Main  History Search Repository tree
| File: [CVSROOT] / texts / archimedes / xml / gehle_physi_055_de_1787.xml
(download) - view tree Revision 1.2, Wed Sep 21 12:41:52 2005 UTC (7 years, 7 months ago) by bcfuchs Branch: MAIN CVS Tags: HEAD Changes since 1.1: +2 -0 lines added entity ref |
<?xml version="1.0"?> <!DOCTYPE tei.2 [ <!ENTITY % Iso1 SYSTEM "../dtd/ISOlat1.pen" > <!ENTITY % Iso2 SYSTEM "../dtd/ISOlat2.pen" > <!ENTITY % Archent SYSTEM "../dtd/archimedes.pen" > <!ENTITY % gehler SYSTEM "../dtd/gehler.pen" > %Iso1; %Iso2; %Archent; %gehler; ]> <TEI.2 TEIFORM="TEI.2"><TEIHEADER TYPE="text" STATUS="NEW" TEIFORM="teiHeader"><FILEDESC TEIFORM="fileDesc"><TITLESTMT TEIFORM="titleStmt"><TITLE TEIFORM="title">Physicalisches Wörterbuch</TITLE><AUTHOR TEIFORM="author">J. S. T. Gehler</AUTHOR></TITLESTMT><PUBLICATIONSTMT TEIFORM="publicationStmt"><P TEIFORM="p">Berlin: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, 2000<!-- archimedes_locator:055.xml: --> </P></PUBLICATIONSTMT><SOURCEDESC DEFAULT="NO" TEIFORM="sourceDesc"><P TEIFORM="p">Leipzig, 1787. </P></SOURCEDESC></FILEDESC><ENCODINGDESC TEIFORM="encodingDesc"><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE N="chunk" UNIT="entry" TEIFORM="state"/></REFSDECL><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE UNIT="alphabetic letter" TEIFORM="state"/><STATE UNIT="entry" TEIFORM="state"/></REFSDECL><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE UNIT="volume" TEIFORM="state"/><STATE UNIT="page" TEIFORM="state"/></REFSDECL></ENCODINGDESC><PROFILEDESC TEIFORM="profileDesc"><LANGUSAGE DEFAULT="NO" TEIFORM="langUsage"><LANGUAGE ID="DE" TEIFORM="language">German </LANGUAGE><LANGUAGE ID="FR" TEIFORM="language">French </LANGUAGE><LANGUAGE ID="LA" TEIFORM="language">Latin </LANGUAGE><LANGUAGE ID="GREEK" TEIFORM="language">Greek </LANGUAGE></LANGUSAGE></PROFILEDESC></TEIHEADER><TEXT LANG="DE" TEIFORM="text"><FRONT TEIFORM="front"><DIV1 TYPE="intro" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div1"><P TEIFORM="p"><MILESTONE N="1" UNIT="volume" TEIFORM="milestone"/><PB TEIFORM="pb"/><HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phy&longs;ikali&longs;ches Wörterbuch oder Ver&longs;uch</HI> einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe und Kun&longs;twörter <HI REND="bold" TEIFORM="hi">der Naturlehre mit kurzen Nachrichten von der Ge&longs;chichte</HI> der Erfindungen und Be&longs;chreibungen der Werkzeuge begleitet in alphabeti&longs;cher Ordnung von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Johann Samuel Traugott Gehler</HI> Oberhofgerichtsa&longs;&longs;e&longs;&longs;orn und Senatorn zu Leipzig, auch der ökonomi&longs;chen Societät da&longs;elb&longs;t Ehrenmitgliede <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Er&longs;ter Theil von A bis Epo mit &longs;ieben Kupfertafeln Leipzig, im Schwickert&longs;chen Verlage 1787.</HI></HI><PB TEIFORM="pb"/> <HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vorrede.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Ich fühle es mit der lebhafte&longs;ten Ueberzeugung, daß &longs;ich gegen die anjetzt &longs;o gewöhnliche Methode, wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Gegen&longs;tände in alphabeti&longs;cher Ordnung vorzutragen, &longs;ehr viele gegründete Einwendungen machen la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat doch auch die&longs;e Methode gewi&longs;&longs;e ganz unverkennbare Vorzüge. Es i&longs;t allerdings nothwendig, daß der Anfänger die er&longs;te Ueber&longs;icht einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft durch ein in &longs;y&longs;temati&longs;chem Zu&longs;ammenhange abgefaßtes Lehrbuch erhalte; bey weiterm Fortgange aber wird er &longs;ich oft wün&longs;chen, alles, was einen und den andern einzelnen Gegen&longs;tand betrift, und was in den Lehrbüchern durch mancherley Stellen zer&longs;treut i&longs;t, zu&longs;ammengebracht und unter einerley Ge&longs;ichtspunkt vereiniget zu finden — eine Zu&longs;ammen&longs;tellung, die oft &longs;elb&longs;t für den Kenner der Wi&longs;fen&longs;chaft bey Bearbeitung einzelner Gegen&longs;tände wün&longs;chenswerth, oder wenig&longs;tens bequem und erleichternd i&longs;t. Ueberdies giebt die alphabeti&longs;che Anordnung, bey welcher jeder in der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gebräuchliche Name an &longs;einer Stelle vorkömmt, die &longs;chön&longs;te Gelegenheit zu richtiger und fe&longs;ter Be&longs;timmung der Hauptbegriffe, auf welche &longs;ich alle wi&longs;&longs;en&longs;chaftlichen<PB ID="P.1.IV" N="IV" TEIFORM="pb"/> Sätze gründen, und der eigentlichen Bedeutung der Worte, welche &longs;elb&longs;t in den be&longs;ten Lehrbüchern bisweilen in einem &longs;chwankenden Sinne, und an einer Stelle anders, als an der andern, gebraucht werden, zu ge&longs;chweigen, daß die Ordnung der Buch&longs;taben oft auf Namen von Gegen&longs;tänden führt, an welche man bey dem gewöhnlichen Vortrage der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gar nicht oder doch nur im Vorbeygehen denket. Daß endlich die hi&longs;tori&longs;chen und litterari&longs;chen Nachrichten, welche &longs;o viel zur gründlichen Kenntniß der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften beytragen, &longs;ich bey die&longs;er Ordnung mit vorzüglicher Bequemlichkeit beybringen la&longs;&longs;en, fällt von &longs;elb&longs;t in die Augen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Vorzüge der alphabeti&longs;chen Methode, welche &longs;ich durch das Bey&longs;piel mehrerer guten Wörterbücher, und be&longs;onders des Macquer&longs;chen von Herrn Leonhardi &longs;o &longs;chön bearbeiteten chymi&longs;chen, hinlänglich be&longs;tätigen, bewogen mich bereits im Jahre 1783, den Antrag einer Ueber&longs;etzung des von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sigaud de la Fond</HI> in franzö&longs;i&longs;cher Sprache herausgegebnen phy&longs;ikali&longs;chen Wörterbuchs<NOTE PLACE="unspecified" ANCHORED="YES" TEIFORM="note"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dictionnaire de Phy&longs;ique par Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Sigaud de la Fond,</HI> Pro&longs;e&longs;&longs;eur de Phy&longs;ique experimentale, Membre de la Societé Royale des Sciences de Montpellier etc. à Paris. 1781. IV. Tomes. 8.</HI></NOTE> nicht ganz ohne Aufmerk&longs;amkeit zu übergehen, und mir in die&longs;er Ab&longs;icht &longs;owohl das genannte Werk &longs;elb&longs;t,<PB ID="P.1.V" N="V" TEIFORM="pb"/> als auch das zu gleicher Zeit herausgekommene <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on&longs;che</HI> Wörterbuch<NOTE PLACE="unspecified" ANCHORED="YES" TEIFORM="note"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dictionnaire rai&longs;onné de Phy&longs;ique par Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on,</HI> de l'Academie Royale des Sciences, Maitre de Phy&longs;ique et d' Hi&longs;toire Naturelle des Enfans de France, Profef&longs;eur Royal de Phy&longs;ique experimentale au College Royal de Navarre, et Cen&longs;eur Royal. à Paris. 1781. II. Tomes. 4.</HI> neb&longs;t einem be&longs;ondern Bande, welcher 90 dazugehörige &longs;chöne Kupferplatten enthält.</NOTE> anzu&longs;chaffen. Allein ich fand es bey genauerer Unter&longs;uchung beyder Werke nicht rath&longs;am, eine Ueber&longs;etzung des einen oder des andern zu veran&longs;talten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De la Fond,</HI> de&longs;&longs;en übrige Verdien&longs;te um mehrere Zweige der Naturlehre ich nicht verkenne, trägt in die&longs;em Wörterbuche, mit Wegla&longs;&longs;ung alles de&longs;&longs;en, was nur einigermaßen mit mathemati&longs;chen Sätzen in Verbindung &longs;teht, außer einigen von ihm be&longs;onders bearbeiteten Materien, z. B. den Lehren von der Elektricität, dem Magnete, den Luftgattungen, den phy&longs;ikali&longs;chen Werkzeugen, grö&longs;tentheils Naturge&longs;chichte, Phy&longs;iologie und Chemie vor, &longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek, Hallern und Macquer</HI> oft, ohne &longs;ie zu nennen, wörtlich aus, und kleidet, wo er &longs;elb&longs;t &longs;pricht, wenig Sachen in viele <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Worte</HI> und ermüdende Declamationen ein. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on,</HI> de&longs;&longs;en Werk be&longs;timmt i&longs;t, einen Theil der <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Encyclopédie par ordre des matieres</HI> auszumachen, &longs;chreibt zwar weit gründlicher, gedrungner und mit mehrerer Kenntniß aller zur Phy&longs;ik gehörigen Fächer und Hülfswi&longs;&longs;en&longs;chaften; allein entweder Mangel<PB ID="P.1.VI" N="VI" TEIFORM="pb"/> an Bekannt&longs;chaft mit neuern Entdeckungen der Engländer und Deut&longs;chen, oder Vorliebe zu &longs;einer Nation und zu der Schule, die ihn unterrichtet hat, verleitet ihn allzuoft, bey alten jetzt läng&longs;t verdrungenen Sy&longs;temen &longs;tehen zu bleiben, wie denn z. B. in der Lehre der Elektricität <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dü Fay, Nollet</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iallabert</HI> ganz allein &longs;eine Helden &longs;ind. Ich gab daher den Gedanken, eines die&longs;er Werke zu über&longs;etzen, gänzlich auf, und glaubte be&longs;&longs;er zu thun, wenn ich &longs;elbft den Ver&longs;uch machte, ein dem gegenwärtigen Zu&longs;tande un&longs;erer phy&longs;ikali&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e angeme&longs;&longs;eneres Wörterbuch auszuarbeiten.</P><P TEIFORM="p">Wie die&longs;er Ver&longs;uch ausgefallen &longs;ey, und ob es der Mühe lohne, ihn fortzu&longs;etzen, darüber wird das Urtheil der Kenner und die Aufnahme die&longs;es er&longs;ten Theiles meiner Arbeit ent&longs;cheiden. Ich habe den Plan dazu &longs;o angelegt, daß ich das Ganze binnen einigen Jahren in vier Bänden zu vollenden hoffen kan. So lange meine Berufsge&longs;chäfte noch nicht alle Stunden ausfüllen, die ich zur Arbeit anwenden darf, kenne ich kein größeres Vergnügen, als den Gedauken, durch meine geringe Kenntniß der Mathematik und Naturlehre irgend etwas Nützliches bewirket zu haben. Und da die&longs;es der einzige Zweck meiner Bemühungen i&longs;t, &longs;o wird mir jeder gegründete Tadel und jeder freund&longs;chaftliche Rath willkommen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">und wenn er</HI><PB ID="P.1.VII" N="VII" TEIFORM="pb"/> mich auf be&longs;&longs;ere Wege leitet, oder von einer unbrauchbaren Arbeit abhält, in hohem Grade &longs;chätzbar &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Bey allem dem, was ich an den Werken des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">la Fond</HI> auszu&longs;etzen gefunden habe, muß ich dennoch dankbar ge&longs;tehen, daß &longs;ie mir bey meiner eignen Arbeit keinesweges unbrauchbar gewe&longs;en &longs;ind. Ich habe mich ihrer nicht allein bey Zu&longs;ammentragung der Worte, welchen die Artikel die&longs;es Wörterbuchs gewidmet &longs;ind, mit Nutzen bedient, &longs;ondern auch bey der Ausführung &longs;elb&longs;t, be&longs;onders aus dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on,</HI> manches aufgenommen, de&longs;&longs;en Herbeyholung aus andern Quellen mir mehr Zeit und Mühe würde geko&longs;tet haben. Ueberhaupt wird niemand in die&longs;em Wörterbuche neue Erfindungen &longs;uchen; eine Arbeit die&longs;er Art kan nicht viel mehr, als Compilation aus andern Schrift&longs;tellern &longs;eyn. Ich habe daher, um mich keines Plagiats &longs;chuldig zu machen, am Ende eines jeden Artikels mit kleinerer Schrift diejenigen Quellen angezeigt, aus welchen ich bey Abfa&longs;&longs;ung de&longs;&longs;elben ge&longs;chöpft habe. Man wird, wie ich hoffe, finden, daß ich gute Quellen gewählt, auch daß ich die&longs;elben nie &longs;clavi&longs;ch und ohne Beurtheilung gebraucht habe. Wo dergleichen Quellen nicht angegeben &longs;ind, habe ich<PB ID="P.1.VIII" N="VIII" TEIFORM="pb"/> entweder gar keine, oder bloß die im Texte &longs;elb&longs;t angezeigten Schriften gebraucht.</P><P TEIFORM="p">Mit Vor&longs;atz habe ich, vielleicht wider den Ge&longs;chmack des gegenwärtigen Zeitalters, an ver&longs;chiedenen Stellen die&longs;es er&longs;ten Theils, mathemati&longs;che Berechnungen und durch Formeln ausgedrückte Bewei&longs;e eingerückt, theils weil &longs;ich gewi&longs;&longs;e wichtige Sätze gar nicht anders oder doch nicht kürzer ausdrücken und bewei&longs;en la&longs;&longs;en, theils auch, um deutlich zu zeigen, daß zu einer wahren und richtigen Kenntniß der Natur die Bekannt&longs;chaft mit der höhern Mathematik ganz unentbehrlich &longs;ey. Daß ich bey den in die Chemie ein&longs;chlagenden Artikeln das Macquer&longs;che Wörterbuch mit Herrn Leonhardi Zu&longs;ätzen zum Grunde gelegt, und nur da, wo es erforderlich war, die neuern Entdeckungen nachgetragen habe, wird niemand, dem die Vorzüge die&longs;es Werks bekannt &longs;ind, tadeln.</P><P TEIFORM="p">Ein großer Theil der Artikel die&longs;es Wörterbuchs i&longs;t der Ge&longs;chichte der Meinungen und Erfindungen gewidmet, welche wenig&longs;tens für mich jederzeit ein &longs;ehr lehrreiches und angenehmes Studium ausgemacht hat. Mehrentheils läuft auch alles, was wir von einem phy&longs;ikali&longs;chen Begriffe oder Gegen&longs;tande &longs;agen können, auf eine Erzählung de&longs;&longs;en hinaus, was die Men&longs;chen bisher<PB ID="P.1.IX" N="IX" TEIFORM="pb"/> über den&longs;elben gedacht und erfahren haben, und &longs;o i&longs;t die Naturlehre &longs;elb&longs;t großentheils Ge&longs;chichte. Außerdem bietet aber auch die alphabeti&longs;che Ordnung eine be&longs;ondere Bequemlichkeit dar, hi&longs;tori&longs;che Nachrichten bey jedem einzelnen Gegen&longs;tande beyzubringen, welche bey einer &longs;y&longs;temati&longs;chen Anordnung den Zu&longs;ammenhang der Sätze allzuoft unterbrechen würden, und ich habe nicht umhin gekonnt, die&longs;e Bequemlichkeit, &longs;o viel möglich war, zu benützen, auch in den mei&longs;ten Artikeln die vornehm&longs;ten Schriften, aus welchen man mehrern Unterricht &longs;chöpfen kan, anzuzeigen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> hat in der &longs;einem Wörterbuche beygefügten Einleitung eine Ordnung angegeben, in welcher man die Artikel de&longs;&longs;elben le&longs;en &longs;oll, wenn man es als ein voll&longs;tändiges Lehrbuch über die Naturlehre gebrauchen will. Ob ich gleich die Möglichkeit nicht läugne, aus einem wohl abgefaßten Wörterbuche auf die&longs;e Art eine Wi&longs;&longs;en&longs;chaft zu erlernen, &longs;o würde ich doch eine &longs;olche Methode nie anrathen. Ich be&longs;timme den Ver&longs;uch, de&longs;&longs;en Anfang ich hiemit dem Publikum übergebe, nicht für diejenigen, welche die ganze Naturlehre erlernen wollen, &longs;ondern für die, welche um&longs;tändliche, deutliche und richtige Belehrung über einzelne Gegen&longs;tände der&longs;elben &longs;uchen, oder, wenn &longs;ie bereits den Umfang der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft über&longs;ehen haben, &longs;ich alles<PB ID="P.1.X" N="X" TEIFORM="pb"/> desjenigen, was darinn einen be&longs;ondern Gegen&longs;tand angeht, aufs neue zu erinnern wün&longs;chen. In die&longs;er Ab&longs;icht habe ich mich bemüht, die in die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft vorkommenden Begriffe deutlich zu erklären, die Bedeutung der Worte genau zu be&longs;timmen, bey jedem einzelnen Gegen&longs;tande eine kurze Ge&longs;chichte der darüber vorhandenen Meinungen, ange&longs;tellten Erfahrungen und daraus gezognen Folgen und Muthmaßungen beyzubringen, die vornehm&longs;ten für gewiß erkannten Sätze vorzutragen und zu bewei&longs;en, die zu An&longs;tellung der Ver&longs;uche nöthigen Werkzeuge zu be&longs;chreiben, überall aber, nach meinen be&longs;ten Ein&longs;ichten und Kräften, blos nützliche Wahrheiten mitzutheilen, Vorurtheile hingegen und eingebildetes Wi&longs;&longs;en zu be&longs;treiten. Möchte ich doch beym Schlu&longs;&longs;e die&longs;er Arbeit &longs;o glücklich &longs;eyn, durch meine geringen Bemühungen etwas zur Verbreitung einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, die mir ungemein werth i&longs;t, beygetragen zu haben!</P><P TEIFORM="p">Leipzig, in der Iubilateme&longs;&longs;e 1787.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Johann Samuel Traugott Gehler.</HI><PB ID="P.1.1" N="1" TEIFORM="pb"/></P></DIV1></FRONT><BODY TEIFORM="body"><P TEIFORM="p"><HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phy&longs;ikali&longs;ches Wörterbuch</HI> oder Ver&longs;uch einer Erklärung der vornehm&longs;ten Begriffe und Kun&longs;tworte der Naturlehre, in alphabeti&longs;cher Ordnung.</HI></P><DIV1 N="A" TYPE="alphabetic letter" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div1"><HEAD TEIFORM="head">A</HEAD><DIV2 N="Abdampfen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abdampfen, Abrauchen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Evaporatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Evaporation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine chymi&longs;che Arbeit, durch welche man vermittel&longs;t der Luft und eines gewi&longs;&longs;en Grades der Wärme flüchtige Sub&longs;tanzen von feuerbe&longs;tändigen oder weniger flüchtigen &longs;cheidet. So lä&longs;t man z. B. aus Salzauflö&longs;ungen das überflü&longs;&longs;ige Wa&longs;&longs;er an der warmen Luft abdampfen, um die Salze, welche alsdann in Kry&longs;tallen an&longs;chießen, übrig zu behalten.</P><P TEIFORM="p">Das Abdampfen i&longs;t von der De&longs;tillation nur darinn unter&longs;chieden, daß man die flüchtige Sub&longs;tanz beym De&longs;tilliren auf&longs;ammlet, beym Abdampfen aber davon gehen lä&longs;t; daher ge&longs;chieht das Abdampfen in ofnen und flachen Gefäßen, welche der Luft viel Oberfläche aus&longs;etzen, z. B. in Schaalen, Näpfen, Scherben. Der nöthige Grad der Wärme richtet &longs;ich nach den Graden der Flüchtigkeit und Feuerbe&longs;tändigkeit beyder Sub&longs;tanzen und nach der Stärke ihres Zu&longs;ammenhangs. I&longs;t die Sub&longs;tanz, welche zurückbleiben &longs;oll, weniger feuerbe&longs;tändig, und hängt &longs;ie fe&longs;t an der flüchtigen, &longs;o muß die Wärme gelind und lang&longs;am wirken. Im entgegenge&longs;etzten Falle i&longs;t ein höherer Grad der Wärme, und ein auf die Oberfläche der Mi&longs;chung gerichteter Luftzug dienlich.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquers</HI> chymi&longs;ches Wörterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abdampfen.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abend, Abendgegend" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend, Abendgegend</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Occidens, Plaga occidentalis, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Occident, Oue&longs;t.</HI></HI> Diejenige Welt- oder Himmelsgegend, an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Man hat &longs;ie zur Rechten, wenn man das Ge&longs;icht nach Mittag kehret.<PB ID="P.1.2" N="2" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Abend" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend, Abendzeit, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ve&longs;pera</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Soir</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die Zeit, um welche die Sonne untergehet, die Stunden vor und nach dem Augenblicke des Untergangs mit begriffen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abenddämmerung &longs;. Dämmerung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abendpunkt, We&longs;tpunkt" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abendpunkt, We&longs;tpunkt, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Occidens</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Occident, Couchant, Oue&longs;t</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der Durch&longs;chnittspunkt des Aequators mit dem Horizonte an derjenigen Seite des Himmels, an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Er i&longs;t einer von den vier Haupt- oder Cardinalpunkten, durch welche im Horizonte die vier Hauptgegenden be&longs;timmt werden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weltgegenden.</HI> Die Schiffer nennen ihn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">We&longs;ten.</HI> Von ihm hei&longs;t die ganze umliegende Gegend des Himmels die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendgegend,</HI> und man &longs;agt von dem, was &longs;ich in die&longs;er Gegend zuträgt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">es ge&longs;chehe gegen Abend.</HI> An den Tagen der Nachtgleichen (um den 21 März und 21 Sept.), wenn die Sonne im Aequator &longs;teht, geht &longs;ie im Abendpunkte &longs;elb&longs;t unter. An den übrigen Tagen des Jahres &longs;tehen die Punkte des Horizonts, in welchen die Sonne untergeht, von die&longs;em <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahren</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eigentlichen Abendpunkte</HI> ab, und fallen bey uns im Sommer weiter gegen Mitternacht, im Winter weiter gegen Mittag. Die Untergangspunkte der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage &longs;ind vom wahren Abendpunkte am weit&longs;ten entfernt, und führen bisweilen die Namen des Sommer- und Winterabendpunkts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Occident d'été, Occident d'hiver</HI>).</HI> Für Leipzig &longs;tehen &longs;ie vom wahren Abendpunkte um 39°35′39″ ab.</P></DIV2><DIV2 N="Abend&longs;tern" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend&longs;tern</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">He&longs;perus.</HI> Ein Beyname der Venus, wenn &longs;ie, nach ihrer obern Conjunction mit der Sonne, auf der Morgen&longs;eite der&longs;elben er&longs;cheint, und al&longs;o Abends nach Sonnenuntergang ge&longs;ehen wird. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Venus.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abendweite" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abendweite, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Amplitudo occidua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Amplitude occa&longs;e ou occidentale</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 1. Die Abendweite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> i&longs;t der Ab&longs;tand des Punktes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> in welchem ein Ge&longs;tirn untergeht, vom wahren Abendpunkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O.</HI> Die&longs;er Ab&longs;tand i&longs;t, wie die Figur zeigt, ein Bogen des Horizonts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HR.</HI> I&longs;t der&longs;elbe, wie in der Figur, von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> aus gegen Mitternacht<PB ID="P.1.3" N="3" TEIFORM="pb"/> gerichtet, &longs;o hei&longs;t die Abendweite <HI REND="bold" TEIFORM="hi">nördlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;eptemtrionalis);</HI> gienge aber das Ge&longs;tirn in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> unter, daß <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> aus nach Mittag gekehrt wäre, &longs;o hieße die Abendweite <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;üdlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(meridionalis).</HI> Man &longs;ieht leicht, daß die Ge&longs;tirne in der nördlichen Halbkugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQP</HI> eine nördliche, hingegen die in der &longs;üdlichen Halbkugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQp</HI> eine &longs;üdliche Abendweite haben.</P><P TEIFORM="p">Um die Abendweite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> eines Ge&longs;tirns zu finden, muß &longs;ein Ab&longs;tand vom Aequator <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> oder &longs;eine Abweichung, neb&longs;t der Aequatorhöhe des Orts, welche dem Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> gleich i&longs;t, gegeben &longs;eyn. Dann i&longs;t im Dreyeck <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ODS</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;in O: &longs;in DS= &longs;in tot: &longs;in. OS,</HI></HI> wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> nördlich oder &longs;üdlich i&longs;t, je nachdem <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> das eine oder das andere i&longs;t. Für <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in. tot=1,</HI> giebt dies die Formel <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Abendw.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/&longs;in.</HI> Aequatorh.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">)=(&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/co&longs;.</HI> Polhöhe)</HI></P><P TEIFORM="p">Vermittel&longs;t die&longs;er Formel läßt &longs;ich eine Tafel berechnen, in welcher man für die Polhöhe eines jeden Orts und die Declination eines jeden Ge&longs;tirns die zugehörige Abendweite auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (Band <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> S. 255) unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tafel für die Weiten in O&longs;t und We&longs;t,</HI> findet.</P><P TEIFORM="p">Für Leipzig, de&longs;&longs;en Polhöhe 51° 19′ 41″ i&longs;t, findet man die Abendweite der Sonne am läng&longs;ten und kürze&longs;ten Tage (wo die Abweichung = 23° 28′ 8″ beträgt) = 39° 35′ 39″. An den Tagen der Nachtgleichen hingegen i&longs;t die Abendweite der Sonne=0.</P><P TEIFORM="p">Die Berechnung der Abendweiten der Sonne nützt vorzüglich den Seefahrern zu Beobachtung der Abweichung der Magnetnadel.</P></DIV2><DIV2 N="Abirrung des Lichts" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abirrung des Lichts, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aberratio lucis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aberration de la lumiere</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine &longs;cheinbare Bewegung der Sterne, vermöge welcher &longs;ie jährlich am Himmel eine kleine Ellip&longs;e zu durchlaufen &longs;cheinen, deren große Axe 20 Secunden eines größten Krei&longs;es beträgt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e merkwürdige Er&longs;cheinung ward von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jacob</HI><PB ID="P.1.4" N="4" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> entdeckt, als er im Jahre 1725 in Kew bey London mit einem von Graham verfertigten Sector von 24 Fuß Halbme&longs;&longs;er, de&longs;&longs;en Gradbogen nur einige Minuten vom Krei&longs;e enthielt, die Ab&longs;tände einiger Sterne vom Zenith ver&longs;chiedene Tage nacheinander beobachtete, um zu &longs;ehen, ob er dabey irgend ein Merkmal einer jährlichen Parallaxe der Erdbahn wahrnehmen könnte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Parallaxe der Erdbahn.</HI> Er &longs;etzte &longs;eine Beobachtungen hierüber bis ins Jahr 1728 fort, und bemerkte, daß alle Fix&longs;terne zu der Zeit, wenn &longs;ie am Tage durch den Mittagskreis giengen, täglich etwas weiter gegen Süden fortrückten, zu der Zeit hingegen, wenn &longs;ie des Nachts culminirten, von Tag zu Tag weiter gegen Norden giengen; überhaupt aber alle nach Verlauf eines Jahres wieder in ihre vorige Stelle zurück kamen, nachdem &longs;ie mittlerweile eine Ellip&longs;e durchlaufen hatten, deren große mit der Ekliptik parallele Axe 40″ betrug, die kleinere auf der Ekliptik &longs;enkrechtftehende aber, bey Sternen in der Ekliptik &longs;elb&longs;t, Null, im Pole der Ekliptik ebenfalls 40″ war, und in den Zwi&longs;chen&longs;tellen &longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt; daher der Stern <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">g</FOREIGN> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> im Drachen, welcher nahe am Nordpole der Ekliptik &longs;teht, einen Kreis von 40″ im Durchme&longs;&longs;er zu be&longs;chreiben &longs;chien. Die&longs;e Bewegung aber erfolgte gar nicht nach den Regeln, nach welchen &longs;ich eine aus der jährlichen Parallaxe der Erdbahn ent&longs;tehende &longs;cheinbare Bewegung hätte dar&longs;tellen mü&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> ver&longs;ichert war, daß die&longs;e Bewegung ein allgemeines Phänomen aller Fix&longs;terne &longs;ey, &longs;o unternahm er es, die Ur&longs;ache der&longs;elben zu erfor&longs;chen. Es mu&longs;te eine jährlich wiederkehrende und allgemeine Ur&longs;ache entdeckt werden, deren Wirkung &longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt, und bey ihrem größten Werthe 40″ betrug.</P><P TEIFORM="p">Glücklicher Wei&longs;e bemerkte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley,</HI> daß die&longs;e 40″ genau den Bogen der Erdbahn ausmachen, den die Erde in 16 Minuten Zeit durchläuft, und es fiel ihm bey, daß das Licht gerade eben die&longs;e Zeit von 16 Minuten brauche,<PB ID="P.1.5" N="5" TEIFORM="pb"/> um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn zu durchlaufen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht.</HI> Er konnte &longs;ich nun &longs;ogleich vor&longs;tellen, daß wir die in der Ekliptik &longs;tehenden Sterne, wenn &longs;ie in Conjunction mit der Sonne &longs;ind, und al&longs;o hinter ihr und weiter von uns &longs;tehen, um 16 Minuten &longs;päter erblicken mü&longs;&longs;en, als wenn &longs;ie in Oppo&longs;ition, d. i. auf eben der Seite der Sonne mit uns &longs;elb&longs;t, und al&longs;o uns um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn näher &longs;tehen, und daß wir &longs;ie eben deswegen im er&longs;tern Falle um 40″ weniger fortgerückt erblicken, als im letztern, woraus &longs;ich die Phänomene der Abirrung für die in der Ekliptik &longs;tehenden Sterne, welche &longs;tatt der Ellip&longs;e eine gerade Linie zu be&longs;chreiben &longs;cheinen, vollkommen erklären.</P><P TEIFORM="p">In Ab&longs;icht auf die au&longs;&longs;er der Ekliptik &longs;tehenden Sterne fiel <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> auf den glücklichen Gedanken, die Bewegung des Lichts mit der Bewegung der Erde nach den Ge&longs;etzen der Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen</HI>) zu verbinden, und nachdem er &longs;eine Erklärung mit allen Beobachtungen überein&longs;timmend gefunden hatte, &longs;tattete er davon im Jahre 1728 öffentlich Bericht ab. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. No. 406.)</HI></P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 2.) ein Stern, der den Licht&longs;trahl <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EB</HI> zu uns &longs;endet, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> ein kleiner Theil der Erdbahn, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> der Weg, den der Stral durchlaufen hat, indem die Erde von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> gieng, daß &longs;ich al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB,</HI> wie die Ge&longs;chwindigkeiten des Lichts und der Erde, d. i. wie 10313: 1 verhalten mü&longs;&longs;en. Man verzeichne das Parallelogramm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD,</HI> &longs;o wird &longs;ich die Bewegung des Licht&longs;trals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB,</HI> in die beyden Bewegungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD =BF</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA=DB</HI> zerlegen la&longs;&longs;en (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen</HI>). Von dem Theile <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BF</HI> kan das in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> anlangende Auge nichts empfinden, weil die Bewegung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BF</HI> mit der Bewegung des Auges durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> nach einerley Richtung geht; es empfindet daher nur den Theil <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DB,</HI> und &longs;ieht den Stern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> nach der Richtung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BD,</HI> al&longs;o von &longs;einem wahren Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> um den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EBD</HI> entfernt, welcher<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=ACB</HI> i&longs;t, und der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrungswinkel</HI> genannt wird.<PB ID="P.1.6" N="6" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">I&longs;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> ein rechter, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB : BA,</HI> wie 10313: 1, &longs;o giebt die Trigonometrie den Abirrungswinkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB=20</HI> Secunden.</P><P TEIFORM="p">I&longs;t hingegen, wie Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 3, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> gegen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> geneigt, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB</HI> kleiner, als im vorigen Falle, oder wie die Trigonometrie lehrt, = 20″ multiplicirt in den Sinus des Winkels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CAB.</HI> Auch rückt die Abirrung den &longs;cheinbaren Ort des Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> jederzeit nach derjenigen Gegend fort, nach welcher die Erde &longs;elb&longs;t fortgehet.</P><P TEIFORM="p">Nun &longs;ey Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. CROH</HI> die Erdbahn um die Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> ein Stern unter der nördlichen Breite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eSG,</HI> &longs;o wird der&longs;elbe mit der Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> in Conjunction er&longs;cheinen, wenn die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> in Oppo&longs;ition hingegen, wenn &longs;ie in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> &longs;tehet. In beyden Fällen treffen die von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> einfallenden überall mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eS</HI> parallelen Licht&longs;tralen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eC</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eO</HI> unter rechten Winkeln auf die Richtungen der Erdbahn bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O,</HI> es i&longs;t al&longs;o der Abirrungswinkel beydemal 20″, und zwar bey der Conjunction we&longs;tlich nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c,</HI> bey der Oppo&longs;ition ö&longs;tlich nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">o</HI> gerichtet. Daher der Ab&longs;tand der beyden &longs;cheinbaren Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">o, 40″</HI> betragen muß.</P><P TEIFORM="p">In den mittlern Zeitpunkten hingegen, wenn des Sterns Länge um 90° vom Orte der Sonne unter&longs;chieden i&longs;t, d. i. wenn die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> &longs;teht, machen die von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> einfallenden Licht&longs;tralen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eR</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eH</HI> mit der Richtung der Erdbahn in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> Winkel, welche der Breite des Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eSG</HI> gleich &longs;ind; daher i&longs;t hier die Größe der Abirrung = 20″ multiplicirt in den Sinus der Breite des Sterns, und zwar das einemal nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r,</HI> das anderemal nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h</HI> zu gerichtet, wodurch im er&longs;ten Falle die Breite vermindert, im andern vergrößert wird. Der Unter&longs;chied beyder Breiten in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h</HI> beträgt daher 40″ multiplicirtin den Sinus der Breite. Die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C, R, O, H</HI> &longs;ieht al&longs;o den Stern in der Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c, r, o, h</HI> gehen, deren große der Ekliptik parallele Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">co = 40″,</HI> die kleine <HI REND="roman" TEIFORM="hi">rh = 40″</HI> multiplicirt in den Sinus der Breite i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">So be&longs;chreibt Arktur, de&longs;&longs;en nördliche Breite beyläufig 30 Grad beträgt, eine jährliche Abirrungsellip&longs;e, deren<PB ID="P.1.7" N="7" TEIFORM="pb"/> kleine auf die Ekliptik &longs;enkrechte Axe<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=40″. &longs;in. 30° =20″</HI> beträgt. Den 13 October am Tage &longs;einer Conjunction mit der Sonne &longs;teht er im äu&longs;&longs;er&longs;ten we&longs;tlichen Theile der&longs;elben zur Rechten, den 11 Jan. am unter&longs;ten oder &longs;üdlichen Ende der kleinen Axe, den 12 April, am Tage der Oppo&longs;ition am mei&longs;ten o&longs;twärts, und den 12 Jul. am mei&longs;ten nordwärts.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Veränderung des Ortes der Sterne in ihrer Abirrungsellip&longs;e ändert ihre Länge, Breite, gerade Auf&longs;teigung und Abweichung. Wie viel jede die&longs;er Veränderungen betrage, lä&longs;t &longs;ich durch trigonometri&longs;che Rechnungen be&longs;timmen. Bey den Planeten und Kometen &longs;ind die Wirkungen der Abirrung &longs;o groß, als der Winkel, unter welchem ihre Bewegung in der Zeit, in welcher das Licht von ihnen zu uns kömmt, von der Erde aus in die Augen fällt, und la&longs;&longs;en &longs;ich al&longs;o aus ihren Entfernungen und Bewegungen leicht berechnen.</P><P TEIFORM="p">Die Abirrung des Lichts hat übrigens den A&longs;tronomen einen ganz neuen und directen Beweis von der Wirklichkeit des Umlaufs der Erde um die Sonne ver&longs;chaft, und dadurch die Wahrheit der Lehren des Copernicus auf eine unerwartete Wei&longs;e be&longs;tätiget, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Welt&longs;y&longs;tem.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronomi&longs;ches Handbuch § 772 und f. Smith's Lehrbegrif der Optik durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tner,</HI> 4 Buch, 7 Cap. Seite 353. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> Erklärung der Sternkunde §. 615.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ableiter &longs;. Blitzableiter.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;olut" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;olut</HEAD><P TEIFORM="p">nennt man dasjenige, was bloß <HI REND="bold" TEIFORM="hi">an &longs;ich,</HI> und ohne Beziehung auf etwas anderes ähnliches betrachtet wird. Dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ab&longs;oluten</HI> wird das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">relative,</HI> bisweilen das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;pecifi&longs;che,</HI> entgegenge&longs;etzt. Bey&longs;piele hievon findet man in den Artikeln: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung, Ge&longs;chwindigkeit, Gewicht, Kraft, Ort, Schwere.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;orbirend" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;orbirend, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ab&longs;orbentia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ab&longs;orbant</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;&longs;en überhaupt alle Sub&longs;tanzen, welche &longs;ich mit Säuren zu verbinden im Stande &longs;ind, z. B. die Laugen&longs;alze und Kalcherden. Haupt&longs;ächlich führen die leztern, z. B. der Kalch&longs;tein, die<PB ID="P.1.8" N="8" TEIFORM="pb"/> Kreide, die Krebsaugen, gebrannten Knochen u. dergl. den Namen der ab&longs;orbirenden Materien. Wenn die&longs;e Materien ein gebundenes Gas in &longs;ich enthalten, &longs;o ent&longs;teht bey ihrer Verbindung mit den Säuren ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;tand &longs;. Entfernung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;tand vom Scheitel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;tand vom Scheitel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Di&longs;tantia a vertice</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;tance au Zenith</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der zwi&longs;chen dem Scheitelpunkte oder Zenith und einem Ge&longs;tirne oder andern Punkte des Himmels enthaltene Bogen eines Scheitelkrei&longs;es. Da der Scheitelpunkt überall um 90° vom Horizonte entfernt i&longs;t, &longs;o macht eines Ge&longs;tirns Ab&longs;tand vom Scheitel mit de&longs;&longs;en Höhe jederzeit 90° aus, oder: der Ab&longs;tand vom Scheitel i&longs;t das Complement der Höhe. I&longs;t z. B. die Höhe eines Sterns 55°, &longs;o wird &longs;ein Ab&longs;tand vom Scheitel 35° &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die Sonne hat den gering&longs;ten Ab&longs;tand vom Scheitel am Mittage des läng&longs;ten, den größten am Mittage des kürze&longs;ten Tages. Jener beträgt für Leipzig 27° 51′ 33″, die&longs;er, 74° 47′ 49″.</P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Di&longs;tantia aequinoctii a Sole</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;tance de l'equinoxe au &longs;oleil ou au meridien</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;t in der Sternkunde die Anzahl von Graden oder von Stunden, welche der Frühlingspunkt von dem Augenblicke des Mittags an noch zu durchlaufen hat, ehe er in den Mittagskreis gelangt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage i&longs;t, in Graden ausgedrückt, jederzeit 360° weniger der geraden Au&longs;&longs;teigung der Sonne. Man &longs;etze z. B. die gerade Auf&longs;teigung der Sonne &longs;ey 90°, oder die Sonne komme mit dem 90&longs;ten Grade des Aequators zugleich in den Mittagskreis, &longs;o wird in dem Augenblicke, da die&longs;es ge&longs;chieht, der Frühlingspunkt oder Anfang des Aequators 90° weiter gegen Abend &longs;tehen, und al&longs;o noch 270° zurückzulegen haben, ehe er den ganzen Cirkel vollendet, und al&longs;o das näch&longs;temal wieder in den Mittagskreis tritt. Daher i&longs;t &longs;ein Ab&longs;tand vom Mittage 270°=360°—90°.</P><P TEIFORM="p">Will man die&longs;en Ab&longs;tand in Zeit ausdrücken, &longs;o mü&longs;&longs;en<PB ID="P.1.9" N="9" TEIFORM="pb"/> die Grade de&longs;&longs;elben in Zeit verwandelt werden, &longs;. die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sternzeit, Sonnenzeit.</HI> So geben 270° in dem angenommenen Bey&longs;piele 18 Stern&longs;tunden oder 17 St. 57 Min. 3 Sec. mittlere Sonnenzeit. So viel Zeit verfließt al&longs;o noch, vom Mittage an gerechnet, ehe der Frühlingspunkt den Mittagskreis erreicht.</P><P TEIFORM="p">In den be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Kalendern (z. B. Bode a&longs;tronomi&longs;chem Jahrbuch) findet man für jeden Mittag des Jahres die&longs;en Ab&longs;tand in Sternzeit, unter der Rubrik: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Oe&longs;tlicher Ab&longs;tand 0°<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> von der Sonne,</HI> angegeben. Man gebraucht ihn, um die Stunde zu finden, zu welcher jeder Stern durch den Mittagskreis geht, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Culmination.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;teigende Knoten, &longs;. Knoten.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;teigende Zeichen, &longs;. Thierkreis.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;teigung, gerade" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;teigung, gerade, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;io recta</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;ion droit</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">i&longs;t mit der geraden Auf&longs;teigung völlig einerley. Es wird nehmlich darunter der Bogen des Aequators ver&longs;tanden, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte und dem Abweichungskrei&longs;e eines Ge&longs;tirns enthalten i&longs;t. Der letzte Punkt die&longs;es Bogens geht in den Ländern, wo die Sterne unter rechten Winkeln auf- und untergehen, mit dem Sterne zugleich auf und unter; er begrenzt al&longs;o de&longs;&longs;en gerade Auf&longs;teigung und Ab&longs;teigung zugleich, daher beyde einerley &longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;teigung, &longs;chiefe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;teigung, &longs;chiefe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;io obliqua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;ion oblique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Derjenige Bogen des Aequators, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte oder Anfange des Aequators, und dem mit einem Ge&longs;tirne zugleich untergehenden Punkte de&longs;&longs;elben, enthalten i&longs;t. Zur Vergleichung &longs;. den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigung, &longs;chiefe.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Ab&longs;teigung eines Ge&longs;tirns hei&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI> Die&longs;e i&longs;t bey Ge&longs;tirnen, die ihre Lage gegen die Fix&longs;terne nicht merklich ändern, mit der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz</HI> einerley, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI> Aus ihr findet &longs;ich die &longs;chiefe Ab&longs;teigung durch die Formel<PB ID="P.1.10" N="10" TEIFORM="pb"/> <HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;chiefe Ab&longs;t.=gerade Auf&longs;t.+De&longs;e. diff.</HI> wo man bey negativem Werthe der De&longs;cen&longs;ionaldifferenz, &longs;tatt zu addiren, &longs;ubtrahiren muß.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che oder Declination der Ge&longs;tirne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che oder Declination der Ge&longs;tirne, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Declinatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Declinai&longs;on</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">heißt in der Sternkunde der Ab&longs;tand der Ge&longs;tirne vom Aeguator, durch den Bogen eines größten Krei&longs;es geme&longs;&longs;en. Wenn Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5. durch den Stern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> und die beyden Weltpole <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> ein größter Kreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI> geführt wird, welcher auf dem Aequator <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> &longs;enkrecht &longs;tehet, weil er durch de&longs;&longs;en Pole geht,&longs;o hei&longs;t die&longs;er Kreis des Ge&longs;tirns <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungskreis</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Declinationscirkel.</HI> Der zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> und dem Punkte des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> enthaltene Bogen die&longs;es Krei&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI> i&longs;t des Ge&longs;tirns <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichung.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem Nordpole <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> &longs;teht, &longs;o hei&longs;t &longs;eine Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">nördlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(borealis),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;üdlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(au&longs;tralis)</HI> hingegen, wenn &longs;ich das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem Südpole befindet. In den Formeln kan man die nördlichen Abweichungen po&longs;itiv, die &longs;üdlichen negativ, &longs;etzen. Die Abweichung eines im Aequator &longs;elb&longs;t &longs;tehenden Ge&longs;tirns i&longs;t =0; eines im Pole &longs;tehenden Abweichung wäre =90°. Auch erhellet, daß keine Abweichung über 90° betragen könne.</P><P TEIFORM="p">Durch die Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI> und die gerade Auf&longs;teigung <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung</HI>) wird die Stelle eines Ge&longs;tirns am Himmel be&longs;timmt, und von den Stellen aller übrigen Ge&longs;tirne unter&longs;chieden. Es i&longs;t daher für den Sternkundigen eine &longs;ehr wichtige Arbeit, die Abweichungen der Ge&longs;tirne durch Beobachtungen zu erfor&longs;chen.</P><P TEIFORM="p">Man findet aber die Abweichungen der Ge&longs;tirne &longs;ehr leicht durch Beobachtungen ihrer Mittagshöhen. In dem Augenblicke, in welchem ein Ge&longs;tirn durch den Mittagskreis geht, coincidirt &longs;ein Abweichungskreis mit dem Mittagskrei&longs;e, als welcher allezeit durch die Weltpole, und in die&longs;em Augenblicke auch durch das Ge&longs;tirn geht. Mithin i&longs;t die Abweichung dem zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne und dem Aequator enthaltenen Bogen des Mittagskrei&longs;es gleich, welcher in<PB ID="P.1.11" N="11" TEIFORM="pb"/> die&longs;em Augenblicke den Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Höhe des Ge&longs;tirns und der Höhe des Aequators im Mittagskrei&longs;e ausmacht. I&longs;t nun die leztere für den Ort der Beobachtung bekannt (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aequatorhöhe</HI>), &longs;o lä&longs;t &longs;ie, von der Mittagshöhe des Ge&longs;tirns abgezogen, die Abweichung de&longs;&longs;elben übrig z. B. <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Mittagshöhe der Sonne<LB TEIFORM="lb"/> zu Paris d.21 Jun.1738</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">64°</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">38′</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10″</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ca&longs;&longs;ini Elem. de l'</HI></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aequatorhöhe von Paris</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">41</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">A&longs;tr. L. II.ch.4)</HI></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Abweichung der Sonne</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">23</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">nördlich.</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">I&longs;t die Mittagshöhe des Ge&longs;tirns kleiner, als die Aequatorhöhe, &longs;o bleibt eine negative oder &longs;üdliche Abweichung übrig.</P><P TEIFORM="p">Die A&longs;tronomen haben durch häufige Beobachtungen der Mittagshöhen die Abweichungen der mei&longs;ten Fix&longs;terne gefunden, und in die Fix&longs;ternverzeichniße <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Catalogos fixarum)</HI> eingetragen. Aus den geraden Auf&longs;teigungen und Abweichungen der Sterne la&longs;&longs;en &longs;ich ihre Längen und Breiten berechnen; und die&longs;e von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho de Brahe</HI> mehr in Gang gebrachte Methode i&longs;t leichter und &longs;ichrer, als ein gewi&longs;&longs;es Verfahren der Alten, welche die Längen und Breiten unmittelbar durch Beobachtungen &longs;uchten. Tycho hat zu Be&longs;timmung der Mittagshöhen den in der Mittagsfläche befe&longs;tigten Quadranten (Mauerquadrant, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">quadran's Tychonicus)</HI> eingeführt.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichung der Sonne i&longs;t in un&longs;ern Ländern im Frühling und Sommer nördlich, im Herb&longs;t und Winter &longs;üdlich. An den Tagen der Nachtgleichen (den 21 März u. 21 Sept.) i&longs;t &longs;ie =0, an den Tagen der Sonnenwenden (den 21 Jun. u. 21 Dec.) hingegen am größten, und der Schiefe der Ekliptik gleich, d. i. jetzt 23° 28′ 8″ <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Schiefe der Ekliptik.</HI> Man berechnet die Abweichung der Sonne für jeden Tag im Jahre aus der Schiefe der Ekliptik und dem Orte oder der Länge der Sonne, durch die Formel <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=&longs;in.</HI> Schiefe der Ekl.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">X&longs;in.</HI> Länge der Θ</HI> Dadurch la&longs;&longs;en &longs;ich. Tafeln berechnen, in welchen man die Abweichung der Sonne für jeden Punkt ihrer Bahn durch<PB ID="P.1.12" N="12" TEIFORM="pb"/> Auf&longs;chlagen finden kan, dergleichen die berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (B. 1. S. 274. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">XXI.)</HI> unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Die Abweichung der Sonne für die Schiefe der Ecliptik 32° 28′ 15″ neb&longs;t Verbe&longs;&longs;erung für eine Minute Veränderung die&longs;er Schiefe,</HI> liefert.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, dioptri&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, dioptri&longs;che</HEAD><P TEIFORM="p">oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrung der Glä&longs;er,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio lentium, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration des verres,</HI></HI> hei&longs;t derjenige Unter&longs;chied, der bey Glä&longs;ern, Fernröhren und Mikro&longs;kopen daraus ent&longs;teht, daß &longs;ich die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nicht wieder genau in einem Punkte vereinigen. Da aber zu einem deutlichen Bilde erfordert wird, daß alles aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes gekommene Licht, wieder in einem Punkte vereiniget werde, &longs;o &longs;tört die&longs;e Abweichung die Deutlichkeit der Bilder, und man muß &longs;ie daher bey allen dioptri&longs;chen Werkzeugen, &longs;o viel möglich, zu vermeiden &longs;uchen. Sie ent&longs;teht aber aus einer doppelten Ur&longs;ache, und theilt &longs;ich daher in zweyerley Abweichungen, von welchen die beyden folgenden Artikel handeln.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Glä&longs;er" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Glä&longs;er</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio ob figuram &longs;. &longs;phaericitatem lentium, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration de &longs;phéricité.</HI></HI> Die&longs;e ent&longs;teht daher, weil eine Glaslin&longs;e, deren Oberflächen eine &longs;phäri&longs;che Krümmung haben, die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nie wieder völlig in einen Punkt vereiniget. Jedoch vereinigen &longs;ich diejenigen Stralen, welche nahe bey der Axe oder um die Mitte des Gla&longs;es einfallen, in einem &longs;ehr engen Raume, und für &longs;ie i&longs;t al&longs;o die&longs;e Abweichung geringer, als für die weiter von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden Stralen. Man vermeidet daher den größten Theil die&longs;er Abweichung, wenn man den Rand der Glä&longs;er mit etwas undurch&longs;ichtigem bedeckt, und nur in der Mitte eine kreisrunde Oefnung frey lä&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Blendung</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Apertur.</HI> Gewöhnlich werden dadurch die Wirkungen die&longs;er Abweichung &longs;o &longs;tark vermindert, daß man den noch übrigbleibenden Fehler für unbeträchtlich halten kan.<PB ID="P.1.13" N="13" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Man &longs;chrieb ehedem die Undeutlichkeit, die in den dioptri&longs;chen Werkzeugen noch immer unvermeidlich blieb, ganz allein die&longs;er Art von Abweichung zu, und &longs;uchte daher zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch andere und wirk&longs;amere Mittel zu finden, als die damals gewöhnlichen &longs;tarken Bedeckungen waren. Die Theorie der Brechung lehrt, daß planconvexe Glä&longs;er, mit ellipti&longs;chen Hinterflächen von einer be&longs;timmten Krümmung, Parallel&longs;tralen genau in einen Punkt vereinigen; Glä&longs;er mit hyperboli&longs;chen Vorderflächen aber die aus ihrem Brennpunkte kommenden Stralen wieder parallel aus&longs;enden. Man dachte daher, nach dem Vor&longs;chlage des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carte&longs;ius,</HI> die Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Glä&longs;er durch Lin&longs;en mit ellipti&longs;ch und hyperboli&longs;ch gekrümmten Flächen zu vermeiden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Wrenn</HI> gab dazu <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. no. 53.)</HI> ein &longs;innreiches Mittel an; ja <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t be&longs;chäftigte &longs;ich im er&longs;ten Anfange &longs;einer Unter&longs;uchungen mit Schleifung opti&longs;cher Glä&longs;er von anderer, als &longs;phäri&longs;cher Ge&longs;talt.</P><P TEIFORM="p">Nachdem aber der letztere im Jahre 1666 die zweyte weit beträchtlichere Abweichung der Glä&longs;er entdeckt hatte, verwarf er &longs;ogleich die&longs;e Bemühungen, ellipti&longs;che und hyperboli&longs;che Glä&longs;er zu &longs;chleifen, als unnütz, weil jede andere Brechung eine andere Ge&longs;talt der Glä&longs;er erfordere, und al&longs;o bey der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts ein Glas von be&longs;timmter Ge&longs;talt nur für eine gewi&longs;&longs;e Gattung von Licht&longs;tralen, keinesweges aber für alle Stralen, die Abweichung heben könne. Ueberdieß fand er die Wirkungen der zweyten neuentdeckten Abweichung mehrere tau&longs;endmal größer, als die Wirkungen der bisher bekannten, und &longs;chloß daher mit Recht, daß die Unvollkommenheiten der Fernröhre fa&longs;t gänzlich auf die Rechnung der zweyten Art der Abweichung zu &longs;etzen wären, daher es überflüßig &longs;ey, für die Vermeidung der er&longs;tern weiter Sorge zu tragen, bevor man nicht Mittel gefunden habe, der zweyten abzuhelfen, von welcher der folgende Artikel handelt.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Licht&longs;tralen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Licht&longs;tralen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aberratio ob diver&longs;am refrangibilitatem<PB ID="P.1.14" N="14" TEIFORM="pb"/> lucis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aberration de refrangibilité</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;e Abweichung rührt daher, daß die Licht&longs;tralen nach Newtons Entdeckung bey der Brechung zertheilt, und in Stralen von ver&longs;chiedenen Farben zer&longs;treut werden, deren einige eine &longs;tärkere, andere eine geringere Brechung leiden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brechbarkeit, Farbenzer&longs;treuung.</HI> Daher werden unter den von einem Punkte ausgehenden Stralen einige näher, andere weiter hinter dem Gla&longs;e vereiniget, und es ent&longs;tehen &longs;o viele Bilder des Gegen&longs;tandes, als das Licht Farben enthält. Das von den blauen oder violetten Stralen ent&longs;tandene Bild &longs;teht dem Gla&longs;e am näch&longs;ten, wie bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 6; das von den rothen Stralen gebildete am weit&longs;ten bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R.</HI> Beyder Ab&longs;tand <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BR</HI> beträgt, wenn die Stralen nahe bey der Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> einfallen, ohngefähr (1/30) von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC,</HI> &longs;on&longs;t noch mehr. Bey den im Jahre 1774 in Paris ange&longs;tellten Ver&longs;uchen mit einer holen mit Weingei&longs;t gefüllten Lin&longs;e, von welcher nur ein 6—7 Lin. breiter Ring am Rande offen gela&longs;&longs;en war (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brennglas</HI>), fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mem. de Paris 1774.)</HI> die Entfernung des Vereinigungspunkts der Sonnen&longs;tralen vom Mittelpunkte der Lin&longs;e <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sch.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">für rothe Stralen</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— orangegelbe</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— gelbe</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— blaue</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— violette</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4 1/2</CELL></ROW></TABLE> wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BR,</HI> 9 Zoll 7 Lin., oder (1/12) von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC</HI> ausmacht.</P><P TEIFORM="p">Da &longs;ich nun die von einem Punkte kommenden Stralen auf die in der Figur deutlich vorge&longs;tellte Art durchkreuzen, &longs;o kan weder in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> &longs;elb&longs;t, noch irgendwo zwi&longs;chen die&longs;en Punkten, ein deutliches Bild des &longs;tralenden Punktes ent&longs;tehen. In <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> z. B. wird das deutliche Bild, welches die blauen Stralen machen, mit Lichte von andern Farben, und am Rande mit rothem Lichte aus eben dem Punkte des Gegen&longs;tandes, umgeben &longs;eyn; daher die&longs;e Abweichung dem Bilde zugleich fal&longs;che Farben und farbigte Ränder giebt.<PB ID="P.1.15" N="15" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Sobald <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> die&longs;e Abweichung entdeckt hatte, berechnete er, daß &longs;ie bey den gewöhnlichen Fernröhren auf die Undeutlichkeit des Bildes 5000mal &longs;tärker wirke, als die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Gla&longs;es, daß &longs;ie al&longs;o das vornehm&longs;te Hinderniß ausmache, welches der Vollkommenheit der Fernröhre im Wege &longs;tehe, von denen es, wie er &longs;agt, zu verwundern &longs;ey, daß &longs;ie die Gegen&longs;tände noch &longs;o deutlich zeigten, als es wirklich ge&longs;chähe.</P><P TEIFORM="p">Er dachte nunmehr auf Mittel, die&longs;e Abweichung aufzuheben, ward aber unglücklicher Wei&longs;e durch gewi&longs;&longs;e von ihm ange&longs;tellte Ver&longs;uche und daraus gefolgerte Sätze verleitet, es für unmöglich zu halten, daß man jemals bey Glä&longs;ern die Wirkung der Farbenzer&longs;treuung werde aufheben können. Er gieng von die&longs;er Zeit an ganz von den Gedanken an die Verbe&longs;&longs;erung der Glä&longs;er ab, und &longs;chlug &longs;tatt der Fernröhre mit bloßen Glä&longs;ern die mit Spiegeln vor, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Spiegeltele&longs;cop,</HI> weil bey der Zurückprallung des Lichts von Spiegeln keine Farbenzer&longs;treuung &longs;tatt findet. Dadurch i&longs;t die weitere Unter&longs;uchung die&longs;er Materie beynahe um ein ganzes Jahrhundert ver&longs;pätiget worden.</P><P TEIFORM="p">Endlich machte in neuern Zeiten, auf eine von Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> gegebne Veranla&longs;&longs;ung, der engli&longs;che Kün&longs;tler <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> die wichtige Entdeckung, daß es allerdings möglich &longs;ey, die Farbenzer&longs;treuung auch bey Fernröhren mit Glä&longs;ern zu vermeiden, wenn man zu die&longs;er Ab&longs;icht die Glä&longs;er aus ver&longs;chiedenen Glasarten zu&longs;ammen&longs;etze. Hierauf gründet &longs;ich die Erfindung der Dollondi&longs;chen achromati&longs;chen Fernröhre, in welchen die Abweichung wegen der Farbenzer&longs;treuung vermieden wird, wovon man den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Achromati&longs;che Fernröhre,</HI> nach&longs;ehen kan.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, katoptri&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, katoptri&longs;che</HEAD><P TEIFORM="p">oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrung der Hohl&longs;piegel,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio ob figuram &longs;peculorum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration de &longs;phéricitè des miroirs,</HI></HI> heißt der Unter&longs;chied, welcher bey Hohl&longs;piegeln und Spiegeltele&longs;copen daher ent&longs;teht, daß die &longs;phäri&longs;chen oder Kugel&longs;piegel die aus einem Punkte ausgegangenen Licht&longs;tralen nicht wieder in einen Punkt vereinigen, woraus eine Undeutlichkeit des Bildes ent&longs;teht. Sollte<PB ID="P.1.16" N="16" TEIFORM="pb"/> die&longs;e Abweichung wegfallen, &longs;o mü&longs;te der Spiegel, wenn der Gegen&longs;tand &longs;ehr entfernt i&longs;t, eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">paraboli&longs;che</HI> Krümmung haben. Denn die Parabel hat die Eigen&longs;chaft, Stralen, welche mit ihrer Axe parallel einfallen, in ihrem Brennpunkte genau zu vereinigen. Man hat daher den Metall&longs;piegeln, die zu Tele&longs;copen dienen &longs;ollen, eine paraboli&longs;che Krümmung zu geben ge&longs;ucht, wovon man unter dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Paraboli&longs;che Spiegel,</HI> ein mehreres finden wird.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung der Magnetnadel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung der Magnetnadel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Declinatio &longs;. Variatio acus magneticae</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Declinai&longs;on ou Variation de l'aimant</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So nennt man denjenigen Winkel, um welchen die Richtung der Magnetnadel von der wahren Mittagslinie abweicht. Obgleich insgemein ge&longs;agt wird, der Magnet habe die Eigen&longs;chaft, &longs;ich mit einem gewi&longs;&longs;en Punkte nach Norden zu richten, und theile die&longs;e Eigen&longs;chaft, die man &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Polarität</HI> nennt, auch den mit ihm be&longs;trichenen Nadeln mit, &longs;o gilt doch die&longs;e Behauptung nur mit einiger Ein&longs;chränkung. Sowohl der Magnet &longs;elb&longs;t, als auch die Nadeln, richten &longs;ich in den wenig&longs;ten Fällen genau nach Norden; &longs;ie weichen fa&longs;t allezeit von der wahren Richtung der Mittagslinie um einige Grade, gegen O&longs;ten oder We&longs;ten, ab.</P><P TEIFORM="p">Allem An&longs;ehen nach hat man die Abweichung der Magnetnadel bald nach dem er&longs;ten Gebrauche des Compa&longs;&longs;es zur Schiffahrt entdecken mü&longs;&longs;en. Auch ver&longs;ichert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thevenot</HI> in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil des voyages. Paris, 1681. 8.)</HI> aus einem Briefe des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peter Ao&longs;igerus</HI> ge&longs;ehen zu haben, daß de&longs;&longs;en Verfa&longs;&longs;er &longs;chon im Jahre 1269 eine Abweichung der Magnetnadel von 5 Graden wahrgenommen habe. Inzwi&longs;chen finden &longs;ich doch die er&longs;ten zuverläßigen Beobachtungen die&longs;er Abweichung nicht eher, als im &longs;echszehnten Jahrhunderte. Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de l'Isle</HI> be&longs;aß ein Manu&longs;cript eines Piloten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crignon</HI> aus Dieppe, vom Jahre 1534, welches dem Admiral <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Seba&longs;tian Chabot</HI> zugeeignet war, und worinn die Abweichung der Magnetnadel erwähnt ward; daher es ein Misver&longs;tändniß<PB ID="P.1.17" N="17" TEIFORM="pb"/> zu &longs;eyn &longs;cheint, wenn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Riccioli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Geograph. reform. L. VIII, c. 12.)</HI> den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chabot</HI> &longs;elb&longs;t neb&longs;t dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gonzalez von Oviedo</HI> als die Erfinder der Abweichung der Magnetnadel nennet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Levin Hul&longs;ius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De&longs;criptio et v&longs;us viatorii et horologii &longs;olaris, Norib. 1597. 12mo)</HI> führt an, daß <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Georg Hartmann</HI> in Nürnberg im Jahre 1536 bey Verfertigung von Sonnenuhren die Abweichung 10 1/4 Grad gefunden habe, und 1550 ward &longs;ie zu Paris von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Orontius Fineus</HI> 8 Grad ö&longs;tlich beobachtet. (Man &longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Petr. van Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> di&longs;&longs;. phy&longs;ica experimentalis de Magnete,</HI> in &longs;einen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;ert. phy&longs;. et geometr, Lugd. Bat. 1729. 4.</HI> ingl. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Doppelmayr</HI> Nachricht von den Nürnbergi&longs;chen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mathematicis</HI> und Kün&longs;tlern. Nürnberg, 1750 Fol. S. 57). Die ältern Naturfor&longs;cher pflegten das Abweichen der Nadel gegen Morgen, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Graeci&longs;&longs;are,</HI> das gegen Abend, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Magi&longs;tri&longs;&longs;are</HI> zu nennen.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten, zieht man auf dem fe&longs;ten Lande eine Mittagslinie, &longs;etzt einen gewöhnlichen Compaß oder eine Bou&longs;&longs;ole (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Compaß</HI>) &longs;o auf die&longs;elbe, daß der Stift, auf welchem die Nadel ruht, auf der Mittagslinie &longs;teht, und die Linie, welche durch den Anfang der Theilung des Compa&longs;&longs;es geht, mit der Richtung der Mittagslinie coincidiret, &longs;o zeigt der Grad, auf welchen die Nadel &longs;pielet, die Größe ihrer Abweichung an. Man pflegt einen hiezu eingerichteten Compaß einen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungscompaß</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Declinatorium)</HI> zu nennen. Die Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brander</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hö&longs;chel</HI> haben im Jahre 1779 eine Be&longs;chreibung der von ihnen verfertigten Compa&longs;&longs;e unter dem Titel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Be&longs;chreibung des magneti&longs;chen</HI> <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Declinatorii</HI></HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">und</HI> <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Inclinatorii,</HI></HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">desgleichen eines be&longs;onders bequemen und nutzbaren Sonnenquadranten, zu genauer Be&longs;timmung der Mittagslinie, Aug&longs;purg.</HI> 8. herausgegeben.</P><P TEIFORM="p">Auf der See, wo &longs;ich die&longs;e Methode nicht anwenden lä&longs;t, pflegt man ein Bleyloth &longs;o über dem Seecompaß aufzuhängen, daß de&longs;&longs;en Schatten durch den Mittelpunkt des Compa&longs;&longs;es geht; &longs;o giebt der Rhumb oder Theilungspunkt<PB ID="P.1.18" N="18" TEIFORM="pb"/> des Compa&longs;&longs;es in dem Zeitpunkte, da der Schatten am kürze&longs;ten i&longs;t, die Größe der Abweichung an, weil in die&longs;em Zeitpunkte der Schatten die Richtung der Mittagslinie bezeichnet. Man kan auch die Weltgegenden, in welchen die Sonne, oder ein Stern auf- und untergeht, oder auch die Gegenden, in welchen die Sonne oder ein Stern gleiche Höhen auf der Morgen- und Abend&longs;eite erreicht, auf dem Compa&longs;&longs;e bemerken, &longs;o wird der zwi&longs;chen beyden enthaltene Bogen, in zwo gleiche Helften getheilt, den wahren Mittags- und Mitternachtspunkt bezeichnen, und man wird die Abweichung der Nadel von dem&longs;elben leicht bemerken können. Eine dritte Methode, bey welcher aber die geographi&longs;che Breite oder Polhöhe des Orts als bekannt vorausge&longs;etzt wird, i&longs;t die&longs;e. Man beobachte die Gegend des Compa&longs;&longs;es, in welcher die Sonne, oder ein Stern, auf- oder untergeht; man berechne ferner aus der gegebnen Abweichung der Sonne oder des Sterns und der Polhöhe, de&longs;&longs;elben Morgen- oder Abendweite (&longs;. den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendweite</HI>), &longs;o wird der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der berechneten Morgenweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Aufgangsgegend von O&longs;ten; oder zwi&longs;chen der berechneten Abendweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Untergangsgegend von We&longs;ten, die Abweichung der Magnetnadel angeben.</P><P TEIFORM="p">Durch Beobachtungen die&longs;er Art mu&longs;te man bald wahrnehmen, daß die Abweichung der Magnetnadel nicht allein an ver&longs;chiedenen Orten der Erde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chieden,</HI> &longs;ondern auch, &longs;elb&longs;t an einerley Beobachtungsorte, zu ver&longs;chiedenen Zeiten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">veränderlich</HI> &longs;ey. Die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Veränderung der Abweichung</HI> an einerley Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Variatio Declinationis &longs;. Variationis)</HI> geht bisweilen &longs;o weit, daß die Nadeln &longs;chon binnen einer Stunde ihre Richtung merklich ändern. Länger fortge&longs;etzte Beobachtungen hierüber &longs;cheinen zu&longs;ammengenommen etwas regelmäßiges zu zeigen. Man hat zu Paris und London dergleichen Beobachtungen &longs;eit langer Zeit ununterbrochen fortge&longs;etzt. Die vornehm&longs;ten Re&longs;ultate der Pari&longs;er Beobachtungen enthält folgende Tabelle:<PB ID="P.1.19" N="19" TEIFORM="pb"/> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jahr</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" COLSPAN="3"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Abweichung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1550</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8°</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10′</CELL><CELL REND="ROWSPAN="5"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ö&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1580</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1610</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1640</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1666</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jahr</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" COLSPAN="3"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Abweichung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1670</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1°</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30′</CELL><CELL REND="ROWSPAN="19"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">we&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1680</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1685</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1692</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1695</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">48</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1700</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1705</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1710</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1715</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1720</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">13</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1725</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">13</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1730</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1735</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1740</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">45</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1745</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1750</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">17</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1760</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">18</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1770</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1772</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">55</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">In den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Memoires de l'Acad. Royale des &longs;c.</HI> vom Jahre 1770 S. 459 bemerkt Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Monnier</HI> von der Abweichung der Nadel in Paris, &longs;ie habe von 1666 bis 1769 jährlich immer um etwas zugenommen, zuer&longs;t um 15 bis 16, dann um 9 Minuten, womit auch obige Tabelle überein&longs;timmt. Jetzt aber &longs;cheint die we&longs;tliche Abweichung da&longs;elb&longs;t wieder abzunehmen.</P><P TEIFORM="p">In London, wo <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellibrand</HI> im Jahre 1625 zuer&longs;t genaue Beobachtungen angefangen, und in die&longs;er Ab&longs;icht eine eigne Mittagslinie gezogen hat, war die Abweichung der Nadel nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. n. 195. p. 564.)</HI><PB ID="P.1.20" N="20" TEIFORM="pb"/> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">im Jahre</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1580</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11°</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15′</CELL><CELL REND="ROWSPAN="3"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ö&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1622</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">36</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1634</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1657</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1672</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL REND="ROWSPAN="4"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">we&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1683</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil.Trans.Vol.<LB TEIFORM="lb"/> LXIV.P.2.)</HI></CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1774</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">21</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Wenn man aus mehrern an vielerley Orten der Welt ange&longs;tellten Beobachtungen auf einer Landkarte die Orte bemerkt, an welchen die Magnetnadel für eine gewi&longs;&longs;e Zeit einerley Abweichung gehabt hat, und durch die&longs;e Orte Linien zieht, &longs;o kommen ver&longs;chiedene be&longs;onders gekrümmte Züge, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungslinien,</HI> zum Vor&longs;chein, welche &longs;ich auf gewi&longs;&longs;e Gegenden zu beziehen &longs;cheinen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> hat dies zuer&longs;t entdeckt, und eine &longs;olche für das Jahr 1700 eingerichtete Karte verzeichnet, welche &longs;ich in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. no. 195,</HI> ingleichen in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mi&longs;cellaneis curio&longs;is Vol. I. p. 80,</HI> und in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeks</HI> oben angeführter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;. de Magnete</HI> findet. Eine neuere für das Jahr 1772 hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> aus den neu&longs;ten Beobachtungen entworfen, und ich habe &longs;ie hier Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI>aus dem berliner a&longs;tronomi&longs;chen Jahrbuche für 1779 mitgetheilet. Aus der Betrachtung die&longs;er Karte la&longs;&longs;en &longs;ich für das Jahr 1770 folgende merkwürdige Sätze ziehen:</P><P TEIFORM="p">1. In ganz Europa, Afrika, dem ö&longs;tlichen Theile von Nordamerika und dem &longs;üdlichen Theile von A&longs;ien, neb&longs;t den angrenzenden Meeren war die Abweichung der Nadel durchaus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich.</HI></P><P TEIFORM="p">2. Im Ocean, we&longs;twärts von Grosbritannien, und o&longs;twärts vom Vorgebirge der guten Hofnung, war &longs;ie am größten, und betrug da&longs;elb&longs;t 25°.</P><P TEIFORM="p">3. Die beyden für die Abweichung von 15° gezognen Linien kreuzen &longs;ich mitten in Afrika. Die&longs;e Linien &longs;ind zwar nicht unmittelbar aus Beobachtungen be&longs;timmt, die in Afrika &longs;elb&longs;t ange&longs;tellt wären; aber &longs;ie haben doch ohne Verletzung der Analogie nicht anders können gezogen werden.<PB ID="P.1.21" N="21" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">4. Vom weißen Meere aus geht durch A&longs;ien, das &longs;üdliche China und die philippini&longs;chen In&longs;eln eine Linie, in welcher gar keine Abweichung &longs;tatt findet.</P><P TEIFORM="p">5. Die&longs;er Linie gegen Morgen fängt die Abweichung an <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich</HI> zu werden, und bleibt dies bis an eine Linie, welche von Florida aus an der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te hin bis an den er&longs;ten Meridian unter 40° &longs;üdlicher Breite geht, in welcher Linie wiederum gar keine Abweichung i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">6. Die größte ö&longs;tliche Abweichung von 25° findet unterhalb der &longs;üdlichen Spitze von Amerika &longs;tatt.</P><P TEIFORM="p">7. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> hatte in &longs;einer Karte die Linien für die größten Abweichungen von 25°, bey Afrika und Amerika um 15° weiter gegen Morgen, bey Grosbritannien 40 — 50° weiter gegen Abend gefetzt, wie die punktirten Linien der Karte andeuten; um &longs;o viel haben &longs;ich al&longs;o die&longs;e Linien &longs;eit 70 Jahren verrückt.</P><P TEIFORM="p">Eben dergleichen Abweichungslinien &longs;ind auch für das Jahr |1744 auf einer von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mountaine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dod&longs;on</HI> entworfenen Karte (&longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. Vol. L. P. I. p. 329),</HI> und für 1755 auf einer von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zegoll&longs;tröm</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. de theoria decl. magn. Vp&longs;al.),</HI> ingleichen auf des Herrn Profe&longs;&longs;or <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Funk</HI> zu Leipzig Karten unter dem Titel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die nördliche und &longs;üdliche Erdoberfläche auf die Ebne des Aequators projicirt.</HI> Leipzig, 1781. verzeichnet.</P><P TEIFORM="p">Man hat die Abweichung der Magnetnadel und deren Veränderungen durch ver&longs;chiedene Hypothe&longs;en zu erklären ver&longs;ucht. Anfänglich, als die beobachteten Veränderungen noch gering waren, &longs;chrieb man die&longs;elbe, &longs;o wie die ganze Abweichung, nur der größern oder geringern Kraft des Magnets, mit dem die Nadel be&longs;trichen worden, zu, oder auch dem Um&longs;tande, daß die Nadeln bald näher an den Polen des Magnets, bald weiter von den&longs;elben, ge&longs;trichen würden. Man glaubte nemlich, eine genau an dem Pole eines &longs;tarken Magnets ge&longs;trichene Nadel werde gar keine Abweichung zeigen. Die&longs;e Meinungen aber wurden gar bald durch die Erfahrung widerlegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">William Gilbert</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De magnete magneticisque corporibus, et de magno magnete tellure phy&longs;iologia nova.</HI><PB ID="P.1.22" N="22" TEIFORM="pb"/> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Lond. 1600 &longs;ol.),</HI> der er&longs;te, der gründlich über den Magnet ge&longs;chrieben, und keine Thorheiten mehr darüber vorgebracht hat, nahm an, die Erde &longs;ey ein Magnet, das Wa&longs;&longs;er aber nicht; folglich mü&longs;&longs;en &longs;ich die Nadeln überall nach derjenigen Gegend kehren, nach welcher das mei&longs;te und näch&longs;te Land liege. Nach die&longs;er Voraus&longs;etzung mü&longs;te in den Azori&longs;chen In&longs;eln, welche von Afrika und Amerika beynahe gleich weit entfernt liegen, gar keine, von ihnen gegen Afrika zu eine ö&longs;tliche, und gegen Amerika zu eine we&longs;tliche Abweichung &longs;tatt finden. Am Vorgebirge der guten Hofnung mü&longs;te wiederum gar keine oder nur eine &longs;ehr geringe Abweichung &longs;eyn, weil die Nadel von beyden Seiten des fe&longs;ten Landes gleich &longs;tark angezogen würde u. &longs;. f. Die&longs;es &longs;chien auch mit den damals bekannten wenigen Beobachtungen der O&longs;tindienfahrer ziemlich übereinzu&longs;timmen; aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> &longs;etzt die&longs;er Theorie das Bey&longs;piel der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te entgegen, an welcher &longs;ich die Nadel ganz vom Lande abwendet, und gegen O&longs;ten abweicht, da doch das Land der Kü&longs;te we&longs;twärts liegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> &longs;uchte die Ur&longs;ache der Abweichung in den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ei&longs;enerzen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Magneten,</HI> welche im Inner&longs;ten der Erde und im Meergrunde verborgen lägen; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auzout</HI> darinn, daß der Strom der magneti&longs;chen Materie durch die in der Erde ent&longs;tandenen natürlichen und kün&longs;tlichen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aushöhlungen</HI> ge&longs;tört, und von &longs;einem eigentlichen Wege abgelenkt werde; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hevel</HI> in einem Schwanken der Erde, und dergleichen; aber alle die&longs;e Hypothe&longs;en &longs;ind von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> gründlich widerlegt worden, und fallen von &longs;elb&longs;t zu Boden, wenn man nur einen Blick auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley's</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lamberts</HI> Karte wirft und bemerkt, wie viel Regelmäßiges und welche geometri&longs;che Beziehung auf gewi&longs;&longs;e Punkte aus dem ganzen Abweichungs&longs;y&longs;teme unverkennbar hervorleuchte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> &longs;etzte daher an die Stelle der vorigen eine neue Theorie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A theory of the variation of the magnetical compa&longs;s by Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Edmund Halley,</HI> in Philo&longs;. Transact. num. 148. pag. 208),</HI> die er auf eine zahlreiche Sammlung von Beobachtungen baute, aus welchen er auch &longs;eine<PB ID="P.1.23" N="23" TEIFORM="pb"/> Abweichungskarte zu&longs;ammenge&longs;etzt hat. Er zog aus die&longs;en Beobachtungen folgende allgemeine Sätze für das Jahr 1700.</P><P TEIFORM="p">1. In ganz <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Europa</HI> i&longs;t jetzt die Abweichung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich,</HI> gegen Morgen zu &longs;tärker, als gegen Abend, &longs;cheint auch durchgängig von Abend gegen Morgen zuzunehmen.</P><P TEIFORM="p">2. An der Kü&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nordamerika</HI> i&longs;t die Abweichung ebenfalls we&longs;tlich, und wird größer, je weiter man gegen Norden geht, &longs;o daß &longs;ie in Neufowndland 20, in der Hud&longs;ons&longs;tra&longs;&longs;e 30, in der Baffinsbay &longs;ogar 57 Grad beträgt; &longs;ie wird hingegen geringer, je weiter man von die&longs;er Kü&longs;te o&longs;twärts &longs;egelt. Hieraus folgert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley,</HI> daß irgendwo zwi&longs;chen Europa und Nordamerika, vielleicht um die In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terceira,</HI> eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tliche</HI> Abweichung, oder wenig&longs;tens keine we&longs;tliche mehr, &longs;tatt finden mü&longs;&longs;e.</P><P TEIFORM="p">3. An der Kü&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bra&longs;ilien</HI> i&longs;t die Abweichung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich,</HI> und wäch&longs;t weiter &longs;üdwärts immer mehr, &longs;o daß &longs;ie bey Cap Frio 12, und beym Platafluß 20 1/2 Grad beträgt. Südwe&longs;twärts nach der magellani&longs;chen Straße zu nimmt &longs;ie wieder ab, und i&longs;t an der we&longs;tlichen Einfahrt der Straße nur 14 Grad.</P><P TEIFORM="p">4. O&longs;twärts von Bra&longs;ilien nimmt die&longs;e ö&longs;tliche Abweichung ab, wird bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">St. Helena</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ion</HI> &longs;ehr gering, und verliert &longs;ich endlich 18 Grad we&longs;twärts vom <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cap der guten Hofnung</HI> ganz und gar.</P><P TEIFORM="p">5. Noch weiter o&longs;twärts fängt wieder eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung an,| welche &longs;ich durch den ganzen indi&longs;chen Ocean er&longs;treckt, und unter dem Aequator in dem Mittagskrei&longs;e von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Madaga&longs;car</HI> bis auf 18 Grad &longs;teigt. In eben die&longs;em Mittagskrei&longs;e, unter dem 30&longs;ten Grade &longs;üdlicher Breite, findet &longs;ie &longs;ich 27 1/2 Grad, und nimmt von hier aus ab, &longs;o daß &longs;ie bey Cap Comorin nur 8, an der Kü&longs;te von Java nur 3 Grad beträgt, und endlich in den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Molucken,</HI> &longs;o wie auch we&longs;twärts von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Van Diemensland,</HI> ganz ver&longs;chwindet.</P><P TEIFORM="p">6. Weiter o&longs;twärts ent&longs;teht unter &longs;üdlicher Breite eine neue <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tliche</HI> Abweichung, die aber weder &longs;o &longs;tark, noch<PB ID="P.1.24" N="24" TEIFORM="pb"/> von &longs;o weitem Umfange, als die vorige i&longs;t: denn auf der In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rotterdam</HI> i&longs;t &longs;ie &longs;chon merklich kleiner, als an der Kü&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neuguinea,</HI> und nach dem Verhältniße, in welchem &longs;ie abnimmt, lä&longs;t &longs;ich annehmen, daß 20 Grad weiter o&longs;twärts, oder bey 225 Grad Länge von London aus, unter dem 20&longs;ten Grade &longs;üdlicher Breite wiederum eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung anfange.</P><P TEIFORM="p">7. Die Abweichungen in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baldivia</HI> und der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">magellani&longs;chen</HI> Stra&longs;&longs;e zeigen, daß die Num. 3. angeführte ö&longs;tliche Abweichung &longs;ehr &longs;chnell abnehme, und &longs;ich wahr&longs;cheinlicher Wei&longs;e nur bis auf einige Grad über die Kü&longs;ten von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peru</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chili</HI> hinaus in die Süd&longs;ee er&longs;trecke, wo denn wieder eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung in der Gegend der unbekannten Länder zwi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chili</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neu&longs;eeland</HI> anfangen muß.</P><P TEIFORM="p">8. Von St. Helena nordwe&longs;twärts bis an den Aequator bleibt die Abweichung ö&longs;tlich, aber &longs;ehr gering und immer gleich groß, daß al&longs;o in die&longs;er Gegend die Linie, in welcher die Abweichung Null i&longs;t, nicht nach der Mittagslinie, &longs;ondern nach Nordwe&longs;t geht.</P><P TEIFORM="p">9. Die Einfahrt der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hud&longs;ons&longs;traße</HI> und die Mündung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plata</HI> liegen beynahe unter einerley Meridian; dennoch weicht die Nadel an dem einen Orte 19 1/2 Grad <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich,</HI> am andern 20 1/2 Grad <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich</HI> ab.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;en Sätzen nun zog <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> die Hypothe&longs;e, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">die Erdkugel &longs;ey ein großer Magnet mit vier magneti&longs;chen Polen oder Anziehungspunkten, von denen je zween und zween nahe an jedem Pole des Aequators lägen.</HI> An den Orten, welche &longs;ich nahe an einem die&longs;er magneti&longs;chen Pole befänden, richte &longs;ich die Nadel nach dem&longs;elben, und überhaupt behalte jederzeit der nähere Pol die Oberhand über den entferntern.</P><P TEIFORM="p">Den Pol, der un&longs;ern Ländern am näch&longs;ten liegt, &longs;etzt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> in den Meridian von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lands-end,</HI> nicht über 7 Grad vom Nordpole entfernt. Die&longs;er be&longs;timme die Abweichung der Nadel in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Europa,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tartarey</HI> und dem<PB ID="P.1.25" N="25" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eismeere,</HI> obgleich auch mit Beziehung auf den andern Nordpol, der ohngefähr in den mitten durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Californien</HI> gehenden Meridian, 15 Grad vom nördlichen Erdpole falle. Nach die&longs;em richte &longs;ich die Nadel haupt&longs;ächlich in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nordamerika</HI> und den daran&longs;toßenden Meeren von den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Azoren</HI> we&longs;twärts bis <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Japan.</HI></P><P TEIFORM="p">Die beyden &longs;üdlichen Pole &longs;ollen vom Südpole der Erde etwas weiter ab&longs;tehen. Der eine wird 16 Grad weit vom Südpole in einen 20 Grad we&longs;twärts von der magellani&longs;chen Stra&longs;&longs;e ab&longs;tehenden Meridian ge&longs;etzt, und &longs;oll die Nadel in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Südamerika,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Süd&longs;ee</HI> und einem gro&longs;&longs;en Theile des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">äthiopi&longs;chen Meeres</HI> lenken. Der vierte bekömmt &longs;eine Stelle 20 Grad weit vom Südpole in dem Meridiane, der 120 Grad o&longs;twärts von London durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neuholland</HI> und die In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Celebes</HI> geht. Die Kraft die&longs;es Poles &longs;oll, weil er am weit&longs;ten vom Pole der Erde ab&longs;teht, überall den &longs;tärk&longs;ten Einfluß haben, und &longs;ich über den &longs;üdlichen Theil von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Afrika</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;ien</HI> und die daran grenzenden Meere er&longs;trecken. Dies i&longs;t nun nach Halley die Stellung des Magnetismus der Erde für das Jahr 1700, aus welcher er die aus den Beobachtungen gezognen Sätze auf folgende Art erklärt.</P><P TEIFORM="p">1. Den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europäi&longs;chen</HI> Pol im Meridiane von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Landsend</HI> in England haben alle Orte in Europa auf der We&longs;t&longs;eite ihres Meridians. Sie mü&longs;&longs;en al&longs;o eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung haben, welche immer größer wird, je weiter man o&longs;twärts geht.</P><P TEIFORM="p">2. Auf der We&longs;t&longs;eite des Meridians von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lands-end</HI> würde die Nadel eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tliche</HI> Abweichung erhalten, wofern &longs;ie nicht wegen der Annäherung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> Nordpols, der etwas mehr Kraft, als der er&longs;tere, zu be&longs;itzen &longs;cheint, we&longs;twärts gezogen würde, welcher Zug auch unter dem Meridian von Lands-end &longs;elb&longs;t noch einige we&longs;tliche Abweichung verur&longs;acht. In der Gegend des Meridians von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terceira</HI> mag vielleicht der europäi&longs;che Pol &longs;oviel überwiegen, daß da&longs;elb&longs;t eine ö&longs;tliche, oder wenig&longs;tens keine we&longs;tliche Abweichung mehr, &longs;tatt findet. We&longs;twärts von den Azoren aber überwiegt der amerikani&longs;che Pol, und<PB ID="P.1.26" N="26" TEIFORM="pb"/> verur&longs;acht an den Kü&longs;ten von Nordamerika eine we&longs;tliche Abweichung, die de&longs;to größer wird, je weiter man gegen Norden geht, de&longs;to geringer aber, je mehr man &longs;ich o&longs;twärts dem europäi&longs;chen Pole nähert. In Nordamerika &longs;elb&longs;t nimmt die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung wieder ab, i&longs;t in dem Meridian, der durch Californien geht, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Null,</HI> und muß weiter we&longs;twärts gegen Yed&longs;o und Japan ohne Zweifel <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich</HI> &longs;eyn, bis &longs;ie wieder der durch den europäi&longs;chen verur&longs;achten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlichen</HI> begegnet.</P><P TEIFORM="p">3. Gegen den Südpol zu erfolgen ähnliche Wirkungen, nur daß hier der Nadel &longs;üdliche Spitze angezogen wird. Liegt al&longs;o der magneti&longs;che Pol 20 Grad we&longs;twärts von der magellani&longs;chen Stra&longs;&longs;e, &longs;o muß die Abweichung an der bra&longs;iliani&longs;chen Kü&longs;te, dem Platafluße u. &longs;. w. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich</HI> &longs;eyn, und &longs;ich über einen großen Theil des äthiopi&longs;chen Meeres er&longs;trecken.</P><P TEIFORM="p">4. Endlich aber wird &longs;ie noch weiter o&longs;twärts von der Kraft des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">a&longs;iati&longs;chen</HI> Südpols überwogen, welches ohngefähr zwi&longs;chen dem Cap der guten Hofnung und den In&longs;eln des Tri&longs;tan d'Acunha ge&longs;chieht.</P><P TEIFORM="p">5. Noch weiter o&longs;twärts zieht der a&longs;iati&longs;che Pol die &longs;üdliche Spitze der Nadel, und verur&longs;acht dadurch eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung, welche wegen der weiten Entfernung die&longs;es Pols vom Südpole der Erde &longs;tark &longs;eyn und &longs;ich &longs;ehr weit er&longs;trecken muß, bis &longs;ie endlich in den Molucken um den Meridian der In&longs;el Celebes, in welchem die&longs;er Pol felb&longs;t liegt, ver&longs;chwindet, und einer neuen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlichen</HI> Raum giebt.</P><P TEIFORM="p">6. Die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tliche</HI> Abweichung reicht ohngefähr bis in die Mitte der Süd&longs;ee.</P><P TEIFORM="p">7. Hier fängt, wegen der Wirkung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> Südpols, zwi&longs;chen Neu&longs;eeland und Chili wieder eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> an.</P><P TEIFORM="p">8. In der hei&longs;&longs;en Zone, und be&longs;onders unter dem Aequator, muß man auf alle vier Pole &longs;ehen. So i&longs;t z. B. in dem von St. Helena nordwe&longs;twärts gerichtetem Striche die Abweichuug <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich</HI> und &longs;ehr gering, weil hier die Wirkung<PB ID="P.1.27" N="27" TEIFORM="pb"/> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> Südpols, der die&longs;en Gegenden am näch&longs;ten liegt, und eigentlich eine große <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tliche</HI> Abweichung verur&longs;achen &longs;ollte, durch die entgegenge&longs;etzten vereinten Wirkungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> Nordpols und des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">a&longs;iati&longs;chen</HI> Südpols ge&longs;chwächt wird, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europäi&longs;che</HI> Nordpol aber ohnehin beynahe in den Meridian die&longs;er Gegenden &longs;elb&longs;t fällt.</P><P TEIFORM="p">9. Auch wird hieraus begreiflich, wie die Abweichung unter einerley Meridiane an einem Orte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ö&longs;tlich,</HI> am andern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich</HI> &longs;eyn kan.</P><P TEIFORM="p">So erklärt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> den Zu&longs;tand der Abweichungen für das Jahr 1700. Weil er aber auch auf die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Veränderungen</HI> der Abweichung &longs;ehen, und al&longs;o nothwendig eine Bewegung &longs;einer magneti&longs;chen Pole annehmen mu&longs;te, wobey die Fragen ent&longs;tanden: ob &longs;ich alle vier Pole zugleich, ob &longs;ie &longs;ich um die Pole der Erde, und mit welcher Ge&longs;chwindigkeit &longs;ie &longs;ich bewegten, &longs;o &longs;uchte er die&longs;e Fragen in einem andern Auf&longs;atze <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(An account of the cau&longs;e of the change of the variation of the magnetical needle, by <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Edm. Halley</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact, num. 195. p. 563.)</HI> durch folgendes zu beantworten.</P><P TEIFORM="p">Der äu&longs;&longs;ere Theil der Erde macht nach &longs;einer Meinung nur eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rinde</HI> aus, um&longs;chließt einen concentri&longs;chen kugelförmigen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kern,</HI> und der Raum zwi&longs;chen beyden i&longs;t mit einer flüßigen Materie angefüllt. Kern und Rinde drehen &longs;ich zwar beyde täglich um ihre Axen, aber die Umdrehungszeit des Kerns i&longs;t von der Umdrehungszeit der Rinde um ein kleines Zeittheilchen unter&longs;chieden; die&longs;er Unter&longs;chied wird nach oft wiederholter Umdrehung merklich, und die Stellen der Rinde treffen alsdann nicht mehr mit den vorigen Stellen des Kerns zu&longs;ammen.</P><P TEIFORM="p">Nimmt man nun an, beydes Rinde und Kern &longs;eyen Magnete mit zween Polen, &longs;o ändern &longs;ich freylich die Stellungen die&longs;er vier Pole gegen einander, und wenn man, wie natürlich, die Pole der Rinde als die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">unbeweglichen</HI> betrachtet, &longs;o muß man alsdann den Polen des Kerns eine be&longs;tändige <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> beylegen. Unter den Nordpolen i&longs;t der bewegliche der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europäi&longs;che,</HI><PB ID="P.1.28" N="28" TEIFORM="pb"/> unter den Südpolen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;che,</HI> weil in den Gegenden um die&longs;e Pole die Veränderungen am größten &longs;ind. Die Bewegung geht nach We&longs;ten; al&longs;o bleibt die innere Kugel, bey der täglichen Umdrehung von We&longs;ten nach O&longs;ten, ein wenig zurück, welches davon herkommen kan, daß beym er&longs;ten Anfange der Umdrehung der der äu&longs;&longs;ern Rinde ertheilte Stoß &longs;ich dem Kerne nicht ganz hat mittheilen können. Um die Erdaxe &longs;cheint die&longs;e Bewegung nicht zu gehen, weil &longs;on&longs;t die Abweichungen in einem Parallelkrei&longs;e immer die&longs;elben bleiben, und nur von einem Punkte zu andern fortrücken müßten; welches doch der Erfahrung nicht gemäß i&longs;t. Da die&longs;e Bewegung &longs;ehr lang&longs;am i&longs;t, &longs;o lä&longs;t &longs;ich aus &longs;o wenigen und neuen Beobachtungen nichts zuverläßiges über die Dauer ihrer Periode be&longs;timmen; doch &longs;cheint &longs;ich der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;che</HI> Pol in 90 Jahren um 46 Grad we&longs;twärts bewegt zu haben, woraus &longs;ich die Dauer der Umlaufszeit ohngefähr auf 700 Jahre &longs;etzen ließe.</P><P TEIFORM="p">Soweit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley.</HI> Man kan dem Scharf&longs;inne und geometri&longs;chen Gei&longs;te, mit welchem er aus &longs;o vielen ohne Ordnung durch einander liegenden Beobachtungen die Linien &longs;einer Karte gezogen, und &longs;eine Schlüße hergeleitet hat, die verdiente Bewunderung nicht ver&longs;agen; aber die Hypothe&longs;e von vier Polen, deren zween beweglich &longs;ind, und die daraus ent&longs;prungene Idee von Kern und Rinde bringen etwas &longs;onderbares und unwahr&longs;cheinliches in &longs;eine Erklärung.</P><P TEIFORM="p">Der jüngere Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Recherches &longs;ur la declinai&longs;on de l'aiguille aimantée</HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mémoires de l'acad. des &longs;c. à Berlin, ann. 1757. p. 175)</HI> hat daher zu zeigen ge&longs;ucht, daß man zu Erklärung der beobachteten Abweichungen keinesweges nöthig habe, vier Pole anzunehmen, indem &longs;ich von allen Er&longs;cheinungen aus dem Da&longs;eyn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener Pole</HI> Rechen&longs;chaft geben la&longs;&longs;e. Er berechnet zu dem Ende Formeln, wodurch &longs;ich die halleyi&longs;chen Abweichungslinien aus der gegebenen Lage <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener</HI> magneti&longs;cher Pole würden be&longs;timmen la&longs;&longs;en, wenn die&longs;e Pole 1) einander nach dem Durchme&longs;&longs;er entgegenge&longs;etzt, 2) in zween entgegenge&longs;etzten<PB ID="P.1.29" N="29" TEIFORM="pb"/> Meridianen, 3) in einerley Meridian, 4) in zween ver&longs;chiedenen Meridianen lägen. Wenn er nun annimmt, daß der magneti&longs;che Nordpol 14, der Südpol 35° von den Polen der Erde ab&longs;tünde, die durch beyde gezognen Meridiane aber 63° von einander entfernt wären, &longs;o findet er nach die&longs;en Formeln die Abweichungslinien ziemlich überein&longs;timmend mit der für das Jahr 1744 entworfenen Karte des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mountaine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dod&longs;on.</HI> Er theilt die Zeichnung einer nach &longs;einen Formeln entworfenen Karte mit, in welcher der magneti&longs;che Nordpol über Amerika, der Südpol hingegen unter Neu&longs;eeland fällt, und die Abweichungslinien für 12° 5′ ö&longs;tliche Declination &longs;ich einmal im rothen Meere, das anderemal we&longs;twärts von Californien nahe am Wendekrei&longs;e kreuzen. Die Linien, in welchen gar keine Abweichung &longs;tatt findet, fallen bloß etwas weiter o&longs;twärts, als in der Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> mitgetheilten Karte des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert.</HI> Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> eigner Vermuthung würden &longs;eine Formeln mit den Beobachtungen noch be&longs;&longs;er überein&longs;timmen, wenn er den Nordpol 17 und den Südpol40 Grad von den Polen der Erde entfernt hätte. Es i&longs;t al&longs;o durch die&longs;e Bemühungen des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> wenig&longs;tens &longs;oviel erwie&longs;en, daß es überflüßig &longs;ey, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vier</HI> magneti&longs;che Pole anzunehmen.</P><P TEIFORM="p">Unter den ungedruckten Abhandlungen des großen göttingi&longs;chen A&longs;tronomen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tobias Mayers,</HI> befindet &longs;ich eine über den Magnet, welche er der da&longs;igen Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften im Jahre 1762 vorgele&longs;en hat. Den Nachrichten der Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erxleben</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> zufolge (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Erxlebens</HI> Anfangsgr. der Naturlehre nach der Lichtenbergi&longs;chen Ausgabe §. 709) erklärt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> da&longs;elb&longs;t die Er&longs;cheinungen &longs;ehr natürlich daraus, daß in der Erde ein Magnet anzutreffen &longs;ey, den man in Vergleichung mit der Erde &longs;elb&longs;t für unendlich klein annehmen könne. Die&longs;er Magnet liege vom Mittelpunkte der Erde etwa 120 Meilen weit entfernt nach dem Theile der Erde zu, den das &longs;tille Meer bedecke. Eine gerade Linie durch die Mittelpunkte die&longs;es Magnets und der Erde &longs;chneide die Erdfläche in einer Länge von 201 Graden von der In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ferro,</HI> und unter 17 Grad nördlicher Breite. Der Magnet<PB ID="P.1.30" N="30" TEIFORM="pb"/> entferne &longs;ich jährlich etwa um (1/1000) des Halbme&longs;&longs;ers der Erde von dem Mittelpunkte der&longs;elben, wodurch die Länge des er&longs;tgedachten Durch&longs;chnittspunktes jährlich um 8, die Breite um 14 Minuten abnehme. Es habe die&longs;er Magnet zween Pole: &longs;eine Axe &longs;tehe &longs;enkrecht auf der von ihm in den Mittelpunkt der Erde gezognen Linie, und liege in einer Ebne, welche mit der Ebne des Meridians, in welchem jene nach dem Mittelpunkte gezogene Linie liege, einen Winkel von 11 1/2 Grad, und zwar bey uns nach O&longs;ten zu, mache. Auch wach&longs;e die&longs;er Winkel jährlich etwa um 8 1/4 Minuten. Die Totalkraft die&longs;es in der Erde liegenden Magneten verhalte &longs;ich verkehrt, wie der Würfel der Entfernung.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;er Hypothe&longs;e folgert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> Größen der Abweichungen für ver&longs;chiedene Orte der Erde, welche von den wirklich beobachteten nicht &longs;ehr unter&longs;chieden &longs;ind. So findet er z. B. die Abweichung für Paris 14° 2′, für Berlin 12° 2′ we&longs;tlich, da man &longs;ie um das Jahr 1760 am er&longs;ten Orte gegen 18°, am zweyten 12° 40 gefunden hat. Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenbergs</HI> richtigem Urtheile muß man eine &longs;olche Ueberein&longs;timmung bewundern, wenn man bedenkt, was für unvollkommne Beobachtungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> bey Fe&longs;t&longs;etzung der Hauptgrößen &longs;einer Hypothe&longs;e zum Grunde legen mu&longs;te. Man kan al&longs;o Mayers Erklärung wenig&longs;tens als eine gute Vor&longs;tellungsart von der Ur&longs;ache der Abweichungen gelten la&longs;&longs;en, um in Zukunft mehrere Beobachtungen damit zu vergleichen, und &longs;ie nach den&longs;elben zu berichtigen, und zu prüfen. Es i&longs;t nicht zu zweifeln, daß man durch häufigere und genauere Beobachtungen mehr Licht über die Ur&longs;ache der Abweichungen erhalten werde, wenn man auf dem von Halley, Euler und Mayer vorgezeichnetem Wege fortgehen wird, auf welchem Geometrie und Analy&longs;is &longs;o wirk&longs;ame Unter&longs;tützungen darbieten.</P><P TEIFORM="p">Man hat kugelrunde Magnete unter dem Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terrellen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(terrellae)</HI> gemacht, um durch Beobachtung der Stellungen des Compa&longs;&longs;es an ver&longs;chiedenen Punkten der&longs;elben, die Phänomene der Abweichung an ver&longs;chiedenen Stellen der Erde zu erklären. Sie haben aber noch wenig Dien&longs;te gelei&longs;tet. Zwar ver&longs;ichert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">E&longs;&longs;ay<PB ID="P.1.31" N="31" TEIFORM="pb"/> on magnetism</HI> in &longs;einem <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E&longs;&longs;ay on electricity. London 1784. 8.),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Magellan</HI> habe neuerlich eine Terrelle angegeben, von der &longs;ich mehr hoffen la&longs;&longs;e. Es fällt aber in die Augen, daß &longs;ich bey einem &longs;olchen Kügelchen nie die wahren Verhältniße der Größen des Compa&longs;&longs;es und der Grö&longs;&longs;en und Entfernungen auf der Erde &longs;elb&longs;t dar&longs;tellen la&longs;&longs;en, und daß es daher nichts mehr, als ein phy&longs;ikali&longs;ches Spielwerk &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Au&longs;&longs;er der bekannten immer fortgehenden Veränderung hat &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Graham</HI> im Jahre 1722 noch eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">tägliche</HI> periodi&longs;che Veränderung in der Abweichung der Magnetnadel entdeckt, über welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wargentin</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> weitere Beobachtungen ange&longs;tellt haben. Der letztere theilte &longs;eine Ver&longs;uche hierüber im Jahre 1759 der königlichen Societät der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu London mit. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(An attempt to account for the regular diurnal variation of the horizontal magnetic needle, by <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Iohn Canton,</HI> in Philo&longs;. Transact. Vol. LI. P. I. p. 398).</HI> Er hatte &longs;eine Beobachtungen vom Ende des Jahres 1756 an, 603 Tage lang fortge&longs;etzt, und die&longs;e tägliche Veränderung an 574 Tagen regelmäßig gefunden. Die we&longs;tliche Abweichung der Nadel nahm von 8 oder 9 Uhr Morgens bis 1 oder 2 Uhr Nachmittags zu; alsdann &longs;tand die Nadel eine Zeitlang &longs;till, endlich gieng &longs;ie wieder zurück, bis &longs;ie in der Nacht oder am näch&longs;ten Morgen wieder in ihre vorige Stelle zurückkam.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e tägliche Veränderung der Abweichung erklärt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> aus dem Satze, daß die anziehende Kraft des Magnets durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Er bewei&longs;et die&longs;en Satz durch folgende Ver&longs;uche. Er &longs;tellte an die Gegend O&longs;t-Nord-O&longs;t eines Compa&longs;&longs;es einen kleinen Magnet, &longs;o weit ab, daß die Kraft &longs;eines Südpols gerade im Stande war, den Nordpol der Nadel auf Nord- O&longs;t, oder auf 45° zu halten. Die&longs;en Magnet be&longs;chwerte er mit einem Gewichte von 16 Unzen, und goß 2 Unzen &longs;iedendes Wa&longs;&longs;er in da&longs;&longs;elbe, wodurch der Magnet 7—8 Minuten lang erhitzt ward. Während die&longs;er Zeit gieng die Nadel 3/4 Grad we&longs;twärts, binnen 9 Minuten kam &longs;ie<PB ID="P.1.32" N="32" TEIFORM="pb"/> um 1/4 Grad oder bis 44 1/2° zurück, brauchte aber einige Stunden Zeit, ehe &longs;ie ihre vorige Stellung auf 45° wieder erhielt. Er &longs;tellte ferner auf jede Seite des Compa&longs;&longs;es einen Magnet &longs;o, daß die Südpole auf den Nordpol der Nadel gleich &longs;tark wirkten, und &longs;ie in ihrer gehörigen Stellung erhielten; ward aber einer weggenommen, &longs;o zog der andere die Nadel bis 45°. Jeder Magnet ward mit einem Gewichte von 16 Unzen be&longs;chweret, und auf den ö&longs;tlichen wurden 2 Unzen &longs;iedendes Wa&longs;&longs;er gego&longs;&longs;en. Die Nadel bewegte &longs;ich in der er&longs;ten Minute um einen halben Grad, und kam in 7 Minuten auf 2 3/4°, wo &longs;ie &longs;till &longs;tand, nach 34 Min. vom er&longs;ten Anfange gerechnet, auf 2 1/2, und in 50 Minuten auf 2 1/4° zurückkam. Er füllte nun das we&longs;tliche Gewicht mit &longs;iedendem Wa&longs;&longs;er, wobey die Nadel in der er&longs;ten Minute auf 1 1/4° zurückkam, nach 6 Min. 1/2° ö&longs;tlich &longs;tand, und etwa 40 Minuten darnach in ihre anfängliche Stellung zurückkehrte.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;en Ver&longs;uchen i&longs;t klar, daß die magneti&longs;che Anziehung durch die Wärme ge&longs;chwächt werde. Wenn nun, &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton,</HI> die magneti&longs;chen Theile der Erde auf der O&longs;t&longs;eite Vormittags von der Sonne eher erwärmt werden, als die auf der We&longs;t&longs;eite, &longs;o i&longs;t es klar, daß &longs;ich die Nadel mehr we&longs;twärts bewegen muß; wenn die Wärme der anziehenden Theile auf jeder Seite gleich &longs;tark zunimmt, &longs;o muß die Nadel &longs;till &longs;tehen, und die Abweichung ein Grö&longs;tes &longs;eyn; wenn die we&longs;tlichen Theile &longs;chneller erwärmt werden, oder lang&longs;amer abkühlen, als die ö&longs;tlichen, &longs;o muß die we&longs;tliche Abweichung der Nadel wieder kleiner werden, und ein Klein&longs;tes &longs;eyn, wenn die Theile auf beyden Seiten gleich ge&longs;chwind abkühlen. Auch muß nach die&longs;er Theorie die tägliche Veränderung im Sommer größer, als im Winter, &longs;eyn; &longs;ie i&longs;t auch in der That im Iunius und Iulius fa&longs;t doppelt &longs;o groß, als im December und Januar, gefunden worden.</P><P TEIFORM="p">Unregelmäßige kleine Veränderungen der Abweichung hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> &longs;eltner, etwa zwey bis dreymal monatlich, und fa&longs;t jederzeit mit einem Nordlichte begleitet gefunden. Er i&longs;t geneigt, &longs;ie aus plötzlichen Veränderungen der unterirdi&longs;chen<PB ID="P.1.33" N="33" TEIFORM="pb"/> Wärme herzuleiten, da auch das Nordlicht, als eine elektri&longs;che Er&longs;cheinung, &longs;ich, wie die Elektricität des Turmalins, aus plötzlicher Erwärmung oder Erkältung der Luft erklären la&longs;&longs;e.</P><P TEIFORM="p">Einige Kün&longs;tler haben &longs;ich bemüht, Nadeln oder magneti&longs;che Ringe zu verfertigen, welche die Mittagslinie ohne Abweichung zeigten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeks</HI> Ver&longs;uche hierüber &longs;ind vergeblich gewe&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Le Maire,</HI> ein franzö&longs;i&longs;cher Kün&longs;tler, verfertigte neuerlich nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;ons</HI> Zeugniß <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire rai&longs;onné de Phy&longs;ique art: <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aimant</HI>)</HI> &longs;piralförmige Nadeln und magneti&longs;che Ringe, deren Pole &longs;o ge&longs;tellt waren, daß &longs;ie einander &longs;törten, und dadurch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">für den Ort, für welchen er &longs;ie eingerichtet hatte,</HI> die Abweichung vermieden. Man &longs;ieht leicht, daß &longs;ie für andere Orte, und im Fortgange der Zeit &longs;elb&longs;t für den nemlichen Ort, die&longs;en Dien&longs;t zu lei&longs;ten aufhören mü&longs;&longs;en.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichungskreis" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichungskreis, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Circulus declinationis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Cercle de declinai&longs;on</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein größter Kreis der Himmelskugel, welcher durch die beyden Pole und ein Ge&longs;tirn geht. So i&longs;t Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">5. PSDp</HI> der Abweichungskreis des Ge&longs;tirns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn das Ge&longs;tirn in den Mittagskreis kömmt, &longs;o i&longs;t die&longs;er mit dem Abweichungskrei&longs;e einerley. Auch &longs;ind die Abweichungskrei&longs;e einerley mit den Stundenkrei&longs;en, welche ebenfalls durch beyde Pole gehen. Wenn z. B. das Ge&longs;tirn vor einer Stunde durch den Mittagskreis gegangen i&longs;t, &longs;o fällt &longs;ein Abweichungskreis aüf den er&longs;ten Stundenkreis u. &longs;. w. Nur bleiben die Stundenkrei&longs;e unbeweglich, die Abweichungskrei&longs;e hingegen gehen mit der täglichen Bewegung der Ge&longs;tirne fort. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Stundenkreis.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Accord &longs;. Con&longs;onanz.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Achromati&longs;che Fernröhre" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Achromati&longs;che Fernröhre</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tubi achromatici, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lunettes achromatiques</HI></HI> hei&longs;&longs;en diejenigen Fernröhre, in welchen die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Licht&longs;tralen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che,</HI> vermieden, und der betrachtete Gegen&longs;tand ohne bunte Ränder und fal&longs;che Farben darge&longs;tellt wird. Das Wort<PB ID="P.1.34" N="34" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">achromati&longs;ch</HI> i&longs;t griechi&longs;ch und bedeutet <HI REND="bold" TEIFORM="hi">farbenlos, nicht färbend.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> der die ver&longs;chiedene Brechbarkeit der Licht&longs;tralen entdeckt, und die daraus ent&longs;tehende Abweichung der Gläfer mit Recht für die Hauptur&longs;ache der Undeutlichkeit in den Fernröhren erkannt hatte, ließ &longs;ich bey die&longs;er wichtigen Entdeckung dennoch zu einem Irrthume verleiten. Er glaubte nemlich, die ver&longs;chiedenen bey der Brechung von einander ge&longs;onderten Farben&longs;tralen würden von allen brechenden Mitteln in einerley allgemeinem Verhältniße zer&longs;treut; wenn al&longs;o die Brechung der Stralen von der mittlern Gattung be&longs;timmt &longs;ey, &longs;o &longs;ey dadurch auch die Brechung derer von den äu&longs;&longs;er&longs;ten Gattungen, d. i. der rothen und violetten gegeben, das brechende Mittel möchte &longs;eyn, welches man wolle. Die&longs;en Satz &longs;ahe er als eine nothwendige Folge eines &longs;einer Ver&longs;uche an. Er glaubte nemlich gefunden zu haben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Newtoni Optice lat. redd. a Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. L. I. Part. II. Exp. 8.),</HI> daß das Licht, durch wie vielerley ver&longs;chiedene brechende Mittel es auch immer gehen möchte, allezeit weiß bleibe, wenn des Strales Richtung beym Ausgange der beym Eingange parallel &longs;ey; hingegen allezeit in Farben zer&longs;treut werde, wenn der ausgehende Stral eine andere Richtung nehme, als er beym Eingange gehabt habe. Weil nun aus dem Objectivgla&longs;e eines Fernrohrs die von entlegnen Punkten einfallenden Stralen &longs;o ausgehen mü&longs;&longs;en, daß &longs;ie nach dem Brennraume zu&longs;ammenlaufen, und al&longs;o ihre Richtung beim Ausgange nie mit ihrer Richtung beym Eingange in das Glas parallel bleiben kan, &longs;o hielt er es für eine ent&longs;chiedene Unmöglichkeit, durch das Objectivglas eines Fernrohrs wei&longs;&longs;es Licht und ungefärbte Bilder zu erhalten. Er zog daher &longs;eine Gedanken von Verbe&longs;&longs;erung der Objectivglä&longs;er gänzlich ab, und verwendete alle &longs;eine Bemühungen blos auf die Spiegeltele&longs;cope.</P><P TEIFORM="p">Bey dem großen An&longs;ehen, in welchem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Behauptungen und Ver&longs;uche &longs;tanden, blieb die Frage von Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey Objectivglä&longs;ern auf achtzig Jahre lang unberührt, bis endlich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI><PB ID="P.1.35" N="35" TEIFORM="pb"/> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Sur la perfection des verres objectifs des lunettes par M. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Euler</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mém. de l'acad. roy. des &longs;c. de Pru&longs;&longs;e 1747. p. 274.)</HI> im Jahre 1747 den Vor&longs;chlag that, die Objectivglä&longs;er zu Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">aus ver&longs;chiedenen Materien</HI> zu&longs;ammenzu&longs;etzen, und &longs;tatt eines Gla&longs;es, deren zwey, mit dazwi&longs;chen gefülltem Wa&longs;&longs;er, zu gebrauchen. Die&longs;er Gedanke <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> gründete &longs;ich theils auf einen von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t in anderer Ab&longs;icht gegebnen Wink, theils auf die Betrachtung der Mittel, deren &longs;ich die Natur bey dem Baue des men&longs;chlichen Auges bedienet hat.</P><P TEIFORM="p">”Schon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler,</HI> hat vermuthet, ”daß Objectivglä&longs;er aus zwo Lin&longs;en, deren Zwi&longs;chenraum ”mit Wa&longs;&longs;er angefüllt wäre, zur Verbe&longs;&longs;erung der Fern”röhren in Ab&longs;icht auf die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichung wegen der</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;talt der Glä&longs;er</HI> dienen könnten: aber den Gedan”ken, daß man durch eben die&longs;es Mittel den Raum ver”kleinern könne, durch welchen &longs;ich die Vereinigungspunkte ”der ver&longs;chiedenen Farben&longs;tralen ausbreiten, &longs;cheint er da”bey ganz und gar nicht gehabt zu haben. Mir hingegen ”i&longs;t es &longs;ogleich vom er&longs;ten Anfange wahr&longs;cheinlich gewe&longs;en, ”daß man durch gewi&longs;&longs;e Zu&longs;ammen&longs;etzungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chiede-</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">ner</HI> durch&longs;ichtiger Mittel auch die&longs;em Fehler werde abhel”fen können, und ich bin überzeugt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">daß die ver&longs;chie-</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">denen Feuchtigkeiten in un&longs;erm Auge &longs;o geord-</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">net &longs;ind, daß durch die&longs;elben die Ausbreitung</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">und Zer&longs;treuung der Vereinigungspunkte gänz-</HI> ”<HI REND="bold" TEIFORM="hi">lich gehoben wird.</HI> Dies i&longs;t, &longs;o viel ich glaube, eine ”ganz neue Seite, von welcher der Bau des Auges un&longs;ere ”Bewunderung verdient; denn wäre es nur darauf ange”kommen, Bilder der Gegen&longs;tände im Auge darzu&longs;tellen, ”&longs;o wäre dazu ein einziger durch&longs;ichtiger Körper hinreichend ”gewe&longs;en, wofern er nur die dazu nöthige Ge&longs;talt gehabt ”hätte: &longs;ollte aber das Auge ein vollkommnes Werkzeug ”&longs;eyn, &longs;o mu&longs;ten mehrere ver&longs;chiedene durch&longs;ichtige Ma”terien dazu gebraucht, und in gehöriger Ge&longs;talt nach den ”Regeln der erhaben&longs;ten Geometrie verbunden werden, da”mit die Deutlichkeit des Bildes nicht durch die ver&longs;chie”dene<PB ID="P.1.36" N="36" TEIFORM="pb"/> Brechbarkeit der Stralen ge&longs;tört würde.“ Die&longs;e &longs;charf&longs;innige Bemerkung über die Ab&longs;icht des Schöpfers bey dem Bau des Auges i&longs;t für <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulern</HI> höch&longs;t rühmlich; inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;ie &longs;chon läng&longs;t vor ihm von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">David Gregory</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Catoptricae et Dioptricae elementa, Oxon. 1697. 8.)</HI> gemacht, und als Vor&longs;chlag zur Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre vorgetragen worden; allein man hat &longs;ie damals gleichgültig über&longs;ehen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> unter&longs;uchte durch Rechnung, welche Ge&longs;talten und Verhältni&longs;&longs;e &longs;olche aus Glas und Wa&longs;&longs;er zu&longs;ammenge&longs;etzte Objectivglä&longs;er erforderten; aber die nach &longs;einen Rechnungen ange&longs;tellten Proben hatten nicht den gewün&longs;chten Erfolg.</P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen erregte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> Abhandlung die Aufmerk&longs;amkeit des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">John Dollond,</HI> eines ge&longs;chickten engli&longs;chen Kün&longs;tlers, der die&longs;e Rechnungen &longs;orgfältig durchgieng, aber &longs;ie nothwendig fal&longs;ch finden mu&longs;te, weil er &longs;ie nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Grund&longs;ätzen prüfte. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> wagte noch nicht, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Ver&longs;uche zweifelhaft zu machen, er begnügte &longs;ich blos im Allgemeinen zu antworten, daß &longs;ich der Bau des Auges gar nicht würde erklären la&longs;&longs;en, wenn man nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Bey&longs;piele die Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey allen Brechungen durch erhabne Glä&longs;er für unmöglich erklären wollte.</P><P TEIFORM="p">Endlich rückte Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klingen&longs;tierna</HI> im Jahre 1754. in den &longs;echszehnten Band der &longs;chwedi&longs;chen Abhandlungen eine geometri&longs;che Prüfung des obenangeführten newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs ein (Anmerkung über das Ge&longs;etz der Brechung bey Licht&longs;tralen von ver&longs;chiedener Art, wenn &longs;ie durch ein durch&longs;ichtiges Mittel in ver&longs;chiedene andere gehen, von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Samuel Klingen&longs;tierna</HI> in den &longs;chwedi&longs;chen Abhdl. 1754. der deut&longs;chen Ueber&longs;. S. 300.), worin er bewieß, daß, wenn die&longs;er Ver&longs;uch eine allgemeine Richtigkeit hätte, daraus nicht einerley be&longs;timmtes Ge&longs;etz der Farbenzer&longs;treuung, &longs;ondern unzählige ver&longs;chiedene Ge&longs;etze folgen würden, die &longs;owohl gegen einander &longs;elb&longs;t, als gegen das von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> angenommene &longs;tritten; und daß vielmehr das Licht nach dem Durchgange durch ver&longs;chiedene<PB ID="P.1.37" N="37" TEIFORM="pb"/> Mittel noch gefärbt &longs;eyn könne, wenn gleich der ausfahrende Stral|mit dem einfallenden parallel &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Durch die&longs;e &longs;ehr gründlich ange&longs;tellte Unter&longs;uchung ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> &longs;elb&longs;t bewogen, an der Richtigkeit des newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs zu zweifeln, und zur An&longs;tellung eigner Ver&longs;uche überzugehen. Er küttete daher zwo Glas&longs;cheiben mit den Rändern &longs;o zu&longs;ammen, daß daraus ein prismati&longs;ches Gefäß ent&longs;tand, kehrte de&longs;&longs;en Schärfe niederwärts, &longs;tellte ein glä&longs;ernes Prisma mit der einen Schärfe aufwärts hinein, und füllte den übrigen Raum mit Wa&longs;&longs;er an. Wenn nun der Winkel, den beyde Glas&longs;cheiben mit einander machten, gerade &longs;o groß war, daß ein Gegen&longs;tand, durch die&longs;es doppelte Prisma betrachtet, eben &longs;o hoch, als mit bloßen Augen, er&longs;chien, al&longs;o beyde Brechungen, die durchs Glas, und die durchs Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehene, einander aufhoben, und der ausgehende Stral dem einfallenden parallel war, &longs;o &longs;ollte nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Grund&longs;ätzen der Gegen&longs;tand in &longs;einer natürlichen Farbe er&longs;cheinen. Allein er er&longs;chien vielmehr eben &longs;o &longs;tark mit prismati&longs;chen Farben umringt, als ob er durch ein einziges glä&longs;ernes Prisma mit einem Winkel von etwa 30° wäre betrachtet worden. Hiebey hatte al&longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dolland</HI> eine &longs;tarke Färbung ohne Brechung erhalten, und konnte es al&longs;o nicht mehr für unmöglich an&longs;ehen, auch eine Brechung ohne Farben zu bewerk&longs;telligen.</P><P TEIFORM="p">Er erhielt die&longs;e auch wirklich, da er einen Keil von gemeinem Tafelgla&longs;e, de&longs;&longs;en Winkel etwa 9° betrug, eben &longs;o, wie vorhin das glä&longs;erne Prisma, in ein keilförmiges mit Wa&longs;&longs;er gefülltes Gefäß aus zwey Glas&longs;cheiben &longs;etzte. Denn, wenn er nun den Winkel beyder Glas&longs;cheiben &longs;o lang vergrößerte, bis der betrachtete Gegen&longs;tand ohne fremde Farben er&longs;chien, &longs;o &longs;ahe er den&longs;elben weit von dem Orte verrückt, an welchem er dem bloßen Auge würde er&longs;chienen &longs;eyn. Es war al&longs;o klar, daß die Farbenzer&longs;treuungen einander aufgehoben hatten, obgleich die Brechungen von einander ver&longs;chieden waren; al&longs;o ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Satz, vermöge de&longs;&longs;en &longs;ich die Farbenzer&longs;treuungen, wie<PB ID="P.1.38" N="38" TEIFORM="pb"/> die Brechungen, verhalten &longs;ollten, dadurch hinlänglich widerlegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> fieng daher an, zu vermuthen, daß dasjenige, was er hier bey den Brechungen durch Wa&longs;&longs;er und Glas wahrgenommen hatte, auch bey Brechungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">durch ver&longs;chiedene Glasarten</HI> &longs;tatt finden werde, und nahm &longs;ich daher vor, Prismen von ver&longs;chiedenen Glasarten zu &longs;chleifen und an einander zu legen, um zu &longs;ehen, ob auch hiebey die Brechung in andern Verhältni&longs;&longs;en, als die Farbenzer&longs;treuung, ver&longs;chieden &longs;eyn würde. Sobald er dies im Jahre 1757 vorgenommen hatte, zeigten &longs;ogleich die er&longs;ten Proben, daß die Sache die äußer&longs;te Aufmerk&longs;amkeit verdiene. (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">An Account of &longs;ome experiments concerning the different refrangibility of light, by Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Iohn Dollond</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. Vol. L. Part. II. p. 733.)</HI></P><P TEIFORM="p">Er fand nemlich das Verhältniß der Farbenzer&longs;treuung gegen die Brechung in einigen Glasarten weit &longs;tärker ver&longs;chieden, als er zu hoffen gewagt hatte. Be&longs;onders war die&longs;er Unter&longs;chied bey zwoen Glasarten &longs;ehr beträchtlich. Das engli&longs;che Kry&longs;tallglas oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas,</HI> eine &longs;ehr helle und weiße Glasart, zer&longs;treute die Farben am &longs;tärk&longs;ten, eine andere mehr grünliche, das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas,</HI> am wenig&longs;ten, da doch beyder Brechungen fa&longs;t gleich waren. Die&longs;e Entdeckung &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> &longs;ogleich zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhren zu nützen. Er fieng an, Objectivglä&longs;er aus die&longs;en beyden Glasarten zu&longs;ammenzu&longs;etzen, welche das Licht ohne Farben brechen &longs;ollten. Damit die beyden mit einander verbundenen Glä&longs;er das Licht nach entgegenge&longs;etzten Seiten zer&longs;treuen möchten, mu&longs;te das eine ein erhabnes, das andere ein Hohlglas &longs;eyn; und da die Stralen &longs;ich wirklich in einen Punkt der Axe vereinigen &longs;ollten, &longs;o mu&longs;te das erhabne die &longs;tärk&longs;te Brechung verur&longs;achen, und daher aus derjenigen Glasart verfertiget werden, welche bey &longs;tärkerer Brechung dennoch nur eine gleich große Farbenzer&longs;treuung giebt, indem beyder Glä&longs;er Farbenzer&longs;treuungen einander aufheben, und al&longs;o gleich groß &longs;eyn mu&longs;ten. Die&longs;e Betrachtungen zeigten ihm, daß er &longs;eine Objectivglä&longs;er aus einem Hohlgla&longs;e von Flintglas<PB ID="P.1.39" N="39" TEIFORM="pb"/> und einem erhabnen von Crownglas zu&longs;ammen&longs;etzen mü&longs;&longs;e. Die&longs;er &longs;ichern Gründe ohngeachtet fand er doch bey der Ausführung &longs;elb&longs;t noch unzählbare Schwierigkeiten, die er endlich durch anhaltende Geduld und ungemeine Ge&longs;chicklichkeit überwand, und &longs;ich im Jahre 1755 im Stande &longs;ahe, Fernröhre mit &longs;o großen Oefnungen, und &longs;o &longs;tarken Vergrößerungen, in Vergleichung mit ihrer Länge, zu verfertigen, daß &longs;ie nach dem Urtheile der be&longs;ten Kenner alles, was man bisher gelei&longs;tet hatte, bey weitem übertrafen.</P><P TEIFORM="p">Der Ruf von die&longs;er Entdeckung und von den neuen Dollondi&longs;chen Fernröhren verbreitete &longs;ich bald unter den Naturfor&longs;chern und Kün&longs;tlern. Weil aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> die Verhältni&longs;&longs;e, nach welchen die Glä&longs;er &longs;einer Objectivlin&longs;en gekrümmt und zu&longs;ammenge&longs;etzt waren, nicht bekannt machte, &longs;o &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut,</HI> der &longs;ich &longs;chon vom Anfange des Streits viel mit die&longs;er Sache be&longs;chäftiget hatte, eine voll&longs;tändige auf einige Ver&longs;uche gegründete Theorie davon auszuarbeiten, welche man in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Memoires de l' academie royale des Sc. à Paris</HI> von den Jahren 1756 und 1757 findet. Die&longs;e Arbeit hat nachher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">d'Alembert</HI> im dritten und vierten Bande &longs;einer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Opu&longs;cules mathematiques</HI> und in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mém. de l' acad. des &longs;c.</HI> in den Jahren 1764, 1765, 1767 voll&longs;tändiger ausgeführt. Im Jahre 1762 gab die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Petersburg die Preißfrage auf: wie die Unvollkommenheiten der opti&longs;chen Werkzeuge, welche von der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit und der Kugelge&longs;talt herrühren, zu heben &longs;eyen? wobey die Abhandlung des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klingen&longs;tierna</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tentamen de definiendis & corrigendis aberrationibus luminis in lentibus &longs;phaericis refracti, et de per&longs;iciendo tele&longs;copio dioptrico. Petrop. 1762.</HI> gr. 4.) den Preiß erhielt. Ohngeachtet aber die&longs;e großen Mathematiker fa&longs;t alles er&longs;chöpft hatten, was die Rechnung in die&longs;em Fache lei&longs;ten kann, &longs;o waren doch ihre Arbeiten den Kün&longs;tlern grö&longs;tentheils unbrauchbar, und die Engländer verfertigten ohne Anwendung die&longs;er Formeln weit be&longs;&longs;ere Fernröhre, als von den Ausländern, &longs;elb&longs;t unter unmittelbarer Auf&longs;icht<PB ID="P.1.40" N="40" TEIFORM="pb"/> die&longs;er ge&longs;chickten Rechner, konnten zu Stande gebracht werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler,</HI> welcher zu die&longs;er Entdeckung die er&longs;te Veranla&longs;&longs;ung gegeben hatte, war jezt gerade derjenige, der &longs;ich am &longs;chwer&longs;ten von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen Ver&longs;uche und Erfindungen überzeugen ließ. Er hatte &longs;chon im Jahre 1747 in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mém. de l' acad. des &longs;c. de Pru&longs;&longs;e</HI> eine Theorie der Farbenzer&longs;treuungen fe&longs;tge&longs;etzt, mit welcher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollonds</HI> Ver&longs;uche gar nicht überein&longs;timmten. Er &longs;chrieb daher die außerordentlichen Wirkungen der Dollondi&longs;chen Fernröhre, von welchen er durch unwider&longs;prechliche Zeugni&longs;&longs;e überführt ward, blos der Krümmung der Dollondi&longs;chen Glä&longs;er zu, welche durch einen glücklichen Zufall &longs;o ausgefallen &longs;ey, daß &longs;ie eben die&longs;elbe Wirkung thun würden, wenn &longs;ie auch nur aus einerley Glasart be&longs;tünden. Endlich aber ward er durch die Ver&longs;icherungen, die ihm <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut</HI> von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen Ver&longs;uche gab, bewogen, &longs;eine Theorie aufzugeben, und fieng nunmehr &longs;elb&longs;t an, die Dollondi&longs;che Erfindung durch eigne Berechnungen aufzuklären, und Vor&longs;chläge zum Gebrauch in der Ausübung anzugeben. Aus &longs;einen vielen akademi&longs;chen Abhandlungen hierüber i&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dioptrik</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Leonh. Euleri</HI> Dioptrica, Petrop. et Lip&longs;. 1771. To. II.</HI> gr. 4.) ent&longs;tanden, aus welcher Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fuß</HI> in Petersburg zum Gebrauch der Kün&longs;tler einen Auszug von Vor&longs;chlägen zu achromati&longs;chen Fernröhren in franzö&longs;i&longs;cher Sprache herausgegeben hat. (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nik. Fuß</HI> um&longs;tändliche Anwei&longs;ung, wie alle Arten von Fernröhren in der grö&longs;ten möglichen Vollkommenheit zu verfertigen &longs;ind, aus dem Franz. von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">G. S. Klügel.</HI> Leipzig, 1778. 4.)</P><P TEIFORM="p">Im Jahre 1758 trieb <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> die Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch höher, indem er &longs;eine Objectivlin&longs;en aus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">drey</HI> Glä&longs;ern zu&longs;ammenzu&longs;etzen anfieng. Sein Sohn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peter Dollond</HI> hat nachher die&longs;e dreyfachen Objectivglä&longs;er in noch größerer Vollkommenheit verfertiget. Sie be&longs;tehen aus zween erhabnen Lin&longs;en von Crownglas und einer dazwi&longs;chen &longs;tehenden hohlen von Flintglas, &longs;. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 7. Sie werden zu galiläi&longs;chen Fernröhren mit einem<PB ID="P.1.41" N="41" TEIFORM="pb"/> hohlen, zu a&longs;tronomi&longs;chen mit zwoen, und zu Erdfernröhren mit noch mehrern erhabnen Augenglä&longs;ern verbunden. Ich will hier aus der angeführten Schrift des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fuß</HI> die Abme&longs;&longs;ungen dreyer achromati&longs;chen a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre mittheilen, welche bey geringer Länge dennoch ungemein &longs;tarke Vergrößerungen mit gehöriger Deutlichkeit geben. <TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergrößerung im Durchme&longs;&longs;er</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">320</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Brennweite des Objectivgla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,25</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">80</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durchme&longs;&longs;er der Apertur -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,00</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,40</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,80</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;ten</HI> convexen Lin&longs;e von<LB TEIFORM="lb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,78</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,68</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35,64</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er der Vorderfläche</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,32</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,70</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">68,04</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">- - der Hinterfläche</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,04</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,90</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">26,14</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Ab&longs;tand der Mitte die&longs;er Lin&longs;e<LB TEIFORM="lb"/> von der Mitte der zweyten</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,14</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,81</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyten</HI> auf beyden Sei-<LB TEIFORM="lb"/> ten gleich viel vertieften Lin&longs;e<LB TEIFORM="lb"/> von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,70</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,08</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">21,73</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Flächen</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,97</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,73</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25,22</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Ab&longs;tand ihrer Mitte von der<LB TEIFORM="lb"/> Mitte der dritten Lin&longs;e -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,14</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,81</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dritten</HI> auf beyden Seiten<LB TEIFORM="lb"/> gleich viel erhabnen Lin&longs;e von<LB TEIFORM="lb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,75</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,61</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35,23</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Flächen</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,92</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7,00</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37,35</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Ab&longs;tand des Objectivs vom<LB TEIFORM="lb"/> er&longs;ten Ocular - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,00</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14,75</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">79,74</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Des er&longs;ten Oculars von<LB TEIFORM="lb"/> Crownglas Brennweite -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,47</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,49</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,51</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder der beyden<LB TEIFORM="lb"/> Flächen - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,50</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,52</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,54</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">IV.</HI> Ab&longs;tand des er&longs;ten Oculars<LB TEIFORM="lb"/> vom zweyten -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,33</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">V.</HI> Des zweyten Oculars von<LB TEIFORM="lb"/> Crownglas Brennweite -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbm. jeder der beyden Flächen</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL></ROW><PB ID="P.1.42" N="42" TEIFORM="pb"/><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VI.</HI> Entfernung des Auges vom<LB TEIFORM="lb"/> lezten Ocular - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VII.</HI> Durchme&longs;&longs;er des Ge&longs;ichts-<LB TEIFORM="lb"/> feldes - - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2°13′</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">56 1/2′</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10 2/3′</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VIII.</HI> Länge des Fernrohrs -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,84</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16,20</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">85,60</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Nimmt man hiebey 1 Zoll für die Einheit an, &longs;o kan durch ein &longs;ieben Fuß langes Fernrohr eine 320 fache Vergrößerung im Durchme&longs;&longs;er erhalten werden, wozu &longs;on&longs;t, ohne Gebrauch eines achromati&longs;chen Objectivgla&longs;es, eine Länge von 200 Fuß nöthig gewe&longs;en wäre, welche das Fernrohr ganz unbrauchbar würde gemacht haben. Sollte man ja bey einer &longs;o kleinen Einheit, als 1 Zoll i&longs;t, die bis auf Hunderttheile vorge&longs;chriebene Genauigkeit der Maaße zu verfehlen fürchten, &longs;o wird man, durch Annehmung einer Einheit von 2 Zollen, noch immer die 320 fache Vergrö&longs;&longs;erung bey einer Länge von 14 Fuß, und die 60 fache bey einer von 3 Fuß erhalten können.</P><P TEIFORM="p">Man kan die dreyfachen Objectivglä&longs;er, welche weit mehr, als die doppelten, lei&longs;ten, leicht von den letztern unter&longs;cheiden, wenn man ihnen ein Licht vorhält, de&longs;&longs;en Flamme &longs;ich in jeder Glasfläche &longs;piegelt, und al&longs;o bey dem dreyfachen Objectivgla&longs;e &longs;echsfach, bey dem doppelten nur vierfach er&longs;cheint. Unter die&longs;en Bildern der Lichtflamme &longs;ind beym dreyfachen Objectivgla&longs;e drey umgekehrte, weil die Flächen 2, 3, 6, Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 7. gegen das vor 1 gehaltene Licht zu hohl &longs;ind; die übrigen drey Bilder er&longs;cheinen aufrecht.</P><P TEIFORM="p">Die engli&longs;chen Kün&longs;tler, vorzüglich beyde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollonds, Ramsden, Pyefinch</HI> u. a. haben &longs;olche achromati&longs;che Fernröhre &longs;eit ihrer Erfindung jederzeit in gro&longs;&longs;er Vollkommenheit verfertiget, ob &longs;ie &longs;ich gleich dabey mehr auf Proben und Ver&longs;uche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tâtonnement)</HI> verla&longs;&longs;en, als etwa die von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut, d'Alembert</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> angegebnen Formeln und Berechnungen gebraucht haben. Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettres a&longs;tronomiques. Berlin 1771. 8. lettre 5.)</HI> meldet, ihm &longs;ey von glaubwürdigen Per&longs;onen ver&longs;ichert worden, daß der jüngere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> eine<PB ID="P.1.43" N="43" TEIFORM="pb"/> große Menge Lin&longs;en von beyderley Glasarten auf Gerathewohl zu &longs;chleifen, und &longs;o lang ver&longs;chiedentlich zu combiniren pflege, bis er eine Zu&longs;ammen&longs;etzung finde, die im verfin&longs;terten Zimmer ein &longs;charf begrenztes farbenlo&longs;es Bild gebe; ja <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> habe ihm &longs;elb&longs;t ge&longs;agt, daß er fa&longs;t alles durch prakti&longs;che Vortheile und durchs Probiren ausrichte. Die Ur&longs;ache, warum man mit der Theorie allein nicht weit komme, &longs;ey der er&longs;taunliche Unter&longs;chied unter den Glasma&longs;&longs;en. Man pflege in den engli&longs;chen Glashütten das Glas in hohle Cylinder zu rollen, aus welchen die da&longs;igen Optiker, denen man dies erlaube, &longs;ich leicht die be&longs;ten aus&longs;uchen könnten: hernach aber &longs;chmelze man die übrigen Cylinder in ganze Ma&longs;&longs;en mit unebnen Oberflächen zu&longs;ammen, an welchen kein Men&longs;ch &longs;ehen könne, ob das Glas Bla&longs;en oder Streifen habe, oder nicht. Auswärtige Kün&longs;tler könnten das Glas fa&longs;t nie anders, als in der letzten Ge&longs;talt, erhalten, und bekämen es daher mei&longs;tentheils &longs;o &longs;chlecht, als möglich. Aehnliche Klagen findet man in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer's</HI> chymi&longs;chem Wörterbuche unter dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vergla&longs;ung.</HI> Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Anführen (Anfangsgr. der angewandten Mathematik, dritte Auflage. Göttingen, 1780. Dioptrik. S. 314.) klagen &longs;ogar die engli&longs;chen Kün&longs;tler, daß das Flintglas in England &longs;elb&longs;t &longs;chon lange nicht mehr in der vorigen Vollkommenheit verfertiget werde.</P><P TEIFORM="p">Man hat über die Be&longs;tandtheile der oftangeführten beyden Glasarten, des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintgla&longs;es</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crowngla&longs;es,</HI> Unter&longs;uchungen ange&longs;tellt, und Compo&longs;itionen von gleicher Wirkung ausfindig zu machen ge&longs;ucht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Johann Ern&longs;t Zeiher,</HI> nachmaliger Profe&longs;&longs;or der Mathematik zu Wittenberg, entdeckte noch während &longs;eines Aufenthalts in Rußland, daß die Farbenzer&longs;treuung der Glasarten &longs;tärker werde, wenn man viel Bleykalch zu der Zu&longs;ammen&longs;etzung der&longs;elben nehme (&longs;. &longs;eine Abhdl. von denjenigen Glasarten, welche eine ver&longs;chiedene Kraft, die Farben zu zer&longs;treuen, be&longs;itzen. Petersburg 1763. 4.), ingleichen, daß ein Zu&longs;atz von Laugen&longs;alzen zu einem Gemenge von Bleykalch und Kie&longs;el die Brechungskraft des Gla&longs;es vermindere,<PB ID="P.1.44" N="44" TEIFORM="pb"/> ohne die Farbenzer&longs;treuung im gering&longs;ten zu ändern. Er verfertigte auf die&longs;e Art ein Glas, welches das engli&longs;che Flintglas in Ab&longs;icht die&longs;er Wirkungen zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernröhre noch weit übertreffen &longs;ollte, weil es das Licht dreymal &longs;o &longs;tark, als das gemeine Glas, zer&longs;treute, da doch das Verhältniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintgla&longs;e betrug. Inzwi&longs;chen haben die&longs;e an &longs;ich merkwürdige Entdeckungen den Kün&longs;tlern wenig Vortheile ver&longs;chaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, &longs;olche ungewöhnliche Glascompo&longs;itionen nach den gehörigen Verhältni&longs;&longs;en auf den Glashütten zu erhalten, theils weil die Haupt&longs;ache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankömmt, welche dergleichen aus Materien von &longs;ehr ver&longs;chiedener Dichte zu&longs;ammenge&longs;etzte Glasarten noch weit häufiger, als das gewöhnliche Glas, annehmen. Man &longs;. hievon den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas.</HI> Statt des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crowngla&longs;es</HI> haben die Kün&longs;tler, welche außerhalb Englands achromati&longs;che Fernröhre verfertiget haben, ihre einheimi&longs;chen Glasarten gebrauchen können; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den grö&longs;ten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondi&longs;che Erfindung im er&longs;ten Anfange zu ver&longs;prechen &longs;chien.</P><P TEIFORM="p">Wie groß übrigens &longs;chon diejenigen Vortheile &longs;ind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Gentil</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. des &longs;c. de Paris. 1755. p. 462.)</HI> vergrößerte &longs;ein Fernrohr von 18 pari&longs;er Fuß Länge 63mal, und da &longs;ich &longs;on&longs;t die Längen, wie die Quadratzahlen der Vergrößerung, verhalten mu&longs;ten, &longs;o würde eine 126 fache Vergrößerung 72 Fuß Länge erfordert haben. Das achromati&longs;che Fernrohr des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Me&longs;&longs;ier</HI> hingegen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. des &longs;c. 1775. p. 213.)</HI> vergrößerte 120mal bey einer Länge von 40 Zollen, d. h. es that fa&longs;t gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich über 21 mal kürzer war. Man kan nemlich durch achromati&longs;che Fernröhre bey einer &longs;ehr geringen Länge dennoch weit beträchtlichere Vergrößerungen,<PB ID="P.1.45" N="45" TEIFORM="pb"/> ohne Schaden der Deutlichkeit, erhalten; und obgleich die Spiegeltele&longs;cope eben die&longs;es auch lei&longs;ten, &longs;o behalten doch die Fernröhre den Vorzug, daß &longs;ie die Gegen&longs;tände lebhafter dar&longs;tellen, auch wohlfeiler und von unwandelbarerer Dauer &longs;ind.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley's</HI> Ge&longs;chichte und gegenwärtiger Zu&longs;tand der Optik durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">G. S. Klügel.</HI> S. 339. u. f. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I. E. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Zeiher</HI> programmata II. de novis dioptricae augmentis. Viteb. 1768 et 1773. 4.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Adhä&longs;ton, Anhängen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Adhä&longs;ton, Anhängen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Adhae&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Adhé&longs;ion, Adhérence</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er Name wird dem allgemeinen Phänomen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> in dem be&longs;ondern Falle beygelegt, wenn zween <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chiedene</HI> Körper bey ihrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Berührung</HI> mit einander, oder bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ehr geringer Entfernung</HI> von einander, &longs;o verbunden werden, daß eine äußere Kraft nöthig i&longs;t, um &longs;ie wieder zu trennen. Haupt&longs;ächlich wird die&longs;er Name gebraucht, wenn von gedachten Körpern der eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">flüßig,</HI> der andere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">fe&longs;t</HI> i&longs;t, und man &longs;agt alsdann, daß &longs;ich der flüßige an den fe&longs;ten anhänge.</P><P TEIFORM="p">So hängt &longs;ich das Wa&longs;&longs;er an den darein getauchten Finger oder an eine Glasröhre an: es bleibt nach dem Herausziehen etwas Wa&longs;&longs;er an dem eingetauchten Körper hängen. Man &longs;agt im gemeinen Leben, der Finger oder das Glas werde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">naß</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">benetzt;</HI> und das anhängende Wa&longs;&longs;er geht nicht herab, bis es durch eine äußere Kraft, durch Abreiben, durch die Wirkung der Wärme u. dgl. hinweggenommen, d. i. bis der benetzte Körper durch irgend eine äußere Einwirkung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">getrocknet</HI> wird. Alle dergleichen Benetzungen fe&longs;ter Körper mit flüßigen &longs;ind Bey&longs;piele der Adhä&longs;ion bey einer wirklich vorgegangenen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Berührung.</HI></P><P TEIFORM="p">Das Wa&longs;&longs;er und andere Flüßigkeiten ziehen &longs;ich aber auch in Schwämmen, Lö&longs;chpapier u. dgl., die man nur zum Theil eintaucht, nach und nach in die Höhe. Dies &longs;ind Bey&longs;piele einer Adhä&longs;ion oder eines Anziehens, das auch in einiger, wiewohl &longs;ehr geringer, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Entfernung</HI> &longs;chon wirk&longs;am i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Nothwendig mü&longs;&longs;en die Theilchen einer flüßigen Materie, welche &longs;ich an einen fe&longs;ten Körper anhängen, von<PB ID="P.1.46" N="46" TEIFORM="pb"/> die&longs;es Körpers Oberfläche &longs;tärker angezogen werden, als &longs;ie unter &longs;ich &longs;elb&longs;t zu&longs;ammenhängen. Denn die anhängenden Theile rei&longs;&longs;en &longs;ich ja von den übrigen los, um an dem Körper zu bleiben, oder &longs;ich an ihn zu hängen. Wenn daher die Wirkungen des Anhängens nicht erfolgen, &longs;o kann man &longs;chließen, daß die Theile der flüßigen Materie unter &longs;ich &longs;elb&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tärker</HI> zu&longs;ammenhängen, als &longs;ie von dem fe&longs;ten Körper angezogen werden. So muß der Zu&longs;ammenhang der Theile des Queck&longs;ilbers unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;tärker als ihr Anhängen an die Epidermis oder an das Glas &longs;eyn; denn der Finger oder die Glasröhre werden vom Queck&longs;ilber nicht benetzt, &longs;ondern trocken herausgezogen.</P><P TEIFORM="p">Queck&longs;ilber benetzt Bley, Gold, Silber und andere Metalle, da es hingegen Ei&longs;en, Glas rc. trocken lä&longs;t. Wa&longs;&longs;er hängt &longs;ich an die mei&longs;ten Körper, nur dann nicht, wenn ihre Oberflächen mit Oel und andern fetten Materien, mit Bärlapp oder Hexenmehl <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;emen lycopodii)</HI> rc. bedeckt &longs;ind. Schon die&longs;e wenigen Bey&longs;piele zeigen, daß &longs;ich ver&longs;chiedene Materien mit ver&longs;chiedener Stärke anziehen, und daß das Anhängen bisweilen &longs;tärker, bisweilen &longs;chwächer, als der Zu&longs;ammenhang der Theile flüßiger Körper unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;ey. Einige Naturfor&longs;cher haben hierüber das allgemeine Ge&longs;etz annehmen wollen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">daß flüßige Ma&longs;&longs;en mit &longs;pecifi&longs;ch &longs;chwereren fe&longs;ten Ma&longs;&longs;en &longs;tärker, mit &longs;pecifi&longs;ch leichtern hingegen &longs;chwächer, als unter &longs;ich, zu&longs;ammenhängen.</HI> Die&longs;e Behauptung wird zwar dadurch wahr&longs;cheinlich, daß &longs;chwere Flüßigkeiten, wie Queck&longs;ilber, &longs;ich nur an wenige, und an die &longs;chwer&longs;ten fe&longs;ten Körper, leichte hingegen, wie Wa&longs;&longs;er, &longs;ich fa&longs;t an alle fe&longs;te Körper, hängen. Es i&longs;t aber die Allgemeinheit des Satzes bey weitem noch nicht erwie&longs;en, und die Erfahrung &longs;timmt nicht allezeit mit ihm überein; wenn man auch gleich die nöthige Ein&longs;chränkung beyfügt, daß man ihn nicht von der &longs;pecifi&longs;chen Schwere der ganzen Zu&longs;ammen&longs;etzung, &longs;ondern von der Schwere der einzelnen Theile der Körper ver&longs;tehen mü&longs;&longs;e. Die einzelnen Theile eines Körpers nemlich können &longs;pecifi&longs;ch<PB ID="P.1.47" N="47" TEIFORM="pb"/> &longs;chwerer als Wa&longs;&longs;er &longs;eyn, wenn gleich der ganze Körper in &longs;einer Zu&longs;ammen&longs;etzung &longs;pecifi&longs;ch leichter, als da&longs;&longs;elbe, i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die Ur&longs;ache der Adhä&longs;ion i&longs;t wohl ein für uns unerfor&longs;chliches Geheimniß; ich beziehe mich hierüber gänzlich auf dasjenige, was unter dem Artikel <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> hievon ge&longs;agt wird, und beguüge mich, dasjenige, was hier mit dem Namen Adhä&longs;ion bezeichnet wird, als ein unläugbares, durch unzählige Erfahrungen bewie&longs;enes, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phänomen</HI> anzu&longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Die Wirkungen der Adhä&longs;ion &longs;ind &longs;ehr zahlreich. Außer dem Benetzen oder Naßwerden eingetauchter Körper, gehören dahin noch folgende Phänomene.</P><P TEIFORM="p">Flüßige Körper nehmen in Gefäßen aus &longs;olchen Materien, welche von ihnen benetzt werden, keine vollkommen horizontale Oberfläche an; &longs;ie &longs;teigen vielmehr um den Rand der Gefäße herum etwas in die Höhe. In Gefä&longs;&longs;en hingegen, welche nicht von ihnen benetzt werden, &longs;tehen &longs;ie am Rande etwas tiefer, als in der Mitte. So hat Wa&longs;&longs;er im glä&longs;ernen Gefäße eine Oberfläche, die in der Mitte vertieft, und ringsumher am Rande des Gla&longs;es aufwärts gekrümmt i&longs;t: Queck&longs;ilber im Gla&longs;e hingegen zeigt eine in der Mitte erhabne und ringsumher am Rande unterwärts gekrümmte Oberfläche. Leicht auf dem Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmende Körper bewegen &longs;ich dahin, wo des Wa&longs;&longs;ers Oberfläche am höch&longs;ten &longs;teht; daher &longs;cheinen &longs;ie von dem Rande der Gefäße angezogen zu werden.</P><P TEIFORM="p">Tropfen einer flüßigen Materie zerfließen auf den Oberflächen &longs;olcher Körper, welche die&longs;e flüßige Materie benetzt; &longs;ie behalten hingegen ihre Kugelge&longs;talt (welche nur durch das Gewicht der obern Theile des Tropfens ein wenig platt gedrückt wird) auf &longs;olchen Körpern, welche von ihnen nicht benetzt werden. So zerfließt Wa&longs;&longs;er auf Glas, Queck&longs;ilber auf Bley; eine platte Kugelge&longs;talt aber behält das er&longs;tere auf Hexenmehle, auf polirten Metallflächen, auf den Blättern vieler Gewäch&longs;e (daher die Thautropfen ent&longs;tehen), auf fetten Flächen, das letztere auf Gla&longs;e und den mei&longs;ten Körpern überhaupt.<PB ID="P.1.48" N="48" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Wa&longs;&longs;er aus einem glä&longs;ernen Gefäße gego&longs;&longs;en, läuft leicht am äußern Rande des Gefäßes herunter, be&longs;onders, wenn man lang&longs;am gießt, oder wenn das Gefäß &longs;ehr voll i&longs;t. Ein ausge&longs;chweifter Rand oder ge&longs;chneuzter Ausguß verhindert dies, weil er dem auslaufenden Wa&longs;&longs;er eine Richtung giebt, die es bey ge&longs;chwindem Gießen &longs;chnell vom Gla&longs;e abführt. Queck&longs;ilber hingegen läuft nie am Gla&longs;e, wohl aber an metallenen Gefäßen herab.</P><P TEIFORM="p">Ein Wa&longs;&longs;ertropfen, der an einem &longs;chief gehaltenen Gla&longs;e auswendig herabrinnt, nimmt eine unregelmäßige Ge&longs;talt an, welche den Streit zwi&longs;chen dem Gewichte, dem Zu&longs;ammenhange und dem Anhängen &longs;einer Theile an das Glas &longs;ehr deutlich zeigt.</P><P TEIFORM="p">Auch beym Durchfließen einer flüßigen Materie durch die engen Zwi&longs;chenräume der Leinwand, des Lö&longs;chpapiers u. dgl. muß die&longs;e Anziehung zwi&longs;chen den Theilen beyder Körper das ihrige beytragen. So kan man Queck&longs;ilber in einem Beutel von Leinwand oder gar von Flor tragen, ohne daß es durchfließt, da doch das viel leichtere Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich durchfließen würde. Durch das weit dichtere Leder lä&longs;t &longs;ich Queck&longs;ilber mit mäßiger Kraft durchdrücken.</P><P TEIFORM="p">In &longs;ehr engen Röhren ent&longs;tehen aus dem Anhängen der flüßigen Materien Wirkungen, welche be&longs;onders betrachtet zu werden verdienen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Haarröhren.</HI></P><P TEIFORM="p">Auch die Luft hängt &longs;ich an die mei&longs;ten fe&longs;ten Körper, und es ko&longs;tet in &longs;olchen Fällen, wo &longs;ie hinderlich fällt, z. B. bey der Verfertigung der Barometer, nicht wenig Mühe, die Glasröhren ganz von der an ihnen anhängenden Luft zu befreyen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erxleben</HI> Anfangsgr. der Naturlehre. Sech&longs;ter Ab&longs;chnitt. §. 180 u. f.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aeolipile &longs;. Windkugel.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aequator, Gleicher, Aequinoctialkreis" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aequator, Gleicher, Aequinoctialkreis, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aequator, Circulus aequinoctialis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Equateur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;t am Himmel derjenige grö&longs;te Kreis der Sphäre, welcher von den Weltpolen überall um 90 Grad entfernt i&longs;t, de&longs;&longs;en Pole<PB ID="P.1.49" N="49" TEIFORM="pb"/> al&longs;o die Weltpole &longs;elb&longs;t &longs;ind, &longs;o wie &longs;eine Axe die Weltaxe &longs;elb&longs;t i&longs;t. Es &longs;tehen daher alle durch die Weltpole gehende Krei&longs;e (Mittagskreis, Abweichungskrei&longs;e, Stundenkrei&longs;e) auf ihm &longs;enkrecht, und alle grö&longs;te Krei&longs;e der Sphäre, z. B. Horizont, Ekliptik u. &longs;. w. &longs;chneiden &longs;ich mit ihm unter gleichen Helften. Die tägliche Bewegung der Ge&longs;tirne um die Pole ge&longs;chieht nach der Richtung die&longs;es Krei&longs;es, d. i. jedes Ge&longs;tirn be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator parallel laufenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagkreis.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Aequator theilt die ganze Himmelskugel in zwo gleiche Helften, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">nördliche</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;üdliche Halbkugel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale)</HI> ein.</P><P TEIFORM="p">Von &longs;einen beyden Durch&longs;chnittspunkten mit dem Horizonte fällt dem gegen Mittag gekehrten Zu&longs;chauer der eine, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Morgenpunkt,</HI> zur Linken, der andere, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendpunkt,</HI> zur Rechten. Jederzeit und an allen Orten der Erde i&longs;t die eine Helfte des Aequators über, die andere unter dem Horizonte. Wenn al&longs;o die Sonne in die&longs;en Kreis tritt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und Nacht gleich; hievon &longs;ind &longs;eine Benennungen herzuleiten.</P><P TEIFORM="p">Seine beyden Durch&longs;chnittspunkte mit der Ekliptik oder jährlichen Sonnenbahn, hei&longs;&longs;en eben daher die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Punkte der Nachtgleichen,</HI> und insbe&longs;ondere derjenige, in welchen die Sonne jährlich um den 21 März tritt, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Frühlingspunkt,</HI> der andere, welchen die Sonne jährlich um den 21 Sept. erreicht, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Herb&longs;tpunkt.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Aequator i&longs;t für die Sternkunde von der grö&longs;ten Wichtigkeit. Schon in den älte&longs;ten Zeiten hat man ihn gebraucht, um die Lagen der Ge&longs;tirne gegen ihn zu be&longs;timmen. In die&longs;er Ab&longs;icht theilt man ihn jezt, wie jeden andern Kreis, in 360 Grade, und die&longs;e ferner in Minuten, Secunden u. &longs;. f. Man fängt die&longs;e Theile vom <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Frühlingspunkte</HI> (der daher des Aequators Anfangspunkt i&longs;t) morgenwärts zu zählen an. Nach &longs;olchen Graden und ihren Theilen werden die geraden Auf&longs;teigungen der Ge&longs;tirne angegeben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung, gerade.</HI></P><P TEIFORM="p">Auch bedient man &longs;ich die&longs;es Krei&longs;es &longs;ehr vortheilhaft zum Maaße der Zeit. Da die tägliche Bewegung<PB ID="P.1.50" N="50" TEIFORM="pb"/> mit vollkommen gleichförmiger Ge&longs;chwindigkeit erfolgt, &longs;o &longs;chieben &longs;ich in gleichen Zeiten gleichgroße Bogen des Aequators durch den Mittagskreis. Da nun alle 360° zu die&longs;em Durch&longs;chieben 24 Stunden brauchen, &longs;o gehen 15° des Aequators in 1 Stunde, 1° in (1/15) Stunde oder in 4 Minuten, 1′ des Aequators in 4 Secunden u. &longs;. f. hindurch. Sind al&longs;o z. B. in der Zwi&longs;chenzeit zwi&longs;chen zween Augenblicken 4 Grade des Aequators durch den Mittagskreis gegangen, &longs;o &longs;chließt man nach der Regel de Tri <HI REND="math" TEIFORM="hi">1 Grad : 4 Min. Zeit = 4 Grad : 16 Min. Zeit,</HI> und findet die&longs;e Zwi&longs;chenzeit 16 Minuten. Die auf die&longs;e Art be&longs;timmte Zeit i&longs;t Sternzeit oder Zeit der er&longs;ten Bewegung, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sternzeit.</HI> Umgekehrt kan man auch leicht berechnen, wie viel Grade, Minuten u. &longs;. w. des Aequators in jeder gegebnen Zeit durch den Mittagskreis gehen. Man nennt die&longs;es: Sternzeit in Bogen des Aequators, und Bogen des Aequators in Sternzeit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verwandlen.</HI> Da das Verhältniß der Sternzeit zur mittlern Sonnenzeit gegeben i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sonnenzeit,</HI> &longs;o lä&longs;t &longs;ich auch für mittlere Sonnenzeit die&longs;e Verwandlung leicht bewerk&longs;telligen. Die Sammlungen a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln enthalten Tabellen, welche zur Erleichterung &longs;olcher Verwandlungen dienen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequator der Erde, die Linie, Aequinoctiallinie,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aequator telluris, Linea aequinoctialis, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Equateur de la terre, la Ligne, Ligne équinoxiale,</HI></HI> hei&longs;t auf der Erdkugel derjenige grö&longs;te Kreis, welcher von den Polen der Erde überall 90° weit ab&longs;teht, mithin die Pole der Erde &longs;elb&longs;t zu &longs;einen Polen, und die Erdaxe zu &longs;einer Axe hat. Alle Mittagskrei&longs;e &longs;tehen, weil &longs;ie durch die Pole gehen, auf ihm &longs;enkrecht. Die tägliche Umdrehung der Erde um ihre Axe erfolgt nach &longs;einer Richtung, d. i. jeder Ort der Erde be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator parallel laufenden Kreis von Abend gegen Morgen.</P><P TEIFORM="p">Auf der Erdfläche durch&longs;chneidet die&longs;er Kreis Afrika, geht unter A&longs;ien hinweg durch die In&longs;eln Sumatra, Borneo, Celebes und Gilolo, er&longs;treckt &longs;ich hierauf weit durch<PB ID="P.1.51" N="51" TEIFORM="pb"/> die Süd&longs;ee, erreicht und durch&longs;chneidet Amerika in der &longs;üdlichen Hel&longs;te an der Grenze von Terraferma, und läuft dann durch das große Weltmeer wieder bis an Afrika. Alle Orte, die er durch&longs;chneidet, haben den Aequator des Himmels über ihrem Scheitel, und &longs;ehen daher die Sonne jährlich zweymal (um den 21 März und 21 Sept.) im Mittage über ihrem Haupte &longs;tehen. Auch i&longs;t bey ihnen das ganze Jahr hindurch Tag und Nacht gleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sphäre,</HI> welcher Um&longs;tand die Benennung die&longs;es Krei&longs;es veranla&longs;&longs;et hat. Den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Linie</HI> pflegen ihm die Schiffer zu geben.</P><P TEIFORM="p">Er theilt die Erde in die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">nördliche</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;üdliche Halbkugel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale)</HI> ein.</P><P TEIFORM="p">Die Geographen zählen von ihm aus die Breiten der Orte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Breite, geographi&longs;che,</HI> theilen ihn, wie jeden Kreis, in 360 Grade, und geben in &longs;olchen Graden die Unter&longs;chiede oder Ab&longs;tände der Mittagskrei&longs;e von einander an, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Mittagskrei&longs;e der Erde.</HI> Will man die Grade des Aequators der Erde von einem be&longs;timmten Anfangspunkte aus zählen, &longs;o i&longs;t die Wahl die&longs;es Punktes willkührlich, daher ihn ver&longs;chiedene Geographen an ver&longs;chiedene Orte &longs;etzen. I&longs;t aber die&longs;er Punkt gewählt, &longs;o hei&longs;t der durch ihn und beyde Pole gehende Kreis der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Mittagskreis,</HI> und man zählt alsdann von dem&longs;elben aus die Grade des Aequators von Abend gegen Morgen.</P></DIV2><DIV2 N="Aequatorhöhe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aequatorhöhe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Elevatio aequatoris</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Hauteur meridienne de l' équateur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&longs;t der Bogen, um welchen der im Mittagskrei&longs;e &longs;tehende Punkt des Aequators über den Horizont erhaben i&longs;t. Wenn Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HOR</HI> den Horizont des Orts, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P, p</HI> die beyden Pole, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PAHpRP</HI> den Mittagskreis, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQ</HI> den Aequator vor&longs;tellt, &longs;o i&longs;t der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AH</HI> die Aequatorhöhe. Die&longs;er Bogen mißt nach den Sätzen der Sphärik den Winkel, welchen die Ebne des Aequators mit der Horizontalebne macht, oder den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOH,</HI> unter welchem der Aequator über den Horizont hervor&longs;teigt. Weil<PB ID="P.1.52" N="52" TEIFORM="pb"/> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">HAPR</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">HA+AP+PR</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">180°</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90°</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" COLSPAN="2"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HA + PR</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90°</CELL></ROW></TABLE> oder die Aequatorhöhe macht mit der Polhöhe des Orts jederzeit eine Summe von 90° aus. Kennt man daher die Polhöhe eines Orts, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Polhöhe,</HI> &longs;o giebt &longs;ie, von 90° abgezogen, de&longs;&longs;elben Orts Aequatorhöhe. Z. B. <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90°</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">89°</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">59′</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60″</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Polhöhe von Leipzig</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">51</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">41</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aequatorhöhe in Leipzig</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">38</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctialkreis &longs;. Aequator.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctiallinie &longs;. Aequator der Erde.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctialpunkte, Puncte der Nachtgleichen,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Puncta aequinoctiorum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">points équinoxiaux,</HI></HI> &longs;ind die beyden Durch&longs;chnittspunkte des Aequators mit der Ekliptik oder jährlichen Sonnenbahn, welche, wie alle Durch&longs;chnittspunkte zweener grö&longs;ten Krei&longs;e, einander dem Durchme&longs;&longs;er nach entgegen&longs;tehen, oder um 180° von einander entfernt &longs;ind. Wenn die Sonne bey ihrem &longs;cheinbaren jährlichen Umlaufe die&longs;e Punkte erreicht, und al&longs;o in den Aequator kömmt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und Nacht gleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aequator,</HI> woher auch der Name die&longs;er Punkte kömmt. Derjenige, welchen die Sonne um den 21 März erreicht, wird der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Frühlingspunkt,</HI> oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Punkt des Widders</HI> (0° <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>), der, in welchen &longs;ie um den 21 Sept. tritt, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Herb&longs;tpunkt,</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Punkt der Wage</HI> (0° <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>) genennt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Frühlingspunkt, Herb&longs;tpunkt.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctium &longs;. Nachtgleiche.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aerometrie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aerometrie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aërometria</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aërometrie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&longs;t die mathemati&longs;che Betrachtung der Eigen&longs;chaften der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luft,</HI> z. B. ihrer Schwere, Ela&longs;ticität, Temperatur, Feuchtigkeit u. &longs;. w. Der Freyherr von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> hat zuer&longs;t ver&longs;chiedene &longs;chon vor ihm ange&longs;tellte mathemati&longs;che Unter&longs;uchungen über die Eigen&longs;chaften der Luft, neb&longs;t &longs;einen eignen,<PB ID="P.1.53" N="53" TEIFORM="pb"/> ge&longs;ammlet, und im Jahre 1709 zu Leipzig unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Elementa Aërometriae,</HI> herausgegeben. Seitdem i&longs;t es gewöhnlich geworden, die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft als einen be&longs;ondern Theil der angewandten Mathematik anzu&longs;ehen, und man hat ihr nach der Zeit mehrere wichtige Erweiterungen und Zu&longs;ätze beygefügt. Denn</P><P TEIFORM="p">1) &longs;ind die Werkzeuge, wodurch &longs;ich die Eigen&longs;chaften der Luft wahrnehmen und zum Theil abme&longs;&longs;en la&longs;&longs;en, &longs;eit des Herrn v. Wolf Zeiten ungemein verbe&longs;&longs;ert worden, wovon man die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luftpumpe, Barometer, Thermometer, Hygrometer</HI> u. a. nach&longs;ehen kan.</P><P TEIFORM="p">2) i&longs;t die Theorie der Höhenme&longs;&longs;ungen mit dem Barometer &longs;eitdem weit mehr bearbeitet und berichtiget worden, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">3) hat man in neuern Zeiten außer der atmo&longs;phäri&longs;chen Luft viele andere ela&longs;ti&longs;che flüßige Materien kennen gelernt, die in Ab&longs;icht auf Druck, Ela&longs;ticität u. &longs;. f. auf ähnliche Art wirken. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gas.</HI> Daher la&longs;&longs;en &longs;ich jezt die Unter&longs;uchungen der Aerometrie auf alle ela&longs;ti&longs;che flüßige Materien überhaupt anwenden, und man muß unter dem Namen der Luft oft alle die&longs;e Luftgattungen oder Gasarten ver&longs;tehen, &longs;o wie in der Hydro&longs;tatik, Hydraulik rc. der Name Wa&longs;&longs;er alle flüßige Materien bedeutet.</P><P TEIFORM="p">4) Die ganz neue Erfindung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;taten</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luftbälle,</HI> wovon der näch&longs;tfolgende Artikel mehrere Nachricht giebt, hat einen neuen Ab&longs;chnitt der Aerometrie veranla&longs;&longs;et, welchem man den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tatik</HI> beygelegt hat. Die&longs;er Name i&longs;t zwar nicht ganz &longs;chicklich, da Aero&longs;tatik eigentlich die Lehre vom Gleichgewicht der Luft mit &longs;ich &longs;elb&longs;t und mit fremden Körpern bedeutet; er &longs;cheint aber bereits angenommen zu &longs;eyn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aero&longs;tatik.</HI></P><P TEIFORM="p">5) Da die vom Herrn von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> ge&longs;ammleten Unter&longs;uchungen grö&longs;tentheils blos <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tati&longs;ch</HI> waren, oder den Zu&longs;tand des Gleichgewichts betrafen, &longs;o hat man &longs;eitdem auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> ela&longs;ti&longs;cher flüßigen Materien in Betrachtung gezogen, und den Unter&longs;uchungen darüber den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pnevmatik</HI> gegeben. So, wie Anwendungen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">höhern</HI> Mathematik auf die Lehre von Druck und<PB ID="P.1.54" N="54" TEIFORM="pb"/> Bewegung fe&longs;ter und flüßiger Körper die Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dynamik</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hydrodynamik</HI> führen, &longs;o könnte man den aerometri&longs;chen und pnevmati&longs;chen Unter&longs;uchungen, welche Anwendungen der höhern Mathematik erfordern, den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aerodynamik</HI> beylegen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Pnevmatik.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aero&longs;tat, aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Montgolfiere, Luftball" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aero&longs;tat, aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Montgolfiere, Luftball, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Machina aëro&longs;tatica</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aëro&longs;tat, Machine ou Ballon aëro&longs;tatique, Montgolfiere</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine Ma&longs;chine, welche in der uns umgebenden Luft von &longs;elb&longs;t auf&longs;teigt, auch wohl Men&longs;chen und beträchtliche La&longs;ten mit &longs;ich erhebt. Die Erfindung die&longs;er Ma&longs;chinen i&longs;t un&longs;treitig eine der grö&longs;ten Entdeckungen der neuern Zeit; da es mit den Naturge&longs;etzen zu &longs;treiten &longs;cheint, daß eine La&longs;t in freyer Luft nicht allein &longs;chweben, &longs;ondern &longs;ogar empor&longs;teigen &longs;olle, &longs;o i&longs;t die Bewerk&longs;telligung die&longs;er für unmöglich gehaltenen Sache für den Unerfahrnen eben &longs;o er&longs;taunenswürdig, als &longs;ie für den Kenner wichtig i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Ver&longs;uche, zu fliegen, mögen &longs;chon in den älte&longs;ten Zeiten gemacht worden &longs;eyn; vielleicht hat die Fabel vom Dädalus und Icarus auf etwas ähnliches Beziehung. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Noctes atticae, L. X. c. 12.)</HI> erzählt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Archytas von Tarent</HI> habe eine fliegende Taube von Holz verfertigt, welche durch mechani&longs;che Kräfte und einen einge&longs;chlo&longs;&longs;enen Hauch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(aura &longs;piritus inclu&longs;a)</HI> belebt worden &longs;ey. Man hat dies für einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft erklären, und &longs;chon die ganze Methode der Neuern darinn finden wollen, ohne zu bedenken, wie groß die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">hölzerne</HI> Taube ausfallen mu&longs;te, wenn &longs;ie von einer einge&longs;chlo&longs;&longs;enen leichten Luftgattung gehoben werden &longs;ollte. Mehrere dergleichen Erzählungen und Vor&longs;chläge zu Flugma&longs;chinen aus ältern und neuern Zeiten hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Murr</HI> (Auszug aus des Faujas de St. Fond Be&longs;chreibung der aero&longs;tat. Ver&longs;. Nürnb. 1784. 8.) &longs;ehr voll&longs;tändig ge&longs;ammlet. Unter den von ihm angeführten Vor&longs;chlägen &longs;ind die des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franz Lana</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Lanis</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Prodromo dell' arte mae&longs;tra. Bre&longs;cia 1670. fol.)</HI> und des P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galien</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(L' art de naviger dans les airs. Avignon 1755. 12.)</HI> die merkwürdig&longs;ten.<PB ID="P.1.55" N="55" TEIFORM="pb"/> Der er&longs;tere wollte ein Luft&longs;chiff durch luftleere küpferne Kugeln heben, der zweyte träumte &longs;ich eine Ma&longs;chine von der Größe der Stadt Avignon, aus Leinwand mit Wachs und Theer be&longs;trichen, welche mit leichterer Luft aus den höhern Regionen der Atmo&longs;phäre, woraus der Hagel herabkömmt, angefüllt werden &longs;ollte. Es bedarf nur geringer Ein&longs;icht in die Gründe der Naturlehre, um die Unmöglichkeit des er&longs;ten Vor&longs;chlags einzu&longs;ehen, und mit dem zweyten &longs;cheint es &longs;einem Urheber kein Ern&longs;t gewe&longs;en zu &longs;eyn. Inzwi&longs;chen beruhen doch beyde auf dem &longs;ehr richtigen Grund&longs;atze, daß ein Körper in der Luft auf&longs;teigen mü&longs;&longs;e, wenn er leichter i&longs;t, als die Luft, die mit ihm einen gleichen Raum einnimmt, und daß es daher blos einer großen &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit des Ganzen und einer für die Luft undurchdringlichen Hülle bedürfe. Die&longs;e Leichtigkeit &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana</HI> durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">luftleeren Raum</HI> zu ver&longs;chaffen, und mu&longs;te daher eine Hülle von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kupfer</HI> wählen, welche dem Drucke der äußern Luft zu wider&longs;tehen vermögend war; die&longs;e Hülle wird entweder zu &longs;chwer, oder &longs;ie muß &longs;o dünn &longs;eyn, daß dadurch die Möglichkeit der Ausführung ganz aufgehoben wird; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galien</HI> war in der Wahl der Hülle glücklicher, und hätte er &longs;tatt &longs;einer obern Luft aus den Regionen des Hagels, eine durch Feuer verdünnte Luft gewählt, &longs;o wäre &longs;einen Nachfolgern nichts, als die Ausführung, übriggeblieben.</P><P TEIFORM="p">Nachdem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavendi&longs;h</HI> um das Jahr 1766 die große Leichtigkeit der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren Luft</HI> entdeckt hatte (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gas, brennbares</HI>), kam D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Black</HI> in Edinburgh ein oder zwey Jahre darauf zuer&longs;t auf den Gedanken, daß eine dünne Bla&longs;e, mit &longs;olcher Luft gefüllt, in der Atmo&longs;phäre auf&longs;teigen würde, ohne jedoch Ver&longs;uche darüber anzu&longs;tellen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo,</HI> der die&longs;en Gedanken ebenfalls gehabt hatte, fieng im Jahre 1782 eine Reihe von Ver&longs;uchen hierüber an, fand aber das Papier, in welches er die brennbare Luft ein&longs;chließen wollte, zu durchdringlich, die Schweinsbla&longs;en hingegen zu &longs;chwer. Das einzige, was ihm gelang, war, Seifenbla&longs;en mit brennbarer Luft gefüllt hervorzubringen, welche auf&longs;tiegen und an der Decke des<PB ID="P.1.56" N="56" TEIFORM="pb"/> Zimmers zerplatzten. (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;. The hi&longs;tory and practice of aëro&longs;tation by <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Tiberius Cavallo.</HI> London 1785. gr. 8. p. 34.</HI> Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tib. Cavallo.</HI> Leipzig 1786. 8. S. 24 u. f.) Eben dergleichen Seifenbla&longs;en &longs;ind auch im Jahre 1782 in Göttingen von Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> gemacht worden, und wahr&longs;cheinlich die er&longs;ten &longs;ichtbar in der Luft auf&longs;teigenden Körper gewe&longs;en, welche die men&longs;chliche Kun&longs;t hervorgebracht hat.</P><P TEIFORM="p">Die große Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen ward im Augu&longs;t 1782 von zween Brüdern, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stephan</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jo&longs;eph Montgolfier,</HI> Papierfabrikanten zu Annonay in Vivarais, Männern von Genie und eifrigen Liebhabern der Naturlehre, gemacht. Nach der Erzählung des jüngern Bruders <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;cours lû à l' acad. des &longs;c. de Lyon. Nov. 1783.)</HI> ver&longs;uchten &longs;ie anfänglich, wie Cavallo, Säcke von Papier mit brennbarer Luft zu füllen; kamen aber nachher durch das Bey&longs;piel der in der Luft &longs;chwebenden Wolken auf die Idee, eine durch Kun&longs;t erzeugte Wolke in eine undurchdringliche Hülle einzu&longs;chlie&longs;&longs;en, wobey &longs;ie auch den Gedanken mit einmi&longs;chten, daß die Leichtigkeit die&longs;er Wolke durch die Elektricität werde befördert werden können. Es gelang dem ältern Montgolfier, im November 1782 zu Avignon, ein hohles Parallelepipedum von Taffet, von 40 Cubik&longs;chuh Inhalt, nachdem es inwendig durch brennendes Papier erhitzt worden war, an die Decke des Zimmers &longs;teigen zu &longs;ehen. Kurz darauf wiederholten beyde Brüder die&longs;en Ver&longs;uch zu Annonay, und &longs;ahen das Parallelepipedum in freyer Luft eine Höhe von 70 Schuhen erreichen. Eine noch größere Ma&longs;chine von 650 Cubik&longs;chuh Inhalt &longs;tieg mit gleichem Erfolg; &longs;ie be&longs;chlo&longs;&longs;en daher, den Ver&longs;uch noch mehr ins Große zu treiben, verfertigten eine Ma&longs;chine von Leinwand, welche 35 Schuh im Durchme&longs;&longs;er hielt, 450 Pfund wog, und noch über 400 Pfund La&longs;t mit &longs;ich aufhob, und ließen die&longs;elbe nach einigen &longs;chon vorhergegangenen Ver&longs;uchen am 5ten Iunius 1783 zu Annonay in Gegenwart der Stände von Vivarais in die Luft &longs;teigen, in welcher &longs;ie in weniger als zehn Minuten eine Höhe von<PB ID="P.1.57" N="57" TEIFORM="pb"/> 1000 Toi&longs;en erreichte, und 7200 Schuh weit von dem Orte des Auf&longs;teigens niederfiel.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;en Nachrichten zufolge hat man die Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen nicht dem Zufalle, &longs;ondern dem Nachdenken und wiederholten Bemühungen zu danken. Dennoch &longs;cheinen die Erfinder &longs;elb&longs;t von der Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens ihrer Ma&longs;chinen nicht ganz richtige Begriffe gehabt zu haben. Das Mittel, de&longs;&longs;en &longs;ie &longs;ich bedienten, war, daß &longs;ie unter der Oefnung des ganz zu&longs;ammengefalteten leinenen Sackes ein Strohfeuer anzündeten, und von Zeit zu Zeit etwas gekrempelte Wolle in da&longs;&longs;elbe warfen. Dadurch entfaltete &longs;ich der Sack, &longs;chwoll auf, und &longs;tieg endlich in der Luft empor. Die Erfinder &longs;chrieben die&longs;es Au&longs;&longs;teigen nicht der wahren Ur&longs;ache zu, welche darinn be&longs;teht, daß der Sack mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> oder durchs Feuer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verdünnter Luft</HI> angefüllt wird; &longs;ie glaubten vielmehr, es werde durch die Verbrennung des Strohes und der Wolle ein eignes <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> entbunden, welches leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft &longs;ey, und dem &longs;chon in einigen Schriften der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier&longs;ches Gas</HI> beygelegt ward. Die&longs;es, &longs;o wie die Idee einer kün&longs;tlichen Wolke, und der Vor&longs;chlag, die Elektricität dabey zu gebrauchen, zeigt, daß die Erfindung wenig&longs;tens auf einem &longs;ehr indirecten Wege gemacht worden &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Der Ruf von die&longs;er er&longs;taunenswürdigen Entdeckung verbreitete &longs;ich bald; weil aber die Mittel, deren &longs;ich die Montgolfiers bedienten, nicht &longs;ogleich bekannt wurden, &longs;o fielen die Pari&longs;er Naturfor&longs;cher auf die Vermuthung, der Ver&longs;uch zu Annonay werde &longs;ich vermittel&longs;t der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren Luft</HI> nachahmen la&longs;&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles,</HI> Profe&longs;&longs;or der Phy&longs;ik zu Paris, verfertigte mit Hülfe der Gebrüder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert,</HI> zweener ge&longs;chickten Mechaniker, eine Kugel von Taffet mit Firniß von ela&longs;ti&longs;chem Harz überzogen, welche mit brennbarer Luft aus Ei&longs;en und Vitriolöl gefüllt und den 27 Augu&longs;t 1783 im Champ de Mars in die Luft aufgela&longs;&longs;en wurde. Ihr Durchme&longs;&longs;er war 12 Fuß 2 Zoll; &longs;ie wog 25 Pfund, &longs;tieg in zwo Minuten auf eine Höhe von 488 Toi&longs;en, ver&longs;chwand in den Wolken, und fiel nach<PB ID="P.1.58" N="58" TEIFORM="pb"/> dreyen Viertel&longs;tunden bey dem Dorfe Gone&longs;&longs;e, 5 Stunden weit von Paris, &longs;ehr &longs;anft nieder.</P><P TEIFORM="p">So theilten &longs;ich die aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen gleich bey ihrer Erfindung in zwo Cla&longs;&longs;en, diejenigen nemlich, welche nach der Art der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfiers</HI> mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verdünnter Luft,</HI> und die, welche nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> Bey&longs;piele mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer Luft</HI> gefüllt werden.</P><P TEIFORM="p">Der jüngere Montgolfier kam um die&longs;e Zeit nach Paris, und &longs;tellte da&longs;elb&longs;t einige Ver&longs;uche mit Ma&longs;chinen an, welche durch Hülfe des Feuers gefüllt wurden. Der merkwürdig&longs;te darunter i&longs;t der zu Ver&longs;ailles am 19 Sept. 1783 vor dem Könige von Frankreich ange&longs;tellte, bey welchem ein Sphäroid von Leinwand, 57 Fuß hoch und 41 breit, de&longs;&longs;en Inhalt 37500 Cubik&longs;chuh betrug, durch Verbrennung von 80 Pfund Stroh und 5 Pfund Wolle aufge&longs;chwellt und auf eine Höhe von 240 Toi&longs;en erhoben wurde. Die&longs;er Ball, der mit den daran befe&longs;tigten Stricken und dem Kefich (worinn &longs;ich ein Hammel, eine Ente und ein Hahn befand) 900 Pfund wog, erhielt &longs;ich 8 Minuten lang in der Luft, und fiel bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucre&longs;&longs;on,</HI> 1700 Toi&longs;en weit von dem Orte des Auf&longs;teigens, &longs;o &longs;anft nieder, daß die Thiere dadurch nicht im gering&longs;ten be&longs;chädiget wurden. Die&longs;er Ver&longs;uch zeigt deutlich, daß das, was die aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine hebt, kein aus den verbrannten Materien entbundenes <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> &longs;eyn könne. Die Montgolfiers glaubten bey ihren Ver&longs;uchen das, was die Ma&longs;chine ausfüllte, etwa halb &longs;o &longs;chwer als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft gefunden zu haben. Da ein Sphäroid von 37500 Cubik&longs;chuh Inhalt ohngefähr 3192 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft enthalten kan, &longs;o muß die darinn beym Ver&longs;uch enthaltene Materie halb &longs;o viel, d. i. 1596 Pfund gewogen haben. Nun i&longs;t es phy&longs;i&longs;ch unmöglich, daß 85 Pfund verbrannte Materialien mehr als 85 Pfund Gas oder Dämpfe erzeugen können, woraus &longs;ogleich zu über&longs;ehen i&longs;t, daß wenig&longs;tens 1511 Pfund atmo&longs;phäri&longs;che Luft in der Hölung des Sphäroids &longs;eyn mu&longs;ten, welches auch daraus erhellt, weil der durchs Feuer ent&longs;tehende Luftzug eben dasjenige i&longs;t, was<PB ID="P.1.59" N="59" TEIFORM="pb"/> die Ma&longs;chine auf&longs;chwellet. Da nun eine Luftma&longs;&longs;e von 1511 Pfund im gewöhnlichen Zu&longs;tande ohngefähr 18000 Cubikfuß Raum einnimmt, hier aber mit den 85 Pfund Gas (wenn auch die&longs;e vorhanden gewe&longs;en wären) 37500 Cubik&longs;chuh ausfüllte, &longs;o zeugt &longs;ich deutlich, daß die&longs;e Ausdehnung oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdünnung</HI> der Luft durch die Hitze allein im Stande &longs;ey, die verlangte Wirkung hervorzubringen, ohne daß man zu einem vermeinten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> &longs;eine Zuflucht nehmen darf, de&longs;&longs;en Quantität viel zu unbeträchtlich &longs;eyn würde, um etwas ähnliches zu bewirken. Ueberdies mü&longs;te eine mit Gas gefüllte Ma&longs;chine ver&longs;chloßen &longs;eyn, und nicht, wie die Montgolfieri&longs;che, offen bleiben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier</HI> fand in Paris einen unermüdeten Gehülfen an Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier,</HI> Vor&longs;teher des Mu&longs;eum, welcher es am 15 October 1783 zum er&longs;tenmale wagte, auf einer von Montgolfier verfertigten 74 Schuh hohen, 48 Schuh breiten, und mit einer Gallerie und Glutpfanne zu be&longs;tändiger Unterhaltung des Feuers ver&longs;ehenen Ma&longs;chine, 84 Schuh hoch vom Boden aufzu&longs;teigen, und 4 1/2 Minuten lang in der Höhe zu bleiben, wobey er jedoch die Ma&longs;chine an Stricken halten ließ. Die&longs;er Ver&longs;uch wurde in den folgenden Tagen mit dem glücklich&longs;ten Erfolge wiederholt, und durch die&longs;e Proben ermuntert, wagten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier</HI> und der Marquis <HI REND="bold" TEIFORM="hi">d' Arlandes</HI> am 21 Nov. 1783 auf eben der&longs;elben Ma&longs;chine die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Luftrei&longs;e.</HI> Die&longs;e kühnen Luftfahrer &longs;tiegen um 1 Uhr 54 Minuten, nachdem die Ma&longs;chine in acht Minuten aufge&longs;chwellt warden war, im Schloße <HI REND="bold" TEIFORM="hi">la Muette</HI> in die Höhe, blieben 25 Minuten in der Luft, wurden vom Winde über einen Theil der Stadt und über die Seine getrieben, und kamen, nachdem &longs;ie durch ge&longs;chickte Behandlung des Feuers den Gegen&longs;tänden, an die &longs;ie &longs;toßen konnten, durch Hebung und Herabla&longs;&longs;ung der Ma&longs;chine ausgewichen waren, auf 5000 Toi&longs;en weit von la Muette, unbe&longs;chädigt wieder herab. Ihre Ma&longs;chine faßte 60000 Cubik&longs;chuh Raum, und die La&longs;t, welche &longs;ie mit &longs;ich aufzog, betrug 1600 — 1700 Pfund.<PB ID="P.1.60" N="60" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert,</HI> welche als Erfinder der Aero&longs;taten mit brennbarer Luft mit den Montgolfiers wetteiferten, veran&longs;talteten am 1 Dec. 1783 eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyte Luftrei&longs;e. Charles</HI> und der eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> &longs;tiegen aus den Thuillerien um 1 Uhr 40 Min. in einer Art von Triumphwagen auf, welcher mit Stricken an einer 26 Schuh im Durchme&longs;&longs;er haltenden und mit brennbarer Luft gefüllten Kugel von Taffet hieng. Sie giengen in einer Höhe von 250 — 300 Toi&longs;en über zwo Stunden lang fort, und ließen &longs;ich endlich in der Pläne bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ne&longs;le,</HI> welche 9 Stunden weit von Paris ab liegt, nieder, wo <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> aus&longs;tieg, der um 130 Pfund dadurch erleichterte Ball aber mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> allein &longs;ich wieder auf eine dem Aetna gleiche Höhe von 1500 Toi&longs;en auf&longs;chwang, noch 35 Minuten in der Luft verweilte, und endlich bey dem Gehölze von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tour du Lay</HI> ohne Be&longs;chädigung des Luftfahrers herab kam.</P><P TEIFORM="p">Seitdem haben &longs;ich die Ver&longs;uche mit aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen und die auf den&longs;elben unternommenen Luftrei&longs;en &longs;o vervielfältiget, daß man bis zum März 1785 bereits 35 Luftrei&longs;en und 58 ver&longs;chiedene Per&longs;onen zählen konnte, die &longs;ich in die &longs;on&longs;t unzugänglichen Regionen der Atmo&longs;phäre gewagt hatten. Die um&longs;tändlichere Ge&longs;chichte ihrer Ver&longs;uche findet man in der am Ende die&longs;es Artikels angeführten deut&longs;chen Ueber&longs;etzung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas de St. Fond</HI> zu&longs;ammengetragen. Hier kan ich nur noch das Merkwürdig&longs;te aus der Ge&longs;chichte die&longs;er Ver&longs;uche mit wenigen Worten anführen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier</HI> gieng bald nach &longs;einer er&longs;ten Luftrei&longs;e zu dem ältern Montgolfier nach Lyon, um da&longs;elb&longs;t mit ihm eine große aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine von 102 Schuh Durchme&longs;&longs;er und 126 Schuh Höhe zu be&longs;teigen. Der Ver&longs;uch mit die&longs;er ungeheuren Kugel gelang zwar am 19 Jan. 1784, da &longs;ie mit &longs;ieben Per&longs;onen bela&longs;tet auf 500 Toi&longs;en hoch in die Luft auf&longs;tieg; &longs;ie bekam aber 15 Min. nach ihrem Abgange einen Riß, und &longs;ank zu Boden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre</HI> &longs;tieg am 23 Jun. 1784. nochmals in Gegenwart des Königs von Schweden zu Ver&longs;ailles in die Luft, kam<PB ID="P.1.61" N="61" TEIFORM="pb"/> aber in der Folge auf den Gedanken, eine Ueberfahrt über den Canal von der franzö&longs;i&longs;chen Kü&longs;te aus zu wagen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI> kam ihm in die&longs;er Ueberfahrt zuvor; &longs;ein unglückliches Schick&longs;al aber wollte, daß er dennoch auf &longs;einen Ent&longs;chluße beharrete, wobey er endlich neb&longs;t &longs;einem Gefährten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Romain</HI> nach langem Warten auf gün&longs;tigen Wind und nach vielen &longs;einer Ma&longs;chine zuge&longs;toßenen Unfällen, am 15 Jun. 1785 nicht weit von Boulogne aus der Luft herab&longs;türtzte, und durch den Fall zer&longs;chmettert ward.</P><P TEIFORM="p">Glücklicher war der eben genannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard.</HI> Die&longs;er hatte &longs;chon läng&longs;t vor der Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen durch mechani&longs;che Mittel vergeblich zu fliegen ver&longs;ucht; jetzt aber machte es ihm die&longs;e Erfindung er&longs;t möglich, &longs;einen Zweck zu erreichen. Er &longs;tieg auf Aero&longs;taten mit brennbarer Luft ver&longs;chiedenemal zu Paris und Rouen auf, &longs;uchte die Lenkung der Aero&longs;taten durch Flügel oder Ruder zu bewirken, gieng hierauf nach England, und wagte da&longs;elb&longs;t, nach vorher ange&longs;tellten andern Ver&longs;uchen, am 7 Jan. 1785 mit dem D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iefferies</HI> aus Amerika das kühne Unternehmen einer Ueberfahrt über den Canal, die er auch in einer Zeit von 2 St. 32 Min. glücklich vollendete. Er i&longs;t &longs;eitdem in Deut&longs;chland herumgezogen, und hat an ver&longs;chiedenen Orten Luftrei&longs;en ange&longs;tellt, die jedoch mehr öffentliche Schau&longs;piele als Ver&longs;uche zu Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft genannt zu werden verdienen.</P><P TEIFORM="p">Die Gebrüder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> &longs;ind noch zweymal, am 15 Jul. 1784 mit dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Düc de Chartres,</HI> und am 19 Sept. mit einem ihrer Verwandten durch die Luft gerei&longs;et, Die&longs;e letzte Rei&longs;e i&longs;t unter allen die läng&longs;te. Sie dauerte 6 St. 42 Min. und gieng von Paris bis Beuvry in der Graf&longs;chaft Artois, welches einen Weg von 50 Stunden ausmacht. Sie bedienten &longs;ich dazu eines cylindri&longs;ch ge&longs;talteten Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, und behaupten, durch den Gebrauch ihrer Ruder 22 Grad Abweichung vom Winde erhalten zu haben.</P><P TEIFORM="p">In England blieb man eine Zeitlang gleichgültig gegen die&longs;e aus Frankreich gekommene Erfindung. Obgleich &longs;chon im Nov. 1783 der Graf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zambeccari,</HI> ein Italiäner,<PB ID="P.1.62" N="62" TEIFORM="pb"/> eine Kugel von geölter Seide von 10 Fuß Durchme&longs;&longs;er in London hatte &longs;teigen la&longs;&longs;en, &longs;o erfolgte doch da&longs;elb&longs;t die er&longs;te, gleichfalls von einem Italiäner <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lunardi</HI> unternommene, Luftrei&longs;e er&longs;t den 15 Sept. 1784. Mit de&longs;to mehr Theilnehmung &longs;ahe man nachher die Ver&longs;uche, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI> in London, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sadler</HI> in Oxford, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Harper</HI> in Birmingham u. a. an&longs;tellten.</P><P TEIFORM="p">In Ab&longs;icht auf die willkührliche Lenkung der Luftma&longs;chinen &longs;ind den öffentlichen Nachrichten (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Iournal de Paris</HI> vom 29 Aug. 1785) zufolge die Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vallet</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alban,</HI> Directoren der chymi&longs;chen Officin zu Iavelle bey Paris, glücklicher, als alle ihre Vorgänger gewe&longs;en. Sie haben den 25 Aug. 1785 eine Luftrei&longs;e nach vorherbe&longs;timmten Richtungen gemacht, ihr Luft&longs;chif nach Gefallen an dem dazu ausgezeichneten Orte niedergela&longs;&longs;en; &longs;ie &longs;ind früh von Iavelle nach St. Cloud, und Abends wiederum nach Iavelle zurück gegangen.</P><P TEIFORM="p">Der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tat</HI> i&longs;t die&longs;en Ma&longs;chinen zum er&longs;tenmale von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Roy</HI> in dem Berichte der Commi&longs;&longs;arien der Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften vom 23 Dec. 1783 beygelegt worden.</P><P TEIFORM="p">Nach die&longs;er kurzen Dar&longs;tellung der Ge&longs;chichte und der bisherigen Fort&longs;chritte die&longs;er Erfindung will ich nun von der Theorie und Praxis der&longs;elben noch einige Nachricht geben.</P><P TEIFORM="p">Die Hydro&longs;tatik oder allgemeine Theorie des Gleichgewichts flüßiger Körper lehrt, daß fe&longs;te Körper in einem flüßigen Mittel &longs;o viel von ihrem Gewichte verlieren, als die von ihnen aus der Stelle getriebne flüßige Materie wiegt; daß &longs;ie al&longs;o nicht nur alles Gewicht verlieren, &longs;ondern &longs;ogar emporgetrieben werden, wenn das, was &longs;ie verlieren, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr</HI> i&longs;t, als das, was &longs;ie wiegen. Fe&longs;te Körper mü&longs;&longs;en al&longs;o auch in der Luft auf&longs;teigen, wenn &longs;ie weniger wiegen, als die Luft, welche von ihnen aus der Stelle getrieben wird. Für &longs;ich allein wiegen alle bekannte fe&longs;te Körper <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr,</HI> als die Luft, deren Raum &longs;ie einnehmen; &longs;ie mü&longs;&longs;en daher, um in der Luft aufzu&longs;teigen, hohl und mit etwas angefüllt &longs;eyn, das leichter, als Luft, i&longs;t. Alles kömmt hiebey auf die Wahl eines<PB ID="P.1.63" N="63" TEIFORM="pb"/> &longs;chicklichen fe&longs;ten Körpers und einer &longs;ehr leichten flüßigen Materie an. Zum fe&longs;ten Körper wird man natürlich eine weiche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bieg&longs;ame</HI> Hülle wählen, z. B. Gold&longs;chlägerhaut, Leinwand, Taffet und dergleichen; harte unbieg&longs;ame Gefäße, wie die küpfernen Kugeln des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana,</HI> würden zu &longs;chwer &longs;eyn, auch würde &longs;ich die gemeine Luft, wenn man an ihre Stelle etwas leichteres &longs;etzen wollte, nicht wohl heraus bringen la&longs;&longs;en. In einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bieg&longs;amen</HI> Hülle aber muß die einge&longs;chloßene flüßige Materie eine gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität mit der äußern Luft haben, weil &longs;on&longs;t der Druck der letztern den bieg&longs;amen Körper zu&longs;ammen drücken, und das darinn enthaltene heraustreiben würde. Daher muß man eine &longs;olche flüßige Materie wählen, welche bey einer geringern Schwere oder Dichte dennoch gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticität mit der gemeinen Luft hat, d. i. eine Materie von grö&longs;&longs;erer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;pecifi&longs;cher Ela&longs;ticität, &longs;. Ela&longs;ticität.</HI> Es muß al&longs;o eine ela&longs;ti&longs;che flüßige Materie, ein Gas, eine Luftgattung, &longs;eyn, welche leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che Luft, i&longs;t.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erhitzte Luft</HI> &longs;owohl, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbares Gas</HI> be&longs;itzen die&longs;e Eigen&longs;chaft. Von der Wärme wird die Luft in einen größern Raum ausgedehnt, d. h. &longs;pecifi&longs;ch ela&longs;ti&longs;cher gemacht; man kan den Ver&longs;uchen zufolge annehmen, daß eine Hitze von 160 Graden des Fahrenheiti&longs;chen Thermometers &longs;ie um ein Drittel ihres gewöhnlichen Volumens ausdehne. Das brennbare Gas i&longs;t, mit vorzüglicher Sorgfalt bereitet und gereiniget, auf 13mal leichter, als die gemeine Luft; wird es aber nach den gemeinen Methoden bereitet, &longs;o kan man es nur 5 — 7 mal leichter annehmen. Beyde Materien werden al&longs;o ge&longs;chickt &longs;eyn, Hüllen, welche in der Atmo&longs;phäre auf&longs;teigen &longs;ollen, damit anzufüllen.</P><P TEIFORM="p">Jeder Körper verliert in der Luft &longs;oviel von &longs;einem Gewichte, als die Luft wiegt, die er aus der Stelle treibt. Nennt man nur den Raum, den er einnimmt, in Cubik&longs;chuhen ausgedrückt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=c,</HI> und das Gewicht eines Cubik&longs;chuhs Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=a,</HI> &longs;o i&longs;t die&longs;er Verlu&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=ac.</HI></P><P TEIFORM="p">Mit ihm aber wiegt zugleich die in ihm enthaltene Materie, deren Gewicht (das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes davon<PB ID="P.1.64" N="64" TEIFORM="pb"/> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=b</HI> ge&longs;etzt) <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=bc</HI> i&longs;t. Das Gewicht des Körpers &longs;elb&longs;t, die daran gehangene La&longs;t mit eingerechnet, &longs;ey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">= p;</HI> &longs;o i&longs;t die Summe alles de&longs;&longs;en, was mit ihm wiegt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">= bc+p.</HI></P><P TEIFORM="p">I&longs;t daher <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> größer als <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p,</HI> &longs;o i&longs;t klar, daß der Körper nicht allein &longs;ein ganzes Gewicht verliert, &longs;ondern auch noch mit dem Ueber&longs;chuße des <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> über <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p</HI> in die Höhe getrieben wird. Die&longs;er Ueber&longs;chuß oder die&longs;e Kraft, mit der er aufwärts getrieben wird, hei&longs;&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k,</HI> &longs;o i&longs;t <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=ac—(bc+p)=c(a—b)—p;</HI> auch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+k =c(a—b).</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Bey der am 1 Dec. 1783 in den Thuillerien aufge&longs;tiegenen Ma&longs;chine betrug der körperliche Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c= 100000.</HI> Cubik&longs;chuh; rechnet man nun das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft 604 Gran oder (8/1000) Pfund, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac=800</HI> Pfund. Weil aber der Ball nicht ganz aufgebla&longs;en, &longs;ondern ohngefähr (1/28) davon leer gela&longs;&longs;en ward, &longs;o darf man nach Abrechnung des 28&longs;ten Theils <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> nur = 771 1/2 Pf. &longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Da &longs;ich die hier gebrauchte brennbare Luft ohngefähr 5 1/4mahl leichter, als die gemeine, annehmen lä&longs;t, &longs;o wird <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc=(771 1/2/5 1/4)=147</HI> Pfund.</P><P TEIFORM="p">Das Gewicht der Ma&longs;chine, das Wagens, der beyden Per&longs;onen, des Balla&longs;ts u. &longs;. w. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> war = 604 1/2 Pf. Al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p=147+604 1/2=751 1/2</HI> Pf.</P><P TEIFORM="p">Folglich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k,</HI> die Kraft, mit welcher &longs;ich die Ma&longs;chine hob=771 1/2—751 1/2=20 Pfund.</P><P TEIFORM="p">Man wird aus die&longs;er Berechnung deutlich &longs;ehen, warum die&longs;e Kugel &longs;teigen mu&longs;te. Sie wog mit aller daran hangenden La&longs;t nur 751 1/2 Pf., und ward doch von der äu&longs;&longs;ern Luft mit 771 1/2 Pf. Kraft gehoben. Zugleich wird die&longs;es Bey&longs;piel zeigen, wie man &longs;ich bey andern ähnlichen Berechnungen zu verhalten habe.</P><P TEIFORM="p">Soll eine &longs;olche Ma&longs;chine nicht &longs;teigen, &longs;ondern nur gerade <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chweben,</HI> &longs;o muß <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=o,</HI> al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c (a—b) = p</HI> &longs;eyn, woraus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=(p/a—b)</HI> folgt. Nun hei&longs;&longs;e die Oberfläche<PB ID="P.1.65" N="65" TEIFORM="pb"/> der Hülle in Quadrat&longs;chuhen ausgedrückt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=s;</HI> das Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem zur Hülle gebrauchten Zeuge aber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=q,</HI> und man nehme an, die&longs;e &longs;chwebende Ma&longs;chine &longs;olle keine weitere La&longs;t tragen, &longs;ondern nur &longs;ich &longs;elb&longs;t halten; &longs;o i&longs;t die ganze La&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq;</HI> al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=(sq/a—b),</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c/s=(q/a—b),</HI> auch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(6c/s)=(6q/a — b).</HI> Weil aber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(6c/s)</HI> oder der &longs;echsfache körperliche Raum durch die Oberfläche dividirt, für eine Kugel den Durchme&longs;&longs;er, für einen Würfel die Seite giebt, &longs;o muß der Durchme&longs;&longs;er einer Kugel oder die Seite eines Würfels von einem gegebnen Stoffe, wenn der Körper ohne angehangene La&longs;t gerade &longs;chweben &longs;oll, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a—b)</HI> &longs;eyn. Oder, um den Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten möglichen Kugel von einem gegebnen Zeuge zu finden, welche mit erhitzter oder brennbarer Luft gefüllt, gerade <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chweben</HI> würde, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dividire man das &longs;echsfache Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem gegebnen Zeuge durch den Unter&longs;chied zwi&longs;chen den Gewichten eines Cubik&longs;chuhes gemeiner und eines Cubik&longs;chuhes erhitzter oder brennbarer Luft.</HI> Die&longs;e Be&longs;timmung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Minimum,</HI> das &longs;ich bey den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen erreichen lä&longs;t, hat Hr. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (Göttingi&longs;ches Magazin, 3ter Jahrg. 5 Stück) angegeben, und darnach folgende Tafel berechnet.</P><P TEIFORM="p">Die Seite des klein&longs;ten mit brennbarer Luft gefüllten &longs;chwebenden Würfels (oder auch, der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel) <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Fuß</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">aus engli&longs;chem Seidenpapier wäre</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— gemeinem Po&longs;tpapier</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— franzö&longs;i&longs;chem Zeichenpapier</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— Knittergold</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— engli&longs;chem Wachstaffet</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— Kartenpapier</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— verzinntem Ei&longs;enblech</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.66" N="66" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Werden die Durchme&longs;&longs;er größer genommen, &longs;o mü&longs;&longs;en die&longs;e Kugeln <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;teigen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gold&longs;chlägerhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">baudruche</HI>)</HI> i&longs;t un&longs;treitig die bequem&longs;te Materie zu &longs;o kleinen Bällen. Es i&longs;t dies das innere von den Och&longs;endärmen abgezogne Häutchen, welches vom Fett gereiniget, auf einen Rahmen ge&longs;pannt, getrocknet, mit Bim&longs;tein abgerieben, und zum Gebrauch der Gold&longs;chläger noch mit einem Firniß überzogen wird. Aus die&longs;em äu&longs;&longs;er&longs;t feinen und leichten Häutchen haben zuer&longs;t der Maler <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;champs</HI> und der Baron von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beaumanoir</HI> in Paris kleine Kugeln von ver&longs;chiedener Größe verfertiget, welche mit brennbarer Luft gefüllt auf&longs;tiegen. Die klein&longs;te darunter hielt 6 pari&longs;er Zoll im Durchme&longs;&longs;er, wog 36 Gran, trieb 51 Gran Luft aus der Stelle, faßte 5 Gran brennbare Luft, und &longs;tieg al&longs;o noch mit 51 — (5+36)=10 Gran Kraft in die Höhe. Solche Kugeln waren eine Zeitlang das Spielwerk der Pari&longs;er. Auch andere feine Häute des thieri&longs;chen Körpers, vorzüglich das Schafhäutchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(amnium)</HI> dienen zu kleinen aero&longs;tati&longs;chen Kugeln mit brennbarer Luft. So &longs;ahe ich bey Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> in Göttingen eine aus Schafhäutchen bereitete Kugel von 2 — 3 Schuh Durchme&longs;&longs;er, von der ihr Be&longs;itzer zu Beobachtung der atmo&longs;phäri&longs;chen Elektricität vortheilhaften Gebrauch machte. Uebrigens i&longs;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gold&longs;chlägerhaut</HI> &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iulius Cä&longs;ar Scaliger</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Exercitat. ad Cardanum de &longs;ubtilitate, exerc. 326)</HI> zur Nachahmung der fliegenden Taube des Archytas vorge&longs;chlagen worden. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Materia,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ex junci medulla parabilis, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">ve&longs;iculis amicta aut pelliculis, quibus auri bracteatores atque foliatores vtuntur.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Die Ma&longs;chinen mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> Luft la&longs;&longs;en &longs;ich &longs;o klein nicht verfertigen. Rechnet man darauf, daß die Luft beym Ver&longs;uche um ein Drittel ausgedehnt werde, die brennbare hingegen &longs;iebenmal leichter, als die atmo&longs;phäri&longs;che, &longs;ey, &longs;o wird der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten möglichen &longs;chwebenden Kugel<PB ID="P.1.67" N="67" TEIFORM="pb"/> <HI REND="math" TEIFORM="hi">für erhitzte Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a—2/3a)=(18q/a)</HI> für brennbare Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a—1/7a)=(7q/a)</HI></HI> gefunden, daher in die&longs;em Falle die mit erhitzter Luft gefüllte Kugel von eben dem Zeuge einen (18/7) d. i. 2 4/7mal größern Durchme&longs;&longs;er haben muß, und al&longs;o 6 3/5mal mehr Zeug zur Hülle erfordert, als die mit brennbarer Luft. Zu kleinen Ma&longs;chinen mit verdünnter Luft i&longs;t un&longs;treitig das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Papier</HI> die &longs;chicklich&longs;te Materie. Da aber der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel von &longs;tärkerm Papier, für brennbare Luft, 2 Schuhe halten muß, &longs;o muß er für verdünnte Luft 5 1/7 Schuh, und wenn die Kugel &longs;teigen &longs;oll, wohl 6—7 Schuh halten.</P><P TEIFORM="p">Bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">größern</HI> Aero&longs;taten hat man die Ab&longs;icht, au&longs;&longs;er ihrem eignen Gewichte noch Men&longs;chen oder andere La&longs;ten in die Atmo&longs;phäre zu erheben. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kugelge&longs;talt,</HI> welche unter allen übrigen Ge&longs;talten der Körper mit der klein&longs;ten Oberfläche den größten möglichen Raum um&longs;chließt, &longs;cheint zu Aero&longs;taten die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn, weil &longs;ie bey dem gering&longs;ten möglichen Gewicht ihrer Hülle das größte mögliche Luftvolumen aus der Stelle treibt, und daher unter allen übrigen Ge&longs;talten mit der größten Kraft auf&longs;teigt. Man hat aber dagegen einwenden wollen, daß eines Theils die Verfertigung einer großen Kugel &longs;ehr &longs;chwer &longs;ey, andern Theils bey Lenkung der Aero&longs;taten in der Atmo&longs;phäre, wenn ge&longs;chickte Mittel dazu erfunden werden &longs;ollten, eine Kugel, welche der Luft eine &longs;ehr große Oberfläche darbietet, weit mehr Wider&longs;tand leiden, und folglich weit &longs;chwerer zu regieren &longs;eyn werde, als eine Ma&longs;chine, welche der Luft einen &longs;pitzig zulaufenden Theil, oder eine &longs;chmale Seite, entgegenkehrte. Daher hat man oft längliche aus cylindri&longs;chen und koni&longs;chen, oder prismati&longs;chen und pyramidenförmigen Theilen zu&longs;ammenge&longs;etzte Ge&longs;talten vorgezogen, zu welchen der Zeug &longs;ich leichter zu&longs;chneiden lä&longs;t; und die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberts</HI> haben zween Luftrei&longs;en auf einem cylindri&longs;ch geformten Aero&longs;taten unternommen. Inzwi&longs;chen &longs;ind die Schwierigkeiten der Verfertigung einer Kugel nicht unüberwindlich,<PB ID="P.1.68" N="68" TEIFORM="pb"/> und bey der Lenkung länglicher Ma&longs;chinen möchte es wohl &longs;chwer fallen, immer den &longs;chmalen Theil der&longs;elben vorwärts gekehrt zu halten; die breitere Seite aber würde den Wider&longs;tand der Luft weit mehr, als eine Kugel von gleicher Wirkung, vergrößern; die Kugelge&longs;talt, oder eine nicht weit von ihr abweichende, &longs;cheint daher noch immer die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Was den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stof</HI> betrift, &longs;o hat man die Aero&longs;taten zur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verdünnten</HI> Luft von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">leinenem</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">baumwollenem Zeuge</HI> gemacht, der die Luft nicht gleich hindurchläßt, wie denn die er&longs;te zu Annonay aufge&longs;tiegene Kugel bloß mit Knöpfen und Knopflöchern zu&longs;ammengefügt war, und doch eine Zeitlang Luft hielt. Man wählt dergleichen Zeuge wegen ihres geringen Prei&longs;es, da &longs;olche Ma&longs;chinen &longs;ehr groß &longs;eyn mü&longs;&longs;en. Bisweilen &longs;ind &longs;ie doppelt genommen, bisweilen mit Papier gefüttert worden. Man kan das Gewicht des Quadrat&longs;chuhes von leinenem Zeuge 2 Unzen rechnen. Zur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren</HI> Luft, welche nicht &longs;o große Ma&longs;chinen erfordert, aber weit leichter die Hüllen durchdringt, hat man leichte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;eidne Zeuge</HI> genommen, und mit be&longs;ondern Firnißen über&longs;trichen. Den Quadrat&longs;chuh Taffet kan man ohngefähr 3/4 Unzen &longs;chwer annehmen.</P><P TEIFORM="p">Um nun das Vermögen einer Ma&longs;chine von gegebner Größe und Ge&longs;talt zu berechnen, kann man &longs;ich der Formel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k = c (a — b) — p</HI> &longs;o bedienen, daß man unter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> blos das Gewicht der Ma&longs;chine &longs;elb&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">= sq</HI> ohne angehangene La&longs;t ver&longs;teht, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k</HI> die Kraft, mit der &longs;ie unbela&longs;tet auf&longs;teigen würde, zeigt al&longs;o, wie viel &longs;ie noch zu tragen vermöge, ehe &longs;ie ins Gleichgewicht kömmt. Es &longs;ey z. B. das Vermögen einer Kugel von 30 Schuh Durchme&longs;&longs;er zu berechnen, deren Oberfläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">s=2828</HI> Quadrat&longs;chuhe, der Inhalt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=14142</HI> Cubik&longs;chuhe i&longs;t. So i&longs;t, wenn man das Gewicht des Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a=1, 4</HI> Unzen, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> aber für erhitzte Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=2/3a,</HI> für brennbare <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=1/7a</HI> &longs;etzt, die Rechnung folgende<PB ID="P.1.69" N="69" TEIFORM="pb"/> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="COLSPAN="3"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">für erhitzte Luft, wenn 1<LB TEIFORM="lb"/> Quadrat&longs;ch. Leinwand 2 Un-<LB TEIFORM="lb"/> zen wiegt</CELL><CELL REND="COLSPAN="3"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">für brennbare Luft, wenn 1<LB TEIFORM="lb"/> Quadrat&longs;ch. Taffet 3/4 Unzen<LB TEIFORM="lb"/> wiegt</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14142</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14142</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">a—b=(1,4/3)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0, 466</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">a—b=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1, 2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a—b)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6598</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a—b)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16968</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5656</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2121</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">942</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unzen</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14847</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unzen</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16)</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">——</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16)</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">——</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">59</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">928</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL></ROW></TABLE> <TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER" COLSPAN="6"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Auf die&longs;e Art i&longs;t folgende Tabelle für Kugeln berechnet.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durch-<LB TEIFORM="lb"/> me&longs;&longs;er</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oberfläche</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Inhalt</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vermögen der<LB TEIFORM="lb"/> Kugel von Lein-<LB TEIFORM="lb"/> wand mit erhitz-<LB TEIFORM="lb"/> ter Luft</CELL><CELL REND="COLSPAN="2"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vermögen der<LB TEIFORM="lb"/> Kugel von Taf-<LB TEIFORM="lb"/> fet mit brenn-<LB TEIFORM="lb"/> barer Luft</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Schuhe</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Qua-<LB TEIFORM="lb"/> drat&longs;ch.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Cubik&longs;chuh.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER" VALIGN="TOP"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unz.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">78</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">65</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">——</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">314</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">523</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">——</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">24</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1257</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4190</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">——</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">255</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2828</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14142</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">59</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">928</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5028</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">33723</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">349</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2276</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7857</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">65476</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">927</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4542</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11314</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">113142</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1885</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7955</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">70</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15400</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">179666</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3315</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12753</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">80</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20114</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">268191</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5308</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19546</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25457</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">381857</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7955</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">27443</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">100</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">31415</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">523598</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11344</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37796</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">200</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">125660</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4188788</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">89012</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">308221</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Von dem gefundenen Vermögen der Kugel i&longs;t noch das Gewicht alles de&longs;&longs;en abzuziehen, was au&longs;&longs;er dem Stoffe zur Kugel hinzugethan wird; das übrigbleibende i&longs;t dann die Summe der La&longs;t, die &longs;ie noch tragen kan, und der Kraft, mit welcher &longs;ie auf&longs;teigen wird. Wird die Kugel nicht ganz gefüllt, &longs;o muß &longs;o viel, als der leergela&longs;&longs;ene Theil beträgt, von ihrem körperlichen Inhalt abgezogen werden. Nach die&longs;en Anwei&longs;ungen kan es nicht &longs;chwer &longs;eyn, die Berechnung in jedem vorkommenden Falle anzu&longs;tellen.<PB ID="P.1.70" N="70" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Da leinene und &longs;eidne Zeuge ebne Flächen bilden, &longs;o wird die Fläche einer daraus verfertigten Kugel jederzeit von der &longs;phäri&longs;chen Ge&longs;talt in etwas abweichen. Doch, wenn die Streifen ge&longs;chickt zuge&longs;chnitten und verbunden &longs;ind, &longs;o dehnen &longs;ie &longs;ich, wenn der Körper fürs er&longs;te nur mit gemeiner Luft aufgebla&longs;en wird, um ihre Mitte ein wenig aus, und geben dem Ganzen eine Ge&longs;talt, die von der Kugel &longs;ehr wenig abweicht. Hiezu dient nun folgende Vor&longs;chrift, Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 8. Man berechne den Umfang des größten Krei&longs;es der Kugel, und mache die Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> dem vierten Theile de&longs;&longs;elben gleich. Die&longs;e Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> theile man in 18 gleiche Theile, ziehe durch die Theilungspunkte die Linien <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC, fg, hi</HI> u. &longs;. w. &longs;enkrecht auf <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD.</HI> Ferner theile man den gefundenen Umkreis in &longs;o viel gleiche Theile, als man Streifen, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABEC,</HI> haben will; die Helfte eines &longs;olchen Theils giebt die Länge der Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC.</HI> Die&longs;e Länge, multiplicirt in den bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg</HI> &longs;tehenden Decimalbruch, giebt die Länge von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg;</HI> und &longs;o giebt die Länge von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> nach und nach, durch Multiplication in die dabey&longs;tehenden Decimalbrüche, die Längen der folgenden Parallellinien, mithin die Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C, g, i</HI> u. &longs;. w., durch welche die krumme Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CgiA</HI> leicht aus freyer Hand gezogen werden kan. Hieraus ent&longs;teht eine Patrone <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ADC,</HI> nach welcher &longs;ich, durch viermaliges Auflegen auf die Seide oder Leinwand, der ganze Streif <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABEC</HI> zu&longs;chneiden lä&longs;t. I&longs;t z. B. der Durchme&longs;&longs;er einer Kugel, die man aus 12 Streifen zu&longs;ammen&longs;etzen will = 20 Schuhe, &longs;o hält der Umfang des größten Krei&longs;es = 62, 8 Schuhe, wovon der vierte Theil 15, 7 Schuh für <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> giebt. Der zwölfte Theil des Umkrei&longs;es 5, 236 Schuh giebt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC,</HI> und die Helfte davon 2,618 Schuh die Länge von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC.</HI> Die&longs;e multiplicirt mit 0,99619 giebt 2,608 Schuh für <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg;</HI> mit 0,98481 giebt &longs;ie 2,578 Schuh für <HI REND="roman" TEIFORM="hi">hi</HI> u. &longs;. w. Die beyge&longs;chriebenen Decimalbrüche &longs;ind die Co&longs;inus der Bogen von 5°, 10°, 15° rc. für den Sinustotus = 1, noch deren Verhältnißen ähnliche Bogen der Parallelkrei&longs;e von 5 zu 5 Graden vom größten Krei&longs;e aus gegen den Pol <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> abnehmen. Beym Zu&longs;chneiden &longs;elb&longs;t<PB ID="P.1.71" N="71" TEIFORM="pb"/> wird rings um die Patrone ein 1/2 Zoll breiter Rand für die Näthe gela&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die Hüllen zu Kugeln mit erhitzter Luft werden von innen mit etwas, das &longs;ie vor dem Feuer &longs;chützt, von au&longs;&longs;en mit etwas, das vom Regen nicht aufgelö&longs;et wird, z. B. inwendig mit einer Erdfarbe und auswendig mit einem &longs;ehr &longs;chnell trocknenden Oelfirniß über&longs;trichen, auch wohl vorher in einer Auflö&longs;ung von Salmiak und Kalk geweicht. Die &longs;eidnen Zeuge zu Kugeln mit brennbarer Luft werden mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Firnißen</HI> über&longs;trichen, wozu man in Frankreich eine geheim gehaltene Auflö&longs;ung des Federharzes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(gummi ela&longs;ticum),</HI> vermuthlich in irgend einem we&longs;entlichen Oele, zu gebrauchen anfieng, bis man endlich gefunden hat, daß ein Firniß von trocknendem Leinöl, mit Vogelleim abgekocht und mit Terpentingei&longs;t vermi&longs;cht, eben &longs;o gute, oder noch be&longs;&longs;ere Dien&longs;te lei&longs;te. Mit die&longs;em Firniß wird der Seidenzeug auf beyden Seiten über&longs;trichen, und, wenn alles getrocknet i&longs;t, werden die vorhin be&longs;chriebnen Streifen zur Kugel zuge&longs;chnitten, mit den daran gela&longs;&longs;enen Rändern an oder aufeinander gelegt, gefaltet, und mit fe&longs;ten Näthen zu&longs;ammenge&longs;tochen. Es i&longs;t gut, die Näthe noch einmal mit Firniß zu über&longs;treichen.</P><P TEIFORM="p">Die Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> Luft bekommen am Boden eine Oefnung, deren Durch&longs;chnitt 1/4—1/3 vom Durchme&longs;&longs;er der ganzen Ma&longs;chine beträgt; an die&longs;e wird ein leinener cylindri&longs;cher Hals von gleichem Durch&longs;chnitte und 6 Schuh Höhe angenähet. Sollen Men&longs;chen mit in die Höhe &longs;teigen, &longs;o wird von au&longs;&longs;en um die&longs;en Hals eine von Weiden geflochtene 3 Schuh hohe und 18 Zoll breite <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gallerie</HI> angebracht, deren inneres Gelender an den Hals der Ma&longs;chine befe&longs;tigt i&longs;t, das äu&longs;&longs;ere aber an Stricken hängt, die vom obern Theile der Kugel kommen, und an der obern Helfte der Kugelfläche von andern Stricken in Form eines Netzes durchkreutzt werden. Auch wird eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Glutpfanne</HI> aus ei&longs;ernen Stäben, deren Durchme&longs;&longs;er etwa 1/3 von dem Durch&longs;chnitte der Oefnung einnimmt, mitten unter der&longs;elben, 1 Schuh höher, als der untere Rand des Hal&longs;es, an Ketten aufgehangen, welche an das innere Gelender der<PB ID="P.1.72" N="72" TEIFORM="pb"/> Gallerie befe&longs;tigt &longs;ind. In den Hals werden Luftlöcher einge&longs;chnitten, durch welche man von der Gallerie aus das Feuer &longs;chüren und unterhalten kan. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 9. zeigt die Ge&longs;talt einer &longs;olchen Ma&longs;chine, wie &longs;ie in die Atmo&longs;phäre auf&longs;teigt.</P><P TEIFORM="p">Um &longs;ie zu füllen, wird ein 6—8 Schuh hohes Gerü&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 10. errichtet, in de&longs;&longs;en Mitte der gemauerte Ofen oder Schor&longs;tein <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EF</HI> bis auf den Boden herabgehet. Die&longs;er Ofen hat unten eine Thür, das Feuer anzumachen, und muß 2 — 3 Schuh über das Gerü&longs;t hervorragen. Er muß etwas &longs;chmäler, als der Hals der Ma&longs;chine &longs;eyn. Man kan unten einen ei&longs;ernen Ro&longs;t legen, um dem Feuer Luft von unten her zu ver&longs;chaffen. An beyden Seiten des Gerü&longs;ts &longs;tehen &longs;tarke Bäume oder Ma&longs;ten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HI, KL,</HI> oben mit Rollen, über welche ein Strick läuft, der durch einen Ring am obern Theile der Ma&longs;chine gezogen, dazu dient, durch Anziehen &longs;einer Enden die obern Theile der Ma&longs;chine in die Höhe zu heben. Auch um den Aequator der Kugel &longs;ind Ringe angebracht, um an durchgezogenen Stricken die Ma&longs;chine fe&longs;thalten zu können. Die Kugel wird nun zu&longs;ammengefaltet &longs;o aufs Gerü&longs;t gelegt, daß die Oefnung des Hal&longs;es genau auf den Schor&longs;tein pa&longs;&longs;et, in welchem ein helles nicht viel Rauch gebendes Feuer von kleinem Holze und Stroh angezündet wird. Die&longs;es treibt einen Strom von erhitzter Luft in die Kugel, entfaltet die&longs;elbe, &longs;chwellt &longs;ie an, und hebt ihren obern Theil, dem man durch den über die Rollen gezognen Strick nachhelfen kan. Nunmehr wird alles, was mit der Ma&longs;chine auf&longs;teigen &longs;oll, in die Gallerie gebracht, in welche &longs;ich auch die Luftfahrer &longs;tellen; man zieht die Kugel, &longs;obald &longs;ie &longs;ich hebt, ein wenig &longs;eitwärts, hängt die Gluthpfanne ein, zündet das Feuer in der&longs;elben an, und überläßt die Ma&longs;chine der Luft.</P><P TEIFORM="p">Die Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer</HI> Luft bekommen an ihrem obern Theile eine Klappe, welche durch eine Feder zugehalten wird, und mit einer Schnur, welche bis an den Ort der Luftfahrer herabreicht, geöfnet werden kan. Die&longs;e Klappe dient, brennbare Luft aus dem Balle herauszula&longs;&longs;en.<PB ID="P.1.73" N="73" TEIFORM="pb"/> An den untern Theil der Kugel kommen ein oder zwo Schläuche von gefirnißtem Taffet, die etwa 6 — 10 Zoll im Durchme&longs;fer halten, und ebenfalls bis an den Sitz der Luftfahrer herabreichen. Durch die&longs;e wird die Kugel gefüllt. Der Wagen oder das Boot, worinn die Luftfahrer &longs;itzen, hängt an Stricken, die von einem über die obere Helfte der Kugel gehenden Netze herabkommen, und etwa 2 Schuh unter der Kugel an einen frey&longs;chwebenden hölzernen Reif befe&longs;tiget &longs;ind, von dem &longs;ie weiter herabgegehen und das Boot tragen. Einige haben auch noch einen hölzernen mit Leder überzognen Reif mitten um die Kugel gelegt, und die Stricke an den&longs;elben befe&longs;tiget, damit &longs;ie nicht durch Hin- und Her&longs;chieben die Kugel reiben &longs;ollten. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 11. zeigt einen Aero&longs;tat von die&longs;er Art in der Luft.</P><P TEIFORM="p">Um &longs;olche Ma&longs;chinen zu füllen, muß man zuer&longs;t für die nöthigen Materialien zu Entbindung der brennbaren Luft &longs;orgen. Man rechnet auf einen Pari&longs;er Cubik&longs;chuh brennbares Gas, 6 Unzen Ei&longs;en&longs;päne, 6 Unzen Vitriolöl, und 30 Unzen Wa&longs;&longs;er; hieraus lä&longs;t &longs;ich leicht finden, wie viel Materialien zu Füllung einer Kugel von gegebnem Inhalte nöthig &longs;ind. Obgleich die Kugeln nie ganz gefüllt werden (damit das Gas Raum behalte, &longs;ich in der obern weniger ela&longs;ti&longs;chen Luft auszubreiten) &longs;o i&longs;t es doch rath&longs;am, bey An&longs;chaffung der Materialien aufs Ganze zu rechnen, damit man deren eher zu viel, als zu wenig, habe. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 12. zeigt nun die Geräth&longs;chaft zur Füllung. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, A</HI> &longs;ind zwo 3 Schuh breite und 2 Schuh tiefe Wannen, die in zwo andere breitere und mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B, B,</HI> umge&longs;türzt &longs;ind. Am Boden jeder umge&longs;türzten Wanne befindet &longs;ich eine blecherne Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E, 7</HI> Zoll weit und eben &longs;o lang. Um jede Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B, B</HI> werden 6 — 8 Fä&longs;&longs;er ge&longs;tellt, deren jedes im obern Boden zwo Oefnungen hat. Aus der einen Oefnung geht eine blecherne Röhre in die Höhe, beugt &longs;ich über den Rand der Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> niederwärts, bis in das Wa&longs;&longs;er die&longs;er Wanne herab, und endigt &longs;ich mit einer aufwärts gekehrten und im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden Oefnung unter der Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A.</HI> Die Weite einer &longs;olchen Röhre i&longs;t etwa<PB ID="P.1.74" N="74" TEIFORM="pb"/> 3 1/2 Zoll. Die andere Oefnung im Boden der Fä&longs;&longs;er dient zum Ein&longs;chütten der Materialien, und wird mit einem Zapfen ver&longs;chlo&longs;&longs;en. Auch hier kan man die Kugel mit dem obern Ende an ein Seil hängen, das über zwo Rollen an hohen Bäumen läuft; das untere Ende der Kugel &longs;teht etwa 6 Schuh hoch über den Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, A.</HI> Beym Füllen &longs;elb&longs;t legt man das Netz über die Kugel, faltet &longs;ie ganz zu&longs;ammen, um die gemeine Luft herauszutreiben, bindet die &longs;eidnen Schläuche um die blechernen Röhren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE,</HI> &longs;chüttet in die Fä&longs;&longs;er zuer&longs;t die Ei&longs;en&longs;päne, dann das Wa&longs;&longs;er und zuletzt das Vitriolöl. Die brennbare Luft &longs;teigt dann durch die Röhren an den Böden der Fä&longs;&longs;er, und geht durch das in den Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> befindliche Wa&longs;&longs;er in die Röhren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE,</HI> und durch die Schläuche in die Kugel über, &longs;chwellt die&longs;elbe auf, und macht, daß &longs;ie &longs;ich bald von &longs;elb&longs;t ohne Hülfe des Seils <HI REND="roman" TEIFORM="hi">GH</HI> in der Höhe erhält. So, wie &longs;ich die Kugel immer mehr aufblä&longs;et, wird das Netz ringsumher in die gehörige Lage gebracht, der Reif und das Boot für die Luftfahrer daran befe&longs;tiget, und alles nöthige zur Rei&longs;e vorbereitet. I&longs;t die Kugel etwas über drey Viertel gefüllt, &longs;o bindet man die Schläuche von den Röhren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE</HI> ab, bindet &longs;ie zu, und legt ihre Enden neb&longs;t der Schnur zur Klappe in das Boot. Die Kugel, welche bisher mit Stricken, die an das Netz befe&longs;tigt &longs;ind, gehalten worden i&longs;t, wird nun freygela&longs;&longs;en, und &longs;teigt mit dem Boote und den Luftfahrern auf.</P><P TEIFORM="p">Von dem Schau&longs;piele, welches Ma&longs;chinen von &longs;olcher Größe dar&longs;tellen, wenn &longs;ie mit Men&longs;chen in die Luft &longs;teigen, &longs;prechen alle Augenzeugen de&longs;&longs;elben mit Entzücken und Bewunderung. Es hat Hohe und Niedrige, Kenner und Unerfahrne, überall ohne Ausnahme zur leiden&longs;chaftlich&longs;ten Theilnehmung hingeri&longs;&longs;en. Die Großen haben ihren Beyfall durch königliche Belohnungen, die mittlern Stände durch Lob&longs;prüche, Gedichte, Monumente, Münzen, das gemeine Volk durch Zujauchzen, Einführung im Triumph, und Unwi&longs;&longs;ende nicht &longs;elten durch eine fa&longs;t abgötti&longs;che Verehrung der Luftfahrer an den Tag gelegt. Den Luftfahrern &longs;elb&longs;t fehlt es an Worten, um ihre Empfindungen<PB ID="P.1.75" N="75" TEIFORM="pb"/> auszudrücken; alle aber ge&longs;tehen, daß vornehmlich die Herrlichkeit der Aus&longs;icht und die in der Atmo&longs;phäre herr&longs;chende maje&longs;täti&longs;che Stille ein unbe&longs;chreiblich angenehmes Gefühl errege.</P><P TEIFORM="p">Welche Gattung von Aero&longs;taten vorzüglicher &longs;ey, lä&longs;t &longs;ich noch nicht ent&longs;cheiden. Die mit verdünnter Luft &longs;ind wohlfeiler und leichter zu verfertigen; die mit brennbarer hingegen &longs;icherer, kleiner und dauerhafter.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> des Aero&longs;taten in der Luft lä&longs;t &longs;ich, wie alle Bewegungen, in eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vertikale</HI> und eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">horizontale</HI> zerlegen. Was die vertikale Bewegung betrift, &longs;o &longs;teigt der Aero&longs;tat, der in den obern Regionen leichtere Luft antrift, nur &longs;o lange, bis er &longs;ich in derjenigen Luft&longs;chicht befindet, welche mit ihm &longs;elb&longs;t eine gleiche &longs;pecifi&longs;che Schwere hat; oder er geht vielmehr wegen &longs;einer &longs;chon vorher erlangten Ge&longs;chwindigkeit noch ein wenig über die&longs;e Luft&longs;chicht hinaus, &longs;inkt wieder, und bleibt endlich nach ver&longs;chiedenen O&longs;cillationen &longs;tehen. Die nähere Unter&longs;uchung die&longs;er Bewegung macht ein &longs;ehr &longs;chönes Problem der höhern Mechanik aus, über welches der große <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhard Euler</HI> wenige Tage vor &longs;einem Tode &longs;eine letzten Rechnungen an&longs;tellte, und wovon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meu&longs;nier</HI> (Schreiben über den Ball im Champ de Mars in dem am Ende angeführten Werke des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas</HI>) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kramp</HI> (Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, Strasburg 1784. 8. Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> 11—15 Ab&longs;chnitt) Auflö&longs;ungen zu geben ver&longs;ucht haben. Die&longs;e Rechnungen gelten jedoch nur für Fälle, in welchen der Zu&longs;tand des Aero&longs;taten &longs;elb&longs;t, während des Auf&longs;teigens, ungeändert bleibt. Wenn Men&longs;chen auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;taten mit verdünnter Luft</HI> auf&longs;teigen, &longs;o wirken &longs;ie durch Ver&longs;tärkung und Verminderung des Feuers &longs;ehr ver&longs;chiedentlich auf den Zu&longs;tand der darinn enthaltenen Luft; Ver&longs;tärkung des Feuers treibt den Ball &longs;chneller in die Höhe, Verminderung de&longs;&longs;elben hält ihn zurück, oder &longs;enkt ihn wieder herab, und man &longs;ieht leicht, daß &longs;o willkührliche Veränderungen &longs;ich keiner Rechnung unterwerfen la&longs;&longs;en. Einige Luftfahrer, be&longs;onders der unglückliche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier,</HI> brachten es &longs;ehr weit in der Ge&longs;chicklichkeit, das Feuer zu behandlen,<PB ID="P.1.76" N="76" TEIFORM="pb"/> und &longs;ich dadurch nach Gefallen zu heben oder herabzu&longs;enken; die&longs;es Mittel i&longs;t &longs;o wirk&longs;am, daß der Luftfahrer dadurch die fein&longs;ten vertikalen Bewegungen des Balls fa&longs;t ganz in &longs;einer Gewalt hat.</P><P TEIFORM="p">Die vertikale Bewegung der Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer Luft</HI> lä&longs;t noch eher einige Berechnung zu. Für die Höhe, in welcher der Aero&longs;tat &longs;tehen bleibt, lä&longs;t &longs;ich folgender Ueber&longs;chlag machen. Vorausge&longs;etzt, daß die &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticitäten der gemeinen und brennbaren Luft unverändert bleiben, wenn &longs;ich gleich die ab&longs;oluten Ela&longs;ticitäten ändern, nimmt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a—b</HI> in gleichem Verhältni&longs;&longs;e mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> &longs;elb&longs;t ab. Wenn daher das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes Luft in der Region, worinn die Kugel &longs;till &longs;teht, = <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN> ge&longs;etzt wird, &longs;o verwandlet &longs;ich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a—b</HI> da&longs;elb&longs;t in <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN><HI REND="roman" TEIFORM="hi">/a(a—b),</HI> und weil für den Fall des Still&longs;tehens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=0</HI> wird, &longs;o giebt die Formel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p + k=c(a—b)</HI> hier <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=(c</HI><FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN><HI REND="roman" TEIFORM="hi">/a) (a—b)</HI></HI> woraus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a—b):p=a:</HI><FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN> folgt. Dies i&longs;t das Verhältniß der Dichten der Luft, oder der Barometerhöhen, unten an der Erde und oben in der Region des Still&longs;tehens der Kugel. I&longs;t daher die Barometerhöhe an der Erde beym Abgange der Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=H,</HI> &longs;o wird die obere <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h=(pH/<*>(a—b)</HI> &longs;eyn, woraus &longs;ich die Höhe der Region be&longs;timmen lä&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Höhenme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">Er. Als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> am 1 Dec. 1783 in der Pläne bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ne&longs;le</HI> auf&longs;tieg, wog die Ma&longs;chine mit aller La&longs;t 438 Pfund; das Gewicht der Luft, welche &longs;ie unten aus der Stelle getrieben hatte, (oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ca)</HI> wird 800 Pfund &longs;chwer angegeben, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a:b=5 1/4: 1=21:4</HI> ge&longs;etzt. Daher i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a—b)=800 —(4/21)·800=648.</HI> Das Barometer hatte beym Abgange der Ma&longs;chine auf 28 Zoll 4 Lin. ge&longs;tanden. Nun i&longs;t <HI REND="math" TEIFORM="hi">648:438=28″ 4‴:19″ 2‴</HI><PB ID="P.1.77" N="77" TEIFORM="pb"/> daß al&longs;o die Kugel &longs;o lange &longs;teigen mu&longs;te, bis das Barometer auf 19 Zoll 2 Lin. &longs;tand. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> fand es zwar nur auf 18 Zoll 10 Linien, welches eine Höhe von 1643 Toi&longs;en giebt; bringt man aber die gehörigen Berichtigungen wegen der oben und unten ver&longs;chiedenen Wärme an, &longs;o finden &longs;ich &longs;ogar 17 Zoll 9 Lin. Es i&longs;t al&longs;o der Theorie &longs;ehr gemäß, wenn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> behauptet eine Höhe von 1600 Toi&longs;en erreicht zu haben.</P><P TEIFORM="p">Auch bey die&longs;er Art von Aero&longs;taten haben die Luftfahrer das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Steigen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fallen</HI> in ihrer Gewalt. Sie &longs;teigen, wenn &longs;ie das Gewicht des Ganzen durch Herabwerfung von Balla&longs;t vermindern, in welcher Ab&longs;icht &longs;tets ein Vorrath von Sand&longs;äcken rc. mitgenommen wird; &longs;ie &longs;inken, wenn &longs;ie durch die Klappe etwas brennbare Luft herausla&longs;&longs;en. Da auch die be&longs;ten gefirnißten Seidenzeuge nicht undurchdringlich für die brennbare Luft &longs;ind, &longs;o würde der Aero&longs;tat bald von &longs;elb&longs;t herab&longs;inken, wenn man nicht von Zeit zu Zeit Balla&longs;t auswerfen wollte. Daher i&longs;t zu langen Luftfahrten ein ziemlicher Vorrath von Balla&longs;t nöthig, de&longs;&longs;en Mangel oft viel Verlegenheit verur&longs;acht hat. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI> war bey der Ueberfahrt über den Canal genöthigt, &longs;ogar &longs;eine Kleider herabzuwerfen. Etwas Balla&longs;t muß auch für das Herabkommen aufge&longs;part werden, damit nahe an der Erde durch das Abwerfen de&longs;&longs;elben der allzuplötzliche Fall der Ma&longs;chine verhütet werden könne. Das Herausla&longs;&longs;en der brennbaren Luft durch die Klappe, wenn man herab&longs;inken will, oder durch den Schlauch, wenn die Ela&longs;ticität des einge&longs;chloßnen Gas die Kugel zu &longs;tark aus&longs;pannt und &longs;ie zu zer&longs;prengen drohet, &longs;ind freylich nur Nothmittel, bey denen man allezeit brennbare Luft verliert. Es &longs;ind daher Vor&longs;chläge gethan worden, das Sinken auf andere Art zu bewirken, z. B. durch Gefäße, worein man äußere Luft pumpen und comprimiren könnte, um dadurch das Gewicht des Ganzen zu vergrößern; durch eine in die große Ma&longs;chine einge&longs;chlo&longs;&longs;ene zweyte, die man durch eine Röhre mit atmo&longs;phäri&longs;cher Luft aufbla&longs;en könnte u. &longs;. f. Allein die&longs;e Ver&longs;tärkungen des Gewichts &longs;ind allzuunbeträchtlich; und der letztere Vor&longs;chlag nützt bloß<PB ID="P.1.78" N="78" TEIFORM="pb"/> dazu, das Zerplatzen der Kugel zu verhüten, indem man durch Ausla&longs;&longs;ung der gemeinen Luft aus dem innern Balle der brennbaren Luft, wenn &longs;ie &longs;ich allzu&longs;tark ausdehnet, mehr Raum ver&longs;chaffen kan. Mehr Beyfall hat der Vor&longs;chlag gefunden, zween Aero&longs;taten, einen mit brennbarer Luft, und 30 Schuh weit darunter einen mit Feuer, zu verbinden, wobey durch Ver&longs;tärkung und Verminderung des Feuers das Steigen und Fallen bewirkt werden kan. Man hat &longs;olche Ma&longs;chinen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carolo-Montgolfieren</HI> genannt; zwar verunglückte Pilatre de Rozier auf einer &longs;olchen, es &longs;cheint aber die Ur&longs;ache die&longs;es Unfalls nicht die Entzündung der brennbaren Luft, &longs;ondern das Zerreißen der Ma&longs;chine gewe&longs;en zu &longs;eyn, welche &longs;eit langer Zeit durch die Witterung gelitten hatte. Endlich hat man auch das Steigen oder Fallen durch auf- und niederbewegte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruder</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flügel</HI> zu bewirken ge&longs;ucht, bisher noch ohne &longs;onderlichen Erfolg; Vlanchard hat &longs;einem Aero&longs;tat einen Fall&longs;chirm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Parachûte</HI>)</HI> in Ge&longs;talt eines ausge&longs;pannten Regen&longs;chirms beygefügt, der allerdings dazu beyträgt, ein plötzliches Niederfallen zu verhüten.</P><P TEIFORM="p">Was die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">horizontale</HI> Bewegung betrift, &longs;o i&longs;t der &longs;ich &longs;elb&longs;t überla&longs;&longs;ene Aero&longs;tat gänzlich ein Spiel des Windes, der ihn ergreift und nach &longs;einer Richtung forttreibt, da er bey einer vollkommnen Wind&longs;tille &longs;ich gar nicht horizontal bewegen würde. Sich von die&longs;er Abhängigkeit zu befreyen, und den Aero&longs;tat nach einer vom Winde abweichenden willkührlichen Richtung zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">lenken,</HI> das i&longs;t das große Problem, de&longs;&longs;en Auflö&longs;ung noch bis jetzt die Naturfor&longs;cher be&longs;chäftiget. Seitdem die Akademie der Wi&longs;fen&longs;chaften zu Lyon die&longs;es Problem zur Preisfrage für 1784 aufgegeben hat, &longs;ind hierüber eine Menge theils &longs;innreicher, theils thörichter Vor&longs;chläge gethan worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Unter</HI> die letztern &longs;ind diejenigen zu rechnen, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Segel</HI> zu brauchen anrathen, durch welche der &longs;chief an&longs;toßende Wind den Aero&longs;taten, wie ein Schif auf der See, treiben &longs;oll. Man hat hiebey nicht bedacht, daß der Wind aufhört, auf den Aero&longs;taten zu wirken, &longs;obald die&longs;er mit ihm eine gleiche Ge&longs;chwindigkeit angenommen hat, daß &longs;ich al&longs;o der<PB ID="P.1.79" N="79" TEIFORM="pb"/> Aero&longs;tat nicht in dem Falle des &longs;egelnden Schiffes befindet, welches von dem Wider&longs;tande des Wa&longs;&longs;ers alle Augenblicke zurückgehalten wird, und nie eine dem Winde gleiche Ge&longs;chwindigkeit erlangt, daß er vielmehr in dem Falle einer Kugel i&longs;t, welche eben &longs;o ge&longs;chwind vor der Hand herrollet, als die&longs;e nachfolgt, in welche al&longs;o die Hand nicht wirken kan, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Kraft, relative.</HI> Daher können hier auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Steuerruder</HI> keine Wirkung thun, welche man &longs;chief gegen den Wind zu richten vorge&longs;chlagen hat.</P><P TEIFORM="p">Be&longs;&longs;er &longs;ind die Vor&longs;chläge von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rudern</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flügeln,</HI> welche von den Luftfahrern ihrer Ab&longs;icht gemäß gegen die Luft, wie Ruder gegen das Wa&longs;&longs;er, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bewegt</HI> werden. Die damit ange&longs;tellten Proben &longs;ind noch bisher am glücklich&longs;ten ausgefallen, und die Brüder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> behaupten, am 19 Sept. 1784 damit 22 Grad Abweichung vom Winde erreicht zu haben. Es i&longs;t am be&longs;ten, &longs;olche Ruder ganz einfach zu machen; alle mechani&longs;che Kün&longs;teleyen würden mehr hinderlich &longs;eyn. So haben die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberts, Blanchard</HI> u. a. ganz einfache runde oder viereckigte Flächen von Seide oder Leinwand in einen Rahmen gefaßt, und mit dem Stiele, wenn &longs;ie nach der Richtung des Windes &longs;chlugen, die Fläche, wenn &longs;ie das Ruder gegen den Wind zurückzogen, die Schärfe nach dem Winde gekehrt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lunardi</HI> &longs;etzte &longs;eine Ruder aus &longs;eidnen Klappen zu&longs;ammen, welche &longs;ich, nach dem Winde bewegt, zu&longs;chlugen, gegen ihn geführt, öfneten, daß al&longs;o das Umwenden nicht nöthig war. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zambeccari</HI> richtete die &longs;einigen &longs;o ein, daß &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t umwendeten. Die glücklich&longs;te Wirkung &longs;ollen die Ruder der Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vallet</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alban</HI> bey ihrem Ver&longs;uche vom 29 Augu&longs;t 1785 gethan haben.</P><P TEIFORM="p">Der Vor&longs;chlag, durch eine kleine Oefnung an der Seite des Aero&longs;tats eine Störung des Gleichgewichts zu bewirken, und dadurch eine Bewegung der Kugel &longs;elb&longs;t in Wind&longs;tillen zu veranlä&longs;&longs;en, gehört dem einen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier</HI> &longs;elb&longs;t zu; andere haben durch den Stoß der Luft aus einer Aeolipile oder durch Abbrennung von Racketen gegen den Wind zu wirken angerathen. Noch andere glauben, da in den ver&longs;chiedenen Regionen der Atmo&longs;phäre ganz ver&longs;chiedene<PB ID="P.1.80" N="80" TEIFORM="pb"/> Luftzüge herr&longs;chen, die oft in der Höhe dem untern Winde ganz entgegenge&longs;etzt &longs;ind, &longs;o &longs;ey es genug, durch abwech&longs;elndes Steigen und Fallen diejenige Region aufzu&longs;uchen, in welcher der erwün&longs;chte Wind herr&longs;che. Die Ausführung die&longs;es Vor&longs;chlags &longs;etzt aber eine genauere Kenntniß der Winde in ver&longs;chiedenen Höhen voraus, als wir noch bisher erlangt haben.</P><P TEIFORM="p">Ueber den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nutzen,</HI> der &longs;ich von der Erfindung der Aero&longs;taten erwarten lä&longs;t, etwas ent&longs;cheidendes zu &longs;agen, i&longs;t bey einem &longs;o geringen Alter und unvollkommenen Zu&longs;tande der&longs;elben kaum möglich. Sie i&longs;t, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franklin</HI> ge&longs;agt haben &longs;oll, ein neugebohrnes Kind, das der Erziehung und Ausbildung bedarf, über de&longs;&longs;en künftige Verdien&longs;te zu ent&longs;cheiden, Thorheit wäre. Unter den Händen ein&longs;ichtsvoller Naturfor&longs;cher könnte &longs;ie vielleicht an&longs;ehnliche Verbe&longs;&longs;erungen erhalten, und zur Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften &longs;owohl als zum Vortheile der men&longs;chlichen Ge&longs;ell&longs;chaft auf manche Wei&longs;e nützlich werden; wofern nicht ein unglückliches Schick&longs;al &longs;ie ganz den Händen eitler oder gewinn&longs;üchtiger Waghäl&longs;e überliefert, die &longs;ie zur Schau herumzutragen, und den Enthu&longs;iasmus, mit dem man &longs;ie zuer&longs;t aufnahm, in kalte Gleichgültigkeit zu verwandlen anfangen. Die bisher ange&longs;tellten Luftfahrten &longs;ind freylich großentheils bloße Schau&longs;piele gewe&longs;en, und haben uns noch wenig eigentlichen Nutzen oder Belehrung über den Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre ver&longs;chaft, ob &longs;ich gleich die Luftfahrer immer &longs;ehr reichlich mit meteorologi&longs;chen Werkzeugen ausgerü&longs;tet hatten. Die auffallende Unterla&longs;&longs;ung des Gebrauchs die&longs;er Werkzeuge i&longs;t theils der Unwi&longs;&longs;enheit mancher Luft&longs;chiffer, theils ihrer &longs;ehr zu ent&longs;chuldigenden Zer&longs;treuung durch andere Gegen&longs;tände zuzu&longs;chreiben. Man i&longs;t inzwi&longs;chen den kühnen Unternehmern der er&longs;ten Luftrei&longs;en den wärm&longs;ten Dank &longs;chuldig; &longs;ie haben mit Gefahr ihres Lebens die Möglichkeit einer Unternehmung bewie&longs;en, die dem men&longs;chlichen Ver&longs;tande zur Ehre gereicht, und &longs;einer Wirk&longs;amkeit ein neues Gebiet eröfnet. Dem er&longs;ten Luftfahrer, Pilatre de Rozier, neb&longs;t &longs;einem Gefährten, hat &longs;ie zwar das Leben geko&longs;tet; allein wie wahr&longs;cheinlich<PB ID="P.1.81" N="81" TEIFORM="pb"/> i&longs;t es, daß unter den 60—70 er&longs;ten Seefahrern weit mehr, als zween, verunglückt &longs;eyn mögen. Auch haben nachher ange&longs;tellte Luftrei&longs;en &longs;chon bewie&longs;en, daß die&longs;er unglückliche Fall die Fort&longs;etzung der aero&longs;tati&longs;chen Ver&longs;uche nicht hemmen werde.</P><P TEIFORM="p">Welche Vortheile die&longs;e Erfindung in Zukunft gewähren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">könnte,</HI> kan &longs;ich jeder, auch mit nur mäßig lebhafter Einbildungskraft, &longs;elb&longs;t vor&longs;tellen; für die Phy&longs;ik werden genauere Unter&longs;uchungen über den Zu&longs;tand der Atmo&longs;phäre, über Wolken, Ent&longs;tehung des Regens und der Meteore überhaupt, über die Stralenbrechung, Abnahme der Schwere, Fortpflanzung des Schalls, Elektricität der Atmo&longs;phäre rc. die wichtig&longs;ten &longs;eyn. Zur Unter&longs;uchung der atmo&longs;phäri&longs;chen Elektricität &longs;ind kleinere Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, &longs;chon mit großem Vortheil, &longs;tatt der bisher gewöhnlichen Drachen, gebraucht worden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">De&longs;cription des experiences de la machine aéro&longs;tatique, par M. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Faujas de St. Fond.</HI> Paris. 1783. 8. Premiere &longs;uite de la de&longs;cription des exp. &c. Paris. 1784. 8.</HI> Be&longs;chreibung der Ver&longs;uche mit den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas de St. Fond.</HI> Leipzig 1784. 8. Fortge&longs;etzte Be&longs;chreibung rc. mit einem Nachtrage der neu&longs;ten Ver&longs;uche. Leipzig, 1785. 8.</P><P TEIFORM="p">Montgolfier&longs;che Luftkörper von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">F. L. Ebrmann.</HI> Straßburg 1784. 8. Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, hi&longs;tori&longs;ch, phy&longs;i&longs;ch und mathemati&longs;ch ausgeführt (von Kramp.) Er&longs;ter Theil. Straßburg 1784. Zweyter Th. eb. 1785. 8. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tib. Cavallo</HI> Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik, a. d. Engl. Leipzig 1785. 8.</P></DIV2><DIV2 N="Aero&longs;tatik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aero&longs;tatik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aëro&longs;tatica</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aéro&longs;tatique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er Name gebührt eigentlich der Lehre vom Gleichgewicht der Luft, &longs;owohl für &longs;ich, als mit andern Körpern, i&longs;t auch in die&longs;er Bedeutung &longs;ehr richtig &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. aero&longs;tat.)</HI> und neuerlich von Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kar&longs;ten</HI> (Lehrbegrif der ge&longs;ammten Mathematik. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Th. Greifswald 1769. 8.) gebraucht worden. Er bezeichnet auf die&longs;e Art einen gro&longs;&longs;en Theil der Aerometrie, welche &longs;ich in Aero&longs;tatik, Pnevmatik und Aerodynamik abtheilen lä&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aerometrie.</HI> Seit der Entdeckung der Luftbälle haben einige angefangen, den Namen der Aero&longs;tatik in einge&longs;chränkterm Sinne bloß<PB ID="P.1.82" N="82" TEIFORM="pb"/> der Lehre von den Aero&longs;taten (&longs;. den vorhergehenden Artikel) beyzulegen, die doch nur einen Theil der eigentlichen Aero&longs;tatik ausmacht. Meines Erachtens wäre für die&longs;e Lehre der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aeronautik</HI> &longs;chicklicher, da die Hauptab&longs;icht doch auf Luft&longs;chiffahrt, oder willkührliche Bewegung der Aero&longs;taten in der Luft, gerichtet i&longs;t. Die Engländer, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo,</HI> brauchen das noch un&longs;chicklichere Wort: <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aero&longs;tation,</HI></HI> welches eher die Kun&longs;t bezeichnet, in der Luft <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tillzu&longs;tehen,</HI> als die, in der&longs;elben zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chiffen.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, &longs;. Aero&longs;tat.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aether" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aether, Himmelsluft, feine Materie im Weltraume</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aether, materia &longs;ubtilis, elementum primum Carte&longs;ii. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ether, matière &longs;ubtile.</HI></HI> Namen, welche die Naturfor&longs;cher einer von ihnen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">angenommenen</HI> äu&longs;&longs;er&longs;t feinen und ela&longs;ti&longs;chen flüßigen Materie beylegen, welche durch den ganzen Weltraum verbreitet &longs;eyn, und durch die Zwi&longs;chenräume aller Körper dringen &longs;oll. Alles, was &longs;ich von die&longs;em Gegen&longs;tande &longs;agen lä&longs;t, i&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">hypotheti&longs;ch,</HI> und blos zu Erklärung gewi&longs;&longs;er Er&longs;cheinungen angenommen; unmittelbare und klare Erfahrungen über das Da&longs;eyn und die Eigen&longs;chaften des Aethers fehlen gänzlich. Daher die&longs;er Artikel nichts weiter, als eine kurze Anzeige men&longs;chlicher Meinungen, enthalten kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI> welcher voraus&longs;etzte, daß es in der Welt gar keinen leeren Raum gebe, nahm an, der Schöpfer habe bey Hervorbringung der Welt eine Ménge Theilchen von ver&longs;chiednen Ge&longs;talten in Bewegung ge&longs;etzt; durch das Abreiben die&longs;er Theilchen an einander &longs;eyen drey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Elemente</HI> ent&longs;tanden; aus den fein&longs;ten abgeriebnen Stäubchen be&longs;tehe das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te,</HI> aus den kugelförmigen Theilchen das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyte,</HI> aus den gröbern und unregelmäßig gebildeten das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dritte Element.</HI> Die&longs;es dritte Element &longs;ey der Stof der Erde und der Planeten, das zweyte die Materie des Lichts, das er&longs;te aber oder die &longs;ubtile Materie bilde, wenn &longs;ie &longs;ich um einen Mittelpunkt ordne, eine Sonne, fülle aber auch die Zwi&longs;chenräume aus, welche zwi&longs;chen den eckigten oder runden Ge&longs;talten der übrigen Elemente<PB ID="P.1.83" N="83" TEIFORM="pb"/> leer blieben, und &longs;o &longs;chließe die Materie des Ganzen mit der vollkommen&longs;ten Berührung zu&longs;ammen. So hat er &longs;ich unter dem Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;ten Elements</HI> fa&longs;t eben das vorge&longs;tellt, was neuere Naturlehrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> nennen, eine feine durch den Weltraum und die Zwi&longs;chenräume der Körper verbreitete Materie, die er zwar von der Materie des Lichts unter&longs;chied, aber doch mit zur Erklärung des Lichts und überhaupt aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt gebrauchte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Malebranche</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recherche de la verité. L. VI. ch. 9.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iacob Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De gravitate aetheris. Am&longs;t. 1683. 8.)</HI> &longs;chreiben dem Drucke einer &longs;olchen Materie, die &longs;ie Aether nennen, die Fe&longs;tigkeit und den Zu&longs;ammenhang der Körper zu. Der letztere nimmt eigentlich den Aether hiebey zu Hülfe, weil er mit dem Drucke der Luft allein nicht auskommen kann.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Traité de la lumiere. Leide 1690. 4.)</HI> legt der Lichtmaterie &longs;elb&longs;t den Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> bey, &longs;chreibt ihr Ela&longs;ticität zu, und erklärt die Fortpflanzung des Lichts in der&longs;elben durch wellenförmige Bewegungen, oder Wirbel, welche jedes von dem leuchtenden Körper bewegte Theilchen der&longs;elben rings um &longs;ich her errege. Er leitet die Phänomene des Doppel&longs;teins oder isländi&longs;chen Kry&longs;talls von einer doppelten Art die&longs;er Wirbel her, deren eine kugelrund, die andere länglich &longs;ey. So erdachten &longs;ich die&longs;e Naturlehrer Materien und Bewegungen der&longs;elben nach ihrem Gefallen und nach dem Bedürfni&longs;&longs;e ihrer Hypothe&longs;en, ohne eine einzige unmittelbare Erfahrung über das wirkliche Da&longs;eyn der&longs;elben anzuführen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> dem die willkührliche und hypotheti&longs;che Art, über die Natur zu philo&longs;ophiren, äußer&longs;t misfiel, ward durch Experimentalunter&longs;uchungen des Lichts auf das Emanations&longs;y&longs;tem geleitet, und erklärt &longs;ich an ver&longs;chiedenen Stellen &longs;einer Schriften gegen die Hypothe&longs;en vom Aether, &longs;o wie gegen alle Hypothe&longs;en überhaupt. Haupt&longs;ächlich aber be&longs;treitet er die Meinungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> von dem völlig ausgefüllten Raume, und des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> von der Fortpflanzung des Lichts durch wellenförmige Schwingungen des Aethers. Inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;eine Meinung<PB ID="P.1.84" N="84" TEIFORM="pb"/> wohl nicht dahin gegangen, das Da&longs;eyn einer feinen Materie im Himmelsraume und in den Zwi&longs;chenräumen der Körper zu läugnen. Wenn er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. naturalis princip. math. L. III. Prop. 10.)</HI> behauptet, die Planeten litten bey ihren Bewegungen im Himmelsraume keinen Wider&longs;tand, &longs;o bewei&longs;et er die&longs;es nur daraus, weil die Luft 200 Meilen über der Erde &longs;chon 75 Billionenmal dünner, als an der Erdfläche &longs;ey, und Iupiter in einem &longs;o dünnen Mittel eine Million Jahre laufen könnte, ehe er durch den Wider&longs;tand de&longs;&longs;elben nur ein Milliontheilchen der ihm mitgetheilten Bewegung verlieren würde. Dies hei&longs;t wohl nicht, eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ab&longs;olute Leere,</HI> es hei&longs;t, eine äußer&longs;t feine Materie in den Himmelsraum &longs;etzen, oder es hei&longs;t vielmehr, nicht ent&longs;cheiden, aber nur zeigen, daß auch, wenn eine &longs;olche Materie da wäre, der Wider&longs;tand doch nicht merklich &longs;eyn könne. Und was den Aether in den Zwi&longs;chenräumen der Körper betrift, &longs;o zeigt der Schluß &longs;einer Principien deutlich, daß er das Da&longs;eyn de&longs;&longs;elben für wahr&longs;cheinlich gehalten habe. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">”Adjicere liceret,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">non”nulla de &longs;piritu quodam &longs;ubtili&longs;&longs;imo corpora cra&longs;&longs;a per”vadente, et in iisdem latente etc.“</HI> Er wirft über die&longs;e in den Körpern verborgne feine Materie in &longs;einer Optik einige merkwürdige Fragen auf. Zwar i&longs;t nicht zu läugnen, daß in den ältern Ausgaben die&longs;es Werks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Optice; aut. I&longs;. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Newtono,</HI> latine redd. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Sam. Clarke.</HI> Lond. 1706. 4. qu. 23.)</HI> &longs;eine Ausdrücke mehr Kräfte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(virtutes, potentias)</HI> bezeichnen, als den Stoß einer feinen Materie angeben. Er &longs;etzt aber ausdrücklich hinzu: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Fieri &longs;ane pote&longs;t, ut haec attractio efficiatur <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Impul&longs;u.</HI></HI> Allein in des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Co&longs;te</HI> franzö&longs;t&longs;cher Ueber&longs;etzung, welche nach der zweyten engli&longs;chen Ausgabe von 1718 gemacht i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Traité d' optique, par M. le Chev. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Newton.</HI> Am&longs;terd. 1720. gr. 12.)</HI> &longs;ind die der Optik beygefügten Fragen ganz umgeändert. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> fragt hier <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(qu. 18—21),</HI> ob nicht vielleicht die Erwärmung der Körper durch die Licht&longs;tralen, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, Schwere, und viele andere Phänomene der Körperwelt, durch eine ela&longs;ti&longs;che Materie erklärt werden könnten, deren Schwingungen 700000mal<PB ID="P.1.85" N="85" TEIFORM="pb"/> &longs;chneller, als die Schwingungen der Luft beym Schalle, wären, und die daher eine 490000 Millionenmal &longs;tärkere Ela&longs;ticität, als die Luft, be&longs;itze; ob nicht die Wärme den luftleeren Raum mit Hülfe eines weit feinern Mittels durchdringe; ob nicht die Zurückwerfung des Lichts von der ver&longs;chiednen Dichte die&longs;es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ätheri&longs;chen Mittels</HI> herrühre, u. &longs;. w. Die&longs;e Fragen bewei&longs;en deutlich, daß <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> das Da&longs;eyn einer &longs;olchen Materie keineswegs für unwahr&longs;cheinlich gehalten habe. Inzwi&longs;chen konnte er bey &longs;einer Lehrart, welche blos von allgemeinen Phänomenen ausgieng, ohne deren Ur&longs;achen erklären zu wollen, den Aether, &longs;o wie alle Hypothe&longs;en, völlig entbehren.</P><P TEIFORM="p">Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> hat in &longs;einer mit &longs;o vielem Beyfall aufgenommenen Theorie des Lichts und der Farben (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht</HI>) <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> oben angeführte Meinung zum Grunde gelegt, und ein Gebäude von Rechnungen darauf errichtet, welches ihn als Mathematiker in &longs;einer ganzen Größe zeigt. Fortpflanzung des Lichts und Ent&longs;tehung der Farben werden darinn lediglich den Schwingungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aethers</HI> zuge&longs;chrieben. Als Phy&longs;iker, hätte der vortrefliche Urheber die&longs;er Theorie eigentlich mit Erfahrungen über das Dafeyn eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aethers</HI> den Anfang machen &longs;ollen, wenn &longs;eine Lehre mehr als Hypothe&longs;e oder Vor&longs;tellungsart &longs;eyn &longs;ollte. Statt de&longs;&longs;en begnügt er &longs;ich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Emanations&longs;y&longs;tem und die Leere der Himmelsräume zu be&longs;treiten. Er wundert &longs;ich, daß <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> um die Bewegung der Planeten nicht zu hindern, eine Leere im Himmelsraume angenommen, und doch durch &longs;eine ausfließenden Licht&longs;tralen die&longs;e Leere wieder mit einer Materie ausgefüllt habe, deren &longs;tete und heftige| Bewegung den |Lauf der Planeten unendlich &longs;tärker &longs;tören mü&longs;&longs;e. ”Ein trauriges Bey&longs;piel ”men&longs;chlicher Weisheit,“ &longs;agt er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettres à une prince&longs;&longs;e d' Allemagne. L. 18.),</HI> ”die, um einer Schwie”rigkeit auszuweichen, oft auf eine weit größere Thor”heit verfällt.“ Dies Urtheil über <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;cheint mir zu hart; ich kenne keine Stelle &longs;einer Schriften, die eine ab&longs;olute Leere im Weltraume behauptete; er &longs;treitet überall blos gegen den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ab&longs;olut</HI> und ohne alle leere Zwi&longs;chenräume<PB ID="P.1.86" N="86" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erfüllten Raum</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">plein ab&longs;olu</HI>)</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI> und wenn einige &longs;einer Schüler und deren Aus&longs;chreiber aus Misver&longs;tand, zum Theil aus Unver&longs;tand, weiter gegangen &longs;ind, &longs;o muß man ihre kühnen Aus&longs;prüche nicht für Behauptungen des weit be&longs;cheidnern und vor&longs;ichtigern Lehrers halten.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> macht &longs;ich vom <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether,</HI> der ihm zu &longs;einer Theorie vom Lichte unentbehrlich i&longs;t, die Vor&longs;tellung, daß er eine höch&longs;t feine, flüßige, ela&longs;ti&longs;che Materie &longs;ey, und vermöge &longs;einer Ela&longs;ticität die Himmelsräume &longs;owohl, als die Zwi&longs;chenräume der Körper erfülle. Er erklärt durch die Schwingungen de&longs;&longs;elben das Licht und die Farben, aus &longs;einer Ela&longs;ticität die elektri&longs;chen Er&longs;cheinungen und viele andere Phänomene der Natur. Der Beyfall, den die Euleri&longs;che Theorie des Lichts unter den Naturfor&longs;chern gefunden hat, hat auch die&longs;er Idee vom Aether eine fa&longs;t allgemeine Aufnahme ver&longs;chaft; und in der That kan man eben &longs;o wenig gegen die Wahr&longs;cheinlichkeit des Da&longs;eyns einer &longs;olchen Flüßigkeit etwas einwenden, als man unmittelbare Vewei&longs;e dafür anführen oder Ver&longs;uche über ihre Natur an&longs;tellen kan. Daß die Himmelsräume nicht leer &longs;ind, und daß &longs;elb&longs;t in luftleeren Räumen noch etwas weit feineres, als Luft, vorhanden &longs;ey, lä&longs;t &longs;ich gar nicht läugnen: daß man die&longs;es Etwas <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> nenne, dawider i&longs;t nichts einzuwenden, wenn man nur zugleich ge&longs;tehet, daß wir nicht viel von die&longs;em Etwas wi&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Einige A&longs;tronomen haben in den Bewegungen der Planeten Veränderungen finden wollen, welche einigen Wider&longs;tand des Mittels, in welchem &longs;ie laufen, anzuzeigen &longs;cheinen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De relaxatione motus planetarum a re&longs;i&longs;tentia aetheris orta in Opu&longs;c. To.I. no.4.)</HI> &longs;etzt &longs;ie haupt&longs;ächlich in eine Verkürzung der großen Axen ihrer Bahnen und der Umlaufszeiten; er nimmt an, das Sonnenjahr werde alle Jahrhunderte etwa um 5 Secunden kürzer. Die Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften hatte für 1762 die Frage aufgegeben, ob dergleichen Wider&longs;tand vorhanden wäre, und was er für Wirkungen hätte. Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abbé Bo&longs;&longs;ut</HI> erhielt den Preiß und Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albert Euler</HI><PB ID="P.1.87" N="87" TEIFORM="pb"/> das Acce&longs;&longs;it <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil des piéces, qui ont remporté le prix de l'ac. roy. To. VIII. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bo&longs;&longs;ut</HI> Recherches &longs;ur les altérations, que la re&longs;i&longs;tence de l' éther peut produire dans les mouvemens moyens des planétes. Charleville 1766. 4.)</HI> Dennoch urtheilt Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> (A&longs;tronom Handb. §. 1059.), bisher bewei&longs;e noch nichts einen Wider&longs;tand der ätheri&longs;chen Materie; und nach dem Einge&longs;tändni&longs;&longs;e aller A&longs;tronomen mü&longs;ten die Himmelskörper, wenn nicht in einem ganz leeren Raume, wenig&longs;tens in einer Materie &longs;ich befinden, deren Wirkung unmerklich, und welche für uns eben &longs;o, als ein leerer Raum, &longs;ey.</P></DIV2><DIV2 N="Aether" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aether</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aether, Naphtha, Spiritus aethereus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ether.</HI></HI> In der Chemie i&longs;t dies der Name einer weißen durch&longs;ichtigen Feuchtigkeit, von einem be&longs;ondern höch&longs;tdurchdringenden Geruche, welche ungemein leicht, flüchtig und entzündbar i&longs;t, und aus dem Weingei&longs;te vermittel&longs;t der Säuren bereitet wird. Der Aether vermi&longs;cht &longs;ich nicht in allen Verhältni&longs;&longs;en mit dem Wa&longs;&longs;er; er &longs;cheint überhaupt einigen Chymikern das Mittel zwi&longs;chen dem Weingei&longs;te und den Oelen zu halten, und ein Weingei&longs;t zu &longs;eyn, der durch die Säure &longs;eines Wa&longs;&longs;ers zum Theil beraubt, und der Natur der Oele näher gebracht worden i&longs;t; andere glauben, die Säure wirke mehr auf des Weingei&longs;ts ölichte Theile, und erzeuge mit ihnen den Aether.</P><P TEIFORM="p">Der Aether wird durch die De&longs;tillation des rectificirten Weingei&longs;ts mit Säuren bereitet; je nachdem man hiezu Vitriol&longs;äure, Salpeter&longs;äure, Eßig&longs;äure oder Salzgei&longs;t gebraucht, erhält er die Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vitriolaether</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Naphtha vitrioli),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Salpeteraether, Eßigaether, Salzaether.</HI> Ohne nähere Be&longs;timmung des Worts wird unter Aether gemeiniglich Vitriolaether ver&longs;tanden.</P><P TEIFORM="p">Der Aether verdün&longs;tet äußer&longs;t leicht, und bringt dabey eine große Kälte hervor. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baume</HI> hat ein Reaumüri&longs;ches Thermometer durch Umwicklung der Kugel mit Leinwand, die in Aether getaucht war, bis auf 40 Grad unter den Eispunkt fallen fehen. Man kan al&longs;o damit im heiße&longs;ten Sommer Wa&longs;&longs;er zum Gefrieren bringen. Etwas<PB ID="P.1.88" N="88" TEIFORM="pb"/> Aether in einem kleinen Löffel verdün&longs;tet bald in der Lu&longs;t, und ver&longs;chwindet aus den Augen. Er i&longs;t ein kräftiges Auflö&longs;ungsmittel aller ölichten Materien, z. B. des Copals, des ela&longs;ti&longs;chen Harzes u. &longs;. w., nimmt das Gold aus dem Königswa&longs;&longs;er an &longs;ich, und wird in der Arzneykun&longs;t mit Weingei&longs;t vermi&longs;cht zu dem Hofmanni&longs;chen &longs;chmerz&longs;tillenden Gei&longs;te <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(liquor anodynus mineralis)</HI> gebraucht.</P><P TEIFORM="p">Macquer's chym. Wörterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aetzbarkeit, &longs;. Kau&longs;ticität.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Affinität, &longs;. Verwandt&longs;chaft.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aggregat" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aggregat, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aggregatum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aggrégation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Wenn ein Ganzes aus mehrern Theilen &longs;o ent&longs;teht, daß ein Theil &longs;ich blos neben den andern legt, und durch die Kraft des Zu&longs;ammenhangs bey der Berührung, oder durch ein bindendes Mittel mit dem nebenliegenden vereiniget wird, &longs;o erhält ein &longs;olches Ganzes den Namen Aggregat. Dabey bleibt die Be&longs;chaffenheit der Theile unverändert. Wenn hingegen die Theile in einander greifen, einander auflö&longs;en, und &longs;ich &longs;o zu einem Ganzen verbinden, das andere Eigen&longs;chaften hat, als vorher jeder Theil für &longs;ich hatte, &longs;o heißt das Ganze ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gemi&longs;ch, Mi&longs;chung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mixtum).</HI> So i&longs;t z. B. ein Sand&longs;tein oder eine Breccia ein Aggregat von Körnern oder Steinen; eine Silberauflö&longs;ung hingegen eine Mi&longs;chung von Silber und Scheidewa&longs;&longs;er.</P></DIV2><DIV2 N="Akronykti&longs;ch" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Akronykti&longs;ch, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acronychos &longs;. Acronyctus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acronyche, Acronyctique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;t der Auf- oder Untergang der Ge&longs;tirne, wenn er zu Anfang der Nacht, oder mit Sonnenuntergang ge&longs;chieht. So geht Sirius für Leipzig jährlich um den 8 Febr. mit Sonnenuntergang auf, und um den 17 May mit der Sonne zugleich unter. Dies &longs;ind al&longs;o bey uns die Tage &longs;eines akronykti&longs;chen Auf- und Untergangs.</P><P TEIFORM="p">In den älte&longs;ten Zeiten, ehe noch der Kalender gehörig geordnet war, pflegte man die Tage des Jahres durch das mit Auf- oder Untergang der Sonne erfolgende<PB ID="P.1.89" N="89" TEIFORM="pb"/> Auf und Untergehen der Ge&longs;tirne zu bezeichnen. Dies haben noch zu den Zeiten der Griechen und Römer die Dichter und Schrift&longs;teller vom Feldbau beybehalten. Es i&longs;t daher zur Erklärung der Alten nothwendig, die Tage des Jahres finden zu können, an welchen zu jeder Zeit und an jedem Orte ein gegebnes Ge&longs;tirn akronykti&longs;ch u. &longs;. w. auf- und untergegangen i&longs;t. Noch etwas hievon &longs;. unter dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aku&longs;tik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aku&longs;tik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acu&longs;tice</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acou&longs;tique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen führt die Lehre vom Schall und Ton, welche zugleich die phy&longs;ikali&longs;chen und mathemati&longs;chen Gründe der Mu&longs;ik in &longs;ich begreift. Der Name i&longs;t griechi&longs;chen Ur&longs;prungs, und bedeutet: Gehörlehre.</P><P TEIFORM="p">Die mathemati&longs;che Theorie der Mu&longs;ik hat &longs;chon die Alten be&longs;chäftiget. Man &longs;chreibt ihre Erfindung dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagoras</HI> zu, welcher nach der Erzählung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iamblichus</HI> in dem Klange der Schmiedehämmer Accorde bemerkt, und aus dem Gewichte der Hämmer die Verhältni&longs;&longs;e der&longs;elben ge&longs;chlo&longs;&longs;en haben &longs;oll. Es wird hinzuge&longs;etzt, er habe Saiten durch angehangene Gewichte von gleicher Größe mit den Gewichten der Hämmer ge&longs;pannt, und dadurch eben die&longs;e Accorde erhalten. Die&longs;er Zu&longs;atz i&longs;t offenbar fal&longs;ch, weil die Verhältni&longs;&longs;e der Accorde oder Con&longs;onanzen (z. B. für die Octave 1:1/2) nicht Verhältni&longs;&longs;e der Spannungen, &longs;ondern vielmehr der Längen der Saiten &longs;ind, und angehangene Gewichte, wenn &longs;ie Saiten von gleicher Länge zu einem Accorde &longs;pannen &longs;ollen, &longs;ich nicht, wie jene Längen, &longs;ondern umgekehrt, wie die Quadratzahlen der&longs;elben (für die Octave wie 1/4:1) verhalten mü&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die theoreti&longs;chen Mu&longs;iker der Alten haben &longs;ich in zwo Secten, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagoräer</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toxenianer,</HI> getheilt. Jene &longs;ahen mit Recht auf die Zahlen, welche die Verhältni&longs;&longs;e der Accorde ausdrücken, hiengen aber an gewi&longs;&longs;en willkührlich angenommenen Sätzen, z. B. daß die Quarte über der Octave keine Con&longs;onanz gebe, weil ihr Verhältniß (1:3/8) nicht einfach genug &longs;ey. Die&longs;e verwarfen die Verhältni&longs;&longs;e gänzlich, beriefen &longs;ich blos auf<PB ID="P.1.90" N="90" TEIFORM="pb"/> Empfindung, und rechneten alle Intervalle nach Tönen und halben Tönen, ohne &longs;ich zu bekümmern, was ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ton,</HI> und ob jedes Intervall eines ganzen oder halben Tons &longs;o groß, als das andere, &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Die älte&longs;ten Schrift&longs;teller über die Mu&longs;ik hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Marcus Meibom</HI> unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mu&longs;ici veteres, 1652.</HI> in zween Quartbänden herausgegeben. Des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Claudius Ptolomäus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Harmonica</HI> neb&longs;t des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porphyrius</HI> Commentar und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Manuels von Bryenne</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Harmonica</HI> &longs;ind von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallis</HI> zn Oxford, 1682. 4. edirt, und nachher in den dritten Band &longs;einer Werke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Io. Walli&longs;ii</HI> Opera mathematica. Oxon. 1699. III Vol. fol.)</HI> eingerückt worden.</P><P TEIFORM="p">Die neuere Tonkun&longs;t weicht von den Grund&longs;ätzen der Alten beträchtlich ab. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Harmonie,</HI> oder Zu&longs;ammen&longs;timmung mehrerer einander begleitenden Stimmen, i&longs;t, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bürette</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;toire de l' Acad. des in&longs;criptions et belles lettres. a. 1716.)</HI> &longs;ehr wahr&longs;cheinlich gezeigt hat, den Alten ganz unbekannt gewe&longs;en; unter den Neuern aber anfänglich blos nach Empfindung und Gehör behandlet, und er&longs;t von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rameau</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Traité de la harmonie. Paris 1722. 4.),</HI> wiewohl mit vielem willkührlichen vermi&longs;cht, in ein Sy&longs;tem gebracht worden. Seit die&longs;er Zeit haben &longs;ich Mathematiker und Tonkün&longs;tler vereiniget, um die Regeln der Mu&longs;ik auf be&longs;timmte Grund&longs;ätze zu bringen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tentamen novae theoriae mu&longs;ices. Petrop. 1739.</HI> gr. 4.) behandlet die Tonkun&longs;t ganz mathemati&longs;ch, und hat zuer&longs;t über die vorher blos durch Proben und Erfahrung verbe&longs;&longs;erten Blasin&longs;trumente etwas gründliches gefagt; brauchbare Werke für die Tonkün&longs;tler &longs;elb&longs;t haben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kirnberger</HI> (Die Kunft des reinen Satzes in der Mu&longs;ik. Berlin 1771. 4.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Marpurg</HI> (Ver&longs;uch über die mu&longs;ikali&longs;che Temperatur. Breslau 1776. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sulzer</HI> (Allgem. Theorie der &longs;chönen Kün&longs;te in alphabeti&longs;cher Ordnung. Leipz. 1773. gr. 8.) geliefert.</P></DIV2><DIV2 N="Aku&longs;ti&longs;che Werkzeuge" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aku&longs;ti&longs;che Werkzeuge</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">In&longs;trumenta acu&longs;tica, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">In&longs;trumens acou&longs;tiques,</HI></HI> Werkzeuge, deren &longs;ich &longs;chwer hörende<PB ID="P.1.91" N="91" TEIFORM="pb"/> Per&longs;onen bedienen, um die Wirkung des Schalls auf ihr Gehör zu ver&longs;tärken, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Hörrohr.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alaun" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alaun, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alumen</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alun</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein erdiges Mittel&longs;alz, welches durch Verbindung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vitriol&longs;äure</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thonerde</HI> oder Alaunerde ent&longs;teht. Es lä&longs;t &longs;ich leicht in Wa&longs;&longs;er auflö&longs;en und kry&longs;talli&longs;iren, hat einen herb-&longs;üßlichen &longs;tark zu&longs;ammenziehenden Ge&longs;chmack, und weil die Kry&longs;tallen de&longs;&longs;elben viel Wa&longs;&longs;er enthalten, &longs;o gerathen &longs;ie über dem Feuer von &longs;elb&longs;t in Fluß, das Wa&longs;&longs;er verdün&longs;tet, und es bleibt der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gebrannte Alaun,</HI> ein lockeres, trocknes und leicht zerreibliches Salz, übrig. Man bereitet den Alaun aus mancherley kie&longs;igten und erdigten Materien, z. B. aus einer Erde der Solfatara bey Puzzuolo, einem Steine in der Gegend von Civita-Vecchia, aus Kie&longs;en und Erzen ver&longs;chiedener Bergwerke. Man gebraucht ihn vorzüglich in der Färbekun&longs;t, in der er eine Hauptmaterie ausmacht, um die Farben zu befe&longs;tigen; außerdem zum Planiren des Papiers, Aus&longs;ieden des Silbers, Ver&longs;ilbern des Kupfers, zur Lederbereitung, zu feuerabhaltenden An&longs;trichen, zu Lackfarben u. &longs;. w.; auch in der Arzneykunde als ein wirk&longs;ames zu&longs;ammenziehendes Mittel.</P><P TEIFORM="p">Macquer chym. Wörterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alaun.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alaunerde, &longs;. Thonerde.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alchymie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alchymie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alchymia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alchymie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen, der wegen des vorge&longs;etzten arabi&longs;chen Artikels &longs;o viel, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chymie im vorzüglichen Ver&longs;tande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Chymie par excellence</HI>)</HI> bedeutet, legen die &longs;ogenannten Adepten ihrer vermeinten Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey, durch welche &longs;ie die Operationen der Natur im Innern der Erde, Erzeugung nnd Verwandlung der Metalle u. dgl. nachzuahmen und auszuführen &longs;uchen. Seitdem man dem Golde durch ein&longs;timmigen Vergleich einen &longs;o hohen Werth beygelegt hat, &longs;eitdem hat anch die der aufgeklärtern Chymie &longs;o &longs;chädliche Raferey des Goldmachens gewüthet. Ohne die noch bis jezt unent&longs;chiedene Frage von der Möglichkeit de&longs;&longs;elben zu unter&longs;uchen, überließen &longs;ich oft Köpfe, die auf einem be&longs;&longs;ern<PB ID="P.1.92" N="92" TEIFORM="pb"/> Wege mehr zu lei&longs;ten vermocht hätten, den Trieben der Gewinn&longs;ucht, zogen ihre Unter&longs;uchungen gänzlich auf den engen Punkt des Goldmachens zu&longs;ammen, ver&longs;teckten &longs;ich bey ihren fehlge&longs;chlagnen Erwartungen hinter den Schleyer einer geheimnißvollen und räth&longs;elhaften Sprache, oder täu&longs;chten auch wohl leichtgläubige Men&longs;chen durch kühne Betrügereyen. Um ihrer eitlen Kun&longs;t An&longs;ehen zu ver&longs;chaffen, &longs;chrieben &longs;ie ihr ein hohes Alter zu, und &longs;uchten &longs;ie in den Lehren des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hermes</HI> und in der Weisheit der alten Egyptier zu finden. Leider hat die Ge&longs;chichte der Chymie bis ins &longs;echszehnte Jahrhundert keine andern als alchymi&longs;ti&longs;che Schriften aufzuwei&longs;en, in welchen durch eine Menge von unver&longs;tändlichen Worten und &longs;elt&longs;amen Ideen nur hin und wieder eine oder die andere nützliche Wahrheit durch&longs;chimmert. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Theophra&longs;tus Paracel&longs;us Bomba&longs;t von Hohenheim,</HI> ein berüchtigter Alchymi&longs;t des &longs;echszehnten Jahrhunderts und ein Mann von aus&longs;chweifender Lebhaftigkeit, &longs;etzte zu den vorigen Thorheiten noch die vorgebliche Erfindung einer Univer&longs;almedicin hinzu, verbrannte in einem Anfalle von Ra&longs;erey die Bücher der alten Aerzte, und ward, ob er gleich im acht und vierzig&longs;ten Jahre &longs;tarb, dennoch der Stifter einer Secte, welche durch einen und ebendenfelben Proceß &longs;ich Gold und Un&longs;terblichkeit zu ver&longs;chaffen &longs;uchte. Diejenigen unter &longs;einen Nachfolgern, welche &longs;ich ihren Endzweck erreicht zu haben rühmten, nannten &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adepten,</HI> und das Mittel, welches ihnen die Erfüllung ihrer Wün&longs;che ver&longs;chaffen &longs;ollte, den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stein der Wei&longs;en,</HI> &longs;o wie &longs;ie auch &longs;ich &longs;elb&longs;t den Namen der Feuerphilo&longs;ophen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;ophi per ignem)</HI> beylegten. So nannten &longs;ich in ältern Zeiten die Sterndeuter Mathematiker, wie Sertus Empirikus &longs;agt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">magnifico nomine artis vanitatem exornaturi.</HI></P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen i&longs;t doch un&longs;ere neuere durch Bemühungen verdien&longs;tvoller Männer &longs;o &longs;ehr aufgeklärte Chymie eine Tochter die&longs;er übelberüchtigten Mutter, obgleich beyde mit einander nichts mehr, als den Namen, und einige im Gebrauch gebliebene Kun&longs;tworte und Bezeichnungen gemein haben. Schon im &longs;echszehnten Jahrhundert, und<PB ID="P.1.93" N="93" TEIFORM="pb"/> zu den Zeiten des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Paracel&longs;us</HI> &longs;elb&longs;t, fiengen einige ver&longs;tändige und gelehrte Männer, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Agricola, Erker</HI> rc. an, einen be&longs;&longs;ern Weg zu bezeichnen, indem &longs;ie zuer&longs;t deutlich und genau die Arbeiten des Bergbaues und der chymi&longs;chen Bereitung der Erze be&longs;chrieben, welche bis dahin in einem &longs;tillen aber ununterbrochenen Fortgange getrieben und &longs;chon zu einer ziemlichen Vollkommenheit gebracht worden waren. Der Ge&longs;chmack an den nützlichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaften erweckte nach und nach mehrere, welche die bisher in den Händen gemeiner Arbeiter und Handwerker verborgen gelegnen techni&longs;chen Handgriffe öffentlich bekannt machten, und weitere Unter&longs;uchungen darüber veranlaßten. Dies i&longs;t der eigentliche Ur&longs;prung der ächten neuern Chymie, mit welcher jedoch noch viele, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Libavius, Van Helmont, Borrichius</HI> u. a. die alten alchymi&longs;ti&longs;chen Thorheiten zu vereinigen &longs;uchten.</P><P TEIFORM="p">Durch das ganze &longs;iebzehnte Jahrhundert hindurch hat der Streit zwi&longs;chen Wahrheit und Irrthum in die&longs;em Fache mit voller Lebhaftigkeit fortgedauret. Auf der einen Seite verbreiteten die Experimentalunter&longs;uchungen der Naturfor&longs;cher, die wichtigen Entdeckungen &longs;o vieler neuen Wahrheiten, der Um&longs;turz eben &longs;o vieler alten Hypothe&longs;en rc. ein ganz unerwartetes Licht über die Naturlehre und Chymie; auf der andern &longs;ahe man noch oft die be&longs;ten Köpfe den alten Ungereimtheiten nachhängen, und die &longs;ogenannte Ge&longs;ell&longs;chaft der Ro&longs;encreuzer, die &longs;ich be&longs;onderer Geheimni&longs;&longs;e rühmte, riß einige der grö&longs;ten Männer zu ihren Thorheiten hin. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Conring</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De hermetica Aegyptiorum et nova Paracel&longs;icorum medicina. Helm&longs;t. 1669.)</HI> be&longs;tritt die Alchymie mit Gründlichkeit und Beyfall; da er aber die hi&longs;tori&longs;chen Zeugni&longs;&longs;e, auf welche &longs;ich die Alchymi&longs;ten &longs;tützen, nicht genug zu entkräften ge&longs;ucht hatte, &longs;o fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Olaus Borrichius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De Hermetis, Aegyptiorum et Chemicorum, &longs;apientia. Hafn. 1674.)</HI> noch Stof genug zu einer Vertheidigung. Dennoch hat &longs;ich &longs;eit Conrings Widerlegung das herabge&longs;unkene An&longs;ehen der Alchymie unter den Gelehrten nie wieder ganz emporheben können; und die großen Erweiterungen, welche die ächte Chymie<PB ID="P.1.94" N="94" TEIFORM="pb"/> &longs;eit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stahls</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhavens</HI> Zeiten erhalten hat, haben da&longs;&longs;elbe gänzlich zu Boden ge&longs;chlagen.</P><P TEIFORM="p">Es hat inzwi&longs;chen bis auf den heutigen Tag &longs;owohl Betrüger als Betrogne gegeben, welche die alten Vorurtheile zu erneuern bemüht gewe&longs;en &longs;ind; und noch itzt &longs;chleicht im Dunklen ein Hang zu vermeinten Geheimni&longs;&longs;en und verborgnen Kün&longs;ten, welche, &longs;o &longs;ehr &longs;ie auch von den wahren Gelehrten verachtet werden, dennoch einen großen Theil der Men&longs;chen an &longs;ich ziehen. Bewei&longs;e hievon &longs;ind die Menge unver&longs;tändlicher alchymi&longs;ti&longs;cher Schriften, welche noch jezt ge&longs;ammlet, wieder aufgelegt, und mit Begierde gekauft und gele&longs;en werden, die Ent&longs;tehung eines eignen alchymi&longs;ti&longs;chen Magazins (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schröters</HI> neue Sammlung für die höhere Naturwi&longs;&longs;en&longs;chaft und Chemie, Frkf. u. Leipz. &longs;eit 1775. 8.), und Ge&longs;chichten wie die des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Price</HI> (&longs;. Göttingi&longs;ches Magazin 3ten Jahrgangs 3tes Stück), welche mit der &longs;o geprie&longs;enen Aufklärung un&longs;ers Zeitalters in einem &longs;onderbaren Contra&longs;te &longs;tehen. Die&longs;en Thorheiten haben &longs;chon mehrere ein&longs;ichtsvolle Chymiker, z. B. Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wiegleb</HI> (Hi&longs;tori&longs;ch-kriti&longs;che Unter&longs;uchung der Alchemie, oder eingebildeten Goldmacherkun&longs;t. Weimar 1777. 8.) zu &longs;teuren ge&longs;ucht, und vielleicht darf man hoffen, in Zukunft durch mehrere Verbreitung der Wahrheit, und Entlarvung des unter der Decke vermeinter Geheimni&longs;&longs;e verborgnen Betrugs, alle die&longs;e traurigen Ueberbleib&longs;el der Barbarey und des Fanatismus gänzlich ausgetilget zu &longs;ehen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alkali, &longs;. Laugen&longs;alze.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alkohol" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alkohol, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alcohol</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alcool</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein Name, den man dem bis auf den höch&longs;ten Grad rectificirten Weingei&longs;te beygelegt hat, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weingei&longs;t.</HI> Bisweilen giebt man die&longs;en Namen auch Sub&longs;tanzen, welche in ein höch&longs;t zartes fa&longs;t unfühlbares Pulver verwandelt worden &longs;ind.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. Wörterb.</P></DIV2><DIV2 N="Amalgama" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Amalgama, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Amalgama</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Amalgame</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So heißt in der Chymie die Verbindung des Queck&longs;ilbers mit den andern metalli&longs;chen Sub&longs;tanzen. Das Queck&longs;ilber verbindet<PB ID="P.1.95" N="95" TEIFORM="pb"/> &longs;ich unter allen Metallen am leichte&longs;ten mit dem Golde und Silber, &longs;ehr &longs;chwer mit dem Kupfer und Spießglaskönige, und mit dem Ei&longs;en und Kobalt gar nicht. Es giebt zween Wege, Amalgamen zu machen, entweder durch bloßes Reiben, oder durch Vermi&longs;chung des ge&longs;chmolzenen fe&longs;ten Metalls mit Queck&longs;ilber. In geringer Menge mit den Metallen vermi&longs;cht, macht das Queck&longs;ilber die&longs;elben blos zerreiblich; in größerer Menge bildet es mit ihnen eine Art von Teig ohne Zähigkeit und Dehnbarkeit, welchem man eigentlich den Namen eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Amalgama</HI> beyleget.</P><P TEIFORM="p">Man gebraucht die Amalgamirungen des Goldes und Silbers, um die&longs;e Metalle aus den erdigten und &longs;teinigten Materien, denen &longs;ie beygemi&longs;cht &longs;ind, zu ziehen, ingleichen zu gewi&longs;&longs;en Arten der Vergoldungen und Ver&longs;ilberungen, wobey das äußer&longs;t flüchtige Queck&longs;ilber durchs Feuer weggetrieben wird, und das Gold oder Silber auf der mit dem Amalgama be&longs;trichenen Fläche zurückläßt. Das Amalgama des Zinns mit Queck&longs;ilber, oder die vom Queck&longs;ilber zerfreßne Spiegelfolie, dient zur Belegung der Spiegel. Die in gewi&longs;&longs;en Proportionen gemachten Amalgamen gewi&longs;&longs;er Metalle &longs;chießen in Kry&longs;tallen an, wovon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bergmann</HI> (phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel, nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Röhls</HI> Ueber&longs;etz. Greifswald 1780. gr. 8. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Th. S. 281.) nähere Nachricht giebt, um zu bewei&longs;en, daß man von kry&longs;talli&longs;chen An&longs;chießungen nicht &longs;icher auf die Gegenwart eines Salzes &longs;chließen könne.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. Wörterb.</P></DIV2><DIV2 N="Amalgama, elektri&longs;ches" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Amalgama, elektri&longs;ches</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amalgama electricum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Amalgame électrique.</HI></HI> Ein Amalgama, de&longs;&longs;en &longs;ich die Phy&longs;iker bedienen, um das Reibzeug der Elektri&longs;irma&longs;chinen, oder auch das zu reibende Glas &longs;elb&longs;t, zu be&longs;treichen, und dadurch die Erregung der Elektricität zu befördern.</P><P TEIFORM="p">Die gewöhnliche Art, die&longs;es Amalgama zu verfertigen, i&longs;t die&longs;e, daß man zer&longs;chnittne Stanniolblättchen mit Queck&longs;ilber in einem ei&longs;ernen Mör&longs;el reibt, bis der<PB ID="P.1.96" N="96" TEIFORM="pb"/> Teig &longs;o dick als möglich wird. Die mei&longs;ten thaten &longs;on&longs;t noch ge&longs;chabte Kreide hinzu, bis aus allem ein graues Pulver ent&longs;tand; die Kreide &longs;cheint aber mehr nachtheilig zu &longs;eyn, weil &longs;ie die Feuchtigkeit der Luft an &longs;ich ziehet. Die Kü&longs;&longs;en werden anfänglich bis auf einen Zoll weit vom Rande ganz leicht mit einem Un&longs;chlittlichte, und dann das eine mit einer dünnen Lage Amalgama über&longs;trichen; man reibt nun beyde Kü&longs;&longs;en &longs;tark an einander, um das Amalgama in beyde &longs;oviel möglich einzureiben. Sollen &longs;ie von neuem über&longs;trichen werden, &longs;o muß man vorher mit einem leinenen Tuche alle Unreinigkeit &longs;orgfältig abwi&longs;chen.</P><P TEIFORM="p">Noch be&longs;&longs;er wird das Amalgama, wenn man das Zinn &longs;chmelzet, und die gehörige Do&longs;e Queck&longs;ilber hinzugießt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Higgins</HI> hat <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. for. 1778. Vol. XVIII. P. II. no. 38.)</HI> das Amalgama von vier Theilen Queck&longs;ilber und einem Theile Zink als das wirk&longs;am&longs;te angegeben.</P><P TEIFORM="p">Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ay on Electricity. Lond. 1784. 8. p. 27.)</HI> &longs;chätzt man jezt in England vornehmlich zwo Arten von Amalgama. Die eine be&longs;teht aus fünf Theilen Queck&longs;ilber und einem Theile Zink, mit ein wenig gelbem Wachs zu&longs;ammenge&longs;chmolzen: die andere i&longs;t das gewöhnliche in den Kaufläden zu habende Maler- oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;ivgold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(aurum mu&longs;ivum).</HI> Man trägt es nach Adams Vor&longs;chriften, denen auch Hr. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (neu&longs;te Ausg. von Erxl. Anfangsgr. der Naturl. §. 501.) bey&longs;timmet, vermittel&longs;t ein wenig Schweinen-Schmalz auf ein Leder, und reibt damit das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Glas</HI> der Elektri&longs;irma&longs;chine gut durch; auf das Kü&longs;&longs;en wird <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gar nichts</HI> ge&longs;trichen. Herr Lichtenberg ver&longs;ichert, fa&longs;t nie eine &longs;tärkere Elektricität, als auf die&longs;e Wei&longs;e erhalten zu haben. Man &longs;. die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Elektri&longs;irma&longs;chine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reibzeug,</HI> elektri&longs;ches.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amphi&longs;cii,</HI></HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zwey&longs;chattichte.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anakamptik, &longs;. Katoptrik.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anakla&longs;tik, &longs;. Dioptrik.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anakla&longs;ti&longs;che Linien" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anakla&longs;ti&longs;che Linien</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Curvae anacla&longs;ticae, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Courbes anacla&longs;tiques.</HI></HI> So nennt Herr v. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;ur<PB ID="P.1.97" N="97" TEIFORM="pb"/> les courbes anacla&longs;tiques, Mém. de l'Academ. roy. des Sc. ann. 1740.)</HI> die Krümmungen, welche gerade Linien oder ebne Flächen anzunehmen &longs;cheinen, wenn &longs;ie durch gebrochne Stralen ge&longs;ehen werden, wenn z. B. der Boden eines mit Wa&longs;&longs;er gefüllten Gefäßes von einem Auge in der Luft, oder die Decke des Zimmers von einem im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden oder durch ein Glas &longs;ehenden Auge betrachtet wird.</P></DIV2><DIV2 N="Anakla&longs;ti&longs;ches Werkzeug" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anakla&longs;ti&longs;ches Werkzeug</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">In&longs;trumentum anacla&longs;ticum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">In&longs;trument anacla&longs;tique.</HI></HI> Ein Werkzeug, womit man die Größe der Stralenbrechung in ver&longs;chiedenen durch&longs;ichtigen Mitteln, und bey ver&longs;chiedenen Einfallswinkeln, me&longs;&longs;en kan.</P><P TEIFORM="p">Die alten Optiker (man &longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Kircher</HI> Ars magna lucis et umbrae, Romae 1686. p. 681.</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte der Optik durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klügel</HI> S. 86.) bedienten &longs;ich hiezu einer Halbkugel mit einem auf ihrem Rande &longs;tehenden Quadranten, und einer um de&longs;&longs;en Mittelpunkt beweglichen Regel. Man füllte die Halbkugel mit der durch&longs;ichtigen flüßigen Materie an, neigete die Regel unter einem gewi&longs;&longs;en Einfallswinkel, und bemerkte die Stelle, wo &longs;ie wegen der Brechung den untern Theil der Kugel zu berühren &longs;chien.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. Aug. Vind. 1611. 4. L. I. c. 3.)</HI> be&longs;chreibt ein anderes In&longs;trument, welches <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> aus ihm anführt, durch den es in die Experimentalgeräth&longs;chaft der neuern Phy&longs;iker gekommen i&longs;t. Ein glä&longs;erner Würfel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCBEGF</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 13.) wird in den Winkel zweyer rechtwinklicht zu&longs;ammenge&longs;etzten Breter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">INOP</HI> ge&longs;etzt, von welchen das eine <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> um das Stück <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CAHN</HI> vor dem Würfel vorraget, übrigens aber mit ihm eine gleiche Höhe hat. Setzt man die&longs;es In&longs;trument horizontal gegen die Sonne, &longs;o wird der Schatten des Bretes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> außer dem Würfel bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ML,</HI> innerhalb de&longs;&longs;elben aber nur bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">KQ</HI> reichen. Man kan alsdann die Linien <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HK</HI> me&longs;&longs;en, und aus ihnen neb&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HC,</HI> durch trigonometri&longs;che Auflö&longs;ung der Dreyecke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCK,</HI> die Winkel<PB ID="P.1.98" N="98" TEIFORM="pb"/> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCK</HI> be&longs;timmen, deren er&longs;ter dem Einfallswinkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SCR</HI> gleich, der andere der Brechungswinkel i&longs;t. So la&longs;&longs;en &longs;ich, wenn man den Ver&longs;uch unter ver&longs;chiedenen Sonnenhöhen an&longs;tellet, Tafeln verfertigen, welche angeben, was für ein Brechungswinkel jedem Einfallswinkel zugehöre.</P><P TEIFORM="p">Vermittel&longs;t die&longs;es Werkzeugs fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> daß &longs;ich bey der Brechung aus Luft in Glas, der Einfallswinkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SCR,</HI> wenn er nicht über 30° betrage, zum Brechungswinkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">KCH,</HI> wie 3 zu 2, verhalte; ein Ge&longs;etz, welches von der Wahrheit wenig abweicht, und al&longs;o für Lin&longs;englä&longs;er zu Fernröhren, deren Krümmung, vom Mittel an bis an den Rand gerechnet, &longs;elten 20° beträgt, ohne Fehler brauchbar war, daher Kepler die Ab&longs;tände der Vereinigungspunkte daraus &longs;chon &longs;ehr richtig hergeleitet hat. &longs;. die Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brechung der Licht&longs;tralen, Lin&longs;englä&longs;er.</HI></P><P TEIFORM="p">Will man eine andere durch&longs;ichtige flüßige Materie an&longs;tatt des Gla&longs;es unter&longs;uchen, &longs;o kan man einen hohlen mit die&longs;er Materie angefüllten Würfel an&longs;tatt des glä&longs;ernen gebrauchen.</P><P TEIFORM="p">Von neuern Werkzeugen und Veran&longs;taltungen zu Me&longs;&longs;ung der Stralenbrechung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte der Optik durch Klügel, S. 241. f. ingl. S. 363. f. und weiter unten den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brechung der Licht&longs;tralen.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Analy&longs;e, &longs;. Zerlegung, Zer&longs;etzung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anamorpho&longs;e" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anamorpho&longs;e, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anamorpho&longs;is</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Anamorpho&longs;e</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Verzeichnung einer Figur, welche, auf eine vorge&longs;chriebene Art betrachtet, etwas ganz anders dar&longs;tellet, als &longs;ie dem bloßen Auge in der gewöhnlichen Stellung darzu&longs;tellen &longs;cheint.</P><P TEIFORM="p">Man kan die Anamorpho&longs;en in opti&longs;che, katoptri&longs;che und dioptri&longs;che abtheilen.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">opti&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en werden, um das verlangte Bild darzu&longs;tellen, mit dem bloßen Auge, nur aus einem angewie&longs;enen &longs;on&longs;t ungewöhnlichen Ge&longs;ichtspunkte, betrachtet. Kan man z. B. (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 14.) das in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI><PB ID="P.1.99" N="99" TEIFORM="pb"/> ge&longs;tellte Auge &longs;o täu&longs;chen, daß es von den wahren Entfernungen der Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, B, C, D, E,</HI> keine Eindrücke erhält, und daß daher die liegende Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCDE</HI> eben &longs;o, wie eine &longs;tehende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Abcde,</HI> von dem Zu&longs;chauer empfunden wird, &longs;o darf man nur die gleichen Theile eines regelmäßig gezeichneten Bildes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ab, bc, cd, de</HI> durch eine proportionirte Zeichnung in die ungleichen Theile <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB, BC, CD, DE</HI> ausdehnen. Wird nun die &longs;olcherge&longs;talt verzerrte Figur <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AE</HI> auf ein Bret gelegt, auf welchem ein anderes Bret <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PQ</HI> &longs;enkrecht &longs;teht, und vom Auge durch die Oefnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> betrachtet, &longs;o verliert der Zu&longs;chauer die Gegen&longs;tände aus dem Auge, die ihm einen Maaß&longs;tab der Entfernungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OE, OD, OC</HI> rc. geben könnten. Es wirkt das verzerrte Bild <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AE</HI> jezt nicht anders auf &longs;ein Auge, als das regelmäßige in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ae</HI> aufge&longs;tellt, darauf wirken würde. Seine Einbildungskraft &longs;elb&longs;t wird ge&longs;chäftig, &longs;ich eher ein regelmäßiges, als ein verzerrtes Bild darzu&longs;tellen; er glaubt al&longs;o eine in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ae</HI> aufge&longs;tellte richtige Zeichnung zu &longs;ehen. So hat man verzerrte Figuren, in welchen z. B. Kopf und Schultern durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ED</HI> ausgedehnt und ungeheuer groß, die übrigen Theile des Körpers von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> &longs;ehr klein &longs;ind, die &longs;ich aber, aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> betrachtet, ganz richtig dar&longs;tellen. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire rai&longs;onné de phy&longs;ique, art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Anamorpho&longs;e</HI>)</HI> &longs;ind an der Wand einer Gallerie im Minimenklo&longs;ter an der Place royale in Paris ver&longs;chiedene Bilder gemahlt, welche, aus einem gewi&longs;&longs;en Ge&longs;ichtspunkte von der Seite her betrachtet, &longs;ehr deutlich eine reuige Magdalene dar&longs;tellen.</P><P TEIFORM="p">Hieher gehören auch die Bilder, welche in Streifen zer&longs;chnitten, und &longs;treifenweis auf die Seitenflächen mehrerer neben einander &longs;tehenden drey&longs;eitigen Prismen aufgeklebt werden, da man denn ein anderes Bild &longs;ieht, je nachdem man die&longs;e Prismen von der rechten oder linken Seite her betrachtet. Von die&longs;en Bildern, die man oft in Kun&longs;tcabinetten antrift, handlen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schwenter</HI> (Mathemati&longs;che Erquick&longs;tunden, Nürnb. 1651. 4. Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> S. 271.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elementa Optices. Probl. 28.).</HI><PB ID="P.1.100" N="100" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">katoptri&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en mü&longs;&longs;en, wenn das gehörige Bild er&longs;cheinen &longs;oll, in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">coni&longs;chen, cylindri&longs;chen</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">pyramidenförmigen</HI> Spiegeln betrachtet werden. Man &longs;ieht leicht aus Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 15, daß der coni&longs;che Spiegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PQR</HI> dem in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> ge&longs;tellten Auge den Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a, B</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> dar&longs;tellt, und al&longs;o dem Bilde auf der umliegenden Fläche, wovon <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> ein Theil i&longs;t, ganz andere Lagen und Verhältni&longs;&longs;e &longs;einer Theile, d. h. eine ganz andere Ge&longs;talt giebt. Auf eine ähnliche Art verändern auch cylindri&longs;che und pyramidenförmige Spiegel die Ge&longs;talten der um &longs;ie her liegenden Bilder. Es kömmt al&longs;o darauf an, ein verzerrtes Bild zu verzeichnen, das in einem Spiegel von gegebner Art, Größe und Stellung dem Auge aus einem gegebnen Ge&longs;ichtspunkte regelmäßig er&longs;cheine. Von der Verzeichnung &longs;olcher Bilder hat Simon Stevin zuer&longs;t ge&longs;chrieben. Auch handlen davon Ca&longs;p. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schott</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Magia univer&longs;alis Herbip. 1657. 4.)</HI> unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Magia anamorphotica)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Catoptr. Probl. 25—27).</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jakob Leupold,</HI> ein ehemaliger Leipziger Mechaniker <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Anamorpho&longs;is mechanica nova. Lip&longs;. 1714. 4.)</HI> erfand ein eignes In&longs;trument, durch de&longs;&longs;en Hülfe man jedes vorgezeichnete Bild, auf eine blos mechani&longs;che Wei&longs;e, durch eine Art von Storch&longs;chnabel &longs;o ver&longs;tellen kan, daß es in einem gegebnen coni&longs;chen oder cylindri&longs;chen Spiegel ordentlich er&longs;cheint. Die Be&longs;chreibung die&longs;es In&longs;truments findet &longs;ich auch im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Saverien</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire univer&longs;el de Mathematique et de Phy&longs;ique, art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Anamorpho&longs;e.</HI>)</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dioptri&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en werden durch ein Polyeder, oder vieleckigt ge&longs;chliffenes Glas betrachtet, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Polyeder.</HI> Wer eine Tafel durch ein &longs;olches Glas betrachtet, &longs;ieht durch die Flächen des Gla&longs;es nur gewi&longs;&longs;e Theile der Tafel, welche an einander zu &longs;tehen &longs;cheinen, ob &longs;ie gleich auf der Tafel &longs;elb&longs;t weit aus einander und an ver&longs;chiedenen Orten liegen. Man &longs;ucht al&longs;o hier ver&longs;chiedene Theile eines gewi&longs;&longs;en Gemäldes an diejenigen Stellen der Tafel zu bringen, welche dem durch das Polyeder &longs;ehenden Auge neben einander liegend er&longs;cheinen. Auf der<PB ID="P.1.101" N="101" TEIFORM="pb"/> Tafel &longs;elb&longs;t wird ein anderes Gemälde entworfen, in welches die zer&longs;treuten Stücken des vorigen, &longs;o ge&longs;chickt als möglich, mit verwebt werden mü&longs;&longs;en. So hat man dergleichen Anamorpho&longs;en, auf welchen ver&longs;chiedene Köpfe vorge&longs;tellt &longs;ind, die durch ein Polyeder in be&longs;timmter Stellung betrachtet einen einzigen Kopf zeigen, den man mit bloßem Auge gar nicht auf dem Gemälde findet. Anwei&longs;ung hiezu geben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr. Probl. 25.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leutmann</HI> (Anm. vom Glas&longs;chleifen, Wittenb. 1719. 8.)</P></DIV2><DIV2 N="Anamorvhoti&longs;che Ma&longs;chine" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anamorvhoti&longs;che Ma&longs;chine</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Machina anamorphotica, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Machine anamorphotique.</HI></HI> So hei&longs;t das von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> erfundene Werkzeug zur Verzeichnung der katoptri&longs;chen Anamorpho&longs;en, &longs;. den vorhergehenden Artikel. Eigentlich &longs;ollte es wohl anamorphoti&longs;ches In&longs;trument, nicht Ma&longs;chine, heißen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anelektri&longs;che Körper, &longs;. Leiter der Elektricität.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anemometer, &longs;. Windme&longs;&longs;er.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anemo&longs;kop" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anemo&longs;kop, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anemo&longs;copium</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Anémo&longs;cope</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein Werkzeug, de&longs;&longs;en man &longs;ich bedient, die Richtung des Windes zu bemerken. Das einfach&longs;te und gewöhnlich&longs;te Anemo&longs;kop i&longs;t die gemeine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wetterfahne</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">girouette</HI>)</HI> auf den Thürmen und Häu&longs;ern. Gleiche Dien&longs;te thun die Flaggen an den Ma&longs;ten der Schiffe.</P><P TEIFORM="p">Um die Richtung des Windes im Zimmer, und genauer, als durch den bloßen Anblick der Wetterfahne zu beobachten, kan man die Fahne, die &longs;ich &longs;on&longs;t um eine unbewegliche Spindel dreht, an einer beweglichen Spindel fe&longs;t machen, welche mit der Fahne zugleich umgedreht wird. Die&longs;e Spindel kan durch das Dach bis an die Decke des Zimmers laufen, in welchem man die Beobachtungen machen will, und unten mit einem Getriebe ver&longs;ehen werden, welches in ein bezahntes Rad greift, de&longs;&longs;en Axe bis ins Zimmer geht, und mittel&longs;t eines daran ge&longs;teckten Zeigers auf einer an der Decke bezeichneten Windrofe den Wind bezeichnet. Soll die Windro&longs;e nicht an der Decke, &longs;ondern vertikal an der Wand des Zimmers &longs;tehen, &longs;o lä&longs;t<PB ID="P.1.102" N="102" TEIFORM="pb"/> man das Getrieb der Spindel in ein vertikal &longs;tehendes Kronrad greifen, de&longs;&longs;en Axe horizontal durch die Wand geführt wird, und den Zeiger trägt. Hat das Getrieb eben &longs;o viel Zähne als das Rad, &longs;o macht eine Umdrehung der Fahne auch eine Umdrehung des Zeigers aus, und indem &longs;ich die Fahne gegen ver&longs;chiedene Punkte des Horizonts wendet, kehrt &longs;ich auch der Zeiger gegen die gleichnamigen Punkte der Windro&longs;e. Wenn al&longs;o nur der Zeiger einmal richtig ge&longs;tellt i&longs;t, und die Fahne beweglich gnug erhalten wird, &longs;o zeigt die&longs;es Anemo&longs;kop die Richtung des Windes mit großer Bequemlichkeit. So be&longs;chreibt die&longs;es Werkzeug <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ozanam</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recreations mathematiques, To. II.);</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kircher</HI> &longs;etzt noch eine kleine Statue hinzu, die durch einen verborgnen Magnet vom Zeiger herumgeführt wird, und die Richtung des Windes mit einem Stäbchen wei&longs;et. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Aero&longs;tat. &longs;. Theatr. Static. univer&longs;. P. III. Cap. X.)</HI> hat unter dem Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plago&longs;kope</HI> noch mehrere Abänderungen die&longs;es In&longs;truments be&longs;chrieben, worunter die merkwürdig&longs;te eine kleine portative Windfahne, auf einen Compaß ge&longs;etzt, i&longs;t, die man überall auf&longs;tellen kan, um die Abweichung des Windes von der Richtung der Magnetnadel zu bemerken.</P><P TEIFORM="p">Einige Schrift&longs;teller, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire de Phy&longs;.),</HI> nennen die&longs;es In&longs;trument ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anemometer.</HI> Es kömmt aber die&longs;er Name vielmehr andern Werkzeugen zu, welche die Stärke und Ge&longs;chwindigkeit des Windes me&longs;&longs;en, und von denen man den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Windme&longs;&longs;er,</HI> nach&longs;ehen kan.</P><P TEIFORM="p">Auch i&longs;t der Name Anemo&longs;kop &longs;ehr uneigentlich andern Werkzeugen beygelegt worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Otto von Guericke</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Experimenta nova de vacuo &longs;patio, L. III. cap. 20.)</HI> be&longs;chreibt unter dem Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Semper Vivum</HI> eine glä&longs;erne oben ver&longs;chloßne und in einen Liquor einge&longs;enkte Röhre, in welcher der Druck der Atmo&longs;phäre den Liquor bald höher bald niedriger erhält. Auf der Oberfläche des Liquors &longs;chwimmt eine Figur, welche mit dem Finger Grade des Steigens oder Fallens auf einer Scale angiebt, &longs;. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 16. Eigentlich i&longs;t die&longs;es In&longs;trument ein höch&longs;t unvollkommnes<PB ID="P.1.103" N="103" TEIFORM="pb"/> Barometer. Man kannte es &longs;on&longs;t unter dem Namen des Guericki&longs;chen Wettermännchens oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Perpetui mobilis;</HI> und weil &longs;ich Guericke über die Einrichtung und Verfertigung de&longs;&longs;elben nicht deutlich erklärt hatte, &longs;o hat es viel Auf&longs;ehen gemacht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Comiers</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">l' Homme artificiel anemo&longs;cope</HI> im <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mercure de France 1683.</HI>) hat darüber ge&longs;chrieben, und ihm den Namen Anemo&longs;kop deswegen gegeben, weil Guericke im Jahre 1660 aus dem &longs;tarken Fallen des Männchens einen großen Sturmwind vorherge&longs;agt hatte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stone</HI> (nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dict. de Phy&longs;.)</HI> ver&longs;teht unter Anemo&longs;kop nichts anders, als das Hygro&longs;kop oder Hygrometer.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anhängen, Anhängung, &longs;. Adhä&longs;ion.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anomalie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anomalie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anomalia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Anomalie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er aus der griechi&longs;chen Sprache entlehnte, und im eigentlichen Ver&longs;tande eine Ungleichheit oder Abweichung von der Regel bezeichnende Name wird in der Sternkunde dem Winkel beygelegt, welchen ein Planet bey &longs;einem Umlaufe um die Sonne, von der Sonnenferne aus, zurückgelegt hat, oder, von der Sonne aus betrachtet, zurückgelegt zu haben &longs;cheint. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ungleiche</HI> Ge&longs;chwindigkeit der Planeten in ihren Bahnen, vermöge welcher &longs;ie in gleichlangen Zeiten bald geringere bald größere Winkel durchlaufen, hat zu die&longs;er Benennung Anlaß gegeben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> wichtige Entdeckung, daß die Laufbahnen der Planeten Ellip&longs;en &longs;ind, in deren Brennpunkte &longs;ich die Sonne befindet, und daß die ellipti&longs;chen Räume, welche die von der Sonne nach dem Planeten gezogne Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(radius vector)</HI> be&longs;chreibet, &longs;ich wie die Zeiträume verhalten, in denen &longs;ie be&longs;chrieben worden &longs;ind, veranla&longs;&longs;ete die&longs;en großen Sternkundigen zu Erfindung einer Theorie, welche noch jetzt unter dem Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kepleri&longs;chen Theorie des Planetenlaufs,</HI> oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ellipti&longs;chen Theorie</HI> gebraucht wird, und bey der Berechnung der a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln zum Grunde gelegt werden muß. Die&longs;e Theorie be&longs;chäftiget &longs;ich nun vornehmlich mit der Berechnung<PB ID="P.1.104" N="104" TEIFORM="pb"/> der Anomalien, deren man drey, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre, mittlere</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;che Anomalie,</HI> unter&longs;cheidet.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey Tafel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Figur 17. die Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMP</HI> die Bahn eines Planeten, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> ihre große Axe, der Brennpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> der Ort der Sonne, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> die Sonnenferne, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> die Sonnennähe des Planeten; &longs;o hei&longs;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM,</HI> um welchen &longs;ich der Planet von der Sonnenferne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> an fortbeweget hat, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre Anomalie,</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre Ort</HI> de&longs;&longs;elben.</P><P TEIFORM="p">Durchliefe der Planet &longs;eine ganze Bahn mit einer gleichförmigen Winkelge&longs;chwindigkeit, d. h. &longs;o, daß er in gleichen Zeiten immer gleiche Winkel um die Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zurücklegte, &longs;o würde er in der Zeit, in welcher er nur bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> gegangen i&longs;t, vielleicht &longs;chon bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m</HI> vorgerückt &longs;eyn. Er würde den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASm</HI> zurückgelegt haben. Die&longs;er Winkel hei&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mittlere Anomalie,</HI> und der ihm zukommende Ort <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m,</HI> des Planeten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mittlerer Ort.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn des Planeten Umlaufszeit um die Sonne bekannt i&longs;t, &longs;o lä&longs;t &longs;ich für jede &longs;eit &longs;einem Durchgange durch die Sonnenferne ver&longs;trichene Zeit die&longs;e mittlere Anomalie durch die bloße Regel de Tri finden. Es verhält &longs;ich nemlich die ganze Umlaufszeit zu der gegebnen Zeit, wie 360° zu <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM.</HI> Wäre z. B. die Umlaufszeit 360 Tage, &longs;o würde 30 Tage nach der Sonnenferne die mittlere Anomalie 30°, 60 Tage darnach 60° u. &longs;. w. &longs;eyn. Da auch nach Keplers Regel der ellipti&longs;che Flächenraum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM,</HI> welchen der Radius Vector <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SM</HI> bey der wahren Bewegung des Planeten von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> durchlaufen hat, der gegebnen Zeit proportional i&longs;t, al&longs;o <HI REND="math" TEIFORM="hi">Umlaufszeit: Zeit durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AM=</HI>Fläche der Ellip&longs;e: Fläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI></HI> &longs;o &longs;tellt die Fläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> die mittlere Anomalie dar, wenn die ganze Fläche der Ellip&longs;e 360 Graden gleich ge&longs;etzt wird.</P><P TEIFORM="p">Da nun die mittlere Anomalie und die Fläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> für jede von der Sonnenferne an gerechnete Zeit &longs;o leicht zu finden &longs;ind, &longs;o kömmt es nur noch darauf an, aus die&longs;er mittlern Anomalie und den gegebnen Abme&longs;&longs;ungen der<PB ID="P.1.105" N="105" TEIFORM="pb"/> Planetenbahn die wahre Anomalie zu be&longs;timmen, oder aus der Größe der Fläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> zu finden. Die&longs;e Aufgabe hei&longs;t das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kepleri&longs;che Problem;</HI> dagegen die Aufgabe, aus einer gegebnen wahren Anomalie die zugehörige mittlere (aus dem Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> die Fläche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM)</HI> zu finden, den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">umgekehrten kepleri&longs;chen Problems</HI> führet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> &longs;elb&longs;t fand es bey dem damaligen Zu&longs;tande der Geometrie unmöglich, die Aufgabe &longs;elb&longs;t methodi&longs;ch aufzulö&longs;en, inzwi&longs;chen gab er eine indirecte Auflö&longs;ung an, bey welcher noch eine dritte Anomalie zu Hülfe genommen wird. Wenn man aus dem Mittelpunkte der Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> mit dem Halbme&longs;&longs;er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA</HI> den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;chen Kreis</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ANP</HI> be&longs;chreibt, und das aus dem wahren Orte des Planeten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> auf die Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> gefällte Perpendikel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ML</HI> bis an die&longs;en Kreis in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">N</HI> verlängert, &longs;o hei&longs;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACN,</HI> der durch den Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AN</HI> geme&longs;&longs;en wird, des Planeten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;che Anomalie.</HI></P><P TEIFORM="p">Durch die&longs;es Mittel, de&longs;&longs;en um&longs;tändlichere Auseinander&longs;etzung für un&longs;ere Ab&longs;icht zu weitläuftig wäre, gelang es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplern,</HI> nach den damals bekannten Abme&longs;&longs;ungen oder Elementen der Planetenbahnen Tafeln zu verfertigen, in welchen man für die gefundenen mittlern Anomalien jedes Planeten die zu ihnen gehörigen wahren Anomalien durch Auf&longs;chlagen finden konnte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(lo. Kepleri tabulae Rudolphinae. Vlm. 1627. fol.),</HI> deren An&longs;ehen &longs;ich durch das ganze vorige Jahrhundert erhalten hat, bis die an&longs;ehnlichen Verbe&longs;&longs;erungen und Erweiterungen der Sternkunde freylich vollkommnere Tafeln nothwendig machten, die &longs;ich inzwi&longs;chen noch immer auf keine andere Theorie, als auf die kepleri&longs;che, gründen.</P><P TEIFORM="p">Kepler hatte den Geometern künftiger Zeiten die methodi&longs;che Auflö&longs;ung &longs;eines Problems &longs;ehr angelegentlich empfohlen; auch haben &longs;ich nach ihm die grö&longs;ten Mathematiker damit be&longs;chäftiget. Die Infinite&longs;imalrechnung hat zu die&longs;er Auflö&longs;ung ver&longs;chiedene Wege eröfnet, die aber noch nicht &longs;o leicht und bequem, als man wohl wün&longs;chen möchte, zur wirklichen Berechnung führen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keil</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introductio ad veram a&longs;tronomiam, Lugd. Bat. 1725. 4.)</HI><PB ID="P.1.106" N="106" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hermann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De problemate Kepleriano, in Comm. Acad. Petropol. To. I.)</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theoria motuum planetarum et comet. Berol. 1744. 4.)</HI> geben dergleichen Auflö&longs;ungen. Die Euleri&longs;che hat auch Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tner</HI> (Analy&longs;is des Unendl. S. 582 u. f.) mitgetheilt. Das umgekehrte kepleri&longs;che Problem lä&longs;t &longs;ich leichter, vermittel&longs;t folgender beyden Sätze auflö&longs;en, wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m, e, v,</HI> mittlere, eccentri&longs;che, wahre Anomalie bedeuten. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">I. √SP : √SA=tang1/2v : tang1/2e II. e + CSX&longs;in. e=m.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Noch i&longs;t zu bemerken, daß der Unter&longs;chied zwi&longs;chen wahrer und mittlerer Anomalie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gleichung der Bahn</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Aequatio orbitae),</HI> und daher die wahre Anomalie auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">coäquirte</HI> genannt wird. In der er&longs;ten Helfte der Bahn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMP</HI> bleibt die wahre Anomalie hinter der mittlern zurück; in der zweyten Helfte hingegen kömmt die wahre der mittlern vor; daher die Gleichung in jenem Falle von der mittlern Anomalie abgezogen, in die&longs;em hinzuge&longs;etzt werden muß, wenn man die wahre Anomalie finden will.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronom. Handb. §. 482. u. f. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Anfangsgr. der angew. Mathem. A&longs;tron. 235. u. f.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antarkti&longs;cher Pol, &longs;. Pole.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antimonium, &longs;. Spießglas.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antipoden, &longs;. Gegenfüßler.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Anti&longs;cii,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gegen&longs;chattichte.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Antoeci,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gegenwohner.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anziehung, &longs;. Attraction.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Apertur, Oefnung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Apertur, Oefnung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Apertura</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ouverture</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die kreisrunde Fläche, welche man in der Mitte der Blendungen der Glä&longs;er oder Spiegel der Fernröhre offen lä&longs;t, damit die darauf fallenden Licht&longs;tralen wirklich durchgehen können.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichungen wegen der Kugelge&longs;talt der Glä&longs;er und wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Licht&longs;tralen (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che</HI>) verur&longs;achen, daß nur diejenigen Stralen, welche nahe an der Axe, d. i. um die Mitte eines Gla&longs;es einfallen, in den gehörigen<PB ID="P.1.107" N="107" TEIFORM="pb"/> Vereinigungspunkt kommen; es i&longs;t al&longs;o nöthig, die weiter von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden Stralen, welche die Deutlichkeit des Bildes &longs;tören würden, durch eine über das Glas gelegte Bedeckung oder Blendung abzuhalten, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Blendung.</HI> Die&longs;e Blendung lä&longs;t durch die in ihr befindliche runde Oefnung nur die Stralen um die Mitte des Gla&longs;es durchfallen, und es i&longs;t die Frage, wie groß die&longs;e Apertur &longs;eyn dürfe, wenn das Bild die gehörige Deutlichkeit behalten &longs;oll.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht leicht, daß de&longs;to mehr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Undeutlichkeit</HI> vermieden werde, je kleiner die Apertur i&longs;t; daß hingegen eine größere Apertur des Objectivgla&longs;es dem Bilde mehr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Helligkeit</HI> gebe, weil &longs;ie aus jedem Punkte des betrachteten Gegen&longs;tandes mehr Licht&longs;tralen einfallen lä&longs;t, welche auf der Netzhaut des Auges vereiniget, einen lebhaftern Eindruck machen, daher das Auge jeden Punkt des Gegen&longs;tandes &longs;tärker empfindet, d. h. ein lebhafteres und helleres Bild &longs;iehet, als bey einer geringern Oefnung. Es i&longs;t daher ein großer Vorzug der dioptri&longs;chen Werkzeuge, wenn &longs;ie eine weite Oefnung vertragen, d. i. wenn man auch die in einiger Entfernung von der Axe einfallenden Stralen durchla&longs;&longs;en darf, ohne daß dadurch die Abweichungen zu &longs;ehr vergrößert, und die Bilder undeutlich werden.</P><P TEIFORM="p">Vor der Erfindung der achromati&longs;chen Fernröhre richtete man &longs;ich in Ab&longs;icht auf die Be&longs;timmung der Aperturen nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> Theorie, welche in &longs;einer Dioptrik <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(in Opu&longs;culis po&longs;thumis. Lugd. Bat. 1703. 4.)</HI> enthalten und im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smith</HI> (Lehrbegrif der Optik, nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Ausgabe S. 184 ff.) analyti&longs;ch ausgeführt i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> &longs;etzt dabey die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt bey&longs;eit, und betrachtet nur die ohnehin weit größere wegen der Farbenzer&longs;treuung oder ver&longs;chiedenen Brechbarkeit. Heißt nun die Brennweite des Objectivgla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> der Durchme&longs;&longs;er der Apertur de&longs;&longs;elben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b,</HI> und die Brennweite des Augengla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f,</HI> &longs;o verhält &longs;ich die Helligkeit des Bildes wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>),</HI> die von der Farbenzer&longs;treuung herrührende Undeutlichkeit<PB ID="P.1.108" N="108" TEIFORM="pb"/> aber, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>.</HI> Sollen al&longs;o zwey Fernröhre eine gleiche Helligkeit und gleiche Undeutlichkeit (oder was hier gleich viel|i&longs;t, einerley Deutlichkeit) geben, &longs;o mü&longs;&longs;en die Ausdrücke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>,</HI> mithin auch ihre Quadratwurzeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b/f,</HI> in dem einen eben &longs;o groß, als in dem andern, &longs;eyn, oder die Verhältni&longs;&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bf:F</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b:f</HI> mü&longs;&longs;en für gleich gute Fernröhre immer die&longs;elben bleiben. Hieraus folgt nun auch, daß das aus beyden zu&longs;ammenge&longs;etzte Verhältniß <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bbf:fF</HI> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>:F</HI> in allen gleichguten Fernröhren immer ebenda&longs;&longs;elbe bleiben mü&longs;&longs;e. Dies heißt mit andern Worten: Die Quadratzahl des Durchme&longs;&longs;ers der Apertur muß &longs;ich, wie die Brennweite des Objectivgla&longs;es, oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Durchme&longs;&longs;er der Apertur muß &longs;ich, wie die Quadratwurzel aus der Brennweite des Objectivgla&longs;es, verhalten.</HI> Auch muß <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b:f</HI> immer einerley bleiben, oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">der Durchme&longs;&longs;er der Apertur muß &longs;ich, wie die Brennweite des Augengla&longs;es, verhalten.</HI></P><P TEIFORM="p">Nun fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> durch die Erfahrung ein Fernrohr gut, an welchem, in rheinländi&longs;chen Zollen ausgedrückt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F=360; f=3,3; b=3</HI> war. Dies gab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F=(9/360)=(1/40); b/f=(3/3,3)=(10/11).</HI> Eben &longs;o groß mu&longs;ten nun die&longs;e Ausdrücke auch für andere gute Fernröhre bleiben. Aber aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F=(1/40)</HI>folgt<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b=√(1/40)F;</HI> und aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b/f =(10/11)</HI> hat man <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f=(11/10)b.</HI> Dies giebt folgende Regel. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die in rheinländi&longs;chen Zollen ausgedrückte Brennweite des Objectivgla&longs;es dividire man durch</HI> 40, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">und ziehe aus dem Quotienten die Quadratwurzel, &longs;o hat man den Durchme&longs;&longs;er der Apertur; zu die&longs;em addire man noch &longs;einen zehnten Theil, &longs;o erhält man die Brennweite des zugehörigen</HI><PB ID="P.1.109" N="109" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augengla&longs;es,</HI> alles in rheinl. Zollen. Der Quotient beyder Brennweiten giebt die Vergrößerung.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey z. B. des Objectivgla&longs;es Brennweite 13 Schuh 4 Zoll=160 Zoll, &longs;o giebt &longs;ie, durch 40 dividirt, den Quotienten 4, de&longs;&longs;en Quadratwurzel 2 Zoll der Durchme&longs;&longs;er der Apertur i&longs;t, und um &longs;einen zehnten Theil vergrößert, die Brennweite des Augengla&longs;es (2 2/10) Zoll giebt. Der Quotient der 160 durch (2 2/10) giebt die Vergrößerung (72 8/11) mal.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> berechnete durch die&longs;e Regel folgende Tabelle für die Verfertigung a&longs;tronomi&longs;cher Fernröhre. <TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/> Oöjectivgla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durchme&longs;&longs;er<LB TEIFORM="lb"/> der Apertur</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/> Augengla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergrößerung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">rheinl. Schuhe</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zolle</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zolle</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,55</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,61</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20 mal</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,77</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,85</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,95</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,05</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,09</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,20</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,23</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,35</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">44 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,34</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,47</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">49 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,45</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,60</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">53 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,55</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,71</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">56 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,64</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,80</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,73</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,91</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">63 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,12</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,27</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">79 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,45</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,58</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">93 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,74</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,84</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">104 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,0</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,19</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">113 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,46</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,75</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">128 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,87</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,26</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">141 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,24</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,66</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">154 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">70</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,58</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,04</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">166 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">80</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,90</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,39</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">178 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,05</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,55</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">185 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">100</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,48</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,30</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">190 —</CELL></ROW></TABLE></P></DIV2><DIV2 N="Auzout" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auzout</HEAD><P TEIFORM="p">ein franzö&longs;i&longs;cher Mathematiker, überreichte der königlichen Societät zu London im Jahre 1665 eine<PB ID="P.1.110" N="110" TEIFORM="pb"/> Tafel der Aperturen für a&longs;tronomi&longs;che Fernröhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. no. 4. p. 55.),</HI> in welcher &longs;ich ebenfalls der Aperturen Durchme&longs;&longs;er, wie die Quadratwurzeln aus den Brennweiten der Objectivglä&longs;er verhalten. Aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auzout</HI> giebt dem Objectivgla&longs;e von 30 pari&longs;er Schuhen eine Oefnung von 3″ 8‴, wenn es vorzüglich gut, von 3″ 2‴, wenn es von etwas geringerer, und von 2″ 7‴, wenn es nur von gemeiner Güte i&longs;t. Man findet die Re&longs;ultate &longs;einer Tabelle, wenn man die Brennweite des Objectivgla&longs;es mit 27, 36 und 54 dividiret, und aus den Quotienten die Quadratwurzel ausziehet. Die von Auzout berechnete Tafel reicht von 4 Zoll bis 400 Schuh Brennweite.</P><P TEIFORM="p">D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hook</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Trans.</HI> a. a. O.) bemerkt bey die&longs;er Gelegenheit &longs;ehr richtig, daß &longs;elb&longs;t einerley Glas ver&longs;chiedene Aperturen er&longs;ordere, je nachdem der betrachtete Gegen&longs;tand mehr oder weniger Licht aus&longs;ende. So erfordern z. B. Venus und Iupiter eine geringere, Saturn und Mars eine größere Oefnung. Aus die&longs;er Ur&longs;ache &longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr. Probl. 37.)</HI> vor, Blendungen mit ver&longs;chiedenen Aperturen in Vorrath auszu&longs;chneiden, und durch Probiren auszumachen, welche darunter für Gegen&longs;tände bey Tage, für die Sonne, für den Mond, die Venus u. &longs;. w. die &longs;chicklich&longs;te &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Kleine Sternchen, be&longs;onders die Trabanten des Iupiters und Saturns zu beobachten, dienen am be&longs;ten große Aperturen mit Augenglä&longs;ern von großen Brennweiten, weil es hiebey nicht &longs;owohl auf Vergrößerung, als auf Helligkeit, ankömmt. Allzukleine Oefnungen &longs;ind nie rath&longs;am, weil bey ihnen die Bilder nicht allein matt, &longs;ondern auch undeutlich begrenzt ausfallen.</P><P TEIFORM="p">Für die Spiegeltele&longs;kope, wo die zurückgeworfenen Stralen nicht in Farben zer&longs;treut werden, hat man blos die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Spiegels zu betrachten, welche nicht groß i&longs;t, daher die&longs;e Tele&longs;kope große Oefnungen zula&longs;&longs;en. Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Berechnung (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smiths</HI> Lehrbegrif der Optik, S. 190 u. f.) verhält &longs;ich im Spiegeltele&longs;kope, wenn die Brennweite des Hohl&longs;piegels<PB ID="P.1.111" N="111" TEIFORM="pb"/> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> des Augengla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f,</HI> und der Durchme&longs;&longs;er der Oefnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> heißt, die Undeutlichkeit, wie die Quadratzahl von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f),</HI> die Helligkeit, wie die Quadratzahl von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F).</HI> Sollen daher beyde Eigen&longs;chaften immer von der&longs;elben Größe bleiben, &longs;o mü&longs;&longs;en die Ausdrücke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F),</HI> al&longs;o auch ihr Produkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>),</HI> be&longs;tändig &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Nun war in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hadley's</HI> Spiegeltele&longs;cop <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. No. 376. 378.) F=62″, 5; f=0″, 3; b=5″,</HI> mithin <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>=(625/62,5<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>)=(10/62,5<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F)=0,024,</HI> woraus nach gehöriger Rechnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f=0,06 √ 10<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI> F,</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b=0,024F/f</HI> folgt. Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Tabelle (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smith</HI> S. 194.) <TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Länge des<LB TEIFORM="lb"/> Tele&longs;cops</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/> Augengla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oefnung des<LB TEIFORM="lb"/> Spiegels</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergrößerung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Schuh</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1/2</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,167</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,864</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">36 mal</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,199</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,440</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,236</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,448</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">102 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,261</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,312</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">138 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,281</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,104</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">171 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,297</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,848</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">202 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,311</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,568</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">232 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,323</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,240</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">260 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,334</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,888</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">287 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,344</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7,536</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">314 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,353</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8,160</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">340 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,367</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9,360</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">390 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,391</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11,040</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">460 —</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">17</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,403</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,143</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">506 —</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.112" N="112" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Vergleicht man die&longs;e Tabelle mit der für die a&longs;tronomi&longs;chen Fernröhre mitgetheilten, &longs;o findet man, daß zu einer hundertfachen Vergrößerung das a&longs;tronomi&longs;che Fernrohr 24 Schuh lang &longs;eyn mü&longs;&longs;e, da das Spiegeltele&longs;kop dazu nur 2 Schuh lang &longs;eyn darf. Die Oe&longs;nungen aber &longs;ind bey beyden ziemlich gleich, daher auch die Helligkeit einerley &longs;eyn würde. Al&longs;o lei&longs;tet das Spiegeltele&longs;kop hier bey einer 12mal geringern Länge eben &longs;o viel, als das gemeine Sternrohr. Könnte man dem Spiegel eine genau paraboli&longs;che Krümmung geben, &longs;o würde die Abweichung wegen der Ge&longs;talt gänzlich wegfallen, mithin würde gar keine Ein&longs;chränkung im Durchme&longs;&longs;er des Spiegels nöthig &longs;eyn, und die dadurch ungemein ver&longs;tärkte Helligkeit würde einem &longs;olchen Spiegeltele&longs;kope noch viel größere Vorzüge geben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond's</HI> wichtige Erfindung, &longs;. den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Achromati&longs;che Fernröhre,</HI> &longs;etzt die Kün&longs;tler in Stand, die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts fa&longs;t gänzlich zu vermeiden; &longs;ie rühmen &longs;ich &longs;ogar, durch ge&longs;chickte Zu&longs;ammen&longs;etzung ihrer Objectivglä&longs;er die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt großentheils aufheben zu können. Hiedurch fallen nun die Blendungen gänzlich weg, und man lä&longs;t in achromati&longs;chen Fernröhren das Licht durch die ganze Fläche des Objectivgla&longs;es ungehindert einfallen. Dies vermehrt nicht allein die Helligkeit, &longs;ondern &longs;pricht auch den Kün&longs;tler von dem Zwange los, den ihm &longs;on&longs;t die Theorie des Huygens in Rück&longs;icht auf die Vergrößerung auflegte. Denn da &longs;ich &longs;on&longs;t die Vergrößerung wie die Quadratwurzel aus der Länge des Fernrohrs verhalten mu&longs;te, &longs;o kan man jezt, vorausge&longs;etzt, daß alle Abweichungen vermieden &longs;ind, jede beliebige Vergrößerung ohne Schaden der Deutlichkeit wagen. So vergrößerte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Me&longs;&longs;ier's</HI> achromati&longs;ches Fernrohr <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' Acad. roy. des Sc. a. 1775. p. 213.)</HI> 120mal, ob es gleich nur 40 Zoll lang war, und an einer andern Stelle wird eben die&longs;em Fernrohre, vermuthlich mit einem andern Augengla&longs;e ver&longs;ehen, eine 150fache Vergrößerung zuge&longs;chrieben, wozu nach der Theorie des Huygens<PB ID="P.1.113" N="113" TEIFORM="pb"/> &longs;on&longs;t ein 60 Schuh langes Rohr nöthig gewe&longs;en wäre.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aphelium, &longs;. Sonnenferne.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Apogäum, &longs;. Erdferne.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ap&longs;iden" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ap&longs;iden, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ap&longs;ides, Auges</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ap&longs;ides ou Ab&longs;ides</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die beyden Punkte einer Planetenbahn, in deren einem der Planet von der Sonne am weit&longs;ten entfernt, im andern der&longs;elben am näch&longs;ten i&longs;t. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 17. &longs;ind es die beyden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P.</HI> In <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> i&longs;t der Planet von der Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> am weit&longs;ten entfernt, in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> der&longs;elben am näch&longs;ten. &longs;. die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenferne, Sonnennähe.</HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Name kömmt &longs;chon bey den griechi&longs;chen Schrift&longs;tellern vor. Er bedeutet eigentlich Umfang eines Rads, auch Krümmung eines Gewölbes, und i&longs;t dann den Hauptpunkten der krummlinigten Bahnen der Ge&longs;tirne beygelegt worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plinius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. nat. II. 15.)</HI> &longs;agt: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Prima circulorum (&longs;c. puncta), quos Graeci ab&longs;idas in &longs;tellis vocant.</HI> Der Name <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Auges</HI> kömmt von den Arabern her.</P></DIV2><DIV2 N="Ap&longs;idenlinie, große Axe der Planetenbahn" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ap&longs;idenlinie, große Axe der Planetenbahn</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Linea ap&longs;idum, axis orbitae, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ligne des ap&longs;ides, le grand axe de l'orbite.</HI></HI> Die gerade Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 17.) durch beyde Ap&longs;iden <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ap&longs;iden.</HI> Die&longs;e Linie i&longs;t die große Axe der ellipti&longs;chen Planetenbahn, und geht al&longs;o durch die Sonne, oder den Brennpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> und durch den Mittelpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Ap&longs;idenlinien oder großen Axen der Planetenbahnen verändern von Zeit zu Zeit ihre Lagen gegen die Fix&longs;terne, und drehen &longs;ich um die Sonne nach der Ordnung der Zeichen, d. i. von innen heraus betrachtet von der Rechten zur Linken fort. Man &longs;. von die&longs;er Bewegung den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenferne.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aquädukt, &longs;. Wa&longs;&longs;erleitung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aräometer" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aräometer, Solwage, Salz&longs;pindel, Sol&longs;pindel, Bierwage, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Araeometrum, Hygrobaro&longs;copium, Baryllion</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aréometre, Pe&longs;e-liqueur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein Werkzeug, durch de&longs;&longs;en Ein&longs;enkung in flüßige Materien, z. B.<PB ID="P.1.114" N="114" TEIFORM="pb"/> Wa&longs;&longs;er, Solen, Biere rc. man die Verhältni&longs;&longs;e der Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren die&longs;er Materien be&longs;timmen kan. Der griechi&longs;che Name Aräometer bedeutet ein Maaß der Dünne.</P><P TEIFORM="p">Die Theorie der Aräometer beruht auf folgenden Gründen. Die Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d,</HI> zweener Körper, verhalten &longs;ich, wie die Quotienten ihrer Gewichte, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p,</HI> durch ihre körperlichen Räume oder Volumina, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">v</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dichte</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schwere, &longs;pecifi&longs;che</HI>), oder es i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D:d=P/V:p/v.</HI> Ferner taucht ein &longs;chwimmender fe&longs;ter Körper &longs;ich in den flüßigen &longs;o tief ein, bis er &longs;o viel flüßige Materie, als mit ihm &longs;elb&longs;t gleich wiegt, aus der Stelle getrieben hat. (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Schwimmen</HI>). Senkt man nun einen &longs;chwimmenden fe&longs;ten Körper, de&longs;&longs;en Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=P</HI> &longs;eyn mag, in zwo ver&longs;chiedene flüßige Materien, in deren er&longs;ter er &longs;ich um den körperlichen Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V,</HI> in der andern um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">v</HI> eintaucht, &longs;o haben die&longs;e Materien unter den gedachten Räumen beyde das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> und es i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">I.) D:d=P/V:p/v=v:V</HI></HI> Senkt man aber den fe&longs;ten Körper in beyden Materien bis an ein be&longs;timmtes Merkmal oder beydemal um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI> ein, und findet, daß dazu bey der er&longs;ten flüßigen Materie &longs;ein Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> bey der andern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> &longs;eyn mü&longs;&longs;e, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI> der Raum, unter welchem die er&longs;te die&longs;er Materien das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> die andere das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> hat, daher <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">II.) D:d=P/V:p/V=P:p.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Sätze heißen mit andern Worten:</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.)</HI> Wenn ein Aräometer von unverändertem Gewichte in zwo flüßige Materien einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten die&longs;er Materien umgekehrt, wie die Räume, um welche das Aräometer &longs;ich in die&longs;elben eingetaucht hat.<PB ID="P.1.115" N="115" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.)</HI> Wenn ein Aräometer in zwo flüßige Materien bis zu gleicher Tiefe, oder bis an ein daran befindliches Merkmal, einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten die&longs;er Materien, wie die Gewichte, die man in beyden Fällen dem Aräometer hat geben mü&longs;&longs;en, um es gleich tief einzu&longs;enken.</P><P TEIFORM="p">Jeder die&longs;er beyden Sätze giebt eine be&longs;ondere Einrichtung des Aräometers. Man &longs;ieht leicht, daß diejenige vorzüglicher i&longs;t, welche &longs;ich auf den zweyten Satz gründet, weil &longs;ich Gewichte leichter und genauer be&longs;timmen la&longs;&longs;en, als körperliche Räume. Nach die&longs;er Theorie werden &longs;ich nun die ver&longs;chiedenen Einrichtungen des Aräometers über&longs;ehen und prüfen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Daß bereits im vierten Jahrhunderte nach C. G. etwas dem Aräometer ähnliches unter dem Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Baryllion</HI> bekannt gewe&longs;en &longs;ey, erhellet aus dem funfzehnten Briefe des Bi&longs;chofs zu Ptolemais, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Syne&longs;ius</HI> von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cyrene,</HI> der an &longs;eine Lehrerin, die berühmte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hypathia</HI> in Alexandrien, gerichtet i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fermat</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Opera mathematica Fermatii. Tolo&longs;ae 1679. fol. &longs;ub fin.)</HI> hat die&longs;e Stelle zuer&longs;t richtig erklärt. Ob aber die&longs;es Baryllion unter die Erfindungen der Hypathia gehöre, i&longs;t ungewiß.</P><P TEIFORM="p">Unter den Deut&longs;chen &longs;cheint der Gebrauch &longs;olcher Werkzeuge zu Salzproben ziemlich alt zu &longs;eyn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Stat. univ. P. II. cap. 6.)</HI> führt an, daß <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thölden</HI> in &longs;einer 1603 herausgekommenen Halographie einer Sol&longs;pindel (die aus einem hölzernen Cylinder, unten zuge&longs;pitzt, und mit Bley ausgego&longs;&longs;en, be&longs;tanden habe), als einer läng&longs;t bekannten Sache gedenke.</P><P TEIFORM="p">Die gewöhnlich&longs;te Art der neuern Aräometer i&longs;t diejenige, die &longs;ich auf den er&longs;ten der obigen Sätze gründet. Die&longs;e hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. num. 24. p. 447.)</HI> be&longs;chrieben, und einige Jahre darauf <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. num. 115. p. 329.)</HI> auch als Goldwage zu brauchen gelehrt. Gewöhnlich be&longs;teht ein &longs;olches Werkzeug (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 18.) aus einer Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> von dünnem Glas, an welche an einer Glaslampe ein langer dünner Stiel oder Hals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> und eine kleinere Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> angebla&longs;en wird. In die&longs;e Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI><PB ID="P.1.116" N="116" TEIFORM="pb"/> bringt man etwas Schrot oder Queck&longs;ilber, de&longs;&longs;en Gewicht den Schwerpunkt des ganzen In&longs;truments tief herabbringt, damit es beym Ein&longs;enken ins Wa&longs;&longs;er au&longs;recht&longs;tehend erhalten werde, und nicht um&longs;chlage. Die Hölungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> mü&longs;&longs;en &longs;o groß &longs;eyn, daß durch Ein&longs;enkung in Liquoren allezeit mehr Liquor aus der Stelle getrieben wird, als das ganze In&longs;trument wiegt, weil es &longs;on&longs;t nicht &longs;chwimmen würde. Die&longs;es Werkzeug nun taucht &longs;ich, dem er&longs;ten der obigen Sätze gemäß, in leichtere Liquoren tiefer, in dichtere oder &longs;chwerere weniger ein; es wird z. B. im Salzwa&longs;&longs;er bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> im Wa&longs;&longs;er bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E,</HI> im Weine bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> im Weingei&longs;te bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G,</HI> ein&longs;inken. Eine am Stiele <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> angebrachte Theilung zeigt, wie weit es &longs;ich in jeden Liquor &longs;enke, al&longs;o welcher unter zweenen der &longs;chwerere und leichtere &longs;ey; obgleich dies allein noch nicht hinreichend i&longs;t, das Verhältniß beyder &longs;pecifi&longs;chen Schweren in Zahlen anzugeben.</P><P TEIFORM="p">Man hat die&longs;es &longs;ehr we&longs;entlichen Mangels ohngeachtet das Aräometer dennoch unter der angegebnen Ge&longs;talt lang genug gebraucht, und zu ver&longs;chiedenen Ab&longs;ichten angewendet. Man hat es aus Glas, Holz, Horn, Bern&longs;tein, Kupfer, Me&longs;&longs;ing, Silber rc. verfertiget, und dem Stiele <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> entweder willkührliche Theile von gleicher Größe, oder auch nur ein einziges aufgemahltes oder einge&longs;chnittenes Merkmal gegeben, um dadurch anzuzeigen, wie tief &longs;ich das In&longs;trument in einen gewi&longs;&longs;en Liquor eintauchen mü&longs;&longs;e, wenn er genau die gehörige Güte haben &longs;olle. Von die&longs;er Art &longs;ind die von Bern&longs;tein verfertigten Danziger <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bierproben,</HI> die ein zu leichtes Bier anzeigen, wenn &longs;ie &longs;ich darein tiefer, als bis an das gemachte Merkmal, tauchen. Man hat auch zu andern Ab&longs;ichten die Größe der Theile durch ange&longs;tellte Ver&longs;uche be&longs;timmt, oder das Aräometer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">graduirt.</HI> Lö&longs;et man z. B. zuer&longs;t in 99 Loth Wa&longs;&longs;er ein Loth Salz, dann in 98 Loth Wa&longs;&longs;er zwey Loth Salz u. &longs;. w. auf, &longs;o erhält man kün&longs;tliche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Solen,</HI> die auf 100 Loth Sole 1, 2 u. &longs;. w. Loth Salz enthalten, dergleichen man bey uns einlöthige, zweylöthige rc. Solen zu nennen pflegt. Senkt man das Aräometer in<PB ID="P.1.117" N="117" TEIFORM="pb"/> eine die&longs;er Solen nach der andern ein, und bemerkt mit Zeichen am Stiele, wie tief es in jeder &longs;inket, &longs;o geben die&longs;e Zeichen eine Theilung, welche zur Prüfung des Salzgehalts natürlicher Solen dienet. Denn wofern man annehmen darf, daß jede natürliche zweylöthige Sole eine gleiche &longs;pecifi&longs;che Schwere mit der kün&longs;tlich bereiteten zweylöthigen u. &longs;. w. habe, &longs;o folgt, daß das Aräometer in beyde gleich tief ein&longs;inken mü&longs;&longs;e. Unter die&longs;er Ge&longs;talt bekömmt das In&longs;trument den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Solwage, Gradirwage, Salzprobe, Salz&longs;pindel,</HI> wovon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. &longs;tat. univer&longs;. P. II. c. 6.)</HI> ver&longs;chiedene Arten be&longs;chreibt. Aber die Schwierigkeit, bey &longs;o vielerley Ver&longs;uchen den Punkt des Ein&longs;inkens jederzeit genau zu bemerken und richtig zu bezeichnen, macht, daß man &longs;ich von der Vollkommenheit eines &longs;olchen Werkzeugs insgemein nicht viel ver&longs;prechen kan.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht leicht, daß &longs;ich auf eine ähnliche Art auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bierproben</HI> zubereiten la&longs;&longs;en. So hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faggot</HI> (Abh. der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">königl.</HI> &longs;chwed. Akad. der Wi&longs;&longs;. über&longs;. durch Kä&longs;tner, für 1763. S. 49.) für das &longs;chwedi&longs;che Bier, ein &longs;olches Aräometer ins &longs;tärk&longs;te Bier und in Mi&longs;chungen von 3, 2, 1 Theilen Bier mit 1, 2, 3 Theilen Wa&longs;&longs;er zu &longs;enken und die Punkte des Ein&longs;inkens zu bemerken, vorge&longs;chlagen. Und, weil man nicht überall gleich gutes Starkbier finden möchte, räth er an, kün&longs;tliche Solen zu verfertigen, welche mit den angegebnen Bierarten (von welchen ein Cubikzoll 563, 558 1/2, 554, 550 Aß wog) gleiche Schwere hätten, und die Bierprobe in die&longs;en Solen zu graduiren. Vielleicht wäre die&longs;er Vor&longs;chlag für die Praxis nicht unbrauchbar; es mü&longs;te aber für jede Sorte von Bier, deren wir bey uns &longs;o vielerley haben, eine be&longs;ondere Probe verfertiget werden. Die Graduirung durch Solen i&longs;t auch nur dann &longs;icher, wenn &longs;tets Salz und Wa&longs;&longs;er von gleicher Art, auch unter gleichen Graden der Wärme, gebraucht wird.</P><P TEIFORM="p">Da es &longs;o müh&longs;am und un&longs;icher i&longs;t, jeden Grad eines Aräometers durch einen be&longs;ondern Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, &longs;o haben einige vorge&longs;chlagen, nur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zwey fe&longs;te Punkte</HI><PB ID="P.1.118" N="118" TEIFORM="pb"/> durch wirkliche Ver&longs;uche zu be&longs;timmen, und den Zwi&longs;chenraum in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gleiche Theile</HI> zu theilen. Es i&longs;t aber zu bemerken, 1. daß hiebey der Stiel des Aräometers vollkommen cylindri&longs;ch &longs;eyn mü&longs;&longs;e, welches bey glä&longs;ernen Röhren nicht &longs;o leicht zu erhalten i&longs;t; 2. daß auf die&longs;e Art die Grade der Theilung nicht völlig gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren angeben, mithin noch eine Rechnung nöthig i&longs;t, wenn man die wahren Verhältni&longs;&longs;e der Dichten finden will.</P><P TEIFORM="p">Ein &longs;olches Aräometer (Tafel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Figur 19.) &longs;chlägt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad Philo&longs;. natur. To. II. §. 1384.)</HI> vor. Es &longs;oll &longs;ich im Regenwa&longs;&longs;er, mit Hülfe eines unten ange&longs;chraubten Gewichts, ganz bis ans Ende des Stiels, und in einem Liquor, der unter dem Volumen des Aräometers 40 Gran &longs;chwerer, als Regenwa&longs;&longs;er, i&longs;t, nur bis an den Anfang des Stiels eintauchen. Nun theilt er den Stiel in 40 gleiche Theile, und meint, &longs;o werde &longs;ich beym Ein&longs;enken in einen andern Liquor zeigen, wie viel der&longs;elbe &longs;chwerer &longs;ey, als Regenwa&longs;&longs;er. Für Liquoren, welche leichter, oder über 40 Gran &longs;chwerer, als Wa&longs;&longs;er wären, mü&longs;ten unten leichtere oder &longs;chwerere Gewichte ange&longs;chraubt werden. Da &longs;ich Mu&longs;&longs;chenbroek nicht ganz deutlich ausdrückt, &longs;o könnte man dies &longs;o ver&longs;tehen: Wenn das Wa&longs;&longs;er unter dem Volumen des Aräometers 100 Gran wiegt, und das In&longs;trument in einem &longs;chwerern Liquor nicht ganz untertaucht, &longs;ondern um 1 Theil des Stiels hervorragt, &longs;o &longs;oll die&longs;er Liquor unter eben dem Volumen 1 Gran mehr wiegen, al&longs;o das Verhältniß der Dichten 100:101 &longs;eyn. Daß dies theoreti&longs;ch unrichtig wäre, lehret folgende Betrachtung: Soll &longs;ich das Aräometer in einem Liquor, von welchem 140 Gran &longs;o viel Raum einnehmen, als 100 Gran Wa&longs;&longs;er, nur bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 19.) eintauchen, &longs;o muß das Volumen von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PC (100/140),</HI> das Volumen des Stiels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC (40/140),</HI> und ein Grad der Theilung (1/140) des ganzen Volumens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PA</HI> ausmachen. War al&longs;o im Wa&longs;&longs;er alles eingetaucht, und ragt jezt in einem Liquor (1/140) hervor, oder &longs;ind jezt nur (139/140) eingetaucht, &longs;o i&longs;t das Verhältniß der Dichtigkeiten nach dem er&longs;ten der<PB ID="P.1.119" N="119" TEIFORM="pb"/> obigen theoreti&longs;chen Sätze=139:140, nicht wie oben 100:101. Ragen 7 Theile hervor, oder &longs;ind 33 eingetaucht, &longs;o i&longs;t es 133:140; und überhaupt, wenn das Aräometer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> Gran Wa&longs;&longs;er aus der Stelle treibt, und die Anzahl der eingetauchten Grade der Theilung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> hei&longs;t, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+n:p+40;</HI> nicht, wie oben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p:p+40—n.</HI> So ver&longs;tanden, i&longs;t Mu&longs;&longs;chenbroeks Theorie richtig; er &longs;cheint auch die Sache &longs;o genommen zu haben, weil er in der Figur die Theile am Stiele von unten hinauf zählt, und al&longs;o die eingetauchten, nicht die hervorragenden, in An&longs;atz bringt. Aber &longs;eine Worte la&longs;&longs;en auch die oben angegebne fal&longs;che Erklärung zu. Uebrigens &longs;oll das Werkzeug von Me&longs;&longs;ing &longs;eyn, und wegen des Anhängens der Liquoren nur für die gröbere Praxis be&longs;timmt bleiben. Die Verfertigung de&longs;&longs;elben nach den vorge&longs;chriebnen Bedingungen würde allemal höch&longs;t müh&longs;am, und denen, die &longs;ich mit der gröbern Praxis befriedigen, gar nicht vorzu&longs;chlagen &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Eine andere auf zween fe&longs;te Punkte gegründete Einrichtung des Aräometers hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baume</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Avant-Coureur 1768. no. 45, 50, 51, 52; 1769 no. 2.)</HI> vorge&longs;chlagen. Sie &longs;oll den Grad der Rectification gei&longs;tiger Liquoren und die &longs;pecifi&longs;che Schwere der&longs;elben zugleich angeben; da aber, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l'Acad. roy. des Sc. 1769.)</HI> zeigt, beym Weingei&longs;te die Rectification dem Grade der &longs;pecifi&longs;chen Schwere nicht proportional i&longs;t, &longs;o kan beydes zugleich nicht mit einerley Werkzeuge geme&longs;&longs;en werden. Uebrigens &longs;enkt Baume das Aräometer zuer&longs;t in eine Mi&longs;chung von 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und 1 Theil trocknen Koch&longs;alzes und dann in reines Wa&longs;&longs;er, bemerkt die Punkte des Ein&longs;inkens mit 0 und 10, theilt den Zwi&longs;chenraum in zehn gleiche Grade, und trägt &longs;olche Grade bis 50 auf dem übrigen Theile des Stiels fort. Er erhält auf die&longs;e Art eine Scale mit gleichen Theilen, welche nie gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten anzeigen. Zwar &longs;ucht er auch nicht Verhältni&longs;&longs;e der Dichtigkeiten &longs;elb&longs;t zu be&longs;timmen, &longs;ondern nur durch &longs;eine Vor&longs;chriften alle Aräometer mit einander überein&longs;timmend zu machen, &longs;o daß man durch den Grad der&longs;elben die Dichte oder Güte eines<PB ID="P.1.120" N="120" TEIFORM="pb"/> Liquors auf eine überall ver&longs;tändliche Art ausdrücken könne. So &longs;oll 0 Grad die Dichte eines Liquors, der (9/10) Wa&longs;&longs;er und (1/10) Salz hat, 10 Grad die Dichte des Wa&longs;&longs;ers bezeichnen. Nun ließen &longs;ich zwar hieraus die Verhältni&longs;&longs;e der Dichten &longs;elb&longs;t berechnen, wenn die Dichte der zum fe&longs;ten Punkte gebrauchten Sole bekannt wäre; allein da Salze von ver&longs;chiedener Art auf das Wa&longs;&longs;er ver&longs;chiedentlich wirken, und al&longs;o Gemi&longs;che von andern Dichtigkeiten geben können, wenn &longs;ie gleich in einerley Verhältniß mit dem Wa&longs;&longs;er vermi&longs;cht werden, &longs;o i&longs;t man nie &longs;icher, aus 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und einem Theile Salz überall eine gleich dichte Sole, und eine mit andern überein&longs;timmende Theilung des Aräometers zu erhalten; und für die gei&longs;tigen Liquoren ändern &longs;ich die Dichtigkeiten, die &longs;ie durch Vermi&longs;chung mit Wa&longs;&longs;er annehmen, noch unregelmäßiger.</P><P TEIFORM="p">Die von den Ständen in Languedoc 1771 und 1773 aufgegebnen Preißfragen über die be&longs;te Art, die Güte der gei&longs;tigen Liquoren zu prüfen, haben noch andere Vor&longs;chläge zu Brantewein- und Weingei&longs;tproben von den Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Poncelet, Pouget</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bories</HI> veranla&longs;&longs;et, welche anzuführen hier zu weitläuftig wäre.</P><P TEIFORM="p">Da die Be&longs;timmung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener</HI> fe&longs;ten Punkte durch Ver&longs;uche un&longs;icher i&longs;t, weil es Schwierigkeit macht, außer dem de&longs;tillirten oder Regenwa&longs;&longs;er, noch einen Liquor von &longs;tets gleicher Dichte zu erhalten, und da die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gleichen</HI> Theile der Scale niemals gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten geben, &longs;o hat man vorge&longs;chlagen, das Aräometer durch Veränderung &longs;eines Gewichts &longs;o zu graduiren, daß es durch den Punkt &longs;eines Ein&longs;inkens &longs;ogleich die Dichte des Liquors anzeige. Die&longs;e &longs;innreiche Methode lehrt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire de Phy&longs;ique, art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aréometre</HI>).</HI> Es &longs;ey die Dichte des Wa&longs;&longs;ers zur Dichte eines Liquors <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=D:d;</HI> im Wa&longs;&longs;er &longs;enke &longs;ich das Aräometer um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> ein, &longs;o muß es &longs;ich im Liquor um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> ein&longs;enken (weil &longs;ich die Räume umgekehrt wie die Dichten verhalten mü&longs;&longs;en). Soll es &longs;ich nun im Wa&longs;&longs;er<PB ID="P.1.121" N="121" TEIFORM="pb"/> eben &longs;o weit, oder auch um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> ein&longs;enken, &longs;o muß &longs;ein Gewicht, welches wir <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> nennen wollen, verändert werden. Mit dem an&longs;änglichen Gewichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> &longs;ank es im Wa&longs;&longs;er um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> ein, al&longs;o wird es, um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> einzu&longs;inken, das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pD/d)</HI> haben mü&longs;&longs;en (weil &longs;ich die Räume des Ein&longs;inkens in einerley flüßige Materie, wie die Gewichte, verhalten). Verändert man al&longs;o das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pD/d),</HI> d. h. vermehrt man es um <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pD/d)—p=p·(D—d/d),</HI> &longs;o &longs;inkt das In&longs;trument im Wa&longs;&longs;er &longs;o tief ein, als es unter &longs;einem anfänglichen Gewichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> in einen Liquor von der Dichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> ein&longs;inkt. Nimmt man nun die Dichte des Wa&longs;&longs;ers= 1000 an, und lä&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> nach einander 990, 980, 970 rc. gelten, &longs;o wird <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p·(D—d/d)</HI> nach einander <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(10/990) p, (20/980) p, (30/970) p</HI> rc. Hierauf gründet &longs;ich folgendes Verfahren. Man wiege das Aräometer genau, &longs;enke es in de&longs;tillirtes oder in Regenwa&longs;&longs;er unter einem be&longs;timmten Grade der Wärme (wozu Bri&longs;&longs;on den 14ten Grad des Reaumuri&longs;chen Thermometers vor&longs;chlägt), und bezeichne den Punkt, bis auf den es ein&longs;inkt, mit 1000. Man vermehre hierauf das anfängliche Gewicht des In&longs;truments durch etwas hinzugego&longs;&longs;enes Queck&longs;ilber um (10/990) oder (1/99), &longs;enke es von neuem ein, und bemerke den Punkt mit 990; man nehme das hinzugethane Queck&longs;ilber wieder hinweg, vermehre das anfängliche Gewicht um (20/980) oder (1/49), und bemerke den Punkt des Ein&longs;inkens mit 980 u. &longs;. w. So i&longs;t das Werkzeug von 10 zu 10 Graden für <HI REND="bold" TEIFORM="hi">leichtere</HI> Liquoren, als Wa&longs;&longs;er, graduirt. Um einzelne Grade zu haben, kan man entweder die Zwi&longs;chenräume in 10 gleiche Theile theilen, oder, wenn man die Genauigkeit aufs höch&longs;te treiben will, die Punkte für die Dichten 999, 998 rc. durch Vermehrung des anfänglichen Gewichts um (1/999), (2/998) rc. &longs;uchen.<PB ID="P.1.122" N="122" TEIFORM="pb"/> Für <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwerere</HI> Liquoren, als Wa&longs;&longs;er, wird <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D—d</HI> negativ, und das anfängliche Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> i&longs;t um <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(d—D/d)·p</HI> zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vermindern.</HI> Die&longs;e Verminderungen betragen (10/1010), (20/1020), (30/1030) rc. für die Dichten 1010, 1020, 1030 rc.; woraus das Verfahren leicht erhellet. Endlich giebt man dem In&longs;trumente &longs;ein anfängliches Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> wieder; und wenn es &longs;ich nun bey einer Temperatur von 14 Graden nach Reaumür in einen gewi&longs;&longs;en Liquor bis an den mit 980 bemerkten Punkt &longs;enkt, &longs;o kan man &longs;chließen, daß des Liquors Dichte zur Dichte des Wa&longs;&longs;ers wie 980:1000 &longs;ey. Die&longs;e Methode würde vor allen andern den Vorzug verdienen, wenn nicht die Ausführung äußer&longs;t müh&longs;am wäre. Sie i&longs;t nicht von der Art, daß man &longs;ie gemeinen Mechanikern überla&longs;&longs;en könnte; die Phy&longs;iker mü&longs;&longs;en &longs;ich dergleichen Werkzeuge &longs;elb&longs;t verfertigen.</P><P TEIFORM="p">Zum genauern Graduiren empfiehlt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> folgende von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montigny</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' academ. roy. des Sc. 1768. p. 435.)</HI> angegebne Methode. An der Seite des Gefäßes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 20. geht der elfenbeinerne Stab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> in die Höhe, und i&longs;t mit einem wohlgearbeiteten me&longs;&longs;ingnen Schieber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EF</HI> ver&longs;ehen. Man füllt das Gefäß mit Regenwa&longs;&longs;er, und giebt &longs;tets Acht, daß da&longs;&longs;elbe darinn gleich hoch &longs;tehe. Das bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G</HI> einge&longs;enkte Aräometer reiche mit dem Ende des Stiels bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A,</HI> &longs;o wird der Schieber &longs;o ge&longs;tellt, daß er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> genau berührt, und auf dem elfenbeinernen Stabe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DG</HI> wird bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">g</HI> ein Strich mit Bley&longs;tift gemacht. Sinkt in andern Liquoren, oder unter anderm Gewichte, das Aräometer bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H, I</HI> rc. ein, &longs;o wird der Schieber die Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h, i</HI> rc. angeben, und die Bley&longs;tift&longs;triche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">g, h, i</HI> geben eine Theilung, welche vom elfenbeinernen Stabe auf ein Papier gebracht, und umgekehrt in das Aräometer befe&longs;tiget wird, &longs;o daß der Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> der beym er&longs;ten Ein&longs;enken der Oberfläche des Wa&longs;&longs;ers im Gefäße <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI> gegenüber&longs;tand, an das Ende des Stiels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> kömmt, und die Theilung in die Lage <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G, H, I</HI> bringt. Der Schieber muß an den Stab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">GD</HI> nur auf drey Seiten an&longs;chließen,<PB ID="P.1.123" N="123" TEIFORM="pb"/> und die vierte, auf welche die Bley&longs;tift&longs;triche kommen, frey la&longs;&longs;en, damit er beym Fort&longs;chieben nichts auslö&longs;che. Graduirt man nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;ons</HI> Art, &longs;o muß das Papier, auf welches die Theilung kommen &longs;oll, mit gewogen, und &longs;ein Gewicht in das anfängliche Gewicht des Aräometers mit eingerechnet werden.</P><P TEIFORM="p">Aus der bisherigen Theorie lä&longs;t &longs;ich auch die Einrichtung über&longs;ehen, die le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Raz de Lanthenee</HI> in einer kleinen Schrift von 32 Seiten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">12mo</HI> vorge&longs;chlagen hat, und welche von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire de phy&longs;. art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aréometre</HI>)</HI> ange&longs;ührt wird. Sie &longs;cheint eine etwas veränderte Nachahmung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen</HI> zu &longs;eyn. Er &longs;enkt nemlich ein Aräometer, welches 1000 Gran wiegt, in Wa&longs;&longs;er, vermehrt hierauf das Gewicht um 40 Gran, &longs;enkt es nochmals ein, und theilt den Raum zwi&longs;chen beyden Punkten in 40 gleiche Theile. Er bekömmt hiedurch zu fe&longs;ten Punkten die Dichte des Wa&longs;&longs;ers und die Dichte eines um (40/1040) oder (1/26) leichtern Liquors; und &longs;o i&longs;t &longs;ein Aräometer allerdings vorzüglicher, als die, welche zur Be&longs;timmung des zweyten Punkts die Bereitung einer Sole u. dgl. voraus&longs;etzen. Auch i&longs;t es richtig, daß bey einem Aräometer, welches nicht gerade 1000 Gran wiegt, die Zulage &longs;tatt 40 Gran, eine andere &longs;eyn muß, die &longs;ich aber zum Gewichte des Aräometers verhält, wie 40:1000, z. B. bey einem Aräometer von 800 Gran darf man nur 32 Gran zulegen. Man muß aber dennoch in 40 Theile theilen, wenn &longs;olche Aräometer mit einander überein&longs;timmen &longs;ollen, und die Behauptung des Erfinders, man mü&longs;&longs;e in &longs;o viel Theile theilen, als man bey der Be&longs;timmung des zweyten Punkts Grane zugelegt habe, i&longs;t ein offenbarer Irrthum. Uebrigens i&longs;t bey die&longs;em Werkzeuge, wenn &longs;ein Gewicht in Granen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p,</HI> und die Zahl der eingetauchten Grade der Theilung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> hei&longs;t, des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+n:p.</HI></P><P TEIFORM="p">Noch eine &longs;ehr einfache Art des Aräometers gäbe ein bloßes Stäbgen ohne Kugel, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 21., das etwa von einem leichten aber fe&longs;ten Holze verfertiget und überfirnißt werden könnte. Das Stäbgen mü&longs;te ein<PB ID="P.1.124" N="124" TEIFORM="pb"/> genau gearbeitetes rechtwinklichtes Parallelepipedum &longs;eyn, und läng&longs;t der Mitte jeder Seitenfläche mü&longs;te eine etwa in 1000 Theile getheilte Linie herabgehen, auf der man auch bey einer &longs;chiefen Lage des Stäbgens, dennoch das Verhältniß des eingetauchten Theils zum Ganzen richtig würde bemerken können. Ein &longs;olches Stäbgen würde &longs;ich in einen Liquor ge&longs;enkt, und bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> an einem Faden gehalten (nicht gezogen), bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> z. E. um 600 Theile ein&longs;enken. Sänke es nun im Regenwa&longs;&longs;er um 550 Theile ein, &longs;o würde &longs;ich des Regenwa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie 600:550 verhalten. Ich habe die&longs;e Einrichtung in den hydro&longs;tati&longs;chen Vorle&longs;ungen meines ehemaligen Lehrers, des Prof. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hein&longs;ius</HI> in Leipzig, kennen gelernt, der &longs;ie zu Prüfung der &longs;pecifi&longs;chen Schweren der Mineralwa&longs;&longs;er vor&longs;chlug.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t zu verwundern, daß man die bisher be&longs;chriebenen Aräometer, welche die Dichte der Liquoren durch die Tiefe des Ein&longs;inkens me&longs;&longs;en, noch immer beybehält, und &longs;o viel daran kün&longs;telt, da doch die Be&longs;timmung der fe&longs;ten Punkte und das Graduiren &longs;o viel Mühe und Unzuverlä&longs;&longs;igkeit veranla&longs;&longs;en, daß In&longs;trumente die&longs;er Art aller angewandten Bemühungen ohngeachtet doch immer unvollkommen bleiben werden. Die Begierde, &longs;ogleich an einer Scale zu &longs;ehen, wie gut oder dicht ein Liquor &longs;ey, ohne daß es er&longs;t einer Rechnung bedürfe, mag wohl die Ur&longs;ache davon &longs;eyn; es heißt aber nicht die Chymiker ehren, wenn man ihnen unzuverläßige Weingei&longs;tproben in die Hände giebt, um ihnen eine Divi&longs;ion zu er&longs;paren.</P><P TEIFORM="p">Weit einfacher, leichter zu verfertigen, und in der Anwendung &longs;icherer i&longs;t dasjenige Aräometer, welches die Dichten der Liquoren durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gewichte</HI> abmißt. Es führt gemeiniglich den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fahrenheiti&longs;chen allgemeinen Aräometers,</HI> obgleich nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Stat. P. II. §. 28. 29.)</HI> &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Moncony,</HI> ein Arzt in Lyon († 1665) in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung, auch der P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuillee</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Journal des ob&longs;erv. de phy&longs;. Paris 1714. 4.)</HI> ähnliche Einrichtungen be&longs;chreiben. Die&longs;es In&longs;trument be&longs;teht aus einer holen glä&longs;ernen oder me&longs;&longs;ingnen Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI><PB ID="P.1.125" N="125" TEIFORM="pb"/> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 22.), an welcher &longs;ich unten noch eine andere mit etwas Queck&longs;ilber oder Schrot be&longs;chwerte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> befindet. Der Hals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> i&longs;t &longs;ehr dünn, und hat oben bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> eine kleine Schale, um leicht Gewichte hineinwerfen zu können. Am Hal&longs;e befindet &longs;ich bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> ein Merkmal. An <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Moncony's</HI> Wage fehlen die Schale <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a;</HI> denn die Gewichte werden wie Ringe geformt und auf den etwas &longs;tärkern Hals aufge&longs;teckt, und das In&longs;trument wird bis an die Spitze einge&longs;enkt; bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuillee's</HI> Angabe fehlt nur die Schale, und die Gewichte, als durchlöcherte Blättchen ge&longs;ormt, werden über den Hals auf die Kugel gelegt; bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leutmanns</HI> Angabe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petropol. T. V. p. 273.)</HI> i&longs;t die Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA</HI> offen, und die Gewichte werden durch die Oefnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> hineingeworfen.</P><P TEIFORM="p">Um ein &longs;olches Werkzeug zu gebrauchen, muß zuer&longs;t das Gewicht de&longs;&longs;elben<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=p</HI> &longs;orgfältig be&longs;timmt werden. Man &longs;enkt es hierauf in de&longs;tillirtes oder Regenwa&longs;&longs;er, und legt in die Schale <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> &longs;o viel Gewicht<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=q,</HI> bis es &longs;ich bis an das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> eintaucht. Muß man nun, um es in einem Liquor eben &longs;o weit einzutauchen, das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r</HI> in die Schale legen, &longs;o i&longs;t nach dem zweyten der im Anfang die&longs;es Artikels vorgetragnen Sätze des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte, wie das ganze Gewicht des Werkzeugs beym er&longs;tern Ein&longs;enken zum ganzen Gewichte beym letztern, oder wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+q:p+r.</HI> Wiegt zum Bey&longs;piel das Aräometer 496 Gran, und mü&longs;&longs;en im Regenwa&longs;&longs;er 32, in einer Sole 64 Gran zugelegt werden, &longs;o verhalten &longs;ich beyder Dichten oder &longs;pecifi&longs;che Schweren, wie 496+32: 496+64=528:560=1:1,060.</P><P TEIFORM="p">Es fällt in die Augen, wie weit die&longs;es In&longs;trument die vorherbe&longs;chriebenen an Simplicität, Leichtigkeit der Ausführung und Sicherheit des Re&longs;ultats übertrift. Es bleibt nur noch die Einwendung übrig, daß das Anhängen der Liquoren verhindere, genau wahrzunehmen, wenn der Liquor gerade bis an das Merkmal reiche. Die&longs;e Einwendung trift aber auch die Aräometer von jener Cla&longs;&longs;e, und der zu be&longs;orgende Fehler i&longs;t bey einem dünnen Hal&longs;e ganz unbeträchtlich. Noch wäre zu befürchten, daß es bey<PB ID="P.1.126" N="126" TEIFORM="pb"/> allzuviel oben eingelegten Gewichten um&longs;chlagen möchte; allein ein nachdenkender Kün&longs;tler wird die Einrichtung leicht &longs;o treffen, daß nie &longs;tarke Gewichte eingelegt werden dürfen, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> immer &longs;chwer genug bleibt, um das Ganze aufrecht zu erhalten. Es &longs;ollten al&longs;o die Naturfor&longs;cher billig mehr Gebrauch von die&longs;er Einrichtung machen, als insgemein zu ge&longs;chehen pflegt.</P><P TEIFORM="p">Wie man die Aräometer als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Goldwagen</HI> gebrauchen könne, be&longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cornelius Meyer</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nuovi Ritrovamenti divi&longs;i in due parti. Rom 1696. fol.)</HI> Er hat &longs;eine Methode um das Jahr 1668 erfunden; und giebt a. a. O. &longs;echs ver&longs;chiedene Arten &longs;olcher Goldwagen an, worunter die mei&longs;ten dem Fahrenheiti&longs;chen Univer&longs;alaräometer &longs;ehr ähnlich &longs;ind. Man hängt unten eine ächte Goldmünze an, und bemerkt, wie weit &longs;ich das mit ihr be&longs;chwerte In&longs;trument ins Wa&longs;&longs;er tauche. Eine fal&longs;che Münze unten angehangen, wird es nicht &longs;o weit eintauchen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meyer</HI> erzählt, die General&longs;taaten hätten ihn durch Abgeordnete um Mittheilung die&longs;er Erfindung er&longs;uchen la&longs;&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> hat &longs;ein dazu dienliches In&longs;trument 1674 in den Transactionen bekannt gemacht, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Stat. univer&longs;. P. II. c. 6.)</HI> handlet von der ganzen Sache &longs;ehr um&longs;tändlich.</P><P TEIFORM="p">Bey dem Gebrauche aller Aräometer überhaupt &longs;ind folgende von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Leçons de Phy&longs;. To. II. p. 388.)</HI> angegebne Vor&longs;ichtsregeln zu beobachten.</P><P TEIFORM="p">1) Die Liquoren, in welche man das Aräometer ein&longs;enkt, mü&longs;&longs;en jederzeit auf einerley Grad der Wärme gebracht werden. Andere Grade der Wärme würden die Dichte des Liquors &longs;owohl, als das Volumen des Werkzeugs, ändern.</P><P TEIFORM="p">2) Bey Aräometern, die durch Eintheilung in gleiche Theile graduirt werden, muß der Stiel genau cylindri&longs;ch, d. i. durchgehends von gleicher Dicke &longs;eyn. Unregelmäßige und ungleich dicke Stücken geben bey gleich getheilter Länge nicht gleich getheilte Volumina.<PB ID="P.1.127" N="127" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">3) Beym Ein&longs;enken mü&longs;&longs;en die Aräometer genau &longs;enkrecht &longs;tehen. Eine &longs;chiefe Stellung verhindert, den Punkt des Ein&longs;inkens genau zu beobachten.</P><P TEIFORM="p">4) Das In&longs;trument muß &longs;tets &longs;ehr rein und &longs;auber gehalten, auch, ehe man es aus einem Liquor in den andern bringt, &longs;orgfältig abgetrocknet werden. Auf den Liquoren &longs;elb&longs;t darf kein Schaum &longs;eyn, weil Luftbla&longs;en &longs;ich an das Werkzeug hängen, und es höher, als gehörig, emporheben würden. Bey aller die&longs;er Vor&longs;icht bleibt es noch immer &longs;chwer, den Punkt des Ein&longs;inkens mit der gehörigen Genauigkeit zu bemerken, weil manche Liquoren genauer an das Glas an&longs;chließen, als andere, auch viele am Gla&longs;e mehr oder weniger in die Höhe &longs;teigen.</P><P TEIFORM="p">Zum Be&longs;chluß die&longs;es Artikels will ich noch eines In&longs;truments gedenken, welches zwar nach der oben angegebnen Definition nicht unter die Aräometer gehört, aber doch zu Abme&longs;&longs;ung der Dichte der Liquoren dient, und von &longs;einem Erfinder den Namen eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aräometers</HI> bekommen hat. Es i&longs;t von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Homberg</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. roy. des &longs;c. 1699.)</HI> angegeben worden, und be&longs;teht aus einem glä&longs;ernen Gefäße <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 23., de&longs;&longs;en Hals &longs;o eng i&longs;t, daß ein Wa&longs;&longs;ertropfen darinn 6—7 Lin. Raum einnimmt; oben i&longs;t er trichterförmig ausge&longs;chweift. An der Seite bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> geht eine eben &longs;o enge 6 Lin. lange Röhre mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> parallel heraus, um der Luft einen Ausgang aus dem Gefäße zu ver&longs;tatten. Wenn man die&longs;es Gefäß allemal bis an das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> mit einem Liquor füllet, &longs;o hat man wegen des engen Hal&longs;es, der keinen beträchtlichen Fehler dabey ver&longs;tattet, immer einerley Volumen der Liquoren. Wiegt man al&longs;o das Gefäß zuer&longs;t mit einem und dann mit dem andern Liquor bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> gefüllt, und zieht von beyden Gewichten das Gewicht des leeren Gefäßes ab, &longs;o hat man die Gewichte der beyden Liquoren unter einerley Volumen, welche &longs;ich wie ihre &longs;pecifi&longs;chen Schweren verhalten. Der hiebey zu be&longs;orgende Fehler kan wegen der Enge des Hal&longs;es nicht groß &longs;eyn; es ent&longs;teht aber daraus zugleich die Unbequemlichkeit, daß der Hals ein Haarröhrchen wird, und das Anhängen der Liquoren ungemein befördert.<PB ID="P.1.128" N="128" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Armillar&longs;phäre, &longs;. Ringkugel.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Armirung des Magnets, &longs;. Magnet.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ar&longs;enik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ar&longs;enik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ar&longs;enicum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ar&longs;enic</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;e Materie i&longs;t der metalli&longs;che Kalch eines eignen Halbmetalls, des Ar&longs;enikkönigs, unter&longs;cheidet &longs;ich aber von den übrigen metalli&longs;chen Erden durch ihre Flüchtigkeit, Auflösbarkeit im Wa&longs;&longs;er, Geruch und Ge&longs;chmack, Verwandt&longs;chaft mit den übrigen Metallen und Schmelzbarkeit. Die&longs;en Eigen&longs;chaften nach muß man den Ar&longs;enik für eine mit einer eignen Säure verbundne metalli&longs;che Erde erklären. Der Ar&longs;enikkönig, den man durch Zu&longs;atz von mehrerem Brennbaren aus die&longs;em Kalche erhält, i&longs;t ein weißes bläuliches Halbmetall, de&longs;&longs;en &longs;pecifi&longs;che Schwere etwa 8, 31 mahl &longs;o groß, als die Schwere des Wa&longs;&longs;ers i&longs;t. Er wird an der Luft bald gelb und &longs;chwarz, i&longs;t &longs;ehr brüchig und äußer&longs;t flüchtig, brennt auch an der Luft mit einer bläulichen Flamme und einem &longs;tarken, wie Knoblauch, riechenden Dampfe.</P><P TEIFORM="p">Man findet den Ar&longs;enik in ver&longs;chiedenen Kobaltarten, im weißen Kies oder Mißpickel, und vielen andern Erzen, weil er ein Vererzungsmittel i&longs;t. Man &longs;ammlet ihn in Sach&longs;en vornehmlich bey der Bereitung der Schmalte aus dem Kobalt auf. Der uneigentlich &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scherbenkobalt</HI> i&longs;t ein wahrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&longs;enikkönig.</HI> Mit dem Schwefel verbunden giebt der Ar&longs;enik den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gelben</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">rothen Ar&longs;enik,</HI> welche etwas feuerbe&longs;tändiger &longs;ind, und durch die Kun&longs;t bereitet werden. Natürlich gefunden hei&longs;t der gelbe <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Operment</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Auripigmentum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Orpiment, Rizigal jaune</HI>),</HI> der rothe <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sandarac</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rau&longs;chgelb</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Realgar, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Rizigal rouge</HI>).</HI> Der Ar&longs;enik wird in der Färbekun&longs;t zu Erhöhung der Farben, in den Compo&longs;itionen des Prinzmetalls und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Argent haché</HI> zu Beförderung des Glanzes und der Politur gebraucht. Er i&longs;t ein &longs;ehr heftiges ätzendes Gift, und daher &longs;ein Gebrauch in der Arzneykunde gänzlich zu unterla&longs;&longs;en, und &longs;elb&longs;t bey Bearbeitungen de&longs;&longs;elben die möglich&longs;te Behut&longs;amkeit anzuwenden.</P><P TEIFORM="p">Macquer chym. Wörterbuch, Art. Ar&longs;enik.<PB ID="P.1.129" N="129" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Ar&longs;enikfäure" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ar&longs;enikfäure, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acidum Ar&longs;enici</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acide d' ar&longs;enic</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Schon läng&longs;t hatten die Chymi&longs;ten den Ar&longs;enik wegen einiger &longs;einer Eigen&longs;chaften unter die Cla&longs;&longs;e der Salze ge&longs;etzt, und die Salz&longs;äure oder die Vitriol&longs;äure für einen &longs;einer Be&longs;tandtheile ange&longs;ehen. Endlich haben es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> (Abhdl. der &longs;chwed. Akad. d. Wi&longs;&longs;. 1775. Qu. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">IV. no. 1.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bergmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nov. acta Vp&longs;al. To. II. pag. 208.</HI> ingl. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;. de ar&longs;enico. Vp&longs;al. 1777. 4.)</HI> deutlich erwie&longs;en, daß der Ar&longs;enik eine eigne von allen andern unter&longs;chiedene Säure enthalte, welche durch das Brennbare er&longs;t zu einem Ar&longs;enik und bey mehrerer Sättigung damit zu einem be&longs;ondern Halbmetalle wird, und deren Neigung, &longs;ich mit dem Brennbaren zu vermi&longs;chen, ungemein groß i&longs;t, woraus wohl auch die &longs;chädlichen Wirkungen des Ar&longs;eniks auf den men&longs;chlichen Körper, de&longs;&longs;en Theile er durch Anziehung ihres Brennbaren zer&longs;etzt, zu erklären &longs;eyn dürften.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhardi</HI> in Macquer's chym. Wörterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&longs;enik&longs;äure.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ion, &longs;. Auf&longs;teigung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;cen&longs;ionaldifferenz" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Differentia a&longs;cen&longs;ionalis, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Difference a&longs;cen&longs;ionelle.</HI></HI> Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung, gerade</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chiefe;</HI> oder der Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OD</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 24.), welcher zwi&longs;chen dem mit dem Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich aufgehenden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O,</HI> und dem Abweichungskrei&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSD</HI> enthalten i&longs;t, und al&longs;o den Unter&longs;chied der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O,</HI> oder der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung ausdrückt.</P><P TEIFORM="p">Aus der Aequatorhöhe des Orts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AH,</HI> welche dem Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> gleich i&longs;t, und der Abweichung des Ge&longs;tirns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD,</HI> wird die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OD</HI> durch Auflö&longs;ung des rechtwinklichten Kugeldreyecks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ODS</HI> gefunden, wo <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in tot:&longs;in OD=tang. O:tang SD,</HI> oder (für <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in tot=1) Sin.</HI> A&longs;c. diff.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(tang.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/tang.</HI> Aequ. höhe<HI REND="roman" TEIFORM="hi">)=tang.</HI> Abw.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Xtang.</HI> Polhöhe.</HI> Durch die&longs;e Formel ließen &longs;ich leicht Tafeln berechnen, in welchen man für die Polhöhe jedes Orts und für die Abweichung<PB ID="P.1.130" N="130" TEIFORM="pb"/> jedes Ge&longs;tirns die zugehörige A&longs;cen&longs;ionaldifferenz auf&longs;chlagen könnte.</P><P TEIFORM="p">Für ein Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">s</HI> in der &longs;üdlichen Halbkugel i&longs;t die Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ds</HI> der vorigen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> entgegenge&longs;etzt, al&longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">negativ,</HI> welches der Formel gemäß eine ebenfalls <HI REND="bold" TEIFORM="hi">negative</HI> A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Od</HI> in der Figur, giebt. Für Orte in der &longs;üdlichen Halbkugel der Erde, deren Polhöhen negativ &longs;ind, wenn die nördlichen po&longs;itiv ge&longs;etzt werden, geben &longs;üdliche Abweichungen wieder po&longs;itive, nördliche Abweichungen negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen.</P><P TEIFORM="p">Die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz eines Ge&longs;tirns dient zur Erfindung &longs;einer &longs;chiefen Auf&longs;teigung und &longs;eines Tagbogens. Es i&longs;t nemlich <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O=<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D—OD</HI> d. i. &longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t. — A&longs;c. diff.</HI> wobey eine negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Od,</HI> &longs;tatt &longs;ubtrahirt zu werden, addirt werden muß.</P><P TEIFORM="p">Der zwi&longs;chen dem Mittagskrei&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PAHp</HI> und dem wahren Morgenpunkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> enthaltene Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AO</HI> i&longs;t=90°, daher <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD=90°+</HI>A&longs;c. diff. Da nun die Figur für den Augenblick des Aufgangs vom Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> entworfen i&longs;t, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> der Punkt des Aequators, der &longs;ich beym Aufgange von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> im Mittagskrei&longs;e befindet; <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> aber derjenige Punkt, welcher mit dem Sterne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> in den Mittagskreis kömmt. Vom Aufgange des Sterns bis zu &longs;einem Durchgange durch den Mittagskreis verfließt al&longs;o &longs;o viel Zeit, als der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> braucht, um &longs;ich durch den Mittagskreis zu &longs;chieben. Verwandlet man al&longs;o die&longs;en Bogen, oder 90°+A&longs;c. differ., in Zeit, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aequator, Sternzeit,</HI> &longs;o hat man die Zeit vom Aufgange bis zum Durchgange durch den Mittag oder den halben Tagbogen in Zeit, welcher verdoppelt die Zeit vom Aufgange zum Untergange, oder die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dauer der Sichtbarkeit</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(moram &longs;upra horizontem)</HI> giebt.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht hieraus, wie die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tageslänge</HI> gefunden werde, wenn das Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> die Sonne i&longs;t. Es i&longs;t nemlich</P><P TEIFORM="p">halbe Tageslänge=(90°+A&longs;c. diff. d. Θ) in Zeit<PB ID="P.1.131" N="131" TEIFORM="pb"/> Zwar rückt die Sonne durch ihre eigne Bewegung vom Morgen bis zum Mittag ein wenig fort, und der Punkt, welcher mit der Sonne in den Mittagskreis kömmt, i&longs;t nicht derjenige, der in der Figur mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> bezeichnet i&longs;t, und bey ihrem Aufgange durch den Abweichungskreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI> abge&longs;chnitten ward; allein da das Fortrücken der Sonne in jedem Zeitraume gerade &longs;o viel Wirkung auf die Zeit äußert, daß es den in Sternzeit ausgedrückten Zeitraum in eben &longs;o viel wahre Sonnen&longs;tunden u. &longs;. w. verwandlet, als er &longs;on&longs;t, wenn die Sonne nicht fortgerückt wäre, Stern&longs;tunden rc gehabt haben würde (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sonnenzeit</HI>), &longs;o darf man nur die Stunden rc. des in Sternzeit verwandelten Bogens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> geradehin für wahre Sonnen&longs;tunden annehmen, um die halbe Taglänge richtig in wahrer Sonnenzeit zu finden, oder es i&longs;t <HI REND="math" TEIFORM="hi">halbe Taglänge in Θzeit = (90°+A&longs;c. differ.) in *zeit.</HI> Die halbe Taglänge giebt, von 12 Stunden abgezogen, die halbe Nachtlänge; und da wir im bürgerlichen Leben un&longs;ere Stunden vom Mittage und der Mitternacht, d. i. von der Helfte des Tages und der Nacht zu zählen anfangen, &longs;o i&longs;t klar, daß wir bey Sonnenaufgang &longs;o viel Stunden zählen mü&longs;&longs;en, als die halbe Nachtlänge beträgt, bey Sonnenuntergang aber &longs;o viel, als die halbe Taglänge ausmacht.</P><P TEIFORM="p">Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Berechnung der Tagund Nachtlänge für den läng&longs;ten Tag in Leipzig. Aus Leipzigs Polhöhe=51° 19′ 41″ und der Abweichung der Sonne am läng&longs;ten Tage=23° 28′ 8″, findet &longs;ich durch die Formel <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in</HI> A&longs;c. diff.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=tang.</HI> Abw. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">X tang.</HI> Polh.</HI> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz der Θ =</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">32°</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50′</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40″</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90° + A&longs;c. diff. =</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">122°</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50′</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40″</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.132" N="132" TEIFORM="pb"/> In Sternzeit verwandlet, geben <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Min.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sek.</CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Tert.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">120° - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2° - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50′ - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40″ - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">halbe Tagl. in Θzeit</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">22</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St. des Unterg.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">halbe Nachtlänge</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">48</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St. des Aufg.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">M.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">S.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">T.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ganze Taglänge</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">22</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">45</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ganze Nachtlänge</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Die Grade des Bogens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> oder 90° + A&longs;c. diff. drücken zugleich die Größe des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">halben Tagbogens</HI> vom Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> aus, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Tagbogen.</HI> Zu Er&longs;parung oder Erleichterung der Rechnungen hat man Tafeln, in welchen man aus der gegebnen Polhöhe des Orts und Abweichung des Ge&longs;tirns den halben Tagbogen, &longs;chon in Sternzeit verwandlet, auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln B. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> S. 233 u. f. unter der Auf&longs;chrift: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tafel für die halben Tagbögen,</HI> findet.</P><P TEIFORM="p">Negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen &longs;ind, wie natürlich, von 90° abzuziehen, wenn man den halben Tagbogen finden will. Daher findet man für Tage des Winterhalbjahrs, wo die Sonne eine &longs;üdliche Abweichung hat, für un&longs;ere Länder den halben Tagbogen kleiner als 90°, und die halbe Taglänge kürzer, als 6 Stunden.</P><P TEIFORM="p">Auf eben die&longs;e Art wird für die Sterne die halbe Dauer der Sichtbarkeit gefunden, wenn man den halben Tagbogen in Sternzeit verwandlet; nur daß hier die gefundene Zeit Sternzeit bleibt, weil die Annehmung der&longs;elben für wahre Sonnenzeit im vorigen Falle blos eine Wirkung des Fortrückens der Sonne war, welches bey den Fix&longs;ternen wegfällt.<PB ID="P.1.133" N="133" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;che, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Cineres</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Cendres</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Dasjenige, was von den Körpern übrig bleibt, wenn &longs;ie durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verbrennung</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Calcination an freyer Luft</HI> ihres Brennbaren beraubt worden &longs;ind. Alle vegetabili&longs;che und thieri&longs;che Materien la&longs;&longs;en, an freyer Luft verbrannt, einen &longs;olchen erdigten, mehr oder weniger &longs;alzigen Rück&longs;tand übrig. So pflegt man auch einigen metalli&longs;chen Erden, wenn die Metalle an freyer Luft verbrannt und calcinirt worden &longs;ind, den Namen A&longs;che beyzulegen, z. B. Zinna&longs;che: doch &longs;ollten die&longs;e mit dem gewöhnlichen Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kalch</HI> benennet werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. Wörterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">A&longs;cii,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Un&longs;chattichte.</HI></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;pecten" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;pecten</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ad&longs;pectus &longs;. Configurationes planetarum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">A&longs;pects.</HI></HI> Man giebt die&longs;en Namen den ver&longs;chiedenen Stellungen der Planeten im Thierkrei&longs;e gegen einander. Da nemlich die Planeten, wozu hier auch Sonne und Mond gerechnet werden, in ihren eignen Bewegungen mit &longs;ehr ver&longs;chiedener Ge&longs;chwindigkeit fortgehen, einander bald einholen, bald &longs;ich von einander entfernen rc., &longs;o kommen &longs;ie in ver&longs;chiedene Stellungen oder A&longs;pecten gegen einander, unter welchen folgende die vornehm&longs;ten &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammenkunft,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Conjunctio, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Conjonction</HI></HI> (ihr Zeichen i&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>) ereignet &longs;ich, wenn zween Planeten an einerley Orte des Thierkrei&longs;es ge&longs;ehen werden, oder, (da die kleinern &longs;elten ganz genau und bis zur wirklichen Bedeckung zu&longs;ammentreffen) wenn &longs;ie über oder unter einerley Punkte der Ecliptik &longs;tehen, d. i. wenn &longs;ie einerley Länge haben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Länge, der Ge&longs;tirne.</HI> Sie &longs;tehen dann wenig&longs;tens nahe bey einander, und ihr Ab&longs;tand i&longs;t blos dem Unter&longs;chiede oder der Summe ihrer Breiten gleich, welche niemals viel betragen können. Die Zu&longs;ammenkünfte der Planeten &longs;ind für die Sternkunde &longs;ehr wichtig; genaue Beobachtungen der&longs;elben tragen zur vollkommnern Kenntniß des Planetenlaufs nicht wenig bey; daher die Conjunctionen der Planeten unter einander &longs;elb&longs;t, und die nähern Conjunctionen mit den im Thierkrei&longs;e &longs;tehenden Fix&longs;ternen,<PB ID="P.1.134" N="134" TEIFORM="pb"/> &longs;ehr &longs;orgfältig in den a&longs;tronomi&longs;chen Kalendern angegeben werden. Die Zu&longs;ammenkunft des Monds mit der Sonne be&longs;timmt den Augenblick des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neumonds,</HI> und i&longs;t, wenn beyde Körper einander nahe kommen, mit einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenfin&longs;terniß</HI> begleitet. Auch für die Geographie &longs;ind die Beobachtungen der Zu&longs;ammenkünfte und Bedeckungen wichtig, weil &longs;ich aus ihnen Folgerungen auf die wahre Lage der Beobachtungsorte auf der Erdkugel ziehen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die Perioden, binnen welchen die Zu&longs;ammenkünfte zweener Planeten wiederkehren, lä&longs;t &longs;ich aus den Zeiten ihres &longs;cheinbaren Umlaufs um den ganzen Himmel, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">T</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">t,</HI> durch die Formel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tt/T—t)</HI> finden. Wenn al&longs;o Saturn ohngefähr in 30, Iupiter in 12 Jahren den Thierkreis einmal zu durchlaufen &longs;cheinen, &longs;o kommen beyde in (30. 12/30—12)=20 Jahren, d. i. alle 20 Jahre einmal in Zu&longs;ammenkunft. Eben &longs;o lä&longs;t &longs;ich aus den Längen des Sonnenjahres und des &longs;ideri&longs;chen Monats, die Zeit von einem Neumonde zum andern, der &longs;ynodi&longs;che Monat, berechnen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Monat.</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Oppo&longs;ition</HI> oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gegen&longs;chein,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Oppo&longs;itio, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Oppo&longs;ition,</HI></HI> deren Zeichen <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> i&longs;t, ereignet &longs;ich, wenn zween Planeten bey gegenüber&longs;tehenden Punkten der Ekliptik &longs;tehen, oder wenn ihre Längen um 180° ver&longs;chieden &longs;ind. Alsdann geht der eine ohngefähr zu der Zeit auf, zu welcher der andere untergeht. Auch die&longs;e Stellung der Planeten gegen einander i&longs;t für die Sternkunde nicht unwichtig. Die Oppo&longs;ition des Monds und der Sonne giebt die Zeit des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vollmonds,</HI> und wird, wenn die Breite des Monds nicht groß i&longs;t, von einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mondfin&longs;terniß</HI> begleitet. Der obern Planeten Oppo&longs;itionen mit der Sonne veranla&longs;&longs;en Beobachtungen, die zur Kenntniß des Planetenlaufs und Welt&longs;y&longs;tems noch immer viel beytragen. Die übrigen A&longs;pecten &longs;ind jezt fa&longs;t ganz ohne Nutzen für die Sternkunde.<PB ID="P.1.135" N="135" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gedritt</HI>- oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Trigonal&longs;cheine, Geviert-</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Quadrat&longs;cheine, Ge&longs;ech&longs;t</HI>- oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sextil&longs;cheine</HI> &longs;tehen zween Planeten, wenn &longs;ich ihre Längen um den dritten, vierten, &longs;ech&longs;ten Theil von 360°, oder um 120°, 90° 60° unter&longs;cheiden. Die Zeichen dafür &longs;ind <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>. Die&longs;e A&longs;pecten pflegt man noch immer in den Kalendern anzugeben, und &longs;ich dabey der angeführten Zeichen zu bedienen. So hei&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>, Iupiter und Mars im Gedritt&longs;cheine; beym Monde pflegt man, weil er wegen &longs;eines ge&longs;chwinden Laufs täglich in andere A&longs;pecten kömmt, &longs;ein Zeichen wegzula&longs;&longs;en. So hei&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>; Iupiter &longs;teht mit dem Mond im Quadrat&longs;cheine.</P><P TEIFORM="p">Der a&longs;trologi&longs;che Aberglaube hat den A&longs;pecten große Einflü&longs;&longs;e in die Schick&longs;ale der Men&longs;chen und in die Begebenheiten der Staaten zuge&longs;chrieben. Die Zu&longs;ammenkunft des Iupiters und Saturns ward die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">große,</HI> und wenn &longs;ie im Zeichen des Widders, oder nahe am Anfange des Thierkrei&longs;es erfolgte, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">grö&longs;te Conjunction</HI> genannt, und man erwartete von folchen Begebenheiten wichrige Revolutionen. Es i&longs;t zu bedauren, daß dergleichen Irrthümer durch &longs;chlechte Kalender noch immer unterhalten und unter dem Volke verbreitet werden. Noch am 12 Iunius 1785, da Iupiter und Mars im Zeichen des Widders zu&longs;ammenkamen, erwartete man, der Vorher&longs;agung einiger Kalender gemäß, ich weiß nicht was für eine &longs;chreckliche Kata&longs;trophe, und nach der Meinung vieler das Ende der Welt. Welche lächerliche Auftritte die Furcht vor die&longs;em Tage &longs;elb&longs;t in Sach&longs;en veranla&longs;&longs;ete, i&longs;t noch in fri&longs;chem Andenken. Es i&longs;t doch nichts begreiflicher, als daß der Zu&longs;ammenhang der Weltbegebenheiten von ganz andern Ur&longs;achen abhängen mü&longs;&longs;e, als davon, ob zwo Linien aus der Erde nach dem Mars und Iupiter gezogen, einen großen oder kleinen Winkel mit einander machen.</P><P TEIFORM="p">Daß man übrigens auf die Zu&longs;ammenkünfte der Planeten von &longs;ehr alten Zeiten her aufmerk&longs;am gewe&longs;en &longs;ey, bewei&longs;t eine &longs;ine&longs;i&longs;che Beobachtung einer Conjunction von fünf Planeten zu einer Zeit, da Sonne und Mond um den 15ten Grad des Wa&longs;&longs;ermanns &longs;tanden, welche dem<PB ID="P.1.136" N="136" TEIFORM="pb"/> Kay&longs;er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">T&longs;chuen-hi</HI> veranla&longs;&longs;et haben &longs;oll, den Anfang des Jahres auf denjenigen Neumond zu &longs;etzen, der &longs;ich zunäch&longs;t bey die&longs;em Grade der Ekliptik ereignet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kirch</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mi&longs;c. Berolinen&longs;. To. lll. p. 157.)</HI> berechnet, daß eine &longs;ehr ähnliche Begebenheit im Jahre 2449 vor C. G. am 28 Febr. vorgefallen &longs;ey, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;toire des mathematiques. P. ll. L. 2. p. 386.)</HI> nimmt keinen An&longs;tand, die Nachricht von die&longs;er Beobachtung für ächt zu erklären, gegen einige Einwürfe zu vertheidigen, und das hohe Alter der &longs;ine&longs;i&longs;chen Beobachtungen dadurch zu be&longs;tätigen.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;trogno&longs;ie, Sternkenntniß" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;trogno&longs;ie, Sternkenntniß</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">A&longs;trogno&longs;ia, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">A&longs;trogno&longs;ie.</HI></HI> Die&longs;en Namen führt die Kenntniß der am Himmel &longs;ichtbaren Ge&longs;tirne, in &longs;o fern &longs;ie blos bey den Namen und Stellungen der&longs;elben gegen einander &longs;tehen bleibt. Da die in gewi&longs;&longs;e Bilder geordneten Fix&longs;terne unter den Ge&longs;tirnen die grö&longs;te Anzahl ausmachen, &longs;o be&longs;chäftiget &longs;ich die A&longs;trogno&longs;ie grö&longs;tentheils mit die&longs;en Bildern und den in ihnen befindlichen Fix&longs;ternen, wovon man unter den Artikeln, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sternbilder, Sternkarten, Sternkegel, Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e,</HI> mehrere Nachrichten antreffen wird.</P><P TEIFORM="p">Die Kenntniß der Sternbilder i&longs;t ein angenehmer und nothwendiger, aber in Ab&longs;icht auf den Umfang ein unbeträchtlicher Theil der Sternkunde. Sie enthält blos die Nomenclatur der Himmelskörper, da die A&longs;tronomie der&longs;elben Bewegungen, Ge&longs;etze, Größen, Entfernungen rc. unter&longs;ucht. Es i&longs;t daher &longs;ehr un&longs;chicklich, was doch oft ge&longs;chieht, Leuten Kenntni&longs;&longs;e der A&longs;tronomie beyzulegen, wenn &longs;ie einige Sterne oder Bilder zu nennen wi&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Seit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Strauchs</HI> Zeiten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;trogno&longs;ia. Viteb. 1684. 8.)</HI> hat man mehrere &longs;chriftliche Anwei&longs;ungen zur Sternkenntniß erhalten, unter welchen &longs;ich die Bücher der Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Helmuth</HI> (Ge&longs;tirnbe&longs;chreibung, Braun&longs;chweig 1774. 8.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Funk</HI> (Anwei&longs;ung zur Kenntniß der Ge&longs;tirne auf zwey Planiglobien und zween Sternkegeln, Leipzig 1777. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> (Anleitung zur Kenntniß des ge&longs;tirnten Himmels,<PB ID="P.1.137" N="137" TEIFORM="pb"/> 4te Auflage, Berlin 1778. gr. 8.) &longs;ehr vortheilhaft auszeichnen. Be&longs;onders i&longs;t das leztere vom Publicum mit großem und allerdings verdientem Beyfall aufgenommen worden.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;trologie, Sterndeutekun&longs;t" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;trologie, Sterndeutekun&longs;t, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;trologia judiciaria &longs;. genethliaca</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;trologie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Dies i&longs;t der Name der eitlen und betrügeri&longs;chen Kun&longs;t, aus den Stellungen der Ge&longs;tirne zukünftige Dinge vorherzu&longs;agen.</P><P TEIFORM="p">Der Wahn, daß die Ge&longs;tirne &longs;owohl auf die Begebenheiten ganzer Völker, als auf die Sitten und Schick&longs;ale einzelner Men&longs;chen Einflü&longs;&longs;e hätten, i&longs;t &longs;ehr alt, und nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> (Ge&longs;chichte der Sternkunde des Alterthums, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> B. aus dem Franz. Leipzig 1777. 8. S. 310.) aus der Wahrnehmung ihrer Einflü&longs;&longs;e auf Jahrszeiten, Witterung und Fruchtbarkeit ent&longs;tanden. Ein Beweis die&longs;es hohen Alters i&longs;t, daß &longs;ich die mei&longs;ten a&longs;trologi&longs;chen Vorher&longs;agungen auf die Stellung der Sterne gegen den Horizont gründen, welches der er&longs;te Kreis war, den man am Himmel kennen lernte. Die A&longs;trologie hat &longs;ich, nach den ein&longs;timmigen Zeugni&longs;&longs;en der Alten, von den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chaldäern</HI> aus über die Nationen der folgenden Zeiten verbreitet. Die Sterndeuter werden auch bey den ältern Schrift&longs;tellern durchgängig <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Chaldaei,</HI> &longs;on&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">genethliaci,</HI> genannt. In der Folge, da &longs;ich bald Gewinn&longs;ucht und vor&longs;etzliche Betrügerey mit einmi&longs;chten, gaben &longs;ie &longs;ich den Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mathematici,</HI> unter welchem &longs;ie zu den Zeiten der römi&longs;chen Kay&longs;er allgemein bekannt waren. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Vulgus, quos Chaldaeos gentilitio vocabulo dicere oportet, mathematicos vocat,</HI> &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Noct. Act. L. I. c. 9.).</HI> Ihr Unfug war &longs;o groß, daß &longs;ie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tiber</HI> aus Rom vertrieb <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sueton. vita Tib. c. 36.).</HI> Der achtzehnte Titel des neunten Buchs im Codex i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">de maleficis et mathematicis</HI> über&longs;chrieben; doch unter&longs;cheidet das zweyte Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben ausdrücklich die geometri&longs;che Kun&longs;t von die&longs;er &longs;ogenannten mathemati&longs;chen. Für die A&longs;tronomie i&longs;t die&longs;e Vermi&longs;chung mit Sterndeuterey mehr vortheilhaft als nachtheilig gewe&longs;en. Sie hat mehr Theilnehmung an den<PB ID="P.1.138" N="138" TEIFORM="pb"/> Himmelsbegebenheiten, mithin mehr Aufmerk&longs;amkeit auf die&longs;elben, und mehr Beobachtungen veranla&longs;&longs;et, auch der A&longs;tronomie bey manchen Nationen Beyfall und An&longs;ehen ver&longs;chaft.</P><P TEIFORM="p">Im mittlern Zeitalter erhielten &longs;ich die a&longs;trologi&longs;chen Träumereyen mit der Sternkunde zugleich unter den Arabern, von welchen uns ver&longs;chiedene Schriften davon, haupt&longs;ächlich Commentarien über des Ptolemäus Tetrabiblos, übriggeblieben &longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scaliger</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Prolegom. ad Manil. p. 9.)</HI> erzählt, daß im Jahre 1179 alle orientali&longs;che, chri&longs;tliche, jüdi&longs;che und arabi&longs;che A&longs;trologen Briefe ausge&longs;endet, und durch Verkündigung einer fürchterlichen Revolution auf das Jahr 1186, ein allgemeines Schrecken verbreitet hätten. Sollte man &longs;ich bey den berufenen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ziehen&longs;chen</HI> Prophezeihungen, wobey die Kabbala, das Buch Chevilla und der Stern Capella &longs;o lächerlich durcheinander geworfen werden, nicht um volle 600 Jahre zurückver&longs;etzt glauben?</P><P TEIFORM="p">Unter den er&longs;ten Beförderern der Sternkunde im Occident hiengen noch viele fe&longs;t an die&longs;em Aberglauben. Zwar be&longs;tritt &longs;chon gegen das Ende des funfzehnten Jahrhunderts <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pico,</HI> Graf von Mirandola, die Irrthümer der A&longs;trologie &longs;ehr gründlich, fand aber damals noch viel Wider&longs;pruch. Im 16ten Jahrhundert waren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leovitius, Gauricus, Cardan</HI> eifrige Vertheidiger des Sterndeutens. Der letztere trieb die&longs;e Thorheiten &longs;o weit, daß er dem Heilande der Welt die Nativität &longs;tellte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Scaliger proleg. ad Manil. p. 8.),</HI> und &longs;oll &longs;ich zu Tode gehungert haben, um fein vorherge&longs;agtes Sterbejahr nicht zu überleben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;par Peucer</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De praecipuis divinationum generibus. Viteb. 1560. 8.)</HI> hat von der A&longs;trologie mit vieler Gelehr&longs;amkeit gehandlet. Noch im vorigen Jahrhunderte hiengen &longs;elb&longs;t große A&longs;tronomen an der Sterndeuterey, wovon &longs;ich in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> Briefwech&longs;el <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Epi&longs;tolae ad Keplerum. ed. a Han&longs;chio. Lip&longs;iae 1718. fol.)</HI> häufige Spuren finden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> &longs;elb&longs;t &longs;tellte Nativitäten, wenn es verlangt ward, und &longs;oll &longs;ich Wallen&longs;teinen, der ihn 1629 nach Sagan berief, durch Vorher&longs;agung &longs;eines Glücks zum Gönner<PB ID="P.1.139" N="139" TEIFORM="pb"/> gemacht haben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Origanus</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ephemerides Brandenburg. Frf. 1605.</HI> gr. 4.) &longs;etzte &longs;einen Ephemeriden eine, &longs;on&longs;t in guter Ordnung ge&longs;chriebene, Einleitung in die A&longs;trologie vor. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Morin</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;trologia Gallica. Hag. Com. 1661. fol.)</HI> &longs;uchte die Sterndeutekun&longs;t aus phy&longs;i&longs;chen und mathemati&longs;chen Gründen zu erwei&longs;en; zu &longs;einem Werke &longs;oll die Königin von Polen Maria von Gonzaga eine an&longs;ehnliche Geld&longs;umme hergegeben haben. Die A&longs;trologie galt etwas bey den Großen. Daher hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tner</HI> (Schriften der götting. deut&longs;chen Ge&longs;ell&longs;ch. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Samml. 2.) gefragt: ob die A&longs;tronomen klug daran gethan haben, daß &longs;ie &longs;o ehrlich gewe&longs;en &longs;ind, die A&longs;trologie aufzugeben. Endlich hat die völlige Be&longs;tätigung des Copernikani&longs;chen Sy&longs;tems und die allgemeinere Verbreitung der be&longs;&longs;ern A&longs;tronomie die&longs;e Thorheiten unterdrückt, und nur &longs;elten gelingt es noch der Schwärmerey oder dem Betruge, die Leichtgläubigen damit zu hintergehen.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;tronomie, Sternkunde" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;tronomie, Sternkunde, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;tronomia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;tronomie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen führt die Lehre von den Weltkörpern. Die Bewegungen, Größen, Entfernungen, Wirkungen der&longs;elben auf einander rc. machen den erhabnen Gegen&longs;tand die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft aus, in welcher &longs;ich Ver&longs;tand und Fleiß der Men&longs;chen auf eine vorzügliche Art hervorgethan haben. Der griechi&longs;che Name A&longs;tronomie drückt wörtlich Lehre von den Ge&longs;etzen der Ge&longs;tirne aus; er i&longs;t &longs;ehr &longs;chicklich gewählt, denn alle Bewegungen der Weltkörper erfolgen nach be&longs;timmten und unabänderlichen Ge&longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Man theilt die A&longs;tronomie in die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;phäri&longs;che, theori&longs;che</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;che</HI> ein. Dit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;phäri&longs;che</HI> handlet von den in die Sinne fallenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Er&longs;cheinungen</HI> des Weltgebäudes, welches &longs;ich der Beobachter als eine &longs;ein Auge umgebende Sphäre oder Kugel vor&longs;tellt; die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">theori&longs;che</HI> (von Theorie oder &longs;peculativem Nachdenken über die Er&longs;cheinungen benannt) &longs;ucht daraus die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahren</HI> Bewegungen der Weltkörper und deren Ge&longs;etze herzuleiten; die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;che</HI> lehrt die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ur&longs;achen</HI> die&longs;er Bewegungen, oder die<PB ID="P.1.140" N="140" TEIFORM="pb"/> Kräfte kennen, mit welchen die Weltkörper auf einander wirken. Die Ordnung die&longs;er drey Theile i&longs;t dem Gange des men&longs;chlichen Ver&longs;tandes bey der Entwicklung der a&longs;tronomi&longs;chen Wahrheiten gemäß, der mit Beobachtung des &longs;cheinbaren anfieng, dann zu Vermuthungen des wirklichen fort&longs;chritt, und endlich, als die&longs;e zur höch&longs;ten Wahr&longs;cheinlichkeit gebracht waren, auch zur Entdeckung der Ur&longs;achen gelangte. Man könnte noch zween prakti&longs;che Theile, die Anwei&longs;ungen zu a&longs;tronomi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rechnungen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beobachtungen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;tronomiam calculatoriam et ob&longs;ervatoriam)</HI> hinzufügen.</P><P TEIFORM="p">Der Ur&longs;prung der Sternkunde i&longs;t ohne Zweifel ins höch&longs;te Alterthum zu &longs;etzen. Nichts konnte die Aufmerk&longs;amkeit der er&longs;ten Erdbewohner mehr reizen, als der große Anblick und der regelmäßige Lauf der Sonne, des Monds und der Ge&longs;tirne; es war &longs;ogar nothwendig für &longs;ie, die zu ihren Be&longs;chäftigungen &longs;chicklichen Zeiten nach dem Laufe der Himmelskörper zu ordnen. Daher enthalten auch die Ge&longs;chichtbücher und Denkmäler der älte&longs;ten Völker von den dunkel&longs;ten Zeiten des Alterthums her Beziehungen auf Kenntni&longs;&longs;e des Himmels. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. des mathematiques. Paris 1758. 4),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Goguet</HI> (Ur&longs;prung der Ge&longs;etze, Kün&longs;te und Wi&longs;&longs;. aus dem Franz. v. Hamberger, Lemgo 1760. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> B. 4.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> (Ge&longs;ch. der Sternk. des Alterthums. aus d. Franz. von Wün&longs;ch, Leipz. 1777. 8.) haben dergleichen ge&longs;ammlet, und der letztere &longs;ucht daraus das Re&longs;ultat zu ziehen, im entfernte&longs;ten Alterthume habe in den Gegenden der a&longs;iati&longs;chen Tatarey ein Volk gelebt, de&longs;&longs;en Ein&longs;ichten in den Wi&longs;&longs;en&longs;chaften fa&longs;t den un&longs;rigen gleich gekommen wären: dies Volk &longs;ey untergegangen, aber die Bruch&longs;tücke &longs;einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaften &longs;eyen unter den uns bekannten älte&longs;ten Völkern erhalten worden. Die&longs;e mit Bele&longs;enheit ausgeführte Hypothe&longs;e möchte nach dem Urtheile der Kenner &longs;chwerlich mehr, als ein Spiel des Witzes &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Unter den a&longs;tronomi&longs;chen Beobachtungen, von welchen &longs;ich Nachrichten erhalten haben, &longs;ind die älte&longs;ten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ine-</HI><PB ID="P.1.141" N="141" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;i&longs;che.</HI> Die er&longs;te, welche P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Martini</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. de la Chine. T. I. p. 51.)</HI> aus einer Schrift über das Sternbild Xe anführt (&longs;. den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;pecten</HI>), betrift eine Zu&longs;animenkunft von fünf Planeten im Jahre 2449, die zweyte eine Sonnenfin&longs;terniß im I. 2155 vor C. G. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> erklären aus triftigen Gründen beyde Nachrichten für ächt, führen auch außerdem noch Spuren einer höch&longs;t alten Bekannt&longs;chaft der Sine&longs;er mit dem Himmel an. Die Chäldäer würden &longs;ich fa&longs;t eben &longs;o alter Beobachtungen rühmen dürfen, wenn der Nachricht des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Simplicius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. in Ari&longs;totel. de coelo)</HI> zu glauben wäre, daß Ari&longs;toteles vom Calli&longs;thenes eine Reihe chaldäi&longs;cher Beobachtungen von 1903 Jahren her, erhalten habe. Aber die zuverlä&longs;&longs;igen Beobachtungen die&longs;es Volks, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolemäus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Almag. L. IV. c. 6.)</HI> anführt, und welche Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e betreffen, &longs;teigen nur bis zum Jahre 726 v. C. G. Die Egyptier hatten nach dem Zeugniß des Diogenes Laertius bereits vor den Zeiten Alexanders des Großen 373 Sonnen- und 832 Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e beobachtet, welches einen Zeitraum von 12—1300 Jahren voraus&longs;etzt. Auch &longs;ind die Seiten ihrer im höch&longs;ten Alterthum erbauten Pyramiden genau nach den vier Hauptgegenden gerichtet. Der Phönicier Schiffahrt und Aufmerk&longs;amkeit auf den Polar&longs;tern fällt in die älte&longs;ten Zeiten. Dies alles wird wenig&longs;tens &longs;o viel erwei&longs;en, daß das hohe Alterthum der Sternkunde durch die Denkmäler der Ge&longs;chichte vollkommen be&longs;tätiget werde.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;cheinen aber die&longs;e älte&longs;ten Kenntni&longs;&longs;e der Sternkunde kaum in etwas mehrerem, als in Aufmerk&longs;amkeit auf den &longs;cheinbaren Himmelslauf, Erfindung der vornehm&longs;ten Krei&longs;e, Eintheilung der Sterne in Bilder und Wahrnehmung der Perioden, binnen welcher gewi&longs;&longs;e Himmelsbegebenheiten wiederkehren, be&longs;tanden zu haben, welches alles man zur Eintheilung der Zeit &longs;o gut, als möglich, zu nützen &longs;uchte. Er&longs;t unter den Griechen erhob &longs;ich die Sternkunde ein wenig aus die&longs;em Zu&longs;tande der erften Kindheit. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thales</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagoras</HI> trugen die Kenntni&longs;&longs;e der Egyptier nach Griechenland über, pflanzten &longs;ie in ihren<PB ID="P.1.142" N="142" TEIFORM="pb"/> Schulen fort, und vermehrten &longs;ie mit neuen Entdeckungen. Die Pythagoräer kannten und behaupteten &longs;chon die wahre Weltordnung (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Welt&longs;y&longs;tem</HI>), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meton</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euctemon</HI> berichtigten den griechi&longs;chen Kalender; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;tarch</HI> von Samos zeigte Mittel, die Entfernung der Sonne zu me&longs;&longs;en; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plato</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toteles</HI> waren zwar große Verehrer der Sternkunde, verlohren &longs;ich aber zu &longs;ehr in Speculationen, welche bey dem damaligen Mangel an Beobachtungen noch zu frühzeitig waren. Am mei&longs;ten haben zum Wachsthum der Sternkunde die A&longs;tronomen des Mu&longs;eum zu Alexandrien beygetragen. Die&longs;er berühmten Stiftung der Ptolemäer haben wir die Beobachtungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Timocharis</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;tyllus,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erato&longs;thenes, Conon</HI> u. a. neb&longs;t den Entdeckungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hipparchus</HI> zu danken, welcher 140 Jahr v. C. G. aus Vergleichung alter und neuer Beobachtungen die Länge des Sonnenjahrs und die Ungleichheiten des Mondlaufs be&longs;timmte, das Vorrücken der Nachtgleichen und die Lage der Sonnenbahn entdeckte, auch die er&longs;te Verfertigung eines Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;es unternahm, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">au&longs;us rem etiam Deo improbam annumerare po&longs;teris &longs;tellas, coelo in hereditatem cunctis relicto,</HI> nach dem Ausdrucke des Plinius <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. nat. L. II. c. 26.).</HI> Zu die&longs;en Erweiterungen der Sternkunde &longs;etzten noch andere alexandrini&longs;che A&longs;tronomen, vornehmlich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolemäus</HI> im zweyten Jahrh. n. C. G. die ihrigen hinzu. Die&longs;er große Sternkundige berichtigte Hipparchs Be&longs;timmungen durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen, &longs;etzte eine Theorie der Planeten hinzu, be&longs;timmte die Ungleichheiten des Mondlaufs genauer, vermehrte das Verzeichniß der Fix&longs;terne, und trug dies alles in &longs;ein großes Werk (<FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">Mega/lh Su/ntacis</FOREIGN> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;. Con&longs;tructio magna)</HI> in dreyzehn Büchern zu&longs;ammen, welchem die Araber, die es im Jahre 827 in ihre Sprache über&longs;etzten, den Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Almage&longs;t</HI> beygelegt haben. Die&longs;es Werk i&longs;t als eine voll&longs;tändige Sammlung der alten a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e, Tafeln und Beobachtungen höch&longs;t &longs;chätzbar; die theori&longs;chen Erklärungen aber beruhen auf der fal&longs;chen Hypothe&longs;e der Alten, daß die Erde unbewegt im Mittel &longs;tehe; die daher<PB ID="P.1.143" N="143" TEIFORM="pb"/> den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ptolemäi&longs;chen Weltordnung</HI> erhalten hat.</P><P TEIFORM="p">Da die Römer für die Sternkunde nichts erhebliches gethan haben, &longs;o finden &longs;ich weitere Bemühungen um die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft er&longs;t vom neunten Jahrhundert nach C. G. an unter den Arabern oder Saracenen. Sie &longs;ind aber nicht von großem Erfolg gewe&longs;en. Obgleich ver&longs;chiedene Califen, be&longs;onders <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Al-mamon</HI> zu Bagdad, die Wi&longs;&longs;en&longs;chaften eifrig unter&longs;tützten, auch die arabi&longs;chen A&longs;tronomen häufig griechi&longs;che Werke in ihre Sprache über&longs;etzten, commentirten, und hin und wieder durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen zu berichtigen &longs;uchten; &longs;o vermi&longs;chten &longs;ie doch die A&longs;tronomie mit vielen willkührlichen Hypothe&longs;en und a&longs;trologi&longs;chen Thorheiten. Die Verfertigung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">alphon&longs;ini&longs;chen</HI> Tafeln in der Mitte des dreyzehnten Jahrhunderts i&longs;t die berühmte&longs;te a&longs;tronomi&longs;che Unternehmung des mittlern Zeitalters; allein die&longs;e Tafeln wichen im Jahr 1660 für einige Planeten fa&longs;t um 2 Grad von dem wahren Himmelslauf ab. Inzwi&longs;chen hat man den Arabern die Ueberlieferung der a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e an den Occident großentheils zu verdanken, wovon die Menge der noch gebräuchlichen arabi&longs;chen Kun&longs;tworte ein deutlicher Beweis i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Im funfzehnten Jahrhundert ward das Studium der Sternkunde vorzüglich in Deut&longs;chland durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Purbach</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regiomontan</HI> belebt, welche &longs;ich um Rechnungen, Beobachtungen, Ephemeriden und Ausbreitung der griechi&longs;chen Schriften unvergeßliche Verdien&longs;te erworben haben. Im &longs;echszehnten Jahrhunderte &longs;tellte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Copernikus</HI> das An&longs;ehen der richtigern Weltordnung der Pythagoräer wieder her, welche über die Sternkunde ein ganz neues Licht zu verbreiten anfieng, ob ihr gleich die Urtheile der &longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltwei&longs;en und die üblen Auslegungen einiger Stellen der heil. Schrift noch lange Zeit entgegen&longs;tanden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho de Brahe</HI> verbe&longs;&longs;erte in der letzten Helfte die&longs;es Zeitraums die Werkzeuge und Methoden der Beobachtung. Er &longs;ammlete den Schatz von Beobachtungen, aus welchem im Anfange des &longs;iebzehnten Jahrhunderts<PB ID="P.1.144" N="144" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> die wahren Ge&longs;etze des Planetenlaufs zog, und dadurch den Grund zur gehörigen Berichtigung der Tafeln und zu allen neuern Erweiterungen der theori&longs;chen Sternkunde legte.</P><P TEIFORM="p">Um eben die&longs;e Zeit (1610) gab die Erfindung des Fernrohrs dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei</HI> Anlaß, in kurzer Zeit am ge&longs;tirnten Himmel die wichtig&longs;ten Entdeckungen zu machen, die die&longs;en großen Mann zu einer eifrigen Vertheidigung der copernikani&longs;chen Meinung veranlaßten, und ihn dadurch noch im hohen Alter bittern Kränkungen aus&longs;etzten. Dennoch erhielt durch die&longs;e Entdeckungen, mit Keplers Sätzen verbunden, die&longs;e Meinung den vollkommen&longs;ten Sieg über alle Vorurtheile, und die folgenden Verbe&longs;&longs;erungen der Sternkunde &longs;etzen durchgängig die Wahrheit der&longs;elben voraus. Die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich und England ge&longs;tifteten gelehrten Ge&longs;ell&longs;chaften haben, unter&longs;tützt durch ihre Regenten, mit unermüdetem Fleiße durch Unter&longs;uchungen, Rei&longs;en und Beobachtungen in allen Welttheilen die Sternkunde zu erweitern ge&longs;ucht, und ihr eine neue von der ehemaligen &longs;ehr vortheilhaft unter&longs;chiedene Ge&longs;talt gegeben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> legte endlich durch &longs;ein Sy&longs;tem der allgemeinen Schwere den Grund zu der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;chen</HI> A&longs;tronomie, worüber das Alterthum nur geträumt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> aber durch &longs;eine Wirbel eine allen Ge&longs;etzen der Mechanik zuwiderlaufende Erklärung gegeben hatte. Newton zeigte zuer&longs;t, daß die Mechanik des Himmels mit der Mechanik der Erdkörper völlig einerley &longs;ey. Es i&longs;t ein großer Triumph für &longs;eine Erfindungen, daß man nicht eher genaue Rechen&longs;chaft von allen Ungleichheiten und Abweichungen des Himmelslaufs hat ablegen, und die Tafeln mit dem Himmel &longs;elb&longs;t in Ueberein&longs;timmung bringen können, als bis man Newtons Theorie mit den feinern Be&longs;timmungen der neuern Beobachter und mit den Kun&longs;tgriffen der höhern Analy&longs;is verband. Durch die&longs;e Hülfsmittel hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> in &longs;einen vortreflichen Mondstafeln dem Monde &longs;eine Laufbahn be&longs;timmt vorgezeichnet, dem Monde, de&longs;&longs;en Lauf &longs;o verwickelt i&longs;t, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">quae multiformi ambage tor&longs;erat animos contemplantium,<PB ID="P.1.145" N="145" TEIFORM="pb"/> et, proximum &longs;idus ignorari maxime, indignantium (Plin. H. N. L. II. c. 9.).</HI> Auch die Tafeln der Hauptplaneten &longs;ind er&longs;t durch Berechnung der Störungen, die ihre gegen&longs;eitige Einwirkung in einander veranla&longs;&longs;et, zu ihrer gegenwärtigen Vollkommenheit gelanget.</P><P TEIFORM="p">In den neu&longs;ten Zeiten &longs;ind die&longs;e wichtigen Erfindungen un&longs;erer Vorgänger nicht allein mehr ausgebildet, geprüft und zum Gebrauch ge&longs;chickter gemacht, &longs;ondern auch mit vielen neuen vermehrt worden. Die Beobachtungen der Durchgänge der Venus durch die Sonnen&longs;cheibe in den Jahren 1761 und 1769 haben uns zu genauern Be&longs;timmungen der wahren Größen und Entfernungen der Körper des Sonnen&longs;y&longs;tems verholfen; durch die Entdeckung eines neuen Planeten (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Uranus</HI>) &longs;ind die bekannten Grenzen die&longs;es Sy&longs;tems erweitert worden, und aus den eignen Bewegungen der Fix&longs;terne, auf welche die A&longs;tronomen jezt vorzüglich aufmerk&longs;am werden, hat man angefangen, eine fortdaurende Bewegung des ganzen Sy&longs;tems zu muthma&longs;&longs;en, wodurch &longs;ich Aus&longs;ichten in ein ganz neues Fach der Sternkunde eröfnen, in welchem vielleicht der Nachwelt bey mehrerer Verbe&longs;&longs;erung der opti&longs;chen Werkzeuge und Verfeinerung der Beobachtungen noch viele unerwartete Entdeckungen vorbehalten &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die Sternkunde in ihrer jetzigen Ge&longs;talt i&longs;t theils in voll&longs;tändigen Lehrbüchern, theils zu allgemeinerer Ausbreitung in kürzern und leichter ge&longs;chriebenen Einleitungen vorgetragen worden. Unter den er&longs;tern nenne ich hier nur das vortrefliche Lehrbuch des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;tronomie. Paris. To. I—III. 1771. To. IV. 1781. 4.),</HI> unter den letztern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schmid</HI> (Von den Weltkörpern, zur gemeinnützigen Kenntniß der großen Werke Gottes, Leipz. 1772. 8.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> (Erläuterung der Sternkunde, Berlin 1778. gr. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wün&longs;ch</HI> (Kosmologi&longs;che Unterhaltungen, 1&longs;ter Band, Leipz. 1778. 8.). Verzeichni&longs;&longs;e a&longs;tronomi&longs;cher Schriften liefern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> (Kurzer Unterricht von den vornehm&longs;ten math. Schriften in &longs;. Anfangsgründen der math. Wi&longs;&longs;.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weidler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Bibliographia a&longs;tronomica, Viteb. 1755. 8.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheibel</HI> (Einleitung in<PB ID="P.1.146" N="146" TEIFORM="pb"/> die mathemati&longs;che Bücherkenntniß, 13tes u. 14tes Stück. Breßlau 1784. 8.). Auch hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil pour les a&longs;tronomes. To. I—III. Berlin 1771— 1776. Nouvelles litteraires. I—V Cahier. 1776—1779.)</HI> über die neuere a&longs;tronomi&longs;che Litteratur &longs;chätzbare Nachrichten mitgetheilt.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;ten und be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln hat die königlich preußi&longs;che Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, Berlin 1776. III. B. gr. 8.)</HI> &longs;ehr voll&longs;tändig herausgegeben.</P><P TEIFORM="p">Ich halte für überflüßig, mich über das Lob und den Nutzen die&longs;er vortreflichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaft weitläuftig zu verbreiten. Ihr erhabner Gegen&longs;tand darf nur genannt werden, um Empfindungen von Größe und Würde zu erregen, und die Begriffe, die &longs;ie uns von dem Umfange der Welt und von der Macht, Weisheit und Güte ihres gro&longs;&longs;en Urhebers giebt, mü&longs;&longs;en auch Men&longs;chen von &longs;on&longs;t &longs;tumpfem Gefühl zur Bewunderung und Anbetung hinreißen. Ihr Nutzen für die men&longs;chliche Ge&longs;ell&longs;chaft zur Eintheilung und Wahrnehmung der Zeit, zur Schiffahrt, Be&longs;timmung der Lage der Orte auf der Erde rc. liegt am Tage. Ueberhaupt aber i&longs;t die Kenntniß der wahren Verhältni&longs;&longs;e und Verbindungen, in welchen un&longs;ere kleine Erde mit dem großen Ganzen &longs;teht, dem aufgeklärtern Erdbewohner, wo nicht unentbehrlich, doch gewiß höch&longs;t nützlich und an&longs;tändig. Die&longs;e Kenntniß erhebt uns über manches, was das Herz &longs;on&longs;t an die Erde fe&longs;&longs;elt, und uns auf die&longs;em kleinen Planeten groß und wichtig däucht, und fängt vielleicht in uns eine Gedankenreihe an, deren Fort&longs;etzung noch jen&longs;eits des Grabes einen Theil un&longs;erer Glück&longs;eligkeit ausmachen kan.</P></DIV2><DIV2 N="Athmen, Athemholen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Athmen, Athemholen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Re&longs;piratio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Re&longs;piration</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die zum Leben der Men&longs;chen und Thiere nothwendige Bewegung, durch welche die Bru&longs;t abwech&longs;elnd erweitert und verengert wird, um Luft in die Lungen zu ziehen, und wieder aus den&longs;elben herauszutreiben. Das Athmen be&longs;teht aus zwoen entgegenge&longs;etzten Bewegungen,<PB ID="P.1.147" N="147" TEIFORM="pb"/> dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Einathmen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(In&longs;piratio)</HI> und dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ausathmen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ex&longs;piratio).</HI> Bey jenem erweitert &longs;ich die Bru&longs;thöhle, und die äußere Luft dringt durch die Luftröhre in die Lungenbläschen ein; beym Ausathmen wird die&longs;e Luft grö&longs;tentheils wieder herausgetrieben, und die Bru&longs;thöle zu&longs;ammengezogen.</P><P TEIFORM="p">Mit Uebergehung de&longs;&longs;en, was hiebey dem Anatomiker und Phy&longs;iologen zu überla&longs;&longs;en i&longs;t, z. B. des von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI> zuer&longs;t erklärten Mechanismus des Athmens rc. wollen wir blos einige Unter&longs;uchungen berühren, in welche &longs;ich der Naturfor&longs;cher, auch ohne Arzt zu &longs;eyn, einla&longs;&longs;en kan.</P><P TEIFORM="p">Die Wirkungen der eingeathmeten atmo&longs;phäri&longs;chen Luft auf die Lungen und den thieri&longs;chen Körper überhaupt, &longs;ind: eine mechani&longs;che Verdünnung und Verfeinerung des Bluts, eine Ausführung überflüßiger oder &longs;chädlicher Theile, und die Unterhaltung der Wärme des Bluts.</P><P TEIFORM="p">Mechani&longs;ch werden durch das Ein- und Ausathmen die Bläschen der Lungen abwech&longs;elnd aufge&longs;chwellt und wieder zu&longs;ammengezogen, und daher die darüber hingehenden zarten Blutgefäße bald verlängert und ge&longs;pannt, bald wiederum nachgela&longs;&longs;en. Die&longs;es immer fortgehende Abwech&longs;eln der Verlängerung und Verkürzung muß nothwendig das darinn befindliche Blut feiner verarbeiten, &longs;eine Be&longs;tandtheile inniger vermi&longs;chen, das im Körper &longs;chon umgelaufene verbe&longs;&longs;ern, und dem aus dem hinzukommenden Milch&longs;afte neu ent&longs;tehenden die gehörige Vollkommenheit geben.</P><P TEIFORM="p">Daß ferner das Athmen etwas dem thieri&longs;chen Leben zuträgliches in den Körper bringe, und etwas überflüßiges oder &longs;chädliches herausführe, erhellet daraus, weil die ausgeathmete Luft von einer ganz andern Be&longs;chaffenheit, als die eingeathmete, i&longs;t. Es i&longs;t eine läng&longs;t bekannte Erfahrung, daß Thiere in einge&longs;chloßner Luft nur eine Zeitlang athmen können, daß &longs;ie darinn nach einer gewi&longs;&longs;en Anzahl von Athemzügen endlich mit Verzuckungen &longs;terben, und daß in &longs;olcher durch das Athemholen eines darinn ge&longs;torbenen Thieres verdorbner Luft, andere Thiere oft augenblicklich und auf den er&longs;ten Athemzug &longs;terben. Eben dies widerfährt<PB ID="P.1.148" N="148" TEIFORM="pb"/> dem Men&longs;chen, und es haben davon die in Bengalen in die &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwarze Höle</HI> ge&longs;perrten 146 Engländer (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Yves</HI> Rei&longs;en nach Indien und Per&longs;ien, über&longs;. v. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dohm,</HI> Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> S. 162.), von welchen in die&longs;em 11 Fuß langen und 18 Fuß breiten Gefängni&longs;&longs;e in einer Nacht 123 &longs;tarben, ein trauriges Bey&longs;piel gegeben. Man erklärte dies &longs;on&longs;t durch ein gewi&longs;&longs;es in der Luft enthaltenes <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">pabulum vitae,</HI></HI> welches ihr durch das Athmen nach und nach entzogen würde. Da aber nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley's</HI> Beobachtungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Exp. and. Ob&longs;. on diff. kinds of air. Vol. I. Sect. 4. III. Sect. 5.</HI> ingl. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Exp. and Ob&longs;. relating to various branches of nat Philo&longs;. Sect. XXXIX. no. 9.)</HI> Verbrennung, Fäulniß, Verkalkung der Metalle, und andere Proce&longs;&longs;e, wobey &longs;ich offenbar Phlogi&longs;ton oder brennbarer Stof mit der Luft verbindet, die Luft gerade eben &longs;o, wie das Athmen, verderben, &longs;o i&longs;t es weit wahr&longs;cheinlicher, daß die ausgeathmete Luft das überflüßige <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phlogi&longs;ton</HI> aus dem Körper führe; daher auch die durchs Athmen verdorbene Luft unter die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phlogi&longs;ti&longs;irten</HI> Luftgattungen oder Gasarten ge&longs;etzt worden i&longs;t. Die&longs;er Theorie zufolge be&longs;teht die aus der Atmo&longs;phäre eingeathmete Luft aus einem Gemi&longs;che ver&longs;chiedener luftförmigen Stoffe, von welchen eigentlich nur einer, die &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">reine Luft</HI> oder das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dephlogi&longs;ti&longs;irte Gas</HI> den zum Athmen ge&longs;chickten Theil ausmacht. Die&longs;e reine Luft &longs;teht mit dem Phlogi&longs;ton in einer genauen Verwandt&longs;chaft, und nimmt daher in den Lungen den brennbaren Stof auf, den das aus allen Theilen des Körpers dahin zurückgeführte Blut mit &longs;ich gebracht hat, und die große Ab&longs;icht der Natur bey der Verrichtung des Athmens i&longs;t, den thieri&longs;chen Körper von dem Ueberflu&longs;&longs;e des durch die Nahrungsmittel eingeführten Brennbaren zu befreyen, das ihn &longs;on&longs;t tödten und in Fäulniß übergehen la&longs;&longs;en würde.</P><P TEIFORM="p">Prie&longs;tley &longs;ucht die&longs;e Theorie durch einige Ver&longs;uche zu be&longs;tätigen, welche angeführt zu werden verdienen. ”Alles ”Blut, &longs;agt er, geht durch die Lungen, und nimmt nach ”den Beobachtungen der Aerzte in den&longs;elben eine röthere ”Farbe an. Es kan daher fa&longs;t nicht bezweiflet werden,<PB ID="P.1.149" N="149" TEIFORM="pb"/> ”daß die ausgeathmete Luft durch das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blut</HI> in den Lungen ”phlogi&longs;ti&longs;iret werde. Inzwi&longs;chen &longs;chien es mir dienlich, ”durch einen Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, ob das Blut auch ”noch außer dem Körper und im Zu&longs;tande der Gerinnung ”eine ähnliche Wirkung auf die Luft äußere. Ich ließ da”her Schafblut an der Luft gerinnen, goß daß wä&longs;&longs;erige ”davon ab (wobey die der Luft ausge&longs;etzte Oberfläche be”kanntermaßen eine hellrothe Farbe annimmt, das innere ”hingegen dunkelroth und fa&longs;t &longs;chwarz wird), und brachte ”einige von den dicken geronnenen Stücken, theils durch ”Wa&longs;&longs;er, theils durch Queck&longs;ilber in ver&longs;chiedene Luftgat”tungen. Die &longs;chwärze&longs;ten Stücken wurden in gemeiner ”Luft roth, und noch mehr in dephlogi&longs;ti&longs;irter, welche zum ”Athmen noch ge&longs;chickter i&longs;t; hingegen wurden die hell&longs;ten ”rothen Theile in allen zum Athmen unge&longs;chickten Luftgat”tungen, z. B. in fixer, brennbarer, &longs;alpeterartiger, phlo”gi&longs;ti&longs;irter Luft &longs;ogleich &longs;chwarz; die in phlogi&longs;ti&longs;irter Luft ”&longs;chwarz gewordenen erhielten in gemeiner oder dephlogi&longs;ti”&longs;irter Luft ihre rothe Farbe wieder, und &longs;o konnte ich &longs;ie ”abwech&longs;elnd &longs;chwarz und roth färben.“ Fernere Ver&longs;uche lehrten, daß dephlogi&longs;ti&longs;irte Luft durch geronnene Stücken Blut, die er ihr ausge&longs;etzt hatte, in einigen Stunden, auch durch &longs;chwarze mehr, als durch rothe, verdorben ward. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> macht &longs;ich &longs;elb&longs;t die Einwendung, das Blut komme in den Lungen nicht in unmittelbare Berührung mit der Luft, &longs;ondern werde durch Häutgen von der&longs;elben getrennt, deren Dicke <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hales</HI> (1/1000) Zoll &longs;chätze. Er &longs;etzte daher eine Menge &longs;chwarzes Blut in einer zugebundenen Blafe, mit etwas von dem wä&longs;&longs;erigen Theile des Bluts angefeuchtet, der Luft aus, und fand den folgenden Tag die untere Fläche de&longs;&longs;elben hellroth, in eben der Dicke, in welcher &longs;ie, unmittelbar der freyen Luft ausge&longs;etzt, würde roth geworden &longs;eyn. Die&longs;er Ver&longs;uch, der auch bey nicht angefeuchteter Bla&longs;e gelang, zeigte, daß das Dazwi&longs;chenkommen eines Häutchens die Einwirkung nicht hindere, auch, daß die Veränderung der Farbe nicht von der Ausdün&longs;tung herrühre. Der wä&longs;&longs;erige Theil des Bluts &longs;elb&longs;t hält die Einwirkung der Luft nicht ab; die &longs;chwarzen Stücke<PB ID="P.1.150" N="150" TEIFORM="pb"/> wurden roth, wenn &longs;ie gleich einige Zoll hoch mit die&longs;em Serum bedeckt waren. Und daß nicht etwa das Serum &longs;elb&longs;t die&longs;e Färbung bewirke, ward dadurch erwie&longs;en, daß &longs;chwarzes Blut, einen halben Zoll hoch mit Serum bedeckt, unter der ausgeleerten Glocke der Luftpumpe &longs;chwarz blieb, ob es gleich eine ganze Nacht ge&longs;tanden hatte, an freyer Luft aber unter übrigens ähnlichen Um&longs;tänden, bald roth ward, woraus er &longs;chließt, daß die Blutkügelchen durch die Flüßigkeit, in welcher &longs;ie &longs;chwimmen, nicht verhindert werden, ihr Phlogi&longs;ton an die Luft abzugeben.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Prie&longs;tley&longs;chen Theorie des Athmens i&longs;t inzwi&longs;chen diejenige, welche Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> (Chemi&longs;che Abhdl. von Luft und Feuer, von Hrn. Leonhardi. Leipz. 1782. 8.) vorgetragen hat, gerade entgegenge&longs;etzt. Nach der Meinung die&longs;es großen Chymi&longs;ten i&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuerluft</HI> (eben die&longs;elbe, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> dephlogi&longs;ti&longs;irte nennt) eine mit Brennbarem ge&longs;ättigte und ver&longs;üßte Luft&longs;äure, und die reine Luft &longs;oll das Blut nicht des Brennbaren berauben, &longs;ondern vielmehr mit mehrerem Brennbaren ver&longs;ehen, und es dadurch flüßiger, beweglicher und röther machen. Durch die Ab&longs;etzung eines Theils vom Brennbaren &longs;oll &longs;ich die Feuerluft in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verdorbene Luft</HI> verwandlen, dergleichen die ausgeathmete i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> lä&longs;t es übrigens ganz unausgemacht, wohin das viele Phlogi&longs;ton komme, welches auf die&longs;e Art dem Körper durch die Feuerluft unaufhörlich mü&longs;te zugeführt werden. Er gründet &longs;eine Behauptung auf Ideen, welche mit &longs;einem ganzen Sy&longs;tem über Feuer, Luft und Verbrennung &longs;o genau zu&longs;ammenhängen, daß &longs;ie ohne Weitläuftigkeit hier nicht beygebracht werden können, die ich daher den Artikeln: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuer, Gas, Phlogi&longs;ton</HI> vorbehalte. Uebrigens beruft &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> auf einen von ihm ange&longs;tellten Ver&longs;uch, wobey es ihm gelungen, &longs;elb&longs;t brennbare Luft durch wiederholtes Ein- und Ausathmen der&longs;elben in verdorbne Luft zu verwandlen, und ihr ihre brennbare Eigen&longs;chaft zu benehmen. Die&longs;es &longs;treitet aber völlig mit den &longs;orgfältig ange&longs;tellten Ver&longs;uchen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. Vol. LXIX. P. II. no. 24.),</HI> welcher das Athmen der brennbaren Luft für die Thiere ohne Ausnahme<PB ID="P.1.151" N="151" TEIFORM="pb"/> tödtlich fand, auch &longs;elb&longs;t &longs;ie nicht mehr, als höch&longs;tens eilfmal, athmen, und nach dem Athmen noch immer, &longs;elb&longs;t dicht vor &longs;einem Munde, entzünden konnte.</P><P TEIFORM="p">Die &longs;innreiche Erklärung, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawford</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Experiments and ob&longs;ervations on animal heat, and the inflammation of combu&longs;tible bodies, London. 1779. 8.)</HI> von der thieri&longs;chen Wärme und der Verbrennung gegeben hat, &longs;timmt nicht nur mit Prie&longs;tleys Behauptungen be&longs;&longs;er überein, &longs;ondern giebt auch zugleich von der durchs Athmen erzeugten und unterhaltenen Wärme des Bluts im thieri&longs;chen Körper auf eine &longs;ehr ungezwungene Art Rechen&longs;chaft. Nach &longs;einer Meinung &longs;ind Feuer und Phlogi&longs;ton zween be&longs;ondere einander ganz entgegenge&longs;etzte Stoffe. Das Feuer i&longs;t entweder frey, wirkt dann aufs Gefühl und aufs Thermometer, und verur&longs;acht fühlbare Wärme; oder es i&longs;t gebunden, und macht einen Be&longs;tandtheil der Körper &longs;elb&longs;t aus (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Feuer</HI>). Wird mit einem Körper mehr Phlogi&longs;ton verbunden, &longs;o wird dadurch ein verhältnißmä&longs;&longs;iger Theil &longs;eines Feuers frey. Wird ihm Phlogi&longs;ton entzogen, &longs;o bindet er dagegen mehr Feuer, das er aus den ihn berührenden Körpern an &longs;ich nimmt. Crawford nennt ferner die Fähigkeit, Wärme anzunehmen oder mitzutheilen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;pecifi&longs;che Wärme,</HI> deren jeder Körper de&longs;to mehr hat, je weniger Phlogi&longs;ton in &longs;einer Mi&longs;chung enthalten i&longs;t. Seine Methode, die &longs;pecifi&longs;che Wärme der Körper zu be&longs;timmen, &longs;. unter dem Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wärme, &longs;pecifi&longs;che.</HI> Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawfords</HI> Ver&longs;uchen nun hat das flüßigere und röthere Blut der Pulsadern, welches in den Lungen der Wirkung der eingeathmeten Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en i&longs;t, in dem Verhältni&longs;&longs;e 23:20 <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr</HI> &longs;pecifi&longs;che Wärme, und enthält daher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">weniger</HI> Phlogi&longs;ton, als das durch den Umlauf im Körper wieder geänderte dickere und &longs;chwärzere Blut der Blutadern. Dagegen hat die ausgeathmete Luft 67 mal weniger &longs;pecifi&longs;che Wärme, als die eingeathmete atmo&longs;phäri&longs;che, woraus denn folgt, daß die ausgeathmete weit mehr Phlogi&longs;ton enthalten und al&longs;o den brennbaren Stof aus dem Körper ausführen mü&longs;&longs;e.<PB ID="P.1.152" N="152" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die dritte Wirkung des Athemholens i&longs;t die Erzeugung und Unterhaltung der Wärme des thieri&longs;chen Körpers, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Wärme, thieri&longs;che.</HI> Es i&longs;t läng&longs;t beobachtet worden, daß alle Thiere, welche vermittel&longs;t vollkommner Lungen athmen, und die Luft in Menge in &longs;ich ziehen, warmes Blut, und daher weit mehr innere Wärme haben, als ihnen die Temperatur der &longs;ie umgebenden Luft mittheilen könnte. Diejenigen Thiere hingegen, welchen die Lungen fehlen, &longs;ind nicht wärmer, als das Mittel, in welchem &longs;ie leben. Die Vögel, als die wärm&longs;ten Thiere, haben in Vergleichung mit der Größe ihres Körpers die grö&longs;ten Lungen. Je &longs;chneller man athmet, und je mehr Luft man al&longs;o in einer be&longs;timmten Zeit einziehet, de&longs;to mehr wird das Blut erwärmt; daher kömmt die Erhitzung de&longs;&longs;elben durch Bewegung und durch alles, was das Athmen be&longs;chleuniget.</P><P TEIFORM="p">Dies erklärt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawfords</HI> eben angeführte Theorie auf eine &longs;ehr leichte Art. Indem nemlich die reine oder zum Athmen taugliche Luft das Phlogi&longs;ton des Bluts in den Lungen an &longs;ich nimmt, wird ihr Vermögen, Feuer zu enthalten oder zu binden, vermindert, und durch das Freywerden ihres Feuers ent&longs;teht fühlbare Wärme. Beym Umlaufe durch den Körper theilt das Blut die&longs;e fühlbare Wärme den Theilen des Körpers mit, verliert zugleich einen Theil des in ihm gebundenen Feuers, und nimmt dafür Phlogi&longs;ton aus dem Körper an &longs;ich. So ent&longs;teht ein be&longs;tändiger Kreislauf, der einer wech&longs;el&longs;eitigen chemi&longs;chen Anziehung gleichet. Daß der ausgeathmete Hauch wärmer i&longs;t, als die äußere Luft, i&longs;t dagegen keine Einwendung; &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">fühlbare</HI> Wärme kömmt blos von dem zugleich ausgehenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">freyen</HI> Feuer her, und i&longs;t vielmehr ein Zeichen, daß er weniger Feuer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">binde,</HI> als die äußere Luft. Ausführlicher wird &longs;ich von die&longs;er Wirkung des Athmens unter dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wärme, thieri&longs;che,</HI> &longs;prechen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Dies &longs;ind die neu&longs;ten Theorien über die Wirkungen des Athmens. Die Aerzte haben hierüber &longs;ehr ver&longs;chieden gedacht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hippocrates, Ari&longs;toteles</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galen</HI> lie&longs;&longs;en die eingeathmete Luft in das Blut und die Säfte übergehen,<PB ID="P.1.153" N="153" TEIFORM="pb"/> die Lebenskraft in den&longs;elben unterhalten und das Herz bewegen. Den Ur&longs;prung der thieri&longs;chen Wärme leiteten &longs;ie vom Herzen her, in welchem &longs;ie ein Lebensfeuer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">ignem vitalem</HI>)</HI> annahmen, und glaubten, die&longs;es Feuers übermäßige Hitze werde durch das Einathmen der fri&longs;chen Luft abgekühlt und durchs Ausathmen &longs;ein Dampf abgeführt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Galen. de u&longs;u partium. L. VII. c. 9. de util. re&longs;pir. c. 3.).</HI> Auch neuere Aerzte haben einen Uebergang der Luft in ela&longs;ti&longs;cher Ge&longs;talt in das Blut angenommen, und daraus die Flüßigkeit, innere Bewegung, Wärme, Dünne, ja &longs;ogar den Umlauf de&longs;&longs;elben im Körper herleiten wollen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Van Helmont</HI> glaubte, die Luft bringe die Lebensgei&longs;ter in den Körper; welcher Meinung &longs;elb&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave, Mead</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sauvage</HI> unter gewi&longs;&longs;en Ein&longs;chränkungen den Beyfall nicht ver&longs;agen; andere haben durch die Luft ein &longs;alziges oder nitrö&longs;es Principium in den Körper bringen wollen. Auch die Meinung der Alten von der Abkühlung der innern Wärme durch die eingeathmete Luft i&longs;t von vielen neuern Aerzten angenommen worden; einige haben noch hinzuge&longs;etzt, das dünnere Blut der Blutadern werde durch die&longs;e Abkühlungen verdichtet. Beyde Behauptungen widerlegt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De partium corp. hum. fabrica et funct. L. VIII. Sect. 5. § 16. 17.),</HI> der übrigens annimmt, es komme Luft zur Mi&longs;chung des Bluts, und beym Ausathmen werden flüchtige, &longs;alzige, faule Ausdün&longs;tungen, auch Phlogi&longs;ton ausgeführt. Den Gedanken, daß die Wärme des Bluts durchs Athmen ent&longs;tehe, äußert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stahl</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theor. medica. p. 288.)</HI> mit der Bemerkung, daß er ihm &longs;chon &longs;eit dem Jahre 1684 eigenthümlich zugehöre. Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave, Hales</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Arbuthnot</HI> glauben, das Blut werde in den Lungen durch das Athmen verdichtet und erwärmt; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Buffon</HI> nimmt die Lungen für das Geblä&longs;e an, das zur Belebung des Lebensfeuers diene. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> &longs;chloß aus der Aehnlichkeit der durchs Athmen verdorbenen Luft mit der durch Verbrennung und Fäulniß verdorbenen, daß das Athmen Phlogi&longs;ton aus dem Körper führe, fa&longs;t zu eben der Zeit, da <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> gefunden zu haben glaubte, daß &longs;ie brennbaren<PB ID="P.1.154" N="154" TEIFORM="pb"/> Stof hineinbringe. Prie&longs;tleys und Crawfords Meinungen haben vor den älteren wenig&longs;tens das voraus, daß &longs;ie &longs;ich mehr auf Experimentalunter&longs;uchung gründen.</P><P TEIFORM="p">Gewöhnlich athmet der Men&longs;ch während 4—5 Puls&longs;chlägen einmal, d. i. in einer Minute 20 mal, da die mittlere Anzahl der Puls&longs;chläge in einer Minute 80 i&longs;t. Man kan rechnen, daß ein ge&longs;under Mann von gewöhnlicher Größe auf einmal dreyßig Eubikzoll Luft einathme. Beym Ausathmen bleibt viel Luft in den Lungen, der Luftröhre und dem Munde zurück. Bey einem &longs;tarken Ausathmen können vielleicht nach einem natürlichen Einathmen 60 Cubikzoll ausge&longs;toßen werden. Durch Be&longs;chleunigung des Pul&longs;es, Bewegung, Lungenkrankheiten, Unreinigkeit oder Verdünnung der Luft wird das Athmen be&longs;chleuniget. Thiere athmen in einge&longs;chloßner oder verdünnter Luft immer &longs;chneller und &longs;tärker.</P><P TEIFORM="p">Ueber die Be&longs;cha&longs;fenheit der ausgeathmeten Luft kan der Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas, phlogi&longs;ticirtes,</HI> und über die Mittel, wodurch die Natur die durchs Athmen verdorbene Luft der Atmo&longs;phäre wieder verbe&longs;&longs;ert, der Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches,</HI> nachge&longs;ehen werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Haller</HI> de part. corp. humani fabrica et funct. edit. Bernae et Lau&longs;annae. To. VII. 1778. 8. Lib. VIII. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Tib. Cavalle</HI> treati&longs;e on the nature and properties of air. London. 1771.</HI> gr. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. p. 376. &longs;q.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmometer, Atmidometer, Ausdün&longs;tungsmaaß,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmometrum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmométre.</HI></HI> Eine Vorrichtung, wodurch &longs;ich die Größe der Ausdün&longs;tung be&longs;timmen lä&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Man kan bey den Beobachtungen über die Größe der Ausdün&longs;tung zweyerley Ab&longs;ichten haben; entweder wün&longs;cht man die ab&longs;olute Menge der in ver&longs;chiedenen Jahreszeiten oder Jahren aus den Gewä&longs;&longs;ern auf&longs;teigenden Dün&longs;te zu kennen, oder man will nur für einen gegebnen Augenblick die auflö&longs;ende Kraft der Luft be&longs;timmen. Jede Ab&longs;icht erfordert eine eigne Einrichtung des Werkzeugs.</P><P TEIFORM="p">Zu der er&longs;ten Ab&longs;icht i&longs;t es hinreichend, ein Gefäß mit Wa&longs;&longs;er der Luft eine be&longs;timmte Zeit lang auszu&longs;etzen, und den Verlu&longs;t, den es die&longs;e Zeit über durch die Ausdün&longs;tung<PB ID="P.1.155" N="155" TEIFORM="pb"/> erlitten hat, durch Abwägen oder Ausme&longs;&longs;en zu be&longs;timmen. Auf die&longs;e Art haben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbrock</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tentamina experimentorum capt. iu academ. del Cimento. To. II. p. 62.),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petropol. To. XIV. p. 273. Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 198. To. II. p. 145.),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwed. Abhdl. 1746. S. 3. 1747. S. 235.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ai d' hygrometrie. Mém. de l'Acad. de Pru&longs;&longs;e 1769. p. 68. 1772. p. 65.</HI> Hygrometrie, aus dem Franzö&longs;. über&longs;. Augsb. 1774. Fort&longs;etzung Augsb. 1775. 8.) die Größe der Ausdün&longs;tung unter&longs;ucht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> brauchte bleyerne Gefäße von &longs;echs Zollen ins Gevierte, fand die Ausdün&longs;tung aus einem &longs;olchen Gefäße von 12 Zoll Höhe &longs;tärker, als aus einem von 6 Zoll Höhe, und glaubte endlich daraus das Re&longs;ultat ziehen zu können, daß &longs;ich unter übrigens gleichen Um&longs;tänden die Größen der Ausdün&longs;tung, wie die Cubikwurzeln aus der Höhe der Gefäße verhielten, wenn er die Ver&longs;uche im freyen an&longs;tellte, auf &longs;einem Zimmer hingegen konnte er zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen nie einen merklichen Unter&longs;chied finden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> fand ebenfalls die Ausdün&longs;tung aus tiefern Gefäßen &longs;tärker, und erklärt dies dadurch, daß die Ausdün&longs;tung von dem Unter&longs;chiede der Temperaturen des Wa&longs;&longs;ers und der Luft abhänge, und die&longs;er Unter&longs;chied in tiefern Gefäßen größer und dauerhafter &longs;ey, weil &longs;ie die Temperatur der umliegenden Luft nicht &longs;o &longs;chnell annehmen. Hieraus erhellet auch, warum Mu&longs;&longs;chenbroek die&longs;en Unter&longs;chied nur im freyen, nicht auf &longs;einem Zimmer, fand, weil &longs;ich da die Temperatur nur &longs;ehr wenig und lang&longs;am änderte. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> fand die Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen gleich &longs;tark, wenn er beyderley Gefäße in Thon ver&longs;enkte, und dadurch be&longs;tändig in einerley Temperatur erhielt. In <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lamberts</HI> Ver&longs;uchen i&longs;t die&longs;er Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Größe der Ausdün&longs;tung aus hohen und niedrigen Gefäßen gar nicht anzutreffen; in des P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cotte</HI> Ver&longs;uchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Iournal de phy&longs;ique, Oct. 1781.)</HI> aber zeigt er &longs;ich wieder; cubi&longs;che Gefäße von ver&longs;chiedenen Größen dün&longs;teten in ganz ver&longs;chiedenen Verhältni&longs;&longs;en<PB ID="P.1.156" N="156" TEIFORM="pb"/> aus. Aus die&longs;em Grunde mü&longs;te man &longs;ich wohl bey dergleichen Beobachtungen darüber vereinigen, überall Gefäße von gleicher Ge&longs;talt und Größe zu gebrauchen. Auch dün&longs;tet nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sau&longs;&longs;ure</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie. Neufchatel. 1783. 8. §. 243.)</HI> ein Quadrat&longs;chuh Wa&longs;&longs;erfläche &longs;tärker aus, wenn er auf einem dürren Boden &longs;teht, als wenn er mitten in einen Teich, oder See ge&longs;etzt wird; weil in jenem Falle die auf ihn wirkende Luft trokner i&longs;t, und mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;et. Daher mü&longs;te man, um die wahre Größe der Ausdün&longs;tung der Gewä&longs;&longs;er zu finden, ein &longs;olches zum Atmometer be&longs;timmtes Gefäß mitten aufs Wa&longs;&longs;er &longs;etzen, &longs;o daß das Wa&longs;&longs;er in dem&longs;elben mit dem äußern Wa&longs;&longs;er in einerley Horizontalebne &longs;tünde; auch mü&longs;te es eben &longs;o, wie die ausdün&longs;tenden Gewä&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t, der Sonne, der Luft und dem Winde ausge&longs;etzt &longs;eyn. Man mü&longs;te auch ein Hyetometer oder Regenmaaß dabey haben, um die Menge des etwa aufs Gefäß gefallnen Regens be&longs;timmen und abziehen zu können. Endlich hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petrop. To. XIV. p. 273. &longs;q.)</HI> vorge&longs;chlagen, das Atmometer mit einem größern von oben bedeckten und mit Wa&longs;&longs;er gefüllten Gefäße in Communication zu &longs;etzen, damit die Höhe des Wa&longs;&longs;ers im Atmometer &longs;elb&longs;t weder durch die Ausdün&longs;tung merklich vermindert, noch durch den Regen vermehrt werden möge.</P><P TEIFORM="p">Will man aber die Größe der Ausdün&longs;tung für einen be&longs;timmten kleinern Zeitraum kennen, wobey es auf genaue Abwägung eines kleinen Verlu&longs;tes ankömmt, &longs;o kan man &longs;ich eines kleinen und leichten Gefäßes bedienen, das der Luft viel Oberfläche darbietet und an eine &longs;ehr genaue und empfindliche Wage gehangen werden kan. Sollen dergleichen Werkzeuge unter einander verglichen werden können, um daraus Folgerungen über die verhältnißmä&longs;&longs;ige Ausdün&longs;tung an ver&longs;chiednen Orten herzuleiten, &longs;o mü&longs;&longs;en die Gefäße von einerley Ge&longs;talt, Größe und Materie &longs;eyn, Wa&longs;&longs;er von gleicher Reinigkeit enthalten, und, &longs;o viel möglich, in gleiche Stellungen gebracht werden. Ein Werkzeug zu feinern Ver&longs;uchen die&longs;er Art be&longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Atmometri &longs;. machinae hydro&longs;taticae con&longs;tructio<PB ID="P.1.157" N="157" TEIFORM="pb"/> in Nov. Comm. Petrop. To. II. p. 121.).</HI> Er be&longs;timmt es eigentlich zu Abme&longs;&longs;ung der Ausdün&longs;tungen des Wa&longs;&longs;ers von ver&longs;chiedener Temperatur. Es be&longs;teht aus drey cylindri&longs;chen Gefäßen von Blech. Das weit&longs;te und tief&longs;te der&longs;elben wird mit Wa&longs;&longs;er gefüllt. In die&longs;em Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmt das zweyte etwas kleinere Gefäß, welches leer bleibt, und ganz ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t; damit es nicht &longs;chief &longs;chwimme, &longs;tehen Stäbe mit Rollen zur Seite, zwi&longs;chen denen es frey auf- und ab&longs;teigen, aber nicht &longs;eitwärts weichen kan. Das er&longs;te mit Wa&longs;&longs;er gefüllte Gefäß i&longs;t auch ver&longs;chlo&longs;&longs;en, aber in &longs;einem Deckel &longs;ind drey Löcher. Durch die&longs;e gehen drey metallne Füße, welche auf dem &longs;chwimmenden leeren Gefäße auf&longs;tehen und das dritte ofne Gefäß tragen, welches mit dem ausdün&longs;tenden Wa&longs;&longs;er angefüllt i&longs;t. So, wie nun etwas von die&longs;em Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet, und das Gefäß dadurch leichter wird, drückt es weniger auf das &longs;chwimmende Gefäß, das letztere hebt &longs;ich daher im Wa&longs;&longs;er höher, und die Füße, die &longs;ich in den Löchern des Deckels frey bewegen können, treten mehr heraus, heben al&longs;o das obere Gefäß, welches eine an ihm befe&longs;tigte Scale an einem Zeiger hinführt, und dadurch die Größe der Hebung anzeigt. Wie viel Gran jeder Theil der Scale gelte, kan man durch hineingeworfene Gewichte leicht vorher ausmachen, und &longs;o durch die Scale die Größe der Ausdün&longs;tung bis auf die fein&longs;ten Theile abme&longs;&longs;en. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 25. i&longs;t ein Entwurf von den we&longs;entlich&longs;ten Theilen die&longs;es Atmometers.</P><P TEIFORM="p">Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure's</HI> Anzeige hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mo&longs;cati</HI> in Mayland neuerlich eine andere zugleich bequemere und genauere Einrichtung die&longs;es Werkzeugs vorge&longs;chlagen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure</HI> E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie. §. 244—250.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;phäre" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;phäre, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Atmo&longs;phaera</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Atmo&longs;phère</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er ur&longs;prünglich &longs;o viel, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dun&longs;tkugel,</HI> bedeutende Name i&longs;t zwar anfänglich blos von der um un&longs;ere Erde ver&longs;ammleten Luft, dem Luftkrei&longs;e, gebraucht worden, wird aber jetzt im Allgemeinen allen Anhäufungen eines feinen ela&longs;ti&longs;chen flüßigen We&longs;ens beygelegt, welche einen<PB ID="P.1.158" N="158" TEIFORM="pb"/> Körper von allen Seiten umgeben, und &longs;ich mit ihm fortbewegen, &longs;o wie der Luftkreis die Erde umringt und mit ihr bewegt wird.</P><P TEIFORM="p">Viele Naturfor&longs;cher nehmen um alle Körper Atmo&longs;phären an, oder glauben, daß der im Weltraume verbreitete Aether &longs;ich in der Nähe eines jeden Körpers verdichte, und eine Atmo&longs;phäre um ihn bilde, woraus &longs;ie neb&longs;t andern Er&longs;cheinungen auch die Beugung der Licht&longs;tralen erklären, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Beugung des Lichts.</HI> Da dies blos hypotheti&longs;ch i&longs;t, &longs;o bleibe ich hier nur bey den Atmo&longs;phären der Erde, der Sonne und des Monds &longs;tehen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phäre der Erde, &longs;. Luftkreis.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;phäre der Sonne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;phäre der Sonne</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phaera &longs;olaris, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phère &longs;olaire.</HI></HI> Eine feine um die Sonne verbreitete und gegen die&longs;elbe gravitirende Materie, welche &longs;ich uns unter der Ge&longs;talt des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zodiakallichts</HI> zeiget, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Thierkreislicht.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Alten, welche die Sonne für das rein&longs;te und unverderblich&longs;te We&longs;en hielten, konnten dem Gedanken von einem Dun&longs;te um die&longs;elbe nicht Raum geben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Epit. a&longs;tron. Copernic. L. VI. p. 595.),</HI> wo er erklärt, warum die totalen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e nicht eine völlige Nacht machen, redet von einer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;ub&longs;tantia cra&longs;&longs;a circa &longs;olem, non hic in no&longs;tro aëre, &longs;ed in ip&longs;a &longs;ede &longs;olis.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;&longs;ini</HI> aber, der das Thierkreislicht im Jahre 1683 entdeckte, nahm keinen An&longs;tand, es für die vom weiten erblickte Atmo&longs;phäre der Sonne zu erklären <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Découverte de la lumiére cele&longs;te, qui paroi&longs;t dans le zodiaque</HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">anciens Mém. To. VII.).</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Traité de l' aurore boreale. Paris 1733. 4. &longs;ec edit. 1754.</HI> gr. 4.) hat &longs;ehr ausführlich von die&longs;er Sonnenatmo&longs;phäre gehandlet, und ihr Da&longs;eyn wird jetzt von keinem A&longs;tronomen mehr in Zweifel gezogen.</P><P TEIFORM="p">Aus welcher Materie &longs;ie be&longs;tehe, ob die&longs;e Materie ein Ausfluß aus der Sonne, oder eine Sammlung von heterogenen aus dem Aether gegen die Sonne gefallenen Theilen &longs;ey, darüber können wir nicht ent&longs;cheiden. Wir &longs;ehen<PB ID="P.1.159" N="159" TEIFORM="pb"/> nur, daß &longs;ie leuchtet und durch&longs;ichtig i&longs;t; ihr Licht kan entweder ihr eigen &longs;eyn, oder davon herkommen, daß ihre Theilchen einen Theil des Sonnenlichts zurückwerfen.</P><P TEIFORM="p">Die Ge&longs;talt der Sonnenatmo&longs;phäre muß den Er&longs;cheinungen des Thierkreislichts zufolge ein &longs;ehr abgeplattetes Sphäroid &longs;eyn, oder einer auf beyden Seiten erhabnen Glaslin&longs;e gleichen. Wir &longs;ehen das Thierkreislicht &longs;tets unter der Ge&longs;talt eines zuge&longs;pitzten Streifens, wie etwa <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">26. (<HI REND="ital" TEIFORM="hi">fu&longs;eau</HI>),</HI> und es giebt keinen runden Körper, der &longs;o er&longs;chiene, als das lin&longs;enförmige Sphäroid, wenn es aus der Ebne &longs;eines grö&longs;ten Krei&longs;es betrachtet wird. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;&longs;ini</HI> Beobachtungen i&longs;t die&longs;e Ebne die Ebne des Sonnenäquators, oder der Umdrehung der Sonne um ihre Axe, gegen welche, wie die Beobachtungen der Sonnenflecken läng&longs;t gelehrt haben, die Ebne der Erdbahn unter einem Winkel von 7 1/2 Grad geneigt i&longs;t. Sehr wahr&longs;cheinlich wird al&longs;o die &longs;tarke Abplattung der Sonnenatmo&longs;phäre durch die Umwälzung der Sonne um ihre Axe eben &longs;o verur&longs;acht, wie die Abplattung der Erde &longs;elb&longs;t und ihres Luftkrei&longs;es durch die tägliche Umdrehung der Erde veranla&longs;&longs;et wird; und die Stärke die&longs;er Abplattung zeigt eine ungemeine Feinheit und Leichtigkeit der Materie des Thierkreislichts an. Da die Erdbahn mit der Ebne des Sonnenäquators nur einen &longs;ehr kleinen Winkel macht, &longs;o können wir nie in Lagen kommen, in welchen uns diefes Shäroid anders, als in der Form einer zuge&longs;pitzten Säule er&longs;chiene; da es &longs;on&longs;t, aus einem Punkte in der Axe ge&longs;ehen, als ein Kreis um die Sonne er&longs;cheinen mü&longs;te.</P><P TEIFORM="p">Wie weit &longs;ich die&longs;e Sonnenatmo&longs;phäre er&longs;trecke, kan aus der Weite ge&longs;chlo&longs;&longs;en werden, um welche die Spitze des Thierkreislichts von dem &longs;cheinbaren Orte der Sonne ab&longs;teht. Beträgt die&longs;e Weite 90°, &longs;o muß &longs;ich die Sonnenatmo&longs;phäre bis an die Erdbahn er&longs;trecken; beträgt &longs;ie noch mehr, &longs;o muß die letztere &longs;ogar bis über die Erdbahn hinausgehen. Da man nun die gedachte Weite bisweilen 93, 95, 100 Grad gefunden hat, &longs;o lä&longs;t &longs;ich hieraus folgern, daß der Umfang der Sonnenatmo&longs;phäre &longs;ich zu<PB ID="P.1.160" N="160" TEIFORM="pb"/> manchen Zeiten bis über die Erdbahn hinaus er&longs;trecke. Wenn zu &longs;olchen Zeiten die Erde gerade in einem der Punkte i&longs;t, in welchen &longs;ich die Ebne des Sonnenäquators mit der Erdbahn durch&longs;chneidet, &longs;o kömmt &longs;ie in die Sonnenatmo&longs;phäre &longs;elb&longs;t, und wird gleich&longs;am in die&longs;elbe ver&longs;enkt. Herr von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> hat hieraus eine &longs;ehr &longs;innreiche Erklärung der Phänomene des Nordlichts hergeleitet, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Nordlicht.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;phäre des Monds" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;phäre des Monds</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phaera lunaris, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phère lunaire.</HI></HI> Nach der Meinung einiger A&longs;tronomen &longs;oll auch der Mond mit einer dichtern Materie oder Dun&longs;tkugel umgeben &longs;eyn. Allein die Erfahrungen, welche man hierüber anführt, la&longs;&longs;en &longs;ich auch anders erklären.</P><P TEIFORM="p">Schon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plutarch</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lib. de &longs;acie lunae, Op. Plut. ex edit. Xylandri 1620. fol. To. II. p. 939.)</HI> gedenkt einer Mondluft. Die neuern A&longs;tronomen hat wahr&longs;cheinlich der Gedanke, daß der Mond bewohnt &longs;ey, die Bewohner aber, wie wir, einer Luft bedürften, zur Annehmung einer Mondsatmo&longs;phäre veranla&longs;&longs;et. Daher i&longs;t ihr Da&longs;eyn von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei, Kepler, Scheiner, Hevel,</HI> und in die&longs;em Jahrhunderte von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf, Mairan, Bianchini, Fontenelle</HI> u. a. angenommen und vertheidiget, von andern Sternkundigen hingegen, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens, Ca&longs;&longs;ini, Gregory, de la Hire, de l' Isle, Tob. Mayer,</HI> geläugnet worden.</P><P TEIFORM="p">Man hat für das Da&longs;eyn einer Atmo&longs;phäre des Monds den hellen concentri&longs;chen Ring, der &longs;ich bey gänzlichen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en um den Mond zeigt, und die längliche Ge&longs;talt der Planeten, wenn &longs;ie nahe am Mondrande ge&longs;ehen werden, anführen wollen. Andere haben &longs;ich auf ein beobachtetes Zittern des Sonnenlichtes beym Ein- und Austritte der Mond&longs;cheibe in da&longs;&longs;elbe, auf eine unregelmäßige Bewegung der Fix&longs;terne bey dem Anrücken des Mondrandes gegen die&longs;elben, auf die bald größere bald geringere Deutlichkeit der Mondflecken, auf den im dunklen Theile des Mondflecken Plato bemerkten hellen<PB ID="P.1.161" N="161" TEIFORM="pb"/> Streif, auf die Veränderlichkeit des Monddurchme&longs;&longs;ers bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en u. dgl. berufen. Einiger die&longs;er Gründe bedient &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. A&longs;tron.),</HI> um die höch&longs;te Aehnlichkeit zwi&longs;chen Erd- und Mondluft zu erwei&longs;en, die er &longs;o weit treibt, daß er es im Monde &longs;ogar, wie bey uns, regnen, hageln, &longs;chneyen und reifen lä&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. no. 343.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Louville</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. de l' acad. roy. des Sc. 1715.)</HI> wollten bey der Sonnenfin&longs;terniß am 3 May 1715 &longs;ogar Blitze im Monde ge&longs;ehen haben. Von ähnlichen neuerlich beobachteten Er&longs;cheinungen &longs;. den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mond.</HI></P><P TEIFORM="p">Einige die&longs;er Bewei&longs;e, z. B. der aus dem hellen Ringe bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en, aus der länglichen Ge&longs;talt der Planeten, und dem unregelmäßigen Fortrücken der Fix&longs;terne bey Annäherung an den Mondrand, la&longs;&longs;en &longs;ich dadurch entkräften, daß man die&longs;e Phänomene eben &longs;o leicht und natürlich aus der Beugung der Licht&longs;tralen herleiten kan. Ein &longs;olcher Ring zeigt &longs;ich um jeden Körper, mit dem man &longs;ich die Sonne verdeckt, oder mit dem man das in einen verfin&longs;terten Ort fallende Sonnenlicht auffängt; wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Hire</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de l'Isle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l'Acad. des Sc. 1715. p. 147.)</HI> gezeigt haben. Das Zittern des Sonnenlichts und die größere oder geringere Deutlichkeit der Mondflecken &longs;cheinen eher von Dün&longs;ten in un&longs;erer Atmo&longs;phäre herzurühren; der Licht&longs;tral in der Hölung des Plato lä&longs;t &longs;ich durch das Ein&longs;allen des Sonnenlichts zwi&longs;chen Bergen in ein übrigens dunkles Thal auch ohne Atmo&longs;phäre begreifen; die Vergrößerung des &longs;cheinbaren Sonnentellers bey ringförmigen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en kan eine Wirkung der Beugung des Lichts &longs;eyn, obgleich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l'Acad. de Pru&longs;&longs;e. 1748.</HI> S. 103.) daraus wirklich eine Mondluft &longs;chließt, die aber 200mal dünner, als die un&longs;rige, &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Die neuern Vertheidiger der Mondatmo&longs;phäre, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">du Sejour</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l'Acad. des Sc. 1775. p. 268.)</HI> wenden dagegen ein, durch Erklärungen aus der Beugung &longs;toße man jene Bewei&longs;e nicht um; denn Beugung der<PB ID="P.1.162" N="162" TEIFORM="pb"/> Stralen am Rande des Monds la&longs;&longs;e &longs;ich ohne Atmo&longs;phäre um ihn nicht denken.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Co&longs;motheorus, Hagae Com. 1698. 4. p. 115.)</HI> wendet gegen das Da&longs;eyn der Mondatmo&longs;phäre ein, man würde den Mondrand bey Bedeckungen der Sterne nicht &longs;o &longs;charf und glatt abge&longs;chnitten, &longs;ondern mit einem Schimmer umgeben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(evanida quadam luce, ac velut lanugine finitam)</HI> finden, auch &longs;ey im Monde kein Wa&longs;&longs;er, aus dem Dün&longs;te auf&longs;teigen könnten, wie man denn auch keine Wolken darinn &longs;ehe. Dagegen erinnert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tr. de l' aurore boreale. &longs;ec. edit. 1754. p. 276.),</HI> wenn man die Mondatmo&longs;phäre in Vergleichung mit dem Monde &longs;o groß &longs;etze, als der Luftkreis in Vergleichung mit der Erde i&longs;t, &longs;o gehe ein Stern durch den &longs;tralenbrechenden Theil der&longs;elben in einer Secunde hindurch, welche Zeit zu kurz &longs;ey, um die Wirkungen der Refraction zu bemerken; man habe auch manchmal Sterne noch vor dem Augenblicke ihrer Ver&longs;chwindung an den Mondrand treten ge&longs;ehen; auf der Erde gebe es auch Länder, wo der Himmel &longs;tets heiter &longs;ey; wenn kein Wa&longs;&longs;er im Monde &longs;ey, &longs;o &longs;ey es leicht begreiflich, daß auch keine Wolken da &longs;eyen, zumahl da der vierzehntägige Sonnen&longs;chein die Dün&longs;te &longs;ehr verdünnen mü&longs;&longs;e; der im Plato ge&longs;ehene Licht&longs;treif &longs;ey vielleicht ein &longs;olcher verdünnter Dun&longs;t gewe&longs;en, wenig&longs;tens &longs;etze auch einfallendes Sonnenlicht in dunklen Orten Dün&longs;te voraus, die es zurückwerfen und für uns &longs;ichtbar machen könnten u. &longs;. w.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht hieraus, daß der Streit über das Da&longs;eyn einer Mondatmo&longs;phäre noch immer unent&longs;chieden, und nur &longs;o viel gewiß &longs;ey, daß der Mond in Ab&longs;icht auf Luft und Luftbegebenheiten un&longs;erer Erde &longs;o ähnlich nicht i&longs;t, als einige, haben vorgeben wollen. Oft hat &longs;ich auch Vorliebe zu gewi&longs;&longs;en Hypothe&longs;en mit eingemi&longs;cht, wie denn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hevel,</HI> der in &longs;einer dem Monde be&longs;onders gewidmeten Selenographie der Mondatmo&longs;phäre mit keinem Worte gedacht hatte, er&longs;t zwanzig Jahre darnach ein Vertheidiger der&longs;elben ward, als er &longs;ie zu &longs;einer Hypothe&longs;e über die Cometen nöthig hatte, wobey er doch &longs;elb&longs;t ge&longs;teht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Cometograph.<PB ID="P.1.163" N="163" TEIFORM="pb"/> L. VII. p. 362.), in luna manife&longs;tas atmo&longs;phaerae ob&longs;ervationes plane deficere.</HI></P><P TEIFORM="p">Chri&longs;tlob <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mylius</HI> Gedanken über die Atmo&longs;phäre des Monds, Hamburg 1746. 4. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tner</HI> Anfangsgr. der ang. Math. 2 Abth. §. 191.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phären, elektri&longs;che, &longs;. Wirkungskrei&longs;e, elektri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phäri&longs;che Elektricität, &longs;. Luftelektricität.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phäri&longs;che Luft, &longs;. Gas, atmo&longs;phäri&longs;ches.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atomen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atomen</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atomi, Elementa corporum individua, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atomes.</HI></HI> So werden von einigen Naturfor&longs;chern die er&longs;ten nicht weiter theilbaren aber immer noch körperlichen Be&longs;tandtheilchen der Materie genannt. Daß wir die Theilung der Körper durch allerley Mittel &longs;ehr weit treiben können, i&longs;t bekannt, und wird bey dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Theilbarkeit</HI> durch Bey&longs;piele be&longs;tätiget werden. Aber ob die&longs;e Theilung ohne Ende fort möglich &longs;ey, darüber kan uns die Erfahrung nicht belehren: weil &longs;ich bey fortge&longs;etzter Theilung die Theilchen bald un&longs;ern Sinnen entziehen. Ob man al&longs;o endlich auf gewi&longs;&longs;e letzte körperliche Theile, die an &longs;ich &longs;elb&longs;t und ihrer Natur nach nicht weiter theilbar &longs;ind, auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atomen,</HI> kommen mü&longs;&longs;e, oder ob die Materie ohne Ende theilbar &longs;ey, i&longs;t eine blos &longs;peculative Frage; die Erfahrung lehrt nur, daß es Grenzen gebe, bey denen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wir</HI> zu theilen aufhören mü&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Für die Meinung, daß alle Materie aus untheilbaren Körperchen zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, haben &longs;ich &longs;chon im Alterthum <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mo&longs;chus, Leucippus, Democrit</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Epikur</HI> erklärt. Des letztern, noch mit vielen Zu&longs;ätzen vermi&longs;chtes, Sy&longs;tem (&longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Cic. de fin. I. 6.)</HI> wird von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lucretius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De rerum natura. Lib. VI. c. interpr. et notis Thom. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Creech.</HI> Oxon. 1695. 8. Ba&longs;il. 1770.</HI> gr. 8.), und unter den Neuern von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ga&longs;&longs;endi</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ga&longs;&longs;endi Opp. Lugd. 1685. VI. To. fol.)</HI> vorgetragen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI> haben gelehrt, die Materie be&longs;tehe aus einer Menge oder Anhäufung fe&longs;ter, harter, &longs;chwerer, undurchdringlicher, träger und beweglicher Theilchen, von<PB ID="P.1.164" N="164" TEIFORM="pb"/> deren ver&longs;chiedner Zu&longs;ammenordnung die Ver&longs;chiedenheit der Körper herrühre. Die&longs;e klein&longs;ten Theilchen können &longs;ich durch eine &longs;ehr &longs;tarke Anziehung mit einander verbinden, und größere Theile ausmachen, welche einander weniger anziehen; die&longs;e können wiederum durch ihren Zu&longs;ammenhang noch größere Theile bilden, deren Anziehung gegen einander noch &longs;chwächer i&longs;t, bis endlich die gröbern in un&longs;ere Sinne fallenden Theile ent&longs;tehen, von welchen die Farben der Körper und die chymi&longs;chen Operationen abhängen, und welche durch ihren Zu&longs;ammenhang die Körper von merklicher Größe ausmachen. Die&longs;es Sy&longs;tem, welches die Eigen&longs;chaften der Körper aus der Zu&longs;ammenordnung der er&longs;ten Theilchen zu erklären &longs;ucht, wird mit dem Namen der <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;ophia &longs;. Phy&longs;ica corpu&longs;cularis</HI> bezeichnet.</P><P TEIFORM="p">Wer die Exi&longs;tenz der Materie einräumt, kan ihr auch er&longs;te <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ungetheilte</HI> Elemente nicht füglich ab&longs;prechen. Ob die&longs;e ungetheilten Körperchen zugleich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">untheilbar</HI> &longs;ind, das kömmt auf den Begrif an, den man mit den Worten untheilbar und Materie verbindet. Ver&longs;teht man unter Theilbarkeit die Möglichkeit, &longs;ich in jedem Theile der Materie, den man als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ausgedehnt</HI> betrachtet, eine rechte und linke, eine obere und untere Seite zu gedenken, welche der Ver&longs;tand als abge&longs;ondert betrachten kan, &longs;o i&longs;t jedes Theilchen, &longs;o klein es auch &longs;ey, noch theilbar. Ver&longs;teht man aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wirkliche</HI> Theilung, &longs;o i&longs;t Theilbarkeit ins unendliche ein Ausdruck ohne Bedeutung, und es giebt eine letzte Grenze, auf welcher alle men&longs;chliche Möglichkeit der Theilung aufhört, und bey aller etwa künftig noch zu hoffender Vervollkommnung der mechani&longs;chen und chymi&longs;chen Theilungs- und Zer&longs;etzungsmittel &longs;tets aufhören wird. Will man nun das, was an die&longs;er letzten möglichen Grenze der Theilung übrig bleibt, untheilbar nennen, &longs;o muß man in die&longs;em Sinne <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atomen</HI> einräumen, das i&longs;t, er&longs;te untheilbare Körperchen, welche immer noch ausgedehnt &longs;ind, und, da &longs;ie &longs;ich durch phy&longs;i&longs;che Kräfte nicht weiter trennen la&longs;&longs;en, Härte, folglich auch alle übrige Eigen&longs;chaften der Materie be&longs;itzen.<PB ID="P.1.165" N="165" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Diejenigen, welche den er&longs;ten Theilen der Materie die Ausdehnung ab&longs;prechen, machen &longs;ich freylich hievon, &longs;o wie von der Materie überhaupt, andere Begriffe, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Materie.</HI> Unter&longs;uchungen hierüber gehören mehr für den Metaphy&longs;iker, als für den Naturfor&longs;cher, und gehen allem Vermuthen nach weiter, als der Schöpfer dem Men&longs;chen hier zu &longs;ehen vergönnt hat; man täu&longs;cht &longs;ich dabey mit dem Wahn, etwas zu wi&longs;&longs;en, welchem der wei&longs;ere und be&longs;cheidnere Naturfor&longs;cher ein offenherziges Ge&longs;tändniß der Unwi&longs;&longs;enheit weit vorziehet.</P></DIV2><DIV2 N="Attraction, Anziehung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Attraction, Anziehung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Attractio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Attraction</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Phänomen der Körperwelt, da Körper &longs;ich einander nähern, oder, wenn &longs;ie aufgehalten werden, &longs;ich zu nähern &longs;treben, da &longs;ie nach der Berührung an einander bleiben, oder doch der Trennung wider&longs;tehen, ohne daß man eine äußere in die Sinne fallende Ur&longs;ache davon, einen Druck, Stoß u. dergl. gewahr wird. So fällt ein freygela&longs;&longs;ener Körper &longs;enkrecht auf die Erdfläche nieder, nähert &longs;ich der Ma&longs;&longs;e der Erde, oder äußert doch, wenn man ihn daran hindert, &longs;ein Be&longs;treben zu fallen, durch &longs;ein Gewicht, durch Druck auf das, was ihn trägt; &longs;o fließen zween einander berührende Wa&longs;&longs;ertropfen in einen zu&longs;ammen u. &longs;. w., ohne daß man eine äußere Ur&longs;ache davon bemerkte; die Erfahrung zeigt uns, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">daß</HI> es ge&longs;chehe, belehrt uns aber gar nicht darüber, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">warum</HI> es ge&longs;chehe.</P><P TEIFORM="p">Wie weit &longs;ich die&longs;es Phänomen er&longs;trecke, lä&longs;t &longs;ich aus folgenden Bey&longs;pielen über&longs;ehen. Die Theile aller fe&longs;ten Körper hängen zu&longs;ammen, und wider&longs;tehen der Trennung; auch die Theile der flüßigen la&longs;&longs;en &longs;ich nicht ohne Wider&longs;tand trennen, und vereinigen &longs;ich in Tropfen; flü&longs;&longs;ige Körper hängen &longs;ich an fe&longs;te, die &longs;ie benetzen; polirte Marmorflächen oder Spiegeltafeln hängen bey der Berührung, auch bey dazwi&longs;chen liegenden feinen Haaren oder Seidenfäden, zu&longs;ammen; das Licht beugt &longs;ich beym Vorübergange beym Rande der Körper vom geraden Wege ab; jeder Körper nähert &longs;ich freygela&longs;&longs;en der Erde, oder fällt gegen die&longs;elbe; der &longs;on&longs;t &longs;enkrecht gedehnte Bleywurf<PB ID="P.1.166" N="166" TEIFORM="pb"/> richtet &longs;ich &longs;chief in der Nähe großer Berge; das Meer hebt &longs;ich gegen den Mond, der Mond &longs;elb&longs;t wird durch eine unbekannte Ur&longs;ache &longs;tets an die Erde, die Erde neb&longs;t den übrigen Planeten an die Sonne gefe&longs;&longs;elt; in dem ganzen Laufe der himmli&longs;chen Körper herr&longs;cht das unverkennbare Ge&longs;etz eines be&longs;tändigen Be&longs;trebens die&longs;er großen Ma&longs;&longs;en nach wech&longs;el&longs;eitiger Annäherung. Sollte man nicht ein Recht haben, die&longs;es Phänomen, das &longs;ich bey fe&longs;ten und flüßigen, kleinen und großen, &longs;ich berührenden und von einander entfernten Körpern, auf der Erde, wie im Himmel, zeigt, für ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">allgemeines Phänomen</HI> der Körperwelt, für die Regel anzunehmen, und die Fälle, in denen es &longs;ich nicht zu zeigen &longs;cheint, nur für Ausnahmen zu erklären, bey welchen es durch irgend eine Ur&longs;ache aufgehoben, oder nur für uns unbemerkbar gemacht wird?</P><P TEIFORM="p">In die&longs;em Sinne hat der große <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> das Wort <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> gebraucht, um das allgemeine Phänomen des Be&longs;trebens der Körper nach wech&longs;el&longs;eitiger Annäherung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(conatus accedendi)</HI> damit zu bezeichnen, nicht um eine Ur&longs;ache die&longs;es Phänomens dadurch anzugeben. Die&longs;er bey der Größe &longs;eines Genies dennoch &longs;o be&longs;cheidne Naturfor&longs;cher gieng &longs;tets den &longs;ichern Weg der Experimentalunter&longs;uchung, zog aus vielen ähnlichen Erfahrungen allgemeine Ge&longs;etze, und be&longs;timmte, unbekümmert um die verborgenen Ur&longs;achen der&longs;elben, durch die erhaben&longs;ten Kun&longs;tgriffe der Geometrie, die Folgen diefer Ge&longs;etze für Fälle, über welche unmittelbare Erfahrungen fehlten. Die&longs;e nachahmungswürdige Methode gründet &longs;ich einzig auf Induction, oder auf den der ge&longs;unden Vernunft einleuchtenden Schluß, daß das, was in allen beobachteten Fällen wahr gefunden ward, auch in ähnlichen unbeobachteten &longs;tatt finden, und al&longs;o allgemein wahr &longs;eyn werde. Die häufigen Bey&longs;piele von Fallen, Nähern, Anhängen der Körper gegen und an einander veranlaßten ihn, die&longs;es Nähern als ein allgemeines Phänomen anzu&longs;ehen, er entdeckte das Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben für Erde und Mond, &longs;chloß, daß eben die&longs;es Ge&longs;etz für Sonne und Planeten, und für die Planeten unter einander &longs;elb&longs;t gelten werde, und mit<PB ID="P.1.167" N="167" TEIFORM="pb"/> welcher bewundernswürdigen Richtigkeit &longs;timmen nicht &longs;eine hieraus berechneten Folgen mit dem wirklichen Laufe des Himmels überein? Die&longs;e Methode i&longs;t &longs;o untadelhaft, und die dadurch gemachte Entdeckung der Mechanik des Himmels &longs;o be&longs;tätiget, daß nur Unwi&longs;&longs;ende jene &longs;chmähen und die&longs;e verwerfen können.</P><P TEIFORM="p">Ur&longs;achen die&longs;es Phänomens angeben zu können, hat &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> nie gerühmt. Er erklärt an einigen Stellen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Princip. L. I. Def 8 et Sect. 11. Optice. Qu. 23.),</HI> er gebrauche die Worte: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Attractio, Impul&longs;io, Propen&longs;io</HI> ohne Unter&longs;chied, und wolle durch Attraction nicht die Wirkungsart oder die wirkende Ur&longs;ache anzeigen, und etwa behaupten, daß in den Mittelpunkten der Körper eine anziehende Kraft vorhanden &longs;ey; vielleicht &longs;ey die&longs;e Attraction, phy&longs;ikali&longs;ch zu reden, ein Stoß, oder die Wirkung einer andern uns ganz unbekannten Ur&longs;ache. So &longs;agt auch 's <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Grave&longs;ande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phy&longs;. elem. mathem. Leid. 1742.</HI> gr. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. L. I. c. 5.) Attractionem vocamus vim quamcunque, qua duo corpora ad &longs;e invicem tendunt; et&longs;i forte hoc per impul&longs;um fiat. Hoc nomine phaenomenon, non cau&longs;am de&longs;ignamus.</HI> Man thut daher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton Unrecht,</HI> wenn man glaubt, er habe durch die Attraction das Phänomen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erklären</HI> wollen, da er es dadurch blos <HI REND="bold" TEIFORM="hi">benennen</HI> will.</P><P TEIFORM="p">Aber auch als Benennung hat mir das Wort <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> nie wohlgewählt ge&longs;chienen. Unerfahene &longs;tellen &longs;ich dabey natürlich ein Ziehen, eine Kraft vor, welche in dem einen Körper ihren Sitz hat, und den andern, wie an einem Bande, gegen &longs;ich führt. Dergleichen verkehrte Begriffe, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> wahrer Meinung ganz zuwiderlaufen, haben manche Philo&longs;ophen be&longs;tritten, und dabey gegen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> zu &longs;treiten geglaubt. Inzwi&longs;chen i&longs;t die&longs;es Wort &longs;o allgemein angenommen, daß man &longs;chwerlich wagen dürfte, ein anderes einzuführen; man muß am Ende zufrieden &longs;eyn, daß die Wahl nicht noch &longs;chlimmer ausgefallen i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> z. B. &longs;chlägt unter andern das noch un&longs;chicklichere Wort <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amicitia</HI> vor. ”Was ”würde nicht er&longs;t,“ &longs;agt Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (Erxlebens Naturl. neu&longs;te Ausg. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">§. 113. b.),</HI> ”mancher gefolgert<PB ID="P.1.168" N="168" TEIFORM="pb"/> ”haben, wenn Newton die&longs;e Er&longs;cheinung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehn&longs;ucht</HI> ge”nannt hätte? Man &longs;ollte &longs;ich freylich hüten, da &longs;ich, wie ”Haller &longs;agt, un&longs;er Aug am Kleid der Dinge &longs;tößt, über ”die&longs;es Kleid noch andere zu ziehen, an denen &longs;ich die Ein”bildungskraft &longs;tößt, noch ehe das Auge bis zu jenem un”durch&longs;chaubaren eindringt.“</P><P TEIFORM="p">Solche Kleider hatte Newtons &longs;on&longs;t vortreflicher Vorgänger, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> de&longs;&longs;en Einbildungskraft &longs;ehr oft einen dichteri&longs;chen Schwung nahm, über den Begrif der Attraction gezogen, von welchem in &longs;einen Schriften häufige Spuren vorkommen, &longs;. den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation.</HI> Er nahm nicht nur in den Körpern eine innere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">anziehende Kraft</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">vim attractivam</HI>)</HI> an; er redete auch von Freund&longs;chaft, Gefühl, Abneigung, Er&longs;chrecken der Körper für einander, von Sympathie, Stralen, mit welchen einer den andern um&longs;chlinge u. &longs;. f. Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberval</HI> nahm die Attraction als eine in den Körpern befindliche Kraft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">vim corporibus in&longs;itam</HI>)</HI> an. Wenn man dies behauptet, und das Phänomen dadurch zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erklären</HI> glaubt, &longs;o &longs;agt man nichts mehr, als was die Schola&longs;tiker &longs;agten, wenn &longs;ie das Auf&longs;teigen des Wa&longs;&longs;ers in Saugpumpen durch den Ab&longs;cheu der Natur für der Leere, oder das Ein&longs;chläfern des Opium durch eine darinn befindliche &longs;chlafbringende Qualität erklärten. Dadurch ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> bewogen, &longs;ich der Attraction, als einer von den verborgenen Qualitäten der &longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltweisheit entgegenzu&longs;etzen, und &longs;ie &longs;chien durch ihn gänzlich aus der Naturlehre verbannt, als &longs;ie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> nicht in Ge&longs;talt einer zur Erklärung dienenden phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache, &longs;ondern als Benennung eines allgemeinen durch unzählbare Erfahrungen be&longs;tätigten Phänomens, wieder einführte, und mit einer Stärke bewafnete, deren man &longs;ie nie fähig geglaubt hätte. In die&longs;er natürlichen und von fal&longs;chem Schmucke entblößten Ge&longs;talt hat &longs;ie ihre nun allgemein anerkannten Rechte gegen allen Wider&longs;tand behauptet.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Schüler &longs;ind inzwi&longs;chen viel weiter gegangen, haben dadurch aufs neue manches Misver&longs;tändniß und viele unnöthige Einwendungen veranla&longs;&longs;et, und<PB ID="P.1.169" N="169" TEIFORM="pb"/> die Ausbreitung der newtoni&longs;chen Entdeckungen auf dem fe&longs;ten Lande fa&longs;t um ein halbes Jahrhundert zurückgehalten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roger Cotes</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Praefatio ad Newtoni Princ. ed. Cantabr. 1713. 4.)</HI> zählet die Gravitation unter die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;entlichen</HI> Eigen&longs;chaften der Materie, ohne welche Materie gar nicht gedacht werden könne oder &longs;olle, dergleichen Ausdehnung, Beweglichkeit, Undurchdringlichkeit rc. &longs;ind. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Quemadmodum,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">nulla concipi debent corpora, quae non &longs;int exten&longs;a, mobilia et impenetrabilia; ita dicendum e&longs;t, nulla concipi debere, quae non &longs;int gravia.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> hingegen verwahrt &longs;ich ausdrücklich, er behaupte keinesweges, daß die Schwere den Körpern we&longs;entlich &longs;ey. Man &longs;ieht hieraus, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Joh. Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nouvelles pen&longs;eés &longs;ur le &longs;y&longs;teme de Descartes. Op. To. III. p. 138.)</HI> &longs;agt, daß der Schüler weit kühner, als &longs;ein Lehrer, gewe&longs;en &longs;ey. Die&longs;e der Materie we&longs;entliche und von ihr untrennbare <HI REND="bold" TEIFORM="hi">innere Kraft</HI> &longs;ollte nun die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ur&longs;ache</HI> der Schwere, des Zu&longs;ammenhangs, der Anhängung, der chemi&longs;chen Verwandt&longs;chaften, Auflö&longs;ungen und Nieder&longs;chläge, der Beugung, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, der im Laufe der Himmelskörper fichtbaren Centripetalkräfte und überhaupt fa&longs;t aller Er&longs;cheinungen der Körperwelt &longs;eyn. Welchen &longs;tarken Einwürfen man &longs;ich durch die&longs;e Behauptung einer vermeinten phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache aus&longs;etzt, will ich bey dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation,</HI> um&longs;tändlicher zeigen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Begrif der Attraction, als einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft oder eines innern Vermögens der Materie, &longs;cheint mir nicht viel be&longs;&longs;er, als die Sympathien, Antipathien und verborgnen Qualitäten der Peripatetiker, und &longs;ollte aus einer ge&longs;unden Phy&longs;ik gänzlich entfernt bleiben; da hingegen die Attraction als Phänomen betrachtet, wenn man &longs;ich nicht anmaaßet, die Ur&longs;ache davon anzugeben, durch klare und unläugbare Erfahrungen be&longs;tätiget i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Erfahrungen durch den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stoß</HI> einer Materie zu erklären, hat &longs;ehr große Schwierigkeiten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carte&longs;ens, Huygens, Joh. Bernoullis, Bilfingers</HI> u. a. Erklärungen haben im Allgemeinen das wider &longs;ich, daß die<PB ID="P.1.170" N="170" TEIFORM="pb"/> Erfahrungen bey bewegten Körpern eben &longs;o, wie bey ruhenden, erfolgen, und daß bey der Schwere insbe&longs;ondere die Größe der Wirkung &longs;ich wie die Ma&longs;&longs;e, und nicht, wie die Oberfläche verhält. Und überhaupt wird ein &longs;olcher Stoß auch nur auf Gerathewohl angenommen, ohne einige Erfahrung, die uns von &longs;einer Wirklichkeit belehrte. Da wir nun in der Phy&longs;ik, &longs;obald uns Erfahrung und Induction verla&longs;&longs;en, nichts mehr wi&longs;&longs;en, warum wollen wir uns &longs;chämen, die&longs;e Unwi&longs;&longs;enheit zu ge&longs;tehen, warum wollen wir uns entweder mit leeren Worten täu&longs;chen, die nichts erklären, oder mit Erklärungen behelfen, die aus der Luft gegri&longs;fen, und durch keine Erfahrung unter&longs;tützt &longs;ind? Solchen chimäri&longs;chen Theorien hat die Welt noch bis heut nicht eine einzige nützliche Wahrheit zu verdanken. Ich bin nicht abgeneigt, mit Hrn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (a. a. O.) zu glauben, daß das Phänomen der Attraction noch allzuzu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, als daß man es in die Cla&longs;&longs;e der ganz einfachen Phänomene, der Ausdehnung, Undurchdringlichkeit u. &longs;. w. &longs;etzen, und alle Bemühungen, es zu erklären, aufgeben &longs;ollte. Allein Bemühungen, es zu erklären, &longs;ind wohl etwas auders, als der eitle Wahn, es ohne Beyhülfe der Erfahrung erklärt zu haben. Auch werden &longs;olche Bemühungen allem Vermuthen nach nie anders, als auf dem Wege der Experimentalunter&longs;uchung gelingen. Aber von Kräften oder Mechanismen reden, die &longs;ich durch nichts un&longs;ern Sinnen dar&longs;tellen, die&longs;e nach Ge&longs;etzen wirken la&longs;&longs;en, von denen man auch keine Erfahrung hat, &longs;ondern die man nur &longs;o annimmt, wie man &longs;ie nöthig hat, das hei&longs;t, nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Ausdruck (Prüfung eines von Hrn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Sage</HI> angegebnen Gefetzes fallender Körper im deut&longs;chen Mu&longs;eum, Jun. 1776. und in der deut&longs;chen Ueber&longs;. des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Lüc</HI> über die Atmo&longs;phäre, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. S. 660.) nicht erklären, &longs;ondern erdichten. Da die Ur&longs;ache der Attraction kein Gegen&longs;tand un&longs;erer Sinne mehr zu &longs;eyn &longs;cheint, &longs;o &longs;teht es dahin, ob wir je in der gegenwärtigen Welt zu einer zuverläßigen Kenntniß der&longs;elben gelangen werden; wenig&longs;tens mü&longs;&longs;en wir vorjetzt un&longs;ere gänzliche Unwi&longs;&longs;enheit hierüber aufrichtig ge&longs;tehen.<PB ID="P.1.171" N="171" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> ohne &longs;ich bey den Ur&longs;achen des Phänomens aufzuhalten, bemühte &longs;ich vielmehr, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;etze</HI> de&longs;&longs;elben zu be&longs;timmen. Dies gelang ihm zwar nur für diejenigen Fälle, in welchen die Attraction in beträchtlichen Entfernungen wirkt, aber es i&longs;t unbe&longs;chreiblich, welch eine reichhaltige Quelle von den wichtig&longs;ten Folgen die&longs;e Entdeckung unter &longs;einen und &longs;einer Nachfolger Händen geworden i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Das Phänomen der Attraction zeigt &longs;ich entweder an Körpern, welche in beträchtlichen oder merklichen Entfernungen von einander ab&longs;tehen, und hei&longs;t dann <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation, allgemeine Schwere</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gravitation</HI>); oder an Körpern, welche &longs;ich berühren, deren Entfernungen unmerklich &longs;ind, und führt dann bey Theilen eines und ebende&longs;&longs;elben Körpers den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cohä&longs;ion,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammenhangs</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Cohä&longs;ion</HI>), und wenn es zwi&longs;chen Theilen eines flüßigen und einem fe&longs;ten Körper &longs;tatt findet, den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adhä&longs;ion,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anhängens</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Adhä&longs;ion</HI>). Wenn man auch &longs;chon nicht alle einzelne Unterabtheilungen die&longs;es Falles aufzählen und mit be&longs;ondern Namen belegen kan, &longs;o gehören doch dahin auch die chemi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verwandt&longs;chaften,</HI> auf welche &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auflö&longs;ungen, Nieder&longs;chläge, Kry&longs;talli&longs;ationen, Gährungen, Gerinnungen,</HI> und andere chemi&longs;che Proce&longs;&longs;e gründen. Sie &longs;ind be&longs;ondere Attractionen gewi&longs;&longs;er Stoffe, werden auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wahlanziehungen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">attractiones electivae</HI>)</HI> genannt. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">magneti&longs;che</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">elektri&longs;che Anziehung,</HI> welche &longs;chon in merklichen Entfernungen wirken, aber doch von der Gravitation &longs;ehr ver&longs;chieden &longs;ind, erklärt man gemeiniglich durch den Stoß be&longs;onderer flüßiger Materien, über deren Da&longs;eyn man Erfahrungen zu haben glaubt.</P><P TEIFORM="p">Unter allen die&longs;en be&longs;ondern Arten der Attraction i&longs;t die Gravitation die einzige, deren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;etze</HI> genau entdeckt und bewie&longs;en &longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> hat die&longs;elben aus den auf Erfahrung und Beobachtung gegründeten Entdeckungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> entwickelt. Die Stärke der Gravitation verhält &longs;ich direkt, wie die Ma&longs;&longs;e des anziehenden<PB ID="P.1.172" N="172" TEIFORM="pb"/> Körpers, und umgekehrt, wie die Quadratzahl &longs;einer Entfernung von dem angezognen. Dies i&longs;t das Ge&longs;etz, nach welchem die Körper gegen die Erde, die Erde &longs;elb&longs;t und alle Planeten in ihren Bahnen um die Sonne, und die Monden um ihre Hauptkörper getrieben werden, nach welchem die Himmelskörper &longs;ämtlich in einander wirken, und aus welchem die Kepleri&longs;chen, blos aus Tychons Beobachtungen gezognen, Regeln, nothwendige Folgen &longs;ind. So wenig die Wahrheit die&longs;es Ge&longs;etzes für die Gravitation in Zweifel gezogen werden kan, &longs;o i&longs;t man doch keinesweges dadurch berechtiget, es für das allgemeine Ge&longs;etz aller Attractionen anzunehmen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Princip. L. I. Sect. 13. Prop 85.)</HI> bewei&longs;et, daß die Anziehung, wenn &longs;ie bey der Berührung viel &longs;tärker, als in einer geringen Entfernung i&longs;t, in umgekehrter Verhältniß einer höhern Potenz als des Quadrats der Entfernung abnehmen mü&longs;&longs;e. Nun i&longs;t es aber allen Erfahrungen gemäß, daß eine im Berührungspunkte &longs;ehr &longs;tarke Anziehung, in einer &longs;ehr geringen Entfernung von die&longs;em Punkte fa&longs;t unmerklich wird. Es i&longs;t al&longs;o ziemlich ent&longs;chieden, daß die Anziehung bey der Berührung im umgekehrten Verhältni&longs;&longs;e einer höhern als der zweyten Potenz der Entfernung abnehmen, und al&longs;o andern Ge&longs;etzen, als die Gravitation, folgen mü&longs;&longs;e. Aber die&longs;e Ge&longs;etze &longs;ind noch unentdeckt, und bey weitem nicht &longs;o leicht zu erfor&longs;chen, als es das Ge&longs;etz der Schwere war. Die in der Berührung auf einander wirkenden Stoffe befinden &longs;ich in einem ganz andern und weit verwickeltern Falle, als die &longs;o weit von einander entfernten und &longs;o regelmäßig geformten Himmelskörper, deren ganze Ma&longs;&longs;e man in einen Punkt ver&longs;ammlet annehmen kan, und bey denen die Wirkung der Anziehung &longs;o einfach und von andern Einwirkungen fa&longs;t gänzlich frey bleibt. Bey den Berührungen vervielfältiget &longs;ich die Menge der wirkenden Theilchen und der Berührungspunkte, in jedem Augenblicke verändert &longs;ich die Lage der Theile gegen einander, und jeder der&longs;elben &longs;tört und verändert die Wirkung der andern. Wer den Ausgang aus die&longs;em Labyrinthe fände, und die Ver&longs;uche und Beobachtungen<PB ID="P.1.173" N="173" TEIFORM="pb"/> der Chymiker auf allgemeine Regeln und ein einfaches Ge&longs;etz bringen könnte, der würde weit mehr, als Kepler und Newton, gelei&longs;tet haben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t &longs;cheint geneigt, die Gravitation von der Anziehung beym Berühren ganz zu unter&longs;cheiden. Nach die&longs;en Grund&longs;ätzen, &longs;agt er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Traité d' optique, Am&longs;terd. 1720. p. 373.),</HI> wird man die Natur durchgängig mit &longs;ich überein&longs;timmend und &longs;ehr einfach in ihren Wirkungen finden; &longs;ie bewirkt alle große Bewegungen der Himmelskörper durch die Attraction der Schwere, welche auf die ganzen Körper wirkt, und fa&longs;t alle kleine Bewegungen ihrer Theile durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eine andere</HI> anziehende Kraft, welche durch die Theile verbreitet i&longs;t. In der That muß &longs;chon der Um&longs;tand, daß die Gravitation &longs;ich blos nach der Quantität der Ma&longs;&longs;e, die Verwandt&longs;chaft aber nach der Qualität ihrer Theile richtet, auf den Gedanken einer Ver&longs;chiedenheit beyder Phänomene leiten, die aber vielleicht auch ihren Grund blos in der Form und Dichtigkeit der klein&longs;ten Theile haben kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keill,</HI> ein Schüler Newtons <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introductio ad veram phy&longs;icam, Oxon. 1700. 8.),</HI> hat für die Anziehung beym Berühren und in geringen Entfernungen einige Regeln anzugeben, und daraus Cohä&longs;ion, Flüßigkeit, Ela&longs;ticität, Aufbrau&longs;en, Nieder&longs;chlag u. dgl. zu erklären ver&longs;ucht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Freind</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Praelectiones chymicae, Oxon. 1704. 4.)</HI> hat eben die&longs;e Grund&longs;ätze noch um&longs;tändlicher auf die chemi&longs;chen Er&longs;cheinungen und Operationen angewendet. Den mei&longs;ten die&longs;er Erklärungen aber fehlt allerdings die Deutlichkeit und befriedigende Voll&longs;tändigkeit, welche Kenner der Chemie, zumal bey dem jetzigen &longs;ehr verbe&longs;&longs;erten Zu&longs;tande die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, fordern würden.</P><P TEIFORM="p">Geometri&longs;che Unter&longs;uchungen über das ur&longs;prüngliche oder allgemeine Ge&longs;etz der Attraction hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Maupertuis</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sur l'attraction Neutonienne, Mém. de l'ac. roy. des Sc. de Paris. 1732.)</HI> ange&longs;tellt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hollmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Succincta attractionis hi&longs;toria in Comm. &longs;oc. reg. Gotting. To. IV.)</HI> erzählt die Ge&longs;chichte der Anziehung. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad Philo&longs;. nat. Cap. 20. de corporum<PB ID="P.1.174" N="174" TEIFORM="pb"/> attractionibus)</HI> hat die vornehm&longs;ten Phänomene der Attraction fe&longs;ter und flüßiger Körper ge&longs;ammlet, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettre à une prince&longs;&longs;e d' Allemagne, lettr. 68. &longs;q.)</HI> be&longs;treitet den Begrif, den &longs;ich einige von Attraction, als von einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft der Materie, gemacht haben. Ich verwei&longs;e übrigens wegen ver&longs;chiedener hiemit noch zu&longs;ammenhängenden Bemerkungen auf die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cohä&longs;ion, Gravitation.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufbrau&longs;en" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufbrau&longs;en, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ef&longs;erve&longs;centia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Efferve&longs;cence</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine im Augenblicke der Verbindung gewi&longs;&longs;er Sub&longs;tanzen ent&longs;tehende heftige und mit Bla&longs;enwerfen verbundene Bewegung.</P><P TEIFORM="p">Das Aufbrau&longs;en ent&longs;teht allezeit durch die Entbindung eines Gas, welches mit dem neuent&longs;tandnen Gemi&longs;ch nicht verbunden bleiben kan, und das &longs;ich durch &longs;chickliche Vorrichtungen auf&longs;ammlen lä&longs;t. Säuren mit Kalcherden oder laugenartigen Sub&longs;tanzen, denen man ihr Gas noch nicht entzogen hat, vermi&longs;cht, brau&longs;en allezeit auf; auch ent&longs;teht die&longs;e Wirkung bey Auflö&longs;ungen der Metalle durch Säuren, und beym Schmelzen der Alkalien mit Sand oder Erde.</P><P TEIFORM="p">Da bey der Gährung allezeit eine innerliche bla&longs;enwerfende Bewegung vorgeht, &longs;o brauchte man &longs;on&longs;t die Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gährung</HI> ohne Unter&longs;chied; neuere Chymi&longs;ten unter&longs;cheiden einfache Auflö&longs;ungen &longs;owohl als Gährung von dem Aufbrau&longs;en, und &longs;ehen das letztere mit Recht als einen jene Verbindungsarten begleitenden Um&longs;tand an.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. Wörterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufgang der Ge&longs;tirne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufgang der Ge&longs;tirne, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ortus &longs;iderum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Lever des A&longs;tres</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Hervorkommen der Ge&longs;tirne über den Horizont des Beobachters. Man kan die Stunde des Aufgangs eines jeden Ge&longs;tirns für jeden Beobachtungsort auf eine mechani&longs;che Art durch die kün&longs;tliche Himmelskugel finden, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche.</HI> Genauer wird &longs;ie aus der halben Dauer der Sichtbarkeit, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;io-</HI><PB ID="P.1.175" N="175" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">naldifferenz, Tagbogen,</HI> und der Zeit der Culmination, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Culmination,</HI> berechnet. Es i&longs;t alsdann <HI REND="math" TEIFORM="hi">Zeit der Culm.—1/2 Dauer der Sichtb.=Stunde des Aufgangs.</HI> So findet &longs;ich für die Fix&longs;terne die Stunde des Aufgangs in Sternzeit, welche man nach den Anwei&longs;ungen in dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenzeit,</HI> in Sonnenzeit verwandlen kan. Für die Planeten i&longs;t noch eine Berichtigung, wegen ihrer eignen Bewegung vom näch&longs;tvorhergehenden Mittage an bis zur Stunde des Aufgangs, nöthig; &longs;ie i&longs;t aber nicht beträchtlich, außer beym Monde, für welchen man die ganze Rechnung noch einmal wiederholen, und dabey die Data &longs;o annehmen muß, wie &longs;ie für die durch die er&longs;te Rechnung gefundene Stunde des Aufgangs gelten.</P><P TEIFORM="p">Für die Sonne i&longs;t die Stunde des Aufgangs der halben Nachtlänge gleich, auch die Verwandlung der Zeit unnöthig, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI></P><P TEIFORM="p">Da die Stralenbrechung im Horizonte alle Ge&longs;tirne etwa um 32 1/2 Min. erhebt, &longs;o gehen &longs;ie alle etwas früher auf, als die Rechnung angiebt: wie man bey der Rechnung &longs;elb&longs;t hierauf Rück&longs;icht zu nehmen habe, werde ich bey dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagbogen,</HI> angeben.</P><P TEIFORM="p">Unter dem Aequator der Erde gehen alle Ge&longs;tirne und zwar &longs;enkrecht, unter den Polen der Erde gehen gar keine, in den zwi&longs;chenliegenden Orten der Erde nur diejenigen auf, deren nördliche oder &longs;üdliche Abweichung kleiner als die Aequatorhöhe des Orts i&longs;t. Daher geht uns die Sonne täglich auf, weil ihre Abweichung nie über 23 1/2 Grad &longs;teigen kan, und al&longs;o jederzeit kleiner, als un&longs;ere Aequatorhöhe (38 2/3°) bleiben muß.</P></DIV2><DIV2 N="Aufgang der Ge&longs;tirne nach dem Sinne der alten Dichter" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufgang der Ge&longs;tirne nach dem Sinne der alten Dichter, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ortus &longs;iderum poëticus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Lever des a&longs;tres. &longs;elon les anciens</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Da der Horizont der merklich&longs;te Kreis am Himmel i&longs;t, &longs;o fieng man &longs;chon im höch&longs;ten Alterthum an, den Aufgang der Ge&longs;tirne mit dem Auf- oder Untergange der Sonne zu vergleichen, und daraus Eintheilungen und Kennzeichen der Zeit herzunehmen. Die&longs;e waren &longs;icherer, als die Be&longs;timmungen nach den damaligen<PB ID="P.1.176" N="176" TEIFORM="pb"/> höch&longs;t mangelhaften Kalendern. Die Vor&longs;chrift z. B. eine Feldarbeit am er&longs;ten Tage des Jahres vorzunchmen, war vergeblich; denn der Anfang des bürgerlichen Jahres rückte nach und nach durch alle Jahrszeiten durch: hingegen die Regel, &longs;ie an dem Tage zu verrichten, an welchem der Hunds&longs;tern mit Sonnenuntergang aufgeht, war &longs;icher, weil &longs;ie auf eine be&longs;timmte Stellung der Sonne, mithin immer auf eben die&longs;elbe Jahrszeit, hinwieß. Die&longs;e uralte Art, gewi&longs;&longs;e Tage zu bezeichnen, kömmt noch in einigen Schriften der Alten vor, be&longs;onders bey den Schrift&longs;tellern über den Feldbau, und bey den Dichtern, welche die dabey nöthigen Erwähnungen der Sternbilder als Veranla&longs;&longs;ungen zu Digre&longs;&longs;ionen und dichteri&longs;chen Aus&longs;chmückungen nützten. Sie nahmen die Sachen &longs;elb&longs;t großentheils aus ältern Schrift&longs;tellern anderer Länder, ohne eigne Kenntni&longs;&longs;e davon zu haben, daher das, was z. B. Ovid in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Fa&longs;tis</HI> vorbringt, weder auf &longs;eine Zeit und auf die Lage von Rom pa&longs;&longs;end, noch auch unter &longs;ich &longs;elb&longs;t überein&longs;timmend i&longs;t (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Kä&longs;tner,</HI> a&longs;tronomi&longs;ches Mancherley in Vollborths philolog. Bibl. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Band.). Man findet auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Schriften der Alten keine &longs;onderlichen Belehrungen hierüber; das mei&longs;te Licht geben noch die Elemente des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Geminus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Gemini I&longs;agoge in Phaenomena &longs;. Elementa a&longs;tron. in Petavii Vranologio Pari&longs;. 1600. fol.)</HI></P><P TEIFORM="p">Die Neuern haben gefunden, daß man im Alterthum unter dem Worte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang,</HI> haupt&longs;ächlich dreyerley ver&longs;tanden habe, das Hervortreten eines Sterns aus den Sonnen&longs;tralen, &longs;einen Aufgang bey Aufgang der Sonne, und &longs;einen Aufgang bey Untergang der Sonne. Die&longs;en drey Arten des poeti&longs;chen Aufgangs haben &longs;ie die Namen: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus heliacus, co&longs;micus</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">acronychos,</HI> beygelegt.</P><P TEIFORM="p">Das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus heliacus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever heliaque,</HI></HI> ereignet &longs;ich an dem Tage, an welchem der Stern, der bisher nahe bey der Sonne ge&longs;tanden hat, und durch ihren Glanz un&longs;ern Augen entzogen gewe&longs;en i&longs;t, &longs;ich zum er&longs;tenmale wieder zeigt, und in der Morgendämmerung auf eine kurze Zeit &longs;ichtbar wird.<PB ID="P.1.177" N="177" TEIFORM="pb"/> An die&longs;em Tage, &longs;agt man, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gehe er</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">heliace</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">auf.</HI> Die&longs;er Aufgang i&longs;t &longs;eit den älte&longs;ten Zeiten ein Gegen&longs;tand der Aufmerk&longs;amkeit der Egyptier gewe&longs;en. Die Ueber&longs;chwemmung ihres Landes durch den Nil erfolgte jährlich zu eben der Zeit, da der Hunds&longs;tern aus den Sonnen&longs;tralen hervortrat; die&longs;es Hervortreten aber ge&longs;chahe bey ihrem Jahre von 365 Tagen aller 4 Jahre um einen Tag &longs;päter, und rückte daher in 4 X 365 1/4 oder in 1461 juliani&longs;chen Jahren durch alle Jahrszeiten hindurch; dies hat bey ihnen den bekannten Hunds&longs;terncyclus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(periodum canicularem &longs;. Sothiacam)</HI> veranla&longs;&longs;et, de&longs;&longs;en Anfang in das 1321&longs;te Jahr vor der chri&longs;tlichen Zeitrechnung fällt.</P><P TEIFORM="p">Da Sterne er&longs;ter Größe &longs;ichtbar werden, wenn bey ihrem Aufgange die Sonne nur wenig&longs;tens 10 Grad tief unter dem Horizonte i&longs;t, &longs;o findet man ihr Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen, wenn man den Stern unter den Morgenhorizont der kün&longs;tlichen Himmelskugel führt, und den Grad der Ekliptik bemerkt, der alsdann 10° tief unter dem Morgenhorizonte liegt. Der Tag des Jahres, an welchem die Sonne die&longs;en Grad der Ekliptik erreicht, i&longs;t der Tag des Hervortretens oder der Wiederer&longs;cheinung des Sterns. So findet man, daß heut zu Tag der Hunds&longs;tern für die Polhöhe von Leipzig etwa den 23 Augu&longs;t aus den Sonnen&longs;tralen hervortritt. Für ältere Zeiten wäre freylich eine andere Einrichtung der Himmelskugel nöthig, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Himmelskugel, kün&longs;tliche.</HI> In Ermanglung &longs;olcher Einrichtungen muß man &longs;ich für die Zeiten des Alterthums an die Berechnung halten, welche z. B. für das Jahr 138 n. C. G. in welchem nach dem Cen&longs;orinus ein neuer Hunds&longs;terncyclus anfieng, und die Polhöhe von Heliopolis, die Wiederer&longs;cheinung des Sirius auf den 20 Jul. giebt.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang eines Sterns mit Aufgang der Sonne,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus co&longs;micus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever co&longs;mique,</HI></HI> fällt für Sterne, welche nahe bey der Ekliptik &longs;tehen, gewöhnlich 12 bis 15 Tage früher, als das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen. Man findet den Tag de&longs;&longs;elben, wenn man auf der kün&longs;tlichen Himmelskugel den Grad der Ekliptik &longs;ucht,<PB ID="P.1.178" N="178" TEIFORM="pb"/> welcher mit den Sternen zugleich in den Morgenhorizont kömmt. Der Tag, an welchem die Sonne die&longs;en Grad erreicht, i&longs;t der Tag des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kosmi&longs;chen</HI> Aufgangs für den Stern. Für Leipzig geht jezt der Hunds&longs;tern den 8 Augu&longs;t kosmi&longs;ch oder mit der Sonne auf.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang mit Untergang der Sonne,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus acronyctos, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever acronyche,</HI></HI> wird gefunden, wenn man den Grad der Ekliptik &longs;ucht, der im Abendhorizonte &longs;teht, wenn der Stern im Morgenhorizonte i&longs;t. Die&longs;er Grad i&longs;t dem, welcher dem kosmi&longs;chen Aufgange zugehört, gerade entgegenge&longs;etzt, und es &longs;ind daher die Tage des kosmi&longs;chen und akronykti&longs;chen Aufgangs ohngefähr um ein halbes Jahr aus einander. So geht bey uns der Hunds&longs;tern um den 8 Febr. akronykti&longs;ch oder mit Sonnenuntergang auf.</P><P TEIFORM="p">Zur Erklärung der Alten muß man hiebey auf die Polhöhen ihrer Beobachtungsorte und auf die damaligen Stellungen der Fix&longs;terne, welche von den heutigen ver&longs;chieden &longs;ind, Rück&longs;icht nehmen. Wie man dies für einzelne Sterne bewerk&longs;telligen könne, hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheibel</HI> (Unterricht vom Gebrauch der Himmels- und Erdkugel. Bresl. 1779. 8. §. 216.) gelehrt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronom. Handb. §. 205. u. f. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kä&longs;tners</HI> Anfangsgr. der angew. Math. Zweyte Abth. A&longs;tr. §. 127.</P></DIV2><DIV2 N="Auflö&longs;ung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auflö&longs;ung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Solutio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;&longs;olution</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen führt die Verbindung der Grund&longs;toffe zweener Körper von ver&longs;chiedener Natur, aus welcher eine Trennung der vorigen Verbindung ihrer Theile, und eine neue Verbindung der&longs;elben, mithin ein neuer anders, als beyde vorige, zu&longs;ammenge&longs;etzter Körper ent&longs;teht. So wird z. B. ein Stück Silber im Scheidewa&longs;&longs;er aufgelö&longs;et, d. h. die Salpeter&longs;äure trennt den Zu&longs;ammenhang der Be&longs;tandtheile des Silbers, und verbindet &longs;ich mit dem darinn enthaltenen Brennbaren; der erdigte Theil des Silbers hingegen verbindet &longs;ich, wie es &longs;cheint, mit dem in der Salpeter&longs;äure enthaltnen luftartigen Stoffe; aus allem zu&longs;ammen ent&longs;teht ein neuer flüßiger Körper, die Silberauflö&longs;ung, in<PB ID="P.1.179" N="179" TEIFORM="pb"/> welchem die Theile ganz anders verbunden &longs;ind, als &longs;ie es vorher im Silber und Scheidewa&longs;&longs;er, jedem be&longs;onders genommen, waren.</P><P TEIFORM="p">Da hiebey der vorige Zu&longs;ammenhang der Theile getrennt werden, und al&longs;o ein Körper in die Zwi&longs;chenräume des andern eindringen muß, welches einen flüßigen Zu&longs;tand des eindringenden Körpers voraus&longs;etzt, &longs;o muß bey jeder Auflö&longs;ung wenig&longs;tens der eine Körper flüßig &longs;eyn. Daher der chymi&longs;che Grund&longs;atz: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Corpora non agunt, ni&longs;i fluida.</HI></P><P TEIFORM="p">Man nennt insgemein den flüßigen Körper das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auflö&longs;ungsmittel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(men&longs;truum).</HI> Dies kan zugela&longs;&longs;en werden; nur mu&longs;, man nicht den fal&longs;chen Begrif damit verbinden, als ob das Auflö&longs;ungsmittel allein &longs;ich thätig, und der fe&longs;te Körper nur leidend verhielte. Sie wirken beyde in einander. Bisweilen &longs;ind beydes flüßige Körper, und dann i&longs;t es gar nicht mehr &longs;chicklich, den einen als Auflö&longs;ungsmittel, den andern als aufgelö&longs;t werdenden, zu betrachten. Wenn hingegen der eine fe&longs;t i&longs;t, &longs;o muß der flüßige den &longs;tärkern Zu&longs;ammenhang &longs;einer Theile trennen, und in die&longs;er Rück&longs;icht etwas mehr thun, als jener. Hier i&longs;t es &longs;ehr &longs;chicklich, den flüßigen das Auflö&longs;ungsmittel zu nennen; man muß nur nicht verge&longs;&longs;en, daß der fe&longs;te Körper ebenfalls wirkt, und das Men&longs;truum auflö&longs;et.</P><P TEIFORM="p">Auflö&longs;ungen ge&longs;chehen entweder auf dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">na&longs;&longs;en Wege,</HI> d. i. durch Auflö&longs;ungsmittel, die im gewöhnlichen Zu&longs;tande flüßig &longs;ind; oder auf dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">trocknen Wege,</HI> d. i. durch Schmelzung, wo einer oder beyde Körper er&longs;t durchs Feuer flüßig gemacht werden.</P><P TEIFORM="p">Wenn alle und jede Grund&longs;toffe beyder Körper mit einander vereiniget werden, &longs;o i&longs;t die Auflö&longs;ung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen.</HI> Aus dergleichen vollkommnen Auflö&longs;ungen ent&longs;tehen durch&longs;ichtige Körper, z. B. das Glas aus einer vollkommnen Auflö&longs;ung der Erden durch Alkalien auf dem trocknen Wege.</P><P TEIFORM="p">Alle Auflö&longs;ungen &longs;ind Wirkungen der Anziehung zwi&longs;chen den Theilen der Körper, Wirkungen der Attraction bey der Berührung, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Attraction.</HI> Wenn Auflö&longs;ung<PB ID="P.1.180" N="180" TEIFORM="pb"/> erfolgen &longs;oll, &longs;o muß die Anziehung zwi&longs;chen den Theilen ver&longs;chiedener Körper &longs;tärker &longs;eyn, als der Zu&longs;ammenhang der Theile jedes Körpers, einzeln genommen, i&longs;t. Wenn die Anziehung den Zu&longs;ammenhang der Theile nur im flüßigen, nicht aber im fe&longs;ten Körper, zu trennen vermögend i&longs;t, &longs;o erfolgt nur Adhä&longs;ion, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Adhä&longs;ion.</HI> Die Anziehung zwi&longs;chen Glas und Wa&longs;&longs;er vermag nur den Zu&longs;ammenhang der Wa&longs;&longs;ertheile, nicht den der Glastheile zu trennen; daher hängt Wa&longs;&longs;er dem Gla&longs;e an, kan es aber nicht auflö&longs;en. So erfolgen Anhängen und Auflö&longs;ung aus einerley Grunde. Auch lö&longs;en &longs;ich nie Körper auf, die nicht an einander anhängen.</P><P TEIFORM="p">Hieraus lä&longs;t &longs;ich leicht das Eindringen des flüßigen Körpers in des fe&longs;ten innere Theile bey den Auflö&longs;ungen erklären. Des fe&longs;ten Zwi&longs;chenräume &longs;ind eben &longs;o viele Haarröhren, in welche der flüßige vermöge des Anhängens eindringt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Haarröhren.</HI> Die&longs;e Erklärung der Newtonianer i&longs;t wenig&longs;tens wahr&longs;cheinlicher, als die von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI> welcher hier &longs;eine &longs;ubtile Materie wirken, und die &longs;pitzigen Keile der Auflö&longs;ungsmittel in die aufzulö&longs;enden Körper hineintreiben ließ.</P><P TEIFORM="p">Man könnte die Auflö&longs;ungen in &longs;olche theilen, wobey blos der Zu&longs;ammenhang der aggregirten Theile getrennt wird (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;uperficielle Auflö&longs;ung,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Solution</HI>),</HI> und in &longs;olche, wobey dem einen oder beyden Körpern gewi&longs;&longs;e Theile entzogen, und mit Theilen des andern Körpers inniger verbunden werden (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;entliche Auflö&longs;ung,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;olution</HI>).</HI> Eine &longs;uperficielle Auflö&longs;ung giebt Salz im Wa&longs;&longs;er, eine we&longs;entliche Metall im Scheidewa&longs;&longs;er aufgelößt. Im er&longs;ten Falle erhält man durch Ab&longs;cheidung des unveränderten Auflö&longs;ungsmittels den vorigen Körper wieder, im zweyten Falle &longs;ind bey veran&longs;talteter Ab&longs;onderung beyde Körper verändert. Da inzwi&longs;chen beyde Arten aus einerley Grunde erfolgen, &longs;o hält <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> für unnöthig, &longs;ie zu unter&longs;cheiden.</P><P TEIFORM="p">Daß oft ganz leichte Flüßigkeiten &longs;chwere fe&longs;te Körper in &longs;ich aufgelößt halten, i&longs;t leicht begreiflich, da die Trennung der vorigen Theile auch die vorige &longs;pecifi&longs;che<PB ID="P.1.181" N="181" TEIFORM="pb"/> Schwere ändert, und der neue Zu&longs;ammenhang weit &longs;tärker, als die Schwere wirkt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. Wörterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auflö&longs;ung,</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhardi</HI> Anm.</P></DIV2><DIV2 N="Auflö&longs;ungsmittel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auflö&longs;ungsmittel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Men&longs;trua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Men&longs;trues</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;&longs;en diejenigen Körper, welche andere aufzulö&longs;en ge&longs;chickt &longs;ind, vornehmlich die flüßigen, welche man zu Auflö&longs;ung der fe&longs;ten gebraucht. Daß eigentlich bey jeder Auflö&longs;ung beyde Körper in einander wirken, al&longs;o der aufgelö&longs;te Körper allezeit auch das Men&longs;truum auflö&longs;e, i&longs;t &longs;chon bey dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auflö&longs;ung</HI> bemerkt worden.</P><P TEIFORM="p">Der Name Men&longs;truum kömmt von dem Wahn der Alchymi&longs;ten her, daß eine vollkommne Auflö&longs;ung einen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">philo&longs;ophi&longs;chen Monat,</HI> oder vierzig Tage Zeit erfordere.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigender Knoten, &longs;. Knoten.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigende Zeichen, &longs;. Zeichen.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Auf&longs;teigung, gerade, Recta&longs;cen&longs;ion" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auf&longs;teigung, gerade, Recta&longs;cen&longs;ion, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;io recta</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;ion droite</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Hierunter wird (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5.) der Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> ver&longs;tanden, welcher zwi&longs;chen dem Frühlingspunkte <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> und dem Abweichungskrei&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI> eines Ge&longs;tirns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> enthalten i&longs;t. Der letzte Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> die&longs;es Bogens geht unter dem Aequator der Erde, wo die Sterne unter rechten Winkeln aufgehen, mit dem Sterne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich auf, d. h. er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;teigt</HI> mit ihm <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gerade auf,</HI> daher der Bogen, den er begrenzt, den Namen der geraden Auf&longs;teigung erhalten hat.</P><P TEIFORM="p">Die Grade des Aequators werden vom Frühlingspunkte aus von Abend gegen Morgen, oder von der Rechten zur Linken in einem fort gezählt, daher ein Ge&longs;tirn nahe an 360° Recta&longs;cen&longs;ion haben kan.</P><P TEIFORM="p">Wenn die gerade Auf&longs;teigung oder Recta&longs;cen&longs;ion eines Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D,</HI> und &longs;eine Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung,</HI> bekannt i&longs;t, &longs;o wird dadurch die Stelle, die er am Himmel einnimmt, be&longs;timmt, und von den Stellen aller übrigen Ge&longs;tirne unter&longs;chieden; denn es i&longs;t kein Punkt weiter am Himmel, dem eben die&longs;e Recta&longs;cen&longs;ion und Abweichung<PB ID="P.1.182" N="182" TEIFORM="pb"/> zukäme. Daher i&longs;t es für die Sternkunde &longs;ehr wichtig, die Recta&longs;cen&longs;ionen der Ge&longs;tirne durch Beobachtungen zu finden.</P><P TEIFORM="p">Die Recta&longs;cen&longs;ion der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonne</HI> wird, wenn man ihre Abweichung durch Beobachtung gefunden hat, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung,</HI> leicht berechnet. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 27. &longs;ey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> der Aequator, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EL</HI> die Ekliptik oder Sonnenbahn, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> der Ort der Sonne, deren Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD,</HI> die Recta&longs;cen&longs;ion <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> i&longs;t. Der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> i&longs;t die Schiefe der Ekliptik =23° 28′ 8″. Die Auflö&longs;ung des Kugeldreyecks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> giebt al&longs;o die Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Recta&longs;c. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(tang.</HI> Abw./<HI REND="roman" TEIFORM="hi">tang.</HI> Schiefe d. Ekl.)</HI> wo es zweydeutig bleibt, ob die Recta&longs;cen&longs;ion unter oder über 90° betrage, und &longs;üdliche oder negative Abweichungen eine Recta&longs;cen&longs;ion über 180° anzeigen, die unter oder über 270° &longs;eyn kan, daher man aus andern Um&longs;tänden wi&longs;&longs;en muß, in welchem Quadranten ihrer Bahn die Sonne &longs;tehe.</P><P TEIFORM="p">Auch aus dem Ab&longs;tande der Sonne vom Frühlingspunkte <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>, in der Ekliptik gerechnet, oder ihrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Länge</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>S</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lange der Ge&longs;tirne</HI>), giebt das Dreyeck <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> ihre Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel <HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">tang.</HI> Recta&longs;c.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=tang.</HI> LängeX<HI REND="roman" TEIFORM="hi">co&longs;.</HI> Schiefe d. Ekl.</HI> wo die Recta&longs;cen&longs;ion &longs;tets in einerley Quadranten mit der Länge fällt. Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Länge und der geraden Auf&longs;teigung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>S—<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D)</HI> hei&longs;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reduction der Ekliptik auf den Aequator.</HI> Dafür findet &longs;ich eine Tabelle in der berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> B. S. 268 u. f., wo man für jede Länge der Sonne die Reduction auf&longs;chlagen, und mit dem dabey&longs;tehenden Zeichen zur Länge &longs;etzen kan, um die Recta&longs;cen&longs;ion zu finden.</P><P TEIFORM="p">Ueberdies findet man auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Ephemeriden, namentlich in des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> Jahrbüchern, die gerade Auf&longs;teigung der Sonne für den Mittag jeden Tages angegeben.<PB ID="P.1.183" N="183" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die Recta&longs;cen&longs;ion der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sterne</HI> findet man aus der Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis. Der Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5.) i&longs;t eben derjenige, der mit dem Sterne zugleich in den Mittagskreis kömmt; die Zeit, welche zwi&longs;chen dem Durchgange der Sonne und dem des Sterns verflo&longs;&longs;en i&longs;t, in Bogen des Aequators verwandelt, &longs;. die Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequator, Sternzeit,</HI> giebt an, was für ein Bogen des Aequators &longs;ich zwi&longs;chen beyden Durchgängen durch den Mittagskreis ge&longs;choben habe, d. i. um wie viel des Sterns Recta&longs;cen&longs;ion größer &longs;ey, als die Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne am vorhergehenden Mittage. Die&longs;er Bogen, zur Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne addirt, giebt al&longs;o die des Sterns. Kömmt hiebey mehr als 360°, &longs;o muß man nur den Ueber&longs;chuß über 360° behalten; weil im Aequator nie weiter gezählt, &longs;ondern bey 360° von neuem angefangen wird. Man hatte nemlich <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>DQA<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> gefunden, da man nur <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> finden wollte.</P><P TEIFORM="p">Aus gleichen Gründen giebt die Zeit, welche zwi&longs;chen den Durchgängen zweener Sterne durch den Mittagskreis verfließt, in Bogen des Aequators verwandlet, den Unter&longs;chied zwi&longs;chen den geraden Auf&longs;teigungen beyder Sterne. I&longs;t nun die des einen bekannt, &longs;o findet man daraus die des andern, daß al&longs;o die Be&longs;timmung der Recta&longs;cen&longs;ionen der Sterne lediglich von den Beobachtungen der Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis abhängt.</P><P TEIFORM="p">Da in vier Sekunden Zeit ein Bogen von einer Minute durch den Mittagskreis gehet, &longs;o giebt ein Beobachtungsfehler von 4 Sek. eine ganze Minute Irrthum in der geraden Auf&longs;teigung. Man &longs;ieht hieraus, wie genaue Abme&longs;&longs;ungen der Zeit zu die&longs;er Be&longs;timmung der geraden Auf&longs;teigungen nöthig &longs;ind. Die Alten hatten hiezu keine Mittel; ihre Wa&longs;&longs;eruhren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(clep&longs;ydrae)</HI> reichten bey weitem nicht an eine &longs;olche Genauigkeit. Sie be&longs;timmten daher die Stellen der Sterne durch Armillen oder Ringe, welche mit Hülfe der Sonne in eine dem Aequator und der Ekliptik am Himmel ähnliche Stellung gebracht wurden, und dann vermittel&longs;t eines auf den Stern gerichteten Diopterlineals de&longs;&longs;en Lage gegen den Aequator oder die Ekliptik<PB ID="P.1.184" N="184" TEIFORM="pb"/> angaben, Durch &longs;olche Hülfsmittel &longs;uchten &longs;ie an Tagen, da Sonne und Mond zugleich &longs;ichtbar waren, zuer&longs;t den Unter&longs;chied der geraden Auf&longs;teigungen die&longs;er beyden Ge&longs;tirne, und dann nach Untergang der Sonne den Unter&longs;chied der&longs;elben für den Mond und die nun &longs;ichtbar gewordenen Sterne. Da der Mond &longs;eine Stelle &longs;ehr ge&longs;chwind ändert, und ihnen die Ungleichheiten &longs;eines Laufs nur unvollkommen bekannt waren, &longs;o kamen durch die&longs;e un&longs;ichere Methode &longs;ehr große Fehler in ihre Be&longs;timmungen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho,</HI> der noch immer Armillen für den Aequator gebrauchte, wählte &longs;tatt des Mondes die Venus, welche lang&longs;amer fortrückt, und be&longs;timmte &longs;o die Stellen von 777 Fix&longs;ternen genauer, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hipparch</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolemäus</HI> gethan hatten. Aber er&longs;t die Erfindung be&longs;&longs;erer Uhren hat die A&longs;tronomen in den Stand ge&longs;etzt, die Recta&longs;cen&longs;ionen der Sterne, und dadurch die wahren Stellen, die &longs;ie am Himmel einnehmen, richtiger anzugeben, und in die Catalogen einzutragen, von welchen wir unter dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e,</HI> reden werden.</P></DIV2><DIV2 N="Auf&longs;teigung, &longs;chiefe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auf&longs;teigung, &longs;chiefe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;io obliqua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;ion oblique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 24., welcher zwi&longs;chen dem Frühlungspunkte <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> und dem mit einem Ge&longs;tirne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich aufgehenden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> enthalten i&longs;t. Jedes Ge&longs;tirn hat unter andern Polhöhen andere &longs;chiefe Auf&longs;teigungen.</P><P TEIFORM="p">Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns hei&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz,</HI> von der ein eigner Artikel handlet. Die&longs;e i&longs;t wichtiger, als die &longs;chiefe Auf&longs;teigung &longs;elb&longs;t. Es i&longs;t aber <HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t.—A&longs;c. Diff.</HI> wo man bey negativem Werthe der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, &longs;tatt zu &longs;ubtrahiren, addiren muß.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufthaupunkt, &longs;. Thermometer.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufthauen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufthauen</HEAD><P TEIFORM="p">des Ei&longs;es, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Thauwetter.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Auge" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auge, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Oculus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Oeil</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Werkzeug des Sehens. Bey der Be&longs;chreibung die&longs;es großen Mei&longs;ter&longs;tücks<PB ID="P.1.185" N="185" TEIFORM="pb"/> der Natur &longs;chränke ich mich blos auf das men&longs;chliche Auge und die Theile des Augapfels &longs;elb&longs;t ein. Die unzählbaren Ver&longs;chiedenheiten in der Anzahl und dem Bau der Augen der Thiere und die Be&longs;chreibung der Bedeckungen und Nebentheile des Augapfels gehören mehr für die Naturge&longs;chichte und Zergliederungskun&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augapfel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bulbus oculi)</HI> liegt in der kegelförmig gebildeten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenhöle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(orbita),</HI> ragt nur wenig aus der&longs;elben hervor, und wird am vordern Theile durch die beyden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenlieder</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(palpebrae)</HI> gehalten und gegen äu&longs;&longs;ere Verletzungen und allzuheftiges Licht ge&longs;chützt. Er hat ziemlich die Ge&longs;talt einer Kugel, i&longs;t aber am vordern Theile bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 28. mehr erhaben. Er i&longs;t hart, und wegen &longs;einer runden Ge&longs;talt in dem weichen Fette, in welchem er liegt, leicht beweglich. Hinten hängt er am <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehnerven</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(nervus opticus).</HI> Der Durchme&longs;&longs;er des Augapfels beträgt bey einem erwach&longs;enen Men&longs;chen etwa 11 1/3 pari&longs;er Linien. Er wird durch &longs;echs Muskeln bewegt, deren vier gerade, zween &longs;chief wirken.</P><P TEIFORM="p">Seine Haupttheile &longs;ind drey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Häute</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunicae),</HI> die harte Augenhaut, braune Haut und Netzhaut, und drey &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuchtigkeiten</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humores),</HI> die wä&longs;&longs;erichte, glä&longs;erne und kry&longs;tallene.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">harte Augenhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;clerotica, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">cornée opaque</HI>)</HI> i&longs;t eine &longs;tarke, dicke, ela&longs;ti&longs;che Haut, welche den äußern Um&longs;chluß des ganzen Augapfels ausmacht. Sie i&longs;t weiß und fa&longs;t ganz ohne Gefäße. Hinten beym Eintritte des Sehnerven i&longs;t &longs;ie auf eine Linie dick, gegen den vordern Theil wird &longs;ie dünner, bis in die Gegend <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA.</HI> Bis dahin i&longs;t &longs;ie auch undurch&longs;ichtig; bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA</HI> wird &longs;ie wieder &longs;tärker, erhebt &longs;ich zu einer rundern Ge&longs;talt, und wird durch&longs;ichtig. Die&longs;er durch&longs;ichtige Theil hei&longs;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hornhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Cornea, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">cornèe transparente</HI>).</HI> Der Sehnerve <HI REND="roman" TEIFORM="hi">N</HI> geht durch ein rundes Loch der harten Haut hindurch, und die&longs;e Haut hängt hier mit der aus der dicken Hirnhaut <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(dura mater)</HI> ent&longs;prungnen äußern Hülle des Sehnerven zu&longs;ammen. Die innere Lamelle der harten Haut ent&longs;pringt aus der innern Hülle des Sehnerven, welche eine Fort&longs;etzung<PB ID="P.1.186" N="186" TEIFORM="pb"/> der dünnen Hirnhaut <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pia mater)</HI> i&longs;t, und &longs;ich bis an die Hornhaut er&longs;treckt. Den vordern Theil des Augapfels, auch die Hornhaut &longs;elb&longs;t, bedeckt noch von außen die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">angewach&longs;ene Haut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunica adnata &longs;. conjunctiva),</HI> welche mit der innern Haut der Augenlieder einerley i&longs;t. Unter die&longs;e letztere &longs;etzen noch viele Zergliederer eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">weiße Haut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(albuginea),</HI> welche von den tendinö&longs;en Verlängerungen der Augenmuskeln, oder auch von einer Fort&longs;etzung ihrer Membranen herkommen, und die Weiße des Augapfels verur&longs;achen &longs;oll: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> aber läugnet &longs;ie, und &longs;chreibt die Weiße der harten Haut &longs;elb&longs;t zu.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">braune Haut, Gefäßhaut, Aderhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(chorioides, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">choroide, Uvée</HI>)</HI> liegt unter der harten Haut, i&longs;t weich, zart, und mit Gefäßen und Zellgewebe ver&longs;ehen, mit welchem &longs;ie an der harten Haut anhängt, und &longs;o vom Rande des Sehnerven bis an die Hornhaut fortläuft. Von außen i&longs;t die braune Haut mit einem dunkeln aber die Finger nicht &longs;chwärzenden Ueberzuge, auf der innern Fläche aber mit einem &longs;chwarzen Leime bekleidet. Nach Wegnehmung die&longs;es Leims findet man der braunen Haut innere Fläche rauch und za&longs;ericht. Die&longs;e Haut ent&longs;teht nicht aus der dünnen Hirnhaut, &longs;ondern hängt mit der innern Hülle des Sehnerven durch Zellgewebe zu&longs;ammen, und um&longs;chließt die kegelförmige Warze, mit welcher &longs;ich das Mark die&longs;es Nerven endigt, genau. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruy&longs;ch</HI> &longs;oll &longs;ich die braune Haut in zwo Lamellen theilen la&longs;&longs;en, deren innere nach ihm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">tunica Ruy&longs;chiana</HI> genannt worden i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus, Haller</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> aber läugnen die&longs;e Theilbarkeit der braunen Haut, und räumen &longs;ie nur in den Augen einiger Thiere ein. Am vordern Theile gegen die Hornhaut zu befindet &longs;ich an der äußern Seite der braunen Haut das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenband</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ligamentum ciliare, plexus ciliaris Lieutaudii, annulus cellulo&longs;us Zinnii),</HI> ein weißlicher Ring, ohngefähr eine Linie breit und von beträchtlicher Dicke, welcher die braune Haut mit dem um die Hornhaut herumgehenden &longs;chwarzen Ringe der harten Haut verbindet. Aus die&longs;em Stralenbande ent&longs;tehen nun die weiter einwärts gehenden und bis an den Rand der<PB ID="P.1.187" N="187" TEIFORM="pb"/> Kry&longs;tallin&longs;e reichenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenfa&longs;ern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(proce&longs;&longs;us ciliares),</HI> welche um die Kry&longs;tallin&longs;e herum einen &longs;ehr &longs;chönen ge&longs;treiften Ring, den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenkörper</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(corpus ciliare)</HI> bilden, der gegen die Schläfe zu etwa 2 Lin. breit, gegen die Na&longs;e zu &longs;chmäler i&longs;t. Am äußern Umkrei&longs;e i&longs;t die&longs;er Ring noch ganz mit dem &longs;chwarzen Leime bekleidet, der die braune Haut bedeckt; gegen die Kry&longs;tallin&longs;e zu wird er &longs;chwarz und weiß ge&longs;treift oder geflammt, weil &longs;ich der Leim zwi&longs;chen die Fa&longs;ern oder Falten legt, und die hervorragenden Theile weiß lä&longs;t. Die&longs;er von den Stralenfa&longs;ern gebildete Ring legt &longs;ich um den Rand der Kry&longs;tallin&longs;e, und fa&longs;&longs;et den&longs;elben von beyden Seiten ein. In die&longs;em <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenkörper</HI> entdeckte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> einen neuen Kanal, den der jüngere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Murray</HI> genauer unter&longs;ucht hat. Er i&longs;t drey&longs;eitig, und füllt denjenigen Raum aus, welcher zwi&longs;chen dem Stralenringe und dem Rande der harten Augenhaut, wo die Hornhaut aufliegt, befindlich i&longs;t. Es i&longs;t unterde&longs;&longs;en die&longs;er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenkanal</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Canalis ciliaris)</HI> im Kälberauge deutlicher, als in dem men&longs;chlichen. Ueber die Natur der Stralenfa&longs;ern &longs;ind die Meinungen der Zergliederer auf eine be&longs;ondere Wei&longs;e getheilt. Man hält &longs;ie bald für vaskulös, bald für muskulös, bald für nervigt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> ver&longs;ichert, &longs;elb&longs;t mit dem &longs;tärk&longs;ten Vergrößerungsgla&longs;e keine muskulö&longs;en Fa&longs;ern, &longs;ondern nur Gefäße darinn gefunden zu haben, welche unmittelbar aus den Gefäßen der braunen Haut ent&longs;prängen. Er ver&longs;ichert auch, &longs;ie ausge&longs;pritzt zu haben, und erklärt &longs;ie daher für eine Fort&longs;etzung der braunen Haut. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> hält &longs;ie für Fort&longs;ätze aus dem Stralenbande, welches nach ihm nervigt i&longs;t. Sehr viele haben &longs;ie muskulös angenommen, wohin <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI> und einige Schüler von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus</HI> zu rechnen &longs;ind. Zwi&longs;chen den Stralenfa&longs;ern und der Hornhaut liegt die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regenbogenhaut,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augen&longs;tern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Iris),</HI> deren hintere mit &longs;chwarzem Leime bekleidete Fläche oft auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Traubenhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(uvea)</HI> genennt wird. In ihrer Mitte, jedoch etwas mehr gegen die Na&longs;e zu, befindet &longs;ich ein kreisrundes Loch, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Oefnung des Augen&longs;terns,</HI> die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehe</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pupilla, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">pupille, prunelle</HI>),</HI> wodurch das Licht ins<PB ID="P.1.188" N="188" TEIFORM="pb"/> Auge fällt. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> i&longs;t die Iris eine Fort&longs;etzung der innern Lamelle der braunen Haut, nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> eine be&longs;ondere Haut, die am Stralenbande mit der harten zu&longs;ammenkömmt. Ihre vordere Seite zeigt bunte ge&longs;chlängelte Streifen, die vom Umkrei&longs;e gegen den Rand der Oefnung laufen. Die hintere Seite zeigt, vom &longs;chwarzen Leime gereiniget, gerade Streifen, die gegen die Oefnung zu dünner werden, auch länger &longs;ind, als die Streifen der Vorder&longs;eite, daher die Oefnung des Sterns hinten enger, als an der Vorder&longs;eite, i&longs;t. Gegen die Oefnung werden die Streifen dünner, und bilden ein zartes Häutchen, das die Oefnung umringt. Einige, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruy&longs;ch</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hei&longs;ter,</HI> haben auch ringförmige Fibern um den Rand der Pupille finden, und die&longs;e &longs;owohl als die geraden Streifen für muskulös erklären wollen. Sie haben hieraus die Verengerung und Erweiterung der Pupille bey &longs;tärkerm und &longs;chwächerm Lichte hergeleitet, und jene den geraden, die&longs;e den ringförmigen Fibern zuge&longs;chrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> erklärt das, was man für ringförmige Fibern ange&longs;ehen habe, für kleine Arterien; doch i&longs;t er nicht abgeneigt, eine muskulö&longs;e Structur der Iris anzuerkennen; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> hingegen &longs;pricht der Iris die Reizbarkeit gänzlich ab, und erklärt die Verengerung und Erweiterung der Pupille blos durch den &longs;chwächern oder &longs;tärkern Zufluß der Säfte in die feinen Gefäße <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(va&longs;a decolora)</HI> die&longs;er Haut.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Netzhaut, Markhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(retina, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Rétine</HI>)</HI> i&longs;t eine Verbreitung des ins Auge eingetretenen Markes des Sehnerven. Die&longs;er tritt ein wenig unter dem der Pupille gegenüber&longs;tehenden Punkte, nicht in der Mitte, &longs;ondern ziemlich weit einwärts gegen die Na&longs;e zu, ein, wird merklich dünner, und geht durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Siebplatte</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(lamina cribro&longs;a),</HI> welche in der Hölung der harten Haut liegt, und die durch ihre Löcher, deren man auf dreyßig zählt, das Mark des Nerven durchläßt. Mitten durch den Nerven und die&longs;es Häutchen läuft die Centralarterie und eine Blutader. Gleich nach dem Durchgange durch die&longs;es Häutchen endigt &longs;ich der Nerve nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Winslow</HI> und den mei&longs;ten Zergliederern in eine weiße kegelförmige Warze, von<PB ID="P.1.189" N="189" TEIFORM="pb"/> der aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> &longs;agt, er habe &longs;ie nie deutlich wahrnehmen können. Von hier aus bilden die durch die Siebplatte gegangenen Bü&longs;chel durch ihre Vereinigung eine Haut, welche &longs;ich an die braune Haut anlegt, und die ganze innere Fläche der&longs;elben bis an den Ur&longs;prung der Stralenfa&longs;ern umkleidet. Die an der braunen Haut anliegende Seite der&longs;elben i&longs;t markartig, weich und zart, die innere Seite membranö&longs;er und fe&longs;ter. Das Mark des Sehnerven i&longs;t, wie das Hirnmark, wovon es eine Fort&longs;etzung i&longs;t, grau, und, wo es &longs;ich in die Netzhaut verbreitet, &longs;ehr zart und durch&longs;ichtig; im Alter wird es undurch&longs;ichtiger, und da die Netzhaut an dem &longs;chwarzen Leime der braunen Haut anliegt, &longs;o kömmt es daher, daß der Grund des Auges bey Kindern &longs;chwarz, um das dreyßig&longs;te Jahr grau, und im Alter fa&longs;t weiß aus&longs;iehet.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humor aqueus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">humeur aqueu&longs;e</HI>)</HI> erfüllt den vordern Theil des Auges <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II,</HI> der &longs;ich von der Hornhaut bis an die Vorder&longs;eite der Kry&longs;tallin&longs;e er&longs;treckt, und von den mei&longs;ten in die vordere Kammer zwi&longs;chen der Hornhaut und Iris, und die hintere Kammer zwi&longs;chen der Iris und Kry&longs;tallin&longs;e eingetheilt wird, obgleich einige mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Winslow</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> die hintere Kammer verwerfen und die Iris an der Kry&longs;tallin&longs;e unmittelbar anliegend annehmen. Die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit treibt die Hornhaut auf, macht, daß &longs;ie &longs;ich mehr ründet, drückt auch nach einigen die Kry&longs;tallin&longs;e ein wenig von der Iris ab, wodurch eben die hintere Kammer, welche wenig&longs;tens &longs;tets &longs;ehr klein i&longs;t, gebildet werden &longs;oll. Sie i&longs;t ein dünner, durch&longs;ichtiger, etwas &longs;alziger Liquor, der durch die Zwi&longs;chenräume der Hornhaut verdün&longs;tet, und durch den Zufluß aus den Gefäßen immer wieder er&longs;etzt wird.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">glä&longs;erne Feuchtigkeit</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humor vitreus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">bumeur vitrée</HI>)</HI> nimmt den hintern Raum des Auges <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI> ein, der &longs;ich von der Kry&longs;tallin&longs;e und den Stralenfa&longs;ern bis an den Eintritt des Sehnerven er&longs;treckt. Sie i&longs;t eine durch&longs;ichtige gallertartige Ma&longs;&longs;e, von einer &longs;ehr feinen cellulö&longs;en Structur, in deren Zwi&longs;chenräumen &longs;ich ein durch&longs;ichtiger,<PB ID="P.1.190" N="190" TEIFORM="pb"/> der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit ähnlicher aber gallertartiger, Liquor befindet. Sie i&longs;t mit einem zarten Häutchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunica vitrea, hyaloides)</HI> umgeben, aus welchem auch die Lamellen ihres innern zelligen Baues ent&longs;pringen. Eben da, wo die Stralenfa&longs;ern anfangen, geht aus die&longs;em Häutchen zwi&longs;chen dem Stralenkörper und der glä&longs;ernen Feuchtigkeit ein anderes feines Häutchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(membrana coronae ciliaris Zinn.)</HI> hervor, und bis an die Kry&longs;tallin&longs;e fort, in deren Kap&longs;el es &longs;ich einfügt. Es i&longs;t mit &longs;tarken Fibern durch&longs;chnitten, welche kürzer, als das Häutchen &longs;elb&longs;t &longs;ind. Durch den dreyeckigten Raum, den die&longs;es Häutchen, die fortgehende glä&longs;erne Feuchtigkeit, und ein Theil der Vorderfläche der Kry&longs;tallin&longs;e zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en, wird der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Petiti&longs;che Canal</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Canal godronnè</HI>)</HI> gebildet, den die gedachten Fibern &longs;tellenweis zu&longs;ammenziehen, daher er, durch eine Oefnung aufgebla&longs;en, nur an den Stellen an&longs;chwillt, wo die Fibern nicht &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kry&longs;tallin&longs;e</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CC (lens cry&longs;tallina, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Cry&longs;tallin</HI>)</HI> wird zwar unter die Feuchtigkeiten des Auges gezählt, i&longs;t aber vielmehr ein fe&longs;ter durch&longs;ichtiger Körper, wie ein auf beyden Seiten erhabnes Glas ge&longs;taltet, und liegt am vordern Theile der glä&longs;ernen Feuchtigkeit, welche da&longs;elb&longs;t &longs;o ausgehölt i&longs;t, daß die erhabne hintere Fläche der Kry&longs;tallin&longs;e bis an den Rand in die&longs;er Hölung liegen kan. Der Kry&longs;tallin&longs;e hintere Seite i&longs;t mehr erhaben, als die vordere; beyde Seiten aber werden mit zunehmendem Alter immer flächer. Sie be&longs;teht aus mehreren mit Gefäßen ver&longs;ehenen &longs;phäri&longs;chen Lamellen, von denen die äußern weicher, die innern, welche den Kern ausmachen, dichter &longs;ind; die&longs;e Lamellen verbindet eine feine zellige Sub&longs;tanz, in deren Zellen &longs;ich Wa&longs;&longs;er befindet. Bey neugebohrnen Kindern i&longs;t die Kry&longs;tallin&longs;e röthlich, wird aber bald farbenlos, und nach dem dreyßig&longs;ten Jahre von Zeit zu Zeit gelblicher. Das Gelbwerden fängt im Kerne an, und verbreitet &longs;ich nach und nach in die äußern Lamellen. Auch wird die Lin&longs;e im Alter härter und flächer, weil die Gefäße nicht mehr &longs;o viel Feuchtigkeit zuführen. Sie i&longs;t in eine durch&longs;ichtige Kap&longs;el einge&longs;chlo&longs;&longs;en, welche am vordern<PB ID="P.1.191" N="191" TEIFORM="pb"/> Theile &longs;tark, fe&longs;t und ela&longs;ti&longs;ch, am hintern Theile &longs;chwächer und weicher i&longs;t, und mit Zellgewebe an dem Häutchen der glä&longs;ernen Feuchtigkeit anhängt. Zwi&longs;chen der Kap&longs;el und der Lin&longs;e befindet &longs;ich eine Feuchtigkeit. Wenn die&longs;e vertrocknet, &longs;o wird die Lin&longs;e verdunkelt, und wöch&longs;t mit der Kap&longs;el zu&longs;ammen. Aus den Stralenfa&longs;ern &longs;owohl, als aus der Centralarterie, die &longs;ich am hintern Theile der Lin&longs;e in mehrere Ae&longs;te theilt, kommen die Gefäße, welche die Lin&longs;e unterhalten und mit den zu ihrer Durch&longs;ichtigkeit nöthigen Säften ver&longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Nach den von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Petit</HI> an vielen Augen ange&longs;tellten Me&longs;&longs;ungen giebt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jurin</HI> (Abhdl. vom deutlichen Sehen in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smiths</HI> Lehrbegr. der Optik durch Kä&longs;tner. S. 496.) in Decimallinien des engli&longs;chen Zolles <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Den Halbme&longs;&longs;er der Krümmung der Horn-<LB TEIFORM="lb"/> haut insgemein -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,3294</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— — — der vordern Krümmung<LB TEIFORM="lb"/> des Kry&longs;talls, ein Mittel aus 26<LB TEIFORM="lb"/> Augen genommen -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,3081</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">— — — der hintern, eben &longs;o ge-<LB TEIFORM="lb"/> funden - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,5056</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Grö&longs;te Dicke des Kry&longs;talls, aus eben den<LB TEIFORM="lb"/> Augen - -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,8525</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Axe der Hornhaut und der wä&longs;&longs;erichten Feuch-<LB TEIFORM="lb"/> tigkeit zu&longs;ammen, insgemein -</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT" VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,036</CELL><CELL REND="VALIGN="BOTTOM"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">—</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Ein &longs;o bewundernswürdig gebautes Werkzeug hat uns der Urheber der Natur zum Behuf eines Sinnes gegegeben, durch welchen wir die mei&longs;ten Begriffe erhalten und die &longs;chätzbar&longs;ten Erfahrungen über die Dinge außer uns an&longs;tellen. Auf die&longs;es Werkzeug wirken die äußern Körper vermittel&longs;t des Lichts nach den Ge&longs;etzen der Brechung. Die&longs;e Wirkung &longs;elb&longs;t i&longs;t noch ein Gegen&longs;tand die&longs;es Artikels; was aber un&longs;ere Empfindungen bey der&longs;elben und un&longs;ere Urtheile über die&longs;e Empfindungen betrift, &longs;oll dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehen,</HI> vorbehalten bleiben.</P><P TEIFORM="p">Da das Licht von jedem Punkte eines &longs;ichtbaren Körpers nach allen Richtungen in geraden Linien ausgehet,<PB ID="P.1.192" N="192" TEIFORM="pb"/> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht, Licht&longs;tralen,</HI> &longs;o wird man &longs;ich Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 29. die vordere Fläche der Hornhaut <HI REND="roman" TEIFORM="hi">KK,</HI> als die Grundfläche der Stralenkegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AKK, BKK, CKK</HI> vor&longs;tellen können, deren Spitzen in den Punkten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, B, C</HI> des &longs;ichtbaren Körpers liegen. Die&longs;e Stralenkegel dringen durch die Hornhaut und wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit; ein Theil ihrer Stralen wird zwar von der vorliegenden Iris aufgefangen; das auf die Pupille fallende Licht aber trift die Kry&longs;tallin&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HH,</HI> dringt durch die&longs;elbe und durch die glä&longs;erne Feuchtigkeit bis an die Netzhaut in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a b c</HI> durch, und leidet bey &longs;einem Durchgange durch vier ver&longs;chiedene Mittel, nemlich die Hornhaut und die drey &longs;ogenannten Feuchtigkeiten, vier Brechungen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Brechungen genau zu berechnen, i&longs;t im Allgemeinen unmöglich, da die Größe der Brechung in jeder Feuchtigkeit nicht genau genug be&longs;timmt, auch nicht jedes Auge dem andern hierinn vollkommen ähnlich i&longs;t. Es lä&longs;t &longs;ich aber über&longs;ehen, daß die Brechung in der Hornhaut wegen der Ge&longs;talt und Dünne der&longs;elben unbedeutend i&longs;t; daß ferner die divergirenden Stralen der Kegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AKK, BKK, CKK</HI> in der wä&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit und noch mehr in der weit &longs;tärker brechenden und wie ein erhabnes Lin&longs;englas wirkenden Kry&longs;tallin&longs;e &longs;ehr convergirend werden mü&longs;&longs;en, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;englä&longs;er.</HI> Man wird al&longs;o erwarten, die Stralen eines jeden Kegels in einiger Entfernung von der Lin&longs;e wieder in einen Punkt vereiniget zu finden. Die&longs;e Vereinigungspunkte &longs;ind in der Figur mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a, b, c</HI> bezeichnet.</P><P TEIFORM="p">Es geht auf die&longs;e Art im Auge eben das vor, was im verfin&longs;terten Zimmer ge&longs;chieht, de&longs;&longs;en Oefnung mit einem erhabnen Gla&longs;e ver&longs;ehen i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zimmer, verfin&longs;tertes.</HI> Die aus einem Punkte des &longs;ichtbaren Gegen&longs;tandes kommenden Stralen vereinigen &longs;ich hinter der Kry&longs;tallin&longs;e wieder, und bilden, wenn die&longs;er Vereinigungspunkt genau auf die Netzhaut trift, auf der&longs;elben den Punkt deutlich ab; aus den Bildern mehrerer Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a, b, c</HI> ent&longs;teht, wie die Figur deutlich zeigt, ein umgekehrtes Bild des<PB ID="P.1.193" N="193" TEIFORM="pb"/> Gegen&longs;tandes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABC,</HI> wie im verfin&longs;terten Zimmer umgekehrte Bilder der Gegen&longs;tände auf der dem Gla&longs;e gegenüberliegenden Wand ent&longs;tehen. Auch i&longs;t der innere mit der glä&longs;ernen Feuchtigkeit erfüllte Raum des Auges einem &longs;olchen Zimmer völlig ähnlich, und wird durch den &longs;chwarzen die braune Haut von innen bekleidenden und durch die durch&longs;ichtige Netzhaut durch&longs;cheinenden Leim verdunkelt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porta</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De refractione, optices parte libri IX. Neapol. 1583. 4.)</HI> zuer&longs;t entdeckt hat, leitete die Naturfor&longs;cher auf be&longs;&longs;ere Wege zur Erklärung des Sehens, und bewieß, daß dabey etwas von außen her ins Auge komme, da unter den Alten viele geglaubt hatten, die Stralen giengen vom Auge aus, wie etwa der Stock, durch den man etwas befühlt, von der Hand ausgeht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porta</HI> &longs;elb&longs;t war inzwi&longs;chen von der richtigen Erklärung noch weit entfernt. Er nahm die Oefnung des Sterns für das Loch im Laden des Zimmers und die Kry&longs;tallin&longs;e für die Wand an, auf welcher &longs;ich das Bild abmahle; er behauptete auch die&longs;er Theorie gemäß, daß von jedem Punkte der Sache nur ein einziger Stral ins Auge komme.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> der &longs;o viel neue Wahrheiten gelehrt hat, lehrte auch zuer&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Paralipomena ad Vitellionem, Frf. 1604. 4. cap. 5.)</HI> die Art und Wei&longs;e der Ent&longs;tehung des Bildes richtig. Er zeigte, daß es auf die Netzhaut falle, und da&longs;elb&longs;t deutlich &longs;eyn mü&longs;&longs;e, wenn man deutlich &longs;ehen &longs;olle. Er war der er&longs;te, der aus jedem Punkte des Gegen&longs;tandes mehrere einen Kegel bildende Stralen ins Auge kommen, und durch den Punkt ihrer Wiedervereinigung den Ort be&longs;timmen ließ, in welchem &longs;ich das deutliche Bild des &longs;tralenden Punkts entwirft. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> in Rom &longs;etzte endlich im Jahre 1625 die&longs;e Kepleri&longs;che Erklärung ganz außer Zweifel. Er &longs;chnitt von einem Och&longs;en- oder Schaafauge die hintern Häute bis auf die Netzhaut weg, und erblickte nun die Bilder &longs;olcher Gegen&longs;tände, die &longs;ich in der gehörigen Entfernung befanden, auf der bloßen Netzhaut<PB ID="P.1.194" N="194" TEIFORM="pb"/> deutlich abgemahlt. Eben dies nahm er auch an einem men&longs;chlichen Auge wahr.</P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen muß man &longs;ich hüten, die Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer allzuweit zu treiben, &longs;ich etwa die Seele als den Zu&longs;chauer vorzu&longs;tellen, der das Bild betrachtet, und zu glauben, das, was &longs;ie empfindet, &longs;ey das auf der Netzhaut entworfene Bild &longs;elb&longs;t. Die&longs;es Bild zu &longs;ehen, mü&longs;te &longs;ie noch ein zweytes Auge haben, womit &longs;ie das Bild im er&longs;ten anblicken könnte. Deutliches Bild und deutliches Sehen &longs;ind zwar unzertrennlich mit einander verknüp&longs;et; allein nur als zwo Wirkungen einer und ebender&longs;elben Ur&longs;ache. Die genaue Wiedervereinigung der Stralen, welche aus einerley Punkte des &longs;ichtbaren Körpers ausgiengen, i&longs;t die Ur&longs;ache der Deutlichkeit des Bildes und der Deutlichkeit des Sehens zugleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sehen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Deutlichkeit des Bildes auf der Netzhaut wird ge&longs;tört, wenn die Vereinigungspunkte nicht genau auf die&longs;elbe treffen, &longs;ondern entweder vor ihr, oder hinter ihr liegen. Bey&longs;piele beyder Fälle geben Fig. 30. u. 31. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> In Fig. 30. haben &longs;ich die Stralen des Kegels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK</HI> &longs;chon vor der Netzhaut bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> vereiniget, und durchkreuzt; in Fig. 31. erreichen &longs;ie einander bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> er&longs;t hinter der Netzhaut. In beyden Fällen bilden &longs;ie &longs;tatt des Punkts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> einen Kreis ab, der die Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> zum Durchme&longs;&longs;er hat. Man &longs;ieht aber leicht, daß ein Bild undeutlich werden muß, wenn &longs;ich jeder Punkt de&longs;&longs;elben in einen Kreis ausbreitet. Mit die&longs;em undeutlichen Bilde nun ent&longs;teht auch zugleich undeutliches Sehen.</P><P TEIFORM="p">Entfernte Gegen&longs;tände &longs;enden von jedem ihrer Punkte einen Stralenkegel ins Auge, de&longs;&longs;en Stralen nahe am Auge keine merkliche Divergenz zeigen, eben darum, weil &longs;ie, rückwärts betrachtet, er&longs;t in einem entfernten Punkte zu&longs;ammenlaufen. Ein &longs;olcher Kegel lä&longs;t &longs;ich al&longs;o als ein Stralencylinder an&longs;ehen, de&longs;&longs;en Stralen parallel laufen. So i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK,</HI> Fig. 30. vorge&longs;tellt. Rückte der ge&longs;ehene<PB ID="P.1.195" N="195" TEIFORM="pb"/> Punkt näher, etwa bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> heran, &longs;o würde der Vereinigungspuukt &longs;einer nun divergirenden Stralen weiter hinter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> hinausrücken, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;englä&longs;er,</HI> und auf die Netzhaut fallen, und das Bild würde deutlich &longs;eyn. Ein Auge, wie Fig. 30. &longs;ieht al&longs;o nur in der Nähe, nicht in der Ferne deutlich. Die &longs;olche Augen haben, heißen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kurz&longs;ichtige, Myopen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(myopes).</HI> Die letztere Benennung kömmt von dem Zu&longs;ammen&longs;chließen oder Blinzen der Augenlieder, womit &longs;ie die Augen vor dem einfallenden vielen Lichte zu &longs;chützen &longs;uchen, und welches man an den Augen der Mäu&longs;e ebenfalls bemerkt. Der Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> in welchem &longs;ie die Gegen&longs;tände deutlich &longs;ehen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(punctum vi&longs;ionis di&longs;tinctae),</HI> liegt allzunahe vor ihren Augen. Gemeiniglich i&longs;t ihre Hornhaut erhabner und ihre Pupille weiter eröfnet. Eine allzu convere oder zu dichte Kry&longs;tallin&longs;e, welche parallele Stralen zu &longs;tark bricht, und al&longs;o zu &longs;chnell vereiniget, oder ein allzugroßer Ab&longs;tand der Lin&longs;e von der Netzhaut &longs;ind die unmittelbaren Ur&longs;achen der Kurz&longs;ichtigkeit. Hohlglä&longs;er zer&longs;treuen die parallelen Stralen, und machen, daß &longs;ie &longs;o divergiren, als ob &longs;ie aus dem Zer&longs;treuungsraume die&longs;er Glä&longs;er herkämen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;englä&longs;er.</HI> Hält daher ein Kurz&longs;ichtiger &longs;einem Auge ein Hohlglas &longs;o vor, daß de&longs;&longs;en Zer&longs;treuungsraum in die Gegend von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> (dem Punkte des deutlichen Sehens für &longs;ein Auge) fällt, &longs;o empfängt er die Stralenkegel &longs;o, als ob &longs;ie aus der Gegend von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> kämen, und &longs;ieht auch entfernte Dinge deutlich.</P><P TEIFORM="p">Naher Gegen&longs;tände Punkte hingegen &longs;enden Stralen aus, die noch beym Eintritte ins Auge merklich divergiren, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK,</HI> Fig. 31., deren Vereinigungspunkte al&longs;o weiter hinter die Lin&longs;e fallen, als die der parallelen Stralen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;englä&longs;er.</HI> Rückte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> in eine größere Entfernung hinaus, &longs;o würde der Vereinigungspunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> näher rücken, und endlich die Netzhaut &longs;elb&longs;t treffen, al&longs;o ein deutliches Bild geben. Ein Auge, wie Fig. 31., &longs;ieht al&longs;o nur in der Ferne, nicht in der Nähe, deutlich. Diejenigen, deren Augen &longs;o gebildet &longs;ind, heißen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weit&longs;ichtige, Presbyten</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(presbytae),</HI> weil man die&longs;en Fehler<PB ID="P.1.196" N="196" TEIFORM="pb"/> gewöhnlich an den Augen alter Per&longs;onen findet. Man zählt &longs;chon diejenigen zu den Presbyten, die eine Sache, um &longs;ie deutlich zu &longs;ehen, einen Schuh weit vom Auge entfernen mü&longs;&longs;en. Manche mü&longs;&longs;en &longs;ie 2—3 Schuh weit abhalten. Die Presbyten haben insgemein eine flache Hornhaut, eine flache Kry&longs;tallin&longs;e und ein kurzes Auge, in welchem die Netzhaut der Lin&longs;e zu nahe &longs;teht. Bey alten Leuten i&longs;t auch die Pupille enger, und die Lin&longs;e platter und trockner. Erhabne Glä&longs;er machen, daß die Stralen aus nahen Punkten nach dem Durchgange &longs;o gehen, als ob &longs;ie aus entferntern Punkten herkämen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;englä&longs;er, Brillen.</HI> Daher bedienen &longs;ich Weit&longs;ichtige und Alte der Brillen, um auch nahe Dinge deutlich zu &longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Fehler der Augen, und die &longs;chon läng&longs;t bekannten Mittel, ihnen durch Glä&longs;er abzuhelfen, hat vor <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Paralip. in Vitell. p. 200.)</HI> niemand richtig erklären können. Da man aus jedem Punkte nur einen Stral ins Auge kommen ließ, &longs;o konnte man auf die richtige Idee von Vereinigungspunkten nicht kommen. Kepler ver&longs;ichert, daß er die&longs;er Sache drey Jahr lang nachgedacht habe.</P><P TEIFORM="p">Für jedes Auge muß es eine gewi&longs;&longs;e Weite geben, in welcher es in &longs;einem natürlichen Zu&longs;tande und ohne alle An&longs;trengung deutlich &longs;iehet. Die&longs;e Weite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(di&longs;tantia vi&longs;ionis di&longs;tinctae)</HI> i&longs;t fa&longs;t für jedes Auge eine andere; die Optiker pflegen &longs;ie zwar für ein gutgebautes Auge im Durch&longs;chnitte auf 8 Zoll zu &longs;etzen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurin</HI> aber nimmt 15 bis 16 engl. Zoll an, und &longs;ie kan, zumal für weit&longs;ichtige Augen, vielleicht noch größer &longs;eyn. Das Auge be&longs;itzt ein Vermögen, &longs;eine Einrichtung zu ändern, und dadurch auch noch auf größere und kleinere Weiten vollkommen deutlich zu &longs;ehen. Weil es aber auch noch einige Undeutlichkeit vertragen kan, &longs;o la&longs;&longs;en &longs;ich die&longs;e Weiten noch mehr aus einander rücken, daß &longs;ich al&longs;o die Grenzen, in welchen ein gutgebautes und &longs;eine Einrichtung &longs;tark zu ändern fähiges Auge mit ziemlicher Deutlichkeit &longs;ehen kan, ungemein weit er&longs;trecken.<PB ID="P.1.197" N="197" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Worinn aber die&longs;es Vermögen des men&longs;chlichen Auges, &longs;eine Einrichtung für nähere und entferntere Gegen&longs;tände zu ändern, eigentlich be&longs;tehe, darüber &longs;ind die Meinungen &longs;ehr getheilt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. prop. 64.)</HI> glaubte, wenn man nahe Gegen&longs;tände betrachte, &longs;o mache der Stralenkörper <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(corpus ciliare)</HI> durch &longs;eine Zu&longs;ammenziehung das Auge länger, indem er die glä&longs;erne Feuchtigkeit drücke, welche daher die Kry&longs;tallin&longs;e vorwärts treibe, und weiter von der Netzhaut entferne. Die&longs;e Meinung hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porterfield</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Treati&longs;e on the eye. Edinb. 1759. II. Vol. 8.)</HI> mehr ausge&longs;chmückt, und behauptet, im natürlichen Zu&longs;tande &longs;ey der Stralenkörper &longs;chlaf und das Auge kürzer, daher man entfernte Gegen&longs;tände ohne An&longs;trengung betrachten könne; nahe Gegen&longs;tände deutlich zu &longs;ehen, mü&longs;&longs;e der Stralenkörper zu Verlängerung des Auges wirken, daher es durch die&longs;e An&longs;trengung ermüde. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. c. 3.)</HI> nahmen an, durch die Zu&longs;ammenziehung des Stralenkörpers werde vielmehr die Ge&longs;talt der Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t convexer; und überhaupt, &longs;agt der letztere, wird die Figur des Auges, ja &longs;ogar eines Theils vom Gehirn verändert, wodurch die Seele die Entfernungen zu &longs;chätzen weiß. Die&longs;er Meinung, in &longs;o fern &longs;ie die Kry&longs;tallin&longs;e betrift, i&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurins</HI> Hypothe&longs;e (vom deutl. Sehen im Smith nach Kä&longs;tner S. 497.) gerade entgegenge&longs;etzt. Er meint, für <HI REND="bold" TEIFORM="hi">entlegnere</HI> Sachen zögen &longs;ich die Stralenfa&longs;ern zu&longs;ammen, und brächten die vordere Seite der Kap&longs;el der Kry&longs;tallin&longs;e etwas vorwärts und auswärts, dadurch fließe das Wa&longs;&longs;er in der Kap&longs;el von der Mitte nach dem erhobenen Theile hin, die wä&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit aber von dem erhobnen Theile der Kap&longs;el nach der Mitte, und die Vorderfläche der Lin&longs;e werde weniger convex. Für nähere Gegen&longs;tände wirke ein Muskelring an der Iris, der die Hornhaut erhabner mache. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pemberton</HI> glaubt, die Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t &longs;ey mit muskulö&longs;en Fibern ver&longs;ehen, welche ihren Flächen die für die Entfernung der Gegen&longs;tände gehörige Krümmung gäben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad philo&longs;.<PB ID="P.1.198" N="198" TEIFORM="pb"/> nat. To. II. §. 1884.)</HI> oder vielmehr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus,</HI> von dem die anatomi&longs;chen Stellen die&longs;es Buchs herrühren, &longs;ucht die Urfache in der <HI REND="roman" TEIFORM="hi">corona ciliari,</HI> welche bey nahen Gegen&longs;tänden er&longs;chlaffe, daher die von den Häuten gepreßte gläferne Feuchtigkeit die Kry&longs;tallin&longs;e vordrücke und von der Netzhaut entferne, wodurch auch die Lin&longs;e &longs;elb&longs;t flächer werde. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Camper</HI> nimmt eine durch den Petiti&longs;chen Canal bewirkte Veränderung der Ge&longs;talt der Lin&longs;e an, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sauvages</HI> glaubt, die&longs;er Canal werde, wenn wir etwas &longs;charf betrachten, von elektri&longs;cher Materie aufgetrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Molinet</HI> behauptete, die vier geraden Augenmuskeln zögen bey entfernten Gegen&longs;tänden die harte Haut zu&longs;ammen und verkürzten das Auge; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bohn</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave,</HI> &longs;ie zögen die harte Haut von der Hornhaut ab, und verlängerten das Auge für nahe Gegen&longs;tände; andere haben theils die eine, theils die andere Wirkung den fchiefen Augenmuskeln zuge&longs;chrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De la Hire</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sur les differens accidens de la vue. Mém. de l'acad. de Paris. 1694.)</HI> behauptete, es &longs;ey zum Deutlich&longs;ehen in ver&longs;chiedenen Entfernungen blos eine verfchiedene Eröfnung der Pupille nöthig, die &longs;ich bey Betrachtung naher Gegen&longs;tände merklich verengert. Die&longs;e Meinung, die &longs;chon läng&longs;t verworfen war, haben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Roi</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de Paris 1755.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Phy&longs;iolog. ed. Lau&longs;ann. 1763. gr. 4. To. V. p. 516.)</HI> wieder erneuert. Die Stralenfa&longs;ern, fagen &longs;ie, &longs;ind zu &longs;chwach, hängen auch nicht an die Lin&longs;e an, und &longs;ind nicht muskulös, und bey dem großen Umfange der Grenzen des deutlichen Sehens mancher Augen mü&longs;&longs;en die Wirkungen weit beträchtlicher &longs;eyn, als Bewegung und Veränderung der Ge&longs;talt der Lin&longs;e &longs;ie je hervorbringen könnten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> behauptet, es &longs;ey im Auge gar keine innere Bewegung zu finden, als die Erweiterung und Verengerung der Pupille, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurins</HI> Muskelring &longs;ey ein Unding, die Kraft der äußern Augenmuskeln &longs;ey zu grob für &longs;o feine Veränderungen, auch gebe die harte Haut &longs;olchen Veränderungen nicht nach, und die Verengerung der Pupille &longs;ey völlig hinreichend, weil auch im verfin&longs;terten Zimmer die Bilder naher Dinge deutlicher würden, wenn man die Oefnung verengere.<PB ID="P.1.199" N="199" TEIFORM="pb"/> Die&longs;er große Phyfiolog hat aber nicht daran gedacht, daß bey der Betrachtung entfernter Gegen&longs;tände der Stern &longs;ich nicht verengert, &longs;ondern erweitert, da doch die Erfahrung lehrt, daß auch entfernter Dinge Undeutlichkeit durch eine gewi&longs;&longs;e uns fühlbare Einrichtung des Auges gehoben wird, wozu al&longs;o auch andere Hülfsmittel vorhanden &longs;eyn mü&longs;&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Progr. de ligamentis ciliaribus, Gotting. 4.)</HI> pflichtet Keplers Meinung bey, daß der Stralenkörper die Lage der Kry&longs;tallin&longs;e ändere; nur ge&longs;chehe die&longs;es nicht durch muskulö&longs;e Fibern, &longs;ondern durch den Zufluß mehrerer Säfte in die Gefäße des Stralenkörpers, wodurch der&longs;elbe auf&longs;chwelle, die glä&longs;erne Feuchtigkeit pre&longs;&longs;e und die Kry&longs;tallin&longs;e vordrücke.</P><P TEIFORM="p">Eben &longs;o &longs;ehr &longs;ind die Meinungen über die Urfache der allgemein bekannten Verengerung der Pupille bey &longs;tarkem Lichte, und ihrer Erweiterung im Dunkeln, getheilt. Die&longs;e unwillkührliche Bewegung kan leicht vor dem Spiegel wahrgenommen werden, wenn man das Auge bey &longs;tarker Erleuchtung abwech&longs;elnd mit der Hand deckt und frey lä&longs;t. Auch i&longs;t &longs;ie &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galen</HI> und den Arabern erwähnt worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Oculus p. 31.)</HI> bemerkt auch, daß &longs;ich der Stern bey Betrachtung einer nahen Sache, z. B. einer Nadel, verengere, und, wenn &longs;ie entfernt wird, wieder öfne. Auch erweitert &longs;ich der Stern bey der Blindheit, bey Wahnwitzigen, beym Schlagfluß, Ein&longs;chläfern durch Opium, Fieberphanta&longs;ien, überhaupt bey vielen Krankheiten, die das Gehirn betreffen, und im Tode felb&longs;t. Man hat zu Erklärung die&longs;er Bewegungen der Iris Muskelfibern angenommen, von welchen die geraden zu Erweiterung, die ringförmigen zu Verengerung der Oefnung dienen &longs;ollten. Dies haben viele große Zergliederer wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rau, Ruy&longs;ch, Hei&longs;ter, Winslow,</HI> angenommen, denen auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porterfield</HI> bey&longs;timmt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mery, Morgagni, Zinn</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> aber haben wenig&longs;tens die ringförmigen nicht finden können. Der letztere fand durch Ver&longs;uche die Iris nicht reizbar, und da er Reizbarkeit für ein we&longs;entliches Kennzeichen der Muskelfa&longs;er hält,<PB ID="P.1.200" N="200" TEIFORM="pb"/> &longs;o &longs;pricht er die&longs;er Haut alle Muskelfibern überhaupt ab. Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Demours</HI> hat in der Iris keine Reizbarkeit gefunden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> ließ Licht&longs;tralen durch einen papiernen Kegel auf die Iris eines Thiers fallen, welche dadurch nicht im gering&longs;ten bewegt wurde. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> (Photometrie S. 371.) ließ vor einem Spiegel durch ein Lin&longs;englas das Bild der Lichtflamme blos auf die Iris eines &longs;einer Augen fallen; aber beyder Augen Oefnungen blieben gleich groß; &longs;obald hingegen noch &longs;o wenig von dem Lichtbilde auf die Pupille &longs;elb&longs;t fiel, ward die letztere kleiner, und dreymal &longs;o klein, als die im andern Auge, wenn das ganze Bild der Flamme darauf fiel. Dies bewei&longs;t nun wohl, daß das Zu&longs;ammenziehen von demjenigen Lichte ent&longs;tehe, was auf die Netzhaut fällt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hartley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ob&longs;ervations on Man. Vol. I. p. 219.)</HI> vermuthet deswegen, daß Nervenä&longs;te aus der Netzhaut in die Iris laufen; die Phy&longs;iologen der Stahli&longs;chen Schule la&longs;&longs;en die Seele &longs;elb&longs;t den Stern erweitern, wenn &longs;ie findet, daß ihr der Ueberfluß des Lichts nicht &longs;chaden könne. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hallern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phy&longs;iolog. To. V. p. 378.)</HI> erregt der Reiz des Lichts auf der Netzhaut einen plötzlichen Zu&longs;ammenfluß der Säfte in die Gefäße und Zä&longs;erchen der Iris, wodurch &longs;ich die&longs;e verlängern, und die Oefnung enger machen. Die Erweiterung der Oefnung i&longs;t die Rückkehr in den natürlichen Zu&longs;tand. Den Reiz des &longs;tarken Lichts fühlt man mit Schmerz, wenn man in die Sonne &longs;ieht, und ein allzu&longs;tarker Reiz kan das ganze Werkzeug des Sehens zer&longs;tören. Er führt noch an, daß er an einer er&longs;äuften Katze 23 Stunden nach dem Tode an der gelinden Wärme des Ofens die &longs;ehr erweiterte Oefnung des Augen&longs;terns &longs;ich fe&longs;t wieder habe &longs;chließen ge&longs;ehen, wo al&longs;o der bloße Reiz der Wärme die Kräfte, welche die Iris erweitern, in Bewegung ge&longs;etzt habe. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> hält vielmehr den zu&longs;ammengezognen Zu&longs;tand des Augen&longs;terns für den natürlichen, und leitet die Erweiterung von einer Verminderung der Säfte in der Iris her.</P><P TEIFORM="p">Unmittelbare Ur&longs;achen der Blindheit &longs;ind unter andern Verdunkelung oder Undurch&longs;ichtigwerden der Kry&longs;tallin&longs;e,<PB ID="P.1.201" N="201" TEIFORM="pb"/> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">graue Stahr</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(cataracta, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">cataracte</HI>)</HI> und Lähmung oder Unempfindlichkeit des Sehnerven und der Netzhaut, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwarze Stahr</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(amauro&longs;is, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">goutte &longs;ereine</HI>).</HI> Dem grauen Stahre wird durch Hinwegdrückung oder Herausziehung der Kry&longs;tallin&longs;e abgeholfen. Denn da die wä&longs;&longs;erichte und glä&longs;erne Feuchtigkeit ebenfalls die Stralen brechen und ihre Kegel convergent machen, &longs;o ent&longs;teht auch ohne Kry&longs;tallin&longs;e ein Bild, ob &longs;ich gleich viele Operirte der Stahrbrillen bedienen mü&longs;&longs;en, um die Brechung zu ver&longs;tärken, und den Mangel der Kry&longs;tallin&longs;e zu er&longs;etzen, da &longs;on&longs;t die Vereinigungspunkte allzuweit hinter die Netzhaut fallen würden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. c. 35. 36. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Zinn</HI> de&longs;criptio anatomica oculi humani. Gotting. 1755. 4. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> Elem. Phy&longs;iolog. To. V. L. 16.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> Zergliederungskun&longs;t, mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Portals</HI> Anm. aus dem Franz. mit Zu&longs;ätzen, Leipzig <HI REND="roman" TEIFORM="hi">1782. 8. II.</HI> Band. Cap. 5. Ab&longs;chn. 2. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte der Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klügel</HI>, an mehreren Stellen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenglas, &longs;. Fernrohr.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnbarkeit" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnbarkeit, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Dilatabilitas</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Dilatabilité</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die Fähigkeit der Körper, &longs;ich in einen größern Raum ausdehnen oder verbreiten zu la&longs;&longs;en, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ausdehnung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dilatatio).</HI> Der Körper, der die&longs;e Fähigkeit be&longs;itzt, hei&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ausdehnbar.</HI> Fa&longs;t alle bekannte Körper &longs;ind ausdehnbar.</P><P TEIFORM="p">Das Wort i&longs;t von Dehnbarkeit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ductilitas)</HI> zu unter&longs;cheiden, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dehnbarkeit.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Exten&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Etendue des corps</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das allgemeine Phänomen der Körper, vermöge de&longs;&longs;en ein jeder in einem Raume enthalten zu &longs;eyn &longs;cheint, den man nach dreyerley auf einander &longs;enkrecht &longs;tehenden Richtungen abme&longs;&longs;en, oder in welchem man Länge, Breite und Höhe unter&longs;cheiden kan. Die &longs;innlichen Eindrücke, welche die Körper auf uns machen, belehren uns davon, daß ihre Theile <HI REND="bold" TEIFORM="hi">neben einander</HI> liegen, und daß die Stellen, welche wir uns im Innern eines Körpers gedenken können, von den Theilen des Körpers &longs;elb&longs;t nach allen möglichen Richtungen umgeben werden, weil uns des Körpers äuf&longs;ere<PB ID="P.1.202" N="202" TEIFORM="pb"/> Theile die&longs;e innern Stellen verdecken, von welcher Seite wir auch den Körper betrachten mögen. Dies i&longs;t nun eben das, was wir mit dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">körperlicher Raum, körperliche Ausdehnung,</HI> bezeichnen, und da wir dies an allen Körpern ohne Unter&longs;chied wahrnehmen, und es al&longs;o nothwendig mit dem Begriffe von Körpern überhaupt, der aus den &longs;innlichen Eindrücken abgezogen i&longs;t, verbinden, &longs;o können wir uns keinen Körper anders, als ausgedehnt, denken, daher die mei&longs;ten Phy&longs;iker die Ausdehnung eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der Körper oder der Materie nennen.</P><P TEIFORM="p">Denkt man &longs;ich die Materie des Körpers aus die&longs;em Raume hinweggenommen, doch &longs;o, daß die Vor&longs;tellung des Raumes &longs;elb&longs;t noch zurückbleibt, &longs;o hat man das, was den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">geometri&longs;chen Raumes,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">geometri&longs;chen Ausdehnung</HI> führt, und de&longs;&longs;en Grenzen auf die Begriffe von Flächen, Linien, Punkten leiten. Der Geometer betrachtet die&longs;en Raum als eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tetige Größe</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(continuum),</HI> deren Theile im ununterbrochen&longs;ten Zu&longs;ammenhange fortgehen, wo zwi&longs;chen dem Ende des einen und dem Anfange des folgenden Theils nichts i&longs;t, was nicht zum Ganzen &longs;elb&longs;t mit gehörte. Er &longs;ieht die&longs;en Raum an als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen</HI> ausgefüllt durch &longs;eine Theile; daher kan er ihn auch &longs;o lang er will, d. h. ohne Ende theilen, weil in dem Begriffe, den er &longs;ich davon macht, nichts liegt, was der Möglichkeit einer fortge&longs;etzten Theilung je entgegen&longs;tünde.</P><P TEIFORM="p">Denkt man &longs;ich aber die Materie des Körpers wieder in die&longs;en Raum gebracht, &longs;o füllt ihn die&longs;e nicht &longs;o &longs;tetig, &longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen</HI> aus, wie ihn der Geometer ausgefüllt annahm. Sie lä&longs;t leere unausgefüllte Zwi&longs;chenräume, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Leere, zer&longs;treute,</HI> und der ab&longs;olut volle Raum des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> i&longs;t läng&longs;t aus der be&longs;&longs;ern Naturlehre verwie&longs;en. Die&longs;e Zwi&longs;chenräume darf der Phy&longs;iker nicht &longs;o in den phy&longs;ikali&longs;chen Körper mit einrechnen, wie der Geometer alle Theile des Raums ohne Unter&longs;chied zu dem geometri&longs;chen Körper rechnet. Dies i&longs;t nun eine Betrachtung,<PB ID="P.1.203" N="203" TEIFORM="pb"/> die der Möglichkeit einer Theilung der Materie ins Unendliche wohl Hinderni&longs;&longs;e entgegen &longs;etzen möchte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Theilbarkeit.</HI> Es lä&longs;t &longs;ich hier wenig&longs;tens als möglich an&longs;ehen, daß es gewi&longs;&longs;e letzte Theile der Materie, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Atomen,</HI> geben könnte, welche an &longs;ich nicht weiter theilbar wären. Ob nun die&longs;e letzten Theile noch ausgedehnt &longs;eyn oder &longs;cheinen würden, darüber haben wir wenig&longs;tens keine Erfahrungen, weil wir &longs;olche letzte Theile nie einzeln und abge&longs;ondert ge&longs;ehen haben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> hat &longs;ich die Materie als eine Menge von Kräften vorge&longs;tellt, die &longs;ich auf mathemati&longs;che Punkte bezögen, und unter dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Materie</HI> wird man ähnliche Vor&longs;tellungsarten anderer Weltwei&longs;en antreffen. So viel &longs;ich metaphy&longs;i&longs;ch dagegen di&longs;putiren lä&longs;t, &longs;o i&longs;t es doch unmöglich, durch Erfahrung etwas darüber auszumachen. Die&longs;e Betrachtungen haben mich bewogen, die Ausdehnung nicht eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der Materie, &longs;ondern ein allgemeines Phänomen der Körper zu nennen, da das We&longs;en der Materie vor &longs;terblichen Augen verborgen i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die Art, wie Körper ihren Raum einnehmen, i&longs;t von der Art, wie &longs;ich der Geometer den Raum ausgefüllt denkt, gerade &longs;o unter&longs;chieden, wie die Ausfüllung eines Maaßes durch Körner von dem ganzen Raume des Maa&longs;&longs;es &longs;elb&longs;t, wie der aus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zählbaren Mengen</HI> be&longs;tehende Gegen&longs;tand der Rechenkun&longs;t von dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">meßbaren</HI> Gegen&longs;tande der Geometrie. Wer das We&longs;en der Materie durch&longs;chauen könnte, mü&longs;te anzugeben vermögen, wie viel er&longs;te Theile, wie viel Atomen in jedem Körper vorhanden wären. Obgleich dies unmöglich i&longs;t, &longs;o werden wir doch durch das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gewicht</HI> der Körper davon belehrt, wie &longs;ich die&longs;e Mengen von Materie in ver&longs;chiedenen Körpern gegen einander verhalten, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ma&longs;&longs;e.</HI> Der Raum, den die Körper einzunehmen &longs;cheinen, durch geometri&longs;che Ausme&longs;&longs;ung be&longs;timmt, hei&longs;t ihr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Volumen;</HI> die&longs;es mit dem durchs Gewicht be&longs;timmten Verhältni&longs;&longs;e der Ma&longs;&longs;en verglichen, führt auf die Begriffe von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dichte, &longs;pecifi&longs;cher Schwere,</HI> worauf &longs;ich ein großer Theil desjenigen gründet, was wir von den Körpern wi&longs;&longs;en.<PB ID="P.1.204" N="204" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnung, Ausbreitung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnung, Ausbreitung</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dilatatio, Expan&longs;io, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Dilatation, Expan&longs;ion.</HI></HI> Die Verbreitung eines Körpers durch einen größern Raum, als er vorher einnahm, oder die Vergrößerung &longs;eines Volumens. Da hiebey vorausge&longs;etzt wird, daß der Körper der&longs;elbe bleibe, oder daß die Menge &longs;einer Materie nicht verändert werde, &longs;o erfordert die Ausdehnung, daß &longs;ich &longs;eine Theilchen weiter von einander entfernen, und größere Zwi&longs;chenräume zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en mü&longs;&longs;en; d. i. daß der Körper dünner werde, daher die Ausdehnung in die&longs;er Rück&longs;icht auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdünnung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Rarefactio)</HI> heißt.</P><P TEIFORM="p">Die Hauptur&longs;achen der Ausdehnung der Körper &longs;ind die Wärme, welche fa&longs;t alle bekannte Körper ausdehnt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Wärme,</HI> und die Ela&longs;ticität, vermöge welcher &longs;ich Körper, wenn &longs;ie durch irgend eine äußere Kraft zu&longs;ammengepreßt waren, &longs;obald die&longs;e Kraft zu wirken aufhört, oder &longs;chwächer wird, von &longs;elb&longs;t in einen größerm Raum ausdehnen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ela&longs;ticität.</HI> So wird die Luft durch die Wärme ausgedehnt, und da &longs;ie &longs;chon in dem Zu&longs;tande, in welchem &longs;ie &longs;ich um uns her befindet, zu&longs;ammengedrückt i&longs;t, &longs;o dehnt &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t aus, &longs;obald ihr Raum dazu gegeben wird.</P><P TEIFORM="p">Einige Schrift&longs;teller haben die Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ausdehnung</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdünnung</HI> unter&longs;cheiden, und den er&longs;ten für die Wirkung der Ela&longs;ticität, den zweyten für die Wirkung der Wärme brauchen wollen; da aber jede Ausdehnung mit Verdünnung begleitet, und überdies das, was die Wärme thut, im Grunde nichts anders, als eine Ver&longs;tärkung der &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticität i&longs;t, &longs;o &longs;ehe ich keinen Grund, einen &longs;olchen Unter&longs;chied einzuführen.</P><P TEIFORM="p">Der Ausdehnung i&longs;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammendrückung, Zu&longs;ammenziehung</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdichtung</HI> entgegenge&longs;etzt.</P></DIV2><DIV2 N="Ausdün&longs;tung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdün&longs;tung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Exhalatio, Evaporatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Evaporation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So nennt man die Auflö&longs;ung flüßiger Materien und be&longs;onders des Wa&longs;&longs;ers in der Luft, durch welche der Luftkreis unaufhörlich mit Dün&longs;ten, d. i. mit aufgelö&longs;ten Theilen der Körper und mit Feuchtigkeit erfüllt wird.<PB ID="P.1.205" N="205" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Fa&longs;t aus allen flüßigen, ja auch aus vielen fe&longs;ten Körpern &longs;teigen, wenn &longs;ie der Luft ausge&longs;etzt &longs;ind, Theile in die&longs;elbe auf, durch deren Abgang das Gewicht der Körper vermindert wird. Man findet, daß die&longs;er Uebergang der Theile durch größere Wärme, Sonnen&longs;chein, Reinigkeit der Luft, größere Oberfläche, Bewegung der Luft rc. ver&longs;tärkt wird. Die&longs;e fremdartigen Theilchen machen die Luft nicht undurch&longs;ichtig, la&longs;&longs;en &longs;ich auch nicht leicht in der&longs;elben bemerken. Sie erheben &longs;ich aber im Luftkrei&longs;e oft zu beträchtlichen Höhen, und vereinigen &longs;ich endlich durch irgend eine im Luftkrei&longs;e vorgehende Veränderung in kleine Ma&longs;&longs;en, welche der Luft ihre Durch&longs;ichtigkeit benehmen, und die Be&longs;tandtheile der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolken</HI> ausmachen.</P><P TEIFORM="p">Be&longs;onders i&longs;t das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wa&longs;&longs;er</HI> die&longs;em Uebergange &longs;einer Theile in die Luft in einem &longs;ehr hohen Grade ausge&longs;etzt, und obgleich einige flüchtige Gei&longs;ter, z. B. der Aether, der rauchende Salpetergei&longs;t, die flüchtige Schwefel&longs;äure rc. noch weit &longs;chneller, als das Wa&longs;&longs;er, verdün&longs;ten, &longs;o macht doch die große Menge des auf der Erdoberfläche verbreiteten und in den Körpern enthaltenen Wa&longs;&longs;ers, daß man die&longs;e Materie allerdings für den vornehm&longs;ten Stof halten muß, mit welchem &longs;ich die Luft bey der Ausdün&longs;tung verbindet, und welcher das Vehikulum &longs;ehr vieler übrigen in den Luftkreis auf&longs;teigenden Theile i&longs;t. Daher hat auch die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers die Phy&longs;iker von jeher am mei&longs;ten be&longs;chäftiget. Sie i&longs;t ohne Zweifel die Hauptur&longs;ache der mei&longs;ten im Luftkrei&longs;e vorgehenden Veränderungen, und macht in die&longs;er Rück&longs;icht einen &longs;ehr wichtigen Gegen&longs;tand der Naturlehre aus.</P><P TEIFORM="p">Man hat durch die Werkzeuge, welche die Größe der Ausdün&longs;tung zu be&longs;timmen dienen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Atmometer,</HI> gefunden, daß in der Gegend von Paris die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers, wenn &longs;ie über die Oberfläche, von welcher &longs;ie auf&longs;tieg, wieder ergo&longs;&longs;en würde, jährlich 28 bis 30 Zoll Höhe betragen würde. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sedileau</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. des &longs;c, de Paris. 1692.)</HI> war die Ausdün&longs;tung in Paris<PB ID="P.1.206" N="206" TEIFORM="pb"/> <TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1689</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jan.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Febr.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">März</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7 3/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">April</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">May</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jun.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jul.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aug.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sept.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oct.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Nov.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8 2/3</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Dec.</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="COLSPAN="2" ALIGN="CENTER"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Summe</CELL><CELL REND="ALIGN="RIGHT"" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">(8 5/12) Lin.</CELL></ROW></TABLE> Man &longs;ieht hierin den Einfluß der Wärme und des Sonnen&longs;cheins in den Sommermonaten deutlich. In England fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. trans. no. 189.)</HI> die Ausdün&longs;tung in der wärm&longs;ten Jahrszeit täglich (1/10) engl. Zoll; in Holland <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crucquius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. trans. no. 381.)</HI> jährlich 26 Zoll; in Schweden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwed. Abhdl. 1739.) um das Ende des Iunius täglich 1/4 Zoll.</P><P TEIFORM="p">Rechnet man 30 Zoll jährlich als eine Mittelzahl, &longs;o beträgt die jährliche Ausdün&longs;tung aus jedem Quadratfuße Wa&longs;&longs;erfläche drey Cubikfuß; und wenn die halbe Oberfläche der Erde mit Wa&longs;&longs;er bedeckt i&longs;t, &longs;o &longs;teigen jährlich 168 1/2 Cubikmeilen Wa&longs;&longs;er daraus in die Atmo&longs;phäre. Setzt man hiezu die Ausdün&longs;tung der thieri&longs;chen Körper, welche für einen mittelmäßigen Men&longs;chen jährlich auf 8 Zoll &longs;teigt, und für hundert Millionen Men&longs;chen allein 1280 Millionen Cubikfuß austrägt, ferner die Ausdün&longs;tung der Pflanzen, welche bey der Sonnenblume <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Helianthus annuus)</HI> nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hales</HI> in einem Sommertage auf (1/40) Zoll &longs;teigt, und die des feuchten Landes, welche in England jährlich 8 Zoll betragen &longs;oll, ingleichen des &longs;ehr &longs;tark ausdün&longs;tenden Ei&longs;es, &longs;o &longs;ieht man wohl, daß die Atmo&longs;phäre durch die Ausdün&longs;tung mit einer ungemeinen Menge von Sub&longs;tanzen ver&longs;ehen werde, welche &longs;ich in ihr auf ver&longs;chiedene<PB ID="P.1.207" N="207" TEIFORM="pb"/> Wei&longs;e verbinden, neue Materien erzeugen und beträchtliche Veränderungen hervorbringen können.</P><P TEIFORM="p">Die Theorie der Ausdün&longs;tung hat die Phy&longs;iker von jeher be&longs;chäftiget. Es i&longs;t die Frage davon, auf welche Art die Körper &longs;o getheilt werden können, daß &longs;ie in der Luft, als einer leichtern Materie, auf&longs;teigen, und eine längere oder kürzere Zeit &longs;chwebend erhalten werden können. Man hat hierüber &longs;eit den älte&longs;ten Zeiten mancherley Hypothe&longs;en ausgedacht, deren Fehler vornehmlich darinn be&longs;tehen, daß jeder Naturfor&longs;cher den Grund aller Phänomene der Dün&longs;te in einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">einzigen</HI> Ur&longs;ache gefunden zu haben glaubte, da &longs;ich doch hiebey gewiß mehrere Ur&longs;achen mit einander vereinigen. Da die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wärme</HI> oder das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuer</HI> in die Ausdün&longs;tung einen &longs;o merklichen Einfluß hat, &longs;o hat &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toteles</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Meteorologic. L. I. c. 9.)</HI> die Ent&longs;tehung der Dün&longs;te der Wirkung oder dem Stoße des Feuers zuge&longs;chrieben. Einige neuere &longs;ind ihm hierinn gefolgt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">'s Grave&longs;ande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Phy&longs;. §. 2543.)</HI> glaubt, der Stoß allein reiche zwar nicht hin, aber die Wa&longs;&longs;ertheilchen würden durch die Wirkung der Wärme verdünnt, und &longs;pecifi&longs;ch leichter gemacht, &longs;o daß &longs;ie den hydro&longs;tati&longs;chen Ge&longs;etzen gemäß &longs;o hoch auf&longs;tiegen, bis &longs;ie eine Luft&longs;chicht von gleicher &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit anträfen. Wenn man bedenkt, daß das Wa&longs;&longs;er im gewöhnlichen Zu&longs;tande auf 800mal &longs;chwerer, als die Luft, i&longs;t, und daß dennoch das Eis &longs;ehr &longs;tark, &longs;elb&longs;t &longs;tärker als Wa&longs;&longs;er, ausdün&longs;tet, &longs;o wird die&longs;e Erklärung unwahr&longs;cheinlich, da ein &longs;ehr geringer Grad der Wärme eine 800mal größere &longs;pecifi&longs;che Leichtigkeit bewirken mü&longs;te. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> aber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elementa phy&longs;. Lugd. 1734. 8.)</HI> &longs;ucht die&longs;em Einwurfe durch folgende Rechnung zu begegnen. ”Die Dämpfe des ko”chenden Wa&longs;&longs;ers, &longs;agt er, &longs;ind 14000mal dünner, als ”das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t; die Hitze, welche die&longs;e Verdünnung ”bewirkt, i&longs;t nach Fahrenheits Thermometer 212 Grad; ”daher kan eine Sommerwärme von 90 Graden noch im”mer eine 5943fache, und die Temperatur des Eispunkts ”von 32 Graden eine 2113fache Verdünnung bewirken, ”mithin Dämpfe erzeugen, welche weit leichter, als die<PB ID="P.1.208" N="208" TEIFORM="pb"/> ”Luft, &longs;ind.“ Die&longs;e Berechnung i&longs;t zwar blos ein ungefährer Ueber&longs;chlag, und gründet &longs;ich auf die &longs;ehr willkührlich angenommene Eintheilung der Fahrenheiti&longs;chen Thermometer&longs;cale; nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reaumürs</HI> Scale würde man eben &longs;o finden, daß die Temperatur des Eispunkts <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gar keine</HI> Dämpfe mehr erzeugen könnte; &longs;ie hat al&longs;o eigentlich keine Beweiskraft. Da man aber doch weiß, daß &longs;elb&longs;t in denen Temperaturen, die wir die kälte&longs;ten nennen, noch Wärme anzutreffen &longs;ey, &longs;o kan man es wohl als möglich an&longs;ehen, daß die beym Eispunkte noch anzutreffende Wärme eine ziemliche Verdünnung bewirken könnte, welches die Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Zahlen &longs;innlich machen. Es lä&longs;t &longs;ich aber auch außerdem noch einwenden, daß die Dün&longs;te, wenn &longs;ie blos der Verdünnung der Theile wegen auf&longs;tiegen, im Winter nicht &longs;o hoch als im Sommer würden &longs;teigen können; da doch die Beobachtungen lehren, daß das Auf&longs;teigen oder Niederfallen der Dün&longs;te keinesweges von der Wärme allein abhange.</P><P TEIFORM="p">Viele Naturfor&longs;cher haben, um die Ent&longs;tehung und das Auf&longs;teigen der Dün&longs;te zu erklären, angenommen, daß die im Wa&longs;&longs;er enthaltene Luft, oder auch das Feuer &longs;elb&longs;t aus dem Wa&longs;&longs;er kleine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bläschen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bullulas, ve&longs;iculas)</HI> bilde, in welchen eine &longs;ehr verdünnte Luft oder eine andere äußer&longs;t feine und leichte Materie mit einer dünnen Wa&longs;&longs;erhaut überzogen &longs;ey. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. no. 192.)</HI> &longs;ucht durch &longs;olche Bläschen die Phänomene der Ausdün&longs;tung zu erklären; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chauvin</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nova circa vapores hypothe&longs;is in Mi&longs;c. Berol. To. I. p. 120.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leibnitz</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De elevatione vaporum et de corporibus, quae ob inclu&longs;am cavitatem in aëre natare po&longs;&longs;unt, Mi&longs;c. Berolin. To. I. p. 123.)</HI> nehmen &longs;olche Bläschen ebenfalls an. Der letztere berechnet, wenn die im Bläschen einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft zehnmal dünner, als die äußere, &longs;ey, &longs;o mü&longs;&longs;e ein mit der äußern Luft im Gleichgewichte &longs;tehendes Wa&longs;&longs;erbläschen 888mal größer &longs;eyn, als der Raum, den &longs;eine Wa&longs;&longs;erhaut allein einnehmen würde, und prüft dabey zugleich den Vor&longs;chlag des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana,</HI> eine luftleere küpferne Kugel in die Luft zu erheben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aero&longs;tat.</HI> Fa&longs;t die mei&longs;ten<PB ID="P.1.209" N="209" TEIFORM="pb"/> Phy&longs;iker haben dergleichen Bläschen bey ihren Erklärungen des Auf&longs;teigens der Dünfte zu Hülfe genommen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad philo&longs;. nat To. II. §. 2297.)</HI> glaubt, die Bewegung der Theile durch den Stoß des Feuers allein reiche zur Erklärung nicht hin; die Dün&longs;te mü&longs;ten &longs;on&longs;t &longs;o &longs;chnell, als der abge&longs;cho&longs;&longs;ene Schrot, auf&longs;teigen, welches man doch nie wahrnehme; auch verla&longs;&longs;e das Feuer dünne Körper bald. Das Feuer dringe vielleicht in die Theilchen ein, vergrößere ihren Durchme&longs;&longs;er, und verwandle &longs;ie in Bläschen, in welchen eine dünne Wa&longs;&longs;erhaut etwas weniges Feuer um&longs;chließe. Werde der Durchme&longs;&longs;er nur 10mal vergrößert, &longs;o werde das Theilchen in den 1000fachen Raum ausgedehnt, al&longs;o 1000mal leichter. Er hält aber doch das Da&longs;eyn der Bläschen nicht ganz für erwie&longs;en, zumal, da das Eindringen der Luft &longs;elb&longs;t in &longs;olche hole Körperchen die ganze Wirkung wieder vereiteln würde; er nimmt daher noch eine &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> angenommene umdrehende Bewegung der Wa&longs;&longs;ertheilchen zu Hülfe, und &longs;chließt endlich doch, das Feuer allein köune nicht die Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te bis in die Region der Wolken &longs;eyn. Es komme daher noch die Elektricität zu Hülfe, woraus auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;aguliers</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. no. 407.</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Cour&longs;e of exper. philo&longs;. To. II. lect. 10.)</HI> die Sache erklärt hat; wenn kleine Körper von die&longs;er umgeben wären, würden &longs;ie von der ebenfalls elektri&longs;chen Luft angezogen; &longs;o &longs;ey das Feuer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ignis mas)</HI> die Ur&longs;ache des er&longs;ten Herausgehens und die Elektricität <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ignis femina)</HI> die Ur&longs;ache des fernern Auf&longs;teigens der Dün&longs;te, wozu er denn auch noch das unterirdi&longs;che Feuer, die Gährungen im Innern der Erde, die Winde rc. hinzu&longs;etzt. Die&longs;e kurze Dar&longs;tellung der Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Meinungen wird zeigen, wie ungewiß man damals über die Ur&longs;achen der Ausdün&longs;tung war, und mich darüber rechtfertigen, daß ich nicht noch mehrere Hypothe&longs;en hinzu&longs;etze.</P><P TEIFORM="p">Die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Bordeaux &longs;etzte im Jahre 1743 einen Preiß auf die Erklärung des Auf&longs;teigens der Dün&longs;te, welchen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kratzen&longs;tein</HI> (Abhol. vom<PB ID="P.1.210" N="210" TEIFORM="pb"/> Auf&longs;teigen der Dün&longs;te und Dämpfe, Halle 1744. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hamberger</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. &longs;ur la cau&longs;e de l' elevation des vapeurs, Bordeaux 1743. 4.)</HI> beyde erhielten. Der er&longs;tere hielt &longs;ich ganz an das Sy&longs;tem der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bläschen</HI> (Ve&longs;icular&longs;y&longs;tem), deren Größe und &longs;pecifi&longs;che Schwere er durch &longs;innreiche Methoden zu be&longs;timmen &longs;uchte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dün&longs;te;</HI> der zweyte erklärte das Auf&longs;teigen durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adhä&longs;ion</HI> der Theilchen an Feuer und Luft; an das Wa&longs;&longs;ertheilchen auf der Oberfläche hängt &longs;ich nach ihm von innen das Feuer, welches &longs;einen Zu&longs;ammenhang mit dem übrigen Wa&longs;&longs;er trennt, und von außen die Luft, da aber die Luft &longs;tärker darauf wirkt, als das Feuer, &longs;o nünmt die&longs;e es an &longs;ich, und &longs;o wird es aus einer Luft&longs;chicht in die andere erhoben. In &longs;einen 1750 neu herausgekommenen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Elementis phy&longs;ices</HI> aber hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hamberger</HI> die Ausdün&longs;tung gänzlich durch eine Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in der Luft erklärt, und von der&longs;elben eben &longs;o, wie von allen andern chymi&longs;chen Auflö&longs;ungen, Rechen&longs;chaft abzulegen ver&longs;ucht.</P><P TEIFORM="p">Am weitläufig&longs;ten i&longs;t die Theorie der Ausdün&longs;tung als einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auflö&longs;ung</HI> des Wa&longs;&longs;ers in Luft von le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roi</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mém. &longs;ur l' elevation et la &longs;u&longs;pen&longs;ion de l' eau dans l' air</HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mém. de l' acad. de Paris 1751. p. 481.)</HI> ausgeführt worden. Seine Sätze verdienen wohl einige Anführung.</P><P TEIFORM="p">1. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Das Wa&longs;&longs;er wird in der Luft wirklich aufgelö&longs;et.</HI> Man werfe an einem heitern Sommertage etwas Eis in ein recht trocknes Glas. Das Glas wird davon bald trüb gemacht, und an &longs;einen äußern Wänden zeigt &longs;ich eine unzählbare Menge kleiner Wa&longs;&longs;ertröpfchen. Das Wa&longs;&longs;er, das &longs;ich in &longs;o großer Menge an die äußern Glaswände legt, mu&longs;te doch vorher in der Luft &longs;chweben, und da es die Heiterkeit und Durch&longs;ichtigkeit der&longs;elben nicht minderte, mu&longs;te es in ihr vollkommen aufgelö&longs;et &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">2. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die&longs;e Auflö&longs;ung hat gleiche Eigen&longs;chaften mit den Auflö&longs;ungen der Salze im Wa&longs;&longs;er.</HI> Luft von gegebner Wärme kan nicht mehr als eine be&longs;timmte Menge Wa&longs;&longs;ev in &longs;ich aufgelö&longs;t halten; wird &longs;ie kälter, &longs;o &longs;chlägt &longs;ich ein Theil des aufgelö&longs;ten Wa&longs;&longs;ers nieder, wird<PB ID="P.1.211" N="211" TEIFORM="pb"/> &longs;ie wärmer, &longs;o lö&longs;et &longs;ie mehr anf. Dies lehren die Ver&longs;uche deutlich. Eine wohl ver&longs;topfte glä&longs;erne Kugel auf eiskaltes Wa&longs;&longs;er gelegt, überzieht &longs;ich nach 3—4 Minuten inwendig mit vielen Wa&longs;&longs;ertröpfchen, die aber bald wieder ver&longs;chwinden, wenn &longs;ich die Kugel erwärmt; die&longs;er Wa&longs;&longs;ertröpfchen &longs;ind weniger, wenn das Wa&longs;&longs;er, worauf die Kugel gelegt wird, wärmer i&longs;t. Uebrigens will <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Roi</HI> durch den Ausdruck: Auflö&longs;ung der Salze in Wa&longs;&longs;er, nur &longs;o viel &longs;agen, es gehe eine wahre <HI REND="bold" TEIFORM="hi">chymi&longs;che Auflö&longs;ung</HI> vor; er gebraucht das Bey&longs;piel der Salze blos, die Sache &longs;innlicher zu machen, weil die Naturfor&longs;cher damals noch nicht &longs;o, wie jezt, an die Sprache der Chymie gewöhnt waren.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Le Roi</HI> &longs;chließt aus die&longs;er Theorie, es mü&longs;&longs;e für jeden Zu&longs;tand der Luft eine gewi&longs;&longs;e Temperatur geben, bey welcher &longs;ie anfangen würde, einen Theil des in ihr aufgelößten Wa&longs;&longs;ers fallen zu la&longs;&longs;en. Die&longs;e Temperatur nennt er den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Grad der Sättigung der Luft.</HI> Wäre z. B. die&longs;er Grad der Sättigung für einen gewi&longs;&longs;en Tag der zehnte Grad des Reaumüri&longs;chen Thermometers, &longs;o würde die Luft über die&longs;en Grad erwärmt, immer noch mehr Wa&longs;&longs;er auflö&longs;en; gerade auf die&longs;en Grad erkältet, zwar keines mehr auflö&longs;en, aber auch noch keines fallen la&longs;&longs;en; unter die&longs;en Grad erkältet aber de&longs;to mehr fallen la&longs;&longs;en, je mehr &longs;ie erkältet würde. Er giebt Methoden an, die&longs;en Grad der Sättigung zu jeder Zeit zu be&longs;timmen, und &longs;chlägt Beobachtungen hierüber, mit andern meteorologi&longs;chen Wahrnehmungen verglichen, als die be&longs;ten Mittel vor, die wahren Ur&longs;achen der veränderlichen Auflö&longs;ungskraft der Luft zu entdecken, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Hygrometer.</HI></P><P TEIFORM="p">Man könnte gegen die&longs;e Theorie des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Roi</HI> einwenden, das Wa&longs;&longs;er dün&longs;te nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwed. Abhdl. 1740. S. 27.) auch im luftleeren Raume aus; allein da unter der Glocke der Luftpumpe eine &longs;o große Menge Luft aus dem Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t hervorgehet, &longs;o kan ein Raum, in welchem Wa&longs;&longs;er ausdün&longs;tet, nie vollkommen luftleer &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;te und vorjetzt die befriedigend&longs;te Theorie der Ausdün&longs;tung hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrometrie.<PB ID="P.1.212" N="212" TEIFORM="pb"/> a Neuchâtel. 1783. 8. E&longs;&longs;ai III.)</HI> vorgetragen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dämpfe</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dün&longs;te</HI> &longs;ind nach ihm Ausflü&longs;&longs;e, welche &longs;ich aus den Körpern in die Luft erheben, und in der&longs;elben &longs;chwebend bleiben, bis &longs;ie durch andere Ur&longs;achen wieder von ihr getrennt und in gröberer Form mit einander vereiniget werden. Alle Körper können durch Natur oder Kun&longs;t in Dämpfe aufgelö&longs;et werden; be&longs;onders wird das Wa&longs;&longs;er durch Hülfe des Feuers in den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ela&longs;ti&longs;chen Dampf</HI> verwandlet, welchen man aus der Aeolipile (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Windkugel</HI>) herausgehen &longs;ieht, und der die Dampfma&longs;chinen treibt. Die&longs;er ela&longs;ti&longs;che Dampf ent&longs;teht durch eine Verbindung des Feuers mit dem Wa&longs;&longs;er; mit &longs;einer Ent&longs;tehung hat die Luft nichts zu thun, &longs;ie i&longs;t vielmehr durch ihren Druck der&longs;elben mehr hinderlich, und im luftleeren Raume kan &longs;chon die geringe Wärme der Hand das Wa&longs;&longs;er in Dampf verwandlen, oder zum Sieden bringen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sieden.</HI> Die&longs;e Auflö&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers im Feuer hei&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdampfung, &longs;. Dämpfe.</HI></P><P TEIFORM="p">Außerdem aber lö&longs;et auch die Luft das Wa&longs;&longs;er auf, und verbindet &longs;ich vorzüglich &longs;ehr leicht mit dem durchs Feuer hervorgebrachten ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben, wenn er nicht mehr Kraft genug hat, die Luft aus der Stelle zu treiben. Nach Hrn. de Sau&longs;&longs;ure &longs;oll die Luft das Wa&longs;&longs;er gar nicht unmittelbar auflö&longs;en, &longs;ondern blos &longs;ich mit dem ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben vermi&longs;chen, oder es &longs;oll keine Ausdün&longs;tung ohne Verdampfung geben. Ausdün&longs;tung i&longs;t al&longs;o nach ihm Auflö&longs;ung der ela&longs;ti&longs;chen Dämpfe des Wa&longs;&longs;ers in der Luft.</P><P TEIFORM="p">Hieraus erklärt &longs;ich nun leicht das Phänomen, daß die Ausdün&longs;tung Kälte erzeugt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 290.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. &longs;ur la glace. P. II. Sect. 2. ch. 8 et 9.)</HI> hatten &longs;chon bemerkt, daß das Thermometer fällt, wenn man &longs;eine Kugel aus dem Wa&longs;&longs;er zieht und an der Luft trocknen lä&longs;t, oder wenn man &longs;ie abwech&longs;elnd befeuchtet und trocknen lä&longs;t, allein &longs;ie &longs;chrieben das Phänomen nicht der wahren Ur&longs;ache zu. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cullen</HI> (Edinburgi&longs;che Ver&longs;uche Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.)</HI> leitete es zuer&longs;t von der Ausdün&longs;tung her. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franklin</HI> be&longs;chreibt<PB ID="P.1.213" N="213" TEIFORM="pb"/> in &longs;einem 60&longs;ten Briefe einen Ver&longs;uch mit einer dünnen Glasröhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 32.), an deren Enden &longs;ich zwo luftleere und halb mit Wa&longs;&longs;er oder Weingei&longs;t gefüllte Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> befinden. Hält man beyde Kugeln in den Händen, &longs;o zeigt &longs;ich keine Bewegung: hält man aber nur die eine Kugel, indem die andere kalt bleibt, &longs;o geht das Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich aus der erwärmten in die kalte über, und kocht darinn &longs;o lang, als man die leere Kugel in der Hand behält. So lang die&longs;e Kugel noch Wa&longs;&longs;er enthält, das &longs;ich in Dämpfe verwandlet, bleibt &longs;ie immer kalt, &longs;o warm auch die Hand &longs;eyn mag, &longs;obald aber das Wa&longs;&longs;er heraus i&longs;t, wird &longs;ie &longs;ogleich warm. Sie entzog nemlich vorher der Hand die Wärme, die zur Verdampfung verwendet ward, und erregte dadurch Empfindung der Kälte.</P><P TEIFORM="p">Auch erklärt &longs;ich, warum Wind oder Bewegung der Luft die Ausdün&longs;tung in &longs;o hohem Grade befördere. Die Winde erneuren die Luft um den ausdün&longs;tenden oder trocknenden Körper be&longs;tändig, und führen neue noch nicht ge&longs;ättigte Luft herbey, welche die Dämpfe &longs;chneller auflö&longs;et. Daher trocknen die Winde &longs;o &longs;chnell.</P><P TEIFORM="p">Die Wärme befördert die Ausdün&longs;tung, 1) weil &longs;ie mehr Elementarfeuer herbeybringt, 2) weil &longs;ie die auflö&longs;ende Kraft der Luft ver&longs;tärkt, 3) weil &longs;ie Bewegungen in der Luft verur&longs;acher.</P><P TEIFORM="p">Die nicht in der Luft aufgelößten Dämpfe &longs;etzen &longs;ich an den Oberflächen kalter Körper als Thau oder Kry&longs;tallen an. Finden &longs;ie keinen kalten Körper hiezu, &longs;o vereinigen &longs;ie &longs;ich in Tropfen, Nadeln oder Bläschen, und geben dadurch die Anlagen zu Regen, Schnee, Wolken und Nebeln, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dün&longs;te.</HI></P><P TEIFORM="p">In dünnerer Luft ent&longs;tehen zwar wegen des geringern Drucks die Dämpfe leichter, es wird aber auch weniger davon in der Luft aufgelö&longs;et. Daher i&longs;t die Ausdün&longs;tung in dünnerer Luft &longs;chwächer, wofern nicht das Wa&longs;&longs;er &longs;ehr warm i&longs;t, und durch kalte Oberflächen ein be&longs;tändiger Nieder&longs;chlag bewirkt wird. Man &longs;ieht bisweilen unter der Glocke der Luftpumpe, bald nach den er&longs;ten Zügen, eine<PB ID="P.1.214" N="214" TEIFORM="pb"/> Wolke ent&longs;tehen, welche wieder ver&longs;chwindet, und aufs neue er&longs;cheint, wenn man wieder Luft unter die Glocke läßt, und das Auspumpen von neuem anfängt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Leçons de phy&longs;ique exp. To. III. p. 364.)</HI> hatte die&longs;en Dun&longs;t &longs;chon bemerkt, glaubte, er ent&longs;tehe aus der Luft, die bey der Verdünnung Feuchtigkeit fallen la&longs;&longs;e, und erklärte &longs;o die Ent&longs;tehung des Regens bey verdünnter Luft, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De Sau&longs;&longs;ure</HI> hingegen zeigt, er ent&longs;tehe aus dem feuchten Körper der Luftpumpe, de&longs;&longs;en Feuchtigkeit bey vermindertem Drucke der Luft mehr verdampfe, die näch&longs;ten Luft&longs;chichten bald &longs;ättige, und durch den Ueberfluß einen bla&longs;enförmigen Nieder&longs;chlag bilde, den aber die folgenden Luft&longs;chichten bald auflö&longs;en. Eben die&longs;er Dampf er&longs;cheint auch, wenn man verdichtete Luft wieder verdünnet, aus gleichen Ur&longs;achen.</P><P TEIFORM="p">Daß die Ausdün&longs;tung durch ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mechani&longs;ches Fortreißen</HI> der Wa&longs;&longs;ertheilchen vom Feuer bewirkt werde, haben viele daher bewei&longs;en wollen, weil man Abends nach Sonnenuntergang eine &longs;o &longs;tarke Ausdün&longs;tung des &longs;ich abkühlenden Erdbodens wahrnimmt. Allein de Sau&longs;&longs;ure zeigt &longs;ehr wohl, daß hiebey die Ausdün&longs;tung nicht &longs;tärker, nur wegen der kühlen Luft &longs;ichtbarer &longs;ey. Wa&longs;&longs;er über dem Feuer dün&longs;tet nicht wegen des ausgehenden Feuers aus. Denn wenn die Mündung des Gefäßes in ein anderes gleich heißes geht, &longs;o i&longs;t die Ausdün&longs;tung weit &longs;tärker, obgleich alsdann gar kein Feuer aus dem Wa&longs;&longs;er herausgeht; daher darf auch beym De&longs;tilliren die Vorlage nicht allzuplötzlich oder zu &longs;tark erkältet werden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mechani&longs;che</HI> Austreibung würde auch das Schweben der Dün&longs;te in der Luft nicht erklären, welches eine Fe&longs;thaltung durch chymi&longs;che Auflö&longs;ung anzeigt.</P><P TEIFORM="p">Die Stärke der Ausdün&longs;tung hängt von Wärme des Wa&longs;&longs;ers, Größe der Oberfläche, Wärme, Trockenheit, Bewegung und Dichte der Luft ab. Sie wird durch Werkzeuge geme&longs;&longs;en, von welchen das Wort <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmometer</HI> nachzu&longs;ehen i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Das Eis dün&longs;tet, wie &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plinius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. natur. XXXI. 3.)</HI> bemerkt hat, &longs;ehr &longs;tark aus. Doch vermindert<PB ID="P.1.215" N="215" TEIFORM="pb"/> die Kälte die&longs;e Ausdün&longs;tung. Was <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gauteron</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. de Paris. 1708. p. 451.)</HI> bemerkt haben will, daß es bey &longs;tärkerm Fro&longs;te &longs;tärker dün&longs;te, i&longs;t nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwedi&longs;che Abhandlung. 1746.) nur für den Augenblick der Ent&longs;tehung des Ei&longs;es wahr, in welchem die Ausdün&longs;tung überhaupt ungewöhnlich &longs;tark i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Eis.</HI></P><P TEIFORM="p">Volatile Beymi&longs;chungen befördern die Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers; &longs;alzige hemmen &longs;ie. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (a. a. O.) giebt dies nur für die er&longs;ten 24—28 Stunden zu, nach deren Verlauf Salzwa&longs;&longs;er eben &longs;o &longs;tark, als reines Wa&longs;&longs;er, dün&longs;te. Auch will er es nur für Koch&longs;alz und Salpeter zugeben, Vitriol und Alaun &longs;ollen die Ausdün&longs;tung befördern. Es bleibt hierinn noch &longs;ehr viel zu unter&longs;uchen übrig. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. de l' acad. de Paris 1764.),</HI> der aus der Sole bey Bevieux in der Schweiz durch Ausdün&longs;ten an der Sonne Salz zu ziehen ver&longs;uchte, fand auch, daß mehr Salzgehalt die Ausdün&longs;tung &longs;chwäche.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;ten Ver&longs;uche in Paris und London haben gelehrt, daß Ausdün&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers negative Elektricität errege — ein Zeichen, daß die auf&longs;teigenden Dün&longs;te &longs;elb&longs;t po&longs;itiv elektri&longs;irt &longs;eyn mü&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> Dictionnaire rai&longs;onné de Phy&longs;. art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Evaporation. Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. §. 2297. &longs;qq.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Torb. Bergmann</HI> phy&longs;. Be&longs;chreibung der Erdkugel durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Röhl,</HI> Greifsw. 1780. §. 106 u. f. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure</HI> E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai III.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausflü&longs;&longs;e" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausflü&longs;&longs;e</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Effluvia, Emanationes, Exhalationes, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Emanations, Emi&longs;&longs;ions, Exhalai&longs;ons.</HI></HI> Wenn &longs;ich Theile, die vorher zu einem Körper gehörten, von dem&longs;elben trennen, und in flüßiger oder wenig&longs;tens &longs;ehr verfeinerter Ge&longs;talt durch das ihn umgebende Mittel verbreiten, &longs;o nennt man &longs;owohl die&longs;e Begebenheit, als auch dasjenige &longs;elb&longs;t, was aus dem Körper herausgehr, einen Ausfluß. Die Trennung der Ausflü&longs;&longs;e von dem Körper kan auf mehrere Arten, z. B. durch eine innere Bewegung feiner Theile, durch Auflö&longs;ung rc. bewirkt werden.</P><P TEIFORM="p">So erzeugen die Verdampfung und Ausdün&longs;tung der Körper, die Trans&longs;piration der Thiere und Pflanzen, die<PB ID="P.1.216" N="216" TEIFORM="pb"/> Gährung, die Entbindungen der ela&longs;ti&longs;chen flüßigen Materien oder Gasarten, be&longs;tändige Ausflü&longs;&longs;e. Die Gerüche verbreiten &longs;ich durch Ausflü&longs;&longs;e aus den riechenden Körpern, welche durch unmittelbare Berührung auf das Werkzeug des Geruchs wirken.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e &longs;ind oft von einer bewundernswürdigen Feinheit. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> hat Bey&longs;piele hievon in einer eignen Schrift <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Exerc. de mira &longs;ubtilitate effluviorum in Opp. Genevae 1680. 4.)</HI> ge&longs;ammlet. Ein Gran Mo&longs;chus kan 20 Jahr lang einen großen Raum mit merklichem Geruch erfüllen, ungeachtet die Luft alle Tage abgeändert wird. Eine Ma&longs;&longs;e A&longs;a fötida verlohr des heftigen Geruchs ohngeachtet in 6 Tagen an freyer Luft nur 1/8 Gran von ihrem Gewichte, woraus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keil</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad ver. phy&longs;. Lect. V.)</HI> berechnet, daß die Größe eines jeden Theilchens geringer, als ein 38 Trilliontheilchen eines Cubikfußes gewe&longs;en &longs;ey. Die Ausflü&longs;&longs;e dringen daher oft durch die fein&longs;ten Zwi&longs;chenräume, und werden von andern Körpern, ohne Zweifel durch eine Wirkung der Anziehung, entweder auf der Oberfläche fe&longs;tgehalten oder in das Innere einge&longs;ogen. Die verderblichen Ausflü&longs;&longs;e kranker Körper haben bisweilen auf wunderbare und fa&longs;t unbegreifliche Arten Pe&longs;t und andere an&longs;teckende Krankheiten verbreitet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sennert</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De febribus, L. IV. c. 3.)</HI> erzählt, nach der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pe&longs;t</HI> zu Breslau im Jahre 1542 habe ein Pack Leinwand 14 Jahre gelegen, und nach Verlauf die&longs;er Zeit in einer andern Stadt aufgewickelt, noch eine gefährliche An&longs;teckung an mehrere Orte verbreitet; und nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Diemerbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De pe&longs;te L. IV.)</HI> &longs;tieß ein Mann in Nimägen etwas Stroh, worauf ein Pe&longs;tkranker vor acht Monaten gelegen hatte, das aber den ganzen Winter über der freyen Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en war, mit dem Fuße fort, und bekam an die&longs;em Fuße eine Pe&longs;tbeule, ohne Fieber zu fühlen, oder &longs;on&longs;t krank zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die men&longs;chlichen und thieri&longs;chen Körper, &longs;o wie die Pflanzen, verlieren durch die Ausflü&longs;&longs;e bey ihrer Trans&longs;piration unaufhörlich etwas von ihren Be&longs;tandtheilen, welches durch Nahrung und andere Zugänge wieder er&longs;etzt<PB ID="P.1.217" N="217" TEIFORM="pb"/> wird. Die&longs;e Veränderungen treffen flüßige und fe&longs;te Theile, und es i&longs;t ausgemacht, daß wir nach Verlauf einer Anzahl von Jahren großentheils einen andern Körper &longs;tatt des vorigen bekommen.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t daher nicht zu läugnen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der Körper ein &longs;ehr wirk&longs;ames Mittel &longs;ind, wodurch die Natur, ganz &longs;till und unbemerkt, manche Veränderung von großen Folgen hervorbringt. Man hat &longs;ie aber auch oft zu Erklärungen von Phänomenen und zu Theorien gemißbraucht, welche nur den Aberglauben und die Betrügerey zu nähren dienten. Ein Bey&longs;piel hievon i&longs;t die Erklärung des Phänomens, daß der Wein in den Fä&longs;&longs;ern trüb wird, wenn in den entfernten Ländern, wo die&longs;er Wein wuchs, die Trauben reifen. Man hat behaupten wollen, daß die Ausflü&longs;&longs;e der reifenden Trauben, die &longs;ich durch die ganze Atmo&longs;phäre verbreiteten, den Wein an den entlegen&longs;ten Orten trüb machten, ohne zu bedenken, daß eine gewi&longs;&longs;e Be&longs;chaffenheit der Luft in die&longs;er Jahrszeit zugleich die Ur&longs;ache des Reifens und Trübwerdens &longs;eyn kan. So hat man die fabelhafte&longs;ten Erzählungen von &longs;ympatheti&longs;chen und antipatheti&longs;chen Wirkungen und Heilmitteln, von Auf&longs;uchung der Metalle oder Entdeckung der Mörder durch die Wün&longs;chelruthe, vom Spüren oder vielmehr Fühlen des Wa&longs;&longs;ers in einer großen Tiefe unter der Erde, u. dgl. durch Ausflü&longs;&longs;e begreiflich zu machen, und viele abge&longs;chmackte Mährchen durch ein umgehangenes Gewand einer phy&longs;ikali&longs;chen Erklärung ihrer verdienten Verachtung zu entreißen ge&longs;ucht. Ein &longs;olches Verfahren i&longs;t der Entdeckung und Ausbreitung der Wahrheit ungemein hinderlich; es zieht von genauer Unter&longs;uchung der That&longs;achen und von Entlarvung der Betrüger ab, unterhält die Leichtgläubigkeit, und verführt auch denjenigen Theil des Publikums, der &longs;on&longs;t wei&longs;e und aufgeklärt &longs;cheinen will, durch den Vorwand, daß &longs;ich gewi&longs;&longs;e Sachen doch phy&longs;ikali&longs;ch erklären ließen. Ich läugne nicht, daß gegen die Ausflü&longs;&longs;e der Körper, die &longs;ich oft &longs;ehr weit verbreiten, gewi&longs;&longs;e Men&longs;chen, Thiere u. &longs;. w. empfindlicher als andere &longs;ind; von den Hunden z. B. i&longs;t dies unläugbar;<PB ID="P.1.218" N="218" TEIFORM="pb"/> allein man muß ihnen nicht Wirkungen, wie Bewegung einer Ruthe u. dgl., die &longs;ie nie haben können, zu&longs;chreiben, und überhaupt nie eher erklären wollen, als bis die That&longs;achen und Beobachtungen zuverläßig ausgemacht und gehörig be&longs;timmt &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Man hat auch die elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen durch Ausflü&longs;&longs;e aus den Körpern zu erklären ge&longs;ucht. Es kömmt hiebey auf den Begrif an, den man mit dem Worte Ausfluß verbindet. Ver&longs;teht man darunter die in der Luft aufgelö&longs;eten Ausdün&longs;tungen oder flüchtigen Be&longs;tandtheile der Körper, durch welche die&longs;e einen Abgang ihrer Ma&longs;&longs;e leiden, ihren Geruch verbreiten u. &longs;. f., &longs;o &longs;ind die&longs;e Ausflü&longs;&longs;e, &longs;o fein &longs;ie immer &longs;eyn mögen, doch noch zu grob, um &longs;ich mit den weit feinern Ur&longs;achen der Elektricität und des Magneti&longs;mus vergleichen zu la&longs;&longs;en. Nennt man aber Ausfluß alles ohne Unter&longs;chied, was aus den Zwi&longs;chenräumen eines Körpers kömmt, &longs;o kan man es allenfalls zula&longs;&longs;en, die Materien, welche bey den elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen aus den Körpern aus&longs;trömen, Ausflü&longs;&longs;e zu nennen, wie z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> thun, ob es gleich nicht dem neuern phy&longs;ikali&longs;chen Sprachgebrauche gemäß i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Da <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> das Licht für einen &longs;olchen Ausfluß aus den leuchtenden Körpern angenommen hat, &longs;o wird &longs;eine Theorie des Lichts insgemein das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Emanations-</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Emi&longs;&longs;ions&longs;y&longs;tem</HI> genannt.</P></DIV2><DIV2 N="Auslader" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auslader, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Excitator electricus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Excitateur, Arcconducteur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So heißen ver&longs;chiedene zur elektri&longs;chen Geräth&longs;chaft gehörige Werkzeuge, welche zum Ausziehen der Funken und zur Entladung der Fla&longs;chen und Batterien dienen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">De Romas</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mém. pre&longs;entés à l' Acad. des Sc. To. II. p. 393.)</HI> gab zu &longs;icherer Ausziehung der Funken aus einer Wetter&longs;tange bey Gewittern einen Auslader an. Die&longs;er be&longs;teht aus einer glä&longs;ernen, etliche Schuh langen, Röhre, an deren einem Ende &longs;ich eine blecherne Röhre befindet. Von ber blechernen Röhre hängt eine Kette von<PB ID="P.1.219" N="219" TEIFORM="pb"/> Me&longs;&longs;ingdrath bis auf die Erde herab. Hält man die&longs;en Auslader an der glä&longs;ernen Röhre in der Hand, und nähert das blecherne Ende der Wetter&longs;tange oder dem mit der Elektricität der Gewitterwolke geladenen Conductor, &longs;o bricht der Funken aus, geht aber durch die Kette &longs;ogleich in die Erde über. Die Hand wird durch den glä&longs;ernen Handgrif be&longs;chützt, und fühlt nichts von der durch den Funken verur&longs;achten Er&longs;chütterung. Die Glasröhre &longs;oll nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Romas</HI> Vor&longs;chrift wenig&longs;tens einen halben Zoll im Durchme&longs;&longs;er halten, auch &longs;o lang als möglich, und vollkommen trocken, die Kette aber 10—12 Schuh lang &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die Auslader, welche gewöhnlich zu Entladung der Fla&longs;chen oder Batterien gebraucht werden, be&longs;tehen aus einem Stabe von Me&longs;&longs;ing, Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 33., der insgemein in Ge&longs;talt eines <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> gekrümmt i&longs;t; man macht &longs;ie auch aus zween Schenkeln, die &longs;ich wie ein Zirkel öfnen la&longs;&longs;en. Die&longs;er Stab hat an &longs;einen beyden Enden <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> metallene Knöpfe, und einen nichtleitenden Handgrif <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> etwa von Glas oder gedörrtem Holz, der in der Mitte de&longs;&longs;elben befe&longs;tiget i&longs;t. Beym Gebrauche faßt man das In&longs;trument bey dem Handgrif, berührt eine von den beyden Seiten des geladenen elektri&longs;chen Körpers mit dem einen Knopfe, und nähert den andern an die andere belegte Seite oder an eine mit der&longs;elben verbundene leitende Sub&longs;tanz <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A,</HI> &longs;o wird dadurch die Verbindung zwi&longs;chen beyden Seiten ergänzt, der Schlag bricht aus, und der elektri&longs;che Körper wird entladen, ohne daß die Hand den Schlag fühlt. Wenn die Ladung nicht &longs;tark i&longs;t, &longs;o kan man auch ohne glä&longs;ernen Handgrif den bloßen Stab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> anfa&longs;&longs;en, weil die Elektricität den Weg durch das Metall nimmt, ohne in die Hand zu wirken; bey &longs;tärkern Ladungen aber hat man die Lateralexplo&longs;ion zu fürchten.</P><P TEIFORM="p">Bey Entladung einer Batterie wird insgemein der Haken an der Seite des Ka&longs;tens, worinn die Fla&longs;chen &longs;tehen, welcher mit der äußern Belegung verbunden i&longs;t, durch einen Drath mit dem einen Arme des Ausladers zu&longs;ammengehangen, der andere Arm aber mit &longs;einem Knopfe an<PB ID="P.1.220" N="220" TEIFORM="pb"/> einen von den Stäben genähert, welche die innern Seiten der Fla&longs;chen mit einander verbinden.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t &longs;ehr bequem, die Dräthe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> an den Enden zuzu&longs;pitzen, und hole me&longs;&longs;ingene Kugeln darauf zu &longs;tecken. Wenn man alsdann die Kugeln abnimmt, &longs;o kan man vermittel&longs;t der Spitzen eine &longs;tille Entladung ohne Funken und Schlag bewirken.</P><P TEIFORM="p">Das Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 34. vorge&longs;tellte von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Henly</HI> erfundene In&longs;trument führt den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">allgemeinen Ausladers</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">univer&longs;al di&longs;charger</HI>),</HI> und i&longs;t zu &longs;ehr vielen elektri&longs;chen Ver&longs;uchen brauchbar. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> i&longs;t ein Bret, welches den Fuß des In&longs;truments abgiebt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BB</HI> zwo Glas&longs;äulen, in das Bret eingeküttet, und oben mit me&longs;&longs;ingenen Hauben ver&longs;ehen, deren jede ein doppeltes Charnier hat, und in einer glä&longs;ernen Röhre den Drath <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> trägt, der &longs;ich nicht nur in der Röhre ver&longs;chieben, &longs;ondern auch vermittel&longs;t der Charniere &longs;owohl vertikal, als horizontal herumdrehen lä&longs;t. Jeder Drath hat an dem Ende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> einen Ring und an dem zuge&longs;pitzten Ende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> eine me&longs;&longs;ingene Kugel, die man auch abnehmen kan. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> i&longs;t eine &longs;tarke hölzerne Scheibe, fünf Zoll im Durchme&longs;&longs;er, auf deren Fläche ein Streif Elfenbein eingelegt i&longs;t, und die einen &longs;tarken cylindri&longs;chen Fuß hat. Die&longs;er Fuß geht in den holen Cylinder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> der in der Mitte des untern Brets befe&longs;tiget i&longs;t, und worinn der Fuß der hölzernen Scheibe vermittel&longs;t der Stell&longs;chraube <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G</HI> auf jede erforderliche Höhe ge&longs;tellt werden kan. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> i&longs;t eine kleine zu die&longs;em In&longs;trumente gehörige Pre&longs;&longs;e; &longs;ie be&longs;teht aus zweyen länglichen Bretern, welche durch zwey Schrauben an einander gepre&longs;&longs;et werden können, und lä&longs;t &longs;ich mit einem an dem unter&longs;ten Brete befe&longs;tigten Fuße &longs;tatt der Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> in das In&longs;trument ein&longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;es In&longs;trument dient, elektri&longs;che Schläge aus geladenen Fla&longs;chen oder Batterien durch oder über jeden beliebigen Körper gehen zu la&longs;&longs;en. Verlangt man z. B. den Schlag über die Fläche eines Kartenblatts zu führen, &longs;o lege man das Blatt auf die Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E,</HI> und &longs;telle die Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> an die Fläche de&longs;&longs;elben, etwa 3/4 Zoll aus einander. Verbindet man nun den einen Drath <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> durch<PB ID="P.1.221" N="221" TEIFORM="pb"/> eine Kette mit der äußern Belegung einer geladenen Fla&longs;che oder Batterie, und bringt den Knopf der Fla&longs;che oder den Knopf eines mit der innern Seite der Batterie verbundnen gewöhnlichen Ausladers gegen den andern Drath, &longs;o geht der Schlag aus einer Kugel in die andere über die Oberfläche des Kartenblatts hin. Will man durch ein Spiel Karten &longs;chlagen, &longs;o &longs;tellt man da&longs;&longs;elbe aufrecht auf die Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E,</HI> &longs;o daß es die Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> auf beyden Seiten berühren. Legt man Goldblättchen zwi&longs;chen zwey Stücken Glas, lä&longs;t &longs;ie an beyden Seiten ein wenig herausgehen, preßt dann die Glas&longs;tücken mit der Pre&longs;&longs;e zu&longs;ammen, und legt die herausgehenden Enden der Goldblättchen an die Enden der Dräthe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> an, &longs;o verbindet der durchgehende Schlag das Metall &longs;o innig mit dem Gla&longs;e, daß es davon weder abge&longs;chabt, noch durch die gewöhnlichen Auflö&longs;ungsmittel herausgebracht werden kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo</HI> voll&longs;t. Abhdl. der Lehre von der Elektricität, aus d. Engl. dritte Aufl. Leipzig 1785. gr. 8. S. 129.</P></DIV2><DIV2 N="Austritt" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Austritt, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Emer&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Emer&longs;ion</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So heißt in der Sternkunde der Augenblick, in welchem bey Verfin&longs;terungen oder Bedeckungen ein Ge&longs;tirn aus dem Schatten oder hinter dem bedeckenden Körper wieder hervortritt. Der Augenblick, in welchem nach totalen Verfin&longs;terungen ein Ge&longs;tirn zuer&longs;t wieder &longs;ichtbar zu werden anfängt, heißt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anfang des Austritts;</HI> der Augenblick, in welchem es ganz vom Schatten oder von dem bedeckenden Körper verla&longs;&longs;en wird, i&longs;t der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gänzliche Austritt.</HI></P><P TEIFORM="p">Bey Durchgängen der Venus und des Merkurs durch die Sonnen&longs;cheibe heißt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anfang</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Austritts</HI> der Augenblick, in welchem der vorangehende Rand des Planeten den Sonnenrand von innen berührt; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gänzlicher Austritt</HI> der, in welchem der nachfolgende Rand den Sonnenrand von außen berührt, oder der Planet die Sonnen&longs;cheibe ganz verläßt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Fin&longs;terni&longs;&longs;e, Bedeckungen, Durchgänge.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Avtomate" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Avtomate, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Avtomata, Machinae, quae &longs;ua &longs;ponte moveri videntur</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Automates</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Mechani&longs;che Kun&longs;twerke,<PB ID="P.1.222" N="222" TEIFORM="pb"/> welche ihre bewegende Kraft in &longs;ich &longs;elb&longs;t verborgen halten, und &longs;ich al&longs;o von &longs;elb&longs;t, ohne merkliche äußere Kraft, zu bewegen &longs;cheinen. Gemeiniglich &longs;ind die bewegenden Krä&longs;te Federn oder Gewichte, weil &longs;ich die&longs;e in den klein&longs;ten Raum zu&longs;ammenziehen, und am be&longs;ten verbergen la&longs;&longs;en. Die gewöhnlichen Ta&longs;chenuhren geben das bekannte&longs;te Bey&longs;piel von Avtomaten.</P><P TEIFORM="p">Einige Mechaniker haben die Kun&longs;t in Ab&longs;icht auf dergleichen avtomati&longs;che Werke zu einer bewundernswürdigen Höhe getrieben. Die mei&longs;te Bewunderung verdienen diejenigen Avtomate, welche unter der Ge&longs;talt men&longs;chlicher Figuren allerley men&longs;chliche Handlungen vorzunehmen &longs;cheinen. Sie heißen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Androide</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(hominem &longs;imulantia).</HI> Die Tradition &longs;agt von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albert Grot,</HI> insgemein Albertus Magnus genannt, er habe bereits im dreyzehnten Jahrhundert ein Avtomat in men&longs;chlicher Ge&longs;talt verfertiget, welches den Anklopfenden &longs;eine Thüre geöfnet, und dabey einen Laut, als ob es &longs;ie anredete, von &longs;ich gegeben habe. So &longs;oll auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regiomontan</HI> nach dem Anführen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ramus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Schol. math. L. II. p. 65.)</HI> eine ei&longs;erne Fliege verfertiget haben, welche &longs;ich aus &longs;einer Hand um die Tafel herumbewegte, und wieder zu ihm zurückkam. Beyde Erzählungen aber &longs;ind nicht glaubwürdig.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> verfertigte im Jahre 1738 zu Paris &longs;einen mit Recht &longs;o berühmt gewordenen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flöten&longs;pieler,</HI> welcher von ihm &longs;elb&longs;t (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Le Mécani&longs;me du Flûteur automate. Paris. 1738.</HI> über&longs;. im Hamb. Mag. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> St.) um&longs;tändlich be&longs;chrieben worden i&longs;t. Die Figur war 5 1/2 pari&longs;er Schuh hoch, &longs;itzend, und mit einem Piede&longs;tal ver&longs;ehen, in welchem die Haupttheile des Mechani&longs;mus verborgen waren. Mit einer unglaublichen Ge&longs;chicklichkeit hatte der Urheber die&longs;es Kun&longs;t&longs;tücks die fein&longs;ten mechani&longs;chen Hülfsmittel &longs;o zu nützen und zu verbinden gewußt, daß die&longs;e Ma&longs;chine ver&longs;chiedene mu&longs;ikali&longs;che Stücke auf der Queerflöte mit der grö&longs;ten Genauigkeit in Unter&longs;cheidung des ver&longs;chiedenen Takts und des Vortrags ausführte, ohne anders in die Flöte zu wirken, als der Men&longs;ch, nemlich mit den Lippen zum An&longs;atz, und mit den Fingern zur<PB ID="P.1.223" N="223" TEIFORM="pb"/> Modulation der Töne. Wenn die le&longs;enswürdige Be&longs;chreibung die&longs;er Ma&longs;chine nicht Erklärung eines &longs;chon vollendeten Werks, &longs;ondern Entwurf eines er&longs;t auszuführenden Plans wäre, &longs;o würden die mei&longs;ten &longs;ie für eine &longs;innreiche Chimäre erklären. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> verfertigte noch außerdem einen Trommel&longs;chläger, der mit der einen Hand das Flageolet &longs;pielte, und mit der andern das Stück auf der Trommel mit einfachen, doppelten und Wirbel&longs;chlägen begleitete; ingleichen eine Ente, welche die Körner mit dem Schnabel aufnahm, kaute, ver&longs;chlang, und durch die natürlichen Wege in einer verdauten Körnern ähnlichen Ge&longs;talt wieder von &longs;ich gab. Die&longs;e Ente &longs;chlug mit den Flügeln, richtete &longs;ich auf den Füßen in die Höhe, drehte den Hals u. &longs;. w., und der Bau ihres Körpers war der Natur &longs;o viel möglich nachgeahmt. Die&longs;e Vaucan&longs;on&longs;chen Avtomate be&longs;itzt gegenwärtig Herr Hofrath <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beireis</HI> in Helm&longs;tädt.</P><P TEIFORM="p">Die beyden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jaquet Droz</HI> in der Chaux-de-Fonds, Vater und Sohn, haben die&longs;e von Vaucan&longs;on zuer&longs;t in Aufnahme gebrachte Kun&longs;t noch höher getrieben, und durch avtomati&longs;che Mechani&longs;men alles ausgeführt, was nur das fruchtbar&longs;te ganz für die Mechanik gebohrne Genie hat erdenken können. In der von Herrn Bernoulli herausgegebenen Be&longs;chreibung des Für&longs;tenthums Wel&longs;ch-Neuenburg und Vallengin (Sammlung kurzer Rei&longs;ebe&longs;chreib. er&longs;ter überzähliger Band, Berlin 1783. S. 152 u. f.) findet &longs;ich eine kurze Anzeige der Werke die&longs;er berühmten Kün&longs;tler, von deren jüngerem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> &longs;elb&longs;t ge&longs;agt haben &longs;oll, die&longs;er junge Mann fange da an, wo er aufgehört habe. Die merkwürdig&longs;ten die&longs;er Avtomate &longs;ind die Figur eines zweyjährigen Kindes, das &longs;itzend an einem Pulte &longs;eine Feder eintancht, das Ueberflüßige weg&longs;chüttelt, und alles, was man ihm in franzö&longs;i&longs;cher Sprache vor&longs;agt, nach&longs;chreibt; eine andere ähnliche Figur, welche mit dem Bley&longs;tift kleine Zeichnungen auf einer Schreibtafel verfertiget; ein Mädchen, das den Flügel &longs;pielt, und ein zu&longs;ammenge&longs;etztes Stück von 4 1/2 Schuh ins Gevierte und 2—3 Schuh Höhe, welches mancherley Scenen der Natur<PB ID="P.1.224" N="224" TEIFORM="pb"/> und Kun&longs;t mit mehreren avtomati&longs;chen Figuren dar&longs;tellet. Ueberhaupt i&longs;t die Uhrmacherkun&longs;t und die feinere prakti&longs;che Mechanik in der Chaux-de-Fond und im Locle &longs;ehr weit getrieben worden. Man wird in der angeführten Be&longs;chreibung noch mehrere Avtomate anderer Kün&longs;tler erwähnt finden, und es &longs;cheint das Clima die&longs;er Gegenden dem mechani&longs;chen Genie be&longs;onders gün&longs;tig zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Unter den neu&longs;ten Avtomaten hat der in Preßburg verfertigte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schach&longs;pieler</HI> des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Kempelen</HI> das mei&longs;te Auf&longs;ehen erreger. Be&longs;chreibungen des Aeußern die&longs;er Ma&longs;chine und ihres Spiels haben Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">v. Windi&longs;ch</HI> (Briefe über den Schach&longs;pieler des Hrn. v. Kempelen, Ba&longs;el 1783. 8.) und Herr Prof. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hindenburg</HI> (Ueber den Schach&longs;pieler des H. v. K. Leipzig 1784. 8. auch im Leipziger Magazin zur Naturk. Math. u. Oekon. 1784. drittes Stück.) gegeben. Aber den innern Bau der&longs;elben und die Art der äußern Einwirkung, welche nach Be&longs;chaffenheit der Züge des Gegners die bewegende Kraft &longs;o modificirt, daß &longs;ie pa&longs;&longs;ende Gegenzüge bewirkt, hält der Kün&longs;tler geheim; auch i&longs;t die&longs;e Einwirkung dem Zu&longs;chauer völlig un&longs;ichtbar, und auf die Walze und das Räderwerk in einer vor der Figur &longs;tehenden und das Schachbret tragenden Kommode werden nur vor Anfang des Spiels flüchtige Blicke erlaubt. Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nicolai</HI> Vermuthung (Be&longs;chreibung einer Rei&longs;e durch Deut&longs;chland. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VI.</HI> Band.), daß die Sache ein grober Betrug, und ein Knabe in der Figur verborgen &longs;ey, wird dem, der die Ma&longs;chine ge&longs;ehen hat, durch den Mangel des Raums, durch die Be&longs;chaffenheit der Bewegungen &longs;elb&longs;t, und durch das Ein&longs;icht und Be&longs;cheidenheit verrathende Betragen des Kün&longs;tlers, unwahr&longs;cheinlich. Auch Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (Magazin für das Neu&longs;te aus der Phy&longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> B. 2 St.) glaubt, die&longs;er Schach&longs;pieler &longs;ey kein mechani&longs;ches Kun&longs;twerk. Hr. Prof. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hindenburg</HI> hingegen (a. a. O.) vermuthet eine mechani&longs;che Anordnung, welche Bewegung hervorzubringen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;trebt,</HI> aber er&longs;t durch den Zutritt einer Kraft von außen, vielleicht der magneti&longs;chen, wirklich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">hervorbringt,</HI> und glaubt, das Spiel der Figur &longs;ey großentheils mechani&longs;ch<PB ID="P.1.225" N="225" TEIFORM="pb"/> und determinirt vorbereitet, und werde nur bey unvorherge&longs;ehenen Zügen des Gegen&longs;pielers auf eine unmerkliche Art abgeändert. Herr von Kempelen läugnet nicht, daß bey dem Spiele die&longs;er Figur Täu&longs;chung vorgehe; i&longs;t aber die&longs;e Täu&longs;chung nur eine feinere, als Herr Nicolai vermuthet, &longs;o wird die Bekanntmachung der&longs;elben dem Kün&longs;tler, obgleich nicht einträglicher, doch gewiß rühmlicher &longs;eyn, als &longs;ein bisher beobachtetes geheimnißvolles Zurückhalten.</P></DIV2><DIV2 N="Avtomati&longs;che Bewegungen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Avtomati&longs;che Bewegungen</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Motus automatici, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Mouvemens automatiques,</HI></HI> heißen nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhaave</HI> diejenigen Bewegungen, welche von dem innern Bau des thieri&longs;chen Körpers abhängen, und nicht willkührlich hervorgebracht werden, z. B. der Umlauf des Bluts, die Ab&longs;onderungen der Säfte, die wurmförmige Bewegung der Gedärme, die Erweiterung und Verengerung des Augen&longs;terns u. &longs;. w.</P></DIV2><DIV2 N="Auzometer" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auzometer</HEAD><P TEIFORM="p">eigentlich wohl <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Avxometer, Vergrößerungsmaaß,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Auxometrum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Auzometre.</HI></HI> Ein Werkzeug, womit &longs;ich die Stärke der Vergrößerung bey einem Fernrohre me&longs;&longs;en lä&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Man kan zwar durch Berechnung finden, wie &longs;tark ein Fernrohr vergrößere, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Fernrohr.</HI> Allein, weil man hiezu die Brennweiten aller Glä&longs;er genau kennen muß, und in Fällen, wo die Ocularröhre mehrere Lin&longs;en hat, die Rechnung manchem be&longs;chwerlich fällt, &longs;o haben &longs;chon ältere Lehrer der Dioptrik, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr. Probl. 38.)</HI> die Vergrößerung durch die Erfahrung zu finden, angewie&longs;en. Sie &longs;chreiben vor, Ziegeln auf dem For&longs;te eines Hau&longs;es mit dem einen Auge durchs Fernrohr, und zugleich mit dem andern ohne Fernrohr zu betrachten, das Fernrohr &longs;o zu wenden, daß der Anfang beyder Bilder auf einander falle, und zu zählen, wie viel mit dem bloßen Auge ge&longs;ehene Ziegel von dem durchs Fernrohr vergrößerten Bilde eines einzigen Ziegels verdeckt werden. Die&longs;e Anzahl, die &longs;ich mit Hülfe des Fernrohrs leicht be&longs;timmen läßt, wird die Vergrößerungszahl &longs;eyn. Die&longs;e<PB ID="P.1.226" N="226" TEIFORM="pb"/> Methode aber i&longs;t für jeden unbrauchbar, de&longs;&longs;en beyde Augen nicht gleiche Güte haben.</P><P TEIFORM="p">Der engli&longs;che Mechaniker <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> hat daher ein &longs;ehr bequemes Werkzeug hiezu vorge&longs;chlagen, de&longs;&longs;en Be&longs;chreibung &longs;ich im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rozier</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Journal de phy&longs;ique, Janvier 1783. p. 65.)</HI> findet. Die Einrichtung de&longs;&longs;elben gründet &longs;ich auf den Satz, daß die Vergrößerungszahl dem Quotienten des Durchme&longs;&longs;ers der Oe&longs;nung des Objectivs <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bd</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 35.) durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg,</HI> oder den Durchme&longs;&longs;er des hellen Bildes, welches von der Oefnung des Objectivgla&longs;es auf dem letzten Augengla&longs;e entwor&longs;en wird, gleich &longs;ey. Wenn z. B. beym a&longs;tronomi&longs;chen Fernrohre die Brennweiten beyder Glä&longs;er in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> vereiniget &longs;ind, &longs;o i&longs;t die Vergrößerungszahl eigentlich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">= (an/nz),</HI> welches aber wegen der Aehnlichkeit der Dreyecke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bnd</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fng</HI> eben &longs;o viel als <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bd/fg)</HI> i&longs;t. Die Dioptrik lehrt, daß der Satz für alle Fernröhre, auch für die mit mehreren Ocularen, gelte.</P><P TEIFORM="p">Das Werkzeug &longs;elb&longs;t be&longs;teht aus drey kleinen metallnen Röhren, die zu&longs;ammenge&longs;choben nur etwa 1 1/4 Zoll lang &longs;ind, und 11 Linien im Durchme&longs;&longs;er haben. Die er&longs;te Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">aben</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 36.) &longs;teckt in der zweyten, und hat bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> eine Glaslin&longs;e in einiger Entfernung vom Augenloche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C.</HI> Die zweyte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">pmof</HI> i&longs;t am Ende mit einer durch&longs;ichtigen Horn&longs;cheibe bedeckt, die durch Parallel&longs;triche, welche nur (1/100) Zoll von einander ab&longs;tehen, getheilt i&longs;t. Die äußer&longs;te Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">gstr</HI> i&longs;t an beyden Seiten offen, und dient blos dazu, der Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">mo</HI> den gehörigen Ab&longs;tand zu geben, damit &longs;ie das Bild der Oefnung des Objectivgla&longs;es auffangen könne, welches &longs;ich am Ende der Ocularröhre da, wo man &longs;on&longs;t das Auge anhält, entwirft. Auf eben die&longs;er Röhre i&longs;t ein Zoll in Zehntheile, und das eine Zehntel in Hunderttheilchen getheilt.</P><P TEIFORM="p">Der Gebrauch i&longs;t folgender. 1) Man richtet das Fernrohr &longs;o ein, daß man den Gegen&longs;tand deutlich &longs;ehen<PB ID="P.1.227" N="227" TEIFORM="pb"/> kan. 2) Man zieht nun die Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">aben</HI> &longs;o weit aus, daß man, gegen den Himmel, die Parallel&longs;triche auf <HI REND="roman" TEIFORM="hi">mo</HI> durch die Lin&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> deutlich erkennt. 3) Man &longs;etzt das Auzometer an die Ocularröhre, und ver&longs;chiebt die Röhre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">gstr</HI> &longs;o lang, bis man durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> das durchs Fernrohr gemachte Bild auf der Horn&longs;cheibe deutlich &longs;ehen kan. 4) Man zählt, wie viel Parallel&longs;triche der Durchme&longs;&longs;er die&longs;es Bildes einnimmt. 5) Man mißt mit einem Zirkel den Durchme&longs;&longs;er der Oefnung des Objectivgla&longs;es in Hunderttheilchen des Zolles, und dividirt ihn durch die Anzahl der Hunderttheilchen, die &longs;ein Bild einnimmt. Der Quotient i&longs;t der obigen Theorie gemäß die Vergrößerungszahl. Nimmt z. B. das Stralenbild auf der Horn&longs;cheibe 5 Hunderttheile ein, und i&longs;t der Durchme&longs;&longs;er des Objektivgla&longs;es 1 1/2 Zoll oder 150 Hunderttheile, &longs;o wird die Vergrößerung (150/5) oder 30fach &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Beym galiläi&longs;chen oder holländi&longs;chen Fernrohre kan die&longs;es Auzometer nicht gebraucht werden, weil man da wegen des holen Augengla&longs;es kein eigentliches Bild hat; wohl aber bey Spiegeltele&longs;copen, wenn man es &longs;o anbringt, daß das Bild auf der Horn&longs;cheibe recht deutlich er&longs;cheint.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> Magazin für das Neu&longs;te aus der Phy&longs;ik, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. 2 St. S. 74. u. f.</P></DIV2><DIV2 N="Axe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Axe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Axis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Axe</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">In der Sphärik oder der Lehre von den Kugel&longs;chnitten wird die&longs;er Name als ein allgemeines Kun&longs;twort der geraden Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 37. beygelegt, welche die Mittelpunkte der aus mehreren parallellaufenden Kugel&longs;chnitten ent&longs;tandenen Krei&longs;e, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HI, DE, AQ, FG, KL,</HI> mit einander verbindet. Die Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> geht al&longs;o auch durch den Mittelpunkt der Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> welcher zugleich der Mittelpunkt des grö&longs;ten unter die&longs;en Krei&longs;en, des Krei&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> i&longs;t. Auch &longs;teht &longs;ie &longs;enkrecht auf den Ebnen aller die&longs;er Krei&longs;e oder Kugel&longs;chnitte. Wenn man daher aus dem Mittelpunkte eines auf der Kugelfläche be&longs;chriebenen Krei&longs;es eine Linie auf &longs;eine Ebne lothrecht aufricht aufrichtet, und auf beyden Seiten bis an die Kugelfläche verlängert, &longs;o i&longs;t die&longs;e des Krei&longs;es Axe.<PB ID="P.1.228" N="228" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Stellt man &longs;ich vor, die Kugel würde an den Punkten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> fe&longs;tgehalten, und &longs;o um die unbewegliche Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> umgedrehet, &longs;o muß bey die&longs;er Umdrehung jeder Punkt der Kugelfläche einen von den parallelen Krei&longs;en be&longs;chreiben, von welchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> die Axe i&longs;t. Daher kömmt auch die Benennung, welche ur&longs;prünglich eine Linie bedeutet, um welche etwas gedreht wird.</P><P TEIFORM="p">So &longs;cheint &longs;ich das ganze Weltgebäude in 24 Stunden um eine unbewegliche Linie zu drehen, welche die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weltaxe</HI> heißt, und die Axe des Aequators und der mit ihm gleichlaufenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagekrei&longs;e</HI> i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weltaxe.</HI> Eigentlich aber i&longs;t es die Erdkugel, welche in die&longs;er Zeit &longs;ich um die Erdaxe dreht. Die&longs;e i&longs;t die Axe des Aequators der Erde und &longs;einer Parallelkrei&longs;e, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Erdaxe.</HI></P><P TEIFORM="p">Für jeden Kreis der Himmelskugel lä&longs;t &longs;ich eine Axe denken. So hat die Ekliptik ihre eigne Axe, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ekliptik,</HI> die Scheitellinie i&longs;t die Axe des Horizonts, die Morgenund Abendlinie die Axe des Mittagskrei&longs;es, die Mittagslinie die Axe des er&longs;ten Scheitelkrei&longs;es.</P><P TEIFORM="p">Ein Rad dreht &longs;ich um das Holz, das man &longs;eine Axe nennt, wie der Kreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> um &longs;eine Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR.</HI> Eben &longs;o dreht &longs;ich ein Mühlrad an &longs;einer Welle, ein Uhrrad an &longs;einer Spindel rc. um die von einem Zapfen zum andern gezogne Linie; eben &longs;o i&longs;t der Kreis, den der umgedrehte Arm einer Winde, eines Ha&longs;pels, einer Kurbel be&longs;chreibt, gegen die durch ihre Zapfen oder Lager gezogne Linie gerichtet. In die&longs;en Ma&longs;chinen heißen daher die genannten Theile &longs;ämtlich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Axen.</HI> Auch führt die&longs;e ganze Cla&longs;&longs;e von Ma&longs;chinen den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rads an der Axe, &longs;. Rad.</HI></P><P TEIFORM="p">Axe eines Cylinders hei&longs;t die gerade Linie, welche die Mittelpunkte &longs;einer beyden Grundflächen verbindet, Axe eines Kegels die Linie aus &longs;einer Spitze in der Grundfläche Mittelpunkt. Die Ur&longs;ache der Benennung i&longs;t, weil man &longs;ich beym &longs;enkrechten Cylinder und Kegel vor&longs;tellen kan, &longs;ie &longs;eyen aus der Umdrehung eines Rechtecks oder rechtwinklichten Dreyecks um die&longs;e Linie ent&longs;tanden.</P><P TEIFORM="p">Auch den Kegel&longs;chnitten, z. B. der Ellip&longs;e Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 17. werden Axen zuge&longs;chrieben. Sie &longs;ind diejenigen<PB ID="P.1.229" N="229" TEIFORM="pb"/> Linien, welche alle auf &longs;ie rechtwinklicht gezognen Sehnen des Kegel&longs;chnitts halbiren. Die Ellip&longs;e und Hyperbel haben zwo Axen, die Parabel nur eine. So i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> die große, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DE</HI> die kleine Axe der Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMmDPE.</HI> Da die Planetenbahnen Ellip&longs;en &longs;ind, &longs;o wird man hieraus ver&longs;tehen, was große Axe der Planetenbahn &longs;ey, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ap&longs;idenlinie.</HI> Beyde Axen der Ellip&longs;e gehen durch den Mittelpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> die große auch durch die Brennpunkte, z. B. durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S.</HI> Man nennt die&longs;e Linien vermuthlich darum Axen, weil die Kegel&longs;chnitte &longs;ich um &longs;ie drehen mü&longs;&longs;en, wenn die Körper erzeugt werden &longs;ollen, die man <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ellip&longs;oide, Hyberboloide, Paraboloide</HI> nennt.</P><P TEIFORM="p">Axe eines Lin&longs;engla&longs;es heißt die gerade Linie durch die Mittelpunkte der Krümmungen beyder Flächen. Sie geht durch die Mitte der Lin&longs;e, und i&longs;t die Axe des grö&longs;ten Krei&longs;es der&longs;elben. Axe eines erhabnen oder holen Spiegels, die Linie durch &longs;eine Mitte und den Mittelpunkt &longs;einer Krümmung. Axe eines Fernrohrs, die gemein&longs;chaftliche Axe aller &longs;einer Glä&longs;er. Axe des Auges, oder Ge&longs;ichtsaxe, die gerade Linie durch die Mitte des Augen&longs;terns und die Mittelpunkte der Krümmungen der Kry&longs;tallin&longs;e und der übrigen Feuchtigkeiten.</P></DIV2><DIV2 N="Azimuth" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Azimuth, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Azimuth</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Azimuth</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Azimuth eines Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5. heißt der Bogen des Horizonts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HT,</HI>