung, die de&longs;to größer wird, je weiter man gegen Norden geht, de&longs;to geringer aber, je mehr man &longs;ich o&longs;twärts dem europäi&longs;chen Pole nähert. In Nordamerika &longs;elb&longs;t nimmt die&longs;e we&longs;tliche Abweichung wieder ab, i&longs;t in dem Meridian, der durch Californien geht, Null, und muß weiter we&longs;twärts gegen Yed&longs;o und Japan ohne Zweifel ö&longs;tlich &longs;eyn, bis &longs;ie wieder der durch den europäi&longs;chen verur&longs;achten we&longs;tlichen begegnet.

3. Gegen den Südpol zu erfolgen ähnliche Wirkungen, nur daß hier der Nadel &longs;üdliche Spitze angezogen wird. Liegt al&longs;o der magneti&longs;che Pol 20 Grad we&longs;twärts von der magellani&longs;chen Straße, &longs;o muß die Abweichung an der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te, dem Plataflu&longs;&longs;e u. &longs;. w. ö&longs;tlich &longs;eyn, und &longs;ich über einen großen Theil des äthiopi&longs;chen Meeres er&longs;trecken.

4. Endlich aber wird &longs;ie noch weiter o&longs;twärts von der Kraft des a&longs;iati&longs;chen Südpols überwogen, welches ohngefähr zwi&longs;chen dem Cap der guten Hoffnung und den In&longs;eln des Tri&longs;tan d'Aeunha ge&longs;chieht.

5. Noch weiter o&longs;twärts zieht der a&longs;iati&longs;che Pol die &longs;üdliche Spitze der Nadel, und verur&longs;acht dadurch eine we&longs;tliche Abweichung, welche wegen der weiten Entfernung die&longs;es Pols vom Südpole der Erde &longs;tark &longs;eyn und &longs;ich &longs;ehr weit er&longs;trecken muß, bis &longs;ie endlich in den Molucken um den Meridian der In&longs;el Celebes, in welchem die&longs;er Pol &longs;elb&longs;t liegt, ver&longs;chwindet, und einer neuen ö&longs;tlichen Raum giebt.

6. Die&longs;e ö&longs;tliche Abweichung reicht ohngefähr bis in die Mitte der Süd&longs;ee.

7. Hier fängt, wegen der Wirkung des amerikani&longs;chen Südpols, zwi&longs;chen Neu&longs;eeland und Chili wieder eine we&longs;tliche an.

8. In der heißen Zone, und be&longs;onders unter dem Aequator, muß man auf alle vier Pole &longs;ehen. So i&longs;t z. B. in dem von St. Helena nordwe&longs;twärts gerichteten Striche die Abweichung ö&longs;tlich und &longs;ehr gering, weil hier die Wirkung des amerikani&longs;chen Südpols, der die&longs;en Gegenden am näch&longs;ten liegt, und eigentlich eine große ö&longs;tliche Abweichung verur&longs;achen &longs;ollte, durch die entgegenge&longs;etzten vereinten Wirkungen des amerikani&longs;chen Nordpols und des a&longs;iati&longs;chen Südpols ge&longs;chwächt wird, der europäi&longs;che Nordpol aber ohnehin beynahe in den Meridian die&longs;er Gegenden &longs;elb&longs;t fällt.

9. Auch wird hieraus begreiflich, wie die Abweichung unter einerley Meridiane an einem Orte ö&longs;tlich, am andern we&longs;tlich &longs;eyn kan.

So erklärt Halley den Zu&longs;tand der Abweichungen für das Jahr 1700. Weil er aber auch auf die Veränderungen der Abweichung &longs;ehen, und al&longs;o nothwendig eine Bewegung &longs;einer magneti&longs;chen Pole annehmen mu&longs;te, wobey die Fragen ent&longs;tanden: ob &longs;ich alle vier Pole zugleich, ob &longs;ie &longs;ich um die Pole der Erde, und mit welcher Ge&longs;chwindigkeit &longs;ie &longs;ich bewegten, &longs;o &longs;uchte er die&longs;e Fragen in einem andern Auf&longs;atze (An account of the cau&longs;e of the change of the variation of the magnetical needle, by Edm. Halley, in den Philo&longs;. Transact.|num. 195. p. 563.) durch Folgendes zu beantworten.

Der äußere Theil der Erde macht nach &longs;einer Meynung nur eine Rinde aus, um&longs;chließt einen concentri&longs;chen kugelförmigen Kern, und der Raum zwi&longs;chen beyden i&longs;t mit einer flüßigen Materie angefüllt. Kern und Rinde drehen &longs;ich zwar beyde täglich um ihre Axen, aber die Umdrehungszeit des Kerns i&longs;t von der Umdrehungszeit der Rinde um ein kleines Zeittheilchen unter&longs;chieden; die&longs;er Unter&longs;chied wird nach oft wiederholter Umdrehung merklich, und die Stellen der Rinde treffen alsdann nicht mehr mit den vorigen Stellen des Kerns zu&longs;ammen.

Nimmt man nun an, beydes Rinde und Kern &longs;eyen Magnete mit zween Polen, &longs;o ändern fich| freylich die Stellungen die&longs;er vier Pole gegen einander, und wenn man, wie natürlich, die Pole der Rinde als die unbeweglichen betrachtet, &longs;o muß man alsdann den Polen des Kerns eine be&longs;tändige Bewegung beylegen. Unter den Nordpolen i&longs;t der bewegliche der europäi&longs;che, unter den Südpolen der amerikani&longs;che, weil in den Gegenden um die&longs;e Pole die Veränderungen am größten &longs;ind. Die Bewegung geht nach We&longs;ten; al&longs;o bleibt die innere Kugel, bey der täglichen Umdrehung von We&longs;ten nach O&longs;ten, ein wenig zurück, welches davon herkommen kan, daß beym er&longs;ten Anfange der Umdrehung der der äußern Rinde ertheilte Stoß &longs;ich dem Kerne nicht ganz hat mittheilen können. Um die Erdaxe &longs;cheint die&longs;e Bewegung nicht zu gehen, weil &longs;on&longs;t die Abweichungen in einem Parallelkrei&longs;e immer die&longs;elben bleiben, und nur von einem Punkte zu andern fortrücken müßten; welches doch der Erfahrung nicht gemäß i&longs;t. Da die&longs;e Bewegung &longs;ehr lang&longs;am i&longs;t, &longs;o läßt &longs;ich aus &longs;o wenigen und neuen Beobachtungen nichts Zuverläßiges über die Dauer ihrer Periode be&longs;timmen; doch &longs;cheint &longs;ich der amerikani&longs;che Pol in 90 Jahren um 46 Grad we&longs;twärts bewegt zu haben, woraus &longs;ich die Dauer der Umlaufszeit ohnge&longs;ähr auf 700 Jahre &longs;etzen ließe.

So weit Halley. Man kan dem Scharf&longs;inne und geometri&longs;chen Gei&longs;te, mit welchem er aus &longs;o vielen ohne Ordnung durch einander liegenden Beobachtungen die Linien &longs;einer Karte gezogen, und &longs;eine Schlü&longs;&longs;e hergeleitet hat, die verdiente Bewunderung nicht ver&longs;agen; aber die Hypothe&longs;e von vier Polen, deren zween beweglich &longs;ind, und die daraus ent&longs;prungene Idee von Kern und Rinde bringen etwas Sonderbares und Unwahr&longs;cheinliches in &longs;eine Erklärung.

Der jüngere Herr Euler (Recherches &longs;ur la declinai&longs;on de l'aiguille aimantée, in Mémoires de l' acad. des Sc. à Berlin, ann. 1757. p. 175) hat daher zu zeigen ge&longs;ucht, daß man zu Erklärung der beobachteten Abweichungen keinesweges nöthig habe, vier Pole anzunehmen, indem &longs;ich von allen Er&longs;cheinungen aus dem Da&longs;eyn zweener Pole Rechen&longs;chaft geben la&longs;&longs;e. Er berechnet zu dem Ende Formeln, wodurch &longs;ich die halleyi&longs;chen Abweichungslinien aus der gegebenen Lage zweener magneti&longs;cher Pole würden be&longs;timmen la&longs;&longs;en, wenn die&longs;e Pole 1) einander nach dem Durchme&longs;&longs;er entgegenge&longs;etzt, 2) in zween entgegenge&longs;etzten Meridianen, 3) in einerley Meridian, 4) in zween ver&longs;chiedenen Meridianen lägen. Wenn er nun annimmt, daß der magneti&longs;che Nordpol 14, der Südpol 35° von den Polen der Erde ab&longs;tünde, die durch beyde gezognen Meridiane aber 63° von einan der entfernt wären, &longs;o findet er nach die&longs;en Formeln die Abweichungslinien ziemlich überein&longs;timmend mit der für das Jahr 1744 entworfenen Karte des Mountaine und Dod&longs;on. Er theilt die Zeichnung einer nach &longs;einen Formeln entworfenen Karte mit, in welcher der magneti&longs;che Nordpol über Amerika, der Südpol hingegen unter Neu&longs;eeland fällt, und die Abweichungslinien für 12° 5′ ö&longs;tliche Declination &longs;ich einmal im rothen Meere, das anderemal we&longs;twärts von Californien nahe am Wendekrei&longs;e kreuzen. Die Linien, in welchen gar keine Abweichung &longs;tatt findet, fallen bloß etwas weiter o&longs;twärts, als in der Taf. II. mitgetheilten Karte des Herrn Lambert. Nach Herrn Eulers eigner Vermuthung würden &longs;eine Formeln mit den Beobachtungen noch be&longs;&longs;er überein&longs;timmen, wenn er den Nordpol 17 und den Südpol 40 Grad von den Polen der Erde entfernt hätte. Es i&longs;t al&longs;o durch die&longs;e Bemühungen des Herrn Euler wenig&longs;tens &longs;o viel erwie&longs;en, daß es überflüßig &longs;ey, vier magneti&longs;che Pole anzunehmen.

Unter den ungedruckten Abhandlungen des großen göttingi&longs;chen A&longs;tronomen, Tobias Mayers, befindet &longs;ich eine über den Magnet, welche er der da&longs;igen Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;ch aften im Jahre 1762 vorgele&longs;en hat. Den Nachrichten der Herren Erxleben und Lichtenberg zufolge (&longs;. Erxlebens Anfangsgr. der Naturlehre nach der Lichtenbergi&longs;chen Ausgabe, §. 709.) erklärt Mayer da&longs;elb&longs;t die Er&longs;cheinung &longs;ehr natürlich daraus, daß in der Erde ein Magnet anzutreffen &longs;ey, den man in Vergleichung mit der Erde &longs;elb&longs;t für unendlich klein annehmen könne. Die&longs;er Magnet liege vom Miitelpunkte der Erde etwa 120 Meilen weit entfernt nach dem Theile der Erde zu, den das &longs;tille Meer bedecke. Eine gerade Linie durch die Mittelpunkte die&longs;es Magnets und der Erde &longs;chneide die Erdfläche in einer Länge von 201 Graden von der In&longs;el Ferro, und unter 17 Grad nördlicher Breite. Der Magnet entferne &longs;ich jährlich etwa um (1/1000) des Halbme&longs;&longs;ers der Erde von dem Mittelpunkte derfelben, wodurch die Länge des er&longs;tgedachten Durch&longs;chnittspunktes jährlich um 8, die Breite um 14 Minuten abnehme. Es habe die&longs;er Magnet zween Pole: &longs;eine Axe &longs;tehe &longs;enkrecht auf der von ihm in den Mittelpunkt der Erde gezognen Linie, und liege in einer Ebne, welche mit der Ebne des Meridians, in welchem jene nach dem Mittelpunkte gezogene Linie liege, einen Winkel von 11 1/2 Grad, und zwar bey uns nach O&longs;ten zu, mache, Auch wach&longs;e die&longs;er Winkel jährlich etwa um 8 1/4 Minuten. Die Totalkraft die&longs;es in der Erde liegenden Magneten verhalte &longs;ich verkehrt, wie der Würfel der Entfernung.

Aus die&longs;er Hypothe&longs;e folgert Mayer Größen der Abweichungen für ver&longs;chiedene Orte der Erde, welche von den wirklich beobachteten nicht &longs;ehr unter&longs;chieden &longs;ind. So findet er z. B. die Abweichung für Paris 14° 2′, für Berlin 12° 2′ we&longs;tlich, da man &longs;ie um das Jahr 1760 am er&longs;ten Orte gegen 18°, am zweyten 12° 40′ gefunden hat. Nach Herrn Lichtenbergs richtigem Urtheile muß man eine &longs;olche Ueberein&longs;timmung bewundern, wenn man bedenkt, was für unvollkommne Beobachtungen Mayer bey Fe&longs;t&longs;etzung der Hauptgrößen &longs;einer Hypothe&longs;e zum Grunde legen mußte. Man kan al&longs;o Mayers Erklärung wenig&longs;tens als eine gute Vor&longs;tellungsart von der Ur&longs;ache der Abweichungen gelten la&longs;&longs;en, um in Zukunft mehrere Beobachtungen damit zu vergleichen, und &longs;ie nach den&longs;elben zu berichtigen, und zu prüfen. Es i&longs;t nicht zu zweifeln, daß man durch häufigere und genauere Beobachtungen mehr Licht über die Ur&longs;achen der Abweichungen erhalten werde, wenn man auf dem von Halley, Euler und Mayer vorgezeichneten Wege fortgehen wird, auf welchem Geometrie und Analy&longs;is &longs;o wirk&longs;ame Unter&longs;tützungen darbieten.

Man hat kugelrunde Magnete unter dem Namen der Terrellen (terrellae) gemacht, um durch Beobachtung der Stellungen des Compa&longs;&longs;es an ver&longs;chiedenen Punkten der&longs;elben, die Phänomene der Abweichung an ver&longs;chiedenen Stellen der Erde zu erklären. Sie haben aber noch wenig Dien&longs;te gelei&longs;tet. Zwar ver&longs;ichert Adams (E&longs;&longs;ay on megnetism, in &longs;einem E&longs;&longs;ay on electricity, London 1784. 8.), Magellan habe neuerlich eine Terrelle angegeben, von der &longs;ich mehr hoffen la&longs;&longs;e. Es fällt aber in die Augen, daß &longs;ich bey einem &longs;olchen Kügelchen nie die wahren Verhältni&longs;&longs;e der Größen des Compa&longs;&longs;es und der Grö&longs;&longs;en und Entfernungen auf der Erde &longs;elb&longs;t dar&longs;tellen la&longs;&longs;en, und daß es daher nichts mehr, als ein phy&longs;ikaliches Spielwerk &longs;ey.

Außer der bekannten immer fortgehenden Veränderung hat &longs;chon Graham im Jahre 1722 noch eine tägliche periodi&longs;che Veränderung in der Abweichung der Magnetnadel entdeckt, über welche Wargentin und Canton weitere Beobachtungen ange&longs;tellt haben. Der Letztere theilte &longs;eine Ver&longs;uche hierüber im Jahre 1759 der königlichen Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu London mit. (An attempt to account for the regular diurnal variation of the horizontal magnetic needle, by Iohn Canton, in Philo&longs;. Transact. Vol. LI. P. I. p. 398). Er hatte &longs;eine Beobachtungen vom Ende des Jahres 1756 an, 603 Tage lang fortge&longs;etzt, und die&longs;e tägliche Veränderung an 574 Tagen regelmäßig gefunden. Die we&longs;tliche Abweichung der Nadel nahm von 8 oder 9 Uhr Morgens bis 1 oder 2 Uhr Nachmittags zu; alsdann &longs;tand die Nadel eine Zeitlang &longs;till, endlich gieng &longs;ie wieder zurück, bis &longs;ie in der Nacht oder am näch&longs;ten Morgen wieder in ihre vorige Stelle zurückkam.

Die&longs;e tägliche Veränderung der Abweichung erklärt Canton aus dem Satze, daß die anziehende Kraft des Magnets durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Er bewei&longs;et die&longs;en Satz durch folgende Ver&longs;uche. Er &longs;tellte an die Gegend O&longs;t-Nord-O&longs;t eines Compa&longs;&longs;es einen kleinen Magnet, &longs;o weit ab, daß die Kraft &longs;eines Südpols gerade im Stande war, den Nordpol der Nadel auf Nord- O&longs;t, oder auf 45° zu halten. Die&longs;en Magnet be&longs;chwerte er mit einem Gewichte von 16 Unzen, und goß 2 Unzen &longs;iedendes Wa&longs;&longs;er in da&longs;&longs;elbe, wodurch der Magnet 7—8 Minuten lang erhitzt ward. Während die&longs;er Zeit gieng die Nadel 3/4 Grad we&longs;twärts, binnen 9 Minuten kam &longs;ie um 1/4 Grad oder bis 44 1/2° zurück, brauchte aber einige Stunden Zeit, ehe &longs;ie ihre vorige Stellung auf 45° wieder erhielt. Er &longs;tellte ferner auf jede Seite des Compa&longs;&longs;es einen Magnet &longs;o, daß die Südpole auf den Nordpol der Nadel gleich &longs;tark wirkten, und &longs;ie in ihrer gehörigen Stellung erhielten; ward aber einer weggenommen, &longs;o zog der andere die Nadel bis 45°. Jeder Magnet ward mit einem Gewichte von 16 Unzen be&longs;chweret, und auf den ö&longs;tlichen wurden 2 Unzen &longs;iedendes Wa&longs;&longs;er gego&longs;&longs;en. Die Nadel bewegte &longs;ich in der er&longs;ten Minute um einen halben Grad, und kam in 7 Minuten auf 2 3/4°, wo &longs;ie &longs;till &longs;tand, nach 34 Min. vom er&longs;ten Anfange gerechnet, auf 2 1/2, und in 50 Minuten auf 2 1/4° zurückkam. Er füllte nun das we&longs;tliche Gewicht mit &longs;iedendem Wa&longs;&longs;er, wobey die Nadel in der er&longs;ten Minute auf 1 1/4° zurückkam, nach 6 Min. 1/2° ö&longs;tlich &longs;tand, und etwa 40 Minuten darnach in ihre anfängliche Stellung zurückkehrte.

Aus die&longs;en Ver&longs;uchen i&longs;t klar, daß die magneti&longs;che Anziehung durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Wenn nun, &longs;agt Canton, die magneti&longs;chen Theile der Erde auf der O&longs;t&longs;eite Vormittags von der Sonne eher erwärmt werden, als die auf der We&longs;t&longs;eite, &longs;o i&longs;t es klar, daß &longs;ich die Nadel mehr we&longs;twärts bewegen muß; wenn die Wärme der anziehenden Theile auf jeder Seite gleich &longs;tark zunimmt, &longs;o muß die Nadel &longs;till &longs;tehen, und die Abweichung ein Größtes &longs;eyn; wenn die we&longs;tlichen Theile &longs;chneller erwärmt werden, oder lang&longs;amer abkühlen, als die ö&longs;tlichen, &longs;o muß die we&longs;tliche Abweichung der Nadel wieder kleiner werden, und ein Klein&longs;tes &longs;eyn, wenn die Theile auf beyden Seiten gleich ge&longs;chwind abkühlen. Auch muß nach die&longs;er Theorie die tägliche Veränderung im Sommer größer, als im Winter, &longs;eyn; &longs;ie i&longs;t auch in der That im Iunius und Iulius fa&longs;t doppelt &longs;o groß, als im December und Januar, gefunden worden.

Unregelmäßige kleine Veränderungen der Abweichung hat Canton &longs;eltner, etwa zwey-bis dreymal|monatlich, und fa&longs;t jederzeit mit einem Nordlichte begleitet gefunden. Er i&longs;t geneigt, &longs;ie aus plötzlichen Veränderungen der unterirdi&longs;chen Wärme herzuleiten, da auch das Nordlicht, als eine elektri&longs;che Er&longs;cheinung, &longs;ich, wie die Elektricität des Turmalins, aus plötzlicher Erwärmung oder Erkältung der Luft erklären la&longs;&longs;e.

Einige Kün&longs;tler haben &longs;ich bemüht, Nadeln oder magneti&longs;che Ringe zu verfertigen, welche die Mittagslinie ohne Abweichung zeigten. Mu&longs;&longs;chenbroeks Ver&longs;uche hierüber &longs;ind vergeblich gewe&longs;en. Le Maire, ein franzö&longs;i&longs;cher Kün&longs;tler, verfertigte neuerlich nach Bri&longs;&longs;ons Zeugniß (Dictionnaire rai&longs;onné de phy&longs;ique, art. Aimant) &longs;piralförmige Nadeln und magneti&longs;che Ringe, deren Pole &longs;o ge&longs;tellt waren, daß &longs;ie einander &longs;törten, und dadurch für den Ort, für welchen er &longs;ie eingerichtet hatte, die Abweichung vermieden. Man &longs;ieht leicht, daß &longs;ie für andere Orte, und im Fortgange der Zeit &longs;elb&longs;t für den nemlichen Ort, die&longs;en Dien&longs;t zu lei&longs;ten aufhören mü&longs;&longs;en.

Abweichungskreis, Circulus declinationis, Cercle de declinai&longs;on.

Ein größter Kreis der Himmelskugel, welcher durch die beyden Pole und ein Ge&longs;tirn geht. So i&longs;t Taf. I. Fig. 5. PSDp der Abweichungskreis des Ge&longs;tirns S. &longs;. Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che.

Wenn das Ge&longs;tirn in den Mittagskreis kömmt, &longs;o i&longs;t die&longs;er mit dem Abweichungskrei&longs;e einerley. Auch &longs;ind die Abweichungskrei&longs;e einerley mit den Stundenkrei&longs;en, welche ebenfalls durch beyde Pole gehen. Wenn z. B. das Ge&longs;tirn vor einer Stunde durch den Mittagskreis gegangen i&longs;t, &longs;o fällt &longs;ein Abweichungskreis auf den er&longs;ten Stundenkreis u. &longs;. w. Nur bleiben die Stundenkrei&longs;e unbeweglich, die Abweichungskrei&longs;e hingegen gehen mit der täglichen Bewegung der Ge&longs;tirne fort. &longs;. Stundenkreis.

Accord, &longs;. Con&longs;onanz.

Achromati&longs;che Fernröhre

Tubi achromatici, Lunettes achromatiques, hei&longs;&longs;en diejenigen Fernröhre, in welchen die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Licht&longs;tralen, &longs;. Abweichung, dioptri&longs;che, vermieden und der betrachtete Gegen&longs;tand ohne bunte Ränder und fal&longs;che Farben darge&longs;tellt wird. Das Wort achromati&longs;ch i&longs;t griechi&longs;ch und bedeutet farbenlos, nicht färbend.

Newton, der die ver&longs;chiedene Brechbarkeit der Licht&longs;tralen entdeckt, und die daraus ent&longs;tehende Abweichung der Glä&longs;er mit Recht für die Hauptur&longs;ache der Undeutlichkeit in den Fernröhren erkannt hatte, ließ &longs;ich bey die&longs;er wichtigen Entdeckung dennoch zu einem Irrthume verleiten. Er glaubte nemlich, die ver&longs;chiedenen bey der Brechung von einander ge&longs;onderten Farben&longs;tralen würden von allen brechenden Mitteln in einerley allgemeinem Verhältni&longs;&longs;e zer&longs;treut; wenn al&longs;o die Brechung der Stralen von der mittlern Gattung be&longs;timmt &longs;ey, &longs;o &longs;ey dadurch auch die Brechung derer von den äußer&longs;ten Gattungen, d. i. der rothen und violetten gegeben, das brechende Mittel möchte &longs;eyn, welches man wolle. Die&longs;en Satz &longs;ahe er als eine nothwendige Folge eines &longs;einer Ver&longs;uche an. Er glaubte nemlich gefunden zu haben (Newtoni Optice lat. redd. a Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. L. I. Part. II. Exp. 8.), daß das Licht, durch wie vielerley ver&longs;chiedene brechende Mittel es auch immer gehen möchte, allezeit weiß bleibe, wenn des Strales Richtung beym Ausgange der beym Eingange parallel &longs;ey; hingegen allezeit in Farben zer&longs;treut werde, wenn der ausgehende Stral eine andere Richtung nehme, als er beym Eingange gehabt habe. Weil nun aus dem Objectivgla&longs;e eines Fernrohrs die von entlegnen Punkten einfallenden Stralen &longs;o ausgehen mü&longs;&longs;en, daß &longs;ie nach dem Brennraume zu&longs;ammenlaufen, und al&longs;o ihre Richtung beym Ausgange nie mit ihrer Richtung beym Eingange in das Glas parallel bleiben kan, &longs;o hielt er es für eine ent&longs;chiedene Unmöglichkeit, durch das Objectivglas eines Fernrohrs wei&longs;&longs;es Licht und ungefärbte Bilder zu erhalten. Er zog daher &longs;eine Gedanken von Verbe&longs;&longs;erung der Objectivglä&longs;er gänzlich ab, und verwendete alle &longs;eine Bemühungen blos auf die Spiegeltele&longs;cope.

Bey dem großen An&longs;ehen, in welchem Newtons Behauptungen und Ver&longs;uche &longs;tanden, blieb die Frage von Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey Objectivglä&longs;ern auf achtzig Jahre lang unberührt, bis endlich Euler (Sur la perfection des verres objectifs des lunettes par M. Euler, in den Mém. de l'acad. roy des Sc. de Pru&longs;&longs;e 1747. p. 274.) im Jahre 1747 den Vor&longs;chlag that, die Objectivglä&longs;er zu Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung aus ver&longs;chiedenen Materien zu&longs;ammenzu&longs;etzen, und &longs;tatt eines Gla&longs;es, deren zwey, mit dazwi&longs;chen gefülltem Wa&longs;&longs;er, zu gebrauchen. Die&longs;er Gedanke Eulers gründete &longs;ich theils auf einen von Newton &longs;elb&longs;t in anderer Ab&longs;icht gegebnen Wink, theils auf die Betrachtung der Mittel, deren &longs;ich die Natur bey dem Baue des men&longs;chlichen Auges bedienet hat.

”Schon Newton, &longs;agt Euler, hat vermuthet, ”daß Objectivglä&longs;er aus zwo Lin&longs;en, deren Zwi&longs;chenraum ”mit Wa&longs;&longs;er angefüllt wäre, zur Verbe&longs;&longs;erung der Fern”röhren in Ab&longs;icht auf die Abweichung wegen derGe&longs;talt der Glä&longs;er dienen könnten: aber den Gedan”ken, daß man durch eben die&longs;es Mittel den Raum ver”kleinern könne, durch welchen &longs;ich die Vereinigungspunkte ”der ver&longs;chiedenen Farben&longs;tralen ausbreiten, &longs;cheint er da”bey ganz und gar nicht gehabt zu haben. Mir hingegen ”i&longs;t es &longs;ogleich vom|er&longs;ten Anfange wahr&longs;cheinlich gewe&longs;en, ”daß man durch gewi&longs;&longs;e Zu&longs;ammen&longs;etzungen ver&longs;chiede-ner durch&longs;ichtiger Mittel auch die&longs;em Fehler werde abhel”fen können, und ich bin überzeugt, daß die ver&longs;chie-denen Feuchtigkeiten in un&longs;erm Auge &longs;o geord-net &longs;ind, daß durch die&longs;elben die Ausbreitungund Zer&longs;treuung der Vereinigungspunkte gänz-lich gehoben wird. Dies i&longs;t, &longs;o viel ich glaube, eine ”ganz neue Seite, von welcher der Bau des Auges un&longs;ere ”Bewunderung verdient: denn wäre es nur darauf ange”kommen, Bilder der Gegen&longs;tände im Auge darzu&longs;tellen, ”&longs;o wäre dazu ein einziger durch&longs;ichtiger Körper hinreichend ”gewe&longs;en, wofern er nur die dazu nöthige Ge&longs;talt gehabt ”hätte: &longs;ollte aber das Auge ein vollkommnes Werkzeug ”&longs;eyn, &longs;o mußten mehrere ver&longs;chiedene durch &longs;ichtige Ma”terien dazu gebraucht, und in gehöriger Ge&longs;talt nach den ”Regeln der erhaben&longs;ten Geometrie verbunden werden, da”mit die Deutlichkeit des Bildes nicht durch die ver&longs;chie”dene Brechbarkeit der Stralen ge&longs;tört würde.“ Die&longs;e &longs;charf&longs;innige Bemerkung über die Ab&longs;icht des Schöpfers bey dem Bau des Auges i&longs;t für Eulern höchft rühmlich; inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;ie &longs;chon läng&longs;t vor ihm von David Gregory (Catoptricae et Dioptricae elementa, Oxon. 1697. 8.) gemacht, und als Vor&longs;chlag zur Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre vorgetragen worden; allein man hat &longs;ie damals gleichgültig über&longs;ehen. Euler unter&longs;uchte durch Rechnung, welche Ge&longs;talten und Verhältni&longs;&longs;e &longs;olche aus Glas und Wa&longs;&longs;er zu&longs;ammenge&longs;etzte Objectivglä&longs;er erforderten; aber die nach &longs;einen Rechnungen ange&longs;tellten Proben hatten nicht den gewün&longs;chten Erfolg.

Inzwi&longs;chen erregte Eulers Abhandlung die Aufmerk&longs;amkeit des John Dollond, eines ge&longs;chickten engli&longs;chen Kün&longs;tlers, der die&longs;e Rechnungen &longs;orgfältig durchgieng, aber &longs;ie nothwendig fal&longs;ch finden mußte, weil er &longs;ie nach Newtons Grund&longs;ätzen prüfte. Euler wagte noch nicht, Newtons Ver&longs;uche zweifelhaft zu machen, er begnügte &longs;ich blos im Allgemeinen zu antworten, daß &longs;ich der Bau des Auges gar nicht würde erklären la&longs;&longs;en, wenn man nach Newtons Bey&longs;piele die Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey allen Brechungen durch erhabne Glä&longs;er für unmöglich erklären wollte.

Endlich rückte Herr Klingen&longs;tierna im Jahre 1754. in den &longs;echszehnten Band der &longs;chwedi&longs;chen Abhandlungen eine geometri&longs;che Prüfung des oben angeführten newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs ein (Anmerkung über das Ge&longs;etz der Brechung bey Licht&longs;tralen von ver&longs;chiedener Art, wenn &longs;ie durch ein durch&longs;ichtiges Mittel in ver&longs;chiedene andere gehen, von Samuel Klingen&longs;tierna in den &longs;chwedi&longs;chen Abhdl. 1754. der deut&longs;chen Ueber&longs;. S. 30.), worin er bewieß, daß, wenn die&longs;er Ver&longs;uch eine allgemeine Richtigkeit hätte, daraus nicht einerley be&longs;timmtes Ge&longs;etz der Farbenzer&longs;treuung, &longs;ondern unzählige ver&longs;chiedene Ge&longs;etze folgen würden, die &longs;owohl gegen einander &longs;elb&longs;t, als gegen das von Newton angenommene &longs;tritten; und daß vielmehr das Licht nach dem Durchgange durch ver&longs;chiedene Mittel noch gefärbt &longs;eyn könne, wenn gleich der ausfahrende Stral mit dem einfallenden parallel &longs;ey.

Durch die&longs;e &longs;ehr gründlich ange&longs;tellte Unter&longs;uchung ward Dollond &longs;elb&longs;t bewogen, an der Richtigkeit des newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs zu zweifeln, und zur An&longs;tellung eigner Ver&longs;uche überzugehen. Er küttete daher zwo Glas&longs;cheiben mit den Rändern &longs;o zu&longs;ammen, daß daraus ein prismati&longs;ches Gefäß ent&longs;tand, kehrte de&longs;&longs;en Schärfe niederwärts, &longs;tellte ein glä&longs;ernes Prisma mit der einen Schärfe aufwärts hinein, und füllte den übrigen Raum mit Wa&longs;&longs;er an. Wenn nun der Winkel, den beyde Glas&longs;cheiben mit einander machten, gerade &longs;o groß war, daß ein Gegen&longs;tand, durch die&longs;es doppelte Prisma betrachtet, eben &longs;o hoch, als mit bloßen Augen, er&longs;chien, al&longs;o beyde Brechungen, die durchs Glas, und die durchs Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehene, einander aufhoben, und der ausgehende Stral dem einfallenden parallel war, &longs;o &longs;ollte nach Newtons Grund&longs;ätzen der Gegen&longs;tand in &longs;einer natürlichen Farbe er&longs;cheinen. Allein er er&longs;chien vielmehr eben &longs;o &longs;tark mit prismati&longs;chen Farben umringt, als ob er durch ein einziges glä&longs;ernes Prisma mit einem Winkel von etwa 30° wäre betrachtet worden. Hiebey hat al&longs;o Dollond eine &longs;tarke Färbung ohne Brechung erhalten, und konnte es al&longs;o nicht mehr für unmöglich an&longs;ehen, auch eine Brechung ohne Farben zu bewerk&longs;telligen.

Er erhielt die&longs;e auch wirklich, da er einen Keil von gemeinem Tafelgla&longs;e, de&longs;&longs;en Winkel etwa 9° betrug, eben &longs;o, wie vorhin das glä&longs;erne Prisma, in ein keilförmiges, mit Wa&longs;&longs;er gefülltes Gefäß aus zwey Glas&longs;cheiben &longs;etzte. Denn, wenn er nun den Winkel beyder Glas&longs;cheiben &longs;o lang vergrößerte, bis der betrachtete Gegen&longs;tand ohne fremde Farben er&longs;chien, &longs;o &longs;ahe er den&longs;elben weit von dem Orte verrückt, an welchem er dem bloßen Auge würde er&longs;chienen &longs;eyn. Es war al&longs;o klar, daß die Farbenzer&longs;treuungen einander aufgehoben hatten, obgleich die Brechungen von einander ver&longs;chieden waren; al&longs;o ward Newtons Satz, vermöge de&longs;&longs;en &longs;ich die Farbenzer&longs;treuungen, wie die Brechungen, verhalten &longs;ollten, dadurch hinlänglich widerlegt.

Dollond fieng daher an, zu vermuthen, daß dasjenige, was er hier bey den Brechungen durch Wa&longs;&longs;er und Glas wahrgenommen hatte, auch bey Brechungen durch ver&longs;chiedene Glasarten &longs;tatt finden werde, und nahm &longs;ich daher vor, Prismen von ver&longs;chiedenen Glasarten zu &longs;chleifen und an einander zu legen, um zu &longs;ehen, ob auch hiebey die Brechung in andern Verhältni&longs;&longs;en, als die Farbenzer&longs;treuung, ver&longs;chieden &longs;eyn würde. Sobald er dies im Jahre 1757 vorgenommen hatte, zeigten &longs;ogleich die er&longs;ten Proben, daß die Sache die äußer&longs;te Aufmerk&longs;amkeit verdiene. (An Account of &longs;ome experiments concerning the different refrangibility of light, by Mr. Iohn Dollond, in den Philo&longs;. Transact. Vol. L. Part. II. p. 733.)

Er fand nemlich das Verhältniß der Farbenzer&longs;treuung gegen die Brechungen in einigen Glasarten weit &longs;tärker ver&longs;chieden, als er zu hoffen gewagt hatte. Be&longs;onders war die&longs;er Unter&longs;chied bey zwoen Glasarten &longs;ehr beträchtlich. Das engli&longs;che Kry&longs;tallglas oder Flintglas, eine &longs;ehr helle und weiße Glasart, zer&longs;treute die Farben am &longs;tärk&longs;ten, eine andere mehr grünliche, das Crownglas, am wenig&longs;ten, da doch beyder Brechungen fa&longs;t gleich waren. Die&longs;e Entdeckung &longs;uchte Dollond &longs;ogleich zur Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhren zu nützen. Er fieng an, Objectivglä&longs;er aus die&longs;en beyden Glasarten zu&longs;ammenzu&longs;etzen, welche das Licht ohne Farben brechen &longs;ollten. Damit die beyden mit einander verbundenen Glä&longs;er das Licht nach entgegenge&longs;etzten Seiten zer&longs;treuen möchten, mußte das eine ein erhabnes, das andere ein Hohlglas &longs;eyn; und da die Stralen &longs;ich wirklich in einen Punkt der Axe vereinigen &longs;ollten, &longs;o mußte das erhabne die &longs;tärk&longs;te Brechung verur&longs;achen, und daher aus derjenigen Glasart verfertiget werden, welche bey &longs;tärkerer Brechung dennoch nur eine gleich große Farbenzer&longs;treuung giebt, indem beyder Glä&longs;er Farbenzer&longs;treuungen einander aufheben, und al&longs;o gleich groß &longs;eyn mu&longs;ten. Die&longs;e Betrachtungen zeigten ihm, daß er &longs;eine Objectivglä&longs;er aus einem Hohlgla&longs;e von Flintglas und einem erhabnen von Crownglas zu&longs;ammen&longs;etzen mü&longs;&longs;e. Die&longs;er &longs;ichern Gründe ohngeachtet fand er doch bey der Ausführung &longs;elb&longs;t noch unzählbare Schwierigkeiten, die er endlich durch anhaltende Geduld und ungemeine Ge&longs;chicklichkeit überwand, und &longs;ich im Jahre 1755 im Stande &longs;ahe, Fernröhre mit &longs;o großen Oefnungen, und &longs;o &longs;tarken Vergrößerungen, in Vergleichung mit ihrer Länge, zu verfertigen, daß &longs;ie nach dem Urtheile der be&longs;ten Kenner alles, was man bisher gelei&longs;tet hatte, bey weitem übertrafen.

Der Ruf von die&longs;er Entdeckung und von den neuen Dollondi&longs;chen Fernröhren verbreitete &longs;ich bald unter den Naturfor&longs;chern und Kün&longs;tlern. Weil aber Dollond die Verhältni&longs;&longs;e, nach welchen die Glä&longs;er &longs;einer Objectivlin&longs;en gekrümmt und zu&longs;ammenge&longs;etzt waren, nicht bekannt machte, &longs;o &longs;uchte Clairaut, der &longs;ich &longs;chon vom Anfange des Streits viel mit die&longs;er Sache be&longs;chäftiget hatte, eine voll&longs;tändige, auf einige Ver&longs;uche gegründete, Theorie davon auszuarbeiten, welche man in den Mémoires de l' academie royale des Sc. à Paris von den Jahren 1756 und 1757 findet. Die&longs;e Arbeit hat nachher d' Alembert im dritten und vierten Bande &longs;einer Opu&longs;cules mathematiques, und in den Mém. de l' acad. des Sc. in den Jahren 1764, 1765, 1767 voll&longs;tändiger ausgeführt. Im Jahre 1762 gab die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Petersburg die Preißfrage auf: wie die Unvollkommenheiten der opti&longs;chen Werkzeuge, welche von der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit und der Kugelge&longs;talt herrühren, zu heben &longs;eyen? wobey die Abhandlung des Herrn Klingen&longs;tierna (Tentamen de definiendis et| corrigendis aberrationibus luminis in lentibus &longs;phaericis refracti, et de per&longs;iciendo telo&longs;copio dioptrico. Petrop. 1762. gr. 4.) den Preiß erhielt. Ohngeachtet aber die&longs;e großen Mathematiker fa&longs;t alles er&longs;chöpft hatten, was die Rechnung in die&longs;em Fache lei&longs;ten kann, &longs;o waren doch ihre Arbeiten den Kün&longs;tlern größtentheils unbrauchbar, und die Engländer verfertigten ohne Anwendung die&longs;er Formeln weit be&longs;&longs;ere Fernröhre, als von den Ausländern, &longs;elb&longs;t unter unmittelbarer Auf&longs;icht die&longs;er ge&longs;chickten Rechner, konnten zu Stande gebracht werden.

Euler, welcher zu die&longs;er Entdeckung die er&longs;te Veranla&longs;&longs;ung gegeben hatte, war jetzt gerade derjenige, der &longs;ich am &longs;chwer&longs;ten von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen Ver&longs;uche und Erfindungen überzeugen ließ. Er hatte &longs;chon im Jahre 1747 in den Mém. de l' acad. des Sc. de Pru&longs;&longs;e eine Theorie der Farbenzer&longs;treuungen fe&longs;tge&longs;etzt, mit welcher Dollonds Ver&longs;uche gar nicht überein&longs;timmten. Er &longs;chrieb daher die außerordentlichen Wirkungen der Dollondi&longs;chen Fernröhre, von welchen er durch unwider&longs;prechliche Zeugni&longs;&longs;e überführt ward, blos der Krümmung der Dollondi&longs;chen Glä&longs;er zu, welche durch einen glücklichen Zufall &longs;o ausgefallen &longs;ey, daß &longs;ie eben die&longs;elbe Wirkung thun würden, wenn &longs;ie auch nur aus einerley Glasart be&longs;tünden. Endlich aber ward er durch die Ver&longs;icherungen, die ihm Clairaut von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen Ver&longs;uche gab, bewogen, &longs;eine Theorie aufzugeben, und fieng nunmehr &longs;elb&longs;t an, die Dollondi&longs;che Erfindung durch eigne Berechnungen aufzuklären, und Vor&longs;chläge zum Gebrauch in der Ausübung anzugeben. Aus &longs;einen vielen akademi&longs;chen Abhandlungen hierüber i&longs;t &longs;eine Dioptrik (Leonh. Euleri Dioptrica, Petrop. et Lip&longs;. 1771. To. II. gr. 4.) ent&longs;tanden, aus welcher Herr Fuß in Petersburg zum Gebrauch der Kün&longs;tler einen Auszug von Vor&longs;chlägen zu achromati&longs;chen Fernröhen in franzö&longs;i&longs;cher Sprache herausgegeben hat. (Nik. Fuß um&longs;tändliche Anwei&longs;ung, wie alle Arten von Fernröhren in der größten möglichen Vollkommenheit zu verfertigen &longs;ind; aus dem Franz. von G. S. Klügel. Leipzig, 1778. 4.)

Im Jahre 1758 trieb Dollond die Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch höher, indem er &longs;eine Objectivlin&longs;en aus drey Glä&longs;ern zu&longs;ammenzu&longs;etzen anfieng. Sein Sohn Peter Dollond hat nachher die&longs;e dreyfachen Objectivglä&longs;er in noch größerer Vollkommenheit verfertiget. Sie be&longs;tehen aus zween erhabnen Lin&longs;en von Crownglas und einer dazwi&longs;chen &longs;tehenden hohlen von Flintglas, &longs;. Taf. I. Fig. 7. Sie werden zu galiläi&longs;chen Fernröhren mit einem hohlen, zu a&longs;tronomi&longs;chen mit zwoen, und zu Erdfernröhren mit noch mehrern erhabnen Augenglä&longs;ern verbunden. Ich will hier aus der angeführten Schrift des Herrn Fuß die Abme&longs;&longs;ung dreyer achromati&longs;chen a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre mittheilen, welche bey geringer Länge dennoch ungemein &longs;tarke Vergrößerungen mit gehöriger Deutlichkeit geben. Vergrößerung im Durchme&longs;&longs;er2560320I. Brennweite des Objectivgla&longs;es6,251580Durchme&longs;&longs;er der Apertur -1,002,4012,80Der er&longs;ten convexen Lin&longs;e von Crownglas Brennweite2,786,6835,64Halbme&longs;&longs;er der Vorderfläche5,3212,7068,04- - der Hinterfläche2,044,9026,14Ab&longs;tand der Mitte die&longs;er Lin&longs;e von der Mitte der zweyten0,140,341,81Der zweyten auf beyden Sei- ten gleich viel vertieften Lin&longs;e von Flintglas Brennweite1,704,0821,73Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Flächen1,974,7325,22Ab&longs;tand ihrer Mitte von der Mitte der dritten Lin&longs;e -0,140,341,81Der dritten auf beyden Seiten gleich viel erhabnen Lin&longs;e von Crownglas Brennweite2,756,6135,23Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Flächen2,927,0037,35II. Ab&longs;tand des Objectivs vom er&longs;ten Ocular - -.6,0014,7579,74III. Des er&longs;ten Oculars von Crownglas Brennweite -0,470,490,51Halbme&longs;&longs;er jeder der beyden Flächen - -0,500,520,54IV. Ab&longs;tand des er&longs;ten Oculars vom zweyten -0,330,340,34V. Des zweyten Oculars von Crownglas Brennweite -0,170,170,17Halbm. jeder der beyden Flächen0,180,180,18VI. Entfernung des Auges vom letzten Ocular - -0,090,090,09VII. Durchme&longs;&longs;er des Ge&longs;ichts- feldes -2°13′56 1/2′10 2/3′VIII. Länge des Fernrohrs6,8416,2085,60

Nimmt man hiebey 1 Zoll für die Einheit an, &longs;o kan durch ein &longs;ieben Fuß langes Fernrohr eine 320 fache Vergrößerung im Durchme&longs;&longs;er erhalten werden, wozu &longs;on&longs;t, ohne Gebrauch eines achromati&longs;chen Objectivgla&longs;es, eine Länge von 200 Fuß nöthig gewe&longs;en wäre, welche das Fernrohr ganz unbrauchbar würde gemacht haben. Sollte man ja bey einer &longs;o kleinen Einheit, als 1 Zoll i&longs;t, die bis auf Hunderttheile vorge&longs;chriebne Genauigkeit der Maaße zu verfehlen fürchten, &longs;o wird man, durch Annehmung einer Einheit von 2 Zollen, noch immer die 320 fache Vergrö&longs;&longs;erung bey einer Länge von 14 Fuß, und die 60 fache bey einer von 3 Fuß erhalten können.

Man kan die dreyfachen Objectivglä&longs;er, welche weit mehr, als die doppelten, lei&longs;ten, leicht von den letztern unter&longs;cheiden, wenn man ihnen ein Licht vorhält, de&longs;&longs;en Flamme &longs;ich in jeder Glasfläche &longs;piegelt, und al&longs;o bey dem dreyfachen Objectivgla&longs;e &longs;echsfach, bey dem doppelten nur vierfach er&longs;cheint. Unter die&longs;en Bildern der Lichtflamme &longs;ind beym dreyfachen Objectivgla&longs;e drey umgekehrte, weil die Flächen 2, 3, 6, Taf. I. Fig. 7. gegen das vor 1 gehaltene Licht zu hohl &longs;ind; die übrigen drey Bilder er&longs;cheinen aufrecht.

Die engli&longs;chen Kün&longs;tler, vorzüglich beyde Dollonds, Ramsden, Pyefinch u. a. haben &longs;olche achromati&longs;che Fernröhre &longs;eit ihrer Erfindung jederzeit in gro&longs;&longs;er Vollkommenheit verfertiget, ob &longs;ie &longs;ich gleich dabey mehr auf Proben und Ver&longs;uche (tâtonnement) verla&longs;&longs;en, als etwa die von Clairaut, d' Alembert und Euler angegebnen Formeln und Berechnungen gebraucht haben. Herr Bernoulli (Lettres a&longs;tronomiques. Berlin 1771. 8. lettre 5.) meldet, ihm &longs;ey von glaubwürdigen Per&longs;onen ver&longs;ichert worden, daß der jüngere Dollond eine große Menge Lin&longs;en von beyderley. Glasarten auf Gerathewohl zu &longs;chleifen, und &longs;o lang ver&longs;chiedentlich zu combiniren pflege, bis er eine Zu&longs;ammen&longs;etzung finde, die im verfin&longs;terten Zimmer ein &longs;charf begrenztes farbenlo&longs;es Bild gebe; ja Dollond habe ihm &longs;elb&longs;t ge&longs;agt, daß er fa&longs;t alles durch prakti&longs;che Vortheile und durchs Probiren ausrichte. Die Ur&longs;ache, warum man mit der Theorie allein nicht weit komme, &longs;ey der er&longs;taunliche Unter&longs;chied unter den Glasma&longs;&longs;en. Man pflege in den engli&longs;chen Glashütten das Glas in hohle Cylinder zu rollen, aus welchen die da&longs;igen Optiker, denen man dies erlaube, &longs;ich leicht die be&longs;ten aus&longs;uchen könnten: hernach aber &longs;chmelze man die übrigen Cylinder in ganze Ma&longs;&longs;en mit unebnen Oberflächen zu&longs;ammen, an welchen kein Men&longs;ch &longs;ehen könne, ob das Glas Bla&longs;en oder Streifen habe oder nicht. Auswärtige Kün&longs;tler könnten das Glas fa&longs;t nie anders, als in der letzten Ge&longs;talt, erhalten, und bekämen es daher mei&longs;tentheils &longs;o &longs;chlecht, als möglich. Aehnliche Klagen findet man in Macquer's chymi&longs;chem Wörterbuche unter dem Artikel: Vergla&longs;ung. Nach Herrn Kä&longs;tners Anführen (Anfangsgr. der angewandten Mathematik, dritte Auflage. Göttingen, 1780. Dioptrik. S. 314.) klagen &longs;ogar die engli&longs;chen Kün&longs;tler, daß das Flintglas in England &longs;elb&longs;t &longs;chon lange nicht mehr in der vorigen Vollkommenheit verfertiget werde.

Man hat über die Be&longs;tandtheile der oft angeführten beyden Glasarten, des Flintgla&longs;es und Crowngla&longs;es, Unter&longs;uchungen ange&longs;tellt, und Compo&longs;itionen von gleicher Wirkung ausfindig zu machen ge&longs;ucht. Johann Ern&longs;t Zeiher, nachmaliger Profe&longs;&longs;or der Mathematik zu Wittenberg, entdeckte noch während &longs;eines Aufenthalts in Rußland, daß die Farbenzer&longs;treuung der Glasarten &longs;tärker werde, wenn man viel Bleykalch zu der Zu&longs;ammen&longs;etzung der&longs;elben nehme (&longs;. &longs;eine Abhdl. von denjenigen Glasarten, welche eine ver&longs;chiedene Kraft, die Farben zu zer&longs;treuen, be&longs;itzen. Petersburg 1763. 4.), ingleichen, daß ein Zu&longs;atz von Laugen&longs;alzen zu einem Gemenge von Bleykalch und Kie&longs;el die Brechungskraft des Gla&longs;es vermindere, ohne die Farbenzer&longs;treuung im Gering&longs;ten zu ändern. Er verfertigte auf die&longs;e Art ein Glas, welches das engli&longs;che Flintglas in Ab&longs;icht die&longs;er Wirkungen zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch weit übertreffen &longs;ollte, weil es das Licht dreymal &longs;o &longs;tark, als das gemeine Glas, zer&longs;treute, da doch das Verhältniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintgla&longs;e betrug. Inzwi&longs;chen haben die&longs;e an &longs;ich merkwürdige Entdeckungen den Kün&longs;tlern wenig Vortheile ver&longs;chaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, &longs;olche ungewöhnliche Glascompo&longs;itionen nach den gehörigen Verhältni&longs;&longs;en auf den Glashütten zu erhalten, theils weil die Haupt&longs;ache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankömmt, welche dergleichen aus Materien von &longs;ehr ver&longs;chiedener Dichte zu&longs;ammenge&longs;etzte Glasarten noch weit häufiger, als das gewöhnliche Glas, annehmen. Man &longs;. hievon den Artikel: Flintglas. Statt des Crowngla&longs;es haben die Kün&longs;tler, welche außerhalb Englands achromati&longs;che Fernröhre verfertiget haben, ihre einheimi&longs;chen Glasarten gebrauchen können; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den größten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondi&longs;che Erfindung im er&longs;ten Anfange zu ver&longs;prechen &longs;chien.

Wie groß übrigens &longs;chon diejenigen Vortheile &longs;ind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn le Gentil (Mém. de l' acad. des Sc. de Paris. 1755. p. 462.) vergrößerte &longs;ein Fernrohr von 18 pari&longs;er Fuß Länge 63mal, und da &longs;ich &longs;on&longs;t die Längen, wie die Quadratzahlen der Vergrößerung, verhalten mußten, &longs;o würde eine 126 fache Vergrößerung 72 Fuß Länge erfordert haben. Das achromati&longs;che Fernrohr des Herrn Me&longs;&longs;ier hingegen (Mém. de l' acad. des Sc. 1775. p. 213.) vergrößerte 120mal bey einer Länge von 40 Zollen, d. h. es that fa&longs;t gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich über 21 mal kürzer war. Man kan nemlich durch achromati&longs;che Fernröhre bey einer &longs;ehr geringen Länge dennoch weit beträchtlichere Vergrößerungen, ohne Schaden der Deutlichkeit erhalten; und obgleich die Spiegeltele&longs;cope eben die&longs;es auch lei&longs;ten, &longs;o behalten doch die Fernröhre den Vorzug, daß &longs;ie die Gegen&longs;tände lebhafter dar&longs;tellen, auch wohlfeiler und von unwandelbarerer Dauer &longs;ind.

Prie&longs;tley Ge&longs;chichte und gegenwärtiger Zu&longs;tand der Optik, durch G. S. Klügel. S. 339. u. f. I. E. Zeiher programmata II. de novis dioptricae augmentis. Viteb. 1768 et 1773. 4.

Adhä&longs;ion, Anhängen, Adhae&longs;io, Adhé&longs;ion, Adhérence.

Die&longs;er Name wird dem allgemeinen Phänomen der Attraction in dem be&longs;ondern Falle beygelegt, wenn zween ver&longs;chiedene Körper bey ihrer Berührung mit einander, oder bey &longs;ehr geringer Entfernung von einander, &longs;o verbunden werden, daß eine äußere Kraft nöthig i&longs;t, um &longs;ie wieder zu trennen. Haupt&longs;ächlich wird die&longs;er Name gebraucht, wenn von gedachten Körpern der eine flüßig, der andere fe&longs;t i&longs;t, und man &longs;agt alsdann, daß &longs;ich der flüßige an den fe&longs;ten anhänge.

So hängt &longs;ich das Wa&longs;&longs;er an den darein getauchten Finger oder an eine Glasröhre an: es bleibt nach dem Herausziehen etwas Wa&longs;&longs;er an dem eingetauchten Körper hängen. Man &longs;agt im gemeinen Leben, der Finger oder das Glas werde naß oder benetzt; und das anhängende Wa&longs;&longs;er geht nicht herab, bis es durch eine äußere Kraft, durch Abreiben, durch die Wirkung der Wärme u. dgl. hinweggenommen, d. i. bis der benetzte Körper durch irgend eine äußere Einwirkung getrocknet wird. Alle dergleichen Benetzungen fe&longs;ter Körper mit flüßigen &longs;ind Bey&longs;piele der Adhä&longs;ion bey einer wirklich vorgegangenen Berührung.

Das Wa&longs;&longs;er und andere Flüßigkeiten ziehen &longs;ich aber auch in Schwämmen, Lö&longs;chpapier u. dgl., die man nur zum Theil eintaugt, nach und nach in die Höhe. Dies &longs;ind Bey&longs;piele einer Adhä&longs;ion oder eines Anziehens, das auch in einiger, wiewohl &longs;ehr geringer, Entfernung &longs;chon wirk&longs;am i&longs;t.

Nothwendig mü&longs;&longs;en die Theilchen einer flüßigen Materie, welche &longs;ich an einen fe&longs;ten Körper anhängen, von die&longs;es Körpers Oberfläche &longs;tärker angezogen werden, als &longs;ie unter &longs;ich &longs;elb&longs;t zu&longs;ammenhängen. Denn die anhängenden Theile rei&longs;&longs;en &longs;ich ja von den übrigen los, um an dem Körper zu bleiben, oder &longs;ich an ihn zu hängen. Wenn daher die Wirkungen des Anhängens nicht erfolgen, &longs;o kann man &longs;chließen, daß die Theile der flüßigen Materie unter &longs;ich &longs;elb&longs;t &longs;tärker zu&longs;ammenhängen, als &longs;ie von dem fe&longs;ten Körper angezogen werden. So muß der Zu&longs;ammenhang der Theile des Queck&longs;ilbers unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;tärker als ihr Anhängen an die Epidermis oder an das Glas &longs;eyn; denn der Finger oder die Glasröhre werden vom Queck&longs;ilber nicht benetzt, &longs;ondern trocken herausgezogen.

Queck&longs;ilber benetzt Bley, Gold, Silber und andere Metalle, da es hingegen Ei&longs;en, Glas rc. trocken läßt. Wa&longs;&longs;er hängt &longs;ich an die mei&longs;ten Körper, nur dann nicht, wenn ihre Oberflächen mit Oel und andern fetten Materien, mit Bärlapp oder Hexenmehl (&longs;emen lycopodii) rc. bedeckt &longs;ind. Schon die&longs;e wenigen Bey&longs;piele zeigen, daß &longs;ich ver&longs;chiedene Materien mit ver&longs;chiedener Stärke anziehen, und daß das Anhängen bisweilen &longs;tärker, bisweilen &longs;chwächer, als der Zu&longs;ammenhang der Theile flüßiger Körper unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;ey. Einige Naturfor&longs;cher haben hierüber das allgemeine Ge&longs;etz annehmen wollen, daß flüßige Ma&longs;&longs;en mit &longs;pecifi&longs;ch &longs;chwereren fe&longs;ten Ma&longs;&longs;en &longs;tärker, mit &longs;pecifi&longs;ch leichtern hingegen &longs;chwächer, als unter &longs;ich, zu&longs;ammenhängen. Die&longs;e Behauptung wird zwar dadurch wahr&longs;cheinlich, daß &longs;chwere Flüßigkeiten, wie Queck&longs;ilber, &longs;ich nur an wenige, und an die &longs;chwer&longs;ten fe&longs;ten Körper, leichte hingegen, wie Wa&longs;&longs;er, &longs;ich fa&longs;t an alle fe&longs;te Körper, hängen. Es i&longs;t aber die Allgemeinheit des Satzes bey weitem noch nicht erwie&longs;en, und die Erfahrung &longs;timmt nicht allezeit mit ihm überein: wenn man auch gleich die nöthige Ein&longs;chränkung beyfügt, daß man ihn nicht von der &longs;pecifi&longs;chen Schwere der ganzen Zu&longs;ammen&longs;etzung, &longs;ondern von der Schwere der einzelnen Theile der Körper ver&longs;tehen mü&longs;&longs;e. Die einzelnen Theile eines Körpers nemlich können &longs;pecifi&longs;ch &longs;chwerer als Wa&longs;&longs;er &longs;eyn, wenn gleich der ganze Körper in &longs;einer Zu&longs;ammen&longs;etzung &longs;pecifi&longs;ch leichter, als da&longs;&longs;elbe, i&longs;t.

Die Ur&longs;ache der Adhä&longs;ion i&longs;t wohl ein für uns unerfor&longs;chliches Geheimniß; ich beziehe mich hierüber gänzlich auf dasjenige, was unter dem Artikel Attraction hievon ge&longs;agt wird, und begnüge mich, dasjenige, was hier mit dem Namen Adhä&longs;ion bezeichnet wird, als ein unläugbares, durch unzählige Erfahrungen bewie&longs;enes, Phänomen anzu&longs;ehen.

Die Wirkungen der Adhä&longs;ion &longs;ind &longs;ehr zahlreich. Außer dem Benetzen oder Naßwerden eingetauchter Körper, gehören dabin noch folgende Phänomene.

Flüßige Körper nehmen in Gefäßen aus &longs;olchen Materien, welche von ihnen benetzt werden, keine vollkommen horizontale Oberfläche an; &longs;ie &longs;teigen vielmehr um den Rand der Gefäße herum etwas in die Höhe. In Gefä&longs;&longs;en hingegen, welche nicht von ihnen benetzt werden, &longs;tehen &longs;ie am Rande etwas tiefer, als in der Mitte. So hat Wa&longs;&longs;er im glä&longs;ernen Gefäße eine Oberfläche, die in der Mitte vertieft, und ringsumher am Rande des Gla&longs;es aufwärts gekrümmt i&longs;t: Queck&longs;ilber im Gla&longs;e hingegen zeigt eine in der Mitte erhabne und ringsumher am Rande unterwärts gekrümmte Oberfläche. Leicht auf dem Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmende Körper bewegen &longs;ich dahin, wo des Wa&longs;&longs;ers Oberfläche am höch&longs;ten &longs;teht; daher &longs;cheinen &longs;ie von dem Rande der Gefäße angezogen zu werden.

Tropfen einer flüßigen Materie zerfließen auf den Oberflächen &longs;olcher Körper, welche die&longs;e flüßige Materie benetzt; &longs;ie behalten hingegen ihre Kugelge&longs;talt (welche nur durch das Gewicht der obern Theile des Tropfens ein wenig platt gedrückt wird) auf &longs;olchen Körpern, welche von ihnen nicht benetzt werden. So zerfließt Wa&longs;&longs;er auf Glas, Queck&longs;ilber auf Bley; eine platte Kugelge&longs;talt aber behält das er&longs;tere auf Hexenmehle, auf polirten Metallflächen, auf den Blättern vieler Gewäch&longs;e (daher die Thautropfen ent&longs;tehen), auf fetten Flächen, das letztere auf Gla&longs;e und den mei&longs;ten Körpern überhaupt.

Wa&longs;&longs;er aus einem glä&longs;ernen Gefäße gego&longs;&longs;en, läuft leicht am äußern Rande des Gefäßes herunter, be&longs;onders, wenn man lang&longs;am gießt, oder wenn das Gefäß &longs;ehr voll i&longs;t. Ein ausge&longs;chweifter Rand oder ge&longs;chneutzter Ausguß verhindert dies, weil er dem auslaufenden Wa&longs;&longs;er eine Richtung giebt, die es bey ge&longs;chwindem Gießen &longs;chnell vom Gla&longs;e abführt. Queck&longs;ilber hingegen läuft nie am Gla&longs;e, wohl aber an metallenen Gefäßen herab.

Ein Wa&longs;&longs;ertropfen, der an einem &longs;chief gehaltenen Gla&longs;e auswendig herabrinnt, nimmt eine unregelmäßige Ge&longs;talt an, welche den Streit zwi&longs;chen dem Gewichte, dem Zu&longs;ammenhange und dem Anhängen &longs;einer Theile an das Glas &longs;ehr deutlich zeigt.

Auch beym Durchfließen einer flüßigen Materie durch die engen Zwi&longs;chenräume der Leinwand, des Lö&longs;chpapiers u. dgl. muß die&longs;e Anziehung zwi&longs;chen den Theilen beyder Körper das ihrige beytragen. So kan man Qucke&longs;ilber in einem Beutel von Leinwand oder gar von Flor tragen, ohne daß es durchfließt, da doch das viel leichtere Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich durchfließen würde. Durch das weit dichtere Leder läßt &longs;ich Qeuck&longs;ilber mit mäßiger Kraft durchdrücken.

In &longs;ehr engen Röhren ent&longs;tehen aus dem Anhängen der flüßigen Materien Wirkungen, welche be&longs;onders betrachtet zu werden verdienen. &longs;. Haarröhren.

Auch die Luft hängt &longs;ich an die mei&longs;ten fe&longs;ten Körper, und es ko&longs;tet in &longs;olchen Fällen, wo &longs;ie hinderlich fällt, z. B. bey der Verfertigung der Barometer, nicht wenig Mühe, die Glasröhren ganz von der an ihnen anhängenden Luft zu befreyen.

Erxleben Anfangsgr. der Naturlehre. Sech&longs;ter Ab&longs;chnitt. §. 180. u. f.

Aeolipile, &longs;. Windkugel.

Aequator, Gleicher Aequinoctialkreis, Aequator, Circulus aequinoctialis, Equateur.

heißt am Himmel derjenige größte Kreis der Sphäre, welcher von den Weltpolen überall um 90 Grad entfernt i&longs;t, de&longs;&longs;en Pole al&longs;o die Weltpole &longs;elb&longs;t &longs;ind, &longs;o wie &longs;eine Axe die Weltaxe &longs;elb&longs;t i&longs;t. Es &longs;tehen daher alle durch die Weltpole gehende Krei&longs;e (Mittagskreis, Abweichungskrei&longs;e, Stundenkrei&longs;e) auf ihm &longs;enkrecht, und alle größte Krei&longs;e der Sphäre, z. B. Horizont, Ekliptik u. &longs;. w. &longs;chneiden &longs;ich mit ihm unter gleichen Helften. Die tägliche Bewegung der Ge&longs;tirne um die Pole ge&longs;chieht nach der Richtung die&longs;es Krei&longs;es, d. i. jedes Ge&longs;tirn be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator parallel laufenden Tagkreis.

Der Aequator theilt die ganze Himmelskugel in zwo gleiche Helften, die nördliche und &longs;üdliche Halbkugel (Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale) ein.

Von &longs;einen beyden Durch&longs;chnittspunkten mit dem Horizonte fällt dem gegen Mittag gekehrten Zu&longs;chauer der eine, der Morgenpunkt, zur Linken, der andere, der Abendpunkt, zur Rechten. Jederzeit und an allen Orten der Erde i&longs;t die eine Helfte des Aequators über, die andere unter dem Horizonte. Wenn al&longs;o die Sonne in die&longs;en Kreis tritt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und Nacht gleich; hievon &longs;ind &longs;eine Benennungen herzuleiten.

Seine beyden Durch&longs;chnittspunkte mit der Ekliptik oder jährlichen Sonnenbahn, heißen eben daher die Punkte der Nachtgleichen, und insbe&longs;ondere derjenige, in welchen die Sonne jährlich um den 21 März tritt, der Frühlingspunkt, der andere, welchen die Sonne jährlich um den 21 Sept. erreicht, der Herb&longs;tpunkt.

Der Aequator i&longs;t für die Sternkunde von der größten Wichtigkeit. Schon in den älte&longs;ten Zeiten hat man ihn gebraucht, um die Lagen der Ge&longs;tirne gegen ihn zu be&longs;timmen. In die&longs;er Ab&longs;icht theilt man ihn jetzt, wie jeden andern Kreis, in 360 Grade, und die&longs;e ferner in Minuten, Secunden u. &longs;. f. Man fängt die&longs;e Theile vom Frühlingspunkte (der daher des Aequators Anfangspunkt i&longs;t) morgenwärts zu zählen an. Nach &longs;olchen Graden und ihren Theilen werden die geraden Auf&longs;teigungen der Ge&longs;tirne angegeben, &longs;. Auf&longs;teigung, gerade.

Auch bedient man &longs;ich die&longs;es Krei&longs;es &longs;ehr vortheilhaft zum Maaße der Zeit. Da die tägliche Bewegung mit vollkommen gleichförmiger Ge&longs;chwindigkeit erfolgt, &longs;o &longs;chieben &longs;ich in gleichen Zeiten gleich große Bogen des Aequators durch den Mittagskreis. Da nun alle 360° zu die&longs;em Durch&longs;chieben 24 Stunden brauchen, &longs;o gehen 15° des Aequators in 1 Stunde, 1° in (1/15) Stunde oder in 4 Minuten, 1′ des Aequators in 4 Secunden u. &longs;. f. hindurch. Sind al&longs;o z.B. in der Zwi&longs;chenzeit zwi&longs;chen zween Augenblicken 4 Grade des Aequators durch den Mittagskreis gegangen, &longs;o &longs;chließt man nach der Regel de Tri 1 Grad: 4 Min. Zeit = 4 Grad: 16 Min. Zeit, und findet die&longs;e Zwi&longs;chenzeit 16 Minuten. Die auf die&longs;e Art be&longs;timmte Zeit i&longs;t Sternzeit oder Zeit der er&longs;ten Bewegüng, &longs;. Sternzeit. Umgekehrt kan man auch leicht berechnen, wie viel Grade, Minuten u. &longs;. w. des Aequators in jeder gegebnen Zeit durch den Mittagskreis gehen. Man nennt die&longs;es: Sternzeit in Bogen des Aequators, und Bogen des Aequators in Sternzeit verwandeln. Da das Verhältniß der Sternzeit zur mittlern Sonnenzeit gegeben i&longs;t, &longs;. Sonnenzeit, &longs;o läßt &longs;ich auch für mittlere Sonnenzeit die&longs;e Verwandlung leicht bewerk&longs;telligen. Die Sammlungen a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln enthalten Tabellen, welche zur Erleichterung &longs;olcher Verwandlungen dienen.

Aequator der Erde, die Linie, Aequinoctiallinie, Aequator telluris, Linea aequinoctialis, Equateur de la terre, la Ligne, Ligne équinoxiale, heißt auf der Erdkugel derjenige größte Kreis, welcher von den Polen der Erde überall 90° weit ab&longs;teht, mithin die Pole der Erde &longs;elb&longs;t zu &longs;einen Polen, und die Erdaxe zu &longs;einer Axe hat. Alle Mittagskrei&longs;e &longs;tehen, weil &longs;ie durch die Pole gehen, auf ihm &longs;enkrecht. Die tägliche Umdrehung der Erde um ihre Axe erfolgt nach &longs;einer Richtung, d. i. jeder Ort der Erde be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator parallel laufenden Kreis von Abend gegen Morgen.

Auf der Erdfläche durch&longs;chneidet die&longs;er Kreis Afrika, geht unter A&longs;ien hinweg durch die In&longs;eln Sumatra, Borneo, Celebes und Gilolo, er&longs;treckt &longs;ich hierauf weit durch die Süd&longs;ee, erreicht und durch&longs;chneidet Amerika in der &longs;üdlichen Helfte an der Grenze von Terraferma, und läuft dann durch das große Weltmeer wieder bis an Afrika. Alle Orte, die er durch&longs;chneidet, haben den Aequator des Himmels über ihrem Scheitel, und &longs;ehen daher die Sonne jährlich zweymal (um den 21 März und 21 Sept.) im Mittage über ihrem Haupte &longs;tehen. Auch i&longs;t bey ihnen das ganze Jahr hindurch Tag und Nacht gleich, &longs;. Sphäre, welcher Um&longs;tand die Benennung die&longs;es Krei&longs;es veranla&longs;&longs;et hat. Den Namen der Linie pflegen ihm die Schiffer zu geben.

Er theilt die Erde in die nördliche und &longs;üdliche Halbkugel (Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale) ein.

Die Geographen zählen von ihm aus die Breiten der Orte, &longs;. Breite, geographi&longs;che, theilen ihn, wie jeden Kreis, in 360 Grade, und geben in &longs;olchen Graden die Unter&longs;chiede oder Ab&longs;tände der Mittagskrei&longs;e von einander an, &longs;. Mittagskrei&longs;e der Erde. Will man die Grade des Aequators der Erde von einem be&longs;timmten Anfangspunkte aus zählen, &longs;o i&longs;t die Wahl die&longs;es Punktes willkührlich, daher ihn ver&longs;chiedene Geographen an ver&longs;chiedene Orte &longs;etzen. I&longs;t aber die&longs;er Punkt gewählt, &longs;o heißt der durch ihn und beyde Pole gehende Kreis der er&longs;te Mittagskreis, und man zählt alsdann von dem&longs;elben aus die Grade des Aequators von Abend gegen Morgen.

Aequatorhöhe, Elevatio aequatoris, Hauteur meridienne de l' équateur.

So heißt der Bogen, um welchen der im Mittagskrei&longs;e &longs;tehende Punkt des Aequators über den Horizont erhaben i&longs;t. Wenn Taf. I. Fig. 5. HOR den Horizont des Orts, P, p die bey den Pole, PAHpRP den Mittagskreis, AOQ den Aequator vor&longs;tellt, &longs;o i&longs;t der Bogen AH die Aequatorhöhe. Die&longs;er Bogen mißt nach den Sätzen der Sphärik den Winkel, welchen die Ebne des Aequators mit der Horizontalebne macht, oder den Winkel AOH, unter welchem der Aequator über den Horizont hervor&longs;teigt. Weil HAPR=HA+AP+PR=180°AP=90°&longs;o i&longs;t HA+PR=90°
oder die Aequatorhöhe macht mit der Polhöhe des Orts jederzeit eine Summe von 90° aus. Kennt man daher die Polhöhe eines Orts, &longs;. Polhöhe, &longs;o giebt &longs;ie, von 90° abgezogen, de&longs;&longs;elben Orts Aequatorhöhe. Z. B. 90°=89°59′60″Polhöhe von Leipzig=511941Aequatorhöhe in Leipzig=384019

Aequinoctialkreis, &longs;. Aequator.

Aequinoctiallinie, &longs;. Aequator der Erde.

Aequinoctialpunkte, Punkte der Nachtgleichen, Puncta aequinoctiorum, points équinoxiaux, &longs;ind die beyden Durch&longs;chnittspunkte des Aequators mit der Ekliptik oder jährlichen Sonnenbahn, welche, wie alle Durch&longs;chnittspunkte zweener größten Krei&longs;e, einander dem Durchme&longs;&longs;er nach entgegen&longs;tehen, oder um 180° von einander entfernt &longs;ind. Wenn die Sonne bey ihrem &longs;cheinbaren jährlichen Umlaufe die&longs;e Punkte erreicht, und al&longs;o in den Aequator kömmt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und Nacht gleich, &longs;. Aequator, woher auch der Name die&longs;er Punkte kömmt. Derjenige, welchen die Sonne um den 21 März erreicht, wird der Frühlingspunkt, oder der er&longs;te Punkt des Widders (0°

), der, in welchen &longs;ie um den 21 Sept. tritt, der Herb&longs;tpunkt, der er&longs;te Punkt der Wage (0°
) genennt. &longs;. Frühlingspunkt, Herb&longs;tpunkt.

Aequinoctium, &longs;. Nachtgleiche.

Aerometrie, Aërometrie, Aërometrie.

So hei&longs;t die mathemati&longs;che Betrachtung der Eigen&longs;chaften der Luft, z. B. ihrer Schwere, Ela&longs;ticität, Temperatur, Feuchtigkeit u. &longs;. w. Der Freyherr von Wolf hat zuer&longs;t ver&longs;chiedene &longs;chon vor ihm ange&longs;tellte mathemati&longs;che Unter&longs;uchungen über die Eigen&longs;chaften der Luft, neb&longs;t &longs;einen eignen, ge&longs;ammelt, und im Jahre 1709 zu Leipzig unter dem Titel: Elementa Aërometriae, herausgegeben. Seitdem i&longs;t es gewöhnlich geworden, die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft als einen be&longs;ondern Theil der angewandten Mathematik anzu&longs;ehen, und man hat ihr nach der Zeit mehrere wichtige Erweiterungen und Zu&longs;ätze beygefügt. Denn

1) &longs;ind die Werkzeuge, wodurch &longs;ich die Eigen&longs;chaften der Luft wahrnehmen und zum Theil abme&longs;&longs;en la&longs;&longs;en, &longs;eit des Herrn v. Wolf Zeiten ungemein verbe&longs;&longs;ert worden, wovon man die Artikel: Luftpumpe, Barometer, Thermometer, Hygrometer u. a. nach&longs;ehen kan.

2) i&longs;t die Theorie der Höhenme&longs;&longs;ungen mit dem Barometer &longs;eitdem weit mehr bearbeitet und berichtiget worden, &longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen; barometri&longs;che.

3) hat man in neuern Zeiten außer der atmo&longs;phäri&longs;chen Luft viele andere ela&longs;ti&longs;che flüßige Materien kennen gelernt, die in Ab&longs;icht auf Druck, Ela&longs;ticität u. &longs;. f. auf ähnliche Art wirken. &longs;. Gas. Daher la&longs;&longs;en &longs;ich jetzt die Unter&longs;uchungen der Aerometrie auf alle ela&longs;ti&longs;che flüßige Materien überhaupt anwenden, und man muß unter dem Namen der Luft oft alle die&longs;e Luftgattungen oder Gasarten ver&longs;tehen, &longs;o wie in der Hydro&longs;tatik, Hydraulik rc. der Name Wa&longs;&longs;er alle flüßige Materien bedeutet.

4) Die ganz neue Erfindung der Aero&longs;taten oder Luftbälle, wovon der näch&longs;tfolgende Artikel mehrere Nachricht giebt, hat einen neuen Ab&longs;chnitt der Aerometrie veranla&longs;&longs;et, welchem man den Namen der Aero&longs;tatik beygelegt hat. Die&longs;er Name i&longs;t zwar nicht ganz &longs;chicklich, da Aero&longs;tatik eigentlich die Lehre vom Gleichgewicht der Luft mit &longs;ich &longs;elb&longs;t und mit fremden Körpern bedeutet; er &longs;cheint aber bereits angenommen zu &longs;eyn. &longs;. Aero&longs;tatik.

5) Da die vom Herrn von Wolf ge&longs;ammelten Unter&longs;uchungen größtentheils blos &longs;tati&longs;ch waren, oder den Zu&longs;tand des Gleichgewichts betrafen, &longs;o hat man &longs;eitdem auch die Bewegung ela&longs;ti&longs;cher flüßigen Materien in Betrachtung gezogen, und den Unter&longs;uchungen darüber den Namen der Pnevmatik gegeben. So, wie Anwendungen der höhern Mathematik auf die Lehre von Druck und Bewegung fe&longs;ter und flüßiger Körper die Namen der Dynamik und Hydrodynamik führen, &longs;o könnte man den aerometri&longs;chen und pnevmati&longs;chen Unter&longs;uchungen, welche Anwendungen der höhern Mathematik erfordern, den Namen der Aerodynamik beylegen. &longs;. Pnevmatik.

Aero&longs;tat, aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Montgolfiere, Luftball, Machina aëro&longs;tatica, Aëro&longs;tat, Machine ou Ballon aëro&longs;tatique, Montgolfiere.

Eine Ma&longs;chine, welche in der uns umgebenden Luft von &longs;elb&longs;t auf&longs;teigt, auch wohl Men&longs;chen und beträchtliche La&longs;ten mit &longs;ich erhebt. Die Erfindung die&longs;er Ma&longs;chinen i&longs;t un&longs;treitig eine der größten Entdeckungen der neuern Zeit; da es mit den Naturge&longs;etzen zu &longs;treiten &longs;cheint, daß eine La&longs;t in freyer Luft nicht allein &longs;chweben, &longs;ondern &longs;ogar empor&longs;teigen &longs;olle, &longs;o i&longs;t die Bewerk&longs;telligung die&longs;er für unmöglich gehaltenen Sache für den Unerfahrnën eben &longs;o er&longs;taunenswürdig, als &longs;ie für den Kenner wichtig i&longs;t.

Ver&longs;uche, zu fliegen, mögen &longs;chon in den älte&longs;ten Zeiten gemacht worden &longs;eyn; vielleicht hat die Fabel vom Dädalus und Icarus auf etwas ähnliches Beziehung. Gellius (Noctes atticae, L. X. c. 12.) erzählt, Archytas von Tarent habe eine fliegende Taube von Holz verfertigt, welche durch mechani&longs;che Kräfte und einen einge&longs;chlo&longs;&longs;enen Hauch (aura &longs;piritus inclu&longs;a) belebt worden &longs;ey. Man hat dies für einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft erklären, und &longs;chon die ganze Methode der Neuern darinn finden wollen, ohne zu bedenken, wie groß die&longs;e hölzerne Taube ausfallen mußte, wenn &longs;ie von einer einge&longs;chlo&longs;&longs;enen leichten Luftgattung gehoben werden &longs;ollte. Mehrere dergleichen Erzählungen und Vor&longs;chläge zu Flugma&longs;chinen aus ältern und neuern Zeiten hat Herr von Murr (Auszug aus des Faujas de St. Fond Be&longs;chreibung der aero&longs;tat. Ver&longs;. Nürnb. 1784. 8.) &longs;ehr voll&longs;tändig ge&longs;ammelt. Unter den von ihm angeführten Vor&longs;chlägen &longs;ind die des Franz Lana oder de Lanis (Prodromo dell' arte mae&longs;tra. Bre&longs;cia 1670. fol.) und des P. Galien (L' art de naviger dans les airs. Avignon 1755. 12.) die merkwürdig&longs;ten. Der Er&longs;tere wollte ein Luft&longs;chiff durch luftleere küpferne Kugeln heben, der Zweyte träumte &longs;ich eine Ma&longs;chine von der Größe der Stadt Avignon, aus Leinwand mit Wachs und Theer be&longs;trichen, welche mit leichterer Luft aus den höhern Regionen der Atmo&longs;phäre, woraus der Hagel herabkömmt, angefüllt werden &longs;ollte. Es bedarf nur geringer Ein&longs;icht in die Gründe der Naturlehre, um die Unmöglichkeit des er&longs;ten Vor&longs;chlags einzu&longs;ehen, und mit dem zweyten &longs;cheint es &longs;einem Urheber kein Ern&longs;t gewe&longs;en zu &longs;eyn. Inzwi&longs;chen beruhen doch beyde auf dem &longs;ehr richtigen Grund&longs;atze, daß ein Körper in der Luft auf&longs;teigen mü&longs;&longs;e, wenn er leichter i&longs;t, als die Luft, die mit ihm einen gleichen Raum einnimmt, und daß es daher blos einer großen &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit des Ganzen und einer für die Luft undurchdringlichen Hülle bedürfe. Die&longs;e Leichtigkeit &longs;uchte Lana durch luftleeren Raum zu ver&longs;chaffen, und mußte daher eine Hülle von Kupfer wählen, welche dem Drucke der äußern Luft zu wider&longs;tehen vermögend war; die&longs;e Hülle wird entweder zu &longs;chwer, oder &longs;ie muß &longs;o dünn &longs;eyn, daß dadurch die Möglichkeit der Ausführung ganz aufgehoben wird; Galien war in der Wahl der Hülle glücklicher, und hätte er &longs;tatt &longs;einer obern Luft aus den Regionen des Hagels, eine durch Feuer verdünnte Luft gewählt, &longs;o wäre &longs;einen Nachfolgern nichts, als die Ausführung, übriggeblieben.

Nachdem Cavendi&longs;h um das Jahr 1766 die große Leichtigkeit der brennbaren Luft entdeckt hatte (&longs;. Gas, brennbares), kam D. Black in Edinburgh ein oder zwey Jahre darauf zuer&longs;t auf den Gedanken, daß eine dünne Bla&longs;e, mit &longs;olcher Luft gefüllt, in der Atmo&longs;phäre auf&longs;teigen würde, ohne jedoch Ver&longs;uche darüber anzu&longs;tellen. Cavallo, der die&longs;en Gedanken ebenfalls gehabt hatte, fieng im Jahre 1782 eine Reihe von Ver&longs;uchen hierüber an, fand aber das Papier, in welches er die brennbare Luft ein&longs;chließen wollte, zu durchdringlich, die Schweinsbla&longs;en hingegen zu &longs;chwer. Das Einzige, was ihm gelang, war, Seifenbla&longs;en mit brennbarer Luft gefüllt hervorzubringen, welche auf&longs;teigen und an der Decke des Zimmers zerplatzten. (&longs;. The hi&longs;tory and practice of aëro&longs;tation by Tiberius Cavallo. London 1785. gr. 8. p. 34. Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik von Tib. Cavallo. Leipzig 1786. 8. S. 24, u. f.) Eben dergleichen Seifenbla&longs;en &longs;ind auch im Jahre 1782 in Göttingen von Herrn Lichtenberg gemacht worden, und wahr&longs;cheinlich die er&longs;ten &longs;ichtbar in der Luft auf&longs;teigenden Körper gewe&longs;en, welche die men&longs;chliche Kun&longs;t hervorgebracht hat.

Die große Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen ward in Augu&longs;t 1782 von zween Brüdern, Stephan und Jo&longs;eph Montgolfier, Papierfabrikanten zu Annonay in Vivarais, Männern von Genie und eifrigen Liebhabern der Naturlehre, gemacht. Nach der Erzählung des jüngern Bruders (Di&longs;cours lû à l' acad. des Sc. de Lyon. Nov. 1783.) ver&longs;uchten &longs;ie anfänglich, wie Cavallo, Säcke von Papier mit brennbarer Luft zu füllen; kamen aber nachher durch das Bey&longs;piel der in der Luft &longs;chwebenden Wolken auf die Idee, eine durch Kun&longs;t erzeugte Wolke in eine undurchdringliche Hülle einzu&longs;chlie&longs;&longs;en, wobey &longs;ie auch den Gedanken mit einmi&longs;chten, daß die Leichtigkeit die&longs;er Wolke durch die Elektricität werde befördert werden können. Es gelang dem ältern Montgolfier, im November 1782 zu Avignon, ein hohles Parallelepipedum von Taffet, von 40 Cubik&longs;chuh Inhalt, nachdem es inwendig durch brennendes Papier erhitzt worden war, an die Decke des Zimmers &longs;teigen zu &longs;ehen. Kurz darauf wiederholten beyde Brüder die&longs;en Ver&longs;uch zu Annonay, und &longs;ahen das Parallelepipedum in freyer Luft eine Höhe von 70 Schuhen erreichen. Eine noch größere Ma&longs;chine von 650 Cubik&longs;chuh Inhalt &longs;tieg mit gleichem Erfolg; &longs;ie be&longs;chlo&longs;&longs;en daher, den Ver&longs;uch noch mehr ins Große zu treiben, verfertigten eine Ma&longs;chine von Leinwand, welche 35 Schuh im Durchme&longs;&longs;er hielt, 450 Pfund wog, und noch über 400 Pfund La&longs;t mit &longs;ich aufhob, und ließen die&longs;elbe nach einigen &longs;chon vorhergegangenen Ver&longs;uchen am 5ten Iunius 1783 zu Annonay in Gegenwart der Stände von Vivarais in die Luft &longs;teigen, in welcher &longs;ie in weniger als zehn Minuten eine Höhe von 1000 Toi&longs;en erreichte, und 7200 Schuh weit von dem Orte des Auf&longs;teigens niederfiel.

Die&longs;en Nachrichten zufolge hat man die Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen nicht dem Zufalle, &longs;ondern dem Nachdenken und wiederholten Bemühungen zu danken. Dennoch &longs;cheinen die Erfinder &longs;elb&longs;t von der Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens ihrer Ma&longs;chinen nicht ganz richtige Begriffe gehabt zu haben. Das Mittel, de&longs;&longs;en &longs;ie &longs;ich bedienten, war, daß &longs;ie unter der Oefnung des ganz zu&longs;ammengefalteten leinenen Sackes ein Strohfeuer anzündeten, und von Zeit zu Zeit etwas gekrempelte Wolle in da&longs;&longs;elbe warfen. Dadurch entfaltete &longs;ich der Sack, &longs;chwoll auf, und &longs;tieg endlich in der Luft empor. Die Erfinder &longs;chrieben die&longs;es Auf&longs;teigen nicht der wahren Ur&longs;ache zu, welche darinn be&longs;teht, daß der Sack mit erhitzter oder durchs Feuer verdünnter Luft angefüllt wird; &longs;ie glaubten vielmehr, es werde durch die Verbrennung des Strohes und der Wolle ein eignes Gas entbunden, welches leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft &longs;ey, und dem &longs;chon in einigen Schriften der Name Montgolfier&longs;ches Gas beygelegt ward. Die&longs;es, &longs;o wie die Idee einer kün&longs;tlichen Wolke, und der Vor&longs;chlag, die Elektricität dabey zu gebrauchen, zeigt, daß die Erfindung wenig&longs;tens auf einem &longs;ehr indirecten Wege gemacht worden &longs;ey.

Der Ruf von die&longs;er er&longs;taunenswürdigen Entdeckung verbreitete &longs;ich bald; weil aber die Mittel, deren &longs;ich die Montgolfiers bedienten, nicht &longs;ogleich bekannt wurden, &longs;o fielen die Pari&longs;er Naturfor&longs;cher auf die Vermuthung, der Ver&longs;uch zu Annonay werde &longs;ich vermittel&longs;t der brennbaren Luft nachahmen la&longs;&longs;en. Charles, Profe&longs;&longs;or der Phy&longs;ik zu Paris, verfertigte mit Hülfe der Gebrüder Robert, zweener ge&longs;chickten Mechaniker, eine Kugel von Taffet mit Firniß von ela&longs;ti&longs;chem Harz überzogen, welche mit brennbarer Luft aus Ei&longs;en und Vitriolöl gefüllt und den 27 Augu&longs;t 1783 im Champ de Mars in die Luft aufgela&longs;&longs;en wurde. Ihr Durchme&longs;&longs;er war 12 Fuß 2 Zoll; &longs;ie wog 25 Pfund, &longs;tieg in zwo Minuten auf eine Höhe von 488 Toi&longs;en, ver&longs;chwand in den Wolken, und fiel nach dreyen Viertel&longs;tunden bey dem Dorfe Gone&longs;&longs;e, 5 Stunden weit von Paris, &longs;ehr &longs;anft nieder.

So theilten &longs;ich die aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen gleich bey ihrer Erfindung in zwo Cla&longs;&longs;en, diejenigen nemlich, welche nach der Art der Montgolfiers mit erhitzter oder verdünnter Luft, und die, welche nach Charles Bey&longs;piele mit brennbarer Luft gefüllt werden.

Der jüngere Montgolfier kam um die&longs;e Zeit nach Paris, und &longs;tellte da&longs;elb&longs;t einige Ver&longs;uche mit Ma&longs;chinen an, welche durch Hülfe des Feuers gefüllt wurden. Der merkwürdig&longs;te darunter i&longs;t der zu Ver&longs;ailles am 19 Sept. 1783 vor dem Könige von Frankreich ange&longs;tellte, bey welchem ein Sphäroid von Leinwand, 57 Fuß hoch und 41 breit, de&longs;&longs;en Inhalt 37500 Cubik&longs;chuh betrug, durch Verbrennung von 80 Pfund Stroh und 5 Pfund Wolle aufge&longs;chwellt und auf eine Höhe von 240 Toi&longs;en erhoben wurde. Die&longs;er Ball, der mit den daran befe&longs;tigten Stricken und dem Kefich (worinn &longs;ich ein Hammel, eine Ente und ein Hahn befand) 900 Pfund wog, erhielt &longs;ich 8 Minuten lang in der Luft, und fiel bey Vaucre&longs;&longs;on, 1700 Toi&longs;en weit von dem Orte des Auf&longs;teigens, &longs;o &longs;anft nieder, daß die Thiere dadurch nicht im Gering&longs;ten be&longs;chädiget wurden. Die&longs;er Ver&longs;uch zeigt deutlich, daß das, was die aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine hebt, kein aus den verbrannten Materien entbundenes Gas &longs;eyn könne. Die Montgolfiers glaubten bey ihren Ver&longs;uchen das, was die Ma&longs;chine ausfüllte, etwa halb &longs;o &longs;chwer als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft gefunden zu haben. Da ein Sphäroid von 37500 Cubik&longs;chuh Inhalt ohngefähr 3192 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft enthalten kan, &longs;o muß die darinn beym Ver&longs;uch enthaltene Materie halb &longs;o viel, d. i. 1596 Pfund gewogen haben. Nun i&longs;t es phy&longs;i&longs;ch unmöglich, daß 85 Pfund verbrannte Materialien mehr als 85 Pfund Gas oder Dämpfe erzeugen können, woraus &longs;ogleich zu über&longs;ehen i&longs;t, daß wenig&longs;tens 1511 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft in der Höhlung des Sphäroids &longs;eyn mußten, welches auch daraus erhellt, weil der durchs Feuer ent&longs;tehende Luftzug eben dasjenige i&longs;t, was die Ma&longs;chine auf&longs;chwellet. Da nun eine Luftma&longs;&longs;e von 1511 Pfund im gewöhnlichen Zu&longs;tande ohngefähr 18000 Cubikfuß Raum einnimmt, hier aber mit den 85 Pfund Gas (wenn auch die&longs;e vorhanden gewe&longs;en wären) 37500 Cubik&longs;chuh ausfüllte, &longs;o zeigt| &longs;ich deutlich, daß die&longs;e Ausdehnung oder Verdünnung der Luft durch die Hitze allein im Stande &longs;ey, die verlangte Wirkung hervorzubringen, ohne daß man zu einem vermeynten Gas &longs;eine Zuflucht nehmen darf, de&longs;&longs;en Quantität viel zu unbeträchtlich &longs;eyn würde, um etwas ähnliches zu bewirken. Ueberdieß müßte eine mit Gas gefüllte Ma&longs;chine ver&longs;chlo&longs;&longs;en &longs;eyn, und nicht, wie die Montgolfieri&longs;che, offen bleiben.

Montgolfier fand in Paris einen unermüdeten Gehülfen an Herrn Pilatre de Rozier, Vor&longs;teher des Mu&longs;eum, welcher es am 15 October 1783 zum Er&longs;tenmale wagte, auf einer von Montgolfier verfertigten 74 Schuh hohen, 48 Schuh breiten, und mit einer Gallerie und Glutpfanne zu be&longs;tändiger Unterhaltung des Feuers ver&longs;ehenen Ma&longs;chine, 84 Schuh hoch vom Boden aufzu&longs;teigen, und 4 1/2 Minuten lang in der Höhe zu bleiben, wobey er jedoch die Ma&longs;chine an Stricken halten ließ. Die&longs;er Ver&longs;uch wurde in den folgenden Tagen mit dem glücklich&longs;ten Erfolge wiederholt, und durch die&longs;e Proben ermuntert, wagten Pilatre de Rozier und der Marquis d' Arlandes am 21 Nov. 1783 auf eben der&longs;elben Ma&longs;chine die er&longs;te Luftrei&longs;e. Die&longs;e kühnen Luftfahrer &longs;tiegen um 1. Uhr 54 Minuten, nachdem die Ma&longs;chine in acht Minuten aufge&longs;chwellt worden war, im Schlo&longs;&longs;e la Muette in die Höhe, blieben 25 Minuten in der Luft, wurden vom Winde über einen Theil der Stadt und über die Seine getrieben und kamen, nachdem &longs;ie durch ge&longs;chickte Behandlung des Feuers den Gegen&longs;tänden, an die &longs;ie &longs;toßen konnten, durch Hebung und Herabla&longs;&longs;ung der Ma&longs;chine ausgewichen waren, auf 5000 Toi&longs;en weit von la Muette, unbe&longs;chädigt wieder herab. Ihre Ma&longs;chine faßte 60000 Cubik&longs;chuh Raum; und die La&longs;t, welche &longs;ie mit|&longs;ich aufzog, betrug 1600 — 1700 Pfund.

Die Herren Charles und Robert, welche als Erfinder der Aero&longs;taten mit brennbarer Luft mit den Montgolfiers wetteiferten, veran&longs;talteten am 1. Dec. 1783 eine zweyte Luftrei&longs;e. Charles und der eine Robert &longs;tiegen aus den Thuillerien um 1 Uhr 40 Min. in einer Art von Triumphwagen auf, welcher mit Stricken an einer 26 Schuh im Durchme&longs;&longs;er haltenden und mit brennbarer Luft gefüllten Kugel von Taffet hieng. Sie giengen in einer Höhe von 250 — 300 Toi&longs;en über zwo Stunden lang fort, und ließen &longs;ich endlich in der Pläne bey Ne&longs;le, welche 9 Stunden weit von Paris abliegt, nieder, wo Robert aus&longs;tieg, der um 130 Pfund dadurch erleichterte Ball aber mit Charles allein &longs;ich wieder auf eine dem Aetna gleiche Höhe von 1500 Toi&longs;en auf&longs;chwang, noch 35 Minuten in der Luft verweilte, und endlich bey dem Gehölze von Tour du Lay ohne Be&longs;chädigung des Luftfahrers herab kam.

Seitdem haben &longs;ich die Ver&longs;uche mit aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen und die auf den&longs;elben unternommenen Luftrei&longs;en &longs;o vervielfältiget, daß man bis zum März 1785 bereits 35 Luftrei&longs;en und 58 ver&longs;chiedene Per&longs;onen zählen konnte, die &longs;ich in die &longs;on&longs;t unzugänglichen Regionen der Atmo&longs;phäre gewagt hatten. Die um&longs;tändlichere Ge&longs;chichte ihrer Ver&longs;uche findet man in der am Ende die&longs;es Artikels angeführten deut&longs;chen Ueber&longs;etzung des Faujas de St. Fond zu&longs;ammengetragen. Hier kan ich nur noch das Merkwürdig&longs;te aus der Ge&longs;chichte die&longs;er Ver&longs;uche mit wenigen Worten anführen.

Pilatre de Rozier gieng bald nach &longs;einer er&longs;ten Luftrei&longs;e zu dem ältern Montgolfier nach Lyon, um da&longs;elb&longs;t mit ihm eine große aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine von 102 Schuh Durchme&longs;&longs;er und 126 Schuh Höhe zu be&longs;teigen. Der Ver&longs;uch mit die&longs;er ungeheuren Kugel gelang zwar am 19 Jan. 1784, da &longs;ie mit &longs;ieben Per&longs;onen bela&longs;tet auf 500 Toi&longs;en hoch in die Luft auf&longs;tieg; &longs;ie bekam aber 15 Min. nach ihrem Abgange einen Riß, und &longs;ank zu Boden. Pilatre &longs;tieg am 23 Jun. 1784. nochmals in Gegenwart des Königs von Schweden zu Ver&longs;ailles in die Luft, kam aber in der Folge auf den Gedanken, eine Ueberfahrt über den Canal von der franzö&longs;i&longs;chen Kü&longs;te aus zu wagen. Blanchard kam ihm in die&longs;er Ueberfahrt zuvor; &longs;ein unglückliches Schick&longs;al aber wollte, daß er dennoch auf &longs;einem Ent&longs;chlu&longs;&longs;e beharrete, wobey er endlich neb&longs;t &longs;einem Gefährten Romain nach langem Warten auf gün&longs;tigen Wind und nach vielen &longs;einer Ma&longs;chine zuge&longs;toßenen Unfällen, am 15 Jun. 1785 nicht weit von Boulogne aus der Luft herab&longs;türzte, und durch den Fall zer&longs;chmettert ward.

Glücklicher war der eben genannte Blanchard. Die&longs;er hatte &longs;chon läng&longs;t vor der Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen durch mechani&longs;che Mittel vergeblich zu fliegen ver&longs;ucht; jetzt aber machte es ihm die&longs;e Erfindung er&longs;t möglich, &longs;einen Zweck zu erreichen. Er &longs;tieg auf Aero&longs;taten mit brennbarer Luft ver&longs;chiedenemal zu Paris und Rouen auf, &longs;uchte die Lenkung der Aero&longs;taten durch Flügel oder Ruder zu bewirken, gieng hierauf nach England, und wagte da&longs;elb&longs;t, nach vorher ange&longs;tellten andern Ver&longs;uchen, am 7 Jan. 1785 mit dem D. Iefferies aus Amerika das kühne Unternehmen einer Ueberfahrt über den Canal, die er auch in einer Zeit von 2 St. 32 Min. glücklich vollendete. Er i&longs;t &longs;eitdem in Deut&longs;chland herumgezogen, und hat an ver&longs;chiedenen Orten Luftrei&longs;en ange&longs;tellt, die jedoch mehr öffentliche Schau&longs;piele als Ver&longs;uche zu Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft genannt zu werden verdienen.

Die Gebrüder Robert &longs;ind noch zweymal, am 15 Jul. 1784 mit dem Düc de Chartres, und am 19 Sept. mit einem ihrer Verwandten durch die Luft gerei&longs;et. Die&longs;e letzte Rei&longs;e i&longs;t unter allen die läng&longs;te. Sie dauerte 6 St. 42 Min. und gieng von Paris bis Beuvry in der Graf&longs;chaft Artois, welches einen Weg von 50 Stunden ausmacht. Sie bedienten &longs;ich dazu eines cylindri&longs;ch ge&longs;talteten Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, und behaupten, durch den Gebrauch ihrer Ruder 22 Grad Abweichung vom Winde erhalten zu haben.

In England blieb man eine Zeitlang gleichgültig gegen die&longs;e aus Frankreich gekommene Erfindung. Obgleich &longs;chon im Nov. 1783 der Graf Zambeccari, ein Italiäner, eine Kugel von geölter Seide von 10 Fuß Durchme&longs;&longs;er in London hatte &longs;teigen la&longs;&longs;en, &longs;o erfolgte doch da&longs;elb&longs;t die er&longs;te, gleichfalls von einem Italiäner Lunardi unternommene, Luftrei&longs;e er&longs;t den 15 Sept. 1784. Mit de&longs;to mehr Theilnehmung &longs;ahe man nachher die Ver&longs;uche, welche Blanchard in London, Sadler in Oxford, Harper in Birmingham u. a. an&longs;tellten.

In Ab&longs;icht auf die willkührliche Lenkung der Luftma&longs;chinen &longs;ind den öffentlichen Nachrichten (Journ. de Paris vom 29 Aug. 1785) zufolge die Herren Vallet und Alban, Directoren der chymi&longs;chen Officin zu Iavelle bey Paris, glücklicher, als alle ihre Vorgänger, gewe&longs;en. Sie haben den 25 Aug. 1785 eine Luftrei&longs;e nach vorherbe&longs;timmten Richtungen gemacht, ihr Luft&longs;chif nach Gefallen an dem dazu ausgezeichneten Orte niedergela&longs;&longs;en; &longs;ie &longs;ind früh von Iavelle nach St. Cloud, und Abends wiederum nach Iavelle zurück gegangen.

Der Name Aero&longs;tat i&longs;t die&longs;en Ma&longs;chinen zum Er&longs;tenmale von le Roy in dem Berichte der Commi&longs;&longs;arien der Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften vom 23 Dec. 1783 beygelegt worden.

Nach die&longs;er kurzen Dar&longs;tellung der Ge&longs;chichte und der bisherigen Fort&longs;chritte die&longs;er Erfindung will ich nun von der Theorie und Praxis der&longs;elben noch einige Nachricht geben.

Die Hydro&longs;tatik oder allgemeine Theorie des Gleichgewichts flüßiger Körper lehrt, daß fe&longs;te Körper in einem flüßigen Mittel &longs;o viel von ihrem Gewichte verlieren, als die von ihnen aus der Stelle getriebne flüßige Materie wiegt; daß &longs;ie al&longs;o nicht nur alles Gewicht verlieren, &longs;ondern &longs;ogar emporgetrieben werden, wenn das, was &longs;ie verlieren, mehr i&longs;t, als das, was &longs;ie wiegen. Fe&longs;te Körper mü&longs;&longs;en al&longs;o auch in der Luft auf&longs;teigen, wenn &longs;ie weniger wiegen, als die Luft, welche von ihnen aus der Stelle getrieben wird. Für &longs;ich allein wiegen alle bekannte fe&longs;te Körper mehr, als die Luft, deren Raum &longs;ie einnehmen; &longs;ie mü&longs;&longs;en daher, um in der Luft aufzu&longs;teigen, hohl und mit etwas angefüllt &longs;eyn, das leichter, als Luft, i&longs;t. Alles kömmt hiebey auf die Wahl eines &longs;chicklichen fe&longs;ten Körpers und einer &longs;ehr leichten flüßigen Materie an. Zum fe&longs;ten Körper wird man natürlich eine weiche bieg&longs;ame Hülle wählen, z. B. Gold&longs;chlägerhaut, Leinwand, Taffet und dergleichen; harte unbieg&longs;ame Gefäße, wie die küpfernen Kugeln des Lana, würden zu &longs;chwer &longs;eyn, auch würde &longs;ich die gemeine Luft, wenn man an ihre Stelle etwas leichteres &longs;etzen wollte, nicht wohl heraus bringen la&longs;&longs;en. In einer bieg&longs;amen Hülle aber muß die einge&longs;chlo&longs;&longs;ene flüßige Materie eine gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität mit der äußern Luft haben, weil &longs;on&longs;t der Druck der letztern den bieg&longs;amen Körper zu&longs;ammen drücken, und das darinn enthaltene heraustreiben würde. Daher muß man eine &longs;olche flüßige Materie wählen, welche bey einer geringern Schwere oder Dichte dennoch gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität mit der gemeinen Luft hat, d. i. eine Materie von grö&longs;&longs;erer &longs;pecifi&longs;cher Ela&longs;ticität, &longs;. Ela&longs;ticität. Es muß al&longs;o eine ela&longs;ti&longs;che flüßige Materie, ein Gas, eine Luftgattung &longs;eyn, welche leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft, i&longs;t.

Erhitzte Luft &longs;owohl, als brennbares Gas be&longs;itzen die&longs;e Eigen&longs;chaft. Von der Wärme wird die Luft in einen größern Raum ausgedehnt, d. h. &longs;pecifi&longs;ch ela&longs;ti&longs;cher gemacht; man kan den Ver&longs;uchen zufolge annehmen, daß eine Hitze von 160 Graden des Fahrenheiti&longs;chen Thermometers &longs;ie um ein Drittel ihres gewöhnlichen Volumens ausdehne. Das brennbare Gas i&longs;t, mit vorzüglicher Sorgfalt bereitet und gereiniget, auf 13mal leichter, als die gemeine Luft; wird es aber nach den gemeinen Methoden bereitet, &longs;o kan man es nur 5 — 7 mal leichter annehmen. Beyde Materien werden al&longs;o ge&longs;chickt &longs;eyn, Hüllen, welche in der Atmo&longs;phäre auf&longs;teigen &longs;ollen, damit anzufüllen.

Jeder Körper verliert in der Luft &longs;oviel von &longs;einem Gewichte, als die Luft wiegt, die er aus der Stelle treibt. Nennt man nun den Raum, den er einnimmt, in Cubik&longs;chuhen ausgedrückt, =c, und das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes Luft=a, &longs;o i&longs;t die&longs;er Verlu&longs;t=ac.

Mit ihm aber wiegt zugleich die in ihm enthaltene Materie, deren Gewicht (das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes davonrend="roman">=b ge&longs;etzt)=bc i&longs;t. Das Gewicht des Körpers &longs;elb&longs;t, die daran gehangene La&longs;t mit eingerechnet, &longs;ey= p; &longs;o i&longs;t die Summe alles de&longs;&longs;en, was mit ihm wiegt= bc+p.

I&longs;t daher ac größer als bc+p, &longs;o i&longs;t klar, daß der Körper nicht allein &longs;ein ganzes Gewicht verliert, &longs;ondern auch noch mit dem Ueber&longs;chu&longs;&longs;e des ac über bc+p in die Höhe getrieben wird. Die&longs;er Ueber&longs;chuß oder die&longs;e Kraft, mit der er aufwärts getrieben wird, hei&longs;&longs;e k, &longs;o i&longs;t k=ac—(bc+p)=c(a—b)—p; auch p+k =c(a—b).

Bey der am 1. Dec. 1783 in den Thuillerien aufge&longs;tiegenen Ma&longs;chine betrug der körperliche Raum c= 100000 Cubik&longs;chuh; rechnet man nun das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft 604 Gran oder (8/1000) Pfund, &longs;o i&longs;t ac= 800 Pfund. Weil aber der Ball nicht ganz aufgebla&longs;en, &longs;ondern ungefähr (1/28) davon leer gela&longs;&longs;en ward, &longs;o darf man nach Abrechnung des 28&longs;ten Theils ac nur = 771 1/2 Pf. &longs;etzen.

Da &longs;ich die hier gebrauchte brennbare Luft ohngefähr 5 1/4 mahl leichter, als die gemeine, annehmen läßt, &longs;o wird bc=(771 1/2/5 1/4)=147 Pfund.

Das Gewicht der Ma&longs;chine, des Wagens, der beyden Per&longs;onen, des Balla&longs;ts u. &longs;. w. p war = 604 1/2 Pf. Al&longs;o bc+p=147+604 1/2=751 1/2 Pf.

Folglich k, die Kraft, mit welcher &longs;ich die Ma&longs;chine hob=771 1/2—751 1/2=20 Pfund.

Man wird aus die&longs;er Berechnung deutlich &longs;ehen, warum die&longs;e Kugel &longs;teigen mußte. Sie wog mit aller daran hangenden La&longs;t nur 751 1/2 Pf., und ward doch von der äußern Luft mit 771 1/2 Pf. Kraft gehoben. Zugleich wird die&longs;es Bey&longs;piel zeigen, wie man &longs;ich bey andern ähnlichen Berechnungen zu verhalten habe.

Soll eine &longs;olche Ma&longs;chine nicht &longs;teigen, &longs;ondern nur gerade &longs;chweben, &longs;o muß k=o, al&longs;o c(a—b)=p &longs;eyn, woraus c=(p/a—b) folgt. Nun hei&longs;&longs;e die Oberfläche der Hülle in Quadrat&longs;chuhen ausgedrückt=s; der das Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem zur Hülle gebrauchten Zeuge aber=q, und man nehme an, die&longs;e &longs;chwebende Ma&longs;chine &longs;olle keine weitere La&longs;t tragen, &longs;ondern nur &longs;ich &longs;elb&longs;t halten; &longs;o i&longs;t die ganze La&longs;t p=sq; al&longs;o c= (sq/a—b,) und c/s= (q/a—b), auch (6c/s)=(6q/a — b.) Weil aber (6c/s) oder der &longs;echsfache körperliche Raum durch die Oberfläche dividirt, für eine Kugel den Durchme&longs;&longs;er, für einen Würfel die Seite giebt, &longs;o muß der Durchme&longs;&longs;er einer Kugel oder die Seite eines Würfels von einem gegebnen Stoffe, wenn der Körper ohne angehangene La&longs;t gerade &longs;chweben &longs;oll,=(6q/a—b) &longs;eyen. Oder, um den Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten möglichen Kugel von einem gegebnen Zeuge zu finden, welche mit erhitzter oder brennbarer Luft gefüllt, gerade &longs;chweben würde, dividire man das &longs;echsfache Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem gegebnen Zeuge durch den Unter&longs;chied zwi&longs;chen den Gewichten eines Cubik&longs;chuhes gemeiner und eines Cubik&longs;chuhes erhitzter oder brennbarer Luft. Die&longs;e Be&longs;timmung des Minimum, das &longs;ich bey den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen erreichen läßt, hat Hr. Lichtenberg (Göttingi&longs;ches Magazin, 3ter Jahrg. 5 Stück) angegeben, und darnach folgende Tafel berechnet.

Die Seite des klein&longs;ten mit brennbarer Luft gefüllten &longs;chwebenden Würfels (oder auch, der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel) FußZollLin.aus engli&longs;chem Seidenpapier wäre050— gemeinem Po&longs;tpapier92— franzö&longs;i&longs;chem Zeichenpapier11111— Knittergold2010— engli&longs;chem Wachstaffet304— Kartenpapier416— verzinntem Ei&longs;enblech5067

Werden die Durchme&longs;&longs;er größer genommen, &longs;o mü&longs;&longs;en die&longs;e Kugeln &longs;teigen.

Die Gold&longs;chlägerhaut (baudruche) i&longs;t un&longs;treitig die bequem&longs;te Materie zu &longs;o kleinen Ballen. Es i&longs;t dies das innere von den Och&longs;endärmen abgezogne Häutchen, welches vom Fett gereiniget, auf einen Rahmen ge&longs;pannt, getrocknet, mit Bim&longs;tein abgerieben, und zum Gebrauch der Gold&longs;chläger noch mit einem Firniß überzogen wird. Aus die&longs;em äußer&longs;t feinen und leichten Häutchen haben zuer&longs;t der Maler De&longs;champs und der Baron von Beaumanoir in Paris kleine Kugeln von ver&longs;chiedener Größe verfertiget, welche mit brennbarer Luft gefüllt auf&longs;tiegen. Die klein&longs;te darunter hielt 6 pari&longs;er Zoll im Durchme&longs;&longs;er, wog 36 Gran, trieb 51 Gran Luft aus der Stelle, faßte 5 Gran brennbare Luft, und &longs;tieg al&longs;o noch mit 51 — (5+36)=10 Gran Kraft in die Höhe. Solche Kugeln waren eine Zeitlang das Spielwerk der Pari&longs;er. Auch andere feine Häute des thieri&longs;chen Körpers, vorzüglich das Schafhäutchen (amnium) dienen zu kleinen aero&longs;tati&longs;chen Kugeln mit brennbarer Luft. So &longs;ahe ich bey Herrn Lichtenberg in Göttingen eine aus Schafhäutchen bereitete Kugel von 2 — 3 Schuh Durchme&longs;&longs;er, von der ihr Be&longs;itzer zu Beobachtung der atmo&longs;phäri&longs;chen Elektricität vortheilhaften Gebrauch machte. Uebrigens i&longs;t die Gold&longs;chlägerhaut &longs;chon von Iulius Cä&longs;är Scaliger (Exercitat.ad Cardanum de &longs;ubtilitate, exerc. 326) zur Nachahmung der fliegenden Taube des Archytas vorge&longs;chlagen worden. Materia, &longs;agt er, ex junci medulla parabilis, ve&longs;iculis amicta aut pelliculis, quibus auri bracteatores atque foliatores vtuntur.

Die Ma&longs;chinen mit erhitzter Luft la&longs;&longs;en &longs;ich &longs;o klein nicht verfertigen. Rechnet man darauf, daß die Luft beym Ver&longs;uche um ein Drittel ausgedehnt werde, die brennbare hingegen &longs;iebenmal leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che, &longs;ey, &longs;o wird der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten möglichen &longs;chwebenden Kugel für erhitzte Luft=(6q/a—2/3a)=(18q/a) für brennbare Luft=(6q/a—1/7a)=(7q/a) gefunden, daher in die&longs;em Falle die mit erhitzter Luft gefüllte Kugel von eben dem Zeuge einen (18/7) d. i. 2 4/7mal größern Durchme&longs;&longs;er haben muß, und al&longs;o 6 3/5 mal mehr Zeug zur Hülle erfordert, als die mit brennbarer Luft. Zu kleinen Ma&longs;chinen mit verdünnter Luft i&longs;t un&longs;treitig das Papier die &longs;chicklich&longs;te Materie. Da aber der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel von &longs;tärkerm Papier, für brennbare Luft, 2 Schuhe halten muß, &longs;o muß er für verdünnte Luft 5 1/7 Schuh, und wenn die Kugel &longs;teigen &longs;oll, wohl 6—7 Schuh halten.

Bey größern Aero&longs;taten hat man die Ab&longs;icht, außer ihrem eignen Gewichte noch Men&longs;chen oder andere La&longs;ten in die Atmo&longs;phäre zu erheben. Die Kugelge&longs;talt, welche unter allen übrigen Ge&longs;talten der Körper mit der klein&longs;ten Oberfläche den größten möglichen Raum um&longs;chließt, &longs;cheint zu Aero&longs;taten die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn, weil &longs;ie bey dem gering&longs;ten möglichen Gewicht ihrer Hülle das größte mögliche Luftvolumen aus der Stelle treibt, und daher unter allen übrigen Ge&longs;talten mit der größten Kraft auf&longs;teigt. Man hat aber dagegen einwenden wollen, daß eines Theils die Verfertigung einer großen Kugel &longs;ehr &longs;chwer &longs;ey, andern Theils bey Lenkung der Aero&longs;taten in der Atmo&longs;phäre, wenn ge&longs;chickte Mittel dazu erfunden werden &longs;ollten, eine Kugel, welche der Luft eine &longs;ehr große Oberfläche darbietet, weit mehr Wider&longs;tand leiden, und folglich weit &longs;chwerer zu regieren &longs;eyn werde, als eine Ma&longs;chine, welche der Luft einen &longs;pitzig zulaufenden Theil, oder eine &longs;chmale Seite, entgegenkehrte. Daher hat man oft längliche, aus cylindri&longs;chen und koni&longs;chen, oder prismati&longs;chen und pyramidenförmigen Theilen zu&longs;ammenge&longs;etzte, Ge&longs;talten vorgezogen, zu welchen der Zeug &longs;ich leichter zu&longs;chneiden läßt; und die Roberts haben zween Luftrei&longs;en auf einem cylindri&longs;ch geformten Aero&longs;taten unternommen. Inzwi&longs;chen &longs;ind die Schwierigkeiten der Verfertigung einer Kugel nicht unüberwindlich, und bey der Lenkung länglicher Ma&longs;chinen möchte es wohl &longs;chwer fallen, immer den &longs;chmalen Theil der&longs;elben vorwärts gekehrt zu halten; die breitere Seite aber würde den Wider&longs;tand der Luft weit mehr, als eine Kugel von gleicher Wirkung, vergrößern; die Kugelge&longs;talt, oder eine nicht weit von ihr abweichende, &longs;cheint daher noch immer die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn.

Was den Stof betrifft, &longs;o hat man die Aero&longs;taten zur verdünnten Luft von leinenem oder baumwollenem Zeuge gemacht, der die Luft nicht gleich hindurch läßt, wie denn die er&longs;te zu Annonay aufge&longs;tiegene Kugel bloß mit Knöpfen und Knopflöchern zu&longs;ammengefügt war, und doch eine Zeitlang Luft hielt. Man wählt dergleichen Zeuge wegen ihres geringen Prei&longs;es, da &longs;olche Ma&longs;chinen &longs;ehr groß &longs;eyn mü&longs;&longs;en. Bisweilen &longs;ind &longs;ie doppelt genommen, bisweilen mit Papier gefüttert worden. Man kan das Gewicht des Quadrat&longs;chuhes von leinenem Zeuge 2 Unzen rechnen. Zur brennbaren Luft, welche nicht &longs;o große Ma&longs;chinen erfordert, aber weit leichter die Hüllen durchdringt, hat man leichte &longs;eidne Zeuge genommen, und mit be&longs;ondern Firni&longs;&longs;en über&longs;trichen. Den Quadrat&longs;chuh Taffet kan man ohngefähr 3/4 Unzen &longs;chwer annehmen.

Um nun das Vermögen einer Ma&longs;chine von gegebner Größe und Ge&longs;talt zu berechnen, kan man &longs;ich der Formel k = c (a — b) — p &longs;o bedienen, daß man unter p blos das Gewicht der Ma&longs;chine &longs;elb&longs;t= sq ohne angehangene La&longs;t ver&longs;teht, &longs;o i&longs;t k die Kraft, mit der &longs;ie unbela&longs;tet auf&longs;teigen würde, zeigt al&longs;o, wie viel &longs;ie noch zu tragen vermöge, ehe &longs;ie ins Gleichgewicht kömmt. Es &longs;ey z. B. das Vermögen einer Kugel von 30 Schuh Durchme&longs;&longs;er zu berechnen, deren Oberfläche s=2828 Quadrat&longs;chuhe, der Inhalt c=14142 Cubik&longs;chuhe i&longs;t. So i&longs;t, wenn man das Gewicht des Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft a=1, 4 Unzen, b aber für erhitzte Luft=2/3a, für brennbare=1/7a &longs;etzt, die Rechnung folgende: für erhitzte Luft, wenn 1 Quadrat&longs;ch. Leinwand 2 Unzen wiegtfür brennbare Luft, wenn 1 Quadrat&longs;ch. Taffet 3/4 Un- zen wiegtc=14142c=14142a—b=(1,4/3)=0, 466a—b=1, 2c(a—b)=6598c(a—b)=16968p=sq=5656p=sq=2121k=942Unzenk=14847Unzen16)——16)——59Pfund928Pfund
Auf die&longs;e Art i&longs;t folgende Tabelle für Kugeln berechnet.Durch- me&longs;&longs;erOberflächeInhaltVermögen der Kugel von Lein- wand mit erhitz- ter LuftVermögen der Kugel von Taf- fet mit brenn- barer LuftSchuheQuadrat&longs;ch.Cubik&longs;chuh.PfundPfundUnz.57865——1310314523——2482012574190——2553028281414259928405028337233492276507857654769274542601131411314218857955701540017966633151275380201142681915308195469025457381857795527443100314155235981134437796200125660418878889012308221

Von dem gefundenen Vermögen der Kugel i&longs;t noch das Gewicht alles de&longs;&longs;en abzuziehen, was außer dem Stoffe zur Kugel hinzugethan wird; das übrigbleibende i&longs;t dann die Summe der La&longs;t, die &longs;ie noch tragen kan, und der Kraft, mit welcher &longs;ie auf&longs;teigen wird. Wird die Kugel nicht ganz gefüllt, &longs;o muß &longs;o viel, als der leergela&longs;&longs;ene Theil beträgt, von ihrem körperlichen Inhalt abgezogen werden. Nach die&longs;en Anwei&longs;ungen kan es nicht &longs;chwer &longs;eyn, die Berechnung in jedem vorkommenden Falle anzu&longs;tellen.

Da leinene und &longs;eidne Zeuge ebne Flächen bilden, &longs;o wird die Fläche einer daraus verfertigten Kugel jederzeit von der &longs;phäri&longs;chen Ge&longs;talt in etwas abweichen. Doch, wenn die Streifen ge&longs;chickt zuge&longs;chnitten und verbunden &longs;ind, &longs;o dehnen &longs;ie &longs;ich, wenn der Körper fürs er&longs;te nur mit gemeiner Luft aufgebla&longs;en wird, um ihre Mitte ein wenig aus, und geben dem Ganzen eine Ge&longs;talt, die von der Kugel &longs;ehr wenig abweicht. Hiezu dient nun folgende Vor&longs;chrift, Taf. I. Fig. 8. Man berechne den Umfang des größten Krei&longs;es der Kugel, und mache die Linie AD dem vierten Theile de&longs;&longs;elben gleich. Die&longs;e Linie AD theile man in 18 gleiche Theile, ziehe durch die Theilungspunkte die Linien DC, fg, hi u. &longs;. w. &longs;enkrecht auf AD. Ferner theile man den gefundenen Umkreis in &longs;o viel gleiche Theile, als man Streifen, wie ABEC, haben will; die Helfte eines &longs;olchen Theils giebt die Länge der Linie DC. Die&longs;e Länge, multiplicirt in den bey fg &longs;tehenden Decimalbruch, giebt die Länge von fg; und &longs;o giebt die Länge von DC nach und nach, durch Multiplication in die dabey&longs;tehenden Decimalbrüche, die Längen der folgenden Parallellinien, mithin die Punkte C, g, i u. &longs;. w., durch welche die krumme Linie CgiA leicht aus freyer Hand gezogen werden kan. Hieraus ent&longs;teht eine Patrone ADC, nach welcher &longs;ich, durch viermaliges Auflegen auf die Seide oder Leinwand, der ganze Streif ABEC, zu&longs;chneiden läßt. I&longs;t z. B. der Durchme&longs;&longs;er einer Kugel, die man aus 12 Streifen zu&longs;ammen&longs;etzen will = 20 Schuhe, &longs;o hält der Umfang des größten Krei&longs;es = 62, 8 Schuhe wovon der vierte Theil 15,7 Schuh für AD giebt. Der zwölfte Theil des Umkrei&longs;es 5, 236 Schuh giebt BC, und die Helfte davon 2,618 Schuh die Länge von DC. Die&longs;e multiplicirt mit 0,99619 giebt 2,608 Schuh für fg; mit 0,98481 giebt &longs;ie 2,578 Schuh für hi u. &longs;. w. Die beyge&longs;chriebenen Decimalbrüche &longs;ind die Co&longs;inus der Bogen von 5°, 10°, 15° rc. für den Sinustotus = 1, nach deren Verhältni&longs;&longs;en ähnliche Bogen der Parallelkrei&longs;e von 5 zu 5 Graden vom größten Krei&longs;e aus gegen den Pol A abnehmen. Beym Zu&longs;chneiden &longs;elb&longs;t wird rings um die Patrone ein 1/2 Zoll breiter Rand für die Näthe gela&longs;&longs;en.

Die Hüllen zu Kugeln mit erhitzter Luft werden von innen mit etwas, das &longs;ie vor dem Feuer &longs;chützt, von außen mit etwas, das vom Regen nicht aufgelö&longs;et wird, z. B. inwendig mit einer Erdfarbe und auswendig mit einem &longs;ehr &longs;chnell trocknenden Oelfirniß über&longs;trichen, auch wohl vorher in einer Auflö&longs;ung von Salmiak und Kalk geweicht. Die &longs;eidnen Zeuge zu Kugeln mit brennbarer Luft werden mit Firni&longs;&longs;en über&longs;trichen, wozu man in Frankreich eine geheim gehaltene Auflö&longs;ung des Federharzes (gummi ela&longs;ticum), vermuthlich in irgend einem we&longs;entlichen Oele, zu gebrauchen anfieng, bis man endlich gefunden hat, daß ein Firniß von trocknendem Leinöl, mit Vogelleim abgekocht und mit Terpentingei&longs;t vermi&longs;cht, eben &longs;o gute, oder noch be&longs;&longs;ere Dien&longs;te lei&longs;te. Mit die&longs;em Firniß wird der Seidenzeug auf beyden Seiten über&longs;trichen, und, wenn alles getrocknet i&longs;t, werden die vorhin be&longs;chriebnen Streifen zur Kugel zuge&longs;chnitten, mit den daran gela&longs;&longs;enen Rändern an oder auf einander gelegt, gefaltet, und mit fe&longs;ten Näthen zu&longs;ammenge&longs;tochen. Es i&longs;t gut, die Näthe noch einmal mit Firniß zu über&longs;treichen.

Die Aero&longs;taten mit erhitzter Luft bekommen am Boden eine Oefnung, deren Durch&longs;chnitt 1/4—1/3 vom Durchme&longs;&longs;er der ganzen Ma&longs;chine beträgt; an die&longs;e wird ein leinener cylindri&longs;cher Hals von gleichem Durch&longs;chnitte und 6 Schuh Höhe angenähet. Sollen Men&longs;chen mit in die Höhe &longs;teigen, &longs;o wird von außen um die&longs;en Hals eine von Weiden geflochtene 3 Schuh hohe und 18 Zoll breite Gallerie angebracht, deren inneres Gelender an den Hals der Ma&longs;chine be&longs;e&longs;tigt i&longs;t, das äußere aber an Stricken hängt, die vom obern Theile der Kugel kommen, und an der obern Helfte der Kugelfläche von andern Stricken in Form eines Netzes durchkreuzt werden. Auch wird eine Glutpfanne aus ei&longs;ernen Stäben, deren Durchme&longs;&longs;er etwa 1/3 von dem Durch&longs;chnitte der Oefnung einnimmt, mitten unter der&longs;elben, 1 Schuh höher, als der untere Rand des Hal&longs;es, an Ketten aufgehangen, welche an das innere Gelender der Gallerie befe&longs;tigt &longs;ind. In den Hals werden Luftlöcher einge&longs;chnitten, durch welche man von der Gallerie aus das Feuer &longs;chüren und unterhalten kan. Taf. I. Fig. 9. zeigt die Ge&longs;talt einer &longs;olchen Ma&longs;chine, wie &longs;ie in die Atmo&longs;phäre auf&longs;teigt.

Um &longs;ie zu füllen, wird ein 6—8 Schuh hohes Gerü&longs;t ABCD, Taf. I. Fig. 10. errichtet, in de&longs;&longs;en Mitte der gemauerte Ofen oder Schor&longs;tein EF bis auf den Boden herabgehet. Die&longs;er Ofen hat unten eine Thür, das Feuer anzumachen, und muß 2 — 3 Schuh über das Gerü&longs;t hervorragen. Er muß etwas &longs;chmäler, als der Hals der Ma&longs;chine &longs;eyn. Man kan unten einen ei&longs;ernen Ro&longs;t legen, um dem Feuer Luft von unten her zu ver&longs;chaffen. An beyden Seiten des Gerü&longs;ts &longs;tehen &longs;tarke Bäume oder Ma&longs;ten HI, KL, oben mit Rollen, über welche ein Strick läuft, der durch einen Ring am obern Theile der Ma&longs;chine gezogen, dazu dient, durch Anziehen &longs;einer Enden die obern Theile der Ma&longs;chine in die Höhe zu heben. Auch um den Aequator der Kugel &longs;ind Ringe angebracht, um an durchgezogenen Stricken die Ma&longs;chine fe&longs;thalten zu können. Die| Kugel wird nun zu&longs;ammengefaltet &longs;o aufs Gerü&longs;t gelegt, daß die Oefnung des Hal&longs;es genau auf den Schor&longs;tein pa&longs;&longs;et, in welchem ein helles, nicht viel Rauch gebendes Feuer von kleinem Holze und Stroh angezündet wird. Die&longs;es treibt einen Strom von erhitzter Luft in die Kugel, entfaltet die&longs;elbe, &longs;chwellt &longs;ie an, und hebt ihren obern Theil, dem man durch den über die Rollen gezognen Strick nachhelfen kan. Nunmehr wird alles, was mit der Ma&longs;chine auf&longs;teigen &longs;oll, in die Gallerie gebracht, in welche &longs;ich auch die Luftfahrer &longs;tellen; man zieht die Kugel, &longs;obald &longs;ie &longs;ich hebt, ein wenig &longs;eitwärts, hängt die Gluthpfanne ein, zündet das Feuer in der&longs;elben an, und überläßt die Ma&longs;chine der Luft.

Die Aero&longs;taten mit brennbarer Luft bekommen an ihrem obern Theile eine Klappe, welche durch eine Feder zugehalten wird, und mit einer Schnur, welche bis an den Ort der Luft&longs;ahrer herabreicht, geöfnet werden kan. Die&longs;e Klappe dient, brennbare Luft aus dem Balle herauszula&longs;&longs;en. An den untern Theil der Kugel kommen ein oder zwey Schläuche von gefirnißtem Taffet, die etwa 6—10 Zoll im Durchme&longs;&longs;er halten, und ebenfalls bis an den Sitz der Luftfahrer herabreichen. Durch die&longs;e wird die Kugel gefüllt. Der Wagen oder das Boot, worinn die Luftfahrer &longs;itzen, hängt an Stricken, die von einem über die obere Helfte der Kugel gehenden Netze herabkommen, und etwa 2 Schuh unter der Kugel an einen frey&longs;chwebenden hölzernen Reif befe&longs;tiget &longs;ind, von dem &longs;ie weiter herabgehen und das Boot tragen. Einige haben auch noch einen hölzernen mit Leder überzognen Reif mitten um die Kugel gelegt, und die Stricke an den&longs;elben befe&longs;tiget, damit &longs;ie nicht durch Hin- und Her&longs;chieben die Kugel reiben &longs;ollten. Taf. I. Fig. 11. zeigt einen Aero&longs;tat von die&longs;er Art in der Luft.

Um &longs;olche Ma&longs;chinen zu füllen, muß man zuer&longs;t für die nöthigen Materialien zu Entbindung der brennbaren Luft &longs;orgen. Man rechnet auf einen Pari&longs;er Cubik&longs;chuh brennbares Gas, 6 Unzen Ei&longs;en&longs;päne, 6 Unzen Vitriolöl, und 30 Unzen Wa&longs;&longs;er; hieraus läßt &longs;ich leicht finden, wie viel Materialien zu Füllung einer Kugel von gegebnem Inhalte nöthig &longs;ind. Obgleich die Kugeln nie ganz gefüllt werden (damit das Gas Raum behalte, &longs;ich in der obern weniger ela&longs;ti&longs;chen Luft auszubreiten) &longs;o i&longs;t es doch rath&longs;am, bey An&longs;chaffung der Materialien aufs Ganze zu rechnen, damit man deren eher zu viel, als zu wenig, habe. Taf. I. Fig. 12. zeigt nun die Geräth&longs;chaft zur Füllung. A, A &longs;ind zwo 3 Schuh breite und 2 Schuh tiefe Wannen, die in zwo andere breitere und mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Wannen B B, umge&longs;türzt &longs;ind. Am Boden jeder umge&longs;türzten Wanne befindet &longs;ich eine blecherne Röhre E, 7 Zoll weit und eben &longs;o lang. Um jede Wanne B, B werden 6—8 Fä&longs;&longs;er ge&longs;tellt, deren jedes im obern Boden zwo Oefnungen hat. Aus der einen Oefnung geht eine blecherne Röhre in die Höhe, beugt &longs;ich über den Rand der Wanne B niederwärts, bis in das Wa&longs;&longs;er die&longs;er Wanne herab, und endigt &longs;ich mit einer aufwärts gekehrten und im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden Oefnung unter der Wanne A. Die Weite einer &longs;olchen Röhre i&longs;t etwa 3 1/2 Zoll. Die andere Oefnung im Boden der Fä&longs;&longs;er dient zum Ein&longs;chütten der Materialien, und wird mit einem Zapfen ver&longs;chlo&longs;&longs;en. Auch hier kan man die Kugel mit dem obern Ende an ein Seil hängen, das über zwo Rollen an hohen Bäumen läuft; das untere Ende der Kugel &longs;teht etwa 6 Schuh hoch über den Wannen A, A. Beym Füllen &longs;elb&longs;t legt man das Netz über die Kugel, faltet &longs;ie ganz zu&longs;ammen, um die gemeine Luft herauszutreiben, bindet die &longs;eidnen Schläuche um die blechernen Röhren EE, &longs;chüttet in die Fä&longs;&longs;er zuer&longs;t die Ei&longs;en&longs;päne, dann das Wa&longs;&longs;er und zuletzt das Vitriolöl. Die brennbare Luft &longs;teigt dann durch die Röhren an den Böden der Fä&longs;&longs;er, und geht durch das in den Wannen B und A befindliche Wa&longs;&longs;er in die Röhren EE, und durch die Schläuche in die Kugel über, &longs;chwellt die&longs;elbe auf, und macht, daß &longs;ie &longs;ich bald von &longs;elb&longs;t ohne Hülfe des Seils GH in der Höhe erhält. So, wie &longs;ich die Kugel immer mehr aufblä&longs;et, wird das Netz ringsumher in die gehörige Lage gebracht, der Reif und das Boot für die Luftfahrer daran befe&longs;tiget, und alles Nöthige zur Rei&longs;e vorbereitet. I&longs;t die Kugel etwas über drey Viertel gefüllt, &longs;o bindet man die Schläuche von den Röhren EE ab, bindet &longs;ie zu, und legt ihre Enden neb&longs;t der Schnur zur Klappe in das Boot. Die Kugel, welche bisher mit Stricken, die an das Netz befe&longs;tigt &longs;ind, gehalten worden i&longs;t, wird nun freygela&longs;&longs;en, und &longs;teigt mit dem Boote und den Luftfahrern auf.

Von dem Schau&longs;piele, welches Ma&longs;chinen von &longs;olcher Größe dar&longs;tellen, wenn &longs;ie mit Men&longs;chen in die Luft &longs;teigen, &longs;prechen alle Augenzeugen de&longs;&longs;elben mit Entzücken und Bewundrung. Es hat Hohe und Niedrige, Kenner und Unerfahrne, überall ohne Ausnahme zur leiden&longs;chaftlich&longs;ten Theilnehmung hingeri&longs;&longs;en. Die Großen haben ihren Beyfall durch königliche Belohnungen, die mittlern Stände durch Lob&longs;prüche, Gedichte, Monumente, Münzen, das gemeine Volk durch Jauchzen, Einführung im Triumph, und Unwi&longs;&longs;ende nicht &longs;elten durch eine fa&longs;t abgötti&longs;che Verehrung der Luftfahrer an den Tag gelegt. Den Luftfahrern &longs;elb&longs;t fehlt es an Worten, um ihre Empfindungen auszudrücken; alle aber ge&longs;tehen, daß vornehmlich die Herrlichkeit der Aus&longs;icht und die in der Atmo&longs;phäre herr&longs;chende maje&longs;täti&longs;che Stille ein unbe&longs;chreiblich angenehmes Gefühl errege.

Welche Gattung von Aero&longs;taten vorzüglicher &longs;ey, läßt &longs;ich noch nicht ent&longs;cheiden. Die mit verdünnter Luft &longs;ind wohlfeiler und leichter zu verfertigen; die mit brennbarer hingegen &longs;icherer, kleiner und dauerhafter.

Die Bewegung des Aero&longs;taten in der Luft läßt &longs;ich, wie alle Bewegungen, in eine vertikale und eine horizontale zerlegen. Was die vertikale Bewegung betrifft, &longs;o &longs;teigt der Aero&longs;tat, der in den obern Regionen leichtere Luft antrifft, nur &longs;o lange, bis er &longs;ich in derjenigen Luft&longs;chicht befindet, welche mit ihm &longs;elb&longs;t eine gleiche &longs;pecifi&longs;che Schwere hat; oder er geht vielmehr wegen &longs;einer &longs;chon vorher erlangten Ge&longs;chwindigkeit noch ein wenig über die&longs;e Luft&longs;chicht hinaus, &longs;inkt wieder, und bleibt endlich nach ver&longs;chiedenen O&longs;cillationen &longs;tehen. Die nähere Unter&longs;uchung die&longs;er Bewegung macht ein &longs;ehr &longs;chönes Problem der höhern Mechanik aus, über welches der große Leonhard Euler wenige Tage vor &longs;einem Tode &longs;eine letzten Rechnungen an&longs;tellte, und wovon Meu&longs;nier (Schreiben über den Ball im Champ de Mars, in dem am Ende angeführten Werke des Faujas) und Kramp (Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, Strasburg 1784. 8. Th. I. 11—15 Ab&longs;chnitt) Auflö&longs;ungen zu geben ver&longs;ucht haben. Die&longs;e Rechnungen gelten jedoch nur für Fälle, in welchen der Zu&longs;tand des Aero&longs;taten &longs;elb&longs;t, während des Auf&longs;teigens, ungeändert bleibt. Wenn Men&longs;chen auf Aero&longs;taten mit verdünnter Luft auf&longs;teigen, &longs;o wirken &longs;ie durch Ver&longs;tärkung und Verminderung des Feuers &longs;ehr ver&longs;chiedentlich auf den Zu&longs;tand der darinn enthaltenen Luft; Ver&longs;tärkung des Feuers treibt den Ball &longs;chneller in die Höhe, Verminderung de&longs;&longs;elben hält ihn zurück, oder &longs;enkt ihn wieder herab, und man &longs;ieht leicht, daß &longs;o willkührliche Veränderungen &longs;ich keiner Rechnung unterwerfen la&longs;&longs;en. Einige Luftfahrer, be&longs;onders der unglückliche Pilatre de Rozier, brachten es &longs;ehr weit in der Ge&longs;chicklichkeit, das Feuer zu behandeln, und &longs;ich dadurch nach Gefallen zu heben oder herabzu&longs;enken; die&longs;es Mittel i&longs;t &longs;o wirk&longs;am, daß der Luftfahrer dadurch die fein&longs;ten vertikalen Bewegungen des Balls fa&longs;t ganz in &longs;einer Gewalt hat.

Die vertikale Bewegung der Aero&longs;taten mit brennbarer Luft läßt noch eher einige Berechnung zu. Für die Höhe, in welcher der Aero&longs;tat &longs;tehen bleibt, läßt &longs;ich folgender Ueber&longs;chlag machen. Vorausge&longs;etzt, daß die &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticitäten der gemeinen und brennbaren Luft unverändert bleiben, wenn &longs;ich gleich die ab&longs;oluten Ela&longs;ticitäten ändern, nimmt a—b in gleichem Verhältni&longs;&longs;e mit a &longs;elb&longs;t ab. Wenn daher das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes Luft in der Region, worinn die Kugel &longs;till &longs;teht, = a ge&longs;etzt wird, &longs;o verwandelt &longs;ich a—b da&longs;elb&longs;t in a/a(a—b), und weil für den Fall des Still&longs;tehens k = o wird, &longs;o giebt die Formel p+k=c(a—b) hier p = (ca/a) (a—b) woraus c(a—b):p=a:a folgt. Dies i&longs;t das Verhältniß der Dichten der Luft, oder der Barometerhöhen, unten an der Erde und oben in der Region des Still&longs;tehens der Kugel. I&longs;t daher die Barometerhöhe an der Erde beym Abgange der Kugel =H, &longs;o wird die obere h = (p H/<*>(a—b) &longs;eyn, woraus &longs;ich die Höhe der Region be&longs;timmen läßt. &longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che.

Er. Als Charles am 1 Dec. 1783 in der Pläne bey Ne&longs;le auf&longs;tieg, wog die Ma&longs;chine mit aller La&longs;t 438 Pfund, das Gewicht der Luft, welche &longs;ie unten aus der Stelle getrieben hatte, (oder ca) wird 800 Pfund &longs;chwer angegeben, und a:b=5 1/4: 1=21: 4 ge&longs;etzt. Daher i&longs;t c(a—b)=800—(4/21)·800=648. Das Barometer hatte beym Abgange der Ma&longs;chine auf 28 Zoll 4 Lin. ge&longs;tanden. Nun i&longs;t 648:438=28″4‴:19″2‴ daß al&longs;o die Kugel &longs;o lange &longs;teigen mußte, bis das Barometer auf 19 Zoll 2 Lin. &longs;tand. Charles fand es zwar nur auf 18 Zoll 10 Linien, welches eine Höhe von 1643 Toi&longs;en giebt; bringt man aber die gehörigen Berichtigungen wegen der oben und unten ver&longs;chiedenen Wärme an, &longs;o finden &longs;ich &longs;ogar 17 Zoll 9 Lin. Es i&longs;t al&longs;o der Theorie &longs;ehr gemäß, wenn Charles behauptet eine Höhe von 1600 Toi&longs;en erreicht zu haben.

Auch bey die&longs;er Art von Aero&longs;taten haben die Luftfahrer das Steigen und Fallen in ihrer Gewalt. Sie &longs;teigen, wenn &longs;ie das Gewicht des Ganzen durch Herabwerfung von Balla&longs;t vermindern, in welcher Ab&longs;icht &longs;tets ein Vorrath von Sand&longs;äcken rc. mitgenommen wird; &longs;ie &longs;inken, wenn &longs;ie durch die Klappe etwas brennbare Luft herausla&longs;&longs;en. Da auch die be&longs;ten gefirnißten Seidenzeuge nicht undurchdringlich für die brennbare Luft &longs;ind, &longs;o würde der Aero&longs;tat bald von &longs;elb&longs;t herab&longs;inken, wenn man nicht von Zeit zu Zeit Balla&longs;t auswerfen wollte. Daher i&longs;t zu langen Luftfahrten ein ziemlicher Vorrath von Balla&longs;t nöthig, de&longs;&longs;en Mangel oft viel Verlegenheit verur&longs;acht hat. Blanchard war bey der Ueberfahrt über den Canal genöthigt, &longs;ogar &longs;eine Kleider herabzuwerfen. Etwas Balla&longs;t muß auch für das Herabkommen aufge&longs;part werden, damit nahe an der Erde durch das Abwerfen de&longs;&longs;elben der allzuplötzliche Fall der Ma&longs;chine verhütet werden könne. Das Herausla&longs;&longs;en der brennbaren Luft durch die Klappe, wenn man herab&longs;inken will, oder durch den Schlauch, wenn die Ela&longs;ticität des einge&longs;chloßnen Gas die Kugel zu &longs;tark aus&longs;pannt und &longs;ie zu zer&longs;prengen drohet, &longs;ind freylich nur Nothmittel, bey denen man allezeit brennbare Luft verliert. Es &longs;ind daher Vor&longs;chläge gethan worden, das Sinken auf andere Art zu bewirken, z. B. durch Gefäße, worein man äußere Luft pumpen und comprimiren könnte, um dadurch das Gewicht des Ganzen zu vergrößern; durch eine in die große Ma&longs;chine einge&longs;chlo&longs;&longs;ene zweyte, die man durch eine Röhre mit atmo&longs;phäri&longs;cher Luft aufbla&longs;en könnte u. &longs;. f. Allein die&longs;e Ver&longs;tärkungen des Gewichts &longs;ind allzu unbeträchtlich; und der letztere Vor&longs;chlag nützt bloß dazu, das Zerplatzen der Kugel zu verhüten, indem man durch Ausla&longs;&longs;ung der gemeinen Luft aus dem innern Balle der brennbaren Luft, wenn &longs;ie &longs;ich allzu&longs;tark ausdehnet, mehr Raum ver&longs;chaffen kan. Mehr Beyfall hat der Vor&longs;chlag gefunden, zween Aero&longs;taten, einen mit brennbarer Luft, und 30 Schuh weit darunter einen mit Feuer, zu verbinden, wobey durch Ver&longs;tärkung und Verminderung des Feuers das Steigen und Fallen bewirkt werden kan. Man hat &longs;olche Ma&longs;chinen Carolo-Montgolfieren genannt; zwar verunglückte Pilatre de Rozier auf einer &longs;olchen, es &longs;cheint aber die Ur&longs;ache die&longs;es Unfalls nicht die Entzündung der brennbaren Luft, &longs;ondern das Zerreißen der Ma&longs;chine gewe&longs;en zu &longs;eyn, welche &longs;eit langer Zeit durch die Witterung gelitten hatte. Endlich hat man auch das Steigen oder Fallen durch auf - und niederbewegte Ruder oder Flügel zu bewirken ge&longs;ucht, bisher noch ohne &longs;onderlichen Erfolg; Vlanchard hat &longs;einem Aero&longs;tat einen Fall&longs;chirm (Parachûte) in Ge&longs;talt eines ausge&longs;pannten Regen&longs;chirms beygefügt, der allerdings dazu beyträgt, ein plötzliches Niederfallen zu verhüten.

Was die horizontale Bewegung betrifft, &longs;o i&longs;t der &longs;ich &longs;elb&longs;t überla&longs;&longs;ene Aero&longs;tat gänzlich ein Spiel des Windes, der ihn ergreift und nach &longs;einer Richtung forttreibt, da er bey einer vollkommnen Wind&longs;tille &longs;ich gar nicht horizontal bewegen würde. Sich von die&longs;er Abhängigkeit zu befreyen, und den Aero&longs;tat nach einer vom Winde abweichenden willkührlichen Richtung zu lenken, das i&longs;t das große Problem, de&longs;&longs;en Auflö&longs;ung noch bis jetzt die Naturfor&longs;cher be&longs;chäftiget. Seitdem die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Lyon die&longs;es Problem zur Preisfrage für 1784 aufgegeben hat, &longs;ind hierüber eine Menge theils &longs;innreicher, theils thörichter Vor&longs;chläge gethan worden. Unter die letztern &longs;ind diejenigen zu rechnen, welche Segel zu brauchen anrathen, durch welche der &longs;chief an&longs;toßende Wind den Aero&longs;taten, wie ein Schiff auf der See, treiben &longs;oll. Man hat hiebey nicht bedacht, daß der Wind aufhört, auf den Aero&longs;taten zu wirken, &longs;obald die&longs;er mit ihm eine gleiche Ge&longs;chwindigkeit angenommen hat, daß &longs;ich al&longs;o der Aero&longs;tat nicht in dem Falle des &longs;egelnden Schiffes befindet, welches von dem Wider&longs;tande des Wa&longs;&longs;ers alle Augenblicke zurückgehalten wird, und nie eine dem Winde gleiche Ge&longs;chwindigkeit erlangt, daß er vielmehr in dem Falle einer Kugel i&longs;t, welche eben &longs;o ge&longs;chwind vor der Hand herrollet, als die&longs;e nachfolgt, in welche al&longs;o die Hand nicht wirken kan, &longs;. Kraft, relative. Daher können hier auch die Steuerruder keine Wirkung thun, welche man &longs;chief gegen den Wind zu richten vorge&longs;chlagen hat.

Be&longs;&longs;er &longs;ind die Vor&longs;chläge von Rudern oder Flügeln, welche von den Luftfahrern ihrer Ab&longs;icht gemäß gegen die Luft, wie Ruder gegen das Wa&longs;&longs;er, bewegt werden. Die damit ange&longs;tellten Proben &longs;ind noch bisher am glücklich&longs;ten ausgefallen, und die Brüder Robert behaupten, am 19 Sept. 1784 damit 2 Grad Abweichung vom Winde erreicht zu haben. Es i&longs;t am be&longs;ten, &longs;olche Ruder ganz einfach zu machen; alle mechani&longs;che Kün&longs;teleyen würden mehr hinderlich &longs;eyn. So haben die Roberts, Blanchard u. a. ganz einfache runde oder viereckichte Flächen von Seide oder Leinwand in einen Rahmen gefaßt, und mit dem Stiele, wenn &longs;ie nach der Richtung des Windes &longs;chlugen, die Fläche, wenn &longs;ie das Ruder gegen den Wind zurückzogen, die Schärfe nach dem Winde gekehrt. Lunardi &longs;etzte &longs;eine Ruder aus &longs;eidnen Klappen zu&longs;ammen, welche &longs;ich, nach dem Winde bewegt, zu&longs;chlugen, gegen ihn geführt, öfneten, daß al&longs;o das Umwenden nicht nöthig war. Zambeccari richtete die &longs;einigen &longs;o ein, daß &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t umwendeten. Die glücklich&longs;te Wirkung &longs;ollen die Ruder der Herren Vallet und Alban bey ihrem Ver&longs;uche vom 29 Augu&longs;t 1785 gethan haben.

Der Vor&longs;chlag, durch eine kleine Oefnung an der Seite des Aero&longs;tats eine Störung des Gleichgewichts zu bewirken, und dadurch eine Bewegung der Kugel &longs;elb&longs;t in Wind&longs;tillen zu veranla&longs;&longs;en, gehört dem einen Montgolfier &longs;elb&longs;t zu; Andere haben durch den Stoß der Luft aus einer Aeolipile oder durch Abbrennung von Racketen gegen den Wind zu wirken angerathen. Noch Andere glauben, da in den ver&longs;chiedenen Regionen der Atmo&longs;phäre ganz ver&longs;chiedene Luftzüge herr&longs;chen, die oft in der Höhe dem untern Winde ganz entgegenge&longs;etzt &longs;ind, &longs;o &longs;ey es genug, durch abwech&longs;elndes Steigen und Fallen diejenige Region aufzu&longs;uchen, in welcher der erwün&longs;chte Wind herr&longs;che. Die Ausführung die&longs;es Vor&longs;chlags &longs;etzt aber eine genauere Kenntniß der Winde in ver&longs;chiedenen Höhen voraus, als wir noch bisher erlangt haben.

Ueber den Nutzen, der &longs;ich von der Erfindung der Aero&longs;taten erwarten läßt, etwas Ent&longs;cheidendes zu &longs;agen, i&longs;t bey einem &longs;o geringen Alter und unvollkommenen Zu&longs;tande der&longs;elben kaum möglich. Sie i&longs;t, wie Franklin ge&longs;agt haben &longs;oll, ein neugebohrnes Kind, das der Erziehung und Ausbildung bedarf, über de&longs;&longs;en künftige Verdien&longs;te zu ent&longs;cheiden, Thorheit wäre. Unter den Händen ein&longs;ichtsvoller Naturfor&longs;cher könnte &longs;ie vielleicht an&longs;ehnliche Verbe&longs;&longs;erungen erhalten, und zur Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften &longs;owohl als zum Vortheile der men&longs;chlichen Ge&longs;ell&longs;chaft auf manche Wei&longs;e nützlich werden; wofern nicht ein unglückliches Schick&longs;al &longs;ie ganz den Händen eitler oder gewinn&longs;üchtiger Waghäl&longs;e überliefert, die &longs;ie zur Schau herumzutragen, und den Enthu&longs;iasmus, mit dem man &longs;ie zuer&longs;t aufnahm, in kalte Gleichgültigkeit zu verwandeln anfangen. Die bisher ange&longs;tellten Luftfahrten &longs;ind freylich größtentheils bloße Schau&longs;piele gewe&longs;en, und haben uns noch wenig eigentlichen Nutzen oder Belehrung über den Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre ver&longs;chaft, ob &longs;ie gleich die Luftfahrer immer &longs;ehr reichlich mit meteorologi&longs;chen Werkzeugen ausgerüftet hatten. Die auffallende Unterla&longs;&longs;ung des Gebrauchs die&longs;er Werkzeuge i&longs;t theils der Unwi&longs;&longs;enheit mancher Luft&longs;chiffer, theils ihrer &longs;ehr zu ent&longs;chuldigenden Zer&longs;treuung durch andere Gegen&longs;tände zuzu&longs;chreiben. Man i&longs;t inzwi&longs;chen den kühnen Unternehmern der er&longs;ten Luftrei&longs;en den wärm&longs;ten Dank &longs;chuldig; &longs;ie haben mit Gefahr ihres Lebens die Möglichkeit einer Unternehmung bewie&longs;en, die dem men&longs;chlichen Ver&longs;tande zur Ehre gereicht, und &longs;einer Wirk&longs;amkeit ein neues Gebiet eröfnet. Dem er&longs;ten Luftfahrer, Pilatre de Rozier, neb&longs;t &longs;einem Gefährten, hat &longs;ie zwar das Leben geko&longs;tet; allein wie wahr&longs;cheinlich i&longs;t es, daß unter den 60—70 er&longs;ten Seefahrern weit mehr, als zween, verunglückt &longs;eyn mögen. Auch haben nachher ange&longs;tellte Luftrei&longs;en &longs;chon bewie&longs;en, daß die&longs;er unglückliche Fall die Fort&longs;etzung der aero&longs;tati&longs;chen Ver&longs;uche nicht hemmen werde.

Welche Vortheile die&longs;e Erfindung in Zukunft gewähren könnte, kan &longs;ich Jeder, auch mit nur mäßig lebhafter Einbildungskraft, &longs;elb&longs;t vor&longs;tellen; für die Phy&longs;ik werden genauere Unter&longs;uchungen über den Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre, über Wolken, Ent&longs;tehung des Regens und der Meteore überhaupt, über die Stralenbrechung, Abnahme der Schwere, Fortpflanzung des Schalls, Elektricität der Atmo&longs;phäre rc. die wichtig&longs;ten &longs;eyn. Zur Unter&longs;uchung der atmo&longs;phäri&longs;chen Elektricität &longs;ind kleinere Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, &longs;chon mit großem Vortheil, &longs;tatt der bisher gewöhnlichen Drachen gebraucht worden.

De&longs;cription des experiences de la machine aëro&longs;tatique, par M. Faujas de St. Fond. Paris 1783. 8. Premiere &longs;uite de la de&longs;cription des exp. etc. Paris 1784. 8. Be&longs;chreibung der Ver&longs;uche mit den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen von Faujas de St. Fond. Leipzig 1784. 8. Fortge&longs;etzte Be&longs;chreibung rc. mit einem Nachtrage der neu&longs;ten Ver&longs;uche. Leipzig, 1785. 8.

Montgolfier&longs;che Luftkörper von F. L. Ehrmann. Straßburg 1784. 8. Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, hi&longs;tori&longs;ch, phy&longs;i&longs;ch und mathemati&longs;ch ausgeführt (von Kramp.) Er&longs;ter Theil Straßburg 1784. Zweiter Th. eb. 1785. 8. Tib. Cavallo Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik., a. d. Engl. Leipzig 1785. 8.

Aero&longs;tatik, Aëro&longs;tatica, Aëro&longs;tatique.

Die&longs;er Name gebührt eigentlich der Lehre vom Gleichgewicht der Luft, &longs;owohl für &longs;ich, als mit andern Körpern, i&longs;t auch in die&longs;er Bedeutung &longs;ehr richtig &longs;chon von Leupold (Theatr. aëro&longs;tat.) und neuerlich von Herrn Kar&longs;ten (Lehrbegrif der ge&longs;ammten Mathematik. III. Th. Greifswald 1769. 8.) gebraucht worden. Er bezeichnet auf die&longs;e Art einen gro&longs;&longs;en Theil der Aerometrie, welche &longs;ich in Aero&longs;tatik, Pnevmatik und Aerodynamik abtheilen läßt, &longs;. Aerometrie. Seit der Entdeckung der Luftbälle haben einige angefangen, den Namen der Aero&longs;tatik in einge&longs;chränkterm Sinne bloß der Lehre von den Aero&longs;taten (&longs;. den vorhergehenden Artikel) beyzulegen, die doch nur einen Theil der eigentlichen Aero&longs;tatik ausmacht. Meines Erachtens wäre für die&longs;e Lehre der Name Aeronautik &longs;chicklicher, da die Hauptab&longs;icht doch auf Luft&longs;chiffahrt, oder willkührliche Bewegung die Aero&longs;taten in der Luft, gerichtet i&longs;t. Die Engländer, z. B. Cavallo, brauchen das noch un&longs;chicklichere Wort: Aero&longs;tation, welches eher die Kun&longs;t bezeichnet, in der Luft &longs;tillzu&longs;tehen, als die, in der&longs;elben zu &longs;chiffen.

Aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Aero&longs;tat.

Aether, Himmelsluft, feine Materie im Weltraume, Aether, materia &longs;ubtilis, elementum primum Carte&longs;ii, Ether, matière &longs;ubtile.

Namen, welche die Naturfor&longs;cher einer von ihnen angenommenen äu&longs;&longs;er&longs;t feinen und ela&longs;ti&longs;chen flüßigen Materie beylegen, welche durch den ganzen Weltraum verbreitet &longs;eyn, und durch die Zwi&longs;chenräume aller Körper dringen &longs;oll. Alles, was &longs;ich von die&longs;em Gegen&longs;tande &longs;agen läßt, i&longs;t hypotheti&longs;ch, und bloß zur Erklärung gewi&longs;&longs;er Er&longs;cheinungen angenommen; unmittelbare und klare Erfahrungen über das Da&longs;eyn und die Eigen&longs;chaften des Aethers fehlen gänzlich. Daher die&longs;er Artikel nichts weiter, als eine kurze Anzeige men&longs;chlicher Meynungen enthalten kan.

Descartes, welcher voraus&longs;etzte, daß es in der Welt gar keinen| leeren Raum gebe, nahm an, der Schöpfer habe bey Hervorbringung der Welt eine Menge Theilchen von ver&longs;chiednen Ge&longs;talten in Bewegung ge&longs;etzt; durch das Abtreiben die&longs;er Theilchen an einander &longs;eyen drey Elemente ent&longs;tanden; aus den fein&longs;ten abgeriebnen Stäubchen be&longs;tehe das er&longs;te, aus den kugelförmigen Theilchen das zweyte, aus den gröbern und unregelmäßig gebildeten das dritte Element. Die&longs;es dritte Element &longs;ey| der Stof der Erde und der Planeten, das zweyte die Materie des Lichts, das er&longs;te aber oder die &longs;ubtile Materie bilde, wenn &longs;ie &longs;ich um einen Mittelpunkt ordne, eine Sonne, fülle aber auch die Zwi&longs;chenräume aus, welche zwi&longs;chen den eckichten oder runden Ge&longs;talten der übrigen Elemente leer blieben, und &longs;o &longs;chließe die Materie des Ganzen mit der vollkommen&longs;ten Berührung zu&longs;ammen. So hat er &longs;ich unter dem Namen des er&longs;ten Elements fa&longs;t eben das vorge&longs;tellt, was neuere Naturlehrer Aether nennen, eine feine durch den Weltraum und die Zwi&longs;chenräume der Körper verbreitete Materie, die er zwar von der Materie des Lichts unter&longs;chied, aber doch mit zur Erklärung des Lichts und überhaupt aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt gebrauchte.

Malebranche (Recherche de la verité. L. VI. ch. 9.) und Jacob Bernoulli (De gravitate aetheris. Am&longs;t. 1683. 8.) &longs;chreiben dem Drucke einer &longs;olchen Materie, die &longs;ie Aether nennen, die Fe&longs;tigkeit und den Zu&longs;ammenhang der Körper zu. Der Letztere nimmt eigentlich den Aether hiebey zu Hülfe, weil er mit dem Drucke der Luft allein nicht auskommen kann.

Huygens (Traité de la lumiere. Leide 1690. 4.) legt der Lichtmaterie &longs;elb&longs;t den Namen Aether bey, &longs;chreibt ihr Ela&longs;ticität zu, und erklärt die Fortpflanzung des Lichts in der&longs;elben durch wellenförmige Bewegungen, oder Wirbel, welche jedes von dem leuchtenden Körper bewegte Theilchen der&longs;elben rings um &longs;ich her errege. Er leitet die Phänomene des Doppel&longs;teins oder isländi&longs;chen Kry&longs;talls von einer doppelten Art die&longs;er Wirbel her, deren eine kugelrund, die andere länglich &longs;ey. So erdachten &longs;ich die&longs;e Naturlehrer Materien und Bewegungen der&longs;elben nach ihrem Gefallen und nach dem Bedürfni&longs;&longs;e ihrer Hypothe&longs;en, ohne eine einzige unmittelbare Erfahrung über das wirkliche Da&longs;eyn der&longs;elben anzuführen.

Newton, dem die willkührliche und hypotheti&longs;che Art, über die Natur zu philo&longs;ophiren, äußer&longs;t misfiel, ward durch Experimentalunter&longs;uchungen des Lichts auf das Emanations&longs;y&longs;tem geleitet, und erklärt &longs;ich an ver&longs;chiedenen Stellen &longs;einer Schriften gegen die Hypothe&longs;en vom Aether, &longs;o wie gegen alle Hypothe&longs;en überhaupt. Haupt&longs;ächlich aber be&longs;treitet er die Meynungen des Descartes von dem völlig ausgefüllten Raume, und des Huygens von der Fortpflanzung des Lichts durch wellenförmige Schwingungen des Aethers. Inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;eine Meynung wohl nicht dahin gegangen, das Da&longs;eyn einer feinen Materie im Himmelsraume und in den Zwi&longs;chenräumen der Körper zu läugnen. Wenn er (Philo&longs;. naturalis princip. math. L. III. Prop. 10.) behauptet, die Planeten litten bey ihren Bewegungen im Himmelsraume keinen Wider&longs;tand, &longs;o bewei&longs;et er die&longs;es nur daraus, weil die Luft 200 Meilen über der Erde &longs;chon 75 Billionenmal dünner, als an der Erdfläche &longs;ey, und Iupiter in einem &longs;o dünnen Mittel eine Million Jahre laufen könnte, ehe er durch den Wider&longs;taud de&longs;&longs;elben nur ein Milliontheilchen der ihm mitgetheilten Bewegung verlieren würde. Dies heißt wohl nicht, eine ab&longs;olute Leere, es heißt, eine äußer&longs;t feine Materie in den Himmelsraum &longs;etzen, oder es heißt vielmehr, nicht ent&longs;cheiden, aber nur zeigen, daß auch, wenn eine &longs;olche Materie da wäre, der Wider&longs;tand noch nicht merklich &longs;eyn könne. Und was den Aether in den Zwi&longs;chenräumen der Körper betrift, &longs;o zeigt der Schluß &longs;einer Principien deutlich, daß er das Da&longs;eyn de&longs;&longs;elben für wahr&longs;cheinlich gehalten habe. ”Adjicere liceret, &longs;agt er, non”nulla de &longs;piritu quodam &longs;ubtili&longs;&longs;imo corpora cra&longs;&longs;a ”pervadente, et in iisdem latente etc.“ Er wirft über die&longs;e in den Körpern verborgne feine Materie in &longs;einer Optik einige merkwürdige Fragen auf. Zwar i&longs;t nicht zu läugnen, daß in den ältern Ausgaben die&longs;es Werks (Optice; aut. I&longs;. Newtono, latine redd. Sam. Clarke, Lond. 1706. 4. qu. 23.) &longs;eine Ausdrücke mehr Kräfte (virtutes, potentias) bezeichnen, als den Stoß einer feinen Materie angeben. Er &longs;etzt aber ausdrücklich hinzu: Fieri &longs;ane pote&longs;t, ut haec attractio efficiatur Impul&longs;u. Allein in des Co&longs;te franzö&longs;i&longs;cher Ueber&longs;etzung, welche nach der zweyten engli&longs;chen Ausgabe von 1718 gemacht i&longs;t, (Traité d' optique, par M. le Chev. Newton. Am&longs;terd. 1720. gr. 12.) &longs;ind die der Optik beygefügten Fragen ganz umgeändert. Newton fragt hier (qu. 18—21), ob nicht vielleicht die Erwärmung der Körper durch die Licht&longs;tralen, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, Schwere und viele andere Phänomene der Körperwelt, durch eine ela&longs;ti&longs;che Materie, erklärt werden könnten, deren Schwingungen 700000mal &longs;chneller, als die Schwingungen der Luft beym Schalle, wären, und die daher eine 490000 Millionenmal &longs;tärkere Ela&longs;ticität, als die Luft, be&longs;itze; ob nicht die Wärme den luftleeren Raum mit Hülfe eines weit feinern Mittels durchdringe; ob nicht die Zurückwerfung des Lichts von der ver&longs;chiedenen Dichte die&longs;es ätheri&longs;chen Mittels herrühre, u. &longs;. w. Die&longs;e Fragen bewei&longs;en deutlich, daß Newton das Da&longs;eyn einer &longs;olchen Materie keineswegs für unwahr&longs;cheinlich gehalten habe. Inzwi&longs;chen konnte er bey &longs;einer Lehrart, welche bloß von allgemeinen Phänomenen ausgieng, ohne deren Ur&longs;achen erklären zu wollen, den Aether, &longs;o wie alle Hypothe&longs;en, völlig entbehren.

Herr Euler hat in &longs;einer mit &longs;o vielem Beyfall aufgenommenen Theorie des Lichts und der Farben (&longs;. Licht) Huygens oben angeführte Meynung zum Grunde gelegt, und ein Gebäude von Rechnungen darauf errichtet, welches ihn als Mathematiker in &longs;einer ganzen Größe zeigt. Fortpflanzung des Lichts und Ent&longs;tehung der Farben werden darinn lediglich den Schwingungen des Aethers zuge&longs;chrieben. Als Phy&longs;iker, hätte der vortrefliche Urheber die&longs;er Theorie eigentlich mit Erfahrungen über das Da&longs;eyn eines Aethers den Anfang machen &longs;ollen, wenn &longs;eine Lehre mehr als Hypothe&longs;e oder Vor&longs;tellungsart &longs;eyn &longs;ollte. Statt de&longs;&longs;en begnügt er &longs;ich, Newtons Emanations&longs;y&longs;tem und die Leere der Himmelsräume zu be&longs;treiten. Er wundert &longs;ich, daß Newton, um die Bewegung der Planeten nicht zu hindern, eine Leere im Himmelsraume angenommen, und doch durch &longs;eine ausfließenden Licht&longs;tralen die&longs;e Leere wieder mit einer Materie ausgefüllt habe, deren &longs;tete und heftige Bewegung den Lauf der Planeten unendlich &longs;tärker &longs;tören mü&longs;&longs;e. ”Ein trauriges Bey&longs;piel ”men&longs;chlicher Weisheit,“ &longs;agt er (Lettres à une prince&longs;&longs;e d' Allemagne. L. 18.), ”die, um einer Schwie”rigkeit auszuweichen, oft auf eine weit größere Thor”heit verfällt.“ Dies Urtheil über Newton &longs;cheint mir zu hart; ich kenne keine Stelle &longs;einer Schriften, die eine ab&longs;olute Leere im Weltraume behauptete; er &longs;treitet überall bloß gegen den ab&longs;olut und ohne alle leere Zwi&longs;chenräume erfüllten Raum (plein ab&longs;olu) des Descartes, und wenn einige &longs;einer Schüler und deren Aus&longs;chreiber aus Misver&longs;tand, zum Theil aus Unver&longs;tand, weiter gegangen &longs;ind, &longs;o muß man ihre kühnen Aus&longs;prüche nicht für Behauptungen des weit be&longs;cheidnern und vor&longs;ichtigern Lehrers halten.

Euler macht &longs;ich vom Aether, der ihm zu &longs;einer Theorie vom Lichte unentbehrlich i&longs;t, die Vor&longs;tellung, daß er eine höch&longs;t feine, flüßige, ela&longs;ti&longs;che Materie &longs;ey, und vermöge &longs;einer Ela&longs;ticität die Himmelsräume &longs;owohl, als die Zwi&longs;chenräume der Körper erfülle. Er erklärt durch die Schwingungen de&longs;&longs;elben das Licht und die Farben, aus &longs;einer Ela&longs;ticität die elektri&longs;chen Er&longs;cheinungen und viele andere Phänomene der Natur. Der Beyfall, den die Euleri&longs;che Theorie des Lichts unter den Naturfor&longs;chern gefunden hat, hat auch die&longs;er Idee vom Aether eine fa&longs;t allgemeine Aufnahme ver&longs;chaft; und in der That kan man eben &longs;o wenig gegen die Wahr&longs;cheinlichkeit des Da&longs;eyns einer &longs;olchen Flüßigkeit etwas einwenden, als man unmittelbare Bewei&longs;e dafür anführen oder Ver&longs;uche über ihre Natur an&longs;tellen kan. Daß die Himmelsräume nicht leer &longs;ind, und daß &longs;elb&longs;t in luftleeren Räumen noch etwas weit Feineres, als Luft, vorhanden &longs;ey, läßt &longs;ich gar nicht läugnen: daß man die&longs;es Etwas Aether nenne, dawider i&longs;t nichts einzuwenden, wenn man nur zugleich ge&longs;tehet, daß wir nicht viel von die&longs;em Etwas wi&longs;&longs;en.

Einige A&longs;tronomen haben in den Bewegungen der Planeten Veränderungen finden wollen, welche einigen Wider&longs;tand des Mittels, in welchem &longs;ie laufen, anzuzeigen &longs;cheinen. Euler (De relaxatione motus planetarum a re&longs;i&longs;tentia aetheris orta, in Opu&longs;c. To. I. no. 4.) &longs;etzt &longs;ie haupt&longs;ächlich in eine Verkürzung der großen Axe ihrer Bahnen und der Umlaufszeiten; er nimmt an, das Sonnenjahr werde alle Jahrhunderte etwa um 5 Secunden kürzer. Die Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften hatte für 1762 die Frage aufgegeben, ob dergleichen Wider&longs;tand vorhanden wäre, und was er für Wirkungen hätte. Der Abbé Bo&longs;&longs;ut erhielt den Preis und Herr Albert Euler das Acce&longs;&longs;it (Recueil des piéces, qui ont remporté le prix de l'ac. roy. To. VIII. Bo&longs;&longs;ut Recherches &longs;ur les altérations, que la re&longs;i&longs;tence de l' éther peut produire dans les mouvemens moyens des planétes. Charleville 1766. 4.). Dennoch urtheilt Herr de la Lande (A&longs;tronom. Handb. §. 1059.), bisher bewei&longs;e noch nichts einen Wider&longs;tand der ätheri&longs;chen Materie; und nach dem Einge&longs;tändni&longs;&longs;e aller A&longs;tronomen müßten die Himmelskörper, wenn nicht in einem ganz leeren Raume, wenig&longs;tens in einer Materie &longs;ich befinden, deren Wirkung unmerklich, und welche für uns eben &longs;o, als ein leerer Raum, &longs;ey.

Aether

Aether, Naphtha, Spiritus aethereus, Ether. In der Chymie i&longs;t dies der Name einer weißen durch&longs;ichtigen Feuchtigkeit, von einem be&longs;ondern höch&longs;tdurchdringenden Geruche, welche ungemein leicht, flüchtig und entzündbar i&longs;t, und aus dem Weingei&longs;te vermittel&longs;t der Säuren bereitet wird. Der Aether vermi&longs;cht &longs;ich nicht in allen Verhältni&longs;&longs;en mit dem Wa&longs;&longs;er; er &longs;cheint überhaupt einigen Chymikern das Mittel zwi&longs;chen dem Weingei&longs;te und den Oelen zu halten, und ein Weingei&longs;t zu &longs;eyn, der durch die Säure &longs;eines Wa&longs;&longs;ers zum Theil beraubt, und der Natur der Oele näher gebracht worden i&longs;t; andere glauben, die Säure wirke mehr auf des Weingei&longs;ts ölichte Theile, und erzeuge mit ihnen den Aether.

Der Aether wird durch die De&longs;tillation des rectificirten Weingei&longs;ts mit Säuren bereitet; je nachdem man hiezu Vitriol&longs;äure, Salpeter&longs;äure, Eßig&longs;äure oder Salzgei&longs;t gebraucht, erhält er die Namen Vitriolaether (Naphta vitrioli), Salpeteraether, Eßigaether, Salzaether. Ohne nähere Be&longs;timmung des Worts wird unter Aether gemeiniglich Vitriolaether ver&longs;tanden.

Der Aether verdün&longs;tet äußer&longs;t leicht, und bringt dabey eine große Kälte hervor. Baume hat ein Reaumüri&longs;ches Thermometer durch Umwicklung der Kugel mit Leinwand, die in Aether getaucht war, bis auf 40 Grad unter den Eispunkt fallen &longs;ehen. Man kan al&longs;o damit im heiße&longs;ten Sommer Wa&longs;&longs;er zum Gefrieren bringen. Etwas Aether in einem kleinen Löffel verdün&longs;tet bald in der Luft, und ver&longs;chwindet aus den Augen. Er i&longs;t ein kräftiges Auflö&longs;ungsmittel aller ölichten Materien, z. B. des Copals, des ela&longs;ti&longs;chen Harzes u. &longs;. w., nimmt das Gold aus dem Königswa&longs;&longs;er an &longs;ich, und wird in der Arzneykun&longs;t mit Weingei&longs;t vermi&longs;cht, zu dem Hofmanni&longs;chen &longs;chmerz&longs;tillenden Gei&longs;te (liquor anodynus mineralis) gebraucht.

Macqueur's chym. Wörterbuch, Art. Aether.

Aetzbarkeit, &longs;. Kau&longs;ticität.

Affinität, &longs;. Verwandt&longs;chaft.

Aggregat, Aggregatum, Aggrégation.

Wenn ein Ganzes aus mehrern Theilen &longs;o ent&longs;teht, daß ein Theil &longs;ich bloß neben den andern legt, und durch die Kraft des Zu&longs;ammenhangs bey der Berührung, oder durch ein bindendes Mittel mit dem nebenliegenden vereiniget wird, &longs;o erhält ein &longs;olches Ganzes den Namen Aggregat. Dabey bleibt die Be&longs;chaffenheit der Theile unverändert. Wenn hingegen die Theile in einander greifen, einander auflö&longs;en, und &longs;ich &longs;o zu einem Ganzen verbinden, das andere Eigen&longs;chaften hat, als vorher jeder Theil für &longs;ich hatte, &longs;o heißt das Ganze ein Gemi&longs;ch, Mi&longs;chung (Mixtum). So i&longs;t z. B. ein Sand&longs;tein oder eine Breccia ein Aggregat von Körnern oder Steinen; eine Silberauflö&longs;ung hingegen eine Mi&longs;chung von Silber und Scheidewa&longs;&longs;er.

Akronykti&longs;ch, Acronychos &longs;. Acronyctus, Acronyche, Acronyctique.

heißt der Auf- oder Untergang der Ge&longs;tirne, wenn er zu Anfang der Nacht, oder mit Sonnenuntergang ge&longs;chieht. So geht Sirius für Leipzig jährlich um den 8 Febr. mit Sonnenuntergang auf, und um den 17 May mit der Sonne zugleich unter. Dies &longs;ind al&longs;o bey uns die Tage &longs;eines akronykti&longs;chen Auf- und Untergangs.

In den älte&longs;ten Zeiten, ehe noch der Kalender gehörig geordnet war, pflegte man die Tage des Jahres durch das mit Auf- oder Untergang der Sonne erfolgende Auf- und Untergehen der Ge&longs;tirne zu bezeichnen. Dies haben noch zu den Zeiten der Griechen und Römer die Dichter und Schrift&longs;teller vom Feldbau beybehalten. Es i&longs;t daher zur Erklärung der Alten nothwendig, die Tage des Jahres finden zu können, an welchen zu jeder Zeit und an jedem Orte ein gegebnes Ge&longs;tirn akronykti&longs;ch u. &longs;. w. auf- und untergegangen i&longs;t. Noch etwas hievon &longs;. unter dem Artikel: Aufgang.

Aku&longs;tik, Acu&longs;tice, Acou&longs;tique.

Die&longs;en Namen führt die Lehre vom Schall und Ton, welche zugleich die phy&longs;ikali&longs;chen und mathemati&longs;chen Gründe der Mu&longs;ik in &longs;ich begreift. Der Name i&longs;t griechi&longs;chen Ur&longs;prungs, und bedeutet: Gehörlehre.

Die mathemati&longs;che Theorie der Mu&longs;ik hat &longs;chon die Alten be&longs;chäftiget. Man &longs;chreibt ihre Erfindung dem Pythagoras zu, welcher nach der Erzählung des Iamblichus in dem Klange der Schmiedehämmer Accorde bemerkt, und aus dem Gewichte der Hämmer die Verhältni&longs;&longs;e der&longs;elben ge&longs;chlo&longs;&longs;en haben &longs;oll. Es wird hinzuge&longs;etzt, er habe Saiten durch angehangene Gewichte von gleicher Größe mit den Gewichten der Hämmer ge&longs;pannt, uud durch eben die&longs;e Accorde erhalten. Die&longs;er Zu&longs;atz i&longs;t offenbar fal&longs;ch, weil die Verhältni&longs;&longs;e der Accorde oder Con&longs;onanzen (z. B. für die Octave 1:1/2) nicht Verhältni&longs;&longs;e der Spannungen, &longs;ondern vielmehr der Längen der Saiten &longs;ind, und angehangene Gewichte, wenn &longs;ie Saiten von gleicher Länge zu einem Accorde &longs;pannen &longs;ollen, &longs;ich nicht, wie jene Längen, &longs;ondern umgekehrt, wie die Quadratzahlen der&longs;elben (für die Octave wie 1/4:1) verhalten mü&longs;&longs;en.

Die theoreti&longs;chen Mu&longs;iker der Alten haben &longs;ich in zwo Secten, die Pythagoräer und Ari&longs;toxenianer, getheilt. Jene &longs;ahen mit Recht auf die Zahl, welche die Verhältni&longs;&longs;e der Accorde ausdrücken, hiengen aber an gewi&longs;&longs;en willkührlich angenommenen Sätzen, z. B. daß die Quarte über der Octave keine Con&longs;onanz gebe, weil ihr Verhältniß (1:3/8) nicht einfach genug &longs;ey. Die&longs;e verwarfen die Verhältni&longs;&longs;e gänzlich, beriefen &longs;ich bloß auf Empfindung, und rechneten alle Intervalle nach Tönen und halben Tönen, ohne &longs;ich zu bekümmern, was ein Ton, und ob jedes Intervall eines ganzen oder halben Tons &longs;o groß, als das andere, &longs;ey.

Die älte&longs;ten Schrift&longs;teller über die Mu&longs;ik hat Marcus Meibom unter dem Titel: Mu&longs;ici veteres, 1652. in zween Quartbänden herausgegeben. Des Claudius Ptolomäus Harmonica neb&longs;t des Porphyrius Commentar und Manuels von Bryenne Harmonica &longs;ind von Wallis zu Oxford, 1682. 4. edirt, und nachher in den dritten Band &longs;einer Werke (Io. Walli&longs;ii Opera mathematica. Oxon. 1699. III. Vol. fol.) eingerückt worden.

Die neuere Tonkun&longs;t weicht von den Grund&longs;ätzen der Alten beträchtlich ab. Die Harmonie, oder Zu&longs;ammen&longs;timmung mehrerer einander begleitenden Stimmen, i&longs;t, wie Bürette (Hi&longs;t. de l'Acad. des In&longs;criptions et belles lettres. a. 1716.) &longs;ehr wahr&longs;cheinlich gezeigt hat, den Alten ganz unbekannt gewe&longs;en; unter den Neuern aber anfänglich bloß nach Empfindung und Gehör behandelt, und er&longs;t von Rameau (Traité de la harmonie. Paris 1722. 4.), wiewohl mit vielem Willkührlichen vermi&longs;cht, in ein Sy&longs;tem gebracht worden. Seit die&longs;er Zeit haben &longs;ich Mathematiker und Tonkün&longs;tler vereiniget, um die Regeln der Mu&longs;ik auf be&longs;timmte Grund&longs;ätze zu bringen. Euler (Tentamen novae theoriae mu&longs;ices. Petrop. 1739. gr. 4.) behandelt die Tonkun&longs;t ganz mathemati&longs;ch, und hat zuer&longs;t über die vorher bloß durch Proben und Erfahrung verbe&longs;&longs;erten Blasin&longs;trumente etwas Gründliches ge&longs;agt; brauchbare Werke für die Tonkün&longs;tler &longs;elb&longs;t haben Kirnberger (Die Kun&longs;t des reinen Satzes in der Mu&longs;ik. Berlin 1771. 4.), Marpurg (Ver&longs;uch über die mu&longs;ikali&longs;che Temperatur. Breslau 1776. 8.) und Sulzer (Allgem. Theorie der &longs;chönen Kün&longs;te in alphabeti&longs;cher Ordnung. Leipz. 1773. gr. 8.) geliefert.

Aku&longs;ti&longs;che Werkzeuge

In&longs;trumenta acu&longs;tica, In&longs;trumens acou&longs;tiques. Werkzeuge, deren &longs;ich &longs;chwer hörende Per&longs;onen bedienen, um die Wirkung des Schalls auf ihr Gehör zu ver&longs;tärken, &longs;. Hörrohr.

Alaun, Alumen, Alun.

Ein erdiges Mittel&longs;alz, welches durch Verbindung der Vitriol&longs;äure und Thonerde oder Alaunerde ent&longs;teht. Es läßt &longs;ich leicht in Wa&longs;&longs;er auflö&longs;en und kry&longs;talli&longs;iren, hat einen herb-&longs;üßlichen &longs;tark zu&longs;ammenziehenden Ge&longs;chmack, und weil die Kry&longs;tallen de&longs;&longs;elben viel Wa&longs;&longs;er enthalten, &longs;o gerathen &longs;ie über dem Feuer von &longs;elb&longs;t in Fluß, das Wa&longs;&longs;er verdün&longs;tet, und es bleibt der gebrannte Alaun, ein lockeres, trocknes und leicht zerreibliches Salz, übrig. Man bereitet den Alaun aus mancherley kie&longs;ichten und erdichten Materien, z. B. aus einer Erde der Solfatara bey Puzzuolo, einem Steine in der Gegend von Civita-Vecchia, aus Kie&longs;en und Erzen ver&longs;chiedener Bergwerke. Man gebraucht ihn vorzüglich in der Färbekun&longs;t, in der er eine Hauptmaterie ausmacht, um die Farben zu befe&longs;tigen; außerdem zum Planiren des Papiers, Aus&longs;ieden des Silbers, Ver&longs;ilbern des Kupfers, zur Lederbereitung, zu feuerabhaltenden An&longs;trichen, zu Lackfarben u. &longs;. w.; auch in der Arzneykunde als ein wirk&longs;ames zu&longs;ammenziehendes Mittel.

Macquer chym. Wörterbuch. Art. Alaun.

Alaunerde, &longs;. Thonerde.

Alchymie, Alchymia, Alchymie.

Die&longs;en Namen, der wegen des vorge&longs;etzten arabi&longs;chen Artikels &longs;o viel, als Chymie im vorzüglichen Ver&longs;tande (Chymie par excellence) bedeutet, legen die &longs;ogenannten Adepten ihrer vermeynten Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey, durch welche &longs;ie die Operationen der Natur im Innern der Erde, Erzeugung und Verwandlung der Metalle u. dgl. nachzuahmen und auszuführen &longs;uchen. Seitdem man dem Golde durch ein&longs;timmigen Vergleich einen &longs;o hohen Werth beygelegt hat, &longs;eitdem hat auch die der aufgeklärtern Chymie &longs;o &longs;chädliche Ra&longs;erey des Goldmachens gewüthet. Ohne die noch bis jetzt unent&longs;chiedene Frage von der Möglichkeit de&longs;&longs;elben zu unter&longs;uchen, überließen &longs;ich oft Köpfe, die auf einem be&longs;&longs;ern Wege mehr zu lei&longs;ten vermocht hätten, den Trieben der Gewinn&longs;ucht, zogen ihre Unter&longs;uchungen gänzlich auf den engen Punkt des Goldmachens zu&longs;ammen, ver&longs;teckten &longs;ich bey ihren fehlge&longs;chlagnen Erwartungen hinter dem Schleyer einer geheimnißvollen und räth&longs;elhaften Sprache, oder täu&longs;chten auch wohl leichtgläubige Men&longs;chen durch kühne Betrügereyen. Um ihrer eitlen Kun&longs;t An&longs;ehen zu ver&longs;chaffen, &longs;chrieben &longs;ie ihr ein hohes Alter zu, und &longs;uchten &longs;ie in den Lehren des Hermes und in der Weisheit der alten Egyptier zu finden. Leider hat die Ge&longs;chichte der Chymie bis ins &longs;echszehnte Jahrhundert keine andern als alchymi&longs;ti&longs;che Schriften aufzuwei&longs;en, in welchen durch eine Menge von unver&longs;tändlichen Worten und &longs;elt&longs;amen Ideen nur hin und wieder eine oder die andere nützliche Wahrheit durch&longs;chimmert. Theophra&longs;tus Paracel&longs;us Bomba&longs;t von Hohenheim, ein berüchtigter Alchymi&longs;t des &longs;echszehnten Jahrhunderts und ein Mann von aus&longs;chweifender Lebhaftigkeit, &longs;etzte zu den vorigen Thorheiten noch die |vorgebliche Erfindung einer Univer&longs;almedicin hinzu, verbrannte in einem Anfalle von Ra&longs;erey die Bücher der alten Aerzte, und ward, ob er gleich im acht und vierzig&longs;ten Jahre &longs;tarb, dennoch der Stifter einer Secte, welche durch einen und ebenden&longs;elben Prozeß &longs;ich Gold und Un&longs;terblichkeit zu ver&longs;chaffen &longs;uchte. Diejenigen unter &longs;einen Nachfolgern, welche &longs;ich ihren Endzweck erreicht zu haben rühmten, nannten &longs;ich Adepten, und das Mittel, welches ihnen die Erfüllung ihrer Wün&longs;che ver&longs;chaffen &longs;ollte, den Stein der Wei&longs;en, &longs;o wie &longs;ie auch &longs;ich &longs;elb&longs;t den Namen der Feuerphilo&longs;ophen (Philo&longs;ophi per ignem) beylegten. So nannten &longs;ich in ältern Zeiten die Sterndeuter Mathematiker, wie Sertus Empirikus &longs;agt, magnifico nomine artis vanitatem exornaturi.

Inzwi&longs;chen i&longs;t doch un&longs;ere neuere, durch Bemühungen verdien&longs;tvoller Männer &longs;o &longs;ehr aufgeklärte, Chymie eine Tochter die&longs;er übelberüchtigten Mutter, obgleich beyde mit einander nichts mehr, als den Namen und einige im Gebrauch gebliebene Kun&longs;tworte und Bezeichnungen, gemein haben. Schon im &longs;echszehnten Jahrhunderte, und zu den Zeiten des Paracel&longs;us &longs;elb&longs;t, fiengen einige ver&longs;tändige und gelehrte Männer, z. B. Agricola, Erker rc. an, einen be&longs;&longs;ern Weg zu bezeichnen, indem &longs;ie zuer&longs;t deutlich und genau die Arbeiten des Bergbaues und der chymi&longs;chen Bereitung der Erze be&longs;chrieben, welche bis dahin in einem &longs;tillen, aber ununterbrochenen, Fortgange getrieben und &longs;chon zu einer ziemlichen Vollkommenheit gebracht worden waren. Der Ge&longs;chmack an den nützlichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaften erweckte nach und nach Mehrere, welche die bisher in den Händen gemeiner Arbeiter und Handwerker verborgen gelegnen techni&longs;chen Handgriffe öffentlich bekannt machten, und weitere Unter&longs;uchungen darüber veranlaßten. Dies i&longs;t der eigentliche Ur&longs;prung der ächten neuern Chymie, mit welcher jedoch noch Viele, wie Libavius, Van Helmont, Borrichius u. a. die alten alchymi&longs;ti&longs;chen Thorheiten zu vereinigen &longs;uchten.

Durch das ganze &longs;iebzehnte Jahrhundert hindurch hat der Streit zwi&longs;chen Wahrheit und Irrthum in die&longs;em Fache mit voller Lebhaftigkeit fortgedauert. Auf der einen Seite verbreiteten die Experimentalunter&longs;uchungen der Naturfor&longs;cher, die wichtigen Entdeckungen &longs;o vieler neuen Wahrheiten, der Um&longs;turz eben &longs;o vieler alten Hypothe&longs;en rc. ein ganz unerwartetes Licht über die Naturlehre und Chymie; auf der andern &longs;ahe man noch oft die be&longs;ten Köpfe den alten Ungereimtheiten nachhängen, und die &longs;ogenannte Ge&longs;ell&longs;chaft der Ro&longs;encreuzer, die &longs;ich be&longs;onderer Geheimni&longs;&longs;e rühmte, riß einige der größten Männer zu ihren Thorheiten hin. Conring (De hermetica Aegyptiorum et nova Paracel&longs;icorum medicina. Helm&longs;t. 1669.) be&longs;tritt die Alchymie mit Gründlichkeit und Beyfall; da er aber die hi&longs;tori&longs;chen Zeugni&longs;&longs;e, auf welche &longs;ich die Alchymi&longs;ten &longs;tützen, nicht genug zu entkräften ge&longs;ucht hatte, &longs;o fand Olaus Borrichius (De Hermetis, Aegyptiorum et Chemicorum, &longs;apientia. Hafn. 1674.) noch Stof genug zu einer Vertheidigung. Dennoch hat &longs;ich &longs;eit Conrings Widerlegung das herabge&longs;unkene An&longs;ehen der Alchymie unter den Gelehrten nie wieder ganz emporheben können; und die großen Erweiterungen, welche die ächte Chymie &longs;eit Stahls und Boerhavens Zeiten erhalten hat, haben da&longs;&longs;elbe gänzlich zu Boden ge&longs;chlagen.

Es hat inzwi&longs;chen bis auf den heutigen Tag &longs;owohl Betrüger als Betrogne gegeben, welche die alten Vorurtheile zu erneuern bemüht gewe&longs;en &longs;ind; und noch itzt &longs;chleicht im Dunkeln ein Hang zu vermeynten Geheimni&longs;&longs;en und verborgnen Kün&longs;ten, welche, &longs;o &longs;ehr &longs;ie auch von den wahren Gelehrten verachtet werden, dennoch einen großen Theil der Men&longs;chen an &longs;ich ziehen. Bewei&longs;e hievon &longs;ind die Menge unver&longs;tändlicher alchymi&longs;ti&longs;cher Schriften, welche noch jetzt ge&longs;ammelt, wieder aufgelegt, und mit Begierde gekauft und gele&longs;en werden, die Ent&longs;tehung eines eignen alchymi&longs;ti&longs;chen Magazins (Schröters neu&longs;te Samml. für die höhere Naturwi&longs;&longs;en&longs;chaft u. Chemie, Frkf. u. Leipz. &longs;eit 1775. 8.), und Ge&longs;chichten wie die des Price (&longs;. Göttingi&longs;ches Magazin, 3ten Jahrgangs 3tes Stück), welche mit der &longs;o geprie&longs;nen Aufklärung un&longs;ers Zeitalters in einem &longs;onderbaren Contra&longs;te &longs;tehen. Die&longs;en Thorheiten haben &longs;chon mehrere ein&longs;ichtsvolle Chymiker, z. B. Herr Wiegleb (Hi&longs;tori&longs;ch-kriti&longs;che Unter&longs;uchung der Alchemie, oder eingebildeten Goldmacherkun&longs;t. Weimar 1777. 8.) zu &longs;teuern ge&longs;ucht, und vielleicht darf man hoffen, in Zukunft durch mehrere Verbreitung der Wahrheit, und Entlarvung des unter der Decke|vermeynter Geheimni&longs;&longs;e verborgnen Betrugs, alle die&longs;e traurigen Ueberbleib&longs;el der Barbarey und des Fanatismus gänzlich ausgetilget zu &longs;ehen.

Alkali, &longs;. Laugen&longs;alze.

Alkohol, Alcohol, Alcool.

Ein Name, den man dem bis auf den höch&longs;ten Grad rectificirten Weingei&longs;te beygelegt hat, &longs;. Weingei&longs;t. Bisweilen giebt man die&longs;en Namen auch Sub&longs;tanzen, welche in ein höch&longs;t zartes fa&longs;t unfühlbares Pulver verwandelt worden &longs;ind.

Macquer chym. Wörterbuch.

Amalgama, Amalgama, Amalgame.

So heißt in der Chymie die Verbindung des Queck&longs;ilbers mit den andern metalli&longs;chen Sub&longs;tanzen. Das Queck&longs;ilber verbindet &longs;ich unter allen Metallen am leichte&longs;ten mit dem Golde und Silber, &longs;ehr &longs;chwer mit dem Kupfer und Spießglaskönige, und mit dem Ei&longs;en und Kobalt gar nicht. Es giebt zween Wege, Amalgamen zu machen, entweder durch bloßes Reiben, oder durch Vermi&longs;chung des ge&longs;chmolzenen fe&longs;ten Metalls mit Queck&longs;ilber. In geringer Menge mit den Metallen vermi&longs;cht, macht das Queck&longs;ilber die&longs;elben bloß zerreiblich; in größerer Menge bildetes mit ihnen eine Art von Teig ohne Zähigkeit und Dehnbarkeit, welchem man eigentlich den Namen eines Amalgama beyleget.

Man gebraucht die Amalgimirungen des Goldes und Silbers, um die&longs;e Metalle aus den erdichten und &longs;teinichten Materien, denen &longs;ie beygemi&longs;cht &longs;ind, zu ziehen, ingleichen zu gewi&longs;&longs;en Arten der Vergoldungen und Ver&longs;ilberungen, wobey das äußer&longs;t flüchtige Queck&longs;ilber durchs Feuer weggetrieben wird, und das Gold oder Silber auf der mit dem Amalgama be&longs;trichenen Fläche zurückläßt. Das Amalgama des Zinns mit Queck&longs;ilber, oder die vom Queck&longs;ilber zerfreßne Spiegelfolie, dient zur Belegung der Spiegel. Die in gewi&longs;&longs;en Proportionen gemachten Amalgamen gewi&longs;&longs;er Metalle &longs;chießen in Kry&longs;tallen an, wovon Bergmann (phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel, nach Röhls Ueber&longs;etz. Greifswald 1780. gr. 8. II. Th. S. 281.) nähere Nachricht giebt, um zu bewei&longs;en, daß man von kry&longs;talli&longs;chen An&longs;chießungen nicht &longs;icher auf die Gegenwart eines Salzes &longs;chließen könne.

Macquer chym. Wörterbuch.

Amalgama, elektri&longs;ches

Amalgama electricum, Amalgame électrique. Ein Amalgama, de&longs;&longs;en &longs;ich die Phy&longs;iker bedienen, um das Reibzeug der Elektri&longs;irma&longs;chinen, oder auch das zu reibende Glas &longs;elb&longs;t, zu be&longs;treichen, und dadurch die Erregung der Elektricität zu befördern.

Die gewöhnliche Art, die&longs;es Amalgama zu verfertigen, i&longs;t die&longs;e, daß man zer&longs;chnittne Stanniolblättchen mit Queck&longs;ilber in einem ei&longs;ernen Mör&longs;el reibt, bis der Teig &longs;o dick als möglich wird. Die Mei&longs;ten thaten &longs;on&longs;t noch ge&longs;chabte Kreide hinzu, bis aus allem ein graues Pulver ent&longs;tand; die Kreide &longs;cheint aber mehr nachtheilig zu &longs;eyn, weil &longs;ie die Feuchtigkeit der Luft an &longs;ich ziehet. Die Ki&longs;&longs;en werden anfänglich bis auf einen Zoll weit vom Rande ganz leicht mit einem Un&longs;chlittlichte, und dann das eine mit einer dünnen Lage Amalgama über&longs;trichen; man reibt nun beyde Ki&longs;&longs;en &longs;tark an einander, um das Amalgama in beyde &longs;oviel möglich einzureiben. Sollen &longs;ie von neuem über&longs;trichen werden, &longs;o muß man vorher mit einem leinenen Tuche alle Unreinigkeit &longs;orgfältig abwi&longs;chen.

Noch be&longs;&longs;er wird das Amalgama, wenn man das Zinn &longs;chmelzet, und die gehörige Do&longs;e Queck&longs;ilber hinzugießt.

Higgins hat (Philo&longs;. Transact. for 1778. Vol. XVIII. P. II. no. 38.) das Amalgama von vier Theilen Queck&longs;ilber und einem Theile Zink als das wirk&longs;am&longs;te angegeben.

Nach Adams (E&longs;&longs;ay on Electricity. Lond. 1784. 8. p. 27.) &longs;chätzt man jetzt in England vornehmlich zwo Arten von Amalgama. Die eine be&longs;teht aus fünf Theilen Queck&longs;ilber und einem Theile Zink, mit ein wenig gelbem Wachs zu&longs;ammenge&longs;chmolzen: die andere i&longs;t das gewöhnliche in den Kaufläden zu habende Maler - oder Mu&longs;ivgold (aurum mu&longs;ivum). Man trägt es nach Adams Vor&longs;chriften, denen auch Hr. Lichtenberg (neu&longs;te Ausg. von Erxl. Anfangsgr. der Naturl. §. 501.) bey&longs;timmet, vermittel&longs;t ein wenig Schweinen-Schmalz auf ein Leder, und reibt damit das Glas der Elektri&longs;irma&longs;chine gut durch; auf das Ki&longs;&longs;en wird gar nichts ge&longs;trichen. Herr Lichtenberg ver&longs;ichert, fa&longs;t nie eine &longs;tärkere Elektricität, als auf die&longs;e Wei&longs;e erhalten zu haben. Man &longs;. die Artikel: Elektri&longs;irma&longs;chine und Reibzeug, elektri&longs;ches.

Amphi&longs;cii, &longs;. Zwey&longs;chattichte.

Anakamptik, &longs;. Katoptrik.

Anakla&longs;tik, &longs;. Dioptrik.

Anakla&longs;ti&longs;che Linien

Curvae anacla&longs;ticae, Courbes anacla&longs;tiques. So nennt Herr v. Mairan (&longs;ur les courbes anacla&longs;tiques, Mém. de l'Academ. roy. des Sc. ann. 1740.) die Krümmungen, welche |gerade Linien oder ebne Flächen anzunehmen &longs;cheinen, wenn &longs;ie durch gebrochne Stralen ge&longs;ehen werden, wenn z. B. der Boden eines mit Wa&longs;&longs;er gefüllten Gefäßes von einem Auge in der Luft, oder die Decke des Zimmers von einem im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden oder durch ein Glas &longs;ehenden Auge betrachtet wird.

Anakla&longs;ti&longs;ches Werkzeug

In&longs;trumentum anacla&longs;ticum, In&longs;trument anacla&longs;tique. Ein Werkzeug, womit man die Größe der Stralenbrechung in ver&longs;chiedenen durch&longs;ichtigen Mitteln, und bey ver&longs;chiedenen Einfallswinkeln, me&longs;&longs;en kan..

Die alten Optiker (man &longs;. Kircher Ars magna lucis et umbrae, Romae 1686. p. 681. und Prie&longs;tley Ge&longs;chichte der Optik, durch Klügel, S. 86.) bedienten &longs;ich hiezu einer Halbkugel mit einem auf ihrem Rande &longs;tehenden Quadranten, und einer um de&longs;&longs;en Mittelpunkt beweglichen Regel. Man füllte die Halbkugel mit der durch&longs;ichtigen flüßigen Materie an, neigete die Regel unter einen gewi&longs;&longs;en Einfallswinkel, und bemerkte die Stelle, wo &longs;ie wegen der Brechung den untern Theil der Kugel zu berühren &longs;chien.

Kepler (Dioptr. Aug. Vind. 1611. 4. L. I. c. 3.) be&longs;chreibt ein anderes In&longs;trument, welches Wolf aus ihm anführt, durch den es in die Experimentalgeräth&longs;chaft der neuern Phy&longs;iker gekommen i&longs;t. Ein glä&longs;erner Würfel HCBEGF (Taf. I. Fig. 13.) wird in den Winkel zweyer rechtwinklicht zu&longs;ammenge&longs;etzten Breter ABIN und INOP ge&longs;etzt, von welchen das eine ABIN um das Stück CAHN vor dem Würfel vorraget, übrigens aber mit ihm eine gleiche Höhe hat. Setzt man die&longs;es In&longs;trument horizontal gegen die Sonne, &longs;o wird der Schatten des Bretes ABIN außer dem Würfel bis ML, innerhalb de&longs;&longs;elben aber nur bis KQ reichen. Man kan alsdann die Linien HL und HK me&longs;&longs;en, und aus ihnen neb&longs;t HC, durch trigonometri&longs;che Auflö&longs;ung der Dreyecke HCL und HCK, die Winkel HCL und HCK be&longs;timmen, deren er&longs;ter dem Einfallswinkel SCR gleich, der andere der Brechungswinkel i&longs;t. So la&longs;&longs;en &longs;ich, wenn man den Ver&longs;uch unter ver&longs;chiedenen Sonnenhöhen an&longs;tellet, Tafeln verfertigen, welche angeben, was für ein Brechungswinkel jedem Einfallswinkel zugehöre.

Vermittel&longs;t die&longs;es Werkzeugs fand Kepler, daß &longs;ich bey der Brechung aus Luft in Glas, der Einfallswinkel SCR, wenn er nicht über 30° betrage, zum Brechungswinkel KCH, wie 3 zu 2, verhalte; ein Ge&longs;etz, welches von der Wahrheit wenig abweicht, und al&longs;o für Lin&longs;englä&longs;er zu Fernröhren, deren Krümmung, vom Mittel an bis an den Rand gerechnet, &longs;elten 20° beträgt, ohne Fehler brauchbar war; daher Kepler die Ab&longs;tände der Vereinigungspunkte daraus &longs;chon &longs;ehr richtig hergeleitet hat. &longs;. die Art. Brechung der Licht&longs;tralen, Lin&longs;englä&longs;er.

Will man eine andere durch&longs;ichtige flüßige Materie an&longs;tatt des Gla&longs;es unter&longs;uchen, &longs;o kan man einen hohlen, mit die&longs;er Materie angefüllten, Würfel an&longs;tatt des glä&longs;ernen gebrauchen.

Von neuern Werkzeugen und Veran&longs;taltungen zu Me&longs;&longs;ung der Stralenbrechung &longs;. Prie&longs;tley Ge&longs;chichte der Optik, durch Klügel, S. 241. f. ingl. S. 363. f. und weiter unten den Art. Brechung der Licht&longs;tralen.

Analy&longs;e, Zerlegung, Zer&longs;etzung.

Anamorpho&longs;e, Anamorpho&longs;is, Anamorpho&longs;e.

Verzeichnung einer Figur, welche, auf eine vorge&longs;chriebene Art betrachtet, etwas ganz anders dar&longs;tellet, als &longs;ie dem bloßen Auge in der gewöhnlichen Stellung darzu&longs;tellen &longs;cheint.

Man kan die Anamorpho&longs;en in opti&longs;che, katoptri&longs;che und dioptri&longs;che abtheilen.

Die opti&longs;chen Anamorpho&longs;en werden, um das verlangte Bild darzu&longs;tellen, mit dem bloßen Auge, nur aus einem angewie&longs;enen &longs;on&longs;t ungewöhnlichen Ge&longs;ichtspunkte, betrachtet. Kann man z. B. (Taf. I. Fig. 14.) das in O ge&longs;tellte Auge &longs;o täu&longs;chen, daß es von den wahren Entfernungen der Punkte A, B, C, D, E, keine Eindrücke erhält, und daß daher die liegende Linie ABCDE eben &longs;o, wie eine &longs;tehende Abcde, von dem Zu&longs;chauer empfunden wird, &longs;o darf man nur die gleichen Theile eines regelmäßig gezeichneten Bildes Ab, bc, cd, de durch eine proportionirte Zeichnung in die ungleichen Theile AB, BC, CD, DE, ausdehnen. Wird nun die &longs;olcherge&longs;talt verzerrte Figur AE auf ein Bret gelegt, auf welchem ein anderes Bret PQ &longs;enkrecht &longs;teht, und vom Auge durch die Oefnung O betrachtet, &longs;o verliert der Zu&longs;chauer die Gegen&longs;tände aus dem Auge, die ihm einen Maaß&longs;tab der Entfernungen OE, OD, OC, rc. geben können. Es wirkt das verzerrte Bild AE jetzt nicht anders auf &longs;ein Auge, als das regelmäßige, in Ae aufge&longs;tellt, darauf wirken würde. Seine Einbildungskraft &longs;elb&longs;t wird ge&longs;chäftig, &longs;ich eher ein regelmäßiges, als ein verzerrtes Bild darzu&longs;tellen; er glaubt al&longs;o eine in Ae aufge&longs;tellte richtige Zeichnung zu &longs;ehen. So hat man verzerrte Figuren, in welchen z. B. Kopf und Schultern durch ED ausgedehnt und ungeheuer groß, die übrigen Theile des Körpers von D bis A &longs;ehr klein &longs;ind, die &longs;ich aber, aus O betrachtet, ganz richtig dar&longs;tellen. Nach Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire rai&longs;onné de phy&longs;ique; Art. Anamorpho&longs;e) &longs;ind an der Wand einer Gallerie im Minimenklo&longs;ter an der Place royale in Paris ver&longs;chiedene Bilder gemahlt, welche, aus einem gewi&longs;&longs;en Ge&longs;ichtspunkte von der Seite her betrachtet, &longs;ehr deutlich eine reuige Magdalene dar&longs;tellen.

Hieher gehören auch die Bilder, welche in Streifen zer&longs;chnitten und Streifenweis auf die Seitenflächen mehrerer neben einander &longs;tehenden drey&longs;eitigen Prismen aufgeklebt werden, da man denn ein anderes Bild &longs;ieht, je nachdem man die&longs;e Prismen von der rechten oder linken Seite her betrachtet. Von die&longs;en Bildern, die man oft in Kun&longs;tkabinetten antrift, handeln Schwenter (Mathemati&longs;che Erquick&longs;tunden, Nürnb. 1651. 4. Th. I. S. 271.) und Wolf (Elementa Optices. Probl. 28.).

Die katoptri&longs;chen Anamorpho&longs;en mü&longs;&longs;en, wenn das gehörige Bild er&longs;cheinen &longs;oll, in coni&longs;chen, cylindri&longs;chen oder pyramidenförmigen Spiegeln betrachtet werden. Man &longs;ieht leicht aus Taf. I. Fig. 15, daß der coni&longs;che Spiegel PQR dem in O ge&longs;tellten Auge den Punkt A in a, B in b dar&longs;tellt, und al&longs;o dem Bilde auf der umliegenden Fläche, wovon AB ein Theil i&longs;t, ganz andere Lagen und Verhältni&longs;&longs;e &longs;einer Theile, d. h. eine ganz andere Ge&longs;talt giebt. Auf eine ähnliche Art verändern auch cylindri&longs;che und pyramidenförmige Spiegel die Ge&longs;talten der um &longs;ie her liegenden Bilder. Es kömmt al&longs;o darauf an, ein verzerrtes Bild zu verzeichnen, das in einem Spiegel von gegebner Art, Größe und Stellung dem Auge aus einem gegebnen Ge&longs;ichtspunkte regelmäßig er&longs;cheine. Von der Verzeichnung &longs;olcher Bilder hat Simon Stevin zuer&longs;t ge&longs;chrieben. Auch handeln davon Ca&longs;p. Schott (Magia univer&longs;alis. Herbip. 1657. 4.) unter dem Titel: Magia anamorphotica) und Wolf (Elem. Catoptr. Probl. 25—27). Jakob Leupold, ein ehemaliger Leipziger Mechaniker (Anamorpho&longs;is mechanica nova. Lip&longs;. 1714. 4.), erfand ein eignes In&longs;trument, durch de&longs;&longs;en Hülfe man jedes vorgezeichnete Bild, auf eine bloß mechani&longs;che Wei&longs;e, durch eine Art von Storch&longs;chnabel &longs;o ver&longs;tellen kan, daß es in einem gegebnen coni&longs;chen oder cylindri&longs;chen Spiegel ordentlich er&longs;cheint. Die Be&longs;chreibung die&longs;es In&longs;truments findet &longs;ich auch im Saverien (Dictionnaire univer&longs;el de Mathematique et de Phy&longs;ique; art. Anamorpho&longs;e).

Die dioptri&longs;chen Anamorpho&longs;en werden durch ein Polyeder, oder vieleckicht ge&longs;chliffenes Glas betrachtet, &longs;. Polyeder. Wer eine Tafel durch ein &longs;olches Glas betrachtet, &longs;ieht durch die Flächen des Gla&longs;es nur gewi&longs;&longs;e Theile der Tafel, welche an einander zu &longs;tehen &longs;cheinen, ob &longs;ie gleich auf der Tafel &longs;elb&longs;t weit aus einander und an ver&longs;chiedenen Orten liegen. Man &longs;ucht al&longs;o hier ver&longs;chiedene Theile eines gewi&longs;&longs;en Gemäldes an diejenigen Stellen der Tafel zu bringen, welche dem durch das Polyeder &longs;ehenden Auge neben einander liegend er&longs;cheinen. Auf der Tafel &longs;elb&longs;t wird ein anderes Gemälde entworfen, in welches die zer&longs;treuten Stücken des vorigen, &longs;o ge&longs;chickt als möglich, mit verwebt werden mü&longs;&longs;en. So hat man dergleichen Anamorpho&longs;en, auf welchen ver&longs;chiedene Köpfe vorge&longs;tellt &longs;ind, die durch ein Polyeder in be&longs;timmter Stellung betrachtet, einen einzigen Kopf zeigen, den man mit bloßem Auge gar nicht auf dem Gemälde findet. Anwei&longs;ung hiezu geben Wolf (Elem. Dioptr. Probl. 25.) und Leutmann (Anm. vom Glas&longs;chleifen, Wittenb. 1719. 8.).

Anamorvhoti&longs;che Ma&longs;chine

Machina anamorphotica, Machine anamorphotique. So heißt das von Leupold erfundene Werkzeug zur Verzeichnung der katoptri&longs;chen Anamorpho&longs;en, &longs;. den vorhergehenden Artikel. Eigentlich &longs;ollte es wohl anamorphoti&longs;ches In&longs;trument, nicht Ma&longs;chine, heißen.

Anelektri&longs;che Körper, &longs;. Leiter der Elektricität.

Anemometer, &longs;. Windme&longs;&longs;er.

Anemo&longs;kov, Anemo&longs;copium, Anémo&longs;cope.

Ein Werkzeug, de&longs;&longs;en man &longs;ich bedient, die Richtung des Windes zu bemerken. Das einfach&longs;te und gewöhnlich&longs;te Anemo&longs;kop i&longs;t die gemeine Wetterfahne (girouette) auf den Thürmen und Häu&longs;ern. Gleiche Dien&longs;te thun die Flaggen an den Ma&longs;ten der Schiffe.

Um die Richtung des Windes im Zimmer, und genauer, als durch den bloßen Anblick der Wetterfahne zu beobachten, kan man die Fahne, die &longs;ich &longs;on&longs;t um eine unbewegliche Spindel dreht, an einer beweglichen Spindel fe&longs;t machen, welche mit der Fahne zugleich umgedrehet wird. Die&longs;e Spindel kan durch das Dach bis an die Decke des Zimmers laufen, in welchem man die Beobachtungen machen will, und unten mit einem Getriebe ver&longs;ehen werden, welches in ein bezahntes Rad greift, de&longs;&longs;en Axe bis ins Zimmer geht, und mittel&longs;t eines daran ge&longs;teckten Zeigers auf einer an der Decke bezeichneten Windro&longs;e den Wind bezeichnet. Soll die Windro&longs;e nicht an der Decke, &longs;ondern vertikal an der Wand des Zimmers &longs;tehen, &longs;o läßt man das Getrieb der Spindel in ein vertikal &longs;tehendes Kronrad greifen, de&longs;&longs;en Axe horizontal durch die Wand geführt wird, und den Zeiger trägt. Hat das Getrieb eben &longs;o viel Zähne als das Rad, &longs;o macht eine Umdrehung der Fahne auch eine Umdrehung des Zeigers aus, und indem &longs;ich die Fahne gegen ver&longs;chiedene Punkte des Horizonts wendet, kehrt &longs;ich auch der Zeiger gegen die gleichnamigen Punkte der Windro&longs;e. Wenn al&longs;o nur der Zeiger einmal richtig ge&longs;tellt i&longs;t, und die Fahne beweglich gnug erhalten wird, &longs;o zeigt die&longs;es Anemo&longs;kop die Richtung des Windes mit großer Bequemlichkeit. So be&longs;chreibt die&longs;es Werkzeug Ozanam (Recreations mathematiques, To. II.); Kircher &longs;etzt noch eine kleine Statue hinzu, die durch einen verborgnen Magnet vom Zeiger herumgeführt wird, und die Richtung des Windes mit einem Stäbchen wei&longs;et. Leupold (Theatr. Aero&longs;tat. &longs;. Theatr. Static. univer&longs;. P. III. Cap. X.) hat unter dem Namen der Plago&longs;kope noch mehrere Abänderungen die&longs;es In&longs;truments be&longs;chrieben, worunter die merkwürdig&longs;te|eine kleine portative Windfahne, auf einen Compaß ge&longs;etzt i&longs;t, die man überall auf&longs;tellen kan, um die Abweichung des Windes von der Richtung der Magnetnadel zu bemerken.

Einige Schrift&longs;teller, z. B. Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire de Phy&longs;.), nennen die&longs;es In&longs;trument ein Anemometer. Es kömmt aber die&longs;er Name vielmehr andern Werkzeugen zu, welche die Stärke und Ge&longs;chwindigkeit des Windes me&longs;&longs;en, und von denen man den Artikel: Windme&longs;&longs;er, nach&longs;ehen kan.

Auch i&longs;t der Name Anemo&longs;kop &longs;ehr uneigentlich andern Werkzeugen beygelegt worden. Otto von Guericke (Experimenta nova de vacuo &longs;patio, L. III. cap. 20.) be&longs;chreibt unter dem Namen Semper Vivum eine glä&longs;erne oben ver&longs;chloßne und in einen Liquor einge&longs;enkte Röhre, in welcher der Druck der Atmo&longs;phäre den Liquor bald höher bald niedriger erhält. Auf der Oberfläche des Liquors &longs;chwimmt eine Figur, welche mit dem Finger Grade des Steigens oder Fallens auf einer Scale angiebt, &longs;. Taf. I. Fig. 16. Eigentlich i&longs;t die&longs;es In&longs;trument ein höch&longs;t unvollkommnes Barometer. Man kannte es &longs;on&longs;t unter dem Namen des Guericki&longs;chen Wettermännchens oder Perpetui mobilis; und weil &longs;ich Guericke über die Einrichtung und Verfertigung de&longs;&longs;elben nicht deutlich erklärt hatte, &longs;o hat es viel Auf&longs;ehen gemacht. Comiers (l' Homme artificiel anemo&longs;cope, im Mercure de France 1683.) hat darüber ge&longs;chrieben, und ihm den Namen Anemo&longs;kop deswegen gegeben, weil Guericke im Jahre 1660 aus dem &longs;tarken Fallen des Männchens einen großen Sturmwind vorherge&longs;agt hatte.

Stone (nach Bri&longs;&longs;on Dict. de Phy&longs;.) ver&longs;teht unter Anemo&longs;kop nichts anders, als das Hygro&longs;kop oder Hygrometer.

Anhängen, Anhängung, &longs;. Adhä&longs;ion.

Anomalie, Anomalia, Anomalie.

Die&longs;er aus der griechi&longs;chen Sprache entlehnte, und im eigentlichen Ver&longs;tande eine Ungleichheit oder Abweichung von der Regel bezeichnende Name wird in der Sternkunde dem Winkel beygelegt, welchen ein Planet bey &longs;einem Umlaufe um die Sonne, von der Sonnenferne aus, zurückgelegt hat, oder, von der Sonne aus betrachtet, zurückgelegt zu haben &longs;cheint. Die ungleiche Ge&longs;chwindigkeit der Planeten in ihren Bahnen, vermöge welcher &longs;ie in gleichlangen Zeiten bald geringere bald größere Winkel durchlaufen, hat zu die&longs;er Benennung Anlaß gegeben.

Keplers wichtige Entdeckung, daß die Laufbahnen der Planeten Ellip&longs;en &longs;ind, in deren Brennpunkte &longs;ich die Sonne befindet, und daß die ellipti&longs;chen Räume, welche die von der Sonne nach dem Planeten gezogne Linie (radius vector) be&longs;chreibet, &longs;ich wie die Zeiträume verhalten, in denen &longs;ie be&longs;chrieben worden &longs;ind, veranla&longs;&longs;ete die&longs;en großen Sternkundigen zu Erfindung einer Theorie, welche noch jetzt unter dem Namen der kepleri&longs;chen Theorie des Planetenlaufs, oder der ellipti&longs;chen Theorie gebraucht wird, und bey der Berechnung der a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln zum Grunde gelegt werden muß. Die&longs;e Theorie be&longs;chäftiget &longs;ich nun vornehmlich mit der Berechnung der Anomalien, deren man drey, die wahre, mittlere und eccentri&longs;che Anomalie, unter&longs;cheidet.

Es &longs;ey Tafel I. Figur 17. die Ellip&longs;e AMP die Bahn eines Planeten, AP ihre große Axe, der Brennpunkt S der Ort der Sonne, A die Sonnenferne, P die Sonnennähe des Planeten; &longs;o heißt der Winkel ASM, um welchen &longs;ich der Planet von der Sonnenferne A an fortbeweget hat, die wahre Anomalie, und M der wahre Ort de&longs;&longs;elben.

Durchliefe der Planet &longs;eine ganze Bahn mit einer gleichförmigen Winkelge&longs;chwindigkeit, d. h. &longs;o, daß er in gleichen Zeitenimmer gleiche Winkel um die Sonne S zurücklegte, &longs;o würde er in der Zeit, in welcher er nur bis M gegangen i&longs;t, vielleicht &longs;chon bis m vorgerückt &longs;eyn. Er würde den Winkel ASm zurückgelegt haben. Die&longs;er Winkel heißt &longs;eine mittlere Anomalie, und der ihm zukommende Ort m, des Planeten mittlerer Ort.

Wenn des Planeten Umlaufszeit um die Sonne bekannt i&longs;t, &longs;o läßt &longs;ich für jede &longs;eit &longs;einem Durchgange durch die Sonnenferne ver&longs;trichene Zeit die&longs;e mittlere Anomalie durch die bloße Regel de Tri finden. Es verhält &longs;ich nemlich die ganze Umlaufszeit zu der gegebnen Zeit, wie 360° zu ASM. Wäre z. B. die Umlaufszeit 360 Tage, &longs;o würde 30 Tage nach der Sonnenferne die mittlere Anomalie 30°, 60 Tage darnach 60° u. &longs;. w. &longs;eyn. Da auch nach Keplers Regel der ellipti&longs;che Flächenraum ASM, welchen der Radius Vector SM bey der wahren Bewegung des Planeten von A nach M durchlaufen hat, der gegebnen Zeit proportional i&longs;t, al&longs;o Umlaufszeit; Zeit durch AM=Fläche der Ellip&longs;e: Fläche ASM. &longs;o &longs;tellt die Fläche ASM die mittlere Anomalie dar, wenn die ganze Fläche der Ellip&longs;e 360 Graden gleich ge&longs;etzt wird.

Da nun die mittlere Anomalie und die Fläche ASM für jede von der Sonnenferne an gerechnete Zeit &longs;o leicht zu finden &longs;ind, &longs;o kömmt es nur noch darauf an, aus die&longs;er mittlern Anomalie und den gegebnen Abme&longs;&longs;ungen der Planetenbahn die wahre Anomalie zu be&longs;timmen, oder aus der Größe der Fläche ASM den Winkel ASM zu finden. Die&longs;e Aufgabe heißt das kepleri&longs;che Problem; dagegen die Aufgabe, aus einer gegebnen wahren Anomalie die zugehörige mittlere (aus dem Winkel ASM die Fläche ASM) zu finden, den Namen des umgekehrten kepleri&longs;chen Problems führet. Kepler &longs;elb&longs;t fand es bey dem damaligen Zu&longs;tande der Geometrie unmöglich, die Aufgabe &longs;elb&longs;t methodi&longs;ch aufzulö&longs;en, inzwi&longs;chen gab er eine indirecte Auflö&longs;ung an, bey welcher noch eine dritte Anomalie zu Hülfe genommen wird. Wenn man aus dem Mittelpunkte der Ellip&longs;e C mit dem Halbme&longs;&longs;er CA den eccentri&longs;chen Kreis ANP be&longs;chreibt, und das aus dem wahren Orte des Planeten M auf die Axe AP gefällte Perpendikel ML bis an die&longs;en Kreis in N verlängert; &longs;o heißt der Winkel ACN, der durch den Bogen AN geme&longs;&longs;en wird, des Planeten eccentri&longs;che Anomalie.

Durch die&longs;es Mittel, de&longs;&longs;en um&longs;tändlichere Auseinander&longs;etzung für un&longs;ere Ab&longs;icht zu weitläuftig wäre, gelang es Keplern, nach den damals bekannten Abme&longs;&longs;ungen oder Elementen der Planetenbahnen Tafeln zu verfertigen, in welchen man für die gefundenen mittlern Anomalien jedes Planeten die zu ihnen gehörigen wahren Anomalien durch Auf&longs;chlagen finden konnte (I. Kepleri tabulae Rudolphinae. Vlm. 1627. fol.), deren An&longs;ehen &longs;ich durch das ganze vorige Jahrhundert erhalten hat, bis die an&longs;ehnlichen Verbe&longs;&longs;erungen und Erweiterungen der Sternkunde freylich vollkommnere Tafeln nothwendig machten, die &longs;ich inzwi&longs;chen noch immer auf keine andere Theorie, als auf die kepleri&longs;che, gründen.

Kepler hatte den Geometern künftiger Zeiten die methodi&longs;che Auflö&longs;ung &longs;eines Problems &longs;ehr angelegentlich empfohlen; auch haben &longs;ich nach ihm die größten Mathematiker damit be&longs;chäftiget. Die Infinite&longs;imalrechnung hat zu die&longs;er Auflö&longs;ung ver&longs;chiedene Wege eröfnet, die aber noch nicht &longs;o leicht und bequem, als man wohl wün&longs;chen möchte, zur wirklichen Berechnung führen. Keil, (Introductio ad veram a&longs;tronomiam, Lugd. Bat. 1725. 4.) Hermann, (De problemate Kepler. in Comm. Ac. Petropol. To. I.) Euler (Theoria motuum planetarum et comet. Berol. 1744. 4.) geben dergleichen Auflö&longs;ungen. Die Euleri&longs;che hat auch Herr Kä&longs;tner (Analy&longs;is des Unendl. S. 582. u. f.) mitgetheilt. Das umgekehrte kepleri&longs;che Problem läßt &longs;ich leichter, vermittel&longs;t folgender beyden Sätze auflö&longs;en, wo m, e, v, mittlere, eccentri&longs;che, wahre Anomalie bedeuten. I. √SP:√SA=tang.1/2v:tang.1/2e II. e+CSX&longs;in. e=m.

Noch i&longs;t zu bemerken, daß der Unter&longs;chied zwi&longs;chen wahrer und mittlerer Anomalie Gleichung der Bahn (Aequatio orbitae), und daher die wahre Anomalie auch die coäquirte genannt wird. In der er&longs;ten Helfte der Bahn AMP bleibt die wahre Anomalie hinter der mittlern zurück; in der zweyten Helfte hingegen kömmt die wahre der mittlern vor; daher die Gleichung in jenem Falle von der mittlern Anomalie abgezogen, in die&longs;em hinzuge&longs;etzt werden muß, wenn man die wahre Anomalie finden will.

de la Lande a&longs;tronom. Handb. §. 482. u. f. Kä&longs;tners Anfangsgr. der angew. Mathem. A&longs;tron. 235. u. f.

Antarkti&longs;cher Pol, &longs;. Pole.

Antimonium, &longs;. Spießglas.

Antipoden, &longs;. Gegenfüßler.

Anti&longs;cii, &longs;. Gegen&longs;chattichte.

Antoeci, &longs;. Gegenwohner.

Anziehung, &longs;. Attraction.

Apertur, Oefnung, Apertura, Ouverture.

Die kreisrunde Fläche, welche man in der Mitte der Blendungen der Glä&longs;er oder Spiegel der Fernröhre offen läßt, damit die darauf fallenden Licht&longs;tralen wirklich durchgehen können.

Die Abweichungen wegen der Kugelge&longs;talt der Glä&longs;er und wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Lich&longs;tralen (&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che) verur&longs;achen, daß nur diejenigen Stralen, welche nahe an der Axe, d. i. um die Mitte eines Gla&longs;es einfallen, in den gehörigen Vereinigungspunkt kommen; es i&longs;t al&longs;o nöthig, die weiter von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden Stralen, welche die Deutlichkeit des Bildes &longs;tören würden, durch eine über das Glas gelegte Bedeckung oder Blendung abzuhalten, &longs;. Blendung. Die&longs;e Blendung läßt dnrch die in ihr befindliche runde Oefnung nur die Stralen um die Mitte des Gla&longs;es durchfallen, und es i&longs;t die Frage, wie groß die&longs;e Apertur &longs;eyn dürfe, wenn das Bild die gehörige Deutlichkeit behalten &longs;oll.

Man &longs;ieht leicht, daß de&longs;to mehr Undeutlichkeit vermieden werde, je kleiner die Apertur i&longs;t; daß hingegen eine größere Apertur des Objectivgla&longs;es dem Bilde mehr Helligkeit gebe, weil &longs;ie aus jedem Punkte des betrachteten Gegen&longs;tandes mehr Licht&longs;tralen einfallen läßt, welche auf der Netzhaut des Auges vereiniget, einen lebhaftern Eindruck machen; daher das Auge jeden Punkt des Gegen&longs;tandes &longs;tärker empfindet, d. h. ein lebhafteres und helleres Bild &longs;iehet, als bey einer geringern Oefnung. Es i&longs;t daher ein großer Vorzug der dioptri&longs;chen Werkzeuge, wenn &longs;ie eine weite Oefnung vertragen, d. i. wenn man auch die in einiger Entfernung von der Axe einfallenden Stralen durchla&longs;&longs;en darf, ohne daß dadurch die Abweichungen zu &longs;ehr vergrößert, und die Bilder undeutlich werden.

Vor der Erfindung der achromati&longs;chen Fernröhre richtete man &longs;ich in Ab&longs;icht auf die Be&longs;timmung der Aperturen nach Huygens Theorie, welche in &longs;einer Dioptrik (in Opu&longs;culis po&longs;thumis. Lugd. Bat. 1703. 4.) enthalten und im Smith (Lehrbegrif der Optik, nach Kä&longs;tners Ausgabe, S. 184 ff.) analyti&longs;ch ausgeführt i&longs;t. Huygens &longs;etzt dabey die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt bey&longs;eit, und betrachtet nur die ohnehin weit größere wegen der Farbenzer&longs;treuung oder ver&longs;chiedenen Brechbarkeit. Heißt nun die Brennweite des Objectivgla&longs;es F, der Durchme&longs;&longs;er der Apertur de&longs;&longs;elben b, und die Vrennweite des Augengla&longs;es f, &longs;o verhält &longs;ich die Helligkeit des Bildes wie (b2f2/F2), die von der Farbenzer&longs;treuung herrührende Undeutlichkeit aber, wie b2/f2. Sollen al&longs;o zwey Fernröhre eine gleiche Helligkeit und gleiche Undeutlichkeit (oder was hier gleich viel i&longs;t, einerley Deutlichkeit) geben, &longs;o mü&longs;&longs;en die Ausdrücke(b2f2/F2) und b2/f2, mithin auch ihre Quadratwurzeln (bf/F) und b/f, in dem einen eben &longs;o groß, als in dem andern, &longs;eyn, oder die Verhältni&longs;&longs;e bf:F und b:f mü&longs;&longs;en für gleich gute Fernröhre immer die&longs;elben bleiben. Hieraus folgt nun auch, daß das aus beyden zu&longs;ammenge&longs;etzte Verhältniß bbf:fF oder b2:F in allen gleichguten Fernröhren immer ebenda&longs;&longs;elbe bleiben mü&longs;&longs;e. Dies heißt mit andern Worten: Die Quadratzahl des Durchme&longs;&longs;ers der Apertur muß &longs;ich, wie die Brennweite des Objectivgla&longs;es, oder der Durchme&longs;&longs;er der Apertur muß &longs;ich, wie die Quadratwurzel aus der Brennweite des Objectivgla&longs;es, verhalten. Auch muß b:f immer einerley bleiben, oder der Durchme&longs;&longs;er der Apertur muß &longs;ich, wie die Brennweite des Augengla&longs;es, verhalten.

Nun fand Huygens durch die Erfahrung ein Fernrohr gut, an welchem, in rheinländi&longs;chen Zollen ausgedrückt, F=360; f=3,3; b=3 war. Dies gab b2/F=(9/360)=(1/40); b/f=(3/3,3)=(10/11). Eben &longs;o groß mußten nun die&longs;e Ausdrücke auch für andere gute Fernröhre bleiben. Aber aus b2/F=(1/40) folgtb=√(1/40)F; und aus b/f =(10/11) hat man f=(11/10)b. Dies giebt folgende Regel: Die in rheinländi&longs;chen Zollen ausgedrückte Brennweite des Objectivgla&longs;es dividire man durch 40, und ziehe aus dem Quotienten die Quadratwurzel, &longs;o hat man den Durchme&longs;&longs;er der Apertur; zu die&longs;em addire man noch &longs;einen zehnten Theil, &longs;o erhält man die Brennweite des zugehörigen Augengla&longs;es, alles in rheinl. Zollen. Der Quotient beyder Brennweiten giebt die Vergrößerung.

Es &longs;ey z. B. des Objectivgla&longs;es Brennweite 13 Schuh 4 Zoll=160 Zoll, &longs;o giebt &longs;ie, durch 40 dividirt, den Quotienten 4, de&longs;&longs;en Quadratwurzel 2 Zoll der Durchme&longs;&longs;er der Apertur i&longs;t, und um &longs;einen zehnten Theil vergrößert, die Brennweite des Augengla&longs;es (2 2/10) Zoll giebt. Der Quotient der 160 durch (2 2/10) giebt die Vergrößerung (72 8/11) mal.

Huygens berechnete durch die&longs;e Regel folgende Tabelle für die Verfertigung a&longs;tronomi&longs;cher Fernröhre. Brennweite des Objectivgla&longs;esDurchme&longs;&longs;er der AperturBrennweite des Augengla&longs;esVergrößerungrheinl. SchuheZolleZolle10,550,6120 mal20,770,8528 —30,951,0535 —41,091,2040 —51,231,3544 —61,341,4749 —71,451,6053 —81,551,7156 —91,641,8060 —101,731,9163 —152,122,2779 —202,452,5893 —252,742,84104 —303,03,19113 —403,463,75128 —503,874,26141 —604,244,66154 —704,585,04166 —804,905,39178 —905,055,55185 —1005,486,30190 —

Auzout

ein franzö&longs;i&longs;cher Mathematiker, überreichte der königlichen Societät zu London im Jahre 1665 eine Tafel der Aperturen für a&longs;tronomi&longs;che Fernröhre (Philo&longs;. Transact. no. 4. p. 55.), in welcher &longs;ich ebenfalls der Aperturen Durchme&longs;&longs;er, wie die Quadratwurzeln aus den Brennweiten der Objectivglä&longs;er verhalten. Aber Auzout giebt dem Objectivgla&longs;e von 30 pari&longs;er Schuhen eine Oefnung von 3″ 8‴, wenn es vorzüglich gut, von 3″ 2‴, wenn es von etwas geringerer, und von 2″ 7‴, wenn es nur von gemeiner Güte i&longs;t. Man findet die Re&longs;ultate &longs;einer Tabelle, wenn man die Brennweite des Objectivgla&longs;es mit 27, 36 und 54 dividiret, und aus den Quotienten die Quadratwurzel ausziehet. Die von Auzout berechnete Tafel reicht von 4 Zoll bis 400 Schuh Brennweite.

D. Hook (Philo&longs;. Trans. a. a. O.) bemerkt bey die&longs;er Gelegenheit &longs;ehr richtig, daß &longs;elb&longs;t einerley Glas ver&longs;chiedene Aperturen erfordere, je nachdem der betrachtete Gegen&longs;tand mehr oder weniger Licht aus&longs;ende. So erfordern z. B. Venus und Iupiter eine geringere, Saturn und Mars eine größere Oefnung. Aus die&longs;er Ur&longs;ache &longs;chreibt Wolf (Elem. Dioptr. Probl. 37.) vor, Blendungen mit ver&longs;chiedenen Aperturen in Vorrath auszu&longs;chneiden, und durch Probiren auszumachen, welche darunter für Gegen&longs;tände bey Tage, für die Sonne, für den Mond, die Venus u. &longs;. w. die &longs;chicklich&longs;te &longs;ey.

Kleine Sternchen, be&longs;onders die Trabanten des Iupiters und Saturns zu beobachten, dienen am be&longs;ten große Aperturen mit Augenglä&longs;ern von großen Brennweiten, weil es hiebey nicht &longs;owohl auf Vergrößerung, als auf Helligkeit, ankömmt. Allzukleine Oefnungen &longs;ind nie rath&longs;am, weil bey ihnen die Bilder nicht allein matt, &longs;ondern auch undeutlich begrenzt ausfallen.

Für die Spiegeltele&longs;kope, wo die zurückgeworfenen Stralen nicht in Farben zer&longs;treut werden, hat man bloß die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Spiegels zu betrachten, welche nicht groß i&longs;t, daher die&longs;e Tele&longs;kope große Oefnungen zula&longs;&longs;en. Nach Herrn Kä&longs;tners Berechnung (Smiths Lehrbegrif der Optik, S. 190 u. f.) verhält &longs;ich im Spiegeltele&longs;kope, wenn die Brennweite des Hohl&longs;piegels' F, des Augengla&longs;es f, und der Durchme&longs;&longs;er der Oefnung b heißt, die Undeutlichkeit, wie die Quadratzahl von (b3/F2f), die Helligkeit, wie die Quadratzahl von (bf/F) Sollen daher beyde Eigen&longs;chafteu immer von der&longs;elben Größe bleiben, &longs;o mü&longs;&longs;en die Ausdrücke (b3/F2f) und (bf/F). al&longs;o auch ihr Produkt (b4/F3), be&longs;tändig &longs;eyn.

Nun war in Hadley's Spiegeltele&longs;kop (Philo&longs;. Trans. No. 376. 378.) F=62″, 5; f=0″, 3; b=5″, mithinb4/F3=(625/62,53)=(10/62,52) und (bf/F)=0,024, woraus nach gehöriger Rechnung f=0,06 √ 104 F, und b=0,024F/f folgt. Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Tabelle (Smith S. 194.): Länge des Tele&longs;kopsBrennweite des Augengla&longs;esOefnung des SpiegelsVergrößerungSchuhZollZoll1/20,1670,86436 mal10,1991,44060 —20,2362,448102 —30,2613,312138 —40,2814,104171 —50,2974,848202 —60,3115,568232 —70,3236,240260 —80,3346,888287 —90,3447,536314 —100,3538,160340 —120,3679,360390 —150,39111,040460 —170,40312,143506 —

Vergleicht man die&longs;e Tabelle mit der für die a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre mitgetheilten, &longs;o findet man, daß zu einer hundertfachen Vergrößerung das a&longs;tronomi&longs;che Fernrohr 24 Schuh lang &longs;eyn mü&longs;&longs;e, da das Spiegeltele&longs;kop dazu nur 2 Schuh lang &longs;eyn darf. Die Oefnungen aber &longs;ind bey beyden ziemlich gleich, daher auch die Helligkeit einerley &longs;eyn würde. Al&longs;o lei&longs;tet das Spiegeltele&longs;kop hier bey einer 12mal geringern Länge eben &longs;o viel, als das gemeine Sternrohr. Könnte man dem Spiegel eine genau paraboli&longs;che Krümmung geben, &longs;o würde die Abweichung wegen der Ge&longs;talt gänzlich wegfallen, mithin würde gar keine Ein&longs;chränkung im Durchme&longs;&longs;er des Spiegels nöthig &longs;eyn, und die dadurch ungemein ver&longs;tärkte Helligkeit würde einem &longs;olchen Spiegeltele&longs;kope noch viel größere Vorzüge geben.

Dollond's wichtige Erfindung, &longs;. den Artikel: Achromati&longs;che Fernröhre, &longs;etzt die Kün&longs;tler in Stand, die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts fa&longs;t gänzlich zu vermeiden; &longs;ie rühmen &longs;ich &longs;ogar, durch ge&longs;chickte Zu&longs;ammen&longs;etzung ihrer Objectivglä&longs;er die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt großentheils aufheben zu können. Hiedurch fallen nun die Blendungen gänzlich weg, und man läßt in achromati&longs;chen Fernröhren das Licht durch die ganze Fläche des Objectivgla&longs;es ungehindert einfallen. Dies vermehrt nicht allein die Helligkeit, &longs;ondern &longs;pricht auch den Kün&longs;tler von dem Zwange los, den ihm &longs;on&longs;t die Theorie des Huygens in Rück&longs;icht auf die Vergrößerung auflegte. Denn da &longs;ich &longs;on&longs;t die Vergrößerung wie die Quadratwurzel aus der Länge des Fernrohrs verhalten mußte, &longs;o kan man jetzt, vorausge&longs;etzt, daß alle Abweichungen vermieden &longs;ind, jede beliebige Vergrößerung ohne Schaden der Deutlichkeit wagen. So vergrößerte Me&longs;&longs;ier's achromati&longs;ches Fernrohr (Mém. de l' Acad. roy. des Sc. a. 1775. p. 213.) 120mal, ob es gleich nur 40 Zoll lang war, und an einer andern Stelle wird eben die&longs;em Fernrohre, vermuthlich mit einem andern Augengla&longs;e ver&longs;ehen, eine 150 fache Vergrößerung zuge&longs;chrieben, wozu nach der Theorie des Huygens &longs;on&longs;t ein 60 Schuh langes Rohr nöthig gewe&longs;en wäre.

Aphelium, &longs;. Sonnenferne.

Apogäum, &longs;. Erdferne.

Ap&longs;iden, Ap&longs;ides, Auges, Ap&longs;ides ou Ab&longs;ides.

Die beyden Punkte einer Planetenbahn, in deren einem der Planet von der Sonne am weit&longs;ten entfernt, im andern der&longs;elben am näch&longs;ten i&longs;t. Taf. I. Fig. 17. &longs;ind es die beyden Punkte A und P. In A i&longs;t der Planet von der Sonne S am weit&longs;ten entfernt, in P der&longs;elben am näch&longs;ten. &longs;. die Artikel: Sonnenferne, Sonnennähe.

Die&longs;er Name kömmt &longs;chon bey den griechi&longs;chen Schrift&longs;tellern vor. Er bedeutet eigentlich Umfang eines Rads, auch Krümmung eines Gewölbes, und i&longs;t dann den Hauptpunkten der krummlinichten Bahnen der Ge&longs;tirne beygelegt worden. Plinius (Hi&longs;t. nat. II. 15.) &longs;agt: Prima circulorum (&longs;c. puncta), quos Graeci ab&longs;idas in &longs;tellis vocant. Der Name Auges kömmt von den Arabern her.

Ap&longs;idenlinie, große Axe der Planetenbahn

Linea ap&longs;idum, axis orbitae, Ligne des ap&longs;ides, le grand axe de l'orbite. Die gerade Linie AP (Taf. I Fig. 17.) durch beyde Ab&longs;iden A und P. &longs;. Ap&longs;iden. Die&longs;e Linie i&longs;t die große Axe der ellipti&longs;chen Planetenbahn, und geht al&longs;o durch die Sonne, oder den Brennpunkt S, und durch den Mittelpunkt C.

Die Ap&longs;idenlinien oder großen Axen der Planetenbahnen verändern von Zeit zu Zeit ihre Lagen gegen die Fix&longs;terne, und drehen &longs;ich um die Sonne nach der Ordnung der Zeichen, d. i. von innen heraus betrachtet von der Rechten zur Linken fort. Man &longs;. von die&longs;er Bewegung den Artikel: Sonnenferne.

Aquädukt, &longs;. Wa&longs;&longs;erleitung.

Aräometer, Solwage, Salz&longs;pindel, Sol&longs;pindel, Bierwage, Araeometrum, Hygrobaro&longs;copium, Baryllion, Arèometre, Pe&longs;e-liqueur.

Ein Werkzeug, durch de&longs;&longs;en Ein&longs;enkung in flüßige Materien, z. B. Wa&longs;&longs;er, Solen, Biere rc. man die Verhältni&longs;&longs;e der Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren die&longs;er Materien be&longs;timmen kan. Der griechi&longs;che Name Aräometer bedeutet ein Maaß der Dünne.

Die Theorie der Aräometer beruht auf folgenden Gründen. Die Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren, D und d, zweener Körper, verhalten &longs;ich, wie die Quotienten ihrer Gewichte, P und p, durch ihre körperlichen Räume oder Volumina, V und v (&longs;. Dichte und Schwere, &longs;pecifi&longs;che), oder es i&longs;t D : d = P/V : p/v. Ferner taucht ein &longs;chwimmender fe&longs;ter Körper &longs;ich in den flüßigen &longs;o tief ein, bis er &longs;o viel flüßige Materie, als mit ihm &longs;elb&longs;t gleich wiegt, aus der Stelle getrieben hat. (&longs;. Schwimmen). Senkt man nun einen &longs;chwiminenden fe&longs;ten Körper, de&longs;&longs;en Gewicht =P &longs;eyn mag in zwo ver&longs;chiedene flüßige Materien, in deren er&longs;ter er &longs;ich um den körperlichen Raum V, in der andern um den Raum v eintaucht, &longs;o haben die&longs;e Materien unter den gedachten Räumen beyde das Gewicht P, und es i&longs;t I.) D : d = P/V:P/v = v: V Senkt man aber den fe&longs;ten Körper in beyden Materien bis an ein be&longs;timmtes Merkmal oder beydemal um den Raum V ein, und findet, daß dazu bey der er&longs;ten flüßigen Materie &longs;ein Gewicht P, bey der andern p &longs;eyn mü&longs;&longs;e, &longs;o i&longs;t V der Raum, unter welchem die er&longs;te die&longs;er Materien das Gewicht P, die andere das Gewicht p hat, daher II.) D : d = P/V:p/V = P:p.

Die&longs;e Sätze heißen mit andern Worten:

I.) Wenn ein Aräometer von unverändertem Gewichte in zwo flüßige Materien einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten die&longs;er Materien umgekehrt, wie die Räume, um welche das Aräometer &longs;ich in die&longs;elben eingetaucht hat.

II.) Wenn ein Aräometer in zwo flüßige Materien bis zu gleicher Tiefe, oder bis an ein daran befindliches Merkmal, einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten die&longs;er Materien, wie die Gewichte, die man in beyden Fällen dem Aräometer hat geben mü&longs;&longs;en, um es gleich tief einzu&longs;enken.

Jeder die&longs;er beyden Sätze giebt eine be&longs;ondere Einrichtung des Aräometers. Man &longs;ieht leicht, daß diejenige vorzüglicher i&longs;t, welche &longs;ich auf den zweyten Satz gründet, weil &longs;ich Gewichte leichter und genauer be&longs;timmen la&longs;&longs;en, als körperliche Räume. Nach die&longs;er Theorie werden &longs;ich nun die ver&longs;chiedenen Einrichtungen des Aräometers über&longs;ehen und prüfen la&longs;&longs;en.

Daß bereits im vierten Jahrhunderte nach C. G. etwas dem Aräometer ähnliches unter dem Namen Baryllion bekannt gewe&longs;en &longs;ey, erhellet aus dem funfzehnten Briefe des Bi&longs;chofs zu Ptolemais, Syne&longs;ius von Cyrene, der an &longs;eine Lehrerin, die berühmte Hypathia in Alexandrien, gerichtet i&longs;t. Fermat (Opera mathematica Fermatii. Tolo&longs;ae 1679. fol. &longs;ub fin.) hat die&longs;e Stelle zuer&longs;t richtig erklärt. Ob aber die&longs;es Baryllion unter die Erfindungen der Hypathia gehöre, i&longs;t ungewiß.

Unter den Deut&longs;chen &longs;cheint der Gebrauch &longs;olcher Werkzeuge zu Salzproben ziemlich alt zu &longs;eyn. Leupoid (Theatr. Stat. univ. P. II. cap. 6.) führt an, daß Thölden in &longs;einer 1603 herausgekommenen Halographie einer Sol&longs;pindel (die aus einem hölzernen Cylinder, unten zuge&longs;pitzt, und mit Bley ausgego&longs;&longs;en, be&longs;tanden habe), als einer läng&longs;t bekannten Sache gedenke.

Die gewöhnlich&longs;te Art der neuern Aräometer i&longs;t diejenige, die &longs;ich auf den er&longs;ten der obigen Sätze gründet. Die&longs;e hat Boyle (Philo&longs;. Transact. num. 24. p. 447.) be&longs;chrieben, und einige Jahre darauf (Phil. Trans. num. 115. p. 329.) auch als Goldwage zu brauchen gelehrt. Gewöhnlich be&longs;teht ein &longs;olches Werkzeug (Taf. I. Fig. 18.) aus einer Kugel B von dünnem Glas, an welche an einer Glaslampe ein langer dünner Stiel oder Hals AC und eine kleinere Kugel S angebla&longs;en wird. In die&longs;e Kugel S bringt man etwas Schrot oder Queck&longs;ilber, de&longs;&longs;en Gewicht den Schwerpunkt des ganzen In&longs;truments tief herabbringt damit es beym Ein&longs;enken ins Wa&longs;&longs;er aufrecht&longs;tehend erhalten werde, und nicht um&longs;chlage. Die Höhlungen B und S mü&longs;&longs;en &longs;o groß &longs;eyn, daß durch Ein&longs;enkung in Liquoren allezeit mehr Liquor aus der Stelle getrieben wird, als das ganze In&longs;trument wiegt, weil es &longs;on&longs;t nicht &longs;chwimmen würde. Die&longs;es Werkzeug nun taucht &longs;ich, dem er&longs;ten der obigen Sätze gemäß, in leichtere Liquoren tiefer, in dichtere oder &longs;chwerere weniger ein; es wird z. B. im Salzwa&longs;&longs;er bis D. im Wa&longs;&longs;er bis E. im Weine bis F. im Weingei&longs;te bis G, ein&longs;inken. Eine am Stiele AC angebrachte Theilung zeigt, wie weit es &longs;ich in jeden Liquor &longs;enke, al&longs;o welcher unter zweenen der &longs;chwerere und leichtere &longs;ey; obgleich dies allein noch nicht hinreichend i&longs;t, das Verhältniß beyder &longs;pecifi&longs;chen Schweren in Zahlen anzugeben.

Man hat die&longs;es &longs;ehr we&longs;entlichen Mangels ohngeachtet das Aräometer dennoch unter der angegebnen Ge&longs;talt lang genug gebraucht, und zu ver&longs;chiedenen Ab&longs;ichten angewendet. Man hat es aus Glas, Holz, Horn, Bern&longs;tein, Kupfer, Me&longs;&longs;ing, Silber rc. verfertiget, und dem Stiele AD entweder willkührliche Theile von gleicher Größe, oder auch nur ein einziges aufgemahltes oder einge&longs;chnittenes Merkmal gegeben, um dadurch anzuzeigen, wie tief &longs;ich das In&longs;trument in einen gewi&longs;&longs;en Liquor eintauchen mü&longs;&longs;e, wenn er genau die gehörige Güte haben &longs;olle. Von die&longs;er Art &longs;ind die von Bern&longs;tein verfertigten Danziger Bierproben, die ein zu leichtes Bier anzeigen, wenn &longs;ie &longs;ich darein tiefer, als bis an das gemachte Merkmal, tauchen. Man hat auch zu andern Ab&longs;ichten die Größe der Theile durch ange&longs;tellte Ver&longs;uche be&longs;timmt, oder das Aräometer graduirt. Lö&longs;et man z. B. zuer&longs;t in 99 Loth Wa&longs;&longs;er ein Loth Salz, dann in 98 Loth Wa&longs;&longs;er zwey Loth Salz u. &longs;. w. auf, &longs;o erhält man kün&longs;tliche Solen, die auf 100 Loth Sole 1, 2 u. &longs;. w. Loth Salz enthalten, dergleichen man bey uns einlöthige, zweylöthige rc. Solen zu nennen pflegt. Senkt man das Aräometer in eine die&longs;er Solen nach der andern ein, und bemerkt mit Zeichen am Stiele, wie tief es in jeder &longs;inket, &longs;o geben die&longs;e Zeichen eine Theilung, welche zur Prüfung des Salzgehalts natürlicher Solen dienet. Denn wofern man annehmen darf, daß jede natürliche zweylöthige Sole eine gleiche &longs;pecifi&longs;che Schwere mit der kün&longs;tlich bereiteten zweylöthigen u. &longs;. w. habe, &longs;o folgt, daß das Aräometer in beyde gleich tief ein&longs;inken mü&longs;&longs;e. Unter die&longs;er Ge&longs;talt bekömmt das In&longs;trument den Namen der Solwage, Gradirwage, Salzprobe, Salz&longs;pindel, wovon Leupold (Theatr. &longs;tat. univer&longs;. P. II. c 6.) ver&longs;chiedene Arten be&longs;chreibt. Aber die Schwierigkeit, bey &longs;o vielerley Ver&longs;uchen den Punkt des Ein&longs;inkens jederzeit genau zu bemerken und richtig zu bezeichnen, macht, daß man &longs;ich von der Vollkommenheit eines &longs;olchen Werkzeugs insgemein nicht viel ver&longs;prechen kan.

Man &longs;ieht leicht, daß &longs;ich auf eine ähnliche Art auch Bierproben zubereiten la&longs;&longs;en. So hat Faggot (Abh. der königl. &longs;chwed. Akad. der Wi&longs;&longs;. über&longs;. durch Kä&longs;tner, für 1763. S. 49.) für das &longs;chwedi&longs;che Bier, ein &longs;olches Aräometer ins &longs;tärk&longs;te Bier und in Mi&longs;chungen von 3,2, 1 Theilen Bier mit 1, 2, 3 Theilen Wa&longs;&longs;er zu &longs;enken und die Punkte des Ein&longs;inkens zu bemerken, vorge&longs;chlagen. Und, weil man nicht überall gleich gutes Starkbier finden möchte, räth er an, kün&longs;tliche Solen zu verfertigen, welche mit den angegebnen Bierarten (von welchen ein Cubikzoll 563, 558 1/2, 554, 550 Aß wog) gleiche Schwere hätten, und die Bierprobe in die&longs;en Solen zu graduiren. Vielleicht wäre die&longs;er Vor&longs;chlag für die Praxis nicht unbrauchbar; es mü&longs;te aber für jede Sorte von Bier, deren wir bey uns &longs;o vielerley haben, eine be&longs;ondere Probe verfertiget werden. Die Graduirung durch Solen i&longs;t auch nur dann &longs;icher, wenn &longs;tets Salz und Wa&longs;&longs;er von gleicher Art, auch unter gleichen Graden der Wärme, gebraucht wird.

Da es &longs;o müh&longs;am und un&longs;icher i&longs;t, jeden Grad eines Aräometers durch einen be&longs;ondern Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, &longs;o haben einige vorge&longs;chlagen, nur zwey fe&longs;te Punkte durch wirkliche Ver&longs;uche zu be&longs;timmen, und den Zwi&longs;chenraum in gleiche Theile zu theilen. Es i&longs;t aber zu bemerken, 1. daß hiebey der Stiel des Aräometers vollkommen cylindri&longs;ch &longs;eyn mü&longs;&longs;e, welches bey glä&longs;ernen Röhren nicht &longs;o leicht zu erhalten i&longs;t; 2. daß auf die&longs;e Art die Grade der Theilung nicht völlig gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren angeben, mithin noch eine Rechnung nöthig i&longs;t, wenn man die wahren Verhältni&longs;&longs;e der Dichten finden will.

Ein &longs;olches Aräometer (Tafel I. Figur 19.) &longs;chlägt Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad Philo&longs;. natur. To. II. §. 1384.) vor. Es &longs;oll &longs;ich im Regenwa&longs;&longs;er, mit Hülfe eines unten ange&longs;chraubten Gewichts, ganz bis ans Ende des Stiels, und in einem Liquor, der unter dem Volumen des Aräometers 40 Gran &longs;chwerer, als Regenwa&longs;&longs;er, i&longs;t, nur bis an den Anfang des Stiels eintauchen. Nun theilt er den Stiel in 40 gleiche Theile, und meynt, &longs;o werde &longs;ich beym Ein&longs;inken in einen andern Liquor zeigen, wie viel der&longs;elbe &longs;chwerer &longs;ey, als Regenwa&longs;&longs;er. Für Liquoren, welche leichter, oder über 40 Gran &longs;chwerer, als Wa&longs;&longs;er wären, mü&longs;ten unten leichtere oder &longs;chwerere Gewichte ange&longs;chraubt werden. Da &longs;ich Mu&longs;&longs;chenbroek nicht ganz deutlich ausdrückt, &longs;o könnte man dies &longs;o ver&longs;tehen: Wenn das Wa&longs;&longs;er unter dem Volumen des Aräometers 100 Gran wiegt, und das In&longs;trument in einem &longs;chwerern Liquor nicht ganz untertaucht, &longs;ondern um 1 Theil des Stiels hervorragt, &longs;o &longs;oll die&longs;er Liquor unter eben dem Volumen 1 Gran mehr wiegen, al&longs;o das Verhältniß der Dichten 100:101 &longs;eyn. Daß dies theoreti&longs;ch unrichtig wäre, lehrt folgende Betrachtung: Soll &longs;ich das Aräometer in einem Liquor, von welchem 140 Gran &longs;o viel Raum einnehmen, als 100 Gran Wa&longs;&longs;er, nur bis C (Taf. I. Fig. 19.) eintauchen, &longs;o muß das Volumen von PC (100/140), das Volumen des Stiels AC (40/140), und ein Grad der Theilung (1/140) des ganzen Volumens PA ausmachen. War al&longs;o im Wa&longs;&longs;er alles eingetaucht, und ragt jetzt in einem Liquor (1/140) hervor, oder &longs;ind jetzt nur (130/140) eingetaucht, &longs;o i&longs;t das Verhältniß der Dichtigkeiten nach dem er&longs;ten der obigen theoreti&longs;chen Sätze=139:140, nicht wie oben 100:101. Ragen 7 Theile hervor, oder &longs;ind 33 eingetaucht, &longs;o i&longs;t es 133 : 140; und überhaupt, wenn das Aräometer p Gran Wa&longs;&longs;er aus der Stelle treibt, und die Anzahl der eingetauchten Grade der Theilung n heißt, p+n:p+40; nicht, wie oben p:p+40—n. So ver&longs;tanden, i&longs;t Mu&longs;&longs;chenbroeks Theorie richtig; er &longs;cheint auch die Sache &longs;o genommen zu haben, weil er in der Figur die Theile am Stiele von unten hinauf zählt, |und al&longs;o die eingetauchten, nicht die hervorragenden, in An&longs;atz bringt. Aber &longs;eine Worte la&longs;&longs;en auch die oben angegebne fal&longs;che Erklärung zu. Uebrigens &longs;oll das Werkzeug von Me&longs;&longs;ing &longs;eyn, und wegen des Anhängens der Liquoren nur für die gröbere Praxis be&longs;timmt bleiben. Die Verfertigung de&longs;&longs;elben nach den vorge&longs;chriebnen Bedingungen würde allemal höch&longs;t müh&longs;am, und denen, die &longs;ich mit der |gröbern Praxis befriedigen, gar nicht vorzu&longs;chlagen &longs;eyn.

Eine andere auf zween fe&longs;te Punkte gegründete Einrichtung des Aräometers hat Herr Baume (Avant-Coureur 1768. no. 45, 50, 51, 52; 1769 no. 2.) vorge&longs;chlagen. Sie &longs;oll den Grad der Rectification gei&longs;tiger Liquoren und die &longs;pecifi&longs;che Schwere der&longs;elben zugleich angeben; da aber, wie Bri&longs;&longs;on (Mém. de l' Acad. roy. des Sc. 1769.) zeigt, beym Weingei&longs;te die Rectification dem Grade der &longs;pecifi&longs;chen Schwere nicht proportional i&longs;t, &longs;o kan beydes zugleich nicht mit einerley Werkzeuge geme&longs;&longs;en werden. Uebrigens &longs;enkt Baume das Aräometer zuer&longs;t in eine Mi&longs;chung von 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und 1 Theil trocknen Koch&longs;alzes und dann in reines Wa&longs;&longs;er, bemerkt die Punkte des Ein&longs;inkens mit 0 und 10, theilt den Zwi&longs;chenraum in zehn gleiche Grade, und trägt &longs;olche Grade bis 50 auf dem übrigen Theile des Stiels fort. Er erhält auf die&longs;e Art eine Scale mit gleichen Theilen, welche nie gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten anzeigen. Zwar &longs;ucht er auch nicht Verhältni&longs;&longs;e der Dichtigkeiten &longs;elb&longs;t zu be&longs;timmen, &longs;ondern nur durch &longs;eine Vor&longs;chriften alle Aräometer mit einander überein&longs;timmend zu machen, &longs;o daß man durch den Grad der&longs;elben die Dichte oder Güte eines Liquors auf eine überall ver&longs;tändliche Art ausdrücken könne. So &longs;oll 0 Grad die Dichte eines Liquors, der (9/10) Wa&longs;&longs;er und (1/10) Salz hat, 10 Grad die Dichte des Wa&longs;&longs;ers bezeichnen. Nun ließen &longs;ich zwar hieraus die Verhältni&longs;&longs;e der Dichten &longs;elb&longs;t berechnen, wenn die Dichte der zum fe&longs;ten Punkte gebrauchten Sole bekannt wäre; allein da Salze von ver&longs;chiedener Art auf das Wa&longs;&longs;er ver&longs;chiedentlich wirken, und al&longs;o Gemi&longs;che von andern Dichtigkeiten geben können, wenn &longs;ie gleich in einerley Verhältniß mit dem Wa&longs;&longs;er vermi&longs;cht werden, &longs;o i&longs;t man nie &longs;icher aus 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und einem Theile Salz überall eine gleich dichte Sole, und eine mit andern überein&longs;timmende Theilung des Aräometers zu erhalten; und für die gei&longs;tigen Liquoren ändern &longs;ich die Dichtigkeiten, die &longs;ie durch Vermi&longs;chung mit Wa&longs;&longs;er annehmen, noch unregelmäßiger.

Die von den Ständen in Languedoc 1771 und 1773 aufgegebnen Preisfragen über die be&longs;te Art, die Güte der gei&longs;tigen Liquoren zu prüfen, haben noch andere Vor&longs;chläge zu Branntewein- und Weingei&longs;tproben von den Herren Poncelet, Pouget und Bories veranla&longs;&longs;et, welche anzuführen hier zu weitläuftig wäre.

Da die Be&longs;timmung zweener fe&longs;ten Punkte durch Ver&longs;uche un&longs;icher i&longs;t, weil es Schwierigkeit macht, außer dem de&longs;tillirten oder Regenwa&longs;&longs;er, noch einen Liquor von &longs;tets gleicher Dichte zu erhalten, und da die gleichen Theile der Scale niemals gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten geben, &longs;o hat man vorge&longs;chlagen, das Aräometer durch Veränderung &longs;eines Gewichts &longs;o zu graduiren, daß es durch den Punkt &longs;eines Ein&longs;inkens &longs;ogleich die Dichte des Liquors anzeige. Die&longs;e &longs;innreiche Methode lehrt Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire de Phy&longs;ique, art. Arèometre). Es &longs;ey die Dichte des Wa&longs;&longs;ers zur Dichte eines Liquors =D:d ; im Wa&longs;&longs;er &longs;enke &longs;ich das Aräometer um den Raum b ein, &longs;o muß es &longs;ich im Liquor um den Raum (bD/d) ein&longs;enken (weil &longs;ich die Räume umgekehrt wie die Dichten verhalten mü&longs;&longs;en). Soll es &longs;ich nun im Wa&longs;&longs;er eben &longs;o weit, oder auch um den Raum (bD/d) ein&longs;enken, &longs;o muß &longs;ein Gewicht, welches wir p nennen wollen, verändert werden. Mit dem anfänglichen Gewichte p &longs;ank es im Wa&longs;&longs;er um den Raum b ein, al&longs;o wird es, um den Raum (bD/d) einzu&longs;inken, das Gewicht (pD/d) haben mü&longs;&longs;en (weil &longs;ich die Räume des Ein&longs;inkens in einerley flüßige Materie, wie die Gewichte, verhalten). Verändert man al&longs;o das Gewicht p in D/d d. h. vermehrt man es um (pD/d)—p=p·(D—d/d), &longs;o &longs;inkt das In&longs;trument im Wa&longs;&longs;er &longs;o tief ein, als es unter &longs;einem anfänglichen Gewichte p in einen Liquor von der Dichte d ein&longs;inkt. Nimmt man nun die Dichte des Wa&longs;&longs;ers= 1000 an, und lä&longs;t d nach einander 990, ,980, 970 rc. gelten, &longs;o wird p·(D—d/d) nach einander (10/990) p, (20/980) p, (30/970) p rc. Hierauf gründet &longs;ich folgendes Verfahren. Man wiege das Aräometer genau, &longs;enke es in de&longs;tillirtes oder in Regenwa&longs;&longs;er unter einem be&longs;timmten Grade der Wärme (wozu Bri&longs;&longs;on den 14ten Grad des Reaumüri&longs;chen Thermometers vor&longs;chlägt), und bezeichne den Punkt, bis auf den es ein&longs;inkt, mit 1000. Man vermehre hierauf das anfängliche Gewicht des In&longs;truments durch etwas hinzugego&longs;&longs;enes Queck&longs;ilber um (10/990) oder (1/99), &longs;enke es von neuem ein, und bemerke den Punkt mit 990; man nehme das hinzugethane Queck&longs;ilber wieder hinweg, vermehre das anfängliche Gewicht um (20/980) oder (1/49), und bemerke den Punkt des Ein&longs;inkens mit 980 u. &longs;. w. So i&longs;t das Werkzeug von 10 zu 10 Graden für leichtere Liquoren, als Wa&longs;&longs;er, graduirt. Um einzelne Grade zu haben, kan man entweder die Zwi&longs;chenräume in 10 gleiche Theile theilen, oder, wenn man die Genauigkeit aufs höch&longs;te treiben will, die Punkte für die Dichten 999, 998 rc. durch Vermehrung des anfänglichen Gewichts um (1/999), (2/998) rc. &longs;uchen. Für &longs;chwerere Liquoren, als Wa&longs;&longs;er, wird D—d negativ. und das anfängliche Gewicht p i&longs;t um(d—D/d)·p zu vermindern. Die&longs;e Verminderungen betragen (10/1010), (20/1020), (30/1030) rc. für die Dichten 1010, 1020, 1030 rc.; woraus das Verfahren leicht erhellet. Endlich giebt man dem In&longs;trumente &longs;ein anfängliches Gewicht p wieder; und wenn es &longs;ich nun bey einer Temperatur von 14 Graden nach Reaumür in einen gewi&longs;&longs;en Liquor bis an den mit 980 bemerkten Punkt &longs;enkt, &longs;o kan man &longs;chließen, daß des Liquors Dichte zur Dichte des Wa&longs;&longs;ers wie 980: 1000 &longs;ey. Die&longs;e Methode würde vor allen andern den Vorzug verdienen, wenn nicht die Ausführung äußer&longs;t müh&longs;am wäre. Sie i&longs;t nicht von der Art, daß man &longs;ie gemeinen Mechanikern überla&longs;&longs;en könnte; die Phy&longs;iker mü&longs;&longs;en &longs;ich dergleichen Werkzeuge &longs;elb&longs;t verfertigen.

Zum genauern Graduiren empfiehlt Bri&longs;&longs;on' folgende von Montigny (Mém. de l'Academ. roy. des Sc. 1768. p. 435.) angegebne Methode. An der Seite des Gefäßes VV Taf. I. Fig. 20 geht der elfenbeinerne Stab CD in die Höhe, und i&longs;t mit einem wohlgearbeiteten me&longs;&longs;ingnen Schieber EF ver&longs;ehen. Man füllt das Gefäß mit Regenwa&longs;&longs;er, und giebt &longs;tets Acht, daß da&longs;&longs;elbe darinn gleich hoch &longs;tehe. Das bis G einge&longs;enkte Aräometer reiche mit dem Ende des Stiels bis A, &longs;o wird der Schieber &longs;o ge&longs;tellt, daß er A genau berührt, und auf dem elfenbeinernen Stabe DG wird bey g ein Strich mit Bley&longs;tift gemacht. Sinkt in andern Liquoren, oder unter anderm Gewichte, das Aräometer bis H, I rc. ein, &longs;o wird der Schieber die Punkte h, i rc. angeben, und die Bley&longs;tift&longs;triche g, h, i geben eine Theilung, welche vom elfenbeinernen Stabe auf ein Papier gebracht, und umgekehrt in das Aräometer befe&longs;tiget wird, &longs;o daß der Punkt D, der beym er&longs;ten Ein&longs;enken der Oberfläche des Wa&longs;&longs;ers im Gefäße VV gegenüber&longs;tand, an das Ende des Stiels A kömmt, und die Theilung in die Lage G, H, I bringt. Der Schieber muß an den Stab GD nur auf drey Seiten an&longs;chließen, und die vierte, auf welche die Bley&longs;tift&longs;triche kommen, frey la&longs;&longs;en, damit er beym Fort&longs;chieben nichts auslö&longs;che. Graduirt man nach Bri&longs;&longs;ons Art, &longs;o muß das Papier, auf welches die Theilung kommen &longs;oll, mit gewogen, und &longs;ein Gewicht in das anfängliche Gewicht des Aräometers mit eingerechnet werden.

Aus der bisherigen Theorie läßt &longs;ich auch die Einrichtung über&longs;ehen, die le Raz de Lanthenee in einer kleinen Schrift von 32 Seiten 12mo vorge&longs;chlagen hat, und welche von Bri&longs;&longs;on (Dictionnaire de phy&longs;. art. Arèometre) angeführt wird. Sie &longs;cheint eine etwas veränderte Nachahmung der Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen zu &longs;eyn. Er &longs;enkt nemlich ein Aräometer, welches 1000 Gran wiegt, in Wa&longs;&longs;er, vermehrt hierauf das Gewicht um 40 Gran, &longs;enkt es nochmals ein und theilt den Raum zwi&longs;chen beyden Punkten in 40 gleiche Theile. Er bekömmt hiedurch zu fe&longs;ten Punkten die Dichte des Wa&longs;&longs;ers und die Dichte eines (40/1040) oder (1/20) leichtern Liquors; und &longs;o i&longs;t &longs;ein Aräometer allerdings vorzüglicher, als die, welche zur Be&longs;timmung des zweyten Punkts die Bereitung einer Sole u. dgl. voraus&longs;etzen. Auch i&longs;t es richtig, daß bey einem Aräometer, welches nicht gerade 1000 Gran wiegt, die Zulage &longs;tatt 40 Gran, eine andere &longs;eyn muß, die &longs;ich aber zum Gewichte des Aräometers verhält, wie 40:1000, z. B. bey einem Aräometer von 800 Gran darf man nur 32 Gran zulegen. Man muß aber dennoch in 40 Theile theilen, wenn &longs;olche Aräometer mit einander überein&longs;timmen &longs;ollen, und die Behauptung des Erfinders, man mü&longs;&longs;e in &longs;o viel Theile theilen, als man bey der Be&longs;timmung des zweyten Punkts Grane zugelegt habe, i&longs;t ein offenbarer Irrthum. Uebrigens i&longs;t bey die&longs;em|Werkzeuge, wenn &longs;ein Gewicht in Granen p, und die Zahl der eingetauchten Grade der Theilung n heißt, des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie p+n:p.

Noch eine &longs;ehr einfache Art des Aräometer gäbe ein bloßes Stäbchen ohne Kugel, wie AB, Taf. II. Fig. 21., das etwa von einem leichten aber fe&longs;ten Holze ver&longs;ertiget und überfirnißt werden könnte. Das Stäbchen mü&longs;te ein genau gearbeitetes rechtwinklichtes Parallelepipedum &longs;eyn, und läng&longs;t der Mitte jeder Seitenfläche mü&longs;te eine etwa in 1000 Theile getheilte Linie herabgehen, auf der man auch bey einer &longs;chiefen Lage des Stäbchens, dennoch das Verhältniß des eingetauchten Theils zum Ganzen richtig würde bemerken können. Ein &longs;olches Stäbchen würde &longs;ich in einen Liquor ge&longs;enkt, und bey E an einem Faden gehalten (nicht gezogen), bis D, z. E. um 600 Theile ein&longs;enken. Sänke es nun im Regenwa&longs;&longs;er um 550 Theile ein, &longs;o würde &longs;ich des Regenwa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie 600:550 verhalten. Ich habe die&longs;e Einrichtung in den hydro&longs;tati&longs;chen Vorle&longs;ungen meines ehemaligen Lehrers, des Prof. Hein&longs;ius in Leipzig, kennen gelernt, der &longs;ie zu Prüfung der &longs;pecifi&longs;chen Schweren der Mineralwa&longs;&longs;er vor&longs;chlug.

Es i&longs;t zu verwundern, daß man die bisher be&longs;chriebenen Aräometer, welche die Dichte der Liquoren durch die Tiefe des Ein&longs;inkens me&longs;&longs;en, noch immer beybehält, und &longs;o viel daran kün&longs;telt, da doch die Be&longs;timmung der fe&longs;ten Punkte und das Graduiren &longs;o viel Mühe und Unzuverlä&longs;&longs;igkeit veranla&longs;&longs;en, daß In&longs;trumente die&longs;er Art aller angewandten Bemühungen ohngeachtet doch immer unvollkommen bleiben werden. Die Begierde, &longs;ogleich an einer Scale zu &longs;ehen, wie gut oder dicht ein Liquor &longs;ey, ohne daß es er&longs;t einer Rechnung bedürfe, mag wohl die Ur&longs;ache davon &longs;eyn; es heißt aber nicht die Chymiker ehren, wenn man ihnen unzuverläßige Weingei&longs;tproben in die Hände giebt, um ihnen eine Divi&longs;ion zu er&longs;paren.

Weit einfacher, leichter zu verfertigen, und in der Anwendung &longs;icherer i&longs;t dasjenige Aräometer, welches die Dichten der Liquoren durch Gewichte abmißt. Es führt gemeiniglich den Namen des Fahrenheiti&longs;chen allgemeinen Aräometers obgleich nach Leupold (Theatr. Stat. P. II. §. 28. 29.) &longs;chon Moncony, ein Arzt in Lyon († 1665) in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung, auch der P. Feuillee (Journal des ob&longs;erv. de phy&longs;. Paris 1714. 4.) ähnliche Einrichtungen be&longs;chreiben. Die&longs;es In&longs;trument be&longs;teht aus einer hohlen glä&longs;ernen oder me&longs;&longs;ingnen Kugel B (Taf. II. Fig. 22.), an welcher &longs;ich unten noch eine andere mit etwas Queck&longs;ilber oder Schrot be&longs;chwerte S befindet. Der Hals AC i&longs;t &longs;ehr dünn, und hat oben bey A eine kleine Schale, um leicht Gewichte hineinwerfen zu können. Am Hal&longs;e befindet &longs;ich bey a ein Merkmal. An Moncony's Wage fehlen die Schale A und das Merkmal a; denn die Gewichte werden wie Ringe geformt und auf den etwas &longs;tärkern Hals aufge&longs;teckt, und das In&longs;trument wird bis an die Spitze einge&longs;enkt; bey Feuillee's Angabe fehlt nur die Schale, und die Gewichte, als durchlöcherte Blättchen geformt, werden über den Hals auf die Kugel gelegt; bey Leutmanns Angabe (Comm. Petropol. T. V. p. 273.) i&longs;t die Röhre CA offen, und die Gewichte werden durch die Oefnung A hineingeworfen.

Um ein &longs;olches Werkzeug zu gebrauchen, muß zuer&longs;t das Gewicht de&longs;&longs;elben =p &longs;orgfältig be&longs;timmt werden. Man &longs;enkt es hierauf in de&longs;tillirtes oder Regenwa&longs;&longs;er, und legt in die Schale A &longs;o viel Gewicht =q, bis es &longs;ich bis an das Merkmal a eintaucht. Muß man nun, um es in einem Liquor eben &longs;o weit einzutauchen, das Gewicht r in die Schale legen, &longs;o i&longs;t nach dem zweyten der im Anfang die&longs;es Artikels vorgetragnen Sätze des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie das ganze Gewicht des Werkzeugs beym er&longs;tern Ein&longs;inken zum ganzen Gewichte beym letztern, oder wie p + q : p + r. Wiegt zum Bey&longs;piel das Aräometer 496 Gran, und mü&longs;&longs;en im Regenwa&longs;&longs;er 32, in einer Sole 64 Gran zugelegt werden, &longs;o verhalten &longs;ich beyder Dichten oder &longs;pecifi&longs;che Schweren, wie 496 + 32: 496 + 64 = 528 : 560 = 1 : 1,060.

Es fällt in die Augen, wie weit die&longs;es In&longs;trument die vorherbe&longs;chriebenen an Simplicität, Leichtigkeit der Ausführung und Sicherheit des Re&longs;ultats übertrift. Es bleibt nur noch die Einwendung übrig, daß das Anhängen der Liquoren verhindere, genau wahrzunehmen, wenn der Liquor gerade bis an das Merkmal reiche. Die&longs;e Einwendung trift aber auch die Aräometer von jener Cla&longs;&longs;e, und der zu be&longs;orgende Fehler i&longs;t bey einem dünnen Hal&longs;e ganz unbeträchtlich. Noch wäre zu befürchten, daß es bey allzuviel oben eingelegten Gewichten um&longs;chlagen möchte; allein ein nachdenkender Kün&longs;tler wird die Einrichtung leicht &longs;o treffen, daß nie &longs;tarke Gewichte eingelegt werden dürfen, und S immer &longs;chwer genug bleibt, um das Ganze aufrecht zu erhalten. Es &longs;ollten al&longs;o die Naturfor&longs;cher billig mehr Gebrauch von die&longs;er Einrichtung machen, als insgemein zu ge&longs;chehen pflegt.

Wie man die Aräometer als Goldwagen gebrauchen könne, be&longs;chreibt Cornelius Meyer (Nuovi Ritrovamenti divi&longs;i in due parti. Rom. 1696. fol.). Er hat &longs;eine Methode um das Jahr 1668 erfunden. und giebt a. a. O. &longs;echs ver&longs;chiedene Arten &longs;olcher Goldwagen an, worunter die mei&longs;ten dem Fahrenheiti&longs;chen Univer&longs;alaräometer &longs;ehr ähnlich &longs;ind. Man hängt unten eine ächte Goldmünze an, und bemerkt, wie weit &longs;ich das mit ihr be&longs;chwerte In&longs;trument ins Wa&longs;&longs;er tauche. Eine fal&longs;che Münze unten angehangen, wird es nicht &longs;o weit eintauchen. Meyer erzählt, die General&longs;taaten hätten ihn durch Abgeordnete um Mittheilung die&longs;er Erfindung| er&longs;uchen la&longs;&longs;en. Boyle hat &longs;ein dazu dienliches In&longs;trument 1674 in den Transactionen bekannt gemacht, und Leupold (Theatr. Stat. univer&longs;. p. II. c. 6.) handelt von der ganzen Sache &longs;ehr um&longs;tändlich.

Bey dem Gebrauche aller Aräometer überhaupt &longs;ind folgende von Nollet (Leçons de Phy&longs;. To. II. p. 388.) angegebne Vor&longs;ichtsregeln zu beobachten.

1) Die Liquoren, in welche man das Aräometer ein&longs;enkt, mü&longs;&longs;en jederzeit auf einerley Grad der Wärme gebracht werden. Andere Grade der Wärme würden die Dichte des Liquors &longs;owohl, als das Volumen des Werkzeugs, ändern.

2) Bey Aräometern, die durch Eintheilung in gleiche Theile graduirt werden, muß der Stiel genau cylindri&longs;ch, d. i. durchgehends von gleicher Dicke &longs;eyn. Unregelmäßige und ungleich dicke Stücken geben bey gleich getheilter Länge nicht gleich getheilte Volumina.

3) Beym Ein&longs;enken mü&longs;&longs;en die Aräometer genau &longs;enkrecht &longs;tehen. Eine &longs;chiefe Stellung verhindert, den Punkt des Ein&longs;inkens genau zu beobachten.

4) Das In&longs;trument muß &longs;tets &longs;ehr rein und &longs;auber gehalten, auch, ehe man es aus einem Liquor in den andern bringt, &longs;orgfältig abgetrocknet werden. Auf den Liquoren &longs;elb&longs;t darf kein Schaum &longs;eyn, weil Luftbla&longs;en &longs;ich an das Werkzeug hängen, und es höher, als gehörig, emporheben würden. Bey aller die&longs;er Vor&longs;icht bleibt es noch immer &longs;chwer, den Punkt des Ein&longs;inkens mit der gehörigen Genauigkeit zu bemerken, weil manche Liquoren genauer an das Glas an&longs;chließen, als andere, auch viele am Gla&longs;e mehr oder weniger in die Höhe &longs;teigen.

Zum Be&longs;chluß die&longs;es Artikels will ich noch eines In&longs;truments gedenken, welches zwar nach der oben angegebnen Definition nicht unter die Aräometer gehört, aber doch zu Abme&longs;&longs;ung der Dichte der Liquoren dient, und von &longs;einem Erfinder den Namen eines Aräometers bekommen hat. Es i&longs;t von Homberg (Mém. de l'Acad. roy. des Sc. 1699.) angegeben worden, und be&longs;teht aus einem glä&longs;ernen Gefäße ABCD Taf. II. Fig. 23., de&longs;&longs;en Hals &longs;o eng i&longs;t, daß ein Wa&longs;&longs;ertropfen darinn 6—7 Lin. Raum einnimmt; oben i&longs;t er trichterförmig ausge&longs;chweift. An der Seite bey D geht eine eben &longs;o enge 6 Lin. lange Röhre mit AB parallel heraus, um der Luft einen Ausgang aus dem Gefäße zu ver&longs;tatten. Wenn man die&longs;es Gefäß allemal bis an das Merkmal e mit einem Liquor füllet, &longs;o hat man wegen des engen Hal&longs;es, der keinen beträchtlichen Fehler dabey ver&longs;tattet, immer einerley Volumen der Liquoren. Wiegt man al&longs;o das Gefäß zuer&longs;t mit einem und dann mit dem andern Liquor bis e gefüllt, und zieht von beyden Gewichten das Gewicht des leeren Gefäßes ab, &longs;o hat man die Gewichte der beyden Liquoren unter einerley Volumen, welche &longs;ich wie ihre &longs;pecifi&longs;chen Schweren verhalten. Der hiebey zu be&longs;orgende Fehler kan wegen der Enge des Hal&longs;es nicht groß &longs;eyn; es ent&longs;teht aber daraus zugleich die Unbequemlichkeit, daß der Hals ein Haarröhrchen wird, und das Anhängen der Liquoren ungemein befördert.

Armillar&longs;phäre, &longs;. Ringkugel.

Armirung des Magnets, &longs;. Magnet.

Ar&longs;enik, Ar&longs;enicum, Ar&longs;enic.

Die&longs;e Materie i&longs;t der metalli&longs;che Kalch eines eignen Halbmetalls, des Ar&longs;enikkönigs, unter&longs;cheidet &longs;ich aber von den übrigen metalli&longs;chen Erden durch ihre Flüchtigkeit, Auflösbarkeit im Wa&longs;&longs;er, Geruch und Ge&longs;chmack, Verwandt&longs;chaft mit den übrigen Metallen und Schmelzbarkeit. Die&longs;en Eigen&longs;chaften nach muß man den Ar&longs;enik für eine mit einer eignen Säure verbundne metalli&longs;che Erde erklären. Der Ar&longs;enikkönig, den man durch Zu&longs;atz von mehrerem Brennbaren aus die&longs;em Kalche erhält, i&longs;t ein weißes bläuliches Halbmetall, de&longs;&longs;en &longs;pecifi&longs;che Schwere etwa 8, 31 mahl &longs;o groß, als die Schwere des Wa&longs;&longs;ers i&longs;t. Er wird an der Luft bald gelb und &longs;chwarz, i&longs;t &longs;ehr brüchig und äußer&longs;t flüchtig, brennt auch an der Luft mit einer bläulichen Flamme und einem &longs;tarken, wie Knoblauch, riechenden Dampfe.

Man findet den Ar&longs;enik in ver&longs;chiedenen Kobaltarten, im weißen Kies oder Mißpickel, und vielen andern Erzen, weil er ein Vererzungsmittel i&longs;t. Man &longs;ammelt ihn in Sach&longs;en vornehmlich bey der Bereitung der Schmalte aus dem Kobalt auf. Der uneigentlich &longs;ogenannte Scherbenkobalt i&longs;t ein wahrer Ar&longs;enikkönig. Mit dem Schwefel verbunden giebt der Ar&longs;enik den gelben und rothen Ar&longs;enik, welche etwas feuerbe&longs;tändiger &longs;ind, und durch die Kun&longs;t bereitet werden. Natürlich gefunden hei&longs;t der gelbe Operment (Auripigmentum, Orpiment, Rizigal jaune), der rothe Sandarac oder Rau&longs;chgelb (Realgar, Rizigalrouge). Der Ar&longs;enik wird in der Färbekun&longs;t zu Erhöhung der Farben, in den Compo&longs;itionen des Prinzmetalls und Argent haché zur Beförderung des Glanzes und der Politur gebraucht. Er i&longs;t ein &longs;ehr heftiges ätzendes Gift, und daher &longs;ein Gebrauch in der Arzneykunde gänzlich zu unterla&longs;&longs;en, und &longs;elb&longs;t bey Bearbeitungen de&longs;&longs;elben die möglich&longs;te Behut&longs;amkeit anzuwenden.

Macquer chym. Wörterbuch, Art. Ar&longs;enik.

Ar&longs;enik&longs;äure, Acidum Ar&longs;enici, Acide d'ar&longs;enic.

Schon läng&longs;t hatten die Chymi&longs;ten den Ar&longs;enik wegen einiger &longs;einer Eigen&longs;chaften unter die Cla&longs;&longs;e der Salze ge&longs;etzt, und die Salz&longs;äure oder die Vitriol&longs;äure für einen &longs;einer Be&longs;tandtheile ange&longs;ehen. Endlich haben es Scheele (Abhdl. der &longs;chwed. Akad. d. Wi&longs;&longs;. 1775. Qu. IV. no. 1.) und Bergmann (Nov. acta Vp&longs;al. To. II. pag. 208. ingl. Di&longs;&longs;. de ar&longs;enico. Vp&longs;al. 1777. 4.) deutlich erwie&longs;en, daß der Ar&longs;enik eine eigne von allen andern unter&longs;chiedene Säure enthalte, welche durch das Brennbare er&longs;t zu einem Ar&longs;enik und bey mehrerer Sättigung damit zu einem be&longs;ondern Halbmetalle wird, und deren Neigung, &longs;ich mit dem Brennbaren zu vermi&longs;chen, ungemein groß i&longs;t, woraus wohl auch die &longs;chädlichen Wirkungen des Ar&longs;eniks auf den men&longs;chlichen Körper, de&longs;&longs;en Theile er durch Anziehung ihres Brennbaren zer&longs;etzt, zu erklären &longs;eyn dürften.

Leonhardi in Macquer's chym. Wörterbuch, Art. Ar&longs;enik&longs;äute.

A&longs;cen&longs;ion, &longs;. Auf&longs;teigung.

A&longs;cen&longs;ionaldifferenz

Differentia a&longs;cen&longs;ionalis, Difference a&longs;cen&longs;ionelle. Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns, &longs;. Auf&longs;teigung, gerade und &longs;chiefe; oder der Bogen des Aequators OD (Taf. II. Fig. 24.), welcher zwi&longs;chen dem mit dem Ge&longs;tirn S zugleich aufgehenden Punkte O, und dem Abweichungskrei&longs;e PSD enthalten i&longs;t, und al&longs;o den Unter&longs;chied der Bogen

D und
O,
oder der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung ausdrückt.

Aus der Aequatorhöhe des Orts AH, welche dem Winkel O gleich i&longs;t, und der Abweichung des Ge&longs;tirns SD, und die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz OD durch Auflö&longs;ung des techtwinklichen Kugeldreyecks ODS gefunden, wo &longs;in tot: &longs;in OD=tang. O: tang SD, oder (für &longs;in tot=1) Sin. A&longs;c. diff.=(tang. Abweich./tang.Aequ.höhe)=tang.Abw.Xtang. Polhöhe. Durch die&longs;e Formel ließen &longs;ich leicht Tafeln berechnen, in welchen man für die Polhöhe jedes Orts und für die Abweichung jedes Ge&longs;tirns die zugehörige A&longs;cenfionaldifferenz auf&longs;chlagen könnte.

Für ein Ge&longs;tirn s in der &longs;üdlichen Halbkugel i&longs;t die Abweichung ds der vorigen DS entgegenge&longs;etzt, al&longs;o negativ welches der Formel gemäß eine ebenfalls negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie Od in der Figur, giebt. Für Orte in der &longs;üdlichen Halbkugel der Erde, deren Polhöhen negativ &longs;ind wenn die nördlichen po&longs;itiv ge&longs;etzt werden, geben &longs;üdliche Abweichungen wieder po&longs;itive, nördliche Abweichungen negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen.

Die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz eines Ge&longs;tirns dient zur Erfindung &longs;einer &longs;chiefen Auf&longs;teigung und &longs;eines Tagebogens. Es i&longs;t nemlich

O=
D—OD d. i. &longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t. — A&longs;c. diff. wobey eine negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie Od, &longs;tatt &longs;ubtrahirt zu werden, addirt werden muß.

Der zwi&longs;chen dem Mittagskrei&longs;e PAHp und dem wahren Morgenpunkte O enthaltene Bogen des Aequators AO i&longs;t = 90°, daher AD = 90° + A&longs;c. diff. Da nun die Figur für den Augenblick des Aufgangs vom Ge&longs;tirn S entworfen i&longs;t, &longs;o i&longs;t A der Punkt des Aequators, der &longs;ich beym Aufgange von S im Mittagskrei&longs;e befindet; D aber derjenige Punkt, welcher mit dem Sterne S in den Mittagskreis kömmt. Vom Aufgange des Sterns bis zu &longs;einem Durchgange durch den Mittagskreis verfließt al&longs;o &longs;o viel Zeit, als der Bogen AD braucht, um &longs;ich durch den Mittagskreis zu &longs;chieben. Verwandelt man al&longs;o die&longs;en Bogen, oder 90° + A&longs;c. differ., in Zeit, &longs;. Aequator, Sternzeit, &longs;o hat man die Zeit vom Aufgange bis zum Durchgange durch den Mittag oder den halben Tagbogen in Zeit, welcher verdoppelt die Zeit vom Aufgange zum Untergange, oder die Dauer der Sichtbarkeit (moram &longs;upra horizontem) giebt.

Man &longs;ieht hieraus, wie die Tageslänge gefunden werde, wenn das Ge&longs;tirn S die Sonne i&longs;t. Es i&longs;t nemlich

halbe Tageslänge=(90° + A&longs;c. diff. d. Θ) in Zeit. Zwar rückt die Sonne durch ihre eigne Bewegung vom Morgen bis zum Mittag ein wenig fort, und der Punkt, welcher mit der Sonne in den Mittagskreis kömmt, i&longs;t nicht derjenige, der in der Figur mit D bezeichnet i&longs;t, und bey ihrem Aufgange durch den Abweichungskreis PSDp abge&longs;chnitten ward; allein da das Fortrücken der Sonne in jedem Zeitraume gerade &longs;o viel Wirkung auf die Zeit äußert, daß es den in Sternzeit ausgedrückten Zeitraum in eben &longs;o viel wahre Sonnen&longs;tunden u. &longs;. w. verwandelt, als er &longs;on&longs;t, wenn die Sonne nicht fortgerückt wäre, Stern&longs;tunden rc. gehabt haben würde (&longs;. Sonnenzeit), &longs;o darf man nur die Stunden rc. des in Sternzeit verwandelten Bogens AD geradehin für wahre Sonnen&longs;tunden annehmen, um die halbe Taglänge richtig in wahrer Sonnenzeit zu finden, oder es i&longs;t halbe Taglänge, in Θzeit = (90° + A&longs;c. differ.) in *zeit. Die halbe Taglänge giebt, von 12 Stunden abgezogen, die halbe Nachtlänge; und da wir im bürgerlichen Leben un&longs;ere Stunden vom Mittage und der Mitternacht, d. i. von der Helfte des Tages und der Nacht zu zählen anfangen, &longs;o i&longs;t klar, daß wir bey Sonnenaufgang &longs;o viel Stunden zählen mü&longs;&longs;en, als die halbe Nachtlänge beträgt, bey Sonnenuntergang aber &longs;o viel, als die halbe Taglänge ausmacht.

Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Berechnung der Tagund Nachtlänge für den läng&longs;ten Tag in Leipzig. Aus Leipzigs Polhöhe=51° 19′ 41″ und der Abweichung der Sonne am läng&longs;ten Tage=23° 28′ 8″, findet &longs;ich durch die Formel &longs;in. A&longs;c. diff.=tang. Abw. X tang. Polh. die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz der Θ =32°50′40″900090° + A&longs;c. diff. =122°50′40″
In Sternzeit verwandelt, geben St.Min.Sek.Tert.120° - -80002° - --80050′ - --320040″ - ---240halbe Tagl. in Θzeit8112240St. des Unterg.12000halbe Nachtlänge3483720St. des Aufg.St.M.S.T.ganze Taglänge16224520.ganze Nachtlänge7371440.

Die Grade des Bogens AD oder 90° + A&longs;c. diff. drücken zugleich die Größe des halben Tagbogens vom Ge&longs;tirn S aus, &longs;. Tagbogen. Zu Er&longs;parung oder Erleichterung der Rechnungen hat man Tafeln, in welchen man aus der gegebnen Polhöhe des Orts und Abweichung des Ge&longs;tirns den halben Tagbogen, &longs;chon in Sternzeit verwandelt, auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, B. III. S. 233 u. f. unter der Auf&longs;chrift: Tafel für die halben Tagbögen, findet.

Negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen &longs;ind, wie natürlich, von 90° abzuziehen, wenn man den halben Tagbogen finden will. Daher findet man für Tage des Winterhalbjahrs, wo die Sonne eine &longs;üdliche Abweichung hat, für un&longs;ere Länder den halben Tagbogen kleiner als 90°, und die halbe Taglänge kürzer, als 6 Stunden.

Auf eben die&longs;e Art wird für die Sterne die halbe Dauer der Sichtbarkeit gefunden, wenn man den halben Tagbogen in Sternzeit verwandelt; nur daß hier die gefundene Zeit Sternzeit bleibt, weil die Annehmung der&longs;elben für wahre Sonnenzeit im vorigen Falle bloß eine Wirkung des Fortrückens der Sonne war, welches bey den Fix&longs;ternen wegfällt.

A&longs;che, Cineres, Cendres.

Dasjenige, was von den Körpern übrig bleibt, wenn &longs;ie durch die Verbrennung oder Calcination an freyer Luft ihres Brennbaren beraubt worden &longs;ind. Alle vegetabili&longs;che und thieri&longs;che Materien la&longs;&longs;en, an freyer Luft verbrannt, einen &longs;olchen erdichten, mehr oder weniger &longs;alzigen Rück&longs;tand übrig. So pflegt man auch einigen metalli&longs;chen Erden, wenn die Metalle an freyer Luft verbrannt und calcinirt worden &longs;ind, den Namen A&longs;che beyzulegen, z. B. Zinna&longs;che: doch &longs;ollten die&longs;e mit dem gewöhnlichen Namen Kalch benennet werden.

Macquer chym. Wörterb. Art. A&longs;che.

A&longs;cii, &longs;. Un&longs;chattichte.

A&longs;pecten

Ad&longs;pectus &longs;. Configurationes planetarum, A&longs;pects. Man giebt die&longs;en Namen den ver&longs;chiedenen Stellungen der Planeten im Thierkrei&longs;e gegen einander. Da nemlich die Planeten, wozu hier auch Sonne und Mond gerechnet werden, in ihren eignen Bewegungen mit &longs;ehr ver&longs;chiedener Ge&longs;chwindigkeit fortgehen, einander bald einholen, bald &longs;ich von einander entfernen rc., &longs;o kommen &longs;ie in ver&longs;chiedene Stellungen oder A&longs;pecten gegen einander, unter welchen folgende die vornehm&longs;ten &longs;ind.

Die Zu&longs;ammenkunft, Conjunctio, Conjonction, (ihr Zeichen i&longs;t

) ereignet &longs;ich wenn zween Planeten an einerley Orte des Thierkrei&longs;es ge&longs;ehen werden, oder, (da die kleinern &longs;elten ganz genau und bis zur wirklichen Bedeckung zu&longs;ammentreffen) wenn &longs;ie über oder unter einerley Punkte der Ekliptik &longs;tehen, d. i. wenn &longs;ie einerley Länge haben, &longs;. Länge, der Ge&longs;tirne. Sie &longs;tehen dann wenig&longs;tens nahe bey einander, und ihr Ab&longs;tand i&longs;t bloß dem Unter&longs;chiede oder der Summe ihrer Breiten gleich, welche niemals viel betragen können. Die Zu&longs;ammenkünfte der Planeten &longs;ind für die Sternkunde &longs;ehr wichtig; genaue Beobachtungen der&longs;elben tragen zur vollkommnern Kenntniß des Planetenlaufs nicht wenig bey; daher die Conjunctionen der Planeten unter einander &longs;elb&longs;t, und die nähevn Conjunctionen mit den im Thierkrei&longs;e &longs;tehenden Fix&longs;ternen, &longs;ehr &longs;orgfältig in dem a&longs;tronomifchen Kalendern angegeben werden. Die Zu&longs;ammenkunft des Monds mit der Sonne be&longs;timmt den Augenblick des Neumonds, ünd i&longs;t, wenn beyde Körper einander nahe kommen, mit einer Sonnenfin&longs;terniß begleitet. Auch für die Geographie &longs;ind die Beobachtungen der Zu&longs;ammenkünfte und Bedeckungen wichtig, weil &longs;ich aus ihnen Folgerungen auf die wahre Lage der Beobachtungsorte auf der Erdkugel ziehen la&longs;&longs;en.

Die Perioden, binnen welchen die Zu&longs;ammenkünfte zweener Planeten wiederkehren, läßt &longs;ich aus den Zeiten ihres &longs;cheinbaren Umlaufs um den ganzen Himmel, T und t, durch die Formel (Tt/T—t) finden. Wenn al&longs;o Saturn ohngefähr in 30, Iupiter in 12 Jahren den Thierkreis einmal zu durchlaufen &longs;cheinen, &longs;o kommen beyde in (30. 12/30—12)=20 Jahren, d. i. alle 20 Jahre einmal in Zu&longs;ammenkunft. Eben &longs;o lä&longs;t &longs;ich aus den Längen des Sonnenjahres und des &longs;ideri&longs;chen Monats, die Zeit von einem Neumonde zum andern, der &longs;ynodi&longs;che Monat, berechnen, &longs;. Monat.

Die Oppo&longs;ition oder der Gegen&longs;chein, Oppo&longs;itio, Oppo&longs;ition, deren Zeichen

i&longs;t, ereignet &longs;ich, wenn zween Planeten bey gegenüber&longs;tehenden Punkten der Ekliptik &longs;tehen, oder wenn ihre Längen um 180° ver&longs;chieden &longs;ind. Alsdann geht der eine ohngefähr zu der Zeit auf, zu welcher der andere untergeht. Auch die&longs;e Stellung der Planeten gegen einander i&longs;t für die Sternkunde nicht unwichtig. Die Oppo&longs;ition des Monds und der Sonne giebt die Zeit des Vollmonds, und wird, wenn die Breite des Monds nicht groß i&longs;t, von einer Mondfin&longs;terniß begleitet. Der obern Planeten Oppo&longs;itionen mit der Sonne veranla&longs;&longs;en Beobachtungen, die zur Kenntniß des Planetenlaufs und Welt&longs;y&longs;tems noch immer viel beytragen. Die übrigen A&longs;pecten &longs;ind jetzt fa&longs;t ganz ohne |Nutzen für die Sternkunde.

Im Gedritt- oder Trigonal&longs;cheine, Geviert- oder Quadrat&longs;cheine, Ge&longs;ech&longs;t- oder Sextil&longs;cheine &longs;tehen zween Planeten, wenn &longs;ich ihre Längen um den dritten, vierten, &longs;ech&longs;ten Theil von 360°, oder um 120°, 90° 60° unter&longs;cheiden. Die Zeichen dafür &longs;ind

. Die&longs;e A&longs;pecten pflegt man noch immer in den Kalendern anzugeben, und &longs;ich dabey der angeführten Zeichen zu bedienen. So hei&longs;t
, Jupiter und Mars im Gedritt&longs;cheine; beym Monde pflegt man, weil er wegen &longs;eines ge&longs;chwinden Laufs täglich in andere A&longs;pecten kömmt, &longs;ein Zeichen wegzula&longs;&longs;en. So hei&longs;t
: Jupiter &longs;teht mit dem Mond im Quadrat&longs;cheine.

Der a&longs;trologi&longs;che Aberglaube hat den A&longs;pecten große Einflü&longs;&longs;e in die Schick&longs;ale der Men&longs;chen und in die Begebenheiten der Staaten zuge&longs;chrieben. Die Zu&longs;ammenkunft des Jupiters und Saturns ward die große, und wenn &longs;ie im Zeichen des Widders, oder nahe am Anfange des Thierkrei&longs;es erfolgte, die grö&longs;te Conjunction genannt und man erwartete von &longs;olchen Begebenheiten wichtige Revolutionen. Es i&longs;t zu bedauern, daß dergleichen Irrthümer durch &longs;chlechte Kalender noch immer unterhalten und unter dem Volke verbreitet werden. Noch am 12 Iunius 1785, da Iupiter und Mars im Zeichen des Widders zu&longs;ammenkamen, erwartete man, der Vorher&longs;agung einiger Kalender gemäß, ich weiß nicht was für eine &longs;chreckliche Kata&longs;trophe, und nach der Meynung vieler das Ende der Welt. Welche lächerliche Auftritte die Furcht vor die&longs;em Tage &longs;elb&longs;t in Sach&longs;en veranla&longs;&longs;ete, i&longs;t noch in fri&longs;chem Andenken. Es i&longs;t doch nichts begreiflicher, als daß der Zu&longs;ammenhang der Weltbegebenheiten von ganz andern Ur&longs;achen abhängen mü&longs;&longs;e, als davon, ob zwo Linien aus der Erde nach dem Mars und Iupiter gezogen, einen großen oder kleinen Winkel mit einander machen.

Daß man übrigens auf die Zu&longs;ammenkünfte der Planeten von &longs;ehr alten Zeiten her aufmerk&longs;am gewe&longs;en &longs;ey, bewei&longs;t eine &longs;ine&longs;i&longs;che Beobachtung einer Conjunction von fünf Planeten zu einer Zeit, da Sonne und Mond um den 15ten Grad des Wa&longs;&longs;ermanns &longs;tanden, welche dem Kay&longs;er T&longs;chuen-hi veranla&longs;&longs;er haben &longs;oll, den Anfang des Jahres auf denjenigen Neumond zu &longs;etzen, der &longs;ich zunäch&longs;t bey die&longs;em Grade der Ekliptik ereignet. Kirch (Mi&longs;c. Berolinen&longs;. To. lll. p. 157.) berechnet, daß eine &longs;ehr ähnliche Begebenheit im Jahre 2449 vor C. G. am 28 Febr. vorgefallen &longs;ey, und Montucla (Hi&longs;toire des mathematiques. P. ll. L. 2. p. 386.) nimmt keinen An&longs;tand, die Nachricht von die&longs;er Beobachtung für ächt zu erklären, gegen einige Einwürfe zu vertheidigen, und das hohe Alter der &longs;ine&longs;i&longs;chen Beobachtungen dadurch zu be&longs;tätigen.

A&longs;trogno&longs;te, Sternkenntniß

A&longs;trogno&longs;ia, A&longs;trogno&longs;ie. Die&longs;en Namen führt die Kenntniß der am Himmel &longs;ichtbaren Ge&longs;tirne, in &longs;o fern &longs;ie bloß bey den Namen und Stellungen der&longs;elben gegen einander &longs;tehen bleibt. Da die in gewi&longs;&longs;e Bilder geordneten Fix&longs;terne umter den Ge&longs;tirnen die grö&longs;te Anzahl ausmachen, &longs;o be&longs;chäftiget &longs;ich die A&longs;trogno&longs;ie grö&longs;tentheils mit die&longs;en Bildern und den in ihnen befindlichen Fix&longs;ternen, wovon man unter den Artikeln, Sternbilder, Sternkarten, Sternkegel, Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e, mehrere Nachrichten antreffen wird.

Die Kenntniß der Sternbilder i&longs;t ein angenehmer und nothwendiger, aber in Ab&longs;icht auf den Umfang ein unbeträchtlicher Theil der Sternkunde. Sie enthält bloß die Nomenclatur der Himmelskörper, da die A&longs;tronomie der&longs;elben Bewegungen, Ge&longs;etze, Größen, Entfernungen rc. unter&longs;ucht. Es i&longs;t daher &longs;ehr un&longs;chicklich, was doch oft ge&longs;chieht, Leuten Kenntni&longs;&longs;e der A&longs;tronomie beyzulegen, wenn &longs;ie einige Sterne oder Bilder zu nennen wi&longs;&longs;en.

Seit Strauchs Zeiten (A&longs;trogno&longs;ia. Viteb. 1684. 8.) hat man mehrere &longs;chriftliche Anwei&longs;ungen zur Sternkenntniß erhalten, unter welchen &longs;ich die Bücher der Herren Helmuth (Ge&longs;tirnbe&longs;chreibung, Braun&longs;chweig 1774. 8.), Funk (Anwei&longs;ung zur Kenntniß der Ge&longs;tirne auf zw ey Planiglobien und zween Sternkegeln, Leipzig 1777. 8.) und Bode (Anleitung zur Kenntniß des ge&longs;tirnten Himmels, 4te Auflage, Berlin 1778. gr. 8.) &longs;ehr vortheilhaft auszeichnen. Be&longs;onders i&longs;t das letztere vom Publikum mit großem und allerdings verdientem Beyfall aufgenommen worden.

A&longs;trologie, Sterndeutekun&longs;t, A&longs;trologia judiciaria &longs;. genetheliaca, A&longs;trologie.

Dies i&longs;t der Name der eiteln und betrügeri&longs;chen Kun&longs;t, aus den Stellungen der Ge&longs;tirne zukünftige Dinge vorherzu&longs;agen.

Der Wahn, daß die Ge&longs;tirne &longs;owohl auf die Begebenheiten ganzer Völker, als auf die Sitten und Schick&longs;ale einzelner Men&longs;chen Einflü&longs;&longs;e hätten, i&longs;t &longs;ehr alt, und nach Bailly (Ge&longs;chichte der Sternkunde des Alterthums, I. B. aus dem Franz. Leipzig 1777. 8. S. 310.) aus der Wahrnehmung ihrer Einflü&longs;&longs;e auf Jahrszeiten, Witterung und Fruchtbarkeit ent&longs;tanden. Ein Beweis die&longs;es hohen Alters i&longs;t, daß &longs;ich die mei&longs;ten a&longs;trologi&longs;chen Vorher&longs;agungen auf die Stellung der Sterne gegen den Horizont gründen, welches der er&longs;te Kreis war, den man am Himmel kennen lernte. Die A&longs;trologie hat &longs;ich, nach den ein&longs;timmigen Zeugni&longs;&longs;en der Alten, von den Chaldäern aus über die Nationen der folgenden Zeiten verbreitet. Die Sterndeuter werden auch bey den ältern Schrift&longs;tellen durchgängig Chaldaei, &longs;on&longs;t genethliaci, genannt. In der Folge, da &longs;ich bald Gewinn&longs;ucht und vor&longs;etzliche Betrügerey mit einmi&longs;chten, gaben &longs;ie &longs;ich den Namen Mathematici, unter welchem &longs;ie zu den Zeiten der römi&longs;chen Kay&longs;er allgemein bekannt waren. Vulgus, quos Chaldaeos gentilitio vocabulo dicere oportet, mathematicos vocat, &longs;agt Gellius (Noct. Act. L. I. c. 9.). Ihr Unfug war &longs;o groß, daß &longs;ie Tiber aus Rom vertrieb (Sueton. vita Tib. c. 36.). Der achtzehnte Titel des neunten Buchs im Codex i&longs;t de maleficis et mathematicis über&longs;chrieben; doch unter&longs;cheidet das zweyte Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben ausdrücklich die geometri&longs;che Kun&longs;t von die&longs;er &longs;ogenannten mathemati&longs;chen. Für die A&longs;tronomie i&longs;t die&longs;e Vermi&longs;chung mit Sterndeuterey mehr vortheilhaft als nachtheilig gewe&longs;en. Sie hat mehr Theilnehmung an den Himmelsbegebenheiten, mithin mehr Aufmerk&longs;amkeit auf die&longs;elben, und mehr Beobachtungen veranla&longs;&longs;et, auch der A&longs;tronomie bey manchen Nationen Beyfall und An&longs;ehen ver&longs;chaft.

Im mittlern Zeitalter erhielten &longs;ich die a&longs;trologi&longs;chen Träumereyen mit der Sternkunde zugleich unter den Arabern, von welchen uns ver&longs;chiedene Schriften davon, haupt&longs;ächlich Commentarien über des Ptolemäus Tetrabiblos, übriggeblieben &longs;ind. Scaliger (Prolegom. ad Manil. p. 9.) erzählt, daß im Jahre 1179 alle orientali&longs;che, chri&longs;tliche, jüdi&longs;che und arabi&longs;che A&longs;trologen Briefe ausge&longs;endet, und durch Verkündigung einer fürchterlichen Revolution auf das Jahr 1186, ein allgemeines Schrecken verbreitet hätten. Sollte man &longs;ich bey den berufenen Ziehen&longs;chen Prophezeihungen, wobey die Kabala, das Buch Chevilla und der Stern Kapella &longs;o lächerlich durch einander geworfen werden, nicht um volle 600 Jahre zurückver&longs;etzt glauben?

Unter den er&longs;ten Beförderern der Sternkunde im Occident hiengen noch viele fe&longs;t an die&longs;em Aberglauben. Zwar be&longs;tritt &longs;chon gegen das Ende des funfzehnten Jahrhunderts Pico, Graf von Mirandola, die Irrthümer der A&longs;trologie &longs;ehr gründlich, fand aber damals noch viel Wider&longs;pruch. Im 16ten Jahrhunderte waren Leovitius, Gauricus, Cardan eifrige Vertheidiger des Sterndeutens. Der Letztere trieb die&longs;e Thorheiten &longs;o weit, daß er dem Heilande der Welt die Nativität &longs;tellte (Scaliger proleg. ad Manil. p. 8.), und &longs;oll &longs;ich zu Tode gehungert haben, um &longs;ein vorherge&longs;agtes Sterbejahr nicht zu überleben. Ca&longs;par Peucer (De praecipuis divinationum generibus. Vitb. 1560. 8.) hat von der A&longs;trologie mit vieler|Gelehr&longs;amkeit gehandelt. Noch im vorigen Jahrhunderte hiengen &longs;elb&longs;t große A&longs;tronomen an der Sterndeuterey, wovon &longs;ich in Keplers Briefwech&longs;el (Epi&longs;tolae ad Keplerum, ed. a Han&longs;chio. Lip&longs;iae 1718. fol.) häufige Spuren finden. Kepler &longs;elb&longs;t &longs;tellte Nativitäten, wenn es verlangt ward, und &longs;oll &longs;ich Wallen&longs;teinen, der ihn 1629 nach Sagan berief, durch Vorher&longs;agung &longs;eines Glücks zum Gönner gemacht haben. Origanus (Ephemerides Brandenburg. Frf. 1605. gr. 4.) &longs;etzte &longs;einen Ephemeriden eine, &longs;on&longs;t in guter Ordnung ge&longs;chriebene, Einleitung in die A&longs;trologie vor. Morin (A&longs;trologia Gallica. Hag. Com. 1661. fol.) &longs;uchte die Sterndeutekun&longs;t aus phy&longs;i&longs;chen und mathemati&longs;chen Gründen zu erwei&longs;en; zu &longs;einem Werke &longs;oll die Königin von Polen Maria von Gonzaga eine an&longs;ehnliche Geld&longs;umme hergegeben haben. Die A&longs;trologie galt etwas bey den Großen. Daher hat Herr Kä&longs;tner (Schriften der götting. deut&longs;chen Ge&longs;ell&longs;ch. II. Samml. 2.) gefragt: ob die A&longs;tronomen klug daran gethan haben, daß &longs;ie &longs;o ehrlich gewe&longs;en &longs;ind, die A&longs;trologie aufzugeben. Endlich hat die völlige Be&longs;tätigung des Copernikani&longs;chen Sy&longs;tems und die allgemeinere Verbreitung der be&longs;&longs;ern A&longs;tronomie die&longs;e Thorheiten unterdrückt, und nur &longs;elten gelingt es noch der Schwärmerey oder dem Betruge, die Leichtgläubigen damit zu hintergehen.

A&longs;tronomie, Sternkunde, A&longs;tronomia, A&longs;tronomie.

Die&longs;en Namen führt die Lehre von den Weltkörpern. Die Bewegungen, Größen, Entfernungen, Wirkungen der&longs;elben auf einander rc. machen den erhabnen Gegen&longs;tand die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft aus, in welcher &longs;ich Ver&longs;tand und Fleiß der Men&longs;chen auf eine vorzügliche Art hervorgethan haben. Der griechi&longs;che Name der A&longs;tronomie drückt wörtlich Lehre von den Ge&longs;etzen der Ge&longs;tirne aus; er i&longs;t &longs;ehr &longs;chicklich gewählt, denn alle Bewegungen der Weltkörper erfolgen nach be&longs;timmten und unabänderlichen Ge&longs;etzen.

Man theilt die A&longs;tronomie in die &longs;phäri&longs;che, theori&longs;che und phy&longs;i&longs;che ein. Die &longs;phäri&longs;che handelt von den in die Sinne fallenden Er&longs;cheinungen des Weltgebäudes, welches &longs;ich der Beobachter als eine &longs;ein Auge umgebende Sphäre oder Kugel vor&longs;tellt; die theori&longs;che (von Theorie oder &longs;peculativem Nachdenken über die Er&longs;cheinungen benannt) &longs;ucht daraus die wahren Bewegungen der Weltkörper und deren Ge&longs;etze herzuleiten; die phy&longs;i&longs;che lehrt die Ur&longs;achen die&longs;er Bewegungen, oder die Kräfte kennen, mit welchen die Weltkörper auf einander wirken. Die Ordnung die&longs;er drey Theile i&longs;t dem Gange des men&longs;chlichen Ver&longs;tandes bey der Entwicklung der a&longs;tronomi&longs;chen Wahrheiten gemäß, der mit Beobachtung des &longs;cheinbaren anfieng, dann zu Vermuthungen des wirklichen fort&longs;chritt, und endlich, als die&longs;e zur höch&longs;ten Wahr&longs;cheinlichkeit gebracht waren, auch zur Entdeckung der Ur&longs;achen gelangte. Man könnte noch zween prakti&longs;che Theile, die Anwei&longs;ungen zu a&longs;tronomi&longs;chen Rechnungen und Beobachtungen (A&longs;tronomiam calculatoriam et ob&longs;ervatoriam) hinzufügen.

Der Ur&longs;prung der Sternkunde i&longs;t ohne Zweifel ins höch&longs;te Alterthum zu &longs;etzen. Nichts konnte die Aufmerk&longs;amkeit der er&longs;ten Erdbewohner mehr reizen, als der große Anblick und der regelmäßige Lauf der Sonne, des Monds und der Ge&longs;tirne: es war &longs;ogar nothwendig für &longs;ie, die zu ihren Be&longs;chäftigungen &longs;chicklichen Zeiten nach dem Laufe der Himmelskörper zu ordnen. Daher enthalten auch die Ge&longs;chichtbücher und Denkmäler der älte&longs;ten Völker von den dunkel&longs;ten Zeiten des Alterthums her Beziehungen auf Kenntni&longs;&longs;e des Himmels. Montucla (Hi&longs;t. des mathematiques. Paris 1758. 4), Goguet (Ur&longs;prung der Ge&longs;etze, Kün&longs;te und Wi&longs;&longs;.; aus dem Franz. v. Hamberger, Lemgo 1760. III. B. 4.) und Bailly (Ge&longs;ch. der Sternk. des Alterthums; aus d. Franz. von Wün&longs;ch, Leipz. 1777. 8.) haben dergleichen ge&longs;ammelt, und der letztere &longs;ucht daraus das Re&longs;ultat zu ziehen, im entfernte&longs;ten Alterthume habe in den Gegenden der a&longs;iati&longs;chen Tartarey ein Volk gelebt, de&longs;&longs;en Ein&longs;ichten in den Wi&longs;&longs;en&longs;chaften fa&longs;t den un&longs;rigen gleich gekommen wären: dies Volk &longs;ey untergegangen, aber die Bruch&longs;tücke &longs;einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaften &longs;eyen unter den uns bekannten älte&longs;ten Völkern erhalten worden. Die&longs;e mit Bele&longs;enheit ausgeführte Hypothe&longs;e möchte nach dem Urtheile der Kenner &longs;chwerlich mehr, als ein Spiel des Witzes &longs;eyn.

Unter den a&longs;tronomi&longs;chen Beobachtungen, von welchen &longs;ich Nachrichten erhalten haben, &longs;ind die älte&longs;ten &longs;ine- &longs;i&longs;che. Die er&longs;te, welche P. Martini (Hi&longs;t. de la Chine. T. I. p. 51.) aus einer Schrift über das Sternbild Xe anführt (&longs;. den Art. A&longs;pecten), betrift eine Zu&longs;ammenkunft von fünf Planeten im Jahre 2449, die zweyte eine Sonnenfin&longs;terniß im I. 2155 vor C. G. Montucla und Bailly erklären aus triftigen Gründen beyde Nachrichten für ächt, führen auch außerdem noch Spuren einer höch&longs;t alten Bekannt&longs;chaft der Sine&longs;er mit dem Himmel an. Die Chaldäer würden &longs;ich fa&longs;t eben &longs;o alter Beobachtungen rühmen dürfen, wenn der Nachricht des Simplicius (Comm. in Ari&longs;totel. de coelo) zu glauben wäre, daß Ari&longs;toteles vom Calli&longs;thenes eine Reihe chaldäi&longs;cher Beobachtungtn von 1903 Jahren her, erhalten habe. Aber die zuverlä&longs;&longs;igen Beobachtungen die&longs;es Volks, die Ptolemäus (Almag. L. IV. c. 6.) anführt, und welche Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e betreffen, &longs;teigen nur bis zum Jahre 726 v. C. G. Die Egyptier hatten nach dem Zeugniß des Diogenes Laertius bereits vor den Zeiten Alexanders des Großen 373 Sonnen- und 832 Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e beobachtet, welches einen Zeitraum von 12—1300 Jahren voraus&longs;etzt. Auch &longs;ind die Seiten ihrer im höch&longs;ten Alterthum erbauten Pyramiden genau nach den vier Hauptgegenden gerichtet. Der Phönicier Schiffahrt und Aufmerk&longs;amkeit auf den Polar&longs;tern fällt in die älte&longs;ten Zeiten. Dies alles wird wenig&longs;tens &longs;o viel erwei&longs;en, daß das hohe Alterthum der Sternkunde durch die Denkmäler der Ge&longs;chichte vollkommen be&longs;tätiget werde.

Es &longs;cheinen aber die&longs;e älte&longs;ten Kenntni&longs;&longs;e der Sternkunde kaum in etwas mehrerem, als in Aufmerk&longs;amkeit auf den &longs;cheinbaren Himmelslauf, Erfindung der vornehm&longs;ten Krei&longs;e, Eintheilung der Sterne in Bilder und Wahrnehmung der Perioden, binnen welcher gewi&longs;&longs;e Himmelsbegebenheiten wiederkehren, be&longs;tanden zu haben, welches alles man zur Eintheilung der Zeit &longs;o gut, als möglich, zu nützen &longs;uchte. Er&longs;t unter den Griechen erhob &longs;ich die Sternkunde ein wenig aus die&longs;em Zu&longs;tande der er&longs;ten Kindheit. Thales und Pythagoras trugen die Kenntni&longs;&longs;e der Egyptier nach Griechenland über, pflanzten &longs;ie in ihren Schulen fort, und vermehrten &longs;ie mit neuen Entdeckungen. Die Pythagoräer kannten und behaupteten &longs;chon die wahre Weltordnung (&longs;. Welt&longs;y&longs;tem); Meton und Euctemon berichtigten den griechi&longs;chen Kalender; Ari&longs;tarch von Samos zeigte Mittel, die Entfernung der Sonne zu me&longs;&longs;en; Plato und Ari&longs;toteles waren zwar große Verehrer der Sternkunde, verlohren &longs;ich aber zu &longs;ehr in Speculationen, welche bey dem damaligen Mangel an Beobachtungen noch zu frühzeitig waren. Am mei&longs;ten haben zum Wachsthum der Sternkunde die A&longs;tronomen des Mu&longs;eum zu Alexandrien beygetragen. Die&longs;er berühmten Stiftung der Ptolemäer haben wir die Beobachtungen des Timocharis und Ari&longs;tyllus, des Erato&longs;thenes, Conon u. a. neb&longs;t den Entdeckungen des Hipparchus zu danken, welcher 140 Jahr v. C. G. aus Vergleichung alter und neuer Beobachtungen die Länge des Sonnenjahrs und die Ungleichheiten des Mondlaufs be&longs;timmte, das Vorrücken der Nachtgleichen und die Lage der Sonnenbahn entdeckte, auch die er&longs;te Verfertigung eines Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;es unternahm, au&longs;us rem etiam Deo improbam annumerare po&longs;teris &longs;tellas, coelo in hereditatem cunctis relicto, nach dem Ausdrucke des Plinius (Hi&longs;t. nat. L. II. c. 26.). Zu die&longs;en Erweiterungen der Sternkunde &longs;etzten noch andere alexandrini&longs;che A&longs;tronomen, vornehmlich Ptolemäus im zweyten Jahrh. n. C. G. die ihrigen hinzu. Die&longs;er große Sternkundige berichtigte Hipparchs Be&longs;timmungen durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen, &longs;etzte eine Theorie der Planeten hinzu, be&longs;timmte die Ungleichheiten des Mondlaufs genauer, vermehrte das Verzeichniß der Fix&longs;terne, und trug dies alles in &longs;ein großes Werk (Mega/lh Su/ntaxis &longs;. Con&longs;tructio magna) in dreyzehn Büchern zu&longs;ammen, welchem die Araber, die es 'im Jahre 827 in ihre Sprache über&longs;etzten, den Namen Almage&longs;t beygelegt haben. Die&longs;es Werk i&longs;t als eine voll&longs;tändige Sammlung der alten a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e, Tafeln und Beobachtungen höch&longs;t &longs;chätzbar; die theori&longs;chen Erklärungen aber beruhen auf der fal&longs;chen Hypothe&longs;e der Alten, daß die Erde unbewegt im Mittel &longs;tehe; die daher den Namen der ptolemäi&longs;chen Weltordnung erhalten hat.

Da die Römer für die Sternkunde nichts Erhebliches gethan haben, &longs;o finden &longs;ich weitere Bemühungen um die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft er&longs;t vom neunten Jahrhundert nach C. G. an unter den Arabern oder Saracenen. Sie &longs;ind aber nicht von großem Erfolg gewe&longs;en. Obgleich ver&longs;chiedene Califen, be&longs;onders Al-mamon zu Bagdad, die Wi&longs;&longs;en&longs;chaften eifrig unter&longs;tützten, auch die arabi&longs;chen A&longs;tronomen häufig griechi&longs;che Werke in ihre Sprache über&longs;etzten, commentirten, und hin und wieder durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen zu berichtigen &longs;uchten; &longs;o vermi&longs;chten &longs;ie doch die A&longs;tronomie mit vielen willkührlichen Hypothe&longs;en und a&longs;trologi&longs;chen Thorheiten. Die Verfertigung der alphon&longs;ini&longs;chen Tafeln in der Mitte des dreyzehnten Jahrhunderts i&longs;t die berühmte&longs;te a&longs;tronomi&longs;che Unternehmung des mittlern Zeitalters; allein die&longs;e Tafeln wichen im Jahr 1660 für einige Planeten fa&longs;t um 2 Grad von dem wahren Himmelslauf ab. Inzwi&longs;chen hat man den Arabern die Ueberlieferung der a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e an den Occident größtentheils zu verdanken, wovon die Menge der noch gebräuchlichen arabi&longs;chen Kun&longs;tworte ein deutlicher Beweis i&longs;t.

Im funfzehnten Jahrhunderte ward das Studium der Sternkunde vorzüglich im Deut&longs;chland durch Purbach und Regiomontan belebt, welche &longs;ich um Rechnungen, Beobachtungen, Ephemeriden und Ausbreitung der griechi&longs;chen Schriften unvergeßliche Verdien&longs;te erworben haben. Im &longs;echszehnten Jahrhunderte &longs;tellte Copernikus das An&longs;ehen der richtigern Weltordnung der Pythagoräer wieder her, welche über die Sternkunde ein ganz neues Licht zu verbreiten anfieng, ob ihr gleich die Urtheile der &longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltwei&longs;en und die übeln Auslegungen einiger Stellen der heil. Schrift noch lange Zeit entgegen&longs;tanden. Tycho de Brahe verbe&longs;&longs;erte in der letzten Helfte die&longs;es Zeitraums die Werkzeuge und Methoden der Beobachtung. Er &longs;ammelte den Schatz von Beobachtungen, aus welchem im Anfange des &longs;iebzehnten Jahrhunderts Kepler die wahren Ge&longs;etze des Planetenlaufs zog, und dadurch den Grund zur gehörigen Berichtigung der Tafeln und zu allen neuern Erweiterungen der theori&longs;chen Sternkunde legte.

Um eben die&longs;e Zeit (1610) gab die Erfindung des Fernrohrs dem Galilei Anlaß, in kurzer Zeit am ge&longs;tirnten Himmel die wichtig&longs;ten Entdeckungen zu machen, die die&longs;en großen Mann zu einer eifrigen Vertheidigung der copernikani&longs;chen Meynung veranlaßten, und ihn dadurch noch im hohen Alter bittern Kränkungen aus&longs;etzten. Dennoch erhielt durch die&longs;e Entdeckungen, mit Keplers Sätzen verbunden, die&longs;e Meynung den vollkommen&longs;ten Sieg über alle Vorurtheile, und die folgenden Verbe&longs;&longs;erungen der Sternkunde &longs;etzen durchgängig die Wahrheit der&longs;elben voraus. Die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich und England ge&longs;tifteten gelehrten Ge&longs;ell&longs;chaften haben, unter&longs;tützt durch die Regenten, mit unermüdetem Fleiße durch Unter&longs;uchungen, Rei&longs;en und Beobachtungen in allen Welttheilen die Sternkunde zu erweitern ge&longs;ucht, und ihr eine neue von der ehemaligen &longs;ehr vortheilhaft unter&longs;chiedene Ge&longs;talt gegeben. Newton legte endlich durch &longs;ein Sy&longs;tem der allgemeinen Schwere den Grund zu der phy&longs;i&longs;chen A&longs;tronomie, worüber das Alterthum nur geträumt, Descartes aber durch &longs;eine Wirbel eine allen Ge&longs;etzen der Mechanik zuwiderlaufende Erklärung gegeben hatte. Newton zeigte zuer&longs;t, daß die Mechanik des Himmels mit der Mechanik der Erdkörper völlig einerley &longs;ey. Es i&longs;t ein großer Triumph für &longs;eine Erfindungen, daß man nicht eher genaue Rechen&longs;chaft von allen Ungleichheiten und Abweichungen des Himmelslaufs hat ablegen, und die Tafeln mit dem Himmel &longs;elb&longs;t in Ueberein&longs;timmung bringen können, als bis man Newtons Theorie mit den feinern Be&longs;timmungen der neuern Beobachter und mit den Kun&longs;tgriffen der höhern Analy&longs;is verband. Durch die&longs;e Hülfsmittel hat Mayer in &longs;einen vortreflichen Mondstafeln dem Monde &longs;eine Laufbahn be&longs;timmt vorgezeichnet, dem Monde, de&longs;&longs;en Lauf &longs;o verwickelt i&longs;t, quae multiformi ambage tor&longs;erat animos contemplantium, et, proximum &longs;idus ignorari maxime, indignantium (Plin. H. N. L. II. c. 9.). Auch die Tafeln der Hauptplaneten &longs;ind er&longs;t durch Berechnung der Störungen, die ihre gegen&longs;eitige Einwirkung in einander veranla&longs;&longs;et, zu ihrer gegenwärtigen Vollkommenheit gelanget.

In den neu&longs;ten Zeiten &longs;ind die&longs;e wichtigen Erfindungen un&longs;erer Vorgänger nicht allein mehr ausgebildet, geprüft und zum Gebrauch ge&longs;chickter gemacht, &longs;ondern auch mit vielen neuen vermehrt worden. Die Beobachtungen der Durchgänge der Venus durch die Sonnen&longs;cheibe in den Jahren 1761 und 1769 haben uns zu genauern Be&longs;timmungen der wahren Größen und Entfernungen der Körper des Sonnen&longs;y&longs;tems verholfen; durch die Entdeckung eines neuen Planeten (&longs;. Uranus) &longs;ind die bekannten Grenzen die&longs;es Sy&longs;tems erweitert worden, und aus den eignen Bewegungen der Fix&longs;terne, auf welche die A&longs;tronomen jetzt vorzüglich aufmerk&longs;am werden, hat man angefangen, eine fortdaurende Bewegung des ganzen Sy&longs;tems zu muthma&longs;&longs;en, wodurch &longs;ich Aus&longs;ichten in ein ganz neues Fach der Sternkunde eröffnen, in welchem vielleicht der Nachwelt bey mehrerer Verbe&longs;&longs;erung der opti&longs;chen Werkzeuge und Verfeinerung der Beobachtungen noch viele unerwartete Entdeckungen vorbehalten &longs;ind.

Die Sternkunde in ihrer jetzigen Ge&longs;talt i&longs;t theils in voll&longs;tändigen Lehrbüchern, theils zu allgemeinerer Ausbreitung in kürzern und leichter ge&longs;chriebenen Einleitungen vorgetragen worden. Unter den er&longs;tern nenne ich hier nur das vortrefliche Lehrbuch des Herrn de la Lande (A&longs;tronomie. Paris. To. I—III. 1771. To. IV. 1781. 4 ), unter den letztern Schmid (Von den Weltkörpern, zur gemeinnützigen Kenntniß der großen Werke Gottes, Leipz. 1772. 8.), Bode (Erläuterung der Sternkunde, Berlin 1778. gr. 8.) und Wün&longs;ch (Kosmologi&longs;che Unterhaltungen, 1&longs;ter Band, Leipzig 1778. 8.). Verzeichni&longs;&longs;e a&longs;tronomi&longs;cher Schriften liefern Wolf (Kurzer Unterricht von den vornehm&longs;ten math. Schriften, in &longs;. Anfangsgründen der math. Wi&longs;&longs;.), Weidler (Bibliographia a&longs;tronomica, Viteb. 1755. 8.) und Scheibel (Einleitung in die mathemati&longs;che Bücherkenntniß, 13tes u. 14tes Stück. Breßlau 1784. 8.). Auch hat Herr Bernoulli (Recueil pour les a&longs;tronomes. To. l—lll. Berlin 1771— 1776. Nouvelles litteraires. Vl— Cahier. 1776— 1779.) über die neuere a&longs;tronomi&longs;che Litteratur &longs;chätzbare Nachrichten mitgetheilt.

Die neu&longs;ten und be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln hat die königlich preußi&longs;che Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften (Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, Berlin 1776. lll. B. gr. 8.) &longs;ehr voll&longs;tändig herausgegeben.

Ich halte für überflüßig, mich über das Lob und den Nutzen die&longs;er vortreflichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaft weitläuftig zu verbreiten. Ihr erhabner Gegen&longs;tand darf nur genannt werden, um Empfindungen von Größe und Würde zu erregen, und die Begriffe, die &longs;ie uns von dem Umfange der Welt und von der Macht, Weisheit und Güte ihres gro&longs;&longs;en Urhebers giebt, mü&longs;&longs;en auch Men&longs;chen von &longs;on&longs;t &longs;tumpfem Gefühl zur Bewunderung und Anbetung hinreißen. Ihr Nutzen für die men&longs;chliche Ge&longs;ell&longs;chaft zur Eintheilung und Wahrnehmung der Zeit, zur Schiffahrt, Be&longs;timmung der Lage der Orte auf der Erde rc. liegt am Tage. Ueberhaupt aber i&longs;t die Kenntniß der wahren Verhältni&longs;&longs;e und Verbindungen, in welchen un&longs;ere kleine Erde mit dem großen Ganzen &longs;teht, dem aufgeklärtern Erdbewohner, wo nicht unentbehrlich, doch gewiß höch&longs;t nützlich und an&longs;tändig. Die&longs;e Kenntniß erhebt uns über manches, was das Herz &longs;on&longs;t an die Erde fe&longs;&longs;elt, und uns auf die&longs;em kleinen Planeten groß und wichtig däucht, und fängt vielleicht in uns eine Gedankenreihe an, deren Fort&longs;etzung noch jen&longs;eits des Grabes einen Theil un&longs;erer Glück&longs;eligkeit ausmachen kann.

Athmen, Athemholen, Re&longs;piratio, Re&longs;piration.

Die zum Leben der Men&longs;chen und Thiere nothwendige Bewegung, durch welche die Bru&longs;t abwech&longs;elnd erweitert und verengert wird, um Luft in die Lungen zu ziehen, und wieder aus den&longs;elben herauszutreiben. Das Athmen be&longs;teht aus zwoen entgegenge&longs;etzten Bewegungen, dem Einathmen (In&longs;piratio) und dem Ausathmen (Ex&longs;piratio). Bey jenem erweitert &longs;ich die Bru&longs;thöhle, und die äußere Luft dringt durch die Luftröhre in die Lungenbläschen ein; beym Ausathmen wird die&longs;e Luft größtentheils wieder herausgetrieben, und die Bru&longs;thöhle zu&longs;ammengezogen.

Mit Uebergehung de&longs;&longs;en, was hiebey dem Anatomiker und Phy&longs;iologen zu überla&longs;&longs;en i&longs;t, z. B. des von Boerhave zuer&longs;t erklärten Mechanismus des Athmens rc. wollen wir bloß einige Unter&longs;uchungen berühren, in welche &longs;ich der Naturfor&longs;cher, auch ohne Arzt zu &longs;eyn, einla&longs;&longs;en kan.

Die Wirkungen der eingeathmeten atmo&longs;phäri&longs;chen Luft auf die Lungen und den thieri&longs;chen Körper überhaupt, &longs;ind: eine mechani&longs;che Verdünnung und Verfeinerung des Bluts, eine Ausführung überflüßiger oder &longs;chädlicher Theile, und die Unterhaltung der Wärme des Bluts.

Mechani&longs;ch werden durch das Ein- und Ausathmen die Bläschen der Lungen abwech&longs;elnd aufge&longs;chwellt und wieder zu&longs;ammengezogen, und daher die darüber hingehenden zarten Blutgefäße bald verlängert und ge&longs;pannt, bald wiederum nachgela&longs;&longs;en. Die&longs;es immer fortgehende Abwech&longs;eln der Verlängerung und Verkürzung muß nothwendig das darinn befindliche Blut feiner verarbeiten, &longs;eine Be&longs;tandtheile inniger vermi&longs;chen, das im Körper &longs;chon umgelaufene verbe&longs;&longs;ern, und dem aus dem hinzukommenden Milch&longs;afte neu ent&longs;tehenden die gehörige Vollkommenheit geben.

Daß ferner das Athmen etwas dem thieri&longs;chen Leben Zuträgliches in den Körper bringe, und etwas Ueberflüßiges oder Schädliches herausführe, erhellet daraus, weil die ausgeathmete Luft von einer ganz andern Be&longs;chaffenheit, als die eingeathmete, i&longs;t. Es i&longs;t eine läng&longs;t bekannte Erfahrung, daß Thiere in einge&longs;chloßner Luft nur eine Zeitlang athmen können, daß &longs;ie darinn nach einer gewi&longs;&longs;en Anzahl von Athemzügen endlich mit Verzuckungen &longs;terben, und daß in &longs;olcher durch das Athemholen eines darinn ge&longs;torbenen Thieres verdorbner Luft, andere Thiere oft augenblicklich und auf den er&longs;ten Athemzug &longs;terben. Eben dies widerfährt dem Men&longs;chen, und es haben davon die in Bengalen in die &longs;ogenannte &longs;chwarze Höhle ge&longs;perrten 146 Engländer (&longs;. Yves Rei&longs;en nach Indien und Per&longs;ien, über&longs;. von Dohm, Th. I. S. 162.), von welchen in die&longs;em 11 Fuß langen und 18 Fuß breiten Gefängni&longs;&longs;e in einer Nacht 123 &longs;tarben, ein trauriges Bey&longs;piel gegeben. Man erklärte dies &longs;on&longs;t durch ein gewi&longs;&longs;es in der Luft enthaltenes pabulum vitae, welches ihr durch das Athmen nach und nach entzogen würde. Da aber nach Prie&longs;tley's Beobachtungen ( Exp. and Ob&longs;. on diff. kinds of air. Vol. I. Sect. 4. III. Sect. 5. ingl. Exp. and Ob&longs;. relating to various branches of nat. Philo&longs;. Sect. XXXIX. no. 9.) Verbrennung, Fäulniß, Verkalkung der Metalle, und andere Proce&longs;&longs;e, wobey &longs;ich offenbar Phlogi&longs;fon oder brennbarer Stoff mit der Luft verbindet, die Luft gerade eben &longs;o, wie das Athmen, verderben, &longs;o i&longs;t es weit wahr&longs;cheinlicher, daß die ausgeathmete Luft das überflüßige Phlogi&longs;ton aus dem Körper führe; daher auch die durchs Athmen verdorbene Luft unter die phlogi&longs;ti&longs;irten Luftgattungen oder Gasarten ge&longs;etzt worden i&longs;t. Die&longs;er Theorie zufolge be&longs;teht die aus der Atmo&longs;phäre eingeathmete Luft aus einem Gemi&longs;che ver&longs;chiedener luftförmigen Stoffe, von welchen eigentlich nur einer, die &longs;ogenannte reine Luft oder das dephlogi&longs;ti&longs;irte Gas den zum Athmen ge&longs;chickten Theil ausmacht. Die&longs;e reine Luft &longs;teht mit dem Phlogi&longs;ton in einer genauen Verwandt&longs;chaft, und nimmt daher in den Lungen den brennbaren Stoff auf, den das aus allen Theilen des Körpers dahin zurückgeführte Blut mit &longs;ich gebracht hat, und die große Ab&longs;icht der Natur bey der Verrichtung des Athmens i&longs;t, den thieri&longs;chen Körper von dem Ueberflu&longs;&longs;e des durch die Nahrungsmittel eingeführten Brennbaren zu befreyen, das ihn &longs;on&longs;t tödten und in Fäulniß übergehen la&longs;&longs;en würde.

Prie&longs;tley &longs;ucht die&longs;e Theorie durch einige Ver&longs;uche zu be&longs;tätigen, welche angeführt zu werden verdienen. ”Alles Blut, &longs;agt er, geht durch die Lungen, und nimmt nach den Beobachtungen der Aerzte in den&longs;elben eine röthere Farbe an. Es kan daher fa&longs;t nicht bezweifelt werden, daß die ausgeathmete Luft durch das Blut in den Lungen phlogi&longs;ti&longs;iret werde. Inzwi&longs;chen &longs;chien es mir dienlich, durch einen Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, ob das Blut auch noch außer dem Körper und im Zu&longs;tande der Gerinnung eine ähnliche Wirkung auf die Luft äußere. Ich ließ daher Schafblut an der Luft gerinnen, goß das Wä&longs;&longs;erige davon ab (wobey die der Luft ausge&longs;etzte Ober&longs;läche bekanntermaßen eine hellrothe Farbe annimmt, das innere hingegen dunkelroth und fa&longs;t &longs;chwarz wird), und brachte einige von den dicken geronnenen Stücken, theils durch Wa&longs;&longs;er, theils durch Queck&longs;ilber in ver&longs;chiedene Luftgattungen. Die &longs;chwärze&longs;ten Stücken wurden in gemeiner Luft roth, und noch mehr in dephlogi&longs;ti&longs;irter, welche zum Athmen noch ge&longs;chickter i&longs;t; hingegen wurden die hell&longs;ten rothen Theile in allen zum Athmen unge&longs;chickten Luftgattungen, z. B. in fixer, brennbarer, &longs;alpeterartiger, phlogi&longs;ti&longs;irter Luft &longs;ogleich &longs;chwarz; die in phlogi&longs;ti&longs;irter Luft &longs;chwarz gewordenen erhielten in gemeiner oder dephlogi&longs;ti&longs;irter Luft ihre rothe Farbe wieder, und &longs;o konnte ich &longs;ie abwech&longs;elnd &longs;chwarz und roth färben.“ Fernere Ver&longs;uche lehrten, daß dephlogi&longs;ti&longs;irte Luft durch geronnene Stücken Blut, die er ihr ausge&longs;etzt hatte, in einigen Stunden, auch durch &longs;chwarze mehr, als durch rothe, verdorben ward. Prie&longs;tley macht &longs;ich &longs;elb&longs;t die Einwendung, das Blut komme in den Lungen nicht in unmittelbare Berührung mit der Luft, &longs;ondern werde durch Häutchen von der&longs;elben getrennt, deren Dicke Hales (1/1000) Zoll &longs;chätze. Er &longs;etzte daher eine Menge &longs;chwarzes Blut in einer zugebundenen Bla&longs;e, mit etwas von dem wä&longs;&longs;erigen Theile des Bluts angefeuchtet, der Luft aus, und fand den folgenden Tag die untere Fläche de&longs;&longs;elben hellroth, in eben der Dicke, in welcher &longs;ie, unmittelbar der freyen Luft ausge&longs;etzt, würde roth geworden &longs;eyn. Die&longs;er Ver&longs;uch, der auch bey nicht angefeuchteter Bla&longs;e gelang, zeigte, daß das Dazwi&longs;chenkommen eines Häutchens die Einwirkung nicht hindere, auch, daß die Veränderung der Farbe nicht von der Ausdün&longs;tung herrühre. Der wä&longs;&longs;erige Theil des Bluts &longs;elb&longs;t hält die Einwirkung der Luft nicht ab; die &longs;chwarzen Stücke wurden roth, wenn &longs;ie gleich einige Zoll hoch mit die&longs;em Serum bedeckt waren. Und daß nicht etwa das Serum &longs;elb&longs;t die&longs;e Färbung bewirke, ward dadurch erwie&longs;en, daß &longs;chwarzes Blut, einen halben Zoll hoch mit Serum bedeckt, unter der ausgeleerten Glocke der Luftpumpe &longs;chwarz blieb, ob es gleich eine ganze Nacht ge&longs;tanden hatte, an freyer Luft aber unter übrigens ähnlichen Um&longs;tänden, bald roth ward, woraus er &longs;chließt, daß die Blutkügelchen durch die Flüßigkeit, in welcher &longs;ie &longs;chwimmen, nicht verhindert werden, ihr Phlogi&longs;ton an die Luft abzugeben.

Die&longs;er Prie&longs;tley&longs;chen Theorie des Athmens i&longs;t inzwi&longs;chen diejenige, welche Herr Scheele (Chemi&longs;che Abhdl. von Luft und Feuer, von Hrn. Leonhardi. Leipz. 1782. 8.) vorgetragen hat, gerade entgegenge&longs;etzt. Nach der Meynung die&longs;es großen Chymi&longs;ten i&longs;t &longs;eine Feuerluft (eben die&longs;elbe, welche Prie&longs;tley dephlogi&longs;ti&longs;irte nennt) eine mit Brennbarem ge&longs;ättigte und ver&longs;üßte Luft&longs;äure, und die reine Luft &longs;oll das Blut nicht des Brennbaren berauben, &longs;ondern vielmehr mit mehrerem Brennbaren ver&longs;ehen, und es dadurch flüßiger, beweglicher und röther machen. Durch die Ab&longs;etzung eines Theils vom Brennbaren &longs;oll &longs;ich die Feuerluft in verdorbene Luft verwandeln, dergleichen die ausgeathmete i&longs;t. Scheele lä&longs;t es übrigens ganz unausgemacht, wohin das viele Phlogi&longs;ton komme, welches auf die&longs;e Art dem Körper durch die Feuerluft unaufhörlich mü&longs;te zugeführt werden. Er gründet &longs;eine Behauptung auf Ideen, welche mit &longs;einem ganzen Sy&longs;tem über Feuer, Luft und Verbrennung &longs;o genau zu&longs;ammenhängen, daß &longs;ie ohne Weitläuftigkeit hier nicht beygebracht werden können, die ich daher den Artikeln: Feuer, Gas, Phlogi&longs;ton, vorbehalte. Uebrigens beruft &longs;ich Scheele auf einen von ihm ange&longs;tellten Ver&longs;uch, wobey es ihm gelungen, &longs;elb&longs;t brennbare Luft durch wiederholtes Ein- und Ausathmen der&longs;elben in verdorbne Luft zu verwandeln, und ihr ihre brennbare Eigen&longs;chaft zu benehmen. Die&longs;es &longs;treitet aber völlig mit den &longs;orgfältig ange&longs;tellten Ver&longs;uchen des Fontana (Phil. Trans. Vol. LXIX. P. II. no. 24.), welcher das Athmen der brennbaren Luft für die Thiere ohne Ausnahme tödtlich fand, auch &longs;elb&longs;t &longs;ie nicht mehr, als höch&longs;tens eilfmal, athmen, und nach dem Athmen noch immer, &longs;elb&longs;t dicht vor &longs;einem Munde, entzünden konnte.

Die &longs;innreiche Erklärung, welche Crawford (Experiments and ob&longs;ervations on animal heat, and the in&longs;lammation of combu&longs;tible bodies, London. 1779. 8.) von der thieri&longs;chen Wärme und der Verbrennung gegeben hat, &longs;timmt nicht nur mit Prie&longs;tleys Behauptungen be&longs;&longs;er überein, &longs;ondern giebt auch zugleich von der durchs Athmen erzeugten und unterhaltenen Wärme des Bluts im thieri&longs;chen Körper auf eine &longs;ehr ungezwungene Art Rechen&longs;chaft. Nach &longs;einer Meynung &longs;ind Feuer und Phlogi&longs;ton zween be&longs;ondere einander ganz entgegenge&longs;etzte Stoffe. Das Feuer i&longs;t entweder frey, wirkt dann aufs Gefühl und aufs Thermometer, und verur&longs;acht fühlbare Wärme; oder es i&longs;t gebunden, und macht einen Be&longs;tandtheil der Körper &longs;elb&longs;t aus (&longs;. Feuer). Wird mit einem Körper mehr Phlogi&longs;ton verbunden, &longs;o wird dadurch ein verhältnißmä&longs;&longs;iger Theil &longs;eines Feuers frey. Wird ihm Phlogi&longs;ton entzogen, &longs;o bindet er dagegen mehr Feuer, das er aus den ihn berührenden Körpern an &longs;ich nimmt. Crawford nennt ferner die Fähigkeit, Wärme anzunehmen oder mitzutheilen, &longs;pecifi&longs;che Wärme, deren jeder Körper de&longs;to mehr hat, je weniger Phlogi&longs;ton in &longs;einer Mi&longs;chung enthalten i&longs;t. Seine Methode, die &longs;pecifi&longs;che Wärme der Körper zu be&longs;timmen, &longs;. unter dem Art. Wärme, &longs;pecifi&longs;che. Nach Crawfords Ver&longs;uchen nun hat d. s flüßigere und röthere Blut der Pulsadern, welches in den Lungen der Wirkung der eingeathmeten Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en i&longs;t, in dem Verhältni&longs;&longs;e 23:20 mehr &longs;pecifi&longs;che Wärme, und enthält daher weniger Phlogi&longs;ton, als das durch den Umlauf im Körper wieder geänderte dickere und &longs;chwärzere Blut der Blutadern. Dagegen hat die ausgeathmete Luft 67 mal weniger &longs;pecifi&longs;che Wärme, als die eingeathmete atmo&longs;phäri&longs;che, woraus denn folgt, daß die ausgeathmete weit mehr Phlogi&longs;ton enthalten und al&longs;o den brennbaren Stoff aus dem Körper ausführen mü&longs;&longs;e.

Die dritte Wirkung des Athemholens i&longs;t die Erzeugung und Unterhaltung der Wärme des thieri&longs;chen Körpers, &longs;. Wärme, thieri&longs;che. Es i&longs;t läng&longs;t beobachtet worden, daß alle Thiere, welche vermittel&longs;t vollkommner Lungen athmen, und die Luft in Menge in &longs;ich ziehen, warmes Blut, und daher weit mehr innere Wärme haben, als ihnen die Temperatur der &longs;ie umgebenden Luft mittheilen könnte. Diejenigen Thiere hingegen, welchen die Lungen fehlen, &longs;ind nicht wärmer, als das Mittel, in welchem &longs;ie leben. Die Vögel, als die wärm&longs;ten Thiere, haben in Vergleichung mit der Größe ihres Körpers die größten Lungen. Je &longs;chneller man athmet, und je mehr Luft man al&longs;o in einer be&longs;timmten Zeit einziehet, de&longs;to mehr wird das Blut erwärmt; daher kömmt die Erhitzung de&longs;&longs;elben durch Bewegung und durch alles, was das Athmen be&longs;chleuniget.

Dies erklärt Crawfords eben angeführte Theorie auf eine &longs;ehr leichte Art. Indem nemlich die reine oder zum Athmen taugliche Luft das Phlogi&longs;ton des Bluts in den Lungen an &longs;ich nimmt, wird ihr Vermögen, Feuer zu enthalten oder zu binden, vermindert, und durch das Freywerden ihres Feuers ent&longs;teht fühlbare Wärme. Beym Umlaufe durch den Körper theilt das Blut die&longs;e fühlbare Wärme den Theilen des Körpers mit, verliert zugleich einen Theil des in ihm gebundenen Feuers, und nimmt dafür Phlogi&longs;ton aus dem Körper an &longs;ich. So ent&longs;teht ein be&longs;tändiger Kreislauf, der einer wech&longs;el&longs;eitigen chemi&longs;chen Anziehung gleichet. Daß der ausgeathmete Hauch wärmer i&longs;t, als die äußere Luft, i&longs;t dagegen keine Einwendung; &longs;eine fühlbare Wärme kömmt bloß von dem zugleich ausgehenden freyen Feuer her, und i&longs;t vielmehr ein Zeichen, daß er weniger Feuer binde, als die äußere Luft. Ausführlicher wird &longs;ich von die&longs;er Wirkung des Athmens unter dem Worte: Wärme, thieri&longs;che, &longs;prechen la&longs;&longs;en.

Dies &longs;ind die neu&longs;ten Theorien über die Wirkungen des Athmens. Die Aerzte haben hierüber &longs;ehr ver&longs;chieden gedacht. Hippocrates, Ari&longs;toteles und Galen lie&longs;en die eingeathmete Luft in das Blut und die Säfte übergehen, die Lebenskraft in den&longs;elben unterhalten und das Herz bewegen. Den Ur&longs;prung der thieri&longs;chen Wärme leiteten &longs;ie vom Herzen her, in welchem &longs;ie ein Lebensfeuer (ignem vitalem) annahmen, und glaubten, die&longs;es Feuers übermäßige Hitze werde durch das Einathmen der fri&longs;chen Luft abgekühlt und durchs Ausathmen &longs;ein Dampf abgeführt (Galen. de u&longs;u partium. L. VII. c. 9. de util. re&longs;pir. c. 3.). Auch neuere Aerzte haben einen Uebergang der Luft in ela&longs;ti&longs;cher Ge&longs;talt in das Blut angenommen, und daraus die Flüßigkeit, innere Bewegung, Wärme, Dünne, ja &longs;ogar den Umlauf de&longs;&longs;elben im Körper herleiten wollen. Van Helmont glaubte, die Luft bringe die Lebensgei&longs;ter in den Körper; welcher Meynung &longs;elb&longs;t Boerhave, Mead und Sauvage unter gewi&longs;&longs;en Ein&longs;chränkungen den Beyfall nicht ver&longs;agen; andere haben durch die Luft ein &longs;alziges oder nitrö&longs;es Principium in den Körper bringen wollen. Auch die Meynung der Alten von der Abkühlung der innern Wärme durch die eingeathmete Luft i&longs;t von vielen neuern Aerzten angenommen worden; einige haben noch hinzuge&longs;etzt, das dünnere Blut der Blutadern werde durch die&longs;e Abkühlungen verdichtet. Beyde Behauptungen widerlegt Haller (De partium corp. hum. fabrica et funct. L. VIII. Sect. 5. §. 16. 17.), der übrigens annimmt, es komme Luft zur Mi&longs;chung des Bluts, und beym Ausathmen werden flüchtige, &longs;alzige, faule Ausdün&longs;tungen, auch Phlogi&longs;ton ausgeführt. Den Gedanken, daß die Wärme des Bluts durch Athmen ent&longs;tehe, äußert Stahl (Theor. medic. p. 288.) mit der Bemerkung, daß er ihm &longs;chon &longs;eit dem Jahre 1684 eigenthümlich zugehöre. Auch Boerhave, Hales und Arbuthnot glauben, das Blut werde in den Lungen durch das Athmen verdichtet und erwärmt; Büffon nimmt die Lungen für das Geblä&longs;e an, das zur Belebung des Lebensfeuers diene. Prie&longs;tley &longs;chloß aus der Aehnlichkeit der durchs Athmen verdorbenen Luft mit der durch Verbrennung und Fäulniß verdorbenen, daß das Athmen Phlogi&longs;ton aus dem Körper führe, fa&longs;t zu eben der Zeit, da Scheele gefunden zu haben glaubte, daß &longs;ie brennbaren Stoff hineinbringe. Prie&longs;tleys und Crawfords Meynungen haben vor den älteren wenig&longs;tens das voraus, daß &longs;ie &longs;ich mehr auf Experimentalunter&longs;uchung gründen.

Gewöhnlich athmet der Men&longs;ch während 4—5 Puls&longs;chlägen einmal, d. i. in einer Minute 20 mal, da die mittlere Anzahl der Puls&longs;chläge in einer Minute 80 i&longs;t. Man kan rechnen daß ein ge&longs;under Mann von gewöhnlicher Größe auf einmal dreyßig Cubikzoll Luft einathme. Beym Ausathmen bleibt viel Luft in den Lungen, der Luftröhre und dem Munde zurück. Bey einem &longs;tarken Ausathmen können vielleicht nach einem natürlichen Einathmen 60 Cubikzoll ausge&longs;toßen werden. Durch Be&longs;chleunigung des Pul&longs;es, Bewegung, Lungenkrankheiten, Unreinigkeit oder Verdünnung der Luft wird das Athmen be&longs;chleuniget. Thiere athmen in einge&longs;chloßner oder verdünnter Luft immer &longs;chneller und &longs;tärker.

Ueber die Be&longs;chaffenheit der ausgeathmeten Luft kan der Artikel: Gas, phlogi&longs;ticirtes, und über die Mittel, wodurch die Natur die durchs Athmen verdorbene Luft der Atmo&longs;phäre wieder verbe&longs;&longs;ert, der Artikel: Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches, nachge&longs;ehen werden.

Haller de part. corp. humani fabrica et funct. edit. Bernae et Lau&longs;annae. To. VII. 1778. 8. Lib. VIII. Tib. Cavalle treati&longs;e on the nature and properties of air. London 1771. gr. 4. p. 376. &longs;q.

Atmometer, Atmidometer, Ausdün&longs;tungsmaaß, Atmometrum, Atmométre. Eine Vorrichtung, wodurch &longs;ich die Größe der Ausdün&longs;tung be&longs;timmen lä&longs;t.

Man kan bey den Beobachtungen über die Größe der Ausdün&longs;tung zweyerley Ab&longs;ichten haben; entweder wün&longs;cht man die ab&longs;olute Menge der in ver&longs;chiedenen Jahreszeiten oder Jahren aus den Gewä&longs;&longs;ern auf&longs;teigenden Dün&longs;te zu kennen, oder man will nur für einen gegebenen Augenblick die auflö&longs;ende Kraft der Luft be&longs;timmen. Jede Ab&longs;icht erfordert eine eigne Einrichtung des Werkzeugs.

Zu der er&longs;ten Ab&longs;icht i&longs;t es hinreichend, ein Gefäß mit Wa&longs;&longs;er der Luft eine be&longs;timmte Zeit lang auszu&longs;etzen, und den Verlu&longs;t, den es die&longs;e Zeit über durch die Ausdün&longs;tung erlitten hat, durch Abwägen oder Ausme&longs;&longs;en zu be&longs;timmen. Auf die&longs;e Art haben Mu&longs;&longs;chenbroek (Tentamina experimentorum capt. in academ. del Cimento. To. II. p. 62.), Richmann (Comm. Petropol. To. XIV. p. 273. Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 198. To. II. p. 145.), Wallerius (Schwed. Abhdl. 1746. S. 3. 1747. S. 235.) und Lambert (E&longs;&longs;ai d' hygrométrie. Mém. de l' Acad. de Pru&longs;&longs;e. 1769. p. 68. 1772. p. 65. Hygrometrie, aus dem Franzö&longs;. über&longs;. Augsb. 1774. Fort&longs;etzung, Augsb. 1775. 8.) die Größe der Ausdün&longs;tung unter&longs;ucht. Mu&longs;&longs;chenbroek brauchte bleyerne Gefäße von &longs;echs Zollen ins Gevierte, fand die Ausdün&longs;tung aus einem &longs;olchen Gefäße von 12 Zoll Höhe &longs;tärker, als aus einem von 6 Zoll Höhe, und glaubte endlich daraus das Re&longs;ultat ziehen zu können, daß &longs;ich unter übrigens gleichen Um&longs;tänden die Größen der Ausdün&longs;tung, wie die Cubikwurzeln aus der Höhe der Gefäße verhielten, wenn er die Ver&longs;uche im Freyen an&longs;tellte; auf &longs;einem Zimmer hingegen konnte er zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen nie einen merklichen Unter&longs;chied finden. Richmann fand ebenfalls die Ausdün&longs;tung aus tiefern Gefäßen &longs;tärker, und erklärt dies dadurch, daß die Ausdün&longs;tung von dem Unter&longs;chiede der Temperaturen des Wa&longs;&longs;ers und der Luft abhänge, und die&longs;er Unter&longs;chied in tiefern Gefäßen größer und dauerhafter &longs;ey, weil &longs;ie die Temperatur der umliegenden Luft nicht &longs;o &longs;chnell annehmen. Hieraus erhellet auch, warum Mu&longs;&longs;chenbroek die&longs;en Unter&longs;chied nur im Freyen, nicht auf &longs;einem Zimmer, fand, weil &longs;ich da die Temperatur nur &longs;ehr wenig und lang&longs;am änderte. Wallerius fand die Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen gleich &longs;tark, wenn er beyderley Gefäße in Thon ver&longs;enkte, und dadurch be&longs;tändig in einerley Temperatur erhielt. In Lamberts Ver&longs;uchen i&longs;t die&longs;er Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen gar nicht anzutreffen; in des P. Cotte Ver&longs;uchen (Journal de phy&longs;ique, Oct. 1781.) aber zeigt er &longs;ich wieder; cubi&longs;che Gefäße von ver&longs;chiedenen Größen dün&longs;teten in ganz ver&longs;chiedenen Verhältni&longs;&longs;en aus. Aus die&longs;em Grunde mü&longs;te man &longs;ich wohl bey dergleichen Beobachtungen darüber vereinigen, überall Gefäße von gleicher Ge&longs;talt und Größe zu gebrauchen. Auch dün&longs;tet nach Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrométrie. Neufchatel. 1783. 8. §. 243.) ein Quadrat&longs;chuh Wa&longs;&longs;erfläche &longs;tärker aus, wenn er auf einem dürren Boden &longs;teht, als wenn er mitten in einen Teich, oder See ge&longs;etzt wird; weil in jenem Falle die auf ihn wirkende Luft trockner i&longs;t, und mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;et. Daher mü&longs;te man, um die wahre Größe der Ausdün&longs;tung der Gewä&longs;&longs;er zu finden, ein &longs;olches zum Atmometer be&longs;timmtes Gefäß mitten aufs Wa&longs;&longs;er &longs;etzen, &longs;o daß das Wa&longs;&longs;er in dem&longs;elben mit dem äußern Wa&longs;&longs;er in einerley Horizontalebne &longs;tünde; auch mü&longs;te es eben &longs;o, wie die ausdün&longs;tenden Gewä&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t, der Sonne, der Luft und dem Winde ausge&longs;etzt &longs;eyn. Man mü&longs;te auch ein Hyetometer oder Regenmaaß dabey haben, um die Menge des etwa aufs Gefäß gefallnen Regens be&longs;timmen und abziehen zu können. Endlich hat Richmann (Comm. Petrop. To. XIV. p. 273. &longs;q.) vorge&longs;chlagen, das Atmometer mit einem größern von oben bedeckten und mit Wa&longs;&longs;er gefüllten Gefäße in Communication zu &longs;etzen, damit die Höhe des Wa&longs;&longs;ers im Atmometer &longs;elb&longs;t weder durch die Ausdün&longs;tung merklich vermindert, noch durch den Regen vermehrt werden möge.

Will man aber die Größe der Ausdün&longs;tung für einen be&longs;timmten kleinern Zeitraum kennen, wobey es auf genaue Abwägung eines kleinen Verlu&longs;tes ankömmt, &longs;o kann man &longs;ich eines kleinen und leichten Gefäßes bedienen, das der Luft viel Oberfläche darbietet und an eine &longs;ehr genaue und empfindliche Wage gehangen werden kan. Sollen dergleichen Werkzeuge unter einander verglichen werden können, um daraus Folgerungen über die verhältnißmä&longs;&longs;ige Ausdün&longs;tung an ver&longs;chiednen Orten herzuleiten, &longs;o mü&longs;&longs;en die Gefäße von einerley Ge&longs;talt, Größe und Materie &longs;eyn, Wa&longs;&longs;er von gleicher Reinigkeit enthalten, und, &longs;o viel möglich, in gleiche Stellungen gebracht werden. Ein Werkzeug zu feinern Ver&longs;uchen die&longs;er Art be&longs;chreibt Richmann (Atmometri &longs;. machinae hydro&longs;taticae con&longs;tructio, in Nov. Comm. Petrop. To. II. p. 121.). Er be&longs;timmt es eigentlich zu Abme&longs;&longs;ung der Ausdün&longs;tungen des Wa&longs;&longs;ers von ver&longs;chiedener Temperatur. Es be&longs;teht aus drey cylindri&longs;chen Gefäßen von Blech. Das weit&longs;te und tief&longs;te der&longs;elben wird mit Wa&longs;&longs;er gefüllt. In die&longs;em Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmt das zweyte etwas kleinere Gefäß, welches leer bleibt, und ganz ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t; damit es nicht &longs;chief &longs;chwimme, &longs;tehen Stäbe mit Rollen zur Seite, zwi&longs;chen denen es frey auf- und ab&longs;teigen, aber nicht &longs;eitwärts weichen kan. Das er&longs;te mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Gefäß i&longs;t auch ver&longs;chlo&longs;&longs;en, aber in &longs;einem Deckel &longs;ind drey Löcher. Durch die&longs;e gehen drey metallne Füße, welche auf dem &longs;chwimmenden leeren Gefäße auf&longs;tehen und das dritte offne Gefäß tragen, welches mit dem ausdün&longs;tenden Wa&longs;&longs;er angefüllt i&longs;t. So, wie nun etwas von die&longs;em Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet, und das Gefäß dadurch leichter wird, drückt es weniger auf das &longs;chwimmende Gefäß, das letztere hebt &longs;ich daher im Wa&longs;&longs;er höher, und die Füße, die &longs;ich in den Löchern des Deckels frey bewegen können, treten mehr heraus, heben al&longs;o das obere Gefäß, welches eine an ihm befe&longs;tigte Scale an einem Zeiger hinführt, und dadurch die Größe der Hebung anzeigt. Wie viel Gran jeder Theil der Scale gelte, kan man durch hineingeworfene Gewichte leicht vorher ausmachen, und &longs;o durch die Scale die Größe der Ausdün&longs;tung bis auf die fein&longs;ten Theile abme&longs;&longs;en. Taf. II. Fig. 25. i&longs;t ein Entwurf von den we&longs;entlich&longs;ten Theilen die&longs;es Atmometers.

Nach de Sau&longs;&longs;ure's Anzeige hat Mo&longs;cati in Mayland neuerlich eine andere zugleich bequemere und genauere Einrichtung die&longs;es Werkzeugs vorge&longs;chlagen.

de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrométrie. §. 244-50.

Atmo&longs;phäre, Atmo&longs;phaera, Atmo&longs;phère.

Die&longs;er ur&longs;prünglich &longs;o viel, als Dun&longs;tkugel, bedeutende Name i&longs;t zwar anfänglich bloß von der um un&longs;ere Erde ver&longs;ammelten Luft, dem Luftkrei&longs;e, gebraucht worden, wird aber jetzt im Allgemeinen allen Anhäufungen eines feinen ela&longs;ti&longs;chen flüßigen We&longs;ens beygelegt, welche einen Körper von allen Seiten umgeben, und &longs;ich mit ihm fortbewegen, &longs;o wie der Luftkreis die Erde umringt und mit ihr bewegt wird.

Viele Naturfor&longs;cher nehmen um alle Körper Atmo&longs;phären an, oder glauben, daß der im Weltraume verbreitete Aether &longs;ich in der Nähe eines jeden Körpers verdichte, und eine Atmo&longs;phäre um ihn bilde, woraus &longs;ie neb&longs;t andern Er&longs;cheinungen auch die Beugung der Licht&longs;tralen erklären, &longs;. Beugung des Lichts. Da dies bloß hypotheti&longs;ch i&longs;t, &longs;o bleibe ich hier nur bey den Atmo&longs;phären der Erde, der Sonne und des Monds &longs;tehen.

Atmo&longs;phäre der Erde, &longs;. Luftkreis.

Atmo&longs;phäre der Sonne

Atmo&longs;phaera &longs;olaris, Atmo&longs;phère &longs;olaire. Eine feine um die Sonne verbreitete und gegen die&longs;elbe gravitirende Materie, welche &longs;ich uns unter der Ge&longs;talt des Zodiakallichts zeiget, &longs;. Thierkreislicht.

Die Alten, welche die Sonne für das rein&longs;te und unverderblich&longs;te We&longs;en hielten, konnten dem Gedanken von einem Dun&longs;te um die&longs;elbe nicht Raum geben. Kepler (Epit. a&longs;tron. Copernic. L. VI. p. 595.), wo er erklärt, warum die totalen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e nicht eine völlige Nacht machen, redet von einer &longs;ub&longs;tantia cra&longs;&longs;a circa &longs;olem, non hic in no&longs;tro aëre, &longs;ed in ip&longs;a &longs;ede &longs;olis. Ca&longs;&longs;ini aber, der das Thierkreislicht im Jahre 1683 entdeckte, nahm keinen An&longs;tand, es für die vom weiten erblickte Atmo&longs;phäre der Sonne zu erklären (Découverte de la lumiére cele&longs;te, qui paroi&longs;t dans le zodiaque, in den anciens Mém. To. VII.). Mairan (Traité de l' aurore boreale. Paris 1733. 4. &longs;ec. edit. 1754. gr. 4.) hat &longs;ehr ausführlich von die&longs;er Sonnenatmo&longs;phäre gehandelt, und ihr Da&longs;eyn wird jetzt von keinem A&longs;tronomen mehr in Zweifel gezogen.

Aus welcher Materie &longs;ie be&longs;tehe, ob die&longs;e Materie ein Ausfluß aus der Sonne, oder eine Sammlung von heterogenen aus dem Aether gegen die Sonne gefallenen Theilen &longs;ey, darüber können wir nicht ent&longs;cheiden. Wir &longs;ehen nur, daß &longs;ie leuchtet und durch&longs;ichtig i&longs;t; ihr Licht kan entweder ihr eigen &longs;eyn, oder davon herkommen, daß ihre Theilchen einen Theil des Sonnenlichts zurückwerfen.

Die Ge&longs;talt der Sonnenatmo&longs;phäre muß, den Er&longs;cheinungen des Thierkreislichts zufolge, ein &longs;ehr abgeplattetes Sphäroid &longs;eyn, oder einer auf beyden Seiten erhabnen Glaslin&longs;e gleichen. Wir &longs;ehen das Thierkreislicht &longs;tets unter der Ge&longs;talt eines zuge&longs;pitzten Streifens, wie etwa ACB Taf. II. Fig. 26. (fu&longs;eau), und es giebt keinen runden Körper, der &longs;o er&longs;chiene, als das lin&longs;enförmige Sphäroid, wenn es aus der Ebne &longs;eines größten Krei&longs;es betrachtet wird. Nach Ca&longs;&longs;ini Beobachtungen i&longs;t die&longs;e Ebne die Ebne des Sonnenäquators, oder der Umdrehung der Sonne um ihre Axe, gegen welche, wie die Beobachtungen der Sonnenflecken läng&longs;t gelehrt haben, die Ebne der Erdbahn unter einem Winkel von 7 1/2 Grad geneigt i&longs;t. Sehr wahr&longs;cheinlich wird al&longs;o die &longs;tarke Abplattung der Sonnenatmo&longs;phäre durch die Umwälzung der Sonne um ihre Axe eben &longs;o verur&longs;acht, wie die Abplattung der Erde &longs;elb&longs;t und ihres Luftkrei&longs;es durch die tägliche Umdrehung der Erde veranla&longs;&longs;et wird; und die Stärke die&longs;er Abplattung zeigt eine ungemeine Feinheit und Leichtigkeit der Materie des Thierkreislichts an. Da die Erdbahn mit der Ebne des Sonnenäquators nur einen &longs;ehr kleinen Winkel macht, &longs;o können wir nie in Lagen kommen, in welchen uns die&longs;es Sphäroid anders, als in der Form einer zuge&longs;pitzten Säule er&longs;chiene; da es &longs;on&longs;t, aus einem Punkte in der Axe ge&longs;ehen, als ein Kreis um die Sonne er&longs;cheinen mü&longs;te.

Wie weit &longs;ich die&longs;e Sonnenatmo&longs;phäre er&longs;trecke, kan aus der Weite ge&longs;chlo&longs;&longs;en werden, um welche die Spitze des Thierkreislichts von dem &longs;cheinbaren Orte der Sonne ab&longs;teht. Beträgt die&longs;e Weite 90°, &longs;o muß &longs;ich die Sonnenatmo&longs;phäre bis an die Erdbahn er&longs;trecken; beträgt &longs;ie noch mehr, &longs;o muß die letztere &longs;ogar bis über die Erdbahn hinausgehen. Da man nun die gedachte Weite bisweilen 93, 95, 100 Grad gefunden hat, &longs;o lä&longs;t &longs;ich hieraus folgern, daß der Umfang der Sonnenatmo&longs;phäre &longs;ich zu manchen Zeiten bis über die Erdbahn hinaus er&longs;trecke. Wenn zu &longs;olchen Zeiten die Erde gerade in einem der Punkte i&longs;t, in welchen &longs;ich die Ebne des Sonnenäquators mit der Erdbahn durch&longs;chneidet, &longs;o kömmt &longs;ie in die Sonnenatmo&longs;phäre &longs;elb&longs;t, und wird gleich&longs;am in die&longs;elbe ver&longs;enkt. Herr von Mairan hat hieraus eine &longs;ehr &longs;innreiche Erklärung der Phänomene des Nordlichts hergeleitet, &longs;. Nordlicht.

Atmo&longs;phäre des Monds

Atmo&longs;phaera lunaris, Atmo&longs;phère lunaire. Nach der Meynung einiger A&longs;tronomen &longs;oll auch der Mond mit einer dichtern Materie oder Dun&longs;tkugel umgeben &longs;eyn. Allein die Erfahrungen, welche man hierüber anführt, la&longs;&longs;en &longs;ich auch anders erklären.

Schon Plutarch (Lib. de facie lunae, Op. Plut. ex edit. Xylandri 1620. fol. To. II. p. 939.) gedenkt einer Mondluft. Die neuern A&longs;tronomen hat wahr&longs;cheinlich der Gedanke, daß der Mond bewohnt &longs;ey, die Bewohner aber, wie wir, einer Luft bedürfen, zur Annehmung einer Mondsatmo&longs;phäre veranla&longs;&longs;et. Daher i&longs;t ihr Da&longs;eyn von Galilei, Kepler, Scheiner, Hevel, und in die&longs;em Jahrhunderte von Wolf, Mairan, Bianchini, Fontenelle u. a. angenommen und vertheidiget, von andern Sternkundigen hingegen, z. B. Huygens, Ca&longs;&longs;ini, Gregory, de la Hire, de l' Isle, Tob. Mayer, geläugnet worden.

Man hat für das Da&longs;eyn einer Atmo&longs;phäre des Monds den hellen concentri&longs;chen Ring, der &longs;ich bey gänzlichen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en um den Mond zeigt, und die längliche Ge&longs;talt der Planeten, wenn &longs;ie nahe am Mondrande ge&longs;ehen werden, anführen wollen. Andere haben &longs;ich auf ein beobachtetes Zittern des Sonnenlichtes beym Ein- und Austritte der Mond&longs;cheibe in da&longs;&longs;elbe, auf eine unregelmäßige Bewegung der Fix&longs;terne bey dem Anrücken des Mondrandes gegen die&longs;elben, auf die bald größere bald geringere Deutlichkeit der Mondflecken, auf den im dunkeln Theile des Mondflecken Plato bemerkten hellen Streif, auf|die Veränderlichkeit des Monddurchme&longs;&longs;ers bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en u. dgl. berufen. Einiger die&longs;er Gründe bedient &longs;ich Wolf (Elem. A&longs;tron.), um die höch&longs;te Aehnlichkeit zwi&longs;chen Erd- und Mondluft zu erwei&longs;en, die er &longs;o weit treibt, daß er es im Monde &longs;ogar, wie bey uns, regnen, hageln, &longs;chneyen und reifen lä&longs;t. Halley (Philo&longs;. Trans. no. 343.) und Louville (Hi&longs;t. de l' acad. roy. des Sc. 1715.) wollten bey der Sonnenfin&longs;terniß am 3. May 1715 &longs;ogar Blitze im Monde ge&longs;ehen haben. Von ähnlichen neuerlich beobachteten Er&longs;cheinungen &longs;. den Art. Mond.

Einige die&longs;er Bewei&longs;e, z. B. der aus dem hellen Ringe bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en, aus der länglichen Ge&longs;talt der Planeten, und dem unregelmäßigen Fortrücken der Fix&longs;terne bey Annährung an den Mondrand, la&longs;&longs;en &longs;ich dadurch entkräften, daß man die&longs;e Phänomene eben &longs;o leicht und natürlich aus der Beugung der Licht&longs;tralen herleiten kan. Ein &longs;olcher Ring zeigt &longs;ich um jeden Körper, mit dem man &longs;ich die Sonne verdeckt, oder mit dem man das in einen verfin&longs;terten Ort fallende Sonnenlicht auffängt; wie de la Hire und de l'Isle (Mém. de l' Acad. des Sc. 1715. p. 147.) gezeigt haben. Das Zittern des Sonnenlichts und die größere oder geringere Deutlichkeit der Mondflecken &longs;cheinen eber von Dün&longs;ten in un&longs;erer Atmo&longs;phäre herzurühren; der Licht&longs;tral in der Hölung des Plato lä&longs;t &longs;ich durch das Einfallen des Sonnenlichts zwi&longs;chen Bergen in ein übrigens dunkles Thal auch obne Atmo&longs;phäre begreifen; die Vergrößerung des &longs;cheinbaren Sonnentellers bey ringförmigen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en kan eine Wirkung der Beugung des Lichts &longs;eyn, obgleich Euler (Mém. de l' Acad. de Pru&longs;&longs;e. 1748. S. 103.) daraus wirklich eine Mondluft &longs;chließt, die aber 200mal dünner, als die un&longs;rige, &longs;ey.

Die neuern Vertheidiger der Mondatmo&longs;phäre, z. B. du Sejour (Mém. de l'Acad. des Sc. 1775. p. 268.) wenden dagegen ein, durch Erklärungen aus der Beugung &longs;toße man jene Bewei&longs;e nicht um; denn Beugung der Stralen am Rande des Monds la&longs;&longs;e &longs;ich ohne Atmo&longs;phäre um ihn nicht denken.

Huygens (Co&longs;motheorus, Hagae Com. 1698. 4. p. 115.) wendet gegen das Da&longs;eyn der Mondatmo&longs;phäre ein, man würde den Mondrand bey Bedeckungen der Sterne nicht &longs;o &longs;charf und glatt abge&longs;chnitten, &longs;ondern mit einem Schimmer umgeben (evanida quadam luce, ac velut lanugine finitam) finden; auch &longs;ey im Monde kein Wa&longs;&longs;er, aus dem Dün&longs;te auf&longs;teigen könnten, wie man denn auch keine Wolken darinn &longs;ehe. Dagegen erinnert Mairan (Tr. de l' aurore boreale, &longs;ec. edit. 1754. p. 276.), wenn man die Mondatmo&longs;phäre in Vergleichung mit dem Monde &longs;o groß &longs;etze, als der Luftkreis in Vergleichung mit der Erde i&longs;t, &longs;o gehe ein Stern durch den &longs;tralenbrechenden Theil der&longs;elben in einer Secunde hindurch, welche Zeit zu kurz &longs;ey, um die Wirkungen der Refraction zu bemerken; man habe auch manchmal Sterne noch vor dem Augenblicke ihrer Ver&longs;chwindung an den Mondrand treten ge&longs;ehen; auf der Erde gebe es auch Länder, wo der Himmel &longs;tets heiter &longs;ey; wenn kein Wa&longs;&longs;er im Monde &longs;ey, &longs;o &longs;ey es leicht begreiflich, daß auch keine Wolken da &longs;eyen, zumahl da der vierzehntägige Sonnen&longs;chein die Dün&longs;te &longs;ehr verdünnen mü&longs;&longs;e; der im Plato ge&longs;ehene Licht&longs;treif &longs;ey vielleicht ein &longs;olcher verdünnter Dun&longs;t gewe&longs;en, wenig&longs;tens &longs;etze auch einfallendes Sonnenlicht in dunklen Orten Dün&longs;te voraus, die es zurückwerfen und für uns &longs;ichtbar machen könnten u. &longs;. w.

Man &longs;ieht hieraus, daß der Streit über das Da&longs;eyn einer Mondatmo&longs;phäre noch immer unent&longs;chieden, und nur &longs;o viel gewiß &longs;ey, daß der Mond in Ab&longs;icht auf Luft und Luftbegebenheiten un&longs;erer Erde &longs;o ähnlich nicht i&longs;t, als einige haben vorgeben wollen. Oft hat &longs;ich auch Vorliebe zu gewi&longs;&longs;en Hypothe&longs;en mit eingemi&longs;cht, wie denn Hevel, der in &longs;einer dem Monde be&longs;onders gewidmeten Selenographie der Mondatmo&longs;phäre mit keinem Worte gedacht hatte, er&longs;t zwanzig Jahre darnach ein Vertheidiger der&longs;elben ward, als er &longs;ie zu &longs;einer Hypothe&longs;e über die Cometen nöthig hatte, wobey er doch &longs;elb&longs;t ge&longs;teht (Cometograph. L. VII. p. 362.), in luna manife&longs;tas atmo&longs;phaerae ob&longs;ervationes plane deficere.

Chri&longs;tlob Mylius Gedanken über die Atmo&longs;phäre des Monds, Hamburg 1746. 4. Kä&longs;tner Anfangsgr. der ang. Math. 2 Abth. §. 191.

Atmo&longs;phären, elektri&longs;che, &longs;. Wirkungskrei&longs;e, elektri&longs;che.

Atmo&longs;phäri&longs;che Elektricität, &longs;. Luftelektricität.

Atmo&longs;phäri&longs;che Luft, &longs;. Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches.

Atomen

Atomi, Elementa corporum individua, Atomes. So werden von einigen Naturfor&longs;chern die er&longs;ten nicht weiter theilbaren aber immer noch körperlichen Be&longs;tandtheilchen der Materie genannt. Daß wir die Theilung der Körper durch allerley Mittel &longs;ehr weit treiben können, i&longs;t bekannt, und wird bey dem Worte Theilbarkeit durch Bey&longs;piele be&longs;tätiget werden. Aber ob die&longs;e Theilung ohne Ende fort möglich &longs;ey, darüber kan uns die Erfahrung nicht belehren, weil &longs;ich bey fortge&longs;etzter Theilung die Theilchen bald un&longs;ern Sinnen entziehen. Ob man al&longs;o endlich auf gewi&longs;&longs;e letzte körperliche Theile, die an &longs;ich &longs;elb&longs;t und ihrer Natur nach nicht weiter theilbar &longs;ind, auf Atomen, kommen mü&longs;&longs;e, oder ob die Materie ohne Ende theilbar &longs;ey, i&longs;t eine blos &longs;peculative Frage; die Erfahrung lehrt nur, daß es Grenzen gebe, bey denen wir zu theilen aufhören mü&longs;&longs;en.

Für die Meinung, daß alle Materie aus untheilbaren Körperchen zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, haben &longs;ich &longs;chon im Alterthum Mo&longs;chus, Leucippus, Democrit und Epikur erklärt. Des letztern, noch mit vielen Zu&longs;ätzen vermi&longs;chtes, Sy&longs;tem (&longs;. Cic. de fin. I. 6.) wird von Lucretius (De rerum natural, Lib. VI. c. interpr. etnotis Thom. Creech. Oxon. 1695. 8. Ba&longs;il. 1770. gr. 8.), und unter den Neuern von Ga&longs;&longs;endi (Ga&longs;&longs;endi Opp. Lugd. 1685. VI. To. fol.) vorgetragen. Newton und Boerhave haben gelehrt, die Materie be&longs;tehe aus einer Menge oder Anhäufung fe&longs;ter, harter, &longs;chwerer, undurchdringlicher, träger und beweglicher Theilchen, von deren ver&longs;chiedner Zu&longs;ammenordnung die Ver&longs;chiedenheit der Körper herrühre. Die&longs;e klein&longs;ten Theilchen können &longs;ich durch eine &longs;ehr &longs;tarke Anziehung mit einander verbinden, und größere Theile ausmachen, welche einander weniger anziehen; die&longs;e können wiederum durch ihren Zu&longs;ammenhang noch größere Theile bilden, deren Anziehung gegen einander noch &longs;chwächer i&longs;t, bis endlich die gröbern in un&longs;ere Sinne fallenden Theile ent&longs;tehen, von welchen die Farben der Körper und die chymi&longs;chen Operationen abängen, und welche durch ihren Zu&longs;ammenhang die Körper von merklicher Größe ausmachen. Die&longs;es Sy&longs;tem, welches die Eigen&longs;chaften der Körper aus der Zu&longs;ammenordnung der er&longs;ten Theilchen zu erklären &longs;ucht, wird mit dem Namen Philo&longs;ophia &longs;. Phy&longs;ica corpu&longs;cularis bezeichnet.

Wer die Exi&longs;tenz der Materie einräumt, kan ihr auch er&longs;te ungetheilte Elemente nicht füglich ab&longs;prechen. Ob die&longs;e ungetheilten Körperchen zugleich untheilbar &longs;ind, das kömmt auf den Begrif an, den man mit den Worten untheilbar und Materie verbindet. Ver&longs;teht man unter Theilbarkeit die Möglichkeit, &longs;ich in jedem Theile der Materie, den man als ausgedehnt betrachtet, eine rechte und linke, eine obere und untere Seite zu gedenken, welche der Ver&longs;tand als abge&longs;ondert betrachten kan, &longs;o i&longs;t jedes Theilchen, &longs;o klein es auch &longs;ey, noch theilbar. Ver&longs;teht man aber wirkliche Theilung, &longs;o i&longs;t Theilbarkeit ins unendliche ein Ausdruck ohne Bedeutung, und es giebt eine letzte Grenze, auf welcher alle men&longs;chliche Möglichkeit der Theilung aufhört, und bey aller etwa künftig noch zu hoffender Vervollkommnung der mechani&longs;chen und chymi&longs;chen Theilungs- und Zer&longs;etzungsmittel &longs;tets aufhören wird. Will man nun das, was an die&longs;er letzten möglichen Grenze der Theilug übrig bleibt, untheilbar nennen, &longs;o muß man in die&longs;em Sinne Atomen einräumen, das i&longs;t, er&longs;te untheilbare Körperchen, welche immer noch ausgedehnt &longs;ind, und, da &longs;ie &longs;ich durch phy&longs;i&longs;che Kräfte nicht weiter trennen la&longs;&longs;en, Härte, folglich auch alle übrige Eigen&longs;chaften der Materie be&longs;itzen.

Diejenigen, welche den er&longs;ten Theilen der Materie die Ausdehnung ab&longs;prechen, machen &longs;ich freylich hievon, &longs;o wie von der Materie überhaupt, andere Begriffe, &longs;. Materie. Unter&longs;uchungen hierüber gehören mehr für den Metaphy&longs;iker, als für den Naturfor&longs;cher, und gehen allem Vermuthen nach weiter, als der Schöpfer dem Men&longs;chen hier zu &longs;ehen vergönnt hat; man täu&longs;cht &longs;ich dabey mit dem Wahn, etwas zu wi&longs;&longs;en, welchem der wei&longs;ere und be&longs;cheidnere Naturfor&longs;cher ein offenherziges Ge&longs;tändniß der Unwi&longs;&longs;enheit weit vorziehet.

Attraction, Anziehung, Attractio, Attraction.

Das Phänomen der Körperwelt, da Körper &longs;ich einander nähern, oder, wenn &longs;ie aufgehalten werden, &longs;ich zu nähern &longs;treben, da &longs;ie nach der Berührung an einander bleiben, oder doch der Trennung wider&longs;tehen, ohne daß man eine äußere in die Sinne fallende Ur&longs;ache davon, einen Druck, Stoß u. dergl. gewahr wird. So fällt ein freygela&longs;&longs;ener Körper &longs;enkrecht auf die Erdfläche nieder, nähert &longs;ich der Ma&longs;&longs;e der Erde, oder äußert doch, wenn man ihn daran hindert, &longs;ein Be&longs;treben zu fallen, durch &longs;ein Gewicht, durch Druck auf das, was ihn trägt; &longs;o fließen zween einander berührende Wa&longs;&longs;ertropfen in Einen zu&longs;ammen u. &longs;. w. ohne daß man eine äußere Ur&longs;ache davon bemerkte; die Erfahrung zeigt uns, daß es ge&longs;chehe, belehrt uns aber gar nicht darüber, warum es ge&longs;chehe.

Wie weit &longs;ich die&longs;es Phänomen er&longs;trecke, lä&longs;t &longs;ich aus folgenden Bey&longs;pielen über&longs;ehen. Die Theile aller fe&longs;ten Körper hängen zu&longs;ammen, und wider&longs;tehen der Trennung; auch die Theile der flüßigen la&longs;&longs;en &longs;ich nicht ohne Wider&longs;tand trennen, und vereinigen &longs;ich in Tropfen; flü&longs;&longs;ige Körper hängen &longs;ich an fe&longs;te, die &longs;ie benetzen; polirte Marmorflächen oder Spiegeltafeln hängen bey der Berührung, auch bey dazwi&longs;chen liegenden feinen Haaren oder Seidenfäden, zu&longs;ammen; das Licht beugt &longs;ich beym Vorübergange beym Rande der Körper vom geraden Wege ab; jeder Körper nähert &longs;ich freygela&longs;&longs;en der Erde, oder fällt gegen die&longs;elbe; der &longs;on&longs;t &longs;enkrecht gedehnte Bleywurf richtet &longs;ich &longs;chief in der Nähe großer Berge; das Meer hebt &longs;ich gegen den Mond, der Mond &longs;elb&longs;t wird durch eine unbekannte Ur&longs;ache &longs;tets an die Erde, die Erde neb&longs;t den übrigen Planeten an die Sonne gefe&longs;&longs;elt; in dem ganzen Laufe der himmli&longs;chen Körper herr&longs;cht das unverkennbare Ge&longs;etz eines be&longs;tändigen Be&longs;trebens die&longs;er großen Ma&longs;&longs;en nach wech&longs;el&longs;eitiger Annäherung. Sollte man nicht ein Recht haben, die&longs;es Phänomen, das &longs;ich bey fe&longs;ten und flüßigen, kleinen und großen, &longs;ich berührenden und von einander entfernten Körpern, auf der Erde, wie im Himmel, zeigt, für ein allgemeines Phänomen der Körperwelt, für die Regel anzunehmen, und die Fälle, in denen es &longs;ich nicht zu zeigen &longs;cheint, nur für Ausnahmen zu erklären, bey welchen es durch irgend eine Ur&longs;ache aufgehoben, oder nur für uns unbemerkbar gemacht wird?

In die&longs;em Sinne hat der große Newton das Wort Attraction gebraucht, um das allgemeine Phänomen des Be&longs;trebens der Körper nach wech&longs;el&longs;eitiger Annäherung (conatus accedendi) damit zu bezeichnen, nicht um eine Ur&longs;ache die&longs;es Phänomens dadurch anzugeben. Die&longs;er bey der Größe &longs;eines Genies dennoch &longs;o be&longs;cheidne Naturfor&longs;cher gieng &longs;tets den &longs;ichern Weg der Experimentalunter&longs;uchung, zog aus vielen ähnlichen Erfahrungen allgemeine Ge&longs;etze, und be&longs;timmte, unbekümmert um die verborgenen Ur&longs;achen der&longs;elben, durch die erhaben&longs;ten Kun&longs;tgriffe der Geometrie, die Folgen die&longs;er Ge&longs;etze für Fälle, über welche unmittelbare Erfahrungen fehlten. Die&longs;e nachahmungswürdige Methode gründet &longs;ich einzig auf Induction, oder auf den der ge&longs;unden Vernun&longs;t einleuchtenden Schluß, daß das, was in allen beobachteten Fällen wahr gefunden ward, auch in ähnlichen unbeobachteten &longs;tatt finden, und all&longs;o allgemein wahr &longs;eyn werde. Die häufigen Bey&longs;piele von Fallen, Nähern, Anhängen der Körper gegen und an einander veranlaßten ihn, die&longs;es Nähern als ein allgemeines Phänomen anzu&longs;ehen, er entdeckte das Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben für Erde und Mond, &longs;chloß, daß eben die&longs;es Ge&longs;etz für Sonne und Planeten, und für die Planeten unter einander &longs;elb&longs;t gelten werde, und mit welcher bewundernswürdigen Richtigkeit &longs;timmen nicht &longs;eine hieraus berechneten Folgen mit dem wirklichen Laufe des Himmels überein! Die&longs;e Methode i&longs;t &longs;o untadelhaft, und die dadurch gemachte Entdeckung der Mechanik des Himmels &longs;o be&longs;tätiget, daß nur Unwi&longs;&longs;ende jene &longs;chmähen und die&longs;e verwerfen können.

Ur&longs;achen die&longs;es Phänomens angeben zu können, hat &longs;ich Newton nie gerühmt. Er erklärt an einigen Stellen (Princip. L. I. Def. 8. et Sect. 11. Optice. Qu. 23.), er gebrauche die Worte: Attractio, Impul&longs;io, Propen&longs;io, ohne Unter&longs;chied, u. wolle durch Attraction nicht die Wirkungsart oder die wirkende Ur&longs;ache anzeigen, u. etwa behaupten, daß in den Mittelpunkten der Körper eine anziehende Kraft vorhanden &longs;ey; vielleicht &longs;ey die&longs;e Attraction, phy&longs;ikali&longs;ch zu reden, ein Stoß, oder die Wirkung einer andern uns ganz unbekannten Ur&longs;ache. So &longs;agt auch 's Grave&longs;ande (Phy&longs;. elem. mathem. Leid. 1742. gr. 4. L. I. c. 5.) Attractionem vocamus vim quamcunque, quo duo corpora ad &longs;e invicem tendunt; et&longs;i forte hoc per impul&longs;um fiat. Hoc nomine phaenomenon, non cau&longs;am defignamus. Man thut daher Newton Unrecht, wenn man glaubt, er habe durch die Attraction das Phänomen erklären wollen, da er es dadurch blos benennen will.

Aber auch als Benennung hat mir das Wort Attraction nie wohl gewählt ge&longs;chienen. Unerfahrne &longs;tellen &longs;ich dabey natürlich ein Ziehen, eine Kraft vor, welche in dem einen Körper ihren Sitz hat, und den andern, wie an einem Bande, gegen &longs;ich führt. Dergleichen verkehrte Begriffe, die Newtons wahrer Meinung ganz zuwiderlaufen, haben manche Philo&longs;ophen be&longs;tritten, und dabey gegen Newton zu &longs;treiten geglaubt. Inzwi&longs;chen i&longs;t die&longs;es Wort &longs;o allgemein angenommen, daß man &longs;chwerlich wagen dürfte, ein anderes einzuführen; man muß am Ende zufrieden &longs;eyn, daß die Wahl nicht noch &longs;chlimmer ausgefallen i&longs;t. Mu&longs;&longs;chenbroek z. B. &longs;chlägt unter andern das noch un&longs;chicklichere Wort Amicitia vor. ”Was ”würde nicht er&longs;t,“ &longs;agt Herr Lichtenberg (Erxlebens Naturl. neu&longs;te Ausg. §. 113. b.), ”mancher gefolgert ”haben, wenn Newton die&longs;e Er&longs;cheinung Sehn&longs;ucht ge”nannt hätte? Man &longs;ollte &longs;ich freylich hüten, da &longs;ich, wie ”Haller &longs;agt, un&longs;er Aug' am Kleid der Dinge &longs;tößt, über ”die&longs;es Kleid noch andere zu ziehen, an denen &longs;ich die Ein”bildungskraft &longs;tößt, noch ehe das Auge bis zu jenem un”durch&longs;chaubaren eindringt.“

Solche Kleider hatte Newtons &longs;on&longs;t vortreflicher Vorgänger, Kepler, de&longs;&longs;en Einbildungskraft &longs;ehr oft einen dichteri&longs;chen Schwung nahm, über den Begrif der Attraction gezogen, von welchem in &longs;einen Schriften häufige Spuren vorkommen, &longs;. den Artikel: Gravitation. Er nahm nicht nur in den Körpern eine innere anziehende Kraft (vim attractivam) an; er redete auch von Freund&longs;cha&longs;t, Gefühl, Abneigung, Er&longs;chrecken der Körper vor einander, von Sympathie, Stralen, mit welchen einer den andern um&longs;chlinge u. &longs;. f. Auch Roberval nahm die Attraction als eine in den Körpern befindliche Kraft (vim corporibus in&longs;itam) an. Wenn man dies behauptet, und das Phänomen dadurch zu erklären glaubt, &longs;o &longs;agt man nichts mehr, als was die Schola&longs;tiker &longs;agten, wenn &longs;ie das Auf&longs;teigen des Wa&longs;&longs;ers in Saugpumpen durch den Ab&longs;cheu der Natur vor der Leere, oder das Ein&longs;chläfern des Opium durch eine darinn befindliche &longs;chlafbringende Qualität erklärten. Dadurch ward Descartes bewogen, &longs;ich der Attraction, als einer von den verborgenen Qualitäten der &longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltweisheit entgegenzu&longs;etzen, und &longs;ie &longs;chien durch ihn gänzlich aus der Naturlehre verbannt, als &longs;ie Newton, nicht in Ge&longs;talt einer zur Erklärung dienenden phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache, &longs;ondern als Benennung eines allgemeinen, durch unzählbare Erfahrungen be&longs;tätigten Phänomens, wieder einführte, u. mit einer Stärke bewafnete, deren man &longs;ie nie fähig geglaubt hätte. In die&longs;er natürlichen und von fal&longs;chem Schmucke entblößten Ge&longs;talt hat &longs;ie ihre nun allgemein anerkannten Rechte gegen allen Wider&longs;tand behauptet.

Newtons Schüler &longs;ind inzwi&longs;chen viel weiter gegangen, haben dadurch aufs neue manches Mißver&longs;tändniß und viele unnöthige Einwendungen veranla&longs;&longs;et, und die Ausbreitung der newtoni&longs;chen Entdeckungen auf dem fe&longs;ten Lande fa&longs;t um ein halbes Jahrhundert zurückgehalten. Roger Cotes (Praefatio ad Newtoni Princ. ed. Cantabr. 1713. 4.) zählet die Gravitation unter die we&longs;entlichen Eigen&longs;chaften der Materie, ohne welche Materie gar nicht gedacht werden könne oder &longs;olle, dergleichen Ausdehnung, Beweglichkeit, Undurchdringlichkeit rc. &longs;ind. Quemadmodum, &longs;agt er, nulla concipi debent corpora, quae non &longs;int exten&longs;a, mobilia et impenetrabilia; ita dicendum e&longs;t, nulla concipi debere, quae non &longs;int gravia. Newton hingegen verwahrt &longs;ich ausdrücklich, er behaupte keinesweges, daß die Schwere den Körpern we&longs;entlich &longs;ey. Man &longs;ieht hieraus, wie Joh. Bernoulli (Nouvelles pen&longs;ées &longs;ur le &longs;y&longs;teme de Descartes. Op. To. lll. p. 138.) &longs;agt, daß der Schüler weit kühner, als &longs;ein Lehrer, gewe&longs;en &longs;ey. Die&longs;e der Materie we&longs;entliche und von ihr untrennbare innere Kraft &longs;ollte nun die Ur&longs;ache der Schwere, des Zu&longs;ammenhangs, der Anhängung, der chemi&longs;chen Verwandt&longs;chaften, Auflö&longs;ungen und Nieder&longs;chläge, der Beugung, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, der im Laufe der Himmelskörper &longs;ichtbaren Centripetalkräfte und überhaupt fa&longs;t aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt &longs;eyn. Welchen &longs;tarken Einwürfen man &longs;ich durch die&longs;e Behauptung einer vermeinten phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache aus&longs;etzt, will ich bey dem Worte: Gravitation, um&longs;tändlicher zeigen.

Die&longs;er Begrif der Attraction, als einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft oder eines innern Vermögens der Materie, &longs;cheint mir nicht viel be&longs;&longs;er, als die Sympathien, Antipathien und verborgnen Qualitäten der Peripatetiker, und &longs;ollte aus einer ge&longs;unden Phy&longs;ik gänzlich entfernt bleiben; da hingegen die Attraction als Phänomen betrachtet, wenn man &longs;ich nicht anmaaßet, die Ur&longs;ache davon anzugeben, durch klare und unläugbare Erfahrungen be&longs;tätiget i&longs;t.

Die&longs;e Erfahrungen durch den Stoß einer Materie zu erklären, hat &longs;ehr große Schwierigkeiten. Carte&longs;ens, Huygens, Joh. Bernoullis, Bil&longs;ingers u. a. Erklärungen haben im Allgemeinen das wider &longs;ich, |daß die Erfahrungen bey bewegten Körpern eben &longs;o, wie bey ruhenden, erfolgen, und daß bey der Schwere insbe&longs;ondere die Größe der Wirkung &longs;ich wie die Ma&longs;&longs;e, und nicht, wie die Oberfläche verhält. Und überhaupt wird ein &longs;olcher Stoß auch nur auf Gerathewohl angenommen, ohne einige Erfahrung, die uns von &longs;einer Wirklichkeit belehrte. Da wir nun in der Phy&longs;ik, &longs;obald uns Erfahrung und Induction verla&longs;&longs;en, nichts mehr wi&longs;&longs;en, warum wollen wir uns &longs;chämen, die&longs;e Unwi&longs;&longs;enheit zu ge&longs;tehen? warum wollen wir uns entweder mit leeren Worten täu&longs;chen, die nichts erklären, oder mit Erklärungen behelfen, die aus der Luft gegriffen, und durch keine Erfahrung unter&longs;tützt &longs;ind? Solchen chimäri&longs;chen Theorien hat die Welt noch bis heut nicht eine einzige nützliche Wahrheit zu verdanken. Ich bin nicht abgeneigt, mit Hrn. Lichtenberg (a. a. O.) zu glauben, daß das Phänomen der Attraction noch allzuzu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, als daß man es in die Cla&longs;&longs;e der ganz einfachen Phänomene, der Ausdehnung, Undurchdringlichkeit u. &longs;. w. &longs;etzen, und alle Bemühungen, es zu erklären, aufgeben &longs;ollte. Allein Bemühungen, es zu erklären, &longs;ind wohl etwas anders, als der eitle Wahn, es ohne Beyhülfe der Erfahrung erklärt zu haben. Auch werden &longs;olche Bemühungen allem Vermuthen nach nie anders, als auf dem Wege der Experimentalunter&longs;uchung gelingen. Aber von Kräften oder Mechanismen reden, die &longs;ich durch nichts un&longs;ern Sinnen dar&longs;tellen, die&longs;e nach Ge&longs;etzen wirken la&longs;&longs;en, von denen man auch keine Erfahrung hat, &longs;ondern die man nur &longs;o annimmt, wie man &longs;ie nöthig hat, das heißt, nach Herrn Kä&longs;tners Ausdruck (Prüfung eines von Hrn. le Sage angegebnen Ge&longs;etzes fallender Körper, im deut&longs;chen Mu&longs;eum, Jun. 1776. und in der deut&longs;chen Ueber&longs;. des de Lüc über die Atmo&longs;phäre, II. B. S. 660.), nicht erklären, &longs;ondern erdichten. Da die Ur&longs;ache der Attraction kein Gegen&longs;tand un&longs;erer Sinne mehr zu &longs;eyn &longs;cheint, &longs;o &longs;teht es dahin, ob wir je in der gegenwärtigen Welt zu einer zuverläßigen Kenntniß der&longs;elben gelangen werden; wenig&longs;tens mü&longs;&longs;en wir vorjetzt un&longs;ere gänzliche Unwi&longs;&longs;enheit hierüber aufrichtig ge&longs;tehen.

Newton, ohne &longs;ich bey den Ur&longs;achen des Phänomens aufzuhalten, bemühte &longs;ich vielmehr, die Ge&longs;etze de&longs;&longs;elben zu be&longs;timmen. Dies gelang ihm zwar nur für diejenigen Fälle, in welchen die Attraction in beträchtlichen Entfernungen wirkt; aber es i&longs;t unbe&longs;chreiblich, welch eine reichhaltige Quelle von den wichtig&longs;ten Folgen die&longs;e Entdeckung unter &longs;einen und &longs;einer Nachfolger Händen geworden i&longs;t.

Das Phänomen der Attraction zeigt &longs;ich entweder an Körpern, welche in beträchtlichen oder merklichen Entfernungen von einander ab&longs;tehen, und heißt dann Gravitation, allgemeine Schwere (&longs;. Gravitation); oder an Körpern, welche &longs;ich berühren, deren Entfernungen unmerklich &longs;ind, und führt dann bey Theilen eines und ebende&longs;&longs;elben Körpers den Namen der Cohä&longs;ion, des Zu&longs;ammenhangs (&longs;. Cohä&longs;ion), und wenn es zwi&longs;chen Theilen eines flüßigen und einem fe&longs;ten Körper &longs;tatt findet, den Namen der Adhä&longs;ion, des Anhängens (&longs;. Adhä&longs;ion). Wenn man auch &longs;chon nicht alle einzelne Unterabtheilungen die&longs;es Falles aufzählen und mit be&longs;ondern Namen belegen kan, &longs;o gehören doch dahin auch die chemi&longs;chen Verwandt&longs;chaften, auf welche &longs;ich Auflö&longs;ungen Nieder&longs;chläge, Kry&longs;talli&longs;ationen, Gährungen, Gerinnungen, und andere chemi&longs;che Proce&longs;&longs;e gründen. Sie &longs;ind be&longs;ondere Attractionen gewi&longs;&longs;er Stoffe, werden auch Wahlanziehungen (attractiones electivae) genannt. Die magneti&longs;che und elektri&longs;che Anziehung, welche &longs;chon in merklichen Entfernungen wirken, aber doch von der Gravitation &longs;ehr ver&longs;chieden &longs;ind, erklärt man gemeiniglich durch den Stoß be&longs;onderer flüßiger Materien, über deren Da&longs;eyn man Erfahrungen zu haben glaubt.

Unter allen die&longs;en be&longs;ondern Arten der Attraction i&longs;t die Gravitation die einzige, deren Ge&longs;etze genau entdeckt und bewie&longs;en &longs;ind. Newton hat die&longs;elben aus den auf Erfahrung und Beobachtung gegründeten Entdeckungen des Galilei und Keplers entwickelt. Die Stärke der Gravitation verhält &longs;ich direkt, wie die Ma&longs;&longs;e des anziehenden Körpers, und umgekehrt, wie die Quadratzahl &longs;einer Entfernung von dem angezognen. Dies i&longs;t das Ge&longs;etz, nach welchem die Körper gegen die Erde, die Erde &longs;elb&longs;t und alle Planeten in ihren Bahnen um die Sonne, und die Monden um ihre Hauptkörper getrieben werden, nach welchem die Himmelskörper &longs;ämtlich in einander wirken, und aus welchem die Kepleri&longs;chen, blos aus Tychons Beobachtungen gezognen, Regeln, nothwendige Folgen &longs;ind. So wenig die Wahrheit die&longs;es Ge&longs;etzes für die Gravitation in Zweifel gezogen werden kan, &longs;o i&longs;t man doch keinesweges dadurch berechtiget, es für das allgemeine Ge&longs;etz aller Attractionen anzunehmen. Newton (Princip. L. I. Sect. 13. Prop. 85.) bewei&longs;et, daß die Anziehung, wenn &longs;ie bey der Berührung viel &longs;tärker, als in einer geringen Entfernung i&longs;t, in umgekehrtem Verhältniß einer höhern Potenz als des Quadrats der Entfernung abnehmen mü&longs;&longs;e. Nun i&longs;t es aber allen Erfahrungen gemäß, daß eine im Berührungspunkte &longs;ehr &longs;tarke Anziehung, in einer &longs;ehr geringen Entfernung von die&longs;em Punkte fa&longs;t unmerklich wird. Es i&longs;t al&longs;o ziemlich ent&longs;chieden, daß die Anziehung bey der Berührung im umgekehrten Verhältni&longs;&longs;e einer höhern als der zweyten Potenz der Entfernung abnehmen, und al&longs;o andern Ge&longs;etzen, als die Gravitation, folgen mü&longs;&longs;e. Aber die&longs;e Ge&longs;etze &longs;ind noch unentdeckt, und bey weitem nicht &longs;o leicht zu erfor&longs;chen, als es das Ge&longs;etz der Schwere war. Die in der Berühruug auf einander wirkenden Stoffe befinden &longs;ich in einem ganz andern und weit verwickeltern Falle, als die &longs;o weit von einander entfernten und &longs;o regelmäßig geformten Himmelskörper, deren ganze Ma&longs;&longs;e man in einen Punkt ver&longs;ammlet annehmen kan, und bey denen die Wirkung der Anziehung &longs;o einfach und von andern Einwirkungen fa&longs;t gänzlich frey bleibt. Bey den Berührungen vervielfältiget &longs;ich die Menge der wirkenden Theilchen und der Berührungspunkte, in jedem Augenblicke verändert &longs;ich die Lage der Theile gegen einander, und jeder der&longs;elben &longs;tört und verändert die Wirkung der andern. Wer den Ausgang aus die&longs;em Labyrinthe fände, und die Ver&longs;uche und Beobachtungen der Chymiker auf allgemeine Regeln und ein einfaches Ge&longs;etz bringen könnte, der würde weit mehr, als Kepler und Newton, gelei&longs;tet haben.

Newton &longs;elb&longs;t &longs;cheint geneigt, die Gravitation von der Anziehung beym Berühren ganz zu unter&longs;cheiden. Nach die&longs;en Grund&longs;ätzen, &longs;agt er (Traité d' optique, Am&longs;terd. 1720. p. 373.), wird man die Natur durchgängig mit &longs;ich überein&longs;timmend und &longs;ehr einfach in ihren Wirkungen finden; &longs;ie bewirkt alle große Bewegungen der Himmelskörper durch die Attraction der Schwere, welche auf die ganzen Körper wirkt, und fa&longs;t alle kleine Bewegungen ihrer Theile durch eine andere anziehende Kraft, welche durch die Theile verbreitet i&longs;t. In der That muß &longs;chon der Um&longs;tand, daß die Gravitation &longs;ich blos nach der Quantität der Ma&longs;&longs;e, die Verwandt&longs;chaft aber nach der Qualität ihrer Theile richtet, auf den Gedanken einer Ver&longs;chiedenheit beyder Phänomene leiten, die aber vielleicht auch ihren Grund blos in der Form und Dichtigkeit der klein&longs;ten Theile haben kan.

Keill, ein Schüler Newtons (Indroductio ad veram phy&longs;icam, Oxon. 1700. 8.). hat für die Anziehung beym Berühren und in geringen Entfernungen einige Regeln anzugeben, und daraus Cohä&longs;ion, Flüßigkeit, Ela&longs;ticität, Aufbrau&longs;en, Nieder&longs;chlag u dgl. zu erklären ver&longs;ucht. Freind (Praelectiones chymicae, Oxon. 1704. 4.) hat eben die&longs;e Grund&longs;ätze noch um&longs;tändlicher auf die chemi&longs;chen Er&longs;cheinungen und Operationen angewendet. Den mei&longs;ten die&longs;er Erklärungen aber fehlt allerdings die Deutlichkeit und befriedigende Voll&longs;tändigkeit, welche Kenner der Chemie, zumal bey dem jetzigen &longs;ehr verbe&longs;&longs;erten Zu&longs;tande die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, fordern würden.

Geometri&longs;che Unter&longs;uchungen über das ur&longs;prüngliche oder allgemeine Ge&longs;etz der Attraction hat Maupertuis (Sur l' attraction Neutonienne, Mém de l' ac. roy. des Sc. de Paris 1732.) ange&longs;tellt. Hollmann (Succincta attractionis hi&longs;toria, in Comm. &longs;oc. reg. Gotting. To. IV.) erzählt die Ge&longs;chichte der Anziehung. Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad Philo&longs;. nat. Cap. 20. de corporum attractionibus) hat die vornehm&longs;ten Phänomene der Attraction fe&longs;ter und flüßiger Körper ge&longs;ammlet, und Euler (Lettre à une prince&longs;&longs;e d' Allemagne, lettr. 68. &longs;q.) be&longs;treitet den Begrif, den &longs;ich einige von Attraction, als von einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft der Materie, gemacht haben. Ich verwei&longs;e übrigens wegen ver&longs;chiedener hiemit noch zu&longs;ammenhängenden Bemerkungen auf die Artikel: Cohä&longs;ion, Gravitation.

Aufbrau&longs;en, Efferve&longs;centia, Efferve&longs;cence.

Eine im Augenblicke der Verbindung gewi&longs;&longs;er Sub&longs;tanzen ent&longs;tehende heftige und mit Bla&longs;enwerfen verbundene Bewegung.

Das Aufbrau&longs;en ent&longs;teht allezeit durch die Entbindung leines Gas, welches mit dem neuent&longs;tandnen Gemi&longs;ch nicht verbunden bleiben kan, und das &longs;ich durch &longs;chickliche Vorrichtungen auf&longs;ammlen lä&longs;t. Säuren mit Kalcherden oder laugenartigen Sub&longs;tanzen, denen man ihr Gas noch nicht entzogen hat, vermi&longs;cht, brau&longs;en allezeit auf; auch ent&longs;teht die&longs;e Wirkung bey Auflö&longs;ungen der Metalle durch Säuren, und beym Schmelzen der Alkalien mit Sand oder Erde.

Da bey der Gährung allezeit eine innerliche bla&longs;enwerfende Bewegung vorgeht, &longs;o brauchte man &longs;on&longs;t die Namen Aufbrau&longs;en und Gährung ohne Unter&longs;chied; neuere Chymiker unter&longs;cheiden einfache Auflö&longs;ungen &longs;owohl als Gährung von dem Aufbrau&longs;en, und &longs;ehen das letztere mit Recht als einen jene Verbindungsarten begleitenden Um&longs;tand an.

Macquer chym. Wörterb. Art. Aufbrau&longs;en.

Aufgang der Ge&longs;tirne, Ortus &longs;iderum, Lever des A&longs;tres.

Das Hervorkommen der Ge&longs;tirne über den Horizont des Beobachters. Man kan die Stunde des Aufgangs eines jeden Ge&longs;tirns für jeden Beobachtungsort auf eine mechani&longs;che Art durch die kün&longs;tliche Himmelskugel finden, &longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche. Genauer wird &longs;ie aus der halben Dauer der Sichtbarkeit (&longs;. A&longs;cen&longs;io- naldifferenz, Tagbogen), und der Zeit der Culmination (&longs;. Culmination), berechnet. Es i&longs;t alsdann Zeit der Culm.—1/2 Dauer der Sichtb.=Stunde des Aufgangs. So findet &longs;ich für die Fix&longs;terne die Stunde des Aufgangs in Sternzeit, welche man nach den Anwei&longs;ungen in dem Artikel: Sonnenzeit, die Sonnenzeit verwandein kan. Für die Planeten i&longs;t noch eine Berichtigung, wegen ihrer eignen Bewegung vom näch&longs;tvorhergehenden Mittage an bis zur Stunde des Aufgangs, nöthig; &longs;ie i&longs;t aber nicht beträchtlich, außer beym Monde, für welchen man die ganze Rechnung noch einmal wiederholen, und dabey die Data &longs;o annehmen muß, wie &longs;ie für die durch die er&longs;te Rechnung gefundene Stunde des Aufgangs gelten.

Für die Sonne i&longs;t die Stunde des Aufgangs der halben Nachtlänge gleich, auch die Verwandlung der Zeit unnöthig, &longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.

Da die Stralenbrechung im Horizonte alle Ge&longs;tirne etwa um 32 1/2 Min. erhebt, &longs;o gehen &longs;ie alle etwas früher auf, als die Rechnung angiebt: wie man bey der Rechnung &longs;elb&longs;t hierauf Rück&longs;icht zu nehmen habe, werde ich bey dem Worte: Tagbogen, angeben.

Unter dem Aequator der Erde gehen alle Ge&longs;tirne und zwar &longs;enkrecht, unter den Polen der Erde gehen gar keine, in den zwi&longs;chenliegenden Orten der Erde nur diejenigen auf, deren nördliche oder &longs;üdliche Abweichung kleiner als die Aequatorhöhe des Orts i&longs;t. Daher geht uns die Sonne täglich auf, weil ihre Abweichung nie über 23 1/2 Grad &longs;teigen kan, und al&longs;o jederzeit kleiner, als un&longs;ere Aequatorhöhe (38 2/3°) bleiben muß.

Aufgang der Ge&longs;tirne nach dem Sinne der alten Dichter, Ortus &longs;iderum poëticus, Lever des a&longs;tres &longs;elon les anciens.

Da der Horizont der merklich&longs;te Kreis am Himmel i&longs;t, &longs;o fieng man &longs;chon im höch&longs;ten Alterthum an, den Aufgang der Ge&longs;tirne mit dem Auf- oder Untergange der Sonne zu vergleichen, und daraus Eintheilungen und Kennzeichen der Zeit herzunehmen. Die&longs;e waren &longs;icherer, als die Be&longs;timmungen nach den damaligen höch&longs;t mangelhaften Kalendern. Die Vor&longs;chrift z. B. eine Feldarbeit am er&longs;ten Tage des Jahres vorzunehmen, war vergeblich; denn der Anfang des bürgerlichen Jahres rückte nach und nach durch alle Jahrszeiten durch: hingegen die Regel, &longs;ie an dem Tage zu verrichten, an welchem der Hunds&longs;tern mit Sonnenuntergang aufgeht, war &longs;icher, weil &longs;ie auf eine be&longs;timmte Stellung der Sonne, mithin immer auf eben die&longs;elbe Jahrszeit, hinwies. Die&longs;e uralte Art, gewi&longs;&longs;e Tage zu bezeichnen, kömmt noch in einigen Schriften der Alten vor, be&longs;onders bey den Schrift&longs;tellern über den Feldbau, und bey den Dichtern, welche die dabey nöthigen Erwähnungen der Sternbilder als Veranla&longs;&longs;ungen zu Digre&longs;&longs;ionen und dichteri&longs;chen Aus&longs;chmückungen nützten. Sie nahmen die Sachen &longs;elb&longs;t großentheils aus ältern Schrift&longs;tellern anderer Länder, ohne eigne Kenntni&longs;&longs;e davon zu haben, daher das, was z. B. Ovid in den Fa&longs;tis vorbringt, weder auf &longs;eine Zeit und auf die Lage von Rom pa&longs;&longs;end, noch auch unter &longs;ich &longs;elb&longs;t überein&longs;timmend i&longs;t (&longs;. Kä&longs;tner, a&longs;tronomi&longs;ches Mancherley, in Vollborths philolog. Bibl. II. Band.). Man findet auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Schriften der Alten keine &longs;onderlichen Belehrungen hierüber; das mei&longs;te Licht geben noch die Elemente des Geminus (Gemini I&longs;agoge in Phaenomena &longs;. Elementa a&longs;tron. in Petavii Vranologio. Pari&longs;. 1600. fol.)

Die Neuern haben gefunden, daß man im Alterthum unter dem Worte, Aufgang, haupt&longs;ächlich dreyerley ver&longs;tanden habe, das Hervortreten eines Sterns aus den Sonnen&longs;tralen, &longs;einen Aufgang bey Aufgang der Sonne, und &longs;einen Aufgang bey Untergang der Sonne. Die&longs;en drey Arten des poeti&longs;chen Aufgangs haben &longs;ie die Namen: Ortus heliacus, co&longs;micus und acronychos, beygelegt.

Das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen, Ortus heliacus, Lever heliaque, ereignet &longs;ich an dem Tage, an welchem der Stern, der bisher nahe bey der Sonne ge&longs;tanden hat, und durch ihren Glanz un&longs;ern Augen entzogen gewe&longs;en i&longs;t, &longs;ich zum er&longs;tenmale wieder zeigt, und in der Morgendämmerung auf eine kurze Zeit &longs;ichtbar wird. An die&longs;em Tage, &longs;agt man, gehe er heliace auf. Die&longs;er Aufgang i&longs;t &longs;eit den älte&longs;ten Zeiten ein Gegen&longs;tand der Aufmerk&longs;amkeit der Egyptier gewe&longs;en. Die Ueber&longs;chwemmung ihres Landes durch den Nil erfolgte jährlich zu eben der Zeit, da der Hunds&longs;tern aus den Sonnen&longs;tralen hervortrat; die&longs;es Hervortreten aber ge&longs;chahe bey ihrem Jahre von 365 Tagen aller 4 Jahre um einen Tag &longs;päter, und rückte daher in 4 X 365 1/4 oder in 1461 juliani&longs;chen Jahren durch alle Jahrszeiten hindurch; dies hat bey ihnen den bekannten Hunds&longs;terncyclus (periodum canicularem &longs;. Sothiacam) veranla&longs;&longs;et, de&longs;&longs;en Anfang in das 1321&longs;te Jahr vor der chri&longs;tlichen Zeitrechnung fällt.

Da Sterne er&longs;ter Größe &longs;ichtbar werden, wenn bey ihrem Aufgange die Sonne nur wenig&longs;tens 10 Grad tief unter dem Horizonte i&longs;t, &longs;o findet man ihr Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen, wenn man den Stern unter den Morgenhorizont der kün&longs;tlichen Himmelskugel führt, und den Grad der Ekliptik bemerkt, der alsdann 10° tief unter dem Morgenhorizonte liegt. Der Tag des Jahres, an welchem die Sonne die&longs;en Grad der Ekliptik erreicht, i&longs;t der Tag des Hervortretens oder der Wiederer&longs;cheinung des Sterns. So findet man, daß heut zu Tag der Hunds&longs;tern für die Polhöhe von Leipzig etwa den 23 Augu&longs;t aus den Sonnen&longs;tralen hervortritt. Für ältere Zeiten wäre freylich eine andere Einrichtung der Himmelskugel nöthig, &longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche. In Ermanglung &longs;olcher Einrichtungen muß man &longs;ich für die Zeiten des Alterthums an die Berechnung halten, welche z. B. für das Jahr 138 n. C. G. in welchem nach dem Cen&longs;orinus ein neuer Hunds&longs;terncyclus anfieng, und die Polhöhe von Heliopolis, die Wiederer&longs;cheinung des Sirius auf den 20 Jul. giebt.

Der Aufgang eines Sterns mit Aufgang der Sonne, Ortus co&longs;micus, Lever co&longs;mique, fällt für Sterne, welche nahe bey der Ekliptik &longs;tehen, gewöhnlich 12 bis 15 Tage früher, als das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen. Man findet den Tag de&longs;&longs;elben, wenn man auf der kün&longs;tlichen Himmelskugel den Grad der Ekliptik &longs;ucht, welcher mit den Sternen zugleich in den Morgenhorizont kömmt. Der Tag, an welchem die Sonne die&longs;en Grad erreicht, i&longs;t der Tag des kosmi&longs;chen Aufgangs für den Stern. Für Leipzig geht jetzt der Hunds&longs;tern den 8 Augu&longs;t kosmi&longs;ch oder mit der Sonne auf.

Der Aufgang mit Untergang der Sonne, Ortus acronyctos, Lever acronyche, wird gefunden, wenn man den Grad der Ekliptik &longs;ucht, der im Abendhorizonte &longs;teht, wenn der Stern im Morgenhorizonte i&longs;t. Die&longs;er Grad i&longs;t dem, welcher dem kosmi&longs;chen Aufgange zugehört, gerade entgegenge&longs;etzt, und es &longs;ind daher die Tage des kosmi&longs;chen und akronykti&longs;chen Aufgangs ohngefähr um ein halbes Jahr aus einander. So geht bey uns der Hunds&longs;tern um den 8 Febr. akronykti&longs;ch oder mit Sonnenuntergang auf.

Zur Erklärung der Alten muß man hiebey auf die Polhöhen ihrer Beobachtungsorte und auf die damaligen Stellungen der Fix&longs;terne, welche von den heutigen ver&longs;chieden &longs;ind, Rück&longs;icht nehmen. Wie man dies für einzelne Sterne bewerk&longs;telligen könne, hat Herr Scheibel (Unterricht vom Gebrauch der Himmels- und Erdkugel. Bresl. 1779. 8. §. 216.) gelehrt.

de la Lande a&longs;tronom. Handb. §. 205. u. f. Kä&longs;tners Anfangsgr. der angew. Math. Zweyte Abth. A&longs;tr. §. 127.

Auflö&longs;ung, Solutio, Di&longs;&longs;olution.

Die&longs;en Namen führt die Verbindung der Grund&longs;toffe zweener Körper von ver&longs;chiedener Natur, aus welcher eine Trennung der vorigen Verbindung ihrer Theile, und eine neue Verbindung der&longs;elben, mithin ein neuer anders, als beyde vorige, zu&longs;ammenge&longs;etzter Körper ent&longs;teht. So wird z. B. ein Stück Silber im Scheidewa&longs;&longs;er aufgelö&longs;et, d. h. die Salpeter&longs;äure trennt den Zu&longs;ammenhang der Be&longs;tandtheile des Silbers, und verbindet &longs;ich mit dem darinn enthaltenen Brennbaren; der erdichte Theil des Silbers hingegen verbindet &longs;ich, wie es &longs;cheint, mit dem in der Salpeter&longs;äure enthaltenen luftartigen Stoffe; aus allem zu&longs;ammen ent&longs;teht ein neuer flüßiger Körper, die Silberauflö&longs;ung, in welchem die Theile ganz anders verbunden &longs;ind, als &longs;ie es vorher im Silber und Scheidewa&longs;&longs;er, jedem be&longs;onders genommen, waren.

Da hiebey der vorige Zu&longs;ammenhang der Theile getrennt werden, und al&longs;o ein Körper in die Zwi&longs;chenräume des andern eindringen muß, welches einen flüßigen Zu&longs;tand des eindringenden Körpers voraus&longs;etzt, &longs;o muß bey jeder Auflö&longs;ung wenig&longs;tens der eine Körper flüßig &longs;eyn. Daher der chymi&longs;che Grund&longs;atz: Corpora non agunt, ni&longs;i fluida.

Man nennt insgemein den flüßigen Körper das Auflö&longs;ungsmittel (men&longs;truum). Dies kan zugela&longs;&longs;en werden; nur muß man nicht den fal&longs;chen Begrif damit verbinden, als ob das Auflö&longs;ungsmittel allein &longs;ich thätig, und der fe&longs;te Körper nur leidend verhielte. Sie wirken beyde in einander. Bisweilen &longs;ind beydes flüßige Körper und dann i&longs;t es gar nicht mehr &longs;chicklich, den einen als Auflö&longs;ungsmittel, den andern als aufgelößt werdenden, zu betrachten. Wenn hingegen der eine fe&longs;t i&longs;t, &longs;o muß der flüßige den &longs;tärkern Zu&longs;ammenhang &longs;einer Theile trennen, und in die&longs;er Rück&longs;icht etwas mehr thun, als jener. Hier i&longs;t es &longs;ehr &longs;chicklich, den flüßigen das Auflö&longs;ungsmittel zu nennen; man muß nur nicht verge&longs;&longs;en, daß der fe&longs;te Körper ebenfalls wirkt, und das Men&longs;truum auflö&longs;et.

Auflö&longs;ungen ge&longs;chehen entweder auf dem na&longs;&longs;en Wege, d. i. durch Auflö&longs;ungsmittel, die im gewöhnlichen Zu&longs;tande flüßig &longs;ind; oder auf dem trocknen Wege, d. i. durch Schmelzung, wo einer oder beyde Körper er&longs;t durchs Feuer flüßig gemacht werden.

Wenn alle und jede Grund&longs;toffe beyder Körper mit einander vereiniget werden, &longs;o i&longs;t die Auflö&longs;ung vollkommen. Aus dergleichen vollkommnen Auflö&longs;ungen ent&longs;tehen durch&longs;ichtige Körper, z. B. das Glas aus einer vollkommnen Auflö&longs;ung der Erden durch Alkalien auf dem trocknen Wege.

Alle Auflö&longs;ungen &longs;ind Wirkungen der Anziehung zwi&longs;chen den Theilen der Körper, Wirkungen der Attraction bey der Berührung, &longs;. Attraction. Wenn Auflö&longs;ung erfolgen &longs;oll, &longs;o muß die Anziehung zwi&longs;chen den Theilen ver&longs;chiedener Körper &longs;tärker &longs;eyn, als der Zu&longs;ammenhang der Theile jedes Körpers, einzeln genommen, i&longs;t. Wenn die Anziehung den Zu&longs;ammenhang der Theile nur im flüßigen, nicht aber im fe&longs;ten Körper, zu trennen vermögend i&longs;t, &longs;o erfolgt nur Adhä&longs;ion, &longs;. Adhä&longs;ion. Die Anziehung zwi&longs;chen Glas und Wa&longs;&longs;er vermag nur den Zu&longs;ammenhang der Wa&longs;&longs;ertheile, nicht den der Glastheile zu trennen; daher hängt Wa&longs;&longs;er dem Gla&longs;e an, kan es aber nicht auflö&longs;en. So erfolgen Anhängen und Auflö&longs;ung aus einerley Grunde. Auch lö&longs;en &longs;ich nie Körper auf, die nicht an einander anhängen.

Hieraus läßt &longs;ich leicht das Eindringen des flüßigen Körpers in des fe&longs;ten innere Theile bey den Auflö&longs;ungen erklären. Des fe&longs;ten Zwi&longs;chenräume &longs;ind eben &longs;o viele Haarröhren, in welche der flüßige vermöge des Anhängens eindringt, &longs;. Haarröhren. Die&longs;e Erklärung der Newtonianer i&longs;t wenig&longs;tens wahr&longs;cheinlicher, als die von Descartes, welcher hier &longs;eine &longs;ubtile Materie wirken, und die &longs;pitzigen Keile der Auflö&longs;ungsmitel in die aufzulö&longs;enden Körper hineintreiben ließ.

Man könnte die Auflö&longs;ungen in &longs;olche theilen, wobey blos der Zu&longs;ammenhang der aggregirten Theile getrennt wird (&longs;uperficielle Auflö&longs;ung, Solution), und in &longs;olche, wobey dem einen oder beyden Körpern gewi&longs;&longs;e Theile entzogen, und mit Theilen des andern Körpers inniger verbunden werden (we&longs;entliche Auflö&longs;ung, Di&longs;&longs;olution). Eine &longs;uperficielle Auflö&longs;ung giebt Salz im Wa&longs;&longs;er, eine we&longs;entliche Metall im Scheidewa&longs;&longs;er aufgelößt. Im er&longs;ten Falle erhält man durch Ab&longs;cheidung des unveränderten Auflö&longs;ungsmittels den vorigen Körper wieder, im zweyten Falle &longs;ind bey veran&longs;talteter Ab&longs;onderung beyde Körper verändert. Da inzwi&longs;chen beyde Arten aus einerley Grunde erfolgen, &longs;o hält Macquer für unnöthig, &longs;ie zu unter&longs;cheiden.

Daß oft ganz leichte Flüßigkeiten &longs;chwere fe&longs;te Körperin &longs;ich aufgelößt halten, i&longs;t leicht begreiflich, da die Trennung der vorigen Theile auch die vorige &longs;pecifi&longs;che Schwere ändert, und der neue Zu&longs;ammenhang weit &longs;tärker, als die Schwere wirkt.

Macquer chym. Wörterb. Art. Auflö&longs;ung, und Leonhardi Anm.

Auflö&longs;ungsmittel, Men&longs;trua, Men&longs;trues.

hei&longs;&longs;en diejenigen Körper, welche andere aufzulö&longs;en ge&longs;chickt &longs;ind, vornehmlich die flüßigen, welche man zu Auflö&longs;ung der fe&longs;ten gebraucht. Daß eigentlich bey jeder Auflö&longs;ung beyde Körper in einander wirken, al&longs;o der aufgelößte Körper allezeit auch das Men&longs;truum auflö&longs;e, i&longs;t &longs;chon bey dem Worte Auflö&longs;ung bemerkt worden.

Der Name Men&longs;truum kömmt von dem Wahn der Alchymi&longs;ten her, daß eine vollkommne Auflö&longs;ung einen philo&longs;ophi&longs;chen Monat, oder vierzig Tage Zeit erfordere.

Auf&longs;teigender Knoten, &longs;. Knoten.

Auf&longs;teigende Zeichen, &longs;. Zeichen.

Auf&longs;teigung, gerade, Recta&longs;cen&longs;ion, A&longs;cen&longs;io recta, A&longs;cen&longs;ion droite.

Hierunter wird (Taf. I. Fig. 5.) der Bogen des Aequators

D ver&longs;tanden, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte
und dem Abweichungskrei&longs;e PSDp eines Ge&longs;tirns S enthalten i&longs;t. Der letzte Punkt D die&longs;es Bogens geht unter dem Aequator der Erde, wo die Sterneunter rechten Winkeln aufgehen, mit dem Sterne S zugleich auf, d. h. er &longs;teigt mit ihm gerade auf, daher der Bogen, den er begrenzt, den Namen der geraden Auf&longs;teigung erhalten hat.

Die Grade des Aequators werden vom Frühlingspunkte aus von Abend gegen Morgen, oder von der Rechten zur Linken in einem fort gezählt, daher ein Ge&longs;tirn nahe an 360° Recta&longs;cen&longs;ion haben kan.

Wenn die gerade Auf&longs;teigung oder Recta&longs;cen&longs;ion eines Sterns

D, und &longs;eine Abweichung DS, &longs;. Abweichung, bekannt i&longs;t, &longs;o wird dadurch die Stelle, die er am Himmel einnimmt, be&longs;timmt, und von den Stellen aller übrigen Ge&longs;tirne unter&longs;chieden; denn es i&longs;t kein Punkt weiter am Himmel, dem eben die&longs;e Recta&longs;cen&longs;ion und Abweichung zukäme. Daher i&longs;t es für die Sternkunde &longs;ehr wichtig, die Recta&longs;cen&longs;ionen der Ge&longs;tirne durch Beobachtungen zu finden.

Die Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne wird, wenn man ihre Abweichung durch Beobachtung gefunden hat, &longs;. Abweichung, leicht berechnet. Taf. II. Fig. 27. &longs;ey AQ der Aequator, EL die Ekliptik oder Sonnenbahn, S der Ort der Sonne, deren Abweichung SD, die Recta&longs;cen&longs;ion

D i&longs;t, Der Winkel S
D
i&longs;t die Schiefe der Ekliptik =23° 28′ 8″. Die Auflö&longs;ung des Kugeldreyecks S
D
giebt al&longs;o die Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel &longs;in. Recta&longs;c. =(tang. Abw./tang. Schiefe d. Ekl.) wo es zweydeutig bleibt, ob die Recta&longs;cen&longs;ion unter oder über 90° betrage, und &longs;üdliche oder negative Abweichungen eine Recta&longs;cen&longs;ion über 180° anzeigen, die unter oder über 270° &longs;eyn kan, daher man aus andern Um&longs;tänden wi&longs;&longs;en muß, in welchem Quadranten ihrer Bahn die Sonne &longs;tehe.

Auch aus dem Ab&longs;tande der Sonne vom Frühlingspunkte

, in dei Ekliptik gerechnet, oder ihrer Länge
S
(&longs;. Länge der Ge&longs;tirne), giebt das Dreyeck S
D
ihre Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel tang. Recta&longs;c.=tang. LängeXco&longs;. Schiefe d. Ekl. wo die Recta&longs;cen&longs;ion &longs;tets in einerley Quadranten mit der Länge fällt. Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Länge und der geraden Auf&longs;teigung (
S—
D)
heißt die Reduction der Ekliptik auf den Aequator. Dafür findet &longs;ich eine Tabelle in der Berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, I. B. S. 268 u. f., wo man für jede Länge der Sonne die Reduction auf&longs;chlagen, und mit dem dabey&longs;tehenden Zeichen zur Länge &longs;etzen kan, um die Recta&longs;cen&longs;ion zu finden.

Ueberdies findet man auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Ephemeriden, namentlich in des Herrn Bode Jahrbüchern, die gerade Auf&longs;teigung der Sonne für den Mittag jeden Tages angegeben.

Die Recta&longs;cen&longs;ion der Sterne findet man aus der Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis. Der Punkt D (Taf. I. Fig. 5.) i&longs;t eben derjenige, der mit dem Sterne zugleich in den Mittagskreis kömmt; die Zeit, welche zwi&longs;chen dem Durchgange der Sonne und dem des Sterns verflo&longs;&longs;en i&longs;t, in Bogen des Aequators verwandelt, &longs;. die Art. Aequator, Sternzeit, giebt an, was für ein Bogen des Aequators &longs;ich zwi&longs;chen beyden Durchgängen durch den Mittagskreis ge&longs;choben habe, d. i. um wie viel des Sterns Recta&longs;cen&longs;ion größer &longs;ey, als die Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne am vorhergehenden Mittage. Die&longs;er Bogen, zur Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne addirt, giebt al&longs;o die des Sterns. Kömmt hiebey mehr als 360°, &longs;o muß man nur den Ueber&longs;chuß über 360° behalten, weil im Aequator nie weiter gezählt, &longs;ondern bey 360° von neuem angefangen wird. Man hatte nemlich

DQA
D gefunden, da man nur
D
finden wollte.

Aus gleichen Gründen giebt die Zeit, welche zwi&longs;chen den Durchgängen zweener Sterne durch den Mittagskreis verfließt, in Bogen des Aequators verwandelt, den Unter&longs;chied zwi&longs;chen den geraden Auf&longs;teigungen beyder Sterne. I&longs;t nun die des einen bekannt, &longs;o findet man daraus die des andern, daß al&longs;o die Be&longs;timmung der Recta&longs;cen&longs;ionen der Sterne lediglich von den Beobachtungen der Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis abhängt.

Da in vier Sekunden Zeit ein Bogen von einer Minute durch den Mittagskreis gehet, &longs;o giebt ein Beobachtungsfehler von 4 Sek. eine ganze Minute Irrthum in der geraden Auf&longs;teigung. Man &longs;ieht hieraus, wie genaue Abme&longs;&longs;ungen der Zeit zu die&longs;er Be&longs;timmung der geraden Auf&longs;teigungen nöthig &longs;ind. Die Alten hatten hiezu keine Mittel; ihre Wa&longs;&longs;eruhren (clep&longs;ydrae) reichten bey weitem nicht an eine &longs;olche Genauigkeit. Sie be&longs;timmten daher die Stellen der Sterne durch Armillen oder Ringe, welche mit Hülfe der Sonne in eine dem Aequator und der Ekliptik am Himmel ähnliche Stellung gebracht wurden, und dann vermittel&longs;t eines auf den Stern gerichteten Diopterlineals de&longs;&longs;en Lage gegen den Aequator oder die Ekliptik angaben. Durch &longs;olche Hülfsmittel &longs;uchten &longs;ie an Tagen, da Sonne und Mond zugleich &longs;ichtbar waren, zuer&longs;t den Unter&longs;chied der geraden Auf&longs;teigungen die&longs;er beyden Ge&longs;tirne, und dann nach Untergang der Sonne den Unter&longs;chied der&longs;elben für den Mond und die nun &longs;ichtbar gewordenen Sterne. Da der Mond &longs;eine Stelle &longs;ehr ge&longs;chwind ändert, und ihnen die Ungleichheiten &longs;eines Laufs nur unvollkommen bekannt waren, &longs;o kamen durch die&longs;e un&longs;ichere Methode &longs;ehr große Fehler in ihre Be&longs;timmungen. Tycho, der noch immer Armillen für den Aequator gebrauchte, wählte &longs;tatt des Mondes die Venus, welche lang&longs;amer fortrückt, und be&longs;timmte &longs;o die Stellen von 777 Fix&longs;ternen genauer, als Hipparch und Ptolemäus gethan hatten. Aber er&longs;t die Erfindung be&longs;&longs;erer Uhren hat die A&longs;tronomen in den Stand ge&longs;etzt, die Recta&longs;cen&longs;ionen der Sterne, und dadurch die wahren Stellen, die &longs;ie am Himmel einnehmen, richtiger anzugeben, und in die Catalogen einzutragen, von welchen wir unter dem Artikel: Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e, reden werden.

Auf&longs;teigung, &longs;chiefe, A&longs;oensio obliqua, A&longs;cen&longs;ion oblique.

Der Bogen des Aequators

O, Taf. II. Fig. 24., welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte
und dem mit einem Ge&longs;tirne S zugleich aufgehenden Punkte O enthalten i&longs;t. Jedes Ge&longs;tirn hat unter andern Polhöhèn andere &longs;chiefe Auf&longs;teigungen.

Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns heißt &longs;eine A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, von der ein eigner Artikel handelt. Die&longs;e i&longs;t wichtiger, als die &longs;chiefe Auf&longs;teigung &longs;elb&longs;t. Es i&longs;t aber &longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t.—A&longs;c. Diff. wo man bey negativem Werthe der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, &longs;tatt zu &longs;ubtrahiren, addiren muß.

Aufthaupunkt, &longs;. Thermometer.

Aufthauen

des Ei&longs;es, &longs;. Thauwetter.

Auge, Oculus, Oeil.

Das Werkzeug des Sehens. Bey der Be&longs;chreibung die&longs;es großen Mei&longs;ter&longs;tücks der Natur &longs;chränke ich mich blos auf das men&longs;chliche Auge und die Theile des Augapfels &longs;elb&longs;t ein. Die unzählbaren Ver&longs;chiedenheiten in der Anzahl und dem Bau der Augen der Thiere und die Be&longs;chreibung der Bedeckungen und Nebentheile des Augapfels gehören mehr für die Naturge&longs;chichte und Zergliederungskun&longs;t.

Der Augapfel (bulbus oculi) liegt in der kegelförmig gebildeten Augenhöhle (orbita), ragt nur wenig aus der&longs;elben hervor, und wird am vordern Theile durch die beyden Augenlieder (palpebrae) gehalten und gegen äu&longs;&longs;ere Verletzungen und allzuheftiges Licht ge&longs;chützt. Er hat ziemlich die Ge&longs;talt einer Kugel, i&longs;t aber am vordern Theile bey AA, Taf. II. Fig. 28. mehr erhaben. Er i&longs;t hart, und wegen &longs;einer runden Ge&longs;talt in dem weichen Fette, in welchem er liegt, leicht beweglich. Hinten hängt er am Sehnerven (nervus opticus). Der Durchme&longs;&longs;er des Augapfels beträgt bey einem erwach&longs;enen Men&longs;chen etwa 11 1/3 pari&longs;er Linien. Er wird durch &longs;echs Muskeln bewegt, deren vier gerade, zween &longs;chief wirken.

Seine Haupttheile &longs;ind drey Häute (tunicae), die harte Augenhaut, braune Haut und Netzhaut, und drey &longs;ogenannte Feuchtigkeiten (humores), die| wä&longs;&longs;erichte, glä&longs;erne und kry&longs;tallene.

Die harte Augenhaut (&longs;clerotica, cornée opaque) i&longs;t eine &longs;tarke, dicke, ela&longs;ti&longs;che Haut, welche den äußern Um&longs;chluß des ganzen Augapfels ausmacht. Sie i&longs;t weiß und fa&longs;t ganz ohne Gefäße. Hinten beym Eintritte des Sehnerven i&longs;t &longs;ie auf eine Linie dick, gegen den vordern Theil wird &longs;ie dünner, bis in die Gegend AA. Bis dahin i&longs;t &longs;ie auch undurch&longs;ichtig; bey AA wird &longs;ie wieder &longs;tärker, erhebt &longs;ich zu einer rundern Ge&longs;talt, und wird durch&longs;ichtig. Die&longs;er durch&longs;ichtige Theil heißt die Hornhaut (Cornea, cornée transparente). Der Sehnerve N geht durch ein rundes Loch der harten Haut hindurch, und die&longs;e Haut hängt hier mit der aus der dicken Hirnhaut (dura mater) ent&longs;prungnen äußern Hülle des Sehnerven zu&longs;ammen. Die innere Lamelle der harten Haut ent&longs;pringt aus der innern Hülle des Sehnerven, welche eine Fort&longs;etzung der dünnen Hirnhaut (pia mater) i&longs;t, und &longs;ich bis an die Hornhaut er&longs;treckt. Den vordern Theil des Augapfels, auch die Hornhaut &longs;elb&longs;t, bedeckt noch von außen die angewach&longs;ene Haut (tunica adnata &longs;. conjunctiva), welche mit der innern Haut der Augenlieder einerley i&longs;t. Unter die&longs;e letztere &longs;etzen noch viele Zergliederer eine weiße Haut (albuginea), welche von den tendinö&longs;en Verlängerungen der Augenmuskeln, oder auch von einer Fort&longs;etzung ihrer Membranen herkommen, und die Weiße des Augapfels verur&longs;achen &longs;oll: Zinn aber läugnet &longs;ie, und &longs;chreibt die Weiße der harten Haut &longs;elb&longs;t zu.

Die braune Haut, Gefäßhaut, Aderhaut (chorioides, choroide, Uvée) liegt unter der harten Haut, i&longs;t weich, zart, und mit Gefäßen und Zellgewebe ver&longs;ehen, mit welchem &longs;ie an der harten Haut anhängt, und &longs;o vom Rande des Sehnerven bis an die Hornhaut fortläuft. Von außen i&longs;t die braune Haut mit einem dunkeln, aber die Finger nicht &longs;chwärzenden Ueberzuge, auf der innern Fläche aber mit einem &longs;chwarzen Leime bekleidet. Nach Wegnehmung die&longs;es Leims findet man der braunen Haut innere Fläche rauch und za&longs;ericht. Die&longs;e Haut ent&longs;teht nicht aus der dünnen Hirnhaut, &longs;ondern hängt mit der innern Hülle des Sehnerven durch Zellgewebe zu&longs;ammen, und um&longs;chließt die kegelförmige Warze, mit welcher &longs;ich das Mark die&longs;es Nerven endigt, genau. Nach Ruy&longs;ch &longs;oll &longs;ich die braune Haut in zwo Lamellen theilen la&longs;&longs;en, deren innere nach ihm tunica Ruyschiana genannt worden i&longs;t. Albinus, Haller und Zinn aber läugnen die&longs;e Theilbarkeit der braunen Haut, und räumen &longs;ie nur in den Augen einiger Thiere ein. Am vordern Theile gegen die Hornhaut zu befindet &longs;ich an der äußern Seite der braunen Haut das Stralenband (ligamentum ciliare, plexus ciliaris Lieutaudii, annulus cellulo&longs;us Zinnii), ein weißlicher Ring, ohngefähr eine Linie breit und von beträchtlicher Dicke, welcher die braune Haut mit dem um die Hornhaut herumgehenden &longs;chwarzen Ringe der harten Haut verbindet. Aus die&longs;em Stralenbande ent&longs;tehen nun die weiter einwärts gehenden und bis an den Rand der Kry&longs;tallin&longs;e reichenden Stralenfa&longs;ern (proce&longs;&longs;us ciliares), welche um die Kry&longs;tallin&longs;e herum einen &longs;ehr &longs;chönen ge&longs;treiften Ring, den Stralenkörper (corpus ciliare) bilden, der gegen die Schläfe zu etwa 2 Lin. breit, gegen die Na&longs;e zu &longs;chmäler i&longs;t. Am äußern Umkrei&longs;e i&longs;t die&longs;er Ring noch ganz mit dem &longs;chwarzen Leime bekleidet, der die braune Haut bedeckt; gegen die Kry&longs;tallin&longs;e zu wird er &longs;chwarz und weiß ge&longs;treift oder geflammt, weil &longs;ich der Leim zwi&longs;chen die Fa&longs;ern oder Falten legt, und die hervorragenden Theile weiß läßt. Die&longs;er von den Stralenfa&longs;ern gebildete Ring legt &longs;ich um den Rand der Kry&longs;tallin&longs;e, und fa&longs;&longs;et den&longs;elben von beyden Seiten ein. In die&longs;em Stralenkörper entdeckte Fontana einen neuen Kanal, den der jüngere Murray genauer unter&longs;ucht hat. Er i&longs;t drey&longs;eitig, und füllt denjenigen Raum aus, welcher zwi&longs;chen dem Stralenringe und dem Rande der harten Augenhaut, wo die Hornhaut aufliegt, befindlich i&longs;t. Es i&longs;t unterde&longs;&longs;en die&longs;er Stralenkanal (Canalis ciliaris) im Kälberauge deutlicher, als in dem men&longs;chlichen. Ueber die Natur der Stralenfa&longs;ern &longs;ind die Meynungen der Zergliederer auf eine be&longs;ondere Wei&longs;e getheilt. Man hält fie bald für vaskulös, bald für muskulös, bald für nervicht. Zinn ver&longs;ichert, &longs;elb&longs;t mit dem &longs;tärk&longs;ten Vergrößerungsgla&longs;e keine muskulö&longs;en Fa&longs;ern, &longs;ondern nur Gefäße darinn gefunden zu haben, welche unmittelbar aus den Gefäßen der braunen Haut ent&longs;prängen. Er ver&longs;ichert auch, &longs;ie ausge&longs;pritzt zu haben, und erklärt &longs;ie daher für eine Fort&longs;etzung der braunen Haut. Lieutaud hält &longs;ie für Fort&longs;ätze aus dem Stralenbande, welches nach ihm nervicht i&longs;t. Sehr viele haben &longs;ie muskulös angenommen, wohin Boerhave und einige Schüler von Albinus zu rechnen &longs;ind. Zwi&longs;chen den Stralenfa&longs;ern und der Hornhaut liegt die Regenbogenhaut, der Augen&longs;tern (Iris), deren hintere, mit &longs;chwarzem Leime bekleidete, Fläche oft auch die Traubenhaut (uvea) genennt wird. In ihrer Mitte, jedoch etwas mehr gegen die Na&longs;e zu, befindet &longs;ich ein kreisrundes Loch, die Oefnung des Augen&longs;terns, die Sehe (pupilla, pupille, prunelle), wodurch das Licht ins Auge fällt. Nach Lieutaud i&longs;t die Iris eine|Fort&longs;etzung der innern Lamelle der braunen Haut, nach Zinn eine be&longs;ondere Haut, die am Stralenbande mit der harten zu&longs;ammenkömmt. Ihre vordere Seite zeigt bunte ge&longs;chlängelte Streifen, die vom Umkrei&longs;e gegen den Rand der Oefnung laufen. Die hintere Seite zeigt, vom &longs;chwarzen Leime gereiniget, gerade Streifen, die gegen die Oefnung zu dünner werden, auch länger &longs;ind, als die Streifen der Vorder&longs;eite, daher die Oefnung des Sterns hinten enger, als an der Vorder&longs;eite, i&longs;t. Gegen die Oefnung werden die Streifen dünner, und bilden ein zartes Häutchen, das die Oefnung umringt. Einige, z. B. Ruy&longs;ch und Hei&longs;ter, haben auch ringförmige Fibern um den Rand der Pupille finden, und die&longs;e &longs;owohl als die geraden Streifen für muskulös erklären wollen. Sie haben hieraus die Verengerung und Erweiterung der Pupille bey &longs;tärkerm und &longs;chwächerm Lichte hergeleitet, und jene den geraden, die&longs;e den ringförmigen Fibern zuge&longs;chrieben. Zinn erklärt das, was man für ringförmige Fibern ange&longs;ehen habe, für kleine Arterien; doch i&longs;t er nicht abgeneigt, eine muskulö&longs;e Structur der Iris anzuerkennen; Haller hingegen &longs;pricht der Iris die Reizbarkeit gänzlich ab, und erklärt die Verengerung und Erweiterung der Pupille blos durch den &longs;chwächern oder &longs;tärkern Zufluß der Säfte in die feinen Gefäße (va&longs;a decolora) die&longs;er Haut.

Die Netzhaut, Markhaut (retina, Rétine) i&longs;t eine Verbreitung des ins Auge eingetretenen Markes des Sehnerven. Die&longs;er tritt ein wenig unter dem der Pupille gegenüber&longs;tehenden Punkte, nicht in der Mitte, &longs;ondern ziemlich weit einwärts gegen die Na&longs;e zu, ein, wird merklich dünner, und geht durch die Siebplatte (lamina cribro&longs;a), welche in der Höhlung der harten Haut liegt, und die durch ihre Löcher, deren man auf dreyßig zählt, das Mark des Nerven durchläßt. Mitten durch den Nerven und die&longs;es Häutchen läuft die Centralarterie und eine Blutader. Gleich nach dem Durchgange durch die&longs;es Häutchen endigt &longs;ich der Nerve nach Winslow und den mei&longs;ten Zergliederern in eine weiße kegelförmige Warze, von der aber Zinn &longs;agt, er habe &longs;ie nie deutlich wahrnehmen können. Von hier aus bilden die durch die Siebplatte gegangenen Bü&longs;chel durch ihre Vereinigung eine Haut, welche &longs;ich an die braune Haut anlegt, und die ganze innere Fläche der&longs;elben bis an den Ur&longs;prung der Stralenfa&longs;ern umkleidet. Die an der braunen Haut anliegende Seite der&longs;elben i&longs;t markartig, weich und zart, die innere Seite membranö&longs;er und fe&longs;ter. Das Mark des Sehnerven i&longs;t, wie das Hirnmark, wovon es eine Fort&longs;etzung i&longs;t, grau, und, wo es &longs;ich in die Netzhaut verbreitet, &longs;ehr zart und durch&longs;ichtig; im Alter wird es undurch&longs;ichtiger, und da die Netzhaut an dem &longs;chwarzen Leime der braunen Haut anliegt, &longs;o kömmt es daher, daß der Grund des Auges bey Kindern &longs;chwarz, um das dreyßig&longs;te Jahr grau, und im Alter fa&longs;t weiß aus&longs;iehet.

Die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit (humor aqueus, humeur aqueu&longs;e) erfüllt den vordern Theil des Auges II, der &longs;ich von der Hornhaut bis an die Vorder&longs;eite der Kry&longs;tallin&longs;e er&longs;treckt, und von den mei&longs;ten in die vordere Kammer zwi&longs;chen der Hornhaut und Iris, und die hintere Kammer zwi&longs;chen der Iris und Kry&longs;tallin&longs;e eingetheilt wird, obgleich einige mit Winslow und Lieutaud die hintere Kammer verwerfen und die Iris an der Kry&longs;tallin&longs;e unmittelbar anliegend annehmen. Die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit treibt die Hornhaut auf, macht, daß &longs;ie &longs;ich mehr ründet, drückt auch nach einigen die Kry&longs;tallin&longs;e ein wenig von der Iris ab, wodurch eben die hintere Kammer, welche wenig&longs;tens &longs;tets &longs;ehr klein i&longs;t, gebildet werden &longs;oll. Sie i&longs;t ein dünner, durch&longs;ichtiger, etwas &longs;alziger Liquor, der durch die Zwi&longs;chenräume der Hornhaut verdün&longs;tet, und durch den Zufluß aus den Gefäßen immer wieder er&longs;etzt wird.

Die glä&longs;erne Feuchtigkeit (humor vitreus, humeur vitree) nimmt den hintern Raum des Auges VV ein, der &longs;ich von der Kry&longs;tallin&longs;e und den Stralenfa&longs;ern bis an den Eintritt des Sehnerven er&longs;treckt. Sie i&longs;t eine durch&longs;ichtige gallertartige Ma&longs;&longs;e, von einer &longs;ehr feinen cellulö&longs;en Structur, in deren Zwi&longs;chenräumen &longs;ich ein durch&longs;ichtiger, der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit ähnlicher, aber gallertartiger, Liquor befindet. Sie i&longs;t mit einem zarten Häutchen (tunica vitrea, hyaloides) umgeben, aus welchem auch die Lamellen ihres innern zelligen Baues ent&longs;pringen. Eben da, wo die Stralenfa&longs;ern anfangen, geht aus die&longs;em Häutchen zwi&longs;chen dem Stralenkörper und der glä&longs;ernen Feuchtigkeit ein anderes feines Häutchen (membrana coronae ciliaris Zinn.) hervor, und bis an die Kry&longs;tallin&longs;e fort, in deren Kap&longs;el es &longs;ich einfügt. Es i&longs;t mit &longs;tarken Fibern durch&longs;chnitten, welche kürzer, als das Häutchen &longs;elb&longs;t &longs;ind. Durch den dreyeckichten Raum, den die&longs;es Häutchen, die fortgehen de glä&longs;erne Feuchtigkeit, und ein Theil der Vorderfläche der Kry&longs;tallin&longs;e zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en, wird der Petiti&longs;che Canal (Canal godronné) gebildet, den die gedachten Fibern &longs;tellenweis zu&longs;ammenziehen, daher er, durch eine Oefnung aufgebla&longs;en, nur an den Stellen an&longs;chwillt, wo die Fibern nicht &longs;ind.

Die Kry&longs;tallin&longs;e CC (lens cry&longs;tallina, Cry&longs;tallin) wird zwar unter die Feuchtigkeiten des Auges gezählt, i&longs;t aber vielmehr ein fe&longs;ter durch&longs;ichtiger Körper, wie ein auf beyden Seiten erhabnes Glas ge&longs;taltet, und liegt am vordern Theile der glä&longs;ernen Feuchtigkeit, welche da&longs;elb&longs;t &longs;o ausgehöhlt i&longs;t, daß die erhabne hintere Fläche der Kry&longs;tallin&longs;e bis an den Rand in die&longs;er Höhlung liegen kan. Der Kry&longs;tallin&longs;e hintere Seite i&longs;t mehr erhaben, als die vordere; beyde Seiten aber werden mit zunehmendem Alter immer flächer. Sie be&longs;teht aus mehreren mit Gefäßen ver&longs;ehenen &longs;phäri&longs;chen Lamellen von denen die äußern weicher, die innern, welche den Kern ausmachen, dichter &longs;ind; die&longs;e Lamellen verbindet eine feine zellige Sub&longs;tanz, in deren Zellen &longs;ich Wa&longs;&longs;er befindet. Bey neugebohrnen Kindern i&longs;t die Kry&longs;tallin&longs;e röthlich, wird aber bald farbenlos, und nach dem dreyßig&longs;ten Jahre von Zeit zu Zeit gelblicher. Das Gelbwerden fängt im Kerne an, und verbreitet &longs;ich nach und nach in die äußern Lamellen. Auch wird die Lin&longs;e im Alter härter und flächer, weil die Gefäße nicht mehr &longs;o viel Feuchtigkeit zuführen. Sie i&longs;t in eine durch&longs;ichtige Kap&longs;el einge&longs;chlo&longs;&longs;en, welche am vordern Theile &longs;tark, fe&longs;t und ela&longs;ti&longs;ch, am hintern Theile &longs;chwächer und weicher i&longs;t, und mit Zellgewebe an dem Häutchen der glä&longs;ernen Feuchtigkeit anhängt. Zwi&longs;chen der Kap&longs;el und der Lin&longs;e befindet &longs;ich eine Feuchtigkeit. Wenn die&longs;e vertrocknet, &longs;o wird die Lin&longs;e verdunkelt, und wäch&longs;t mit der Kap&longs;el zu&longs;ammen. Aus den Stralenfa&longs;ern &longs;owohl, als aus der Centralarterie, die &longs;ich am hintern Theile der Lin&longs;e in mehrere Ae&longs;te theilt, kommen die Gefäße, welche die Lin&longs;e unterhalten und mit den zu ihrer Durch&longs;ichtigkeit nöthigen Säften ver&longs;ehen.

Nach den von Petit an vielen Augen ange&longs;tellten Me&longs;&longs;ungen giebt Iurin (Abhdl. vom deutlichen Sehen, in Smiths Lehrbegr. der Optik durch Kä&longs;tner. S. 486.) |in Decimallinien des engli&longs;chen Zolles Den Halbme&longs;&longs;er der Krümmung der Horn- haut insgemein -3,3294Lin.— — — der vordern Krümmung des Kry&longs;talls, ein Mittel aus 26 Augen genommen -3,3081— — — der hintern, eben &longs;o' ge- funden - -2,5056Größte Dicke des Kry&longs;talls, aus eben den Augen - -1,8525Axe der Hornhaut und der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit zu&longs;ammen, insgemein1,036

Ein &longs;o bewundernswürdig gebautes Werkzeug hat uns der Urheber der Natur zum Behuf eines Sinnes gegeben, durch welchen wir die mei&longs;ten Begriffe erhalten und die &longs;chätzbar&longs;ten Erfahrungen über die Dinge außer uns an&longs;tellen. Auf die&longs;es Werkzeug wirken die äußern Körper vermittel&longs;t des Lichts nach den Ge&longs;etzen der Brechung. Die&longs;e Wirkung &longs;elb&longs;t i&longs;t noch ein Gegen&longs;tand die&longs;es Artikels; was aber un&longs;ere Empfindungen bey der&longs;elben und un&longs;ere Urtheile über die&longs;e Empfindungen betrift, &longs;oll dem Artikel: Sehen, vorbehalten bleiben.

Da das Licht von jedem Punkte eines &longs;ichtbaren Körpers nach allen Richtungen in geraden Linien ausgehet, &longs;. Licht, Licht&longs;tralen, &longs;o wird man &longs;ich Taf. III. Fig. 29. die vordere Fläche der Hornhaut KK, als die Grundfläche der Stralenkegel AKK, BKK, CKK, vor&longs;tellen können, deren Spitzen in den Punkten A, B, C des &longs;ichtbaren Körpers liegen. Die&longs;e Stralenkegel dringen durch die Hornhaut und wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit; ein Theil ihrer Stralen wird zwar von der vorliegenden Iris aufgefangen; das auf die Pupille fallende Licht aber trift die Kry&longs;tallin&longs;e HH, dringt durch die&longs;elbe und durch die glä&longs;erne Feuchtigkeit bis an die Netzhaut in a b c durch, und leidet bey &longs;einem Durchgange durch vier ver&longs;chiedene Mittel, nemlich die Hornhaut und die drey &longs;ogenannten Feuchtigkeiten, vier Brechungen, &longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.

Die&longs;e Brechungen genau zu berechnen, i&longs;t im Allgemeinen unmöglich, da die Größe der Brechung in jeder Feuchtigkeit nicht genau genug be&longs;timmt, auch nicht jedes Auge dem andern hierinn vollkommen ähnlich i&longs;t. Es läßt &longs;ich aber über&longs;ehen, daß die Brechung in der Hornhaut wegen der Ge&longs;talt und Dünne der&longs;elben unbedeutend i&longs;t; daß ferner die divergirenden Stralen der Kegel AKK, BKK, CKK, in der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit und noch mehr in der weit &longs;tärker brechenden und wie ein erhabnes Lin&longs;englas wirkenden Kry&longs;tallin&longs;e &longs;ehr convergirend werden mü&longs;&longs;en, &longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Man wird al&longs;o erwarten, die Stralen eines jeden Kegels in einiger Entfernung von der Lin&longs;e wieder in einen Punkt vereiniget zu finden. Die&longs;e Vereinigungspunkte &longs;ind in der Figur mit a, b, c bezeichnet.

Es geht auf die&longs;e Art im Auge eben das vor, was im verfin&longs;terten Zimmer ge&longs;chieht, de&longs;&longs;en Oefnung mit einem erhabnen Gla&longs;e ver&longs;ehen i&longs;t, &longs;. Zimmer, verfin&longs;tertes. Die aus einem Punkte des &longs;ichtbaren Gegen&longs;tandes kommenden Stralen vereinigen &longs;ich hinter der Kry&longs;tallin&longs;e wieder, und bilden, wenn die&longs;er Vereinigungspunkt genau auf die |Netzhaut trift, auf der&longs;elben den Punkt deutlich ab; aus den Bildern mehrerer Punkte |a, b, c ent&longs;teht, wie die Figur deutlich zeigt, ein umgekehrtes Bild des Gegen&longs;tandes ABC, wie im verfin&longs;terten Zimmer umgekehrte Bilder der Gegen&longs;tände auf der dem Gla&longs;e gegenüberliegenden Wand ent&longs;tehen. Auch i&longs;t der innere mit der glä&longs;ernen Feuchtigkeit erfüllte Raum des Auges einem &longs;olchen Zimmer völlig ähnlich, und wird durch den &longs;chwarzen die braune Haut von innen bekleidenden und durch die durch&longs;ichtige Netzhaut durch&longs;cheinenden Leim verdunkelt.

Die&longs;e Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer, welche Porta (De refractione, optices parte libri IX. Neapol. 1583. 4.) zuer&longs;t entdeckt hat, leitete die Naturfor&longs;cher auf be&longs;&longs;ere Wege zur Erklärung des Sehens, und bewies, daß dabey etwas von außen her ins Auge komme, da unter den Alten viele geglaubt hatten, die Stralen giengen vom Auge aus, wie etwa der Stock, durch den man etwas befühlt, von der Hand ausgeht. Porta &longs;elb&longs;t war inzwi&longs;chen von der richtigen Erklärung noch weit entfernt. Er nahm die Oefnung des Sterns für das Loch im Laden des Zimmers und die Kry&longs;tallin&longs;e für die Wand an, auf welcher &longs;ich das Bild abmahle; er behauptete auch die&longs;er Theorie gemäß, daß von jedem Punkte der Sache nur ein einziger Stral ins Auge komme.

Kepler, der &longs;o viel neue Wahrheiten gelehrt hat, lehrte auch zuer&longs;t (Paralipomena ad Vitellionem, Frf. 1604. 4. cap. 5.) die Art und Wei&longs;e der Ent&longs;tehung des Bildes richtig. Er zeigte, daß es auf die Netzhaut falle, und da&longs;elb&longs;t deutlich &longs;eyn mü&longs;&longs;e, wenn man deutlich &longs;ehen &longs;olle. Er war der er&longs;te, der aus jedem Punkte des Gegen&longs;tandes mehrere einen Kegel bildende Stralen ins Auge kommen, und durch den Punkt ihrer Wiedervereinigung den Ort be&longs;timmen ließ, in welchem &longs;ich das deutliche Bild des &longs;tralenden Punkts entwirft. Scheiner in Rom &longs;etzte endlich im Jahre 1625 die&longs;e Kepleri&longs;che Erklärung ganz außer Zweifel. Er &longs;chnitt von einem Och&longs;en- oder Schaafauge die hintern Häute bis auf die Netzhaut weg, und erblickte nun die Bilder &longs;olcher Gegen&longs;tände, die &longs;ich in der gehörigen Entfernung befanden, auf der bloßen Netzhaut deutlich abgemahlt. Eben dies nahm er auch an einem men&longs;chlichen Auge wahr.

Inzwi&longs;chen muß man &longs;ich hüten, die Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer allzuweit zu treiben, &longs;ich etwa die Seele als den Zu&longs;chauer vorzu&longs;tellen, der das Bild betrachtet, und zu glauben, das, was &longs;te empfindet, &longs;ey das auf der Netzhaut entworfene Bild &longs;elb&longs;t. Die&longs;es Bild zu &longs;ehen, mü&longs;te &longs;ie noch ein zweytes Auge haben, womit &longs;ie das Bild im er&longs;ten anblicken könnte. Deutliches Bild und deutliches Sehen &longs;ind zwar unzertrennlich mit einander verknüp&longs;t; allein nur als zwo Wirkungen einer und ebender&longs;elben Ur&longs;ache. Die genaue Wiedervereinigung der Stralen, welche aus einerley Punkte des &longs;ichtbaren Körpers ausgiengen, i&longs;t die Ur&longs;ache der Deutlichkeit des Bildes und der Deutlichkeit des Sehens zugleich, &longs;. Sehen.

Die Deutlichkeit des Bildes auf der Netzhaut wird ge&longs;tört, wenn die Vereinigungspunkte nicht genau auf die&longs;elbe treffen, &longs;ondern entweder vor ihr, oder hinter ihr liegen. Bey&longs;piele beyder Fälle geben Fig. 30. und 31. Taf. III. In Fig. 30. haben &longs;ich die Stralen des Kegels BKK &longs;chon vor der Netzhaut bey b vereiniget, und durchkreuzt; in Fig. 31. erreichen &longs;ie einander bey b er&longs;t hinter der Retzhaut. In beyden Fällen bilden &longs;ie &longs;tatt des Punkts B einen Kreis ab, der die Linie ac zum Durchme&longs;&longs;er hat. Man &longs;ieht aber leicht, daß ein Bild undeutlich werden muß, wenn &longs;ich jeder Punkt de&longs;&longs;elben in einen Kreis ausbreitet. Mit die&longs;em undeutlichen Bilde nun ent&longs;teht auch zugleich undeutliches Sehen.

Entfernte Gegen&longs;tände &longs;enden von jedem ihrer Punkte einen Stralenkegel ins Auge, de&longs;&longs;en Stralen nahe am Auge keine merkliche Divergenz zeigen, eben darum, weil &longs;ie, rückwärts betrachtet, er&longs;t in einem entfernten Punkte zu&longs;ammenlaufen. Ein &longs;olcher Kegel lä&longs;t &longs;ich al&longs;o als ein Stralencylinder an&longs;ehen, de&longs;&longs;en Stralen parallel laufen. So i&longs;t BKK, Fig. 30. vorge&longs;tellt. Rückte der ge&longs;ehene Punkt näher, etwa bis C heran, &longs;o würde der Vereinigungspunkt &longs;einer nun divergirenden Stralen weiter hinter b hinausrücken (&longs;. Lin&longs;englä&longs;er), u. auf die Netzhaut fallen, und das Bild würde deutlich &longs;eyn. Ein Auge, wie Fig. 30. &longs;ieht al&longs;o nur in der Nähei, nicht in der Ferne deutlich. Die &longs;olche Augen haben, heißen Kurz&longs;ichtige, Myopen (myopes). Die letztere Benennung kömmt von dem Zu&longs;ammen&longs;chließen oder Blinzen der Augenlieder, womit &longs;ie die Augen vor dem einfallenden vielen Lichte zu &longs;chützen &longs;uchen, u. welches man an den Augen der Mäu&longs;e ebenfalls bemerkt. Der Punkt C, in welchem &longs;ie die Gegen&longs;tände deutlich &longs;ehen (punctum vi&longs;ionis di&longs;tinctae), liegt allzunahe vor ihren Augen. Gemeiniglich i&longs;t ihre Hornhaut erhabner und ihre Pupille weiter eröfnet. Eine allzu convexe oder zu dichte Kry&longs;tallin&longs;e, welche parallele Stralen zu &longs;tark bricht, und al&longs;o zu &longs;chnell vereiniget, oder ein allzugroßer Ab&longs;tand der Lin&longs;e von der Netzhaut &longs;ind die unmittelbaren Ur&longs;achen der Kurz&longs;ichtigkeit. Hohlglä&longs;er zer&longs;treuen die parallelen Stralen, und machen, daß &longs;ie &longs;o divergiren, als ob &longs;ie aus dem Zer&longs;treuungsraume die&longs;er Glä&longs;er herkämen, &longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Hält daher ein Kurz&longs;ichtiger &longs;einem Auge ein Hohlglas &longs;o vor, daß de&longs;&longs;en Zer&longs;treuungsraum in die Gegend von C (dem Punkte des deutlichen Sehens für &longs;ein Auge) fällt, &longs;o empfängt er die Stralenkegel &longs;o, als ob &longs;ie aus der Gegend von C kämen, und &longs;ieht auch entfernte Dinge deutlich.

Naher Gegen&longs;tände Punkte hingegen &longs;enden Stralen aus, die noch beym Eintritte ins Auge merklich divergiren, wie BKK, Fig. 31., deren Vereinigungspunkte al&longs;o weiter hinter die Lin&longs;e fallen, als die der parallelen Stralen, &longs;. Lin&longs;englä&longs;er. Rückte B in eine größere Entfernung hinaus, &longs;o würde der Vereinigungspunkt b näher rücken, und endlich die Netzhaut &longs;elb&longs;t treffen, al&longs;o ein deutliches. Bild geben. Ein Auge, wie Fig. 31., &longs;ieht al&longs;o nur in der Ferne, nicht in der Nähe, deutlich. Diejenigen, deren Augen &longs;o gebildet &longs;ind, heißen Weit&longs;ichtige, Presbyten (bresbytae), weil man die&longs;en Fehler gewöhnlich an den Augen alter Per&longs;onen findet. Man zählt &longs;chon diejenigen zu den Presbyten, die eine Sache, um &longs;ie deutlich zu &longs;ehen, einen Schuh weit vom Auge entfernen mü&longs;&longs;en. Manche mü&longs;&longs;en &longs;ie 2—3 Schuh weit abhalten. Die Presbyten haben insgemein eine flache Hornhaut, eine flache Kry&longs;tallin&longs;e und ein kurzes Auge, in welchem die Netzhaut der Lin&longs;e zu nahe &longs;teht. Bey alten Leuten i&longs;t auch die Pupille enger, und die Lin&longs;e platter und trockner. Erhabne Glä&longs;er machen, daß die Stralen aus nahen Punkten nach dem Durchgange &longs;o gehen, als ob &longs;ie aus entferntern Punkten herkämen, &longs;. Lin&longs;englä&longs;er, Brillen. Daher bedienen &longs;ich Weit&longs;ichtige und Alte der Brillen, um auch nahe Dinge deutlich zu &longs;ehen.

Die&longs;e Fehler der Augen, und die &longs;chon läng&longs;t bekannten Mittel, ihnen durch Glä&longs;er abzuhelfen, hat vor Keplern (Paralip. in Vitell. p. 200.) niemand richtig erklären können. Da man aus jedem Punkte nur Einen Stral ins Auge kommen ließ, &longs;o konnte man auf die richtige Idee von Vereinigungspunkten nicht kommen. Kepler ver&longs;ichert, daß er die&longs;er Sache drey Jahre lang nachgedacht habe.

Für jedes Auge muß es eine gewi&longs;&longs;e Weite geben, in welcher es in &longs;einem natürlichen Zu&longs;tande und ohne alle An&longs;trengung deutlich &longs;iehet. Die&longs;e Weite (di&longs;tantia vi&longs;ionis di&longs;tinctae) i&longs;t fa&longs;t für jedes Auge eine andere; die Optiker pflegen &longs;ie zwar für ein gutgebautes Auge im Durch&longs;chnitte auf 8 Zoll zu &longs;etzen, Iurin aber nimmt 15 bis 16 engl. Zoll an, und &longs;ie kan, zumal für weit&longs;ichtige Augen, vielleicht noch größer &longs;eyn. Das Auge be&longs;itzt ein Vermögen, &longs;eine Einrichtung zu ändern, und dadurch auch noch auf größere und kleinere Weiten vollkommen deutlich zu &longs;ehen. Weil es aber auch noch einige Undeutlichkeit vertragen kan, &longs;o la&longs;&longs;en &longs;ich die&longs;e Weiten noch mehr aus einander rücken, daß &longs;ich al&longs;o die Grenzen, in welchen ein gutgebautes und &longs;eine Einrichtung &longs;tark zu ändern fähiges Auge mit ziemlicher Deutlichkeit &longs;ehen kan, ungemein weit er&longs;trecken.

Worinn aber die&longs;es Vermögen des men&longs;chlichen Auges, &longs;eine Einrichtung für nähere und entferntere Gegen&longs;tände zu ändern, eigentlich be&longs;tehe, darüber &longs;ind die Meinungen &longs;ehr getheilt. Kepler (Dioptr. prop. 64.) glaubte, wenn man nahe Gegen&longs;tände betrachte, &longs;o mache der Stralenkörper (corpus ciliare) durch &longs;eine Zu&longs;ammenziehung das Auge länger, indem er die glä&longs;erne Feuchtigkeit drücke, welche daher die Kry&longs;tallin&longs;e vorwärts treibe, und weiter von der Netzhaut entferne. Die&longs;e Meinung hat Porterfield (Treati&longs;e on the eye. Edinb. 1759. II. Vol. 8.) mehr ausge&longs;chmückt, und behauptet, im natürlichen Zu&longs;tande &longs;ey der Stralenkörper &longs;chlaff und das Auge kürzer, daher man entfernte Gegen&longs;tände ohne An&longs;trengung betrachten könne; nahe Gegen&longs;tände deutlich zu &longs;ehen, mü&longs;&longs;e der Stralenkörper zu Verlängerung des Auges wirken, daher es durch die&longs;e An&longs;trengung ermüde. Scheiner und Descartes (Dioptr. c. 3.) nahmen an, durch die Zu&longs;ammenziehung des Stralenkörpers werde vielmehr die Ge&longs;talt der Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t convexer; und überhaupt, &longs;agt der letztere, wird die Figur des Auges, ja &longs;ogar eines Theils vom Gehirn verändert, wodurch die Seele die Entfernungen zu &longs;chätzen weiß. Die&longs;er Meinung, in &longs;o fern &longs;ie die Kry&longs;tallin&longs;e betrift, i&longs;t Iurins Hypothe&longs;e (vom deutl. Sehen im Smith nach Kä&longs;tner S. 497.) gerade entgegenge&longs;etzt. Er meint, für entlegnere Sachen zögen &longs;ich die Stralenfa&longs;ern zu&longs;ammen, und brächten die vordere Seite der Kap&longs;el der Kry&longs;tallin&longs;e etwas vorwärts und auswärts, dadurch fließe das Wa&longs;&longs;er in der Kap&longs;el von der Mitte nach dem erhabnen Theile hin, die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit aber von dem erhabnen Theile der Kap&longs;el nach der Mitte, und die Vorderfläche der Lin&longs;e werde weniger convex. Für nähere Gegen&longs;tände wirke ein Muskelring an der Iris, der die Hornhaut erhabner mache. Pemberton glaubt, die Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t &longs;ey mit muskulö&longs;en Fibern ver&longs;ehen, welche ihren Flächen die für die Entfernung der Gegen&longs;tände gehörige Krümmung gäben. Mu&longs;&longs;chenbroeck (Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. §. 1884.), oder vielmehr Albinus, von dem die anatomi&longs;chen Stellen die&longs;es Buchs herrühren, &longs;ucht die Ur&longs;ache in der corona ciliari, welche bey nahen Gegen&longs;tänden er&longs;chlaffe, daher die von den Häuten gepreßte glä&longs;erne Feutigkeit die Kry&longs;tallin&longs;e vordrücke und von der Netzhaut entferne, wodurch auch die Lin&longs;e &longs;elb&longs;t flächer werde. Camper nimmt eine durch den Petiti&longs;chen Canal bewirkte Veränderung der Ge&longs;talt der Lin&longs;e an, und Sauvages glaubt, die&longs;er Canal werde, wenn wir etwas &longs;charf betrachten, von elektri&longs;cher Materie aufgetrieben. Molinet behauptete, die vier geraden Augenmuskeln zögen bey entfernten Gegen&longs;tänden die harte Haut zu&longs;ammen und verkürzten das Auge; Bohn und Boerhave, &longs;ie zögen die harte Haut von der Hornhaut ab, und verlängerten das Auge für nahe Gegen&longs;tände; andere haben theils die eine, theils die andere Wirkung den &longs;chiefen Augenmuskeln zuge&longs;chrieben. De la Hire (Sur les differens accidens de la vue. Mém. de l' acad. de Paris. 1749.) behauptete, es &longs;ey zum Deutlich&longs;ehen in ver&longs;chiedenen Entfernungen blos eine ver&longs;chiedne Eröfnung der Pupille nöthig, die &longs;ich bey Betrachtung naher Gegen&longs;tände merklich verengert. Die&longs;e Meinung, die &longs;chon läng&longs;t verworfen war, haben le Roi (Mém, de Paris 1755.) und v. Haller (Elem. Phy&longs;iolog. ed. Lau&longs;ann. 1763. gr. 4. To. V. p. 516.) wieder erneuert. Die Stralenfa&longs;ern, &longs;agen &longs;ie, &longs;ind zu &longs;chwach, hängen auch nicht an die Lin&longs;e an, und &longs;ind nicht muskulös, und bey dem großen Umfange der Grenzen des deutlichen Sehens mancher Augen mü&longs;&longs;en die Wirkungen weit beträchtlicher &longs;eyn, als Bewegung und Veränderung der Ge&longs;talt der Lin&longs;e &longs;ie je hervorbringen könnten. Haller behauptet, es &longs;ey im Auge gar keine innere Bewegung zu finden, als die Erweiterung und Verengerung der Pupille, Iurins Muskelring &longs;ey ein Unding, die Kraft der äußern Augenmuskeln &longs;ey zu grob für &longs;o feine Veränderungen, auch gebe die harte Haut &longs;olchen Veränderungen nicht nach und die Verengerung der Pupille &longs;ey völlig hinreichend, weil auch im verfin&longs;terten Zimmer die Bilder naher Dinge deutlicher würden, wenn man die Oefnung verengere. Die&longs;er große Phyfiolog hat aber nicht daran gedacht, daß bey der Betrachtung entfernter Gegen&longs;tände der Stern &longs;ich nicht verengert, &longs;ondern erweitert, da doch die Erfahrung lehrt, daß auch entfernter Dinge Undeutlichkeit durch eine gewi&longs;&longs;e uns fühlbare Einrichtung des Auges gehoben wird, wozu al&longs;o auch andere Hülfsmittel vorhanden &longs;eyn mü&longs;&longs;en. Zinn (Progr. de ligamentis ciliaribus. Gotting. 4.) pflichtet Keplers Meinung bey, daß der Stralenkörper die Lage der Kry&longs;tallin&longs;e ändere; nur ge&longs;chehe die&longs;es nicht durch muskulö&longs;e Fibern, &longs;ondern durch den Zufluß mehrerer Säfte in die Gefäße des Stralenkörpers, wodurch der&longs;elbe auf&longs;chwelle, die glä&longs;erne Feuchtigkeit pre&longs;&longs;e und die Kry&longs;tallin&longs;e vordrücke.

Eben &longs;o &longs;ehr &longs;ind die Meinungen über die Ur&longs;ache der allgemein bekannten Verengerung der Pupille bey &longs;tarkem Lichte, und ihrer Erweiterung im Dunkeln, getheilt. Die&longs;e unwillkührliche Bewegung kan leicht vor dem Spiegel wahrgenommen werden, wenn man das Auge bey &longs;tarker Erleuchtung abwech&longs;elnd mit der Hand deckt und frey lä&longs;t. Auch i&longs;t &longs;ie &longs;chon von Galen und den Arabern erwähnt worden. Scheiner (Oculus p. 31.) bemerkt auch, daß &longs;ich der Stern bey Betrachtung einer nahen Sache, z. B. einer Nadel, verengere, und, wenn &longs;ie entfernt wird, wieder öffne. Auch erweitert &longs;ich der Stern bey der Blindheit, bey Wahnwitzigen, beym Schlagfluß, Ein&longs;chläfern durch Opium, Fieberphanta&longs;ien, überhaupr bey vielen Krankheiten, die das Gehirn betreffen, und im Tode &longs;elb&longs;t. Man hat zu Erklärung die&longs;er Bewegungen der Iris Muskelfibern angenommen, von welchen die geraden zu Erweiterung, die ringförmigen zu Verengerung der Oeffnung dienen &longs;ollten. Dies haben viele große Zergliederer wie Rau, Ruy&longs;ch, Hei&longs;ter, Winslow, angenommen, denen auch Porterfield bey&longs;timmt. Mery, Mdrgagni, Zinn und Haller aber haben wenig&longs;tens die ringförmigen nicht finden können. Der letztere fand durch Ver&longs;uche die Iris nicht reizbar, und da er Reizbarkeit für ein we&longs;entliches Kennzeichen der Muskelfa&longs;er hält, &longs;o &longs;pricht er die&longs;er Haut alle Muskelfibern überhaupt ab. Auch Demours hat in der Iris keine Reizbarkeit gefunden. Fontana ließ Licht&longs;tralen durch einen papiernen Kegel auf die Iris eines Thiers fallen, welche dadurch nicht im gering&longs;ten bewegt wurde. Lambert (Photometrie S. 371.) ließ vor einem Spiegel durch ein Lin&longs;englas das Bild der Lichtflamme blos auf die Iris eines &longs;einer Augen fallen; aber beyder Augen Oefnungen blieben gleich groß; &longs;obald hingegen noch &longs;o wenig von dem Lichtbilde auf die Pupille &longs;elb&longs;t fiel, ward die letztere kleiner, und dreymal &longs;o klein, als die im andern Auge, wenn das ganze Bild der Flamme darauf fiel. Dies bewei&longs;t nun wohl, daß das Zu&longs;ammenziehen von demjenigen Lichte ent&longs;tehe, was auf die Netzhaut fällt. Hartley (Ob&longs;ervations on Man, Vol. I. p. 219.) vermuthet deswegen, daß Nervenä&longs;te aus der Netzhaut in die Iris laufen; die Phy&longs;iologen der Stahli&longs;chen Schule la&longs;&longs;en die Seele &longs;elb&longs;t den Stern erweitern, wenn &longs;ie findet, daß ihr der Ueberfluß des Lichts nicht &longs;chaden könne. Nach Hallern (Phy&longs;iolog. To. V. p. 378.) erregt der Reiz des Lichts auf der Netzhaut einen plötzlichen Zu&longs;ammenfluß der Säfte in die Gefäße und Zä&longs;erchen der Iris, wodurch &longs;ich die&longs;e verlängern, und die Oefnung enger machen. Die Erweiterung der Oefnung i&longs;t die Rückkehr in den natürlichen Zu&longs;tand. Den Reiz des &longs;tarken Lichts fühlt man mit Schmerz, wenn man in die Sonne &longs;ieht, und ein allzu&longs;tarker Reiz kan das ganze Werkzeug des Sehens zer&longs;tören. Er führt noch an, daß er an einer er&longs;äuften Katze 23 Stunden nach dem Tode an der gelinden Wärme des Ofens die &longs;ehr erweiterte Oefnung des Augen&longs;terns &longs;ich fe&longs;t wieder habe &longs;chließen ge&longs;ehen, wo al&longs;o der bloße Reiz der Wärme die Kräfte, welche die Iris erweitern, in Bewegung ge&longs;etzt habe. Fontana hält vielmehr den zu&longs;ammengezognen Zu&longs;tand des Augen&longs;terns für den natürlichen, und leitet die Erweiterung von einer Verminderung der Säfte in der Iris her.

Unmittelbare Ur&longs;achen der Blindheit &longs;ind unter andern Verdunkelung oder Undurch&longs;ichtigwerden der Kry&longs;tallin&longs;e, der graue Stahr (cataracta, cataracte), und Lähmung oder Unempfindlichkeit des Sehnerven und der Netzhaut, der &longs;chwarze Stahr (amauro&longs;is, goutte &longs;ereine). Dem grauen Stahre wird durch Hinwegdrückung oder Herausziehung der Kri&longs;tallin&longs;e abgeholfen. Denn da die wä&longs;erichte und glä&longs;erne Feuchtigkeit ebenfalls die Stralen brechen und ihre Kegel convergent machen, &longs;o ent&longs;teht auch ohne Kri&longs;tallin&longs;e ein Bild, ob &longs;ich gleich viele Operirte der Stahrbrillen bedienen mü&longs;&longs;en, um die Brechung zu ver&longs;tärken, und den Mangel der Kry&longs;tallin&longs;e zu er&longs;etzen, da &longs;on&longs;t die Vereinigungspunkte allzuweit hinter die Netzhaut fallen würden.

Mu&longs;&longs;chenbroek Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. c. 35. 36. Zinn de&longs;criptio anatomica oculi humani. Gotting. 1755. 4. v. Haller Elem. Phy&longs;iolog. To. V. L. 19. Licutaud Zergliederungskun&longs;t, mit Portals Anm. aus dem Franz. mit Zu&longs;ätzen. Leipzig 1782. 8. II. Band. Cap. 5. Ab&longs;chn. 2. Prie&longs;tley Ge&longs;chichte der Optik, durch Klügel an mehreren Stellen.

Augenglas, &longs;. Fernrohr.

Ausdehnbarkeit, Dilatabilitas, Dilatabilité.

Die Fähigkeit der Körper, &longs;ich in einen größern Raum ausdehnen oder verbreiten zu la&longs;&longs;en, &longs;. Ausdehnung (Dilatatio). Der Körper, der die&longs;e Fähigkeit be&longs;itzt, heißt ausdehnbar. Fa&longs;t alle bekannte Körper &longs;ind ausdehnbar.

Das Wort i&longs;t von Dehnbarkeit (Ductilitas) zu unter&longs;cheiden, &longs;. Dehnbarkeit.

Ausdehnung, Exten&longs;io, Etendue des corps.

Das allgemeine Phänomen der Körper, vermöge de&longs;&longs;en ein jeder in einem Raume enthalten zu &longs;eyn &longs;cheint, den man nach dreyerley auf einander &longs;enkrecht &longs;tehenden Richtungen abme&longs;&longs;en, oder in welchem man Länge, Breite und Höhe unter&longs;cheiden kan. Die &longs;innlichen Eindrücke, welche die Körper auf uns machen, belehren uns davon, daß ihre Theile neben einander liegen, und daß die Stellen, welche wir uns im Innern eines Körpers gedenken können, von den Theilen des Körpers &longs;elb&longs;t nach allen möglichen Richtungen umgeben werden, weil uns des Körpers äu&longs;&longs;ere Theile die&longs;e innern Stellen verdecken, von welcher Seite wir auch den Körper betrachten mögen. Dies i&longs;t nun eben das, was wir mit dem Worte körperlicher Raum, körperliche Ausdehnung, bezeichnen, und da wir dies an allen Körpern ohne Unter&longs;chied wahrnehmen, und es al&longs;o nothwendig mit dem Begriffe von Körpern überhaupt, der aus den &longs;innlichen Eindrücken abgezogen i&longs;t, verbinden, &longs;o können wir uns keinen Körper anders, als ausgedehnt, denken, daher die mei&longs;ten Phy&longs;iker die Ausdehnung eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der Körper oder der Materie nennen.

Denkt man &longs;ich die Materie des Körpers aus die&longs;em Raume hinweggenommen, doch &longs;o, daß die Vor&longs;tellung des Raumes &longs;elb&longs;t noch zurückbleibt, &longs;o hat man das, was den Namen des geometri&longs;chen Raumes, der geometri&longs;chen Ausdehnung führt, und de&longs;&longs;en Grenzen auf die Begriffe von Flächen, Linien, Punkten leiten. Der Geometer betrachtet die&longs;en Raum als eine &longs;tetige Größe (continuum), deren Theile im ununterbrochen&longs;ten Zu&longs;ammenhange fortgehen, wo zwi&longs;chen dem Ende des einen und dem Anfange des folgenden Theils nichts i&longs;t, was nicht zum Ganzen &longs;elb&longs;t mit gehörte. Er &longs;ieht die&longs;en Raum an als vollkommen ausgefüllt durch &longs;eine Theile; daher kan er| ihn auch &longs;o lange er will, d. h. ohne Ende theilen, weil in dem Begriffe, den er &longs;ich davon macht, nichts liegt, was der Möglichkeit einer fortge&longs;etzten Theilung je entgegen&longs;tünde.

Denkt man &longs;ich aber die Materie des Körpers wieder in die&longs;en Raum gebracht, &longs;o füllt hn die&longs;e nicht &longs;o &longs;tetig, &longs;o vollkommen aus, wie ihn der Geometer ausgefüllt annahm. Sie lä&longs;t leere unausgefüllte Zwi&longs;chenräume (&longs;. Leere, zer&longs;treute), und der ab&longs;olut volle Raum des Descartes i&longs;t läng&longs;t aus der be&longs;&longs;ern Naturlehre verwie&longs;en. Die&longs;e Zwi&longs;chenräume darf der Phy&longs;iker nicht &longs;o in den phy&longs;ikali&longs;chen Körper mit einrechnen, wie der Geometer alle Theile des Raums ohne Unter&longs;chied zu dem geometri&longs;chen Körper rechnet. Dies i&longs;t nun eine Betrachtung, die der Möglichkeit einer Theilung der Materie ins Unendliche wohl Hinderni&longs;&longs;e entgegen &longs;etzen möchte, &longs;. Theilbarkeit. Es lä&longs;t &longs;ich hier wenig&longs;tens als möglich an&longs;ehen, daß es gewi&longs;&longs;e letzte Theile der Materie (&longs;. Atomen), geben könnte, welche an &longs;ich nicht weiter theilbar wären. Ob nun die&longs;e letzten Theile noch ausgedehnt &longs;eyn oder &longs;cheinen würden, darüber haben wir wenig&longs;tens keine Erfahrungen, weil wir &longs;olche letzte Theile nie einzeln und abge&longs;ondert ge&longs;ehen haben. Prie&longs;tley hat &longs;ich die Materie als eine Menge von Kräften vorge&longs;tellt, die &longs;ich auf mathemati&longs;che Punkte bezögen, und unter dem Worte Materie wird man ähnliche Vor&longs;tellungsarten andrer Weltwei&longs;en antreffen. So viel &longs;ich metaphy&longs;i&longs;ch dagegen di&longs;putiren lä&longs;t, &longs;o i&longs;t es doch unmöglich, durch Erfahrung etwas darüber auszumachen. Die&longs;e Betrachtungen haben mich bewogen, die Ausdehnung nicht eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der Materie, &longs;ondern ein allgemeines Phänomen der Körper zu nennen, da das We&longs;en der Materie vor &longs;terblichen Augen verborgen i&longs;t.

Die Art, wie Körper ihren Raum einnehmen, i&longs;t von der Art, wie &longs;ich der Geometer den Raum ausgefüllt denkt, gerade &longs;o unter&longs;chieden, wie die Ausfüllung eines Maaßes durch Körner von dem ganzen Raume des Maaßes &longs;elb&longs;t, wie der aus zählbaren Mengen be&longs;tehende Gegen&longs;tand der Rechenkun&longs;t von dem meßbaren Gegen&longs;tande der Geometrie. Wer das We&longs;en der Materie durch&longs;chauen könnte, mü&longs;te anzugeben vermögen, wie viel er&longs;te Theile, wie viel Atomen in jedem Körper vorhanden wären. Obgleich dies unmöglich i&longs;t, &longs;o werden wir doch durch das Gewicht der Körper davon belehrt, wie &longs;ich die&longs;e Mengen von Materie in ver&longs;chiednen Körpern gegen einander verhalten, &longs;. Ma&longs;&longs;e. Der Raum, den die Körper einzunehmen &longs;cheinen, durch geometri&longs;che Ausme&longs;&longs;ung be&longs;timmt, heißt ihr Volumen; die&longs;es mit dem durchs Gewicht be&longs;timmten Verhältni&longs;&longs;e der Ma&longs;&longs;en verglichen, führt auf die Begriffe von Dichte, &longs;pecifi&longs;cher Schwere, worauf &longs;ich ein großer Theil desjenigen gründet, was wir von den Körpern wi&longs;&longs;en.

Ausdehnung, Ausbreitung

Dilatatio, Expan&longs;io, Dilatation, Expan&longs;ion. Die Verbreitung eines Körpers durch einen größern Raum, als er vorher einnahm, oder die Vergrößerung &longs;eines Volumens. Da hiebey vorausge&longs;etzt wird, daß der Körper der&longs;elbe bleibe, oder daß die Menge &longs;einer Materie nicht verändert werde, &longs;o erfordert die Ausdehnung, daß &longs;ich &longs;eine Theilchen weiter von einander entfernen, und größere Zwi&longs;chenräume zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en mü&longs;&longs;en, d. i. daß der Körper dünner werde, daher die Ausdehnung in die&longs;er Rück&longs;icht auch Verdünnung (Rarefactio) heißt.

Die Hauptur&longs;achen der Ausdehnung der Körper &longs;ind die Wärme, welche fa&longs;t alle bekannte Körper ausdehnt (&longs;. Wärme), und die Ela&longs;ticität, vermöge welcher &longs;ich Körper, wenn &longs;ie durch irgend eine äußere Kraft zu&longs;ammengepreßt waren, &longs;obald die&longs;e Kraft zu wirken aufhört, oder &longs;chwächer wird, von &longs;elb&longs;t in einen größern Raum ausdehnen, &longs;. Ela&longs;ticität. So wird die Luft durch die Wärme ausgedehnt, und da &longs;ie &longs;chon in dem Zu&longs;tande, in welchem &longs;ie &longs;ich um uns her befindet, zu&longs;ammengedrückt i&longs;t, &longs;o dehnt &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t aus, &longs;obald ihr Raum dazu gegeben wird.

Einige Schrift&longs;teller haben die Namen Ausdehnung und Verdünnung unter&longs;cheiden, und den er&longs;ten für die Wirkung der Ela&longs;ticität, den zweyten für die Wirkung der Wärme brauchen wollen; da aber jede Ausdehuung mit Verdünnung begleitet, und überdies das, was die Wärme thut, im Grunde nichts anders, als eine Ver&longs;tärkung der &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticität i&longs;t, &longs;o &longs;ehe ich keinen Grund, einen &longs;olchen Unter&longs;chied einzuführen.

Die Ausdehnung i&longs;t der Zu&longs;ammendrückung, Zu&longs;ammenziehung oder Verdichtung entgegenge&longs;etzt.

Ausdün&longs;tung, Exhalatio, Evaporatio, Evaporation.

So nennt man die Auflö&longs;ung flüßiger Materien und be&longs;onders des Wa&longs;&longs;ers in der Luft, durch welche der Luftkreis unaufhörlich mit Dün&longs;ten, d. i. mit aufgelö&longs;ten Theilen der Körper und mit Feuchtigkeit erfüllt wird.

Fa&longs;t aus allen flüßigen, ja auch aus vielen fe&longs;ten Körpern &longs;teigen, wenn &longs;ie der Luft ausge&longs;etzt &longs;ind, Theile in die&longs;elbe auf, durch deren Abgang das Gewicht der Körper vermindert wird. Man findet, daß die&longs;er Uebergang der Theile durch größere Wärme, Sonnen&longs;chein, Reinigkeit der Luft, größere Oberfläche, Bewegung der Luft rc. ver&longs;tärkt wird. Die&longs;e fremdartigen Theilchen machen die Luft nicht undurch&longs;ichtig, la&longs;&longs;en &longs;ich auch nicht leicht in der&longs;elben bemerken. Sie erheben &longs;ich aber im Luftkrei&longs;e oft zu beträchtlichen Höhen, und vereinigen &longs;ich endlich durch irgend eine im Luftkrei&longs;e vorgehende Veränderung in kleine Ma&longs;&longs;en, welche der Luft ihre Durch&longs;ichtigkeit benehmen, und die Be&longs;tandtheile der Wolken ausmachen.

Be&longs;onders i&longs;t das Wa&longs;&longs;er die&longs;em Uebergange &longs;einer Theile in die Luft in einem &longs;ehr hohen Grade ausge&longs;etzt, und obgleich einige flüchtige Gei&longs;ter, z. B. der Aether, der rauchende Salpetergei&longs;t, die flüchtige Schwefel&longs;äure rc. noch weit &longs;chneller, als das Wa&longs;&longs;er, verdün&longs;ten, &longs;o macht doch die große Menge des auf der Erdoberfläche verbreiteten und in den Körpern enthaltenen Wa&longs;&longs;ers, daß man die&longs;e Materie allerdings für den vornehm&longs;ten Stoff halten muß, mit welchem &longs;ich die Luft bey der Ausdün&longs;tung verbindet, und welcher das Vehikulum &longs;ehr vieler übrigen in den Luftkreis auf&longs;teigenden Theile i&longs;t. Daher hat auch die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers die Phy&longs;iker von jeher am mei&longs;ten be&longs;chäftiget. Sie i&longs;t ohne Zweifel die Hauptur&longs;ache der mei&longs;ten im Luftkrei&longs;e vorgehenden Veränderungen, und macht in die&longs;er Rück&longs;icht einen &longs;ehr wichtigen Gegen&longs;tand der Naturlehre aus.

Man hat durch die Werkzeuge, welche die Größe der Ausdün&longs;tung zu be&longs;timmen dienen (&longs;. Atmometer), gefunden, daß in der Gegend von Paris die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers, wenn &longs;ie über die Oberfläche, von welcher &longs;ie auf&longs;tieg, wieder ergo&longs;&longs;en würde, jährlich 28 bis 30 Zoll Höhe betragen würde. Nach Sedileau (Mém. de l' acad. des &longs;c, de Paris 1792.) war die Ausdün&longs;tung in Paris Zoll.Lin.1689Jan.06 1/4Febr.07März17 3/4April27May51Jun.42 1/4Jul.47 1/2Aug.44 1/2Sept.29Oct.11 1/4Nov.08 2/3Dec.06 1/4Summe28Zoll(8 5/12) Linien.
Man &longs;ieht hierin den Einfluß der Wärme und des Sonnen&longs;cheins in den Sommermonaten deutlich. In England fand Halley (Phil. trans. no. 189.) die Ausdün&longs;tung in der wärm&longs;ten Jahrszeit täglich (1/10)engl. Zoll; in Holland Crucquius (Phil. Trans. no. 381.) jährlich 26 Zoll; in Schweden Wallerius (&longs;chwed. Abhdl. 1739.) um das Ende des Iunius täglich 1/4 Zoll.

Rechnet man 30 Zoll jährlich als eine Mittelzahl, &longs;o beträgt die jährliche Ausdün&longs;tung aus jedem Quadratfuße Wa&longs;&longs;erfläche drey Cubikfuß; und wenn die halbe Oberfläche der Erde mit Wa&longs;&longs;er bedeckt i&longs;t, &longs;o &longs;teigen jährlich 168 1/2 Cubikmeilen Wa&longs;&longs;er daraus in die Atmo&longs;phäre. Setzt man hiezu die Ausdün&longs;tung der thieri&longs;chen Körper, welche für einen mittelmäßigen Men&longs;chen jährlich auf 8 Zoll &longs;teigt, und für hundert Millionen Men&longs;chen allein 1280 Millionen Cubikfuß austrägt, ferner die Ausdün&longs;tung der Pflanzen, welche bey der Sonnenblume (Helianthus annuus) nach Hales in einem Sommertage auf (1/40) Zoll &longs;teigt, und die des feuchten Landes, welche in England jährlich 8 Zoll betragen &longs;oll, ingleichen des &longs;ehr &longs;tark ausdün&longs;tenden Ei&longs;es, &longs;o &longs;ieht man wohl, daß die Atmo&longs;phäre durch die Ausdün&longs;tung mit einer ungemeinen Menge von Sub&longs;tanzen ver&longs;ehen werde, welche &longs;ich in ihr auf ver&longs;chiedene| Wei&longs;e verbinden, neue Materien erzeugen und beträchtliche Veränderungen hervorbringen können.

Die Theorie der Ausdün&longs;tung hat die Phy&longs;iker von jeher be&longs;chäftiget. Es i&longs;t die Frage davon, auf welche Art die Körper &longs;o getheilt werden können, daß &longs;ie in der Luft, als einer leichtern Materie, auf&longs;teigen, und eine längere oder kürzere Zeit &longs;chwebend erhalten werden können. Man hat hierüber &longs;eit den älte&longs;ten Zeiten mancherley Hypothe&longs;en ausgedacht, deren Fehler vornehmlich darinn be&longs;tehen, daß jeder Raturfor&longs;cher den Grund aller Phänomene der Dün&longs;te in einer einzigen Ur&longs;ache gefunden zu haben glaubte, da &longs;ich doch hiebey gewiß mehrere Ur&longs;achen mit einander vereinigen. Da die Wärme oder das Feuer in die Ausdün&longs;tung einen &longs;o merklichen Einfluß hat, &longs;o hat &longs;chon Ari&longs;toteles (Meteorologic. L. I. c. 9.) die Ent&longs;tehung der Dün&longs;te der Wirkung oder dem Stoße des Feuers zuge&longs;chrieben. Einige neuere &longs;ind ihm hierinn gefolgt. 's Grave&longs;ande (Elem. Phy&longs;. §. 2543.) glaubt, der Stoß allein reiche zwar nicht hin, aber die Wa&longs;&longs;ertheilchen würden durch die Wirkung der Wärme verdünnt, und &longs;pecifi&longs;ch leichter gemacht, &longs;o daß &longs;ie den hydro&longs;tati&longs;chen Ge&longs;etzen gemäß &longs;o hoch auf&longs;tiegen, bis &longs;ie eine Luft&longs;chicht von gleicher &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit anträfen. Wenn man bedenkt, daß das Wa&longs;&longs;er im gewöhnlichen Zu&longs;tande auf 800mal &longs;chwerer, als die Luft, i&longs;t, und daß dennoch das Eis &longs;ehr &longs;tark, &longs;elb&longs;t &longs;tärker als Wa&longs;&longs;er, ausdün&longs;tet, &longs;o wird die&longs;e Erklärung unwahr&longs;cheinlich, da ein &longs;ehr geringer Grad der Wärme eine 800mal größere &longs;pecifi&longs;che Leichtigkeit bewirken mü&longs;te. Mu&longs;chenbroek aber (Elementa phy&longs;. Lugd. 1734. 8.) &longs;ucht die&longs;em Einwurfe durch folgende Rechnung zu begegnen. ”Die Dämpfe des ko”chenden Wa&longs;&longs;ers, &longs;agter, &longs;ind 14000mal dünner, als ”das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t; die Hitze, welche die&longs;e Verdünnung ”bewirkt, i&longs;t nach Fahrenheits Thermometer 212 Grad; ”daher kan eine Sommerwärme von 90 Graden noch im”mer eine 5943fache, und die Temperatur des Eispunkts ”von 32 Graden eine 2113fache Verdünnung bewirken, ”mithin Dämpfe erzeugen, welche weit leichter, als die ”Luft, &longs;ind.“ Die&longs;e Berechnung i&longs;t zwar blos ein ungefährer Ueber&longs;chlag, und gründet &longs;ich auf die &longs;ehr willkührlich angenommene Eintheilung der Fahrenheiti&longs;chen Thermometer&longs;cale; nach Reaumürs Scale würde man eben &longs;o finden, daß die Temperatur des Eispunkts gar keint Dämpfe mehr erzeugen könnte; &longs;ie hat al&longs;o eigentlich keine Beweiskraft. Da man aber doch weiß, daß &longs;elb&longs;t in denen Temperaturen, die wir die kälte&longs;ten nennen, noch Wärme anzutreffen &longs;ey, &longs;o kan man es wohl als möglich an&longs;ehen, daß die beym Eispunkte noch anzutreffende Wärme eine ziemliche Verdünnung bewirken könnte, welches die Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Zahlen &longs;innlich machen. Es lä&longs;t &longs;ich aber auch außerdem noch einwenden, daß die Dün&longs;te, wenn &longs;ie blos der Verdünung der Theile wegen auf&longs;tiegen, im Winter nicht &longs;o hoch als im Sommer würden &longs;teigen können; da doch die Beobachtungen lehren, daß das Auf&longs;teigen oder Niederfallen der Dün&longs;te keinesweges von der Wärme allein abhange.

Viele Naturfor&longs;cher haben, um die Ent&longs;tehung und das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te zu erklären, angenommen, daß die im Wa&longs;&longs;er enthaltene Luft, oder auch das Feuer &longs;elb&longs;t aus dem Wa&longs;&longs;er kleine Bläschen (bullulas, ve&longs;iculas) bilde, in welchen eine &longs;ehr verdünnte Luft oder eine andere äußer&longs;t feine und leichte Materie mit einer dünnen Wa&longs;&longs;erhaut überzogen &longs;ey. Halley (Philo&longs;. Trans. no. 192.) &longs;ucht durch &longs;olche Bläschen die Phänomene der Ausdün&longs;tung zu erklären; Chauvin (Nova circa vapores hypothe&longs;is in Mi&longs;c. Berol. To. I. p. 120.) und Leibnitz (De elevatione vaporum et de corporibus, quae ob inclu&longs;am cavitatem in aëre natare po&longs;&longs;unt, Mi&longs;c. Berol. To. I. p. 123.) nehmen &longs;olche Bläschen ebenfalls an. Der letztere berechnet, wenn die im Bläschen einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft zehnmal dünner, als die äußere, &longs;ey, &longs;o mü&longs;&longs;e ein mit der äußern Luft im Gleichgewichte &longs;tehendes Wa&longs;&longs;erbläschen 888mal größer &longs;eyn, als der Raum, den &longs;eine Wa&longs;&longs;erhaut allein einnehmen würde, und prüft dabey zugleich den Vor&longs;chlag des Lana, eine luftleere küpferne Kugel in die Luft zu erheben, &longs;. Aero&longs;tat. Fa&longs;t die mei&longs;ten Phy&longs;iker haben dergleichen Bläschen bey ihren Erklärungen|des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te zu Hülfe genommen.

Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. §. 2297.) glaubt, die Bewegung der Theile durch den Stoß des Feuers allein reiche zur Erklärung nicht hin; die Dün&longs;te mü&longs;ten &longs;on&longs;t &longs;o &longs;chnell, als der abge&longs;cho&longs;&longs;ene Schrot, auf&longs;teigen, welches man doch nie wahrnehme; auch verla&longs;&longs;e das Feuer dünne Körper bald. Das Feuer dringe vielleicht in die Theilchen ein, vergrößere ihren Durchme&longs;&longs;er, und verwandle &longs;ie in Bläschen, in welchen eine dünne Wa&longs;&longs;erhaut etwas weniges Feuer um&longs;chließe. Werde der Durchme&longs;&longs;er nur 10mal vergrößert, &longs;o werde das Theilchen in den 1000fachen Raum ausgedehnt, al&longs;o 1000mal leichter. Er hält aber doch das Da&longs;eyn der Bläschen nicht ganz für erwie&longs;en, zumal, da das Eindringen der Luft &longs;elb&longs;t in &longs;olche hohle Körperchen die ganze Wirkung wieder vereiteln würde; er nimmt daher noch eine &longs;chon von Descartes angenommene umdrehende Bewegung der Wa&longs;&longs;ertheilchen zu Hülfe, und &longs;chließt endlich doch, das Feuer allein könne nicht die Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te bis in die Region der Wolken &longs;eyn. Es komme daher noch die Elektricität zu Hülfe, woraus auch De&longs;aguliers (Philo&longs;. Transact. no. 407. und Cour&longs;e of exper. philo&longs;. To. II. lect. 10.) die Sache erklärt hat; wenn kleine Körper von die&longs;er umgeben wären, würden &longs;ie von der ebenfalls elektri&longs;chen Luft angezogen; &longs;o &longs;ey das Feuer (ignis mas) die Ur&longs;ache des er&longs;ten Herausgehens, und die Elektricität (ignis femina) die Ur&longs;ache des fernern Auf&longs;teigens der Dün&longs;te, wozu er denn auch noch das unterirdi&longs;che Feuer, die Gährungen im Innern der Erde, die Winde rc. hinzu&longs;etzt. Die&longs;e kurze Dar&longs;tellung der Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Meinungen wird zeigen, wie ungewiß man damals über die Ur&longs;achen der Ausdün&longs;tung war, und mich darüber rechtfertigen, daß ich nicht noch mehrere Hypothe&longs;en hinzu&longs;etze.

Die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Vordeaux &longs;etzte im Jahre 1743 einen Preis auf die Erklärung des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te, welchen Kratzen&longs;tein (Abhol. vom Auf&longs;teigen der Dün&longs;te und Dämpfe, Halle 1744. 8.) und Hamberger (Di&longs;&longs;. &longs;ur la cau&longs;e de l' elevation des vapeurs, Bordeaux 1743. 4.) beyde erhielten. Der er&longs;tere hielt &longs;ich ganz an das Sy&longs;tem der Bläschen (Ve&longs;icular&longs;y&longs;tem), deren Größe und &longs;pecifi&longs;che Schwere er durch &longs;innreiche Methoden zu be&longs;timmen &longs;uchte, &longs;. Dün&longs;te; der zweyte erklärte das Auf&longs;teigen durch die Adhä&longs;ion der Theilchen an Feuer und Luft; an das Wa&longs;&longs;ertheilchen auf der Oberfläche hängt &longs;ich nach ihm von innen das Feuer, welches &longs;einen Zu&longs;ammenhang mit dem übrigen Wa&longs;&longs;er trennt, und von außen die Luft; da aber die Luft &longs;tärker darauf wirkt, als das Feuer, &longs;o nimmt die&longs;e es an &longs;ich, und &longs;o wird es aus einer Luft&longs;chicht in die andere erhoben. In &longs;einen 1750 neu herausgekommenen Elementis phy&longs;ices aber hat Hamberger die Ausdün&longs;tung gänzlich durch eine Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in der Luft erklärt, und von der&longs;elben eben &longs;o, wie von allen andern chymi&longs;chen Auflö&longs;ungen, Rechen&longs;chaft abzulegen ver&longs;ucht.

Am weitläufig&longs;ten i&longs;t die Theorie der Ausdün&longs;tung als einer Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in Luft von le Roi (Mém. &longs;ur l' elevation et la &longs;u&longs;pen&longs;ion de l' eau dans l' air, in den Mém. de l' acad. de Paris 1751. p. 481.) ausgeführt worden. Seine Sätze verdienen wohl einige Anführung.

1. Das Wa&longs;&longs;er wird in der Luft wirklich aufgelö&longs;et. Man werfe an einem heitern Sommertage etwas Eis in ein recht trocknes Glas. Das Glas wird davon bald trüb gemacht, und an &longs;einen äußern Wänden zeigt &longs;ich eine unzählbare Menge kleiner Wa&longs;&longs;ertröpfchen. Das Wa&longs;&longs;er, das &longs;ich in &longs;o großer Menge an die äußern Glaswände legt, mu&longs;te doch vorher in der Luft &longs;chweben, und da es die Heiterkeit und Durch&longs;ichtigkeit der&longs;elben nicht minderte, mu&longs;te es in ihr vollkommen aufgelö&longs;et &longs;eyn.

2. Die&longs;e Auflö&longs;ung hat gleiche Eigen&longs;chaften mit den Auflö&longs;ungen der Salze im Wa&longs;&longs;er. Luft von gegebner Wärme kan nicht mehr als eine be&longs;timmte Menge Wa&longs;&longs;er in &longs;ich aufgelö&longs;t halten; wird &longs;ie kälter, &longs;o &longs;chlägt &longs;ich ein Theil des aufgelö&longs;ten Wa&longs;&longs;ers nieder; wird &longs;ie wärmer, &longs;o lö&longs;et &longs;ie mehr auf. Dies lehren die Ver&longs;uche deutlich. Eine wohl ver&longs;topfte glä&longs;erne Kugel auf eiskaltes Wa&longs;&longs;er gelegt, überzieht &longs;ich nach 3—4 Minuten inwendig mit vielen Wa&longs;&longs;ertröpfchen, die aber bald wieder ver&longs;chwinden, wenn &longs;ich die Kugel erwärmt; die&longs;er Wa&longs;&longs;ertröpfchen &longs;ind weniger, wenn das Wa&longs;&longs;er, worauf die Kugel gelegt wird, wärmer i&longs;t. Uebrigens will le Roi durch den Ausdruck: Auflö&longs;ung der Salze in Wa&longs;&longs;er, nur &longs;o viel &longs;agen, es gehe eine wahre chymi&longs;che Auflö&longs;ung vor; er gebraucht das Bey&longs;piel der Salze blos, die Sache &longs;innlicher zu machen, weil die Naturfor&longs;cher damals noch nicht &longs;o, wie jetzt, an die Sprache der Chymie gewöhnt waren.

Le Roi &longs;chließt aus die&longs;er Theorie, es mü&longs;&longs;e für jeden Zu&longs;tand der Luft eine gewi&longs;&longs;e Temperatur geben, bey welcher &longs;ie anfangen würde, einen Theil des in ihr aufgelö&longs;ten Wa&longs;&longs;ers fallen zu la&longs;&longs;en. Die&longs;e Temperatur nennt er den Grad der Sättigung der Luft. Wäre z. B. die&longs;er Grad der Sättigung für einen gewi&longs;&longs;en Tag der zehnte Grad des Reaumüri&longs;chen Thermometers, &longs;o würde die Luft, über die&longs;en Grad erwärmt, immer noch mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;en; gerade auf die&longs;en Grad erkältet, zwar keines mehr auflö&longs;en, aber auch noch keines fallen la&longs;&longs;en; unter die&longs;en Grad erkältet aber de&longs;to mehr fallen la&longs;&longs;en, je mehr &longs;ie erkältet würde. Ergiebt Methoden an, die&longs;en Grad der Sättigung zu jeder Zeit zu be&longs;timmen, und &longs;chlägt Beobachtungen hierüber, mit andern meteorologi&longs;chen Wahrnehmungen verglichen, als die be&longs;ten Mittel vor, die wahren Ur&longs;achen der veränderlichen Auflö&longs;ungskraft der Luft zu entdecken, &longs;. Hygrometer.

Man könnte gegen die&longs;e Theorie des le Roi einwenden, das Wa&longs;&longs;er dün&longs;te nach Wallerius (&longs;chwed. Abhdl. 1740. S. 27.) auch im luftleeren Raume aus; allein da unter der Glocke der Luftpumpe eine &longs;o große Menge Luft aus dem Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t hervorgehet, &longs;o kan ein Raum, in welchem Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet, nie vollkommen luftleer &longs;eyn.

Die neu&longs;te und vorjetzt die befriedigend&longs;te Theorie der Ausdün&longs;tung hat Herr de Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrometrie. a Neuchâtel. 1783. 8. E&longs;&longs;ai III.) vorgetragen. Dämpfe oder Dün&longs;te &longs;ind nach ihm Ausflü&longs;&longs;e, welche &longs;ich aus den Körpern in die Luft erheben, und in der&longs;elben &longs;chwebend bleiben, bis &longs;ie durch andere Ur&longs;achen wieder von ihr getrennt und in gröberer Form mit einander vereiniget werden. Alle Körper können durch Natur oder Kun&longs;t in Dämpfe aufgelö&longs;et werden; be&longs;onders wird das Wa&longs;&longs;er durch Hülfe des Feuers in den ela&longs;ti&longs;chen Dampf verwandelt, welchen man aus ber Aeolipile (&longs;. Windkugel) herausgehen &longs;ieht, und der die Dampfma&longs;chinen treibt. Die&longs;er ela&longs;ti&longs;che Dampf ent&longs;teht durch eine Verbindung des Feuers mit dem Wa&longs;&longs;er; mit &longs;einer Ent&longs;tehung hat die Luft nichts zu thun, &longs;ie i&longs;t vielmehr durch ihren Druck der&longs;elben mehr hinderlich, und im luftleeren Raume kan &longs;chon die geringe Wärme der Hand das Wa&longs;&longs;er in Dampf verwandeln, oder zum Sieden bringen, &longs;. Sieden. Die&longs;e Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers im Feuer heißt Verdampfung, &longs;. Dämpfe.

Außerdem aber lö&longs;et auch die Luft das Wa&longs;&longs;er auf, und verbindet &longs;ich vorzüglich &longs;ehr leicht mit dem durchs Feuer hervorgebrachten ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben, wenn er nicht mehr Kraft genug hat, die Luft aus der Stelle zu treiben. Nach Herrn de Sau&longs;&longs;ure &longs;oll die Luft das Wa&longs;&longs;er gar nicht unmittelbar auflö&longs;en, &longs;ondern blos &longs;ich mit dem ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben vermi&longs;chen, oder es &longs;oll keine Ausdün&longs;tung ohne Verdampfung geben. Ausdün&longs;tung i&longs;t al&longs;o nach ihm Au&longs;lö&longs;ung der ela&longs;ti&longs;chen Dämpfe des Wa&longs;&longs;ers in der Luft.

Hieraus erklärt &longs;ich nun leicht das Phänomen, daß die Ausdün&longs;tung Kälte erzeugt. Richmann (Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 290.) und von Mairan (Di&longs;&longs;. &longs;ur la glace, P. II. Sect. 2. ch. 8. et 9.) hatten &longs;chon bemerkt, daß das Thermometer fällt, wenn man &longs;eine Kugel aus dem Wa&longs;&longs;er zieht und an der Luft trocknen lä&longs;t, oder wenn man &longs;ie abwech&longs;elnd befeuchtet und trocknen lä&longs;t, allein &longs;ie &longs;chrieben das Phänomen nicht der wahren Ur&longs;ache zu. Cullen (Edinburgi&longs;che Ver&longs;uche, Th. II.) leitete es zuer&longs;t von der Ausdün&longs;tung her. Franklin be&longs;chreibt in &longs;einem 60&longs;ten Briefe einen Ver&longs;uch mit einer dünnen Glasröhre CD (Taf. III. Fig. 32.), an deren Enden &longs;ich zwo luftleere und halb mit Wa&longs;&longs;er oder Weingei&longs;t gefüllte Kugeln A und B befinden. Hält man beyde Kugeln in den Händen, &longs;o zeigt &longs;ich keine Bewegung; hält man aber nur die eine Kugel, indem die andere kalt bleibt, &longs;o geht das Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich aus der erwärmten in die kalte über, und kocht darinn &longs;o lange, als man die leere Kugel in der Hand behält. So lange die&longs;e Kugel noch Wa&longs;&longs;er enthält, das &longs;ich in Dämpfe verwandlet, bleibt &longs;ie immer kalt, &longs;o warm auch die Hand &longs;eyn mag; &longs;obald aber das Wa&longs;&longs;er heraus i&longs;t, wird &longs;ie &longs;ogleich warm. Sie entzog nemlich vorher der Hand die Wärme, die zur Verdampfung verwendet ward, und erregte dadurch Empfindung der Kälte.

Auch erklärt &longs;ich, warum Wind oder Bewegung der Luft die Ausdün&longs;tung in &longs;o hohem Grade befördere. Die Winde erneuren die Luft um den ausdün&longs;tenden oder trocknenden Körper be&longs;tändig, und führen neue noch nicht ge&longs;ättigte Luft herbey, welche die Dämpfe &longs;chneller auflö&longs;et. Daher trocknen die Winde &longs;o &longs;chnell.

Die Wärme befördert die Ausdün&longs;tung, 1) weil &longs;ie mehr Elementarfeuer herbeybringt, 2) weil &longs;ie die auflö&longs;ende Kraft der Luft ver&longs;tärkt, 3) weil &longs;ie Bewegungen in der Luft verur&longs;achet.

Die nicht in der Luft aufgelö&longs;ten Dämpfe &longs;etzen &longs;ich an den Oberflächen kalter Körper als Thau oder Kry&longs;tallen an. Finden &longs;ie keinen kalten Körper hierzu, &longs;o vereinigen &longs;ie &longs;ich in Tropfen, Nadeln oder Bläschen, und geben dadurch die Anlagen zu Regen, Schnee, Wolken und Nebeln, &longs;. Dün&longs;te.

In dünnerer Luft en&longs;tehen zwar wegen des geringern Drucks die Dämpfe leichter, es wird aber auch weniger davon in der Luft aufgelö&longs;et. Daher i&longs;t die Ausdün&longs;tung in dünnerer Luft &longs;chwächer, wofern nicht das Wa&longs;&longs;er &longs;ehr warm i&longs;t, und durch kalte Oberflächen ein be&longs;tändiger Nieder&longs;chlag bewirkt wird. Man &longs;ieht bisweilen unter der Glocke der Luftpumpe, bald nach den er&longs;ten Zügen, eine Wolke ent&longs;tehen, welche wieder ver&longs;chwindet, und aufs neue er&longs;cheint, wenn man wieder Luft unter die Glocke lä&longs;t, und das Auspumpen von neuem anfängt. Nollet (Leçons de Phy&longs;ique exp. To. III. p. 364.) hatte die&longs;en Dun&longs;t &longs;chon bemerkt, glaubte, er ent&longs;tehe aus der Luft, die bey der Verdünnung Feuchtigkeit fallen la&longs;&longs;e, und erklärte &longs;o die Ent&longs;tehung des Regens bey verdünnter Luft. De Sau&longs;&longs;ure hingegen zeigt, er ent&longs;tehe aus dem feuchten Körper der Luftpumpe, de&longs;&longs;en Feuchtigkeit bey vermindertem Drucke der Luft mehr verdampfe, die näch&longs;ten Luft&longs;chichten bald &longs;ättige, und durch den Ueberfluß einen bla&longs;enförmigen Nieder&longs;chlag bilde, den aber die folgenden Luft&longs;chichten bald auflö&longs;en. Eben die&longs;er Dampf er&longs;cheint auch, wenn man verdichtete Luft wieder verdünnet, aus gleichen Ur&longs;achen.

Daß die Ausdün&longs;tung durch ein mechani&longs;ches Fortreißen der Wa&longs;&longs;ertheilchen vom Feuer bewirkt werde, haben viele daher bewei&longs;en wollen, weil man Abends nach Sonnenuntergang eine &longs;o &longs;tarke Ausdün&longs;tung des &longs;ich abkühlenden Erdbodens wahrnimmt. Allein de Sau&longs;&longs;ure zeigt &longs;ehr wohl, daß hiebey die Ausdün&longs;tung nicht &longs;tärker, nur wegen der kühlen Luft &longs;ichtbarer &longs;ey. Wa&longs;&longs;er über dem Feuer dün&longs;tet nicht wegen des ausgehenden Feuers aus. Denn wenn die Mündung des Gefäßes in ein anderes gleich heißes geht, &longs;o i&longs;t die Ausdün&longs;tung weit &longs;tärker, obgleich alsdann gar kein Feuer aus dem Wa&longs;&longs;er herausgeht; daher darf auch beym De&longs;tilliren die Vorlage nicht allzuplötzlich oder zu &longs;tark erkältet werden. Mechani&longs;che Austreibung würde auch das Schweben der Dün&longs;te in der Luft nicht erklären, welches eine Fe&longs;thaltung durch chymi&longs;che Auflö&longs;ung anzeigt.

Die Stärke der Ausdün&longs;tung hängt von Wärme des Wa&longs;&longs;ers, Größe der Oberfläche, Wärme, Trockenheit, Bewegung und Dichte der Luft ab. Sie wird durch Werkzeuge geme&longs;&longs;en, von welchen das Wort Atmometer nachzu&longs;ehen i&longs;t.

Das Eis dün&longs;tet, wie &longs;chon Plinius (Hi&longs;t. natur. XXXI. 3.) bemerkt hat, &longs;ehr &longs;tark aus. Doch vermindert die Kälte die&longs;e Ausdün&longs;tung. Was Gauteron (Mém. de l' acad. de Paris. 1708. p. 451.) bemerkt haben will, daß es bey &longs;tärkerm Fro&longs;te &longs;tärker dün&longs;te, i&longs;t nach Wallerius (&longs;chwed. Abhandlung. 1746.) nur für dem Augenblick der Ent&longs;tehung des Ei&longs;es wahr, in welchem die Ausdün&longs;tung überhaupt ungewöhnlich &longs;tark i&longs;t, &longs;. Eis.

Volatile Beymi&longs;chungen befördern die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers; &longs;alzige hemmen &longs;ie. Wallerius (a. a. O.) giebt dies nur für die er&longs;ten 24—28 Stunden zu, nach deren Verlauf Salzwa&longs;&longs;er eben &longs;o &longs;tark, als reines Wa&longs;&longs;er, dün&longs;te. Auch will er es nur für Koch&longs;alz und Salpeter zugeben; Vitriol und Alaun &longs;ollen die Ausdün&longs;tung befördern. Es bleibt hierinn noch &longs;ehr viel zu unter&longs;uchen übrig. v. Haller (Mém. de|l' acad. de Paris. 1764.), der aus der Sole bey Bevieux in der Schweiz durch Ausdün&longs;ten an der Sonne Salz zu ziehen ver&longs;uchte, fand auch, daß mehr Salzgehalt die Ausdün&longs;tung &longs;chwäche.

Die neu&longs;ten Ver&longs;uche in Paris und London haben gelehrt, daß Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers negative Elektricität errege—ein Zeichen, daß die auf&longs;teigenden Dün&longs;te &longs;elb&longs;t po&longs;itiv elektri&longs;irt &longs;eyn mü&longs;&longs;en.

Bri&longs;&longs;on Dictionnaire rai&longs;onné de Phy&longs;. art. Evaporation. Mu&longs;&longs;chenbroek Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. §. 2297. &longs;qq. Torb. Bergmann phy&longs;. Be&longs;chreibung der Erdkugel durch Röhl. Greifsw. 1780. §. 106. u. f. de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai III.

Ausflü&longs;&longs;e

Ef&longs;luvia, Emanationes, Exhalationes, Emanations, Emi&longs;&longs;ions, Exhalai&longs;ons. Wenn &longs;ich Theile, die vorher zu einem Körper gehörten, von dem&longs;elben trennen, und in flüßiger oder wenig&longs;tens &longs;ehr verfeinerter Ge&longs;talt durch das ihn umgebende Mittel verbreiten, &longs;o nennt man &longs;owohl die&longs;e Begebenheit, als auch dasjenige &longs;elb&longs;t, was aus dem Körper herausgeht, einen Ausfluß. Die Trennung der Ausflü&longs;&longs;e von dem Körper kan auf mehrere Arten, z. B. durch eine innere Bewegung &longs;einer Theile, durch Auflö&longs;ung rc. bewirkt werden.

So erzeugen die Verdampfung und Ausdün&longs;tung der Körper, die Trans&longs;piration der Thiere und Pflanzen, die Gährung, die Entbindungen der ela&longs;ti&longs;chen flüßigen Materien oder Gasarten, be&longs;tändige Ausflü&longs;&longs;e. Die Gerüche verbreiten &longs;ich durch Ausflü&longs;&longs;e aus den riechenden Körpern, welche durch unmittelbare Berührung auf das Werkzeug des Geruchs wirken.

Die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e &longs;ind oft von einer bewundernswürdigen Feinheit. Boyle hat Bey&longs;piele hievon in einer eignen Schrift (Exerc. de mira &longs;ubtilitate e&longs;&longs;luviorum, in Opp. Genevae 1680. 4.) ge&longs;ammlet. Ein Gran Mo&longs;chus kan 20 Jahr lang einen großen Raum mit merklichem Geruch erfüllen, ungeachtet die Luft alle Tage abgeändert wird. Eine Ma&longs;&longs;e A&longs;a fötida verlohr des heftigen Geruchs ohngeachtet in 6 Tagen an freyer Luft nur 1/8 Gran von ihrem Gewichte, woraus Keil (Introd. ad ver. phy&longs;. Lect. V.) berechnet, daß die Größe eines jeden Theilchens geringer, als ein 38 Trilliontheilchen eines Cubikfußes gewe&longs;en &longs;ey. Die Ausflü&longs;&longs;e dringen daher oft durch die fein&longs;ten Zwi&longs;chenräume, und werden von andern Körpern, ohne Zweifel durch eine Wirkung der Anziehung, entweder auf der Oberfläche fe&longs;tgehalten oder in das Innere einge&longs;ogen. Die verderblichen Ausflü&longs;&longs;e kranker Körper haben bisweilen auf wunderbare und fa&longs;t unbegreifliche Arten Pe&longs;t und andere an&longs;teckende Krankheiten verbreitet. Sennert (De febribus, L. IV. c. 5.) erzählt, nach der Pe&longs;t zu Breslau im Jahre 1542 habe ein Pack Leinwand 14 Jahre gelegen, und nach Verlauf die&longs;er Zeit in einer andern Stadt aufgewickelt, noch eine gefährliche An&longs;teckung an mehrere Orte verbreitet; und nach Diemerbroek (De pe&longs;te, L. IV.) &longs;tieß ein Mann in Nimägen etwas Stroh, worauf ein Pe&longs;tkranker vor acht Monaten gelegen hatte, das aber den ganzen Winter über der freyen Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en war, mit dem Fuße fort, und bekam an die&longs;em Fuße eine Pe&longs;tbeule, ohne Fieber zu fühlen, oder &longs;on&longs;t krank zu &longs;eyn.

Die men&longs;chlichen und thieri&longs;chen Körper, &longs;o wie die Pflanzen, verlieren durch die Ausflü&longs;&longs;e bey ihrer Trans&longs;piration unaufhörlich etwas von ihren Be&longs;tandtheilen, welches durch Nahrung und andere Zugänge wieder er&longs;etzt wird. Die&longs;e Veränderungen treffen flüßige und fe&longs;te Theile, und es i&longs;t ausgemacht, daß wir nach Verlauf einer Anzahl von Jahren großentheils einen andern Körper &longs;tatt des vorigen bekommen.

Es i&longs;t daher nicht zu läugnen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der Körper ein &longs;ehr wirk&longs;ames Mittel &longs;ind, wodurch die Natur, ganz &longs;till und unbemerkt, manche Veränderung von großen Folgen hervorbringt. Man hat &longs;ie aber auch oft zu Erklärungen von Phänomenen und zu Theorien gemißbraucht, welche nur den Aberglauben und die Betrügerey zu nähren dienten. Ein Bey&longs;piel hievon i&longs;t die Erklärung des Phänomens, daß der Wein in den Fä&longs;&longs;ern trüb wird, wenn in den entfernten Ländern, wo die&longs;er Wein wuchs, die Trauben reifen. Man hat behaupten wollen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der reifenden Trauben, die &longs;ich durch die ganze Atmo&longs;phäre verbreiteten, den Wein an den entlegen&longs;ten Orten trüb machten, ohne zu bedenken, daß eine gewi&longs;&longs;e Be&longs;chaffenheit der Luft in die&longs;er Jahrszeit zugleich die Ur&longs;ache des Reifens und Trübwerdens &longs;eyn kann. So hat man die fabelhafte&longs;ten Erzählungen von &longs;ympatheti&longs;chen und antipatheti&longs;chen Wirkungen und Heilmitteln, von Auf&longs;uchung der Metalle oder Entdeckung der Mörder durch die Wün&longs;chelruthe, vom Spüren oder vielmehr Fühlen des Wa&longs;&longs;ers in einer großen Tiefe unter der Erde, u. dgl. durch Ausflü&longs;&longs;e begreiflich zu machen, und viele abge&longs;chmackte Mährchen durch ein umgehangenes Gewand einer phy&longs;ikali&longs;chen Erklärung ihrer verdienten Verachtung zu entreißen ge&longs;ucht. Ein &longs;olches Verfahren i&longs;t der Entdeckung und Ausbreitung der Wahrheit ungemein hinderlich; es zieht von genauer Unter&longs;uchung der That&longs;achen und von Entlarvung der Betrüger ab, unterhält die Leichtgläubigkeit, und verführt auch denjenigen Theil des Publikums, der &longs;on&longs;t wei&longs;e und aufgeklärt &longs;cheinen will, durch den Vorwand, daß &longs;ich gewi&longs;&longs;e Sachen doch phy&longs;ikali&longs;ch erklären ließen. Ich läugne nicht, daß gegen die Ausflü&longs;&longs;e der Körper, die &longs;ich oft &longs;ehr weit verbreiten, gewi&longs;&longs;e Men&longs;chen, Thiere u. &longs;. w. empfindlicher als andere &longs;ind; von den Hunden z. B. i&longs;t dies unläugbar; allein man muß ihnen nicht Wirkungen, wie Bewegung einer Ruthe u. dgl., die &longs;ie nie haben können, zu&longs;chreiben, und überhaupt nie eher erklären wollen, als bis die That&longs;achen und Beobachtungen zuverläßig ausgemacht und gehörig be&longs;timmt &longs;ind.

Man hat auch die elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen durch Ausflü&longs;&longs;e aus den Körpern zu erklären ge&longs;ucht. Es kömmt hiebey auf den Begriff an, den man mit dem Worte Ausfluß verbindet. Ver&longs;teht man darunter die in der Luft aufgelö&longs;eten Ausdün&longs;tungen oder flüchtigen Be&longs;tandtheile der Körper, durch welche die&longs;e einen Abgang ihrer Ma&longs;&longs;e leiden, ihren Geruch verbreiten u. &longs;. f., &longs;o &longs;ind die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e, &longs;o fein &longs;ie immer &longs;eyn mögen, doch noch zu grob, um &longs;ich mit den weit feinern Ur&longs;achen der Elektricität und des Magneti&longs;mus vergleichen zu la&longs;&longs;en. Nennt man aber Ausfluß alles ohne Unter&longs;chied, was aus den Zwi&longs;chenräumen eines Körpers kömmt, &longs;o kan man es allenfalls zula&longs;&longs;en, die Materien, welche bey den elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen aus den Körpern aus&longs;trömen, Ausflü&longs;&longs;e zu nennen, wie z. B. Mu&longs;&longs;chenbroek und Nollet thun, ob es gleich nicht dem neuern phy&longs;ikali&longs;chen Sprachgebrauche gemäß i&longs;t.

Da Newton das Licht für einen &longs;olchen Ausfluß aus den leuchtenden Körpern angenommen bat, &longs;o wird &longs;eine Theorie des Lichts insgemein das Emanations- oder Emi&longs;&longs;ions&longs;y&longs;tem genannt.

Auslader, Excitator electricus, Excitateur, Arcconducteur.

So heißen ver&longs;chiedene zur elektri&longs;chen Geräth&longs;chaft gehörige Werkzeuge, welche zum Ausziehen der Funken und zur Entladung der Fla&longs;chen und Batterien dienen.

De Romas (Mém. pre&longs;entés à l' Acad. des Sc. To. II. p. 393.) gab zu &longs;icherer Ausziehung der Funken aus einer Werter&longs;tange bey Gewittern einen Auslader an. Die&longs;er be&longs;teht aus einer glä&longs;ernen, etliche Schuh langen, Röhre, an deren einem Ende &longs;ich eine blecherne Röhre befindet. Von der blechernen Röhre hängt eine Kette von Me&longs;&longs;ingdrath bis auf die Erde herab. Hält man die&longs;en Auslader an der glä&longs;ernen Röhre in der Hand, und nähert das blecherne Ende der Wetter&longs;tange oder dem mit der Elektricität der Gewitterwolke geladenen Conductor, &longs;o bricht der Funken aus, geht aber durch die Kette &longs;ogleich in die Erde über. Die Hand wird durch den glä&longs;ernen Handgriff be&longs;chützt, und fühlt nichts von der durch den Funken verur&longs;achten Er&longs;chütterung. Die Glasröhre &longs;oll nach de Romas Vor&longs;chrift wenig&longs;tens einen halben Zoll im Durchme&longs;&longs;er halten, auch &longs;o lang als möglich, und vollkommen trocken, die Kette aber 10—12 Schuh lang &longs;eyn.

Die Auslader, welche gewöhnlich zu Entladung der Fla&longs;chen oder Batterien gebraucht werden, be&longs;tehen aus einem Stabe von Me&longs;&longs;ing (Taf. III. Fig. 33.), der insgemein in Ge&longs;talt eines C gekrümmt i&longs;t; man macht &longs;ie auch aus zween Schenkeln, die &longs;ich wie ein Zirkel öfnen la&longs;&longs;en. Die&longs;er Stab hat an &longs;einen beyden Enden B und C metallene Knöpfe, und einen nichtleitenden Handgriff D, etwa von Glas oder gedörrtem Holz, der in der Mitte de&longs;&longs;elben befe&longs;tiget i&longs;t. Beym Gebrauche faßt man das In&longs;trument bey dem Handgriff, berührt eine von den bey den Seiten des geladenen elektri&longs;chen Körpers mit dem eineu Knopfe, und nähert den andern an die andere belegte Seite, oder an eine mit der&longs;elben verbundene leitende Sub&longs;tanz A, &longs;o wird dadurch die Verbindung zwi&longs;chen beyden Seiten ergänzt, der Schlag bricht aus, und der elektri&longs;che Körper wird entladen, ohne daß die Hand den Schlag fühlt. Wenn die Ladung nicht &longs;tark i&longs;t, &longs;o kan man auch ohne glä&longs;ernen Handgriff den blotzen Stab CB anfa&longs;&longs;en, weil die Elektricität den Weg durch das Metall nimmt, ohne in die Hand zu wirken; bey &longs;tärkern Ladungen aber hat man die Lateralexplo&longs;ion zu fürchten.

Bey Entladung einer Batterie wird insgemein der Haken an der Seite des Ka&longs;tens, worinn die Fla&longs;chen &longs;tehen, welcher mit der äußern Belegung verbunden i&longs;t, durch einen Drath mit dem einen Arme des Ausladers zu&longs;ammengehangen, der andere Arm aber mit &longs;einem Knopfe an einen von den Stäben genähert, welche die innern Seiten der Fla&longs;chen mit einander verbinden.

Es i&longs;t &longs;ehr bequem, die Dräthe B und C an den Enden zuzu&longs;pitzen, und hohle me&longs;&longs;ingene Kugeln darauf zu &longs;tecken. Wenn man alsdann die Kugeln abnimmt, &longs;o kan man vermittel&longs;t der Spitzen eine &longs;tille Entladung ohne Funken und Schlag bewirken.

Das Taf. III. Fig. 34. vorge&longs;tellte von Henly erfundene In&longs;trument führt den Namen des allgemeinen Ausladers (univer&longs;al di&longs;charger), und i&longs;t zu &longs;ehr vielen elektri&longs;chen Ver&longs;uchen brauchbar. A i&longs;t ein Bret, welches den Fuß des In&longs;truments abgiebt, BB zwo Glas&longs;äulen, in das Bret eingeküttet, und oben mit me&longs;&longs;ingnen Hauben ver&longs;ehen, deren jede ein doppeltes Charnier hat, und in einer glä&longs;ernen Röhre den Drath DC trägt, der &longs;ich nicht nur in der Röhre ver&longs;chieben, &longs;ondern auch vermittel&longs;t der Charniere &longs;owohl vertikal, als horizontal herumdrehen lä&longs;t. Jeder Drath hat an dem Ende C einen Ring und an dem zuge&longs;pitzten Ende D eine me&longs;&longs;ingene Kugel, die man auch abnehmen kan. E i&longs;t eine &longs;tarke hölzerne Scheibe, fünf Zoll im Durchme&longs;&longs;er, auf deren Fläche ein Streif Elfenbein eingelegt i&longs;t, und die einen &longs;tarken cylindri&longs;chen Fuß hat. Die&longs;er Fuß geht in den hohlen Cylinder F, der in der Mitte des untern Brets befe&longs;tiget i&longs;t, und worinn der Fuß der hölzernen Scheibe vermittel&longs;t der Stell&longs;chraube G auf jede erforderliche Höhe ge&longs;tellt werden kan. H i&longs;t eine kleine zu die&longs;em In&longs;trumente gehörige Pre&longs;&longs;e; &longs;ie be&longs;teht aus zweyen länglichen Bretern, welche durch zwey Schrauben an einander gepre&longs;&longs;et werden können, und lä&longs;t &longs;ich mit einem an dem unter&longs;ten Brete befe&longs;tigten Fuße &longs;tatt der Scheibe E in das In&longs;trument ein&longs;etzen.

Die&longs;es In&longs;trument dient, elektri&longs;che Schläge aus geladenen Fla&longs;chen oder Batterien durch oder über jeden beliebigen Körper gehen zu la&longs;&longs;en. Verlangt man z. B. den Schlag über die Fläche eines Kartenblatts zu führen, &longs;o lege man das Blatt auf die Scheibe E, und &longs;telle die Kugeln DD an die Fläche de&longs;&longs;elben, etwa 3/4 Zoll aus einander. Verbindet man nun den einen Drath CD durch eine Kette mit der äußern Belegung einer geladenen Fla&longs;che oder Batterie, und bringt den Knopf der Fla&longs;che oder den Knopf eines mit der innern Seite der Batterie verbundnen gewöhnlichen Ausladers gegen den andern Drath, &longs;o geht der Schlag aus einer Kugel in die andere über die Oberfläche des Kartenblatts hin. Will man durch ein Spiel Karten &longs;chlagen, &longs;o &longs;tellt man da&longs;&longs;elbe aufrecht auf die Scheibe E, &longs;o daß es die Kugeln DD auf beyden Seiten berühren. Legt man Goldblättchen zwi&longs;chen zwey Stücken Glas, lä&longs;t &longs;ie an beyden Seiten ein wenig herausgehen, preßt dann die Glas&longs;tücken mit der Pre&longs;&longs;e zu&longs;ammen, und legt die herausgehenden Enden der Goldblättchen an die Enden der Dräthe DD an, &longs;o verbindet der durchgehende Schlag das Metall &longs;o innig mit dem Gla&longs;e, daß es davon weder abge&longs;chabt, noch durch die gewöhnlichen Auflö&longs;ungsmittel herausgebracht werden kan.

Cavallo voll&longs;t. Abhdl. der Lehre von der Elektricität, aus d. Engl. dritte Aufl. Leipzig 1785. gr. 8. S. 129.

Austritt, Emer&longs;io, Emer&longs;ion.

So heißt in der Sternkunde der Augenblick, in welchem bey Verfin&longs;terungen oder Bedeckungen ein Ge&longs;tirn aus dem Schatten oder hinter dem bedeckenden Körper wieder hervortritt. Der Augenblick, in welchem nach totalen Verfin&longs;terungen ein Ge&longs;tirn zuer&longs;t wieder &longs;ichtbar zu werden anfängt, heißt Anfang des Austritts; der Augenblick, in welchem es ganz vom Schatten oder von dem bedeckenden Körper verla&longs;&longs;en wird, i&longs;t der gänzliche Austritt.

Bey Durchgängen der Venus und des Merkurs durch die Sonnen&longs;cheibe heißt Anfang des Austritts der Augenblick, in welchem der vorangehende Rand des Planeten den Sonnenrand von innen berührt; gänzlicher Austritt der, in welchem der nachfolgende Rand den Sonnenrand von außen berührt, oder der Planet die Sonnen&longs;cheibe ganz verlä&longs;t, &longs;. Fin&longs;terni&longs;&longs;e, Bedeckungen, Durchgänge.

Avtomate, Avtomata, Machinae, quae &longs;ua &longs;ponte moveri videntur, Automates.

Mechani&longs;che Kun&longs;twerke, welche ihre bewegende Kraft in &longs;ich &longs;elb&longs;t verborgen halten, und &longs;ich al&longs;o von &longs;elb&longs;t, ohne merkliche äußere Kraft, zu bewegen &longs;cheinen. Gemeiniglich &longs;ind die bewegenden Kräfte Federn oder Gewichte, weil &longs;ich die&longs;e in den klein&longs;ten Raum zu&longs;ammenziehen, und am be&longs;ten verbergen la&longs;&longs;en. Die gewöhnlichen Ta&longs;chenuhren geben das bekannte&longs;te Bey&longs;piel von Avtomaten.

Einige Mechaniker haben die Kun&longs;t in Ab&longs;icht auf dergleichen avtomati&longs;che Werke zu einer bewundernswürdigen Höhe getrieben. Die mei&longs;te Bewunderung verdienen diejenigen Avtomate, welche unter der Ge&longs;talt men&longs;chlicher Figuren allerley men&longs;chliche Handlungen vorzunehmen &longs;cheinen. Sie heißen Androide (hominem &longs;imulantia.) Die Tradition &longs;agt von Albert Grot, insgemein Albertus Magnus genannt, er habe bereits im dreyzehnten Jahrhunderte ein Avtomat in men&longs;chlicher Ge&longs;talt verfertiget, welches den Anklopfenden &longs;eine Thüre geöfnet, und dabey einen Laut, als ob es &longs;ie anredete, von &longs;ich gegeben habe. So &longs;oll auch Regiomontan nach dem Anführen des Ramus (Schol. math. L. II. p. 65.) eine ei&longs;erne Fliege verfertiget haben, welche &longs;ich aus &longs;einer Hand um die Tafel herumbewegte, und wieder zu ihm zurückkam. Beyde Erzählungen aber &longs;ind nicht glaubwürdig.

Vaucan&longs;on verfertigte im Jahre 1738 zu Paris &longs;einen mit Recht &longs;o berühmt gewordenen Flöten&longs;pieler, welcher von ihm &longs;elb&longs;t (Le Mécani&longs;me du Flûteur automate. Paris. 1738. über&longs;. im Hamb. Mag. II. B. I. St.) um&longs;tändlich be&longs;chrieben worden i&longs;t. Die Figur war 5 1/2 pari&longs;er Schuh hoch, &longs;itzend, und mit einem Piede&longs;tal ver&longs;ehen, in welchem die Haupttheile des Mechani&longs;mus verborgen waren. Mit einer unglaublichen Ge&longs;chicklichkeit hatte der Urheber die&longs;es Kun&longs;t&longs;tücks die fein&longs;ten mechani&longs;chen Hülfsmittel &longs;o zu nützen und zu verbinden gewußt, daß die&longs;e Ma&longs;chine ver&longs;chiedene mu&longs;ikali&longs;che Stücke auf der Querflöte mit der grö&longs;ten Genauigkeit in Unter&longs;cheidung des ver&longs;chiedenen Takts und des Vortrags ausführte, ohne anders in die Flöte zu wirken, als der Men&longs;ch, nemlich mit den Lippen zum An&longs;atz, und mit den Fingern zur Modulation der Töne. Wenn die le&longs;enswürdige Be&longs;chreibung die&longs;er Ma&longs;chine nicht Erklärung eines &longs;chon vollendeten Werks, &longs;ondern Entwurf eines er&longs;t auszuführenden Plans wäre, &longs;o würden die mei&longs;ten &longs;ie für eine &longs;innreiche Chimäre erklären. Vaucan&longs;on verfertigte noch außerdem einen Trommel&longs;chläger, der mit der einen Hand das Flageolet &longs;pielte, und mit der andern das Stück auf der Trommel mit einfachen, doppelten und Wirbel&longs;chlägen begleitete; ingleichen eine Ente, welche die Körner mit dem Schnabel aufnahm, kaute, ver&longs;chlang, und durch die natürlichen Wege in einer verdauten Körnern ähnlichen Ge&longs;talt wieder von &longs;ich gab. Die&longs;e Ente &longs;chlug mit den Flügeln, richtete &longs;ich auf den Füßen in die Höhe, drehte den Hals u. &longs;. w., und der Bau ihres Körpers war der Natur &longs;o viel möglich nachgeahmt. Die&longs;e Vaucan&longs;on&longs;chen Avtomate be&longs;itzt gegenwärtig Herr Hofrath Beireis in Helm&longs;tädt.

Die beyden Iaquet Droz in der Chaux-de-Fonds, Vater und Sohn, haben die&longs;e von Vaucan&longs;on zuer&longs;t in Aufnahme gebrachte Kun&longs;t noch höher getrieben, und durch avtomati&longs;che Mechani&longs;men alles ausgeführt, was nur das fruchtbar&longs;te ganz für die Mechanik gebohrne Genie hat erdenken können. In der von Herrn Bernoulli herausgegebenen Be&longs;chreibung des Für&longs;tenthums Wel&longs;ch-Neuenburg und Vallengin (Sammlung kurzer Rei&longs;ebe&longs;chreib. er&longs;ter überzähliger Band. Berlin 1783. S. 152 u. f.) findet &longs;ich eine kurze Anzeige der Werke die&longs;er berühmten Kün&longs;tler, von deren jüngerem Vaucan&longs;on &longs;elb&longs;t ge&longs;agt haben &longs;oll, die&longs;er junge Mann fange da an, wo er aufgehört habe. Die merkwürdig&longs;ten die&longs;er Avtomate &longs;ind die Figur eines zweyjährigen Kindes, das &longs;itzend an einem Pulte &longs;eine Feder eintancht, das Ueberflüßige weg&longs;chüttelt, und alles, was man ihm in franzö&longs;i&longs;cher Sprache vor&longs;agt, nach&longs;chreibt; eine andere ähnliche Figur, welche mit dem Bley&longs;tifte kleine Zeichnungen auf einer Schreibtafel verfertiget; ein Mädchen, das den Flügel &longs;pielt, und ein zu&longs;ammenge&longs;etztes Stück von 4 1/2 Schuh ins Gevierte und 2—3 Schuh Höhe, welches mancherley Scenen der Natur und Kun&longs;t mit mehreren avtomati&longs;chen Figuren dar&longs;tellet. Ueberhaupt i&longs;t die Uhrmacherkun&longs;t und die feinere prakti&longs;che Mechanik in der Chaux-de-Fonds und im Locle &longs;ehr weit getrieben worden. Man wird in der angeführten Be&longs;chreibung noch mehrere Avtomate anderer Kün&longs;tler erwähnt finden, und es &longs;cheint das Clima die&longs;er Gegenden dem mechani&longs;chen Genie be&longs;onders gün&longs;tig zu &longs;eyn.

Unter den neu&longs;ten Avtomaten hat der in Preßburg verfertigte Schach&longs;pieler des Herrn von Kempelen das mei&longs;te Auf&longs;ehen erreget. Be&longs;chreibungen des Aeußern die&longs;er Ma&longs;chine und ihres Spiels haben Herr von Windi&longs;ch (Briefe über den Schach&longs;pieler des Herrn von Kempelen. Ba&longs;el 1783. 8.) und Herr Prof. Hindenburg (Ueber den Schach&longs;pieler des H. v. K. Leipzig 1784. 8. auch im Leipziger Magazin zur Naturk. Math. u. Oekon. 1784. drittes Stück) gegeben. Aber den innern Bau der&longs;elben und die Art der äußern Einwirkung, welche nach Be&longs;chaffenheit der Züge des Gegners die bewegende Kraft &longs;o modificirt, daß &longs;ie pa&longs;&longs;ende Gegenzüge bewirkt, hält der Kün&longs;tler geheim; auch i&longs;t die&longs;e Einwirkung dem Zu&longs;chauer völlig un&longs;ichtbar, und auf die Walze und das Räderwerk in einer vor der Figur &longs;tehenden und das Schachbret tragenden Kommode werden nur vor Anfang des Spiels flüchtige Blicke erlaubt. Herrn Nicolai Vermuthung (Be&longs;chreibung einer Rei&longs;e durch Deut&longs;chland. VI. Band), daß die Sache ein grober Betrug, und ein Knabe in der Figur verborgen &longs;ey, wird dem, der die Ma&longs;chine ge&longs;ehen hat, durch den Mangel des Raums, durch die Be&longs;chaffenheit der Bewegungen &longs;elb&longs;t, und durch das Ein&longs;icht und Be&longs;cheidenheit verrathende Betragen des Kün&longs;tlers, unwahr&longs;cheinlich. Auch Herr Lichtenberg (Magazin für das Neue&longs;te aus der Phy&longs;. III. B. 2. St.) glaubt, die&longs;er Schach&longs;pieler &longs;ey kein mechani&longs;ches Kun&longs;twerk. Hr. Prof. Hindenburg hingegen (a. a. O.) vermuthet eine mechani&longs;che Anordnung, welche Bewegung hervorzubringen &longs;trebt, aber er&longs;t durch den Zutritt einer Kraft von außen, vielleicht der magneti&longs;chen, wirklich hervorbringt, und glaubt, das Spiel der Figur &longs;ey großentheils mechani&longs;ch und determinirt vorbereitet, und werde nur bey unvorherge&longs;ehenen Zügen des Gegen&longs;pielers auf eine unmerkliche Art abgeändert. Herr von Kempelen läugnet nicht, daß bey dem Spiele die&longs;er Figur Täu&longs;chung vorgehe; i&longs;t aber die&longs;e Täu&longs;chung nur eine feinere, als Herr Nicolai vermuthet, &longs;o wird die Bekanntmachung der&longs;elben dem Kün&longs;tler, obgleich nicht einträglicher, doch gewiß rühmlicher &longs;eyn, als &longs;ein bisher beobachtetes geheimnißvolles Zurückhalten.

Avtomati&longs;che Bewegungen

Motus automatici, Mouvemens automatiques, heißen nach Boerhaave diejenigen Bewegungen, welche von dem innern Bau des thieri&longs;chen Körpers abhängen, und nicht willkührlich hervorgebracht werden, z. B. der Umlauf des Bluts, die Ab&longs;onderungen der Säfte, die wurmförmige Bewegung der Gedärme, die Erweiterung und Verengerung des Augen&longs;terns u. &longs;. w.

Auzometer

eigentlich wohl Avxometer, Vergrößerungsmaaß, Auxometrum, Auzometre. Ein Werkzeug, womit &longs;ich die Stärke der Vergrößerung bey einem Fernrohre me&longs;&longs;en lä&longs;t.

Man kan zwar durch Berechnung finden, wie &longs;tark ein Fernrohr vergrößere, &longs;. Fernrohr. Allein, weil man hiezu die Brennweiten aller Glä&longs;er genau kennen muß, und in Fällen, wo die Ocularröhre mehrere Lin&longs;en hat, die Rechnung manchem be&longs;chwerlich fällt, &longs;o haben &longs;chon ältere Lehrer der Dioptrik, z. B. Wolf (Elem. Dioptr. Probl. 38.) die Vergrößerung durch die Erfahrung zu finden, angewie&longs;en. Sie &longs;chreiben vor, Ziegeln auf dem For&longs;te eines Hau&longs;es mit dem einen Auge durchs Fernrohr, und zugleich mit dem andern ohne Fernrohr zu betrachten, das Fernrohr &longs;o zu wenden, daß der Anfang beyder Bilder auf einander falle, und zu zählen, wie viel mit dem bloßen Auge ge&longs;ehene Ziegel von dem durchs Fernrohr vergrößerten Bilde eines einzigen Ziegels verdeckt werden. Die&longs;e Anzahl, die &longs;ich mit Hülfe des Fernrohrs leicht be&longs;timmen lä&longs;t, wird die Vergrößerungszahl &longs;eyn. Die&longs;e Methode aber i&longs;t für jeden unbrauchbar, de&longs;&longs;en beyde Augen nicht gleiche Güte haben.

Der engli&longs;che Mechaniker Adams hat daher ein &longs;ehr bequemes Werkzeug hiezu vorge&longs;chlagen, de&longs;&longs;en Be&longs;chreibung &longs;ich im Rozier (Journal de phy&longs;ique, Janvier 1783. p. 65.) findet. Die Einrichtung de&longs;&longs;elben gründet &longs;ich auf den Satz, daß die Vergrößerungszahl dem Quotienten des Durchme&longs;&longs;ers der Oefnung des Objectivs bd (Taf. III. Fig. 35.) durch fg, oder den Durchme&longs;&longs;er des hellen Bildes, welches von der Oefnung des Objectivgla&longs;es auf dem letzten Augengla&longs;e entworfen wird, gleich &longs;ey. Wenn z. B. beym a&longs;tronomi&longs;chen Fernrohre die Brennweiten beyder Glä&longs;er in n vereiniget &longs;ind, &longs;o i&longs;t die Vergrößerungszahl eigentlich = (an/nz) welches aber wegen der Aehnlichkeit der Dreyecke bnd und fng eben &longs;o viel als (bd/fg) i&longs;t. Die Dioptrik lehrt, daß der Satz für alle Fernröhre, auch für die mit mehreren Ocularen, gelte.

Das Werkzeug &longs;elb&longs;t be&longs;teht aus drey kleinen metallnen Röhren, die zu&longs;ammenge&longs;choben nur etwa 1 1/4 Zoll lang &longs;ind, und 11 Linien im Durchme&longs;&longs;er haben. Die er&longs;te Röhre aben (Taf. III. Fig. 36.) &longs;teckt in der zweyten, und hat bey d eine Glaslin&longs;e in einiger Entfernung vom Augenloche C. Die zweyte pmof i&longs;t am Ende mit einer durch&longs;ichtigen Horn&longs;cheibe bedeckt, die durch Parallel&longs;triche, welche nur (1/100) Zoll von einander ab&longs;tehen, getheilt i&longs;t. Die äußer&longs;te Röhre gstr i&longs;t an beyden Seiten offen, und dient blos dazu, der Scheibe mo den gehörigen Ab&longs;tand zu geben, damit &longs;ie das Bild der Oefnung des Objectivgla&longs;es auffangen könne, welches &longs;ich am Ende der Ocularröhre da, wo man &longs;on&longs;t das Auge anhält, entwirft. Auf eben die&longs;er Röhre i&longs;t ein Zoll in Zehntheile, und das eine Zehntel in Hunderttheilchen getheilt.

Der Gebrauch i&longs;t folgender. 1) Man richtet das Fernrohr &longs;o ein, daß man den Gegen&longs;tand deutlich &longs;ehen kan. 2) Man zieht nun die Röhre aben &longs;o weit aus, daß man, gegen den Himmel, die Parallel&longs;triche auf mo durch die Lin&longs;e d deutlich erkennt. 3) Man &longs;etzt das Auzometer an die Ocularröhre, und ver&longs;chiebt die Röhre gstr &longs;o lange, bis man durch C das durchs Fernrohr gemachte Bild auf der Horn&longs;cheibe deutlich &longs;ehen kan. 4) Man zählt, wie viel Parallel&longs;triche der Durchme&longs;&longs;er die&longs;es Bildes einnimmt. 5) Man mißt mit einem Zirkel den Durchme&longs;&longs;er der Oefnnng des Objectivgla&longs;es in Hunderttheilchen des Zolles, und dividirt ihn durch die Anzahl der Hunderttheilchen, die &longs;ein Bild einnimmt. Der Quotient i&longs;t der obigen Theorie gemäß die Vergrößerungszahl. Nimmt z. B. das Stralenbild auf der Horn&longs;cheibe 5 Hunderttheile ein, und i&longs;t der Durchme&longs;&longs;er des Objectivgla&longs;es 1 1/2 Zoll oder 150 Hunderttheile, &longs;o wird die Vergrößerung (150/5) oder 30fach &longs;eyn.

Beym galiläi&longs;chen oder holländi&longs;chen Fernrohre kan die&longs;es Auzometer nicht gebraucht werden, weil man da wegen des hohlen Augengla&longs;es kein eigentliches Bild hat; wohl aber bey Spiegeltele&longs;copen, wenn man es &longs;o anbringt, daß das Bild auf der Horn&longs;cheibe recht deutlich er&longs;cheint.

Lichtenberg Magazin für das Neue&longs;te aus der Phy&longs;ik, II. B. 2 St. S. 74. u. f.

Axe, Axis, Axe.

In der Sphärik oder der Lehre von den Kugel&longs;chnitten wird die&longs;er Name als ein allgemeines Kun&longs;twort der geraden Linie PR, Taf. III. Fig. 37. beygelegt, welche die Mittelpunkte der aus mehreren parallellaufenden Kugel&longs;chnitten ent&longs;tandenen Krei&longs;e, wie HI, DE, AQ, FG, KL, mit einander verbindet. Die Axe PR geht al&longs;o auch durch den Mittelpunkt der Kugek C, welcher zugleich der Mittelpunkt des grö&longs;ten unter die&longs;en Krei&longs;en, des Krei&longs;es AQ i&longs;t. Auch &longs;teht &longs;ie &longs;enkrecht auf den Ebnen aller die&longs;er Krei&longs;e oder Kugel&longs;chnitte. Wenn man daher aus dem Mittelpunkte eines auf der Kugelfläche be&longs;chriebenen Krei&longs;es eine Linie auf &longs;eine Ebne lothrecht aufrichtet, und auf beyden Seiten bis an die Kugelfläche verlängert, &longs;o i&longs;t die&longs;e des Krei&longs;es Axe.

Stellt man &longs;ich vor, die Kugel würde an den Punkten P und R fe&longs;tgehalten, und &longs;o um die unbewegliche Linie PR umgedrehet, &longs;o muß bey die&longs;er Umdrehung jeder Punkt der Kugelfläche einen von den parallelen Krei&longs;en be&longs;chreiben, von welchen PR die Axe i&longs;t. Daher kömmt auch die Benennung, welche ur&longs;prünglich eine Linie bedeutet, um welche etwas gedreht wird.

So &longs;cheint &longs;ich das ganze Weltgebäude in 24 Stunden um eine unbewegliche Linie zu drehen, welche die Weltaxe heißt, und die Axe des Aequators und der mit ihm gleichlaufenden Tagekrei&longs;e i&longs;t, &longs;. Weltaxe. Eigentlich aber i&longs;t es die Erdkugel, welche in die&longs;er Zeit &longs;ich um die Erdaxe dreht. Die&longs;e i&longs;t die Axe des Aequators der Erde und &longs;einer Parallelkrei&longs;e, &longs;. Erdaxe.

Für jeden Kreis der Himmelskugel lä&longs;t &longs;ich eine Axe denken. So hat die Ekliptik ihre eigne Axe, &longs;. Ekliptik, die Scheitellinie i&longs;t die Axe des Horizonts, die Morgenund Abendlinie die Axe des Mittagskrei&longs;e, die Mittagslinie die Ach&longs;e des er&longs;ten Scheitelkrei&longs;es.

Ein Rad dreht &longs;ich um das Holz, das man &longs;eine Axe nennt, wie der Kreis AQ um &longs;eine Axe PR. Eben &longs;o dreht &longs;ich ein Mühlrad an &longs;einer Welle, ein Uhrrad an &longs;einer Spindel rc. um die von einem Zapfen zum andern gezogne Linie; eben &longs;o i&longs;t der Kreis, den der umgedrehte Arm einer Winde, eines Ha&longs;pels, einer Kurbel be&longs;chreibt, gegen die durch ihre Zapfen oder Lager gezogene Linie gerichtet. In die&longs;en Ma&longs;chinen heißen daher die genannten Theile &longs;ämmtlich Axen. Auch führt die&longs;e ganze Cla&longs;&longs;e von Ma&longs;chinen den Namen des Rads an der Axe, &longs;. Rad.

Axe eines Cylinders heißt die gerade Linie, welche die Mittelpunkte &longs;einer beyden Grundflächen verbindet, Axe eines Kegels die Linie aus &longs;einer Spitze in der Grundfläche Mittelpunkt. Die Ur&longs;ache der Benennung i&longs;t, weil man &longs;ich beym &longs;enkrechten Cylinder und Kegel vor&longs;tellen kan, &longs;ie &longs;eyen aus der Umdrehung eines Rechtecks oder rechtwinklichten Dreyecks um die&longs;e Linie ent&longs;tanden.

Auch den Kegel&longs;chnitten, z. B. der Ellip&longs;e Taf. I. Fig. 17. werden Axen zuge&longs;chrieben. Sie &longs;ind diejenigen Linien, welche alle auf &longs;ie rechtwinklicht gezognen Sehnen des Kegel&longs;chnitts halbiren. Die Ellip&longs;e und Hyperbel haben zwo Axen, die Parabel nur eine. So i&longs;t AP die große, DE die kleine Axe der| Ellip&longs;e AMmDPE. Da die Planetenbahnen Ellip&longs;en &longs;ind, &longs;o wird man hieraus ver&longs;tehen, was große Axe der Planetenbahn &longs;ey, &longs;. Ap&longs;idenlinie. Beyde Axen der Ellip&longs;e gehen durch den Mittelpunkt C, die große auch durch die Brennpunkte, z. B. durch S. Man nennt die&longs;e Linien vermuthlich darum Axen, weil die Kegel&longs;chnitte &longs;ich um &longs;ie drehen mü&longs;&longs;en, wenn die Körper erzeugt werden &longs;ollen, die man Ellip&longs;oide, Hyperboloide, Paroboloide nennt.

Axe eines Lin&longs;engla&longs;es heißt die gerade Linie durch die Mittelpunkte der Krümmungen beyder Flächen. Sie geht durch die Mitte der Lin&longs;e, und i&longs;t die Axe des grö&longs;ten Krei&longs;es der&longs;elben. Axe eines erhabnen oder hohlen Spiegels, die Linie durch &longs;eine Mitte und den Mittelpunkt &longs;einer Krümmung. Axe eines Fernrohrs, die gemein&longs;chaftliche Axe aller &longs;einer Glä&longs;er. Axe des Auges, oder Ge&longs;ichtsaxe, die gerade Linie durch die Mitte des Augen&longs;terns und die Mittelpunkte der Krümmungen der Kry&longs;tallin&longs;e und der übrigen Feuchtigkeiten.

Azimuth, Azimuth, Azimuth.

Das Azimuth eines Sterns S, Taf. I. Fig. 5. heißt der Bogen des Horizonts HT, welcher zwi&longs;chen dem Mittagspunkte H und dem Scheitelkrei&longs;e des Sterns ZST enthalten i&longs;t. Das Azimuth i&longs;t das Maaß des Winkels HZT, welchen der Scheitelkreis des Sterns mit dem Mittagskrei&longs;e macht. Es kan ö&longs;tlich (orientale) oder we&longs;tlich (occidentale) &longs;eyn, je nachdem der Stern S vor oder nach &longs;einem Durchgange drrch den Mittagskreis beobachtet wird. Beym Durchgange &longs;elb&longs;t i&longs;t das Azimuth=0.

Durch die a&longs;tronomi&longs;chen Quadranten, an welchen zu die&longs;er Ab&longs;icht ein getheilter horizontaler Kreis, der Azimuthalkreis, befindlich i&longs;t, wird, mittel&longs;t einer einzigen Beobachtung, das Azimuth HT mit des Sternes Höhe ST zugleich gefunden.

Im Kugeldreyecke ZPS, de&longs;&longs;en drey Spitzen Scheitelpunkt, Weltpol und Stern &longs;ind, i&longs;t ZP der Aequatorhöhe des Orts, PS dem Complemente der Abweichung des Sterns SD, ZS dem Complemente &longs;einer Höhe ST gleich; der Winkel Z i&longs;t der Nebenwinkel des Azimuths HZT; der Winkel P der Stundenwinkel, de&longs;&longs;en Maaß der Bogen des Aequators AD i&longs;t, welcher &longs;ich noch durch den Mittagskreis &longs;chieben muß, ehe der Stern culminiret, oder &longs;ich, wenn der Stern &longs;chon durch den Mittagskreis gegangen i&longs;t, &longs;eit dem Augenblicke der Culmination durchge&longs;choben hat. Man &longs;ieht al&longs;o leicht, daß unter folgenden fünf Stücken: Aequatorhöhe des Orts, Abweichung, Höhe, Azimurh und Stundenwinkel des Ge&longs;tirns, nur drey gegeben &longs;eyn dürfen, um die beyden übrigen vermittel&longs;t des Dreyecks ZPS daraus zu berechnen. Von die&longs;er Auflö&longs;ung machen die A&longs;tronomen in vielerley Ab&longs;ichten Gebrauch.

Der Name Azimuth i&longs;t arabi&longs;chen Ur&longs;prungs, und im mittlern Zeitalter in die Sternkunde eingeführet worden.

BBäche, Rivuli, Rui&longs;&longs;eaux.

Die kleinern fließenden Gewä&longs;&longs;er, welche unmittelbar aus den Quellen ent&longs;pringen, und durch ihre Vereinigung Flü&longs;&longs;e und Ströme bilden, &longs;. Quellen, Flü&longs;&longs;e.

Bäder, warme

Aquae calidae, Thermae, Eaux, Eaux thermales. So heißen diejenigen Quellen, welche wärmer &longs;ind, als der &longs;ie umgebende Luftkreis. Da ihr Wa&longs;&longs;er großentheils minerali&longs;che aufgelö&longs;te Theile mit &longs;ich führet, &longs;o wird es in medicini&longs;chen Ab&longs;ichten theils getrunken, theils als Bad gebraucht, daher &longs;ich die Benennung leicht erklärt.

Wallerius (Hydrologia, Stockh. 1748. 8. Hydrologie, über&longs;. von Den&longs;o, Berlin 1751. 8.), Cartheu&longs;er (Rudimenta hydrologiae, Frf. 1760. 8.) und Zückert (Be&longs;chreibung aller Ge&longs;undbrunnen Deut&longs;chlands, Königsberg, zwote Aufl. 1776. gr. 8.) cla&longs;&longs;ificiren und be&longs;chreiben eine große Anzahl warmer Bäder, unter welchen ich hier nur einige bey&longs;pielswei&longs;e zu Anführung mehrerer Um&longs;tände ausheben will.

Des in ganz Europa berühmten Carlsbads wird &longs;chon im achten Jahrhundert erwähnt, ob es gleich er&longs;t &longs;eit 1370 durch Kay&longs;er Carl IV bekannter geworden i&longs;t. Der Brudel oder Sprudel bricht nahe am Töpelfluß häufig aus fünf Oefnungen hervor, und &longs;teigt völlig 6 Fuß über die Oberfläche. Die Adern &longs;treichen quer unter dem Flu&longs;&longs;e durch, und mitten im Flu&longs;&longs;e, wo &longs;ich das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t eine Steinrinde oder Sprudel&longs;chale gemacht hat, werden &longs;ie jährlich zweymal durch eine &longs;ech&longs;te Oefnung abgezapft, indeß man die Röhren und Ständer, durch die es gewöhnlich &longs;pringt, reiniget. Die&longs;e Quelle giebt &longs;tündlich 50 Centner Wa&longs;&longs;er. Die Wärme i&longs;t ohngefähr 59 Grad nach Reaumur, brüht das Federvieh, und &longs;iedet die Eyer hart. Der Sprudel riecht etwas &longs;chweflicht, &longs;chmeckt, ehe er erkaltet, &longs;alzig, etwas fett und laugenhaft. Nach Gewittern &longs;chmeckt er &longs;tärker und kräftiger. Man erhält daraus durch das Abdampfen einen Rück&longs;tand von 29 1/2 Gran auf jedes Pfund, nemlich 2 1/2 Laugen&longs;alz, 19 1/2 Gran Glaubers Salz, 2 1/4 Gran Kalk und 5 1/4 Gran Selenit. Becher (Neue Abhdl. vom Karlsbade, Prag 1772. gr. 8.) giebt auf ein Pfund an 3 1/3 Gran Erde, welche er für die alkalini&longs;che Ba&longs;is der Schwefelkie&longs;e hält, 13 Gr. Glauber&longs;alz neb&longs;t 4 Gr. Koch&longs;alz in Kry&longs;tallen, und 8 1/3 Gran minerali&longs;ches Alkali mit einem geringen Ei&longs;engehalt. Selenit findet er nicht darinn. Nicht weit davon &longs;ind noch einige warme Quellen, unter welchen der Mühlbrunnen und Neubrunnen die vornehm&longs;ten &longs;ind. Beyde geben einen &longs;tärkern Rück&longs;tand, als der Sprudel, und enthalten vornehmlich mehr Glauber&longs;alz. Der er&longs;te i&longs;t klärer und &longs;äuerlich, auch angenehmer, als der Sprudel, und hat 40 Grad Wärme nach Reaumur. Der letztere hat 48 Grad Wärme, riecht nach Schwefelleber, &longs;chmeckt aber nicht unangenehm. Der Sprudel i&longs;t wegen &longs;einer Wirkung gegen Gicht und Stein bekannt. Er überzieht die mei&longs;ten hineingelegten Sachen, doch das Flei&longs;ch nicht, mit einer Steinrinde, welches die warmen Bäder mehrentheils thun. Je heißer das Wa&longs;&longs;er i&longs;t, de&longs;to brauner und härter wird die&longs;e Rinde. Eine Meile von der Stadt bey Alt&longs;attel, wo man häufig Kie&longs;e fördert, wird Schwefel, Vitriol, und vor die&longs;em Alaun, bereitet; man findet in der Gegend auch Steinkohlen, und da, wo die warmen Quellen ent&longs;pringen, Dun&longs;tlöcher, oder Oefnungen, aus welchen er&longs;tickende Schwefeldämpfe hervordringen.

In den Aachner Bädern i&longs;t der Rück&longs;tand ver&longs;chiedener zu&longs;ammengeleiteter Wa&longs;&longs;er 20—24 Gran auf ein Pfund. Er be&longs;teht aus einem be&longs;ondern Alkali, welches in der Hitze verflieget, und nicht einmal Schwefel auflö&longs;et. Dies macht ohngefähr den halben Gehalt aus; der Re&longs;t i&longs;t Koch&longs;alz und Kalk. So &longs;ehr die&longs;es Wa&longs;&longs;er nach Schwefelleber riecht und &longs;chmeckt, &longs;o hat man doch noch keinen Schwefel aus dem&longs;elben ziehen können. Auf dem Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t aber &longs;etzt &longs;ich Schwefel an den Stellen, wo &longs;ich eine Steinrinde angelegt hat. Die&longs;er i&longs;t anfangs weich, wird aber mit der Zeit hart, und bildet &longs;ich zu &longs;chiefrigen bis 1 1/4 Lin. dicken Schichten. Um Aachen findet man häufig Steinkohlen, auch Galmey und Ei&longs;enerz. Das warme Wa&longs;&longs;er i&longs;t &longs;eifenartig, und wird mit Vortheil zum Wa&longs;chen gebraucht.

Die Aachner Wa&longs;&longs;er &longs;ind &longs;o heiß, daß &longs;ie auf 12 (im Kay&longs;ersbade wohl 15 bis 18) Stunden lang &longs;tehen mü&longs;&longs;en, ehe &longs;ie gebraucht werden. Die&longs;e Hitze beträgt 32—56 Grad nach Reaumur. Man findet an andern Orten heiße Quellen fa&longs;t bis zur Hitze des Siedpunkts.

Die gewöhnlich&longs;ten in den warmen Bädern enthaltenen Materien &longs;ind Laugen&longs;alz oder alkali&longs;che Erde, Glauber&longs;alz, Koch&longs;alz, Selenit, Kalk oder weiße Magne&longs;ia, auch zuweilen Ei&longs;en. Die &longs;chwefelartigen, welche wie Schwefelleber riechen und das Silber &longs;chwarz machen, &longs;ind die &longs;onderbar&longs;ten. Das Wa&longs;&longs;er von Bath in England &longs;oll Alaun halten. Die &longs;eifenartigen Bäder führen eine feine Thonmaterie. Anwei&longs;ungen zur chymi&longs;chen Unter&longs;uchung der Bäder u. minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;er überhaupt geben Bergmann (De analy&longs;i aquarum, in &longs;. Sammlung chem. Schriften) und Macquer (chym. Wörterb. Art. Wa&longs;&longs;er, minerali&longs;che).

Da viele die&longs;er in den warmen Bädern enthaltenen Materien, be&longs;onders der Selenit und das Koch&longs;alz, im Wa&longs;&longs;er auflösbar &longs;ind, und häufig in der Erde angetroffen werden, &longs;o i&longs;t es leicht begreiflich, wie das darüber hinfließende Wa&longs;&longs;er Theile davon in &longs;ich nehmen könne. Trift nun ein &longs;olches Salzwa&longs;&longs;er Thonerden an, &longs;o kan die fa&longs;t in allen die&longs;en Erden enthaltene Vitriol&longs;äure einen Theil &longs;eines Koch&longs;alzes zer&longs;etzen, und mitdem minerali&longs;chen Alkali, als der Grundlage de&longs;&longs;elben, Glauber&longs;alz bilden. Treffen hingegen &longs;olche Wa&longs;&longs;er unter der Erde auf Kie&longs;e, die &longs;ich im Zu&longs;tande der Zer&longs;etzung befinden, &longs;o können &longs;ie &longs;ich durch die&longs;elben mit Schwefel-Ei&longs;en - Kupfervitriol, alaunigen Salzen u. dgl. überladen. So wird man &longs;ich mit Macquer die Ent&longs;tehung &longs;olcher minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;er &longs;ehr leicht vor&longs;tellen können.

Nach Bergmanns Meinung i&longs;t die Erklärung des Schwefelgehalts am &longs;chwer&longs;ten, da die&longs;e Wa&longs;&longs;er zwar von Natur durch eine darauf ent&longs;tehende Haut wirklichen Schwefel ab&longs;etzen, die Kun&longs;t aber keinen daraus erhalten kan. Da der Dun&longs;t, der beym Fällen einer Schwefelleber auf&longs;teigt, oder das hepati&longs;che Gas, vom Wa&longs;&longs;er einge&longs;ogen, ein Schwefelwa&longs;&longs;er erzeugt, &longs;o i&longs;t es &longs;ehr wahr&longs;cheinlich, daß der Schwefelgehalt in den minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;ern grö&longs;tentheils in die&longs;em hepati&longs;chen Gas be&longs;tehe, &longs;. Gas, hepati&longs;ches. Außerdem könnte wohl der Schwefel nicht anders, als vermittel&longs;t eines Laugen&longs;alzes, im Wa&longs;&longs;er aufgelö&longs;et &longs;eyn.

Die Hitze der warmen Bäder &longs;chreiben die Naturfor&longs;cher fa&longs;t ein&longs;timmig dem unterirdi&longs;chen Feuer, oder wenig&longs;tens eben den&longs;elben Ur&longs;achen zu, welche die&longs;es Feuer erzeugen. Hierunter gehört vornemlich das mit einem hohen Grade von Hitze begleitete Aufbrau&longs;en der Schwefelkie&longs;e und anderer Mineralien bey ihrer durch Einwirkung des Wa&longs;&longs;ers und der Luft erfolgenden Zer&longs;etzung, &longs;. Feuer, unterirdi&longs;ches; daß al&longs;o die wohlthätigen warmen Bäder einerley Ur&longs;prung mit den zer&longs;törenden Erdbeben und Vulkanen zu haben &longs;cheinen. Erxleben (Anfangsgr. der Naturl. §. 692.) fragt, ob nicht vielleicht Vitriol&longs;äure, die auf Ei&longs;en wirkt, die Ur&longs;ache der Hitze &longs;eyn könnte. Dies kan nur bey ei&longs;enhaltigen Bädern der Fall &longs;eyn. Wenn die Adern &longs;olcher Quellen tief unter der Erde liegen, &longs;o i&longs;t leicht abzu&longs;ehen, daß &longs;ie ihre Hitze &longs;ehr lange behalten können, und daß die&longs;elbe von der Wärme oder Kälte der äu&longs;&longs;ern Luft ganz unabhängig i&longs;t.

Noch einige Um&longs;tände, den Gehalt der minerali&longs;chen Wa&longs;&longs;er betreffend, wird man bey dem Worte: Ge&longs;undbrunnen, antreffen.

Macquer chym. Wörterb. Art. Wa&longs;&longs;er, minerali&longs;che. Bergmann phy&longs;. Be&longs;chr. der Erdkugel, 3 Abth. Cap.1. von Quellen.

Balli&longs;tik

Theoria balli&longs;tica &longs;. motus projectilium, Balli&longs;tique. Die Lehre von den Bahnen, welche geworfene Körper in der Luft be&longs;chreiben. Sie macht einen Theil der höhern Mechanikaus und i&longs;t vornehmlich für die Artillerie zur Theorie des Bombenwerfens und der Ladung und Richtung des groben Ge&longs;chützes brauchbar.

Die Körper werden entweder lothrecht, oder horizontal, oder &longs;chief geworfen. Mit der aus dem Wurfe ent&longs;tandenen Bewegung verbindet &longs;ich der durch ihre Schwere bewirkte Fall. I&longs;t der Wurf lothrecht, &longs;o bleibt die Bewegung geradlinigt, und wird, wenn der Wurf von oben herab ge&longs;chieht, durch den Fall be&longs;chleunigt, wenn aber der Wurf von unten herauf gerichtet i&longs;t, retardirt, und endlich ganz aufgehoben, worauf der Körper durch die bloße Wirkung &longs;einer Schwere wieder herabfällt.

Bey horizontalen und &longs;chiefen Würfen aber, wo die Richtungen des Wurfs und der Schwere Winkel mit einander machen, ent&longs;tehen Bewegungen in krummen Linien, welche nach den von Galilei entdeckten Ge&longs;etzen fallender Körper Parabeln &longs;eyn mü&longs;&longs;en, in &longs;o fern der Wider&longs;tand der Luft die&longs;es nicht ändert. Setzt man die&longs;en Wider&longs;tand aus den Augen, &longs;o erhalten die Lehren, die &longs;ich aus den Galilei&longs;chen Sätzen herleiten la&longs;&longs;en, den Namen der paraboli&longs;chen Theorie der Balli&longs;tik. Nach die&longs;er würden &longs;ich geworfene Körper im luftleeren Raume bewegen. Die Aufgabe aber, das zu finden, was der Wider&longs;tand der Luft in die&longs;er Theorie abändert, heißt das balli&longs;ti&longs;che Problem. Außerdem gehören zur Anwendung der Balli&longs;tik noch Unter&longs;uchungen über die Ge&longs;chwindigkeit, welche Ladungen von be&longs;timmter Stärke den abgefeuerten Körpern mittheilen. Einige zur paraboli&longs;chen Theorie gehörige Sätze &longs;. bey den Worten: Wurf, Weite des Wurfs.

Vor Galilei hatte man von der Bahn der horizontal oder &longs;chief geworfenen Körper &longs;ehr unrichtige Begriffe. Man glaubte, der er&longs;te Theil des Weges einer Canonenkugel &longs;ey geradlinigt, und der ganze Weg werde mit dreyerley Bewegungen, der gewalt&longs;amen, vermi&longs;chten und natürlichen, zurückgelegt. Solche Begriffe kommen noch beym Schwenter (Mathemati&longs;che Erquick&longs;tunden, Nürnberg 1651. 4. Th. I. S. 427. u. f.) vor, der &longs;ie doch &longs;chon be&longs;&longs;er hätte haben können. Tartalea hatte bereits 1537 entdeckt, daß der &longs;chiefe Schuß unter einem Winkel von 45° der weit&longs;te, und kein Theil der Bahn geradlinigt &longs;ey. Den er&longs;ten Um&longs;tand führt auch Schwenter, aber mit einer ganz unver&longs;tändlichen Erklärung, an. Nach Galilei Entdeckungen (Di&longs;cor&longs;ie dimo&longs;trazione matematiche. Leid. 1638. Giornata 4.) ward die paraboli&longs;che Theorie durch den P. Mer&longs;enne und Torricelli bald entwickelt; man verfielaber in den Fehler, &longs;ich zu überreden, daß der Wider&longs;tand der Luft unbeträchtlich, und al&longs;o die&longs;e Theorie allein hinreichend &longs;ey. Sie i&longs;t von Blondel (l' Art de jetter les bombes. Paris 1683. 4. Blondels Kun&longs;t, Bomben zu werfen, Sulzbach 1686.), dem Grafen v. Herber&longs;tein (Amari a Lapide artis technicae via plana. Stettin 1736.) und Belidor (Le bombardier françois. Paris 1740. 4.) vorgetragen, und von Maupertuis (Bali&longs;tique arithmetique, in Mém. de l' acad. des &longs;c. 1732.) in kurze Formeln zu&longs;ammengefa&longs;&longs;et worden. Belidor hat &longs;ie mit Erfahrungen verglichen, und will die Abweichungen unbeträchtlich gefunden haben. Robins (New principles of gunnery. London 1742. Neue Grund&longs;ätze der Artillerie, aus dem Engl. von Leonh. Euler, mit Erläut. Berlin 1745. 8.) zeigte zuer&longs;t, wie wichtig für die Praxis die Betrachtung des Wider&longs;tandes der Luft &longs;ey. Newton hatte &longs;chon (Princ. L. II. Prop. 40.) Ver&longs;uche über den Wider&longs;tand der Luft bey lang&longs;amen Bewegungen bekannt gemacht, und eine Theorie darauf gebaut, nach welcher &longs;ich der&longs;elbe, wie das Quadrat der Ge&longs;chwindigkeit, verhält, und die Bahn der Ge&longs;chützkugeln mehr der Hyperbel ähnlich wird; Robins aber glaubte durch Ver&longs;uche mit Ge&longs;chützkugeln den Wider&longs;tand bey &longs;chnellen Bewegungen fa&longs;t dreymal &longs;o groß, als nach Newtons Theorie, gefunden zu haben, worinn ihm auch Euler bey&longs;timmt. Beyde haben in der angeführten vortreflichen Schrift andere Theorien zu geben ver&longs;ucht. Allgemeine Auflö&longs;ungen des balli&longs;ti&longs;chen Problems, die &longs;ich auf mehrere Ge&longs;etze des Wider&longs;tands anwenden la&longs;&longs;en, haben &longs;chon &longs;eit 1718 Joh. Bernoulli, Hermann und Taylor gegeben. Eine Abhandlung Eulers (Recherches &longs;ur la veritable courbe, que décrivent les corps jettés dans l' air, in Mém. de Berlin. To. IX.) be&longs;timmt die Bahn für ein be&longs;onderes angenommenes Ge&longs;etz, und der Graf v. Grävenitz (Abhdl. von der Bahn der Ge&longs;chützkugeln, Bützow 1764. 4.) hat daraus Tafeln berechnet, und Anwei&longs;ungen für die Praxis hergeleitet. Des Ritter d'Arcy Ver&longs;uche (Ver&longs;uch einer Theorie der Artillerie, über&longs;. von Lambert, 1766. 8.) &longs;cheinen mit denen von Robins übereinzu&longs;timmen; Lambert aber hat in &longs;einen Anmerkungen zu den&longs;elben mit großem Scharf&longs;inne gezeigt, daß beyde der Newtoni&longs;chen Theorie nicht &longs;o &longs;ehr entgegen &longs;ind, als man geglaubt hatte. Lambert hat ebenfalls (Mém. de Berlin. To. XXl.) eine Auflö&longs;ung des balli&longs;ti&longs;chen Problems gegeben. Bisher aber hat die Praxis aus den Bemühungen die&longs;er Gelehrten noch nicht den gehörigen Nutzen ziehen können.

Ueber die Gewalt des Pulvers findet man Unter&longs;uchungen im Robins. Man nimmt an, daß &longs;ich unter übrigens gleichen Um&longs;tänden die anfängliche Ge&longs;chwindigkeit des abge&longs;cho&longs;&longs;enen Körpers, wie die Quadratwurzel aus der Menge des Pulvers, verhalte, womit Huttons Ver&longs;uche (Phil. Trans. Vol. LXVlll. P. I. n. 3.) überein&longs;timmen.

Kä&longs;tner Anfangsgr. der höhern Mechanik. Er&longs;t. Ab&longs;chn. Cap. 6. §. 186. Kar&longs;ten Lehrbegrif der ge&longs;ammten Mathem. 4. Theil. Mechanik. XX. Ab&longs;chn. §. 27. u. f.

Barometer, Barometrum, Baro&longs;copium, tubus Torricellianus, Barometre.

Das Werkzeug zu Abme&longs;&longs;ung des Drucks der Luft und &longs;einer Veränderungen. Man bedient &longs;ich dazu gemeiniglich einer mit Queck&longs;ilber gefüllten, oben luftleeren u. ver&longs;chlo&longs;&longs;enen Glasröhre, in welcher das Queck&longs;ilber, bey &longs;tärkerm Drucke im Luftkrei&longs;e, höher &longs;teigt, bey vermindertem Drucke herab&longs;inkt.

Da die Erfindung des Barometers durch Torricelli im Jahre 1643 &longs;o viel zum Um&longs;turz der alten &longs;chola&longs;ti&longs;chen Phy&longs;ik beygetragen hat, &longs;o verdient ihre Ge&longs;chichte hier um&longs;tändlicher erzählt zu werden.

Die Wirkungen der Saugpumpen, ein&longs;augenden Spritzen und Heber, der Gießkannen, welche gießen oder &longs;till &longs;tehen, je nachdem man die obere Oefnung frey lä&longs;t oder mit dem Finger zuhält (clep&longs;ydrae, Ari&longs;tot. Phy&longs;ic. L. IV. c. 6.) u. dgl. wurden vom Ari&longs;toteles und nach ihm von den &longs;chola&longs;ti&longs;chen Phy&longs;ikern bis ins &longs;iebzehnte Jahrhundert durch einen der Natur angedichteten Ab&longs;cheu vor dem leeren Raume (horror &longs;. fuga vacui) erklärt. Galilei entdeckte zwar, daß das Wa&longs;&longs;er in den Saugpumpen nie höher als 32 Schuh gehoben werde; allein die&longs;e Entdeckung führte ihn nur &longs;o weit, daß er dem eingebildeten Ab&longs;cheu vor der Leere gewi&longs;&longs;e Grenzen &longs;etzte. Er &longs;ieht zwar (Di&longs;cor&longs;i e dimo&longs;trazione matematiche intorno a due nuove &longs;cienze, Leid. 1638 Giornata 1.) einen luftleeren Raum als möglich an, und lehrt ihn durch einen oben ver&longs;chlo&longs;&longs;enen Cylinder, in welchem ein genau an&longs;chließender Kolben durch Gewichte von oben herabgezogen wird, hervorbringen. Aber er giebt dies für eine Methode aus, die Kraft der Leere, d. i. die Größe oder Grenze des Ab&longs;cheus vor der Leere, zu me&longs;&longs;en, und erklärt daraus die Cohä&longs;ion der Körper. Da die&longs;er große Mann auch die Schwere der Luft kannte, und a. a. O. zwo Arten, &longs;ie zu bewei&longs;en, lehrt, &longs;o i&longs;t es kaum begreiflich, wie er den letzten Schritt verfehlen konnte, der ihm noch zur wahren Erklärung der Phänomene des Saugens übrig blieb. So viel Gewalt hatte das verjährte Vorurtheil über einen der &longs;charf&longs;innig&longs;ten Köpfe.

Evangeli&longs;ta Torricelli, des Galilei Schüler und Nachfolger im Lehramte zu Florenz, betrieb die Sache mit be&longs;&longs;erm Erfolg. Er kam auf den glücklichen Gedanken, daß eben die Ur&longs;ache, welche das Wa&longs;&longs;er nur 32 Schuh hoch treibe und halte, das 14mal &longs;chwerere Queck&longs;ilber nur (32/14) Schuh, d. i. 27 1/2 Zoll hoch treiben und halten werde. Die&longs;e geringere Höhe ver&longs;chafte den Ver&longs;uchen mehr Bequemlichkeit. Torricelli &longs;chmolz nun eine Glasröhre von einigen Schuhen Länge an einem Ende zu, füllte &longs;ie durch das andere mit Queck&longs;ilber, ver&longs;chloß die Oefnung mit dem Finger, und brachte &longs;ie in umgekehrter Stellung mit der zugehaltenen Oefnung in ein mit Queck&longs;ilber angefülltes Gefäß. Wenn er dann den Finger wegnahm, und das Queck&longs;ilber auslaufen ließ, &longs;o fand er &longs;eine Erwartung be&longs;tätigt. Nur der obere Theil der Röhre ward leer, und es blieb eine 27 1/2 Zoll hohe Queck&longs;ilber&longs;äule in der Röhre &longs;tehen. Taf. III. Fig. 38. giebt hievon eine Abbildung. AB i&longs;t die Glasröhre, A ihr zuge&longs;chmolzenes, B ihr ofnes Ende. Sie &longs;teht im Gefäße CDEF, das bis GH mit Queck&longs;ilber gefüllt i&longs;t. Sobald der bey B vorgehaltene Finger weggenommen ward, leerte &longs;ich die vorher ganz angefüllte Röhre nur von A bis I aus. Die &longs;enkrechte Höhe von I über der Fläche des Queck&longs;ilbers im Gefäße GH betrug 27—28 Zoll.

Torricelli meldete den Erfolg die&longs;es Ver&longs;uchs im Jahre 1644 an den P. Mer&longs;enne in Nevers, durch de&longs;&longs;en ausgebreiteten Briefwech&longs;el damals fa&longs;t alle Naturfor&longs;cher und Mathematiker der europäi&longs;chen Länder in Verbindung &longs;tanden. Durch die&longs;en erfuhr ihn der berühmte Pa&longs;cal, und &longs;chrieb darüber im 23&longs;ten Jahre &longs;eines Alters eine Abhandlung (Experiences nouvelles touchans le vuide, Paris 1645.), durch die er zuer&longs;t von die&longs;er Seite berühmt ward. Doch nimmt auch er hier noch den Ab&longs;cheu vor der Leere an.

Torricelli| hingegen kam nach einigem Nachdenken auf die Vermuthung, daß die Erhaltung der Queck&longs;ilber&longs;äule von GH bis I wohl von dem Drucke der auf der Fläche GH ruhenden und bis an die Grenzen des Luftkrei&longs;es &longs;ich er&longs;treckenden Luft&longs;äule herrühren möge. Die&longs;er Gedanke i&longs;t den bekannten hydro&longs;tati&longs;chen Ge&longs;etzen &longs;o gemäß, daß man ihn nur hören darf, um darinn &longs;ogleich die wahre Erklärung des Phänomens zu erkennen. Der Urheber de&longs;&longs;elben war im Begriff, ihn weiter zu verfolgen, als ihn &longs;chon 1647 ein frühzeitiger Tod dahinriß. Von ihm heißt noch die eben be&longs;chriebene Vorrichtung, die nichts anders als das Barometer &longs;elb&longs;t i&longs;t, die torricelli&longs;che Röhre, und der leere Raum AI, die torricelli&longs;che Leere.

Pa&longs;cal machte &longs;ich nun die Vermuthung des Torricelli ganz eigen, und be&longs;tätigte &longs;ie durch ver&longs;chiedene neue Ver&longs;uche. Er ließ durch Perrier, einen &longs;einer Schwäger zu Clermont in Auvergne, &longs;chon 1648 Ver&longs;uche auf dem Berge Puy-de-Dome an&longs;tellen (&longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che), wobey &longs;ich fand, daß das Queck&longs;ilber in der torricelli&longs;chen Röhre auf dem Gipfel des 500 Toi&longs;en hohen Berges über 3 pari&longs;er Zoll niedriger &longs;tand, als es am Fuße des Berges ge&longs;tanden hatte, &longs;o daß die Queck&longs;ilber&longs;äule auf dem Gipfel nur bis K reichte, da &longs;ie, wenn der Ver&longs;uch am Fuße des Berges ange&longs;tellt ward, bis I gieng. Hierdurch ward unwider&longs;prechlich erwie&longs;en, daß die Aufrechterhaltung des Queck&longs;iilbers bis I keinen Ab&longs;cheu vor der Leere, &longs;ondern den Druck der über GH ruhenden Luft&longs;äule zum Grunde habe: denn &longs;o wie man &longs;ich durch Be&longs;teigung des Berges den Grenzen des Luftkrei&longs;es näherte, und al&longs;o die&longs;e Luft&longs;äule verkürzte, &longs;o ward auch die Höhe der aufrechterhaltnen Queck&longs;ilber&longs;äule verkürzt — ein Zeichen, daß zwi&longs;chen beyden Säulen ein Gleichgewicht &longs;tatt finde. Auch fand Pa&longs;cal, daß, bey weggenommener Luft über GH, das Queck&longs;ilber von I bis ins Gefäß CDEF herab&longs;ank. Durch &longs;o überwiegende Gründe &longs;chlug er in einer vortreflichen Schrift (Traité de l' équilibre des liqueurs et de la pe&longs;anteur de la ma&longs;&longs;e de l'air, Par. 1663. 12.) die ungegründete u. nichts &longs;agende Erklärung der Peripatetiker gänzlich zu Boden, und beförderte dadurch den Sieg über die &longs;chola&longs;ti&longs;ch-ari&longs;toteli&longs;che Philo&longs;ophie und Naturlehre. Man darf al&longs;o &longs;agen, daß die Erfindung des Barometers mit dem Ur&longs;prunge der richtigern Philo&longs;ophie &longs;ehr genau verbunden gewe&longs;en &longs;ey.

Descartes, der &longs;o eifrige Gegner der ari&longs;toteli&longs;chen Weltweisheit, &longs;cheint doch &longs;chon vor Torricelli und Pa&longs;cal richtige Begriffe von der Ur&longs;ache der Phänomene des Saugens gehabt zu haben. In &longs;einen Briefen (Ren. De&longs;cartes Epi&longs;tolae, Am&longs;t. 1682. III. Vol. 4.) finden &longs;ich ver&longs;chiedene (P. II. 91. 94. 96. P. III. 102.), worinn er die Cohä&longs;ion, das Auf&longs;teigen des Wa&longs;&longs;ers in den Pumpen, die Erhaltung des Wa&longs;&longs;ers in ofnen Gefäßen bey ver&longs;topfter oberer Oefnung, das Anhängen glatter Flächen an einander, ja &longs;ogar die Erhaltung des Queck&longs;ilbers in einer ofnen Glasröhre bey ver&longs;chloßnem obern Ende, dem Drucke der Luft zu&longs;chreibt, und Galilei's Meinung von den Grenzen des Ab&longs;cheus vor der Leere be&longs;treitet. Es &longs;ind aber die Data die&longs;er Briefe ungewiß, und andere Bey&longs;piele lehren, daß Descartes nicht der gewi&longs;&longs;enhafte&longs;te war, wenn es darauf ankam, &longs;ich fremde Erfindungen zuzueignen, &longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.

Torricelli und Pa&longs;cal hatten &longs;chon bemerken mü&longs;&longs;en, daß die Höhe der Queck&longs;ilber&longs;äule in der torricelli&longs;chen Röhre täglichen Veränderungen unterworfen &longs;ey; &longs;ie &longs;chlo&longs;&longs;en daraus, daß auch der Druck der Atmo&longs;phäre von Tag zu Tag veränderlich &longs;ey, und daß man die&longs;e Röhre zur Wahrnehmung und Abme&longs;&longs;ung die&longs;er Veränderungen gebrauchen könnte. Otto von Guericke war hierauf be&longs;onders aufmerk&longs;am. Man fieng daher an, die&longs;es In&longs;trument als etwas &longs;ehr nützliches zu betrachten, und jedermann ver&longs;ahe &longs;ich mit dem&longs;elben. Man gab ihm den Namen Barometer, der &longs;o viel als Maaß der Schwere bedeutet; behut&longs;amere Naturfor&longs;cher wählten den Namen Baro&longs;kop, oder Werkzeug zu Beobachtung der Schwere, weil &longs;ie glaubten, zum Maaße werde mehr erfordert, als das In&longs;trument lei&longs;te. Dennoch verdient die&longs;es Werkzeug den Namen eines Maaßes mehr, als andere ähnliche; es zeigt nicht blos Vergrößerungen und Verminderungen des Drucks der Atmo&longs;phäre an, &longs;ondern giebt in der That die ab&longs;olute Größe die&longs;es Drucks durch das Gewicht einer mit ihm gleichwiegenden Queck&longs;ilber&longs;äule. Der große Haufe, der aus Barometerveränderungen auf Wetterveränderungen &longs;chließt, hat ihm endlich den gemeinen Namen des Wettergla&longs;es beygelegt. Ver&longs;chiedene Einrichtungen des Barometers.

Da das Barometer in der Taf. lll. Fig. 38. abgebildeten Ge&longs;talt unbequem war, und viel Queck&longs;ilber erforderte, &longs;o verfiel man bald auf andere Einrichtungen, unter welchen auch die Taf. lll. Fig. 39. vorge&longs;tellte war, die man neuerlich für die be&longs;te mögliche befunden hat. Hier drückt die äußere Luft durch die Oefnung B auf die Fläche GH, und die Höhe der Queck&longs;ilber&longs;äule, welche durch die&longs;en Druck erhalten wird, i&longs;t von der Horizontalfläche LGH bis an I zu rechnen. Vermindert &longs;ich die&longs;e Höhe um einen Zoll, &longs;o wird I um 1/2 Zoll bis K &longs;inken, H aber um 1/2 Zoll bis M &longs;teigen, &longs;o daß die ganze nun von MN bis K zu rechnende Höhe um 1 Zoll kleiner i&longs;t. Das Sinken von I bis K beträgt al&longs;o nur die Helfte der ganzen Veränderung. Die&longs;e &longs;cheinbare Verminderung war Grund genug, die&longs;e Einrichtung zu verwerfen, für ein Zeitalter, in welchem man glaubte, es komme alles darauf an, die Veränderungen des Barometers recht groß und merklich zu machen.

Man änderte al&longs;o die er&longs;te Einrichtung nur &longs;o ab, daß man das Behältniß mit dem Queck&longs;ilber GH, wie Taf. lll. Fig 40., an die Röhre AB anküttete, oder, wie Taf. lll. Fig. 41, die Röhre unten umbog, und ein etwas weiteres bey B ofnes Behältniß für das Queck&longs;ilber GH daran bließ. So konnte man das ganze Werkzeug an ein Bret befe&longs;tigen, und auf die&longs;em einen Maaß&longs;tab, eine Scale verzeichnen, an welcher &longs;ich zeigt, um wie viel Zoll oder Linien der Punkt I von Zeit zu Zeit über der Fläche GH &longs;tehe. Der Maaß&longs;tab darf nur in der Gegend von I in &longs;eine Zolle und Linien getheilt &longs;eyn, weil das Barometer gewöhnlich nie &longs;ehr tief fällt. Die&longs;e noch heut zu Tage &longs;ehr gewöhnlichen Barometer werden Barometer mit Behältni&longs;&longs;en, Gefäßbarometer, Kap&longs;elbarometer (barometres à reservoir) genannt. Sie &longs;ind zu Beobachtungen der täglichen Veränderungen des Drucks der Luft, deren Raum &longs;ich bey uns nie viel über 2 Zolle er&longs;treckt, ziemlich hinreichend. Aber es i&longs;t leicht zu über&longs;ehen, daß eigentlich gar kein fe&longs;ter Maaß&longs;tab an &longs;olche Barometer angebracht werden darf, weil die Fläche GH, von welcher man zu me&longs;&longs;en anfängt, veränderlich i&longs;t. Denn fällt das Queck&longs;ilber bey I herab, &longs;o &longs;teigt es dafür bey GH höher, und der Anfangspunkt des Maaß&longs;tabes rückt höher, als man ihn bey Befe&longs;tigung der Scale angenommen hat. Man kan die&longs;en Fehler dadurch vermindern, daß man das Behältniß weit genug macht. I&longs;t z. B. des Behältni&longs;&longs;es Durchme&longs;&longs;er bey GH zehnmal größer, als der Röhre Durchme&longs;&longs;er bey I, al&longs;o des Behältni&longs;&longs;es kreisrunder Durch&longs;chnitt hundertmal größer, als der Durch&longs;chnitt der Röhre, &longs;o wird, wenn 1 um 2 Zoll fällt, GH nur um (2/100) Zoll oder (2/10) Lin. &longs;teigen, welches bey gemeinen Beobachtungen allenfalls als eine Kleinigkeit vernachläßiget werden kan. Die Vor&longs;chriften zu Verfertigung &longs;olcher Barometer findet man in der Folge die&longs;es Artikels.

Man verfiel bald nach der Erfindung des Barometers auf den Gedanken, die Veränderungen in der Höhe der Queck&longs;ilber&longs;äule, oder das Steigen und Fallen &longs;o merklich als möglich zu machen. Auf den er&longs;ten Blick &longs;cheint die&longs;es die Genauigkeit der Beobachtungen zu erleichtern, und &longs;ie bis auf die klein&longs;ten Veränderungen auszudehnen; allein die Ge&longs;talt welche die Oberfläche des Queck&longs;ilbers in glä&longs;ernen Gefäßen annimmt (&longs;. Adhä&longs;ion), das Reiben des Queck&longs;ilbers am Gla&longs;e, der Einfluß der Wärme und andere Um&longs;tände bringen in die Barometerbeobachtungen unvermeidliche Unvollkommenheiten, welche durch die&longs;e Vergrößerungen des Steigens und Fallens in eben &longs;o &longs;tarkem und oft in noch &longs;tärkerm Verhältni&longs;&longs;e mit vergrößert werden, und die gehoften Vortheile ganz vernichten; wozu noch dies kömmt, daß alle zu dergleichen Vergrößerungen gebrauchte Mittel über die vorigen noch neue Fehler veranla&longs;&longs;en. Es wird al&longs;o auf die&longs;em Wege weit mehr verlohren, als gewonnen.

Descartes &longs;cheint ihn zuer&longs;t betreten zu haben. Pa&longs;cal (Traité de l' equilibre etc. S. 207.) führt &longs;chon &longs;einen Vor&longs;chlag an, die Barometerröhre, wie Taf. lll. Fig. 42., bey e, wo &longs;ich die obere Queck&longs;ilberfläche befindet, mit einem weiten Behältni&longs;&longs;e zu ver&longs;ehen, über da&longs;&longs;elbe noch eine lange dünne oben ver&longs;chloßne Glasröhre zu &longs;etzen, und den Raum von e bis I mit Wa&longs;&longs;er zu füllen. Wenn nun hiebey e in dem weiten Behältni&longs;&longs;e fällt, &longs;o muß eben &longs;o viel Wa&longs;&longs;er von c aus nachgehen, als Queck&longs;ilber herabgefallen i&longs;t, daher die Wa&longs;&longs;erfläche I in der dünnen Röhre &longs;ehr weit herabfallen muß. Die Rechnnng lehrt, daß der Raum der Barometerveränderungen hiedurch (14 D2/D2 + 13 d2) mal vergrößert wird, wenn D den Durchme&longs;&longs;er bey e, d den bey I bedeutet, und das Queck&longs;ilber 14mal &longs;chwerer, als Wa&longs;&longs;er, angenommen wird. Dies kan, wenn d gegen D unbeträchtlich i&longs;t, höch&longs;tens eine 14fache Vergrößerung bewirken. Huygens fand &longs;chon die Ausführung die&longs;es Barometers unmöglich, weil die aus dem Wa&longs;&longs;er auf&longs;teigende Luft den Raum AI nie luftleer bleiben ließ.

Huygens gab daher (Mém. anciens de l' acad. roy. des Sc. To. X. p. 542. ingl. Journal des Sav. 1672. p. 139.) &longs;ein Taf. lll. Fig. 43. vorge&longs;telltes noch jetzt bekanntes Doppelbarometer an. In die&longs;em &longs;teigt und fällt das Queck&longs;ilber bey I in einem weiten Behältni&longs;&longs;e. An&longs;tatt aber Wa&longs;&longs;er über I zu &longs;tellen, läßt Huygens vielmehr die untere Queck&longs;ilberfläche in einem eben &longs;o weiten Behältni&longs;&longs;e bey H ab- und auf&longs;teigen, und gießt darüber in den Raum c, und die darüber &longs;tehende enge Glasröhre bis i gefärbten Weingei&longs;t oder Wein&longs;teinöl. H &longs;teigt &longs;o weit, als I fällt, und treibt den Liquor ci durch ein geringes Steigen &longs;ehr weit in die Höhe. Man findet die Vergrößerung des Steigens und Fallens hiebey (wenn D und d die vorigen Bedeutungen behalten, und das Queck&longs;ilber m mal &longs;chwerer i&longs;t, als der|Liquor in ci) (m D2/D2 +(2m—1)2) fach. Al&longs;o, wenn das Queck&longs;ilber 14mal &longs;chwerer i&longs;t, (14 D2/D2 + 27 d2) fach, und, wenn d gegen D unbeträchtlich i&longs;t, wie vorhin, 14fach. Hiebey kan nun freylich die aus dem Liquor auf&longs;teigende Luft nicht in den leeren Raum AI kommen; allein außer den ebenfalls 14fach vergrößerten gewöhnlichen Fehlern kommen noch die neuen hinzu, daß die durch B einwirkende äußere Luft nicht unmittelbar, &longs;ondern er&longs;t durch den Liquor ic auf die Queck&longs;ilberfläche H wirkt, daß der Liquor die Röhre feucht macht, daran eintrocknet, auch verdün&longs;tet, und am Volumen abnimmt, folglich mit der Zeit nicht mehr die vorigen Grade zeigt, daß &longs;ein Eintrocknen die Röhre verunreiniget und das Reiben ver&longs;tärkt, und daß die Wärme &longs;eine &longs;pecifi&longs;che Schwere oder das in der Formel gebrauchte m ändert, al&longs;o die Vergrößerungen nicht immer ebendie&longs;elben &longs;ind. Zu Verbe&longs;&longs;erung des letzten Fehlers hat man vorge&longs;chlagen, das Doppelbarometer mit einem Thermometer zu combiniren; aber die angegebnen Methoden &longs;ind ganz unzureichend.

D. Hook (Philo&longs;. Trans. no. 185.) glaubte im Jahre 1686 die&longs;es Doppelbarometer dadurch zu verbe&longs;&longs;ern, daß er über den Liquor ci noch einen zweyten leichtern Liquor von einer andern Farbe zu gießen vor&longs;chlug, und auf B noch ein Behältniß, wie A und H, von eben dem&longs;elben Durchme&longs;&longs;er auf&longs;etzte, in welchem des zweyten Liquors Oberfläche auf- und ab&longs;tieg. Die Barometerveränderungen &longs;ollten durch das Auf- und Ab&longs;teigen des Punkts i, wo &longs;ich beyde Liquoren &longs;chieden, bemerkt werden. De la Hire und Amontons machen auf die&longs;e Erfindung auch An&longs;prüche. Hiedurch &longs;ollte nun das Reiben der Liquoren am Gla&longs;e immer gleich &longs;tark erhalten werden, weil beyde Liquoren zu&longs;ammen immer einerley Höhe über H behalten; auch glaubten die Erfinder, die Veränderungen hiedurch ohne alle Grenze vergrößern zu können. Was aber das er&longs;te betrift, &longs;o bleibt doch das Reiben immer da, und das letztere i&longs;t ein Irrthum. Herr de Lüc hat &longs;ich zwar verleiten la&longs;&longs;en, die vorgegebne unendliche Vergrößerung als möglich einzuräumen: aber die Rechnung zeigt bald, daß man &longs;ie nie über das (m/n—n) fache treiben könne (wenn m, n, n &longs;pecifi&longs;che Schweren des Queck&longs;ilbers, untern oder obern Liquors bedeuten). Sind die Liquoren nach de la Hire's Vor&longs;chlage Wein&longs;teinöl und Weingei&longs;t, al&longs;o m, n, n; 14; 1,073; 0,866, &longs;o kan man das Steigen und Fallen des &longs;impeln Barometers &longs;elb&longs;t bey unendlicher Verengerung der Röhre ci doch nicht über (14/1,073—0,866,) d. i. nicht ganz 70mal vergrößern. Ueberdies i&longs;t der Druck der Liquoren auf H ungleich, je nachdem der leichtere oder der &longs;chwerere den größern Theil der Höhe ausfüllt, daher zeigen gleiche Veränderungen die&longs;es In&longs;truments nicht gleiche Aenderungen des Drucks der Luft an. Durch den Uebergang der färbenden Theilchen verdunkelt &longs;ich die Grenze beyder Liquoren; die Wärme hat einen höch&longs;t verwickelten Einfluß, und es gilt auch hier der allgemeine Satz, daß die complicirte&longs;ten Werkzeuge die &longs;chlechte&longs;ten &longs;ind.

Schon 1665 hatte D. Hook (Micrographia, Tab. XXXVII. Fig. 4.) &longs;ein &longs;ogenanntes Radbarometer (Wheel- Barometer, Barometrum cyclicum) be&longs;chrieben, Taf. III. Fig. 44. Es krümmt &longs;ich unten in einen 2ten Schenkel, in welchem auf der Queck&longs;ilberfläche G ein ei&longs;ernes Gewichtchen &longs;chwimmt, das an einem über die Rolle S geführten Faden durch das am andern Ende hängende Gegengewicht H fa&longs;t, jedoch nicht völlig, getragen wird. Beym Auf- und Ab&longs;teigen der Fläche G &longs;teigt und &longs;inkt das er&longs;te Gewicht, dreht die Rolle S und den an ihrer Axe &longs;teckenden Zeiger, der auf einem getheilten Cirkel Grade des Steigens und Fallens angiebt. Hook hatte dadurch, daß er die obere Queck&longs;ilberfläche I in einer weiten Kugel &longs;teigen und fallen ließ, die Veränderungen noch merklicher zu machen ge&longs;ucht; wodurch aber eine unerträgliche Unrichtigkeit ent&longs;teht. Die Einrichtung i&longs;t &longs;o, wie &longs;ie die Figur vor&longs;tellt, angenehm und vieler Verzierungen fähig, aber wegen des hinzukommenden Reibens an der Axe der Rolle zu genauen Beobachtungen &longs;chlechterdings untauglich; Hook &longs;elb&longs;t verwirft &longs;ie wieder (Phil. Trans. no. 185.).

Das Barometer mit der &longs;chiefgebognen Röhre, Taf. III. Fig. 45. fällt, weil &longs;ich der Druck flüßiger Materien nach ihrer &longs;enkrechten Höhe richtet, von i bis k, wenn das gewöhnliche nur von I bis K fällt. Der Einfall i&longs;t &longs;innreich; aber das Reiben wird durch den Druck des Queck&longs;ilbers auf die untere Seite der Röhre AC &longs;ehr ver&longs;tärkt, und die Queck&longs;ilberflächen bey i oder k &longs;tehen nie wagrecht, daher es fa&longs;t unmöglich i&longs;t, ihre &longs;enkrechten Höhen über G genau zu be&longs;timmen. Mu&longs;&longs;chenbroek (Introd. ad Phil. nat. To. II. §. 2078.) &longs;chreibt die Erfindung dem Ritter Morland zu; Leupold (Theatr. aero&longs;tat. Cap. III.) &longs;agt, Ramazzini (Ephemerides barometricae, Mutini. pag. 4.) be&longs;chreibe &longs;ie als &longs;eine eigne.

Das rechtwinklichte Barometer (barometre à l' équerre) des Johann Bernoulli ward von &longs;einem Erfinder gegen das Jahr 1710 der pari&longs;er Akademie vorgelegt. Es i&longs;t in Hermanns Phoronomie (Am&longs;t. 1716. 4.) be&longs;chrieben. Der ältere Ca&longs;&longs;ini hatte den Gedanken eher gehabt, aber nicht ausgeführt. Es i&longs;t unten rechtwinklicht umgebogen, Taf. III. Fig. 46. und mit einer engern horizontalen Röhre bc verbunden, die bey B offen bleibt. Das Queck&longs;ilber &longs;teigt und fällt bey a, und reicht bis i, daß al&longs;o die Fläche i im wagrechten engen Schenkel weit fortgetrieben wird, wenn es im weiten Gefäße bey a nur wenig fällt. Hier bleibt der Anfang der Scale bey d immer der&longs;elbe. Aber das Reiben i&longs;t wegen des Drucks auf die untere Seite von bc &longs;ehr &longs;tark, und die Luft muß bey i auf die Säule ad er&longs;t mittelbar durch ib wirken, &longs;o, daß das Queck&longs;ilber bey einem niedrigen Stande im gewöhnlichen Barometer 2 Lin. &longs;teigen kan, ohne daß es &longs;ich in die&longs;em im gering&longs;ten bewegt. Auch wirkt die Wärme in beyde Queck&longs;ilber&longs;äulen ad und di auf eine ziemlich verwickelte Art.

Amontons (Remarques et experiences phy&longs;iques &longs;ur les barom. etc. Paris 1695. 12.) hat das Taf. lll. Fig. 47. vorge&longs;tellte kegel&longs;örmige oder coni&longs;che Barometer angegeben und zum Gebrauch auf der See vorge&longs;chlagen. Es be&longs;teht aus einer 3—4 Schuh langen bey a ver&longs;chloßnen, bey b ofnen coni&longs;chen Glasröhre ab. Man füllt in die&longs;elbe etwa 29 Zoll hoch Queck&longs;ilber, und kehrt die Röhre um. Das Queck&longs;ilber, welches bey einer Höhe von 29 Zollen &longs;chwerer als die Luft i&longs;t, fällt, kömmt aber dabey in Theile, wo die Röhre weiter i&longs;t. Dadurch verkürzt &longs;ich &longs;eine Säule, wird z. B. 28 Zoll rc. bis &longs;ie die Länge erreicht, die mit dem Drucke der Luft das Gleichgewicht hält. Dann bleibt &longs;ie z. B. in cd &longs;tehen. Wird die Luft leichter, &longs;o fällt das Queck&longs;ilber weiter herab, und verkürzt &longs;ich dadurch wieder bis zum Gleichgewicht; wird &longs;ie &longs;chwerer, &longs;o treibt &longs;ie das Queck&longs;ilber &longs;o weit herauf in die engern Theile, bis es &longs;ich wieder bis zum Gleichgewicht verlängert hat. Der Raum ac i&longs;t luftleer. In der Theorie läßt &longs;ich nicht leicht etwas &longs;innreicheres gedenken; allein die Schwierigkeit, eine genau coni&longs;che Röhre zu erhalten, macht es immer nöthig, die ganze Länge der Säule cd zu me&longs;&longs;en, wodurch das Werkzeug wieder zu einem gewöhnlichen Barometer wird, bey dem noch überdies das Reiben wegen der Bewegung der ganzen Säule &longs;ehr &longs;tark i&longs;t, und wegen einer bald anzuführenden Eigen&longs;chaft der Röhren von ver&longs;chiednen Durchme&longs;&longs;ern noch eine neue Ungewißheit ent&longs;teht.

Alle die&longs;e Vor&longs;chläge, die Barometerveränderungen durch größere Räume auszudehnen, &longs;ind zweckwidrig. Das einfache Barometer &longs;elb&longs;t bleibt allezeit bis auf (1/16) Lin. unzuverläßig, und da &longs;ich die&longs;e Größe noch mit bloßen Augen oder doch durch Hülfe eines Vergrößerungsgla&longs;es unter&longs;cheiden läßt, &longs;o i&longs;t es höch&longs;t nachtheilig, durch eine unnöthige Vergrößerung der&longs;elben das In&longs;trument noch fehlerhafter zu machen.

Da die Höhe der gewöhnlichen Barometer unbequem fallen könnte, &longs;o hat Amontons (Acienne hi&longs;t. de l' acad. des &longs;c. To. II. p 39.) im Jahre 1688 ein verkürztes Barometer angegeben. Taf. III. Fig. 48. i&longs;t die er&longs;te Röhre ab mit Queck&longs;ilber gefüllt, und mit einer zweyten bc verbunden, in der &longs;ich Luft befindet. Die&longs;e hängt mit der dritten cd zu&longs;ammen, die wieder Queck&longs;ilber enthält u. &longs;. f. So wird durch zwo Queck&longs;ilber&longs;äulen und eine Luft&longs;äule die Höhe auf die Helfte herabge&longs;etzt. Vier Queck&longs;ilber&longs;äulen und drey Luft&longs;äulen würden &longs;ie auf den vierten Theil herabbringen u. &longs;. f. Die Luft&longs;äulen dienen nur, den von der er&longs;ten Queck&longs;ilber&longs;äule ent&longs;tandenen Druck auf die zweyte und die folgenden fortzupflanzen, daher auf d die Summe aller Queck&longs;ilber&longs;äulen von unten her drückt. An jeder obern Krümmung i&longs;t eine kleine Röhre g zum Einfüllen des Queck&longs;ilbers, welche nachher wieder ver&longs;chlo&longs;&longs;en wird. Die Veränderungen vertheilen &longs;ich aber hier unter die Queck&longs;ilberflächen a, b, c, d, daß al&longs;o das Barometer der Figur bey a nur 1/4 Zoll &longs;teigt, wenn das gewöhnliche 1 Zoll &longs;teigt. Daher füllte Amontons über d noch einen Liquor, den er in der engen Röhre fe auf&longs;teigen ließ, wie im Doppelbarometer, &longs;etzte auch in bc &longs;tatt der Luft einen Liquor. Neuerlich hat Pa&longs;&longs;ement, zu mehrerer Vergrößerung der Veränderungen, der Röhre bc mehr Länge zu geben, und &longs;ie deswegen entweder im Zikzak hin und her zu biegen, oder weit hinauf zu führen, und wieder bis c herunter gehen zu la&longs;&longs;en, vorge&longs;chlagen. Er füllt &longs;ie dann mit zween Liquoren von ver&longs;chiednen Farben, deren Grenzpunkt bey den gering&longs;ten Veränderungen der Queck&longs;ilberhöhe de&longs;to &longs;tärker hin und her geht, je länger und enger die Röhre i&longs;t. Es i&longs;t aber wegen des &longs;tarken Reibens und der verwickelten Einwirkung der Wärme unmöglich, die&longs;em In&longs;trumente die gehörige Regelmäßigkeit zu geben.

Auch gab Amontons (Mém. de l' acad. des &longs;cienc. 1705.) noch ein Meerbarometer an, welches &longs;chon im Jahre 1700 von Halley (Phil. Trans. no. 269.) als eine Erfindung des D. Hook be&longs;chrieben i&longs;t. Es i&longs;t die&longs;es nichts anders, als das unter dem Worte Thermometer zu be&longs;chreibende Luftthermometer, welches zugleich als Barometer wirkt. Die Erfinder &longs;chlugen vor, ein gewöhnliches Thermometer daneben zu beobachten, und &longs;o zu &longs;ehen, welcher Theil &longs;einer Veränderungen von der Wärme herrühre. Das übrige müßte dann dem Drucke der Luft zuge&longs;chrieben werden. Da der Liquor in|die&longs;em In&longs;trumente nicht &longs;chwankt, wenn es bewegt wird, &longs;o glaubten &longs;ie, es werde auf der See nützlich &longs;eyn. Man kan &longs;ich aber von die&longs;em Verfahren wenig Genauigkeit ver&longs;prechen. Neuerer Verbe&longs;&longs;erungen de&longs;&longs;elben von den Herren Magellan und Luz werde ich unten gedenken.

Weit be&longs;&longs;er i&longs;t Pa&longs;&longs;ements neuerer Vor&longs;chlag, das gewöhnliche einfache Barometer zum Gebrauch auf der See &longs;o einzurichten, daß der mittlere Theil &longs;einer Röhre etwa zweymal in Ge&longs;talt einer Spirallinie umgewunden werde. Die äußere Windung kan 2 Zoll im Durchme&longs;&longs;er halten. Durch die&longs;e Windungen wird die Wirkung des Schüttelns aufgehoben, weil &longs;ie in den&longs;elben viele ver&longs;chiedene Richtungen nehmen muß. Da aber auch das Reiben hiedurch &longs;ehr ver&longs;tärkt wird, &longs;o i&longs;t ein &longs;olches In&longs;trument zu genauern Beobachtungen untauglich; aber die Seefahrenden haben auch einen &longs;o hohen Grad der Genauigkeit nicht nöthig.

Zu gewöhnlicher Beobachtung der täglichen Barometerveränderungen behält das einfache Barometer mit dem Behältniß (Taf. III. Fig. 40 und 41.) ent&longs;chiedene Vorzüge vor allen gekün&longs;telten Einrichtungen, zumal, wenn der Durchme&longs;&longs;er des Behältni&longs;&longs;es weit genug i&longs;t, um das Auf- und Ab&longs;teigen der Fläche GH unmerklich zu machen. Ein in Holland lebender Kün&longs;tler, Prinz, erdachte ein Mittel, die Horizontalfläche GH in der torricelli&longs;chen Röhre (Taf. III. Fig. 38.) immer gleich hoch zu erhalten. Er &longs;etzte über GH einen Deckel mit einer Oefnung in der Mitte, durch welche die Röhre durchgieng, ohne ihren Rand zu berühren. Das Gefäß war mit Queck&longs;ilber gefüllt, welches &longs;elb&longs;t bey der größten Barometerhöhe noch bis über die Oefnung des Deckels hervortrat, und &longs;ich in Ge&longs;talt eines Ringes um die Röhre legte. Fiel nun das Barometer, &longs;o &longs;tieg zwar mehr Queck&longs;ilber über die Oefnung des Deckels hervor, trat aber da&longs;elb&longs;t nicht höher, &longs;ondern machte nur, daß der um die Glasröhre gehende Queck&longs;ilberring &longs;ich ausbreitete und nach und nach den ganzen Deckel bedeckte. So &longs;innreich die&longs;es Mittel ausgedacht i&longs;t, &longs;o i&longs;t es doch wegen der Schwierigkeiten der Ausführung lange Zeit nicht in Gebrauch gekommen, bis de Lüc es wieder in Erinnerung gebracht, und dadurch einige Neuere veranlaßt hat, es bey ihren Erfindungen zu nützen. Herr Luz (Be&longs;chreibung von Barometern, §. 131—134.) hat eine Verbe&longs;&longs;erung de&longs;&longs;elben vorge&longs;chlagen, die er auch zum Rei&longs;ebarometer einzurichten lehret.

Zu genauern Beobachtungen aber, be&longs;onders zum Gebrauch bey Höhenme&longs;&longs;ungen, wobey das Queck&longs;ilber oft &longs;ehr tief fällt, und al&longs;o GH &longs;ehr hoch &longs;teigen würde, wo auch die Ver&longs;chiedenheit der Durchme&longs;&longs;er der Röhre und des Behältni&longs;&longs;es aus andern Ur&longs;achen die Richtigkeit des Queck&longs;ilber&longs;tandes &longs;tören kan, &longs;ind die Barometer mit Behältni&longs;&longs;en nicht mehr &longs;icher zu gebrauchen. Herr de Lüc, de&longs;&longs;en Verdien&longs;te um die Verbe&longs;&longs;erung der meteorologi&longs;chen Werkzeuge &longs;o ausgezeichnet &longs;ind, i&longs;t daher (Recherches &longs;ur les modifications de l' atmo&longs;phère, Genev. 1772. To. ll. 4.) wieder auf die läng&longs;t bekannte Einrichtung des Barometers, Taf. lll. Fig 39., zurückgegangen. Erxleben (Anfangsgr. der Naturl. §. 259.) &longs;agt, er &longs;ey &longs;chon vor de Lüc auf die&longs;en Gedanken gerathen; wie denn auch eine ähnliche Einrichtung &longs;chon beym Hook (Micrographia, 1665. Tab. l. Fig. 1.) und aus dem&longs;elben beym Leupold (Theatr. aero&longs;tat. Tab. Vll. Fig. 5.) vorkömmt, aus welcher Hook nachher das Radbarometer gemacht hat.

Von der Aehnlichkeit mit dem Heber wird die&longs;es Barometer das heberförmige oder Heberbarometer (barometre à &longs;iphon) genannt. Sein größter Vorzug be&longs;teht darinn, daß beyde Queck&longs;ilberflächen in Röhren von gleichen Durchme&longs;&longs;ern &longs;teigen und fallen. De Lüc (Recherches §. 384.) fand durch viele Ver&longs;uche, daß das Queck&longs;ilber jederzeit höher &longs;tand, wenn &longs;ich die Oberfläche &longs;einer Säule in einem weitern Theile der Röhre befand, niedriger aber, wenn &longs;ich die Säule in einem engern Theile endigte. Daher &longs;tand es in &longs;einen Barometern mit Behältni&longs;&longs;en allezeit niedriger, als in denen, die keine Behältni&longs;&longs;e oder Kugeln hatten. Die&longs;er Unter&longs;chied &longs;tieg oft auf 2 Linien, und ver&longs;chwand, wenn man die untere Queck&longs;ilberfläche durch Wegnehmen oder Zugießen von Queck&longs;ilber aus dem Behältni&longs;&longs;e heraus in Theile der Röhre brachte, die mit dem obern Schenkel einen gleichen Durchme&longs;&longs;er hatten. Die&longs;e Ver&longs;chiedenheit i&longs;t un&longs;treitig eine Wirkung des Anhängens, und richtet &longs;ich nicht nach der Größe des Durchme&longs;&longs;ers allein, &longs;ondern auch nach der Ge&longs;talt der Behältni&longs;&longs;e. Ca&longs;&longs;ini (Mém. de l' acad. des &longs;c. 1733.) führt &longs;chon an, daß Plantade auf den Bergen in Rou&longs;&longs;illon und Languedoc das Queck&longs;ilber in allen engen Röhren niedriger, als in weiten, gefunden habe, welches auch die eignen Beobachtungen des Ca&longs;&longs;ini und le Monnier be&longs;tätigten. Sie glaubten aber die&longs;en Unter&longs;chied nur dann zu bemerken, wenn das Queck&longs;ilber nicht in den Röhren gekocht worden war, und &longs;chrieben ihn daher ganz der aus dem Queck&longs;ilber in den obern Raum aufge&longs;tiegnen Luft zu. De Lüc, der ihn auch in gekochten Barometern fand, &longs;ieht es aus die&longs;em Grunde für unumgänglich nothwendig an, den beyden Queck&longs;ilberflächen des Barometers gleiche Durchme&longs;&longs;er zu geben, welches in keinem andern, als im Heberbarometer erhalten werden kan.

Es erfordern aber die&longs;e Heberbarometer an jedem Schenkel eine eigne Scale. Man kan &longs;ie, wie Taf. lll. Fig. 49. einrichten, wo die ganze Röhre etwa 29 pari&longs;er Zoll lang i&longs;t, und von der|an den &longs;iebenten Zoll von unten ge&longs;tellten Null, 22 Zoll aufwärts am längern, und 7 Zoll niederwärts am kürzern Schenkel gezählt werden. Die Zolle mü&longs;&longs;en in Linien, und die&longs;e nach Herrn de Lüc mit rothen Strichen in Viertel getheilt &longs;eyn. Das Augenmaaß theilt leicht noch einmal in Viertel, und unter&longs;cheidet al&longs;o Sechszehntheile der Pari&longs;er Linie. Die Genauigkeit weiter zu treiben, ver&longs;tattet ohnehin das Reiben und Anhängen des Queck&longs;ilbers nicht. Die Angaben beyder Scalen werden addirt. Steht z. B., wie in der Figur, auf einem Berge, I bey 18, G bey 4 Zoll, &longs;o i&longs;t die ganze Höhe von I über G, al&longs;o die eigentliche Barometerhöhe, 22 Zoll.

Der Ritter Landriani &longs;etzt nach Magellan (Be&longs;chreibung neuer Barometer, neb&longs;t einer Anwei&longs;ung zum Gebr. der&longs;. Leipzig 1782. 8.) &longs;tatt der Scale am kürzern Schenkel, eine Büch&longs;e mit einem elfenbeinernen Hahne an, und will, man &longs;olle bey der Beobachtung den Hahn ver&longs;chließen, und das über den&longs;elben aufge&longs;tiegene Queck&longs;ilber aus der Büch&longs;e durch einen Trichter in eine enge an den Trichter ge&longs;chmolzene horizontale Glasröhre gießen, &longs;o werde man durch eine an der&longs;elben angebrachte Scale die Menge des ausgelaufenen Queck&longs;ilbers &longs;ehr genau abme&longs;&longs;en, und dadurch den Stand des Barometers bis auf (1/50) Linie be&longs;timmen können. Das ausgelaufene Queck&longs;ilber muß nachher wieder ins Barometer gego&longs;&longs;en werden. Magellan nennt dies ein &longs;tereometri&longs;ches Barometer. Allein der Zeitverlu&longs;t bey jeder Beobachtung, die Gefahr, beym Aus- und Eingießen Queck&longs;ilber zu verlieren oder mit Luft und Schmuz zu vermi&longs;chen, auch durch den Hahn einmal mehr, das anderemal weniger abzu&longs;chneiden, macht die&longs;e Einrichtung unbrauchbar, und die ge&longs;uchte Genauigkeit i&longs;t ohnedem höher getrieben, als es die Natur der Barometer überhaupt ver&longs;tattet.

Magellan &longs;elb&longs;t (a. a. O.) &longs;chlägt vor, das Heberbarometer um einen Punkt am längern Schenkel, wie etwa der Punkt Null in der Figur, beweglich zu machen, und bey jeder Beobachtung in eine &longs;chiefe Lage zu bringen, bis das Queck&longs;ilber im kürzern Schenkel die auf dem Bret verzeichnete Horizontalfläche 00 erreiche. Der Bogen, der alsdann vom obern Ende der Röhre A, oder von irgend einem andern Punkte des längern Schenkels be&longs;chrieben worden i&longs;t, &longs;oll nun, durch eine Scale abgeme&longs;&longs;en, den Stand des Barometers angeben. Ich kan nicht ab&longs;ehen, was die&longs;e Kün&longs;teley helfen &longs;olle, welche offenbar nur die Fehler vermehrt, und den Einfluß der Wärme unregelmäßiger macht. Soll &longs;ie blos die Beobachtung an zwo Scalen er&longs;paren, &longs;o i&longs;t die&longs;e Bequemlichkeit &longs;ehr theuer erkauft.

Changeux (De&longs;cription de nouveaux barometres à appendice, Journal de phy&longs;ique, Mai 1783.) will (Taf. lll. Fig. 50.) das Barometer mit dem Behältniß noch mit einer Röhre c (appendice) ver&longs;ehen, welche von c gegen d etwa um eine Linie in die Höhe läuft, bey d aber aufwärts gebogen und offen i&longs;t. So, meint er, werde das Queck&longs;ilber nie über c &longs;teigen, al&longs;o im Behältni&longs;&longs;e die Horizontalebne c bey allen Veränderungen des Steigens und Fallens von I immer die&longs;elbe bleiben. Die&longs;e Ab&longs;icht aber wird nicht erreicht, weil der Anhang bey c &longs;chief &longs;tehen muß, damit das hineingetretene Queck&longs;ilber nachher wieder zurücklaufe. Wenn al&longs;o der Anhang ganz voll wird, &longs;teht die Horizontalebne im Behältniß doch 1 Linie höher, als wenn er leer i&longs;t. Außerdem wird auch das Anhängen in c &longs;ehr &longs;tark.

Man &longs;ieht aus dem bisherigen, wie &longs;ehr man am Barometer gekün&longs;telt, und wie oft man &longs;ich von derjenigen Simplicität entfernt habe, welche ohne Ausnahme das Kennzeichen guter Werkzeuge i&longs;t. Ich enthalte mich aller fernern Bemerkungen hierüber, und gehe zu den Vor&longs;chriften zu Verfertigung der Barometer fort, bey welchen ich blos auf Barometer mit Behältni&longs;&longs;en und Heberbarometer Rück&longs;icht nehmen werde. Verfertigung der Barometer.

Die Glasröhren zum Barometer werden am bequem&longs;ten von 1 3/4—2 Lin. Weite im Lichten, und 1/3 Lin. Glasdicke gewählt. Sie mü&longs;&longs;en, &longs;o viel möglich, eine durchgehends gleiche Weite haben; beym Heberbarometer mü&longs;&longs;en wenig&longs;tens die Theile beyder Schenkel, in welchen die Queck&longs;ilberflächen &longs;teigen u. fallen, vollkommen u. durchgehends gleich weit &longs;eyn. Man nennt die Unter&longs;uchung der gleichen Weite der Röhren das Calibriren. Sie hat bey den weitern Barometerröhren mehr Schwierigkeit, als bey den engern zum Thermometer dienenden. De Lüc &longs;teckt in die&longs;er Ab&longs;icht einen Kork in die Röhre, gießt Queck&longs;ilber darauf, zieht den Kork mit einem Faden immer weiter fort, und &longs;ieht, ob das nachlaufende Queck&longs;ilber überall einen gleich langen Raum einnimmt. Luz ver&longs;topft das Ende der Röhre, füllt aus einem kleinen Maaße Queck&longs;ilber darüber, und &longs;ieht, ob das zweyte, dritte rc. darüber gefüllte Maaß in der Röhre einen eben &longs;o langen Raum einnimmt, als das er&longs;te.

Die Röhren werden vorher wohl getrocknet, und mit einem durchgezognen trocknen Schwamm gereiniget; dann &longs;chmelzt man das eine Ende-an der Flamme &longs;o zu, daß man keine feine Spitze, &longs;ondern eine kleine und gleichförmige Wölbung erhält. Man giebt ihr zugleich die am untern Theile nöthige Krümmung; deren jedoch das Barometer Taf. lll. Fig. 40. nicht bedarf. Hierauf muß &longs;ie &longs;ogleich, und zwar nothwendig über dem Feuer, oder mit Kochen des Queck&longs;ilbers, gefüllt werden.

Das Queck&longs;ilber muß vorher wohl gereiniget &longs;eyn. Luz empfiehlt hiezu Prie&longs;tley's Methode, da&longs;&longs;elbe in einer glä&longs;ernen Fla&longs;che &longs;o lange zu &longs;chütteln, bis &longs;ich keine &longs;chwarze bleyi&longs;che Materie mehr davon ab&longs;ondert. Sobald es ganz rein i&longs;t, fängt es beym Schütteln an zu ra&longs;&longs;eln. Das gereinigte Queck&longs;ilber läßt man durch einen papiernen oder glä&longs;ernen Trichter in die Röhren laufen, bis etwa noch 3 Zoll der Röhre leer &longs;ind. In gekrümmten Röhren wird es bey flach gelegter Röhre in den kürzern Schenkel eingefüllt, bis es die Krümmung, &longs;o viel möglich, anfüllt; dann hält man die Oefnung zu, kehrt die Röhre um, und bringt das, was durch die Krümmung in den längern Schenkel gekommen i&longs;t, durch Schütteln vollends hinab bis an das zuge&longs;chmolzene Ende. Da dies müh&longs;am i&longs;t, &longs;o krümmen manche die Röhre er&longs;t, wenn &longs;ie &longs;chon gefüllt i&longs;t, wobey aber die Röhren leicht zer&longs;pringen, &longs;obald der eben glühende Theil vom Queck&longs;ilber berührt wird.

Das Kochen des Queck&longs;ilbers in der Barometerröhre, welches zur Güte der Barometer &longs;o we&longs;entlich nothwendig i&longs;t, ward dem Herrn du Fay (Mém. de l' acad. roy. des Sc. 1723.) von einem deut&longs;chen Glasarbeiter als ein Mittel vorge&longs;chlagen, die Barometer im Dunkeln leuchtend zu machen. Die Methode war aber &longs;ehr unvollkommen, weil &longs;ehr viel Queck&longs;ilber auf einmal gekocht ward. Ca&longs;&longs;ini und le Monnier entdeckten nachher (Mém. de l'acad. des Sc. 1740.), daß das Queck&longs;ilber in allen &longs;olchen durchs Kochen gefüllten Röhren gleich hoch &longs;tehe, und gleich viel &longs;teige und falle, da Barometer, die nicht gekocht &longs;ind, &longs;ehr beträchtlich von einander abweichen. Dennoch hatte man noch nicht richtige Begriffe von den eigentlichen Vortheilen des Kochens; Beighton (Phil. Trans. no. 448.) gab es noch 1738 als ein Mittel an, den Einfluß der Wärme aufs Barometer ganz zu verhindern, wofür es auch du Fay gehalten hatte. De Lüc hält mit Recht das Kochen. für das einzige Mittel, die Luft auf eine &longs;tets gleiche Menge zu bringen, die &longs;ich aus dem Queck&longs;ilber losmacht, und in den leeren Raum über der Queck&longs;ilber&longs;äule auf&longs;teigt, wo &longs;ie nicht allein durch ihre Ela&longs;ticität die Queck&longs;ilberfläche bey ungekochten Barometern, in einem mehr als im andern, niederdrückt, &longs;ondern auch durch ihre Empfindlichkeit gegen die Wärme höch&longs;t unregelmäßige Einflü&longs;&longs;e die&longs;er Wärme auf den Gang des Barometers veranla&longs;&longs;et. Zurückbleibende Feuchtigkeit &longs;chadet nach Herrn Luz Ver&longs;uchen noch mehr. Ein Wa&longs;&longs;ertröpfchen in den obern Raum gebracht, trieb das Queck&longs;ilber augenblicklich um 11 Linien herab. Amontons hatte ein Barometer, welches &longs;tets 18 Linien zu tief &longs;tand. Aus die&longs;en Ur&longs;achen i&longs;t es &longs;chlechterdings nothwendig, die Barometer durch Kochen zu füllen: nur dadurch kan man den Stand der&longs;elben überein&longs;timmend, und den Einfluß der Wärme auf den&longs;elben regelmäßig machen.

Man macht den Anfang des Kochens am zuge&longs;chmolzenen Ende der Röhre, wovon man ein Stück von etwa 6 Zollen an einem gelinden Kohlenfeuer nach und nach erwärmt. Bey zunehmender Hitze bedeckt &longs;ich die äußere Fläche des Queck&longs;ilbers mit einer unglaublichen Menge Luftbla&longs;en, wovon &longs;ie ganz a&longs;chgrau &longs;cheint; die&longs;e &longs;ammlen &longs;ich endlich in größere, welche im Queck&longs;ilber hinauflaufen. Noch kocht es aber nicht. Man hält nun die Röhre unter einer Schiefe von etwa 40°, &longs;o, daß der zu kochende Theil in dem Kohlenfeuer &longs;teht. Wenn das Kochen angeht, &longs;o trennt &longs;ich das Queck&longs;ilber, und wenn man den Ort, wo dies ge&longs;chieht, einige Augenblicke in der &longs;tarken Hitze läßt, &longs;o &longs;tößt die erhitzte Luft die ganze wohl 23 Zoll hohe Queck&longs;ilber&longs;äule mit Gewalt mehrere Zolle empor, die dann beym Zurückfallen gemeiniglich das Glas zer&longs;prengt. Man dar&longs; &longs;ie al&longs;o nie über 1/2 Zoll &longs;teigen la&longs;&longs;en. Aber um die&longs;es Auf&longs;teigen zu hindern, darf man nicht etwa die Röhre vom Feuer entfernen; man muß &longs;ie vielmehr weiter durchs Feuer fort&longs;chieben, damit der untere Theil der auf&longs;teigenden Säule in die &longs;tärk&longs;te Hitze komme, und nach und nach in kleinen Kügelchen, nicht aber mit einem Schlage, zurückfalle. So, wie die&longs;e Kügelchen herabfallen, &longs;chiebt man die Röhre nach, daß immer der unter&longs;te Theil der erhobnen Säule in der &longs;tärk&longs;ten Hitze bleibt, &longs;o kan man auf die&longs;e Art einen großen Theil der Röhre ohne Gefahr auskochen, und dann zu den übrigen Theilen fortgehen. Am zuge&longs;chmolzenen Ende &longs;elb&longs;t i&longs;t die größte Vor&longs;icht nöthig. Das Auf&longs;teigen der Bla&longs;en durch einen Ei&longs;endrath zu befördern, i&longs;t nicht rath&longs;am, weil ein &longs;olcher Drath die Röhre ritzt. Daß man übrigens nicht anders, als durch Erfahrung und Uebung, Ge&longs;chicklichkeit hierinn erlangen könne, i&longs;t an &longs;ich klar.

Durch das Kochen kömmt das Queck&longs;ilber in &longs;o genaue Berührung mit dem Gla&longs;e, daß beym Umkehren der Röhre die ganze Säule darinn hängen bleibt, und er&longs;t nach einigem Schütteln aus der Spitze bis zur gewöhnlichen Barometerhöhe herabfällt. Man nimmt die&longs;es Anhängen oft auch beym Füllen ungekochter Barometer wahr. Wolf (Nützl. Ver&longs;. ll. Th. C. 3. §. 36.) erzählt die hiehergehörigen Beobachtungen des Huygens, Brounker, Boyle und Wallis. Der er&longs;te &longs;ahe das Queck&longs;ilber in einer umgekehrten Röhre 75 rheinländi&longs;che Zoll hoch &longs;tehen oder vielmehr hängen bleiben. Die&longs;es Phänomen veranlaßte mancherley Hypothe&longs;en über gröbere und feinere Luft, Druck der &longs;ubtilen Materie oder des Aethers u. dgl. Es i&longs;t nichts anders, als eine Wirkung des Anhängens bey genauer Berührung, welche nachher nicht wieder hervorgebracht werden kan, weil &longs;ich &longs;elb&longs;t in gekochten Barometern in dem leeren Raume etwas Luft &longs;ammlet, welche für die Folge die genaue Berührung des Queck&longs;ilbers und Gla&longs;es an der Spitze verhindert.

Das ausgekochte Barometer wird nun auf ein Bret von Tannenholz &longs;o befe&longs;tiget, daß die Röhre mit einem Drittel ihrer Dicke in einer mit dem Kehlhobel ausge&longs;to&longs;&longs;enen Rinne liegt, und die Ränder der Rinne genau an das Glas an&longs;chließen, daher die Rinne &longs;chmäler &longs;eyn muß, als die Röhre. Bey Heberbarometern muß für den kürzern Schenkel eine ähnliche Rinne da &longs;eyn. Luz &longs;chneidet das Holz des Brets da, wo die Krümmung hinkömmt, ganz aus. Das Bret wird mit Papier überkleidet, und die Scale darauf gezeichnet.

Die gemeinen Barometer, welche die Italiäner bey uns zum Verkauf herumtragen, haben &longs;tatt der Scale einen willkührlich aufge&longs;etzten gedruckten Zettel mit Graden und den Worten: Schön Wetter, Veränderlich, Regen, Sturm u. dgl. Von &longs;olchen unnützen Werkzeugen &longs;timmt kein einziges mit dem andern überein, und &longs;ie dienen höch&longs;tens dazu, die gröb&longs;ten Veränderungen zum Zeitvertreib zu bemerken, und andern wieder zu erzählen, daß das Wetterglas auf Sturm gefallen &longs;ey.

Die Scale des Barometers &longs;oll angeben, wie hoch die obere Queck&longs;ilberfläche über der untern &longs;tehe. Gewöhnlich richtet man &longs;ie auf pari&longs;er Zoll ein, deren jeder in 12 Linien getheilt wird. Man kan aber jedes bekannte Maaß gebrauchen, wenn man nur dazu &longs;agt, welches man gebraucht habe. Die de Lüc&longs;che Einrichtung der Scale für &longs;ein Barometer i&longs;t &longs;chon im vorigen be&longs;chrieben und Taf. lll. Fig. 49. abgebildet worden. Man könnte auch am kürzern Schenkel die Null unten &longs;etzen und von unten herauf zählen. Dann würde am längern Schenkel fortgezählt, daß z. B. in der Figur &longs;tatt 0;7, &longs;tatt 5;12, &longs;tatt 22; 29 zu &longs;tehen käme. Bey der Beobachtung würden dann die Angaben beyder Schenkel von einander abgezogen. So würde in der Figur der längere 25 Zoll, der kürzere 3 Zoll zeigen, die Barometerhöhe &longs;elb&longs;t aber 22 Zoll &longs;eyn.

Um die doppelte Scale zu er&longs;paren, die doch immer zwo Beobachtungen &longs;tatt einer nothwendig macht, hat Herr Luz (Be&longs;chreibung von Barom. §. 113.) vorge&longs;chlagen, das Heberbarometer &longs;o am Brete anzubringen, daß &longs;ich &longs;eine Schenkel in den Rinnen auf- und ab&longs;chieben la&longs;&longs;en. Er zieht nun auf dem Brete eine Horizontallinie, macht bey die&longs;er den Anfang einer einzigen Scale, und &longs;tellt bey jeder Beobachtung durch eine um einen Wirbel gewundene Darm&longs;aite das Barometer &longs;elb&longs;t &longs;o, daß die Queck&longs;ilberfläche im kürzern Schenkel auf die Horizontallinie am Anfange der Scale fällt, auf welcher nun die Queck&longs;ilberfläche im längern Schenkel die Höhe der Säule richtig anzeigt.

Für die Barometer mit Behältni&longs;&longs;en, deren Stand wegen der ungleichen Durchme&longs;&longs;er der beyden Queck&longs;ilberflächen gewöhnlich niedriger i&longs;t, als der Stand der Heberbarometer, räth Herr Luz (a. a. O. §. 115 u. f.) an, die Scale der&longs;elben bey einem mittlern Barometer&longs;tande &longs;o anzu&longs;etzen, daß die Angabe des Barometers mit der zugleich beobachteten Angabe eines guten Heberbarometers übereinkomme; oder noch lieber die Scale oder auch das Barometer &longs;elb&longs;t beweglich zu machen, und es &longs;owohl im Anfange, als auch hernach von Zeit zu Zeit nach einem guten Heberbarometer zu berichtigen. Dies heißt wohl im Grunde &longs;o viel als: es &longs;ey be&longs;&longs;er, mit dem Heberbarometer &longs;elb&longs;t zu beobachten. Herr Luz aber glaubt doch, da man die Barometer beobachtungen oft andern Leuten überla&longs;&longs;en mü&longs;&longs;e, die das Heberbarometer nicht zu behandeln wüßten, und da die öftere Reinigung des kürzern Schenkels, in welchem das Queck&longs;ilber der Luft und dem Staube ausge&longs;etzt i&longs;t, be&longs;chwerlich &longs;ey, &longs;o habe ein genau berichtigtes Behältnißbarometer zu fortge&longs;etzten Beobachtungen noch Vorzüge vor dem Heberbarometer. Die Vor&longs;chriften zur Berichtigung mü&longs;&longs;en bey ihm &longs;elb&longs;t nachgele&longs;en werden.

Da man die Linie auf der Scale noch in vier Theile theilen und durchs Augenmaaß Sechszehntheile unter&longs;cheiden kan, &longs;o &longs;ind hiedurch &longs;chon die Grenzen der Genauigkeit erreicht, die das Barometer &longs;einer Natur nach zuläßt. Daher &longs;cheinen mir Mikrometer, Vernier oder Nonius, Transver&longs;allinieu, dergleichen Luz und Ro&longs;enthal| vor&longs;chlagen, um den Stand des Barometers bis auf noch feinere Theile zu bemerken, entbehrlich; auch wird man die Erklärung der&longs;elben hier nicht erwarten.

Was die Behältni&longs;&longs;e betrift, &longs;o i&longs;t zu dem Taf. III. Fig. 40. vorge&longs;tellten Barometer durch Leutmann (In&longs;trumenta meteorogno&longs;iae in&longs;ervientia, Viteb. 1725. 8.) eine Büch&longs;e von Holz vorge&longs;chlagen worden, welche noch jetzt häufig gebraucht wird. Sie i&longs;t ein wenig verändert Taf. Ill. Fig. 51. aus Luz (Be&longs;chr. v. Bar. Taf. ll. F. 1.) vorge&longs;tellt. adeda i&longs;t ein hölzernes Gefäß mit einer Oefnung bey e, auf welches der Deckel Bffb pa&longs;&longs;et. Der Deckel hat ein 3/4 Zoll weites Loch cc, mit Kork ausgefüttert. Die Barometerröhre geht geräumig durch das in den Kork gebohrte Loch. Nach dem Füllen, noch ehe die Röhre umgekehrt wird, leimt man um ihren obern Theil ein Streifchen Bla&longs;e, und dann den Deckel B&longs;fB in umgekehrter Stellung darauf, &longs;o daß das Gefäß adeda, wenn es darüber ge&longs;etzt wird, bey e etwa 1 1/2 Lin. von dem Ende der Röhre ab&longs;teht. Man leimt das Gefäß an den Deckel an, füllt durch die jetzt oben&longs;tehende Oefnung e alles voll Queck&longs;ilber, und ver&longs;chließt die&longs;e Oefnung durch ein genau pa&longs;&longs;endes eingeleimtes Zäpfgen. Nunmehr kan man, da alles ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t, die Röhre mit der Büch&longs;e ohne Gefahr umkehren, und an das Bret befe&longs;tigen. Jetzt i&longs;t &longs;ie aber ganz voll Queck&longs;ilber; man zieht daher aus einem &longs;chon vorher bey h eingebohrten Loche das Zäpfgen, womit es ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t, heraus, &longs;o läuft das überflüßige heraus, und das Queck&longs;ilber &longs;etzt &longs;ich in der Büch&longs;e und der Nöhre auf die gehörigen Höhen. Einige la&longs;&longs;en die Büch&longs;e ver&longs;chlo&longs;&longs;en, weil die äußere Luft durch das Holz wirket; aber es i&longs;t rath&longs;amer, durch den Deckel eine Oefnung zu bohren, die aber, wie natürlich, beym Füllen ver&longs;chlo&longs;&longs;en werden muß. Be&longs;orgt man, das Queck&longs;ilber möchte mit der Zeit ins Holz eindringen, &longs;o darf man die Büch&longs;e nur von innen lackiren.

Herr Luz be&longs;chreibt a. a. O. noch andere Einrichtungen die&longs;er Büch&longs;e. Nollet machte &longs;ie von Glas, damit man die untere Queck&longs;ilberfläche &longs;ehen konnte. Luz &longs;elb&longs;t macht die Vertiefung ded &longs;ehr flach und kaum merklich, läßt die Röhre bey e durch den Boden durchgehen, das aus ihr herausgehende Queck&longs;ilber aber durch einen an der Seite befindlichen Canal wieder herauf auf den Boden dd kommen, wo es &longs;ich nach der flachen Vertiefung hinzieht und um die Röhre einen Ring bildet, der &longs;ich bey mehrerm oder wenigerm Queck&longs;ilber nur verbreitet oder verengert, ohne &longs;eine Höhe zu ändern. Er giebt dies als eine Verbe&longs;&longs;erung der Prinzi&longs;chen Einrichtung an.

Die Behältni&longs;&longs;e zu den Taf. lll. Fig. 41. abgebildeten Barometern werden gewöhnlich noch vor dem Füllen an die er&longs;t gekrümmten Röhren angebla&longs;en. Sie mü&longs;&longs;en, wie die vorher be&longs;chriebenen Büch&longs;en, einen 10—12mal größern Durchme&longs;&longs;er, als die Röhre, haben. Weil viel Queck&longs;ilber erfordert wird, um die angebla&longs;enen Glasbehältni&longs;&longs;e bis an ihren größten Kreis auszufüllen, &longs;o thut Luz (§. 138. 139.) zur Er&longs;parung den Vor&longs;chlag, &longs;tatt des Behältni&longs;&longs;es ein cylindri&longs;ches glä&longs;ernes Gefäß ohne Boden in eine hölzerne Kap&longs;el zu fa&longs;&longs;en, die gekrümmte Röhre bis durch den Boden der Kap&longs;el fortzuführen, und das Queck&longs;ilber nur &longs;o weit gehen zu la&longs;&longs;en, daß es beym höch&longs;ten Barometer&longs;tande gerade den hölzernen Boden der Kap&longs;el bedeckt; er zeigt auch, wie &longs;ich dabey auf eine &longs;ehr einfache Art die Prinzi&longs;che Einrichtung anbringen la&longs;&longs;e, um immer einerley Horizontalebne zu behalten. Uebrigens i&longs;t nicht zu verge&longs;&longs;en, daß dergleichen Behältnißbarometer bey An&longs;etzung der Scale allezeit nach dem Heberbarometer zu richten &longs;ind. Einfluß der Wärme aufs Barometer.

Die Wärme dehnt das Queck&longs;ilber aus, macht es &longs;pecifi&longs;ch leichter, und verur&longs;acht daher, daß die mit dem Drucke des Luftkrei&longs;es gleichwiegende Säule bey wärmerm Queck&longs;ilber höher, als bey kälterm, &longs;eyn muß, d. h. bey größerer Wärme &longs;teht das Barometer höher, wenn gleich der Druck der Luft ebender&longs;elbe bleibt. Amontons (Mém. de Paris 1740.) gab hierüber zuer&longs;t die Regel an, daß &longs;ich von der größten Kälte bis zur größten Hitze in Paris das Volumen des Queck&longs;ilbers um (1/115) ändere. De la Hire, du Fay, Beighton aber läugneten den Einfluß der Wärme auf die einfachen Barometer, wenig&longs;tens auf die gekochten, gänzlich. De Lüc (Recherches §. 355. u. f.) hat endlich zu genauern Unter&longs;uchungen hierüber die Bahn gebrochen. Er zeigt, daß man von der Ausdehnung des Queck&longs;ilbers im Thermometer keinen Schluß auf &longs;eine Ausdehnung im Barometer machen könne; auch daß nur in gekochten Barometern regelmäßiger Einfluß der Wärme &longs;tatt finde, und &longs;chließt endlich aus Ver&longs;uchen mit Barometern und Thermometern in einem kalten, nachher geheizten, Zimmer, daß die Veränderung der Temperatur vom Eis- bis Siedpunkt den Barometer&longs;tand von 27 par. Zoll um 6 Linien ändere (§. 364.). Er theilt deswegen auf &longs;einem Thermometer den Raum zwi&longs;chen Eis- und Siedpunkt in 96 Grade; &longs;o kömmt jedem Grade Aenderung der Wärme, (1/16) Lin. Aenderung des Barometer&longs;tands zu. Die Null die&longs;er Thermometer&longs;cale zum zehnten Grade nach Reaumur ge&longs;etzt, kömmt an den Eispunkt —12, an den Siedpunkt +84 zu &longs;tehen. De Lüc beobachtet nun die&longs;es Thermometer zugleich mit dem Barometer, und giebt für die Berichtigung jedes Barometer&longs;tands eine Regel (§. 374.), die &longs;ich am kürze&longs;ten in einem allgemeinen Ausdrucke abfa&longs;&longs;en lä&longs;t. Wenn der unverbe&longs;&longs;erte Barometer&longs;tand =B Linien i&longs;t, und de Lücs Thermometer ± k Grade zeigt, &longs;o i&longs;t der berichtigte Barometer&longs;tand B (1∓ (k/5184)) Lin. Stünde z. B. das Barometer auf einem Berge bey 13 1/2 Zoll oder 162 Linien, und das Thermometer zeigte—16, &longs;o würde der berichtigte Barometer&longs;tand 162. (1+(16/5184))=162 Lin. &longs;eyn. So viel würde nemlich das Barometer zeigen, wenn die Temperatur 10 Grad nach Reaumur wäre; die Kälte auf dem Berge hat die Queck&longs;ilber&longs;äule um 1/2 Linie verkürzt. Herr Kä&longs;tner (Abhdl. von Höhenme&longs;&longs;ungen durch das Barometer in &longs;. Anm. über die Mark&longs;cheidekun&longs;t, Gött. 1775. 8. §. 295—301.) zeigt, daß das Verfahren nach die&longs;er Regel nicht in aller Schärfe richtig, doch in der Ausübung brauchbar &longs;ey.

Der Ritter Shukburgh (Philo&longs;. Transact. Vol. LXVII. no. 29.) giebt die Aenderung einer 30 engli&longs;che Zoll langen Queck&longs;ilber&longs;äule für jeden Grad des Fahrenheiti&longs;chen Thermometers=0,00323 Zoll an, welches nach gehöriger Reduction der Maaße und Scalen nicht weit von de Lücs Angabe abweicht.

Roy (Philo&longs;. Trans. Vol. LXVll. no. 34.) findet durch Ver&longs;uche, die &longs;ehr genau &longs;cheinen, die Ausdehnung eben die&longs;er Säule vom Eis-bis zum Siedpunkte 0,5117 engl. Zoll, das i&longs;t, für eine Säule von 27 par. Zoll nur 5,5262 par. Lin.

Ro&longs;enthal (Beyträge zur Verfertigung, Kenntniß und Gebrauch meteorolog. Werkzeuge, Gotha. B. I. 1782. B. ll. 1784. 8.) giebt aus eignen Ver&longs;uchen 5,56, und Luz (Be&longs;chreib. v. Bar. §. 77.) 5,64 par. Lin. Der letztere nimmt endlich 5,5 Lin. an, welches aber kein Mittel, &longs;ondern nach allen Ver&longs;uchen zu wenig i&longs;t.

Als das bequem&longs;te Mittel, die Barometerbeobachtungen nach die&longs;en Ver&longs;uchen zu berichtigen, &longs;chlagen fa&longs;t alle prakti&longs;che Kenner des Barometers vor, &longs;ich be&longs;onderer Thermometer&longs;calen zu bedienen, wovon die &longs;chon angeführte Methode des de Lüc ein Bey&longs;piel giebt. Allein es erfordert nicht allein jedes andere Ausdehnungs verhältniß, und jede andere Temperatur, auf welche man die Barometerhöhen reduciren will, eine andere Eintheilung der Scale, &longs;ondern jede Scale gilt auch nur für eine einzige Barometerhöhe, und muß für andere verhältnißmäßig vergrößert oder verkleinert werden, welches die Menge der Scalen fa&longs;t ins unzählbare vervielfaltiget. Aus der unnöthigen Menge der Thermometer&longs;calen i&longs;t ohnehin &longs;chon &longs;o viel &longs;chädliche Sprachverwirrung ent&longs;tanden, daß man billig aufhören &longs;ollte, &longs;ie noch mehr zu häufen. Ueberdies giebt Rechnung allezeit größere Sicherheit, als Zeichnung, und die hier erforderliche i&longs;t nicht &longs;o &longs;chwer, daß man nicht von Jedem, der phy&longs;ikali&longs;che Beobachtungen an&longs;tellt, die dazu nöthige Fertigkeit verlangen könnte.

Die&longs;e Rechnung i&longs;t in folgender Formel enthalten. Eine Queck&longs;ilber&longs;äule im Barometer, welche beym Eispunkte die Länge m hat, dehne &longs;ich bis zum Siedpunkte um die Länge n aus.

Das Thermometer, das man braucht, habe zwi&longs;chen Eis und Siedpunkt f Grad, und zeige bey der Beobachtung h Grad über dem Eispunkte. Die Temperatur, auf welche man alle Beobachtungen reduciren will, &longs;ey g Grad über dem Eispunkte.

Die beobachtete Barometerhöhe &longs;ey B. So i&longs;t die berichtigte oder b=(fm+gn/fm+hn)B=B·(1+((g—h)n/fm+hn)) wofür man ohne merklichen Fehler in der Anwendung B· (1+((g—h)n/fm)) &longs;etzen kan, weil hn &longs;tets unbeträchtlich gegen fm i&longs;t.

Nimmt man nun mit de Lüc n=6 Linien, für m=27 Zoll=324 Lin., &longs;o wird n/m=(6/324)=(1/54), und b=B· (1+(g-h/54f)) woraus de Lücs im Vorigen angegebne Regel folgt, wenn man &longs;einer Scale gemäß g=12; h=k+12; f= 96 &longs;etzt.

Beobachtet man an einem Fahrenheiti&longs;chen Thermometer, nennt den Grad, den da&longs;&longs;elbe bey der Beobachtung zeigt, k, und den, auf welchen man die Beobachtung reduciren will, i; &longs;o i&longs;t f=180; g=i—32; h= k—32, und b=B (1+(i—k/9720))

Die Berichtigung wegen der Wärme be&longs;teht al&longs;o darinn, daß man zur beobachteten Barometerhöhe B noch (i—k/9720) B hinzu&longs;etzt, oder, wenn i—k negativ i&longs;t, (k—i/9720)B von ihr abzieht.

Er. Das Barometer zeigt 26 Zoll, 6 Lin.=318 Linien, das Fahrenheiti&longs;che Thermometer 40 Grad; man will die Barometerhöhe auf die Temperatur 70 Grad nach Fahrenheit reduciren. So hat man (70-40/9720)·318=(318/324) Lin. hinzuzu&longs;etzen, und erhält 318,98 Lin.

Oder man will eben die&longs;e Beobachtung auf die Temperatur des Eispuncts reduciren, welche 32 Grad i&longs;t. So hat man (40-32/9720)· 318=(318/1215) Lin. abzuziehen, und erhält 317,73 Lin.

Das heißt: Eben der Druck der Luft, der jetzt bey 40 Grad Thermometer&longs;tand das Queck&longs;ilber 318 Lin. hoch hält, würde ein bis zu 70 Grad erwärmtes 318,98 Lin. und ein bis zum Eispunkte erkaltetes 317,73 Linien hoch halten.

Es erhält die&longs;e Formel durch die Ge&longs;chmeidigkeit, mit welcher &longs;ie &longs;ich allen möglichen Voraus&longs;etzungen, Scalen und Reductionstemperaturen anpa&longs;&longs;en läßt, einen großen Vorzug, und für die, welche die bey jeder Beobachtung nöthige Rechnung &longs;cheuen, wären Tabellen, nach der Formel berechnet, gewiß eben &longs;o leicht zu brauchen, als die vielen Scalen, welche nur Verwirrung und Unzuverlä&longs;&longs;igkeit in die Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bringen.

Die&longs;e Reduction des Barometer&longs;tandes auf das, was er bey einer andern, zum allgemeinen Vergleichungspunkte angenommenen, Temperatur des Queck&longs;ilbers gewe&longs;en &longs;eyn würde, heißt Berichtigung wegen der Wärme des Queck&longs;ilbers, und i&longs;t bey allen Beobachtungen nöthig, wenn &longs;ie anders mit einander &longs;ollen verglichen werden können. Das dabey zu beobachtende Thermometer muß im Brete des Barometers &longs;elb&longs;t befe&longs;tiget &longs;eyn, damit &longs;ich das Queck&longs;ilber in dem&longs;elben mit dem Queck&longs;ilber des Barometers &longs;elb&longs;t in völlig gleichen Um&longs;tänden befinde, und beyde einerley Temperatur erhalten, wozu man den In&longs;trumenten einige Zeit la&longs;&longs;en muß.

Zur Temperatur, die den allgemeinen Vergleichungspunkt abgeben &longs;oll, will Luz aus Ur&longs;achen, welche bey dem Worte: Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che, erklärt werden, +16 3/4 Gr. nach Reaumür gewählt wi&longs;&longs;en, welches mit (69 11/16) oder fa&longs;t 70 Gr. nach Fahrenheit übereinkömmt, und von Ro&longs;enthal die Normaltemperatur genannt wird. Die Formel läßt &longs;ich auf jede &longs;olche Wahl leicht anwenden.

Ro&longs;enthal (Anleitung, das de Lüc&longs;che Barometer zu einem höhern Grad der Vollkommenheit zu bringen, Gotha, 1779. 8.) thut einen Vor&longs;chlag, die&longs;e Berichtigung zu machen, ohne dazu eines Thermometers zu bedürfen. Die&longs;er Vor&longs;chlag &longs;etzt einen Heberbarometer voraus, an dem die Null an beyden Schenkeln unten &longs;teht, wo al&longs;o die Angabe des kürzern Schenkels von der des längern zu &longs;ubtrahiren i&longs;t. Er mißt die Länge des in beyden Schenkeln über der 0 enthaltnen Queck&longs;ilbers zu einer Zeit, da die Luft die Normaltemperatur hat, und nennt &longs;ie die Normallänge. Ge&longs;etzt, er finde im längern Schenkel 5609, im kürzern 424 Sechszehntheile einer Linie, &longs;o i&longs;t die Normallänge 5609+424=6033; der Barometer&longs;tand hiebey aber, 5609—424=5185. Zeigt ihm nun zu einer andern Zeit der längere Schenkel 5650, der kürzere 427, &longs;o &longs;cheint der Barometer&longs;tand 5650—427 =5223 zu &longs;eyn; die Normallänge aber hat &longs;ich in 5650 +427=6077 verändert. Die&longs;e Veränderung i&longs;t blos dem Einflu&longs;&longs;e der Wärme zuzu&longs;chreiben, und von ihr kömmt auf den &longs;cheinbaren Barometer&longs;tand ein &longs;einer Größe gemäßer Theil. Daher muß &longs;ich die jetzige Normallänge (6077) zur eigentlichen (6033) verhalten, wie der &longs;cheinbare Barometer&longs;tand (5223) zum berichtigten, wofür die Regel Detri 5185 giebt. So hoch würde al&longs;o das Barometer unter gleichem Drucke der Luft bey der Normaltemperatur &longs;tehen. So &longs;innreich die&longs;e Methode in der Theorie i&longs;t, &longs;o &longs;etzt &longs;ie doch voraus, daß die Röhren überall vollkommen gleich weit &longs;ind, und nie Queck&longs;ilber verlohren gehe, welches in der Ausübung zu erhalten kaum möglich i&longs;t. Uebrigens i&longs;t nach Luz die&longs;er Vor&longs;chlag &longs;chon 1759 von Herrn de la Grange gethan, auch nachher ein ähnlicher von Lamanon (Journal de phy&longs;ique, Janv. 1782.) bekannt gemacht worden. Methode, zu beobachten, und die Beobachtungen aufzuzeichnen.

Das Bret des Barometers muß mit Hülfe eines Bleyloths &longs;o aufgehangen und befe&longs;tiget werden, daß &longs;ich die Röhren de&longs;&longs;elben neb&longs;t der Scale in einer völlig lothrechten Stellung befinden. Auch portativen Barometern muß man, &longs;o oft &longs;ie aufge&longs;tellt werden, die&longs;e lothrechte Stellung geben. Es i&longs;t nicht genug, die Lage zu &longs;uchen, in welcher das Queck&longs;ilber die gering&longs;te Höhe zeigt, und die&longs;e für die richtige anzunehmen, wie le Monnier gethan und noch neuerlich Ro&longs;enthal für zureichend gehalten hat. Barometer mit gekrümmten Röhren geben wegen des Anhängens die niedrig&longs;te Höhe in einer &longs;chiefen Richtung.

Vor der Beobachtung muß man einigemal, zuer&longs;t &longs;tark, dann &longs;chwächer, an die Röhre &longs;chlagen, um &longs;o durch ein gelindes Schütteln dem anhängenden Queck&longs;ilber die gehörige Freyheit zu geben.

Bey der Beobachtung muß das Auge genau in einerley Horizontallinie mit der Queck&longs;ilberfläche &longs;tehen, um die in höhern oder niedrigern Ge&longs;ichtspunkten ent&longs;tehende Parallaxe zu vermeiden. Man giebt deswegen auf das Bild der Scale Achtung, das &longs;ich in der Röhre, wie in einem Spiegel, dar&longs;tellt; unter den Strichen die&longs;es Bildes er&longs;cheint nur einer horizontal, und wenn dies derjenige i&longs;t, der an der Queck&longs;ilberfläche &longs;tehet, &longs;o hat das Auge die gehörige Stellung, und eben die&longs;er Theilungs&longs;trich giebt die Höhe der Säule an.

Die Queck&longs;ilberfläche i&longs;t in glä&longs;ernen Röhren nie eben, &longs;ondern &longs;teht in der Mitte höher, als am Rande. Man muß aber ihre Höhe in der Mitte, nicht die am Rande, beobachten.

Jede Beobachtung muß, ehe man &longs;ie auf&longs;chreibt, wegen der Wärme des Queck&longs;ilbers berichtiget, oder es muß ihr wenig&longs;tens der zugleich beobachtete Thermometer&longs;tand beyge&longs;chrieben werden, um &longs;ie zu gelegner Zeit darnach berichtigen zu können. Unberichtigte Beobachtungen &longs;ind größtentheils als unbrauchbar anzu&longs;ehen.

Zu Aufzeichnung vieler an einerley Orte fortge&longs;etzten Beobachtungen in guter bald zu über&longs;ehender Ordnung erfindet &longs;ich Jeder leicht eine bequeme Einrichtung. Am be&longs;ten i&longs;t es wohl, ihnen die Form von Tabellen zu geben. Mu&longs;&longs;chenbroek (Ephemerides meteorologiae Vltrajectinae anni 1728 in Di&longs;&longs;. phy&longs;. Lugd. 1729. 4. p. 673.) hat den &longs;innreichen Vor&longs;chlag gethan, die Barometerveränderungen &longs;o aufzuzeichnen, wie Taf. lll. Fig. 52. nach Luz, den Gang des Barometers vom 14ten bis 20&longs;ten Iänner 1784 dar&longs;tellt. Der Anblick der Figur dient hier &longs;tatt aller Be&longs;chreibung. Die vertikalen Fächer des Gitters &longs;ind die Linien der Barometerhöhe; die horizontalen &longs;ind die fortlaufenden Tage, an deren jedem drey Beobachtungen ange&longs;tellt &longs;ind. Deutlicher und zur Ueber&longs;icht bequemer läßt &longs;ich der Gang des Barometers nicht vor&longs;tellen.

Für diejenigen, die auch Sehen und Auf&longs;chreiben noch zu müh&longs;am finden, &longs;ind Barometer erfunden worden, die ihren Gang &longs;elb&longs;t aufzeichnen. Man giebt ihnen den Namen der Barometrographen. Luz (§. 210. 211.) be&longs;chreibt deren zween, wovon der er&longs;te in England erfunden, der zweyte von Changeux (Journal de phy&longs;tque, Nov. 1780.) angegeben worden i&longs;t. Ihr We&longs;entliches be&longs;teht in folgendem.

Ein Heberbarometer hat an beyden Schenkeln 1 1/2 Zoll weite Behältni&longs;&longs;e, in welchen die Queck&longs;ilberflächen &longs;teigen und fallen. Auf dem Queck&longs;ilber im untern Schenkel liegt ein Cylinder von Elfenbein mit einem &longs;enkrecht heraufgehenden Drathe, der durch Hül&longs;en geführt i&longs;t, damit er &longs;tets &longs;enkrecht bleibe. Alles dies wird von einem Gegengewichte gehalten, damit es nicht zu &longs;ehr aufs Queck&longs;ilber drücke. Oben am Drathe i&longs;t ein &longs;chreibender Stift angebracht. Vor die&longs;em Stifte führt ein Uhrwerk mit &longs;tets gleichförmiger Bewegung einen Schieber vorbey, auf welchem ein Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;ches Gitter, wie Taf. lll. Fig. 52., verzeichnet i&longs;t. Der Stift wird durch den Drath, der ela&longs;ti&longs;ch &longs;eyn muß, an die&longs;e Zeichnung angedrückt. Da er mit dem Queck&longs;ilber im untern Schenkel &longs;teigt und fällt, &longs;o zeichnet er die&longs;e Bewegungen aufs Papier, während da&longs;&longs;elbe vom Uhrwerke gleichförmig fortgezogen wird. So ent&longs;teht eine Zeichnung, wie Taf. lll. Fig. 52., nur umgekehrt, und um die Helfte kleiner, den Veränderungen im untern Schenkel eines Heberbarometers gemäß. Changeux hat dies verbe&longs;&longs;ert, indem er das Gitter in eine runde Scheibe umbeugt, &longs;o, daß &longs;ich die horizontalen Linien in concentri&longs;che Krei&longs;e, und die vertikalen in Stücken von Halbme&longs;&longs;ern verwandeln. Die&longs;e Scheibe bringt er an eine Penduluhr &longs;o an, daß &longs;ie gleichförmig umgedreht wird. Der Stift &longs;teht hier vor der Scheibe; alle Stunden einmal &longs;chlägt ein Hammer auf den Drath, und macht dadurch, daß der Stift am gehörigen Orte die Scheibe mit einem Punkte bezeichnet. Um die Unvollkommenheit &longs;olcher Einrichtungen zu begreifen, darf man nur daran denken, daß &longs;ich die beträchliche Länge des Draths durch die Wärme ändern muß. Rei&longs;ebarometer (barométre portatif).

Man hat zwar &longs;chon läng&longs;t auf Einrichtungen für Barometer, die man auf Rei&longs;en mit &longs;ich führen könnte, gedacht, dergleichen Leupold (Theatr. aëro&longs;tat. Tab. IV. Fig. 3. 4. 5. Tab. Vlll. Fig. 2.) anführt. Seitdem aber die barometri&longs;chen Höhenme&longs;&longs;ungen die Mitführung der Barometer auf den be&longs;chwerlich&longs;ten Bergrei&longs;en nothwendig gemacht haben, hat zuer&longs;t de Lüc (Recherches &longs;ur les modif. de l' atmo&longs;ph. To. II. §. 464. u. f.) ein be&longs;&longs;eres Rei&longs;ebarometer angegeben, von de&longs;&longs;en Güte ihn ein zwölfjähriger Gebrauch überführt hatte. Um Weitläufigkeit und zahlreiche Abbildungen zu vermeiden, gebe ich nur die we&longs;entlichen Theile de&longs;&longs;elben an.

Ein Theil des kürzern Schenkels von einem Heberbarometer i&longs;t hier von dem übrigen getrennt, und beyde Stücken werden durch einen Hahn verbunden, der von Elfenbein (nach Luz von Pockholz, Franzo&longs;enholz, Lignum &longs;anctum, &longs;. Guayacum), der Schlü&longs;&longs;el de&longs;&longs;elben aber von fe&longs;tem reinem Kork i&longs;t. Hahn und Schlü&longs;&longs;el bekommen ein Loch, das im Schlü&longs;&longs;el mit einem Federkiel ausgefüttert wird. Der Hahn wird zur Helfte ins Bret des Barometers eingela&longs;&longs;en, und durch Schrauben daran befe&longs;tiget. Er bekömmt einen Grif von Elfenbein.

In die&longs;en Hahn wird der größere Theil des Barometers, an dem der lange Schenkel befindlich i&longs;t, unten eingeleimt und verküttet, der kürzere Schenkel aber oben nur fe&longs;t einge&longs;teckt. Der längere Schenkel wird noch überdies an das Bret befe&longs;tiget, und wo er &longs;ich etwa &longs;toßen könnte, durch lederne Kü&longs;&longs;en ge&longs;ichert. Scalen und Thermometer &longs;ind am Brete, wie gewöhnlich, angebracht.

Will man dies Barometer mit &longs;ich führen, &longs;o neigt man es unter einem Winkel von 40—50 Graden, wodurch &longs;ich der längere Schenkel völlig bis oben mit Queck&longs;ilber anfüllt. Ver&longs;chließt man nun den Hahn, &longs;o wird dadurch das Queck&longs;ilber &longs;o einge&longs;chlo&longs;&longs;en, daß keine Bewegung de&longs;&longs;elben mehr möglich i&longs;t. So kann man das ganze Werkzeug in umgekehrter Stellung mit &longs;ich führen, in welcher es auch empfindliche Stöße ohne Schaden verträgt. De Lüc ver&longs;chließt es in ein Futteral von Tannenholz, de&longs;&longs;en Boden zugleich das Bret des Barometers i&longs;t.

Zur Beobachtung ö&longs;net man den Hahn, ehe das Barometer &longs;enkrecht ge&longs;tellt wird, damit das Oueck&longs;ilber nicht allzu&longs;chnell herabfalle. Am be&longs;ten neigt man es dabey unter einem Winkel von 40—50°. Man reinigt dann den kürzern Schenkel mit einem Wi&longs;cher, und läßt durch einen papiernen Trichter etwas weniges reines Queck&longs;ilber hienein.

Das Barometer i&longs;t mit einem eignen Bleyloth zur &longs;enkrechten Sellung ver&longs;ehen, hat auch ein be&longs;onderes Stativ, und wird bey der Beobachtung durch einen Schirm vor den Sonnen&longs;tralen ge&longs;chützt, welche &longs;on&longs;t das Bret ungleich erwärmen möchten. Man muß einige Zeit warten, ehe man die Beobachtung an&longs;tellt, damit das Bret die gehörige Temperatur erhalte.

Während einer Rei&longs;e wirkt doch die veränderliche Wärme auf das einge&longs;chloßne Queck&longs;ilber, dehnt es aus oder zieht es zu&longs;ammen. Im er&longs;tern Falle giebt der Kork ein wenig nach, im letztern ent&longs;teht ein leerer Raum, den man durch das An&longs;chlagen des Queck&longs;ilbers an die Röhre bemerkt. Man muß alsdann von Zeit zu Zeit den Hahn lüften, d. i. bey gehöriger Stellung des Barometers aufund &longs;ogleich wieder zu&longs;chließen, jedoch, ehe man es umkehrt, nach&longs;ehn, ob etwa Luft in die Krümmung gekommen &longs;ey, und die&longs;e gegen den Hahn zurückzubringen &longs;uchen, damit &longs;ie bey Oefnung de&longs;&longs;elben herausgehe.

Luz macht, um die doppelte Scale zu er&longs;paren, das Bret doppelt, und giebt dem obern Theile die Form eines Schiebers, welcher bey jeder Beobachtung &longs;o ge&longs;tellt wird, daß eine darauf verzeichnete Horizontallinie|mit|der Queck&longs;ilberfläche im kürzern Schenkel zu&longs;ammenfällt.

Die&longs;er Einrichtung giebt Luz (§. 153.) vor allen übrigen den Vorzug. Die nachher erfundenen &longs;ind nach &longs;einem Ausdrucke Rei&longs;ebarometer, welche nie das Zimmer verla&longs;&longs;en haben. Es wird al&longs;o genug &longs;eyn, ihrer mit wenig Worten zu gedenken.

Wie man das Barometer mit der Büch&longs;e, Taf. lll. Fig. 40., wobey die Prinzi&longs;che Einrichtung angebracht i&longs;t, ingleichen das mit einer gekrümmten Röhre und einem darauf &longs;tehenden Behältni&longs;&longs;e, ebenfalls mit angebrachter Prinzi&longs;cher Einrichtung, auch zum Rei&longs;ebarometer brauchbar machen könne, lehrt Luz (§. 131. 140.).

Magellan (Be&longs;chreibung neuer Baromet.) giebt eine &longs;ehr undeutlich abgefaßte Be&longs;chreibung eines Heberbarometers, de&longs;&longs;en beyde Schenkel durch ein Gefäß verbunden &longs;ind. Das Gefäß be&longs;teht aus zween zu&longs;ammenge&longs;chraubten Theilen. Der obere Theil endigt &longs;ich unten in einen ledernen Beutel, welcher das Queck&longs;ilber trägt. Durch den Boden des untern Theils geht eine Schraube mit einer Platte, durch welche man den ledernen Beutel zu&longs;ammendrücken, oder nachla&longs;&longs;en, und &longs;o mehr oder weniger Queck&longs;ilber nach Gefallen in beyde Schenkel des Barometers bringen kan. Man &longs;oll bey der Beobachtung die Schraube &longs;o &longs;tellen, daß das Queck&longs;ilber im kürzern Schenkel gerade an die Horizontallinie tritt, auf welche &longs;ich die Scale bezieht; beum Mitführen auf Rei&longs;en &longs;oll man den Beutel &longs;o zu&longs;ammen&longs;chrauben, daß der längere Schenkel ganz mit Queck&longs;ilber angefüllt wird. Daß man die&longs;es Barometer aufrecht mit &longs;ich führen muß, und das Leder bey &longs;tarkem Drucke Queck&longs;ilber durchläßt, &longs;ind außer andern Mängeln die Hauptfehler die&longs;er Einrichtung.

Des A&longs;&longs;ier Perica Rei&longs;ebarometer (Lichtenberg Mag. für das Neue&longs;te aus der Phy&longs;ik, l. B. 3 St. S. 98.) i&longs;t das eben erwähnte Magellani&longs;che &longs;elb&longs;t, nur aus einem Heberbarometer in ein Behältnißbarometer verwandelt. Das Behältniß oder die Büch&longs;e i&longs;t von Cry&longs;tallglas in Elfenbein gefaßt, und endigt &longs;ich ebenfalls in einen ledernen Beutel, der von untenher durch eine Schraube zu&longs;ammengedrückt werden kan. Dadurch &longs;oll immer die&longs;elbe Horizontalebne im Behältniß erhalten und bey Rei&longs;en das Queck&longs;ilber einge&longs;chlo&longs;&longs;en werden.

Ro&longs;enthal (Beyträge zur Verf. meteorol. Werkz. S. 30.) be&longs;chreibt ein &longs;ehr einfaches Rei&longs;ebarometer des Barometermachers Schiavetto. In einem Heberbarometer wird, wenn es ungeneigt, und der längere Schenkel ganz angefüllt i&longs;t, ein kleines Kork&longs;töp&longs;elchen an einem Stiele von Fi&longs;chbein in den kürzern Schenkel bis aus Queck&longs;ilber gedrängt, und da&longs;&longs;elbe dadurch einge&longs;chlo&longs;&longs;en. Man giebt deswegen dem Theile der Röhre, in welchen der Kork kömmt, an der Lampe einen engern Durchme&longs;&longs;er und eine coni&longs;che Ge&longs;talt. Man &longs;ieht aber bald, daß die&longs;e Art des Ver&longs;chlu&longs;&longs;es nicht &longs;icher genug &longs;ey.

Changeux (De&longs;cription de nouveaux barometres à appendice Journ. de phy&longs;. Mai. 1783.) giebt Barometer an, die auf einen Berg ge&longs;chickt, oder in eine Tiefe gela&longs;&longs;en, wenn &longs;ie zurückkommen, den Barometer&longs;tand in der Höhe oder Tiefe &longs;elb&longs;t angeben &longs;ollen. Sie &longs;ind Heberbarometer. Für die Höhen wird ein Appendix, wie cd Taf. lll. Fig. 50., nur herunterwärts geneigt, an den kürzern Schenkel angebracht, und &longs;o viel Queck&longs;ilber eingefüllt, daß es gerade bis an den Appendix reicht. Auf dem Berge wird al&longs;o &longs;o viel, als im kürzern Schenkel &longs;teigt, in den Appendix laufen, und durch die Menge de&longs;&longs;elben &longs;oll der Barometer&longs;tand auf dem Berge berechnet werden. Für Beobachtungen in der Tiefe &longs;etzt er den Appendix an den längern Schenkel, welche Einrichtung gar nicht auszuführen i&longs;t, weil man ein &longs;olches Barometer nicht füllen kan, ohne den Appendix mit zu füllen, an welche Schwierigkeit Changeux nicht gedacht zu haben &longs;cheint.

In Lichtenbergs Magazin für das Neu&longs;te aus der Phy&longs;ik, ll. B. 1. St. S. 129. wird noch ein wohleingerichtetes Rei&longs;ebarometer mit einer Büch&longs;e be&longs;chrieben, wobey die Prinzi&longs;che Einrichtung angebracht i&longs;t, und das Queck&longs;ilber durch Herauf&longs;chraubung eines Stempels in die Röhre gebracht, und darinn ver&longs;chlo&longs;&longs;en werden kan.

Zu den Rei&longs;ebarometern gehören auch die Meerbarometer, bey welchen das be&longs;tändige Hin- und Hergehen der Queck&longs;ilberflächen beym Schwanken des Schifs vermieden werden &longs;oll. D. Hooks und Amontons obenangeführter Vor&longs;chlag, hiezu das Luftthermometer mit einem gewöhnlichen Thermometer zu verbinden, i&longs;t von Magellan (Be&longs;chreibung neuer Barometer) dadurch verbe&longs;&longs;ert worden, daß er das In&longs;trument mit Queck&longs;ilber füllt, und um den Druck die&longs;es Queck&longs;ilbers auf die Lu&longs;t aufzuheben, umkehrt. Er küttet nun die&longs;es Luftthermometer auf ein hölzernes Kä&longs;tchen, welches das Queck&longs;ilber in einem ledernen Beutel enthält, der mit einer Schraube zu&longs;ammengedrückt werden kan. Mit die&longs;em Queck&longs;ilber i&longs;t noch eine auf das Kä&longs;tchen aufge&longs;etzte Glasröhre verbunden, in welcher man vermittel&longs;t der Schraube das Queck&longs;ilber eben &longs;o hoch &longs;tellt, als es im Luftthermometer &longs;teht. So halten &longs;ich beyde Queck&longs;ilber&longs;äulen das Gleichgewicht, und der Druck der Atmo&longs;phäre auf die Luft in der Kugel wird vom Queck&longs;ilber nicht mehr geändert. Noch mehr Verbe&longs;&longs;erungen hat Luz (§. 177. u. f.) hiebey angebracht. Es i&longs;t aber die von ihm vorge&longs;chlagne Einrichtung der Scale &longs;owohl für die Barometer, als auch für das dazu gehörige Thermometer, &longs;ehr be&longs;chwerlich auszuführen.

Von Amontons coni&longs;chem Barometer, und Pa&longs;&longs;ements Vor&longs;chlage, die Röhre &longs;piralförmig zu winden, i&longs;t &longs;chon im Vorigen geredet worden.

Blondeau's

bey der franzö&longs;i&longs;chen Marine eingeführtes Meerbarometer (Lichtenberg Magazin für das Neu&longs;te a. d. Phy&longs;ik, I. B. 3. St. S. 80. u. f.) i&longs;t Taf. III. Fig. 53. vorge&longs;tellt. Es i&longs;t das de Lüc&longs;che Rei&longs;ebarometer, nur ganz, &longs;elb&longs;t bis auf den Hahn g, von Ei&longs;en verfertiget. Der Schlü&longs;&longs;el des Hahns hat nur ein ganz enges Loch, wird auch nie ganz aufgedrehet. So kan nur wenig Queck&longs;ilber auf einmal durch den Hahn gehen, al&longs;o das Schwanken des Schifs wenig Einfluß haben. Bey a, wo der längere Schenkel aufge&longs;chraubt i&longs;t, hat die Schraube auch nur eine enge Oefnung bb, theils um das Schwanken noch mehr zu hindern, theils, damit beym Umkehren das Queck&longs;ilber nicht zu &longs;chnell von oben herabfalle und Luft in den obern Raum komme. Damit das einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Queck&longs;ilber den Veränderungen der Wärme be&longs;&longs;er nachgeben könne (da hier der Hahn von Ei&longs;en i&longs;t, und nicht, wie der von Kork bey de Lüc, nachgiebt), &longs;o wird bey c eine Oefnung angebracht, und bey d mit einer Bla&longs;e über&longs;pannt, gegen welche die Feder e das Ki&longs;&longs;en f andrückt, welche Einrichtung &longs;chon de Lüc gewählt hatte, aber nachher, da er den Hahn von Kork machte, wieder aufgab. Weil beyde Schenkel undurch&longs;ichtig &longs;ind, &longs;o wird auf die Queck&longs;ilber&longs;äule im kürzern ein Stück Elfenbein h aufge&longs;etzt, von welchem ein ei&longs;erner Drath durch eine enge Oefnung des Deckels i herausgeht. Das Ende k bemerkt durch &longs;ein Steigen und Fallen die Veränderungen des Barometers. Weil man die Beobachtungen nur am kurzen Schenkel macht, in welchem die Queck&longs;ilber&longs;äule durch die Wärme nicht &longs;ehr geändert wird, &longs;o hat hier die Wärme wenig Einfluß; genau läßt &longs;ich mit die&longs;em Werkzeuge nicht beobachten, da man den Stand im längern Schenkel gar nicht bemerkt; inzwi&longs;chen &longs;cheint es hinreichend zum Gebrauch auf der See zu &longs;eyn.

Zum Be&longs;chluß die&longs;es langen Artikels will ich noch folgende Zu&longs;ätze beyfügen.

1) Manche Barometer leuchten, wenn &longs;ie im Dunkeln ge&longs;chüttelt werden. Picard nahm dies zuer&longs;t 1676 wahr, und man findet &longs;eine, de la Hire's, Joh. Bernoulli's, Hombergs, Mairan's Hypothe&longs;en darüber beym de Lüc (Recherches, §. 69. u. f.). Dü Fay glaubte, das Kochen &longs;ey ein untrügliches Mittel, alle Barometer leuchtend zu machen: es reinige das Queck&longs;ilber von gröberer Luft, und gebe der feinen Materie darinn eine freyere Bewegung. Mu&longs;&longs;chenbroek hielt die Luft für nothwendig zum Leuchten der Barometer. Hawksbee (Phil. Trans. 1708.) nahm endlich das Leuchten mit Recht für eine elektri&longs;che Er&longs;cheinung an. Unzählige Ver&longs;uche bewei&longs;en, daß das elektri&longs;che Licht in &longs;ehr verdünnter Luft vorzüglich &longs;tark &longs;ey; auch weiß man, daß das Reiben des Gla&longs;es am Queck&longs;ilber Elektricität erregt. Daß nicht alle Barometer leuchten, kömmt wahr&longs;cheinlich von der Be&longs;chaffenheit ihres Gla&longs;es her. Das Kochen thut hiezu nichts weiter, als daß es den obern Raum mehr luftleer macht. Das Leuchten kan al&longs;o auch nicht als ein Kennzeichen der Güte eines Barometers ange&longs;ehen werden.

2) Wenn die torricelli&longs;che Röhre, in ein auf dem Boden ruhendes Gefäß einge&longs;enkt, gewogen wird, &longs;o wiegt die in ihr befindliche Queck&longs;ilber&longs;äule mit ihr; die Röhre wird &longs;chwerer, wenn das Queck&longs;ilber &longs;teigt, leichter, wenn es fällt. Manche haben &longs;ich darüber verwundert, weil doch die Queck&longs;ilber&longs;äule vom Drucke der Luft getragen werde, und al&longs;o ihr Gewicht verliere. Dies i&longs;t auch richtig. Es fällt aber alles Befremdende weg, wenn man bedenkt, daß die Röhre dafür den Druck der auf ihr ruhenden Luft&longs;äule von oben herab zu tragen bekömmt, welcher dem Drucke der Queck&longs;ilber&longs;äule gleich i&longs;t, und jetzt durch keinen Druck von unten mehr aufgehoben wird. Ver&longs;uche hierüber führt Wolf (Nützliche Ver&longs;uche, Th. II. Cap. 3. §. 38.) an, und Morland hat darauf ein &longs;ogenanntes Waagbarometer gegründet, von welchem Magellan und Luz (§. 12—14.) reden.

Recherches &longs;ur les modifications de l' atmo&longs;phère par Iean André de Luc. à Geneve. To. I. et II. 1772. gr. 4.

I. A. de Lüc Unter&longs;uchungen über die Atmo&longs;phäre, aus dem Franz. über&longs;. Leipzig I. Th. 1776. II. Th. 1778. gr. 8.

Fr. Luz Voll&longs;tändige und auf Erfahrung gegründete Be&longs;chreibung von allen &longs;owohl bisher bekannten, als einigen neuen Barometern, Nürnb. u. Leipzig 1783. gr. 8.

Barometerprobe, &longs;. Ela&longs;ticitätszeiger.

Barometerveränderungen, Steigen und Fallen der Wetterglä&longs;er

Variationes barometri, A&longs;cen&longs;us et de&longs;cen&longs;us mercurii in tubo Torricelliano, Variations du baromètre. So werden die Veränderungen der Höhe des Queck&longs;ilbers in einem &longs;till&longs;tehenden, oder immer an einerley Orte bleibenden, Barometer genannt, welche man insgemein für Anzeigen der bevor&longs;tehenden Witterung annimmt. Eigentlich &longs;ind &longs;ie blos Anzeigen der &longs;tärker oder &longs;chwächer gewordenen Ela&longs;ticität der Atmo&longs;phäre; der Schluß hievon auf die Wetterveränderungen i&longs;t nie völlig &longs;icher, und findet oft gar nicht &longs;tatt.

In Frankreich wird die mittlere Barometerhöhe 27 1/2 pari&longs;er Zoll angegeben, und der tief&longs;te Stand des Queck&longs;ilbers auf 26, der höch&longs;te auf 29 Zoll ge&longs;etzt; obgleich Bri&longs;&longs;on (Dict. de phy&longs;. art. Barometre) ver&longs;ichert, daß &longs;ich die Barometerveränderungen in Paris gewöhnlich nicht weiter als von 27 bis 28 1/2 Zoll er&longs;trecken, einige &longs;elten vorkommende Fälle abgerechnet. In Leipzig i&longs;t, nach den Beobachtungen des Herrn D. Schmiedlein, die mittlere Barometerhöhe 27 Zoll, 7,83 Lin. und die Grenzen der Veränderungen er&longs;trecken &longs;ich auf 1 Zoll 3,6 Lin. Dagegen &longs;ind nach dem Aequator der Erde zu die Barometerveränderungen weit geringer. Auf der See betragen &longs;ie unter der Linie &longs;elb&longs;t kaum 2 pari&longs;er Linien, und zu Quito &longs;teht das Barometer auf 18 Zoll 3 Lin. nur mit 1 1/4 Lin. Veränderung.

Auf das Fallen des Queck&longs;ilbers im Barometer folgt oft Regen, Sturm, oder überhaupt trübe rauhe Witterung: dahingegen das Steigen de&longs;&longs;elben oftmals ein heiteres und &longs;tilles Wetter verkündigt. Die&longs;e Vorher&longs;agungen aber trügen auch &longs;ehr oft. Nach Poleni Beobachtungen in Padua &longs;ind in 12 Jahren unter 1175 Regen nur 758 durch das Fallen des Barometers vorherverkündiget worden, und van Swinden in Franecker fand im Jahre 1778 unter den Barometerverkündigungen eben &longs;o viele fal&longs;ch, als wahr. Doch &longs;cheint plötzliches Fallen und Steigen des Queck&longs;ilbers, das z. B. bey uns in einigen Stunden 3—4 Lin. beträgt, eine fa&longs;t untrügliche Anzeige einer bevor&longs;tehenden Wetterveränderung zu &longs;eyn.

Die&longs;er Zu&longs;ammenhang der Barometerveränderungen mit der Witterung ward bald nach der Erfindung des Barometers entdeckt. Otto von Guericke &longs;cheint einer der Er&longs;ten gewe&longs;en zu &longs;eyn, die ihn mit Richtigkeit wahrgenommen haben. Er erkannte aus dem &longs;tarken Fallen &longs;eines Wettermännchens (&longs;. den Art. Anemo&longs;kop) im Jahre 1660 eine &longs;olche Leichtigkeit der Luft, daß er &longs;ogleich &longs;agte, es mü&longs;&longs;e irgendwo ein großer Sturm gewe&longs;en &longs;eyn. Nach zwo Stunden erreichte der Sturm Magdeburg. (Exp. de vacuo &longs;patio. L. III. c. 20. pag. 100.)

Pa&longs;cal hatte zwar die&longs;en Zu&longs;ammenhang auch entdeckt, aber &longs;ich ganz unrichtige Begriffe davon gemacht. Er glaubte (Traité de l' équilibre des liqueurs, p. 153.), das Barometer falle, wenn es hell werden, und &longs;teige, wenn es regnen wolle, welches allen Erfahrungen entgegen i&longs;t. So leicht es aber war, die Barometerveränderungen &longs;elb&longs;t und ihre Verbindung mit der Witterung durch Beobachtungen wahrzunehmen, &longs;o &longs;chwer i&longs;t es den Naturfor&longs;chern geworden, die Ur&longs;ache davon zu erklären, und man i&longs;t hierüber noch bis jetzt zu keiner ent&longs;chiedenen Gewißheit gelangt.

De Lüc (Recherches &longs;ur les modif. de l' atmo&longs;ph. To. I. Sect. 1. cap. 3.) hat die Muthmaßungen der Phy&longs;iker über die Ur&longs;achen der Barometerveränderungen ziemlich voll&longs;tändig ge&longs;ammlet und &longs;charf geprüft. Er bringt &longs;ie in gewi&longs;&longs;e Cla&longs;&longs;en, nach deren Ordnung ich hier in möglich&longs;ter Kürze die vornehm&longs;ten anführen will. Da einige Naturfor&longs;cher, nicht mit Unrecht, mehrere Ur&longs;achen zugleich angenommen, oder ihre er&longs;te Meynung wieder geändert haben, &longs;o werden manche Namen mehr als einmal vorkommen.

De Lüc &longs;etzt in die er&longs;te Cla&longs;&longs;e diejenigen, welche wirklich vorhandene phy&longs;i&longs;che Ur&longs;achen zur Erklärung der Barometerveränderungen anwenden. Die Vermehrung der Atmo&longs;phäre durch das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te, und ihre Verminderuug durch das Herabfallen der&longs;elben, wird von Pa&longs;cal (a. a. O.), Beal und Wallis (Phil. Trans. no. 9 et 10.) und von Garcin (Journal helvetique, ann. 1734 et 1735.) als die Ur&longs;ache des Steigens und Fallens im Barometer ange&longs;ehen. Wenn das Queck&longs;ilber falle, &longs;agt Garcin,, regne es &longs;chon in einem Theile der zu un&longs;erm Orte gehörigen Luftma&longs;&longs;e, wodurch die ganze Ma&longs;&longs;e leichter werde. Allein außerdem, daß man die Luftma&longs;&longs;en der Atmo&longs;phäre nicht in Schranken ein&longs;chließen kan, i&longs;t auch die Menge des Regens, die höch&longs;tens an einem Tage auf 1 Zoll &longs;teigen kan, gar nicht hinreichend, das Fallen des Queck&longs;ilbers zu erklären, welches oft an einem Tage 6 Lin. beträgt, die mit 6X14 Lin. oder 7 Zoll Wa&longs;&longs;er gleichwiegen.

Die Wärme haben Perrier (Pa&longs;cal Traité de l' équilibre. p. 199.), Garden (Phil. Trans. no. 171.), Halley (ebend. no. 181.), le Cat (Nouv. Maga&longs;in François, Dec. 1750.) und v. Mairan (Sur les cau&longs;es des variat. du barom. in Recueil des di&longs;&longs;. quiont remporté le prix de l' acad. de Bordeaux. To. I.) zur Ur&longs;ache der Barometerveränderungen angenommen, oder &longs;ie wenig&longs;tens als mitwirkend betrachtet. Sie haben nemlich das Fallen des Queck&longs;ilbers der Wärme zuge&longs;chrieben. Daß &longs;ie unter die mitwirkenden Ur&longs;achen beym Fallen gehöre, i&longs;t gar nicht zu läugnen. Kalte Nordwinde verur&longs;achen jederzeit ein Steigen, und neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß bey einem fe&longs;ten Stande des Queck&longs;ilbers da&longs;&longs;elbe an heißen Mittagen ein wenig &longs;inke, auch der mittlere Barometer&longs;tand im Sommer etwas geringer, als im Winter, &longs;ey. Allein die&longs;e Mitwirkung kann doch nur gering &longs;eyn, da der Unter&longs;chied der mittlern Barometerhöhen im Sommer und Winter kaum über 1 Lin. &longs;teigt, und man oft im heißen Sommer das Queck&longs;ilber eben &longs;o hoch findet, als es in den kälte&longs;ten Wintertagen &longs;teht.

D. Garden (philo&longs;. Trans. n. 171.) nahm die Vermehrung der &longs;pecifi&longs;chen Schwere der Luft für die Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te und des Steigens der Barometer zugleich an, &longs;o wie er aus ihrer Verminderung Herabfallen der Dün&longs;te und Fallen des Barometers zugleich herleitete. De Lüc bemerkt, hiebey &longs;ey unerklärbar, wie nach &longs;einen und de la Condamine's Beobachtungen die Luft dann am durch&longs;ichtig&longs;ten &longs;eyn könne, wenn das Queck&longs;ilber am höch&longs;ten &longs;teht. Es bleibe auch die Hauptfrage, was denn dasjenige &longs;ey, das die &longs;pecifi&longs;che Schwere der Luft ändere? Garden muthmaße zwar, in der Luft halte &longs;ich noch eine feinere Materie neb&longs;t ver&longs;chiedenen andern flüßigen Materien auf, die &longs;ich ver&longs;chiedentlich mit ihr verbänden, und dadurch ihre Schwere änderten, aber das &longs;tütze &longs;ich auf keine Bewei&longs;e. Vielleicht möchten doch die neuern Entdeckungen über die Luftgattungen Bewei&longs;e hiezu liefern, obgleich die Barometerveränderungen viel zu groß &longs;cheinen, um &longs;ich daraus allein erklären zu la&longs;&longs;en.

Die Winde nimmt Halley (Philo&longs;. Trans. no. 181.) zur Hauptur&longs;ache der Barometer-und Wetterveränderungen an. Gehen entgegenge&longs;etzte Winde von einem Orte aus, &longs;o wird die Luft da&longs;elb&longs;t verdünnt, und kan die Dün&longs;te nicht mehr erhalten; gehen &longs;ie auf einerley Ort zu, &longs;o häufen und verdichten &longs;ie die Luft, die dann &longs;chwerer wird, und die Dün&longs;te &longs;tärker hält, daher der hohe Stand des Barometers bey hellem und &longs;tillem Wetter. Bey &longs;tarken Winden &longs;teht das Queck&longs;ilber niedrig, weil &longs;ie die Luft wegführen, die nicht gleich wieder er&longs;etzt wird, auch weil die horizontale Bewegung den &longs;enkrechten Druck mindert; doch regnet es nicht, weil die Dün&longs;te durch den Wind zer&longs;treut, und vom Fallen abgehalten werden; nach dem Winde &longs;teigt das Barometer &longs;chnell, weil nun der Er&longs;atz der Luft erfolgt. In England &longs;teht das Barometer beym O&longs;t- und Nordo&longs;twinde am höch&longs;ten, weil &longs;ich im atlanti&longs;chen Meere unter 35° Breite &longs;tets ein entgegenge&longs;etzter Wind findet, der durch &longs;ein Zu&longs;ammen&longs;toßen die Luft über England anhäuft. Bey &longs;tillem und kaltem Wetter &longs;teht das Queck&longs;ilber hoch; denn die Kälte kömmt von Nord- und Nordo&longs;twinden, und wenn es &longs;till i&longs;t, &longs;o werden die&longs;e nur von jenem entgegenge&longs;etzten Winde aufgehalten; auch wird die Luft durch die Kälte verdichtet. Um den Aequator &longs;ind die Barometerveränderungen geringer, weil da&longs;elb&longs;t die Winde nicht &longs;o heftig &longs;ind. — Dies i&longs;t der Inbegriff der Halley&longs;chen Theorie, gegen welche de Lüc bemerkt, daß Winde, welche Luft wegführen, wohl auch die darinn enthaltnen Dün&longs;te mitnehmen würden, daß das Zu&longs;ammen&longs;toßen zweener entgegenge&longs;etzten Winde &longs;ehr &longs;elten eine Wind&longs;tille verur&longs;achen dürfte, daß der Wind an den Orten, durch die er wehe, die Luft nicht vermindern könne, weil er eben &longs;o viel zu- als abführe; vielmehr mü&longs;&longs;e er &longs;ie wegen der Trägheit der ruhenden, durch ihn er&longs;t zu bewegenden, Luft noch vermehren u. &longs;. f. Daß die Winde aufs Barometer &longs;owohl, als auf die Witterung, ungemeinen Einfluß haben, läßt &longs;ich gar nicht in Zweifel ziehen; die de Lüc&longs;chen Erinnerungen betreffen auch nur Halleys Erklärung die&longs;es Einflu&longs;&longs;es.

Zur zweyten Cla&longs;&longs;e zählt de Lüc die Erklärungen, welche &longs;ich nicht auf wirklich-vorhandene, &longs;ondern auf angenommene Ur&longs;achen beziehen. Eine &longs;olche i&longs;t die vermeynte Verminderung des &longs;enkrechten Drucks der Luft, wenn &longs;ie bewegt wird, welche Wallis, Halley und v. Mairan zu Hülfe nehmen, um das Fallen des Queck&longs;ilbers beym Winde zu erklären. Es i&longs;t ganz fal&longs;ch, daß der &longs;enkrechte Druck getragner Körper, wenn &longs;ie bewegt werden, &longs;chwächer &longs;ey und Niemand zweifelt, daß der in der Waag&longs;chale gedrehte Krei&longs;el eben &longs;o &longs;chwer wiege, als der ruhende.

Wallis, de&longs;&longs;en Meynungen hierüber auf eine &longs;elt&longs;ame Art durch einander laufen, hat (Phil. Trans. no. 10.) auch die ver&longs;tärkte Ela&longs;ticität der Luft, &longs;ie möchte nun von der Wärme oder andern Ur&longs;achen bewirkt werden, als Ur&longs;ache des Steigens der Barometer ange&longs;ehen, worinn ihm andere Phy&longs;iker gefolgt &longs;ind. Allein &longs;ie verwech&longs;eln freye und einge&longs;chloßne Luft. Freye muß &longs;ich bey ver&longs;tärkter Ela&longs;ticität mehr ausdehnen, mithin verdünnen, &longs;pecifi&longs;ch leichter werden, und Fallen des Barometers, nicht Steigen, bewirken. Wallis &longs;elb&longs;t nimmt in der Folge (Phil. Trans. no. 171.) &longs;eine Meynung zurück, und glaubt nun die ver&longs;tärkte Ela&longs;ticität wirke gar nicht in den Druck der Luft.

Auch im Queck&longs;ilber hat man die Ur&longs;achen der Barometerveränderungen &longs;uchen wollen. Wallis meynt (a. a. O.), die im Queck&longs;ilber enthaltene Luft und Feuchtigkeit dehne &longs;ich im Sommer aus, und treibe es im Barometer höher, ohne daß der Druck der Luft &longs;ich ändere; im Winter erfolge das Gegentheil; wenn aber die Feuchtigkeit gefriere, dehne &longs;ich das Queck&longs;ilber wieder aus. Li&longs;ter (Phil. Trans. no. 165.) erklärt die ganzen Barometerveränderungen aus einem Zu&longs;ammenziehen des Queck&longs;ilbers bey großer Wärme und Kälte, welche Meynung die &longs;elt&longs;am&longs;te unter allen i&longs;t.

Schwingungen der Lufttheilchen, durch das Zufammen&longs;toßen der Winde verur&longs;acht, nimmt Ger&longs;ten (Di&longs;&longs;. Tentamina &longs;y&longs;t. novi ad mutationes barom. ex natura elateris aërii demon&longs;tr. Frf. 1733. 8.) für die Ur&longs;ache des Fallens im Barometer an. Solche Schwingungen dehnen nach &longs;einer Meynung jede ela&longs;ti&longs;che Materie mehr aus oder verdünnen &longs;ie. Die Sonne giebt der Atmo&longs;phäre eine regelmäßige Bewegung, die in un&longs;erm Klima ein Nordo&longs;twind i&longs;t. Dabey &longs;ind keine Schwingungen, und das Barometer &longs;teht hoch; Schwingungen aber ent&longs;tehen, wenn andere Winde mit jenem zu&longs;ammen&longs;toßen, dann fällt das Barometer. Die&longs;e Hypothe&longs;e i&longs;t der Halleyi&longs;chen gerade entgegenge&longs;etzt, nach welcher das Zu&longs;ammen&longs;toßen der Winde Steigen des Barometers bewirken &longs;ollte.

De la Hire (Mém. de Paris. 1705.) erklärt die Barometerveränderungen aus dem Uebergange der Luft von den &longs;üdlichen zu den nördlichen Gegenden. Er nimmt an, die Atmo&longs;phäre &longs;ey unter den Polen weit höher, als unter dem Aequator, daher werde ihre Höhe bey uns durch Nordwinde vergrößert, durch Südwinde vermindert; da nun Südwind auch Regen bringe, &longs;o regne es nach dem Fallen des Barometers; man mü&longs;&longs;e aber nicht &longs;tets nach dem auf der Erdfläche wehenden Winde, &longs;ondern nach dem in den obern Regionen &longs;chließen. De Lüc erinnert dagegen &longs;ehr treffend, da die Winde aus Süden bey uns blos durchgiengen, &longs;o könnten &longs;ie von der Höhe der Atmo&longs;phäre bey uns nichts hinwegnehmen, &longs;ie müßten blos die&longs;e Höhe um den Aequator vermindern, und al&longs;o dort größere Barometerveränderungen, als bey uns, verur&longs;achen, welches doch der Erfahrung gerade entgegen i&longs;t. v. Mairan hat der Erklärung des de la Hire beyge&longs;timmt, und die&longs;e Ur&longs;ache als eine mitwirkende angenommen.

Aus der ver&longs;chiednen Neigung der Winde gegen die Erdfläche leitet Mariotte (Di&longs;cours de la nature de l' air. 1676.) &longs;eine Erklärung her. Nach ihm &longs;ollen die Nordwinde von oben herab, die Südwinde nach der Tangente der Erdkugel oder von unten herauf gerichtet &longs;eyn, daher jene die untere Luft zu&longs;ammendrücken, die&longs;e mehr auf die obere wirken, &longs;o daß &longs;ich die untere ausdehne, woraus Steigen und Fallen des Barometers folge. Es i&longs;t aber dies eine ganz willkührlich angenommene Behauptung.

Woodward (Hi&longs;t. natur. telluris. Lond. 1695. 8.) läßt den Stoß der Dün&longs;te, die aus &longs;einem großem unterirdi&longs;chen Wa&longs;&longs;erbehälter auf&longs;teigen, &longs;o mächtig wirken, daß dadurch der Druck der Luft vermindert, und das Fallen des Barometers veranla&longs;&longs;et wird. Eben |dies behauptet Hamberger (Elem. phy&longs;ices. Ed. tert. Jenae, 1741. 8.), aber nur von denjenigen Dün&longs;ten, welche von der Erdfläche auf&longs;teigen. Woodwards Wa&longs;&longs;erbehälter i&longs;t blos chimäri&longs;ch, und die von der Erdfläche auf&longs;teigenden Dünfte möchten wohl zu einer &longs;o großen Wirkung des Stoßes zu wenig &longs;eyn. Haupt&longs;ächlich aber müßte nach die&longs;en Hypothe&longs;en das Barometer, ehe es regnete, zuer&longs;t beym Auf&longs;teigen der Dün&longs;te fallen, dann bey ihrem Still&longs;tehen wieder &longs;teigen, und al&longs;o unmittelbar vor dem Regen gegen alle Erfahrung ein Steigen vorhergehen.

Herr v. Leibnitz hatte durch Ver&longs;uche, die Wolf (Nützl. Ver&longs;. Th. l. C. 8. §. 194.) be&longs;chreibt, gefunden daß ein im Wa&longs;&longs;er fallender Körper während des Falls nicht mit dem Wa&longs;&longs;er wiege. Er &longs;chloß daraus, daß auch der fallende Regen nicht mit der Luft wiege, und daß das Queck&longs;ilber im Barometer &longs;inken mü&longs;&longs;e, &longs;obald die Wa&longs;&longs;ertheilchen in den obern Regionen niederzufallen anfiengen. Allein außer vielen theoreti&longs;chen Einwendungen, die die&longs;er Erklärung entgegen&longs;tehen, entkräftet &longs;ie &longs;chon dies, daß die Menge des herabfallenden Regens viel zu gering i&longs;t, als daß man die ganzen Barometerveränderungen aus ihr erklären könnte.

Daniel Bernoulli (Hydrodynam. Sect. X.) glaubt, die zunehmende unterirdi&longs;che Wärme treibe Luft aus den Höhlen der Erde, dadurch werde die Atmo&longs;phäre vermehrt, und das Barometer &longs;teige rc. Allein die unterirdi&longs;che Temperatur bleibt &longs;ich ziemlich gleich, wir bemerken keine &longs;o gewalt&longs;amen aus der Erde kommenden Luft&longs;tröme, und die Erfahrung lehrt, daß das Barometer vielmehr bey zunehmender Wärme falle.

De Lüc &longs;elb&longs;t (Recherches, To. II. Sect. IV. chap. 9.) gründet &longs;eine Erklärung der Barometerveränderungen auf den Satz, daß die Dün&longs;te &longs;pecifi&longs;ch leichter, als die Luft, &longs;ind, welchen er weitläufig erwei&longs;et, &longs;. Dün&longs;te. Wenn die&longs;e Dün&longs;te, &longs;agt er, in der Luft auf&longs;teigen, &longs;o tragen &longs;ie zwar durch ihr Gewicht etwas zur Vermehrung des Drucks der Atmo&longs;phäre bey, wodurch der Stand des Barometers etwa um 1 Lin. könnte erhöhet werden: allein &longs;ie vertreiben dagegen aus den Stellen, welche &longs;ie einnehmen, die weit &longs;chwerere Luft, welche ihnen ausweichen und in andere Gegenden übergehen muß; daher wird eine mit Dün&longs;ten angefüllte Luft&longs;äule jederzeit leichter, als reine Luft, &longs;eyn, und das Fallen des Barometers i&longs;t eine Folge der Anhäufung der Dün&longs;te, wovon auch der Regen eine Folge i&longs;t. Fallen die Dün&longs;te herab, &longs;o kömmt die &longs;chwerere reine Luft zurück, und das Barometer &longs;teigt mit der Rückkehr des heitern Wetters. Die&longs;es Sy&longs;tem, welches &longs;ich durch &longs;eine Simplicität &longs;ehr empfiehlt, erklärt doch nicht, warum bisweilen auf ein &longs;tarkes Fallen des Barometers nicht der gering&longs;te Regen oder Sturm folgt; ingleichen, warum unter dem Aequator die Barometerveränderungen fa&longs;t gänzlich wegfallen, da doch das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te und die Be&longs;chaffenheit des Wetters da&longs;elb&longs;t ebenfalls abwech&longs;elnd i&longs;t. Endlich hat de Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai IV. Ch. 3.) durch Ver&longs;uche gefunden, daß die &longs;pecifi&longs;che Schwere der reinen trocknen Luft &longs;ich zur Schwere der mit Feuchtigkeit völlig ge&longs;ättigten nur wie 765:761|verhalte, daß al&longs;o das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te, &longs;elb&longs;t wenn die Luft völlig damit ge&longs;ättiget würde, die &longs;pecifi&longs;che Schwere nicht mehr, als um (4/765) vermindern, al&longs;o kaum 2 Lin. Queck&longs;ilberfall bewirken könne, da &longs;ich doch die Barometerveränderungen bey uns auf 22 Lin. und gegen Norden noch weiter er&longs;trecken.

Nach Hrn. de Sau&longs;&longs;ure Nachrichten hat Pignotti in &longs;einen Congetture meteorologiche gemuthmaßet, die phlogi&longs;ti&longs;chen Dämpfe und Gasarten machten die Luft leichter, und verminderten zugleich ihre auflö&longs;ende Kraft gegen die Feuchtigkeit; daher &longs;ey die Menge phlogi&longs;ti&longs;cher Dün&longs;te Ur&longs;ache des Fallens im Barometer und des Regens zugleich. De S. aber (E&longs;&longs;ai II. ch. 3 et 9.) fand durch Ver&longs;uche, daß phlogi&longs;ti&longs;che Dämpfe nicht die gering&longs;te Feuchtigkeit aus der Luft nieder&longs;chlagen, und daß die brennbare Luft die Dün&longs;te eben &longs;o gut, als die gemeine, auflö&longs;et.

Dem Monde haben Kratzen&longs;tein (Abhdl. vom Einflu&longs;&longs;e des Monds in die Witterung rc. Halle, 1746, 1771. 8.) und Toaldo (Saggio meteorologico, Padova 1770. gr. 4.) Einflü&longs;&longs;e in die Barometerveränderungen und die Witterung zuge&longs;chrieben. Da er Ebbe und Fluth verur&longs;acht, &longs;o i&longs;t leicht begreiflich, daß er auch in der Atmo&longs;phäre Aenderungen hervorbringen kan. Toaldo will durch vierzigjährige Beobachtungen gefunden haben, daß die Neumonde, be&longs;onders in der Erdnähe, niedrigen Barometer&longs;tand und Sturm mit &longs;ich bringen. Allein die Veränderungen des Barometers und der Witterung müßten regelmäßiger erfolgen, wenn der Mond ihre er&longs;te und vornehm&longs;te Ur&longs;ache wäre.

Herr de Sau&longs;&longs;ure (E&longs;&longs;ai IV. ch. 3.) wagt es nicht, eine be&longs;timmte Ur&longs;ache der Barometerveränderungen anzugeben. Eine gute Hypothe&longs;e über die&longs;elben, &longs;agt er, mü&longs;&longs;e vornehmlich den Um&longs;tand erklären, warum &longs;ie unter dem Aequator fa&longs;t wegfallen, gegen die Pole aber &longs;o groß werden. Nun &longs;ey unter dem Aequator die Temperatur einförmiger und der Wind regelmäßiger, auch die Abnahme der Wärme von unten nach oben zu lang&longs;amer, als bey uns, daher dort nicht &longs;o viel Abwech&longs;elung in der Wärme und Kälte der ver&longs;chiedenen Luft&longs;chichten &longs;tatt finde. Wärme und Winde &longs;cheinen ihm daher die vornehm&longs;ten Ur&longs;achen der Barometerveränderungen zu &longs;eyn. Den chymi&longs;chen Veränderungen der Luft &longs;chreibt er wenig Einfluß zu, weil &longs;ie gerade unter dem Aequator am &longs;tärk&longs;ten &longs;ind. Die Wärme würde &longs;chon an &longs;ich hinreichend &longs;eyn, Alles zu erklären, da eine Zunahme der&longs;elben um 16 reaumüri&longs;che Grade das Queck&longs;ilber beym Barometer&longs;tande von 27 Zoll um 22 Lin. fallen mache. Allein die&longs;e großen Aenderungen der Wärme beträfen nur die unter&longs;ten Schichten, und er&longs;treckten &longs;ich auf große Weiten, hinderten al&longs;o die Abnahme der Luft&longs;äulen, die dabey gleich viel Ma&longs;&longs;e behielten, und blos länger oder kürzer würden. Daher könne die Wärme nur dann &longs;tark aufs Barometer wirken, wenn &longs;ie durch eine Localur&longs;ache blos auf eine einzige Luft&longs;äule geleitet werde. Eine &longs;olche Ur&longs;ache &longs;eyen die bey uns fa&longs;t immer localen Winde, die auch die Wärme auf weit größere Höhen änderten, als die Sonnen&longs;tralen, und überdies auch mechani&longs;chen Einfluß auf Zu&longs;ammendrückung und Ausdehnung der Luft hätten, auch in den obern Gegenden weit heftiger wirkten, als man insgemein glaube. Den Zu&longs;ammenhang der Wärme und der Winde mit der Witterung erklärt er auf folgende Art. Im Winter bringen Süd-und Südwe&longs;twinde zugleich warme und feuchte Luft; daher &longs;ie zugleich Barometerfall und Regen nach &longs;ich ziehen. Im Sommer kühlen Südwinde nur, wenn &longs;ie mit Regen begleitet &longs;ind, der die Temperatur der obern Regionen herabbringt. Winde, welche Kälte bringen, &longs;ind bey uns gemeiniglich &longs;ehr trocken; &longs;ind &longs;ie feucht, &longs;o kömmt Regen, obgleich das Barometer &longs;teigt. Eben &longs;o &longs;ind die Südwinde insgemein feucht; &longs;ind &longs;ie trocken, &longs;o bleibt der Himmel heiter, wenn gleich das Barometer fällt, woraus die Unzuverlä&longs;&longs;igkeit der Barometerprophezeihungen erhellet. Er erklärt endlich, daß er den Einfluß der Dün&longs;te, der chymi&longs;chen Veränderungen der Luft und anderer Ur&longs;achen nicht läugne, auch glaube, daß man noch eine neue bisher unbekannte Ur&longs;ache der Barometerveränderungen entdecken könne.

Die&longs;e Ungewißheit eines ein&longs;ichtsvollen Naturfor&longs;chers, der &longs;o lange in die&longs;em Fache &longs;elb&longs;t gearbeitet, und alle Behauptungen &longs;einer Vorgänger geprüft hatte, zeigt wohl, daß wir nicht glauben dürfen, von der Ur&longs;ache der Barometerveränderungen und ihrem Zu&longs;ammenhange mit der Witterung etwas Zuverläßiges zu wif&longs;en, obgleich das Barometer &longs;chon &longs;eit mehr als hundert Jahren von &longs;o vielen Gelehrten und Ungelehrten als ein Witterungsorakel gebraucht und &longs;o mancherley darüber nachgedacht und ge&longs;agt worden i&longs;t. Dies &longs;ey ein Bey&longs;piel un&longs;ers Wi&longs;&longs;ens!

de Luc Recherches &longs;ur les modi&longs;ications de l' atmo&longs;phère, To. I. Sect. I. chap. 3. To II. Sect.

de Sau&longs;&longs;ure E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai IV. chap. 3.

Barometrograph, &longs;. Barometer

unter dem Ab&longs;chnitte: Methode zu beobachten u. &longs;. w.

Baro&longs;cop, &longs;. Barometer.

Ba&longs;alt, &longs;. Vulkani&longs;che Produkte.

Batterie, elektri&longs;che, Sugge&longs;tus, phialis Leiden&longs;ibus pluribus una explodentibus, Batterie electrique.

Eine zur elektri&longs;chen Geräth&longs;chaft gehörige Verbindung von mehrern Leidner Fla&longs;chen, Glastafeln oder andern belegten elektri&longs;chen Körpern, welche man auf einmal laden und entladen, und dadurch elektri&longs;che Schläge von ungemeiner Heftigkeit hervorbringen kan, &longs;. die Art. Fla&longs;che, geladene; Schlag elektri&longs;cher.

Gralath in Danzig verband zuer&longs;t, bald nach Entdeckung des Leidner Ver&longs;uchs, mehrere mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Di&longs;tillirkolben, um den elektri&longs;chen Schlag mehr zu ver&longs;tärken. Franklin (Brief von der Elektricität, über&longs;. v. Wilke, Leipzig 1758. 8. S. 36.) &longs;etzte eilf viereckichte Glastafeln in ähnlicher Ab&longs;icht zu&longs;ammen, und gab die&longs;er Einrichtung den Namen der elektri&longs;chen Batterie, der &longs;eitdem allen dergleichen Verbindungen von belegten Fla&longs;chen oder Tafeln rc. eigen geblieben i&longs;t.

Taf. IV. Fig. 54. zeigt eine &longs;olche Batterie von &longs;echszehn mit Stannidl belegten Fia&longs;chen. Jede Fla&longs;che i&longs;t mit einem Korkdeckel ver&longs;chlo&longs;&longs;en, durch welchen ein mit ihrer innern Seite verbundener Drath oder me&longs;&longs;ingener Stab hervorgeht, der oben rund um den Drath EE gebogen, oder an den&longs;elben angelöthet i&longs;t. Jeder Drath EE verbindet &longs;o die innern Seiten von vier Fla&longs;chen, und hat an jedem Ende einen Knopf. Durch die Dräthe FFF. die &longs;ich nach Gefallen auf eine oder die andere Seite &longs;chlagen la&longs;&longs;en, können die innern Seiten von acht, zwölf, oder allen &longs;echszehn Fla&longs;chen mit einander verbunden werden. Denn da jeder Drath F &longs;ich um den Drath E, der durch &longs;einen Ring geht, bewegen läßt, &longs;o kan man ihn leicht aufheben und auf den entgegenge&longs;etzten Drath E auflegen, wodurch &longs;ich die Verbindung jeder Reihe von Fla&longs;chen mit der neben&longs;tehenden nach Gefallen aufheben und wiederher&longs;tellen läßt.

Der viereckichte Ka&longs;ten, worinn die&longs;e Fla&longs;chen &longs;tehen, i&longs;t von Holz, und auf dem Boden mit Bley oder Stanniol überlegt; er hat an zwoen einander gegenüber&longs;tehenden Seiten zwo Handhaben, an welchen man ihn von einem Orte zum andern tragen kan. In der einen Seite i&longs;t ein Loch, durch welches ein ei&longs;erner Haken geht, der mit der metalli&longs;chen Belegung des Bodens, und al&longs;o mit der auswendigen Belegung der Fla&longs;chen verbunden i&longs;t. An die&longs;em Haken hängt ein Drath, der mit dem andern Ende an den Auslader befe&longs;tiget wird, &longs;. Auslader.

Man be&longs;timmt die Größe einer Batterie nach der Größe der belegten Glasfläche, welche die zu ihr gehörigen Fla&longs;chen enthalten, weil &longs;ich die Stärke ihres Schlags unter übrigens gleichen Um&longs;tänden nach die&longs;er Fläche richtet. Hat z. B. jede Fla&longs;che 3/4 Quadrat&longs;chuh belegte Glasfläche, &longs;o wird die be&longs;chriebene Batterie von &longs;echszehn Fla&longs;chen eine Batterie von zwölf Quadrat&longs;chuhen genannt. Eine &longs;olche gehört, in Vergleichung mit andern jetzt gebräuchlichen, noch unter die kleinen, und i&longs;t für manche Ver&longs;uche viel zu &longs;chwach. Zum Schmelzen eines Draths von (1/50) Zoll Dicke, erfordert Cavallo eine Batterie von wenig&longs;tens dreyßig Quadrat&longs;chuhen. Er räth aber, lieber zwo, drey oder mehr kleinere, wie &longs;ie die Figur vor&longs;tellt, anzulegen, als eine einzige &longs;ehr große zu verfertigen, welche &longs;chwer und unbequem &longs;ey. Man kan mehrere Batterien leicht durch einen Drath oder eine Kette vereinigen, wobey &longs;ie dann in aller Ab&longs;icht, wie eine einzige große, wirken.

Zu den Fla&longs;chen großer Batterien muß man &longs;tärkeres und wohl abgekühltes Glas wählen; cylindri&longs;che Fla&longs;chen von 15 Zoll Höhe und 4—5 Zoll Durchme&longs;&longs;er &longs;ind die &longs;chicklich&longs;ten; zu kleinern Batterien von 8—9 Quadrat&longs;chuhen dienen &longs;chon gewöhnliche Apothekerglä&longs;er, die etwa ein oder ein halbes Nößel halten.

Die Batterien werden eben &longs;o, wie einzelne Fla&longs;chen, geladen und entladen; doch thut beym Laden ein kleiner er&longs;ter Leiter be&longs;&longs;ere Dien&longs;te, als ein großer, weil er nicht &longs;o viel Elektricität, als der größere, zer&longs;treut. Die Entladung einer Batterie muß mit der äußer&longs;ten Behut&longs;amkeit ge&longs;chehen: wenn Ver&longs;ehen bey andern Ver&longs;uchen blos unangenehm &longs;ind, &longs;o können &longs;ie hier noch überdies von unglücklichen Folgen für die Um&longs;tehenden &longs;eyn. Man bedient &longs;ich zur Entladung der Batterien &longs;tets eines Ausladers, und es i&longs;t hiezu be&longs;onders der unter dem Worte Auslader be&longs;chriebene allgemeine des Henly brauchbar. Er ver&longs;chaft die Bequemlichkeit, den Schlag einer Batterie durch oder über jeden Körper gehen zu la&longs;&longs;en, den man in die zwi&longs;chen beyden Seiten der Fla&longs;chen gemachte Verbindung gebracht hat. In vielen Fällen i&longs;t|auch der gemeine in der Figur mit vorge&longs;tellte Auslader dazu hinreichend.

Durch den Schlag einer &longs;tarken Batterie werden Dräthe von 2—3 Zoll Dicke glühend gemacht, Dräthe von (1/50) Zoll Dicke in Klümpchen ge&longs;chmolzen und zum Theil in Dämpfe aufgelö&longs;et, durch Gewichte ge&longs;pannte Dräthe verlängert, durch ein Buch Papier oder ein Spiel Karten Löcher ge&longs;chlagen, wobey jedes Blatt von der Mitte aus durchbohrt wird, daß &longs;ich die Ränder des Lochs gegen die anliegenden Blätter herausbeugen, als ob der Schlag aus jeden Blattes Mitte ausgebrochen wäre. Man kan dadurch Thiere tödten, &longs;tählerne Nadeln magneti&longs;ch machen, Magnetnadeln ihre Polarität benehmen, oder bisweilen ihre Pole umkehren, ein Metallblättchen, das zwi&longs;chen zwo Glasplatten zu&longs;ammengedrückt wird, &longs;o ins Glas ein&longs;chmelzen, daß es weder durch mechani&longs;che noch durch chymi&longs;che Mittel von dem&longs;elben getrennt werden kan, und überhaupt die &longs;tärk&longs;ten Wirkungen der Elektricität hervorbringen.

Die Wirkungen einer Batterie werden noch an&longs;ehnlich ver&longs;tärkt, wenn die zur Entladung dienende Verbindung hin und wieder durch unvollkommne Leiter unterbrochen wird, z. B. durch Stücke trocknen Holzes, durch Glasröhren oder Oefnungen in Glasplatten, die man inwendig durch einige Tropfen Wa&longs;&longs;er feucht erhält u. &longs;. w.

Cavallo voll&longs;tändige Abhdl. von der Elektricität, II. Th. 3 und 11 Cap.

Adams Ver&longs;uch über die Elektricität, aus dem Engl. Leipzig 1785. gr. 8. Cap. 8.

Beatification, Apotheo&longs;is electrica, Beati&longs;ication.

Wenn man einen auf Glas oder Pech i&longs;olirten Men&longs;chen mit einer &longs;tarken Elektri&longs;irma&longs;chine verbindet, und &longs;ein Haupt mit metalli&longs;chen Spitzen umringt, &longs;o bildet das Aus&longs;trömen der&longs;elben im Dunkeln eine leuchtenoe Glorie. Die&longs;en angenehmen, übrigens aber leicht zu erklärenden Ver&longs;uch nannte &longs;ein Erfinder, Georg Matthias Bo&longs;e, Prof. zu Wittenberg, die elektri&longs;che Beatification oder Apotheo&longs;e.

Bo&longs;e

hatte Be&longs;chreibungen die&longs;es Ver&longs;uchs nach England und Frankreich ge&longs;andt, in welchen der Um&longs;tand, daß er einen Helm mit metalli&longs;chen Spitzen hiebey gebrauche, ver&longs;chwiegen war. Man ver&longs;tand ihn natürlich &longs;o, als ob das Aus&longs;trömen von &longs;elb&longs;t erfolgen &longs;ollte, und ließ &longs;ich dadurch zu vielen ko&longs;tbaren und doch fruchtlo&longs;en Ver&longs;uchen verleiten, bis er &longs;ich endlich gegen Wat&longs;on deutlicher darüber erklärte, da man denn fand, daß die &longs;o geheimnißvoll behandelte Sache auf das läng&longs;t bekannte Aus&longs;trömen der Elektricität aus metallnen Spitzen hinauslaufe. Poncelet (La nature dans la formation du tonnere, Paris 1766. 8.) will doch an einem Men&longs;chen mit kurzen Haaren die Beatification ohne metallene Spitzen bewirkt haben.

Prie&longs;tley Ge&longs;ch. der Elektricität, über&longs;. v. Krünitz, Berlin u. Stral&longs;. 1772. 4. S. 101.

Bedeckungen der Ge&longs;tirne, Occultationes, Occultations.

So heißen in der Sternkunde diejenigen Himmelsbegebenheiten, bey welchen ein Ge&longs;tirn durch das Vortreten eines andern un&longs;ern Augen ganz oder zum Theil entzogen wird. Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e &longs;ind Bedeckungen der Sonne durch den Mond. Ueberhaupt verur&longs;acht der Mond wegen &longs;einer beträchtlichen &longs;cheinbaren Größe und &longs;eines &longs;chnellen Laufs die mei&longs;ten Bedeckungen der Planeten und der im Thierkrei&longs;e &longs;tehenden Fix&longs;terne. Bedeckungen der Planeten unter einander &longs;elb&longs;t &longs;ind von äußer&longs;ter Seltenheit, und diejenigen, welche von ältern A&longs;tronomen, z. B. Kepler (A&longs;tron. pars optica, p. 305.), angeführt werden, fallen vor die Zeiten der Entdeckung des Fernrohrs, und &longs;ind allem Vermuthen nach nur nahe Zu&longs;ammenkünfte gewe&longs;en. Man hat &longs;on&longs;t die Ordnung der Weltkörper aus ihnen gefolgert, z. B. daß Mars uns näher als Iupiter &longs;ey, weil jener die&longs;en bedeckt habe u. &longs;. w. Aber es würde um un&longs;ere Kenntni&longs;&longs;e von die&longs;er Ordnung &longs;chlecht &longs;tehen, wenn &longs;ie &longs;ich blos auf die&longs;e Beobachtungen gründeten; da das bloße Auge kaum hätte ent&longs;cheiden können, ob Mars den Iupiter oder die&longs;er jenen bedecke. Eine wirkliche Bedeckung des Merkurs durch die Venus ward den 17 May 1737 beobachtet (Phil. Trans. no. 450.).

Die Bedeckungen der Fix&longs;terne und Planeten durch den Mond werden von den A&longs;tronomen &longs;orgfältig beobachtet, und zu genauern Be&longs;timmungen des Mondlaufs und der geographi&longs;chen Lage der Beobachtungsorte genützt.

Bedeckungen

der Glä&longs;er in opti&longs;chen Werkzeugen, &longs;. Blendung.

Belegung, &longs;. Fla&longs;che, geladene.

Beobachtung, Ob&longs;ervatio, Ob&longs;ervation.

Erfahrungen, welche wir vermittel&longs;t un&longs;erer Sinne an den Körpern an&longs;tellen, heißen Beobachtungen, wenn wir dabey die Körper nur blos in dem Zu&longs;tande betrachten, in welchem &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t und ohne un&longs;er Zuthun befinden. Ver&longs;etzen wir &longs;ie in einen andern Zu&longs;tand, um zu &longs;ehen, wie &longs;ie &longs;ich dabey verhalten werden, &longs;o heißen &longs;olche Unternehmungen Ver&longs;uche. So i&longs;t die Wahrnehmung, daß die Körper drücken oder &longs;chwer &longs;ind, eine Beobachtung; die Wahrnehmung, daß &longs;ie, unter Wa&longs;&longs;er ver&longs;enkt, weniger drücken, ein Ver&longs;uch.

Auf un&longs;ern Erfahrungen über die Körper, al&longs;o auf Beobachtungen und Ver&longs;uchen beruht alles, was wir von ihnen wi&longs;&longs;en, &longs;. Erfahrung. Die Kun&longs;t, Beobachtungen anzu&longs;tellen, zu be&longs;chreiben und gehörig zu gebrauchen, i&longs;t daher für den Naturfor&longs;cher äußer&longs;t wichtig. Sie hat zum Endzwecke, die Eigen&longs;chaften und Wirkungen der Körper, &longs;o wie &longs;ie &longs;ich in der Natur &longs;elb&longs;t dar&longs;tellen, genau zu bemerken, und ihre Verhältni&longs;&longs;e zu erfahren, damit man nachher von dem Verhältni&longs;&longs;e und der Be&longs;chaffenheit der Wirkungen auf das Verhältniß und die Natur der Ur&longs;achen &longs;o &longs;icher, als möglich, &longs;chließen könne.

Obgleich dem Experimentator ein unendlich weiteres Feld, als dem bloßen Beobachter, offen &longs;teht, &longs;o i&longs;t doch nicht zu läugnen, daß die Beobachtungen in vielen Stükken ent&longs;chiedne Vorzüge vor den Ver&longs;uchen voraus haben. Der Beobachter &longs;ieht die Wirkungen der Natur &longs;elb&longs;t, der Experimentator nur das Re&longs;ultat &longs;einer Verbindungen; die Beobachtung entdeckt die Wahrheit durch bekannte Mittel, der Ver&longs;uch &longs;pürt ihr oft durch Mittel nach, deren Wirk&longs;amkeit unbekannt oder zweydeutig i&longs;t. Die Methode der Beobachtung i&longs;t leichter und einfacher, als die der Ver&longs;uche, und oft klärt &longs;ich eine Wirkung, an &longs;ich unter&longs;ucht, weit be&longs;&longs;er auf, als wenn man &longs;ie kün&longs;tlich mit andern verbindet, aus welchen man &longs;ie nachher wieder herauswickeln muß. Vielleicht hätten die Phy&longs;iker, wenn &longs;ie &longs;ich mehr auf einfache Beobachtung einge&longs;chränkt hätten, weniger Kun&longs;twörter, aber de&longs;to mehr Sachen gelernt. Uebel ange&longs;tellte Ver&longs;uche haben oft die lächerlich&longs;ten Sy&longs;teme erzeugt; aber durch die Beobachtung geleitet, entdeckte Newton &longs;eine erhabnen Theorien. Oft &longs;ind Begriffe, die man aus Ver&longs;uchen erlangt, unvollkommen, &longs;tehen im Verhältni&longs;&longs;e mit den getroffenen Veran&longs;taltungen, und hängen von den Kenntni&longs;&longs;en de&longs;&longs;en ab, der die Ver&longs;uche er&longs;onnen hat. Endlich i&longs;t es fa&longs;t immer mißlich, nach den im Kleinen ange&longs;tellten Ver&longs;uchen die großen Wirkungen der Natur zu beurtheilen, und was die Natur wirklich thut oder hervorbringt, wird man nie anders, als auf dem Wege der Beobachtung finden. Man muß aber nie verge&longs;&longs;en, daß Beobachten und Experimentiren beyde nothwendig &longs;ind, um das, was die Erfahrung überhaupt lehren kan, voll&longs;tändig zu machen. Die Beobachtung läßt Lücken, welche die Ver&longs;uche ausfüllen mü&longs;&longs;en, und die Ver&longs;uche lehren Sätze, die nur dann er&longs;t gewiß werden, wenn &longs;ie die Vergleichung mit den Beobachtungen aushalten.

Die Eigen&longs;chaften eines guten Beobachters hat Senebier im er&longs;ten Theile &longs;eines unten angeführten Werks aus einander ge&longs;etzt. Er erfordert von ihm haupt&longs;ächlich Genie und wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Kenntni&longs;&longs;e, aber auch einen hinlänglichen Grad von philo&longs;ophi&longs;chem Scepticismus, der ihn theils gegen das allzugroße Vertrauen auf &longs;ich &longs;elb&longs;t wafne, welches Genie und Gelehr&longs;amkeit &longs;o leicht einzuflößen pflegen, theils auch ihn abhalte, &longs;ich durch irgend ein Vorurtheil des An&longs;ehens rc. blenden zu la&longs;&longs;en. Er muß insbe&longs;ondere ein Kenner der Mathematik, und durch &longs;ie an fe&longs;te Verbindung von Begriffen und Schlü&longs;&longs;en gewöhnt &longs;eyn; er muß die Verhältni&longs;&longs;e in den beobachteten Gegen&longs;tänden genau zu be&longs;timmen wi&longs;&longs;en, obgleich oft die allzufrühe Anwendung mathemati&longs;cher Berechnung auf Grund&longs;ätze, die noch nicht genug geprüft &longs;ind, &longs;chädlich &longs;eyn kan, indem der getäu&longs;chte Mathematiker den Irrthum durch den verführeri&longs;chen Schein der Wahrheit nur noch mehr befe&longs;tiget. Die Berechnung nützt nur dann, wenn die genaue Beobachtung nicht nur die Data hergiebt, &longs;ondern auch die Re&longs;ultate bekräftiget. Endlich muß der Beobachter in allen den wichtigen kleinen Um&longs;tänden erfahren &longs;eyn, welche mit der Materie, die ihn be&longs;chäftiget, mit den Werkzeugen und der be&longs;ondern Behandlung der&longs;elben in Verbindung &longs;tehen, und &longs;ich durch Uebung und Wiederholung der guten Beobachtungen großer Männer eine prakti&longs;che Ge&longs;chicklichkeit im Beobachten erworben haben. Weder allzulebhafte, noch allzuträge Köpfe können vorzüglichen An&longs;pruch auf Talente zur Beobachtung machen. Jene &longs;ehen alles mit einem Blicke, und halten für handgreiflich, was kaum wahr&longs;cheinlich i&longs;t; die&longs;e verlieren Zeit und Gelegenheit über allzulangen Zweifeln, trauen ihren eignen Wahrnehmungen nicht, fürchten die Mühe, und können be&longs;&longs;er Schiedsrichter bey fremden Beobachtungen, als &longs;elb&longs;t Beobachter &longs;eyn.

Beym Beobachten &longs;elb&longs;t muß man &longs;ich den Weg durch eine gute Methode zu verkürzen &longs;uchen, große und zu&longs;ammenge&longs;etzte Gegen&longs;tände in Theile zerlegen, und unter die&longs;en diejenigen auszuwählen wi&longs;&longs;en, an deren Ergründung das mei&longs;te gelegen i&longs;t. So verfuhr Newton bey &longs;einen Beobachtungen über das Licht, wobey er bald die ver&longs;chiedne Brechbarkeit der Stralen für den Um&longs;tand erkannte, der der Unter&longs;uchung vor andern würdig &longs;ey. Eine gute Methode führt oft zu Entdeckungen, die man &longs;on&longs;t nicht gemacht hätte, leitet auf die Mittel, das zu erkennen, was man &longs;ucht, und &longs;ichert für der Gefahr, etwas Wichtiges zu über&longs;ehen. Die be&longs;ten Beobachter haben &longs;ich im Anfange ihrer Unter&longs;uchungen methodi&longs;ch geordnete Fragen vorgelegt, und nach die&longs;en den Plan zu ihren Beobachtungen entworfen.

Der Beobachter muß ferner die Be&longs;chaffenheit &longs;einer &longs;innlichen Werkzeuge, z. B. die Güte &longs;einer Augen, die Entfernung, in der er deutlich &longs;ieht rc. genau kennen, &longs;o wie die Mittel, &longs;ie auf die vortheilhafte&longs;te Art zu brauchen, die gün&longs;tig&longs;ten Zeitpunkte für die&longs;elben, und die Hinderni&longs;&longs;e, die ihrer Vollkommenheit entgegen&longs;tehen. Das Zeugniß gut be&longs;chaffener und geübter Sinne führt &longs;elten in Irrthum, wenn anders der Beobachter die Theorie des Sinns wohl kennt, und weiß, wie er über die Empfindungen, die er durch ihn erhält, richtig urtheilen &longs;oll. Noch mehr Stärke erhält das Zeugniß der Sinne, wenn mehrere Per&longs;onen zugleich das Nemliche beobachten. Viele Stoffe la&longs;&longs;en &longs;ich auch durch mehrere Sinne empfinden, &longs;o wie z. B. die Elektricität auf Ge&longs;icht, Gehör, Gefühl und Geruch zugleich wirken kan. Die mei&longs;ten und wichtig&longs;ten Beobachtungen aber werden allerdings durch das Ge&longs;icht ange&longs;tellt.

Der Unvollkommenheit der Sinne mü&longs;&longs;en die Werkzeuge zu Hülfe kommen. Die&longs;e ver&longs;tärken entweder die Sinne, wie die Fernröhre und Vergrößerungsglä&longs;er, oder &longs;ie me&longs;&longs;en Größen ab, von welchen uns die Sinne nur dunkle und unbe&longs;timmte Begriffe geben, wie die Winkelme&longs;&longs;er, Quadranten, Penduln, Uhren, Barometer, Thermometer u. &longs;. w. Die Werkzeuge des Beobachters mü&longs;&longs;en &longs;o gut und vollkommen, als möglich, &longs;eyn; &longs;chlechte Werkzeuge wider&longs;prechen der Natur, und &longs;türzen in de&longs;to gefährlichere Irrthümer, je mehr man ihnen trauet. Man muß daher &longs;eine Werkzeuge aufs genau&longs;te zu kennen, und den Gebrauch, den man von ihnen macht, nach die&longs;er Kenntniß einzurichten &longs;uchen. Auch be&longs;chreiben gute Beobachter, um Vertrauen in ihre Wahrnehmungen einzuflößen, ihre Werkzeuge bis auf den klein&longs;ten Um&longs;tand. Es i&longs;t aber unmöglich, &longs;elb&longs;t bey dem be&longs;ten Werkzeuge die vollkommen&longs;te Schärfe zu erreichen, oder die gleiche Er&longs;cheinung mehrmal mit ebendem&longs;elben Werkzeuge auf völlig gleiche Art zu beobachten und abzume&longs;&longs;en. Aus die&longs;em Grunde i&longs;t es höch&longs;t nöthig, wenig&longs;tens die Grenzen der möglichen Fehler, und den Grad der Zuverlä&longs;&longs;igkeit, den man einem aus mehrern Beobachtungen gezognen Re&longs;ultate zu&longs;chreiben kan, zu be&longs;timmen. Lambert (Beyträge zum Gebrauche der Math. Th. I. Berlin, 1760. 8.) hat in die&longs;er Ab&longs;icht eine &longs;ehr &longs;charf&longs;innige Theorie der Zuverlä&longs;&longs;igkeit der Beobachtungen und Ver&longs;uche entworfen, und auf eine ziemliche Anzahl merkwürdiger Bey&longs;piele angewendet. Da es endlich Beobachtungen giebt, die an ver&longs;chiednen Orten mit ähnlichen Werkzeugen wiederholt werden mü&longs;&longs;en, &longs;o i&longs;t es &longs;ehr wichtig, &longs;olche Werkzeuge auf eine überein&longs;timmende Art zu verfertigen, damit die mit ihnen ange&longs;tellten Beobachtungen &longs;ich &longs;icher mit einander vergleichen la&longs;&longs;en. Man nennt &longs;olche Werkzeuge, die gleich&longs;am alle einerley Sprache führen, überein&longs;timmende (comparables). Die Herren de Lüc und de Sau&longs;&longs;üre haben &longs;ich bemüht, eine &longs;olche allgemeine Ueberein&longs;timmung in die Thermometer, Barometer und Hygrometer zu bringen. Es i&longs;t endlich dem Beobachter zu be&longs;&longs;erer Kenntniß und Behandlung &longs;einer Werkzeuge ungemein vortheilhaft, &longs;elb&longs;t Kün&longs;tler zu &longs;eyn, &longs;o wie Leeuwenhoek &longs;elb&longs;t Glas&longs;chleifer, Nollet &longs;elb&longs;t Glas&longs;chmelzer und Drechsler war.

Der Beobachter muß eine Ge&longs;chicklichkeit be&longs;itzen, das, was anfangs die Sinne zu fliehen &longs;cheint, durch neue Mittel der Beobachtung zu unterwerfen, worinn es be&longs;onders die Beobachter und Zergliederer der In&longs;ekten, Swammerdam, Malpighi, Leeuwenhoek, Reaumür, Trembley, Bonnet rc. &longs;ehr weit gebracht haben. Er muß damit eine unermüdete Gedult verbinden, um jeder Beobachtung die nöthige Zeit zu &longs;chenken, jeden Gegen&longs;tand von allen Seiten zu betrachten, nichts aufzugeben, was nicht im er&longs;ten Augenblicke gelingt, und die Beobachtungen gehörig zu wiederholen und zu verändern. Vorzüglich aber i&longs;t ihm eine anhaltende und ange&longs;trengte Aufmerk&longs;amkeit nöthig. Die&longs;e macht ihn &longs;charf&longs;ichtig und genau, lehrt ihn die nöthigen Vor&longs;ichtsregeln und Vorbereitungen, läßt ihn durch Wiederholung oder Abänderung &longs;einer Beobachtungen &longs;ich &longs;tärker von der Güte und Richtigkeit der&longs;elben ver&longs;ichern, und giebt ihm die Mittel an die Hand, &longs;ie ganz zu er&longs;chöpfen und auf mannigfaltige Art zu be&longs;tätigen. Mit einer &longs;olchen Aufmerk&longs;amkeit hat Newton den Licht&longs;tral behandelt, den er auf vielfältige Art zerlegt und wieder zu&longs;ammen&longs;etzt, den er nicht eher verläßt, als bis er die Nachwelt von allem unterrichtet hat, was man hoffen kan, davon zu erfahren.

Die Bekanntmachung &longs;einer Entdeckungen wird der wahrheitliebende Beobachter &longs;o lang auf&longs;chieben, als er noch hoffen kan, &longs;ie vollkommner zu machen, &longs;o wie Trembley &longs;eine Polypen &longs;chon &longs;eit vierthalb Jahren kannte, als er ihre Ge&longs;chichte herausgab. Dann aber wird er nicht nur die Entdeckungen &longs;elb&longs;t, &longs;ondern auch die Mittel, wodurch er zu den&longs;elben gelangt i&longs;t, ohne Zurückhaltung eröfnen. Dies i&longs;t nothwendig, da kleine Unter&longs;chiede in der Art zu verfahren oft große Abweichungen in den Re&longs;ultaten veranla&longs;&longs;en. Er wird auch aufrichtig angeben, was er gut, und was er mit minderer Zuverlä&longs;&longs;igkeit wahrgenommen habe. Er wird &longs;eine Wahrnehmungen mit allen nöthigen Bewei&longs;en ver&longs;ehen, ihre be&longs;ondern Um&longs;tände zeigen, und alle Ur&longs;achen des Zweifels wegnehmen. Er wird nicht alle Beobachtungen ohne Unter&longs;chied anführen, &longs;ondern aus der Menge der&longs;elben diejenigen auswählen, welche die entdeckte Wahrheit am be&longs;ten und leichte&longs;ten enthüllen. Er wird endlich Ordnung und Methode in &longs;einen Vortrag legen, damit man die Verbindung der Beobachtungen unter einander, und das Licht, das eine auf die andere wirft, be&longs;&longs;er über&longs;ehe. Newtons Vortrag &longs;einer Beobachtungen und Ver&longs;uche über das Licht und die Farben (Philo&longs;. Trans. num. 80—128. Abhandlungen zur Naturge&longs;chichte, Phy&longs;ik und Oekonomie, aus den Philo&longs;ophi&longs;chen Transact. Leipz. 1779. gr. 4. Th. I. S. 192— 228.) i&longs;t ein &longs;chönes Bey&longs;piel hievon, und doch &longs;ehr ver&longs;chieden von dem &longs;y&longs;temati&longs;chen Vortrage eben die&longs;er Entdeckungen in &longs;einer Optik, wo die Ab&longs;icht eine ganz andere i&longs;t.

Ueber die Kun&longs;t zu beobachten hat zuer&longs;t der Kanzler Baco in &longs;einen Werken De interpretatione naturae und De augmentis &longs;cientiarum einige vortrefliche Vor&longs;chriften gegeben. In der Folge hat man wenig oder gar nicht darüber ge&longs;chrieben, obgleich ver&longs;chiedene große Naturfor&longs;cher vortrefliche Mu&longs;ter der Beobachtungskun&longs;t in ihren Schriften aufge&longs;tellt hatten. Lambert hat in &longs;einem neuen Organon einige hieher gehörige Bruch&longs;tücke mit dem ihm gewöhnlichen tief eindringenden Scharf&longs;inne behandelt. Die holländi&longs;che Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Harlem &longs;etzte im J. 1770 einen Preis auf die be&longs;te Abhandlung über die Beobachtungskun&longs;t, welchen eine Schrift des Herrn Carrard erhalten hat. Herr Senebier, der dabey das Acce&longs;&longs;it erhielt, ward dadurch veranla&longs;&longs;et, &longs;eine Schrift voll&longs;tändiger auszuarbeiten, und &longs;ie unter dem Titul: L'art d'ob&longs;erver, zu Genf 1775. II. Th. gr. 8. herauszugeben. Ich habe in die&longs;em Artikel dasjenige, was aus die&longs;em Werke eigentlich hieher gehört, in einen kurzen Auszug gebracht. Auch das allgemein bekannte Zimmermanni&longs;che Werke über die Erfahrung in der Arzneykun&longs;t enthält vortrefliche Bemerkungen, welche für den Beobachter der Natur überhaupt &longs;ehr brauchbar &longs;ind.

Die Kun&longs;t zu beobachten, von Johann Senebier, aus dem Frz. über&longs;. von I. F. Gmelin. Leipzig 1776. II. B. 8.

Berge, Montes, Montagnes.

So heißen die beträchtlichern Erhöhungen auf der Oberfläche der Erdkugel. Kleinere Erhöhungen führen den Namen der Hügel oder Anhöhen. Selten finden &longs;ich einzelne Berge, und nie beträchtliche, auf ganz ebnem Lande; mei&longs;tens liegen mehrere Berge zu&longs;ammen, und bilden Gebirge, welche, wenn &longs;ie &longs;ich in langen Reihen fort&longs;trecken, Bergreihen, Bergketten genannt werden. Von den Hauptreihen der Berge laufen insgemein kleinere Reihen &longs;eitwärts, als Zweige, aus. Die Hauptgebirge &longs;tehen fa&longs;t über die ganze Oberfläche der Erde in ununterbrochener Verbindung; vielleicht &longs;elb&longs;t unter dem Wa&longs;&longs;er des Meeres, wie denn die In&longs;eln, als die Gipfel der unter dem Meere befindlichen Berge, ebenfalls in &longs;olchen Sammlungen und Reihen liegen, dergleichen auf dem Trocknen die Gebirge und Bergketten &longs;ind.

Die Oberfläche der Erde i&longs;t überhaupt äußer&longs;t ungleich; bald &longs;teigt &longs;ie mehr oder weniger &longs;chnell in die Höhe, bald &longs;enkt &longs;ie &longs;ich, und bildet Thäler, bald lauft &longs;ie in weit ausge&longs;treckten Plänen fort. Die Seekü&longs;ten &longs;ind die niedrig&longs;ten Theile des fe&longs;ten Landes, &longs;o wie insgemein der mittlere Theil eines Stücks vom Trocknen am höch&longs;ten zu liegen pflegt. Der Lauf der Flü&longs;&longs;e zeigt die höch&longs;ten Stellen eines jeden Landes deutlich an. So liegt die Schweiz in Europa am höch&longs;ten; denn aus der Gegend des Gotthards ent&longs;pringen Gewä&longs;&longs;er, welche nach allen Seiten aus durch den Po und die Rhone ins mittelländi&longs;che, durch die Donau ins &longs;chwarze Meer, und durch den Rhein in die Nord&longs;ee laufen. Aber auch kleinere Theile der Erdfläche haben ihre Haupthöhen. So giebt eine Gegend von Bourgogne durch die Seine, Loire und Rhone Wa&longs;&longs;er in die Nord&longs;ee, in das atlanti&longs;che und mittelländi&longs;che Meer. Solche Stellen, welche das Wa&longs;&longs;er nach vielen Seiten austheilen, heißen überhaupt Landhöhen, oder wenn &longs;ie &longs;ich in weite Flächen ausdehnen, Platformen, und wenn &longs;ie &longs;ich an&longs;ehnlich nach einer oder der andern Richtung er&longs;trecken, Landrücken oder Bergrücken.

Unter den merkwürdig&longs;ten Bergketten der Erdkugel erwähnt Bergmann (Phy&longs;ikal. Be&longs;chreibung der Erdkugel. I. B. 2 Abth. 4. Cap.) zuer&longs;t diejenigen, welche unter dem Namen des Sewoberg-Rückens Schweden von Norwegen und einem Theile von Rußland &longs;cheidet, &longs;ich mit ver&longs;chiednen andern Landrücken vereiniget, und vom weißen Meere theils o&longs;twärts bis zur Mündung des Flu&longs;&longs;es Ob fortläuft, theils, wenig&longs;tens muthmaßlich, &longs;ich &longs;üdwärts bis zum Wolga&longs;trom wendet, und von da aus o&longs;t&longs;üdo&longs;twärts zwi&longs;chen Sibirien und der großen Tatarey fortläuft, bis &longs;ie &longs;ich endlich nordwärts von Turke&longs;tan in zu&longs;ammenhängende Hügel verwandelt. Pallas (Ob&longs;ervations &longs;ur la formation des montagnes, Petersb. 1777. 4.) be&longs;chreibt eben die&longs;e Bergkette unter dem Namen der urali&longs;chen Gebirge, und bemerkt, daß ein Theil der&longs;elben von Strahlenberg mit Recht für die natürliche Grenze zwi&longs;chen Europa und A&longs;ien angenommen worden &longs;ey. Ein hievon ins Meer auslaufender Arm macht Nova Semlja aus.

Ein zweytes Sy&longs;tem von Bergen geht nach Pallas von den Gegenden des nördlichen Indiens, Tibet und Ca&longs;chemir aus, welche Reiche das höch&longs;te Platform des mittäglichen A&longs;iens ausmachen. Die von hier auslaufenden Bergketten durch&longs;treichen abendwärts Per&longs;ien, gegen Mittag die beyden Halbin&longs;eln von Indien, und gegen Morgen Sina.

Im nördlichen A&longs;ien i&longs;t die größte Landhöhe bey dem Gebirge Boghdo, der Grenze zwi&longs;chen den Kalmucken und Mongolen. Von die&longs;em geht eine Kette unter dem Namen Mu&longs;&longs;art nach Süden bis Tibet; eine zweyte unter dem Namen Alak er&longs;treckt &longs;ich we&longs;twärts zwi&longs;chen die Wü&longs;ten der freyen Tatarn und die Bucharey, hängt mit dem Ende der urali&longs;chen Berge und dem großen Berge (Ulu-tau) der wü&longs;ten Tatarey zu&longs;ammen, und verliert &longs;ich gegen Per&longs;ien; eine dritte, mit Namen Khanghai, läuft gegen Morgen in die Mongaley, biegt &longs;ich endlich um, und bildet Corea und die Klippen und In&longs;eln gegen Japan; die vierte und vornehm&longs;te macht die altai&longs;chen Gebirge aus, welche die Grenze von Sibirien vom Irtyez bis an den Amur bilden, und die ergiebigen ru&longs;&longs;i&longs;chen Bergwerke enthalten. Die ganze Pläne zwi&longs;chen den beyden letztern Ketten, die &longs;ogenannte Wü&longs;te Gobea oder Cha-mo neb&longs;t einem Theile der mongali&longs;chen Plänen, i&longs;t eines der höch&longs;ten Platformen der Erdfläche. Beyde Ketten vereinigen &longs;ich, nachdem &longs;ie die&longs;es Platform umringt haben, wieder, und laufen nordwärts bis in das Eismeer fort. Die Nebenzweige aller die&longs;er Ketten &longs;ind unzählbar.

Eine andere der höch&longs;ten a&longs;iati&longs;chen Berg&longs;pitzen i&longs;t der Cauca&longs;us, welcher den Raum zwi&longs;chen dem ca&longs;pi&longs;chen und &longs;chwarzen Meere einnimmt. Vielleicht hängt er durch Gebirge, welche Per&longs;ien durch&longs;chneiden, mit einer der vorerwähnten Ketten zu&longs;ammen. Er &longs;elb&longs;t &longs;endet Zweige durch Kleina&longs;ien bis nach Arabien, wozu der Taurus, Sinai, Libanon gehören, und um das ca&longs;pi&longs;che und &longs;chwarze Meer bis nach Europa, wo &longs;ie von Macedonien aus unter ver&longs;chiedenen Namen fortlaufen. Das carpati&longs;che Gebirge läuft vom &longs;chwarzen Meere zwi&longs;chen der Wallachey, Moldau, Siebenbürgen, Schle&longs;ien und Polen fort. Das &longs;udeti&longs;che geht durch Oe&longs;terreich zwi&longs;chen Böhmen und Schle&longs;ien fort, und &longs;endet nord - und we&longs;twärts Zweige nach Meißen und Voigtland. Das hercyni&longs;che geht in vielen Windungen mitten durch Deut&longs;chland. Die hohen Alpen &longs;cheiden Mayland und die Schweiz, und er&longs;trecken &longs;ich in der letztern bis zum St. Gotthard. Von hier bis zum Bernhard heißen &longs;ie pennini&longs;che, von da bis an den Mont-Cenis griechi&longs;che, alsdann bis zum Monte-vi&longs;o cotti&longs;che, und endlich bis Monaco Seealpen. Das apennini&longs;che Gebirge läuft von den Seealpen auf der genue&longs;i&longs;chen Kü&longs;te durch ganz Italien bis Reggio fort, und reicht vermuthlich durch Sicilien und unter dem Meere bis an die afticani&longs;chen Berge. Die rhäti&longs;chen Alpen gehen zwi&longs;chen Mayland und Graubündnerland, die tridentini&longs;chen zwi&longs;chen Tyrol und dem venetiani&longs;chen Gebiete, die nori&longs;chen zwi&longs;chen die&longs;em und Salzburg, die kärnthner zwi&longs;chen Kärnthen, Krain, Friaul und I&longs;trien. Das pyrenäi&longs;che Gebirge &longs;cheidet Frankreich von Spanien, und i&longs;t ein Zweig von ebendem&longs;elben Stamme.

In Afrika läuft der Atlas von O&longs;ten nach We&longs;ten. Der große Atlas, der vermuthlich mit den arabi&longs;chen Bergen zu&longs;ammenhängt, geht durch Egypten, und &longs;cheidet die Barbarey von Bilidulgerid; der kleinere geht von Tunis bis Gibraltar. Auch &longs;treicht an beyden Seiten des Nils eine Bergkette, welche aus den innern wenig bekannten Theilen von Afrika kömmt, und mit den da&longs;elb&longs;t befindlichen Mondbergen zu&longs;ammenhängt.

In Amerika laufen die berühmten Cordelieren (Cordilleras) nach der Richtung der we&longs;tlichen Kü&longs;te von Chili und Peru. An die&longs;er Kü&longs;te findet man zuer&longs;t eine etwa 8 Meilen breite Pläne, hierauf folgen etwa doppelt &longs;o breit abwech&longs;elnde Hügel und Thäler (Sierras), und endlich etwa 16 Meilen breit die höch&longs;ten und &longs;teil&longs;ten Berge (Andes), welche &longs;ich o&longs;twärts ganz &longs;anft gegen unermeßliche von den größten Flü&longs;&longs;en durch&longs;trömte Ebnen nieder&longs;enken. Die&longs;e Gebirge &longs;ind die höch&longs;ten, die man bisher kennt. Von Cuenza bis Popaya i&longs;t die&longs;e Bergreihe doppelt, und bildet zwi&longs;chen &longs;ich das 70 Meilen lange nnd 2—3 Meilen breite Thal oder Platform, worinn Quito liegt, und welches das höch&longs;te auf der Erde i&longs;t. Andere Bergrücken im &longs;üdlichen Amerika &longs;tehen mit die&longs;er Hauptkette in Verbindung, welche durch die Landenge Panama immer an der we&longs;tlichen Kü&longs;te von Nordamerika fortläuft, und ver&longs;chiedene Zweige aus&longs;endet, am Ende aber allem Vermuthen nach mit den a&longs;iati&longs;chen Berg&longs;y&longs;temen zu&longs;ammenhängt.

So &longs;cheinen die großen Bergketten der Erdfläche durchgängig zu&longs;ammenzuhängen, und ihre Verbindung &longs;elb&longs;t unter dem Meere fortzu&longs;etzen. Sie &longs;ind nach dem Ausdrucke einiger Naturfor&longs;cher das Geripp, welches der Erdrinde Fe&longs;tigkeit und Zu&longs;ammenhang giebt. Schon Plinius (Hi&longs;t. nat. XXXVI. 1.) äußert die&longs;en Gedanken. Eine Bergkarte von Buache (Mém. de Paris 1752.) &longs;tellt ihren Gang auf eine &longs;ehr erläuternde Art dar, bedarf aber vieler Verbe&longs;&longs;erungen aus neuern Nachrichten. Lehmanm (Specimen orographiae generalis, Petrop. 1762. 4.) und Gatterers neuere Bergkarte geben genauere Vor&longs;tellungen. Buffon (Hi&longs;t. nat. der Ausg. in 3. Vol. II. p. 17.) läßt die Richtung der Hauptreihen in Amerika von Norden nach Süden, in der alten Welt aber von We&longs;ten gen O&longs;ten laufen; ändert dies aber (Suppl. à l' hi&longs;t. nat. To. IX. p. 440.) dahin ab, daß auch in der alten Welt die höch&longs;ten Gebirge von Norden nach Süden laufen, und die von andern Richtungen blos Seitenä&longs;te &longs;eyn &longs;ollen. Der ungenannte Verfa&longs;&longs;er der Bemerkungen über Pallas (Journal de phy&longs;ique, May. 1779. über&longs;. in den Leipziger Sammlungen zur Phy&longs;. u. Naturg. II. B. 2. St.) nimmt dagegen zwo mit dem Aequator parallele Hauptketten, die eine um den 50&longs;ten Grad nördlicher, die andere um den 25&longs;ten &longs;üdlicher Breite, an, von welchen hin und wieder Zweige &longs;owohl gegen den Aequator, als gegen die Pole, auslaufen &longs;ollen. Pallas erklärt &longs;ich überhaupt gegen das Da&longs;eyn einer allgemeinen Anordnung in der Richtung der Bergketten, vermöge welcher &longs;ie &longs;ich in Form eines Netzes kreuzen, oder wie die Ribben in einen gemein&longs;chaftlichen Rückgrat vereinigen &longs;ollen. Solche Vor&longs;tellungen kopiren nach &longs;einer Meynung blos die Be&longs;chaffenheit der Länder, in denen &longs;ie erfunden &longs;ind, und machen keinen allgemeinen Plan der Natur aus. Die a&longs;iati&longs;chen Bergreihen laufen nach ihm von hohen Platformen, als von gemein&longs;chaftlichen Mittelpunkten, nach ver&longs;chiedenen Richtungen aus; die Ge&longs;talt von Afrika hingegen &longs;cheint eine ganz andere Anordnung &longs;einer Gebirge anzuzeigen.

Bourguet

(Mém. &longs;ur la theorie de la terre, bey &longs;. Lettres &longs;ur la formation des &longs;els. Am&longs;t. 1729. 8.) fand in der Ge&longs;talt und Lage der Gebirge eine allgemeine Aehnlichkeit mit Fe&longs;tungswerken, wo einwärts gehende und hervor&longs;pringende Winkel in parallelen Linien einander gegenüber&longs;tehen. Eben dies nehmen Bertrand, Buffon und de la Lande an. Allein &longs;o häufig &longs;ich die&longs;e Anordnung der Berge in zwo parallele gegenüber&longs;tehende Reihen an manchen Orten finden mag, &longs;o i&longs;t &longs;ie doch bey weitem nicht allgemein.

Unter der Höhe eines Bergs über einem andern Orte ver&longs;teht man eine Linie, welche von &longs;einem Gipfel lothrecht herabgefället bis an die fortge&longs;etzte Horizontalfläche des gedachten Orts reicht. Höhe des Aetna über Catania i&longs;t die lothrechte Linie zwi&longs;chen des Aetna Gipfel und der Horizontalfläche durch Catania. Es i&longs;t kaum nöthig zu erinnern, daß hiebey nicht die &longs;cheinbare Horizontal-ebne, welche die Fläche der Erdkugel berührt, &longs;ondern die wahre mit der Erdfläche &longs;elb&longs;t concentri&longs;che Horizontal-fläche ver&longs;tanden wird. Gemeiniglich werden die Höhen der Berge über der Meeresfläche angegeben, welches jederzeit anzunehmen i&longs;t, wo nicht ausdrücklich etwas anders erinnert wird. Die Höhen der Berge werden entweder geometri&longs;ch durch Abme&longs;&longs;ung einer Standlinie und der nöthigen Winkel, und daraus hergeleitete trigonometri&longs;che Berechnung, oder durch Wa&longs;&longs;erwägen, oder vermittel&longs;t des Barometers gefunden. Die beyden er&longs;ten Methoden werden in der prakti&longs;chen Meßkun&longs;t erklärt; die dritte gehört zwar eben dahin, es wird aber von ihr, weil ihre Theorie ganz phy&longs;ikali&longs;ch i&longs;t, unter dem Artikel: Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che, gehandelt werden.

Die höch&longs;ten der bisher bekannten Berge &longs;ind die amerikani&longs;chen, unter welchen der Chimboraço, &longs;o wie unter den europäi&longs;chen der Mont-blanc oder Montagnemaudite in Savoyen die größte Höhe hat. Ich theile hier aus einer Abhandlung von Pa&longs;umot (Journal de phy&longs;. Sept. 1783.) eine Tafel über die Höhen der vornehm&longs;ten Berge mit, zu welcher Taf. IV. Fig. 55. eine Abbildung giebt, die auch ohne alle Erklärung deutlich &longs;eyn wird. Amerikani&longs;che Gebirge.Toi&longs;en über der MeeresflächeChimboraço -3220Condamine (Me&longs;u- re des trois pre- miers degrés du meridien.)Cayambe-orcou -3030ebend.Anti&longs;ana - -3020eb.Coto-paxi - -2950eb.Coraçon, die größte von Men- &longs;chen er&longs;tiegene Höhe2470eb.Pitchincha - -2430eb.Die Stadt Quito -1462eb.Africani&longs;che.Pie auf Teneriffa -2500Bouguer2070P. Feuillee1904de Verdün, de Bor- da u. PingreEuropäi&longs;che.Mont-blanc -2447Shukburgh2446de Sau&longs;&longs;ure (Voy. dans les.alp.T.I.)Aiguille d'Argentiere -2094ebend.Corne du midi -1945de LücSt. Gotthard - -1650ScheuchzerAetna - -1672Needham1771— nach Berechnungen aus Brydone's Beob- achtungen (Samml. zur Phy&longs;ik und Natur- ge&longs;ch. I. B. 2 St.).Glet&longs;cher Buet -1579de Sau&longs;&longs;ureCanigou in Rou&longs;&longs;illon -1442Ca&longs;&longs;ini (Mém. de Paris 1718.)Spitze beym Klo&longs;ter auf dem St. Bernhard -1274de Sau&longs;&longs;ureDas Klo&longs;ter &longs;elb&longs;t -1241NeedhamMont-d'or in Auvergne1048Ca&longs;&longs;iniFurka - -973ScheuchzerMole bey Genf -940de Sau&longs;&longs;urePuy-de Dome in Auvergne817Ca&longs;&longs;iniBrocken auf dem Harz -546de LücThal Chamouny -524de Sau&longs;&longs;ureGipfel des Mont-Cenis -434NeedhamGenf -188de Sau&longs;&longs;ureParis, Saal der Sternwarte56Pa&longs;umot.

Um in den bey uns bekannten Maaßen einen Begrif von der Höhe die&longs;er Berge zu geben, will ich bemerken, daß die Höhe des Chimboraço (11/16), die des Mont-blanc etwas über 1/2, die des Aetna etwas über 1/3 einer chur&longs;äch&longs;i&longs;chen Meile von 32000 Leipziger Schuhen beträgt.

Die&longs;e Höhe kömmt gegen den Halbme&longs;&longs;er der Erde, welcher im Durch&longs;chnitt 3270800 Toi&longs;en angenommen werden kan, in keine &longs;onderliche Betrachtung. Die Höhe des größten Berges beträgt noch nicht (1/1000) die&longs;es Halbme&longs;&longs;ers. Berge und Thäler können al&longs;o der Erde &longs;o wenig ihre Kugelge&longs;talt benehmen, als Ungleichheiten von (1/10) Lin. die Rundung einer Kugel von 2 Schuh Durchme&longs;&longs;er &longs;tören können. Dennoch ziehen große Berge das Bleyloth merklich aus &longs;einer Richtung, &longs;. Gravitation.

Die äußere Ge&longs;talt der Berge i&longs;t unendlich mannigfaltig. Der Fuß i&longs;t mehrentheils weit ausgebreitet, und der Abhang mit Erde bedeckt, aus welcher bey den höch&longs;ten Bergen oben &longs;teile Klippen hervor&longs;techen. Wenn die&longs;e Klippen &longs;chmal &longs;ind, und mit fa&longs;t lothrechten Seiten zu einer Spitze hinauf&longs;teigen, &longs;o heißen &longs;olche Berge Nadelberge, Piken oder Aiguillen. Oft bilden die &longs;teilen Wände der Berge ungeheure Klüfte oder Durchfahrten, wie die bey Gibraltar zwi&longs;chen den Bergen Calpe und Abyla, die beym Helle&longs;pont und die Thermopylä der Alten, jetzt Bocca di Lupo. Oft &longs;trömen Flü&longs;&longs;e oder Bergwa&longs;&longs;er durch &longs;olche Abgründe, von welchen die Bergrücken queer hindurch zer&longs;chnitten werden. Oben &longs;ind die Berge oft abgerundet, oft in einen &longs;chmalen langen Rücken, wie die Mole bey Genf, oft in eine weite ebne Fläche, wie der Tafelberg auf dem Cap der guten Hofnung, geendet. Vulkani&longs;che Berge zeichnen &longs;ich durch eigne Ge&longs;talten aus, &longs;. Vulkane.

Die Luft i&longs;t auf den Bergen weit kälter, als an der Erdfläche, wo die unter&longs;te Luft&longs;chicht &longs;owohl wegen ihrer größern Dichte, als wegen der Nähe des Erdbodens, der die Sonnen&longs;tralen zurückwirft, &longs;tärker erwärmt wird. Daher &longs;ind die Gipfel der hohen Berge, &longs;elb&longs;t unter den wärm&longs;ten Klimaten, mit be&longs;tändigem Schnee und Eis bedeckt, welches letztere da&longs;elb&longs;t eine blaugrüne Farbe annimmt. Die zwi&longs;chen den Spitzen der Berge befindlichen Thäler und Schluchten, in welchen fa&longs;t immerwährender Schatten herr&longs;cht, &longs;ammeln und unterhalten ungeheure Mengen von Schnee und Eis, und vermehren dadurch noch die Kälte der darüberliegenden Luft. Doch liegt die&longs;e be&longs;tändige Schneegränze in der heißen Zone höher, und kömmt de&longs;to tiefer herab, je mehr man &longs;ich den Polen nähert. In Peru geht &longs;ie bis auf eine Höhe von 2434, in den Alpen bis 1500 Toi&longs;en; gegen die Pole zu &longs;enkt &longs;ie &longs;ich nahe an die Meeresfläche &longs;elb&longs;t herab, doch machen hiebey locale Ur&longs;achen unter ver&longs;chiedenen Meridianen mancherley Abänderungen. Die Vegetation er&longs;treckt &longs;ich vom Fuße der Berge bis nahe an die be&longs;tändige Schneegrenze; in Peru z. B. hört &longs;ie mit der Höhe von 2300 Toi&longs;en auf; auf Spitzbergen und Grönland findet man &longs;chon auf ebnem Boden Alpengewäch&longs;e. Die Bäume und Gewäch&longs;e werden in größern Höhen immer unan&longs;ehnlicher und niedriger; in gewi&longs;&longs;en Höhen wach&longs;en nur noch Fichten, Tannen und anderes harziges Holz, neb&longs;t den Pflanzen, die in der Botanik Alpengewäch&longs;e genannt werden, die höch&longs;ten Spitzen bekleiden &longs;ich nur hin und wieder auf den Flächen mit niedrigem Ra&longs;en, und in den Ritzen und Klüften mit Moos. Inzwi&longs;chen nimmt nach den neu&longs;ten Bergbeobachtern die Vegetation in den Bergen &longs;tets zu, und giebt ihren Abhängen und Bö&longs;chungen von Zeit zu Zeit eine &longs;tärkere Befe&longs;tigung, wodurch &longs;ie &longs;ich immer mehr einem bleibenden unveränderlichen Zu&longs;tande nähern.

Man &longs;tand &longs;on&longs;t in der fal&longs;chen Meynung, daß die dünnere Luft auf den hohen Bergen das Athmen er chweren mü&longs;&longs;e. Schon Bouguer und de la Condamine haben bey ihren Abme&longs;&longs;ungen auf den hohen Gebirgen in Peru die&longs;e Einbildung ungegründet befunden. Die neuern Bergbeobachter &longs;prechen vielmehr nie anders, als mit Entzücken von der reinen und heitern Bergluft, die dem Körper gleich&longs;am neues Leben einflöße, und in Verbindung mit der Heiterkeit des Himmels, der Herrlichkeit der Aus&longs;ichten, der Größe der Gegen&longs;tände und der tiefen Stille des Schauplatzes die Seele mit einem unbe&longs;chreiblichen Gefühl von Ruhe und Freude erfülle. Doch hat de Sau&longs;&longs;ure (Voyages dans les alpes, To. II. p. 517.) durch Proben mit dem Eudiometer die Luft auf den Gipfeln des Buet, St. Bernhard u. &longs;. w. nicht &longs;o rein, als die Luft in Chamouny und andern Alpenthälern gefunden, und glaubt hieraus &longs;chließen zu dürfen, daß die Luft in den niedrigen Plänen am wenig&longs;ten ge&longs;und, auf den hohen Bergen zwar etwas ge&longs;ünder, am rein&longs;ten und unverdorben&longs;ten aber in den Thälern &longs;ey, welche 200—300 Toi&longs;en hoch über der Meeresfläche liegen.

Es findet &longs;ich unter den Bergen &longs;elb&longs;t &longs;owohl in Ab&longs;icht ihrer Höhe und Lage, als auch ihrer innern Be&longs;chaffenheit, ein mannigfaltiger Unter&longs;chied, welchen vorzüglich die neuern Naturfor&longs;cher genauer be&longs;timmt, und zu Unter&longs;tützung ihrer Meynungen über die Ent&longs;tehung der Berge und die Ge&longs;chichte der Erde angewendet haben. Zwar hat man &longs;chon läng&longs;t die Berge in ur&longs;prüngliche und neuere (montes primitivos et recentes) abgetheilt; auch häben die deut&longs;chen Mineralogen und Bergwerksver&longs;tändige &longs;ehr frühzeitig Ganggebirge von Flötzgebirgen unter&longs;chieden, und den unverkennbaren Ur&longs;prung der letztern aus Boden&longs;ätzen des Wa&longs;&longs;ers wahrgenommen; &longs;ie haben aber die&longs;e Kenntniß mehr zum be&longs;ondern Vortheil des Bergbaues ihrer Länder, als zu allgemeinen kosmologi&longs;chen Folgerungen genützt.

Zur er&longs;ten Cla&longs;&longs;e der Gebirge gehören diejenigen, welche von den an&longs;ehnlichen Bergketten der Erdfläche den Körper &longs;elb&longs;t ausmachen. Sie erweitern &longs;ich nach unten zu, treffen vermuthlich in der Tiefe zu&longs;ammen, und bilden eine um die ganze Erde gehende fe&longs;te Schale. Die&longs;e Berge der er&longs;ten Cla&longs;&longs;e be&longs;tehen mehrentheils durch und durch aus einer gleichförmigen Materie (einer einfachen Gebirgsart), welche nach allen Richtungen ge&longs;palten werden kan, ob &longs;ie gleich oft wegen ungleicher Farben und Größen ihrer Körner aus vielen parallelen, oft wagrechten, oft &longs;tark ge&longs;türzten Lagern zu&longs;ammengebettet &longs;cheint. Die vornehm&longs;te und häufig&longs;te Gebirgsart die&longs;er Cla&longs;&longs;e i&longs;t der Granit, ein hartes mit dem Stahl Feuer gebendes Ge&longs;tein, aus Quarz, Glimmer und Feld&longs;path zn&longs;ammenge&longs;etzt. Aus die&longs;em Ge&longs;tein &longs;cheinen die Kerne der mei&longs;ten Berge zu be&longs;tehen; es macht auch in den Bergwerken die am tief&longs;ten liegende Gebirgsart aus, auf welche Sand&longs;tein, Schiefer und gemengte Ge&longs;teine auf ver&longs;chiedne Art aufge&longs;etzt &longs;cheinen. Der Granit findet &longs;ich in ganzen Ma&longs;&longs;en, oft auch in horizontalen geradlinigten oder wellenförmigen Lagern, in denen grobkörnigter mit feinkörnigtem abwech&longs;elt, oder wo durch grobkörnigten Gänge von feinkörnigten, und umgekehrt, durch&longs;etzen. Oft aber be&longs;tehen die&longs;e Berge der er&longs;ten Cla&longs;&longs;e auch aus andern Materien, z. B. aus Serpentin&longs;tein, Grauwakken, Verdantico, Gneuß rc. Sie werden von den Naturfor&longs;chern uralte, uranfängliche oder ur&longs;prüngliche genannt, von andern Berge der er&longs;ten Ordnung, weil doch nicht allgemein erwie&longs;en werden könne, daß &longs;ie vom Anfang bey der Schöpfung &longs;elb&longs;t vorhanden gewe&longs;en. In der Lehre vom Bergbau heißen diejenigen, in welchen &longs;ich Metalle und Erze finden, Ganggebirge. Gänge nemlich &longs;ind offen gewe&longs;ene Ritze oder Spaltungen des Ge&longs;teins, welche &longs;ich nachher mit den Gangarten, z. B. Quarz, Spath, Horn&longs;tein u. dgl. ausgefüllt zu haben &longs;cheinen, und in welchen man die Erze aufzu&longs;uchen hat. Die dergleichen enthalten, werden fündige, die übrigen taube Gänge genannt. In den Bergen er&longs;ter Ordnung finden &longs;ich keine Seeprodukte; daher ihre Ent&longs;tehung vor dem Da&longs;eyn der Seethiere vorhergegangen zu &longs;eyn &longs;cheinet.

Zur zweyten Cla&longs;&longs;e der Berge rechnet man diejenigen, welche unverkennbare Spuren einer &longs;pätern Ent&longs;tehung, und vornehmlich einer unter dem Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehenen Bildung an &longs;ich tragen. Dahin gehören baupt&longs;ächlich die Kalk - oder Marmor - und Thon&longs;chiefergebirge. Sie be&longs;tehen größtentheils aus Schichten oder Lagern, welche völlig wie über einander liegende Boden&longs;ätze des Wa&longs;&longs;ers ge&longs;taltet und geordnet &longs;ind, und die bis zur Bewunderung bäufigen Seeprodukte, welche &longs;ich in die&longs;en Schichten finden, &longs;etzen ihre Ent&longs;tehung unter dem Wa&longs;&longs;er außer allen Zweifel. Dergleichen Kalk- und Thongebirge &longs;cheinen &longs;owohl die höch&longs;ten Granitketten, als auch die niedrigern Zweige des über die Erdfläche hie und da hervorragenden uralten Ge&longs;teins überall auf beyden Seiten einzufa&longs;&longs;en und zu begleiten. De Lüc (Briefe über die Ge&longs;chichte der Erde und des Men&longs;chen, 38. Brief) be&longs;chreibt eine &longs;olche Kette von Kalkgebirgen, welche die &longs;avoyi&longs;chen Alpen unter dem Namen der Bornans einfa&longs;&longs;et. Einer von die&longs;en Bergen, der Grenier am &longs;üdlichen Ufer des Genfer&longs;ees, hat noch 1300 Toi&longs;en über der Meeresfläche ver&longs;teinerte Ammonshörner. Eine andere &longs;olche Kette von Kalkgebirgen i&longs;t der Jura. Auch Pallas (Ob&longs;. &longs;ur la formation des montagnes) be&longs;chreibt dergleichen Kalkund Thon&longs;chichten, die an den a&longs;iati&longs;chen Bergketten hinlaufen. Die&longs;e werden von den Naturfor&longs;chern Berge der zweyten Ordnung, oder in der Lehre vom Bergbau Flötzgebirge genannt. Man findet in ihnen die Erze nicht in Gängen, &longs;ondern nur Ei&longs;en und Kupfer in Flötzen oder Schichten, welche augen&longs;cheinlich nichts anders, als Boden&longs;ätze eines ehemaligen Meeres &longs;ind. Auch findet man in ihnen keine Quarzkry&longs;tallen, wohl aber häu&longs;ige Kieße und den Spath, eine kalkartige Kry&longs;talli&longs;ation, welche die Ri&longs;&longs;e der&longs;elben und die Höhlungen der darinn begrabnen Seekörper anfüllet. Auch die Kreide liegt in &longs;olchen Schichten, und enthält häufige Secprodukte mit &longs;chwarzem Horn&longs;tein. Andere auch vom Meere gebildete Berge mit häufigen Seeprodukten be&longs;tehen aus Sand&longs;tein, oder lockerm unverbundenen Sande. Wo Berge beyder Ordnungen zu&longs;ammen&longs;toßen, da werden die ur&longs;prünglichen jederzeit von denen der zweyten Ordnung, nie aber die&longs;e von jenen bedeckt—ein unwider&longs;prechlicher Beweis, daß die der er&longs;ten Ordnung die älteren &longs;ind.

Zwi&longs;chen die&longs;e zwo &longs;o deutlich unter&longs;chiedene Cla&longs;&longs;en fallen aber auch Berge, bey welchen die Charaktere zweydeutig &longs;ind. Dahin gehören die Schiefergebirge, welche &longs;ich bisweilen ohne alle Seeprodukte, oft mit &longs;enkrecht &longs;tehenden oder doch &longs;ehr ge&longs;türzten Blättern bis zu den beträchtlich&longs;ten Höhen erheben, wie denn der 1579 Toi&longs;en hohe, von de Lüc be&longs;tiegene, Glet&longs;cher Buet ein Schieferberg i&longs;t; bisweilen aber flötzwei&longs;e liegen, und zwi&longs;chen horizontalen oder wenig geneigten Blättern, wie die Kupfer&longs;chiefer der Graf&longs;chaft Mannsfeld, häufige Eindrücke von Mu&longs;cheln, Fi&longs;chen und Pflanzen enthalten. Die letztern Schiefer &longs;ind offenbar unter dem Wa&longs;&longs;er gebildet; von den er&longs;tern läßt &longs;ich zwar nicht ent&longs;cheidend behaupten, daß das Wa&longs;&longs;er gar keinen Antheil an ihrer Bildung gehabt habe; es muß dies aber wenig&longs;tens auf eine andere Art, als bey jenen, ge&longs;chehen &longs;eyn. Die Schiefergebirge ohne Seekörper &longs;ind zugleich der Haupt&longs;itz der Metalle. Im Granitgebirge &longs;ucht man nie fündige Gänge; häufiger in andern mehr &longs;chiefrig liegenden Bergarten, z. B. dem Gneuß, wie im &longs;äch&longs;i&longs;chen Erzgebirge, dem Grauwakken, wie auf dem Harz. Herr v. Trebra (Erfahrungen vom Innern der Gebirge, De&longs;&longs;au u. Leipz. 1785. Fol.) hat neuerlich hierüber vortrefliche Bemerkungen mitgetheilt. Auch der Kalk&longs;tein wird lagerwei&longs;e mitten in uranfänglichen einfachen Gebirgen angetroffen.

Die Menge von ver&longs;teinerten Seeprodukten, welche &longs;ich in den Schichten der Berge zweyter Ordnung findet, i&longs;t bis zum Er&longs;taunen groß und mannigfaltig. Es giebt ganze Schichten, von welchen unzählige ver&longs;teinerte Seemu&longs;cheln den Hauptbe&longs;tandtheil ausmachen. Bald findet man Abdrücke, welche die äußere Mu&longs;chel&longs;chale in dem darumliegenden Ge&longs;tein zurückgela&longs;&longs;en hat, bald i&longs;t die innere Höhlung der Mu&longs;chel mit dem Ge&longs;tein ausgefüllet worden, und die durch die Zeit zer&longs;törte Schale hat nur den Steinkern, der &longs;ich in ihr formte, zurückgela&longs;&longs;en. Bey der fa&longs;t allzugroßen Anzahl der Petrefactenbe&longs;chreiber kan es Niemandem unbekannt bleiben, wie häufig und mannigfaltig die&longs;e Ver&longs;teinerungen &longs;ind. Man findet viele darunter, deren lebende Originale in den jetzigen Meeren noch unbekannt &longs;ind. Die Originale der Ammonshörner, die ver&longs;teinert in unglaublicher Anzahl von 1 1/2 Schuh Durchme&longs;&longs;er bis zur gering&longs;ten kaum bloßen Augen &longs;ichtbaren Größe gefunden werden, der Belemniten u. &longs;. w. &longs;ind noch unentdeckt, oder doch nicht zuverläßig bekannt. Pallas vermuthet, daß die Originale zwar da &longs;eyn, aber in großen Tiefen im Meere leben mögen. Die Terebratuliten &longs;ind in manchen Schichten &longs;o häufig, wie der Sand &longs;elb&longs;t, vorhanden; inde&longs;&longs;en &longs;ind ihre lebenden Originale äußer&longs;t &longs;elten. Dagegen enthält das Meer Conchylien, wie z. B. das Meerohr und die Entenmu&longs;chel, welche &longs;elten oder gar nicht ver&longs;teinert angetroffen werden. Oft findet man die gegrabnen Mu&longs;cheln in ungemeinen Entfernungen von den Orten, wo &longs;ich ihre noch lebenden Originale aufhalten. De Lüc fand in England und Italien Ver&longs;teinerungen, deren Originale nur in Indien leben. Häufig findet man Nautilen, Au&longs;tern, Kammmu&longs;cheln, Tuten, Schrauben, Fungiten von ungeheuren Größen, da die bekannten Originale viel kleiner &longs;ind. Eben die&longs;e Ver&longs;chiedenheit nimmt man auch in Ab&longs;icht auf die Abdrücke der Seepflanzen wahr, die unter der Erde gefunden werden. Buffon (Hi&longs;t. nat. gen. et part. To. I. p. 388.) hat das viele Merkwürdige, was &longs;ich hierüber &longs;agen läßt, mit der ihm eignen hinreißenden Bered&longs;amkeit vorgetragen.

Niemand wird wohl den unnatürlichen Hypothe&longs;en einiger Schrift&longs;teller, daß die&longs;e Conchylien durch Men&longs;chen in die Länder und auf die Berge gebracht worden, daß &longs;ie bloße Spiele der Natur &longs;eyen, daß die von der Erde mit dem Wa&longs;&longs;er einge&longs;ognen Keime der Seethiere in die Berge aufge&longs;tiegen und da&longs;elb&longs;t entwickelt worden wären u. dgl. beypflichten. Die&longs;e Conchylien finden &longs;ich ganz und zerbrochen, groß und klein, gruppenweis und einzeln, oft in den Stellungen, die &longs;ie lebend gern annehmen, in der Ordnung, in welcher &longs;ie lebend im Meere neben einander liegen, und &longs;tets i&longs;t an die Stelle ihrer völlig verzehrten weichen Theile leerer Naum, Stein oder Kry&longs;talli&longs;ation getreten. Sie &longs;ind al&longs;o unläugbare Bewei&longs;e der Bildung der Schichten unter dem Wa&longs;&longs;er, und der großen Veränderungen, welche die Erdfläche erlitten hat.

Die Schichten der Berge zweyter Ordnung zeigen viele Ver&longs;chiedenheit in Ab&longs;icht auf Materie, Mächtigkeit, Ordnung und Stürzung, und es &longs;cheinen noch nach ihrer Ent&longs;tehung hin und wieder beträchtliche Veränderungen in ihnen vorgegangen zu &longs;eyn. Die Materien; aus welchen &longs;ie be&longs;tehen, &longs;ind hauptfächlich Kalk&longs;teine und Thon&longs;chiefer, welche letztern &longs;ich gemeiniglich unter den Kalkflötzen finden, und die gewöhnlich&longs;te Lager&longs;tätte der Kieße &longs;ind, ingleichen Steinkohlen. Lehmann (Ver&longs;uch einer Ge&longs;chichte von Flötzgebirgen, Berlin 1756. 8.) giebt als eine allgemeine Regel an, daß die Steinkohlen insgemein unten auf einer Schicht von grobem ei&longs;en&longs;chüßigen Sande, über die&longs;en die Thon&longs;chiefer, und ganz oben die Kalkflötze und das Stein&longs;alz liegen.

Pallas(Ob&longs;. &longs;ur la formation des montagnes) erwähnt noch eine dritte Cla&longs;&longs;e von Bergen, welche neuer als die vom Meere gebildeten Schichten, und auf die&longs;e aufge&longs;etzt &longs;ind. Die&longs;e Berge der dritten Ordnung be&longs;tehen größtentheils aus Sand&longs;tein und Mergel&longs;chichten, mit großen Mengen von &longs;andigen und thonigten Ei&longs;en- und Kupfererzen und Gyps&longs;teinen vermi&longs;cht, welche letztern gememiglich Anzeigen von Salzquellen geben. Sie enthalten wenige oder gar keine Seeproducte, dagegen eine große Menge ver&longs;teinertes Holz, Abdrücke von Pflanzen und Knochen von Landthieren. Pallas be&longs;chreibt a. a. O. eine Reihe die&longs;er Berge, welche an der We&longs;t&longs;ette der urali&longs;chen Kette hinläuft, und eine unbe&longs;chreibliche Menge Elephanten-Nashorn- und Büffelknochen, &longs;o wie das gegrabne Elfenbein (ebur fo&longs;&longs;ile) enthält, welches in Sibirien einen Handlungszweig ausmacht, und auch in Nordamerika gefunden wird, obgleich die Elephanten &longs;elb&longs;t nur unter wärmern Himmels&longs;trichen wohnen. In den &longs;tets gefrornen Gegenden der Ufer des Wilui fand man &longs;ogar das Geripp eines Rhinoceros mit noch erhaltener Haut und Ueberbleib&longs;eln von Sehnen und Knorpeln, woraus Pallas &longs;chließt, daß die&longs;e Berge und Hügel durch eine &longs;pätere aus den Wohnplätzen die&longs;er Thiere hergekommene Ueber&longs;chwemmung ent&longs;tanden &longs;eyen.

Die durch Ausbrüche des unterirdi&longs;chen Feuers gebildeten Berge, Ba&longs;althügel, Traß- und Lava&longs;trecken u. dgl. machen noch eine vierte Cla&longs;&longs;e aus, von welcher die Artikel: Vulkane und Vulkani&longs;che Producte, um&longs;tändlichere Nachricht geben werden.

Man wird aus dem Bisherigen leicht wahrnehmen, wie genau die Entftehung und Bildung der Berge mit der Ge&longs;chichte der Erde &longs;elb&longs;t zu&longs;ammenhänge. In der That &longs;ind die Berge die vornehm&longs;ten Denkmäler und Urkunden, aus welchen wir über die Veränderungen der Erdfläche Unterricht erhalten, und die Revolutionen, durch welche un&longs;er Wohnplatz in &longs;einen gegenwärtigen Zu&longs;tand übergegangen i&longs;t, einigermaßen errathen können. Freylich i&longs;t die Sprache die&longs;er Urkunden nicht überall gleich deutlich, und die Erklärungen ihrer Ausleger weichen oft beträchtlich von einander ab. Ich könnte hier &longs;ehr viele Meynungen über die Ent&longs;tehung der Berge anführen; da &longs;ie aber alle zugleich Hypothe&longs;en über die Ge&longs;chichte der Erde enthalten, &longs;o werde ich &longs;ie, um einer Wiederholung auszuweichen, bey dem Worte: Erdkugel, vortragen.

Der Nutzen der Berge i&longs;t &longs;ehr mannigfaltig, und für die ganze Oekonomie der Natur auf der Erdfläche von äußer&longs;ter Wichtigkeit. Bertrand hat dies in einer eignen Schrift (E&longs;&longs;ai &longs;ur les u&longs;ages des montagnes, Zuric. 1754. 8.) ausgeführt. Sie dienen nicht nur zur Zierde der Erde und zum Vergnügen ihrer Bewohner; &longs;ie befe&longs;tigen und halten auch die Rinde der&longs;elben, vergrößern die Fläche und den bewohnbaren Raum, vermehren die Mannigfaltigkeit der Producte durch die ihnen eignen Thiere und Gewäch&longs;e; &longs;ie &longs;ind die Lager&longs;tätte der Metalle und mehrerer nutzbaren Mineralien, &longs;cheiden die Länder und Völker als natürliche Grenzen, und halten Winde und Sonnen&longs;tralen von manchen Gegenden ab, indem &longs;ie &longs;ie auf andere zurückwerfen. Sie &longs;ind endlich die großen Behälter, aus welchen die nie ver&longs;iegenden Quellen der Bäche und Flü&longs;&longs;e ent&longs;pringen. Schon dies allein macht &longs;ie für die Men&longs;chen unentbehrlich, und zeigt, mit welcher bewundernswürdigen Weisheit und Güte der ganze Bau der Erde zum Be&longs;ten ihrer Bewohner veran&longs;taltet &longs;ey.

Torbern Bergmann phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel, a. d. Schwed. über&longs;. v. Röhl, 2te Aufl. Greifsw. 1780. 8.

G. S. Pallas Ob&longs;ervations &longs;ur la formation des montagnes, à St. Petersbourg. 1777. 4. über&longs;etzt in den Leipziger Sammlungen zur Phy&longs;ik und Naturge&longs;ch. I. B. 2. St.

I. A. de Luc Lettres physiques etmorales &longs;ur l'histoire de la terre et de l' homme, à la Haye 1779. To. V. gr. 8. mit einer Abkürzung über&longs;etzt: de Lüc phy&longs;ikali&longs;che und morali&longs;che Briefe über die Ge&longs;chichte der Erde und des Men&longs;chen, Leipz. 1781. II. B. 8. 37. 38. Brief.

Berge, feuer&longs;peyende, &longs;. Vulkane.

Be&longs;chleunigende Kraft, &longs;. Kraft.

Be&longs;chleunigte Bewegung, &longs;. Bewegung.

Be&longs;chleunigung, Acceleratio, Acceleration.

Das Zunehmen der Ge&longs;chwindigkeit, mit welcher &longs;ich ein Körper bewegt. Da die Größe der Ge&longs;chwindigkeit von dem Raume abhängt, den ein Körper in einer gewi&longs;&longs;en Zeit zurücklegt, &longs;o findet eine Be&longs;chleunigung &longs;tatt, wenn bewegte Körper, in gleichen auf einander folgenden Zeiträumen, immer größere Räume zurücklegen. So fällt ein &longs;chwerer Körper auf der Erdfläche in jedem folgenden Zeittheile weiter, als im vorhergehenden; in der er&longs;ten Secunde beyläufig durch 15, in der zweyten durch 45, in der dritten 75 Schuh u. &longs;. f.

Nimmt hiebey die Ge&longs;chwindigkeit &longs;o zu, daß &longs;ie in gleichen Zeiträumen gleiche Zu&longs;ätze erhält, &longs;o heißt die Be&longs;chleunigung gleichförmig (uniformis, aequabilis); &longs;ind aber die in gleichen Zeiträumen erhaltenen Vermehrungen der Ge&longs;chwindigkeit ungleich, &longs;o i&longs;t dies eine ungleichförmige Be&longs;chleunigung (difformis, inaequabilis). Die Retardation oder Verminderung der Ge&longs;chwindigkeit kan als negative Be&longs;chleunigung ange&longs;ehen werden.

Seitdem nach Galilei Entdeckungen der Ge&longs;etze fallender Körper die höhere Mechanik entwickelt und ausgebildet worden i&longs;t, hat man die Be&longs;chleunigungen der Bewegung durchgängig als Wirkungen der Kräfte ange&longs;ehen, welche die Bewegung &longs;elb&longs;t hervorbringen oder ändern. Die höhere Mechanik nimmt hierüber folgende mit den Erfahrungen überein&longs;timmende Grund&longs;ätze an.

1. Einmal ent&longs;tandene Bewegungen dauern, auch ohne weiteres Zuthun einer Kraft, fort, und behalten ihre vorige Richtung und Ge&longs;chwindigkeit, ohne Be&longs;chleunigung, &longs;. Trägheit.

2. Kömmt aberzu einer einmal ent&longs;tandnen Bewegung in jedem Zeittheile eine neue Wirkung einer Kraft hinzu, &longs;o ent&longs;teht Be&longs;chleunigung, wenn die&longs;e Kraft ganz oder zum Theil nach der Richtung der Bewegung &longs;elb&longs;t, Retardation, wenn &longs;ie ganz oder zum Theil nach der entgegenge&longs;etzten Richtung wirkt.

3. Sind die&longs;e neuen, mit jedem Zeittheile hinzukommenden, Wirkungen der Kraft &longs;tets gleich groß, &longs;o ent&longs;teht gleichförmige, &longs;ind &longs;ie ungleich, ungleichförmige Be&longs;chleunigung oder Retardation.

Ab&longs;olute unveränderliche Kräfte, d. h. &longs;olche, die in bewegte Körper, wie in ruhende, unaufhörlich und immer gleich &longs;tark, auch immer nach einerley Richtung wirken, mü&longs;&longs;en daher die Bewegungen, die &longs;ie hervorbringen, auch gleichförmig be&longs;chleunigen. Denn ihre er&longs;te Wirkung i&longs;t die Hervorbringung der Bewegung, zu welcher ihre folgenden Wirkungen in jedem Zeittheile gleich &longs;tarke Vermehrungen der Ge&longs;chwindigkeit nach eben der&longs;elben Richtung zu&longs;etzen. Veränderliche Kräfte hingegen verur&longs;achen ungleichförmige Be&longs;chleunigung.

Da die Schwere der Körper eine ab&longs;olute Kraft i&longs;t, d. h. in bewegte Körper noch eben &longs;o, wie in ruhende, wirkt, und in Räumen, welche gegen den Halbme&longs;&longs;er der Erde unbeträchtlich &longs;ind, als unveränderlich ange&longs;ehen werden kann, &longs;o folgt aus die&longs;en Grund&longs;ätzen, daß die &longs;chweren Körper mit gleichförmiger Be&longs;chleunigung fallen mü&longs;&longs;en. Für den Fall durch große Höhen, wo oben die Schwere geringer, als unten, wäre, würde freylich die Be&longs;chleunigung nicht mehr durchgehends gleichförmig &longs;eyn. Fiele z. B. ein Körper von einer Höhe herab, welche &longs;o groß als der Halbme&longs;&longs;er der Erde wäre, &longs;o würde die Be&longs;chleunigung &longs;eines Falles am Ende viermal &longs;tärker werden, als &longs;ie am Anfange gewe&longs;en wäre.

Aus die&longs;en Grund&longs;ätzen folgen nun leicht die Ge&longs;etze, welche bey dem Worte: Bewegung, gleichförmig be&longs;chleunigte, erklärt werden, und mit der Erfahrung &longs;o vortreflich überein&longs;timmen.

Die irrigen Begriffe, welche &longs;ich ältere Naturfor&longs;cher von den Ur&longs;achen der Be&longs;chleunigung, be&longs;onders beym Falle der Körper, gemacht haben, werden unter dem Artikel: Fall der Körper, vorkommen.

Be&longs;chleunigung einer Kraft

nennt Herr Kar&longs;ten (Lehrbegrif der ge&longs;ammten Math. III. Theil, Mechanik, Ab&longs;chn. 3. §. 46.) dasjenige, was Andere gemeiniglich be&longs;chleunigende Kraft &longs;elb&longs;t nennen, &longs;. Kraft, be&longs;chleunigende. Er ver&longs;teht nemlich die durch eine Kraft hervorgebrachte Be&longs;chleunigung, und da die&longs;e der Kraft &longs;elb&longs;t proportional i&longs;t, &longs;o weicht er von andern blos darinn ab, daß er die bekannte Wirkung da nennt, wo Andere die unbekannte Ur&longs;ache nennen.

Be&longs;tandtheile der Körper, Partes con&longs;tituentes &longs;. con&longs;titutivae corporum, Parties et Principes des corps.

Die Theile, aus welchen die Körper be&longs;tehen oder zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ind.

Die&longs;e Theile werden entweder blos &longs;o betrachtet, wie &longs;ie neben einander liegen, und durch eine blos mechani&longs;che Trennung von einander ge&longs;ondert werden können, &longs;. Aggregat, und heißen dann blos Theile, mechani&longs;che Be&longs;tandtheile (partesintegrantes, parties); oder &longs;o, wie &longs;ie durch die bey ihrer Vermi&longs;chung ent&longs;tandene wech&longs;el&longs;eitige Anziehung und Auflö&longs;ung den Körper, als ein Product von einer andern Be&longs;chaffenheit, erzeugt haben, &longs;. Gemi&longs;ch, und wie &longs;ie durch chymi&longs;che Zer&longs;etzung aus dem&longs;elben ge&longs;chieden werden können, und dann heißen &longs;ie im eigentlichen Ver&longs;tande Be&longs;tandtheile, chymi&longs;che Be&longs;tandtheile (partes con&longs;titutivae, principia, principes). Die Be&longs;tandtheile, in welche die chymi&longs;che Analy&longs;is die Körper zerlegt, &longs;ind oft &longs;elb&longs;t noch zu&longs;ammenge&longs;etzt, und la&longs;&longs;en &longs;ich durch fortge&longs;etzte Analy&longs;is weiter zerlegen. Diejenigen, welche wir endlich nicht weiter zerlegen können, heißen uranfängliche oder einfache Grund&longs;toffe, Ur&longs;toffe, Elemente (principia prima, elementa), die zu&longs;ammenge&longs;etztern hingegen zu&longs;ammenge&longs;etzte oder gemi&longs;chte Grund&longs;toffe (principia principiata &longs;. mixta), &longs;. die Artikel: Elemente, Grund&longs;toffe.

Beugung des Lichts

Inflexio &longs;. Difractio lucis, Diffraction ou Inflexion de la lumiere. Die Abweichung der Licht&longs;trahlen von ihrem geradlinigten Wege, wenn &longs;ie nahe an dem Rande eines Körpers vorbeygehen.

Die Beugung des Lichts ward von dem P. Grimaldi um die Mitte des vorigen Jährhunderts entdeckt und bekannt gemacht (Grimaldi de lumine, coloribus et iride, Bonon. 1665. 4.), da man vorher keine andere Abweichung des Lichts vom geraden Wege, als die Brechung und Zurückwerfung gekannt hatte. Zwar hat D. Hook im Jahre 1672 der königl. Societät zu London ebenfalls Ver&longs;uche über die Beugung des Lichts mitgetheilt, ohne, wie es &longs;cheint, Grimaldi's Entdeckungen gekannt zu haben. Inzwi&longs;chen bleiben die&longs;e immer die er&longs;ten und wichtig&longs;ten.

Grimaldi ließ durch ein kleines Loch in ein verfin&longs;tertes Zimmer einen Stral fallen, der darinn einen Lichtkegel bildete. Hielt er nun einen dunkeln Körper in beträchtlicher Entfernung vom Loche in die&longs;en Lichtkegel, &longs;o fand er den Schatten de&longs;&longs;elben viel breiter, als er der Berechnung nach bey geradem Fortgange der Licht&longs;tralen hätte &longs;eyn können. Auch &longs;ahe er um den Schatten herum mehrere farbichte Licht&longs;treifen, nach dem Schatten zu durch Blau, vom Schatten ab durch Roth begrenzt. Solche farbichte Streifen zeigten &longs;ich auch innerhalb des Schattens. Sie nahmen nach den ver&longs;chiedenen Winkeln des dunkeln Körpers ver&longs;chiedene Krümmungen an. Grimaldi wendet übrigens die&longs;e wichtige Entdeckung blos auf die Ent&longs;cheidung der &longs;ehr unwichtigen Frage an, ob das Licht eine Sub&longs;tanz oder Qualität &longs;ey, und ent&longs;cheidet endlich für die Ari&longs;toteliker dahin, es &longs;ey eine qualitas