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<TEI.2 TEIFORM="TEI.2"><TEIHEADER TYPE="text" STATUS="NEW" TEIFORM="teiHeader"><FILEDESC TEIFORM="fileDesc"><TITLESTMT TEIFORM="titleStmt"><TITLE TEIFORM="title">Physicalisches W&ouml;rterbuch</TITLE><AUTHOR TEIFORM="author">J. S. T. Gehler</AUTHOR></TITLESTMT><PUBLICATIONSTMT TEIFORM="publicationStmt"><P TEIFORM="p">Berlin: Max-Planck-Institut f&uuml;r Wissenschaftsgeschichte, 2000<!-- archimedes_locator:054.xml: -->
      </P></PUBLICATIONSTMT><SOURCEDESC DEFAULT="NO" TEIFORM="sourceDesc"><P TEIFORM="p">Leipzig, 1798.
      </P></SOURCEDESC></FILEDESC><ENCODINGDESC TEIFORM="encodingDesc"><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE N="chunk" UNIT="entry" TEIFORM="state"/></REFSDECL><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE UNIT="alphabetic letter" TEIFORM="state"/><STATE UNIT="entry" TEIFORM="state"/></REFSDECL><REFSDECL DOCTYPE="TEI.2" TEIFORM="refsDecl"><STATE UNIT="volume" TEIFORM="state"/><STATE UNIT="page" TEIFORM="state"/></REFSDECL></ENCODINGDESC><PROFILEDESC TEIFORM="profileDesc"><LANGUSAGE DEFAULT="NO" TEIFORM="langUsage"><LANGUAGE ID="DE" TEIFORM="language">German
        </LANGUAGE><LANGUAGE ID="FR" TEIFORM="language">French
        </LANGUAGE><LANGUAGE ID="LA" TEIFORM="language">Latin
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        </LANGUAGE><LANGUAGE ID="EN" TEIFORM="language">English
      </LANGUAGE></LANGUSAGE></PROFILEDESC></TEIHEADER><TEXT LANG="DE" TEIFORM="text"><FRONT TEIFORM="front"><DIV1 TYPE="intro" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div1"><P TEIFORM="p"><MILESTONE N="1" UNIT="volume" TEIFORM="milestone"/><PB TEIFORM="pb"/><HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phy&longs;ikali&longs;ches
W&ouml;rterbuch
oder
Ver&longs;uch</HI>
einer Erkl&auml;rung der vornehm&longs;ten Begriffe
und Kun&longs;tw&ouml;rter
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">der Naturlehre
mit kurzen Nachrichten von der Ge&longs;chichte</HI>
der Erfindungen und Be&longs;chreibungen der
Werkzeuge begleitet
in alphabeti&longs;cher Ordnung
von
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Johann Samuel Traugott Gehler</HI>
Oberhofgerichtsa&longs;&longs;e&longs;&longs;orn und Senatorn zu Leipzig, auch der
&ouml;konomi&longs;chen Societ&auml;t da&longs;elb&longs;t Ehrenmitgliede
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Er&longs;ter Theil
von A bis Epo
mit &longs;ieben Kupfertafeln
Neue Auflage.
Leipzig,
im Schwickert&longs;chen Verlage 1798.</HI></HI><PB TEIFORM="pb"/>
<HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vorrede.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Ich f&uuml;hle es mit der lebhafte&longs;ten Ueberzeugung,
da&szlig; &longs;ich gegen die anjetzt &longs;o gew&ouml;hnliche Methode,
wi&longs;&longs;en&longs;chaftliche Gegen&longs;t&auml;nde in alphabeti&longs;cher
Ordnung vorzutragen, &longs;ehr viele gegr&uuml;ndete Einwendungen
la&longs;&longs;en. Inzwi&longs;chen hat doch auch die&longs;e
Methode gewi&longs;&longs;e ganz unverkennbare Vorz&uuml;ge. Es
i&longs;t allerdings nothwendig, da&szlig; der Anf&auml;nger die er&longs;te
Ueber&longs;icht einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft durch ein in &longs;y&longs;temati&longs;chem
Zu&longs;ammenhange abgefa&szlig;tes Lehrbuch erhalte; bey weiterm
Fortgange aber wird er &longs;ich oft w&uuml;n&longs;chen, alles,
was einen und den andern einzelnen Gegen&longs;tand betrift,
und was in den Lehrb&uuml;chern durch mancherley Stellen
zer&longs;treut i&longs;t, zu&longs;ammengebracht und unter einerley Ge&longs;ichtspunkt
vereiniget zu finden &mdash; eine Zu&longs;ammen&longs;tellung,
die oft &longs;elb&longs;t f&uuml;r den Kenner der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey
Bearbeitung einzelner Gegen&longs;t&auml;nde w&uuml;n&longs;chenswerth,
oder wenig&longs;tens bequem und erleichternd i&longs;t. Ueberdies
giebt die alphabeti&longs;che Anordnung, bey welcher jeder in
der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gebr&auml;uchliche Name an &longs;einer Stelle
vork&ouml;mmt, die &longs;ch&ouml;n&longs;te Gelegenheit zu richtiger und fe&longs;ter
Be&longs;timmung der Hauptbegriffe, auf welche &longs;ich alle wi&longs;&longs;en&longs;chaftlichen<PB ID="P.1.IV" N="IV" TEIFORM="pb"/>
S&auml;tze gr&uuml;nden, und der eigentlichen Bedeutung
der Worte, welche &longs;elb&longs;t in den be&longs;ten Lehrb&uuml;chern
bisweilen in einem &longs;chwankenden Sinne, und an&verbar;einer
Stelle anders, als an der andern gebraucht werden, zu
ge&longs;chweigen, da&szlig; die Ordnung der Buch&longs;taben oft auf
Namen von Gegen&longs;t&auml;nden f&uuml;hrt, an welche man bey dem
gew&ouml;hnlichen Vortrage der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft gar nicht oder
doch nur im Vorbeygehen denket. Da&szlig; endlich die hi&longs;tori&longs;chen
und litterari&longs;chen Nachrichten, welche &longs;o viel
zur gr&uuml;ndlichen Kenntni&szlig; der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften beytragen,
&longs;ich bey die&longs;er Ordnung mit vorz&uuml;glicher Bequemlichkeit
beybringen la&longs;&longs;en, f&auml;llt von &longs;elb&longs;t in die Augen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Vorz&uuml;ge der alphabeti&longs;chen Methode, welche
&longs;ich durch das Bey&longs;piel mhrerer guten W&ouml;rterb&uuml;cher,
undbe&longs;onders des Macquer&longs;chen, von Herrn Leonhardi
&longs;o &longs;ch&ouml;n bearbeiteten chymi&longs;chen, hinl&auml;nglich be&longs;t&auml;tigen,
bewogen mich bereits im Jahre 1783, den Antrag einer
Ueber&longs;etzung des von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sigaud de la Fond</HI> in franz&ouml;&longs;i&longs;cher
Sprache herausgegebnen phy&longs;ikali&longs;chen W&ouml;rterbuchs<NOTE PLACE="unspecified" ANCHORED="YES" TEIFORM="note"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dictionnaire de Phy&longs;ique par Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Sigaud de la Fond,</HI>
Pro&longs;e&longs;&longs;eur de Phy&longs;ique experimentale, Membre de la Societ&eacute;
Royale des Sciences de Montpellier etc. &agrave; Paris. 1781.
IV Tomes. 8.</HI></NOTE> nicht ganz ohne Aufmerk&longs;amkeit zu &uuml;bergehen,
und mir in die&longs;er Ab&longs;icht &longs;owohl das genannte
Werk &longs;elb&longs;t, als auch das zu gleicher Zeit herausgekommene
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on&longs;che</HI> W&ouml;rterbuch<NOTE PLACE="unspecified" ANCHORED="YES" TEIFORM="note"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dictionnaire rai&longs;onn&eacute;
 de phy&longs;ique par Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on,</HI></HI></NOTE> anzu&longs;chaffen. Allein
ich fand es bey genauerer Unter&longs;uchung beyder Werder<PB ID="P.1.VI" N="VI" TEIFORM="pb"/>
Elektricit&auml;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">d&uuml; Fay, Nollet</HI> und
 <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iallabert</HI> ganz
allein &longs;eine Helden &longs;ind. Ich gab daher den Gedanken,
eines die&longs;er Werke zu &uuml;ber&longs;etzen, g&auml;nzlich auf, und glaubte
be&longs;&longs;er zu thun, wenn ich &longs;elb&longs;t den Ver&longs;uch machte, ein
dem gegenw&auml;rtigen Zu&longs;tande un&longs;erer phy&longs;ikali&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e
angeme&longs;&longs;eneres W&ouml;rterbuch auszuarbeiten.</P><P TEIFORM="p">Wie die&longs;er Ver&longs;uch ausgefallen &longs;ey, und ob es
der M&uuml;he lohne, ihn fortzu&longs;etzen, dar&uuml;ber wird das
Urtheil der Kenner und die Aufnahme die&longs;es er&longs;ten
Theiles meiner Arbeit ent&longs;cheiden. Ich habe den Plan
dazu &longs;o angelegt, da&szlig;ich das Ganze binnen einigen Jahren
in vier B&auml;nden zu vollenden hoffen kan. So lange meine
Verufsge&longs;ch&auml;fte noch nicht alle Stunden ausf&uuml;llen, die
ich zur Arbeit anwenden darf, kenne ich kein gr&ouml;&szlig;eres
Vergn&uuml;gen, als den Gedanken, durch meine geringe
Kenntni&szlig; der Mathematik und Naturlehre irgend etwas
N&uuml;tzliches bewirket zu haben. Und da die&longs;es der einzige
Zweck meiner Bem&uuml;hungen i&longs;t, &longs;o wird mir jeder gegr&uuml;ndete
Tadel und jeder freund&longs;chaftliche Rath willkommen, und
wenn er mich auf be&longs;&longs;ere Wege leitet, oder von einer unbrauchbaren
Arbeit abh&auml;lt, in hohem Grade &longs;ch&auml;tzbar
&longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Bey allem dem, was ich an den Werken des
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">la Fond</HI> auszu&longs;etzen gefunden habe,
mu&szlig; ich dennoch dankbar ge&longs;tchen, da&szlig; &longs;ie mir bey meiner
eignen Arbeit keinesweges unbrauchbar gewe&longs;en &longs;ind.<PB ID="P.1.VII" N="VII" TEIFORM="pb"/>
Ich habe mich nicht allein bey Zu&longs;ammentragung der
Worte, welchen die Artikel die&longs;es W&ouml;rterbuchs gewidmet
&longs;ind, mit Nutzen bedient, &longs;onedrn auch bey der
Ausf&uuml;hrung &longs;elb&longs;t, be&longs;onders aus dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on,</HI> man
ches aufgenommen, de&longs;&longs;en Herbeyholung aus andern
Quellen mir mehr Zeit und M&uuml;he w&uuml;rde geko&longs;tet haben.
Ueberhaupt wird Niemand in die&longs;em W&ouml;rterbuche neue
Erfindungen &longs;uchen; eine Arbeit die&longs;er Art kan nicht viel
mehr, als Compilation aus andern Schrift&longs;tellern &longs;eyn.
Ich habe daher, um mich keines Plagiats &longs;chuldig zu machen,
am Ende eines jeden Artikels mit kleinerer Schrift
diejenigen Quellen angezeigt, aus welchen ich bey Abfa&longs;ung
de&longs;&longs;elben ge&longs;ch&ouml;pft habe. Man wird, wieich hoffe,
finden, da&szlig; ich gute Quellen gew&auml;hlt, auch da&szlig; ich die&longs;elben
nie &longs;clavi&longs;ch und ohne Beurtheilung gebraucht habe.
Wo dergleichen Quellen nicht angegeben &longs;ind,
habe ich entweder gar keine, oder blo&szlig; die im Texte &longs;elb&longs;t
angezeigten Schriften gebraucht.</P><P TEIFORM="p">Mit Vor&longs;atz habe ich, vielleicht wider den Ge&longs;chmack
des gegenw&auml;rtigen Zeitalters, an ver&longs;chiedenen-
Stellen die&longs;es er&longs;ten Theils, mathemati&longs;che Berechnungen
und durch Formeln ausgedr&uuml;ckte Bewei&longs;e einger&uuml;ckt,
theils weil &longs;ich gewi&longs;&longs;e wichtige S&auml;tze gar nicht
anders oder doch nicht k&uuml;rzer ausdr&uuml;cken und bewei&longs;en
la&longs;&longs;en, theils auch, um deutlich zu zeigen, da&szlig; zu einer
wahren und richtigen Kenntni&szlig; der Natur die Bekannt&longs;chaft
mit der h&ouml;hern Mathematik ganz unentbehrltch<PB ID="P.1.VIII" N="VIII" TEIFORM="pb"/>
&longs;ey. Da&szlig; ich bey den in die Chemie ein&longs;chlagenden
Artikeln das Macquer&longs;che W&ouml;rterbuch mit Herrn Leonhardi
Zu&longs;&auml;tzen zum Grunde gelegt, und nur da, wo es
erforderlich war, die neuern Entdeckungen nach getragen
habe, wird Niemand, dem die Vorz&uuml;ge die&longs;es Werks
bekannt &longs;ind, tadeln.</P><P TEIFORM="p">Ein gro&szlig;er Theil der Artikel die&longs;es W&ouml;rterbuchs
i&longs;t der Ge&longs;chichte der Meinungen und Erfindungen gewidmet,
welche wenig&longs;tens f&uuml;r mich jederzeit ein &longs;ehr
lehrreiches und angenehmes Studium ausgemacht hat.
Mehrentheils l&auml;uft auch alles, was wir von einem phy&longs;ikali&longs;chen
Begriffe oder Gegen&longs;tande &longs;agen k&ouml;nnen, auf
eine Erz&auml;hlung de&longs;&longs;en hinaus, was die Men&longs;chen bisher
&uuml;ber den&longs;elben gedacht und erfahren haben und &longs;o i&longs;t die
Naturlehre &longs;elb&longs;t gro&szlig;entheils Ge&longs;chichte. Au erdem
bietet aber auch die alphabeti&longs;che Ordnung eine be&longs;ondere
Bequemlichkeit dar, hi&longs;tori&longs;che Nachrichten bey jedem
einzeinen Gegen&longs;tande beyzubringen, welche bey einer
&longs;y&longs;temati&longs;chen Anordnung den Zu&longs;ammenhang der S&auml;tze
allzu oft unterbrechen w&uuml;rden, und ich habe nicht umhin
gekonnt, die&longs;e Bequemlichkeit, &longs;o viel m&ouml;glich war,
zu ben&uuml;tzen, auch in den mei&longs;ten Artikeln die vornehm&longs;ten
Schri&longs;ten, aus welchen man mehrern Unterricht
&longs;ch&ouml;p&longs;en kan, anzuzeigen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> hat in der, &longs;einem W&ouml;rterbuche beygef&uuml;gten,
Einleitung eine Ordnung angegeben, in welcher<PB ID="P.1.IX" N="IX" TEIFORM="pb"/>
man die Artikel de&longs;&longs;elben le&longs;en &longs;oll, wenn man
es als ein voll&longs;t&auml;ndiges Lehrbuch &uuml;ber die Naturlehre
gebrauchen will. Ob ich gleich die M&ouml;glichkeit nicht
l&auml;ugne, aus einem wohl abgefa&szlig;ten W&ouml;rterbuche
auf die&longs;e Art eine Wi&longs;&longs;en&longs;chaft zu erlernen, &longs;o w&uuml;rde
ich doch eine &longs;olche Methode nie anrathen. Ich be&longs;timme
den Ver&longs;uch, de&longs;&longs;en Anfang ich hiemit dem
Publikum &uuml;bergebe, nicht f&uuml;r diejenigen, welche
die ganze Naturlehre erlernen wollen, &longs;ondern f&uuml;r die, welche
um&longs;t&auml;ndliche, deutliche und richtige Belehrung &uuml;ber
einzelne Gegen&longs;t&auml;nde der&longs;elben &longs;uchen, oder, wenn &longs;ie bereits
den Umfang der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft &uuml;ber&longs;ehen haben, &longs;ich alles
desjenigen, was darinn einen be&longs;ondern Gegen&longs;tand
angeht, aufs neue zu erinnern w&uuml;n&longs;chen.
In die&longs;er Ab&longs;icht habe ich mich bem&uuml;ht, die in die&longs;er
Wi&longs;&longs;en&longs;chaft vorkommenden Begriffe deutlich
zu erkl&auml;ren die Bedeutung der Worte genau zu
be&longs;timmen, bey jedem einzelnen Gegen&longs;tande eine
kurze Ge&longs;chichte der dar&uuml;ber vorhandenen Meynungen,
ange&longs;tellten Erfahrungen und daraus gezognen
Folgen und Muthma&szlig;ungen beyzubringen, die
vornehm&longs;ten f&uuml;r gewi&szlig; erkannten S&auml;tze vorzutragen
und zu bewei&longs;en, die zu An&longs;tellung der Ver&longs;uche
n&ouml;thigen Werkzeuge zu be&longs;chreiben, &uuml;berall aber,
nach meinen be&longs;ten Ein&longs;ichten und Kr&auml;ften, blo&szlig;
n&uuml;tzliche Wahrheiten mitzutheilen, Vorurtheile
hingegen und eingebildetes Wi&longs;&longs;en zu be&longs;treiten.<PB ID="P.1.X" N="X" TEIFORM="pb"/>
M&ouml;chte ich doch beym Schlu&longs;&longs;e die&longs;er Arbeit &longs;o
gl&uuml;cklich &longs;eyn, durch meine geringen Bem&uuml;hungen
etwas zur Verbreitung einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, die mir
ungemein werth i&longs;t, beygetragen zu haben!</P><P TEIFORM="p">Leipzig, in der Iubilateme&longs;&longs;e 1787.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Johann Samuel Traugott Gehler.</HI><PB ID="P.1.1" N="1" TEIFORM="pb"/></P></DIV1></FRONT><BODY TEIFORM="body"><P TEIFORM="p"><HI REND="center" TEIFORM="hi"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phy&longs;ikali&longs;ches W&ouml;rterbuch</HI>
oder
Ver&longs;uch einer Erkl&auml;rung der vornehm&longs;ten Begriffe
und Kun&longs;tworte der Naturlehre, in alphabeti&longs;cher
Ordnung.</HI></P><DIV1 N="A" TYPE="alphabetic letter" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div1"><HEAD TEIFORM="head">A</HEAD><DIV2 N="Abdampfen, Abrauchen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abdampfen, Abrauchen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Evaporatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Evaporation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine chymi&longs;che Arbeit, durch welche man vermittel&longs;t der
Luft und eines gewi&longs;&longs;en Grades der W&auml;rme fl&uuml;chtige Sub&longs;tanzen
von feuerbe&longs;t&auml;ndigen oder weniger fl&uuml;chtigen &longs;cheidet.
So l&auml;&szlig;t man z. B. aus Salzaufl&ouml;&longs;ungen das
 &uuml;berfl&uuml;&longs;&longs;ige
Wa&longs;&longs;er an der warmen Luft abdampfen, um die Salze,
welche alsdann in Kry&longs;tallen an&longs;chie&szlig;en, &uuml;brig zu behalten.</P><P TEIFORM="p">Das Abdampfen i&longs;t von der De&longs;tillation nur darinn
unter&longs;chieden, da&szlig; man die fl&uuml;chtige Sub&longs;tanz beym De&longs;tilliren
auf&longs;ammelt, beym Abdampfen aber davon gehen
l&auml;&szlig;t; daher ge&longs;chieht das Abdampfen in ofnen und flachen
Gef&auml;&szlig;en, welche der Luft viel Oberfl&auml;che aus&longs;etzen, z. B.
in Schaalen, N&auml;pfen, Scherben. Der n&ouml;thige Grad der
W&auml;rme richtet &longs;ich nach den Graden der Fl&uuml;chtigkeit und
Feuerbe&longs;t&auml;ndigkeit beyder Sub&longs;tanzen und nach der St&auml;rke
ihres Zu&longs;ammenhangs. I&longs;t die Sub&longs;tanz, welche zur&uuml;ckbleiben
&longs;oll, weniger feuerbe&longs;t&auml;ndig, und h&auml;ngt &longs;ie fe&longs;t
an der fl&uuml;chtigen, &longs;o mu&szlig; die W&auml;rme gelind und lang&longs;am
wirken. Im entgegenge&longs;etzten Falle i&longs;t ein h&ouml;herer Grad
der W&auml;rme, und ein auf die Ober&longs;l&auml;che der Mi&longs;chung gerichteter
Luftzug dienlich.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquers</HI> chymi&longs;ches W&ouml;rterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abdampfen.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abend, Abendgegend" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend, Abendgegend</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Occidens, Plaga occidentalis,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Occident, Oue&longs;t.</HI></HI> Diejenige Welt- oder Himmelsgegend,
an welcher die Ge&longs;tirne untergehen. Man hat
&longs;ie zur Rechten, wenn man das Ge&longs;icht nach Mittag kehret.<PB ID="P.1.2" N="2" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Abend, Abendzeit" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend, Abendzeit, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ve&longs;pera</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Soir</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die Zeit, um
welche die Sonne untergehet, die Stunden vor und nach
dem Augenblicke des Untergangs mit begriffen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendd&auml;mmerung, &longs;. D&auml;mmerung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abendpunkt, We&longs;tpunkt" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abendpunkt, We&longs;tpunkt, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Occidens</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Occident,
Couchant, Oue&longs;t</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der Durch&longs;chnittspunkt des Aequators
mit dem Horizonte an derjenigen Seite des Himmels, an welcher
die Ge&longs;tirne untergehen. Er i&longs;t einer von den vier
Haupt-oder Cardinalpunkten, durch welche im Horizonte
die vier Hauptgegenden be&longs;timmt werden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weltgegenden.</HI>
Die Schiffer nennen ihn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">We&longs;ten.</HI> Von ihm hei&szlig;t
die ganze umliegende Gegend des Himmels die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendgegend,</HI>
und man &longs;agt von dem, was &longs;ich in die&longs;er Gegend
zutr&auml;gt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">es ge&longs;chehe gegen Abend.</HI> An den Tagen
der Nachtgleichen (um den 21 M&auml;rz und 21 Sept.),
wenn die Sonne im Aequator &longs;teht, geht &longs;ie im Abendpunkte
&longs;elb&longs;t unter. An den &uuml;brigen Tagen des Jahres &longs;tehen
die Punkte&verbar; des Horizonts, in welchen die Sonne untergeht,
von die&longs;em <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahren</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eigentlichen Abendpunkte</HI> ab,
und fallen bey uns im Sommer weiter gegen Mitternacht,
im Winter weiter gegen Mittag. Die Untergangspunkte
der Sonne am l&auml;ng&longs;ten und k&uuml;rze&longs;ten Tage &longs;ind vom wahren
Abendpunkte am weit&longs;ten entfernt, und f&uuml;hren bisweilen
die Namen des Sommer- und Winterabendpunkts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Occident
d'&eacute;t&eacute;, Occident d'hiver</HI>).</HI> F&uuml;r Leipzig &longs;tehen
 &longs;ie vom
wahren Abendpunkte um 39&deg;35&prime;39&Prime; ab.</P></DIV2><DIV2 N="Abend&longs;tern" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abend&longs;tern</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">He&longs;perus.</HI> Ein Beyname der Venus,
wenn &longs;ie, nach ihrer obern Conjunction mit der Sonne, auf
der Morgen&longs;eite der&longs;elben er&longs;cheint, und al&longs;o Abends nach
Sonnenuntergang ge&longs;ehen wird. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Venus.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Abendweite" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abendweite, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Amplitudo occidua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Amplitude occa&longs;e
ou occidentale</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 1. Die Abendweite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI>
i&longs;t der Ab&longs;tand des Punktes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> in welchem ein Ge&longs;tirn untergeht,
vom wahren Abendpunkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O.</HI> Die&longs;er Ab&longs;tand
i&longs;t, wie die Figur zeigt, ein Bogen des Horizonts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HR.</HI>
I&longs;t der&longs;elbe, wie in der Figur, von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> aus gegen Mitternacht<PB ID="P.1.3" N="3" TEIFORM="pb"/>
gerichtet, &longs;o hei&szlig;t die Abendweite <HI REND="bold" TEIFORM="hi">n&ouml;rdlich</HI>
 <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;eptemtrionalis);</HI>
gienge aber das Ge&longs;tirn in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> unter, da&szlig;
 <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> von
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> aus nach Mittag gekehrt w&auml;re, &longs;o hie&szlig;e die Abendweite
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;&uuml;dlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(meridionalis).</HI> Man &longs;ieht leicht, da&szlig; die
 Ge&longs;tirne
in der n&ouml;rdlichen Halbkugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQP</HI> eine n&ouml;rdliche,
hingegen die in der &longs;&uuml;dlichen Halbkugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQp</HI> eine &longs;&uuml;dliche
Abendweite haben.</P><P TEIFORM="p">Um die Abendweite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> eines Ge&longs;tirns zu finden, mu&szlig;
&longs;ein Ab&longs;tand vom Aequator <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> oder &longs;eine Abweichung,
neb&longs;t der Aequatorh&ouml;he des Orts, welche dem Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI>
gleich i&longs;t gegeben &longs;eyn. Dann i&longs;t im Dreyeck <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ODS</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;in. O: &longs;in. DS=&longs;in. tot: &longs;in. OS,</HI></HI>
wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OS</HI> n&ouml;rdlich oder &longs;&uuml;dlich i&longs;t, je nachdem <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> das
 eine
oder das andere i&longs;t. F&uuml;r <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in. tot=1,</HI> giebt dies die
Formel
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Abendw.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/&longs;in.</HI>
 Aequatorh.)<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/co&longs;.</HI> Polh&ouml;he)</HI></P><P TEIFORM="p">Vermittel&longs;t die&longs;er Formel l&auml;&szlig;t &longs;ich eine Tafel berechnen,
in welcher man f&uuml;r die Polh&ouml;he eines jeden Orts und die Declination
eines jeden Ge&longs;tirns die zugeh&ouml;rige Abendweite auf&longs;chlagen
kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner Sammlung
a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (Band <HI REND="roman" TEIFORM="hi">lll.</HI> S. 255) unter dem Titel:
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tafel f&uuml;r die Weiten in O&longs;t und We&longs;t,</HI> findet.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r Leipzig, de&longs;&longs;en Polh&ouml;he 51&deg; 19&prime; 41&Prime; i&longs;t,
 findet
man die Abendweite der Sonne am l&auml;ng&longs;ten und k&uuml;rze&longs;ten
Tage (wo die Abweichung = 23&deg; 28&prime; 8&Prime; betr&auml;gt) =
39&deg; 35&prime; 39&Prime;. Anden Tagen der Nachtgleichen hingegen
i&longs;t die Abendweite der Sonne =0.</P><P TEIFORM="p">Die Berechnung der Abendweiten der Sonne n&uuml;tzt
vorz&uuml;glich den Seefahrern zu Beobachtung der Abweichung
der Magnetnadel.</P></DIV2><DIV2 N="Abirrung des Lichts" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abirrung des Lichts, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aberratio lucis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aberration
de la lumiere</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine &longs;cheinbare Bewegung der Sterne,
verm&ouml;ge welcher &longs;ie j&auml;hrlich am Himmel eine kleine Ellip&longs;e
zu durchlaufen &longs;cheinen, deren gro&szlig;e Axe 20 Secunden eines
gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;es betr&auml;gt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e merkw&uuml;rdige Er&longs;cheinung ward von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jacob</HI><PB ID="P.1.4" N="4" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> entdeckt, als er im Jahre 1725 in Kew bey London
mit einem von Graham verfertigten Sector von 24
Fu&szlig; Halbme&longs;&longs;er, de&longs;&longs;en Gradbogen nur einige Minuten
vom Krei&longs;e enthielt, die Ab&longs;t&auml;nde einiger Sterne vom Zenith
ver&longs;chiedene Tage nach einander beobachtete, um zu
&longs;ehen, ober dabey irgend ein Merkmal einer j&auml;hrlichen Parallaxe
der Erdbahn wahrnehmen k&ouml;nnte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Parallaxe
der Erdbahn.</HI> Er &longs;etzte &longs;eine Beobachtungen hier&uuml;ber
bis ins Jahr 1728 fort, und bemerkte, da&szlig; alle Fix&longs;terne
zu der Zeit, wenn &longs;ie am Tage durch den Mittagskreis
giengen, t&auml;glich etwas weiter gegen S&uuml;den fortr&uuml;ckten; zu
der Zeit hingegen, wenn &longs;ie des Nachts culminirten, von
Tag zu Tag weiter gegen Norden giengen; &uuml;berhaupt aber
alle nach Verlauf eines Jahres wieder in ihre vorige Stelle
zur&uuml;ck kamen, nachdem &longs;ie mittlerweile eine Ellip&longs;e durchlaufen
hatten, deren gro&szlig;e mit der Ekliptik parallele Axe
40&Prime; betrug, die kleinere auf der Ekliptik &longs;enkrecht &longs;tehende
aber, bey Sternen in der Ekliptik &longs;elb&longs;t, Null, im Pole der
Ekliptik ebenfalls 40&Prime; war, und in den Zwi&longs;chen&longs;tellen
&longs;ich, wie der Sinus der Breite des Sterns, verhielt; daher
der Stern <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">g</FOREIGN> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> im Drachen, welcher nahe am
Nordpole der Ekliptik &longs;teht, einen Kreis von 40&Prime; im
Durchme&longs;&longs;er zu be&longs;chreiben &longs;chien. Die&longs;e Bewegung aber
erfolgte gar nicht nach den Regeln, nach welchen &longs;ich eine
aus der j&auml;hrlichen Parallaxe der Erdbahn ent&longs;tehende &longs;cheinbare
Bewegung h&auml;tte dar&longs;tellen m&uuml;&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> ver&longs;ichert war, da&szlig; die&longs;e Bewegung ein
allgemeines Ph&auml;nomen aller Fix&longs;terne &longs;ey, &longs;o unternahm
er es, die Ur&longs;ache der&longs;elben zu erfor&longs;chen. Es mu&szlig;te eine
j&auml;hrlich wiederkehrende und allgemeine Ur&longs;ache entdeckt
werden, deren Wirkung &longs;ich, wie der Sinus der Breite
des Sterns, verhielt, und bey ihrem gr&ouml;&szlig;ten Werthe
40&Prime; betrug.</P><P TEIFORM="p">Gl&uuml;cklicher Wei&longs;e bemerkte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley,</HI> da&szlig; die&longs;e 40&Prime;
genau den Bogen der Erdbahn ausmachen, den die Erde
in 16 Minuten Zeit durchl&auml;uft, und es fiel ihm bey, da&szlig;
das Licht gerade eben die&longs;e Zeit von 16 Minuten brauche,<PB ID="P.1.5" N="5" TEIFORM="pb"/>
um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn zu durchlaufen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht.</HI>
Er konnte &longs;ich nun &longs;ogleich vor&longs;tellen, da&szlig; wir die in der
Ekliptik &longs;tehenden Sterne, wenn &longs;ie in Conjunction mit
der Sonne &longs;ind, und al&longs;o hinter ihr und weiter von uns
&longs;t&eacute;hen, um 16 Minuten &longs;p&auml;ter erblicken m&uuml;&longs;&longs;en, als wenn
&longs;ie in Oppo&longs;ition, d. i. auf eben der Seite der Sonne mit
uns &longs;elb&longs;t, und al&longs;o uns um den Durchme&longs;&longs;er der Erdbahn
n&auml;her &longs;tehen, und da&szlig; wir &longs;ie eben deswegen im er&longs;tern
Falle um 40&Prime; weniger fortger&uuml;ckt erblicken, als im letztern,
woraus &longs;ich die Ph&auml;nomene der Abirrung f&uuml;r die in der
Ekliptik &longs;tehenden Sterne, welche &longs;tatt der Ellip&longs;e eine gerade
Linie zu be&longs;chreiben &longs;cheinen, vollkommen erkl&auml;ren.</P><P TEIFORM="p">In Ab&longs;icht auf die au&szlig;er der Ekliptik &longs;tehenden Sterne
fiel <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bradley</HI> auf den gl&uuml;cklichen Gedanken, die Bewegung
des Lichts mit der Bewegung der Erde nach den
Ge&longs;etzen der Zu&longs;ammen&longs;etzung der Bewegungen (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung
der Bewegungen</HI>) zu verbinden,
und nachdem er &longs;eine Erkl&auml;rung mit allen Beobachtungen
&uuml;berein&longs;timmend gefunden hatte, &longs;tattete er davon im
Jahre 1728 &ouml;ffentlich Bericht ab. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact,
No. 406.)</HI></P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 2.) ein Stern, der den Licht&longs;trahl
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">EB</HI> zu uns &longs;endet, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> ein kleiner Theil der
Erdbahn, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> der Weg, den der Stral durchlaufen
hat, indem die Erde von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> gieng, da&szlig; &longs;ich
al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB,</HI> wie die Ge&longs;chwindigkeiten des Lichts und
der Erde, d. i. wie 10313: 1 verhalten m&uuml;&longs;&longs;en. Man verzeichne
das Parallelogramm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD,</HI> &longs;o wird &longs;ich die Bewegung
des Licht&longs;trals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB,</HI> in die beyden Bewegungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD
=BF</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA=DB</HI> zerlegen la&longs;&longs;en (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zu&longs;ammen&longs;etzung
der Bewegungen</HI>). Von dem Theile <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BF</HI> kan das
in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> anlangende Auge nichts empfinden, weil die Bewegung
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">BF</HI> mit der Bewegung des Auges durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> nach einerley
Richtung geht; es empfindet daher nur den Theil
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">DB,</HI> und &longs;ieht den Stern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> nach der Richtung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BD,</HI> al&longs;o von
&longs;einem wahren Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> um den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EBD</HI> entfernt, welcher<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=ACB</HI> i&longs;t, und der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrungswinkel</HI> genannt wird.<PB ID="P.1.6" N="6" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">I&longs;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> ein rechter, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB:BA,</HI> wie
10313: 1, &longs;o giebt die Trigonometrie den Abirrungswinkel
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB=20</HI> Secunden.</P><P TEIFORM="p">I&longs;t hingegen, wie Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 3, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> gegen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI>
geneigt, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB</HI> kleiner, als im vorigen Falle, oder
wie die Trigonometrie lehrt, = 20&Prime; multiplicirt in den
Sinus des Winkels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CAB.</HI> Auch r&uuml;ckt die Abirrung den
&longs;cheinbaren Ort des Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> jederzeir nach derjenigen Gegend
fort, nach welcher die Erde &longs;elb&longs;t fortgehet.</P><P TEIFORM="p">Nun &longs;ey Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. CROH</HI> die Erdbahn um die
Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> ein Stern unter der n&ouml;rdlichen Breite
 <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eSG,</HI>
&longs;o wird der&longs;elbe mit der Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> in Conjunction er&longs;cheinen,
wenn die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> in Oppo&longs;ition hingegen, wenn &longs;ie in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI>
&longs;tehet. In beyden F&auml;llen treffen die von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> einfallenden
&uuml;berall mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eS</HI> parallelen Licht&longs;tralen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eC</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eO</HI>
 unter rechten
Winkeln auf die Richtungen der Erdbahn bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> und
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">O,</HI> es i&longs;t al&longs;o der Abirrungswinkel beydemal 20&Prime;, und zwar
bey der Conjunction we&longs;tlich nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c,</HI> bey der Oppo&longs;ition &ouml;&longs;tlich
nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">o</HI> gerichtet. Daher der Ab&longs;tand der beyden &longs;cheinbaren
Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">o, 40&Prime;</HI> betragen mu&szlig;.</P><P TEIFORM="p">In den mittlern Zeitpunkten hingegen, wenn des
Sterns L&auml;nge um 90&deg; vom Orte der Sonne unter&longs;chieden
i&longs;t, d. i. wenn die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> &longs;teht, machen die von
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> einfallenden Licht&longs;tralen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eR</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eH</HI> mit der Richtung
 der
Erdbahn in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> Winkel, welche der Breite des
Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">eSG</HI> gleich &longs;ind; daher i&longs;t hier die Gr&ouml;&szlig;e der Abirrung
= 20&Prime; multiplicirt in den Sinus der Breite des
Sterns, und zwar das Einemal nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r,</HI> das Anderemal nach
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">h</HI> zu gerichtet, wodurch im er&longs;ten Falle die Breite vermindert,
im andern vergr&ouml;&szlig;ert wird. Der Unter&longs;chied beyder
Breiten in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h</HI> betr&auml;gt daher 40&Prime;
 multiplicirtin den
Sinus der Breite. Die Erde in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C, R, O, H</HI> &longs;ieht al&longs;o
den Stern in der Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c, r, o, h</HI> gehen, deren gro&szlig;e der
Ekliptik parallele Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">co = 40&Prime;,</HI> die kleine <HI REND="roman" TEIFORM="hi">rh =
 40&Prime;</HI>
multiplicirt in den Sinus der Breite i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">So be&longs;chreibt Arktur, de&longs;&longs;en n&ouml;rdliche Breite beyl&auml;ufig
30 Grad betr&auml;gt, eine j&auml;hrliche Abirrungsellip&longs;e, deren<PB ID="P.1.7" N="7" TEIFORM="pb"/>
kleine auf die Ekliptik &longs;enkrechte Axe<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=40&Prime;. fin. 30&deg;
=20&Prime;</HI> betr&auml;gt. Den 13 October am Tage &longs;einer Conjunction
mit der Sonne &longs;teht er im &auml;u&szlig;er&longs;ten we&longs;tlichen
Theile der&longs;elben zur Rechten, den 11 Jan. am unter&longs;ten
oder &longs;&uuml;dlichen Ende der kleinen Axe, den 12 April, am
Tage der Oppo&longs;ition am mei&longs;ten o&longs;tw&auml;rts, und den 12
Jul. am mei&longs;ten nordw&auml;rts.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Ver&auml;nderung des Ortes der Sterne in ihrer Abirrungsellip&longs;e
&auml;ndert ihre L&auml;nge, Breite, gerade Auf&longs;teigung
und Abweichung. Wie viel jede die&longs;er Ver&auml;nderungen
betrage, l&auml;&szlig;t &longs;ich durch trigonometri&longs;che Rechnungen
be&longs;timmen. Bey den Planeten und Kometen &longs;ind die Wirkungen
der Abirrung &longs;o gro&szlig;, als der Winkel, unter welchem
ihre Bewegung in der Zeit, in welcher das Licht von
ihnen zu uns k&ouml;mmt, von der Erde aus in die Augen f&auml;llt,
und la&longs;&longs;en &longs;ich al&longs;o aus ihren Entfernungen und Bewegungen
leicht berechnen.</P><P TEIFORM="p">Die Abirrung des Lichts hat &uuml;brigens den A&longs;tronomen
einen ganz neuen und directen Beweis von der Wirklichkeit
des Umlaufs der Erde um die Sonne ver&longs;chaft, und
dadurch die Wahrheit der Lehren des Copernicus auf eine
unerwartete Wei&longs;e be&longs;t&auml;tiget, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Welt&longs;y&longs;tem.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronomi&longs;ches Handbuch, &sect;. 772 und f.
Smith's Lehrbegrif der Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tner,</HI> 4 Buch, 7 Cap.
Seite 353 <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> Erkl&auml;rung der Sternkunde, &sect;. 615.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ableiter, &longs;. Blitzableiter.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;olut" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;olut</HEAD><P TEIFORM="p">nennt man dasjenige, was blo&szlig; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">an &longs;ich,</HI>
und ohne Beziehung auf etwas anderes &auml;hnliches betrachtet
wird. Dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;oluten</HI> wird das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Relative,</HI> bisweilen
das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Specifi&longs;che,</HI> entgegenge&longs;etzt. Bey&longs;piele hievon findet
man in den Artikeln: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung, Ge&longs;chwindigkeit,
Gewicht, Kraft, Ort, Schwere.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;orbirend" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;orbirend, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ab&longs;orbentia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ab&longs;orbant</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&szlig;en
&uuml;berhaupt alle Sub&longs;tanzen, welche &longs;ich mit S&auml;uren zu verbinden
im Stande &longs;ind, z. B. die Laugen&longs;alze und Kalcherden,
Haupt&longs;&auml;chlich f&uuml;hren die letztern, z. B. der Kalch&longs;tein, die<PB ID="P.1.8" N="8" TEIFORM="pb"/>
Kreide, die Krebsaugen, gebrannten Knochen u. dergl.
den Namen der ab&longs;orbirenden Materien. Wenn die&longs;e
Materien ein gebundenes Gas in &longs;ich enthalten, &longs;o ent&longs;teht
bey ihrer Verbindung mit den S&auml;uren ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;tand, &longs;. Entfernung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;tand vom Scheitel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;tand vom Scheitel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Di&longs;tantia a vertice</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;tance
au Zenith</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der zwi&longs;chen dem Scheitelpunkte oder
Zenith und einem Ge&longs;tirne oder andern Punkte des Himmels
enthaltene Bogen eines Scheitelkrei&longs;es. Da der Scheitelpunkt
&uuml;berall um 90&deg; vom Horizonte entfernt i&longs;t, &longs;o macht
eines Ge&longs;tirns Ab&longs;tand vom Scheitel mit de&longs;&longs;en H&ouml;he jederzeit
90&deg; aus, oder: der Ab&longs;tand vom Scheitel i&longs;t das
Complement&verbar;der H&ouml;he. I&longs;t z. B. die H&ouml;he eines Sterns
55&deg;, &longs;o wird &longs;ein Ab&longs;tand vom Scheitel 35&deg; &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die Sonne hat den gering&longs;ten Ab&longs;tand vom Scheitel
am Mittage des l&auml;ng&longs;ten, den gr&ouml;&szlig;ten am Mittage des
k&uuml;rze&longs;ten Tages. Jener betr&auml;gt f&uuml;r Leipzig 27&deg; 51&prime;
 33&Prime;,
die&longs;er 74&deg; 47&prime; 49&Prime;.</P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Di&longs;tantia
aequinoctii a Sole</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;tance de l'&eacute;quinoxe au
&longs;oleil ou au meridien</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&szlig;t in der Sternkunde die Anzahl
von Graden oder von Stunden, welche der Fr&uuml;hlingspunkt
von dem Augenblicke des Mittags an noch zu durchlaufen
hat, ehe er in den Mittagskreis gelangt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Ab&longs;tand der Nachtgleiche vom Mittage i&longs;t, in
Graden ausgedr&uuml;ckt, jederzeit 360&deg; weniger der geraden
Auf&longs;teigung der Sonne. Man &longs;etze z. B. die gerade Auf&longs;teigung
der Sonne &longs;ey 90&deg;, oder die Sonne komme mit
dem 90&longs;ten Grade des Aequators zugleich in den Mittagskreis,
&longs;o wird in dem Augenblicke, da die&longs;es ge&longs;chieht,
der Fr&uuml;hlingspunkt oder Anfang des Aequators 90&deg; weiter
gegen Abend &longs;tehen, und al&longs;o noch 270&deg; zur&uuml;ckzulegen haben,
ehe er den ganzen Cirkel'vollendet, und al&longs;o das
N&auml;ch&longs;temal wieder in den Mittagskreis tritt. Daher i&longs;t
&longs;ein. Ab&longs;tand vom Mittage 270&deg;=360&deg;&mdash;90&deg;.</P><P TEIFORM="p">Will man die&longs;en Ab&longs;tand in Zeit ausdr&uuml;cken, &longs;o m&uuml;&longs;&longs;en<PB ID="P.1.9" N="9" TEIFORM="pb"/>
die Grade de&longs;&longs;elben in Zeit verwandelt werden, &longs;. die Artikel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sternzeit, Sonnenzeit.</HI> Sogeben 270&deg; in
dem angenommenen Bey&longs;piele 18 Stern&longs;tunden oder 17
St. 57 Min. 3 Sec. mittlere Sonnenzeit. So viel Zeit
verflie&szlig;t al&longs;o noch, vom Mittage an gerechnet, ehe der
Fr&uuml;hlingspunkt den Mittagskreis erreicht.</P><P TEIFORM="p">In den be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Kalendern (z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI>
a&longs;tronomi&longs;chem Jahrbuch) findet man f&uuml;r jeden Mittag des
Jahres die&longs;en Ab&longs;tand in Sternzeit, unter der Rubrik:
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Oe&longs;tlicher Ab&longs;tand 0&deg;<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> von der Sonne,</HI> angegeben.
Man gebraucht ihn, um die Stunde zu finden, zu welcher
jeder Stern durch den Mittagskreis geht, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Culmination.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;teigende Knoten, &longs;. Knoten.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ab&longs;teigende Zeichen, &longs;. Thierkreis.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;teigung, gerade" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;teigung, gerade, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;io recta</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;ion
droite</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">i&longs;t mit der geraden Auf&longs;teigung v&ouml;llig einerley. Es
wird nemlich darunter der Bogen des Aequators ver&longs;tanden,
welcher zwi&longs;chen dem Fr&uuml;hlingspunkte und dem Abweichungskrei&longs;e
eines Ge&longs;tirns enthalten i&longs;t. Der letzte
Punkt die&longs;es Bogens geht in den L&auml;ndern, wo die Sterne
unter rechten Winkeln auf- und untergehen, mit dem Sterne
zugleich auf und unter; er begrenzt al&longs;o de&longs;&longs;en gerade
Auf&longs;teigung und Ab&longs;teigung zugleich, daher beyde einerley
&longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ab&longs;teigung, &longs;chiefe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ab&longs;teigung, &longs;chiefe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;io obliqua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">De&longs;cen&longs;ion
oblique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Derjenige Bogen des Aequators, welcher
zwi&longs;chen dem Fr&uuml;hlingspunkte oder Anfange des Aequators,
und dem mit einem Ge&longs;tirne zugleich untergehenden
Punkte de&longs;&longs;elben, enthalten i&longs;t. Zur Vergleichung &longs;. den
Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigung, &longs;chiefe.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Ab&longs;teigung eines
Ge&longs;tirns hei&szlig;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI> Die&longs;e
i&longs;t bey Ge&longs;tirnen, die ihre Lage gegen die Fix&longs;terne nicht
merklich &auml;ndern, mit der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz</HI> einerley,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI> Aus ihr findet &longs;ich die &longs;chiefe
Ab&longs;teigung durch die Formel<PB ID="P.1.10" N="10" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;chiefe Ab&longs;t.=gerade Auf&longs;t.+De&longs;e. diff.</HI>
wo man bey negativem Werthe der De&longs;cen&longs;ionaldifferenz,
&longs;tatt zu addiren, &longs;ubtrahiren mu&szlig;.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che oder Declination der Ge&longs;tirne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che oder Declination
der Ge&longs;tirne, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Declinatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Declinai&longs;on</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;t in der Sternkunde
der Ab&longs;tand der Ge&longs;tirne vom Aequator, durch den
Bogen eines gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;es geme&longs;&longs;en. Wenn Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI>
Fig. 5. durch den Stern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> und die beyden Weltpole <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> ein gr&ouml;&szlig;ter Kreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI> gef&uuml;hrt wird, welcher
 auf dem
Aequator <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> &longs;enkrecht &longs;tehet, weil er durch de&longs;&longs;en Pole
geht:&longs;o hei&longs;t die&longs;er Kreis des Ge&longs;tirns <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungskreis</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Declinationscirkel.</HI> Der zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI>
und dem Punkte des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> enthaltene Bogen die&longs;es
Krei&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI> i&longs;t des Ge&longs;tirns <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichung.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn das Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem
Nordpole <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> &longs;teht, &longs;o hei&longs;t &longs;eine Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI>
 <HI REND="bold" TEIFORM="hi">n&ouml;rdlich</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(borealis),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;&uuml;dlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(au&longs;tralis)</HI> hingegen, wenn &longs;ich
 das
Ge&longs;tirn zwi&longs;chen dem Aequator und dem S&uuml;dpole befindet.
In den Formeln kan man die n&ouml;rdlichin Abweichungen po&longs;itiv,
die &longs;&uuml;dlichen negativ, &longs;etzen. Die Abweichung eines
im Aequator &longs;elb&longs;t &longs;tehenden Ge&longs;tirns i&longs;t=0; eines im
Pole &longs;tehenden Abweichung w&auml;re =90&deg;. Auch erhellet,
da&szlig; keine Abweichung &uuml;ber 90&deg; betragen k&ouml;nne.</P><P TEIFORM="p">Durch die Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD</HI> und die gerade Auf&longs;teigung
<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung</HI>) wird die Stelle eines Ge&longs;tirns am
Himmel be&longs;timmt, und von den Stellen aller &uuml;brigen Ge&longs;tirne
unter&longs;chieden. Es i&longs;t daher f&uuml;r den Sternkundigen eine
&longs;ehr wichtige Arbeit, die Abweichungen der Ge&longs;tirne
durch Beobachtungen zu erfor&longs;chen.</P><P TEIFORM="p">Man findet aber die Abweichungen der Ge&longs;tirne &longs;ehr
leicht durch Beobachtungen ihrer Mittagsh&ouml;hen. In dem
Augenblicke, in welchem ein Ge&longs;tirn durch den Mittagskreis
geht, coincidirt &longs;ein Abweichungskreis mit dem Mittagskrei&longs;e,
als welcher allezeit durch die Weltpole, und in
die&longs;em Augenblicke auch durch das Ge&longs;tirn geht. Mithin i&longs;t
die Abweichung dem zwi&longs;chen dem Ge&longs;tirne und dem Aequator
enthaltenen Bogen des Mittagskrei&longs;es gleich, welcher in<PB ID="P.1.11" N="11" TEIFORM="pb"/>
die&longs;em Augenblicke den Unter&longs;chied zwi&longs;chen der H&ouml;he des
Ge&longs;tirns und der H&ouml;he des Aequators im Mittagskrei&longs;e
ausmacht. I&longs;t nun die letztere f&uuml;r den Ort der Beobachtung
bekannt (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aequatorh&ouml;he</HI>), &longs;o l&auml;&szlig;t &longs;ie, von der
 Mittagsh&ouml;he
des Ge&longs;tirns abgezogen, die Abweichung de&longs;&longs;elben
&uuml;brig z. B.
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Mittagsh&ouml;be der Sonne<LB TEIFORM="lb"/>
zu Paris d.21 Jun. 1738</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">64&deg;</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">38&prime;</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10&Prime;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ca&longs;&longs;ini Elem. de</HI></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aequatorh&ouml;he von Paris</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">41</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">l'A&longs;tr. L. ll. ch. 4)</HI></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Abweichung der Sonne</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">23</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">n&ouml;rdlich.</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">I&longs;t die Mittagsh&ouml;he des Ge&longs;tirns kleiner, als die Aequatorh&ouml;he,
&longs;o bleibt eine negative oder &longs;&uuml;dliche Abweichung
&uuml;brig.</P><P TEIFORM="p">Die A&longs;tronomen haben durch h&auml;ufige Beobachtungen
der Mittagsh&ouml;hen die Abweichungen der mei&longs;ten Fix&longs;terne
gefunden, und in die Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Catalogos fixarum)</HI>
eingetragen. Aus deh geraden Auf&longs;teigungen und
Abweichungen der Sterne la&longs;&longs;en &longs;ich ihre L&auml;ngen und Breiten
berechnen; und die&longs;e von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho de Brahe</HI> mehr in
Gang gebrachte Methode i&longs;t leichter und &longs;ichrer, als ein gewi&longs;&longs;es
Verfahren der Alten, welche die L&auml;ngen und Breiten
unmittelbar durch Beobachtungen &longs;uchten. Tycho hat
zu Be&longs;timmung der Mittagsh&ouml;hen den in der Mittagsfl&auml;che
befe&longs;tigten Quadranten (Mauerquadrant, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">quadrans
Tychonicus)</HI> eingef&uuml;hrt.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichung der Sonne i&longs;t in un&longs;ern L&auml;ndern im
Fr&uuml;hling und Sommer n&ouml;rdlich, im Herb&longs;t und Winter
&longs;&uuml;dlich. An den Tagen der Nachtgleichen (den 21 M&auml;rz u.
21 Sept.) i&longs;t &longs;ie=0, an den Tagen der Sonnenwenden
(den 21 Jun. u. 21 Dec.) hingegen am gr&ouml;&szlig;ten, und der
Schiefe der Ekliptik gleich, d. i. jetzt 23&deg; 28&prime; 8&Prime;. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
 Schiefe
der Ekliptik.</HI> Man berechnet die Abweichung der
Sonne f&uuml;r jeden Tag im Jahre aus der Schiefe der Ekliptik
und dem Orte oder der L&auml;nge der Sonne, durch die Formel:
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Abweich.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=&longs;in.</HI> Schiefe der Ekl.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">X&longs;in.</HI>
 L&auml;nge der &Theta;.</HI>
Dadurch la&longs;&longs;en &longs;ich Tafeln berechnen, in welchen man die
Abweichung der Sonne f&uuml;r jeden Punkt ihrer Bahn durch<PB ID="P.1.12" N="12" TEIFORM="pb"/>
Auf&longs;chlagen finden kan, dergleichen die Berliner Sammlung
a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln (B. 1. S. 274. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">XXI.)</HI> unter
dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Die Abweichung der Sonne f&uuml;r die
Schiefe der Ecliptik 32&deg; 28&prime; 15&Prime; neb&longs;t Verbe&longs;&longs;erung
f&uuml;r eine Minute Ver&auml;nderung die&longs;er Schiefe,</HI> liefert.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, dioptri&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, dioptri&longs;che</HEAD><P TEIFORM="p">oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrung der
Gl&auml;&longs;er,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio lentium, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration des verres,</HI></HI>
hei&szlig;t derjenige Unter&longs;chied, der bey Gl&auml;&longs;ern, Fernr&ouml;hren und
Mikro&longs;kopen daraus ent&longs;teht, da&szlig; &longs;ich die aus einem Punkte
des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen nicht wieder genau
in einem Punkte vereinigen. Da aber zu einem deutlichen
Bilde erfordert wird, da&szlig; alles aus einem Punkte
des Gegen&longs;tandes gekommene Licht, wieder in einem Punkte
vereiniget werde, &longs;o &longs;t&ouml;rt die&longs;e Abweichung die Deutlichkeit
der Bilder, und man mu&szlig; &longs;ie daher bey allen dioptri&longs;chen
Werkzeugen, &longs;o viel m&ouml;glich, zu vermeiden &longs;uchen.
Sie ent&longs;teht aber aus einer doppelten Ur&longs;ache, und theilt
&longs;ich daher in zweyerley Abweichungen, von welchen die beyden
folgenden Artikel handeln.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung wegen der Ge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio ob figuram &longs;.&longs;phaericitatem lentium, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration
de &longs;ph&egrave;ricit&eacute;.</HI></HI> Die&longs;e ent&longs;teht daher, weil eine
 Glaslin&longs;e,
deren Oberfl&auml;chen eine &longs;ph&auml;ri&longs;che Kr&uuml;mmung haben,
die aus einem Punkte des Gegen&longs;tandes kommenden Licht&longs;tralen
nie wieder v&ouml;llig in einen Punkt vereiniget. Jedoch
vereinigen &longs;ich diejenigen Stralen, welche nahe bey
der Axe oder um die Mitte des Gla&longs;es einfallen, in einem
&longs;ehr engen Raume, und f&uuml;r &longs;ie i&longs;t al&longs;o die&longs;e Abweichung
geringer, als f&uuml;r die weiter von der Axe ab und gegen den
Rand zu einfallenden Stralen. Man vermeidet daher den
gr&ouml;&szlig;ten Theil die&longs;er Abweichung, wenn man den Rand der
Gl&auml;&longs;er mit etwas Undurch&longs;ichtigem bedeckt, und nur in der
Mitte eine kreisrunde Oefnung frey l&auml;&szlig;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Blendung</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Apertur.</HI> Gew&ouml;hnlich werden dadurch die Wirkungen
die&longs;er Abweichung &longs;o &longs;tark vermindert, da&szlig; man
den noch &uuml;brigbleibenden Fehler f&uuml;r unbetr&auml;chtlich halten
kan.<PB ID="P.1.13" N="13" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Man &longs;chrieb ehedem die Undeutlichkeit, die in den
dioptri&longs;chen Werkzeugen noch immer unvermeidlich blieb,
ganz allein die&longs;er Art von Abweichung zu, und &longs;uchte daher
zu Verbe&longs;&longs;erung der Fernr&ouml;hre noch andere und wirk&longs;amere
Mittel zu finden, als die damals gew&ouml;hnlichen &longs;tarken
Bedeckungen waren. Die Theorie der Brechung lehrt,
da&szlig; planconvexe Gl&auml;&longs;er, mit ellipti&longs;chen Hinterfl&auml;chen von
einer be&longs;timmten Kr&uuml;mmung, Parallel&longs;tralen genau in einen
Punkt vereinigen; Gl&auml;&longs;er mit hyperboli&longs;chen Vorderfl&auml;chen
aber die aus ihrem Brennpunkte kommenden Stralen
wieder parallel aus&longs;enden. Man dachte daher, nach
dem Vor&longs;chlage des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carte&longs;ius,</HI> die Abweichung wegen
der Ge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er durch Lin&longs;en mit ellipti&longs;ch und hyperboli&longs;ch
gekr&uuml;mmten Fl&auml;chen zu vermeiden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">D. Wrenn</HI>
gab dazu <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. no. 53.)</HI> ein &longs;innreiches Mittel
an; ja <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t be&longs;ch&auml;ftigte &longs;ich im er&longs;ten Anfange
&longs;einer Unter&longs;uchungen mit Schleifung opti&longs;cher Gl&auml;&longs;er
von anderer als &longs;ph&auml;ri&longs;cher Ge&longs;talt.</P><P TEIFORM="p">Nachdem aber der Letztere im Jahre 1666 die zweyte
weit betr&auml;chtlichere Abweichung der Gl&auml;&longs;er entdeckt hatte,
verwarf er &longs;ogleich die&longs;e Bem&uuml;hungen, ellipti&longs;che und
hyperboli&longs;che Gl&auml;&longs;er zu &longs;chleifen, als unn&uuml;tz, weil jede andere
Brechung eine andere Ge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er erfordere,
und al&longs;o bey der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des Lichts ein
Glas von be&longs;timmter Ge&longs;talt nur f&uuml;r eine gewi&longs;&longs;e Gattung
von Licht&longs;tralen, keinesweges aber f&uuml;r alle Stralen, die
Abweichung heben k&ouml;nne. Ueberdie&szlig; fand er die Wirkungen
der zweyten neuentdeckten Abweichung mehrere tau&longs;endmal
gr&ouml;&szlig;er, als die Wirkungen der bisher bekannten,
und &longs;chlo&szlig; daher mit Recht, da&szlig; die Unvollkommenheiten der
Fernr&ouml;hre fa&longs;t g&auml;nzlich auf die Rechnung der zweyten Art
der Abweichung zu &longs;etzen w&auml;ren, daher es &uuml;berfl&uuml;&szlig;ig &longs;ey,
f&uuml;r die Vermeidung der er&longs;tern weiter Sorge zu tragen,
bevor man nicht Mittel gefunden habe, der zweyten abzuhelfen,
von welcher der folgende Artikel handelt.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Lichr&longs;tralen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit
der Lichr&longs;tralen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aberratio ob diver&longs;am refrangibilitatem<PB ID="P.1.14" N="14" TEIFORM="pb"/>
lucis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aberration de refrangibilit&eacute;</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;e Abweichung r&uuml;hrt daher, da&szlig; die Licht&longs;tralen nach
Newtons Entdeckung bey der Brechung zertheilt, und in
Stralen von ver&longs;chiedenen Farben zer&longs;treut werden, deren
einige eine &longs;t&auml;rkere, andere eine geringere Brechung leiden.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brechbarkeit, Farbenzer&longs;treuung.</HI> Daher werden
unter den von einem Punkte ausgehenden Stralen einige
n&auml;her, andere weiter hinter dem Gla&longs;e vereiniget, und es
ent&longs;tehen &longs;o viele Bilder des Gegen&longs;tandes, als das Licht
Farben enth&auml;lt. Das von den blauen oder violetten Stralen
ent&longs;tandene Bild &longs;teht dem Gla&longs;e am n&auml;ch&longs;ten, wie bey
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">B,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 6: das von den rothen Stralen gebildete
am weite&longs;ten bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R.</HI> Beyder Ab&longs;tand <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BR</HI> betr&auml;gt, wenn
die Stralen nahe bey der Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> einfallen, ohngef&auml;hr
(1/30) von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC,</HI> &longs;on&longs;t noch mehr. Bey dem im Jahre 1774
in Paris ange&longs;tellten Ver&longs;uchen mit einer hohlen mit Weingei&longs;t
gef&uuml;llten Lin&longs;e, von welcher nur ein 6&mdash;7 Lin. breiter
Ring am Rande offen gela&longs;&longs;en war (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brennglas</HI>),
fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de Paris 1774.)</HI> die Entfernung
des Vereinigungspunkts der Sonnen&longs;tralen vom Mittelpunkte
der Lin&longs;e
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sch.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">f&uuml;r rothe Stralen</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; orangegelbe</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; gelbe</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; blaue</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; violette</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4 1/2</CELL></ROW></TABLE>
wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BR,</HI> 9 Zoll 7 Lin., oder (1/12) von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC</HI> ausmacht.</P><P TEIFORM="p">Da &longs;ich nun die von einem Punkte kommenden Stralen
auf die in der Figur deutlich vorge&longs;tellte Art durchkreuzen,
&longs;o kan weder in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> &longs;elb&longs;t, noch irgendwo zwi&longs;chen
die&longs;en Punkten, ein deutliches Bild des &longs;tralenden Punktes
ent&longs;tehen. In <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> z. B. wird das deutliche Bild, welches
die blauen Stralen machen, mit Lichte von andern Farben,
und am Rande mit rothem Lichte aus eben dem Punkte des
Gegen&longs;tandes, umgeben &longs;eyn; daher die&longs;e Abweichung dem
Bilde zugleich fal&longs;che Farben und farbichte R&auml;nder giebt.<PB ID="P.1.15" N="15" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Sobald <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> die&longs;e Abweichung entdeckt hatte, berechnete
er, da&szlig; &longs;ie bey den gew&ouml;hnlichen Fernr&ouml;hren auf
die Undeutlichkeit des Bildes 5000mal &longs;t&auml;rker wirke, als
die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Gla&longs;es, da&szlig; &longs;ie al&longs;o
das vornehm&longs;te Hinderni&szlig; ausmache, welches der Vollkommenheit
der Fernr&ouml;hre im Wege &longs;tehe, von denen es,
wie er &longs;agt, zu verwundern &longs;ey, da&szlig; &longs;ie die Gegen&longs;t&auml;nde
noch &longs;o deutlich zeigten, als es wirklich ge&longs;ch&auml;he.</P><P TEIFORM="p">Er dachte nunmehr auf Mittel, die&longs;e Abweichung aufzuheben,
ward aber ungl&uuml;cklicher Wei&longs;e durch gewi&longs;&longs;e von
ihm ange&longs;tellte Ver&longs;uche und daraus gefolgerte S&auml;tze verleitet,
es f&uuml;r unm&ouml;glich zu halten, da&szlig; man jemals bey
Gl&auml;&longs;ern die Wirkung der Farbenzer&longs;treuung werde aufheben
k&ouml;nnen. Er gieng von die&longs;er Zeit an ganz von den
Gedanken an die Verbe&longs;&longs;erung der Gl&auml;&longs;er ab, und &longs;chlug
&longs;tatt der Fernr&ouml;hre mit blo&szlig;en Gl&auml;&longs;ern die mit Spiegeln
vor, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Spiegeltele&longs;cop,</HI> weil bey der Zur&uuml;ckprallung
des Lichts von Spiegeln keine Farbenzer&longs;treuung &longs;tatt findet.
Dadurch i&longs;t die weitere Unter&longs;uchung die&longs;er Materie
beynahe um ein ganzes Jahrhundert ver&longs;p&auml;tiget worden.</P><P TEIFORM="p">Endlich machte in neuern Zeiten, auf eine von Herrn
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> gegebne Veranla&longs;&longs;ung, der engli&longs;che K&uuml;n&longs;tler <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI>
die wichtige Entdeckung, da&szlig; es allerdings m&ouml;glich &longs;ey
die Farbenzer&longs;treuung auch bey Fernr&ouml;hren mit Gl&auml;&longs;ern zu
vermeiden, wenn man zu die&longs;er Ab&longs;icht die Gl&auml;&longs;er aus ver&longs;chiedenen
Glasarten zu&longs;ammen&longs;etze. Hierauf gr&uuml;ndet &longs;ich
die Erfindung der Dollondi&longs;chen achromati&longs;chen Fernr&ouml;hre,
in welchen die Abweichung wegen der Farbenzer&longs;treuung
vermieden wird, wovon man den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Achromati&longs;che
Fernr&ouml;hre,</HI> nach &longs;ehen kan.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung, katoptri&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung, katoptri&longs;che</HEAD><P TEIFORM="p">oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abirrung der
Hohl&longs;piegel,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aberratio ob figuram &longs;peculorum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aberration
de &longs;ph&egrave;ricit&eacute; des miroirs,</HI></HI> hei&szlig;t der Unter&longs;chied,
welcher bey Hohl&longs;piegeln und Spiegeltele&longs;copen daher ent&longs;teht,
da&szlig; die &longs;ph&auml;ri&longs;chen oder Kugel&longs;piegel die aus einem
Punkte ausgegangenen Licht&longs;tralen nicht wieder in einen
Punkt vereinigen, woraus eine Undeutlichkeit des Bildes<PB ID="P.1.16" N="16" TEIFORM="pb"/>
ent&longs;teht Sollte die&longs;e Abweichung wegfallen, &longs;o m&uuml;&szlig;te der Spiegel,
wenn der Gegen&longs;tand &longs;ehr entfernt i&longs;t, eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">paraboli&longs;che</HI>
Kr&uuml;mmung haben. Denn die Parabel hat die Eigen&longs;chaft,
Stralen, welche mit ihrer Axe parallel einfallen, in ihrem
Vrennpunkte genau zu vereinigen. Man hat daher den
Metall&longs;piegeln, die zu Tele&longs;copen dienen &longs;ollen, eine paraboli&longs;che
Kr&uuml;mmung zu geben ge&longs;ucht, wovon man unter
dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Paraboli&longs;che Spiegel,</HI> ein mehreres
finden wird.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichung der Magnetnadel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichung der Magnetnadel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Declinatio &longs;.
Variatio acus magneticae</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Declinai&longs;on ou Variation
de l' aimant</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So nennt man denjenigen Winkel, um welchen
die Richtung der Magnetnadel von der wahren Mittagslinie
abweicht. Obgleich insgemein ge&longs;agt wird, der
Magnet habe die Eigen&longs;chaft, &longs;ich mit einem gewi&longs;&longs;en Punkte
nach Norden zu richten, und theile die&longs;e Eigen&longs;chaft, die
man &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Polarit&auml;t</HI> nennt, auch den mit ihm be&longs;trichenen
Nadeln mit, &longs;o gilt doch die&longs;e Behauptung nur mit
einiger Ein&longs;chr&auml;nkung. Sowohl der Magnet &longs;elb&longs;t, als
auch die Nadeln, richten &longs;ich in den wenig&longs;ten F&auml;llen genau
nach Norden; &longs;ie weichen fa&longs;t allezeit von der wahren Richtung
der Mittagslinie um einige Grade, gegen O&longs;ten oder
We&longs;ten, ab.</P><P TEIFORM="p">Allem An&longs;ehen nach hat man die Abweichung der Magnetnadel
bald nach dem er&longs;ten Gebrauche des Compa&longs;&longs;es
zur Schiffahrt entdecken m&uuml;&longs;&longs;en. Auch ver&longs;ichert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thevenot</HI>
in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil des voyages.
Paris, 1681. 8.),</HI> aus einem Briefe des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peter Ad&longs;igerus</HI>
ge&longs;ehen zu haben, da&szlig; de&longs;&longs;en Verfa&longs;&longs;er &longs;chon im Jahre
1269 eine Abweichung der Magnetnadel von 5 Graden
wahrgenommen habe. Inzwi&longs;chen finden &longs;ich doch die er&longs;ten
zuverl&auml;&szlig;igen Beobachtungen die&longs;er Abweichung nicht
eher, als im &longs;echszehnten Jahrhunderte. Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de l'Isle</HI>
be&longs;a&szlig; ein Manu&longs;cript eines Piloten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crignon</HI> aus Dieppe,
vom Jahre 1534, welches dem Admiral <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Seba&longs;tian
Chabot</HI> zugeeignet war, und worinn die Abweichung der
Magnetnadel erw&auml;hnt ward; daher es ein Misver&longs;t&auml;ndui&szlig;<PB ID="P.1.17" N="17" TEIFORM="pb"/>
zu &longs;eyn &longs;cheint, wenn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Riccioli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Geograph. reform. L.
VIII, c. 12.)</HI> den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chabot</HI> &longs;elb&longs;t neb&longs;t dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gonzalez
von Oviedo</HI> als die Erfinder der Abweichung der Magnetnadel
nennet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Levin Hul&longs;ius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De&longs;criptio et v&longs;us
viatorii et horologii &longs;olaris, Norib. 1597. 12mo)</HI> f&uuml;hrt
an, da&szlig; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Georg Hartmann</HI> in N&uuml;rnberg im Jahre
1536 bey Verfertigung von Sonnenuhren die Abweichung
10 1/4 Grad gefunden habe, und 1550 ward &longs;ie zu Paris
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Orontius Fineus</HI> 8 Grad &ouml;&longs;tlich beobachtet.
(Man &longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Petr. van Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> di&longs;&longs;. phy&longs;ica experimentalis
de Magnete,</HI> in &longs;einen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;ert. phy&longs;. et geometr.
Lugd. Bat. 1729. 4.</HI> ingl. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Doppelmayr</HI> Nachricht
von den N&uuml;rnbergi&longs;chen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mathematicis</HI> und K&uuml;n&longs;tlern.
N&uuml;rnberg, 1750. Fol. S. 57.) Die &auml;ltern Naturfor&longs;cher
pflegten das Abweichen der Nadel gegen Morgen,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Graeci&longs;&longs;are,</HI> das gegen Abend, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Magi&longs;tri&longs;&longs;are</HI> zu
nennen.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten, zieht
man auf dem fe&longs;ten Lande eine Mittagslinie, &longs;etzt einen gew&ouml;hnlichen
Compa&szlig; oder eine Bou&longs;&longs;ole (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Compa&szlig;</HI>) &longs;o
auf die&longs;elbe, da&szlig; der Stift, auf welchem die Nadel ruht,
auf der Mittagslinie &longs;teht, und die Linie, welche durch den
Anfang der Theilung des Compa&longs;&longs;es geht, mit der Richtung
der Mittagslinie concidiret, &longs;o zeigt der Grad, auf
welchen die Nadel &longs;pielet, die Gr&ouml;&szlig;e ihrer Abweichung an.
Man pflegt einen hiezu eingerichteten Compa&szlig; einen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungscompa&szlig;</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Declinatorium)</HI> zu nennen. Die
Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brander</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">H&ouml;&longs;chel</HI> haben im Jahre 1779 eine
Be&longs;chreibung der von ihnen verfertigten Compaf&longs;e unter
dem Titel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Be&longs;chreibung des magneti&longs;chen</HI> <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Declinatorii</HI></HI>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">und</HI> <HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Inclinatorii,</HI></HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">desgleichen eines be&longs;onders
bequemen und nutzbaren Sonnenquadranten, zu
genauer Be&longs;timmung der Mittagslinie, Aug&longs;purg.</HI>
8. herausgegeben.</P><P TEIFORM="p">Auf der See, wo &longs;ich die&longs;e Methode nicht anwenden
l&auml;&szlig;t, pflegt man ein Bleyloth &longs;o &uuml;ber dem Seecompa&szlig; aufzuh&auml;ngen,
da&szlig; de&longs;&longs;en Schatten durch den Mittelpunkt des
Compa&longs;&longs;es geht; &longs;o giebt der Rhumb oder Theilungspunkt<PB ID="P.1.18" N="18" TEIFORM="pb"/>
des Compa&longs;&longs;es in dem Zeitpunkte, da der Schatten am
k&uuml;rze&longs;ten i&longs;t, die Gr&ouml;&szlig;e der Abweichung an, weil in die&longs;em
Zeitpunkte der Schatten die Richtung der Mittagslinie
bezeichnet. Man kan auch die Weltgegenden, in welchen
die Sonne, oder ein Stern auf- und untergeht, oder auch
die Gegenden, in welchen die Sonne oder ein Stern gleiche
H&ouml;hen auf der Morgen- und Abend&longs;eite erreicht, auf
dem Compa&longs;&longs;e bemerken, &longs;o wird der zwi&longs;chen beyden enthaltene
Bogen, in zwo gleiche Helften getheilt, den wahren
Mittags- und Mitternachtspunkt bezeichnen, und man
wird die Abweichung der Nadel von dem&longs;elben leicht bemerken
k&ouml;nnen. Eine dritte Methode, bey welcher aber die
geographi&longs;che Breite oder Polh&ouml;he des Orts als bekannt
vorausge&longs;etzt wird, i&longs;t die&longs;e. Man beobachte die Gegend
des Compa&longs;&longs;es, in welcher die Sonne, oder ein Stern,
auf- oder untergeht; man berechne ferner aus der gegebnen
Abweichung der Sonne oder des Sterns und der Polh&ouml;he,
de&longs;&longs;elben Morgen- oder Abendweite (&longs;. den Artikel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendweite</HI>), &longs;o wird der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der berechneten
Morgenweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten
Anfangsgegend von O&longs;ten; oder zwi&longs;chen der berechneten
Abendweite und dem Ab&longs;tande der beobachteten Untergangsgegend
von We&longs;ten, die Abweichung der Magnetnadel
angeben.</P><P TEIFORM="p">Durch Beobachtungen die&longs;er Art mu&szlig;te man bald
wahrnehmen, da&szlig; die Abweichung der Magnetnadel nicht
allein an ver&longs;chiedenen Orten der Erde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chieden,</HI> &longs;ondern
auch, &longs;elb&longs;t an einerley Beobachtungsorte, zu ver&longs;chiedenen
Zeiten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&auml;nderlich</HI> &longs;ey. Die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ver&auml;nderung
der Abweichung</HI> an einerley Orte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Variatio Declinationis
&longs;. Variationis)</HI> geht bisweilen &longs;o weit, da&szlig; die
Nadeln &longs;chon binnen einer Stunde ihre Richtung merklich
&auml;ndern. L&auml;nger fortge&longs;etzte Beobachtungen hier&uuml;ber &longs;cheinen
zu&longs;ammengenommen etwas Regelm&auml;&szlig;iges zu zeigen.
Man hat zu Paris und London dergleichen Beobachtungen
&longs;eit langer Zeit ununterbrochen fortge&longs;etzt. Die vornehm&longs;ten
Re&longs;ultate der Pari&longs;er Beobachtungen enth&auml;lt folgende
Tabelle:<PB ID="P.1.19" N="19" TEIFORM="pb"/>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jahr</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; COLSPAN=&quot;3&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Abweichung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1550</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8&deg;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10&prime;</CELL><CELL REND="ROWSPAN=&quot;5&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&ouml;&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1580</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1610</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1640</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1666</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jahr</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; COLSPAN=&quot;3&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" 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TEIFORM="cell">1770</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1772</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">55</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">In den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;moires de l' Acad. Royale des Sc.</HI> vom
Jahre 1770. S. 459 bemerkt Herr le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Monnier</HI> von der
Abweichung der Nadel in Paris, &longs;ie habe von 1666 bis 1769
j&auml;hrlich immer um etwas zugenommen, zuer&longs;t um 15 bis
16, dann um 9 Minuten, womit auch obige Tabelle &uuml;berein&longs;timmt.
Jetzt aber &longs;cheint die we&longs;tliche Abweichung
da&longs;elb&longs;t wieder abzunehmen.</P><P TEIFORM="p">In London, wo <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellibrand</HI> im Jahre 1625 zuer&longs;t
genaue Beobachtungen angefangen, und in die&longs;er Ab&longs;icht
eine eigne Mittagslinie gezogen hat, war die Abweichung
der Nadel nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. n. 195. p. 564.)</HI><PB ID="P.1.20" N="20" TEIFORM="pb"/>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">im Jahre</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1580</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11&deg;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15&prime;</CELL><CELL REND="ROWSPAN=&quot;3&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&ouml;&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1622</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">36</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1634</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1657</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1672</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL REND="ROWSPAN=&quot;4&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">we&longs;tlich</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1683</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="COLSPAN=&quot;2&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. Vol.<LB TEIFORM="lb"/>
LXIV. P. 2.) 1774</HI></CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">21</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Wenn man aus mehrern an vielerley Orten der Welt
ange&longs;tellten Beobachtungen auf einer Landkarte die Orte
bemerkt, an welchen die Magnetnadel f&uuml;r eine gewi&longs;&longs;e Zeit
einerley Abweichung gehabt hat, und durch die&longs;e Orte Linien
zieht, &longs;o kommen ver&longs;chiedene be&longs;onders gekr&uuml;mmte
Z&uuml;ge, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichungslinien,</HI> zum Vor&longs;chein, welche &longs;ich
auf gewi&longs;&longs;e Gegenden zu beziehen &longs;cheinen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> hat
dies zuer&longs;t entdeckt, und eine &longs;olche f&uuml;r das Jahr 1700 eingerichtete
Karte verzeichnet, welche &longs;ich in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;.
Transact. no. 195,</HI> ingleichen in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mi&longs;cellaneis curio&longs;is
Vol. l. p. 80,</HI> und in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeks</HI> oben angef&uuml;hrter
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;. de Magnete</HI> findet. Eine neuere f&uuml;r das Jahr 1772
hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> aus den neu&longs;ten Beobachtungen entworfen,
und ich habe &longs;ie hier Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> aus dem Berliner a&longs;tronomi&longs;chen
Jahrbuche f&uuml;r 1779 mitgetheilet. Aus der Betrachtung
die&longs;er Karte la&longs;&longs;en &longs;ich f&uuml;r das Jahr 1770 folgende
merkw&uuml;rdige S&auml;tze ziehen:</P><P TEIFORM="p">1. In ganz Europa, Afrika, dem &ouml;&longs;tlichen Theile von
Nordamerika und dem &longs;&uuml;dlichen Theile von A&longs;ien, neb&longs;t den
angrenzen den Meeren war die Abweichung der Nadel durchaus
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich.</HI></P><P TEIFORM="p">2. Im Ocean, we&longs;tw&auml;rts von Grosbritannien, und
o&longs;tw&auml;rts vom Vorgebirge der guten Hoffnung, war &longs;ie am
gr&ouml;&szlig;ten, und betrug da&longs;elb&longs;t 25&deg;.</P><P TEIFORM="p">3. Die bey den f&uuml;r die Abweichung von 15&deg; gezognen
Linien kreuzen &longs;ich mitten in Afrika. Die&longs;e Linien &longs;ind
zwar nicht unmittelbar aus Beobachtungen be&longs;timmt, die
in Afrika &longs;elb&longs;t ange&longs;tellt w&auml;ren; aber &longs;ie haben doch ohne
Verletzung der Analogie nicht anders k&ouml;nnen gezogen
werden.<PB ID="P.1.21" N="21" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">4. Vom wei&szlig;en Meere aus geht durch A&longs;ien, das &longs;&uuml;dliche
China und die philippini&longs;chen In&longs;eln eine Linie, in welcher
gar keine Abweichung &longs;tatt findet.</P><P TEIFORM="p">5. Die&longs;er Linie gegen Morgen f&auml;ngt die Abweichung
an <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> zu werden, und bleibt dies bis an eine Linie,
welche von Florida aus an der bra&longs;iliani&longs;chen K&uuml;&longs;te hin bis
an den er&longs;ten Meridian unter 40&deg; &longs;&uuml;dlicher Breite geht,
in welcher Linie wiederum gar keine Abweichung i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">6. Die gr&ouml;&szlig;te &ouml;&longs;tliche Abweichung von 25&deg; findet
unterhalb der &longs;&uuml;dlichen Spitze von Amerika &longs;tatt.</P><P TEIFORM="p">7. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> hatte in &longs;einer Karte die Linien f&uuml;r die
gr&ouml;&szlig;ten Abweichungen von 25&deg;, bey Afrika und Amerika
um 15&deg; weiter gegen Morgen, bey Grosbritannien
40 &mdash; 50&deg; weiter gegen Abend ge&longs;etzt, wie die
punktirten Linien der Karte andeuten; um &longs;o viel haben
&longs;ich al&longs;o die&longs;e Linien &longs;eit 70 Jahren verr&uuml;ckt.</P><P TEIFORM="p">Eben dergleichen Abweichungslinien &longs;ind auch f&uuml;r das
Jahr 1744 auf einer von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mountaine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dod&longs;on</HI>
entworfenen Karte (&longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. Vol. L. P.I. p.
329),</HI> und f&uuml;r 1755 auf einer von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zegoll&longs;tr&ouml;m</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. de
theoria decl. magn. Vp&longs;al.),</HI> ingleichen auf des Herrn Profe&longs;&longs;or
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Funk</HI> zu Leipzig Karten unter dem Titel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die n&ouml;rdliche
und &longs;&uuml;dliche Erdoberfl&auml;che auf die Ebne des
Aequators projicirt.</HI> Leipzig, 1781. verzeichnet.</P><P TEIFORM="p">Man hat die Abweichung der Magnetnadel und deren
Ver&auml;nderungen durch ver&longs;chiedene Hypothe&longs;en zu erkl&auml;ren
ver&longs;ucht. Anf&auml;nglich, als die beobachteten Ver&auml;nderungen
noch gering waren, &longs;chrieb man die&longs;elbe, &longs;o wie die ganze Abweichung,
nur der gr&ouml;&szlig;ern oder geringern Kraft des Magnets,
mit dem die Nadel be &longs;trichen worden, zu oder auch dem
Um&longs;tande, da&szlig; die Nadeln bald n&auml;her an den Polen des Magnets,
bald weiter von den&longs;elben, ge&longs;trichen w&uuml;rden. Man
glaubte nemlich, eine genau an dem Pole eines &longs;tarken
Magnets ge&longs;trichene Nadel werde gar keine Abweichung
zeigen. Die&longs;e Meynungen aber wurden gar bald durch die
Erfahrung widerlegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">William Gilbert</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De magnete magneticisque
corporibus, et de magno magnete tellure phy&longs;iologia</HI><PB ID="P.1.22" N="22" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">nova. Lond. 1600. fol.),</HI> der Er&longs;te, der gr&uuml;ndlich &uuml;ber den
Magnet ge&longs;chrieben, und keine Thorheiten mehr dar&uuml;ber
vorgebracht hat, nahm an, die Erde &longs;ey ein Magnet das Wa&longs;&longs;er
aber nicht; folglich m&uuml;&longs;&longs;en &longs;ich die Nadeln &uuml;berall nach
derjenigen Gegend kehren, nach welcher das mei&longs;te und
n&auml;ch&longs;te Land liege. Nach die&longs;er Voraus&longs;etzung m&uuml;&szlig;te in
den Azori&longs;chen In&longs;eln, welche von Afrika und Amerika
beynahe gleich weit entfernt liegen, gar keine, von ihnen
gegen Afrika zu eine &ouml;&longs;tliche, und gegen Amerika zu eine
we&longs;tliche Abweichung &longs;tatt finden. Am Vorgebirge der
guten Hofnung m&uuml;&longs;te wiederum gar keine oder nur eine &longs;ehr
geringe Abweichung &longs;eyn, weil die Nadel von beyden Seiten
des fe&longs;ten Landes gleich &longs;tark angezogen w&uuml;rde u. &longs;. f.
Die&longs;es &longs;chien auch mit den damals bekannten wenigen Beobachtungen
der O&longs;tindienfahrer ziemlich &uuml;bereinzu&longs;timmen;
aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> &longs;etzt die&longs;er Theorie das Bey&longs;piel der bra&longs;iliani&longs;chen
K&uuml;&longs;te entgegen, an welcher &longs;ich die Nadel ganz
vom Lande abwendet, und gegen O&longs;ten abweicht, da doch
das Land der K&uuml;&longs;te we&longs;tw&auml;rts liegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> &longs;uchte die Ur&longs;ache der Abweichung in den
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ei&longs;enerzen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Magneten,</HI> welche im Inner&longs;ten der
Erde und im Meergrunde verborgen l&auml;gen; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auzout</HI> darin,
da&szlig; der Strom der magneti&longs;chen Materie durch die
in der Erde ent&longs;tandenen nat&uuml;rlichen und k&uuml;n&longs;tlichen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aush&ouml;hlungen</HI>
ge&longs;t&ouml;rt, und von &longs;einem eigentlichen Wege abgelenkt
werde; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hevel</HI> in einem Schwanken der Erde, und
dergleichen; aber alle die&longs;e Hypothe&longs;en &longs;ind von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> und
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> gr&uuml;ndlich widerlegt worden, und fallen
von &longs;el&ouml;&longs;t zu Boden, wenn man nur einen Blick auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley's</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lamberts</HI> Karte wirft und bemerkt, wie viel
Regelm&auml;&szlig;iges und welche geometri&longs;che Beziehung auf gewi&longs;&longs;e
Punkte aus dem ganzen Abweichungs&longs;y&longs;teme unverkennbar
hervorleuchte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> &longs;etzte daher an die Stelle der vorigen eine neue
Theorie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A theory of the variation of the magnetical
compa&longs;s by Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Edmund Halley,</HI> in Philo&longs;. Transact.
num. 143. pag. 208),</HI> die er auf eine zahlreiche Sammlung
von Beobachtungen baute, aus welchen er auch &longs;eine<PB ID="P.1.23" N="23" TEIFORM="pb"/>
Abweichungskarte zu&longs;ammenge&longs;etzt hat. Er zog aus die&longs;en
Beobachtungen folgende allgemeine S&auml;tze f&uuml;r das Jahr
1700.</P><P TEIFORM="p">1. In ganz <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Europa</HI> i&longs;t jetzt die Abweichung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich,</HI>
gegen Morgen zu &longs;t&auml;rker, als gegen Abend, &longs;cheint
auch durchg&auml;ngig von Abend gegen Morgen zuzunehmen.</P><P TEIFORM="p">2. An der K&uuml;&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nordamerika</HI> i&longs;t die Abweichung
ebenfalls we&longs;tlich, und wird gr&ouml;&szlig;er, je weiter man
gegen Norden geht, &longs;o da&szlig; &longs;ie in Neufowndland 20, in der
Hud&longs;ons&longs;tra&szlig;e 30, in der Baffinsbay &longs;ogar 57 Grad betr&auml;gt;
&longs;ie wird hingegen geringer, je weiter man von die&longs;er
K&uuml;&longs;te o&longs;tw&auml;rts &longs;egelt. Hieraus folgert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley,</HI> da&szlig;
irgendwo zwi&longs;chen Europa und Nordamerika, vielleicht
um die In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terceira,</HI> eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tliche</HI> Abweichung, oder wenig&longs;tens
keine we&longs;tliche mehr, &longs;tatt finden m&uuml;&longs;&longs;e.</P><P TEIFORM="p">3. An der K&uuml;&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bra&longs;ilien</HI> i&longs;t die Abweichung
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich,</HI> und w&auml;ch&longs;t weiter &longs;&uuml;dw&auml;rts immer mehr, &longs;o da&szlig;
&longs;ie bey Cap Frio 12, und beym Plataflu&szlig; 20 1/2 Grad betr&auml;gt.
S&uuml;dwe&longs;tw&auml;rts nach der magellani&longs;chen Stra&szlig;e zu
nimmt &longs;ie wieder ab, und i&longs;t an der we&longs;tlichen Einfahrt der
Stra&szlig;e nur 14 Grad.</P><P TEIFORM="p">4. O&longs;tw&auml;rts von Bra&longs;ilien nimmt die&longs;e &ouml;&longs;tliche Abweichung
ab, wird bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">St. Helena</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ion</HI> &longs;ehr gering,
und verliert &longs;ich endlich 18 Grad we&longs;tw&auml;rts vom
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cap der guten Hoffnung</HI> ganz und gar.</P><P TEIFORM="p">5. Noch weiter o&longs;tw&auml;rts f&auml;ngt wieder eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI>
Abweichung an, welche &longs;ich durch den ganzen indi&longs;chen
Ocean er&longs;treckt, und unter dem Aequator in dem Mittagskrei&longs;e
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Madaga&longs;car</HI> bis auf 18 Grad &longs;teigt. In
eben die&longs;em Mittagskrei&longs;e, unter dem 30&longs;ten Grade &longs;&uuml;dlicher
Breite, findet &longs;ie &longs;ich 27 1/2 Grad, und nimmt von hier
aus ab, &longs;o da&szlig; &longs;ie bey Cap Comorin nur 8, an der K&uuml;&longs;te
von Iava nur 3 Grad betr&auml;gt, und endlich in den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Molucken,</HI>
&longs;o wie auch we&longs;tw&auml;rts von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Van Diemensland,</HI>
ganz ver&longs;chwindet.</P><P TEIFORM="p">6. Weiter o&longs;tw&auml;rts ent&longs;teht unter &longs;&uuml;dlicher Breite eine
neue <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tliche</HI> Abweichung, die aber weder &longs;o &longs;tark, noch<PB ID="P.1.24" N="24" TEIFORM="pb"/>
von &longs;o weitem Umfange, als die vorige, i&longs;t: denn auf der
In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rotterdam</HI> i&longs;t &longs;ie &longs;chon merklich kleiner, als an der
K&uuml;&longs;te von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neuguinea,</HI> und nach dem Verh&auml;ltni&longs;&longs;e, in
welchen &longs;ie abnimmt, l&auml;&szlig;t &longs;ich annehmen, da&szlig; 20 Grad
weiter o&longs;tw&auml;rts, oder bey 225 Grad L&auml;nge von London
aus, unter dem 20&longs;ten Grade &longs;&uuml;dlicher Breite wiederum
eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung anfange.</P><P TEIFORM="p">7. Die Abweichungen in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baldivia</HI> und der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">magellani&longs;chen</HI>
Stra&szlig;e zeigen, da&szlig; die Num. 3. angef&uuml;hrte &ouml;&longs;tliche
Abweichung &longs;ehr &longs;chnell abnehme, und &longs;ich wahr&longs;cheinlicher
Wei&longs;e nur bis auf einige Grade &uuml;ber die K&uuml;&longs;ten von
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peru</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chili</HI> hinaus in die S&uuml;d&longs;ee er&longs;trecke, wo denn
wieder eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung in der Gegend der unbekannten
L&auml;nder zwi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chili</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neu&longs;eeland</HI> anfangen
mu&szlig;.</P><P TEIFORM="p">8. Von St. Helena nordwe&longs;tw&auml;rts bis an den Aequator
bleibt die Abweichung &ouml;&longs;tlich, aber &longs;ehr gering und immer
gleich gro&szlig;, da&szlig; al&longs;o in die&longs;er Gegend die Linie, in
welcher die Abweichung Null i&longs;t, nicht nach der Mittagslinie,
&longs;ondern nach Nordwe&longs;t geht.</P><P TEIFORM="p">9. Die Einfahrt der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hud&longs;ons&longs;tra&szlig;e</HI> und die M&uuml;ndung
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plata</HI> liegen beynahe unter einerley Meridian;
dennoch weicht die Nadel an dem einen Orte 19 1/2 Grad
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich,</HI> am andern 20 1/2 Grad <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> ab.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;en S&auml;tzen nun zog <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> die Hypothe&longs;e,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">die Erdkugel &longs;ey ein gro&szlig;er Magnet mit vier magneti&longs;chen
Polen oder Anziehungspunkten, von
denen je zween und zween nahe an jedem Pole
des Aequators l&auml;gen.</HI> An den Orten, welche &longs;ich
nahe an einem die&longs;er magneti&longs;chen Pole bef&auml;nden, richte
&longs;ich die Nadel nach dem&longs;elben, und &uuml;berhaupt behalte jederzeit
der n&auml;here Pol die Oberhand &uuml;ber den entferntern.</P><P TEIFORM="p">Den Pol, der un&longs;ern L&auml;ndern am n&auml;ch&longs;ten ligt, &longs;etzt
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> in den Meridian von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lands-end,</HI> nicht &uuml;ber 7
Grad vom Nordpole entfernt. Die&longs;er be&longs;timme die Abweichung
der Nadel in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Europa,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tartarey</HI> und dem<PB ID="P.1.25" N="25" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eismeere,</HI> obgleich auch mit Beziehung auf den andern
Nordpol, der ohngef&auml;hr in den mitten durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Californien</HI>
gehenden Meridian, 15 Grad vom n&ouml;rdlichen Erdpole falle.
Nach die&longs;em richte &longs;ich die Nadel haupt&longs;&auml;chlich in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nordamerika</HI>
und den daran&longs;to&szlig;enden Meeren von den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Azoren</HI>
we&longs;tw&auml;rts bis <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Japan.</HI></P><P TEIFORM="p">Die beyden &longs;&uuml;dlichen Pole &longs;ollen vom S&uuml;dpole der Erde
etwas weiter ab&longs;tehen. Der eine wird 16 Grad weit
vom S&uuml;dpole in einen 20 Grad we&longs;tw&auml;rts von der magellani&longs;chen
Stra&szlig;e ab&longs;tehenden Meridian ge&longs;etzt, und &longs;oll
die Nadel in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">S&uuml;damerika,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">S&uuml;d&longs;ee</HI> und einem gro&longs;&longs;en
Theile des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&auml;thiopi&longs;chen Meeres</HI> lenken. Der vierte
bek&ouml;mmt &longs;eine Stelle 20 Grad weit vom S&uuml;dpole in
dem Meridiane, der 120 Grad o&longs;tw&auml;rts von London durch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neuholland</HI> und die In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Celebes</HI> geht. Die Kraft
die&longs;es Poles &longs;oll, weil er am weit&longs;ten vom Pole der Erde
ab&longs;teht, &uuml;berall den &longs;t&auml;rk&longs;ten Einflu&szlig; haben, und &longs;ich &uuml;ber
den &longs;&uuml;dlichen Theil von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Afrika</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;ien</HI> und die daran
grenzenden Meere er&longs;trecken. Dies i&longs;t nun nach Halley
die Stellung des Magnetismus der Erde f&uuml;r das Jahr
1700, aus welcher er die aus den Beobachtungen gezognen
S&auml;tze auf folgende Art erkl&auml;rt.</P><P TEIFORM="p">1. Den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europ&auml;i&longs;chen</HI> Pol im Meridiane von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Landsend</HI>
in England haben alle Orte in Europa auf der We&longs;t&longs;eite
ihres Meridians. Sie m&uuml;&longs;&longs;en al&longs;o eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI>
Abweichung haben, welche immer gr&ouml;&szlig;er wird, je weiter
man o&longs;tw&auml;rts geht.</P><P TEIFORM="p">2. Auf der We&longs;t&longs;eite des Meridians von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lands-end</HI>
w&uuml;rde die Nadel eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tliche</HI> Abweichung erhalten, wofern
&longs;ie nicht wegen der Ann&auml;herung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI>
Nordpols, der etwas mehr Kraft, als der er&longs;tere, zu be&longs;itzen
&longs;cheint, we&longs;tw&auml;rts gezogen w&uuml;rde, welcher Zug auch
unter dem Meridian von Lands-end &longs;elb&longs;t noch einige we&longs;tliche
Abweichung verur&longs;acht. In der Gegend des Meridians
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terceira</HI> mag vielleicht der europ&auml;i&longs;che Pol &longs;oviel
&uuml;berwiegen, da&szlig; da&longs;elb&longs;t eine &ouml;&longs;tliche, oder wenig&longs;tens
keine we&longs;tliche Abweichung mehr, &longs;tatt findet. We&longs;tw&auml;rts
von den Azoren aber &uuml;berwiegt der amerikani&longs;che Pol, und<PB ID="P.1.26" N="26" TEIFORM="pb"/>
verur&longs;acht an den K&uuml;&longs;ten von Nordamerika eine we&longs;tliche
Abweichung, die de&longs;to gr&ouml;&szlig;er wird, je weiter man gegen
Norden geht, de&longs;to geringer aber, je mehr man &longs;ich o&longs;tw&auml;rts
dem europ&auml;i&longs;chen Pole n&auml;hert. In Nordamerika
&longs;elb&longs;t nimmt die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung wieder ab, i&longs;t in
dem Meridian, der durch Californien geht, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Null,</HI> und
mu&szlig; weiter we&longs;tw&auml;rts gegen Yed&longs;o und Japan ohne Zweifel
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> &longs;eyn, bis &longs;ie wieder der durch den europ&auml;i&longs;chen
verur&longs;achten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlichen</HI> begegnet.</P><P TEIFORM="p">3. Gegen den S&uuml;dpol zu erfolgen &auml;hnliche Wirkungen,
nur da&szlig; hier der Nadel &longs;&uuml;dliche Spitze angezogen wird.
Liegt al&longs;o der magneti&longs;che Pol 20 Grad we&longs;tw&auml;rts von der
magellani&longs;chen Stra&szlig;e, &longs;o mu&szlig; die Abweichung an der bra&longs;iliani&longs;chen
K&uuml;&longs;te, dem Plataflu&longs;&longs;e u. &longs;. w. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> &longs;eyn,
und &longs;ich &uuml;ber einen gro&szlig;en Theil des &auml;thiopi&longs;chen Meeres
er&longs;trecken.</P><P TEIFORM="p">4. Endlich aber wird &longs;ie noch weiter o&longs;tw&auml;rts von der
Kraft des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">a&longs;iati&longs;chen</HI> S&uuml;dpols &uuml;berwogen, welches ohngef&auml;hr
zwi&longs;chen dem Cap der guten Hoffnung und den In&longs;eln
des Tri&longs;tan d'Aeunha ge&longs;chieht.</P><P TEIFORM="p">5. Noch weiter o&longs;tw&auml;rts zieht der a&longs;iati&longs;che Pol die
&longs;&uuml;dliche Spitze der Nadel, und verur&longs;acht dadurch eine
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> Abweichung, welche wegen der weiten Entfernung
die&longs;es Pols vom S&uuml;dpole der Erde &longs;tark &longs;eyn und &longs;ich
&longs;ehr weit er&longs;trecken mu&szlig;, bis &longs;ie endlich in den Molucken
um den Meridian der In&longs;el Celebes, in welchem die&longs;er
Pol &longs;elb&longs;t liegt, ver&longs;chwindet, und einer neuen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlichen</HI>
Raum giebt.</P><P TEIFORM="p">6. Die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tliche</HI> Abweichung reicht ohngef&auml;hr bis in
die Mitte der S&uuml;d&longs;ee.</P><P TEIFORM="p">7. Hier f&auml;ngt, wegen der Wirkung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI>
S&uuml;dpols, zwi&longs;chen Neu&longs;eeland und Chili wieder
eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tliche</HI> an.</P><P TEIFORM="p">8. In der hei&szlig;en Zone, und be&longs;onders unter dem Aequator,
mu&szlig; man auf alle vier Pole &longs;ehen. So i&longs;t z. B.
in dem von St. Helena nordwe&longs;tw&auml;rts gerichteten Striche
die Abweichung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> und &longs;ehr gering, weil hier die<PB ID="P.1.27" N="27" TEIFORM="pb"/>
Wirkung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> S&uuml;dpols, der die&longs;en Gegenden
am n&auml;ch&longs;ten liegt, und eigentlich eine gro&szlig;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tliche</HI> Abweichung
verur&longs;achen &longs;ollte, durch die entgegenge&longs;etzten
vereinten Wirkungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;chen</HI> Nordpols und
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">a&longs;iati&longs;chen</HI> S&uuml;dpols ge&longs;chw&auml;cht wird, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europ&auml;i&longs;che</HI>
Nordpol aber ohnehin beynahe in den Meridian die&longs;er
Gegenden &longs;elb&longs;t f&auml;llt.</P><P TEIFORM="p">9. Auch wird hieraus begreiflich, wie die Abweichung
unter einerley Meridiane an einem Orte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich,</HI> am
andern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich</HI> &longs;eyn kan.</P><P TEIFORM="p">So erkl&auml;rt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> den Zu&longs;tand der Abweichungen f&uuml;r
das Jahr 1700. Weil er aber auch auf die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ver&auml;nderungen</HI>
der Abweichung &longs;ehen, und al&longs;o nothwendig eine
Bewegung &longs;einer magneti&longs;chen Pole annehmen mu&longs;te, wobey
die Fragen ent&longs;tanden: ob &longs;ich alle vier Pole zugleich,
ob &longs;ie &longs;ich um die Pole der Erde, und mit welcher Ge&longs;chwindigkeit
&longs;ie &longs;ich bewegten, &longs;o &longs;uchte er die&longs;e Fragen in
einem andern Auf&longs;atze (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">An account of the cau&longs;e of the
change of the variation of the magnetical needle, by
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Edm. Halley,</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact.&verbar;num. 195. p.
563.</HI>) durch Folgendes zu beantworten.</P><P TEIFORM="p">Der &auml;u&szlig;ere Theil der Erde macht nach &longs;einer Meynung
nur eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rinde</HI> aus, um&longs;chlie&szlig;t einen concentri&longs;chen kugelf&ouml;rmigen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kern,</HI> und der Raum zwi&longs;chen beyden i&longs;t mit
einer fl&uuml;&szlig;igen Materie angef&uuml;llt. Kern und Rinde drehen
&longs;ich zwar beyde t&auml;glich um ihre Axen, aber die Umdrehungszeit
des Kerns i&longs;t von der Umdrehungszeit der Rinde um
ein kleines Zeittheilchen unter&longs;chieden; die&longs;er Unter&longs;chied
wird nach oft wiederholter Umdrehung merklich, und die
Stellen der Rinde treffen alsdann nicht mehr mit den vorigen
Stellen des Kerns zu&longs;ammen.</P><P TEIFORM="p">Nimmt man nun an, beydes Rinde und Kern &longs;eyen
Magnete mit zween Polen, &longs;o &auml;ndern fich&verbar; freylich die
Stellungen die&longs;er vier Pole gegen einander, und wenn
man, wie nat&uuml;rlich, die Pole der Rinde als die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">unbeweglichen</HI>
betrachtet, &longs;o mu&szlig; man alsdann den Polen
des Kerns eine be&longs;t&auml;ndige <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> beylegen. Unter
den Nordpolen i&longs;t der bewegliche der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">europ&auml;i&longs;che,</HI><PB ID="P.1.28" N="28" TEIFORM="pb"/>
unter den S&uuml;dpolen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;che,</HI> weil in den Gegenden
um die&longs;e Pole die Ver&auml;nderungen am gr&ouml;&szlig;ten &longs;ind.
Die Bewegung geht nach We&longs;ten; al&longs;o bleibt die innere
Kugel, bey der t&auml;glichen Umdrehung von We&longs;ten nach
O&longs;ten, ein wenig zur&uuml;ck, welches davon herkommen kan,
da&szlig; beym er&longs;ten Anfange der Umdrehung der der &auml;u&szlig;ern
Rinde ertheilte Sto&szlig; &longs;ich dem Kerne nicht ganz hat mittheilen
k&ouml;nnen. Um die Erdaxe &longs;cheint die&longs;e Bewegung nicht
zu gehen, weil &longs;on&longs;t die Abweichungen in einem Parallelkrei&longs;e
immer die&longs;elben bleiben, und nur von einem Punkte
zu andern fortr&uuml;cken m&uuml;&szlig;ten; welches doch der Erfahrung
nicht gem&auml;&szlig; i&longs;t. Da die&longs;e Bewegung &longs;ehr lang&longs;am i&longs;t, &longs;o
l&auml;&szlig;t &longs;ich aus &longs;o wenigen und neuen Beobachtungen nichts
Zuverl&auml;&szlig;iges &uuml;ber die Dauer ihrer Periode be&longs;timmen; doch
&longs;cheint &longs;ich der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">amerikani&longs;che</HI> Pol in 90 Jahren um 46
Grad we&longs;tw&auml;rts bewegt zu haben, woraus &longs;ich die Dauer
der Umlaufszeit ohnge&longs;&auml;hr auf 700 Jahre &longs;etzen
lie&szlig;e.</P><P TEIFORM="p">So weit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley.</HI> Man kan dem Scharf&longs;inne und
geometri&longs;chen Gei&longs;te, mit welchem er aus &longs;o vielen ohne
Ordnung durch einander liegenden Beobachtungen die Linien
&longs;einer Karte gezogen, und &longs;eine Schl&uuml;&longs;&longs;e hergeleitet
hat, die verdiente Bewunderung nicht ver&longs;agen; aber
die Hypothe&longs;e von vier Polen, deren zween beweglich &longs;ind,
und die daraus ent&longs;prungene Idee von Kern und Rinde
bringen etwas Sonderbares und Unwahr&longs;cheinliches in &longs;eine
Erkl&auml;rung.</P><P TEIFORM="p">Der j&uuml;ngere Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recherches &longs;ur la declinai&longs;on
de l'aiguille aimant&eacute;e, in M&eacute;moires de l' acad. des
Sc. &agrave; Berlin, ann. 1757. p. 175)</HI> hat daher zu zeigen ge&longs;ucht,
da&szlig; man zu Erkl&auml;rung der beobachteten Abweichungen
keinesweges n&ouml;thig habe, vier Pole anzunehmen, indem
&longs;ich von allen Er&longs;cheinungen aus dem Da&longs;eyn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener</HI> Pole
Rechen&longs;chaft geben la&longs;&longs;e. Er berechnet zu dem Ende Formeln,
wodurch &longs;ich die halleyi&longs;chen Abweichungslinien aus
der gegebenen Lage <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener</HI> magneti&longs;cher Pole w&uuml;rden be&longs;timmen
la&longs;&longs;en, wenn die&longs;e Pole 1) einander nach dem
Durchme&longs;&longs;er entgegenge&longs;etzt, 2) in zween entgegenge&longs;etzten<PB ID="P.1.29" N="29" TEIFORM="pb"/>
Meridianen, 3) in einerley Meridian, 4) in zween ver&longs;chiedenen
Meridianen l&auml;gen. Wenn er nun annimmt, da&szlig; der
magneti&longs;che Nordpol 14, der S&uuml;dpol 35&deg; von den Polen
der Erde ab&longs;t&uuml;nde, die durch beyde gezognen Meridiane
aber 63&deg; von einan der entfernt w&auml;ren, &longs;o findet er nach die&longs;en
Formeln die Abweichungslinien ziemlich &uuml;berein&longs;timmend
mit der f&uuml;r das Jahr 1744 entworfenen Karte des
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mountaine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dod&longs;on.</HI> Er theilt die Zeichnung einer
nach &longs;einen Formeln entworfenen Karte mit, in welcher
der magneti&longs;che Nordpol &uuml;ber Amerika, der S&uuml;dpol hingegen
unter Neu&longs;eeland f&auml;llt, und die Abweichungslinien
f&uuml;r 12&deg; 5&prime; &ouml;&longs;tliche Declination &longs;ich einmal im rothen
Meere, das anderemal we&longs;tw&auml;rts von Californien nahe am
Wendekrei&longs;e kreuzen. Die Linien, in welchen gar keine
Abweichung &longs;tatt findet, fallen blo&szlig; etwas weiter o&longs;tw&auml;rts,
als in der Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> mitgetheilten Karte des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert.</HI>
Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> eigner Vermuthung w&uuml;rden &longs;eine
Formeln mit den Beobachtungen noch be&longs;&longs;er &uuml;berein&longs;timmen,
wenn er den Nordpol 17 und den S&uuml;dpol 40 Grad von
den Polen der Erde entfernt h&auml;tte. Es i&longs;t al&longs;o durch die&longs;e
Bem&uuml;hungen des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> wenig&longs;tens &longs;o viel erwie&longs;en,
da&szlig; es &uuml;berfl&uuml;&szlig;ig &longs;ey, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vier</HI> magneti&longs;che Pole anzunehmen.</P><P TEIFORM="p">Unter den ungedruckten Abhandlungen des gro&szlig;en g&ouml;ttingi&longs;chen
A&longs;tronomen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tobias Mayers,</HI> befindet &longs;ich
eine &uuml;ber den Magnet, welche er der da&longs;igen Societ&auml;t der
Wi&longs;&longs;en&longs;ch aften im Jahre 1762 vorgele&longs;en hat. Den
Nachrichten der Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erxleben</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> zufolge
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Erxlebens</HI> Anfangsgr. der Naturlehre nach der
Lichtenbergi&longs;chen Ausgabe, &sect;. 709.) erkl&auml;rt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> da&longs;elb&longs;t
die Er&longs;cheinung &longs;ehr nat&uuml;rlich daraus, da&szlig; in der Erde
ein Magnet anzutreffen &longs;ey, den man in Vergleichung mit
der Erde &longs;elb&longs;t f&uuml;r unendlich klein annehmen k&ouml;nne. Die&longs;er
Magnet liege vom Miitelpunkte der Erde etwa 120 Meilen
weit entfernt nach dem Theile der Erde zu, den das &longs;tille
Meer bedecke. Eine gerade Linie durch die Mittelpunkte
die&longs;es Magnets und der Erde &longs;chneide die Erdfl&auml;che
in einer L&auml;nge von 201 Graden von der In&longs;el <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ferro,</HI>
und unter 17 Grad n&ouml;rdlicher Breite. Der Magnet<PB ID="P.1.30" N="30" TEIFORM="pb"/>
entferne &longs;ich j&auml;hrlich etwa um (1/1000) des Halbme&longs;&longs;ers der
Erde von dem Mittelpunkte derfelben, wodurch die L&auml;nge
des er&longs;tgedachten Durch&longs;chnittspunktes j&auml;hrlich um 8, die
Breite um 14 Minuten abnehme. Es habe die&longs;er Magnet
zween Pole: &longs;eine Axe &longs;tehe &longs;enkrecht auf der von ihm
in den Mittelpunkt der Erde gezognen Linie, und liege in
einer Ebne, welche mit der Ebne des Meridians, in welchem
jene nach dem Mittelpunkte gezogene Linie liege, einen
Winkel von 11 1/2 Grad, und zwar bey uns nach O&longs;ten zu,
mache, Auch wach&longs;e die&longs;er Winkel j&auml;hrlich etwa um 8 1/4 Minuten.
Die Totalkraft die&longs;es in der Erde liegenden Magneten
verhalte &longs;ich verkehrt, wie der W&uuml;rfel der Entfernung.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;er Hypothe&longs;e folgert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> Gr&ouml;&szlig;en der Abweichungen
f&uuml;r ver&longs;chiedene Orte der Erde, welche von den
wirklich beobachteten nicht &longs;ehr unter&longs;chieden &longs;ind. So findet
er z. B. die Abweichung f&uuml;r Paris 14&deg; 2&prime;, f&uuml;r Berlin
12&deg; 2&prime; we&longs;tlich, da man &longs;ie um das Jahr 1760 am er&longs;ten
Orte gegen 18&deg;, am zweyten 12&deg; 40&prime; gefunden hat. Nach
Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenbergs</HI> richtigem Urtheile mu&szlig; man eine &longs;olche
Ueberein&longs;timmung bewundern, wenn man bedenkt, was
f&uuml;r unvollkommne Beobachtungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> bey Fe&longs;t&longs;etzung
der Hauptgr&ouml;&szlig;en &longs;einer Hypothe&longs;e zum Grunde legen mu&szlig;te.
Man kan al&longs;o Mayers Erkl&auml;rung wenig&longs;tens als eine
gute Vor&longs;tellungsart von der Ur&longs;ache der Abweichungen
gelten la&longs;&longs;en, um in Zukunft mehrere Beobachtungen damit
zu vergleichen, und &longs;ie nach den&longs;elben zu berichtigen,
und zu pr&uuml;fen. Es i&longs;t nicht zu zweifeln, da&szlig; man durch
h&auml;ufigere und genauere Beobachtungen mehr Licht &uuml;ber die
Ur&longs;achen der Abweichungen erhalten werde, wenn man auf
dem von Halley, Euler und Mayer vorgezeichneten Wege
fortgehen wird, auf welchem Geometrie und Analy&longs;is
&longs;o wirk&longs;ame Unter&longs;t&uuml;tzungen darbieten.</P><P TEIFORM="p">Man hat kugelrunde Magnete unter dem Namen der
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Terrellen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(terrellae)</HI> gemacht, um durch Beobachtung
der Stellungen des Compa&longs;&longs;es an ver&longs;chiedenen Punkten
der&longs;elben, die Ph&auml;nomene der Abweichung an ver&longs;chiedenen
Stellen der Erde zu erkl&auml;ren. Sie haben aber noch
wenig Dien&longs;te gelei&longs;tet. Zwar ver&longs;ichert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">E&longs;&longs;ay<PB ID="P.1.31" N="31" TEIFORM="pb"/>
on megnetism,</HI> in &longs;einem <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E&longs;&longs;ay on electricity, London
1784. 8.</HI>), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Magellan</HI> habe neuerlich eine Terrelle angegeben,
von der &longs;ich mehr hoffen la&longs;&longs;e. Es f&auml;llt aber in die
Augen, da&szlig; &longs;ich bey einem &longs;olchen K&uuml;gelchen nie die wahren
Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Gr&ouml;&szlig;en des Compa&longs;&longs;es und der Gr&ouml;&longs;&longs;en
und Entfernungen auf der Erde &longs;elb&longs;t dar&longs;tellen la&longs;&longs;en,
und da&szlig; es daher nichts mehr, als ein phy&longs;ikaliches Spielwerk
&longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Au&szlig;er der bekannten immer fortgehenden Ver&auml;nderung
hat &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Graham</HI> im Jahre 1722 noch eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">t&auml;gliche</HI>
periodi&longs;che Ver&auml;nderung in der Abweichung der Magnetnadel
entdeckt, &uuml;ber welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wargentin</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> weitere
Beobachtungen ange&longs;tellt haben. Der Letztere theilte
&longs;eine Ver&longs;uche hier&uuml;ber im Jahre 1759 der k&ouml;niglichen
Societ&auml;t der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu London mit. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(An attempt
to account for the regular diurnal variation of
the horizontal magnetic needle, by <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Iohn Canton,</HI> in
Philo&longs;. Transact. Vol. LI. P. I. p. 398).</HI> Er hatte &longs;eine Beobachtungen
vom Ende des Jahres 1756 an, 603 Tage
lang fortge&longs;etzt, und die&longs;e t&auml;gliche Ver&auml;nderung an 574
Tagen regelm&auml;&szlig;ig gefunden. Die we&longs;tliche Abweichung
der Nadel nahm von 8 oder 9 Uhr Morgens bis 1 oder 2 Uhr
Nachmittags zu; alsdann &longs;tand die Nadel eine Zeitlang
&longs;till, endlich gieng &longs;ie wieder zur&uuml;ck, bis &longs;ie in der Nacht
oder am n&auml;ch&longs;ten Morgen wieder in ihre vorige Stelle zur&uuml;ckkam.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e t&auml;gliche Ver&auml;nderung der Abweichung erkl&auml;rt
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> aus dem Satze, da&szlig; die anziehende Kraft des
Magnets durch die W&auml;rme ge&longs;chw&auml;cht werde. Er bewei&longs;et
die&longs;en Satz durch folgende Ver&longs;uche. Er &longs;tellte an die
Gegend O&longs;t-Nord-O&longs;t eines Compa&longs;&longs;es einen kleinen
Magnet, &longs;o weit ab, da&szlig; die Kraft &longs;eines S&uuml;dpols gerade
im Stande war, den Nordpol der Nadel auf Nord-
O&longs;t, oder auf 45&deg; zu halten. Die&longs;en Magnet be&longs;chwerte
er mit einem Gewichte von 16 Unzen, und go&szlig; 2 Unzen
&longs;iedendes Wa&longs;&longs;er in da&longs;&longs;elbe, wodurch der Magnet 7&mdash;8
Minuten lang erhitzt ward. W&auml;hrend die&longs;er Zeit gieng
die Nadel 3/4 Grad we&longs;tw&auml;rts, binnen 9 Minuten kam &longs;ie<PB ID="P.1.32" N="32" TEIFORM="pb"/>
um 1/4 Grad oder bis 44 1/2&deg; zur&uuml;ck, brauchte aber einige
Stunden Zeit, ehe &longs;ie ihre vorige Stellung auf 45&deg; wieder
erhielt. Er &longs;tellte ferner auf jede Seite des Compa&longs;&longs;es
einen Magnet &longs;o, da&szlig; die S&uuml;dpole auf den Nordpol
der Nadel gleich &longs;tark wirkten, und &longs;ie in ihrer geh&ouml;rigen
Stellung erhielten; ward aber einer weggenommen, &longs;o zog
der andere die Nadel bis 45&deg;. Jeder Magnet ward mit
einem Gewichte von 16 Unzen be&longs;chweret, und auf den
&ouml;&longs;tlichen wurden 2 Unzen &longs;iedendes Wa&longs;&longs;er gego&longs;&longs;en. Die
Nadel bewegte &longs;ich in der er&longs;ten Minute um einen halben
Grad, und kam in 7 Minuten auf 2 3/4&deg;, wo &longs;ie &longs;till &longs;tand,
nach 34 Min. vom er&longs;ten Anfange gerechnet, auf 2 1/2,
und in 50 Minuten auf 2 1/4&deg; zur&uuml;ckkam. Er f&uuml;llte nun
das we&longs;tliche Gewicht mit &longs;iedendem Wa&longs;&longs;er, wobey die
Nadel in der er&longs;ten Minute auf 1 1/4&deg; zur&uuml;ckkam, nach 6
Min. 1/2&deg; &ouml;&longs;tlich &longs;tand, und etwa 40 Minuten darnach in
ihre anf&auml;ngliche Stellung zur&uuml;ckkehrte.</P><P TEIFORM="p">Aus die&longs;en Ver&longs;uchen i&longs;t klar, da&szlig; die magneti&longs;che
Anziehung durch die W&auml;rme ge&longs;chw&auml;cht werde. Wenn
nun, &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton,</HI> die magneti&longs;chen Theile der Erde auf
der O&longs;t&longs;eite Vormittags von der Sonne eher erw&auml;rmt werden,
als die auf der We&longs;t&longs;eite, &longs;o i&longs;t es klar, da&szlig; &longs;ich die
Nadel mehr we&longs;tw&auml;rts bewegen mu&szlig;; wenn die W&auml;rme
der anziehenden Theile auf jeder Seite gleich &longs;tark zunimmt,
&longs;o mu&szlig; die Nadel &longs;till &longs;tehen, und die Abweichung ein
Gr&ouml;&szlig;tes &longs;eyn; wenn die we&longs;tlichen Theile &longs;chneller erw&auml;rmt
werden, oder lang&longs;amer abk&uuml;hlen, als die &ouml;&longs;tlichen, &longs;o mu&szlig;
die we&longs;tliche Abweichung der Nadel wieder kleiner werden,
und ein Klein&longs;tes &longs;eyn, wenn die Theile auf beyden Seiten
gleich ge&longs;chwind abk&uuml;hlen. Auch mu&szlig; nach die&longs;er Theorie
die t&auml;gliche Ver&auml;nderung im Sommer gr&ouml;&szlig;er, als im
Winter, &longs;eyn; &longs;ie i&longs;t auch in der That im Iunius und Iulius
fa&longs;t doppelt &longs;o gro&szlig;, als im December und Januar,
gefunden worden.</P><P TEIFORM="p">Unregelm&auml;&szlig;ige kleine Ver&auml;nderungen der Abweichung
hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Canton</HI> &longs;eltner, etwa zwey-bis dreymal&verbar;monatlich,
und fa&longs;t jederzeit mit einem Nordlichte begleitet gefunden.
Er i&longs;t geneigt, &longs;ie aus pl&ouml;tzlichen Ver&auml;nderungen der unterirdi&longs;chen<PB ID="P.1.33" N="33" TEIFORM="pb"/>
W&auml;rme herzuleiten, da auch das Nordlicht, als eine
elektri&longs;che Er&longs;cheinung, &longs;ich, wie die Elektricit&auml;t des Turmalins,
aus pl&ouml;tzlicher Erw&auml;rmung oder Erk&auml;ltung der Luft
erkl&auml;ren la&longs;&longs;e.</P><P TEIFORM="p">Einige K&uuml;n&longs;tler haben &longs;ich bem&uuml;ht, Nadeln oder magneti&longs;che
Ringe zu verfertigen, welche die Mittagslinie ohne
Abweichung zeigten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeks</HI> Ver&longs;uche
hier&uuml;ber &longs;ind vergeblich gewe&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Le Maire,</HI> ein franz&ouml;&longs;i&longs;cher
K&uuml;n&longs;tler, verfertigte neuerlich nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;ons</HI> Zeugni&szlig;
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire rai&longs;onn&eacute; de phy&longs;ique, art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Aimant</HI>)</HI>
&longs;piralf&ouml;rmige Nadeln und magneti&longs;che Ringe, deren Pole &longs;o
ge&longs;tellt waren, da&szlig; &longs;ie einander &longs;t&ouml;rten, und dadurch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">f&uuml;r
den Ort, f&uuml;r welchen er &longs;ie eingerichtet hatte,</HI> die
Abweichung vermieden. Man &longs;ieht leicht, da&szlig; &longs;ie f&uuml;r andere
Orte, und im Fortgange der Zeit &longs;elb&longs;t f&uuml;r den nemlichen
Ort, die&longs;en Dien&longs;t zu lei&longs;ten aufh&ouml;ren m&uuml;&longs;&longs;en.</P></DIV2><DIV2 N="Abweichungskreis" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Abweichungskreis, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Circulus declinationis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Cercle
de declinai&longs;on</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein gr&ouml;&szlig;ter Kreis der Himmelskugel,
welcher durch die beyden Pole und ein Ge&longs;tirn geht. So
i&longs;t Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">5. PSDp</HI> der Abweichungskreis des Ge&longs;tirns
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">S.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, a&longs;tronomi&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn das Ge&longs;tirn in den Mittagskreis k&ouml;mmt, &longs;o i&longs;t
die&longs;er mit dem Abweichungskrei&longs;e einerley. Auch &longs;ind die
Abweichungskrei&longs;e einerley mit den Stundenkrei&longs;en, welche
ebenfalls durch beyde Pole gehen. Wenn z. B. das Ge&longs;tirn
vor einer Stunde durch den Mittagskreis gegangen
i&longs;t, &longs;o f&auml;llt &longs;ein Abweichungskreis auf den er&longs;ten Stundenkreis
u. &longs;. w. Nur bleiben die Stundenkrei&longs;e unbeweglich,
die Abweichungskrei&longs;e hingegen gehen mit der t&auml;glichen Bewegung
der Ge&longs;tirne fort. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Stundenkreis.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Accord, &longs;. Con&longs;onanz.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Achromati&longs;che Fernr&ouml;hre" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Achromati&longs;che Fernr&ouml;hre</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tubi achromatici,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lunettes achromatiques,</HI></HI> hei&longs;&longs;en diejenigen Fernr&ouml;hre, in
welchen die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit
der Licht&longs;tralen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che,</HI> vermieden
und der betrachtete Gegen&longs;tand ohne bunte R&auml;nder
und fal&longs;che Farben darge&longs;tellt wird. Das Wort<PB ID="P.1.34" N="34" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">achromati&longs;ch</HI> i&longs;t griechi&longs;ch und bedeutet <HI REND="bold" TEIFORM="hi">farbenlos,
nicht f&auml;rbend.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> der die ver&longs;chiedene Brechbarkeit der Licht&longs;tralen
entdeckt, und die daraus ent&longs;tehende Abweichung der
Gl&auml;&longs;er mit Recht f&uuml;r die Hauptur&longs;ache der Undeutlichkeit in
den Fernr&ouml;hren erkannt hatte, lie&szlig; &longs;ich bey die&longs;er wichtigen
Entdeckung dennoch zu einem Irrthume verleiten. Er
glaubte nemlich, die ver&longs;chiedenen bey der Brechung von
einander ge&longs;onderten Farben&longs;tralen w&uuml;rden von allen brechenden
Mitteln in einerley allgemeinem Verh&auml;ltni&longs;&longs;e zer&longs;treut;
wenn al&longs;o die Brechung der Stralen von der mittlern
Gattung be&longs;timmt &longs;ey, &longs;o &longs;ey dadurch auch die Brechung
derer von den &auml;u&szlig;er&longs;ten Gattungen, d. i. der rothen
und violetten gegeben, das brechende Mittel m&ouml;chte
&longs;eyn, welches man wolle. Die&longs;en Satz &longs;ahe er als eine
nothwendige Folge eines &longs;einer Ver&longs;uche an. Er glaubte
nemlich gefunden zu haben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Newtoni Optice lat. redd. a
Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. L. I. Part. II. Exp. 8.),</HI>
da&szlig; das Licht, durch wie vielerley ver&longs;chiedene brechende Mittel
es auch immer gehen m&ouml;chte, allezeit wei&szlig; bleibe, wenn
des Strales Richtung beym Ausgange der beym Eingange
parallel &longs;ey; hingegen allezeit in Farben zer&longs;treut werde,
wenn der ausgehende Stral eine andere Richtung nehme,
als er beym Eingange gehabt habe. Weil nun aus dem
Objectivgla&longs;e eines Fernrohrs die von entlegnen Punkten
einfallenden Stralen &longs;o ausgehen m&uuml;&longs;&longs;en, da&szlig; &longs;ie nach dem
Brennraume zu&longs;ammenlaufen, und al&longs;o ihre Richtung beym
Ausgange nie mit ihrer Richtung beym Eingange in das
Glas parallel bleiben kan, &longs;o hielt er es f&uuml;r eine ent&longs;chiedene
Unm&ouml;glichkeit, durch das Objectivglas eines Fernrohrs
wei&longs;&longs;es Licht und ungef&auml;rbte Bilder zu erhalten. Er
zog daher &longs;eine Gedanken von Verbe&longs;&longs;erung der Objectivgl&auml;&longs;er
g&auml;nzlich ab, und verwendete alle &longs;eine Bem&uuml;hungen
blos auf die Spiegeltele&longs;cope.</P><P TEIFORM="p">Bey dem gro&szlig;en An&longs;ehen, in welchem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI>
Behauptungen und Ver&longs;uche &longs;tanden, blieb die Frage von
Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung bey Objectivgl&auml;&longs;ern
auf achtzig Jahre lang unber&uuml;hrt, bis endlich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI><PB ID="P.1.35" N="35" TEIFORM="pb"/>
(<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Sur la perfection des verres objectifs des lunettes par
M. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Euler,</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. de l'acad. roy des Sc. de Pru&longs;&longs;e
1747. p. 274.)</HI> im Jahre 1747 den Vor&longs;chlag that, die Objectivgl&auml;&longs;er
zu Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">aus
ver&longs;chiedenen Materien</HI> zu&longs;ammenzu&longs;etzen, und &longs;tatt
eines Gla&longs;es, deren zwey, mit dazwi&longs;chen gef&uuml;lltem Wa&longs;&longs;er,
zu gebrauchen. Die&longs;er Gedanke <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> gr&uuml;ndete
&longs;ich theils auf einen von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t in anderer Ab&longs;icht
gegebnen Wink, theils auf die Betrachtung der Mittel,
deren &longs;ich die Natur bey dem Baue des men&longs;chlichen
Auges bedienet hat.</P><P TEIFORM="p">&rdquo;Schon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler,</HI> hat vermuthet,
&rdquo;da&szlig; Objectivgl&auml;&longs;er aus zwo Lin&longs;en, deren Zwi&longs;chenraum
&rdquo;mit Wa&longs;&longs;er angef&uuml;llt w&auml;re, zur Verbe&longs;&longs;erung der Fern&rdquo;r&ouml;hren
in Ab&longs;icht auf die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abweichung wegen der</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er</HI> dienen k&ouml;nnten: aber den Gedan&rdquo;ken,
da&szlig; man durch eben die&longs;es Mittel den Raum ver&rdquo;kleinern
k&ouml;nne, durch welchen &longs;ich die Vereinigungspunkte
&rdquo;der ver&longs;chiedenen Farben&longs;tralen ausbreiten, &longs;cheint er da&rdquo;bey
ganz und gar nicht gehabt zu haben. Mir hingegen
&rdquo;i&longs;t es &longs;ogleich vom&verbar;er&longs;ten Anfange wahr&longs;cheinlich gewe&longs;en,
&rdquo;da&szlig; man durch gewi&longs;&longs;e Zu&longs;ammen&longs;etzungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chiede-</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">ner</HI> durch&longs;ichtiger Mittel auch die&longs;em Fehler werde abhel&rdquo;fen
k&ouml;nnen, und ich bin &uuml;berzeugt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">da&szlig; die ver&longs;chie-</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">denen Feuchtigkeiten in un&longs;erm Auge &longs;o geord-</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">net &longs;ind, da&szlig; durch die&longs;elben die Ausbreitung</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">und Zer&longs;treuung der Vereinigungspunkte g&auml;nz-</HI>
&rdquo;<HI REND="bold" TEIFORM="hi">lich gehoben wird.</HI> Dies i&longs;t, &longs;o viel ich glaube, eine
&rdquo;ganz neue Seite, von welcher der Bau des Auges un&longs;ere
&rdquo;Bewunderung verdient: denn w&auml;re es nur darauf ange&rdquo;kommen,
Bilder der Gegen&longs;t&auml;nde im Auge darzu&longs;tellen,
&rdquo;&longs;o w&auml;re dazu ein einziger durch&longs;ichtiger K&ouml;rper hinreichend
&rdquo;gewe&longs;en, wofern er nur die dazu n&ouml;thige Ge&longs;talt gehabt
&rdquo;h&auml;tte: &longs;ollte aber das Auge ein vollkommnes Werkzeug
&rdquo;&longs;eyn, &longs;o mu&szlig;ten mehrere ver&longs;chiedene durch &longs;ichtige Ma&rdquo;terien
dazu gebraucht, und in geh&ouml;riger Ge&longs;talt nach den
&rdquo;Regeln der erhaben&longs;ten Geometrie verbunden werden, da&rdquo;mit
die Deutlichkeit des Bildes nicht durch die ver&longs;chie&rdquo;dene<PB ID="P.1.36" N="36" TEIFORM="pb"/>
Brechbarkeit der Stralen ge&longs;t&ouml;rt w&uuml;rde.&ldquo; Die&longs;e
&longs;charf&longs;innige Bemerkung &uuml;ber die Ab&longs;icht des Sch&ouml;pfers
bey dem Bau des Auges i&longs;t f&uuml;r <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulern</HI> h&ouml;chft r&uuml;hmlich;
inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;ie &longs;chon l&auml;ng&longs;t vor ihm von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">David Gregory</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Catoptricae et Dioptricae elementa, Oxon. 1697.
8.)</HI> gemacht, und als Vor&longs;chlag zur Verbe&longs;&longs;erung der
Fernr&ouml;hre vorgetragen worden; allein man hat &longs;ie damals
gleichg&uuml;ltig &uuml;ber&longs;ehen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> unter&longs;uchte durch Rechnung,
welche Ge&longs;talten und Verh&auml;ltni&longs;&longs;e &longs;olche aus Glas
und Wa&longs;&longs;er zu&longs;ammenge&longs;etzte Objectivgl&auml;&longs;er erforderten;
aber die nach &longs;einen Rechnungen ange&longs;tellten Proben hatten
nicht den gew&uuml;n&longs;chten Erfolg.</P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen erregte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Eulers</HI> Abhandlung die Aufmerk&longs;amkeit
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">John Dollond,</HI> eines ge&longs;chickten engli&longs;chen
K&uuml;n&longs;tlers, der die&longs;e Rechnungen &longs;orgf&auml;ltig durchgieng,
aber &longs;ie nothwendig fal&longs;ch finden mu&szlig;te, weil er &longs;ie nach
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Grund&longs;&auml;tzen pr&uuml;fte. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> wagte noch nicht,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Ver&longs;uche zweifelhaft zu machen, er begn&uuml;gte
&longs;ich blos im Allgemeinen zu antworten, da&szlig; &longs;ich der Bau
des Auges gar nicht w&uuml;rde erkl&auml;ren la&longs;&longs;en, wenn man nach
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Bey&longs;piele die Vermeidung der Farbenzer&longs;treuung
bey allen Brechungen durch erhabne Gl&auml;&longs;er f&uuml;r
unm&ouml;glich erkl&auml;ren wollte.</P><P TEIFORM="p">Endlich r&uuml;ckte Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klingen&longs;tierna</HI> im Jahre
1754. in den &longs;echszehnten Band der &longs;chwedi&longs;chen Abhandlungen
eine geometri&longs;che Pr&uuml;fung des oben angef&uuml;hrten
newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs ein (Anmerkung &uuml;ber das Ge&longs;etz
der Brechung bey Licht&longs;tralen von ver&longs;chiedener Art, wenn
&longs;ie durch ein durch&longs;ichtiges Mittel in ver&longs;chiedene andere
gehen, von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Samuel Klingen&longs;tierna</HI> in den &longs;chwedi&longs;chen
Abhdl. 1754. der deut&longs;chen Ueber&longs;. S. 30.), worin
er bewie&szlig;, da&szlig;, wenn die&longs;er Ver&longs;uch eine allgemeine
Richtigkeit h&auml;tte, daraus nicht einerley be&longs;timmtes Ge&longs;etz
der Farbenzer&longs;treuung, &longs;ondern unz&auml;hlige ver&longs;chiedene Ge&longs;etze
folgen w&uuml;rden, die &longs;owohl gegen einander &longs;elb&longs;t, als
gegen das von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> angenommene &longs;tritten; und da&szlig;
vielmehr das Licht nach dem Durchgange durch ver&longs;chiedene<PB ID="P.1.37" N="37" TEIFORM="pb"/>
Mittel noch gef&auml;rbt &longs;eyn k&ouml;nne, wenn gleich der ausfahrende
Stral mit dem einfallenden parallel &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Durch die&longs;e &longs;ehr gr&uuml;ndlich ange&longs;tellte Unter&longs;uchung
ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> &longs;elb&longs;t bewogen, an der Richtigkeit des
newtoni&longs;chen Ver&longs;uchs zu zweifeln, und zur An&longs;tellung
eigner Ver&longs;uche &uuml;berzugehen. Er k&uuml;ttete daher zwo Glas&longs;cheiben
mit den R&auml;ndern &longs;o zu&longs;ammen, da&szlig; daraus ein
prismati&longs;ches Gef&auml;&szlig; ent&longs;tand, kehrte de&longs;&longs;en Sch&auml;rfe niederw&auml;rts,
&longs;tellte ein gl&auml;&longs;ernes Prisma mit der einen Sch&auml;rfe
aufw&auml;rts hinein, und f&uuml;llte den &uuml;brigen Raum mit Wa&longs;&longs;er
an. Wenn nun der Winkel, den beyde Glas&longs;cheiben mit
einander machten, gerade &longs;o gro&szlig; war, da&szlig; ein Gegen&longs;tand,
durch die&longs;es doppelte Prisma betrachtet, eben &longs;o
hoch, als mit blo&szlig;en Augen, er&longs;chien, al&longs;o beyde Brechungen,
die durchs Glas, und die durchs Wa&longs;&longs;er ge&longs;chehene,
einander aufhoben, und der ausgehende Stral dem
einfallenden parallel war, &longs;o &longs;ollte nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Grund&longs;&auml;tzen
der Gegen&longs;tand in &longs;einer nat&uuml;rlichen Farbe er&longs;cheinen.
Allein er er&longs;chien vielmehr eben &longs;o &longs;tark mit prismati&longs;chen
Farben umringt, als ob er durch ein einziges gl&auml;&longs;ernes
Prisma mit einem Winkel von etwa 30&deg; w&auml;re betrachtet
worden. Hiebey hat al&longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> eine &longs;tarke F&auml;rbung
ohne Brechung erhalten, und konnte es al&longs;o nicht mehr
f&uuml;r unm&ouml;glich an&longs;ehen, auch eine Brechung ohne Farben
zu bewerk&longs;telligen.</P><P TEIFORM="p">Er erhielt die&longs;e auch wirklich, da er einen Keil von
gemeinem Tafelgla&longs;e, de&longs;&longs;en Winkel etwa 9&deg; betrug, eben
&longs;o, wie vorhin das gl&auml;&longs;erne Prisma, in ein keilf&ouml;rmiges,
mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;lltes Gef&auml;&szlig; aus zwey Glas&longs;cheiben &longs;etzte.
Denn, wenn er nun den Winkel beyder Glas&longs;cheiben &longs;o
lang vergr&ouml;&szlig;erte, bis der betrachtete Gegen&longs;tand ohne
fremde Farben er&longs;chien, &longs;o &longs;ahe er den&longs;elben weit von dem
Orte verr&uuml;ckt, an welchem er dem blo&szlig;en Auge w&uuml;rde er&longs;chienen
&longs;eyn. Es war al&longs;o klar, da&szlig; die Farbenzer&longs;treuungen
einander aufgehoben hatten, obgleich die Brechungen
von einander ver&longs;chieden waren; al&longs;o ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI>
Satz, verm&ouml;ge de&longs;&longs;en &longs;ich die Farbenzer&longs;treuungen, wie<PB ID="P.1.38" N="38" TEIFORM="pb"/>
die Brechungen, verhalten &longs;ollten, dadurch hinl&auml;nglich
widerlegt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> fieng daher an, zu vermuthen, da&szlig; dasjenige,
was er hier bey den Brechungen durch Wa&longs;&longs;er und
Glas wahrgenommen hatte, auch bey Brechungen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">durch
ver&longs;chiedene Glasarten</HI> &longs;tatt finden werde, und nahm
&longs;ich daher vor, Prismen von ver&longs;chiedenen Glasarten zu
&longs;chleifen und an einander zu legen, um zu &longs;ehen, ob auch
hiebey die Brechung in andern Verh&auml;ltni&longs;&longs;en, als die Farbenzer&longs;treuung,
ver&longs;chieden &longs;eyn w&uuml;rde. Sobald er dies
im Jahre 1757 vorgenommen hatte, zeigten &longs;ogleich die
er&longs;ten Proben, da&szlig; die Sache die &auml;u&szlig;er&longs;te Aufmerk&longs;amkeit
verdiene. (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">An Account of &longs;ome experiments concerning
the different refrangibility of light, by Mr. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Iohn
Dollond,</HI></HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. Vol. L. Part. II. p. 733.)</HI></P><P TEIFORM="p">Er fand nemlich das Verh&auml;ltni&szlig; der Farbenzer&longs;treuung
gegen die Brechungen in einigen Glasarten weit
&longs;t&auml;rker ver&longs;chieden, als er zu hoffen gewagt hatte. Be&longs;onders
war die&longs;er Unter&longs;chied bey zwoen Glasarten &longs;ehr
betr&auml;chtlich. Das engli&longs;che Kry&longs;tallglas oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas,</HI>
eine &longs;ehr helle und wei&szlig;e Glasart, zer&longs;treute die Farben
am &longs;t&auml;rk&longs;ten, eine andere mehr gr&uuml;nliche, das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas,</HI>
am wenig&longs;ten, da doch beyder Brechungen fa&longs;t
gleich waren. Die&longs;e Entdeckung &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> &longs;ogleich
zur Verbe&longs;&longs;erung der Fernr&ouml;hren zu n&uuml;tzen. Er fieng an,
Objectivgl&auml;&longs;er aus die&longs;en beyden Glasarten zu&longs;ammenzu&longs;etzen,
welche das Licht ohne Farben brechen &longs;ollten. Damit
die beyden mit einander verbundenen Gl&auml;&longs;er das Licht
nach entgegenge&longs;etzten Seiten zer&longs;treuen m&ouml;chten, mu&szlig;te
das eine ein erhabnes, das andere ein Hohlglas &longs;eyn; und
da die Stralen &longs;ich wirklich in einen Punkt der Axe vereinigen
&longs;ollten, &longs;o mu&szlig;te das erhabne die &longs;t&auml;rk&longs;te Brechung
verur&longs;achen, und daher aus derjenigen Glasart verfertiget
werden, welche bey &longs;t&auml;rkerer Brechung dennoch nur eine
gleich gro&szlig;e Farbenzer&longs;treuung giebt, indem beyder Gl&auml;&longs;er
Farbenzer&longs;treuungen einander aufheben, und al&longs;o gleich
gro&szlig; &longs;eyn mu&longs;ten. Die&longs;e Betrachtungen zeigten ihm, da&szlig;
er &longs;eine Objectivgl&auml;&longs;er aus einem Hohlgla&longs;e von Flintglas<PB ID="P.1.39" N="39" TEIFORM="pb"/>
und einem erhabnen von Crownglas zu&longs;ammen&longs;etzen m&uuml;&longs;&longs;e.
Die&longs;er &longs;ichern Gr&uuml;nde ohngeachtet fand er doch bey der
Ausf&uuml;hrung &longs;elb&longs;t noch unz&auml;hlbare Schwierigkeiten, die
er endlich durch anhaltende Geduld und ungemeine Ge&longs;chicklichkeit
&uuml;berwand, und &longs;ich im Jahre 1755 im Stande
&longs;ahe, Fernr&ouml;hre mit &longs;o gro&szlig;en Oefnungen, und &longs;o &longs;tarken
Vergr&ouml;&szlig;erungen, in Vergleichung mit ihrer L&auml;nge, zu
verfertigen, da&szlig; &longs;ie nach dem Urtheile der be&longs;ten Kenner
alles, was man bisher gelei&longs;tet hatte, bey weitem &uuml;bertrafen.</P><P TEIFORM="p">Der Ruf von die&longs;er Entdeckung und von den neuen
Dollondi&longs;chen Fernr&ouml;hren verbreitete &longs;ich bald unter den
Naturfor&longs;chern und K&uuml;n&longs;tlern. Weil aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> die
Verh&auml;ltni&longs;&longs;e, nach welchen die Gl&auml;&longs;er &longs;einer Objectivlin&longs;en
gekr&uuml;mmt und zu&longs;ammenge&longs;etzt waren, nicht bekannt
machte, &longs;o &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut,</HI> der &longs;ich &longs;chon vom Anfange
des Streits viel mit die&longs;er Sache be&longs;ch&auml;ftiget hatte, eine
voll&longs;t&auml;ndige, auf einige Ver&longs;uche gegr&uuml;ndete, Theorie davon
auszuarbeiten, welche man in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;moires de l' academie
royale des Sc. &agrave; Paris</HI> von den Jahren 1756 und
1757 findet. Die&longs;e Arbeit hat nachher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">d' Alembert</HI> im
dritten und vierten Bande &longs;einer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Opu&longs;cules mathematiques,</HI>
und in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. de l' acad. des Sc.</HI> in den Jahren
1764, 1765, 1767 voll&longs;t&auml;ndiger ausgef&uuml;hrt. Im Jahre
1762 gab die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Petersburg
die Prei&szlig;frage auf: wie die Unvollkommenheiten der opti&longs;chen
Werkzeuge, welche von der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit
und der Kugelge&longs;talt herr&uuml;hren, zu heben &longs;eyen? wobey
die Abhandlung des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Klingen&longs;tierna</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tentamen
de definiendis et&verbar; corrigendis aberrationibus luminis
in lentibus &longs;phaericis refracti, et de per&longs;iciendo
telo&longs;copio dioptrico. Petrop. 1762. gr. 4.)</HI> den Prei&szlig; erhielt.
Ohngeachtet aber die&longs;e gro&szlig;en Mathematiker fa&longs;t alles
er&longs;ch&ouml;pft hatten, was die Rechnung in die&longs;em Fache lei&longs;ten
kann, &longs;o waren doch ihre Arbeiten den K&uuml;n&longs;tlern gr&ouml;&szlig;tentheils
unbrauchbar, und die Engl&auml;nder verfertigten ohne
Anwendung die&longs;er Formeln weit be&longs;&longs;ere Fernr&ouml;hre, als
von den Ausl&auml;ndern, &longs;elb&longs;t unter unmittelbarer Auf&longs;icht<PB ID="P.1.40" N="40" TEIFORM="pb"/>
die&longs;er ge&longs;chickten Rechner, konnten zu Stande gebracht
werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler,</HI> welcher zu die&longs;er Entdeckung die er&longs;te Veranla&longs;&longs;ung
gegeben hatte, war jetzt gerade derjenige, der
&longs;ich am &longs;chwer&longs;ten von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen
Ver&longs;uche und Erfindungen &uuml;berzeugen lie&szlig;. Er hatte
&longs;chon im Jahre 1747 in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. de l' acad. des Sc. de
Pru&longs;&longs;e</HI> eine Theorie der Farbenzer&longs;treuungen fe&longs;tge&longs;etzt, mit
welcher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollonds</HI> Ver&longs;uche gar nicht &uuml;berein&longs;timmten.
Er &longs;chrieb daher die au&szlig;erordentlichen Wirkungen der Dollondi&longs;chen
Fernr&ouml;hre, von welchen er durch unwider&longs;prechliche
Zeugni&longs;&longs;e &uuml;berf&uuml;hrt ward, blos der Kr&uuml;mmung der
Dollondi&longs;chen Gl&auml;&longs;er zu, welche durch einen gl&uuml;cklichen
Zufall &longs;o ausgefallen &longs;ey, da&szlig; &longs;ie eben die&longs;elbe Wirkung
thun w&uuml;rden, wenn &longs;ie auch nur aus einerley Glasart be&longs;t&uuml;nden.
Endlich aber ward er durch die Ver&longs;icherungen,
die ihm <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut</HI> von der Richtigkeit der Dollondi&longs;chen
Ver&longs;uche gab, bewogen, &longs;eine Theorie aufzugeben, und
fieng nunmehr &longs;elb&longs;t an, die Dollondi&longs;che Erfindung durch
eigne Berechnungen aufzukl&auml;ren, und Vor&longs;chl&auml;ge zum Gebrauch
in der Aus&uuml;bung anzugeben. Aus &longs;einen vielen
akademi&longs;chen Abhandlungen hier&uuml;ber i&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dioptrik</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Leonh. Euleri</HI> Dioptrica, Petrop. et Lip&longs;. 1771. To.
II. gr. 4.)</HI> ent&longs;tanden, aus welcher Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fu&szlig;</HI> in Petersburg
zum Gebrauch der K&uuml;n&longs;tler einen Auszug von Vor&longs;chl&auml;gen
zu achromati&longs;chen Fernr&ouml;hen in franz&ouml;&longs;i&longs;cher Sprache
herausgegeben hat. (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nik. Fu&szlig;</HI> um&longs;t&auml;ndliche Anwei&longs;ung,
wie alle Arten von Fernr&ouml;hren in der gr&ouml;&szlig;ten m&ouml;glichen
Vollkommenheit zu verfertigen &longs;ind; aus dem Franz. von
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">G. S. Kl&uuml;gel.</HI> Leipzig, 1778. 4.)</P><P TEIFORM="p">Im Jahre 1758 trieb <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> die Verbe&longs;&longs;erung
der Fernr&ouml;hre noch h&ouml;her, indem er &longs;eine Objectivlin&longs;en
aus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">drey</HI> Gl&auml;&longs;ern zu&longs;ammenzu&longs;etzen anfieng. Sein Sohn
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Peter Dollond</HI> hat nachher die&longs;e dreyfachen Objectivgl&auml;&longs;er
in noch gr&ouml;&szlig;erer Vollkommenheit verfertiget. Sie
be&longs;tehen aus zween erhabnen Lin&longs;en von Crownglas und
einer dazwi&longs;chen &longs;tehenden hohlen von Flintglas, &longs;. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI>
Fig. 7. Sie werden zu galil&auml;i&longs;chen Fernr&ouml;hren mit einem<PB ID="P.1.41" N="41" TEIFORM="pb"/>
hohlen, zu a&longs;tronomi&longs;chen mit zwoen, und zu Erdfernr&ouml;hren
mit noch mehrern erhabnen Augengl&auml;&longs;ern verbunden.
Ich will hier aus der angef&uuml;hrten Schrift des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fu&szlig;</HI>
die Abme&longs;&longs;ung dreyer achromati&longs;chen a&longs;tronomi&longs;chen Fernr&ouml;hre
mittheilen, welche bey geringer L&auml;nge dennoch ungemein
&longs;tarke Vergr&ouml;&szlig;erungen mit geh&ouml;riger Deutlichkeit
geben.
<TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergr&ouml;&szlig;erung im Durchme&longs;&longs;er</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">320</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Brennweite des Objectivgla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,25</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">80</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durchme&longs;&longs;er der Apertur -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,00</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,40</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,80</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;ten</HI> convexen Lin&longs;e von<LB TEIFORM="lb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,78</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,68</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35,64</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er der Vorderfl&auml;che</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,32</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,70</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">68,04</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">- - der Hinterfl&auml;che</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,04</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,90</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">26,14</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Ab&longs;tand der Mitte die&longs;er Lin&longs;e<LB TEIFORM="lb"/>
von der Mitte der zweyten</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,14</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,81</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyten</HI> auf beyden Sei-<LB TEIFORM="lb"/>
ten gleich viel vertieften Lin&longs;e<LB TEIFORM="lb"/>
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,70</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,08</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">21,73</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Fl&auml;chen</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,97</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,73</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25,22</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Ab&longs;tand ihrer Mitte von der<LB TEIFORM="lb"/>
Mitte der dritten Lin&longs;e -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,14</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,81</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dritten</HI> auf beyden Seiten<LB TEIFORM="lb"/>
gleich viel erhabnen Lin&longs;e von<LB TEIFORM="lb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crownglas</HI> Brennweite</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,75</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,61</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35,23</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder ihrer Fl&auml;chen</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,92</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7,00</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37,35</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Ab&longs;tand des Objectivs vom<LB TEIFORM="lb"/>
er&longs;ten Ocular - -.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,00</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14,75</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">79,74</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Des er&longs;ten Oculars von<LB TEIFORM="lb"/>
Crownglas Brennweite -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,47</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,49</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,51</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbme&longs;&longs;er jeder der beyden<LB TEIFORM="lb"/>
Fl&auml;chen - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,50</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,52</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,54</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">IV.</HI> Ab&longs;tand des er&longs;ten Oculars<LB TEIFORM="lb"/>
vom zweyten -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,33</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,34</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">V.</HI> Des zweyten Oculars von<LB TEIFORM="lb"/>
Crownglas Brennweite -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,17</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Halbm. jeder der beyden Fl&auml;chen</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,18</CELL></ROW><PB ID="P.1.42" N="42" TEIFORM="pb"/><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VI.</HI> Entfernung des Auges vom<LB TEIFORM="lb"/>
letzten Ocular - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,09</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VII.</HI> Durchme&longs;&longs;er des Ge&longs;ichts-<LB TEIFORM="lb"/>
feldes -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2&deg;13&prime;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">56 1/2&prime;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10 2/3&prime;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">VIII.</HI> L&auml;nge des Fernrohrs</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,84</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16,20</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">85,60</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Nimmt man hiebey 1 Zoll f&uuml;r die Einheit an, &longs;o
kan durch ein &longs;ieben Fu&szlig; langes Fernrohr eine 320 fache
Vergr&ouml;&szlig;erung im Durchme&longs;&longs;er erhalten werden, wozu &longs;on&longs;t,
ohne Gebrauch eines achromati&longs;chen Objectivgla&longs;es, eine
L&auml;nge von 200 Fu&szlig; n&ouml;thig gewe&longs;en w&auml;re, welche das Fernrohr
ganz unbrauchbar w&uuml;rde gemacht haben. Sollte man
ja bey einer &longs;o kleinen Einheit, als 1 Zoll i&longs;t, die bis auf
Hunderttheile vorge&longs;chriebne Genauigkeit der Maa&szlig;e zu
verfehlen f&uuml;rchten, &longs;o wird man, durch Annehmung einer
Einheit von 2 Zollen, noch immer die 320 fache Vergr&ouml;&longs;&longs;erung
bey einer L&auml;nge von 14 Fu&szlig;, und die 60 fache bey
einer von 3 Fu&szlig; erhalten k&ouml;nnen.</P><P TEIFORM="p">Man kan die dreyfachen Objectivgl&auml;&longs;er, welche weit
mehr, als die doppelten, lei&longs;ten, leicht von den letztern
unter&longs;cheiden, wenn man ihnen ein Licht vorh&auml;lt, de&longs;&longs;en
Flamme &longs;ich in jeder Glasfl&auml;che &longs;piegelt, und al&longs;o bey dem
dreyfachen Objectivgla&longs;e &longs;echsfach, bey dem doppelten nur
vierfach er&longs;cheint. Unter die&longs;en Bildern der Lichtflamme
&longs;ind beym dreyfachen Objectivgla&longs;e drey umgekehrte, weil
die Fl&auml;chen 2, 3, 6, Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 7. gegen das vor 1
gehaltene Licht zu hohl &longs;ind; die &uuml;brigen drey Bilder er&longs;cheinen
aufrecht.</P><P TEIFORM="p">Die engli&longs;chen K&uuml;n&longs;tler, vorz&uuml;glich beyde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollonds,
Ramsden, Pyefinch</HI> u. a. haben &longs;olche achromati&longs;che
Fernr&ouml;hre &longs;eit ihrer Erfindung jederzeit in gro&longs;&longs;er
Vollkommenheit verfertiget, ob &longs;ie &longs;ich gleich dabey
mehr auf Proben und Ver&longs;uche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(t&acirc;tonnement)</HI> verla&longs;&longs;en,
als etwa die von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Clairaut, d' Alembert</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI>
angegebnen Formeln und Berechnungen gebraucht haben.
Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettres a&longs;tronomiques. Berlin 1771.
8. lettre 5.)</HI> meldet, ihm &longs;ey von glaubw&uuml;rdigen Per&longs;onen
ver&longs;ichert worden, da&szlig; der j&uuml;ngere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> eine<PB ID="P.1.43" N="43" TEIFORM="pb"/>
gro&szlig;e Menge Lin&longs;en von beyderley. Glasarten auf Gerathewohl
zu &longs;chleifen, und &longs;o lang ver&longs;chiedentlich zu combiniren
pflege, bis er eine Zu&longs;ammen&longs;etzung finde, die im verfin&longs;terten
Zimmer ein &longs;charf begrenztes farbenlo&longs;es Bild
gebe; ja <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond</HI> habe ihm &longs;elb&longs;t ge&longs;agt, da&szlig; er fa&longs;t
alles durch prakti&longs;che Vortheile und durchs Probiren ausrichte.
Die Ur&longs;ache, warum man mit der Theorie allein
nicht weit komme, &longs;ey der er&longs;taunliche Unter&longs;chied unter
den Glasma&longs;&longs;en. Man pflege in den engli&longs;chen Glash&uuml;tten
das Glas in hohle Cylinder zu rollen, aus welchen die
da&longs;igen Optiker, denen man dies erlaube, &longs;ich leicht die
be&longs;ten aus&longs;uchen k&ouml;nnten: hernach aber &longs;chmelze man die
&uuml;brigen Cylinder in ganze Ma&longs;&longs;en mit unebnen Oberfl&auml;chen
zu&longs;ammen, an welchen kein Men&longs;ch &longs;ehen k&ouml;nne, ob
das Glas Bla&longs;en oder Streifen habe oder nicht. Ausw&auml;rtige
K&uuml;n&longs;tler k&ouml;nnten das Glas fa&longs;t nie anders, als
in der letzten Ge&longs;talt, erhalten, und bek&auml;men es daher
mei&longs;tentheils &longs;o &longs;chlecht, als m&ouml;glich. Aehnliche Klagen
findet man in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer's</HI> chymi&longs;chem W&ouml;rterbuche unter
dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vergla&longs;ung.</HI> Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI>
Anf&uuml;hren (Anfangsgr. der angewandten Mathematik,
dritte Auflage. G&ouml;ttingen, 1780. Dioptrik. S. 314.)
klagen &longs;ogar die engli&longs;chen K&uuml;n&longs;tler, da&szlig; das Flintglas in
England &longs;elb&longs;t &longs;chon lange nicht mehr in der vorigen Vollkommenheit
verfertiget werde.</P><P TEIFORM="p">Man hat &uuml;ber die Be&longs;tandtheile der oft angef&uuml;hrten
beyden Glasarten, des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintgla&longs;es</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crowngla&longs;es,</HI>
Unter&longs;uchungen ange&longs;tellt, und Compo&longs;itionen von gleicher
Wirkung ausfindig zu machen ge&longs;ucht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Johann Ern&longs;t
Zeiher,</HI> nachmaliger Profe&longs;&longs;or der Mathematik zu Wittenberg,
entdeckte noch w&auml;hrend &longs;eines Aufenthalts in Ru&szlig;land,
da&szlig; die Farbenzer&longs;treuung der Glasarten &longs;t&auml;rker
werde, wenn man viel Bleykalch zu der Zu&longs;ammen&longs;etzung
der&longs;elben nehme (&longs;. &longs;eine Abhdl. von denjenigen Glasarten,
welche eine ver&longs;chiedene Kraft, die Farben zu zer&longs;treuen,
be&longs;itzen. Petersburg 1763. 4.), ingleichen, da&szlig; ein Zu&longs;atz
von Laugen&longs;alzen zu einem Gemenge von Bleykalch
und Kie&longs;el die Brechungskraft des Gla&longs;es vermindere,<PB ID="P.1.44" N="44" TEIFORM="pb"/>
ohne die Farbenzer&longs;treuung im Gering&longs;ten zu &auml;ndern. Er
verfertigte auf die&longs;e Art ein Glas, welches das engli&longs;che
Flintglas in Ab&longs;icht die&longs;er Wirkungen zu Verbe&longs;&longs;erung der
Fernr&ouml;hre noch weit &uuml;bertreffen &longs;ollte, weil es das Licht
dreymal &longs;o &longs;tark, als das gemeine Glas, zer&longs;treute, da
doch das Verh&auml;ltni&szlig; der mittlern Brechung nur etwas weniges
mehr, als beym Flintgla&longs;e betrug. Inzwi&longs;chen haben
die&longs;e an &longs;ich merkw&uuml;rdige Entdeckungen den K&uuml;n&longs;tlern
wenig Vortheile ver&longs;chaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten
macht, &longs;olche ungew&ouml;hnliche Glascompo&longs;itionen
nach den geh&ouml;rigen Verh&auml;ltni&longs;&longs;en auf den Glash&uuml;tten zu
erhalten, theils weil die Haupt&longs;ache auf Vermeidung der
Adern und Streifen ank&ouml;mmt, welche dergleichen aus Materien
von &longs;ehr ver&longs;chiedener Dichte zu&longs;ammenge&longs;etzte Glasarten
noch weit h&auml;ufiger, als das gew&ouml;hnliche Glas, annehmen.
Man &longs;. hievon den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Flintglas.</HI> Statt
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crowngla&longs;es</HI> haben die K&uuml;n&longs;tler, welche au&szlig;erhalb
Englands achromati&longs;che Fernr&ouml;hre verfertiget haben, ihre
einheimi&longs;chen Glasarten gebrauchen k&ouml;nnen; das Flintglas
aber hat man mehrentheils aus England kommen la&longs;&longs;en.
Inzwi&longs;chen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch
bisher den gr&ouml;&szlig;ten Theil der Vortheile verhindert, welche
die Dollondi&longs;che Erfindung im er&longs;ten Anfange zu ver&longs;prechen
&longs;chien.</P><P TEIFORM="p">Wie gro&szlig; &uuml;brigens &longs;chon diejenigen Vortheile &longs;ind,
die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung
lehren. Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Gentil</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l' acad. des
Sc. de Paris. 1755. p. 462.)</HI> vergr&ouml;&szlig;erte &longs;ein Fernrohr
von 18 pari&longs;er Fu&szlig; L&auml;nge 63mal, und da &longs;ich &longs;on&longs;t die
L&auml;ngen, wie die Quadratzahlen der Vergr&ouml;&szlig;erung, verhalten
mu&szlig;ten, &longs;o w&uuml;rde eine 126 fache Vergr&ouml;&szlig;erung 72
Fu&szlig; L&auml;nge erfordert haben. Das achromati&longs;che Fernrohr
des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Me&longs;&longs;ier</HI> hingegen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l' acad. des Sc.
1775. p. 213.)</HI> vergr&ouml;&szlig;erte 120mal bey einer L&auml;nge von
40 Zollen, d. h. es that fa&longs;t gleiche Wirkung mit dem
vorigen, ob es gleich &uuml;ber 21 mal k&uuml;rzer war. Man kan
nemlich durch achromati&longs;che Fernr&ouml;hre bey einer &longs;ehr geringen
L&auml;nge dennoch weit betr&auml;chtlichere Vergr&ouml;&szlig;erungen,<PB ID="P.1.45" N="45" TEIFORM="pb"/>
ohne Schaden der Deutlichkeit erhalten; und obgleich die
Spiegeltele&longs;cope eben die&longs;es auch lei&longs;ten, &longs;o behalten doch
die Fernr&ouml;hre den Vorzug, da&szlig; &longs;ie die Gegen&longs;t&auml;nde lebhafter
dar&longs;tellen, auch wohlfeiler und von unwandelbarerer
Dauer &longs;ind.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte und gegenw&auml;rtiger Zu&longs;tand der
Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">G. S. Kl&uuml;gel.</HI> S. 339. u. f. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">I. E. Zeiher</HI> programmata
II. de novis dioptricae augmentis. Viteb. 1768
et 1773. 4.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Adh&auml;&longs;ion, Anh&auml;ngen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Adh&auml;&longs;ion, Anh&auml;ngen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Adhae&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Adh&eacute;&longs;ion, Adh&eacute;rence</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er Name wird dem allgemeinen Ph&auml;nomen
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> in dem be&longs;ondern Falle beygelegt, wenn
zween <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ver&longs;chiedene</HI> K&ouml;rper bey ihrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ber&uuml;hrung</HI> mit
einander, oder bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ehr geringer Entfernung</HI> von einander,
&longs;o verbunden werden, da&szlig; eine &auml;u&szlig;ere Kraft n&ouml;thig i&longs;t,
um &longs;ie wieder zu trennen. Haupt&longs;&auml;chlich wird die&longs;er Name
gebraucht, wenn von gedachten K&ouml;rpern der eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">fl&uuml;&szlig;ig,</HI>
der andere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">fe&longs;t</HI> i&longs;t, und man &longs;agt alsdann, da&szlig; &longs;ich der
fl&uuml;&szlig;ige an den fe&longs;ten anh&auml;nge.</P><P TEIFORM="p">So h&auml;ngt &longs;ich das Wa&longs;&longs;er an den darein getauchten
Finger oder an eine Glasr&ouml;hre an: es bleibt nach dem Herausziehen
etwas Wa&longs;&longs;er an dem eingetauchten K&ouml;rper h&auml;ngen.
Man &longs;agt im gemeinen Leben, der Finger oder das
Glas werde <HI REND="bold" TEIFORM="hi">na&szlig;</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">benetzt;</HI> und das anh&auml;ngende Wa&longs;&longs;er
geht nicht herab, bis es durch eine &auml;u&szlig;ere Kraft, durch
Abreiben, durch die Wirkung der W&auml;rme u. dgl. hinweggenommen,
d. i. bis der benetzte K&ouml;rper durch irgend eine
&auml;u&szlig;ere Einwirkung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">getrocknet</HI> wird. Alle dergleichen
Benetzungen fe&longs;ter K&ouml;rper mit fl&uuml;&szlig;igen &longs;ind Bey&longs;piele der
Adh&auml;&longs;ion bey einer wirklich vorgegangenen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ber&uuml;hrung.</HI></P><P TEIFORM="p">Das Wa&longs;&longs;er und andere Fl&uuml;&szlig;igkeiten ziehen &longs;ich aber
auch in Schw&auml;mmen, L&ouml;&longs;chpapier u. dgl., die man nur
zum Theil eintaugt, nach und nach in die H&ouml;he. Dies
&longs;ind Bey&longs;piele einer Adh&auml;&longs;ion oder eines Anziehens, das
auch in einiger, wiewohl &longs;ehr geringer, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Entfernung</HI>
&longs;chon wirk&longs;am i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Nothwendig m&uuml;&longs;&longs;en die Theilchen einer fl&uuml;&szlig;igen Materie,
welche &longs;ich an einen fe&longs;ten K&ouml;rper anh&auml;ngen, von<PB ID="P.1.46" N="46" TEIFORM="pb"/>
die&longs;es K&ouml;rpers Oberfl&auml;che &longs;t&auml;rker angezogen werden, als
&longs;ie unter &longs;ich &longs;elb&longs;t zu&longs;ammenh&auml;ngen. Denn die anh&auml;ngenden
Theile rei&longs;&longs;en &longs;ich ja von den &uuml;brigen los, um an
dem K&ouml;rper zu bleiben, oder &longs;ich an ihn zu h&auml;ngen.
Wenn daher die Wirkungen des Anh&auml;ngens nicht erfolgen,
&longs;o kann man &longs;chlie&szlig;en, da&szlig; die Theile der fl&uuml;&szlig;igen Materie
unter &longs;ich &longs;elb&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;t&auml;rker</HI> zu&longs;ammenh&auml;ngen, als &longs;ie von
dem fe&longs;ten K&ouml;rper angezogen werden. So mu&szlig; der Zu&longs;ammenhang
der Theile des Queck&longs;ilbers unter einander
&longs;elb&longs;t, &longs;t&auml;rker als ihr Anh&auml;ngen an die Epidermis oder an
das Glas &longs;eyn; denn der Finger oder die Glasr&ouml;hre werden
vom Queck&longs;ilber nicht benetzt, &longs;ondern trocken herausgezogen.</P><P TEIFORM="p">Queck&longs;ilber benetzt Bley, Gold, Silber und andere
Metalle, da es hingegen Ei&longs;en, Glas rc. trocken l&auml;&szlig;t.
Wa&longs;&longs;er h&auml;ngt &longs;ich an die mei&longs;ten K&ouml;rper, nur dann nicht,
wenn ihre Oberfl&auml;chen mit Oel und andern fetten Materien,
mit B&auml;rlapp oder Hexenmehl <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;emen lycopodii)</HI> rc.
bedeckt &longs;ind. Schon die&longs;e wenigen Bey&longs;piele zeigen, da&szlig;
&longs;ich ver&longs;chiedene Materien mit ver&longs;chiedener St&auml;rke anziehen,
und da&szlig; das Anh&auml;ngen bisweilen &longs;t&auml;rker, bisweilen
&longs;chw&auml;cher, als der Zu&longs;ammenhang der Theile fl&uuml;&szlig;iger K&ouml;rper
unter einander &longs;elb&longs;t, &longs;ey. Einige Naturfor&longs;cher haben
hier&uuml;ber das allgemeine Ge&longs;etz annehmen wollen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">da&szlig;
fl&uuml;&szlig;ige Ma&longs;&longs;en mit &longs;pecifi&longs;ch &longs;chwereren fe&longs;ten
Ma&longs;&longs;en &longs;t&auml;rker, mit &longs;pecifi&longs;ch leichtern hingegen
&longs;chw&auml;cher, als unter &longs;ich, zu&longs;ammenh&auml;ngen.</HI>
Die&longs;e Behauptung wird zwar dadurch wahr&longs;cheinlich, da&szlig;
&longs;chwere Fl&uuml;&szlig;igkeiten, wie Queck&longs;ilber, &longs;ich nur an wenige,
und an die &longs;chwer&longs;ten fe&longs;ten K&ouml;rper, leichte hingegen, wie
Wa&longs;&longs;er, &longs;ich fa&longs;t an alle fe&longs;te K&ouml;rper, h&auml;ngen. Es i&longs;t
aber die Allgemeinheit des Satzes bey weitem noch nicht
erwie&longs;en, und die Erfahrung &longs;timmt nicht allezeit mit ihm
&uuml;berein: wenn man auch gleich die n&ouml;thige Ein&longs;chr&auml;nkung
beyf&uuml;gt, da&szlig; man ihn nicht von der &longs;pecifi&longs;chen Schwere
der ganzen Zu&longs;ammen&longs;etzung, &longs;ondern von der Schwere
der einzelnen Theile der K&ouml;rper ver&longs;tehen m&uuml;&longs;&longs;e. Die
einzelnen Theile eines K&ouml;rpers nemlich k&ouml;nnen &longs;pecifi&longs;ch<PB ID="P.1.47" N="47" TEIFORM="pb"/>
&longs;chwerer als Wa&longs;&longs;er &longs;eyn, wenn gleich der ganze K&ouml;rper
in &longs;einer Zu&longs;ammen&longs;etzung &longs;pecifi&longs;ch leichter, als da&longs;&longs;elbe,
i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die Ur&longs;ache der Adh&auml;&longs;ion i&longs;t wohl ein f&uuml;r uns unerfor&longs;chliches
Geheimni&szlig;; ich beziehe mich hier&uuml;ber g&auml;nzlich
auf dasjenige, was unter dem Artikel <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> hievon
ge&longs;agt wird, und begn&uuml;ge mich, dasjenige, was hier mit
dem Namen Adh&auml;&longs;ion bezeichnet wird, als ein unl&auml;ugbares,
durch unz&auml;hlige Erfahrungen bewie&longs;enes, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ph&auml;nomen</HI>
anzu&longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Die Wirkungen der Adh&auml;&longs;ion &longs;ind &longs;ehr zahlreich.
Au&szlig;er dem Benetzen oder Na&szlig;werden eingetauchter K&ouml;rper,
geh&ouml;ren dabin noch folgende Ph&auml;nomene.</P><P TEIFORM="p">Fl&uuml;&szlig;ige K&ouml;rper nehmen in Gef&auml;&szlig;en aus &longs;olchen Materien,
welche von ihnen benetzt werden, keine vollkommen
horizontale Oberfl&auml;che an; &longs;ie &longs;teigen vielmehr um den
Rand der Gef&auml;&szlig;e herum etwas in die H&ouml;he. In Gef&auml;&longs;&longs;en
hingegen, welche nicht von ihnen benetzt werden, &longs;tehen
&longs;ie am Rande etwas tiefer, als in der Mitte. So
hat Wa&longs;&longs;er im gl&auml;&longs;ernen Gef&auml;&szlig;e eine Oberfl&auml;che, die in
der Mitte vertieft, und ringsumher am Rande des Gla&longs;es
aufw&auml;rts gekr&uuml;mmt i&longs;t: Queck&longs;ilber im Gla&longs;e hingegen
zeigt eine in der Mitte erhabne und ringsumher am Rande
unterw&auml;rts gekr&uuml;mmte Oberfl&auml;che. Leicht auf dem Wa&longs;&longs;er
&longs;chwimmende K&ouml;rper bewegen &longs;ich dahin, wo des Wa&longs;&longs;ers
Oberfl&auml;che am h&ouml;ch&longs;ten &longs;teht; daher &longs;cheinen &longs;ie von
dem Rande der Gef&auml;&szlig;e angezogen zu werden.</P><P TEIFORM="p">Tropfen einer fl&uuml;&szlig;igen Materie zerflie&szlig;en auf den
Oberfl&auml;chen &longs;olcher K&ouml;rper, welche die&longs;e fl&uuml;&szlig;ige Materie
benetzt; &longs;ie behalten hingegen ihre Kugelge&longs;talt (welche
nur durch das Gewicht der obern Theile des Tropfens ein
wenig platt gedr&uuml;ckt wird) auf &longs;olchen K&ouml;rpern, welche
von ihnen nicht benetzt werden. So zerflie&szlig;t Wa&longs;&longs;er auf
Glas, Queck&longs;ilber auf Bley; eine platte Kugelge&longs;talt aber
beh&auml;lt das er&longs;tere auf Hexenmehle, auf polirten Metallfl&auml;chen,
auf den Bl&auml;ttern vieler Gew&auml;ch&longs;e (daher die Thautropfen
ent&longs;tehen), auf fetten Fl&auml;chen, das letztere auf
Gla&longs;e und den mei&longs;ten K&ouml;rpern &uuml;berhaupt.<PB ID="P.1.48" N="48" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Wa&longs;&longs;er aus einem gl&auml;&longs;ernen Gef&auml;&szlig;e gego&longs;&longs;en, l&auml;uft
leicht am &auml;u&szlig;ern Rande des Gef&auml;&szlig;es herunter, be&longs;onders,
wenn man lang&longs;am gie&szlig;t, oder wenn das Gef&auml;&szlig; &longs;ehr voll
i&longs;t. Ein ausge&longs;chweifter Rand oder ge&longs;chneutzter Ausgu&szlig;
verhindert dies, weil er dem auslaufenden Wa&longs;&longs;er eine
Richtung giebt, die es bey ge&longs;chwindem Gie&szlig;en &longs;chnell
vom Gla&longs;e abf&uuml;hrt. Queck&longs;ilber hingegen l&auml;uft nie am
Gla&longs;e, wohl aber an metallenen Gef&auml;&szlig;en herab.</P><P TEIFORM="p">Ein Wa&longs;&longs;ertropfen, der an einem &longs;chief gehaltenen
Gla&longs;e auswendig herabrinnt, nimmt eine unregelm&auml;&szlig;ige
Ge&longs;talt an, welche den Streit zwi&longs;chen dem Gewichte,
dem Zu&longs;ammenhange und dem Anh&auml;ngen &longs;einer Theile an
das Glas &longs;ehr deutlich zeigt.</P><P TEIFORM="p">Auch beym Durchflie&szlig;en einer fl&uuml;&szlig;igen Materie durch
die engen Zwi&longs;chenr&auml;ume der Leinwand, des L&ouml;&longs;chpapiers
u. dgl. mu&szlig; die&longs;e Anziehung zwi&longs;chen den Theilen beyder
K&ouml;rper das ihrige beytragen. So kan man Qucke&longs;ilber
in einem Beutel von Leinwand oder gar von Flor tragen,
ohne da&szlig; es durchflie&szlig;t, da doch das viel leichtere Wa&longs;&longs;er
&longs;ogleich durchflie&szlig;en w&uuml;rde. Durch das weit dichtere
Leder l&auml;&szlig;t &longs;ich Qeuck&longs;ilber mit m&auml;&szlig;iger Kraft durchdr&uuml;cken.</P><P TEIFORM="p">In &longs;ehr engen R&ouml;hren ent&longs;tehen aus dem Anh&auml;ngen
der fl&uuml;&szlig;igen Materien Wirkungen, welche be&longs;onders betrachtet
zu werden verdienen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Haarr&ouml;hren.</HI></P><P TEIFORM="p">Auch die Luft h&auml;ngt &longs;ich an die mei&longs;ten fe&longs;ten K&ouml;rper,
und es ko&longs;tet in &longs;olchen F&auml;llen, wo &longs;ie hinderlich f&auml;llt, z.
B. bey der Verfertigung der Barometer, nicht wenig
M&uuml;he, die Glasr&ouml;hren ganz von der an ihnen anh&auml;ngenden
Luft zu befreyen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erxleben</HI> Anfangsgr. der Naturlehre. Sech&longs;ter Ab&longs;chnitt.
&sect;. 180. u. f.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aeolipile, &longs;. Windkugel.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aequator, Gleicher Aequinoctialkreis" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aequator, Gleicher Aequinoctialkreis, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aequator,
Circulus aequinoctialis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Equateur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&szlig;t am
Himmel derjenige gr&ouml;&szlig;te Kreis der Sph&auml;re, welcher von den
Weltpolen &uuml;berall um 90 Grad entfernt i&longs;t, de&longs;&longs;en Pole<PB ID="P.1.49" N="49" TEIFORM="pb"/>
al&longs;o die Weltpole &longs;elb&longs;t &longs;ind, &longs;o wie &longs;eine Axe die Weltaxe
&longs;elb&longs;t i&longs;t. Es &longs;tehen daher alle durch die Weltpole gehende
Krei&longs;e (Mittagskreis, Abweichungskrei&longs;e, Stundenkrei&longs;e)
auf ihm &longs;enkrecht, und alle gr&ouml;&szlig;te Krei&longs;e der Sph&auml;re, z.
B. Horizont, Ekliptik u. &longs;. w. &longs;chneiden &longs;ich mit ihm unter
gleichen Helften. Die t&auml;gliche Bewegung der Ge&longs;tirne
um die Pole ge&longs;chieht nach der Richtung die&longs;es Krei&longs;es,
d. i. jedes Ge&longs;tirn be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit
dem Aequator parallel laufenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagkreis.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Aequator theilt die ganze Himmelskugel in zwo
gleiche Helften, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">n&ouml;rdliche</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;&uuml;dliche Halbkugel</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale)</HI> ein.</P><P TEIFORM="p">Von &longs;einen beyden Durch&longs;chnittspunkten mit dem
Horizonte f&auml;llt dem gegen Mittag gekehrten Zu&longs;chauer der
eine, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Morgenpunkt,</HI> zur Linken, der andere, der
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Abendpunkt,</HI> zur Rechten. Jederzeit und an allen
Orten der Erde i&longs;t die eine Helfte des Aequators &uuml;ber, die
andere unter dem Horizonte. Wenn al&longs;o die Sonne in
die&longs;en Kreis tritt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde Tag und
Nacht gleich; hievon &longs;ind &longs;eine Benennungen herzuleiten.</P><P TEIFORM="p">Seine beyden Durch&longs;chnittspunkte mit der Ekliptik
oder j&auml;hrlichen Sonnenbahn, hei&szlig;en eben daher die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Punkte
der Nachtgleichen,</HI> und insbe&longs;ondere derjenige, in welchen
die Sonne j&auml;hrlich um den 21 M&auml;rz tritt, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fr&uuml;hlingspunkt,</HI>
der andere, welchen die Sonne j&auml;hrlich um
den 21 Sept. erreicht, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Herb&longs;tpunkt.</HI></P><P TEIFORM="p">Der Aequator i&longs;t f&uuml;r die Sternkunde von der gr&ouml;&szlig;ten
Wichtigkeit. Schon in den &auml;lte&longs;ten Zeiten hat man ihn
gebraucht, um die Lagen der Ge&longs;tirne gegen ihn zu be&longs;timmen.
In die&longs;er Ab&longs;icht theilt man ihn jetzt, wie jeden
andern Kreis, in 360 Grade, und die&longs;e ferner in Minuten,
Secunden u. &longs;. f. Man f&auml;ngt die&longs;e Theile vom
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fr&uuml;hlingspunkte</HI> (der daher des Aequators Anfangspunkt
i&longs;t) morgenw&auml;rts zu z&auml;hlen an. Nach &longs;olchen Graden
und ihren Theilen werden die geraden Auf&longs;teigungen der
Ge&longs;tirne angegeben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung, gerade.</HI></P><P TEIFORM="p">Auch bedient man &longs;ich die&longs;es Krei&longs;es &longs;ehr vortheilhaft
zum Maa&szlig;e der Zeit. Da die t&auml;gliche Bewegung<PB ID="P.1.50" N="50" TEIFORM="pb"/>
mit vollkommen gleichf&ouml;rmiger Ge&longs;chwindigkeit erfolgt, &longs;o
&longs;chieben &longs;ich in gleichen Zeiten gleich gro&szlig;e Bogen des Aequators
durch den Mittagskreis. Da nun alle 360&deg; zu
die&longs;em Durch&longs;chieben 24 Stunden brauchen, &longs;o gehen 15&deg;
des Aequators in 1 Stunde, 1&deg; in (1/15) Stunde oder in 4
Minuten, 1&prime; des Aequators in 4 Secunden u. &longs;. f. hindurch.
Sind al&longs;o z.B. in der Zwi&longs;chenzeit zwi&longs;chen zween
Augenblicken 4 Grade des Aequators durch den Mittagskreis
gegangen, &longs;o &longs;chlie&szlig;t man nach der Regel de Tri
<HI REND="math" TEIFORM="hi">1 Grad: 4 Min. Zeit = 4 Grad: 16 Min. Zeit,</HI>
und findet die&longs;e Zwi&longs;chenzeit 16 Minuten. Die auf die&longs;e
Art be&longs;timmte Zeit i&longs;t Sternzeit oder Zeit der er&longs;ten Beweg&uuml;ng,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sternzeit.</HI> Umgekehrt kan man auch leicht
berechnen, wie viel Grade, Minuten u. &longs;. w. des Aequators
in jeder gegebnen Zeit durch den Mittagskreis gehen.
Man nennt die&longs;es: Sternzeit in Bogen des Aequators,
und Bogen des Aequators in Sternzeit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verwandeln.</HI>
Da das Verh&auml;ltni&szlig; der Sternzeit zur mittlern Sonnenzeit
gegeben i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sonnenzeit,</HI> &longs;o l&auml;&szlig;t &longs;ich auch f&uuml;r mittlere
Sonnenzeit die&longs;e Verwandlung leicht bewerk&longs;telligen.
Die Sammlungen a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln enthalten Tabellen,
welche zur Erleichterung &longs;olcher Verwandlungen
dienen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequator der Erde, die Linie, Aequinoctiallinie,</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aequator telluris, Linea aequinoctialis, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Equateur
de la terre, la Ligne, Ligne &eacute;quinoxiale,</HI></HI> hei&szlig;t auf der
Erdkugel derjenige gr&ouml;&szlig;te Kreis, welcher von den Polen der
Erde &uuml;berall 90&deg; weit ab&longs;teht, mithin die Pole der Erde
&longs;elb&longs;t zu &longs;einen Polen, und die Erdaxe zu &longs;einer Axe hat.
Alle Mittagskrei&longs;e &longs;tehen, weil &longs;ie durch die Pole gehen,
auf ihm &longs;enkrecht. Die t&auml;gliche Umdrehung der Erde um
ihre Axe erfolgt nach &longs;einer Richtung, d. i. jeder Ort der
Erde be&longs;chreibt aller 24 Stunden einen mit dem Aequator
parallel laufenden Kreis von Abend gegen Morgen.</P><P TEIFORM="p">Auf der Erdfl&auml;che durch&longs;chneidet die&longs;er Kreis Afrika,
geht unter A&longs;ien hinweg durch die In&longs;eln Sumatra, Borneo,
Celebes und Gilolo, er&longs;treckt &longs;ich hierauf weit durch<PB ID="P.1.51" N="51" TEIFORM="pb"/>
die S&uuml;d&longs;ee, erreicht und durch&longs;chneidet Amerika in der &longs;&uuml;dlichen
Helfte an der Grenze von Terraferma, und l&auml;uft
dann durch das gro&szlig;e Weltmeer wieder bis an Afrika.
Alle Orte, die er durch&longs;chneidet, haben den Aequator des
Himmels &uuml;ber ihrem Scheitel, und &longs;ehen daher die Sonne
j&auml;hrlich zweymal (um den 21 M&auml;rz und 21 Sept.) im
Mittage &uuml;ber ihrem Haupte &longs;tehen. Auch i&longs;t bey ihnen
das ganze Jahr hindurch Tag und Nacht gleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sph&auml;re,</HI>
welcher Um&longs;tand die Benennung die&longs;es Krei&longs;es veranla&longs;&longs;et
hat. Den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Linie</HI> pflegen ihm die Schiffer
zu geben.</P><P TEIFORM="p">Er theilt die Erde in die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">n&ouml;rdliche</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;&uuml;dliche
Halbkugel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hemi&longs;phaerium boreale et au&longs;trale)</HI> ein.</P><P TEIFORM="p">Die Geographen z&auml;hlen von ihm aus die Breiten
der Orte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Breite, geographi&longs;che,</HI> theilen ihn, wie
jeden Kreis, in 360 Grade, und geben in &longs;olchen Graden
die Unter&longs;chiede oder Ab&longs;t&auml;nde der Mittagskrei&longs;e von
einander an, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Mittagskrei&longs;e der Erde.</HI> Will man
die Grade des Aequators der Erde von einem be&longs;timmten
Anfangspunkte aus z&auml;hlen, &longs;o i&longs;t die Wahl die&longs;es Punktes
willk&uuml;hrlich, daher ihn ver&longs;chiedene Geographen an
ver&longs;chiedene Orte &longs;etzen. I&longs;t aber die&longs;er Punkt gew&auml;hlt,
&longs;o hei&szlig;t der durch ihn und beyde Pole gehende Kreis der
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Mittagskreis,</HI> und man z&auml;hlt alsdann von dem&longs;elben
aus die Grade des Aequators von Abend gegen
Morgen.</P></DIV2><DIV2 N="Aequatorh&ouml;he" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aequatorh&ouml;he, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Elevatio aequatoris</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Hauteur
meridienne de l' &eacute;quateur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&szlig;t der Bogen, um welchen
der im Mittagskrei&longs;e &longs;tehende Punkt des Aequators
&uuml;ber den Horizont erhaben i&longs;t. Wenn Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HOR</HI> den Horizont des Orts, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P, p</HI> die bey den Pole,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">PAHpRP</HI> den Mittagskreis, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOQ</HI> den Aequator vor&longs;tellt,
&longs;o i&longs;t der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AH</HI> die Aequatorh&ouml;he. Die&longs;er
Bogen mi&szlig;t nach den S&auml;tzen der Sph&auml;rik den Winkel,
welchen die Ebne des Aequators mit der Horizontalebne
macht, oder den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AOH,</HI> unter welchem der Aequator
&uuml;ber den Horizont hervor&longs;teigt. Weil<PB ID="P.1.52" N="52" TEIFORM="pb"/>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">HAPR=</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">HA+AP+PR</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">180&deg;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90&deg;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HA+PR</HI></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90&deg;</CELL></ROW></TABLE>
oder die Aequatorh&ouml;he macht mit der Polh&ouml;he des Orts jederzeit
eine Summe von 90&deg; aus. Kennt man daher die
Polh&ouml;he eines Orts, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Polh&ouml;he,</HI> &longs;o giebt &longs;ie, von 90&deg;
abgezogen, de&longs;&longs;elben Orts Aequatorh&ouml;he. Z. B.
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90&deg;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">89&deg;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">59&prime;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60&Prime;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Polh&ouml;he von Leipzig</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">51</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">41</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aequatorh&ouml;he in Leipzig</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">=</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">38</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">19</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctialkreis, &longs;. Aequator.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctiallinie, &longs;. Aequator der Erde.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctialpunkte, Punkte der Nachtgleichen,</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Puncta aequinoctiorum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">points &eacute;quinoxiaux,</HI></HI>
&longs;ind die beyden Durch&longs;chnittspunkte des Aequators mit der
Ekliptik oder j&auml;hrlichen Sonnenbahn, welche, wie alle
Durch&longs;chnittspunkte zweener gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;e, einander dem
Durchme&longs;&longs;er nach entgegen&longs;tehen, oder um 180&deg; von einander
entfernt &longs;ind. Wenn die Sonne bey ihrem &longs;cheinbaren
j&auml;hrlichen Umlaufe die&longs;e Punkte erreicht, und al&longs;o
in den Aequator k&ouml;mmt, &longs;o i&longs;t an allen Orten der Erde
Tag und Nacht gleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aequator,</HI> woher auch der
Name die&longs;er Punkte k&ouml;mmt. Derjenige, welchen die
Sonne um den 21 M&auml;rz erreicht, wird der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fr&uuml;hlingspunkt,</HI>
oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Punkt des Widders</HI> (0&deg; <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>),
der, in welchen &longs;ie um den 21 Sept. tritt, der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Herb&longs;tpunkt,</HI>
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Punkt der Wage</HI> (0&deg; <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>) genennt.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Fr&uuml;hlingspunkt, Herb&longs;tpunkt.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequinoctium, &longs;. Nachtgleiche.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aerometrie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aerometrie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&euml;rometrie</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&euml;rometrie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&longs;t
die mathemati&longs;che Betrachtung der Eigen&longs;chaften der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luft,</HI>
z. B. ihrer Schwere, Ela&longs;ticit&auml;t, Temperatur, Feuchtigkeit
u. &longs;. w. Der Freyherr von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> hat zuer&longs;t ver&longs;chiedene
&longs;chon vor ihm ange&longs;tellte mathemati&longs;che Unter&longs;uchungen
&uuml;ber die Eigen&longs;chaften der Luft, neb&longs;t &longs;einen eignen,<PB ID="P.1.53" N="53" TEIFORM="pb"/>
ge&longs;ammelt, und im Jahre 1709 zu Leipzig unter dem Titel:
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Elementa A&euml;rometriae,</HI> herausgegeben. Seitdem
i&longs;t es gew&ouml;hnlich geworden, die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft als einen
be&longs;ondern Theil der angewandten Mathematik anzu&longs;ehen,
und man hat ihr nach der Zeit mehrere wichtige Erweiterungen
und Zu&longs;&auml;tze beygef&uuml;gt. Denn</P><P TEIFORM="p">1) &longs;ind die Werkzeuge, wodurch &longs;ich die Eigen&longs;chaften
der Luft wahrnehmen und zum Theil abme&longs;&longs;en la&longs;&longs;en,
&longs;eit des Herrn v. Wolf Zeiten ungemein verbe&longs;&longs;ert worden,
wovon man die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luftpumpe, Barometer,
Thermometer, Hygrometer</HI> u. a. nach&longs;ehen kan.</P><P TEIFORM="p">2) i&longs;t die Theorie der H&ouml;henme&longs;&longs;ungen mit dem Barometer
&longs;eitdem weit mehr bearbeitet und berichtiget worden,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. H&ouml;henme&longs;&longs;ungen; barometri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">3) hat man in neuern Zeiten au&szlig;er der atmo&longs;ph&auml;ri&longs;chen
Luft viele andere ela&longs;ti&longs;che fl&uuml;&szlig;ige Materien kennen
gelernt, die in Ab&longs;icht auf Druck, Ela&longs;ticit&auml;t u. &longs;. f. auf
&auml;hnliche Art wirken. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gas.</HI> Daher la&longs;&longs;en &longs;ich jetzt die
Unter&longs;uchungen der Aerometrie auf alle ela&longs;ti&longs;che fl&uuml;&szlig;ige
Materien &uuml;berhaupt anwenden, und man mu&szlig; unter dem
Namen der Luft oft alle die&longs;e Luftgattungen oder Gasarten
ver&longs;tehen, &longs;o wie in der Hydro&longs;tatik, Hydraulik rc. der
Name Wa&longs;&longs;er alle fl&uuml;&szlig;ige Materien bedeutet.</P><P TEIFORM="p">4) Die ganz neue Erfindung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;taten</HI> oder
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Luftb&auml;lle,</HI> wovon der n&auml;ch&longs;tfolgende Artikel mehrere
Nachricht giebt, hat einen neuen Ab&longs;chnitt der Aerometrie
veranla&longs;&longs;et, welchem man den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tatik</HI>
beygelegt hat. Die&longs;er Name i&longs;t zwar nicht ganz &longs;chicklich,
da Aero&longs;tatik eigentlich die Lehre vom Gleichgewicht der Luft
mit &longs;ich &longs;elb&longs;t und mit fremden K&ouml;rpern bedeutet; er &longs;cheint
aber bereits angenommen zu &longs;eyn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aero&longs;tatik.</HI></P><P TEIFORM="p">5) Da die vom Herrn von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> ge&longs;ammelten Unter&longs;uchungen
gr&ouml;&szlig;tentheils blos <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tati&longs;ch</HI> waren, oder den
Zu&longs;tand des Gleichgewichts betrafen, &longs;o hat man &longs;eitdem
auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> ela&longs;ti&longs;cher fl&uuml;&szlig;igen Materien in Betrachtung
gezogen, und den Unter&longs;uchungen dar&uuml;ber den
Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pnevmatik</HI> gegeben. So, wie Anwendungen
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">h&ouml;hern</HI> Mathematik auf die Lehre von Druck und<PB ID="P.1.54" N="54" TEIFORM="pb"/>
Bewegung fe&longs;ter und fl&uuml;&szlig;iger K&ouml;rper die Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dynamik</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hydrodynamik</HI> f&uuml;hren, &longs;o k&ouml;nnte man den
aerometri&longs;chen und pnevmati&longs;chen Unter&longs;uchungen, welche
Anwendungen der h&ouml;hern Mathematik erfordern, den Namen
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aerodynamik</HI> beylegen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Pnevmatik.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aero&longs;tat, aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Montgolfiere, Luftball" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aero&longs;tat, aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Montgolfiere,
Luftball, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Machina a&euml;ro&longs;tatica</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&euml;ro&longs;tat, Machine
ou Ballon a&euml;ro&longs;tatique, Montgolfiere</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine Ma&longs;chine,
welche in der uns umgebenden Luft von &longs;elb&longs;t auf&longs;teigt,
auch wohl Men&longs;chen und betr&auml;chtliche La&longs;ten mit
&longs;ich erhebt. Die Erfindung die&longs;er Ma&longs;chinen i&longs;t un&longs;treitig
eine der gr&ouml;&szlig;ten Entdeckungen der neuern Zeit; da es mit
den Naturge&longs;etzen zu &longs;treiten &longs;cheint, da&szlig; eine La&longs;t in freyer
Luft nicht allein &longs;chweben, &longs;ondern &longs;ogar empor&longs;teigen &longs;olle,
&longs;o i&longs;t die Bewerk&longs;telligung die&longs;er f&uuml;r unm&ouml;glich gehaltenen
Sache f&uuml;r den Unerfahrn&euml;n eben &longs;o er&longs;taunensw&uuml;rdig, als
&longs;ie f&uuml;r den Kenner wichtig i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Ver&longs;uche, zu fliegen, m&ouml;gen &longs;chon in den &auml;lte&longs;ten
Zeiten gemacht worden &longs;eyn; vielleicht hat die Fabel vom
D&auml;dalus und Icarus auf etwas &auml;hnliches Beziehung.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Noctes atticae, L. X. c. 12.)</HI> erz&auml;hlt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Archytas
von Tarent</HI> habe eine fliegende Taube von Holz verfertigt,
welche durch mechani&longs;che Kr&auml;fte und einen einge&longs;chlo&longs;&longs;enen
Hauch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(aura &longs;piritus inclu&longs;a)</HI> belebt worden &longs;ey.
Man hat dies f&uuml;r einge&longs;chlo&longs;&longs;ene Luft erkl&auml;ren, und &longs;chon
die ganze Methode der Neuern darinn finden wollen, ohne
zu bedenken, wie gro&szlig; die&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">h&ouml;lzerne</HI> Taube ausfallen
mu&szlig;te, wenn &longs;ie von einer einge&longs;chlo&longs;&longs;enen leichten Luftgattung
gehoben werden &longs;ollte. Mehrere dergleichen Erz&auml;hlungen
und Vor&longs;chl&auml;ge zu Flugma&longs;chinen aus &auml;ltern und
neuern Zeiten hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Murr</HI> (Auszug aus des
Faujas de St. Fond Be&longs;chreibung der aero&longs;tat. Ver&longs;.
N&uuml;rnb. 1784. 8.) &longs;ehr voll&longs;t&auml;ndig ge&longs;ammelt. Unter
den von ihm angef&uuml;hrten Vor&longs;chl&auml;gen &longs;ind die des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franz
Lana</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Lanis</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Prodromo dell' arte mae&longs;tra.
Bre&longs;cia 1670. fol.)</HI> und des P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galien</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(L' art de naviger
dans les airs. Avignon 1755. 12.)</HI> die merkw&uuml;rdig&longs;ten.<PB ID="P.1.55" N="55" TEIFORM="pb"/>
Der Er&longs;tere wollte ein Luft&longs;chiff durch luftleere
k&uuml;pferne Kugeln heben, der Zweyte tr&auml;umte &longs;ich eine Ma&longs;chine
von der Gr&ouml;&szlig;e der Stadt Avignon, aus Leinwand
mit Wachs und Theer be&longs;trichen, welche mit leichterer
Luft aus den h&ouml;hern Regionen der Atmo&longs;ph&auml;re, woraus
der Hagel herabk&ouml;mmt, angef&uuml;llt werden &longs;ollte. Es bedarf
nur geringer Ein&longs;icht in die Gr&uuml;nde der Naturlehre,
um die Unm&ouml;glichkeit des er&longs;ten Vor&longs;chlags einzu&longs;ehen,
und mit dem zweyten &longs;cheint es &longs;einem Urheber kein Ern&longs;t
gewe&longs;en zu &longs;eyn. Inzwi&longs;chen beruhen doch beyde auf dem
&longs;ehr richtigen Grund&longs;atze, da&szlig; ein K&ouml;rper in der Luft auf&longs;teigen
m&uuml;&longs;&longs;e, wenn er leichter i&longs;t, als die Luft, die mit
ihm einen gleichen Raum einnimmt, und da&szlig; es daher
blos einer gro&szlig;en &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit des Ganzen und
einer f&uuml;r die Luft undurchdringlichen H&uuml;lle bed&uuml;rfe. Die&longs;e
Leichtigkeit &longs;uchte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana</HI> durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">luftleeren Raum</HI> zu ver&longs;chaffen,
und mu&szlig;te daher eine H&uuml;lle von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kupfer</HI> w&auml;hlen,
welche dem Drucke der &auml;u&szlig;ern Luft zu wider&longs;tehen verm&ouml;gend
war; die&longs;e H&uuml;lle wird entweder zu &longs;chwer, oder &longs;ie
mu&szlig; &longs;o d&uuml;nn &longs;eyn, da&szlig; dadurch die M&ouml;glichkeit der Ausf&uuml;hrung
ganz aufgehoben wird; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galien</HI> war in der Wahl
der H&uuml;lle gl&uuml;cklicher, und h&auml;tte er &longs;tatt &longs;einer obern Luft
aus den Regionen des Hagels, eine durch Feuer verd&uuml;nnte
Luft gew&auml;hlt, &longs;o w&auml;re &longs;einen Nachfolgern nichts, als die
Ausf&uuml;hrung, &uuml;briggeblieben.</P><P TEIFORM="p">Nachdem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavendi&longs;h</HI> um das Jahr 1766 die gro&szlig;e
Leichtigkeit der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren Luft</HI> entdeckt hatte (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gas,
brennbares</HI>), kam D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Black</HI> in Edinburgh ein oder
zwey Jahre darauf zuer&longs;t auf den Gedanken, da&szlig; eine
d&uuml;nne Bla&longs;e, mit &longs;olcher Luft gef&uuml;llt, in der Atmo&longs;ph&auml;re
auf&longs;teigen w&uuml;rde, ohne jedoch Ver&longs;uche dar&uuml;ber anzu&longs;tellen.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo,</HI> der die&longs;en Gedanken ebenfalls gehabt hatte,
fieng im Jahre 1782 eine Reihe von Ver&longs;uchen hier&uuml;ber
an, fand aber das Papier, in welches er die brennbare
Luft ein&longs;chlie&szlig;en wollte, zu durchdringlich, die Schweinsbla&longs;en
hingegen zu &longs;chwer. Das Einzige, was ihm gelang,
war, Seifenbla&longs;en mit brennbarer Luft gef&uuml;llt hervorzubringen,
welche auf&longs;teigen und an der Decke des<PB ID="P.1.56" N="56" TEIFORM="pb"/>
Zimmers zerplatzten. (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;. The hi&longs;tory and practice of a&euml;ro&longs;tation
by <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Tiberius Cavallo.</HI> London 1785. gr. 8. p.
34.</HI> Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tib. Cavallo.</HI>
Leipzig 1786. 8. S. 24, u. f.) Eben dergleichen Seifenbla&longs;en
&longs;ind auch im Jahre 1782 in G&ouml;ttingen von Herrn
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> gemacht worden, und wahr&longs;cheinlich die er&longs;ten
&longs;ichtbar in der Luft auf&longs;teigenden K&ouml;rper gewe&longs;en,
welche die men&longs;chliche Kun&longs;t hervorgebracht hat.</P><P TEIFORM="p">Die gro&szlig;e Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen
ward in Augu&longs;t 1782 von zween Br&uuml;dern, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stephan</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jo&longs;eph Montgolfier,</HI> Papierfabrikanten zu Annonay
in Vivarais, M&auml;nnern von Genie und eifrigen Liebhabern
der Naturlehre, gemacht. Nach der Erz&auml;hlung
des j&uuml;ngern Bruders <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;cours l&ucirc; &agrave; l' acad. des Sc. de
Lyon. Nov. 1783.)</HI> ver&longs;uchten &longs;ie anf&auml;nglich, wie Cavallo,
S&auml;cke von Papier mit brennbarer Luft zu f&uuml;llen;
kamen aber nachher durch das Bey&longs;piel der in der Luft
&longs;chwebenden Wolken auf die Idee, eine durch Kun&longs;t erzeugte
Wolke in eine undurchdringliche H&uuml;lle einzu&longs;chlie&longs;&longs;en,
wobey &longs;ie auch den Gedanken mit einmi&longs;chten, da&szlig;
die Leichtigkeit die&longs;er Wolke durch die Elektricit&auml;t werde bef&ouml;rdert
werden k&ouml;nnen. Es gelang dem &auml;ltern Montgolfier,
im November 1782 zu Avignon, ein hohles Parallelepipedum
von Taffet, von 40 Cubik&longs;chuh Inhalt, nachdem
es inwendig durch brennendes Papier erhitzt worden
war, an die Decke des Zimmers &longs;teigen zu &longs;ehen. Kurz
darauf wiederholten beyde Br&uuml;der die&longs;en Ver&longs;uch zu Annonay,
und &longs;ahen das Parallelepipedum in freyer Luft eine
H&ouml;he von 70 Schuhen erreichen. Eine noch gr&ouml;&szlig;ere Ma&longs;chine
von 650 Cubik&longs;chuh Inhalt &longs;tieg mit gleichem Erfolg;
&longs;ie be&longs;chlo&longs;&longs;en daher, den Ver&longs;uch noch mehr ins
Gro&szlig;e zu treiben, verfertigten eine Ma&longs;chine von Leinwand,
welche 35 Schuh im Durchme&longs;&longs;er hielt, 450
Pfund wog, und noch &uuml;ber 400 Pfund La&longs;t mit &longs;ich aufhob,
und lie&szlig;en die&longs;elbe nach einigen &longs;chon vorhergegangenen
Ver&longs;uchen am 5ten Iunius 1783 zu Annonay in
Gegenwart der St&auml;nde von Vivarais in die Luft &longs;teigen,
in welcher &longs;ie in weniger als zehn Minuten eine H&ouml;he von<PB ID="P.1.57" N="57" TEIFORM="pb"/>
1000 Toi&longs;en erreichte, und 7200 Schuh weit von dem
Orte des Auf&longs;teigens niederfiel.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;en Nachrichten zufolge hat man die Erfindung
der aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen nicht dem Zufalle, &longs;ondern
dem Nachdenken und wiederholten Bem&uuml;hungen zu danken.
Dennoch &longs;cheinen die Erfinder &longs;elb&longs;t von der Ur&longs;ache
des Auf&longs;teigens ihrer Ma&longs;chinen nicht ganz richtige Begriffe
gehabt zu haben. Das Mittel, de&longs;&longs;en &longs;ie &longs;ich bedienten,
war, da&szlig; &longs;ie unter der Oefnung des ganz zu&longs;ammengefalteten
leinenen Sackes ein Strohfeuer anz&uuml;ndeten,
und von Zeit zu Zeit etwas gekrempelte Wolle in da&longs;&longs;elbe
warfen. Dadurch entfaltete &longs;ich der Sack, &longs;chwoll auf,
und &longs;tieg endlich in der Luft empor. Die Erfinder &longs;chrieben
die&longs;es Auf&longs;teigen nicht der wahren Ur&longs;ache zu, welche
darinn be&longs;teht, da&szlig; der Sack mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> oder durchs
Feuer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verd&uuml;nnter Luft</HI> angef&uuml;llt wird; &longs;ie glaubten vielmehr,
es werde durch die Verbrennung des Strohes und
der Wolle ein eignes <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> entbunden, welches leichter,
als die atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft &longs;ey, und dem &longs;chon in einigen
Schriften der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier&longs;ches Gas</HI> beygelegt
ward. Die&longs;es, &longs;o wie die Idee einer k&uuml;n&longs;tlichen Wolke,
und der Vor&longs;chlag, die Elektricit&auml;t dabey zu gebrauchen,
zeigt, da&szlig; die Erfindung wenig&longs;tens auf einem &longs;ehr indirecten
Wege gemacht worden &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Der Ruf von die&longs;er er&longs;taunensw&uuml;rdigen Entdeckung
verbreitete &longs;ich bald; weil aber die Mittel, deren &longs;ich die
Montgolfiers bedienten, nicht &longs;ogleich bekannt wurden, &longs;o
fielen die Pari&longs;er Naturfor&longs;cher auf die Vermuthung, der
Ver&longs;uch zu Annonay werde &longs;ich vermittel&longs;t der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren
Luft</HI> nachahmen la&longs;&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles,</HI> Profe&longs;&longs;or der
Phy&longs;ik zu Paris, verfertigte mit H&uuml;lfe der Gebr&uuml;der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert,</HI>
zweener ge&longs;chickten Mechaniker, eine Kugel von
Taffet mit Firni&szlig; von ela&longs;ti&longs;chem Harz &uuml;berzogen, welche
mit brennbarer Luft aus Ei&longs;en und Vitriol&ouml;l gef&uuml;llt und
den 27 Augu&longs;t 1783 im Champ de Mars in die Luft aufgela&longs;&longs;en
wurde. Ihr Durchme&longs;&longs;er war 12 Fu&szlig; 2 Zoll;
&longs;ie wog 25 Pfund, &longs;tieg in zwo Minuten auf eine H&ouml;he
von 488 Toi&longs;en, ver&longs;chwand in den Wolken, und fiel nach<PB ID="P.1.58" N="58" TEIFORM="pb"/>
dreyen Viertel&longs;tunden bey dem Dorfe Gone&longs;&longs;e, 5 Stunden
weit von Paris, &longs;ehr &longs;anft nieder.</P><P TEIFORM="p">So theilten &longs;ich die aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen gleich
bey ihrer Erfindung in zwo Cla&longs;&longs;en, diejenigen nemlich,
welche nach der Art der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfiers</HI> mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> oder
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">verd&uuml;nnter Luft,</HI> und die, welche nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> Bey&longs;piele
mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer Luft</HI> gef&uuml;llt werden.</P><P TEIFORM="p">Der j&uuml;ngere Montgolfier kam um die&longs;e Zeit nach
Paris, und &longs;tellte da&longs;elb&longs;t einige Ver&longs;uche mit Ma&longs;chinen
an, welche durch H&uuml;lfe des Feuers gef&uuml;llt wurden. Der
merkw&uuml;rdig&longs;te darunter i&longs;t der zu Ver&longs;ailles am 19 Sept.
1783 vor dem K&ouml;nige von Frankreich ange&longs;tellte, bey
welchem ein Sph&auml;roid von Leinwand, 57 Fu&szlig; hoch und
41 breit, de&longs;&longs;en Inhalt 37500 Cubik&longs;chuh betrug, durch
Verbrennung von 80 Pfund Stroh und 5 Pfund Wolle
aufge&longs;chwellt und auf eine H&ouml;he von 240 Toi&longs;en erhoben
wurde. Die&longs;er Ball, der mit den daran befe&longs;tigten Stricken
und dem Kefich (worinn &longs;ich ein Hammel, eine Ente
und ein Hahn befand) 900 Pfund wog, erhielt &longs;ich 8 Minuten
lang in der Luft, und fiel bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucre&longs;&longs;on,</HI> 1700
Toi&longs;en weit von dem Orte des Auf&longs;teigens, &longs;o &longs;anft nieder,
da&szlig; die Thiere dadurch nicht im Gering&longs;ten be&longs;ch&auml;diget
wurden. Die&longs;er Ver&longs;uch zeigt deutlich, da&szlig; das, was
die aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine hebt, kein aus den verbrannten
Materien entbundenes <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> &longs;eyn k&ouml;nne. Die Montgolfiers
glaubten bey ihren Ver&longs;uchen das, was die Ma&longs;chine ausf&uuml;llte,
etwa halb &longs;o &longs;chwer als die atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft gefunden
zu haben. Da ein Sph&auml;roid von 37500 Cubik&longs;chuh Inhalt
ohngef&auml;hr 3192 Pfund atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft enthalten
kan, &longs;o mu&szlig; die darinn beym Ver&longs;uch enthaltene Materie
halb &longs;o viel, d. i. 1596 Pfund gewogen haben. Nun i&longs;t
es phy&longs;i&longs;ch unm&ouml;glich, da&szlig; 85 Pfund verbrannte Materialien
mehr als 85 Pfund Gas oder D&auml;mpfe erzeugen
k&ouml;nnen, woraus &longs;ogleich zu &uuml;ber&longs;ehen i&longs;t, da&szlig; wenig&longs;tens
1511 Pfund atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft in der H&ouml;hlung des Sph&auml;roids
&longs;eyn mu&szlig;ten, welches auch daraus erhellt, weil der
durchs Feuer ent&longs;tehende Luftzug eben dasjenige i&longs;t, was<PB ID="P.1.59" N="59" TEIFORM="pb"/>
die Ma&longs;chine auf&longs;chwellet. Da nun eine Luftma&longs;&longs;e von
1511 Pfund im gew&ouml;hnlichen Zu&longs;tande ohngef&auml;hr 18000
Cubikfu&szlig; Raum einnimmt, hier aber mit den 85 Pfund
Gas (wenn auch die&longs;e vorhanden gewe&longs;en w&auml;ren) 37500
Cubik&longs;chuh ausf&uuml;llte, &longs;o zeigt&verbar; &longs;ich deutlich, da&szlig; die&longs;e Ausdehnung
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verd&uuml;nnung</HI> der Luft durch die Hitze allein
im Stande &longs;ey, die verlangte Wirkung hervorzubringen,
ohne da&szlig; man zu einem vermeynten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas</HI> &longs;eine Zuflucht
nehmen darf, de&longs;&longs;en Quantit&auml;t viel zu unbetr&auml;chtlich &longs;eyn
w&uuml;rde, um etwas &auml;hnliches zu bewirken. Ueberdie&szlig; m&uuml;&szlig;te
eine mit Gas gef&uuml;llte Ma&longs;chine ver&longs;chlo&longs;&longs;en &longs;eyn, und
nicht, wie die Montgolfieri&longs;che, offen bleiben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier</HI> fand in Paris einen unerm&uuml;deten Geh&uuml;lfen
an Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier,</HI> Vor&longs;teher des Mu&longs;eum,
welcher es am 15 October 1783 zum Er&longs;tenmale
wagte, auf einer von Montgolfier verfertigten 74 Schuh
hohen, 48 Schuh breiten, und mit einer Gallerie und
Glutpfanne zu be&longs;t&auml;ndiger Unterhaltung des Feuers ver&longs;ehenen
Ma&longs;chine, 84 Schuh hoch vom Boden aufzu&longs;teigen,
und 4 1/2 Minuten lang in der H&ouml;he zu bleiben, wobey
er jedoch die Ma&longs;chine an Stricken halten lie&szlig;. Die&longs;er
Ver&longs;uch wurde in den folgenden Tagen mit dem gl&uuml;cklich&longs;ten
Erfolge wiederholt, und durch die&longs;e Proben ermuntert,
wagten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier</HI> und der Marquis <HI REND="bold" TEIFORM="hi">d' Arlandes</HI>
am 21 Nov. 1783 auf eben der&longs;elben Ma&longs;chine die
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te Luftrei&longs;e.</HI> Die&longs;e k&uuml;hnen Luftfahrer &longs;tiegen um 1.
Uhr 54 Minuten, nachdem die Ma&longs;chine in acht Minuten
aufge&longs;chwellt worden war, im Schlo&longs;&longs;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">la Muette</HI>
in die H&ouml;he, blieben 25 Minuten in der Luft, wurden vom
Winde &uuml;ber einen Theil der Stadt und &uuml;ber die Seine getrieben
und kamen, nachdem &longs;ie durch ge&longs;chickte Behandlung
des Feuers den Gegen&longs;t&auml;nden, an die &longs;ie &longs;to&szlig;en konnten,
durch Hebung und Herabla&longs;&longs;ung der Ma&longs;chine ausgewichen
waren, auf 5000 Toi&longs;en weit von la Muette, unbe&longs;ch&auml;digt
wieder herab. Ihre Ma&longs;chine fa&szlig;te 60000
Cubik&longs;chuh Raum; und die La&longs;t, welche &longs;ie mit&verbar;&longs;ich aufzog,
betrug 1600 &mdash; 1700 Pfund.<PB ID="P.1.60" N="60" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert,</HI> welche als Erfinder
der Aero&longs;taten mit brennbarer Luft mit den Montgolfiers
wetteiferten, veran&longs;talteten am 1. Dec. 1783 eine
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyte Luftrei&longs;e. Charles</HI> und der eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> &longs;tiegen
aus den Thuillerien um 1 Uhr 40 Min. in einer Art
von Triumphwagen auf, welcher mit Stricken an einer 26
Schuh im Durchme&longs;&longs;er haltenden und mit brennbarer Luft
gef&uuml;llten Kugel von Taffet hieng. Sie giengen in einer
H&ouml;he von 250 &mdash; 300 Toi&longs;en &uuml;ber zwo Stunden lang
fort, und lie&szlig;en &longs;ich endlich in der Pl&auml;ne bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ne&longs;le,</HI> welche
9 Stunden weit von Paris abliegt, nieder, wo <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI>
aus&longs;tieg, der um 130 Pfund dadurch erleichterte Ball
aber mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> allein &longs;ich wieder auf eine dem Aetna
gleiche H&ouml;he von 1500 Toi&longs;en auf&longs;chwang, noch 35 Minuten
in der Luft verweilte, und endlich bey dem Geh&ouml;lze
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tour du Lay</HI> ohne Be&longs;ch&auml;digung des Luftfahrers
herab kam.</P><P TEIFORM="p">Seitdem haben &longs;ich die Ver&longs;uche mit aero&longs;tati&longs;chen
Ma&longs;chinen und die auf den&longs;elben unternommenen Luftrei&longs;en
&longs;o vervielf&auml;ltiget, da&szlig; man bis zum M&auml;rz 1785 bereits
35 Luftrei&longs;en und 58 ver&longs;chiedene Per&longs;onen z&auml;hlen konnte,
die &longs;ich in die &longs;on&longs;t unzug&auml;nglichen Regionen der Atmo&longs;ph&auml;re
gewagt hatten. Die um&longs;t&auml;ndlichere Ge&longs;chichte ihrer Ver&longs;uche
findet man in der am Ende die&longs;es Artikels angef&uuml;hrten
deut&longs;chen Ueber&longs;etzung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas de St. Fond</HI> zu&longs;ammengetragen.
Hier kan ich nur noch das Merkw&uuml;rdig&longs;te
aus der Ge&longs;chichte die&longs;er Ver&longs;uche mit wenigen Worten
anf&uuml;hren.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier</HI> gieng bald nach &longs;einer er&longs;ten Luftrei&longs;e
zu dem &auml;ltern Montgolfier nach Lyon, um da&longs;elb&longs;t mit
ihm eine gro&szlig;e aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine von 102 Schuh
Durchme&longs;&longs;er und 126 Schuh H&ouml;he zu be&longs;teigen. Der
Ver&longs;uch mit die&longs;er ungeheuren Kugel gelang zwar am 19
Jan. 1784, da &longs;ie mit &longs;ieben Per&longs;onen bela&longs;tet auf 500
Toi&longs;en hoch in die Luft auf&longs;tieg; &longs;ie bekam aber 15 Min.
nach ihrem Abgange einen Ri&szlig;, und &longs;ank zu Boden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre</HI>
&longs;tieg am 23 Jun. 1784. nochmals in Gegenwart
des K&ouml;nigs von Schweden zu Ver&longs;ailles in die Luft, kam<PB ID="P.1.61" N="61" TEIFORM="pb"/>
aber in der Folge auf den Gedanken, eine Ueberfahrt &uuml;ber
den Canal von der franz&ouml;&longs;i&longs;chen K&uuml;&longs;te aus zu wagen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI>
kam ihm in die&longs;er Ueberfahrt zuvor; &longs;ein ungl&uuml;ckliches
Schick&longs;al aber wollte, da&szlig; er dennoch auf &longs;einem Ent&longs;chlu&longs;&longs;e
beharrete, wobey er endlich neb&longs;t &longs;einem Gef&auml;hrten
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Romain</HI> nach langem Warten auf g&uuml;n&longs;tigen Wind und
nach vielen &longs;einer Ma&longs;chine zuge&longs;to&szlig;enen Unf&auml;llen, am 15
Jun. 1785 nicht weit von Boulogne aus der Luft herab&longs;t&uuml;rzte,
und durch den Fall zer&longs;chmettert ward.</P><P TEIFORM="p">Gl&uuml;cklicher war der eben genannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard.</HI> Die&longs;er
hatte &longs;chon l&auml;ng&longs;t vor der Erfindung der aero&longs;tati&longs;chen
Ma&longs;chinen durch mechani&longs;che Mittel vergeblich zu fliegen
ver&longs;ucht; jetzt aber machte es ihm die&longs;e Erfindung er&longs;t
m&ouml;glich, &longs;einen Zweck zu erreichen. Er &longs;tieg auf Aero&longs;taten
mit brennbarer Luft ver&longs;chiedenemal zu Paris und
Rouen auf, &longs;uchte die Lenkung der Aero&longs;taten durch Fl&uuml;gel
oder Ruder zu bewirken, gieng hierauf nach England,
und wagte da&longs;elb&longs;t, nach vorher ange&longs;tellten andern Ver&longs;uchen,
am 7 Jan. 1785 mit dem D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iefferies</HI> aus Amerika
das k&uuml;hne Unternehmen einer Ueberfahrt &uuml;ber den Canal,
die er auch in einer Zeit von 2 St. 32 Min. gl&uuml;cklich
vollendete. Er i&longs;t &longs;eitdem in Deut&longs;chland herumgezogen,
und hat an ver&longs;chiedenen Orten Luftrei&longs;en ange&longs;tellt, die jedoch
mehr &ouml;ffentliche Schau&longs;piele als Ver&longs;uche zu Erweiterung
der Wi&longs;&longs;en&longs;chaft genannt zu werden verdienen.</P><P TEIFORM="p">Die Gebr&uuml;der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> &longs;ind noch zweymal, am 15
Jul. 1784 mit dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">D&uuml;c de Chartres,</HI> und am 19
Sept. mit einem ihrer Verwandten durch die Luft gerei&longs;et.
Die&longs;e letzte Rei&longs;e i&longs;t unter allen die l&auml;ng&longs;te. Sie dauerte
6 St. 42 Min. und gieng von Paris bis Beuvry in der
Graf&longs;chaft Artois, welches einen Weg von 50 Stunden
ausmacht. Sie bedienten &longs;ich dazu eines cylindri&longs;ch ge&longs;talteten
Aero&longs;taten mit brennbarer Luft, und behaupten,
durch den Gebrauch ihrer Ruder 22 Grad Abweichung vom
Winde erhalten zu haben.</P><P TEIFORM="p">In England blieb man eine Zeitlang gleichg&uuml;ltig gegen
die&longs;e aus Frankreich gekommene Erfindung. Obgleich
&longs;chon im Nov. 1783 der Graf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zambeccari,</HI> ein Itali&auml;ner,<PB ID="P.1.62" N="62" TEIFORM="pb"/>
eine Kugel von ge&ouml;lter Seide von 10 Fu&szlig; Durchme&longs;&longs;er
in London hatte &longs;teigen la&longs;&longs;en, &longs;o erfolgte doch da&longs;elb&longs;t
die er&longs;te, gleichfalls von einem Itali&auml;ner <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lunardi</HI>
unternommene, Luftrei&longs;e er&longs;t den 15 Sept. 1784. Mit
de&longs;to mehr Theilnehmung &longs;ahe man nachher die Ver&longs;uche,
welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI> in London, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sadler</HI> in Oxford, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Harper</HI>
in Birmingham u. a. an&longs;tellten.</P><P TEIFORM="p">In Ab&longs;icht auf die willk&uuml;hrliche Lenkung der Luftma&longs;chinen
&longs;ind den &ouml;ffentlichen Nachrichten (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Journ. de Paris</HI> vom
29 Aug. 1785) zufolge die Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vallet</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alban,</HI>
Directoren der chymi&longs;chen Officin zu Iavelle bey Paris,
gl&uuml;cklicher, als alle ihre Vorg&auml;nger, gewe&longs;en. Sie haben
den 25 Aug. 1785 eine Luftrei&longs;e nach vorherbe&longs;timmten
Richtungen gemacht, ihr Luft&longs;chif nach Gefallen an dem
dazu ausgezeichneten Orte niedergela&longs;&longs;en; &longs;ie &longs;ind fr&uuml;h von
Iavelle nach St. Cloud, und Abends wiederum nach Iavelle
zur&uuml;ck gegangen.</P><P TEIFORM="p">Der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tat</HI> i&longs;t die&longs;en Ma&longs;chinen zum Er&longs;tenmale
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Roy</HI> in dem Berichte der Commi&longs;&longs;arien der
Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften vom 23 Dec. 1783
beygelegt worden.</P><P TEIFORM="p">Nach die&longs;er kurzen Dar&longs;tellung der Ge&longs;chichte und der
bisherigen Fort&longs;chritte die&longs;er Erfindung will ich nun von der
Theorie und Praxis der&longs;elben noch einige Nachricht geben.</P><P TEIFORM="p">Die Hydro&longs;tatik oder allgemeine Theorie des Gleichgewichts
fl&uuml;&szlig;iger K&ouml;rper lehrt, da&szlig; fe&longs;te K&ouml;rper in
einem fl&uuml;&szlig;igen Mittel &longs;o viel von ihrem Gewichte
verlieren, als die von ihnen aus der Stelle getriebne
fl&uuml;&szlig;ige Materie wiegt; da&szlig; &longs;ie al&longs;o nicht nur alles
Gewicht verlieren, &longs;ondern &longs;ogar emporgetrieben werden,
wenn das, was &longs;ie verlieren, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr</HI> i&longs;t, als das, was &longs;ie
wiegen. Fe&longs;te K&ouml;rper m&uuml;&longs;&longs;en al&longs;o auch in der Luft auf&longs;teigen,
wenn &longs;ie weniger wiegen, als die Luft, welche von
ihnen aus der Stelle getrieben wird. F&uuml;r &longs;ich allein wiegen
alle bekannte fe&longs;te K&ouml;rper <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr,</HI> als die Luft, deren
Raum &longs;ie einnehmen; &longs;ie m&uuml;&longs;&longs;en daher, um in der Luft
aufzu&longs;teigen, hohl und mit etwas angef&uuml;llt &longs;eyn, das leichter,
als Luft, i&longs;t. Alles k&ouml;mmt hiebey auf die Wahl eines<PB ID="P.1.63" N="63" TEIFORM="pb"/>
&longs;chicklichen fe&longs;ten K&ouml;rpers und einer &longs;ehr leichten fl&uuml;&szlig;igen
Materie an. Zum fe&longs;ten K&ouml;rper wird man nat&uuml;rlich
eine weiche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bieg&longs;ame</HI> H&uuml;lle w&auml;hlen, z. B. Gold&longs;chl&auml;gerhaut,
Leinwand, Taffet und dergleichen; harte unbieg&longs;ame
Gef&auml;&szlig;e, wie die k&uuml;pfernen Kugeln des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana,</HI> w&uuml;rden zu
&longs;chwer &longs;eyn, auch w&uuml;rde &longs;ich die gemeine Luft, wenn man
an ihre Stelle etwas leichteres &longs;etzen wollte, nicht wohl heraus
bringen la&longs;&longs;en. In einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bieg&longs;amen</HI> H&uuml;lle aber mu&szlig;
die einge&longs;chlo&longs;&longs;ene fl&uuml;&szlig;ige Materie eine gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticit&auml;t
mit der &auml;u&szlig;ern Luft haben, weil &longs;on&longs;t der Druck der
letztern den bieg&longs;amen K&ouml;rper zu&longs;ammen dr&uuml;cken, und das
darinn enthaltene heraustreiben w&uuml;rde. Daher mu&szlig; man
eine &longs;olche fl&uuml;&szlig;ige Materie w&auml;hlen, welche bey einer geringern
Schwere oder Dichte dennoch gleiche ab&longs;olute Ela&longs;ticit&auml;t
mit der gemeinen Luft hat, d. i. eine Materie von gr&ouml;&longs;&longs;erer
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;pecifi&longs;cher Ela&longs;ticit&auml;t, &longs;. Ela&longs;ticit&auml;t.</HI> Es mu&szlig;
al&longs;o eine ela&longs;ti&longs;che fl&uuml;&szlig;ige Materie, ein Gas, eine Luftgattung
&longs;eyn, welche leichter, als die atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft, i&longs;t.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erhitzte Luft</HI> &longs;owohl, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbares Gas</HI> be&longs;itzen
die&longs;e Eigen&longs;chaft. Von der W&auml;rme wird die Luft in
einen gr&ouml;&szlig;ern Raum ausgedehnt, d. h. &longs;pecifi&longs;ch ela&longs;ti&longs;cher
gemacht; man kan den Ver&longs;uchen zufolge annehmen, da&szlig;
eine Hitze von 160 Graden des Fahrenheiti&longs;chen Thermometers
&longs;ie um ein Drittel ihres gew&ouml;hnlichen Volumens
ausdehne. Das brennbare Gas i&longs;t, mit vorz&uuml;glicher
Sorgfalt bereitet und gereiniget, auf 13mal leichter, als
die gemeine Luft; wird es aber nach den gemeinen Methoden
bereitet, &longs;o kan man es nur 5 &mdash; 7 mal leichter annehmen.
Beyde Materien werden al&longs;o ge&longs;chickt &longs;eyn, H&uuml;llen,
welche in der Atmo&longs;ph&auml;re auf&longs;teigen &longs;ollen, damit anzuf&uuml;llen.</P><P TEIFORM="p">Jeder K&ouml;rper verliert in der Luft &longs;oviel von &longs;einem Gewichte,
als die Luft wiegt, die er aus der Stelle treibt.
Nennt man nun den Raum, den er einnimmt, in Cubik&longs;chuhen
ausgedr&uuml;ckt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=c,</HI> und das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes
Luft<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=a,</HI> &longs;o i&longs;t die&longs;er Verlu&longs;t<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=ac.</HI></P><P TEIFORM="p">Mit ihm aber wiegt zugleich die in ihm enthaltene Materie,
deren Gewicht (das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes davon<HI TEIFORM="hi"><PB ID="P.1.64" N="64" TEIFORM="pb"/>rend="roman"&gt;=b</HI> ge&longs;etzt)<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=bc</HI> i&longs;t. Das Gewicht des K&ouml;rpers
&longs;elb&longs;t, die daran gehangene La&longs;t mit eingerechnet, &longs;ey<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=
p;</HI> &longs;o i&longs;t die Summe alles de&longs;&longs;en, was mit ihm wiegt<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=
bc+p.</HI></P><P TEIFORM="p">I&longs;t daher <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> gr&ouml;&szlig;er als <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p,</HI> &longs;o i&longs;t klar, da&szlig; der
K&ouml;rper nicht allein &longs;ein ganzes Gewicht verliert, &longs;ondern
auch noch mit dem Ueber&longs;chu&longs;&longs;e des <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> &uuml;ber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p</HI> in die
H&ouml;he getrieben wird. Die&longs;er Ueber&longs;chu&szlig; oder die&longs;e Kraft,
mit der er aufw&auml;rts getrieben wird, hei&longs;&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k,</HI> &longs;o i&longs;t
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=ac&mdash;(bc+p)=c(a&mdash;b)&mdash;p;</HI> auch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+k
=c(a&mdash;b).</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Bey der am 1. Dec. 1783 in den Thuillerien aufge&longs;tiegenen
Ma&longs;chine betrug der k&ouml;rperliche Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=
100000</HI> Cubik&longs;chuh; rechnet man nun das Gewicht eines
Cubik&longs;chuhes gemeiner Luft 604 Gran oder (8/1000) Pfund,
&longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac= 800</HI> Pfund. Weil aber der Ball nicht ganz
aufgebla&longs;en, &longs;ondern ungef&auml;hr (1/28) davon leer gela&longs;&longs;en ward,
&longs;o darf man nach Abrechnung des 28&longs;ten Theils <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> nur =
771 1/2 Pf. &longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Da &longs;ich die hier gebrauchte brennbare Luft ohngef&auml;hr
5 1/4 mahl leichter, als die gemeine, annehmen l&auml;&szlig;t, &longs;o wird
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc=(771 1/2/5 1/4)=147</HI> Pfund.</P><P TEIFORM="p">Das Gewicht der Ma&longs;chine, des Wagens, der beyden
Per&longs;onen, des Balla&longs;ts u. &longs;. w. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> war = 604 1/2 Pf.
Al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bc+p=147+604 1/2=751 1/2</HI> Pf.</P><P TEIFORM="p">Folglich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k,</HI> die Kraft, mit welcher &longs;ich die Ma&longs;chine
hob=771 1/2&mdash;751 1/2=20 Pfund.</P><P TEIFORM="p">Man wird aus die&longs;er Berechnung deutlich &longs;ehen, warum
die&longs;e Kugel &longs;teigen mu&szlig;te. Sie wog mit aller daran hangenden
La&longs;t nur 751 1/2 Pf., und ward doch von der &auml;u&szlig;ern
Luft mit 771 1/2 Pf. Kraft gehoben. Zugleich wird die&longs;es
Bey&longs;piel zeigen, wie man &longs;ich bey andern &auml;hnlichen Berechnungen
zu verhalten habe.</P><P TEIFORM="p">Soll eine &longs;olche Ma&longs;chine nicht &longs;teigen, &longs;ondern nur
gerade <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chweben,</HI> &longs;o mu&szlig; <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=o,</HI> al&longs;o <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a&mdash;b)=p</HI>
&longs;eyn, woraus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=(p/a&mdash;b)</HI> folgt. Nun hei&longs;&longs;e die Oberfl&auml;che<PB ID="P.1.65" N="65" TEIFORM="pb"/>
der H&uuml;lle in Quadrat&longs;chuhen ausgedr&uuml;ckt<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=s;</HI> der das
Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von dem zur H&uuml;lle gebrauchten
Zeuge aber<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=q,</HI> und man nehme an, die&longs;e &longs;chwebende
Ma&longs;chine &longs;olle keine weitere La&longs;t tragen, &longs;ondern nur
&longs;ich &longs;elb&longs;t halten; &longs;o i&longs;t die ganze La&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq;</HI> al&longs;o
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">c= (sq/a&mdash;b,)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c/s= (q/a&mdash;b),</HI> auch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(6c/s)=(6q/a &mdash; b.)</HI>
Weil aber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(6c/s)</HI> oder der &longs;echsfache k&ouml;rperliche Raum durch
die Oberfl&auml;che dividirt, f&uuml;r eine Kugel den Durchme&longs;&longs;er,
f&uuml;r einen W&uuml;rfel die Seite giebt, &longs;o mu&szlig; der Durchme&longs;&longs;er
einer Kugel oder die Seite eines W&uuml;rfels von einem gegebnen
Stoffe, wenn der K&ouml;rper ohne angehangene La&longs;t
gerade &longs;chweben &longs;oll,<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a&mdash;b)</HI> &longs;eyen. Oder, um den Durchme&longs;&longs;er
der klein&longs;ten m&ouml;glichen Kugel von einem gegebnen
Zeuge zu finden, welche mit erhitzter oder brennbarer Luft
gef&uuml;llt, gerade <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chweben</HI> w&uuml;rde, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dividire man das
&longs;echsfache Gewicht eines Quadrat&longs;chuhes von
dem gegebnen Zeuge durch den Unter&longs;chied zwi&longs;chen
den Gewichten eines Cubik&longs;chuhes gemeiner
und eines Cubik&longs;chuhes erhitzter oder brennbarer
Luft.</HI> Die&longs;e Be&longs;timmung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Minimum,</HI> das
&longs;ich bey den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen erreichen l&auml;&szlig;t, hat
Hr. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (G&ouml;ttingi&longs;ches Magazin, 3ter Jahrg. 5
St&uuml;ck) angegeben, und darnach folgende Tafel berechnet.</P><P TEIFORM="p">Die Seite des klein&longs;ten mit brennbarer Luft gef&uuml;llten
&longs;chwebenden W&uuml;rfels (oder auch, der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten
Kugel)
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Fu&szlig;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">aus engli&longs;chem Seidenpapier w&auml;re</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; gemeinem Po&longs;tpapier</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; franz&ouml;&longs;i&longs;chem Zeichenpapier</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; Knittergold</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; engli&longs;chem Wachstaffet</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; Kartenpapier</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; verzinntem Ei&longs;enblech</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.66" N="66" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Werden die Durchme&longs;&longs;er gr&ouml;&szlig;er genommen, &longs;o m&uuml;&longs;&longs;en
die&longs;e Kugeln <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;teigen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gold&longs;chl&auml;gerhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">baudruche</HI>)</HI> i&longs;t un&longs;treitig
die bequem&longs;te Materie zu &longs;o kleinen Ballen. Es i&longs;t dies
das innere von den Och&longs;end&auml;rmen abgezogne H&auml;utchen,
welches vom Fett gereiniget, auf einen Rahmen ge&longs;pannt,
getrocknet, mit Bim&longs;tein abgerieben, und zum Gebrauch
der Gold&longs;chl&auml;ger noch mit einem Firni&szlig; &uuml;berzogen wird.
Aus die&longs;em &auml;u&szlig;er&longs;t feinen und leichten H&auml;utchen haben zuer&longs;t
der Maler <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;champs</HI> und der Baron von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beaumanoir</HI>
in Paris kleine Kugeln von ver&longs;chiedener Gr&ouml;&szlig;e
verfertiget, welche mit brennbarer Luft gef&uuml;llt auf&longs;tiegen.
Die klein&longs;te darunter hielt 6 pari&longs;er Zoll im Durchme&longs;&longs;er,
wog 36 Gran, trieb 51 Gran Luft aus der Stelle, fa&szlig;te
5 Gran brennbare Luft, und &longs;tieg al&longs;o noch mit 51 &mdash;
(5+36)=10 Gran Kraft in die H&ouml;he. Solche Kugeln
waren eine Zeitlang das Spielwerk der Pari&longs;er. Auch
andere feine H&auml;ute des thieri&longs;chen K&ouml;rpers, vorz&uuml;glich das
Schafh&auml;utchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(amnium)</HI> dienen zu kleinen aero&longs;tati&longs;chen
Kugeln mit brennbarer Luft. So &longs;ahe ich bey Herrn
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> in G&ouml;ttingen eine aus Schafh&auml;utchen bereitete
Kugel von 2 &mdash; 3 Schuh Durchme&longs;&longs;er, von der ihr
Be&longs;itzer zu Beobachtung der atmo&longs;ph&auml;ri&longs;chen Elektricit&auml;t
vortheilhaften Gebrauch machte. Uebrigens i&longs;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gold&longs;chl&auml;gerhaut</HI>
&longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iulius C&auml;&longs;&auml;r Scaliger</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Exercitat.ad Cardanum de &longs;ubtilitate, exerc. 326)</HI> zur
Nachahmung der fliegenden Taube des Archytas vorge&longs;chlagen
worden. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Materia,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ex junci medulla parabilis,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">ve&longs;iculis amicta aut pelliculis, quibus auri bracteatores
atque foliatores vtuntur.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Die Ma&longs;chinen mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> Luft la&longs;&longs;en &longs;ich &longs;o klein
nicht verfertigen. Rechnet man darauf, da&szlig; die Luft beym
Ver&longs;uche um ein Drittel ausgedehnt werde, die brennbare
hingegen &longs;iebenmal leichter, als die atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che, &longs;ey, &longs;o
wird der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten m&ouml;glichen &longs;chwebenden
Kugel<PB ID="P.1.67" N="67" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="math" TEIFORM="hi">f&uuml;r erhitzte Luft<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a&mdash;2/3a)=(18q/a)</HI>
f&uuml;r brennbare Luft<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(6q/a&mdash;1/7a)=(7q/a)</HI></HI> gefunden, daher in
die&longs;em Falle die mit erhitzter Luft gef&uuml;llte Kugel von eben
dem Zeuge einen (18/7) d. i. 2 4/7mal gr&ouml;&szlig;ern Durchme&longs;&longs;er
haben mu&szlig;, und al&longs;o 6 3/5 mal mehr Zeug zur H&uuml;lle erfordert,
als die mit brennbarer Luft. Zu kleinen Ma&longs;chinen
mit verd&uuml;nnter Luft i&longs;t un&longs;treitig das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Papier</HI> die &longs;chicklich&longs;te
Materie. Da aber der Durchme&longs;&longs;er der klein&longs;ten Kugel
von &longs;t&auml;rkerm Papier, f&uuml;r brennbare Luft, 2 Schuhe
halten mu&szlig;, &longs;o mu&szlig; er f&uuml;r verd&uuml;nnte Luft 5 1/7 Schuh, und
wenn die Kugel &longs;teigen &longs;oll, wohl 6&mdash;7 Schuh halten.</P><P TEIFORM="p">Bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gr&ouml;&szlig;ern</HI> Aero&longs;taten hat man die Ab&longs;icht, au&szlig;er
ihrem eignen Gewichte noch Men&longs;chen oder andere La&longs;ten
in die Atmo&longs;ph&auml;re zu erheben. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kugelge&longs;talt,</HI> welche
unter allen &uuml;brigen Ge&longs;talten der K&ouml;rper mit der klein&longs;ten
Oberfl&auml;che den gr&ouml;&szlig;ten m&ouml;glichen Raum um&longs;chlie&szlig;t,
&longs;cheint zu Aero&longs;taten die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn, weil &longs;ie bey
dem gering&longs;ten m&ouml;glichen Gewicht ihrer H&uuml;lle das gr&ouml;&szlig;te
m&ouml;gliche Luftvolumen aus der Stelle treibt, und daher unter
allen &uuml;brigen Ge&longs;talten mit der gr&ouml;&szlig;ten Kraft auf&longs;teigt.
Man hat aber dagegen einwenden wollen, da&szlig; eines Theils
die Verfertigung einer gro&szlig;en Kugel &longs;ehr &longs;chwer &longs;ey, andern
Theils bey Lenkung der Aero&longs;taten in der Atmo&longs;ph&auml;re,
wenn ge&longs;chickte Mittel dazu erfunden werden &longs;ollten, eine
Kugel, welche der Luft eine &longs;ehr gro&szlig;e Oberfl&auml;che darbietet,
weit mehr Wider&longs;tand leiden, und folglich weit &longs;chwerer zu
regieren &longs;eyn werde, als eine Ma&longs;chine, welche der Luft einen
&longs;pitzig zulaufenden Theil, oder eine &longs;chmale Seite, entgegenkehrte.
Daher hat man oft l&auml;ngliche, aus cylindri&longs;chen
und koni&longs;chen, oder prismati&longs;chen und pyramidenf&ouml;rmigen
Theilen zu&longs;ammenge&longs;etzte, Ge&longs;talten vorgezogen,
zu welchen der Zeug &longs;ich leichter zu&longs;chneiden l&auml;&szlig;t; und die
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberts</HI> haben zween Luftrei&longs;en auf einem cylindri&longs;ch geformten
Aero&longs;taten unternommen. Inzwi&longs;chen &longs;ind die
Schwierigkeiten der Verfertigung einer Kugel nicht un&uuml;berwindlich,<PB ID="P.1.68" N="68" TEIFORM="pb"/>
und bey der Lenkung l&auml;nglicher Ma&longs;chinen m&ouml;chte
es wohl &longs;chwer fallen, immer den &longs;chmalen Theil der&longs;elben
vorw&auml;rts gekehrt zu halten; die breitere Seite aber w&uuml;rde
den Wider&longs;tand der Luft weit mehr, als eine Kugel von
gleicher Wirkung, vergr&ouml;&szlig;ern; die Kugelge&longs;talt, oder eine
nicht weit von ihr abweichende, &longs;cheint daher noch immer
die &longs;chicklich&longs;te zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Was den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stof</HI> betrifft, &longs;o hat man die Aero&longs;taten
zur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verd&uuml;nnten</HI> Luft von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">leinenem</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">baumwollenem
Zeuge</HI> gemacht, der die Luft nicht gleich hindurch l&auml;&szlig;t,
wie denn die er&longs;te zu Annonay aufge&longs;tiegene Kugel blo&szlig;
mit Kn&ouml;pfen und Knopfl&ouml;chern zu&longs;ammengef&uuml;gt war, und
doch eine Zeitlang Luft hielt. Man w&auml;hlt dergleichen Zeuge
wegen ihres geringen Prei&longs;es, da &longs;olche Ma&longs;chinen
&longs;ehr gro&szlig; &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;en. Bisweilen &longs;ind &longs;ie doppelt genommen,
bisweilen mit Papier gef&uuml;ttert worden. Man
kan das Gewicht des Quadrat&longs;chuhes von leinenem Zeuge
2 Unzen rechnen. Zur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbaren</HI> Luft, welche nicht
&longs;o gro&szlig;e Ma&longs;chinen erfordert, aber weit leichter die H&uuml;llen
durchdringt, hat man leichte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;eidne Zeuge</HI> genommen,
und mit be&longs;ondern Firni&longs;&longs;en &uuml;ber&longs;trichen. Den Quadrat&longs;chuh
Taffet kan man ohngef&auml;hr 3/4 Unzen &longs;chwer annehmen.</P><P TEIFORM="p">Um nun das Verm&ouml;gen einer Ma&longs;chine von gegebner
Gr&ouml;&szlig;e und Ge&longs;talt zu berechnen, kan man &longs;ich der Formel
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">k = c (a &mdash; b) &mdash; p</HI> &longs;o bedienen, da&szlig; man
unter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> blos das Gewicht der Ma&longs;chine &longs;elb&longs;t<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=
sq</HI> ohne angehangene La&longs;t ver&longs;teht, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k</HI> die Kraft,
mit der &longs;ie unbela&longs;tet auf&longs;teigen w&uuml;rde, zeigt al&longs;o,
wie viel &longs;ie noch zu tragen verm&ouml;ge, ehe &longs;ie ins Gleichgewicht
k&ouml;mmt. Es &longs;ey z. B. das Verm&ouml;gen einer Kugel
von 30 Schuh Durchme&longs;&longs;er zu berechnen, deren Oberfl&auml;che
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">s=2828</HI> Quadrat&longs;chuhe, der Inhalt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=14142</HI>
Cubik&longs;chuhe i&longs;t. So i&longs;t, wenn man das Gewicht des Cubik&longs;chuhes
gemeiner Luft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a=1, 4</HI> Unzen, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> aber f&uuml;r
erhitzte Luft<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=2/3a,</HI> f&uuml;r brennbare<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=1/7a</HI> &longs;etzt, die Rechnung
folgende:<PB ID="P.1.69" N="69" TEIFORM="pb"/>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="COLSPAN=&quot;3&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">f&uuml;r erhitzte Luft, wenn 1<LB TEIFORM="lb"/>
Quadrat&longs;ch. Leinwand 2<LB TEIFORM="lb"/>
Unzen wiegt</CELL><CELL REND="COLSPAN=&quot;3&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">f&uuml;r brennbare Luft, wenn<LB TEIFORM="lb"/>
1 Quadrat&longs;ch. Taffet 3/4 Un-<LB TEIFORM="lb"/>
zen wiegt</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14142</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14142</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">a&mdash;b=(1,4/3)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0, 466</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">a&mdash;b=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1, 2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a&mdash;b)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6598</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a&mdash;b)=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16968</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5656</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p=sq=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2121</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">942</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unzen</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">k=</HI></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14847</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unzen</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16)</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16)</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;&mdash;</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">59</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">928</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL></ROW></TABLE>
<TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; COLSPAN=&quot;6&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Auf die&longs;e Art i&longs;t folgende Tabelle f&uuml;r Kugeln berechnet.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durch-<LB TEIFORM="lb"/>
me&longs;&longs;er</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oberfl&auml;che</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Inhalt</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Verm&ouml;gen der<LB TEIFORM="lb"/>
Kugel von Lein-<LB TEIFORM="lb"/>
wand mit erhitz-<LB TEIFORM="lb"/>
ter Luft</CELL><CELL REND="COLSPAN=&quot;2&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Verm&ouml;gen der<LB TEIFORM="lb"/>
Kugel von Taf-<LB TEIFORM="lb"/>
fet mit brenn-<LB TEIFORM="lb"/>
barer Luft</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Schuhe</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Quadrat&longs;ch.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Cubik&longs;chuh.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Pfund</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Unz.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">78</CELL><CELL 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das Gewicht alles de&longs;&longs;en abzuziehen, was au&szlig;er dem Stoffe
zur Kugel hinzugethan wird; das &uuml;brigbleibende i&longs;t dann
die Summe der La&longs;t, die &longs;ie noch tragen kan, und der Kraft,
mit welcher &longs;ie auf&longs;teigen wird. Wird die Kugel nicht
ganz gef&uuml;llt, &longs;o mu&szlig; &longs;o viel, als der leergela&longs;&longs;ene Theil
betr&auml;gt, von ihrem k&ouml;rperlichen Inhalt abgezogen werden.
Nach die&longs;en Anwei&longs;ungen kan es nicht &longs;chwer &longs;eyn, die
Berechnung in jedem vorkommenden Falle anzu&longs;tellen.<PB ID="P.1.70" N="70" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Da leinene und &longs;eidne Zeuge ebne Fl&auml;chen bilden, &longs;o
wird die Fl&auml;che einer daraus verfertigten Kugel jederzeit
von der &longs;ph&auml;ri&longs;chen Ge&longs;talt in etwas abweichen. Doch,
wenn die Streifen ge&longs;chickt zuge&longs;chnitten und verbunden
&longs;ind, &longs;o dehnen &longs;ie &longs;ich, wenn der K&ouml;rper f&uuml;rs er&longs;te nur
mit gemeiner Luft aufgebla&longs;en wird, um ihre Mitte ein wenig
aus, und geben dem Ganzen eine Ge&longs;talt, die von der
Kugel &longs;ehr wenig abweicht. Hiezu dient nun folgende Vor&longs;chrift,
Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 8. Man berechne den Umfang des
gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;es der Kugel, und mache die Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> dem
vierten Theile de&longs;&longs;elben gleich. Die&longs;e Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> theile man
in 18 gleiche Theile, ziehe durch die Theilungspunkte die
Linien <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC, fg, hi</HI> u. &longs;. w. &longs;enkrecht auf <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD.</HI> Ferner theile
man den gefundenen Umkreis in &longs;o viel gleiche Theile, als
man Streifen, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABEC,</HI> haben will; die Helfte eines
&longs;olchen Theils giebt die L&auml;nge der Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC.</HI> Die&longs;e L&auml;nge,
multiplicirt in den bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg</HI> &longs;tehenden Decimalbruch, giebt die
L&auml;nge von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg;</HI> und &longs;o giebt die L&auml;nge von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> nach und nach,
durch Multiplication in die dabey&longs;tehenden Decimalbr&uuml;che,
die L&auml;ngen der folgenden Parallellinien, mithin die Punkte
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">C, g, i</HI> u. &longs;. w., durch welche die krumme Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CgiA</HI> leicht
aus freyer Hand gezogen werden kan. Hieraus ent&longs;teht
eine Patrone <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ADC,</HI> nach welcher &longs;ich, durch viermaliges
Auflegen auf die Seide oder Leinwand, der ganze Streif
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABEC,</HI> zu&longs;chneiden l&auml;&szlig;t. I&longs;t z. B. der Durchme&longs;&longs;er einer
Kugel, die man aus 12 Streifen zu&longs;ammen&longs;etzen will =
20 Schuhe, &longs;o h&auml;lt der Umfang des gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;es =
62, 8 Schuhe wovon der vierte Theil 15,7 Schuh f&uuml;r
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> giebt. Der zw&ouml;lfte Theil des Umkrei&longs;es 5, 236 Schuh
giebt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BC,</HI> und die Helfte davon 2,618 Schuh die L&auml;nge
von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC.</HI> Die&longs;e multiplicirt mit 0,99619 giebt 2,608
Schuh f&uuml;r <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg;</HI> mit 0,98481 giebt &longs;ie 2,578 Schuh f&uuml;r
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">hi</HI> u. &longs;. w. Die beyge&longs;chriebenen Decimalbr&uuml;che &longs;ind die
Co&longs;inus der Bogen von 5&deg;, 10&deg;, 15&deg; rc. f&uuml;r den Sinustotus
= 1, nach deren Verh&auml;ltni&longs;&longs;en &auml;hnliche Bogen der
Parallelkrei&longs;e von 5 zu 5 Graden vom gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;e aus
gegen den Pol <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> abnehmen. Beym Zu&longs;chneiden &longs;elb&longs;t<PB ID="P.1.71" N="71" TEIFORM="pb"/>
wird rings um die Patrone ein 1/2 Zoll breiter Rand f&uuml;r die
N&auml;the gela&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die H&uuml;llen zu Kugeln mit erhitzter Luft werden von
innen mit etwas, das &longs;ie vor dem Feuer &longs;ch&uuml;tzt, von
au&szlig;en mit etwas, das vom Regen nicht aufgel&ouml;&longs;et wird, z.
B. inwendig mit einer Erdfarbe und auswendig mit einem
&longs;ehr &longs;chnell trocknenden Oelfirni&szlig; &uuml;ber&longs;trichen, auch wohl
vorher in einer Aufl&ouml;&longs;ung von Salmiak und Kalk geweicht.
Die &longs;eidnen Zeuge zu Kugeln mit brennbarer Luft
werden mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Firni&longs;&longs;en</HI> &uuml;ber&longs;trichen, wozu man in Frankreich
eine geheim gehaltene Aufl&ouml;&longs;ung des Federharzes
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(gummi ela&longs;ticum),</HI> vermuthlich in irgend einem we&longs;entlichen
Oele, zu gebrauchen anfieng, bis man endlich gefunden
hat, da&szlig; ein Firni&szlig; von trocknendem Lein&ouml;l, mit Vogelleim
abgekocht und mit Terpentingei&longs;t vermi&longs;cht, eben
&longs;o gute, oder noch be&longs;&longs;ere Dien&longs;te lei&longs;te. Mit die&longs;em Firni&szlig;
wird der Seidenzeug auf beyden Seiten &uuml;ber&longs;trichen,
und, wenn alles getrocknet i&longs;t, werden die vorhin be&longs;chriebnen
Streifen zur Kugel zuge&longs;chnitten, mit den daran gela&longs;&longs;enen
R&auml;ndern an oder auf einander gelegt, gefaltet, und
mit fe&longs;ten N&auml;then zu&longs;ammenge&longs;tochen. Es i&longs;t gut, die
N&auml;the noch einmal mit Firni&szlig; zu &uuml;ber&longs;treichen.</P><P TEIFORM="p">Die Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erhitzter</HI> Luft bekommen am Boden
eine Oefnung, deren Durch&longs;chnitt 1/4&mdash;1/3 vom Durchme&longs;&longs;er
der ganzen Ma&longs;chine betr&auml;gt; an die&longs;e wird ein leinener
cylindri&longs;cher Hals von gleichem Durch&longs;chnitte und
6 Schuh H&ouml;he angen&auml;het. Sollen Men&longs;chen mit in die
H&ouml;he &longs;teigen, &longs;o wird von au&szlig;en um die&longs;en Hals eine von
Weiden geflochtene 3 Schuh hohe und 18 Zoll breite <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gallerie</HI>
angebracht, deren inneres Gelender an den Hals der
Ma&longs;chine be&longs;e&longs;tigt i&longs;t, das &auml;u&szlig;ere aber an Stricken h&auml;ngt,
die vom obern Theile der Kugel kommen, und an der obern
Helfte der Kugelfl&auml;che von andern Stricken in Form eines
Netzes durchkreuzt werden. Auch wird eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Glutpfanne</HI>
aus ei&longs;ernen St&auml;ben, deren Durchme&longs;&longs;er etwa 1/3 von dem
Durch&longs;chnitte der Oefnung einnimmt, mitten unter der&longs;elben,
1 Schuh h&ouml;her, als der untere Rand des Hal&longs;es, an
Ketten aufgehangen, welche an das innere Gelender der<PB ID="P.1.72" N="72" TEIFORM="pb"/>
Gallerie befe&longs;tigt &longs;ind. In den Hals werden Luftl&ouml;cher
einge&longs;chnitten, durch welche man von der Gallerie aus das
Feuer &longs;ch&uuml;ren und unterhalten kan. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 9. zeigt
die Ge&longs;talt einer &longs;olchen Ma&longs;chine, wie &longs;ie in die Atmo&longs;ph&auml;re
auf&longs;teigt.</P><P TEIFORM="p">Um &longs;ie zu f&uuml;llen, wird ein 6&mdash;8 Schuh hohes Ger&uuml;&longs;t
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 10. errichtet, in de&longs;&longs;en Mitte
der gemauerte Ofen oder Schor&longs;tein <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EF</HI> bis auf den Boden
herabgehet. Die&longs;er Ofen hat unten eine Th&uuml;r,
das Feuer anzumachen, und mu&szlig; 2 &mdash; 3 Schuh &uuml;ber
das Ger&uuml;&longs;t hervorragen. Er mu&szlig; etwas &longs;chm&auml;ler, als der
Hals der Ma&longs;chine &longs;eyn. Man kan unten einen ei&longs;ernen
Ro&longs;t legen, um dem Feuer Luft von unten her zu ver&longs;chaffen.
An beyden Seiten des Ger&uuml;&longs;ts &longs;tehen &longs;tarke B&auml;ume oder
Ma&longs;ten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HI, KL,</HI> oben mit Rollen, &uuml;ber welche ein Strick
l&auml;uft, der durch einen Ring am obern Theile der Ma&longs;chine
gezogen, dazu dient, durch Anziehen &longs;einer Enden die obern
Theile der Ma&longs;chine in die H&ouml;he zu heben. Auch um den
Aequator der Kugel &longs;ind Ringe angebracht, um an durchgezogenen
Stricken die Ma&longs;chine fe&longs;thalten zu k&ouml;nnen.
Die&verbar; Kugel wird nun zu&longs;ammengefaltet &longs;o aufs Ger&uuml;&longs;t gelegt,
da&szlig; die Oefnung des Hal&longs;es genau auf den Schor&longs;tein
pa&longs;&longs;et, in welchem ein helles, nicht viel Rauch gebendes
Feuer von kleinem Holze und Stroh angez&uuml;ndet wird.
Die&longs;es treibt einen Strom von erhitzter Luft in die Kugel,
entfaltet die&longs;elbe, &longs;chwellt &longs;ie an, und hebt ihren obern
Theil, dem man durch den &uuml;ber die Rollen gezognen Strick
nachhelfen kan. Nunmehr wird alles, was mit der Ma&longs;chine
auf&longs;teigen &longs;oll, in die Gallerie gebracht, in welche
&longs;ich auch die Luftfahrer &longs;tellen; man zieht die Kugel, &longs;obald
&longs;ie &longs;ich hebt, ein wenig &longs;eitw&auml;rts, h&auml;ngt die Gluthpfanne
ein, z&uuml;ndet das Feuer in der&longs;elben an, und &uuml;berl&auml;&szlig;t
die Ma&longs;chine der Luft.</P><P TEIFORM="p">Die Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer</HI> Luft bekommen an
ihrem obern Theile eine Klappe, welche durch eine Feder
zugehalten wird, und mit einer Schnur, welche bis an den
Ort der Luft&longs;ahrer herabreicht, ge&ouml;fnet werden kan. Die&longs;e
Klappe dient, brennbare Luft aus dem Balle herauszula&longs;&longs;en.<PB ID="P.1.73" N="73" TEIFORM="pb"/>
An den untern Theil der Kugel kommen ein oder
zwey Schl&auml;uche von gefirni&szlig;tem Taffet, die etwa 6&mdash;10
Zoll im Durchme&longs;&longs;er halten, und ebenfalls bis an den Sitz
der Luftfahrer herabreichen. Durch die&longs;e wird die Kugel
gef&uuml;llt. Der Wagen oder das Boot, worinn die Luftfahrer
&longs;itzen, h&auml;ngt an Stricken, die von einem &uuml;ber die obere
Helfte der Kugel gehenden Netze herabkommen, und etwa
2 Schuh unter der Kugel an einen frey&longs;chwebenden
h&ouml;lzernen Reif befe&longs;tiget &longs;ind, von dem &longs;ie weiter herabgehen
und das Boot tragen. Einige haben auch noch einen
h&ouml;lzernen mit Leder &uuml;berzognen Reif mitten um die Kugel
gelegt, und die Stricke an den&longs;elben befe&longs;tiget, damit
&longs;ie nicht durch Hin- und Her&longs;chieben die Kugel reiben &longs;ollten.
Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 11. zeigt einen Aero&longs;tat von die&longs;er Art
in der Luft.</P><P TEIFORM="p">Um &longs;olche Ma&longs;chinen zu f&uuml;llen, mu&szlig; man zuer&longs;t f&uuml;r
die n&ouml;thigen Materialien zu Entbindung der brennbaren
Luft &longs;orgen. Man rechnet auf einen Pari&longs;er Cubik&longs;chuh
brennbares Gas, 6 Unzen Ei&longs;en&longs;p&auml;ne, 6 Unzen Vitriol&ouml;l,
und 30 Unzen Wa&longs;&longs;er; hieraus l&auml;&szlig;t &longs;ich leicht finden, wie
viel Materialien zu F&uuml;llung einer Kugel von gegebnem Inhalte
n&ouml;thig &longs;ind. Obgleich die Kugeln nie ganz gef&uuml;llt
werden (damit das Gas Raum behalte, &longs;ich in der obern
weniger ela&longs;ti&longs;chen Luft auszubreiten) &longs;o i&longs;t es doch rath&longs;am,
bey An&longs;chaffung der Materialien aufs Ganze zu rechnen,
damit man deren eher zu viel, als zu wenig, habe. Taf.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 12. zeigt nun die Ger&auml;th&longs;chaft zur F&uuml;llung. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, A</HI>
&longs;ind zwo 3 Schuh breite und 2 Schuh tiefe Wannen, die in
zwo andere breitere und mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;llte Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B B,</HI>
umge&longs;t&uuml;rzt &longs;ind. Am Boden jeder umge&longs;t&uuml;rzten Wanne
befindet &longs;ich eine blecherne R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E, 7</HI> Zoll weit und eben &longs;o
lang. Um jede Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B, B</HI> werden 6&mdash;8 F&auml;&longs;&longs;er ge&longs;tellt,
deren jedes im obern Boden zwo Oefnungen hat. Aus der
einen Oefnung geht eine blecherne R&ouml;hre in die H&ouml;he, beugt
&longs;ich &uuml;ber den Rand der Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> niederw&auml;rts, bis in das
Wa&longs;&longs;er die&longs;er Wanne herab, und endigt &longs;ich mit einer aufw&auml;rts
gekehrten und im Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden Oefnung unter
der Wanne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A.</HI> Die Weite einer &longs;olchen R&ouml;hre i&longs;t etwa<PB ID="P.1.74" N="74" TEIFORM="pb"/>
3 1/2 Zoll. Die andere Oefnung im Boden der F&auml;&longs;&longs;er dient
zum Ein&longs;ch&uuml;tten der Materialien, und wird mit einem
Zapfen ver&longs;chlo&longs;&longs;en. Auch hier kan man die Kugel mit
dem obern Ende an ein Seil h&auml;ngen, das &uuml;ber zwo Rollen
an hohen B&auml;umen l&auml;uft; das untere Ende der Kugel
&longs;teht etwa 6 Schuh hoch &uuml;ber den Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, A.</HI> Beym
F&uuml;llen &longs;elb&longs;t legt man das Netz &uuml;ber die Kugel, faltet &longs;ie
ganz zu&longs;ammen, um die gemeine Luft herauszutreiben,
bindet die &longs;eidnen Schl&auml;uche um die blechernen R&ouml;hren
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE,</HI> &longs;ch&uuml;ttet in die F&auml;&longs;&longs;er zuer&longs;t die Ei&longs;en&longs;p&auml;ne, dann das
Wa&longs;&longs;er und zuletzt das Vitriol&ouml;l. Die brennbare Luft
&longs;teigt dann durch die R&ouml;hren an den B&ouml;den der F&auml;&longs;&longs;er,
und geht durch das in den Wannen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> befindliche
Wa&longs;&longs;er in die R&ouml;hren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE,</HI> und durch die Schl&auml;uche in
die Kugel &uuml;ber, &longs;chwellt die&longs;elbe auf, und macht, da&szlig; &longs;ie
&longs;ich bald von &longs;elb&longs;t ohne H&uuml;lfe des Seils <HI REND="roman" TEIFORM="hi">GH</HI> in der H&ouml;he
erh&auml;lt. So, wie &longs;ich die Kugel immer mehr aufbl&auml;&longs;et,
wird das Netz ringsumher in die geh&ouml;rige Lage gebracht, der
Reif und das Boot f&uuml;r die Luftfahrer daran befe&longs;tiget,
und alles N&ouml;thige zur Rei&longs;e vorbereitet. I&longs;t die Kugel
etwas &uuml;ber drey Viertel gef&uuml;llt, &longs;o bindet man die Schl&auml;uche
von den R&ouml;hren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EE</HI> ab, bindet &longs;ie zu, und legt ihre
Enden neb&longs;t der Schnur zur Klappe in das Boot. Die
Kugel, welche bisher mit Stricken, die an das Netz befe&longs;tigt
&longs;ind, gehalten worden i&longs;t, wird nun freygela&longs;&longs;en,
und &longs;teigt mit dem Boote und den Luftfahrern auf.</P><P TEIFORM="p">Von dem Schau&longs;piele, welches Ma&longs;chinen von &longs;olcher
Gr&ouml;&szlig;e dar&longs;tellen, wenn &longs;ie mit Men&longs;chen in die Luft
&longs;teigen, &longs;prechen alle Augenzeugen de&longs;&longs;elben mit Entz&uuml;cken
und Bewundrung. Es hat Hohe und Niedrige, Kenner
und Unerfahrne, &uuml;berall ohne Ausnahme zur leiden&longs;chaftlich&longs;ten
Theilnehmung hingeri&longs;&longs;en. Die Gro&szlig;en haben
ihren Beyfall durch k&ouml;nigliche Belohnungen, die mittlern
St&auml;nde durch Lob&longs;pr&uuml;che, Gedichte, Monumente, M&uuml;nzen,
das gemeine Volk durch Jauchzen, Einf&uuml;hrung im
Triumph, und Unwi&longs;&longs;ende nicht &longs;elten durch eine fa&longs;t abg&ouml;tti&longs;che
Verehrung der Luftfahrer an den Tag gelegt.
Den Luftfahrern &longs;elb&longs;t fehlt es an Worten, um ihre Empfindungen<PB ID="P.1.75" N="75" TEIFORM="pb"/>
auszudr&uuml;cken; alle aber ge&longs;tehen, da&szlig; vornehmlich
die Herrlichkeit der Aus&longs;icht und die in der Atmo&longs;ph&auml;re
herr&longs;chende maje&longs;t&auml;ti&longs;che Stille ein unbe&longs;chreiblich
angenehmes Gef&uuml;hl errege.</P><P TEIFORM="p">Welche Gattung von Aero&longs;taten vorz&uuml;glicher &longs;ey,
l&auml;&szlig;t &longs;ich noch nicht ent&longs;cheiden. Die mit verd&uuml;nnter Luft
&longs;ind wohlfeiler und leichter zu verfertigen; die mit brennbarer
hingegen &longs;icherer, kleiner und dauerhafter.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bewegung</HI> des Aero&longs;taten in der Luft l&auml;&szlig;t &longs;ich,
wie alle Bewegungen, in eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vertikale</HI> und eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">horizontale</HI>
zerlegen. Was die vertikale Bewegung betrifft,
&longs;o &longs;teigt der Aero&longs;tat, der in den obern Regionen leichtere
Luft antrifft, nur &longs;o lange, bis er &longs;ich in derjenigen Luft&longs;chicht
befindet, welche mit ihm &longs;elb&longs;t eine gleiche &longs;pecifi&longs;che
Schwere hat; oder er geht vielmehr wegen &longs;einer &longs;chon
vorher erlangten Ge&longs;chwindigkeit noch ein wenig &uuml;ber die&longs;e
Luft&longs;chicht hinaus, &longs;inkt wieder, und bleibt endlich nach
ver&longs;chiedenen O&longs;cillationen &longs;tehen. Die n&auml;here Unter&longs;uchung
die&longs;er Bewegung macht ein &longs;ehr &longs;ch&ouml;nes Problem der
h&ouml;hern Mechanik aus, &uuml;ber welches der gro&szlig;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhard
Euler</HI> wenige Tage vor &longs;einem Tode &longs;eine letzten Rechnungen
an&longs;tellte, und wovon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meu&longs;nier</HI> (Schreiben &uuml;ber
den Ball im Champ de Mars, in dem am Ende angef&uuml;hrten
Werke des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas</HI>) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kramp</HI> (Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik,
Strasburg 1784. 8. Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> 11&mdash;15 Ab&longs;chnitt)
Aufl&ouml;&longs;ungen zu geben ver&longs;ucht haben. Die&longs;e Rechnungen
gelten jedoch nur f&uuml;r F&auml;lle, in welchen der Zu&longs;tand des
Aero&longs;taten &longs;elb&longs;t, w&auml;hrend des Auf&longs;teigens, unge&auml;ndert
bleibt. Wenn Men&longs;chen auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;taten mit verd&uuml;nnter
Luft</HI> auf&longs;teigen, &longs;o wirken &longs;ie durch Ver&longs;t&auml;rkung und
Verminderung des Feuers &longs;ehr ver&longs;chiedentlich auf den Zu&longs;tand
der darinn enthaltenen Luft; Ver&longs;t&auml;rkung des Feuers
treibt den Ball &longs;chneller in die H&ouml;he, Verminderung de&longs;&longs;elben
h&auml;lt ihn zur&uuml;ck, oder &longs;enkt ihn wieder herab, und
man &longs;ieht leicht, da&szlig; &longs;o willk&uuml;hrliche Ver&auml;nderungen &longs;ich
keiner Rechnung unterwerfen la&longs;&longs;en. Einige Luftfahrer,
be&longs;onders der ungl&uuml;ckliche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pilatre de Rozier,</HI> brachten
es &longs;ehr weit in der Ge&longs;chicklichkeit, das Feuer zu behandeln,<PB ID="P.1.76" N="76" TEIFORM="pb"/>
und &longs;ich dadurch nach Gefallen zu heben oder herabzu&longs;enken;
die&longs;es Mittel i&longs;t &longs;o wirk&longs;am, da&szlig; der Luftfahrer dadurch
die fein&longs;ten vertikalen Bewegungen des Balls fa&longs;t
ganz in &longs;einer Gewalt hat.</P><P TEIFORM="p">Die vertikale Bewegung der Aero&longs;taten mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">brennbarer
Luft</HI> l&auml;&szlig;t noch eher einige Berechnung zu. F&uuml;r
die H&ouml;he, in welcher der Aero&longs;tat &longs;tehen bleibt, l&auml;&szlig;t &longs;ich
folgender Ueber&longs;chlag machen. Vorausge&longs;etzt, da&szlig; die
&longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticit&auml;ten der gemeinen und brennbaren Luft
unver&auml;ndert bleiben, wenn &longs;ich gleich die ab&longs;oluten Ela&longs;ticit&auml;ten
&auml;ndern, nimmt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a&mdash;b</HI> in gleichem Verh&auml;ltni&longs;&longs;e mit
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> &longs;elb&longs;t ab. Wenn daher das Gewicht eines Cubik&longs;chuhes
Luft in der Region, worinn die Kugel &longs;till &longs;teht, = <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN> ge&longs;etzt
wird, &longs;o verwandelt &longs;ich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a&mdash;b</HI> da&longs;elb&longs;t in <FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN><HI REND="roman" TEIFORM="hi">/a(a&mdash;b),</HI>
und weil f&uuml;r den Fall des Still&longs;tehens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">k = o</HI> wird, &longs;o
giebt die Formel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+k=c(a&mdash;b)</HI> hier
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">p = (c</HI><FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN><HI REND="roman" TEIFORM="hi">/a) (a&mdash;b)</HI></HI>
woraus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a&mdash;b):p=a:</HI><FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">a</FOREIGN> folgt. Dies i&longs;t das Verh&auml;ltni&szlig;
der Dichten der Luft, oder der Barometerh&ouml;hen,
unten an der Erde und oben in der Region des Still&longs;tehens
der Kugel. I&longs;t daher die Barometerh&ouml;he an der Erde
beym Abgange der Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=H,</HI> &longs;o wird die obere
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">h = (p H/&lt;*&gt;(a&mdash;b)</HI> &longs;eyn, woraus &longs;ich die H&ouml;he der Region
be&longs;timmen l&auml;&szlig;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. H&ouml;henme&longs;&longs;ungen, barometri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p">Er. Als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> am 1 Dec. 1783 in der Pl&auml;ne
bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ne&longs;le</HI> auf&longs;tieg, wog die Ma&longs;chine mit aller La&longs;t 438
Pfund, das Gewicht der Luft, welche &longs;ie unten aus der
Stelle getrieben hatte, (oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ca)</HI> wird 800 Pfund &longs;chwer
angegeben, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a:b=5 1/4: 1=21: 4</HI> ge&longs;etzt. Daher
i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">c(a&mdash;b)=800&mdash;(4/21)&middot;800=648.</HI> Das Barometer
hatte beym Abgange der Ma&longs;chine auf 28 Zoll
4 Lin. ge&longs;tanden. Nun i&longs;t
<HI REND="math" TEIFORM="hi">648:438=28&Prime;4&tprime;:19&Prime;2&tprime;</HI><PB ID="P.1.77" N="77" TEIFORM="pb"/>
da&szlig; al&longs;o die Kugel &longs;o lange &longs;teigen mu&szlig;te, bis das Barometer
auf 19 Zoll 2 Lin. &longs;tand. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> fand es zwar
nur auf 18 Zoll 10 Linien, welches eine H&ouml;he von 1643
Toi&longs;en giebt; bringt man aber die geh&ouml;rigen Berichtigungen
wegen der oben und unten ver&longs;chiedenen W&auml;rme an,
&longs;o finden &longs;ich &longs;ogar 17 Zoll 9 Lin. Es i&longs;t al&longs;o der Theorie
&longs;ehr gem&auml;&szlig;, wenn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Charles</HI> behauptet eine H&ouml;he von
1600 Toi&longs;en erreicht zu haben.</P><P TEIFORM="p">Auch bey die&longs;er Art von Aero&longs;taten haben die Luftfahrer
das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Steigen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fallen</HI> in ihrer Gewalt. Sie
&longs;teigen, wenn &longs;ie das Gewicht des Ganzen durch Herabwerfung
von Balla&longs;t vermindern, in welcher Ab&longs;icht &longs;tets
ein Vorrath von Sand&longs;&auml;cken rc. mitgenommen wird; &longs;ie
&longs;inken, wenn &longs;ie durch die Klappe etwas brennbare Luft
herausla&longs;&longs;en. Da auch die be&longs;ten gefirni&szlig;ten Seidenzeuge
nicht undurchdringlich f&uuml;r die brennbare Luft &longs;ind, &longs;o w&uuml;rde
der Aero&longs;tat bald von &longs;elb&longs;t herab&longs;inken, wenn man nicht
von Zeit zu Zeit Balla&longs;t auswerfen wollte. Daher i&longs;t zu
langen Luftfahrten ein ziemlicher Vorrath von Balla&longs;t n&ouml;thig,
de&longs;&longs;en Mangel oft viel Verlegenheit verur&longs;acht hat.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blanchard</HI> war bey der Ueberfahrt &uuml;ber den Canal gen&ouml;thigt,
&longs;ogar &longs;eine Kleider herabzuwerfen. Etwas Balla&longs;t
mu&szlig; auch f&uuml;r das Herabkommen aufge&longs;part werden,
damit nahe an der Erde durch das Abwerfen de&longs;&longs;elben der
allzupl&ouml;tzliche Fall der Ma&longs;chine verh&uuml;tet werden k&ouml;nne.
Das Herausla&longs;&longs;en der brennbaren Luft durch die Klappe,
wenn man herab&longs;inken will, oder durch den Schlauch,
wenn die Ela&longs;ticit&auml;t des einge&longs;chlo&szlig;nen Gas die Kugel zu
&longs;tark aus&longs;pannt und &longs;ie zu zer&longs;prengen drohet, &longs;ind freylich
nur Nothmittel, bey denen man allezeit brennbare Luft
verliert. Es &longs;ind daher Vor&longs;chl&auml;ge gethan worden, das
Sinken auf andere Art zu bewirken, z. B. durch Gef&auml;&szlig;e,
worein man &auml;u&szlig;ere Luft pumpen und comprimiren k&ouml;nnte,
um dadurch das Gewicht des Ganzen zu vergr&ouml;&szlig;ern; durch
eine in die gro&szlig;e Ma&longs;chine einge&longs;chlo&longs;&longs;ene zweyte, die man
durch eine R&ouml;hre mit atmo&longs;ph&auml;ri&longs;cher Luft aufbla&longs;en k&ouml;nnte
u. &longs;. f. Allein die&longs;e Ver&longs;t&auml;rkungen des Gewichts &longs;ind
allzu unbetr&auml;chtlich; und der letztere Vor&longs;chlag n&uuml;tzt blo&szlig;<PB ID="P.1.78" N="78" TEIFORM="pb"/>
dazu, das Zerplatzen der Kugel zu verh&uuml;ten, indem man
durch Ausla&longs;&longs;ung der gemeinen Luft aus dem innern Balle
der brennbaren Luft, wenn &longs;ie &longs;ich allzu&longs;tark ausdehnet,
mehr Raum ver&longs;chaffen kan. Mehr Beyfall hat der Vor&longs;chlag
gefunden, zween Aero&longs;taten, einen mit brennbarer
Luft, und 30 Schuh weit darunter einen mit Feuer, zu
verbinden, wobey durch Ver&longs;t&auml;rkung und Verminderung
des Feuers das Steigen und Fallen bewirkt werden kan.
Man hat &longs;olche Ma&longs;chinen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carolo-Montgolfieren</HI> genannt;
zwar verungl&uuml;ckte Pilatre de Rozier auf einer &longs;olchen,
es &longs;cheint aber die Ur&longs;ache die&longs;es Unfalls nicht die
Entz&uuml;ndung der brennbaren Luft, &longs;ondern das Zerrei&szlig;en
der Ma&longs;chine gewe&longs;en zu &longs;eyn, welche &longs;eit langer Zeit
durch die Witterung gelitten hatte. Endlich hat man auch
das Steigen oder Fallen durch auf - und niederbewegte
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruder</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fl&uuml;gel</HI> zu bewirken ge&longs;ucht, bisher noch ohne
&longs;onderlichen Erfolg; Vlanchard hat &longs;einem Aero&longs;tat einen
Fall&longs;chirm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Parach&ucirc;te</HI>)</HI> in Ge&longs;talt eines ausge&longs;pannten Regen&longs;chirms
beygef&uuml;gt, der allerdings dazu beytr&auml;gt, ein
pl&ouml;tzliches Niederfallen zu verh&uuml;ten.</P><P TEIFORM="p">Was die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">horizontale</HI> Bewegung betrifft, &longs;o i&longs;t der
&longs;ich &longs;elb&longs;t &uuml;berla&longs;&longs;ene Aero&longs;tat g&auml;nzlich ein Spiel des Windes,
der ihn ergreift und nach &longs;einer Richtung forttreibt,
da er bey einer vollkommnen Wind&longs;tille &longs;ich gar nicht horizontal
bewegen w&uuml;rde. Sich von die&longs;er Abh&auml;ngigkeit zu
befreyen, und den Aero&longs;tat nach einer vom Winde abweichenden
willk&uuml;hrlichen Richtung zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">lenken,</HI> das i&longs;t das
gro&szlig;e Problem, de&longs;&longs;en Aufl&ouml;&longs;ung noch bis jetzt die Naturfor&longs;cher
be&longs;ch&auml;ftiget. Seitdem die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
zu Lyon die&longs;es Problem zur Preisfrage f&uuml;r 1784
aufgegeben hat, &longs;ind hier&uuml;ber eine Menge theils &longs;innreicher,
theils th&ouml;richter Vor&longs;chl&auml;ge gethan worden. Unter
die letztern &longs;ind diejenigen zu rechnen, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Segel</HI> zu
brauchen anrathen, durch welche der &longs;chief an&longs;to&szlig;ende Wind
den Aero&longs;taten, wie ein Schiff auf der See, treiben &longs;oll.
Man hat hiebey nicht bedacht, da&szlig; der Wind aufh&ouml;rt,
auf den Aero&longs;taten zu wirken, &longs;obald die&longs;er mit ihm eine
gleiche Ge&longs;chwindigkeit angenommen hat, da&szlig; &longs;ich al&longs;o der<PB ID="P.1.79" N="79" TEIFORM="pb"/>
Aero&longs;tat nicht in dem Falle des &longs;egelnden Schiffes befindet,
welches von dem Wider&longs;tande des Wa&longs;&longs;ers alle Augenblicke
zur&uuml;ckgehalten wird, und nie eine dem Winde gleiche
Ge&longs;chwindigkeit erlangt, da&szlig; er vielmehr in dem Falle einer
Kugel i&longs;t, welche eben &longs;o ge&longs;chwind vor der Hand herrollet,
als die&longs;e nachfolgt, in welche al&longs;o die Hand nicht
wirken kan, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Kraft, relative.</HI> Daher k&ouml;nnen hier
auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Steuerruder</HI> keine Wirkung thun, welche man
&longs;chief gegen den Wind zu richten vorge&longs;chlagen hat.</P><P TEIFORM="p">Be&longs;&longs;er &longs;ind die Vor&longs;chl&auml;ge von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rudern</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fl&uuml;geln,</HI>
welche von den Luftfahrern ihrer Ab&longs;icht gem&auml;&szlig; gegen
die Luft, wie Ruder gegen das Wa&longs;&longs;er, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">bewegt</HI> werden.
Die damit ange&longs;tellten Proben &longs;ind noch bisher am
gl&uuml;cklich&longs;ten ausgefallen, und die Br&uuml;der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Robert</HI> behaupten,
am 19 Sept. 1784 damit 2 Grad Abweichung
vom Winde erreicht zu haben. Es i&longs;t am be&longs;ten, &longs;olche
Ruder ganz einfach zu machen; alle mechani&longs;che K&uuml;n&longs;teleyen
w&uuml;rden mehr hinderlich &longs;eyn. So haben die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberts,
Blanchard</HI> u. a. ganz einfache runde oder viereckichte
Fl&auml;chen von Seide oder Leinwand in einen Rahmen
gefa&szlig;t, und mit dem Stiele, wenn &longs;ie nach der Richtung
des Windes &longs;chlugen, die Fl&auml;che, wenn &longs;ie das Ruder gegen
den Wind zur&uuml;ckzogen, die Sch&auml;rfe nach dem Winde
gekehrt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lunardi</HI> &longs;etzte &longs;eine Ruder aus &longs;eidnen Klappen
zu&longs;ammen, welche &longs;ich, nach dem Winde bewegt, zu&longs;chlugen,
gegen ihn gef&uuml;hrt, &ouml;fneten, da&szlig; al&longs;o das Umwenden
nicht n&ouml;thig war. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zambeccari</HI> richtete die &longs;einigen &longs;o
ein, da&szlig; &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t umwendeten. Die gl&uuml;cklich&longs;te
Wirkung &longs;ollen die Ruder der Herren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vallet</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alban</HI>
bey ihrem Ver&longs;uche vom 29 Augu&longs;t 1785 gethan haben.</P><P TEIFORM="p">Der Vor&longs;chlag, durch eine kleine Oefnung an der
Seite des Aero&longs;tats eine St&ouml;rung des Gleichgewichts zu
bewirken, und dadurch eine Bewegung der Kugel &longs;elb&longs;t in
Wind&longs;tillen zu veranla&longs;&longs;en, geh&ouml;rt dem einen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montgolfier</HI>
&longs;elb&longs;t zu; Andere haben durch den Sto&szlig; der Luft aus
einer Aeolipile oder durch Abbrennung von Racketen gegen
den Wind zu wirken angerathen. Noch Andere glauben,
da in den ver&longs;chiedenen Regionen der Atmo&longs;ph&auml;re ganz ver&longs;chiedene<PB ID="P.1.80" N="80" TEIFORM="pb"/>
Luftz&uuml;ge herr&longs;chen, die oft in der H&ouml;he dem untern
Winde ganz entgegenge&longs;etzt &longs;ind, &longs;o &longs;ey es genug,
durch abwech&longs;elndes Steigen und Fallen diejenige Region
aufzu&longs;uchen, in welcher der erw&uuml;n&longs;chte Wind herr&longs;che.
Die Ausf&uuml;hrung die&longs;es Vor&longs;chlags &longs;etzt aber eine genauere
Kenntni&szlig; der Winde in ver&longs;chiedenen H&ouml;hen voraus, als
wir noch bisher erlangt haben.</P><P TEIFORM="p">Ueber den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nutzen,</HI> der &longs;ich von der Erfindung der
Aero&longs;taten erwarten l&auml;&szlig;t, etwas Ent&longs;cheidendes zu &longs;agen,
i&longs;t bey einem &longs;o geringen Alter und unvollkommenen Zu&longs;tande
der&longs;elben kaum m&ouml;glich. Sie i&longs;t, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franklin</HI>
ge&longs;agt haben &longs;oll, ein neugebohrnes Kind, das der Erziehung
und Ausbildung bedarf, &uuml;ber de&longs;&longs;en k&uuml;nftige Verdien&longs;te
zu ent&longs;cheiden, Thorheit w&auml;re. Unter den H&auml;nden
ein&longs;ichtsvoller Naturfor&longs;cher k&ouml;nnte &longs;ie vielleicht an&longs;ehnliche
Verbe&longs;&longs;erungen erhalten, und zur Erweiterung der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
&longs;owohl als zum Vortheile der men&longs;chlichen Ge&longs;ell&longs;chaft
auf manche Wei&longs;e n&uuml;tzlich werden; wofern nicht ein
ungl&uuml;ckliches Schick&longs;al &longs;ie ganz den H&auml;nden eitler oder gewinn&longs;&uuml;chtiger
Wagh&auml;l&longs;e &uuml;berliefert, die &longs;ie zur Schau herumzutragen,
und den Enthu&longs;iasmus, mit dem man &longs;ie
zuer&longs;t aufnahm, in kalte Gleichg&uuml;ltigkeit zu verwandeln
anfangen. Die bisher ange&longs;tellten Luftfahrten &longs;ind freylich
gr&ouml;&szlig;tentheils blo&szlig;e Schau&longs;piele gewe&longs;en, und haben uns
noch wenig eigentlichen Nutzen oder Belehrung &uuml;ber den
Zu&longs;tand der Atmo&longs;ph&auml;re ver&longs;chaft, ob &longs;ie gleich die Luftfahrer
immer &longs;ehr reichlich mit meteorologi&longs;chen Werkzeugen
ausger&uuml;ftet hatten. Die auffallende Unterla&longs;&longs;ung des
Gebrauchs die&longs;er Werkzeuge i&longs;t theils der Unwi&longs;&longs;enheit
mancher Luft&longs;chiffer, theils ihrer &longs;ehr zu ent&longs;chuldigenden
Zer&longs;treuung durch andere Gegen&longs;t&auml;nde zuzu&longs;chreiben. Man
i&longs;t inzwi&longs;chen den k&uuml;hnen Unternehmern der er&longs;ten Luftrei&longs;en
den w&auml;rm&longs;ten Dank &longs;chuldig; &longs;ie haben mit Gefahr
ihres Lebens die M&ouml;glichkeit einer Unternehmung bewie&longs;en,
die dem men&longs;chlichen Ver&longs;tande zur Ehre gereicht, und &longs;einer
Wirk&longs;amkeit ein neues Gebiet er&ouml;fnet. Dem er&longs;ten
Luftfahrer, Pilatre de Rozier, neb&longs;t &longs;einem Gef&auml;hrten,
hat &longs;ie zwar das Leben geko&longs;tet; allein wie wahr&longs;cheinlich<PB ID="P.1.81" N="81" TEIFORM="pb"/>
i&longs;t es, da&szlig; unter den 60&mdash;70 er&longs;ten Seefahrern weit mehr,
als zween, verungl&uuml;ckt &longs;eyn m&ouml;gen. Auch haben nachher
ange&longs;tellte Luftrei&longs;en &longs;chon bewie&longs;en, da&szlig; die&longs;er ungl&uuml;ckliche
Fall die Fort&longs;etzung der aero&longs;tati&longs;chen Ver&longs;uche nicht hemmen
werde.</P><P TEIFORM="p">Welche Vortheile die&longs;e Erfindung in Zukunft gew&auml;hren
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">k&ouml;nnte,</HI> kan &longs;ich Jeder, auch mit nur m&auml;&szlig;ig lebhafter
Einbildungskraft, &longs;elb&longs;t vor&longs;tellen; f&uuml;r die Phy&longs;ik werden
genauere Unter&longs;uchungen &uuml;ber den Zu&longs;tand der Atmo&longs;ph&auml;re,
&uuml;ber Wolken, Ent&longs;tehung des Regens und der Meteore
&uuml;berhaupt, &uuml;ber die Stralenbrechung, Abnahme der
Schwere, Fortpflanzung des Schalls, Elektricit&auml;t der
Atmo&longs;ph&auml;re rc. die wichtig&longs;ten &longs;eyn. Zur Unter&longs;uchung
der atmo&longs;ph&auml;ri&longs;chen Elektricit&auml;t &longs;ind kleinere Aero&longs;taten
mit brennbarer Luft, &longs;chon mit gro&szlig;em Vortheil, &longs;tatt der
bisher gew&ouml;hnlichen Drachen gebraucht worden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">De&longs;cription des experiences de la machine a&euml;ro&longs;tatique,
par M. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Faujas de St. Fond.</HI> Paris 1783. 8. Premiere &longs;uite
de la de&longs;cription des exp. etc. Paris 1784. 8.</HI> Be&longs;chreibung
der Ver&longs;uche mit den aero&longs;tati&longs;chen Ma&longs;chinen von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faujas de
St. Fond.</HI> Leipzig 1784. 8. Fortge&longs;etzte Be&longs;chreibung rc. mit
einem Nachtrage der neu&longs;ten Ver&longs;uche. Leipzig, 1785. 8.</P><P TEIFORM="p">Montgolfier&longs;che Luftk&ouml;rper von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">F. L. Ehrmann.</HI> Stra&szlig;burg
1784. 8. Ge&longs;chichte der Aero&longs;tatik, hi&longs;tori&longs;ch, phy&longs;i&longs;ch
und mathemati&longs;ch ausgef&uuml;hrt (von Kramp.) Er&longs;ter Theil
Stra&szlig;burg 1784. Zweiter Th. eb. 1785. 8. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tib. Cavallo</HI>
Ge&longs;chichte und Praxis der Aero&longs;tatik., a. d. Engl. Leipzig 1785. 8.</P></DIV2><DIV2 N="Aero&longs;tatik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aero&longs;tatik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&euml;ro&longs;tatica</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&euml;ro&longs;tatique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er
Name geb&uuml;hrt eigentlich der Lehre vom Gleichgewicht der
Luft, &longs;owohl f&uuml;r &longs;ich, als mit andern K&ouml;rpern, i&longs;t auch
in die&longs;er Bedeutung &longs;ehr richtig &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr.
a&euml;ro&longs;tat.)</HI> und neuerlich von Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kar&longs;ten</HI> (Lehrbegrif
der ge&longs;ammten Mathematik. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Th. Greifswald 1769. 8.)
gebraucht worden. Er bezeichnet auf die&longs;e Art einen gro&longs;&longs;en
Theil der Aerometrie, welche &longs;ich in Aero&longs;tatik, Pnevmatik
und Aerodynamik abtheilen l&auml;&szlig;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aerometrie.</HI>
Seit der Entdeckung der Luftb&auml;lle haben einige angefangen,
den Namen der Aero&longs;tatik in einge&longs;chr&auml;nkterm Sinne blo&szlig;<PB ID="P.1.82" N="82" TEIFORM="pb"/>
der Lehre von den Aero&longs;taten (&longs;. den vorhergehenden Artikel)
beyzulegen, die doch nur einen Theil der eigentlichen
Aero&longs;tatik ausmacht. Meines Erachtens w&auml;re f&uuml;r die&longs;e
Lehre der Name <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aeronautik</HI> &longs;chicklicher, da die Hauptab&longs;icht
doch auf Luft&longs;chiffahrt, oder willk&uuml;hrliche Bewegung
die Aero&longs;taten in der Luft, gerichtet i&longs;t. Die Engl&auml;nder,
z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo,</HI> brauchen das noch un&longs;chicklichere Wort:
<HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aero&longs;tation,</HI></HI> welches eher die Kun&longs;t bezeichnet, in der Luft
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tillzu&longs;tehen,</HI> als die, in der&longs;elben zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chiffen.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aero&longs;tati&longs;che Ma&longs;chine, Aero&longs;tat.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aether" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aether, Himmelsluft, feine Materie im
Weltraume, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aether, materia &longs;ubtilis, elementum primum
Carte&longs;ii</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ether, mati&egrave;re &longs;ubtile</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Namen, welche
die Naturfor&longs;cher einer von ihnen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">angenommenen</HI> &auml;u&longs;&longs;er&longs;t
feinen und ela&longs;ti&longs;chen fl&uuml;&szlig;igen Materie beylegen, welche
durch den ganzen Weltraum verbreitet &longs;eyn, und durch
die Zwi&longs;chenr&auml;ume aller K&ouml;rper dringen &longs;oll. Alles, was
&longs;ich von die&longs;em Gegen&longs;tande &longs;agen l&auml;&szlig;t, i&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">hypotheti&longs;ch,</HI>
und blo&szlig; zur Erkl&auml;rung gewi&longs;&longs;er Er&longs;cheinungen angenommen;
unmittelbare und klare Erfahrungen &uuml;ber das Da&longs;eyn
und die Eigen&longs;chaften des Aethers fehlen g&auml;nzlich.
Daher die&longs;er Artikel nichts weiter, als eine kurze Anzeige
men&longs;chlicher Meynungen enthalten kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI> welcher voraus&longs;etzte, da&szlig; es in der
Welt gar keinen&verbar; leeren Raum gebe, nahm an, der
Sch&ouml;pfer habe bey Hervorbringung der Welt eine Menge
Theilchen von ver&longs;chiednen Ge&longs;talten in Bewegung ge&longs;etzt;
durch das Abtreiben die&longs;er Theilchen an einander &longs;eyen drey
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Elemente</HI> ent&longs;tanden; aus den fein&longs;ten abgeriebnen St&auml;ubchen
be&longs;tehe das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;te,</HI> aus den kugelf&ouml;rmigen Theilchen
das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweyte,</HI> aus den gr&ouml;bern und unregelm&auml;&szlig;ig gebildeten
das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dritte Element.</HI> Die&longs;es dritte Element &longs;ey&verbar; der
Stof der Erde und der Planeten, das zweyte die Materie
des Lichts, das er&longs;te aber oder die &longs;ubtile Materie bilde,
wenn &longs;ie &longs;ich um einen Mittelpunkt ordne, eine Sonne,
f&uuml;lle aber auch die Zwi&longs;chenr&auml;ume aus, welche zwi&longs;chen
den eckichten oder runden Ge&longs;talten der &uuml;brigen Elemente<PB ID="P.1.83" N="83" TEIFORM="pb"/>
leer blieben, und &longs;o &longs;chlie&szlig;e die Materie des Ganzen mit der
vollkommen&longs;ten Ber&uuml;hrung zu&longs;ammen. So hat er &longs;ich
unter dem Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">er&longs;ten Elements</HI> fa&longs;t eben das vorge&longs;tellt,
was neuere Naturlehrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> nennen, eine feine
durch den Weltraum und die Zwi&longs;chenr&auml;ume der K&ouml;rper
verbreitete Materie, die er zwar von der Materie des Lichts
unter&longs;chied, aber doch mit zur Erkl&auml;rung des Lichts und
&uuml;berhaupt aller Er&longs;cheinungen der K&ouml;rperwelt gebrauchte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Malebranche</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recherche de la verit&eacute;. L. VI.
ch. 9.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jacob Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De gravitate aetheris.
Am&longs;t. 1683. 8.)</HI> &longs;chreiben dem Drucke einer &longs;olchen Materie,
die &longs;ie Aether nennen, die Fe&longs;tigkeit und den Zu&longs;ammenhang
der K&ouml;rper zu. Der Letztere nimmt eigentlich
den Aether hiebey zu H&uuml;lfe, weil er mit dem Drucke der
Luft allein nicht auskommen kann.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Trait&eacute; de la lumiere. Leide 1690. 4.)</HI>
legt der Lichtmaterie &longs;elb&longs;t den Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> bey, &longs;chreibt
ihr Ela&longs;ticit&auml;t zu, und erkl&auml;rt die Fortpflanzung des Lichts
in der&longs;elben durch wellenf&ouml;rmige Bewegungen, oder Wirbel,
welche jedes von dem leuchtenden K&ouml;rper bewegte
Theilchen der&longs;elben rings um &longs;ich her errege. Er leitet die
Ph&auml;nomene des Doppel&longs;teins oder isl&auml;ndi&longs;chen Kry&longs;talls
von einer doppelten Art die&longs;er Wirbel her, deren eine kugelrund,
die andere l&auml;nglich &longs;ey. So erdachten &longs;ich die&longs;e
Naturlehrer Materien und Bewegungen der&longs;elben nach ihrem
Gefallen und nach dem Bed&uuml;rfni&longs;&longs;e ihrer Hypothe&longs;en,
ohne eine einzige unmittelbare Erfahrung &uuml;ber das wirkliche
Da&longs;eyn der&longs;elben anzuf&uuml;hren.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> dem die willk&uuml;hrliche und hypotheti&longs;che
Art, &uuml;ber die Natur zu philo&longs;ophiren, &auml;u&szlig;er&longs;t misfiel,
ward durch Experimentalunter&longs;uchungen des Lichts auf das
Emanations&longs;y&longs;tem geleitet, und erkl&auml;rt &longs;ich an ver&longs;chiedenen
Stellen &longs;einer Schriften gegen die Hypothe&longs;en vom
Aether, &longs;o wie gegen alle Hypothe&longs;en &uuml;berhaupt. Haupt&longs;&auml;chlich
aber be&longs;treitet er die Meynungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI>
von dem v&ouml;llig ausgef&uuml;llten Raume, und des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI>
von der Fortpflanzung des Lichts durch wellenf&ouml;rmige
Schwingungen des Aethers. Inzwi&longs;chen i&longs;t &longs;eine Meynung<PB ID="P.1.84" N="84" TEIFORM="pb"/>
wohl nicht dahin gegangen, das Da&longs;eyn einer feinen
Materie im Himmelsraume und in den Zwi&longs;chenr&auml;umen
der K&ouml;rper zu l&auml;ugnen. Wenn er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. naturalis princip.
math. L. III. Prop. 10.)</HI> behauptet, die Planeten
litten bey ihren Bewegungen im Himmelsraume keinen
Wider&longs;tand, &longs;o bewei&longs;et er die&longs;es nur daraus, weil die Luft
200 Meilen &uuml;ber der Erde &longs;chon 75 Billionenmal d&uuml;nner,
als an der Erdfl&auml;che &longs;ey, und Iupiter in einem &longs;o d&uuml;nnen
Mittel eine Million Jahre laufen k&ouml;nnte, ehe er durch den
Wider&longs;taud de&longs;&longs;elben nur ein Milliontheilchen der ihm mitgetheilten
Bewegung verlieren w&uuml;rde. Dies hei&szlig;t wohl
nicht, eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ab&longs;olute Leere,</HI> es hei&szlig;t, eine &auml;u&szlig;er&longs;t feine
Materie in den Himmelsraum &longs;etzen, oder es hei&szlig;t vielmehr,
nicht ent&longs;cheiden, aber nur zeigen, da&szlig; auch, wenn
eine &longs;olche Materie da w&auml;re, der Wider&longs;tand noch nicht
merklich &longs;eyn k&ouml;nne. Und was den Aether in den Zwi&longs;chenr&auml;umen
der K&ouml;rper betrift, &longs;o zeigt der Schlu&szlig; &longs;einer
Principien deutlich, da&szlig; er das Da&longs;eyn de&longs;&longs;elben f&uuml;r wahr&longs;cheinlich
gehalten habe. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&rdquo;Adjicere liceret,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">non&rdquo;nulla
de &longs;piritu quodam &longs;ubtili&longs;&longs;imo corpora cra&longs;&longs;a
&rdquo;pervadente, et in iisdem latente etc.&ldquo;</HI> Er wirft &uuml;ber die&longs;e
in den K&ouml;rpern verborgne feine Materie in &longs;einer Optik
einige merkw&uuml;rdige Fragen auf. Zwar i&longs;t nicht zu l&auml;ugnen,
da&szlig; in den &auml;ltern Ausgaben die&longs;es Werks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Optice;
aut. I&longs;. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Newtono,</HI> latine redd. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Sam. Clarke,</HI> Lond. 1706.
4. qu. 23.)</HI> &longs;eine Ausdr&uuml;cke mehr Kr&auml;fte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(virtutes, potentias)</HI>
bezeichnen, als den Sto&szlig; einer feinen Materie
angeben. Er &longs;etzt aber ausdr&uuml;cklich hinzu: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Fieri &longs;ane pote&longs;t,
ut haec attractio efficiatur <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Impul&longs;u.</HI></HI> Allein in des
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Co&longs;te</HI> franz&ouml;&longs;i&longs;cher Ueber&longs;etzung, welche nach der zweyten
engli&longs;chen Ausgabe von 1718 gemacht i&longs;t, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Trait&eacute; d' optique,
par M. le Chev. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Newton.</HI> Am&longs;terd. 1720. gr. 12.)</HI>
&longs;ind die der Optik beygef&uuml;gten Fragen ganz umge&auml;ndert.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> fragt hier <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(qu. 18&mdash;21),</HI> ob nicht vielleicht die
Erw&auml;rmung der K&ouml;rper durch die Licht&longs;tralen, Brechung
und Zur&uuml;ckwerfung des Lichts, Schwere und viele andere
Ph&auml;nomene der K&ouml;rperwelt, durch eine ela&longs;ti&longs;che Materie,
erkl&auml;rt werden k&ouml;nnten, deren Schwingungen 700000mal<PB ID="P.1.85" N="85" TEIFORM="pb"/>
&longs;chneller, als die Schwingungen der Luft beym Schalle,
w&auml;ren, und die daher eine 490000 Millionenmal &longs;t&auml;rkere
Ela&longs;ticit&auml;t, als die Luft, be&longs;itze; ob nicht die W&auml;rme den
luftleeren Raum mit H&uuml;lfe eines weit feinern Mittels
durchdringe; ob nicht die Zur&uuml;ckwerfung des Lichts von
der ver&longs;chiedenen Dichte die&longs;es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&auml;theri&longs;chen Mittels</HI> herr&uuml;hre,
u. &longs;. w. Die&longs;e Fragen bewei&longs;en deutlich, da&szlig; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI>
das Da&longs;eyn einer &longs;olchen Materie keineswegs f&uuml;r unwahr&longs;cheinlich
gehalten habe. Inzwi&longs;chen konnte er bey
&longs;einer Lehrart, welche blo&szlig; von allgemeinen Ph&auml;nomenen
ausgieng, ohne deren Ur&longs;achen erkl&auml;ren zu wollen, den
Aether, &longs;o wie alle Hypothe&longs;en, v&ouml;llig entbehren.</P><P TEIFORM="p">Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> hat in &longs;einer mit &longs;o vielem Beyfall aufgenommenen
Theorie des Lichts und der Farben (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht</HI>)
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> oben angef&uuml;hrte Meynung zum Grunde gelegt,
und ein Geb&auml;ude von Rechnungen darauf errichtet, welches
ihn als Mathematiker in &longs;einer ganzen Gr&ouml;&szlig;e zeigt.
Fortpflanzung des Lichts und Ent&longs;tehung der Farben werden
darinn lediglich den Schwingungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aethers</HI> zuge&longs;chrieben.
Als Phy&longs;iker, h&auml;tte der vortrefliche Urheber
die&longs;er Theorie eigentlich mit Erfahrungen &uuml;ber das Da&longs;eyn
eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aethers</HI> den Anfang machen &longs;ollen, wenn &longs;eine
Lehre mehr als Hypothe&longs;e oder Vor&longs;tellungsart &longs;eyn &longs;ollte.
Statt de&longs;&longs;en begn&uuml;gt er &longs;ich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Emanations&longs;y&longs;tem
und die Leere der Himmelsr&auml;ume zu be&longs;treiten. Er
wundert &longs;ich, da&szlig; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> um die Bewegung der Planeten
nicht zu hindern, eine Leere im Himmelsraume angenommen,
und doch durch &longs;eine ausflie&szlig;enden Licht&longs;tralen
die&longs;e Leere wieder mit einer Materie ausgef&uuml;llt habe, deren
&longs;tete und heftige Bewegung den Lauf der Planeten unendlich
&longs;t&auml;rker &longs;t&ouml;ren m&uuml;&longs;&longs;e. &rdquo;Ein trauriges Bey&longs;piel
&rdquo;men&longs;chlicher Weisheit,&ldquo; &longs;agt er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettres &agrave; une prince&longs;&longs;e
d' Allemagne. L. 18.),</HI> &rdquo;die, um einer Schwie&rdquo;rigkeit
auszuweichen, oft auf eine weit gr&ouml;&szlig;ere Thor&rdquo;heit
verf&auml;llt.&ldquo; Dies Urtheil &uuml;ber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;cheint
mir zu hart; ich kenne keine Stelle &longs;einer Schriften, die
eine ab&longs;olute Leere im Weltraume behauptete; er &longs;treitet
&uuml;berall blo&szlig; gegen den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ab&longs;olut</HI> und ohne alle leere Zwi&longs;chenr&auml;ume<PB ID="P.1.86" N="86" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">erf&uuml;llten Raum</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">plein ab&longs;olu</HI>)</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI>
und wenn einige &longs;einer Sch&uuml;ler und deren Aus&longs;chreiber
aus Misver&longs;tand, zum Theil aus Unver&longs;tand, weiter
gegangen &longs;ind, &longs;o mu&szlig; man ihre k&uuml;hnen Aus&longs;pr&uuml;che nicht
f&uuml;r Behauptungen des weit be&longs;cheidnern und vor&longs;ichtigern
Lehrers halten.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> macht &longs;ich vom <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether,</HI> der ihm zu &longs;einer
Theorie vom Lichte unentbehrlich i&longs;t, die Vor&longs;tellung, da&szlig;
er eine h&ouml;ch&longs;t feine, fl&uuml;&szlig;ige, ela&longs;ti&longs;che Materie &longs;ey, und
verm&ouml;ge &longs;einer Ela&longs;ticit&auml;t die Himmelsr&auml;ume &longs;owohl, als
die Zwi&longs;chenr&auml;ume der K&ouml;rper erf&uuml;lle. Er erkl&auml;rt durch
die Schwingungen de&longs;&longs;elben das Licht und die Farben, aus
&longs;einer Ela&longs;ticit&auml;t die elektri&longs;chen Er&longs;cheinungen und viele
andere Ph&auml;nomene der Natur. Der Beyfall, den die
Euleri&longs;che Theorie des Lichts unter den Naturfor&longs;chern gefunden
hat, hat auch die&longs;er Idee vom Aether eine fa&longs;t allgemeine
Aufnahme ver&longs;chaft; und in der That kan man
eben &longs;o wenig gegen die Wahr&longs;cheinlichkeit des Da&longs;eyns
einer &longs;olchen Fl&uuml;&szlig;igkeit etwas einwenden, als man unmittelbare
Bewei&longs;e daf&uuml;r anf&uuml;hren oder Ver&longs;uche &uuml;ber ihre
Natur an&longs;tellen kan. Da&szlig; die Himmelsr&auml;ume nicht leer
&longs;ind, und da&szlig; &longs;elb&longs;t in luftleeren R&auml;umen noch etwas weit
Feineres, als Luft, vorhanden &longs;ey, l&auml;&szlig;t &longs;ich gar nicht
l&auml;ugnen: da&szlig; man die&longs;es Etwas <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether</HI> nenne, dawider
i&longs;t nichts einzuwenden, wenn man nur zugleich ge&longs;tehet,
da&szlig; wir nicht viel von die&longs;em Etwas wi&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Einige A&longs;tronomen haben in den Bewegungen der
Planeten Ver&auml;nderungen finden wollen, welche einigen
Wider&longs;tand des Mittels, in welchem &longs;ie laufen, anzuzeigen
&longs;cheinen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De relaxatione motus planetarum
a re&longs;i&longs;tentia aetheris orta, in Opu&longs;c. To. I. no. 4.)</HI> &longs;etzt &longs;ie
haupt&longs;&auml;chlich in eine Verk&uuml;rzung der gro&szlig;en Axe ihrer
Bahnen und der Umlaufszeiten; er nimmt an, das Sonnenjahr
werde alle Jahrhunderte etwa um 5 Secunden
k&uuml;rzer. Die Pari&longs;er Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften hatte
f&uuml;r 1762 die Frage aufgegeben, ob dergleichen Wider&longs;tand
vorhanden w&auml;re, und was er f&uuml;r Wirkungen h&auml;tte. Der
Abb&eacute; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bo&longs;&longs;ut</HI> erhielt den Preis und Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albert Euler</HI><PB ID="P.1.87" N="87" TEIFORM="pb"/>
das Acce&longs;&longs;it <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil des pi&eacute;ces, qui ont remport&eacute; le
prix de l'ac. roy. To. VIII. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bo&longs;&longs;ut</HI> Recherches &longs;ur les
alt&eacute;rations, que la re&longs;i&longs;tence de l' &eacute;ther peut produire
dans les mouvemens moyens des plan&eacute;tes. Charleville
1766. 4.).</HI> Dennoch urtheilt Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> (A&longs;tronom.
Handb. &sect;. 1059.), bisher bewei&longs;e noch nichts einen
Wider&longs;tand der &auml;theri&longs;chen Materie; und nach dem Einge&longs;t&auml;ndni&longs;&longs;e
aller A&longs;tronomen m&uuml;&szlig;ten die Himmelsk&ouml;rper,
wenn nicht in einem ganz leeren Raume, wenig&longs;tens in
einer Materie &longs;ich befinden, deren Wirkung unmerklich,
und welche f&uuml;r uns eben &longs;o, als ein leerer Raum, &longs;ey.</P></DIV2><DIV2 N="Aether" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aether</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Aether, Naphtha, Spiritus aethereus,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ether.</HI></HI> In der Chymie i&longs;t dies der Name einer wei&szlig;en
durch&longs;ichtigen Feuchtigkeit, von einem be&longs;ondern h&ouml;ch&longs;tdurchdringenden
Geruche, welche ungemein leicht, fl&uuml;chtig
und entz&uuml;ndbar i&longs;t, und aus dem Weingei&longs;te vermittel&longs;t
der S&auml;uren bereitet wird. Der Aether vermi&longs;cht &longs;ich
nicht in allen Verh&auml;ltni&longs;&longs;en mit dem Wa&longs;&longs;er; er &longs;cheint
&uuml;berhaupt einigen Chymikern das Mittel zwi&longs;chen dem
Weingei&longs;te und den Oelen zu halten, und ein Weingei&longs;t
zu &longs;eyn, der durch die S&auml;ure &longs;eines Wa&longs;&longs;ers zum Theil
beraubt, und der Natur der Oele n&auml;her gebracht worden
i&longs;t; andere glauben, die S&auml;ure wirke mehr auf des Weingei&longs;ts
&ouml;lichte Theile, und erzeuge mit ihnen den Aether.</P><P TEIFORM="p">Der Aether wird durch die De&longs;tillation des rectificirten
Weingei&longs;ts mit S&auml;uren bereitet; je nachdem man
hiezu Vitriol&longs;&auml;ure, Salpeter&longs;&auml;ure, E&szlig;ig&longs;&auml;ure oder Salzgei&longs;t
gebraucht, erh&auml;lt er die Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vitriolaether</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Naphta vitrioli),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Salpeteraether, E&szlig;igaether,
Salzaether.</HI> Ohne n&auml;here Be&longs;timmung des Worts wird
unter Aether gemeiniglich Vitriolaether ver&longs;tanden.</P><P TEIFORM="p">Der Aether verd&uuml;n&longs;tet &auml;u&szlig;er&longs;t leicht, und bringt
dabey eine gro&szlig;e K&auml;lte hervor. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baume</HI> hat ein Reaum&uuml;ri&longs;ches
Thermometer durch Umwicklung der Kugel mit
Leinwand, die in Aether getaucht war, bis auf 40 Grad
unter den Eispunkt fallen &longs;ehen. Man kan al&longs;o damit im
hei&szlig;e&longs;ten Sommer Wa&longs;&longs;er zum Gefrieren bringen. Etwas<PB ID="P.1.88" N="88" TEIFORM="pb"/>
Aether in einem kleinen L&ouml;ffel verd&uuml;n&longs;tet bald in der
Luft, und ver&longs;chwindet aus den Augen. Er i&longs;t ein kr&auml;ftiges
Aufl&ouml;&longs;ungsmittel aller &ouml;lichten Materien, z. B. des
Copals, des ela&longs;ti&longs;chen Harzes u. &longs;. w., nimmt das Gold
aus dem K&ouml;nigswa&longs;&longs;er an &longs;ich, und wird in der Arzneykun&longs;t
mit Weingei&longs;t vermi&longs;cht, zu dem Hofmanni&longs;chen
&longs;chmerz&longs;tillenden Gei&longs;te <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(liquor anodynus mineralis)</HI> gebraucht.</P><P TEIFORM="p">Macqueur's chym. W&ouml;rterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aether.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aetzbarkeit, &longs;. Kau&longs;ticit&auml;t.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Affinit&auml;t, &longs;. Verwandt&longs;chaft.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aggregat" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aggregat, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Aggregatum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Aggr&eacute;gation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Wenn
ein Ganzes aus mehrern Theilen &longs;o ent&longs;teht, da&szlig; ein Theil
&longs;ich blo&szlig; neben den andern legt, und durch die Kraft des
Zu&longs;ammenhangs bey der Ber&uuml;hrung, oder durch ein bindendes
Mittel mit dem nebenliegenden vereiniget wird, &longs;o
erh&auml;lt ein &longs;olches Ganzes den Namen Aggregat. Dabey
bleibt die Be&longs;chaffenheit der Theile unver&auml;ndert. Wenn
hingegen die Theile in einander greifen, einander aufl&ouml;&longs;en,
und &longs;ich &longs;o zu einem Ganzen verbinden, das andere Eigen&longs;chaften
hat, als vorher jeder Theil f&uuml;r &longs;ich hatte, &longs;o hei&szlig;t
das Ganze ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gemi&longs;ch, Mi&longs;chung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mixtum).</HI> So
i&longs;t z. B. ein Sand&longs;tein oder eine Breccia ein Aggregat
von K&ouml;rnern oder Steinen; eine Silberaufl&ouml;&longs;ung hingegen
eine Mi&longs;chung von Silber und Scheidewa&longs;&longs;er.</P></DIV2><DIV2 N="Akronykti&longs;ch" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Akronykti&longs;ch, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acronychos &longs;. Acronyctus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acronyche,
Acronyctique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&szlig;t der Auf- oder Untergang der
Ge&longs;tirne, wenn er zu Anfang der Nacht, oder mit Sonnenuntergang
ge&longs;chieht. So geht Sirius f&uuml;r Leipzig j&auml;hrlich
um den 8 Febr. mit Sonnenuntergang auf, und um den
17 May mit der Sonne zugleich unter. Dies &longs;ind al&longs;o
bey uns die Tage &longs;eines akronykti&longs;chen Auf- und Untergangs.</P><P TEIFORM="p">In den &auml;lte&longs;ten Zeiten, ehe noch der Kalender geh&ouml;rig
geordnet war, pflegte man die Tage des Jahres
durch das mit Auf- oder Untergang der Sonne erfolgende<PB ID="P.1.89" N="89" TEIFORM="pb"/>
Auf- und Untergehen der Ge&longs;tirne zu bezeichnen. Dies haben
noch zu den Zeiten der Griechen und R&ouml;mer die Dichter
und Schrift&longs;teller vom Feldbau beybehalten. Es i&longs;t
daher zur Erkl&auml;rung der Alten nothwendig, die Tage des
Jahres finden zu k&ouml;nnen, an welchen zu jeder Zeit und
an jedem Orte ein gegebnes Ge&longs;tirn akronykti&longs;ch u. &longs;. w.
auf- und untergegangen i&longs;t. Noch etwas hievon &longs;. unter
dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aku&longs;tik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aku&longs;tik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acu&longs;tice</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acou&longs;tique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen
f&uuml;hrt die Lehre vom Schall und Ton, welche zugleich die
phy&longs;ikali&longs;chen und mathemati&longs;chen Gr&uuml;nde der Mu&longs;ik in
&longs;ich begreift. Der Name i&longs;t griechi&longs;chen Ur&longs;prungs, und
bedeutet: Geh&ouml;rlehre.</P><P TEIFORM="p">Die mathemati&longs;che Theorie der Mu&longs;ik hat &longs;chon die
Alten be&longs;ch&auml;ftiget. Man &longs;chreibt ihre Erfindung dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagoras</HI>
zu, welcher nach der Erz&auml;hlung des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iamblichus</HI>
in dem Klange der Schmiedeh&auml;mmer Accorde bemerkt,
und aus dem Gewichte der H&auml;mmer die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der&longs;elben
ge&longs;chlo&longs;&longs;en haben &longs;oll. Es wird hinzuge&longs;etzt, er habe Saiten
durch angehangene Gewichte von gleicher Gr&ouml;&szlig;e mit den Gewichten
der H&auml;mmer ge&longs;pannt, uud durch eben die&longs;e Accorde
erhalten. Die&longs;er Zu&longs;atz i&longs;t offenbar fal&longs;ch, weil die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e
der Accorde oder Con&longs;onanzen (z. B. f&uuml;r die Octave
1:1/2) nicht Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Spannungen, &longs;ondern vielmehr
der L&auml;ngen der Saiten &longs;ind, und angehangene Gewichte,
wenn &longs;ie Saiten von gleicher L&auml;nge zu einem Accorde
&longs;pannen &longs;ollen, &longs;ich nicht, wie jene L&auml;ngen, &longs;ondern
umgekehrt, wie die Quadratzahlen der&longs;elben (f&uuml;r die Octave
wie 1/4:1) verhalten m&uuml;&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die theoreti&longs;chen Mu&longs;iker der Alten haben &longs;ich in
zwo Secten, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagor&auml;er</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toxenianer,</HI>
getheilt. Jene &longs;ahen mit Recht auf die Zahl, welche
die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Accorde ausdr&uuml;cken, hiengen aber an
gewi&longs;&longs;en willk&uuml;hrlich angenommenen S&auml;tzen, z. B. da&szlig;
die Quarte &uuml;ber der Octave keine Con&longs;onanz gebe, weil
ihr Verh&auml;ltni&szlig; (1:3/8) nicht einfach genug &longs;ey. Die&longs;e
verwarfen die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e g&auml;nzlich, beriefen &longs;ich blo&szlig; auf<PB ID="P.1.90" N="90" TEIFORM="pb"/>
Empfindung, und rechneten alle Intervalle nach T&ouml;nen
und halben T&ouml;nen, ohne &longs;ich zu bek&uuml;mmern, was ein
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ton,</HI> und ob jedes Intervall eines ganzen oder halben
Tons &longs;o gro&szlig;, als das andere, &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Die &auml;lte&longs;ten Schrift&longs;teller &uuml;ber die Mu&longs;ik hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Marcus
Meibom</HI> unter dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mu&longs;ici veteres, 1652.</HI>
in zween Quartb&auml;nden herausgegeben. Des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Claudius
Ptolom&auml;us</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Harmonica</HI> neb&longs;t des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porphyrius</HI> Commentar
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Manuels von Bryenne</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Harmonica</HI> &longs;ind
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallis</HI> zu Oxford, 1682. 4. edirt, und nachher
in den dritten Band &longs;einer Werke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Io. Walli&longs;ii</HI> Opera mathematica.
Oxon. 1699. III. Vol. fol.)</HI> einger&uuml;ckt worden.</P><P TEIFORM="p">Die neuere Tonkun&longs;t weicht von den Grund&longs;&auml;tzen der
Alten betr&auml;chtlich ab. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Harmonie,</HI> oder Zu&longs;ammen&longs;timmung
mehrerer einander begleitenden Stimmen, i&longs;t,
wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">B&uuml;rette</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. de l'Acad. des In&longs;criptions et belles
lettres. a. 1716.)</HI> &longs;ehr wahr&longs;cheinlich gezeigt hat, den
Alten ganz unbekannt gewe&longs;en; unter den Neuern aber
anf&auml;nglich blo&szlig; nach Empfindung und Geh&ouml;r behandelt,
und er&longs;t von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rameau</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Trait&eacute; de la harmonie. Paris
1722. 4.),</HI> wiewohl mit vielem Willk&uuml;hrlichen vermi&longs;cht,
in ein Sy&longs;tem gebracht worden. Seit die&longs;er Zeit haben
&longs;ich Mathematiker und Tonk&uuml;n&longs;tler vereiniget, um die
Regeln der Mu&longs;ik auf be&longs;timmte Grund&longs;&auml;tze zu bringen.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tentamen novae theoriae mu&longs;ices. Petrop.
1739.</HI> gr. 4.) behandelt die Tonkun&longs;t ganz mathemati&longs;ch,
und hat zuer&longs;t &uuml;ber die vorher blo&szlig; durch Proben und Erfahrung
verbe&longs;&longs;erten Blasin&longs;trumente etwas Gr&uuml;ndliches
ge&longs;agt; brauchbare Werke f&uuml;r die Tonk&uuml;n&longs;tler &longs;elb&longs;t haben
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kirnberger</HI> (Die Kun&longs;t des reinen Satzes in der Mu&longs;ik.
Berlin 1771. 4.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Marpurg</HI> (Ver&longs;uch &uuml;ber die mu&longs;ikali&longs;che
Temperatur. Breslau 1776. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sulzer</HI>
(Allgem. Theorie der &longs;ch&ouml;nen K&uuml;n&longs;te in alphabeti&longs;cher Ordnung.
Leipz. 1773. gr. 8.) geliefert.</P></DIV2><DIV2 N="Aku&longs;ti&longs;che Werkzeuge" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aku&longs;ti&longs;che Werkzeuge</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">In&longs;trumenta acu&longs;tica,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">In&longs;trumens acou&longs;tiques.</HI></HI> Werkzeuge, deren &longs;ich &longs;chwer h&ouml;rende<PB ID="P.1.91" N="91" TEIFORM="pb"/>
Per&longs;onen bedienen, um die Wirkung des Schalls
auf ihr Geh&ouml;r zu ver&longs;t&auml;rken, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. H&ouml;rrohr.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alaun" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alaun, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alumen</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alun</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein erdiges Mittel&longs;alz,
welches durch Verbindung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vitriol&longs;&auml;ure</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thonerde</HI>
oder Alaunerde ent&longs;teht. Es l&auml;&szlig;t &longs;ich leicht in Wa&longs;&longs;er
aufl&ouml;&longs;en und kry&longs;talli&longs;iren, hat einen herb-&longs;&uuml;&szlig;lichen &longs;tark
zu&longs;ammenziehenden Ge&longs;chmack, und weil die Kry&longs;tallen
de&longs;&longs;elben viel Wa&longs;&longs;er enthalten, &longs;o gerathen &longs;ie &uuml;ber dem
Feuer von &longs;elb&longs;t in Flu&szlig;, das Wa&longs;&longs;er verd&uuml;n&longs;tet, und es
bleibt der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gebrannte Alaun,</HI> ein lockeres, trocknes und
leicht zerreibliches Salz, &uuml;brig. Man bereitet den Alaun
aus mancherley kie&longs;ichten und erdichten Materien, z. B.
aus einer Erde der Solfatara bey Puzzuolo, einem Steine
in der Gegend von Civita-Vecchia, aus Kie&longs;en und Erzen
ver&longs;chiedener Bergwerke. Man gebraucht ihn vorz&uuml;glich
in der F&auml;rbekun&longs;t, in der er eine Hauptmaterie ausmacht,
um die Farben zu befe&longs;tigen; au&szlig;erdem zum Planiren des
Papiers, Aus&longs;ieden des Silbers, Ver&longs;ilbern des Kupfers,
zur Lederbereitung, zu feuerabhaltenden An&longs;trichen, zu
Lackfarben u. &longs;. w.; auch in der Arzneykunde als ein wirk&longs;ames
zu&longs;ammenziehendes Mittel.</P><P TEIFORM="p">Macquer chym. W&ouml;rterbuch. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alaun.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alaunerde, &longs;. Thonerde.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alchymie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alchymie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alchymia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alchymie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen,
der wegen des vorge&longs;etzten arabi&longs;chen Artikels &longs;o viel,
als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chymie im vorz&uuml;glichen Ver&longs;tande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Chymie par
excellence</HI>)</HI> bedeutet, legen die &longs;ogenannten Adepten ihrer
vermeynten Wi&longs;&longs;en&longs;chaft bey, durch welche &longs;ie die Operationen
der Natur im Innern der Erde, Erzeugung und
Verwandlung der Metalle u. dgl. nachzuahmen und auszuf&uuml;hren
&longs;uchen. Seitdem man dem Golde durch ein&longs;timmigen
Vergleich einen &longs;o hohen Werth beygelegt hat, &longs;eitdem
hat auch die der aufgekl&auml;rtern Chymie &longs;o &longs;ch&auml;dliche
Ra&longs;erey des Goldmachens gew&uuml;thet. Ohne die noch bis
jetzt unent&longs;chiedene Frage von der M&ouml;glichkeit de&longs;&longs;elben zu
unter&longs;uchen, &uuml;berlie&szlig;en &longs;ich oft K&ouml;pfe, die auf einem be&longs;&longs;ern<PB ID="P.1.92" N="92" TEIFORM="pb"/>
Wege mehr zu lei&longs;ten vermocht h&auml;tten, den Trieben
der Gewinn&longs;ucht, zogen ihre Unter&longs;uchungen g&auml;nzlich auf
den engen Punkt des Goldmachens zu&longs;ammen, ver&longs;teckten
&longs;ich bey ihren fehlge&longs;chlagnen Erwartungen hinter dem
Schleyer einer geheimni&szlig;vollen und r&auml;th&longs;elhaften Sprache,
oder t&auml;u&longs;chten auch wohl leichtgl&auml;ubige Men&longs;chen durch
k&uuml;hne Betr&uuml;gereyen. Um ihrer eitlen Kun&longs;t An&longs;ehen zu
ver&longs;chaffen, &longs;chrieben &longs;ie ihr ein hohes Alter zu, und &longs;uchten
&longs;ie in den Lehren des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hermes</HI> und in der Weisheit
der alten Egyptier zu finden. Leider hat die Ge&longs;chichte der
Chymie bis ins &longs;echszehnte Jahrhundert keine andern als
alchymi&longs;ti&longs;che Schriften aufzuwei&longs;en, in welchen durch eine
Menge von unver&longs;t&auml;ndlichen Worten und &longs;elt&longs;amen Ideen
nur hin und wieder eine oder die andere n&uuml;tzliche Wahrheit
durch&longs;chimmert. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Theophra&longs;tus Paracel&longs;us Bomba&longs;t
von Hohenheim,</HI> ein ber&uuml;chtigter Alchymi&longs;t des
&longs;echszehnten Jahrhunderts und ein Mann von aus&longs;chweifender
Lebhaftigkeit, &longs;etzte zu den vorigen Thorheiten noch
die &verbar;vorgebliche Erfindung einer Univer&longs;almedicin hinzu,
verbrannte in einem Anfalle von Ra&longs;erey die B&uuml;cher der
alten Aerzte, und ward, ob er gleich im acht und vierzig&longs;ten
Jahre &longs;tarb, dennoch der Stifter einer Secte, welche
durch einen und ebenden&longs;elben Proze&szlig; &longs;ich Gold und Un&longs;terblichkeit
zu ver&longs;chaffen &longs;uchte. Diejenigen unter &longs;einen
Nachfolgern, welche &longs;ich ihren Endzweck erreicht zu haben
r&uuml;hmten, nannten &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adepten,</HI> und das Mittel, welches
ihnen die Erf&uuml;llung ihrer W&uuml;n&longs;che ver&longs;chaffen &longs;ollte,
den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stein der Wei&longs;en,</HI> &longs;o wie &longs;ie auch &longs;ich &longs;elb&longs;t den
Namen der Feuerphilo&longs;ophen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;ophi per ignem)</HI> beylegten.
So nannten &longs;ich in &auml;ltern Zeiten die Sterndeuter
Mathematiker, wie Sertus Empirikus &longs;agt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">magnifico
nomine artis vanitatem exornaturi.</HI></P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen i&longs;t doch un&longs;ere neuere, durch Bem&uuml;hungen
verdien&longs;tvoller M&auml;nner &longs;o &longs;ehr aufgekl&auml;rte, Chymie
eine Tochter die&longs;er &uuml;belber&uuml;chtigten Mutter, obgleich beyde
mit einander nichts mehr, als den Namen und einige im
Gebrauch gebliebene Kun&longs;tworte und Bezeichnungen, gemein
haben. Schon im &longs;echszehnten Jahrhunderte, und<PB ID="P.1.93" N="93" TEIFORM="pb"/>
zu den Zeiten des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Paracel&longs;us</HI> &longs;elb&longs;t, fiengen einige ver&longs;t&auml;ndige
und gelehrte M&auml;nner, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Agricola, Erker</HI>
rc. an, einen be&longs;&longs;ern Weg zu bezeichnen, indem &longs;ie
zuer&longs;t deutlich und genau die Arbeiten des Bergbaues und
der chymi&longs;chen Bereitung der Erze be&longs;chrieben, welche bis
dahin in einem &longs;tillen, aber ununterbrochenen, Fortgange getrieben
und &longs;chon zu einer ziemlichen Vollkommenheit gebracht
worden waren. Der Ge&longs;chmack an den n&uuml;tzlichen
Wi&longs;&longs;en&longs;chaften erweckte nach und nach Mehrere, welche die
bisher in den H&auml;nden gemeiner Arbeiter und Handwerker
verborgen gelegnen techni&longs;chen Handgriffe &ouml;ffentlich bekannt
machten, und weitere Unter&longs;uchungen dar&uuml;ber veranla&szlig;ten.
Dies i&longs;t der eigentliche Ur&longs;prung der &auml;chten neuern Chymie,
mit welcher jedoch noch Viele, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Libavius, Van
Helmont, Borrichius</HI> u. a. die alten alchymi&longs;ti&longs;chen
Thorheiten zu vereinigen &longs;uchten.</P><P TEIFORM="p">Durch das ganze &longs;iebzehnte Jahrhundert hindurch
hat der Streit zwi&longs;chen Wahrheit und Irrthum in die&longs;em
Fache mit voller Lebhaftigkeit fortgedauert. Auf der einen
Seite verbreiteten die Experimentalunter&longs;uchungen der Naturfor&longs;cher,
die wichtigen Entdeckungen &longs;o vieler neuen
Wahrheiten, der Um&longs;turz eben &longs;o vieler alten Hypothe&longs;en
rc. ein ganz unerwartetes Licht &uuml;ber die Naturlehre und
Chymie; auf der andern &longs;ahe man noch oft die be&longs;ten K&ouml;pfe
den alten Ungereimtheiten nachh&auml;ngen, und die &longs;ogenannte
Ge&longs;ell&longs;chaft der Ro&longs;encreuzer, die &longs;ich be&longs;onderer Geheimni&longs;&longs;e
r&uuml;hmte, ri&szlig; einige der gr&ouml;&szlig;ten M&auml;nner zu ihren Thorheiten
hin. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Conring</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De hermetica Aegyptiorum et
nova Paracel&longs;icorum medicina. Helm&longs;t. 1669.)</HI> be&longs;tritt
die Alchymie mit Gr&uuml;ndlichkeit und Beyfall; da er aber
die hi&longs;tori&longs;chen Zeugni&longs;&longs;e, auf welche &longs;ich die Alchymi&longs;ten
&longs;t&uuml;tzen, nicht genug zu entkr&auml;ften ge&longs;ucht hatte, &longs;o fand
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Olaus Borrichius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De Hermetis, Aegyptiorum et
Chemicorum, &longs;apientia. Hafn. 1674.)</HI> noch Stof genug
zu einer Vertheidigung. Dennoch hat &longs;ich &longs;eit Conrings
Widerlegung das herabge&longs;unkene An&longs;ehen der Alchymie
unter den Gelehrten nie wieder ganz emporheben k&ouml;nnen;
und die gro&szlig;en Erweiterungen, welche die &auml;chte Chymie<PB ID="P.1.94" N="94" TEIFORM="pb"/>
&longs;eit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stahls</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhavens</HI> Zeiten erhalten hat, haben
da&longs;&longs;elbe g&auml;nzlich zu Boden ge&longs;chlagen.</P><P TEIFORM="p">Es hat inzwi&longs;chen bis auf den heutigen Tag &longs;owohl
Betr&uuml;ger als Betrogne gegeben, welche die alten Vorurtheile
zu erneuern bem&uuml;ht gewe&longs;en &longs;ind; und noch itzt
&longs;chleicht im Dunkeln ein Hang zu vermeynten Geheimni&longs;&longs;en
und verborgnen K&uuml;n&longs;ten, welche, &longs;o &longs;ehr &longs;ie auch von den
wahren Gelehrten verachtet werden, dennoch einen gro&szlig;en
Theil der Men&longs;chen an &longs;ich ziehen. Bewei&longs;e hievon &longs;ind
die Menge unver&longs;t&auml;ndlicher alchymi&longs;ti&longs;cher Schriften, welche
noch jetzt ge&longs;ammelt, wieder aufgelegt, und mit Begierde
gekauft und gele&longs;en werden, die Ent&longs;tehung eines
eignen alchymi&longs;ti&longs;chen Magazins (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schr&ouml;ters</HI> neu&longs;te
Samml. f&uuml;r die h&ouml;here Naturwi&longs;&longs;en&longs;chaft u. Chemie, Frkf.
u. Leipz. &longs;eit 1775. 8.), und Ge&longs;chichten wie die des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Price</HI>
(&longs;. G&ouml;ttingi&longs;ches Magazin, 3ten Jahrgangs 3tes St&uuml;ck),
welche mit der &longs;o geprie&longs;nen Aufkl&auml;rung un&longs;ers Zeitalters
in einem &longs;onderbaren Contra&longs;te &longs;tehen. Die&longs;en Thorheiten
haben &longs;chon mehrere ein&longs;ichtsvolle Chymiker, z. B.
Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wiegleb</HI> (Hi&longs;tori&longs;ch-kriti&longs;che Unter&longs;uchung der Alchemie,
oder eingebildeten Goldmacherkun&longs;t. Weimar
1777. 8.) zu &longs;teuern ge&longs;ucht, und vielleicht darf man
hoffen, in Zukunft durch mehrere Verbreitung der Wahrheit,
und Entlarvung des unter der Decke&verbar;vermeynter Geheimni&longs;&longs;e
verborgnen Betrugs, alle die&longs;e traurigen Ueberbleib&longs;el
der Barbarey und des Fanatismus g&auml;nzlich ausgetilget
zu &longs;ehen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Alkali, &longs;. Laugen&longs;alze.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Alkohol" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Alkohol, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Alcohol</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Alcool</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein Name, den
man dem bis auf den h&ouml;ch&longs;ten Grad rectificirten Weingei&longs;te
beygelegt hat, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weingei&longs;t.</HI> Bisweilen giebt man die&longs;en
Namen auch Sub&longs;tanzen, welche in ein h&ouml;ch&longs;t zartes
fa&longs;t unf&uuml;hlbares Pulver verwandelt worden &longs;ind.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterbuch.</P></DIV2><DIV2 N="Amalgama" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Amalgama, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Amalgama</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Amalgame</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&szlig;t
in der Chymie die Verbindung des Queck&longs;ilbers mit den
andern metalli&longs;chen Sub&longs;tanzen. Das Queck&longs;ilber verbindet<PB ID="P.1.95" N="95" TEIFORM="pb"/>
&longs;ich unter allen Metallen am leichte&longs;ten mit dem
Golde und Silber, &longs;ehr &longs;chwer mit dem Kupfer und Spie&szlig;glask&ouml;nige,
und mit dem Ei&longs;en und Kobalt gar nicht.
Es giebt zween Wege, Amalgamen zu machen, entweder
durch blo&szlig;es Reiben, oder durch Vermi&longs;chung des ge&longs;chmolzenen
fe&longs;ten Metalls mit Queck&longs;ilber. In geringer
Menge mit den Metallen vermi&longs;cht, macht das Queck&longs;ilber
die&longs;elben blo&szlig; zerreiblich; in gr&ouml;&szlig;erer Menge bildetes
mit ihnen eine Art von Teig ohne Z&auml;higkeit und Dehnbarkeit,
welchem man eigentlich den Namen eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Amalgama</HI>
beyleget.</P><P TEIFORM="p">Man gebraucht die Amalgimirungen des Goldes
und Silbers, um die&longs;e Metalle aus den erdichten und &longs;teinichten
Materien, denen &longs;ie beygemi&longs;cht &longs;ind, zu ziehen,
ingleichen zu gewi&longs;&longs;en Arten der Vergoldungen und Ver&longs;ilberungen,
wobey das &auml;u&szlig;er&longs;t fl&uuml;chtige Queck&longs;ilber durchs
Feuer weggetrieben wird, und das Gold oder Silber auf
der mit dem Amalgama be&longs;trichenen Fl&auml;che zur&uuml;ckl&auml;&szlig;t.
Das Amalgama des Zinns mit Queck&longs;ilber, oder die vom
Queck&longs;ilber zerfre&szlig;ne Spiegelfolie, dient zur Belegung der
Spiegel. Die in gewi&longs;&longs;en Proportionen gemachten Amalgamen
gewi&longs;&longs;er Metalle &longs;chie&szlig;en in Kry&longs;tallen an, wovon
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bergmann</HI> (phy&longs;ikali&longs;che Be&longs;chreibung der Erdkugel,
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">R&ouml;hls</HI> Ueber&longs;etz. Greifswald 1780. gr. 8. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Th.
S. 281.) n&auml;here Nachricht giebt, um zu bewei&longs;en, da&szlig;
man von kry&longs;talli&longs;chen An&longs;chie&szlig;ungen nicht &longs;icher auf die
Gegenwart eines Salzes &longs;chlie&szlig;en k&ouml;nne.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterbuch.</P></DIV2><DIV2 N="Amalgama, elektri&longs;ches" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Amalgama, elektri&longs;ches</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amalgama electricum,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Amalgame &eacute;lectrique.</HI></HI> Ein Amalgama, de&longs;&longs;en &longs;ich
die Phy&longs;iker bedienen, um das Reibzeug der Elektri&longs;irma&longs;chinen,
oder auch das zu reibende Glas &longs;elb&longs;t, zu be&longs;treichen,
und dadurch die Erregung der Elektricit&auml;t zu
bef&ouml;rdern.</P><P TEIFORM="p">Die gew&ouml;hnliche Art, die&longs;es Amalgama zu verfertigen,
i&longs;t die&longs;e, da&szlig; man zer&longs;chnittne Stanniolbl&auml;ttchen
mit Queck&longs;ilber in einem ei&longs;ernen M&ouml;r&longs;el reibt, bis der<PB ID="P.1.96" N="96" TEIFORM="pb"/>
Teig &longs;o dick als m&ouml;glich wird. Die Mei&longs;ten thaten &longs;on&longs;t
noch ge&longs;chabte Kreide hinzu, bis aus allem ein graues
Pulver ent&longs;tand; die Kreide &longs;cheint aber mehr nachtheilig
zu &longs;eyn, weil &longs;ie die Feuchtigkeit der Luft an &longs;ich ziehet.
Die Ki&longs;&longs;en werden anf&auml;nglich bis auf einen Zoll weit vom
Rande ganz leicht mit einem Un&longs;chlittlichte, und dann das
eine mit einer d&uuml;nnen Lage Amalgama &uuml;ber&longs;trichen; man
reibt nun beyde Ki&longs;&longs;en &longs;tark an einander, um das Amalgama
in beyde &longs;oviel m&ouml;glich einzureiben. Sollen &longs;ie von
neuem &uuml;ber&longs;trichen werden, &longs;o mu&szlig; man vorher mit einem
leinenen Tuche alle Unreinigkeit &longs;orgf&auml;ltig abwi&longs;chen.</P><P TEIFORM="p">Noch be&longs;&longs;er wird das Amalgama, wenn man das Zinn
&longs;chmelzet, und die geh&ouml;rige Do&longs;e Queck&longs;ilber hinzugie&szlig;t.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Higgins</HI> hat <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. for 1778. Vol.
XVIII. P. II. no. 38.)</HI> das Amalgama von vier Theilen
Queck&longs;ilber und einem Theile Zink als das wirk&longs;am&longs;te angegeben.</P><P TEIFORM="p">Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ay on Electricity. Lond. 1784.
8. p. 27.)</HI> &longs;ch&auml;tzt man jetzt in England vornehmlich zwo
Arten von Amalgama. Die eine be&longs;teht aus f&uuml;nf Theilen
Queck&longs;ilber und einem Theile Zink, mit ein wenig gelbem
Wachs zu&longs;ammenge&longs;chmolzen: die andere i&longs;t das gew&ouml;hnliche
in den Kaufl&auml;den zu habende Maler - oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;ivgold</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(aurum mu&longs;ivum).</HI> Man tr&auml;gt es nach Adams
Vor&longs;chriften, denen auch Hr. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (neu&longs;te Ausg.
von Erxl. Anfangsgr. der Naturl. &sect;. 501.) bey&longs;timmet, vermittel&longs;t
ein wenig Schweinen-Schmalz auf ein Leder, und
reibt damit das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Glas</HI> der Elektri&longs;irma&longs;chine gut durch;
auf das Ki&longs;&longs;en wird <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gar nichts</HI> ge&longs;trichen. Herr Lichtenberg
ver&longs;ichert, fa&longs;t nie eine &longs;t&auml;rkere Elektricit&auml;t, als
auf die&longs;e Wei&longs;e erhalten zu haben. Man &longs;. die Artikel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Elektri&longs;irma&longs;chine</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reibzeug,</HI> elektri&longs;ches.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amphi&longs;cii,</HI></HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zwey&longs;chattichte.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anakamptik, &longs;. Katoptrik.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anakla&longs;tik, &longs;. Dioptrik.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anakla&longs;ti&longs;che Linien" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anakla&longs;ti&longs;che Linien</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Curvae anacla&longs;ticae,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Courbes anacla&longs;tiques.</HI></HI> So nennt Herr v. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;ur<PB ID="P.1.97" N="97" TEIFORM="pb"/>
les courbes anacla&longs;tiques, M&eacute;m. de l'Academ. roy. des
Sc. ann. 1740.)</HI> die Kr&uuml;mmungen, welche &verbar;gerade Linien
oder ebne Fl&auml;chen anzunehmen &longs;cheinen, wenn &longs;ie durch
gebrochne Stralen ge&longs;ehen werden, wenn z. B. der Boden
eines mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;llten Gef&auml;&szlig;es von einem Auge
in der Luft, oder die Decke des Zimmers von einem im
Wa&longs;&longs;er &longs;tehenden oder durch ein Glas &longs;ehenden Auge betrachtet
wird.</P></DIV2><DIV2 N="Anakla&longs;ti&longs;ches Werkzeug" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anakla&longs;ti&longs;ches Werkzeug</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">In&longs;trumentum anacla&longs;ticum,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">In&longs;trument anacla&longs;tique.</HI></HI> Ein Werkzeug, womit
man die Gr&ouml;&szlig;e der Stralenbrechung in ver&longs;chiedenen
durch&longs;ichtigen Mitteln, und bey ver&longs;chiedenen Einfallswinkeln,
me&longs;&longs;en kan..</P><P TEIFORM="p">Die alten Optiker (man &longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Kircher</HI> Ars magna lucis
et umbrae, Romae 1686. p. 681.</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte
der Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kl&uuml;gel,</HI> S. 86.) bedienten &longs;ich
hiezu einer Halbkugel mit einem auf ihrem Rande &longs;tehenden
Quadranten, und einer um de&longs;&longs;en Mittelpunkt beweglichen
Regel. Man f&uuml;llte die Halbkugel mit der durch&longs;ichtigen
fl&uuml;&szlig;igen Materie an, neigete die Regel unter einen
gewi&longs;&longs;en Einfallswinkel, und bemerkte die Stelle, wo
&longs;ie wegen der Brechung den untern Theil der Kugel zu ber&uuml;hren
&longs;chien.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. Aug. Vind. 1611. 4. L. I. c. 3.)</HI> be&longs;chreibt
ein anderes In&longs;trument, welches <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> aus ihm anf&uuml;hrt,
durch den es in die Experimentalger&auml;th&longs;chaft der neuern
Phy&longs;iker gekommen i&longs;t. Ein gl&auml;&longs;erner W&uuml;rfel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCBEGF</HI>
(Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 13.) wird in den Winkel zweyer rechtwinklicht
zu&longs;ammenge&longs;etzten Breter <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">INOP</HI> ge&longs;etzt, von
welchen das eine <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> um das St&uuml;ck <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CAHN</HI> vor dem
W&uuml;rfel vorraget, &uuml;brigens aber mit ihm eine gleiche H&ouml;he
hat. Setzt man die&longs;es In&longs;trument horizontal gegen die
Sonne, &longs;o wird der Schatten des Bretes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABIN</HI> au&szlig;er
dem W&uuml;rfel bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ML,</HI> innerhalb de&longs;&longs;elben aber nur bis
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">KQ</HI> reichen. Man kan alsdann die Linien <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HK</HI>
me&longs;&longs;en, und aus ihnen neb&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HC,</HI> durch trigonometri&longs;che
Aufl&ouml;&longs;ung der Dreyecke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCK,</HI> die Winkel<PB ID="P.1.98" N="98" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCL</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HCK</HI> be&longs;timmen, deren er&longs;ter dem Einfallswinkel
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">SCR</HI> gleich, der andere der Brechungswinkel i&longs;t.
So la&longs;&longs;en &longs;ich, wenn man den Ver&longs;uch unter ver&longs;chiedenen
Sonnenh&ouml;hen an&longs;tellet, Tafeln verfertigen, welche
angeben, was f&uuml;r ein Brechungswinkel jedem Einfallswinkel
zugeh&ouml;re.</P><P TEIFORM="p">Vermittel&longs;t die&longs;es Werkzeugs fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> da&szlig;
&longs;ich bey der Brechung aus Luft in Glas, der Einfallswinkel
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">SCR,</HI> wenn er nicht &uuml;ber 30&deg; betrage, zum Brechungswinkel
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">KCH,</HI> wie 3 zu 2, verhalte; ein Ge&longs;etz,
welches von der Wahrheit wenig abweicht, und al&longs;o f&uuml;r
Lin&longs;engl&auml;&longs;er zu Fernr&ouml;hren, deren Kr&uuml;mmung, vom Mittel
an bis an den Rand gerechnet, &longs;elten 20&deg; betr&auml;gt,
ohne Fehler brauchbar war; daher Kepler die Ab&longs;t&auml;nde
der Vereinigungspunkte daraus &longs;chon &longs;ehr richtig hergeleitet
hat. &longs;. die Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brechung der Licht&longs;tralen, Lin&longs;engl&auml;&longs;er.</HI></P><P TEIFORM="p">Will man eine andere durch&longs;ichtige fl&uuml;&szlig;ige Materie
an&longs;tatt des Gla&longs;es unter&longs;uchen, &longs;o kan man einen hohlen,
mit die&longs;er Materie angef&uuml;llten, W&uuml;rfel an&longs;tatt des gl&auml;&longs;ernen
gebrauchen.</P><P TEIFORM="p">Von neuern Werkzeugen und Veran&longs;taltungen zu
Me&longs;&longs;ung der Stralenbrechung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte der
Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kl&uuml;gel,</HI> S. 241. f. ingl. S. 363. f. und
weiter unten den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Brechung der Licht&longs;tralen.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Analy&longs;e, Zerlegung, Zer&longs;etzung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anamorpho&longs;e" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anamorpho&longs;e, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anamorpho&longs;is</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Anamorpho&longs;e</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Verzeichnung einer Figur, welche, auf eine vorge&longs;chriebene
Art betrachtet, etwas ganz anders dar&longs;tellet, als &longs;ie
dem blo&szlig;en Auge in der gew&ouml;hnlichen Stellung darzu&longs;tellen
&longs;cheint.</P><P TEIFORM="p">Man kan die Anamorpho&longs;en in opti&longs;che, katoptri&longs;che
und dioptri&longs;che abtheilen.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">opti&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en werden, um das verlangte
Bild darzu&longs;tellen, mit dem blo&szlig;en Auge, nur aus
einem angewie&longs;enen &longs;on&longs;t ungew&ouml;hnlichen Ge&longs;ichtspunkte,
betrachtet. Kann man z. B. (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 14.) das in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI><PB ID="P.1.99" N="99" TEIFORM="pb"/>
ge&longs;tellte Auge &longs;o t&auml;u&longs;chen, da&szlig; es von den wahren Entfernungen
der Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, B, C, D, E,</HI> keine Eindr&uuml;cke erh&auml;lt,
und da&szlig; daher die liegende Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCDE</HI> eben &longs;o, wie
eine &longs;tehende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Abcde,</HI> von dem Zu&longs;chauer empfunden
wird, &longs;o darf man nur die gleichen Theile eines regelm&auml;&szlig;ig
gezeichneten Bildes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ab, bc, cd, de</HI> durch eine proportionirte
Zeichnung in die ungleichen Theile <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB, BC, CD,
DE,</HI> ausdehnen. Wird nun die &longs;olcherge&longs;talt verzerrte
Figur <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AE</HI> auf ein Bret gelegt, auf welchem ein anderes
Bret <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PQ</HI> &longs;enkrecht &longs;teht, und vom Auge durch die Oefnung
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> betrachtet, &longs;o verliert der Zu&longs;chauer die Gegen&longs;t&auml;nde
aus dem Auge, die ihm einen Maa&szlig;&longs;tab der Entfernungen
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">OE, OD, OC,</HI> rc. geben k&ouml;nnen. Es wirkt
das verzerrte Bild <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AE</HI> jetzt nicht anders auf &longs;ein Auge,
als das regelm&auml;&szlig;ige, in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ae</HI> aufge&longs;tellt, darauf wirken
w&uuml;rde. Seine Einbildungskraft &longs;elb&longs;t wird ge&longs;ch&auml;ftig,
&longs;ich eher ein regelm&auml;&szlig;iges, als ein verzerrtes Bild darzu&longs;tellen;
er glaubt al&longs;o eine in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ae</HI> aufge&longs;tellte richtige Zeichnung
zu &longs;ehen. So hat man verzerrte Figuren, in welchen
z. B. Kopf und Schultern durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ED</HI> ausgedehnt und
ungeheuer gro&szlig;, die &uuml;brigen Theile des K&ouml;rpers von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI>
bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> &longs;ehr klein &longs;ind, die &longs;ich aber, aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> betrachtet, ganz
richtig dar&longs;tellen. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire rai&longs;onn&eacute;
de phy&longs;ique; Art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Anamorpho&longs;e</HI>)</HI> &longs;ind an der Wand einer
Gallerie im Minimenklo&longs;ter an der Place royale in Paris
ver&longs;chiedene Bilder gemahlt, welche, aus einem gewi&longs;&longs;en
Ge&longs;ichtspunkte von der Seite her betrachtet, &longs;ehr deutlich
eine reuige Magdalene dar&longs;tellen.</P><P TEIFORM="p">Hieher geh&ouml;ren auch die Bilder, welche in Streifen
zer&longs;chnitten und Streifenweis auf die Seitenfl&auml;chen mehrerer
neben einander &longs;tehenden drey&longs;eitigen Prismen aufgeklebt
werden, da man denn ein anderes Bild &longs;ieht, je
nachdem man die&longs;e Prismen von der rechten oder linken
Seite her betrachtet. Von die&longs;en Bildern, die man oft
in Kun&longs;tkabinetten antrift, handeln <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schwenter</HI> (Mathemati&longs;che
Erquick&longs;tunden, N&uuml;rnb. 1651. 4. Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> S.
271.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elementa Optices. Probl. 28.).</HI><PB ID="P.1.100" N="100" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">katoptri&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en m&uuml;&longs;&longs;en, wenn
das geh&ouml;rige Bild er&longs;cheinen &longs;oll, in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">coni&longs;chen, cylindri&longs;chen</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">pyramidenf&ouml;rmigen</HI> Spiegeln betrachtet
werden. Man &longs;ieht leicht aus Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 15, da&szlig;
der coni&longs;che Spiegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PQR</HI> dem in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> ge&longs;tellten Auge den
Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a, B</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> dar&longs;tellt, und al&longs;o dem Bilde auf
der umliegenden Fl&auml;che, wovon <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> ein Theil i&longs;t, ganz
andere Lagen und Verh&auml;ltni&longs;&longs;e &longs;einer Theile, d. h. eine
ganz andere Ge&longs;talt giebt. Auf eine &auml;hnliche Art ver&auml;ndern
auch cylindri&longs;che und pyramidenf&ouml;rmige Spiegel die
Ge&longs;talten der um &longs;ie her liegenden Bilder. Es k&ouml;mmt
al&longs;o darauf an, ein verzerrtes Bild zu verzeichnen, das
in einem Spiegel von gegebner Art, Gr&ouml;&szlig;e und Stellung
dem Auge aus einem gegebnen Ge&longs;ichtspunkte regelm&auml;&szlig;ig
er&longs;cheine. Von der Verzeichnung &longs;olcher Bilder hat Simon
Stevin zuer&longs;t ge&longs;chrieben. Auch handeln davon
Ca&longs;p. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schott</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Magia univer&longs;alis. Herbip. 1657. 4.)</HI> unter
dem Titel: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Magia anamorphotica)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem.
Catoptr. Probl. 25&mdash;27).</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Jakob Leupold,</HI> ein ehemaliger
Leipziger Mechaniker <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Anamorpho&longs;is mechanica
nova. Lip&longs;. 1714. 4.),</HI> erfand ein eignes In&longs;trument,
durch de&longs;&longs;en H&uuml;lfe man jedes vorgezeichnete Bild, auf eine
blo&szlig; mechani&longs;che Wei&longs;e, durch eine Art von Storch&longs;chnabel
&longs;o ver&longs;tellen kan, da&szlig; es in einem gegebnen coni&longs;chen
oder cylindri&longs;chen Spiegel ordentlich er&longs;cheint. Die Be&longs;chreibung
die&longs;es In&longs;truments findet &longs;ich auch im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Saverien</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire univer&longs;el de Mathematique et de
Phy&longs;ique; art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Anamorpho&longs;e</HI>).</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dioptri&longs;chen</HI> Anamorpho&longs;en werden durch ein
Polyeder, oder vieleckicht ge&longs;chliffenes Glas betrachtet, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Polyeder.</HI> Wer eine Tafel durch ein &longs;olches Glas betrachtet,
&longs;ieht durch die Fl&auml;chen des Gla&longs;es nur gewi&longs;&longs;e
Theile der Tafel, welche an einander zu &longs;tehen &longs;cheinen,
ob &longs;ie gleich auf der Tafel &longs;elb&longs;t weit aus einander und an
ver&longs;chiedenen Orten liegen. Man &longs;ucht al&longs;o hier ver&longs;chiedene
Theile eines gewi&longs;&longs;en Gem&auml;ldes an diejenigen Stellen
der Tafel zu bringen, welche dem durch das Polyeder &longs;ehenden
Auge neben einander liegend er&longs;cheinen. Auf der<PB ID="P.1.101" N="101" TEIFORM="pb"/>
Tafel &longs;elb&longs;t wird ein anderes Gem&auml;lde entworfen, in welches
die zer&longs;treuten St&uuml;cken des vorigen, &longs;o ge&longs;chickt als
m&ouml;glich, mit verwebt werden m&uuml;&longs;&longs;en. So hat man dergleichen
Anamorpho&longs;en, auf welchen ver&longs;chiedene K&ouml;pfe
vorge&longs;tellt &longs;ind, die durch ein Polyeder in be&longs;timmter Stellung
betrachtet, einen einzigen Kopf zeigen, den man mit
blo&szlig;em Auge gar nicht auf dem Gem&auml;lde findet. Anwei&longs;ung
hiezu geben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr. Probl. 25.)</HI> und
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leutmann</HI> (Anm. vom Glas&longs;chleifen, Wittenb. 1719. 8.).</P></DIV2><DIV2 N="Anamorvhoti&longs;che Ma&longs;chine" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anamorvhoti&longs;che Ma&longs;chine</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Machina anamorphotica,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Machine anamorphotique.</HI></HI> So hei&szlig;t das
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> erfundene Werkzeug zur Verzeichnung der
katoptri&longs;chen Anamorpho&longs;en, &longs;. den vorhergehenden Artikel.
Eigentlich &longs;ollte es wohl anamorphoti&longs;ches In&longs;trument,
nicht Ma&longs;chine, hei&szlig;en.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anelektri&longs;che K&ouml;rper, &longs;. Leiter der Elektricit&auml;t.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anemometer, &longs;. Windme&longs;&longs;er.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anemo&longs;kov" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anemo&longs;kov, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anemo&longs;copium</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">An&eacute;mo&longs;cope</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein
Werkzeug, de&longs;&longs;en man &longs;ich bedient, die Richtung des Windes
zu bemerken. Das einfach&longs;te und gew&ouml;hnlich&longs;te Anemo&longs;kop
i&longs;t die gemeine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wetterfahne</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">girouette</HI>)</HI> auf den
Th&uuml;rmen und H&auml;u&longs;ern. Gleiche Dien&longs;te thun die Flaggen
an den Ma&longs;ten der Schiffe.</P><P TEIFORM="p">Um die Richtung des Windes im Zimmer, und genauer,
als durch den blo&szlig;en Anblick der Wetterfahne zu
beobachten, kan man die Fahne, die &longs;ich &longs;on&longs;t um eine unbewegliche
Spindel dreht, an einer beweglichen Spindel fe&longs;t
machen, welche mit der Fahne zugleich umgedrehet wird.
Die&longs;e Spindel kan durch das Dach bis an die Decke des
Zimmers laufen, in welchem man die Beobachtungen machen
will, und unten mit einem Getriebe ver&longs;ehen werden,
welches in ein bezahntes Rad greift, de&longs;&longs;en Axe bis ins
Zimmer geht, und mittel&longs;t eines daran ge&longs;teckten Zeigers
auf einer an der Decke bezeichneten Windro&longs;e den Wind
bezeichnet. Soll die Windro&longs;e nicht an der Decke, &longs;ondern
vertikal an der Wand des Zimmers &longs;tehen, &longs;o l&auml;&szlig;t<PB ID="P.1.102" N="102" TEIFORM="pb"/>
man das Getrieb der Spindel in ein vertikal &longs;tehendes
Kronrad greifen, de&longs;&longs;en Axe horizontal durch die Wand
gef&uuml;hrt wird, und den Zeiger tr&auml;gt. Hat das Getrieb
eben &longs;o viel Z&auml;hne als das Rad, &longs;o macht eine Umdrehung
der Fahne auch eine Umdrehung des Zeigers aus,
und indem &longs;ich die Fahne gegen ver&longs;chiedene Punkte des
Horizonts wendet, kehrt &longs;ich auch der Zeiger gegen die
gleichnamigen Punkte der Windro&longs;e. Wenn al&longs;o nur der
Zeiger einmal richtig ge&longs;tellt i&longs;t, und die Fahne beweglich
gnug erhalten wird, &longs;o zeigt die&longs;es Anemo&longs;kop die Richtung
des Windes mit gro&szlig;er Bequemlichkeit. So be&longs;chreibt
die&longs;es Werkzeug <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ozanam</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recreations mathematiques,
To. II.);</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kircher</HI> &longs;etzt noch eine kleine Statue
hinzu, die durch einen verborgnen Magnet vom Zeiger herumgef&uuml;hrt
wird, und die Richtung des Windes mit einem
St&auml;bchen wei&longs;et. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Aero&longs;tat. &longs;. Theatr.
Static. univer&longs;. P. III. Cap. X.)</HI> hat unter dem Namen
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plago&longs;kope</HI> noch mehrere Ab&auml;nderungen die&longs;es In&longs;truments
be&longs;chrieben, worunter die merkw&uuml;rdig&longs;te&verbar;eine
kleine portative Windfahne, auf einen Compa&szlig; ge&longs;etzt i&longs;t,
die man &uuml;berall auf&longs;tellen kan, um die Abweichung des
Windes von der Richtung der Magnetnadel zu bemerken.</P><P TEIFORM="p">Einige Schrift&longs;teller, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire
de Phy&longs;.),</HI> nennen die&longs;es In&longs;trument ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anemometer.</HI>
Es k&ouml;mmt aber die&longs;er Name vielmehr andern Werkzeugen
zu, welche die St&auml;rke und Ge&longs;chwindigkeit des Windes
me&longs;&longs;en, und von denen man den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Windme&longs;&longs;er,</HI>
nach&longs;ehen kan.</P><P TEIFORM="p">Auch i&longs;t der Name Anemo&longs;kop &longs;ehr uneigentlich andern
Werkzeugen beygelegt worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Otto von Guericke</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Experimenta nova de vacuo &longs;patio, L. III. cap. 20.)</HI>
be&longs;chreibt unter dem Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Semper Vivum</HI> eine gl&auml;&longs;erne
oben ver&longs;chlo&szlig;ne und in einen Liquor einge&longs;enkte R&ouml;hre, in
welcher der Druck der Atmo&longs;ph&auml;re den Liquor bald h&ouml;her
bald niedriger erh&auml;lt. Auf der Oberfl&auml;che des Liquors
&longs;chwimmt eine Figur, welche mit dem Finger Grade des
Steigens oder Fallens auf einer Scale angiebt, &longs;. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI>
Fig. 16. Eigentlich i&longs;t die&longs;es In&longs;trument ein h&ouml;ch&longs;t unvollkommnes<PB ID="P.1.103" N="103" TEIFORM="pb"/>
Barometer. Man kannte es &longs;on&longs;t unter dem
Namen des Guericki&longs;chen Wetterm&auml;nnchens oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Perpetui
mobilis;</HI> und weil &longs;ich Guericke &uuml;ber die Einrichtung und
Verfertigung de&longs;&longs;elben nicht deutlich erkl&auml;rt hatte, &longs;o hat
es viel Auf&longs;ehen gemacht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Comiers</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">l' Homme artificiel
anemo&longs;cope,</HI> im <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mercure de France 1683.</HI>) hat
dar&uuml;ber ge&longs;chrieben, und ihm den Namen Anemo&longs;kop deswegen
gegeben, weil Guericke im Jahre 1660 aus dem
&longs;tarken Fallen des M&auml;nnchens einen gro&szlig;en Sturmwind
vorherge&longs;agt hatte.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stone</HI> (nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dict. de Phy&longs;.)</HI> ver&longs;teht unter
Anemo&longs;kop nichts anders, als das Hygro&longs;kop oder Hygrometer.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anh&auml;ngen, Anh&auml;ngung, &longs;. Adh&auml;&longs;ion.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Anomalie" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Anomalie, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Anomalia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Anomalie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er aus
der griechi&longs;chen Sprache entlehnte, und im eigentlichen
Ver&longs;tande eine Ungleichheit oder Abweichung von der Regel
bezeichnende Name wird in der Sternkunde dem Winkel
beygelegt, welchen ein Planet bey &longs;einem Umlaufe um
die Sonne, von der Sonnenferne aus, zur&uuml;ckgelegt hat,
oder, von der Sonne aus betrachtet, zur&uuml;ckgelegt zu haben
&longs;cheint. Die ungleiche Ge&longs;chwindigkeit der Planeten
in ihren Bahnen, verm&ouml;ge welcher &longs;ie in gleichlangen
Zeiten bald geringere bald gr&ouml;&szlig;ere Winkel durchlaufen,
hat zu die&longs;er Benennung Anla&szlig; gegeben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> wichtige Entdeckung, da&szlig; die Laufbahnen
der Planeten Ellip&longs;en &longs;ind, in deren Brennpunkte &longs;ich die
Sonne befindet, und da&szlig; die ellipti&longs;chen R&auml;ume, welche
die von der Sonne nach dem Planeten gezogne Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(radius
vector)</HI> be&longs;chreibet, &longs;ich wie die Zeitr&auml;ume verhalten,
in denen &longs;ie be&longs;chrieben worden &longs;ind, veranla&longs;&longs;ete die&longs;en
gro&szlig;en Sternkundigen zu Erfindung einer Theorie, welche
noch jetzt unter dem Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kepleri&longs;chen Theorie
des Planetenlaufs,</HI> oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ellipti&longs;chen Theorie</HI>
gebraucht wird, und bey der Berechnung der a&longs;tronomi&longs;chen
Tafeln zum Grunde gelegt werden mu&szlig;. Die&longs;e
Theorie be&longs;ch&auml;ftiget &longs;ich nun vornehmlich mit der Berechnung<PB ID="P.1.104" N="104" TEIFORM="pb"/>
der Anomalien, deren man drey, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre,</HI> mittlere
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;che Anomalie,</HI> unter&longs;cheidet.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey Tafel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Figur 17. die Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMP</HI> die
Bahn eines Planeten, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> ihre gro&szlig;e Axe, der Brennpunkt
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> der Ort der Sonne, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> die Sonnenferne, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> die
Sonnenn&auml;he des Planeten; &longs;o hei&szlig;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM,</HI>
um welchen &longs;ich der Planet von der Sonnenferne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> an fortbeweget
hat, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre Anomalie,</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahre
Ort</HI> de&longs;&longs;elben.</P><P TEIFORM="p">Durchliefe der Planet &longs;eine ganze Bahn mit einer
gleichf&ouml;rmigen Winkelge&longs;chwindigkeit, d. h. &longs;o, da&szlig; er in
gleichen Zeitenimmer gleiche Winkel um die Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zur&uuml;cklegte,
&longs;o w&uuml;rde er in der Zeit, in welcher er nur bis
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> gegangen i&longs;t, vielleicht &longs;chon bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m</HI> vorger&uuml;ckt &longs;eyn.
Er w&uuml;rde den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASm</HI> zur&uuml;ckgelegt haben. Die&longs;er
Winkel hei&szlig;t &longs;eine mittlere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anomalie,</HI> und der ihm zukommende
Ort <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m,</HI> des Planeten mittlerer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ort.</HI></P><P TEIFORM="p">Wenn des Planeten Umlaufszeit um die Sonne bekannt
i&longs;t, &longs;o l&auml;&szlig;t &longs;ich f&uuml;r jede &longs;eit &longs;einem Durchgange durch
die Sonnenferne ver&longs;trichene Zeit die&longs;e mittlere Anomalie
durch die blo&szlig;e Regel de Tri finden. Es verh&auml;lt &longs;ich nemlich
die ganze Umlaufszeit zu der gegebnen Zeit, wie 360&deg;
zu <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM.</HI> W&auml;re z. B. die Umlaufszeit 360 Tage, &longs;o
w&uuml;rde 30 Tage nach der Sonnenferne die mittlere Anomalie
30&deg;, 60 Tage darnach 60&deg; u. &longs;. w. &longs;eyn. Da
auch nach Keplers Regel der ellipti&longs;che Fl&auml;chenraum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM,</HI>
welchen der Radius Vector <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SM</HI> bey der wahren Bewegung
des Planeten von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> nach <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> durchlaufen hat, der
gegebnen Zeit proportional i&longs;t, al&longs;o
<HI REND="math" TEIFORM="hi">Umlaufszeit; Zeit durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AM=</HI>Fl&auml;che der
Ellip&longs;e: Fl&auml;che <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM.</HI></HI>
&longs;o &longs;tellt die Fl&auml;che <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> die mittlere Anomalie dar,
wenn die ganze Fl&auml;che der Ellip&longs;e 360 Graden gleich ge&longs;etzt
wird.</P><P TEIFORM="p">Da nun die mittlere Anomalie und die Fl&auml;che <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI>
f&uuml;r jede von der Sonnenferne an gerechnete Zeit &longs;o leicht
zu finden &longs;ind, &longs;o k&ouml;mmt es nur noch darauf an, aus die&longs;er
mittlern Anomalie und den gegebnen Abme&longs;&longs;ungen der<PB ID="P.1.105" N="105" TEIFORM="pb"/>
Planetenbahn die wahre Anomalie zu be&longs;timmen, oder
aus der Gr&ouml;&szlig;e der Fl&auml;che <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> den Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> zu
finden. Die&longs;e Aufgabe hei&szlig;t das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kepleri&longs;che Problem;</HI>
dagegen die Aufgabe, aus einer gegebnen wahren Anomalie
die zugeh&ouml;rige mittlere (aus dem Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM</HI> die
Fl&auml;che <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ASM)</HI> zu finden, den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">umgekehrten
kepleri&longs;chen Problems</HI> f&uuml;hret. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> &longs;elb&longs;t fand
es bey dem damaligen Zu&longs;tande der Geometrie unm&ouml;glich,
die Aufgabe &longs;elb&longs;t methodi&longs;ch aufzul&ouml;&longs;en, inzwi&longs;chen gab
er eine indirecte Aufl&ouml;&longs;ung an, bey welcher noch eine dritte
Anomalie zu H&uuml;lfe genommen wird. Wenn man aus
dem Mittelpunkte der Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> mit dem Halbme&longs;&longs;er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA</HI>
den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;chen Kreis</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ANP</HI> be&longs;chreibt, und das aus
dem wahren Orte des Planeten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M</HI> auf die Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> gef&auml;llte
Perpendikel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ML</HI> bis an die&longs;en Kreis in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">N</HI> verl&auml;ngert; &longs;o
hei&szlig;t der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACN,</HI> der durch den Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AN</HI> geme&longs;&longs;en
wird, des Planeten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">eccentri&longs;che Anomalie.</HI></P><P TEIFORM="p">Durch die&longs;es Mittel, de&longs;&longs;en um&longs;t&auml;ndlichere Auseinander&longs;etzung
f&uuml;r un&longs;ere Ab&longs;icht zu weitl&auml;uftig w&auml;re, gelang
es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplern,</HI> nach den damals bekannten Abme&longs;&longs;ungen
oder Elementen der Planetenbahnen Tafeln zu verfertigen,
in welchen man f&uuml;r die gefundenen mittlern Anomalien jedes
Planeten die zu ihnen geh&ouml;rigen wahren Anomalien
durch Auf&longs;chlagen finden konnte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(I. Kepleri tabulae Rudolphinae.
Vlm. 1627. fol.),</HI> deren An&longs;ehen &longs;ich durch
das ganze vorige Jahrhundert erhalten hat, bis die an&longs;ehnlichen
Verbe&longs;&longs;erungen und Erweiterungen der Sternkunde
freylich vollkommnere Tafeln nothwendig machten,
die &longs;ich inzwi&longs;chen noch immer auf keine andere Theorie,
als auf die kepleri&longs;che, gr&uuml;nden.</P><P TEIFORM="p">Kepler hatte den Geometern k&uuml;nftiger Zeiten die methodi&longs;che
Aufl&ouml;&longs;ung &longs;eines Problems &longs;ehr angelegentlich
empfohlen; auch haben &longs;ich nach ihm die gr&ouml;&szlig;ten Mathematiker
damit be&longs;ch&auml;ftiget. Die Infinite&longs;imalrechnung
hat zu die&longs;er Aufl&ouml;&longs;ung ver&longs;chiedene Wege er&ouml;fnet, die
aber noch nicht &longs;o leicht und bequem, als man wohl w&uuml;n&longs;chen
m&ouml;chte, zur wirklichen Berechnung f&uuml;hren. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keil,</HI>
(<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Introductio ad veram a&longs;tronomiam, Lugd. Bat. 1725.</HI><PB ID="P.1.106" N="106" TEIFORM="pb"/>
4.) <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hermann,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De problemate Kepler. in Comm. Ac.
Petropol. To. I.)</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theoria motuum planetarum
et comet. Berol. 1744. 4.)</HI> geben dergleichen Aufl&ouml;&longs;ungen.
Die Euleri&longs;che hat auch Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tner</HI> (Analy&longs;is des Unendl.
S. 582. u. f.) mitgetheilt. Das umgekehrte kepleri&longs;che
Problem l&auml;&szlig;t &longs;ich leichter, vermittel&longs;t folgender beyden
S&auml;tze aufl&ouml;&longs;en, wo <HI REND="roman" TEIFORM="hi">m, e, v,</HI> mittlere, eccentri&longs;che,
wahre Anomalie bedeuten.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">I. &radic;SP:&radic;SA=tang.1/2v:tang.1/2e
II. e+CSX&longs;in. e=m.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Noch i&longs;t zu bemerken, da&szlig; der Unter&longs;chied zwi&longs;chen wahrer
und mittlerer Anomalie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gleichung der Bahn</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Aequatio
orbitae),</HI> und daher die wahre Anomalie auch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">co&auml;quirte</HI>
genannt wird. In der er&longs;ten Helfte der Bahn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMP</HI>
bleibt die wahre Anomalie hinter der mittlern zur&uuml;ck; in der
zweyten Helfte hingegen k&ouml;mmt die wahre der mittlern vor;
daher die Gleichung in jenem Falle von der mittlern Anomalie
abgezogen, in die&longs;em hinzuge&longs;etzt werden mu&szlig;, wenn
man die wahre Anomalie finden will.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronom. Handb. &sect;. 482. u. f. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI>
Anfangsgr. der angew. Mathem. A&longs;tron. 235. u. f.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antarkti&longs;cher Pol, &longs;. Pole.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antimonium, &longs;. Spie&szlig;glas.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Antipoden, &longs;. Gegenf&uuml;&szlig;ler.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Anti&longs;cii,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gegen&longs;chattichte.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Antoeci,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gegenwohner.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anziehung, &longs;. Attraction.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Apertur, Oefnung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Apertur, Oefnung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Apertura</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ouverture</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die kreisrunde Fl&auml;che, welche man in der Mitte der Blendungen
der Gl&auml;&longs;er oder Spiegel der Fernr&ouml;hre offen l&auml;&szlig;t,
damit die darauf fallenden Licht&longs;tralen wirklich durchgehen
k&ouml;nnen.</P><P TEIFORM="p">Die Abweichungen wegen der Kugelge&longs;talt der Gl&auml;&longs;er
und wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit der Lich&longs;tralen
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung, dioptri&longs;che</HI>) verur&longs;achen, da&szlig;
nur diejenigen Stralen, welche nahe an der Axe, d. i.
um die Mitte eines Gla&longs;es einfallen, in den geh&ouml;rigen<PB ID="P.1.107" N="107" TEIFORM="pb"/>
Vereinigungspunkt kommen; es i&longs;t al&longs;o n&ouml;thig, die weiter
von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden
Stralen, welche die Deutlichkeit des Bildes &longs;t&ouml;ren w&uuml;rden,
durch eine &uuml;ber das Glas gelegte Bedeckung oder
Blendung abzuhalten, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Blendung.</HI> Die&longs;e Blendung
l&auml;&szlig;t dnrch die in ihr befindliche runde Oefnung nur die
Stralen um die Mitte des Gla&longs;es durchfallen, und es i&longs;t
die Frage, wie gro&szlig; die&longs;e Apertur &longs;eyn d&uuml;rfe, wenn das
Bild die geh&ouml;rige Deutlichkeit behalten &longs;oll.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht leicht, da&szlig; de&longs;to mehr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Undeutlichkeit</HI>
vermieden werde, je kleiner die Apertur i&longs;t; da&szlig; hingegen
eine gr&ouml;&szlig;ere Apertur des Objectivgla&longs;es dem Bilde mehr
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Helligkeit</HI> gebe, weil &longs;ie aus jedem Punkte des betrachteten
Gegen&longs;tandes mehr Licht&longs;tralen einfallen l&auml;&szlig;t, welche
auf der Netzhaut des Auges vereiniget, einen lebhaftern
Eindruck machen; daher das Auge jeden Punkt des Gegen&longs;tandes
&longs;t&auml;rker empfindet, d. h. ein lebhafteres und helleres
Bild &longs;iehet, als bey einer geringern Oefnung. Es
i&longs;t daher ein gro&szlig;er Vorzug der dioptri&longs;chen Werkzeuge,
wenn &longs;ie eine weite Oefnung vertragen, d. i. wenn man
auch die in einiger Entfernung von der Axe einfallenden
Stralen durchla&longs;&longs;en darf, ohne da&szlig; dadurch die Abweichungen
zu &longs;ehr vergr&ouml;&szlig;ert, und die Bilder undeutlich
werden.</P><P TEIFORM="p">Vor der Erfindung der achromati&longs;chen Fernr&ouml;hre
richtete man &longs;ich in Ab&longs;icht auf die Be&longs;timmung der Aperturen
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> Theorie, welche in &longs;einer Dioptrik
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(in Opu&longs;culis po&longs;thumis. Lugd. Bat. 1703. 4.)</HI> enthalten
und im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smith</HI> (Lehrbegrif der Optik, nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI>
Ausgabe, S. 184 ff.) analyti&longs;ch ausgef&uuml;hrt i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI>
&longs;etzt dabey die Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt
bey&longs;eit, und betrachtet nur die ohnehin weit gr&ouml;&szlig;ere wegen
der Farbenzer&longs;treuung oder ver&longs;chiedenen Brechbarkeit.
Hei&szlig;t nun die Brennweite des Objectivgla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> der Durchme&longs;&longs;er
der Apertur de&longs;&longs;elben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b,</HI> und die Vrennweite des
Augengla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f,</HI> &longs;o verh&auml;lt &longs;ich die Helligkeit des Bildes wie
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>),</HI> die von der Farbenzer&longs;treuung herr&uuml;hrende Undeutlichkeit<PB ID="P.1.108" N="108" TEIFORM="pb"/>
aber, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>.</HI> Sollen al&longs;o zwey Fernr&ouml;hre
eine gleiche Helligkeit und gleiche Undeutlichkeit (oder was
hier gleich viel i&longs;t, einerley Deutlichkeit) geben, &longs;o m&uuml;&longs;&longs;en
die Ausdr&uuml;cke<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/f<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>,</HI> mithin auch ihre Quadratwurzeln
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b/f,</HI> in dem einen eben &longs;o gro&szlig;, als in
dem andern, &longs;eyn, oder die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bf:F</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b:f</HI>
m&uuml;&longs;&longs;en f&uuml;r gleich gute Fernr&ouml;hre immer die&longs;elben bleiben.
Hieraus folgt nun auch, da&szlig; das aus beyden zu&longs;ammenge&longs;etzte
Verh&auml;ltni&szlig; <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bbf:fF</HI> oder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>:F</HI> in allen gleichguten
Fernr&ouml;hren immer ebenda&longs;&longs;elbe bleiben m&uuml;&longs;&longs;e. Dies
hei&szlig;t mit andern Worten: Die Quadratzahl des Durchme&longs;&longs;ers
der Apertur mu&szlig; &longs;ich, wie die Brennweite des
Objectivgla&longs;es, oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Durchme&longs;&longs;er der Apertur
mu&szlig; &longs;ich, wie die Quadratwurzel aus der Brennweite
des Objectivgla&longs;es, verhalten.</HI> Auch mu&szlig;
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b:f</HI> immer einerley bleiben, oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">der Durchme&longs;&longs;er der
Apertur mu&szlig; &longs;ich, wie die Brennweite des Augengla&longs;es,
verhalten.</HI></P><P TEIFORM="p">Nun fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> durch die Erfahrung ein Fernrohr
gut, an welchem, in rheinl&auml;ndi&longs;chen Zollen ausgedr&uuml;ckt,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">F=360; f=3,3; b=3</HI> war. Dies gab
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F=(9/360)=(1/40); b/f=(3/3,3)=(10/11).</HI> Eben &longs;o gro&szlig; mu&szlig;ten
nun die&longs;e Ausdr&uuml;cke auch f&uuml;r andere gute Fernr&ouml;hre
bleiben. Aber aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>/F=(1/40)</HI> folgt<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b=&radic;(1/40)F;</HI> und aus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b/f
=(10/11)</HI> hat man <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f=(11/10)b.</HI> Dies giebt folgende Regel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die in rheinl&auml;ndi&longs;chen Zollen ausgedr&uuml;ckte Brennweite
des Objectivgla&longs;es dividire man durch</HI> 40,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">und ziehe aus dem Quotienten die Quadratwurzel,
&longs;o hat man den Durchme&longs;&longs;er der Apertur;
zu die&longs;em addire man noch &longs;einen zehnten Theil,
&longs;o erh&auml;lt man die Brennweite des zugeh&ouml;rigen</HI><PB ID="P.1.109" N="109" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augengla&longs;es,</HI> alles in rheinl. Zollen. Der Quotient
beyder Brennweiten giebt die Vergr&ouml;&szlig;erung.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;ey z. B. des Objectivgla&longs;es Brennweite 13
Schuh 4 Zoll=160 Zoll, &longs;o giebt &longs;ie, durch 40 dividirt,
den Quotienten 4, de&longs;&longs;en Quadratwurzel 2 Zoll der Durchme&longs;&longs;er
der Apertur i&longs;t, und um &longs;einen zehnten Theil vergr&ouml;&szlig;ert,
die Brennweite des Augengla&longs;es (2 2/10) Zoll giebt.
Der Quotient der 160 durch (2 2/10) giebt die Vergr&ouml;&szlig;erung
(72 8/11) mal.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> berechnete durch die&longs;e Regel folgende Tabelle
f&uuml;r die Verfertigung a&longs;tronomi&longs;cher Fernr&ouml;hre.
<TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/>
Objectivgla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Durchme&longs;&longs;er<LB TEIFORM="lb"/>
der Apertur</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/>
Augengla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergr&ouml;&szlig;erung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">rheinl. Schuhe</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zolle</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zolle</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,55</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,61</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20 mal</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,77</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,85</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,95</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,05</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">35 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,09</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,20</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,23</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,35</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">44 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,34</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,47</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">49 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,45</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,60</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">53 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,55</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,71</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">56 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,64</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,80</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,73</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,91</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">63 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,12</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,27</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">79 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,45</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,58</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">93 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">25</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,74</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,84</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">104 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">30</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,19</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">113 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,46</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,75</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">128 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,87</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,26</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">141 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,24</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,66</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">154 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">70</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,58</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,04</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">166 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">80</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,90</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,39</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">178 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,05</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,55</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">185 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">100</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,48</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,30</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">190 &mdash;</CELL></ROW></TABLE></P></DIV2><DIV2 N="Auzout" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auzout</HEAD><P TEIFORM="p">ein franz&ouml;&longs;i&longs;cher Mathematiker, &uuml;berreichte
der k&ouml;niglichen Societ&auml;t zu London im Jahre 1665 eine<PB ID="P.1.110" N="110" TEIFORM="pb"/>
Tafel der Aperturen f&uuml;r a&longs;tronomi&longs;che Fernr&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;.
Transact. no. 4. p. 55.),</HI> in welcher &longs;ich ebenfalls der
Aperturen Durchme&longs;&longs;er, wie die Quadratwurzeln aus den
Brennweiten der Objectivgl&auml;&longs;er verhalten. Aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auzout</HI>
giebt dem Objectivgla&longs;e von 30 pari&longs;er Schuhen eine Oefnung
von 3&Prime; 8&tprime;, wenn es vorz&uuml;glich gut, von 3&Prime; 2&tprime;,
wenn es von etwas geringerer, und von 2&Prime; 7&tprime;, wenn es
nur von gemeiner G&uuml;te i&longs;t. Man findet die Re&longs;ultate &longs;einer
Tabelle, wenn man die Brennweite des Objectivgla&longs;es
mit 27, 36 und 54 dividiret, und aus den Quotienten
die Quadratwurzel ausziehet. Die von Auzout berechnete
Tafel reicht von 4 Zoll bis 400 Schuh Brennweite.</P><P TEIFORM="p">D. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hook</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Trans.</HI> a. a. O.) bemerkt bey die&longs;er
Gelegenheit &longs;ehr richtig, da&szlig; &longs;elb&longs;t einerley Glas ver&longs;chiedene
Aperturen erfordere, je nachdem der betrachtete
Gegen&longs;tand mehr oder weniger Licht aus&longs;ende. So erfordern
z. B. Venus und Iupiter eine geringere, Saturn
und Mars eine gr&ouml;&szlig;ere Oefnung. Aus die&longs;er Ur&longs;ache
&longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr. Probl. 37.)</HI> vor, Blendungen
mit ver&longs;chiedenen Aperturen in Vorrath auszu&longs;chneiden,
und durch Probiren auszumachen, welche darunter
f&uuml;r Gegen&longs;t&auml;nde bey Tage, f&uuml;r die Sonne, f&uuml;r den
Mond, die Venus u. &longs;. w. die &longs;chicklich&longs;te &longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Kleine Sternchen, be&longs;onders die Trabanten des Iupiters
und Saturns zu beobachten, dienen am be&longs;ten gro&szlig;e
Aperturen mit Augengl&auml;&longs;ern von gro&szlig;en Brennweiten,
weil es hiebey nicht &longs;owohl auf Vergr&ouml;&szlig;erung, als auf
Helligkeit, ank&ouml;mmt. Allzukleine Oefnungen &longs;ind nie
rath&longs;am, weil bey ihnen die Bilder nicht allein matt, &longs;ondern
auch undeutlich begrenzt ausfallen.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r die Spiegeltele&longs;kope, wo die zur&uuml;ckgeworfenen
Stralen nicht in Farben zer&longs;treut werden, hat man blo&szlig;
die Abweichung wegen der Ge&longs;talt des Spiegels zu betrachten,
welche nicht gro&szlig; i&longs;t, daher die&longs;e Tele&longs;kope gro&szlig;e
Oefnungen zula&longs;&longs;en. Nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI> Berechnung
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smiths</HI> Lehrbegrif der Optik, S. 190 u. f.) verh&auml;lt &longs;ich
im Spiegeltele&longs;kope, wenn die Brennweite des Hohl&longs;piegels'<PB ID="P.1.111" N="111" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> des Augengla&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f,</HI> und der Durchme&longs;&longs;er der Oefnung
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> hei&szlig;t, die Undeutlichkeit, wie die Quadratzahl von
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f),</HI> die Helligkeit, wie die Quadratzahl von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F)</HI>
Sollen daher beyde Eigen&longs;chafteu immer von der&longs;elben
Gr&ouml;&szlig;e bleiben, &longs;o m&uuml;&longs;&longs;en die Ausdr&uuml;cke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>f)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F).</HI> al&longs;o
auch ihr Produkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>),</HI> be&longs;t&auml;ndig &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Nun war in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hadley's</HI> Spiegeltele&longs;kop <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans.
No. 376. 378.) F=62&Prime;, 5; f=0&Prime;, 3; b=5&Prime;,</HI>
mithin<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI>/F<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>=(625/62,5<HI REND="sup" TEIFORM="hi">3</HI>)=(10/62,5<HI REND="sup" TEIFORM="hi">2</HI>)</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bf/F)=0,024,</HI> woraus
nach geh&ouml;riger Rechnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">f=0,06 &radic; 10<HI REND="sup" TEIFORM="hi">4</HI> F,</HI> und
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b=0,024F/f</HI> folgt. Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Tabelle
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smith</HI> S. 194.):
<TABLE REND="BORDER" TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">L&auml;nge des<LB TEIFORM="lb"/>
Tele&longs;kops</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Brennweite des<LB TEIFORM="lb"/>
Augengla&longs;es</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oefnung des<LB TEIFORM="lb"/>
Spiegels</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; VALIGN=&quot;TOP&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Vergr&ouml;&szlig;erung</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Schuh</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1/2</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,167</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,864</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">36 mal</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,199</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,440</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">60 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,236</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,448</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">102 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,261</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,312</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">138 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,281</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,104</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">171 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,297</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4,848</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">202 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,311</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5,568</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">232 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,323</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,240</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">260 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,334</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6,888</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">287 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,344</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7,536</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">314 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">10</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,353</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8,160</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">340 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,367</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9,360</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">390 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">15</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,391</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11,040</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">460 &mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">17</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0,403</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12,143</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">506 &mdash;</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.112" N="112" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Vergleicht man die&longs;e Tabelle mit der f&uuml;r die a&longs;tronomi&longs;chen
Fernr&ouml;hre mitgetheilten, &longs;o findet man, da&szlig; zu
einer hundertfachen Vergr&ouml;&szlig;erung das a&longs;tronomi&longs;che Fernrohr
24 Schuh lang &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;e, da das Spiegeltele&longs;kop
dazu nur 2 Schuh lang &longs;eyn darf. Die Oefnungen aber
&longs;ind bey beyden ziemlich gleich, daher auch die Helligkeit
einerley &longs;eyn w&uuml;rde. Al&longs;o lei&longs;tet das Spiegeltele&longs;kop hier
bey einer 12mal geringern L&auml;nge eben &longs;o viel, als das gemeine
Sternrohr. K&ouml;nnte man dem Spiegel eine genau
paraboli&longs;che Kr&uuml;mmung geben, &longs;o w&uuml;rde die Abweichung
wegen der Ge&longs;talt g&auml;nzlich wegfallen, mithin w&uuml;rde gar
keine Ein&longs;chr&auml;nkung im Durchme&longs;&longs;er des Spiegels n&ouml;thig
&longs;eyn, und die dadurch ungemein ver&longs;t&auml;rkte Helligkeit w&uuml;rde
einem &longs;olchen Spiegeltele&longs;kope noch viel gr&ouml;&szlig;ere Vorz&uuml;ge
geben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dollond's</HI> wichtige Erfindung, &longs;. den Artikel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Achromati&longs;che Fernr&ouml;hre,</HI> &longs;etzt die K&uuml;n&longs;tler in Stand,
die Abweichung wegen der ver&longs;chiedenen Brechbarkeit des
Lichts fa&longs;t g&auml;nzlich zu vermeiden; &longs;ie r&uuml;hmen &longs;ich &longs;ogar,
durch ge&longs;chickte Zu&longs;ammen&longs;etzung ihrer Objectivgl&auml;&longs;er die
Abweichung wegen der Kugelge&longs;talt gro&szlig;entheils aufheben
zu k&ouml;nnen. Hiedurch fallen nun die Blendungen g&auml;nzlich
weg, und man l&auml;&szlig;t in achromati&longs;chen Fernr&ouml;hren das Licht
durch die ganze Fl&auml;che des Objectivgla&longs;es ungehindert einfallen.
Dies vermehrt nicht allein die Helligkeit, &longs;ondern
&longs;pricht auch den K&uuml;n&longs;tler von dem Zwange los, den ihm
&longs;on&longs;t die Theorie des Huygens in R&uuml;ck&longs;icht auf die Vergr&ouml;&szlig;erung
auflegte. Denn da &longs;ich &longs;on&longs;t die Vergr&ouml;&szlig;erung
wie die Quadratwurzel aus der L&auml;nge des Fernrohrs verhalten
mu&szlig;te, &longs;o kan man jetzt, vorausge&longs;etzt, da&szlig; alle Abweichungen
vermieden &longs;ind, jede beliebige Vergr&ouml;&szlig;erung
ohne Schaden der Deutlichkeit wagen. So vergr&ouml;&szlig;erte
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Me&longs;&longs;ier's</HI> achromati&longs;ches Fernrohr <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l' Acad.
roy. des Sc. a. 1775. p. 213.)</HI> 120mal, ob es gleich
nur 40 Zoll lang war, und an einer andern Stelle
wird eben die&longs;em Fernrohre, vermuthlich mit einem
andern Augengla&longs;e ver&longs;ehen, eine 150 fache Vergr&ouml;&szlig;erung
zuge&longs;chrieben, wozu nach der Theorie des Huygens<PB ID="P.1.113" N="113" TEIFORM="pb"/>
&longs;on&longs;t ein 60 Schuh langes Rohr n&ouml;thig gewe&longs;en
w&auml;re.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aphelium, &longs;. Sonnenferne.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Apog&auml;um, &longs;. Erdferne.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ap&longs;iden" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ap&longs;iden, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ap&longs;ides, Auges</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ap&longs;ides ou Ab&longs;ides</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die beyden Punkte einer Planetenbahn, in deren einem
der Planet von der Sonne am weit&longs;ten entfernt, im andern
der&longs;elben am n&auml;ch&longs;ten i&longs;t. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 17. &longs;ind es
die beyden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P.</HI> In <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> i&longs;t der Planet von
der Sonne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> am weit&longs;ten entfernt, in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> der&longs;elben am n&auml;ch&longs;ten.
&longs;. die Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenferne, Sonnenn&auml;he.</HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Name k&ouml;mmt &longs;chon bey den griechi&longs;chen Schrift&longs;tellern
vor. Er bedeutet eigentlich Umfang eines Rads,
auch Kr&uuml;mmung eines Gew&ouml;lbes, und i&longs;t dann den Hauptpunkten
der krummlinichten Bahnen der Ge&longs;tirne beygelegt
worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plinius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. nat. II. 15.)</HI> &longs;agt: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Prima circulorum
(&longs;c. puncta), quos Graeci ab&longs;idas in &longs;tellis vocant.</HI>
Der Name <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Auges</HI> k&ouml;mmt von den Arabern her.</P></DIV2><DIV2 N="Ap&longs;idenlinie, gro&szlig;e Axe der Planetenbahn" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ap&longs;idenlinie, gro&szlig;e Axe der Planetenbahn</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Linea ap&longs;idum, axis orbitae, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ligne des ap&longs;ides, le
grand axe de l'orbite.</HI></HI> Die gerade Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I</HI> Fig.
17.) durch beyde Ab&longs;iden <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ap&longs;iden.</HI> Die&longs;e Linie
i&longs;t die gro&szlig;e Axe der ellipti&longs;chen Planetenbahn, und geht
al&longs;o durch die Sonne, oder den Brennpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> und durch
den Mittelpunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Ap&longs;idenlinien oder gro&szlig;en Axen der Planetenbahnen
ver&auml;ndern von Zeit zu Zeit ihre Lagen gegen die
Fix&longs;terne, und drehen &longs;ich um die Sonne nach der Ordnung
der Zeichen, d. i. von innen heraus betrachtet von
der Rechten zur Linken fort. Man &longs;. von die&longs;er Bewegung
den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenferne.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aqu&auml;dukt, &longs;. Wa&longs;&longs;erleitung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ar&auml;ometer" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ar&auml;ometer, Solwage, Salz&longs;pindel, Sol&longs;pindel,
Bierwage, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Araeometrum, Hygrobaro&longs;copium,
Baryllion</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ar&egrave;ometre, Pe&longs;e-liqueur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Ein Werkzeug,
durch de&longs;&longs;en Ein&longs;enkung in fl&uuml;&szlig;ige Materien, z. B.<PB ID="P.1.114" N="114" TEIFORM="pb"/>
Wa&longs;&longs;er, Solen, Biere rc. man die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Dichten
oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren die&longs;er Materien be&longs;timmen
kan. Der griechi&longs;che Name Ar&auml;ometer bedeutet ein Maa&szlig;
der D&uuml;nne.</P><P TEIFORM="p">Die Theorie der Ar&auml;ometer beruht auf folgenden
Gr&uuml;nden. Die Dichten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> und
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">d,</HI> zweener K&ouml;rper, verhalten &longs;ich, wie die Quotienten
ihrer Gewichte, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p,</HI> durch ihre k&ouml;rperlichen R&auml;ume
oder Volumina, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">v</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dichte</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schwere,
&longs;pecifi&longs;che</HI>), oder es i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D : d = P/V : p/v.</HI> Ferner
taucht ein &longs;chwimmender fe&longs;ter K&ouml;rper &longs;ich in den fl&uuml;&szlig;igen
&longs;o tief ein, bis er &longs;o viel fl&uuml;&szlig;ige Materie, als mit ihm
&longs;elb&longs;t gleich wiegt, aus der Stelle getrieben hat. (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Schwimmen</HI>). Senkt man nun einen &longs;chwiminenden
fe&longs;ten K&ouml;rper, de&longs;&longs;en Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=P</HI> &longs;eyn mag in zwo ver&longs;chiedene
fl&uuml;&szlig;ige Materien, in deren er&longs;ter er &longs;ich um den
k&ouml;rperlichen Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V,</HI> in der andern um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">v</HI> eintaucht,
&longs;o haben die&longs;e Materien unter den gedachten R&auml;umen
beyde das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> und es i&longs;t
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">I.) D : d = P/V:P/v = v: V</HI></HI>
Senkt man aber den fe&longs;ten K&ouml;rper in beyden Materien bis
an ein be&longs;timmtes Merkmal oder beydemal um den Raum
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI> ein, und findet, da&szlig; dazu bey der er&longs;ten fl&uuml;&szlig;igen Materie
&longs;ein Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> bey der andern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;e, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">V</HI>
der Raum, unter welchem die er&longs;te die&longs;er Materien das
Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P,</HI> die andere das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> hat, daher
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="math" TEIFORM="hi">II.) D : d = P/V:p/V = P:p.</HI></HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;e S&auml;tze hei&szlig;en mit andern Worten:</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.)</HI> Wenn ein Ar&auml;ometer von unver&auml;ndertem Gewichte
in zwo fl&uuml;&szlig;ige Materien einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten
&longs;ich die Dichten die&longs;er Materien umgekehrt, wie die
R&auml;ume, um welche das Ar&auml;ometer &longs;ich in die&longs;elben eingetaucht
hat.<PB ID="P.1.115" N="115" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.)</HI> Wenn ein Ar&auml;ometer in zwo fl&uuml;&szlig;ige Materien
bis zu gleicher Tiefe, oder bis an ein daran befindliches
Merkmal, einge&longs;enkt wird, &longs;o verhalten &longs;ich die Dichten
die&longs;er Materien, wie die Gewichte, die man in beyden
F&auml;llen dem Ar&auml;ometer hat geben m&uuml;&longs;&longs;en, um es gleich
tief einzu&longs;enken.</P><P TEIFORM="p">Jeder die&longs;er beyden S&auml;tze giebt eine be&longs;ondere Einrichtung
des Ar&auml;ometers. Man &longs;ieht leicht, da&szlig; diejenige
vorz&uuml;glicher i&longs;t, welche &longs;ich auf den zweyten Satz gr&uuml;ndet,
weil &longs;ich Gewichte leichter und genauer be&longs;timmen la&longs;&longs;en,
als k&ouml;rperliche R&auml;ume. Nach die&longs;er Theorie werden &longs;ich
nun die ver&longs;chiedenen Einrichtungen des Ar&auml;ometers &uuml;ber&longs;ehen
und pr&uuml;fen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Da&szlig; bereits im vierten Jahrhunderte nach C. G.
etwas dem Ar&auml;ometer &auml;hnliches unter dem Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Baryllion</HI>
bekannt gewe&longs;en &longs;ey, erhellet aus dem funfzehnten
Briefe des Bi&longs;chofs zu Ptolemais, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Syne&longs;ius</HI> von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cyrene,</HI>
der an &longs;eine Lehrerin, die ber&uuml;hmte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hypathia</HI> in
Alexandrien, gerichtet i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fermat</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Opera mathematica
Fermatii. Tolo&longs;ae 1679. fol. &longs;ub fin.)</HI> hat die&longs;e Stelle
zuer&longs;t richtig erkl&auml;rt. Ob aber die&longs;es Baryllion unter die
Erfindungen der Hypathia geh&ouml;re, i&longs;t ungewi&szlig;.</P><P TEIFORM="p">Unter den Deut&longs;chen &longs;cheint der Gebrauch &longs;olcher
Werkzeuge zu Salzproben ziemlich alt zu &longs;eyn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupoid</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Stat. univ. P. II. cap. 6.)</HI> f&uuml;hrt an, da&szlig; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Th&ouml;lden</HI>
in &longs;einer 1603 herausgekommenen Halographie einer
Sol&longs;pindel (die aus einem h&ouml;lzernen Cylinder, unten zuge&longs;pitzt,
und mit Bley ausgego&longs;&longs;en, be&longs;tanden habe), als
einer l&auml;ng&longs;t bekannten Sache gedenke.</P><P TEIFORM="p">Die gew&ouml;hnlich&longs;te Art der neuern Ar&auml;ometer i&longs;t diejenige,
die &longs;ich auf den er&longs;ten der obigen S&auml;tze gr&uuml;ndet.
Die&longs;e hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Transact. num. 24. p. 447.)</HI>
be&longs;chrieben, und einige Jahre darauf <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. num.
115. p. 329.)</HI> auch als Goldwage zu brauchen gelehrt.
Gew&ouml;hnlich be&longs;teht ein &longs;olches Werkzeug (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 18.)
aus einer Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> von d&uuml;nnem Glas, an welche an einer
Glaslampe ein langer d&uuml;nner Stiel oder Hals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> und
eine kleinere Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> angebla&longs;en wird. In die&longs;e Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI><PB ID="P.1.116" N="116" TEIFORM="pb"/>
bringt man etwas Schrot oder Queck&longs;ilber, de&longs;&longs;en Gewicht
den Schwerpunkt des ganzen In&longs;truments tief herabbringt
damit es beym Ein&longs;enken ins Wa&longs;&longs;er aufrecht&longs;tehend erhalten
werde, und nicht um&longs;chlage. Die H&ouml;hlungen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI>
m&uuml;&longs;&longs;en &longs;o gro&szlig; &longs;eyn, da&szlig; durch Ein&longs;enkung in Liquoren
allezeit mehr Liquor aus der Stelle getrieben wird, als das
ganze In&longs;trument wiegt, weil es &longs;on&longs;t nicht &longs;chwimmen
w&uuml;rde. Die&longs;es Werkzeug nun taucht &longs;ich, dem er&longs;ten der
obigen S&auml;tze gem&auml;&szlig;, in leichtere Liquoren tiefer, in dichtere
oder &longs;chwerere weniger ein; es wird z. B. im Salzwa&longs;&longs;er
bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D.</HI> im Wa&longs;&longs;er bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E.</HI> im Weine bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F.</HI> im
Weingei&longs;te bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G,</HI> ein&longs;inken. Eine am Stiele <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> angebrachte
Theilung zeigt, wie weit es &longs;ich in jeden Liquor
&longs;enke, al&longs;o welcher unter zweenen der &longs;chwerere und leichtere
&longs;ey; obgleich dies allein noch nicht hinreichend i&longs;t, das
Verh&auml;ltni&szlig; beyder &longs;pecifi&longs;chen Schweren in Zahlen anzugeben.</P><P TEIFORM="p">Man hat die&longs;es &longs;ehr we&longs;entlichen Mangels ohngeachtet
das Ar&auml;ometer dennoch unter der angegebnen Ge&longs;talt
lang genug gebraucht, und zu ver&longs;chiedenen Ab&longs;ichten angewendet.
Man hat es aus Glas, Holz, Horn, Bern&longs;tein,
Kupfer, Me&longs;&longs;ing, Silber rc. verfertiget, und dem
Stiele <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> entweder willk&uuml;hrliche Theile von gleicher
Gr&ouml;&szlig;e, oder auch nur ein einziges aufgemahltes oder einge&longs;chnittenes
Merkmal gegeben, um dadurch anzuzeigen,
wie tief &longs;ich das In&longs;trument in einen gewi&longs;&longs;en Liquor eintauchen
m&uuml;&longs;&longs;e, wenn er genau die geh&ouml;rige G&uuml;te haben
&longs;olle. Von die&longs;er Art &longs;ind die von Bern&longs;tein verfertigten
Danziger <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bierproben,</HI> die ein zu leichtes Bier anzeigen,
wenn &longs;ie &longs;ich darein tiefer, als bis an das gemachte
Merkmal, tauchen. Man hat auch zu andern Ab&longs;ichten
die Gr&ouml;&szlig;e der Theile durch ange&longs;tellte Ver&longs;uche be&longs;timmt,
oder das Ar&auml;ometer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">graduirt.</HI> L&ouml;&longs;et man z. B. zuer&longs;t
in 99 Loth Wa&longs;&longs;er ein Loth Salz, dann in 98 Loth Wa&longs;&longs;er
zwey Loth Salz u. &longs;. w. auf, &longs;o erh&auml;lt man k&uuml;n&longs;tliche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Solen,</HI>
die auf 100 Loth Sole 1, 2 u. &longs;. w. Loth Salz enthalten,
dergleichen man bey uns einl&ouml;thige, zweyl&ouml;thige rc.
Solen zu nennen pflegt. Senkt man das Ar&auml;ometer in<PB ID="P.1.117" N="117" TEIFORM="pb"/>
eine die&longs;er Solen nach der andern ein, und bemerkt mit
Zeichen am Stiele, wie tief es in jeder &longs;inket, &longs;o geben
die&longs;e Zeichen eine Theilung, welche zur Pr&uuml;fung des Salzgehalts
nat&uuml;rlicher Solen dienet. Denn wofern man annehmen
darf, da&szlig; jede nat&uuml;rliche zweyl&ouml;thige Sole eine
gleiche &longs;pecifi&longs;che Schwere mit der k&uuml;n&longs;tlich bereiteten zweyl&ouml;thigen
u. &longs;. w. habe, &longs;o folgt, da&szlig; das Ar&auml;ometer in
beyde gleich tief ein&longs;inken m&uuml;&longs;&longs;e. Unter die&longs;er Ge&longs;talt bek&ouml;mmt
das In&longs;trument den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Solwage, Gradirwage,
Salzprobe, Salz&longs;pindel,</HI> wovon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. &longs;tat. univer&longs;. P. II. c 6.)</HI> ver&longs;chiedene Arten
be&longs;chreibt. Aber die Schwierigkeit, bey &longs;o vielerley
Ver&longs;uchen den Punkt des Ein&longs;inkens jederzeit genau zu bemerken
und richtig zu bezeichnen, macht, da&szlig; man &longs;ich
von der Vollkommenheit eines &longs;olchen Werkzeugs insgemein
nicht viel ver&longs;prechen kan.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht leicht, da&szlig; &longs;ich auf eine &auml;hnliche Art auch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bierproben</HI> zubereiten la&longs;&longs;en. So hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Faggot</HI> (Abh.
der k&ouml;nigl. &longs;chwed. Akad. der Wi&longs;&longs;. &uuml;ber&longs;. durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tner,</HI>
f&uuml;r 1763. S. 49.) f&uuml;r das &longs;chwedi&longs;che Bier, ein &longs;olches
Ar&auml;ometer ins &longs;t&auml;rk&longs;te Bier und in Mi&longs;chungen von 3,2,
1 Theilen Bier mit 1, 2, 3 Theilen Wa&longs;&longs;er zu &longs;enken und
die Punkte des Ein&longs;inkens zu bemerken, vorge&longs;chlagen.
Und, weil man nicht &uuml;berall gleich gutes Starkbier finden
m&ouml;chte, r&auml;th er an, k&uuml;n&longs;tliche Solen zu verfertigen, welche
mit den angegebnen Bierarten (von welchen ein Cubikzoll
563, 558 1/2, 554, 550 A&szlig; wog) gleiche Schwere h&auml;tten,
und die Bierprobe in die&longs;en Solen zu graduiren.
Vielleicht w&auml;re die&longs;er Vor&longs;chlag f&uuml;r die Praxis nicht unbrauchbar;
es m&uuml;&longs;te aber f&uuml;r jede Sorte von Bier, deren
wir bey uns &longs;o vielerley haben, eine be&longs;ondere Probe verfertiget
werden. Die Graduirung durch Solen i&longs;t auch
nur dann &longs;icher, wenn &longs;tets Salz und Wa&longs;&longs;er von gleicher
Art, auch unter gleichen Graden der W&auml;rme, gebraucht
wird.</P><P TEIFORM="p">Da es &longs;o m&uuml;h&longs;am und un&longs;icher i&longs;t, jeden Grad eines
Ar&auml;ometers durch einen be&longs;ondern Ver&longs;uch zu be&longs;timmen,
&longs;o haben einige vorge&longs;chlagen, nur <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zwey fe&longs;te Punkte</HI><PB ID="P.1.118" N="118" TEIFORM="pb"/>
durch wirkliche Ver&longs;uche zu be&longs;timmen, und den Zwi&longs;chenraum
in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gleiche Theile</HI> zu theilen. Es i&longs;t aber zu bemerken,
1. da&szlig; hiebey der Stiel des Ar&auml;ometers vollkommen
cylindri&longs;ch &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;e, welches bey gl&auml;&longs;ernen R&ouml;hren
nicht &longs;o leicht zu erhalten i&longs;t; 2. da&szlig; auf die&longs;e Art die
Grade der Theilung nicht v&ouml;llig gleiche Unter&longs;chiede der
Dichtigkeiten oder &longs;pecifi&longs;chen Schweren angeben, mithin
noch eine Rechnung n&ouml;thig i&longs;t, wenn man die wahren Verh&auml;ltni&longs;&longs;e
der Dichten finden will.</P><P TEIFORM="p">Ein &longs;olches Ar&auml;ometer (Tafel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Figur 19.) &longs;chl&auml;gt
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad Philo&longs;. natur. To. II. &sect;.
1384.)</HI> vor. Es &longs;oll &longs;ich im Regenwa&longs;&longs;er, mit H&uuml;lfe
eines unten ange&longs;chraubten Gewichts, ganz bis ans Ende
des Stiels, und in einem Liquor, der unter dem Volumen
des Ar&auml;ometers 40 Gran &longs;chwerer, als Regenwa&longs;&longs;er, i&longs;t,
nur bis an den Anfang des Stiels eintauchen. Nun
theilt er den Stiel in 40 gleiche Theile, und meynt, &longs;o
werde &longs;ich beym Ein&longs;inken in einen andern Liquor zeigen,
wie viel der&longs;elbe &longs;chwerer &longs;ey, als Regenwa&longs;&longs;er. F&uuml;r Liquoren,
welche leichter, oder &uuml;ber 40 Gran &longs;chwerer, als
Wa&longs;&longs;er w&auml;ren, m&uuml;&longs;ten unten leichtere oder &longs;chwerere Gewichte
ange&longs;chraubt werden. Da &longs;ich Mu&longs;&longs;chenbroek nicht
ganz deutlich ausdr&uuml;ckt, &longs;o k&ouml;nnte man dies &longs;o ver&longs;tehen:
Wenn das Wa&longs;&longs;er unter dem Volumen des Ar&auml;ometers
100 Gran wiegt, und das In&longs;trument in einem &longs;chwerern
Liquor nicht ganz untertaucht, &longs;ondern um 1 Theil des
Stiels hervorragt, &longs;o &longs;oll die&longs;er Liquor unter eben dem
Volumen 1 Gran mehr wiegen, al&longs;o das Verh&auml;ltni&szlig; der
Dichten 100:101 &longs;eyn. Da&szlig; dies theoreti&longs;ch unrichtig
w&auml;re, lehrt folgende Betrachtung: Soll &longs;ich das Ar&auml;ometer
in einem Liquor, von welchem 140 Gran &longs;o viel
Raum einnehmen, als 100 Gran Wa&longs;&longs;er, nur bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI>
(Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 19.) eintauchen, &longs;o mu&szlig; das Volumen von
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">PC (100/140),</HI> das Volumen des Stiels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC (40/140),</HI> und ein Grad
der Theilung (1/140) des ganzen Volumens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PA</HI> ausmachen.
War al&longs;o im Wa&longs;&longs;er alles eingetaucht, und ragt jetzt in
einem Liquor (1/140) hervor, oder &longs;ind jetzt nur (130/140) eingetaucht,
&longs;o i&longs;t das Verh&auml;ltni&szlig; der Dichtigkeiten nach dem er&longs;ten der<PB ID="P.1.119" N="119" TEIFORM="pb"/>
obigen theoreti&longs;chen S&auml;tze=139:140, nicht wie oben
100:101. Ragen 7 Theile hervor, oder &longs;ind 33 eingetaucht,
&longs;o i&longs;t es 133 : 140; und &uuml;berhaupt, wenn das
Ar&auml;ometer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> Gran Wa&longs;&longs;er aus der Stelle treibt, und die
Anzahl der eingetauchten Grade der Theilung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> hei&szlig;t,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+n:p+40;</HI> nicht, wie oben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p:p+40&mdash;n.</HI> So
ver&longs;tanden, i&longs;t Mu&longs;&longs;chenbroeks Theorie richtig; er &longs;cheint
auch die Sache &longs;o genommen zu haben, weil er in der Figur
die Theile am Stiele von unten hinauf z&auml;hlt, &verbar;und al&longs;o
die eingetauchten, nicht die hervorragenden, in An&longs;atz
bringt. Aber &longs;eine Worte la&longs;&longs;en auch die oben angegebne
fal&longs;che Erkl&auml;rung zu. Uebrigens &longs;oll das Werkzeug von
Me&longs;&longs;ing &longs;eyn, und wegen des Anh&auml;ngens der Liquoren nur
f&uuml;r die gr&ouml;bere Praxis be&longs;timmt bleiben. Die Verfertigung
de&longs;&longs;elben nach den vorge&longs;chriebnen Bedingungen w&uuml;rde
allemal h&ouml;ch&longs;t m&uuml;h&longs;am, und denen, die &longs;ich mit der &verbar;gr&ouml;bern
Praxis befriedigen, gar nicht vorzu&longs;chlagen &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Eine andere auf zween fe&longs;te Punkte gegr&uuml;ndete Einrichtung
des Ar&auml;ometers hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Baume</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Avant-Coureur
1768. no. 45, 50, 51, 52; 1769 no. 2.)</HI> vorge&longs;chlagen.
Sie &longs;oll den Grad der Rectification gei&longs;tiger
Liquoren und die &longs;pecifi&longs;che Schwere der&longs;elben zugleich angeben;
da aber, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l' Acad. roy.
des Sc. 1769.)</HI> zeigt, beym Weingei&longs;te die Rectification
dem Grade der &longs;pecifi&longs;chen Schwere nicht proportional i&longs;t,
&longs;o kan beydes zugleich nicht mit einerley Werkzeuge geme&longs;&longs;en
werden. Uebrigens &longs;enkt Baume das Ar&auml;ometer zuer&longs;t
in eine Mi&longs;chung von 9 Theilen Wa&longs;&longs;er und 1 Theil
trocknen Koch&longs;alzes und dann in reines Wa&longs;&longs;er, bemerkt
die Punkte des Ein&longs;inkens mit 0 und 10, theilt den Zwi&longs;chenraum
in zehn gleiche Grade, und tr&auml;gt &longs;olche Grade
bis 50 auf dem &uuml;brigen Theile des Stiels fort. Er erh&auml;lt
auf die&longs;e Art eine Scale mit gleichen Theilen, welche
nie gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten anzeigen. Zwar
&longs;ucht er auch nicht Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Dichtigkeiten &longs;elb&longs;t zu
be&longs;timmen, &longs;ondern nur durch &longs;eine Vor&longs;chriften alle Ar&auml;ometer
mit einander &uuml;berein&longs;timmend zu machen, &longs;o da&szlig;
man durch den Grad der&longs;elben die Dichte oder G&uuml;te eines<PB ID="P.1.120" N="120" TEIFORM="pb"/>
Liquors auf eine &uuml;berall ver&longs;t&auml;ndliche Art ausdr&uuml;cken k&ouml;nne.
So &longs;oll 0 Grad die Dichte eines Liquors, der (9/10) Wa&longs;&longs;er
und (1/10) Salz hat, 10 Grad die Dichte des Wa&longs;&longs;ers bezeichnen.
Nun lie&szlig;en &longs;ich zwar hieraus die Verh&auml;ltni&longs;&longs;e
der Dichten &longs;elb&longs;t berechnen, wenn die Dichte der zum fe&longs;ten
Punkte gebrauchten Sole bekannt w&auml;re; allein da
Salze von ver&longs;chiedener Art auf das Wa&longs;&longs;er ver&longs;chiedentlich
wirken, und al&longs;o Gemi&longs;che von andern Dichtigkeiten
geben k&ouml;nnen, wenn &longs;ie gleich in einerley Verh&auml;ltni&szlig; mit
dem Wa&longs;&longs;er vermi&longs;cht werden, &longs;o i&longs;t man nie &longs;icher aus
9 Theilen Wa&longs;&longs;er und einem Theile Salz &uuml;berall eine gleich
dichte Sole, und eine mit andern &uuml;berein&longs;timmende Theilung
des Ar&auml;ometers zu erhalten; und f&uuml;r die gei&longs;tigen Liquoren
&auml;ndern &longs;ich die Dichtigkeiten, die &longs;ie durch Vermi&longs;chung
mit Wa&longs;&longs;er annehmen, noch unregelm&auml;&szlig;iger.</P><P TEIFORM="p">Die von den St&auml;nden in Languedoc 1771 und 1773
aufgegebnen Preisfragen &uuml;ber die be&longs;te Art, die G&uuml;te der
gei&longs;tigen Liquoren zu pr&uuml;fen, haben noch andere Vor&longs;chl&auml;ge
zu Branntewein- und Weingei&longs;tproben von den Herren
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Poncelet, Pouget</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bories</HI> veranla&longs;&longs;et, welche anzuf&uuml;hren
hier zu weitl&auml;uftig w&auml;re.</P><P TEIFORM="p">Da die Be&longs;timmung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">zweener</HI> fe&longs;ten Punkte durch
Ver&longs;uche un&longs;icher i&longs;t, weil es Schwierigkeit macht, au&szlig;er
dem de&longs;tillirten oder Regenwa&longs;&longs;er, noch einen Liquor von
&longs;tets gleicher Dichte zu erhalten, und da die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gleichen</HI>
Theile der Scale niemals gleiche Unter&longs;chiede der Dichtigkeiten
geben, &longs;o hat man vorge&longs;chlagen, das Ar&auml;ometer
durch Ver&auml;nderung &longs;eines Gewichts &longs;o zu graduiren, da&szlig;
es durch den Punkt &longs;eines Ein&longs;inkens &longs;ogleich die Dichte
des Liquors anzeige. Die&longs;e &longs;innreiche Methode lehrt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire de Phy&longs;ique, art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ar&egrave;ometre</HI>).</HI> Es
&longs;ey die Dichte des Wa&longs;&longs;ers zur Dichte eines Liquors
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=D:d ;</HI> im Wa&longs;&longs;er &longs;enke &longs;ich das Ar&auml;ometer um den
Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> ein, &longs;o mu&szlig; es &longs;ich im Liquor um den Raum
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> ein&longs;enken (weil &longs;ich die R&auml;ume umgekehrt wie die
Dichten verhalten m&uuml;&longs;&longs;en). Soll es &longs;ich nun im Wa&longs;&longs;er<PB ID="P.1.121" N="121" TEIFORM="pb"/>
eben &longs;o weit, oder auch um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> ein&longs;enken, &longs;o
mu&szlig; &longs;ein Gewicht, welches wir <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> nennen wollen, ver&auml;ndert
werden. Mit dem anf&auml;nglichen Gewichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> &longs;ank
es im Wa&longs;&longs;er um den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> ein, al&longs;o wird es, um
den Raum <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bD/d)</HI> einzu&longs;inken, das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pD/d)</HI> haben
m&uuml;&longs;&longs;en (weil &longs;ich die R&auml;ume des Ein&longs;inkens in einerley
fl&uuml;&szlig;ige Materie, wie die Gewichte, verhalten). Ver&auml;ndert
man al&longs;o das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D/d</HI> d. h. vermehrt
man es um <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pD/d)&mdash;p=p&middot;(D&mdash;d/d),</HI> &longs;o &longs;inkt das In&longs;trument
im Wa&longs;&longs;er &longs;o tief ein, als es unter &longs;einem anf&auml;nglichen
Gewichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> in einen Liquor von der Dichte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI>
ein&longs;inkt. Nimmt man nun die Dichte des Wa&longs;&longs;ers=
1000 an, und l&auml;&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> nach einander 990, ,980, 970 rc.
gelten, &longs;o wird <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p&middot;(D&mdash;d/d)</HI> nach einander <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(10/990) p, (20/980) p,
(30/970) p</HI> rc. Hierauf gr&uuml;ndet &longs;ich folgendes Verfahren.
Man wiege das Ar&auml;ometer genau, &longs;enke es in de&longs;tillirtes
oder in Regenwa&longs;&longs;er unter einem be&longs;timmten Grade der
W&auml;rme (wozu Bri&longs;&longs;on den 14ten Grad des Reaum&uuml;ri&longs;chen
Thermometers vor&longs;chl&auml;gt), und bezeichne den Punkt,
bis auf den es ein&longs;inkt, mit 1000. Man vermehre hierauf
das anf&auml;ngliche Gewicht des In&longs;truments durch etwas
hinzugego&longs;&longs;enes Queck&longs;ilber um (10/990) oder (1/99), &longs;enke es von
neuem ein, und bemerke den Punkt mit 990; man nehme
das hinzugethane Queck&longs;ilber wieder hinweg, vermehre
das anf&auml;ngliche Gewicht um (20/980) oder (1/49), und bemerke
den Punkt des Ein&longs;inkens mit 980 u. &longs;. w. So i&longs;t das
Werkzeug von 10 zu 10 Graden f&uuml;r <HI REND="bold" TEIFORM="hi">leichtere</HI> Liquoren,
als Wa&longs;&longs;er, graduirt. Um einzelne Grade zu haben, kan
man entweder die Zwi&longs;chenr&auml;ume in 10 gleiche Theile theilen,
oder, wenn man die Genauigkeit aufs h&ouml;ch&longs;te treiben
will, die Punkte f&uuml;r die Dichten 999, 998 rc. durch Vermehrung
des anf&auml;nglichen Gewichts um (1/999), (2/998) rc. &longs;uchen.<PB ID="P.1.122" N="122" TEIFORM="pb"/>
F&uuml;r <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwerere</HI> Liquoren, als Wa&longs;&longs;er, wird <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D&mdash;d</HI> negativ.
und das anf&auml;ngliche Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> i&longs;t um<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(d&mdash;D/d)&middot;p</HI> zu
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">vermindern.</HI> Die&longs;e Verminderungen betragen (10/1010),
(20/1020), (30/1030) rc. f&uuml;r die Dichten 1010, 1020, 1030 rc.;
woraus das Verfahren leicht erhellet. Endlich giebt man
dem In&longs;trumente &longs;ein anf&auml;ngliches Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p</HI> wieder;
und wenn es &longs;ich nun bey einer Temperatur von 14 Graden
nach Reaum&uuml;r in einen gewi&longs;&longs;en Liquor bis an den mit
980 bemerkten Punkt &longs;enkt, &longs;o kan man &longs;chlie&szlig;en, da&szlig;
des Liquors Dichte zur Dichte des Wa&longs;&longs;ers wie 980: 1000
&longs;ey. Die&longs;e Methode w&uuml;rde vor allen andern den Vorzug
verdienen, wenn nicht die Ausf&uuml;hrung &auml;u&szlig;er&longs;t m&uuml;h&longs;am
w&auml;re. Sie i&longs;t nicht von der Art, da&szlig; man &longs;ie gemeinen
Mechanikern &uuml;berla&longs;&longs;en k&ouml;nnte; die Phy&longs;iker m&uuml;&longs;&longs;en &longs;ich
dergleichen Werkzeuge &longs;elb&longs;t verfertigen.</P><P TEIFORM="p">Zum genauern Graduiren empfiehlt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on'</HI> folgende
von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montigny</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l'Academ. roy. des Sc.
1768. p. 435.)</HI> angegebne Methode. An der Seite des
Gef&auml;&szlig;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 20 geht der elfenbeinerne Stab
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> in die H&ouml;he, und i&longs;t mit einem wohlgearbeiteten me&longs;&longs;ingnen
Schieber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EF</HI> ver&longs;ehen. Man f&uuml;llt das Gef&auml;&szlig; mit
Regenwa&longs;&longs;er, und giebt &longs;tets Acht, da&szlig; da&longs;&longs;elbe darinn
gleich hoch &longs;tehe. Das bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G</HI> einge&longs;enkte Ar&auml;ometer reiche
mit dem Ende des Stiels bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A,</HI> &longs;o wird der Schieber &longs;o
ge&longs;tellt, da&szlig; er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> genau ber&uuml;hrt, und auf dem elfenbeinernen
Stabe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DG</HI> wird bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">g</HI> ein Strich mit Bley&longs;tift gemacht.
Sinkt in andern Liquoren, oder unter anderm
Gewichte, das Ar&auml;ometer bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H, I</HI> rc. ein, &longs;o wird der
Schieber die Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">h, i</HI> rc. angeben, und die Bley&longs;tift&longs;triche
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">g, h, i</HI> geben eine Theilung, welche vom elfenbeinernen
Stabe auf ein Papier gebracht, und umgekehrt in das
Ar&auml;ometer befe&longs;tiget wird, &longs;o da&szlig; der Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> der beym
er&longs;ten Ein&longs;enken der Oberfl&auml;che des Wa&longs;&longs;ers im Gef&auml;&szlig;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI>
gegen&uuml;ber&longs;tand, an das Ende des Stiels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> k&ouml;mmt, und
die Theilung in die Lage <HI REND="roman" TEIFORM="hi">G, H, I</HI> bringt. Der Schieber
mu&szlig; an den Stab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">GD</HI> nur auf drey Seiten an&longs;chlie&szlig;en,<PB ID="P.1.123" N="123" TEIFORM="pb"/>
und die vierte, auf welche die Bley&longs;tift&longs;triche kommen, frey
la&longs;&longs;en, damit er beym Fort&longs;chieben nichts ausl&ouml;&longs;che. Graduirt
man nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;ons</HI> Art, &longs;o mu&szlig; das Papier, auf
welches die Theilung kommen &longs;oll, mit gewogen, und &longs;ein
Gewicht in das anf&auml;ngliche Gewicht des Ar&auml;ometers mit
eingerechnet werden.</P><P TEIFORM="p">Aus der bisherigen Theorie l&auml;&szlig;t &longs;ich auch die Einrichtung
&uuml;ber&longs;ehen, die le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Raz de Lanthenee</HI> in einer kleinen
Schrift von 32 Seiten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">12mo</HI> vorge&longs;chlagen hat, und
welche von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dictionnaire de phy&longs;. art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Ar&egrave;ometre</HI>)</HI>
angef&uuml;hrt wird. Sie &longs;cheint eine etwas ver&auml;nderte
Nachahmung der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen</HI> zu &longs;eyn. Er
&longs;enkt nemlich ein Ar&auml;ometer, welches 1000 Gran wiegt,
in Wa&longs;&longs;er, vermehrt hierauf das Gewicht um 40 Gran,
&longs;enkt es nochmals ein und theilt den Raum zwi&longs;chen beyden
Punkten in 40 gleiche Theile. Er bek&ouml;mmt hiedurch
zu fe&longs;ten Punkten die Dichte des Wa&longs;&longs;ers und die Dichte
eines (40/1040) oder (1/20) leichtern Liquors; und &longs;o i&longs;t &longs;ein
Ar&auml;ometer allerdings vorz&uuml;glicher, als die, welche zur
Be&longs;timmung des zweyten Punkts die Bereitung einer
Sole u. dgl. voraus&longs;etzen. Auch i&longs;t es richtig, da&szlig; bey
einem Ar&auml;ometer, welches nicht gerade 1000 Gran wiegt,
die Zulage &longs;tatt 40 Gran, eine andere &longs;eyn mu&szlig;, die &longs;ich
aber zum Gewichte des Ar&auml;ometers verh&auml;lt, wie 40:1000,
z. B. bey einem Ar&auml;ometer von 800 Gran darf man nur
32 Gran zulegen. Man mu&szlig; aber dennoch in 40 Theile
theilen, wenn &longs;olche Ar&auml;ometer mit einander &uuml;berein&longs;timmen
&longs;ollen, und die Behauptung des Erfinders, man
m&uuml;&longs;&longs;e in &longs;o viel Theile theilen, als man bey der Be&longs;timmung
des zweyten Punkts Grane zugelegt habe, i&longs;t ein
offenbarer Irrthum. Uebrigens i&longs;t bey die&longs;em&verbar;Werkzeuge,
wenn &longs;ein Gewicht in Granen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p,</HI> und die Zahl der eingetauchten
Grade der Theilung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> hei&szlig;t, des Wa&longs;&longs;ers Dichte
zu des Liquors Dichte, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p+n:p.</HI></P><P TEIFORM="p">Noch eine &longs;ehr einfache Art des Ar&auml;ometer g&auml;be ein
blo&szlig;es St&auml;bchen ohne Kugel, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 21.,
das etwa von einem leichten aber fe&longs;ten Holze ver&longs;ertiget
und &uuml;berfirni&szlig;t werden k&ouml;nnte. Das St&auml;bchen m&uuml;&longs;te ein<PB ID="P.1.124" N="124" TEIFORM="pb"/>
genau gearbeitetes rechtwinklichtes Parallelepipedum &longs;eyn,
und l&auml;ng&longs;t der Mitte jeder Seitenfl&auml;che m&uuml;&longs;te eine etwa in
1000 Theile getheilte Linie herabgehen, auf der man auch
bey einer &longs;chiefen Lage des St&auml;bchens, dennoch das Verh&auml;ltni&szlig;
des eingetauchten Theils zum Ganzen richtig w&uuml;rde
bemerken k&ouml;nnen. Ein &longs;olches St&auml;bchen w&uuml;rde &longs;ich in einen
Liquor ge&longs;enkt, und bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> an einem Faden gehalten
(nicht gezogen), bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> z. E. um 600 Theile ein&longs;enken.
S&auml;nke es nun im Regenwa&longs;&longs;er um 550 Theile ein, &longs;o
w&uuml;rde &longs;ich des Regenwa&longs;&longs;ers Dichte zu des Liquors Dichte,
wie 600:550 verhalten. Ich habe die&longs;e Einrichtung in
den hydro&longs;tati&longs;chen Vorle&longs;ungen meines ehemaligen Lehrers,
des Prof. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hein&longs;ius</HI> in Leipzig, kennen gelernt, der &longs;ie
zu Pr&uuml;fung der &longs;pecifi&longs;chen Schweren der Mineralwa&longs;&longs;er
vor&longs;chlug.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t zu verwundern, da&szlig; man die bisher be&longs;chriebenen
Ar&auml;ometer, welche die Dichte der Liquoren durch die
Tiefe des Ein&longs;inkens me&longs;&longs;en, noch immer beybeh&auml;lt, und
&longs;o viel daran k&uuml;n&longs;telt, da doch die Be&longs;timmung der fe&longs;ten
Punkte und das Graduiren &longs;o viel M&uuml;he und Unzuverl&auml;&longs;&longs;igkeit
veranla&longs;&longs;en, da&szlig; In&longs;trumente die&longs;er Art aller angewandten
Bem&uuml;hungen ohngeachtet doch immer unvollkommen
bleiben werden. Die Begierde, &longs;ogleich an einer
Scale zu &longs;ehen, wie gut oder dicht ein Liquor &longs;ey, ohne
da&szlig; es er&longs;t einer Rechnung bed&uuml;rfe, mag wohl die Ur&longs;ache
davon &longs;eyn; es hei&szlig;t aber nicht die Chymiker ehren, wenn
man ihnen unzuverl&auml;&szlig;ige Weingei&longs;tproben in die H&auml;nde
giebt, um ihnen eine Divi&longs;ion zu er&longs;paren.</P><P TEIFORM="p">Weit einfacher, leichter zu verfertigen, und in der
Anwendung &longs;icherer i&longs;t dasjenige Ar&auml;ometer, welches die
Dichten der Liquoren durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gewichte</HI> abmi&szlig;t. Es f&uuml;hrt
gemeiniglich den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fahrenheiti&longs;chen allgemeinen
Ar&auml;ometers</HI> obgleich nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr.
Stat. P. II. &sect;. 28. 29.)</HI> &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Moncony,</HI> ein Arzt in
Lyon (&dagger; 1665) in &longs;einer Rei&longs;ebe&longs;chreibung, auch der P.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuillee</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Journal des ob&longs;erv. de phy&longs;. Paris 1714. 4.)</HI>
&auml;hnliche Einrichtungen be&longs;chreiben. Die&longs;es In&longs;trument
be&longs;teht aus einer hohlen gl&auml;&longs;ernen oder me&longs;&longs;ingnen Kugel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI><PB ID="P.1.125" N="125" TEIFORM="pb"/>
(Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 22.), an welcher &longs;ich unten noch eine andere
mit etwas Queck&longs;ilber oder Schrot be&longs;chwerte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> befindet.
Der Hals <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AC</HI> i&longs;t &longs;ehr d&uuml;nn, und hat oben bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> eine
kleine Schale, um leicht Gewichte hineinwerfen zu k&ouml;nnen.
Am Hal&longs;e befindet &longs;ich bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> ein Merkmal. An <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Moncony's</HI>
Wage fehlen die Schale <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a;</HI>
denn die Gewichte werden wie Ringe geformt und auf den
etwas &longs;t&auml;rkern Hals aufge&longs;teckt, und das In&longs;trument wird
bis an die Spitze einge&longs;enkt; bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuillee's</HI> Angabe fehlt
nur die Schale, und die Gewichte, als durchl&ouml;cherte Bl&auml;ttchen
geformt, werden &uuml;ber den Hals auf die Kugel gelegt;
bey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leutmanns</HI> Angabe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petropol. T. V. p.
273.)</HI> i&longs;t die R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CA</HI> offen, und die Gewichte werden
durch die Oefnung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> hineingeworfen.</P><P TEIFORM="p">Um ein &longs;olches Werkzeug zu gebrauchen, mu&szlig; zuer&longs;t
das Gewicht de&longs;&longs;elben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=p</HI> &longs;orgf&auml;ltig be&longs;timmt werden.
Man &longs;enkt es hierauf in de&longs;tillirtes oder Regenwa&longs;&longs;er, und
legt in die Schale <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> &longs;o viel Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=q,</HI> bis es &longs;ich bis
an das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a</HI> eintaucht. Mu&szlig; man nun, um es in
einem Liquor eben &longs;o weit einzutauchen, das Gewicht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">r</HI> in
die Schale legen, &longs;o i&longs;t nach dem zweyten der im Anfang
die&longs;es Artikels vorgetragnen S&auml;tze des Wa&longs;&longs;ers Dichte zu
des Liquors Dichte, wie das ganze Gewicht des Werkzeugs
beym er&longs;tern Ein&longs;inken zum ganzen Gewichte beym letztern,
oder wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">p + q : p + r.</HI> Wiegt zum Bey&longs;piel das
Ar&auml;ometer 496 Gran, und m&uuml;&longs;&longs;en im Regenwa&longs;&longs;er 32,
in einer Sole 64 Gran zugelegt werden, &longs;o verhalten &longs;ich
beyder Dichten oder &longs;pecifi&longs;che Schweren, wie 496 + 32:
496 + 64 = 528 : 560 = 1 : 1,060.</P><P TEIFORM="p">Es f&auml;llt in die Augen, wie weit die&longs;es In&longs;trument
die vorherbe&longs;chriebenen an Simplicit&auml;t, Leichtigkeit der
Ausf&uuml;hrung und Sicherheit des Re&longs;ultats &uuml;bertrift. Es
bleibt nur noch die Einwendung &uuml;brig, da&szlig; das Anh&auml;ngen
der Liquoren verhindere, genau wahrzunehmen, wenn
der Liquor gerade bis an das Merkmal reiche. Die&longs;e Einwendung
trift aber auch die Ar&auml;ometer von jener Cla&longs;&longs;e,
und der zu be&longs;orgende Fehler i&longs;t bey einem d&uuml;nnen Hal&longs;e
ganz unbetr&auml;chtlich. Noch w&auml;re zu bef&uuml;rchten, da&szlig; es bey<PB ID="P.1.126" N="126" TEIFORM="pb"/>
allzuviel oben eingelegten Gewichten um&longs;chlagen m&ouml;chte;
allein ein nachdenkender K&uuml;n&longs;tler wird die Einrichtung
leicht &longs;o treffen, da&szlig; nie &longs;tarke Gewichte eingelegt werden
d&uuml;rfen, und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> immer &longs;chwer genug bleibt, um das Ganze
aufrecht zu erhalten. Es &longs;ollten al&longs;o die Naturfor&longs;cher
billig mehr Gebrauch von die&longs;er Einrichtung machen, als
insgemein zu ge&longs;chehen pflegt.</P><P TEIFORM="p">Wie man die Ar&auml;ometer als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Goldwagen</HI> gebrauchen
k&ouml;nne, be&longs;chreibt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cornelius Meyer</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nuovi Ritrovamenti
divi&longs;i in due parti. Rom. 1696. fol.).</HI> Er hat
&longs;eine Methode um das Jahr 1668 erfunden. und giebt
a. a. O. &longs;echs ver&longs;chiedene Arten &longs;olcher Goldwagen an,
worunter die mei&longs;ten dem Fahrenheiti&longs;chen Univer&longs;alar&auml;ometer
&longs;ehr &auml;hnlich &longs;ind. Man h&auml;ngt unten eine &auml;chte
Goldm&uuml;nze an, und bemerkt, wie weit &longs;ich das mit ihr
be&longs;chwerte In&longs;trument ins Wa&longs;&longs;er tauche. Eine fal&longs;che
M&uuml;nze unten angehangen, wird es nicht &longs;o weit eintauchen.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meyer</HI> erz&auml;hlt, die General&longs;taaten h&auml;tten ihn
durch Abgeordnete um Mittheilung die&longs;er Erfindung&verbar; er&longs;uchen
la&longs;&longs;en. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> hat &longs;ein dazu dienliches In&longs;trument
1674 in den Transactionen bekannt gemacht, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leupold</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theatr. Stat. univer&longs;. p. II. c. 6.)</HI> handelt von der ganzen
Sache &longs;ehr um&longs;t&auml;ndlich.</P><P TEIFORM="p">Bey dem Gebrauche aller Ar&auml;ometer &uuml;berhaupt &longs;ind
folgende von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Le&ccedil;ons de Phy&longs;. To. II. p. 388.)</HI>
angegebne Vor&longs;ichtsregeln zu beobachten.</P><P TEIFORM="p">1) Die Liquoren, in welche man das Ar&auml;ometer ein&longs;enkt,
m&uuml;&longs;&longs;en jederzeit auf einerley Grad der W&auml;rme gebracht
werden. Andere Grade der W&auml;rme w&uuml;rden die
Dichte des Liquors &longs;owohl, als das Volumen des Werkzeugs,
&auml;ndern.</P><P TEIFORM="p">2) Bey Ar&auml;ometern, die durch Eintheilung in
gleiche Theile graduirt werden, mu&szlig; der Stiel genau
cylindri&longs;ch, d. i. durchgehends von gleicher Dicke
&longs;eyn. Unregelm&auml;&szlig;ige und ungleich dicke St&uuml;cken geben
bey gleich getheilter L&auml;nge nicht gleich getheilte
Volumina.<PB ID="P.1.127" N="127" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">3) Beym Ein&longs;enken m&uuml;&longs;&longs;en die Ar&auml;ometer genau
&longs;enkrecht &longs;tehen. Eine &longs;chiefe Stellung verhindert, den
Punkt des Ein&longs;inkens genau zu beobachten.</P><P TEIFORM="p">4) Das In&longs;trument mu&szlig; &longs;tets &longs;ehr rein und &longs;auber
gehalten, auch, ehe man es aus einem Liquor in den andern
bringt, &longs;orgf&auml;ltig abgetrocknet werden. Auf den Liquoren
&longs;elb&longs;t darf kein Schaum &longs;eyn, weil Luftbla&longs;en &longs;ich an das
Werkzeug h&auml;ngen, und es h&ouml;her, als geh&ouml;rig, emporheben
w&uuml;rden. Bey aller die&longs;er Vor&longs;icht bleibt es noch immer
&longs;chwer, den Punkt des Ein&longs;inkens mit der geh&ouml;rigen Genauigkeit
zu bemerken, weil manche Liquoren genauer an
das Glas an&longs;chlie&szlig;en, als andere, auch viele am Gla&longs;e
mehr oder weniger in die H&ouml;he &longs;teigen.</P><P TEIFORM="p">Zum Be&longs;chlu&szlig; die&longs;es Artikels will ich noch eines In&longs;truments
gedenken, welches zwar nach der oben angegebnen
Definition nicht unter die Ar&auml;ometer geh&ouml;rt, aber doch
zu Abme&longs;&longs;ung der Dichte der Liquoren dient, und von &longs;einem
Erfinder den Namen eines <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&auml;ometers</HI> bekommen
hat. Es i&longs;t von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Homberg</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l'Acad. roy. des
Sc. 1699.)</HI> angegeben worden, und be&longs;teht aus einem gl&auml;&longs;ernen
Gef&auml;&szlig;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABCD</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 23., de&longs;&longs;en Hals &longs;o
eng i&longs;t, da&szlig; ein Wa&longs;&longs;ertropfen darinn 6&mdash;7 Lin. Raum
einnimmt; oben i&longs;t er trichterf&ouml;rmig ausge&longs;chweift. An
der Seite bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> geht eine eben &longs;o enge 6 Lin. lange R&ouml;hre
mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AB</HI> parallel heraus, um der Luft einen Ausgang aus
dem Gef&auml;&szlig;e zu ver&longs;tatten. Wenn man die&longs;es Gef&auml;&szlig; allemal
bis an das Merkmal <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> mit einem Liquor f&uuml;llet, &longs;o hat
man wegen des engen Hal&longs;es, der keinen betr&auml;chtlichen
Fehler dabey ver&longs;tattet, immer einerley Volumen der Liquoren.
Wiegt man al&longs;o das Gef&auml;&szlig; zuer&longs;t mit einem und
dann mit dem andern Liquor bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">e</HI> gef&uuml;llt, und zieht von
beyden Gewichten das Gewicht des leeren Gef&auml;&szlig;es ab, &longs;o
hat man die Gewichte der beyden Liquoren unter einerley
Volumen, welche &longs;ich wie ihre &longs;pecifi&longs;chen Schweren verhalten.
Der hiebey zu be&longs;orgende Fehler kan wegen der
Enge des Hal&longs;es nicht gro&szlig; &longs;eyn; es ent&longs;teht aber daraus
zugleich die Unbequemlichkeit, da&szlig; der Hals ein Haarr&ouml;hrchen
wird, und das Anh&auml;ngen der Liquoren ungemein bef&ouml;rdert.<PB ID="P.1.128" N="128" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Armillar&longs;ph&auml;re, &longs;. Ringkugel.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Armirung des Magnets, &longs;. Magnet.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ar&longs;enik" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ar&longs;enik, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ar&longs;enicum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Ar&longs;enic</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;e Materie i&longs;t
der metalli&longs;che Kalch eines eignen Halbmetalls, des Ar&longs;enikk&ouml;nigs,
unter&longs;cheidet &longs;ich aber von den &uuml;brigen metalli&longs;chen
Erden durch ihre Fl&uuml;chtigkeit, Aufl&ouml;sbarkeit im Wa&longs;&longs;er,
Geruch und Ge&longs;chmack, Verwandt&longs;chaft mit den &uuml;brigen
Metallen und Schmelzbarkeit. Die&longs;en Eigen&longs;chaften
nach mu&szlig; man den Ar&longs;enik f&uuml;r eine mit einer eignen S&auml;ure
verbundne metalli&longs;che Erde erkl&auml;ren. Der Ar&longs;enikk&ouml;nig,
den man durch Zu&longs;atz von mehrerem Brennbaren aus die&longs;em
Kalche erh&auml;lt, i&longs;t ein wei&szlig;es bl&auml;uliches Halbmetall,
de&longs;&longs;en &longs;pecifi&longs;che Schwere etwa 8, 31 mahl &longs;o gro&szlig;, als
die Schwere des Wa&longs;&longs;ers i&longs;t. Er wird an der Luft bald
gelb und &longs;chwarz, i&longs;t &longs;ehr br&uuml;chig und &auml;u&szlig;er&longs;t fl&uuml;chtig,
brennt auch an der Luft mit einer bl&auml;ulichen Flamme und
einem &longs;tarken, wie Knoblauch, riechenden Dampfe.</P><P TEIFORM="p">Man findet den Ar&longs;enik in ver&longs;chiedenen Kobaltarten,
im wei&szlig;en Kies oder Mi&szlig;pickel, und vielen andern
Erzen, weil er ein Vererzungsmittel i&longs;t. Man &longs;ammelt
ihn in Sach&longs;en vornehmlich bey der Bereitung der Schmalte
aus dem Kobalt auf. Der uneigentlich &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scherbenkobalt</HI>
i&longs;t ein wahrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&longs;enikk&ouml;nig.</HI> Mit dem
Schwefel verbunden giebt der Ar&longs;enik den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gelben</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">rothen
Ar&longs;enik,</HI> welche etwas feuerbe&longs;t&auml;ndiger &longs;ind, und
durch die Kun&longs;t bereitet werden. Nat&uuml;rlich gefunden hei&longs;t
der gelbe <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Operment</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Auripigmentum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Orpiment, Rizigal
jaune</HI>),</HI> der rothe <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sandarac</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rau&longs;chgelb</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Realgar, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Rizigalrouge</HI>).</HI> Der Ar&longs;enik wird in der F&auml;rbekun&longs;t
zu Erh&ouml;hung der Farben, in den Compo&longs;itionen
des Prinzmetalls und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Argent hach&eacute;</HI> zur Bef&ouml;rderung des
Glanzes und der Politur gebraucht. Er i&longs;t ein &longs;ehr heftiges
&auml;tzendes Gift, und daher &longs;ein Gebrauch in der
Arzneykunde g&auml;nzlich zu unterla&longs;&longs;en, und &longs;elb&longs;t bey
Bearbeitungen de&longs;&longs;elben die m&ouml;glich&longs;te Behut&longs;amkeit anzuwenden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&longs;enik.</HI><PB ID="P.1.129" N="129" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Ar&longs;enik&longs;&auml;ure" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ar&longs;enik&longs;&auml;ure, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Acidum Ar&longs;enici</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Acide d'ar&longs;enic</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Schon l&auml;ng&longs;t hatten die Chymi&longs;ten den Ar&longs;enik wegen einiger
&longs;einer Eigen&longs;chaften unter die Cla&longs;&longs;e der Salze ge&longs;etzt,
und die Salz&longs;&auml;ure oder die Vitriol&longs;&auml;ure f&uuml;r einen &longs;einer
Be&longs;tandtheile ange&longs;ehen. Endlich haben es <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI>
(Abhdl. der &longs;chwed. Akad. d. Wi&longs;&longs;. 1775. Qu. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">IV. no. 1.)</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bergmann</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Nov. acta Vp&longs;al. To. II. pag. 208.</HI> ingl.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;. de ar&longs;enico. Vp&longs;al. 1777. 4.)</HI> deutlich erwie&longs;en, da&szlig;
der Ar&longs;enik eine eigne von allen andern unter&longs;chiedene
S&auml;ure enthalte, welche durch das Brennbare er&longs;t zu einem
Ar&longs;enik und bey mehrerer S&auml;ttigung damit zu einem
be&longs;ondern Halbmetalle wird, und deren Neigung, &longs;ich mit
dem Brennbaren zu vermi&longs;chen, ungemein gro&szlig; i&longs;t, woraus
wohl auch die &longs;ch&auml;dlichen Wirkungen des Ar&longs;eniks auf
den men&longs;chlichen K&ouml;rper, de&longs;&longs;en Theile er durch Anziehung
ihres Brennbaren zer&longs;etzt, zu erkl&auml;ren &longs;eyn d&uuml;rften.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhardi</HI> in Macquer's chym. W&ouml;rterbuch, Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ar&longs;enik&longs;&auml;ute.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ion, &longs;. Auf&longs;teigung.</HI></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;cen&longs;ionaldifferenz" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Differentia a&longs;cen&longs;ionalis,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Difference a&longs;cen&longs;ionelle.</HI></HI> Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der
geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung eines Ge&longs;tirns, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Auf&longs;teigung,
gerade</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chiefe;</HI> oder der Bogen des Aequators
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">OD</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 24.), welcher zwi&longs;chen dem
mit dem Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich aufgehenden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O,</HI> und
dem Abweichungskrei&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSD</HI> enthalten i&longs;t, und al&longs;o den
Unter&longs;chied der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O,</HI> oder der geraden
und &longs;chiefen Auf&longs;teigung ausdr&uuml;ckt.</P><P TEIFORM="p">Aus der Aequatorh&ouml;he des Orts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AH,</HI> welche dem
Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> gleich i&longs;t, und der Abweichung des Ge&longs;tirns
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD,</HI> und die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz <HI REND="roman" TEIFORM="hi">OD</HI> durch Aufl&ouml;&longs;ung des
techtwinklichen Kugeldreyecks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ODS</HI> gefunden, wo
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in tot: &longs;in OD=tang. O: tang SD,</HI> oder (f&uuml;r <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in tot=1)</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Sin.</HI> A&longs;c. diff.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(tang.</HI> Abweich./<HI REND="roman" TEIFORM="hi">tang.</HI>Aequ.h&ouml;he)<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=tang.</HI>Abw.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Xtang.</HI>
Polh&ouml;he.</HI>
Durch die&longs;e Formel lie&szlig;en &longs;ich leicht Tafeln berechnen, in
welchen man f&uuml;r die Polh&ouml;he jedes Orts und f&uuml;r die Abweichung<PB ID="P.1.130" N="130" TEIFORM="pb"/>
jedes Ge&longs;tirns die zugeh&ouml;rige A&longs;cenfionaldifferenz
auf&longs;chlagen k&ouml;nnte.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r ein Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">s</HI> in der &longs;&uuml;dlichen Halbkugel i&longs;t die
Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ds</HI> der vorigen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS</HI> entgegenge&longs;etzt, al&longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">negativ</HI>
welches der Formel gem&auml;&szlig; eine ebenfalls negative
A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Od</HI> in der Figur, giebt.
F&uuml;r Orte in der &longs;&uuml;dlichen Halbkugel der Erde, deren Polh&ouml;hen
negativ &longs;ind wenn die n&ouml;rdlichen po&longs;itiv ge&longs;etzt werden,
geben &longs;&uuml;dliche Abweichungen wieder po&longs;itive, n&ouml;rdliche
Abweichungen negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen.</P><P TEIFORM="p">Die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz eines Ge&longs;tirns dient zur Erfindung
&longs;einer &longs;chiefen Auf&longs;teigung und &longs;eines Tagebogens.
Es i&longs;t nemlich
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O=<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D&mdash;OD</HI>
d. i. &longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t. &mdash; A&longs;c. diff.</HI>
wobey eine negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenz, wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Od,</HI> &longs;tatt
&longs;ubtrahirt zu werden, addirt werden mu&szlig;.</P><P TEIFORM="p">Der zwi&longs;chen dem Mittagskrei&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PAHp</HI> und dem
wahren Morgenpunkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI> enthaltene Bogen des Aequators
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">AO</HI> i&longs;t = 90&deg;, daher <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD = 90&deg; +</HI> A&longs;c. diff. Da
nun die Figur f&uuml;r den Augenblick des Aufgangs vom Ge&longs;tirn
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> entworfen i&longs;t, &longs;o i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> der Punkt des Aequators,
der &longs;ich beym Aufgange von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> im Mittagskrei&longs;e befindet;
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> aber derjenige Punkt, welcher mit dem Sterne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> in den
Mittagskreis k&ouml;mmt. Vom Aufgange des Sterns bis
zu &longs;einem Durchgange durch den Mittagskreis verflie&szlig;t
al&longs;o &longs;o viel Zeit, als der Bogen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> braucht, um &longs;ich
durch den Mittagskreis zu &longs;chieben. Verwandelt man
al&longs;o die&longs;en Bogen, oder 90&deg; + A&longs;c. differ., in Zeit, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Aequator, Sternzeit,</HI> &longs;o hat man die Zeit vom Aufgange
bis zum Durchgange durch den Mittag oder den
halben Tagbogen in Zeit, welcher verdoppelt die Zeit vom
Aufgange zum Untergange, oder die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dauer der Sichtbarkeit</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(moram &longs;upra horizontem)</HI> giebt.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht hieraus, wie die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagesl&auml;nge</HI> gefunden
werde, wenn das Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> die Sonne i&longs;t. Es i&longs;t
nemlich</P><P TEIFORM="p">halbe Tagesl&auml;nge=(90&deg; + A&longs;c. diff. d. &Theta;) in Zeit.<PB ID="P.1.131" N="131" TEIFORM="pb"/>
Zwar r&uuml;ckt die Sonne durch ihre eigne Bewegung vom
Morgen bis zum Mittag ein wenig fort, und der Punkt,
welcher mit der Sonne in den Mittagskreis k&ouml;mmt, i&longs;t
nicht derjenige, der in der Figur mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> bezeichnet i&longs;t, und
bey ihrem Aufgange durch den Abweichungskreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI>
abge&longs;chnitten ward; allein da das Fortr&uuml;cken der Sonne
in jedem Zeitraume gerade &longs;o viel Wirkung auf die Zeit
&auml;u&szlig;ert, da&szlig; es den in Sternzeit ausgedr&uuml;ckten Zeitraum
in eben &longs;o viel wahre Sonnen&longs;tunden u. &longs;. w. verwandelt,
als er &longs;on&longs;t, wenn die Sonne nicht fortger&uuml;ckt w&auml;re,
Stern&longs;tunden rc. gehabt haben w&uuml;rde (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sonnenzeit</HI>),
&longs;o darf man nur die Stunden rc. des in Sternzeit verwandelten
Bogens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> geradehin f&uuml;r wahre Sonnen&longs;tunden
annehmen, um die halbe Tagl&auml;nge richtig in wahrer Sonnenzeit
zu finden, oder es i&longs;t
<HI REND="math" TEIFORM="hi">halbe Tagl&auml;nge, in &Theta;zeit = (90&deg; + A&longs;c. differ.)
in *zeit.</HI>
Die halbe Tagl&auml;nge giebt, von 12 Stunden abgezogen,
die halbe Nachtl&auml;nge; und da wir im b&uuml;rgerlichen Leben
un&longs;ere Stunden vom Mittage und der Mitternacht, d. i.
von der Helfte des Tages und der Nacht zu z&auml;hlen anfangen,
&longs;o i&longs;t klar, da&szlig; wir bey Sonnenaufgang &longs;o viel Stunden
z&auml;hlen m&uuml;&longs;&longs;en, als die halbe Nachtl&auml;nge betr&auml;gt, bey
Sonnenuntergang aber &longs;o viel, als die halbe Tagl&auml;nge
ausmacht.</P><P TEIFORM="p">Hieraus ergiebt &longs;ich folgende Berechnung der Tagund
Nachtl&auml;nge f&uuml;r den l&auml;ng&longs;ten Tag in Leipzig. Aus
Leipzigs Polh&ouml;he=51&deg; 19&prime; 41&Prime; und der Abweichung
der Sonne am l&auml;ng&longs;ten Tage=23&deg; 28&prime; 8&Prime;, findet &longs;ich
durch die Formel
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> A&longs;c. diff.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=tang.</HI> Abw. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">X tang.</HI> Polh.</HI>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">die A&longs;cen&longs;ionaldifferenz der &Theta; =</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">32&deg;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50&prime;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40&Prime;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">90&deg; + A&longs;c. diff. =</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">122&deg;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50&prime;</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40&Prime;</CELL></ROW></TABLE><PB ID="P.1.132" N="132" TEIFORM="pb"/>
In Sternzeit verwandelt, geben
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Min.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sek.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Tert.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">120&deg; - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2&deg; - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">50&prime; - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40&Prime; - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">-</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">halbe Tagl. in &Theta;zeit</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">11</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">22</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St. des Unterg.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">12</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">halbe Nachtl&auml;nge</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">48</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St. des Aufg.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">St.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">M.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">S.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">T.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ganze Tagl&auml;nge</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">16</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">22</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">45</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">20.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">ganze Nachtl&auml;nge</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">37</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">14</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">40.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Die Grade des Bogens <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AD</HI> oder 90&deg; + A&longs;c. diff.
dr&uuml;cken zugleich die Gr&ouml;&szlig;e des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">halben Tagbogens</HI> vom
Ge&longs;tirn <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> aus, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Tagbogen.</HI> Zu Er&longs;parung oder Erleichterung
der Rechnungen hat man Tafeln, in welchen
man aus der gegebnen Polh&ouml;he des Orts und Abweichung
des Ge&longs;tirns den halben Tagbogen, &longs;chon in Sternzeit verwandelt,
auf&longs;chlagen kan, dergleichen &longs;ich in der Berliner
Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, B. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> S. 233 u. f.
unter der Auf&longs;chrift: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Tafel f&uuml;r die halben Tagb&ouml;gen,</HI>
findet.</P><P TEIFORM="p">Negative A&longs;cen&longs;ionaldifferenzen &longs;ind, wie nat&uuml;rlich,
von 90&deg; abzuziehen, wenn man den halben Tagbogen finden
will. Daher findet man f&uuml;r Tage des Winterhalbjahrs,
wo die Sonne eine &longs;&uuml;dliche Abweichung hat, f&uuml;r
un&longs;ere L&auml;nder den halben Tagbogen kleiner als 90&deg;, und
die halbe Tagl&auml;nge k&uuml;rzer, als 6 Stunden.</P><P TEIFORM="p">Auf eben die&longs;e Art wird f&uuml;r die Sterne die halbe
Dauer der Sichtbarkeit gefunden, wenn man den halben
Tagbogen in Sternzeit verwandelt; nur da&szlig; hier die gefundene
Zeit Sternzeit bleibt, weil die Annehmung der&longs;elben
f&uuml;r wahre Sonnenzeit im vorigen Falle blo&szlig; eine
Wirkung des Fortr&uuml;ckens der Sonne war, welches bey
den Fix&longs;ternen wegf&auml;llt.<PB ID="P.1.133" N="133" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;che" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;che, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Cineres</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Cendres</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Dasjenige, was von
den K&ouml;rpern &uuml;brig bleibt, wenn &longs;ie durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verbrennung</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Calcination an freyer Luft</HI> ihres Brennbaren
beraubt worden &longs;ind. Alle vegetabili&longs;che und thieri&longs;che
Materien la&longs;&longs;en, an freyer Luft verbrannt, einen &longs;olchen
erdichten, mehr oder weniger &longs;alzigen R&uuml;ck&longs;tand &uuml;brig.
So pflegt man auch einigen metalli&longs;chen Erden, wenn die
Metalle an freyer Luft verbrannt und calcinirt worden &longs;ind,
den Namen A&longs;che beyzulegen, z. B. Zinna&longs;che: doch &longs;ollten
die&longs;e mit dem gew&ouml;hnlichen Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kalch</HI> benennet
werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">A&longs;cii,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Un&longs;chattichte.</HI></P></DIV2><DIV2 N="A&longs;pecten" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;pecten</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ad&longs;pectus &longs;. Configurationes planetarum,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">A&longs;pects.</HI></HI> Man giebt die&longs;en Namen den ver&longs;chiedenen
Stellungen der Planeten im Thierkrei&longs;e gegen einander.
Da nemlich die Planeten, wozu hier auch Sonne und
Mond gerechnet werden, in ihren eignen Bewegungen mit
&longs;ehr ver&longs;chiedener Ge&longs;chwindigkeit fortgehen, einander bald
einholen, bald &longs;ich von einander entfernen rc., &longs;o kommen
&longs;ie in ver&longs;chiedene Stellungen oder A&longs;pecten gegen einander,
unter welchen folgende die vornehm&longs;ten &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammenkunft,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Conjunctio, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Conjonction,</HI></HI>
(ihr Zeichen i&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>) ereignet &longs;ich wenn zween Planeten an
einerley Orte des Thierkrei&longs;es ge&longs;ehen werden, oder, (da
die kleinern &longs;elten ganz genau und bis zur wirklichen Bedeckung
zu&longs;ammentreffen) wenn &longs;ie &uuml;ber oder unter einerley
Punkte der Ekliptik &longs;tehen, d. i. wenn &longs;ie einerley L&auml;nge
haben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. L&auml;nge, der Ge&longs;tirne.</HI> Sie &longs;tehen dann wenig&longs;tens
nahe bey einander, und ihr Ab&longs;tand i&longs;t blo&szlig; dem
Unter&longs;chiede oder der Summe ihrer Breiten gleich, welche
niemals viel betragen k&ouml;nnen. Die Zu&longs;ammenk&uuml;nfte der
Planeten &longs;ind f&uuml;r die Sternkunde &longs;ehr wichtig; genaue
Beobachtungen der&longs;elben tragen zur vollkommnern Kenntni&szlig;
des Planetenlaufs nicht wenig bey; daher die Conjunctionen
der Planeten unter einander &longs;elb&longs;t, und die n&auml;hevn
Conjunctionen mit den im Thierkrei&longs;e &longs;tehenden Fix&longs;ternen,<PB ID="P.1.134" N="134" TEIFORM="pb"/>
&longs;ehr &longs;orgf&auml;ltig in dem a&longs;tronomifchen Kalendern angegeben
werden. Die Zu&longs;ammenkunft des Monds mit der Sonne
be&longs;timmt den Augenblick des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Neumonds,</HI> &uuml;nd i&longs;t, wenn
beyde K&ouml;rper einander nahe kommen, mit einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenfin&longs;terni&szlig;</HI>
begleitet. Auch f&uuml;r die Geographie &longs;ind die
Beobachtungen der Zu&longs;ammenk&uuml;nfte und Bedeckungen
wichtig, weil &longs;ich aus ihnen Folgerungen auf die wahre
Lage der Beobachtungsorte auf der Erdkugel ziehen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Die Perioden, binnen welchen die Zu&longs;ammenk&uuml;nfte
zweener Planeten wiederkehren, l&auml;&szlig;t &longs;ich aus den Zeiten
ihres &longs;cheinbaren Umlaufs um den ganzen Himmel, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">T</HI>
und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">t,</HI> durch die Formel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tt/T&mdash;t)</HI> finden. Wenn al&longs;o Saturn
ohngef&auml;hr in 30, Iupiter in 12 Jahren den Thierkreis
einmal zu durchlaufen &longs;cheinen, &longs;o kommen beyde in
(30. 12/30&mdash;12)=20 Jahren, d. i. alle 20 Jahre einmal in
Zu&longs;ammenkunft. Eben &longs;o l&auml;&longs;t &longs;ich aus den L&auml;ngen des
Sonnenjahres und des &longs;ideri&longs;chen Monats, die Zeit von
einem Neumonde zum andern, der &longs;ynodi&longs;che Monat, berechnen,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Monat.</HI></P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Oppo&longs;ition</HI> oder der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gegen&longs;chein,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Oppo&longs;itio,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Oppo&longs;ition,</HI></HI> deren Zeichen <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> i&longs;t, ereignet &longs;ich, wenn zween
Planeten bey gegen&uuml;ber&longs;tehenden Punkten der Ekliptik &longs;tehen,
oder wenn ihre L&auml;ngen um 180&deg; ver&longs;chieden &longs;ind.
Alsdann geht der eine ohngef&auml;hr zu der Zeit auf, zu welcher
der andere untergeht. Auch die&longs;e Stellung der Planeten
gegen einander i&longs;t f&uuml;r die Sternkunde nicht unwichtig.
Die Oppo&longs;ition des Monds und der Sonne giebt die
Zeit des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vollmonds,</HI> und wird, wenn die Breite des
Monds nicht gro&szlig; i&longs;t, von einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mondfin&longs;terni&szlig;</HI> begleitet.
Der obern Planeten Oppo&longs;itionen mit der Sonne
veranla&longs;&longs;en Beobachtungen, die zur Kenntni&szlig; des Planetenlaufs
und Welt&longs;y&longs;tems noch immer viel beytragen.
Die &uuml;brigen A&longs;pecten &longs;ind jetzt fa&longs;t ganz ohne &verbar;Nutzen f&uuml;r
die Sternkunde.<PB ID="P.1.135" N="135" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gedritt</HI>- oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Trigonal&longs;cheine, Geviert-</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Quadrat&longs;cheine, Ge&longs;ech&longs;t</HI>- oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sextil&longs;cheine</HI>
&longs;tehen zween Planeten, wenn &longs;ich ihre L&auml;ngen um den dritten,
vierten, &longs;ech&longs;ten Theil von 360&deg;, oder um 120&deg;,
90&deg; 60&deg; unter&longs;cheiden. Die Zeichen daf&uuml;r &longs;ind <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>.
Die&longs;e A&longs;pecten pflegt man noch immer in den Kalendern
anzugeben, und &longs;ich dabey der angef&uuml;hrten Zeichen zu bedienen.
So hei&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>, Jupiter und Mars im Gedritt&longs;cheine;
beym Monde pflegt man, weil er wegen &longs;eines
ge&longs;chwinden Laufs t&auml;glich in andere A&longs;pecten k&ouml;mmt,
&longs;ein Zeichen wegzula&longs;&longs;en. So hei&longs;t <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>: Jupiter &longs;teht
mit dem Mond im Quadrat&longs;cheine.</P><P TEIFORM="p">Der a&longs;trologi&longs;che Aberglaube hat den A&longs;pecten gro&szlig;e
Einfl&uuml;&longs;&longs;e in die Schick&longs;ale der Men&longs;chen und in die Begebenheiten
der Staaten zuge&longs;chrieben. Die Zu&longs;ammenkunft
des Jupiters und Saturns ward die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gro&szlig;e,</HI> und
wenn &longs;ie im Zeichen des Widders, oder nahe am Anfange
des Thierkrei&longs;es erfolgte, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gr&ouml;&longs;te Conjunction</HI> genannt
und man erwartete von &longs;olchen Begebenheiten wichtige
Revolutionen. Es i&longs;t zu bedauern, da&szlig; dergleichen
Irrth&uuml;mer durch &longs;chlechte Kalender noch immer unterhalten
und unter dem Volke verbreitet werden. Noch am
12 Iunius 1785, da Iupiter und Mars im Zeichen des
Widders zu&longs;ammenkamen, erwartete man, der Vorher&longs;agung
einiger Kalender gem&auml;&szlig;, ich wei&szlig; nicht was f&uuml;r eine
&longs;chreckliche Kata&longs;trophe, und nach der Meynung vieler das
Ende der Welt. Welche l&auml;cherliche Auftritte die Furcht
vor die&longs;em Tage &longs;elb&longs;t in Sach&longs;en veranla&longs;&longs;ete, i&longs;t noch in
fri&longs;chem Andenken. Es i&longs;t doch nichts begreiflicher, als
da&szlig; der Zu&longs;ammenhang der Weltbegebenheiten von ganz
andern Ur&longs;achen abh&auml;ngen m&uuml;&longs;&longs;e, als davon, ob zwo Linien
aus der Erde nach dem Mars und Iupiter gezogen,
einen gro&szlig;en oder kleinen Winkel mit einander machen.</P><P TEIFORM="p">Da&szlig; man &uuml;brigens auf die Zu&longs;ammenk&uuml;nfte der Planeten
von &longs;ehr alten Zeiten her aufmerk&longs;am gewe&longs;en &longs;ey,
bewei&longs;t eine &longs;ine&longs;i&longs;che Beobachtung einer Conjunction von
f&uuml;nf Planeten zu einer Zeit, da Sonne und Mond um
den 15ten Grad des Wa&longs;&longs;ermanns &longs;tanden, welche dem<PB ID="P.1.136" N="136" TEIFORM="pb"/>
Kay&longs;er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">T&longs;chuen-hi</HI> veranla&longs;&longs;er haben &longs;oll, den Anfang des
Jahres auf denjenigen Neumond zu &longs;etzen, der &longs;ich zun&auml;ch&longs;t
bey die&longs;em Grade der Ekliptik ereignet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kirch</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Mi&longs;c. Berolinen&longs;. To. lll. p. 157.)</HI> berechnet, da&szlig; eine
&longs;ehr &auml;hnliche Begebenheit im Jahre 2449 vor C. G. am
28 Febr. vorgefallen &longs;ey, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;toire des
mathematiques. P. ll. L. 2. p. 386.)</HI> nimmt keinen An&longs;tand,
die Nachricht von die&longs;er Beobachtung f&uuml;r &auml;cht zu
erkl&auml;ren, gegen einige Einw&uuml;rfe zu vertheidigen, und das
hohe Alter der &longs;ine&longs;i&longs;chen Beobachtungen dadurch zu be&longs;t&auml;tigen.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;trogno&longs;te, Sternkenntni&szlig;" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;trogno&longs;te, Sternkenntni&szlig;</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">A&longs;trogno&longs;ia,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">A&longs;trogno&longs;ie.</HI></HI> Die&longs;en Namen f&uuml;hrt die Kenntni&szlig; der am
Himmel &longs;ichtbaren Ge&longs;tirne, in &longs;o fern &longs;ie blo&szlig; bey den
Namen und Stellungen der&longs;elben gegen einander &longs;tehen
bleibt. Da die in gewi&longs;&longs;e Bilder geordneten Fix&longs;terne umter
den Ge&longs;tirnen die gr&ouml;&longs;te Anzahl ausmachen, &longs;o be&longs;ch&auml;ftiget
&longs;ich die A&longs;trogno&longs;ie gr&ouml;&longs;tentheils mit die&longs;en Bildern
und den in ihnen befindlichen Fix&longs;ternen, wovon man
unter den Artikeln, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sternbilder, Sternkarten, Sternkegel,
Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e,</HI> mehrere Nachrichten antreffen
wird.</P><P TEIFORM="p">Die Kenntni&szlig; der Sternbilder i&longs;t ein angenehmer
und nothwendiger, aber in Ab&longs;icht auf den Umfang ein unbetr&auml;chtlicher
Theil der Sternkunde. Sie enth&auml;lt blo&szlig; die
Nomenclatur der Himmelsk&ouml;rper, da die A&longs;tronomie der&longs;elben
Bewegungen, Ge&longs;etze, Gr&ouml;&szlig;en, Entfernungen rc.
unter&longs;ucht. Es i&longs;t daher &longs;ehr un&longs;chicklich, was doch oft
ge&longs;chieht, Leuten Kenntni&longs;&longs;e der A&longs;tronomie beyzulegen,
wenn &longs;ie einige Sterne oder Bilder zu nennen wi&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Seit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Strauchs</HI> Zeiten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;trogno&longs;ia. Viteb. 1684.
8.)</HI> hat man mehrere &longs;chriftliche Anwei&longs;ungen zur Sternkenntni&szlig;
erhalten, unter welchen &longs;ich die B&uuml;cher der Herren
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Helmuth</HI> (Ge&longs;tirnbe&longs;chreibung, Braun&longs;chweig 1774.
8.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Funk</HI> (Anwei&longs;ung zur Kenntni&szlig; der Ge&longs;tirne auf
zw ey Planiglobien und zween Sternkegeln, Leipzig 1777.
8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> (Anleitung zur Kenntni&szlig; des ge&longs;tirnten Himmels,<PB ID="P.1.137" N="137" TEIFORM="pb"/>
4te Auflage, Berlin 1778. gr. 8.) &longs;ehr vortheilhaft
auszeichnen. Be&longs;onders i&longs;t das letztere vom Publikum
mit gro&szlig;em und allerdings verdientem Beyfall aufgenommen
worden.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;trologie, Sterndeutekun&longs;t" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;trologie, Sterndeutekun&longs;t, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;trologia judiciaria
&longs;. genetheliaca</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;trologie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Dies i&longs;t der Name der
eiteln und betr&uuml;geri&longs;chen Kun&longs;t, aus den Stellungen der
Ge&longs;tirne zuk&uuml;nftige Dinge vorherzu&longs;agen.</P><P TEIFORM="p">Der Wahn, da&szlig; die Ge&longs;tirne &longs;owohl auf die Begebenheiten
ganzer V&ouml;lker, als auf die Sitten und Schick&longs;ale
einzelner Men&longs;chen Einfl&uuml;&longs;&longs;e h&auml;tten, i&longs;t &longs;ehr alt, und
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> (Ge&longs;chichte der Sternkunde des Alterthums,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> B. aus dem Franz. Leipzig 1777. 8. S. 310.) aus
der Wahrnehmung ihrer Einfl&uuml;&longs;&longs;e auf Jahrszeiten, Witterung
und Fruchtbarkeit ent&longs;tanden. Ein Beweis die&longs;es
hohen Alters i&longs;t, da&szlig; &longs;ich die mei&longs;ten a&longs;trologi&longs;chen Vorher&longs;agungen
auf die Stellung der Sterne gegen den Horizont
gr&uuml;nden, welches der er&longs;te Kreis war, den man am
Himmel kennen lernte. Die A&longs;trologie hat &longs;ich, nach den
ein&longs;timmigen Zeugni&longs;&longs;en der Alten, von den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chald&auml;ern</HI>
aus &uuml;ber die Nationen der folgenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zeiten</HI> verbreitet.
Die Sterndeuter werden auch bey den &auml;ltern Schrift&longs;tellen
durchg&auml;ngig <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Chaldaei,</HI> &longs;on&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">genethliaci,</HI> genannt.
In der Folge, da &longs;ich bald Gewinn&longs;ucht und vor&longs;etzliche
Betr&uuml;gerey mit einmi&longs;chten, gaben &longs;ie &longs;ich den Namen
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Mathematici,</HI> unter welchem &longs;ie zu den Zeiten der r&ouml;mi&longs;chen
Kay&longs;er allgemein bekannt waren. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Vulgus, quos
Chaldaeos gentilitio vocabulo dicere oportet, mathematicos
vocat,</HI> &longs;agt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gellius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Noct. Act. L. I. c. 9.).</HI> Ihr
Unfug war &longs;o gro&szlig;, da&szlig; &longs;ie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tiber</HI> aus Rom vertrieb
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sueton. vita Tib. c. 36.).</HI> Der achtzehnte Titel des
neunten Buchs im Codex i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">de maleficis et mathematicis</HI>
&uuml;ber&longs;chrieben; doch unter&longs;cheidet das zweyte Ge&longs;etz
de&longs;&longs;elben ausdr&uuml;cklich die geometri&longs;che Kun&longs;t von die&longs;er &longs;ogenannten
mathemati&longs;chen. F&uuml;r die A&longs;tronomie i&longs;t die&longs;e
Vermi&longs;chung mit Sterndeuterey mehr vortheilhaft als
nachtheilig gewe&longs;en. Sie hat mehr Theilnehmung an den<PB ID="P.1.138" N="138" TEIFORM="pb"/>
Himmelsbegebenheiten, mithin mehr Aufmerk&longs;amkeit auf
die&longs;elben, und mehr Beobachtungen veranla&longs;&longs;et, auch der
A&longs;tronomie bey manchen Nationen Beyfall und An&longs;ehen
ver&longs;chaft.</P><P TEIFORM="p">Im mittlern Zeitalter erhielten &longs;ich die a&longs;trologi&longs;chen
Tr&auml;umereyen mit der Sternkunde zugleich unter den Arabern,
von welchen uns ver&longs;chiedene Schriften davon, haupt&longs;&auml;chlich
Commentarien &uuml;ber des Ptolem&auml;us Tetrabiblos,
&uuml;briggeblieben &longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scaliger</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Prolegom. ad Manil.
p. 9.)</HI> erz&auml;hlt, da&szlig; im Jahre 1179 alle orientali&longs;che,
chri&longs;tliche, j&uuml;di&longs;che und arabi&longs;che A&longs;trologen Briefe ausge&longs;endet,
und durch Verk&uuml;ndigung einer f&uuml;rchterlichen Revolution
auf das Jahr 1186, ein allgemeines Schrecken
verbreitet h&auml;tten. Sollte man &longs;ich bey den berufenen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ziehen&longs;chen</HI> Prophezeihungen, wobey die Kabala, das
Buch Chevilla und der Stern Kapella &longs;o l&auml;cherlich durch
einander geworfen werden, nicht um volle 600 Jahre zur&uuml;ckver&longs;etzt
glauben?</P><P TEIFORM="p">Unter den er&longs;ten Bef&ouml;rderern der Sternkunde im
Occident hiengen noch viele fe&longs;t an die&longs;em Aberglauben.
Zwar be&longs;tritt &longs;chon gegen das Ende des funfzehnten Jahrhunderts
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pico,</HI> Graf von Mirandola, die Irrth&uuml;mer der
A&longs;trologie &longs;ehr gr&uuml;ndlich, fand aber damals noch viel Wider&longs;pruch.
Im 16ten Jahrhunderte waren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leovitius,
Gauricus, Cardan</HI> eifrige Vertheidiger des Sterndeutens.
Der Letztere trieb die&longs;e Thorheiten &longs;o weit, da&szlig; er dem
Heilande der Welt die Nativit&auml;t &longs;tellte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Scaliger proleg. ad
Manil. p. 8.),</HI> und &longs;oll &longs;ich zu Tode gehungert haben, um
&longs;ein vorherge&longs;agtes Sterbejahr nicht zu &uuml;berleben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;par
Peucer</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De praecipuis divinationum generibus. Vitb.
1560. 8.)</HI> hat von der A&longs;trologie mit vieler&verbar;Gelehr&longs;amkeit
gehandelt. Noch im vorigen Jahrhunderte hiengen
&longs;elb&longs;t gro&szlig;e A&longs;tronomen an der Sterndeuterey, wovon &longs;ich
in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> Briefwech&longs;el <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Epi&longs;tolae ad Keplerum, ed. a
Han&longs;chio. Lip&longs;iae 1718. fol.)</HI> h&auml;ufige Spuren finden.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> &longs;elb&longs;t &longs;tellte Nativit&auml;ten, wenn es verlangt ward,
und &longs;oll &longs;ich Wallen&longs;teinen, der ihn 1629 nach Sagan
berief, durch Vorher&longs;agung &longs;eines Gl&uuml;cks zum G&ouml;nner<PB ID="P.1.139" N="139" TEIFORM="pb"/>
gemacht haben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Origanus</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ephemerides Brandenburg.
Frf. 1605.</HI> gr. 4.) &longs;etzte &longs;einen Ephemeriden eine, &longs;on&longs;t in
guter Ordnung ge&longs;chriebene, Einleitung in die A&longs;trologie
vor. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Morin</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;trologia Gallica. Hag. Com. 1661.
fol.)</HI> &longs;uchte die Sterndeutekun&longs;t aus phy&longs;i&longs;chen und mathemati&longs;chen
Gr&uuml;nden zu erwei&longs;en; zu &longs;einem Werke &longs;oll die
K&ouml;nigin von Polen Maria von Gonzaga eine an&longs;ehnliche
Geld&longs;umme hergegeben haben. Die A&longs;trologie galt etwas
bey den Gro&szlig;en. Daher hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tner</HI> (Schriften
der g&ouml;tting. deut&longs;chen Ge&longs;ell&longs;ch. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Samml. 2.) gefragt:
ob die A&longs;tronomen klug daran gethan haben, da&szlig; &longs;ie &longs;o
ehrlich gewe&longs;en &longs;ind, die A&longs;trologie aufzugeben. Endlich
hat die v&ouml;llige Be&longs;t&auml;tigung des Copernikani&longs;chen Sy&longs;tems
und die allgemeinere Verbreitung der be&longs;&longs;ern A&longs;tronomie
die&longs;e Thorheiten unterdr&uuml;ckt, und nur &longs;elten gelingt es noch
der Schw&auml;rmerey oder dem Betruge, die Leichtgl&auml;ubigen
damit zu hintergehen.</P></DIV2><DIV2 N="A&longs;tronomie, Sternkunde" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">A&longs;tronomie, Sternkunde, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;tronomia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;tronomie</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen f&uuml;hrt die Lehre von den Weltk&ouml;rpern.
Die Bewegungen, Gr&ouml;&szlig;en, Entfernungen, Wirkungen
der&longs;elben auf einander rc. machen den erhabnen Gegen&longs;tand
die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft aus, in welcher &longs;ich Ver&longs;tand
und Flei&szlig; der Men&longs;chen auf eine vorz&uuml;gliche Art hervorgethan
haben. Der griechi&longs;che Name der A&longs;tronomie dr&uuml;ckt
w&ouml;rtlich Lehre von den Ge&longs;etzen der Ge&longs;tirne aus; er i&longs;t
&longs;ehr &longs;chicklich gew&auml;hlt, denn alle Bewegungen der Weltk&ouml;rper
erfolgen nach be&longs;timmten und unab&auml;nderlichen Ge&longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Man theilt die A&longs;tronomie in die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ph&auml;ri&longs;che, theori&longs;che</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;che</HI> ein. Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ph&auml;ri&longs;che</HI> handelt von
den in die Sinne fallenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Er&longs;cheinungen</HI> des Weltgeb&auml;udes,
welches &longs;ich der Beobachter als eine &longs;ein Auge
umgebende Sph&auml;re oder Kugel vor&longs;tellt; die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">theori&longs;che</HI>
(von Theorie oder &longs;peculativem Nachdenken &uuml;ber die Er&longs;cheinungen
benannt) &longs;ucht daraus die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wahren</HI> Bewegungen
der Weltk&ouml;rper und deren Ge&longs;etze herzuleiten; die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;che</HI>
lehrt die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ur&longs;achen</HI> die&longs;er Bewegungen, oder die<PB ID="P.1.140" N="140" TEIFORM="pb"/>
Kr&auml;fte kennen, mit welchen die Weltk&ouml;rper auf einander
wirken. Die Ordnung die&longs;er drey Theile i&longs;t dem Gange
des men&longs;chlichen Ver&longs;tandes bey der Entwicklung der a&longs;tronomi&longs;chen
Wahrheiten gem&auml;&szlig;, der mit Beobachtung des
&longs;cheinbaren anfieng, dann zu Vermuthungen des wirklichen
fort&longs;chritt, und endlich, als die&longs;e zur h&ouml;ch&longs;ten Wahr&longs;cheinlichkeit
gebracht waren, auch zur Entdeckung der Ur&longs;achen
gelangte. Man k&ouml;nnte noch zween prakti&longs;che Theile, die
Anwei&longs;ungen zu a&longs;tronomi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rechnungen</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beobachtungen</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;tronomiam calculatoriam et ob&longs;ervatoriam)</HI>
hinzuf&uuml;gen.</P><P TEIFORM="p">Der Ur&longs;prung der Sternkunde i&longs;t ohne Zweifel ins
h&ouml;ch&longs;te Alterthum zu &longs;etzen. Nichts konnte die Aufmerk&longs;amkeit
der er&longs;ten Erdbewohner mehr reizen, als der gro&szlig;e
Anblick und der regelm&auml;&szlig;ige Lauf der Sonne, des Monds
und der Ge&longs;tirne: es war &longs;ogar nothwendig f&uuml;r &longs;ie, die zu
ihren Be&longs;ch&auml;ftigungen &longs;chicklichen Zeiten nach dem Laufe
der Himmelsk&ouml;rper zu ordnen. Daher enthalten auch die
Ge&longs;chichtb&uuml;cher und Denkm&auml;ler der &auml;lte&longs;ten V&ouml;lker von
den dunkel&longs;ten Zeiten des Alterthums her Beziehungen auf
Kenntni&longs;&longs;e des Himmels. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. des mathematiques.
Paris 1758. 4),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Goguet</HI> (Ur&longs;prung der Ge&longs;etze,
K&uuml;n&longs;te und Wi&longs;&longs;.; aus dem Franz. v. Hamberger,
Lemgo 1760. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> B. 4.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> (Ge&longs;ch. der Sternk.
des Alterthums; aus d. Franz. von W&uuml;n&longs;ch, Leipz. 1777.
8.) haben dergleichen ge&longs;ammelt, und der letztere &longs;ucht
daraus das Re&longs;ultat zu ziehen, im entfernte&longs;ten Alterthume
habe in den Gegenden der a&longs;iati&longs;chen Tartarey ein
Volk gelebt, de&longs;&longs;en Ein&longs;ichten in den Wi&longs;&longs;en&longs;chaften fa&longs;t
den un&longs;rigen gleich gekommen w&auml;ren: dies Volk &longs;ey untergegangen,
aber die Bruch&longs;t&uuml;cke &longs;einer Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
&longs;eyen unter den uns bekannten &auml;lte&longs;ten V&ouml;lkern erhalten
worden. Die&longs;e mit Bele&longs;enheit ausgef&uuml;hrte Hypothe&longs;e
m&ouml;chte nach dem Urtheile der Kenner &longs;chwerlich mehr, als
ein Spiel des Witzes &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Unter den a&longs;tronomi&longs;chen Beobachtungen, von welchen
&longs;ich Nachrichten erhalten haben, &longs;ind die &auml;lte&longs;ten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;ine-</HI><PB ID="P.1.141" N="141" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;i&longs;che.</HI> Die er&longs;te, welche P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Martini</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. de la Chine.
T. I. p. 51.)</HI> aus einer Schrift &uuml;ber das Sternbild Xe
anf&uuml;hrt (&longs;. den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;pecten</HI>), betrift eine Zu&longs;ammenkunft
von f&uuml;nf Planeten im Jahre 2449, die zweyte eine
Sonnenfin&longs;terni&szlig; im I. 2155 vor C. G. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Montucla</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bailly</HI> erkl&auml;ren aus triftigen Gr&uuml;nden beyde Nachrichten
f&uuml;r &auml;cht, f&uuml;hren auch au&szlig;erdem noch Spuren einer
h&ouml;ch&longs;t alten Bekannt&longs;chaft der Sine&longs;er mit dem Himmel
an. Die Chald&auml;er w&uuml;rden &longs;ich fa&longs;t eben &longs;o alter Beobachtungen
r&uuml;hmen d&uuml;rfen, wenn der Nachricht des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Simplicius</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. in Ari&longs;totel. de coelo)</HI> zu glauben w&auml;re,
da&szlig; Ari&longs;toteles vom Calli&longs;thenes eine Reihe chald&auml;i&longs;cher
Beobachtungtn von 1903 Jahren her, erhalten habe.
Aber die zuverl&auml;&longs;&longs;igen Beobachtungen die&longs;es Volks, die
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolem&auml;us</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Almag. L. IV. c. 6.)</HI> anf&uuml;hrt, und welche
Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e betreffen, &longs;teigen nur bis zum Jahre 726
v. C. G. Die Egyptier hatten nach dem Zeugni&szlig; des
Diogenes Laertius bereits vor den Zeiten Alexanders des
Gro&szlig;en 373 Sonnen- und 832 Mondfin&longs;terni&longs;&longs;e beobachtet,
welches einen Zeitraum von 12&mdash;1300 Jahren voraus&longs;etzt.
Auch &longs;ind die Seiten ihrer im h&ouml;ch&longs;ten Alterthum
erbauten Pyramiden genau nach den vier Hauptgegenden
gerichtet. Der Ph&ouml;nicier Schiffahrt und Aufmerk&longs;amkeit
auf den Polar&longs;tern f&auml;llt in die &auml;lte&longs;ten Zeiten.
Dies alles wird wenig&longs;tens &longs;o viel erwei&longs;en, da&szlig; das hohe
Alterthum der Sternkunde durch die Denkm&auml;ler der Ge&longs;chichte
vollkommen be&longs;t&auml;tiget werde.</P><P TEIFORM="p">Es &longs;cheinen aber die&longs;e &auml;lte&longs;ten Kenntni&longs;&longs;e der Sternkunde
kaum in etwas mehrerem, als in Aufmerk&longs;amkeit
auf den &longs;cheinbaren Himmelslauf, Erfindung der vornehm&longs;ten
Krei&longs;e, Eintheilung der Sterne in Bilder und Wahrnehmung
der Perioden, binnen welcher gewi&longs;&longs;e Himmelsbegebenheiten
wiederkehren, be&longs;tanden zu haben, welches
alles man zur Eintheilung der Zeit &longs;o gut, als m&ouml;glich, zu
n&uuml;tzen &longs;uchte. Er&longs;t unter den Griechen erhob &longs;ich die
Sternkunde ein wenig aus die&longs;em Zu&longs;tande der er&longs;ten Kindheit.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Thales</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pythagoras</HI> trugen die Kenntni&longs;&longs;e
der Egyptier nach Griechenland &uuml;ber, pflanzten &longs;ie in ihren<PB ID="P.1.142" N="142" TEIFORM="pb"/>
Schulen fort, und vermehrten &longs;ie mit neuen Entdeckungen.
Die Pythagor&auml;er kannten und behaupteten &longs;chon die wahre
Weltordnung (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Welt&longs;y&longs;tem</HI>); <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Meton</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euctemon</HI>
berichtigten den griechi&longs;chen Kalender; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;tarch</HI>
von Samos zeigte Mittel, die Entfernung der Sonne zu
me&longs;&longs;en; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plato</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toteles</HI> waren zwar gro&szlig;e Verehrer
der Sternkunde, verlohren &longs;ich aber zu &longs;ehr in Speculationen,
welche bey dem damaligen Mangel an Beobachtungen
noch zu fr&uuml;hzeitig waren. Am mei&longs;ten haben
zum Wachsthum der Sternkunde die A&longs;tronomen des Mu&longs;eum
zu Alexandrien beygetragen. Die&longs;er ber&uuml;hmten Stiftung
der Ptolem&auml;er haben wir die Beobachtungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Timocharis</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;tyllus,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Erato&longs;thenes, Conon</HI>
u. a. neb&longs;t den Entdeckungen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hipparchus</HI> zu
danken, welcher 140 Jahr v. C. G. aus Vergleichung
alter und neuer Beobachtungen die L&auml;nge des Sonnenjahrs
und die Ungleichheiten des Mondlaufs be&longs;timmte, das
Vorr&uuml;cken der Nachtgleichen und die Lage der Sonnenbahn
entdeckte, auch die er&longs;te Verfertigung eines Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;es
unternahm, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">au&longs;us rem etiam Deo improbam
annumerare po&longs;teris &longs;tellas, coelo in hereditatem
cunctis relicto,</HI> nach dem Ausdrucke des Plinius <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t.
nat. L. II. c. 26.).</HI> Zu die&longs;en Erweiterungen der Sternkunde
&longs;etzten noch andere alexandrini&longs;che A&longs;tronomen, vornehmlich
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolem&auml;us</HI> im zweyten Jahrh. n. C. G. die ihrigen hinzu.
Die&longs;er gro&szlig;e Sternkundige berichtigte Hipparchs Be&longs;timmungen
durch Vergleichung mit neuern Beobachtungen,
&longs;etzte eine Theorie der Planeten hinzu, be&longs;timmte die
Ungleichheiten des Mondlaufs genauer, vermehrte das Verzeichni&szlig;
der Fix&longs;terne, und trug dies alles in &longs;ein gro&szlig;es
Werk (<FOREIGN LANG="GREEK" TEIFORM="foreign">Mega/lh Su/ntaxis</FOREIGN> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;. Con&longs;tructio magna)</HI> in dreyzehn
B&uuml;chern zu&longs;ammen, welchem die Araber, die es 'im
Jahre 827 in ihre Sprache &uuml;ber&longs;etzten, den Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Almage&longs;t</HI>
beygelegt haben. Die&longs;es Werk i&longs;t als eine voll&longs;t&auml;ndige
Sammlung der alten a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e,
Tafeln und Beobachtungen h&ouml;ch&longs;t &longs;ch&auml;tzbar; die theori&longs;chen
Erkl&auml;rungen aber beruhen auf der fal&longs;chen Hypothe&longs;e der
Alten, da&szlig; die Erde unbewegt im Mittel &longs;tehe; die daher<PB ID="P.1.143" N="143" TEIFORM="pb"/>
den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ptolem&auml;i&longs;chen Weltordnung</HI> erhalten
hat.</P><P TEIFORM="p">Da die R&ouml;mer f&uuml;r die Sternkunde nichts Erhebliches
gethan haben, &longs;o finden &longs;ich weitere Bem&uuml;hungen um
die&longs;e Wi&longs;&longs;en&longs;chaft er&longs;t vom neunten Jahrhundert nach C.
G. an unter den Arabern oder Saracenen. Sie &longs;ind aber
nicht von gro&szlig;em Erfolg gewe&longs;en. Obgleich ver&longs;chiedene
Califen, be&longs;onders <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Al-mamon</HI> zu Bagdad, die Wi&longs;&longs;en&longs;chaften
eifrig unter&longs;t&uuml;tzten, auch die arabi&longs;chen A&longs;tronomen
h&auml;ufig griechi&longs;che Werke in ihre Sprache &uuml;ber&longs;etzten,
commentirten, und hin und wieder durch Vergleichung
mit neuern Beobachtungen zu berichtigen &longs;uchten; &longs;o vermi&longs;chten
&longs;ie doch die A&longs;tronomie mit vielen willk&uuml;hrlichen
Hypothe&longs;en und a&longs;trologi&longs;chen Thorheiten. Die Verfertigung
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">alphon&longs;ini&longs;chen</HI> Tafeln in der Mitte des
dreyzehnten Jahrhunderts i&longs;t die ber&uuml;hmte&longs;te a&longs;tronomi&longs;che
Unternehmung des mittlern Zeitalters; allein die&longs;e Tafeln
wichen im Jahr 1660 f&uuml;r einige Planeten fa&longs;t um 2 Grad
von dem wahren Himmelslauf ab. Inzwi&longs;chen hat man
den Arabern die Ueberlieferung der a&longs;tronomi&longs;chen Kenntni&longs;&longs;e
an den Occident gr&ouml;&szlig;tentheils zu verdanken, wovon
die Menge der noch gebr&auml;uchlichen arabi&longs;chen Kun&longs;tworte
ein deutlicher Beweis i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Im funfzehnten Jahrhunderte ward das Studium
der Sternkunde vorz&uuml;glich im Deut&longs;chland durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Purbach</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regiomontan</HI> belebt, welche &longs;ich um Rechnungen,
Beobachtungen, Ephemeriden und Ausbreitung der griechi&longs;chen
Schriften unverge&szlig;liche Verdien&longs;te erworben haben.
Im &longs;echszehnten Jahrhunderte &longs;tellte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Copernikus</HI>
das An&longs;ehen der richtigern Weltordnung der Pythagor&auml;er
wieder her, welche &uuml;ber die Sternkunde ein ganz neues
Licht zu verbreiten anfieng, ob ihr gleich die Urtheile der
&longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltwei&longs;en und die &uuml;beln Auslegungen einiger
Stellen der heil. Schrift noch lange Zeit entgegen&longs;tanden.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho de Brahe</HI> verbe&longs;&longs;erte in der letzten Helfte
die&longs;es Zeitraums die Werkzeuge und Methoden der Beobachtung.
Er &longs;ammelte den Schatz von Beobachtungen,
aus welchem im Anfange des &longs;iebzehnten Jahrhunderts<PB ID="P.1.144" N="144" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> die wahren Ge&longs;etze des Planetenlaufs zog, und
dadurch den Grund zur geh&ouml;rigen Berichtigung der Tafeln
und zu allen neuern Erweiterungen der theori&longs;chen Sternkunde
legte.</P><P TEIFORM="p">Um eben die&longs;e Zeit (1610) gab die Erfindung des
Fernrohrs dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei</HI> Anla&szlig;, in kurzer Zeit am ge&longs;tirnten
Himmel die wichtig&longs;ten Entdeckungen zu machen, die
die&longs;en gro&szlig;en Mann zu einer eifrigen Vertheidigung der
copernikani&longs;chen Meynung veranla&szlig;ten, und ihn dadurch
noch im hohen Alter bittern Kr&auml;nkungen aus&longs;etzten.
Dennoch erhielt durch die&longs;e Entdeckungen, mit Keplers
S&auml;tzen verbunden, die&longs;e Meynung den vollkommen&longs;ten
Sieg &uuml;ber alle Vorurtheile, und die folgenden Verbe&longs;&longs;erungen
der Sternkunde &longs;etzen durchg&auml;ngig die Wahrheit
der&longs;elben voraus. Die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
in Frankreich und England ge&longs;tifteten gelehrten
Ge&longs;ell&longs;chaften haben, unter&longs;t&uuml;tzt durch die Regenten, mit
unerm&uuml;detem Flei&szlig;e durch Unter&longs;uchungen, Rei&longs;en und
Beobachtungen in allen Welttheilen die Sternkunde zu erweitern
ge&longs;ucht, und ihr eine neue von der ehemaligen &longs;ehr
vortheilhaft unter&longs;chiedene Ge&longs;talt gegeben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI>
legte endlich durch &longs;ein Sy&longs;tem der allgemeinen Schwere
den Grund zu der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phy&longs;i&longs;chen</HI> A&longs;tronomie, wor&uuml;ber das
Alterthum nur getr&auml;umt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> aber durch &longs;eine
Wirbel eine allen Ge&longs;etzen der Mechanik zuwiderlaufende
Erkl&auml;rung gegeben hatte. Newton zeigte zuer&longs;t, da&szlig; die
Mechanik des Himmels mit der Mechanik der Erdk&ouml;rper
v&ouml;llig einerley &longs;ey. Es i&longs;t ein gro&szlig;er Triumph f&uuml;r &longs;eine
Erfindungen, da&szlig; man nicht eher genaue Rechen&longs;chaft von
allen Ungleichheiten und Abweichungen des Himmelslaufs
hat ablegen, und die Tafeln mit dem Himmel &longs;elb&longs;t in Ueberein&longs;timmung
bringen k&ouml;nnen, als bis man Newtons
Theorie mit den feinern Be&longs;timmungen der neuern Beobachter
und mit den Kun&longs;tgriffen der h&ouml;hern Analy&longs;is verband.
Durch die&longs;e H&uuml;lfsmittel hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mayer</HI> in &longs;einen
vortreflichen Mondstafeln dem Monde &longs;eine Laufbahn be&longs;timmt
vorgezeichnet, dem Monde, de&longs;&longs;en Lauf &longs;o verwickelt
i&longs;t, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">quae multiformi ambage tor&longs;erat animos contemplantium,<PB ID="P.1.145" N="145" TEIFORM="pb"/>
et, proximum &longs;idus ignorari maxime, indignantium
(Plin. H. N. L. II. c. 9.).</HI> Auch die Tafeln
der Hauptplaneten &longs;ind er&longs;t durch Berechnung der St&ouml;rungen,
die ihre gegen&longs;eitige Einwirkung in einander veranla&longs;&longs;et,
zu ihrer gegenw&auml;rtigen Vollkommenheit gelanget.</P><P TEIFORM="p">In den neu&longs;ten Zeiten &longs;ind die&longs;e wichtigen Erfindungen
un&longs;erer Vorg&auml;nger nicht allein mehr ausgebildet, gepr&uuml;ft
und zum Gebrauch ge&longs;chickter gemacht, &longs;ondern auch
mit vielen neuen vermehrt worden. Die Beobachtungen
der Durchg&auml;nge der Venus durch die Sonnen&longs;cheibe in den
Jahren 1761 und 1769 haben uns zu genauern Be&longs;timmungen
der wahren Gr&ouml;&szlig;en und Entfernungen der K&ouml;rper
des Sonnen&longs;y&longs;tems verholfen; durch die Entdeckung eines
neuen Planeten (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Uranus</HI>) &longs;ind die bekannten Grenzen
die&longs;es Sy&longs;tems erweitert worden, und aus den eignen Bewegungen
der Fix&longs;terne, auf welche die A&longs;tronomen jetzt
vorz&uuml;glich aufmerk&longs;am werden, hat man angefangen, eine
fortdaurende Bewegung des ganzen Sy&longs;tems zu muthma&longs;&longs;en,
wodurch &longs;ich Aus&longs;ichten in ein ganz neues Fach der
Sternkunde er&ouml;ffnen, in welchem vielleicht der Nachwelt
bey mehrerer Verbe&longs;&longs;erung der opti&longs;chen Werkzeuge und
Verfeinerung der Beobachtungen noch viele unerwartete
Entdeckungen vorbehalten &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die Sternkunde in ihrer jetzigen Ge&longs;talt i&longs;t theils in
voll&longs;t&auml;ndigen Lehrb&uuml;chern, theils zu allgemeinerer Ausbreitung
in k&uuml;rzern und leichter ge&longs;chriebenen Einleitungen vorgetragen
worden. Unter den er&longs;tern nenne ich hier nur
das vortrefliche Lehrbuch des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(A&longs;tronomie.
Paris. To. I&mdash;III. 1771. To. IV. 1781. 4 ),</HI>
unter den letztern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schmid</HI> (Von den Weltk&ouml;rpern, zur
gemeinn&uuml;tzigen Kenntni&szlig; der gro&szlig;en Werke Gottes, Leipz.
1772. 8.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> (Erl&auml;uterung der Sternkunde, Berlin
1778. gr. 8.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">W&uuml;n&longs;ch</HI> (Kosmologi&longs;che Unterhaltungen,
1&longs;ter Band, Leipzig 1778. 8.). Verzeichni&longs;&longs;e
a&longs;tronomi&longs;cher Schriften liefern <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> (Kurzer Unterricht
von den vornehm&longs;ten math. Schriften, in &longs;. Anfangsgr&uuml;nden
der math. Wi&longs;&longs;.), <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weidler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Bibliographia a&longs;tronomica,
Viteb. 1755. 8.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheibel</HI> (Einleitung in<PB ID="P.1.146" N="146" TEIFORM="pb"/>
die mathemati&longs;che B&uuml;cherkenntni&szlig;, 13tes u. 14tes St&uuml;ck.
Bre&szlig;lau 1784. 8.). Auch hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Recueil
pour les a&longs;tronomes. To. l&mdash;lll. Berlin 1771&mdash;
1776. Nouvelles litteraires. Vl&mdash; Cahier. 1776&mdash;
1779.)</HI> &uuml;ber die neuere a&longs;tronomi&longs;che Litteratur &longs;ch&auml;tzbare
Nachrichten mitgetheilt.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;ten und be&longs;ten a&longs;tronomi&longs;chen Tafeln hat die
k&ouml;niglich preu&szlig;i&longs;che Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sammlung
a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln, Berlin 1776. lll. B. gr. 8.)</HI>
&longs;ehr voll&longs;t&auml;ndig herausgegeben.</P><P TEIFORM="p">Ich halte f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;&szlig;ig, mich &uuml;ber das Lob und den
Nutzen die&longs;er vortreflichen Wi&longs;&longs;en&longs;chaft weitl&auml;uftig zu verbreiten.
Ihr erhabner Gegen&longs;tand darf nur genannt werden,
um Empfindungen von Gr&ouml;&szlig;e und W&uuml;rde zu erregen,
und die Begriffe, die &longs;ie uns von dem Umfange der
Welt und von der Macht, Weisheit und G&uuml;te ihres gro&longs;&longs;en
Urhebers giebt, m&uuml;&longs;&longs;en auch Men&longs;chen von &longs;on&longs;t &longs;tumpfem
Gef&uuml;hl zur Bewunderung und Anbetung hinrei&szlig;en.
Ihr Nutzen f&uuml;r die men&longs;chliche Ge&longs;ell&longs;chaft zur Eintheilung
und Wahrnehmung der Zeit, zur Schiffahrt, Be&longs;timmung
der Lage der Orte auf der Erde rc. liegt am Tage.
Ueberhaupt aber i&longs;t die Kenntni&szlig; der wahren Verh&auml;ltni&longs;&longs;e
und Verbindungen, in welchen un&longs;ere kleine Erde mit dem
gro&szlig;en Ganzen &longs;teht, dem aufgekl&auml;rtern Erdbewohner,
wo nicht unentbehrlich, doch gewi&szlig; h&ouml;ch&longs;t n&uuml;tzlich und an&longs;t&auml;ndig.
Die&longs;e Kenntni&szlig; erhebt uns &uuml;ber manches, was
das Herz &longs;on&longs;t an die Erde fe&longs;&longs;elt, und uns auf die&longs;em
kleinen Planeten gro&szlig; und wichtig d&auml;ucht, und f&auml;ngt vielleicht
in uns eine Gedankenreihe an, deren Fort&longs;etzung noch
jen&longs;eits des Grabes einen Theil un&longs;erer Gl&uuml;ck&longs;eligkeit ausmachen
kann.</P></DIV2><DIV2 N="Athmen, Athemholen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Athmen, Athemholen, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Re&longs;piratio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Re&longs;piration</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die zum Leben der Men&longs;chen und Thiere nothwendige
Bewegung, durch welche die Bru&longs;t abwech&longs;elnd erweitert
und verengert wird, um Luft in die Lungen zu ziehen,
und wieder aus den&longs;elben herauszutreiben. Das
Athmen be&longs;teht aus zwoen entgegenge&longs;etzten Bewegungen,<PB ID="P.1.147" N="147" TEIFORM="pb"/>
dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Einathmen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(In&longs;piratio)</HI> und dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ausathmen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ex&longs;piratio).</HI>
Bey jenem erweitert &longs;ich die Bru&longs;th&ouml;hle, und
die &auml;u&szlig;ere Luft dringt durch die Luftr&ouml;hre in die Lungenbl&auml;schen
ein; beym Ausathmen wird die&longs;e Luft gr&ouml;&szlig;tentheils
wieder herausgetrieben, und die Bru&longs;th&ouml;hle zu&longs;ammengezogen.</P><P TEIFORM="p">Mit Uebergehung de&longs;&longs;en, was hiebey dem Anatomiker
und Phy&longs;iologen zu &uuml;berla&longs;&longs;en i&longs;t, z. B. des von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI>
zuer&longs;t erkl&auml;rten Mechanismus des Athmens rc. wollen
wir blo&szlig; einige Unter&longs;uchungen ber&uuml;hren, in welche &longs;ich
der Naturfor&longs;cher, auch ohne Arzt zu &longs;eyn, einla&longs;&longs;en kan.</P><P TEIFORM="p">Die Wirkungen der eingeathmeten atmo&longs;ph&auml;ri&longs;chen
Luft auf die Lungen und den thieri&longs;chen K&ouml;rper &uuml;berhaupt,
&longs;ind: eine mechani&longs;che Verd&uuml;nnung und Verfeinerung des
Bluts, eine Ausf&uuml;hrung &uuml;berfl&uuml;&szlig;iger oder &longs;ch&auml;dlicher Theile,
und die Unterhaltung der W&auml;rme des Bluts.</P><P TEIFORM="p">Mechani&longs;ch werden durch das Ein- und Ausathmen
die Bl&auml;schen der Lungen abwech&longs;elnd aufge&longs;chwellt und
wieder zu&longs;ammengezogen, und daher die dar&uuml;ber hingehenden
zarten Blutgef&auml;&szlig;e bald verl&auml;ngert und ge&longs;pannt,
bald wiederum nachgela&longs;&longs;en. Die&longs;es immer fortgehende
Abwech&longs;eln der Verl&auml;ngerung und Verk&uuml;rzung mu&szlig; nothwendig
das darinn befindliche Blut feiner verarbeiten,
&longs;eine Be&longs;tandtheile inniger vermi&longs;chen, das im K&ouml;rper
&longs;chon umgelaufene verbe&longs;&longs;ern, und dem aus dem hinzukommenden
Milch&longs;afte neu ent&longs;tehenden die geh&ouml;rige Vollkommenheit
geben.</P><P TEIFORM="p">Da&szlig; ferner das Athmen etwas dem thieri&longs;chen Leben
Zutr&auml;gliches in den K&ouml;rper bringe, und etwas Ueberfl&uuml;&szlig;iges
oder Sch&auml;dliches herausf&uuml;hre, erhellet daraus, weil die ausgeathmete
Luft von einer ganz andern Be&longs;chaffenheit, als
die eingeathmete, i&longs;t. Es i&longs;t eine l&auml;ng&longs;t bekannte Erfahrung,
da&szlig; Thiere in einge&longs;chlo&szlig;ner Luft nur eine Zeitlang
athmen k&ouml;nnen, da&szlig; &longs;ie darinn nach einer gewi&longs;&longs;en Anzahl
von Athemz&uuml;gen endlich mit Verzuckungen &longs;terben, und
da&szlig; in &longs;olcher durch das Athemholen eines darinn ge&longs;torbenen
Thieres verdorbner Luft, andere Thiere oft augenblicklich
und auf den er&longs;ten Athemzug &longs;terben. Eben dies widerf&auml;hrt<PB ID="P.1.148" N="148" TEIFORM="pb"/>
dem Men&longs;chen, und es haben davon die in Bengalen
in die &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwarze H&ouml;hle</HI> ge&longs;perrten 146
Engl&auml;nder (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Yves</HI> Rei&longs;en nach Indien und Per&longs;ien,
&uuml;ber&longs;. von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dohm,</HI> Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> S. 162.), von welchen in die&longs;em
11 Fu&szlig; langen und 18 Fu&szlig; breiten Gef&auml;ngni&longs;&longs;e in einer
Nacht 123 &longs;tarben, ein trauriges Bey&longs;piel gegeben.
Man erkl&auml;rte dies &longs;on&longs;t durch ein gewi&longs;&longs;es in der Luft enthaltenes
<HI REND="ital" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">pabulum vitae,</HI></HI> welches ihr durch das Athmen
nach und nach entzogen w&uuml;rde. Da aber nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley's</HI>
Beobachtungen ( <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Exp. and Ob&longs;. on diff. kinds of
air. Vol. I. Sect. 4. III. Sect. 5.</HI> ingl. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Exp. and Ob&longs;. relating
to various branches of nat. Philo&longs;. Sect. XXXIX.
no. 9.</HI>) Verbrennung, F&auml;ulni&szlig;, Verkalkung der Metalle,
und andere Proce&longs;&longs;e, wobey &longs;ich offenbar Phlogi&longs;fon oder
brennbarer Stoff mit der Luft verbindet, die Luft gerade
eben &longs;o, wie das Athmen, verderben, &longs;o i&longs;t es weit wahr&longs;cheinlicher,
da&szlig; die ausgeathmete Luft das &uuml;berfl&uuml;&szlig;ige
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Phlogi&longs;ton</HI> aus dem K&ouml;rper f&uuml;hre; daher auch die durchs
Athmen verdorbene Luft unter die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">phlogi&longs;ti&longs;irten</HI> Luftgattungen
oder Gasarten ge&longs;etzt worden i&longs;t. Die&longs;er Theorie
zufolge be&longs;teht die aus der Atmo&longs;ph&auml;re eingeathmete Luft
aus einem Gemi&longs;che ver&longs;chiedener luftf&ouml;rmigen Stoffe, von
welchen eigentlich nur einer, die &longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">reine Luft</HI> oder
das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">dephlogi&longs;ti&longs;irte Gas</HI> den zum Athmen ge&longs;chickten
Theil ausmacht. Die&longs;e reine Luft &longs;teht mit dem Phlogi&longs;ton
in einer genauen Verwandt&longs;chaft, und nimmt daher
in den Lungen den brennbaren Stoff auf, den das aus allen
Theilen des K&ouml;rpers dahin zur&uuml;ckgef&uuml;hrte Blut mit &longs;ich gebracht
hat, und die gro&szlig;e Ab&longs;icht der Natur bey der Verrichtung
des Athmens i&longs;t, den thieri&longs;chen K&ouml;rper von dem
Ueberflu&longs;&longs;e des durch die Nahrungsmittel eingef&uuml;hrten
Brennbaren zu befreyen, das ihn &longs;on&longs;t t&ouml;dten und in F&auml;ulni&szlig;
&uuml;bergehen la&longs;&longs;en w&uuml;rde.</P><P TEIFORM="p">Prie&longs;tley &longs;ucht die&longs;e Theorie durch einige Ver&longs;uche zu
be&longs;t&auml;tigen, welche angef&uuml;hrt zu werden verdienen. &rdquo;Alles
Blut, &longs;agt er, geht durch die Lungen, und nimmt nach
den Beobachtungen der Aerzte in den&longs;elben eine r&ouml;there
Farbe an. Es kan daher fa&longs;t nicht bezweifelt werden,<PB ID="P.1.149" N="149" TEIFORM="pb"/>
da&szlig; die ausgeathmete Luft durch das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Blut</HI> in den Lungen
phlogi&longs;ti&longs;iret werde. Inzwi&longs;chen &longs;chien es mir dienlich,
durch einen Ver&longs;uch zu be&longs;timmen, ob das Blut auch
noch au&szlig;er dem K&ouml;rper und im Zu&longs;tande der Gerinnung
eine &auml;hnliche Wirkung auf die Luft &auml;u&szlig;ere. Ich lie&szlig; daher
Schafblut an der Luft gerinnen, go&szlig; das W&auml;&longs;&longs;erige
davon ab (wobey die der Luft ausge&longs;etzte Ober&longs;l&auml;che bekannterma&szlig;en
eine hellrothe Farbe annimmt, das innere
hingegen dunkelroth und fa&longs;t &longs;chwarz wird), und brachte
einige von den dicken geronnenen St&uuml;cken, theils durch
Wa&longs;&longs;er, theils durch Queck&longs;ilber in ver&longs;chiedene Luftgattungen.
Die &longs;chw&auml;rze&longs;ten St&uuml;cken wurden in gemeiner
Luft roth, und noch mehr in dephlogi&longs;ti&longs;irter, welche zum
Athmen noch ge&longs;chickter i&longs;t; hingegen wurden die hell&longs;ten
rothen Theile in allen zum Athmen unge&longs;chickten Luftgattungen,
z. B. in fixer, brennbarer, &longs;alpeterartiger, phlogi&longs;ti&longs;irter
Luft &longs;ogleich &longs;chwarz; die in phlogi&longs;ti&longs;irter Luft
&longs;chwarz gewordenen erhielten in gemeiner oder dephlogi&longs;ti&longs;irter
Luft ihre rothe Farbe wieder, und &longs;o konnte ich &longs;ie
abwech&longs;elnd &longs;chwarz und roth f&auml;rben.&ldquo; Fernere Ver&longs;uche
lehrten, da&szlig; dephlogi&longs;ti&longs;irte Luft durch geronnene St&uuml;cken
Blut, die er ihr ausge&longs;etzt hatte, in einigen Stunden,
auch durch &longs;chwarze mehr, als durch rothe, verdorben
ward. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> macht &longs;ich &longs;elb&longs;t die Einwendung, das
Blut komme in den Lungen nicht in unmittelbare Ber&uuml;hrung
mit der Luft, &longs;ondern werde durch H&auml;utchen von der&longs;elben
getrennt, deren Dicke <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hales</HI> (1/1000) Zoll &longs;ch&auml;tze. Er
&longs;etzte daher eine Menge &longs;chwarzes Blut in einer zugebundenen
Bla&longs;e, mit etwas von dem w&auml;&longs;&longs;erigen Theile des
Bluts angefeuchtet, der Luft aus, und fand den folgenden
Tag die untere Fl&auml;che de&longs;&longs;elben hellroth, in eben der Dicke,
in welcher &longs;ie, unmittelbar der freyen Luft ausge&longs;etzt, w&uuml;rde
roth geworden &longs;eyn. Die&longs;er Ver&longs;uch, der auch bey nicht
angefeuchteter Bla&longs;e gelang, zeigte, da&szlig; das Dazwi&longs;chenkommen
eines H&auml;utchens die Einwirkung nicht hindere,
auch, da&szlig; die Ver&auml;nderung der Farbe nicht von der Ausd&uuml;n&longs;tung
herr&uuml;hre. Der w&auml;&longs;&longs;erige Theil des Bluts &longs;elb&longs;t
h&auml;lt die Einwirkung der Luft nicht ab; die &longs;chwarzen St&uuml;cke<PB ID="P.1.150" N="150" TEIFORM="pb"/>
wurden roth, wenn &longs;ie gleich einige Zoll hoch mit die&longs;em
Serum bedeckt waren. Und da&szlig; nicht etwa das Serum
&longs;elb&longs;t die&longs;e F&auml;rbung bewirke, ward dadurch erwie&longs;en, da&szlig;
&longs;chwarzes Blut, einen halben Zoll hoch mit Serum bedeckt,
unter der ausgeleerten Glocke der Luftpumpe &longs;chwarz
blieb, ob es gleich eine ganze Nacht ge&longs;tanden hatte, an
freyer Luft aber unter &uuml;brigens &auml;hnlichen Um&longs;t&auml;nden, bald
roth ward, woraus er &longs;chlie&szlig;t, da&szlig; die Blutk&uuml;gelchen
durch die Fl&uuml;&szlig;igkeit, in welcher &longs;ie &longs;chwimmen, nicht verhindert
werden, ihr Phlogi&longs;ton an die Luft abzugeben.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Prie&longs;tley&longs;chen Theorie des Athmens i&longs;t inzwi&longs;chen
diejenige, welche Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> (Chemi&longs;che Abhdl.
von Luft und Feuer, von Hrn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhardi.</HI> Leipz. 1782. 8.)
vorgetragen hat, gerade entgegenge&longs;etzt. Nach der Meynung
die&longs;es gro&szlig;en Chymi&longs;ten i&longs;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuerluft</HI> (eben
die&longs;elbe, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> dephlogi&longs;ti&longs;irte nennt) eine mit
Brennbarem ge&longs;&auml;ttigte und ver&longs;&uuml;&szlig;te Luft&longs;&auml;ure, und die
reine Luft &longs;oll das Blut nicht des Brennbaren berauben,
&longs;ondern vielmehr mit mehrerem Brennbaren ver&longs;ehen, und
es dadurch fl&uuml;&szlig;iger, beweglicher und r&ouml;ther machen. Durch
die Ab&longs;etzung eines Theils vom Brennbaren &longs;oll &longs;ich die
Feuerluft in <HI REND="bold" TEIFORM="hi">verdorbene Luft</HI> verwandeln, dergleichen
die ausgeathmete i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> l&auml;&longs;t es &uuml;brigens ganz unausgemacht,
wohin das viele Phlogi&longs;ton komme, welches
auf die&longs;e Art dem K&ouml;rper durch die Feuerluft unaufh&ouml;rlich
m&uuml;&longs;te zugef&uuml;hrt werden. Er gr&uuml;ndet &longs;eine Behauptung
auf Ideen, welche mit &longs;einem ganzen Sy&longs;tem &uuml;ber Feuer,
Luft und Verbrennung &longs;o genau zu&longs;ammenh&auml;ngen, da&szlig; &longs;ie
ohne Weitl&auml;uftigkeit hier nicht beygebracht werden k&ouml;nnen,
die ich daher den Artikeln: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuer, Gas, Phlogi&longs;ton,</HI>
vorbehalte. Uebrigens beruft &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> auf einen von
ihm ange&longs;tellten Ver&longs;uch, wobey es ihm gelungen, &longs;elb&longs;t
brennbare Luft durch wiederholtes Ein- und Ausathmen
der&longs;elben in verdorbne Luft zu verwandeln, und ihr ihre
brennbare Eigen&longs;chaft zu benehmen. Die&longs;es &longs;treitet aber
v&ouml;llig mit den &longs;orgf&auml;ltig ange&longs;tellten Ver&longs;uchen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. Vol. LXIX. P. II. no. 24.),</HI> welcher
das Athmen der brennbaren Luft f&uuml;r die Thiere ohne Ausnahme<PB ID="P.1.151" N="151" TEIFORM="pb"/>
t&ouml;dtlich fand, auch &longs;elb&longs;t &longs;ie nicht mehr, als h&ouml;ch&longs;tens
eilfmal, athmen, und nach dem Athmen noch immer,
&longs;elb&longs;t dicht vor &longs;einem Munde, entz&uuml;nden konnte.</P><P TEIFORM="p">Die &longs;innreiche Erkl&auml;rung, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawford</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Experiments
and ob&longs;ervations on animal heat, and the
in&longs;lammation of combu&longs;tible bodies, London. 1779.
8.)</HI> von der thieri&longs;chen W&auml;rme und der Verbrennung gegeben
hat, &longs;timmt nicht nur mit Prie&longs;tleys Behauptungen be&longs;&longs;er
&uuml;berein, &longs;ondern giebt auch zugleich von der durchs Athmen
erzeugten und unterhaltenen W&auml;rme des Bluts im
thieri&longs;chen K&ouml;rper auf eine &longs;ehr ungezwungene Art Rechen&longs;chaft.
Nach &longs;einer Meynung &longs;ind Feuer und Phlogi&longs;ton
zween be&longs;ondere einander ganz entgegenge&longs;etzte Stoffe.
Das Feuer i&longs;t entweder frey, wirkt dann aufs Gef&uuml;hl und
aufs Thermometer, und verur&longs;acht f&uuml;hlbare W&auml;rme; oder
es i&longs;t gebunden, und macht einen Be&longs;tandtheil der K&ouml;rper
&longs;elb&longs;t aus (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Feuer</HI>). Wird mit einem K&ouml;rper mehr
Phlogi&longs;ton verbunden, &longs;o wird dadurch ein verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&longs;&longs;iger
Theil &longs;eines Feuers frey. Wird ihm Phlogi&longs;ton entzogen,
&longs;o bindet er dagegen mehr Feuer, das er aus den
ihn ber&uuml;hrenden K&ouml;rpern an &longs;ich nimmt. Crawford nennt
ferner die F&auml;higkeit, W&auml;rme anzunehmen oder mitzutheilen,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;pecifi&longs;che W&auml;rme,</HI> deren jeder K&ouml;rper de&longs;to mehr
hat, je weniger Phlogi&longs;ton in &longs;einer Mi&longs;chung enthalten
i&longs;t. Seine Methode, die &longs;pecifi&longs;che W&auml;rme der K&ouml;rper
zu be&longs;timmen, &longs;. unter dem Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">W&auml;rme, &longs;pecifi&longs;che.</HI>
Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawfords</HI> Ver&longs;uchen nun hat d. s fl&uuml;&szlig;igere und
r&ouml;there Blut der Pulsadern, welches in den Lungen der
Wirkung der eingeathmeten Luft ausge&longs;etzt gewe&longs;en i&longs;t, in
dem Verh&auml;ltni&longs;&longs;e 23:20 <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mehr</HI> &longs;pecifi&longs;che W&auml;rme, und
enth&auml;lt daher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">weniger</HI> Phlogi&longs;ton, als das durch den Umlauf
im K&ouml;rper wieder ge&auml;nderte dickere und &longs;chw&auml;rzere
Blut der Blutadern. Dagegen hat die ausgeathmete Luft
67 mal weniger &longs;pecifi&longs;che W&auml;rme, als die eingeathmete
atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che, woraus denn folgt, da&szlig; die ausgeathmete
weit mehr Phlogi&longs;ton enthalten und al&longs;o den brennbaren
Stoff aus dem K&ouml;rper ausf&uuml;hren m&uuml;&longs;&longs;e.<PB ID="P.1.152" N="152" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die dritte Wirkung des Athemholens i&longs;t die Erzeugung
und Unterhaltung der W&auml;rme des thieri&longs;chen K&ouml;rpers,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. W&auml;rme, thieri&longs;che.</HI> Es i&longs;t l&auml;ng&longs;t beobachtet
worden, da&szlig; alle Thiere, welche vermittel&longs;t vollkommner
Lungen athmen, und die Luft in Menge in &longs;ich ziehen, warmes
Blut, und daher weit mehr innere W&auml;rme haben, als
ihnen die Temperatur der &longs;ie umgebenden Luft mittheilen
k&ouml;nnte. Diejenigen Thiere hingegen, welchen die Lungen
fehlen, &longs;ind nicht w&auml;rmer, als das Mittel, in welchem &longs;ie
leben. Die V&ouml;gel, als die w&auml;rm&longs;ten Thiere, haben in
Vergleichung mit der Gr&ouml;&szlig;e ihres K&ouml;rpers die gr&ouml;&szlig;ten Lungen.
Je &longs;chneller man athmet, und je mehr Luft man al&longs;o
in einer be&longs;timmten Zeit einziehet, de&longs;to mehr wird das
Blut erw&auml;rmt; daher k&ouml;mmt die Erhitzung de&longs;&longs;elben durch
Bewegung und durch alles, was das Athmen be&longs;chleuniget.</P><P TEIFORM="p">Dies erkl&auml;rt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crawfords</HI> eben angef&uuml;hrte Theorie auf
eine &longs;ehr leichte Art. Indem nemlich die reine oder zum
Athmen taugliche Luft das Phlogi&longs;ton des Bluts in den
Lungen an &longs;ich nimmt, wird ihr Verm&ouml;gen, Feuer zu enthalten
oder zu binden, vermindert, und durch das Freywerden
ihres Feuers ent&longs;teht f&uuml;hlbare W&auml;rme. Beym Umlaufe
durch den K&ouml;rper theilt das Blut die&longs;e f&uuml;hlbare W&auml;rme
den Theilen des K&ouml;rpers mit, verliert zugleich einen
Theil des in ihm gebundenen Feuers, und nimmt daf&uuml;r
Phlogi&longs;ton aus dem K&ouml;rper an &longs;ich. So ent&longs;teht ein be&longs;t&auml;ndiger
Kreislauf, der einer wech&longs;el&longs;eitigen chemi&longs;chen Anziehung
gleichet. Da&szlig; der ausgeathmete Hauch w&auml;rmer
i&longs;t, als die &auml;u&szlig;ere Luft, i&longs;t dagegen keine Einwendung;
&longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">f&uuml;hlbare</HI> W&auml;rme k&ouml;mmt blo&szlig; von dem zugleich ausgehenden
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">freyen</HI> Feuer her, und i&longs;t vielmehr ein Zeichen,
da&szlig; er weniger Feuer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">binde,</HI> als die &auml;u&szlig;ere Luft. Ausf&uuml;hrlicher
wird &longs;ich von die&longs;er Wirkung des Athmens unter
dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">W&auml;rme, thieri&longs;che,</HI> &longs;prechen la&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">Dies &longs;ind die neu&longs;ten Theorien &uuml;ber die Wirkungen
des Athmens. Die Aerzte haben hier&uuml;ber &longs;ehr ver&longs;chieden
gedacht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hippocrates, Ari&longs;toteles</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galen</HI> lie&longs;en
die eingeathmete Luft in das Blut und die S&auml;fte &uuml;bergehen,<PB ID="P.1.153" N="153" TEIFORM="pb"/>
die Lebenskraft in den&longs;elben unterhalten und das
Herz bewegen. Den Ur&longs;prung der thieri&longs;chen W&auml;rme leiteten
&longs;ie vom Herzen her, in welchem &longs;ie ein Lebensfeuer
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">ignem vitalem</HI>)</HI> annahmen, und glaubten, die&longs;es Feuers
&uuml;berm&auml;&szlig;ige Hitze werde durch das Einathmen der fri&longs;chen
Luft abgek&uuml;hlt und durchs Ausathmen &longs;ein Dampf abgef&uuml;hrt
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Galen. de u&longs;u partium. L. VII. c. 9. de util. re&longs;pir.
c. 3.).</HI> Auch neuere Aerzte haben einen Uebergang
der Luft in ela&longs;ti&longs;cher Ge&longs;talt in das Blut angenommen,
und daraus die Fl&uuml;&szlig;igkeit, innere Bewegung, W&auml;rme,
D&uuml;nne, ja &longs;ogar den Umlauf de&longs;&longs;elben im K&ouml;rper herleiten
wollen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Van Helmont</HI> glaubte, die Luft bringe die Lebensgei&longs;ter
in den K&ouml;rper; welcher Meynung &longs;elb&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave,
Mead</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sauvage</HI> unter gewi&longs;&longs;en Ein&longs;chr&auml;nkungen
den Beyfall nicht ver&longs;agen; andere haben durch
die Luft ein &longs;alziges oder nitr&ouml;&longs;es Principium in den K&ouml;rper
bringen wollen. Auch die Meynung der Alten von der Abk&uuml;hlung
der innern W&auml;rme durch die eingeathmete Luft i&longs;t
von vielen neuern Aerzten angenommen worden; einige
haben noch hinzuge&longs;etzt, das d&uuml;nnere Blut der Blutadern
werde durch die&longs;e Abk&uuml;hlungen verdichtet. Beyde Behauptungen
widerlegt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De partium corp. hum. fabrica
et funct. L. VIII. Sect. 5. &sect;. 16. 17.),</HI> der &uuml;brigens
annimmt, es komme Luft zur Mi&longs;chung des Bluts,
und beym Ausathmen werden fl&uuml;chtige, &longs;alzige, faule Ausd&uuml;n&longs;tungen,
auch Phlogi&longs;ton ausgef&uuml;hrt. Den Gedanken,
da&szlig; die W&auml;rme des Bluts durch Athmen ent&longs;tehe,
&auml;u&szlig;ert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stahl</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Theor. medic. p. 288.)</HI> mit der Bemerkung,
da&szlig; er ihm &longs;chon &longs;eit dem Jahre 1684 eigenth&uuml;mlich
zugeh&ouml;re. Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave, Hales</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Arbuthnot</HI>
glauben, das Blut werde in den Lungen durch
das Athmen verdichtet und erw&auml;rmt; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">B&uuml;ffon</HI> nimmt die
Lungen f&uuml;r das Gebl&auml;&longs;e an, das zur Belebung des Lebensfeuers
diene. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> &longs;chlo&szlig; aus der Aehnlichkeit der
durchs Athmen verdorbenen Luft mit der durch Verbrennung
und F&auml;ulni&szlig; verdorbenen, da&szlig; das Athmen Phlogi&longs;ton
aus dem K&ouml;rper f&uuml;hre, fa&longs;t zu eben der Zeit, da
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheele</HI> gefunden zu haben glaubte, da&szlig; &longs;ie brennbaren<PB ID="P.1.154" N="154" TEIFORM="pb"/>
Stoff hineinbringe. Prie&longs;tleys und Crawfords Meynungen
haben vor den &auml;lteren wenig&longs;tens das voraus, da&szlig; &longs;ie
&longs;ich mehr auf Experimentalunter&longs;uchung gr&uuml;nden.</P><P TEIFORM="p">Gew&ouml;hnlich athmet der Men&longs;ch w&auml;hrend 4&mdash;5 Puls&longs;chl&auml;gen
einmal, d. i. in einer Minute 20 mal, da die
mittlere Anzahl der Puls&longs;chl&auml;ge in einer Minute 80 i&longs;t.
Man kan rechnen da&szlig; ein ge&longs;under Mann von gew&ouml;hnlicher
Gr&ouml;&szlig;e auf einmal drey&szlig;ig Cubikzoll Luft einathme.
Beym Ausathmen bleibt viel Luft in den Lungen, der Luftr&ouml;hre
und dem Munde zur&uuml;ck. Bey einem &longs;tarken Ausathmen
k&ouml;nnen vielleicht nach einem nat&uuml;rlichen Einathmen
60 Cubikzoll ausge&longs;to&szlig;en werden. Durch Be&longs;chleunigung
des Pul&longs;es, Bewegung, Lungenkrankheiten, Unreinigkeit
oder Verd&uuml;nnung der Luft wird das Athmen be&longs;chleuniget.
Thiere athmen in einge&longs;chlo&szlig;ner oder verd&uuml;nnter Luft immer
&longs;chneller und &longs;t&auml;rker.</P><P TEIFORM="p">Ueber die Be&longs;chaffenheit der ausgeathmeten Luft kan
der Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas, phlogi&longs;ticirtes,</HI> und &uuml;ber die Mittel,
wodurch die Natur die durchs Athmen verdorbene Luft
der Atmo&longs;ph&auml;re wieder verbe&longs;&longs;ert, der Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gas, atmo&longs;ph&auml;ri&longs;ches,</HI>
nachge&longs;ehen werden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Haller</HI> de part. corp. humani fabrica et funct. edit. Bernae
et Lau&longs;annae. To. VII. 1778. 8. Lib. VIII. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Tib. Cavalle</HI>
treati&longs;e on the nature and properties of air. London 1771.</HI>
gr. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. p. 376. &longs;q.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmometer, Atmidometer, Ausd&uuml;n&longs;tungsmaa&szlig;,</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmometrum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmom&eacute;tre.</HI></HI> Eine Vorrichtung,
wodurch &longs;ich die Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung be&longs;timmen l&auml;&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Man kan bey den Beobachtungen &uuml;ber die Gr&ouml;&szlig;e
der Ausd&uuml;n&longs;tung zweyerley Ab&longs;ichten haben; entweder
w&uuml;n&longs;cht man die ab&longs;olute Menge der in ver&longs;chiedenen Jahreszeiten
oder Jahren aus den Gew&auml;&longs;&longs;ern auf&longs;teigenden
D&uuml;n&longs;te zu kennen, oder man will nur f&uuml;r einen gegebenen
Augenblick die aufl&ouml;&longs;ende Kraft der Luft be&longs;timmen. Jede
Ab&longs;icht erfordert eine eigne Einrichtung des Werkzeugs.</P><P TEIFORM="p">Zu der er&longs;ten Ab&longs;icht i&longs;t es hinreichend, ein Gef&auml;&szlig;
mit Wa&longs;&longs;er der Luft eine be&longs;timmte Zeit lang auszu&longs;etzen,
und den Verlu&longs;t, den es die&longs;e Zeit &uuml;ber durch die Ausd&uuml;n&longs;tung<PB ID="P.1.155" N="155" TEIFORM="pb"/>
erlitten hat, durch Abw&auml;gen oder Ausme&longs;&longs;en zu
be&longs;timmen. Auf die&longs;e Art haben <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tentamina
experimentorum capt. in academ. del Cimento.
To. II. p. 62.),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petropol. To.
XIV. p. 273. Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 198.
To. II. p. 145.),</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (Schwed. Abhdl. 1746.
S. 3. 1747. S. 235.) und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ai d' hygrom&eacute;trie.
M&eacute;m. de l' Acad. de Pru&longs;&longs;e. 1769. p. 68. 1772.
p. 65.</HI> Hygrometrie, aus dem Franz&ouml;&longs;. &uuml;ber&longs;. Augsb.
1774. Fort&longs;etzung, Augsb. 1775. 8.) die Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung
unter&longs;ucht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> brauchte bleyerne
Gef&auml;&szlig;e von &longs;echs Zollen ins Gevierte, fand die Ausd&uuml;n&longs;tung
aus einem &longs;olchen Gef&auml;&szlig;e von 12 Zoll H&ouml;he &longs;t&auml;rker,
als aus einem von 6 Zoll H&ouml;he, und glaubte endlich daraus
das Re&longs;ultat ziehen zu k&ouml;nnen, da&szlig; &longs;ich unter &uuml;brigens
gleichen Um&longs;t&auml;nden die Gr&ouml;&szlig;en der Ausd&uuml;n&longs;tung, wie die
Cubikwurzeln aus der H&ouml;he der Gef&auml;&szlig;e verhielten, wenn
er die Ver&longs;uche im Freyen an&longs;tellte; auf &longs;einem Zimmer
hingegen konnte er zwi&longs;chen der Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung
aus hohen und niedrigen Gef&auml;&szlig;en nie einen merklichen Unter&longs;chied
finden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> fand ebenfalls die Ausd&uuml;n&longs;tung
aus tiefern Gef&auml;&szlig;en &longs;t&auml;rker, und erkl&auml;rt dies dadurch,
da&szlig; die Ausd&uuml;n&longs;tung von dem Unter&longs;chiede der Temperaturen
des Wa&longs;&longs;ers und der Luft abh&auml;nge, und die&longs;er Unter&longs;chied
in tiefern Gef&auml;&szlig;en gr&ouml;&szlig;er und dauerhafter &longs;ey,
weil &longs;ie die Temperatur der umliegenden Luft nicht &longs;o &longs;chnell
annehmen. Hieraus erhellet auch, warum Mu&longs;&longs;chenbroek
die&longs;en Unter&longs;chied nur im Freyen, nicht auf &longs;einem Zimmer,
fand, weil &longs;ich da die Temperatur nur &longs;ehr wenig und lang&longs;am
&auml;nderte. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> fand die Ausd&uuml;n&longs;tung aus hohen
und niedrigen Gef&auml;&szlig;en gleich &longs;tark, wenn er beyderley
Gef&auml;&szlig;e in Thon ver&longs;enkte, und dadurch be&longs;t&auml;ndig in einerley
Temperatur erhielt. In <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lamberts</HI> Ver&longs;uchen i&longs;t
die&longs;er Unter&longs;chied zwi&longs;chen der Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung aus
hohen und niedrigen Gef&auml;&szlig;en gar nicht anzutreffen; in des
P. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cotte</HI> Ver&longs;uchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Journal de phy&longs;ique, Oct. 1781.)</HI>
aber zeigt er &longs;ich wieder; cubi&longs;che Gef&auml;&szlig;e von ver&longs;chiedenen
Gr&ouml;&szlig;en d&uuml;n&longs;teten in ganz ver&longs;chiedenen Verh&auml;ltni&longs;&longs;en<PB ID="P.1.156" N="156" TEIFORM="pb"/>
aus. Aus die&longs;em Grunde m&uuml;&longs;te man &longs;ich wohl bey dergleichen
Beobachtungen dar&uuml;ber vereinigen, &uuml;berall Gef&auml;&szlig;e
von gleicher Ge&longs;talt und Gr&ouml;&szlig;e zu gebrauchen. Auch d&uuml;n&longs;tet
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sau&longs;&longs;ure</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ais &longs;ur l' hygrom&eacute;trie. Neufchatel.
1783. 8. &sect;. 243.)</HI> ein Quadrat&longs;chuh Wa&longs;&longs;erfl&auml;che
&longs;t&auml;rker aus, wenn er auf einem d&uuml;rren Boden &longs;teht, als
wenn er mitten in einen Teich, oder See ge&longs;etzt wird;
weil in jenem Falle die auf ihn wirkende Luft trockner i&longs;t,
und mehr Wa&longs;&longs;er aufl&ouml;&longs;et. Daher m&uuml;&longs;te man, um die
wahre Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung der Gew&auml;&longs;&longs;er zu finden, ein
&longs;olches zum Atmometer be&longs;timmtes Gef&auml;&szlig; mitten aufs Wa&longs;&longs;er
&longs;etzen, &longs;o da&szlig; das Wa&longs;&longs;er in dem&longs;elben mit dem &auml;u&szlig;ern
Wa&longs;&longs;er in einerley Horizontalebne &longs;t&uuml;nde; auch m&uuml;&longs;te es
eben &longs;o, wie die ausd&uuml;n&longs;tenden Gew&auml;&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t, der Sonne,
der Luft und dem Winde ausge&longs;etzt &longs;eyn. Man m&uuml;&longs;te
auch ein Hyetometer oder Regenmaa&szlig; dabey haben, um
die Menge des etwa aufs Gef&auml;&szlig; gefallnen Regens be&longs;timmen
und abziehen zu k&ouml;nnen. Endlich hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Comm. Petrop. To. XIV. p. 273. &longs;q.)</HI> vorge&longs;chlagen,
das Atmometer mit einem gr&ouml;&szlig;ern von oben bedeckten und
mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;llten Gef&auml;&szlig;e in Communication zu &longs;etzen,
damit die H&ouml;he des Wa&longs;&longs;ers im Atmometer &longs;elb&longs;t weder
durch die Ausd&uuml;n&longs;tung merklich vermindert, noch durch den
Regen vermehrt werden m&ouml;ge.</P><P TEIFORM="p">Will man aber die Gr&ouml;&szlig;e der Ausd&uuml;n&longs;tung f&uuml;r einen
be&longs;timmten kleinern Zeitraum kennen, wobey es auf
genaue Abw&auml;gung eines kleinen Verlu&longs;tes ank&ouml;mmt, &longs;o
kann man &longs;ich eines kleinen und leichten Gef&auml;&szlig;es bedienen,
das der Luft viel Oberfl&auml;che darbietet und an eine &longs;ehr genaue
und empfindliche Wage gehangen werden kan. Sollen
dergleichen Werkzeuge unter einander verglichen werden
k&ouml;nnen, um daraus Folgerungen &uuml;ber die verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&longs;&longs;ige
Ausd&uuml;n&longs;tung an ver&longs;chiednen Orten herzuleiten, &longs;o
m&uuml;&longs;&longs;en die Gef&auml;&szlig;e von einerley Ge&longs;talt, Gr&ouml;&szlig;e und Materie
&longs;eyn, Wa&longs;&longs;er von gleicher Reinigkeit enthalten, und,
&longs;o viel m&ouml;glich, in gleiche Stellungen gebracht werden.
Ein Werkzeug zu feinern Ver&longs;uchen die&longs;er Art be&longs;chreibt
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Atmometri &longs;. machinae hydro&longs;taticae con&longs;tructio,<PB ID="P.1.157" N="157" TEIFORM="pb"/>
in Nov. Comm. Petrop. To. II. p. 121.).</HI> Er
be&longs;timmt es eigentlich zu Abme&longs;&longs;ung der Ausd&uuml;n&longs;tungen
des Wa&longs;&longs;ers von ver&longs;chiedener Temperatur. Es be&longs;teht
aus drey cylindri&longs;chen Gef&auml;&szlig;en von Blech. Das weit&longs;te
und tief&longs;te der&longs;elben wird mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;llt. In die&longs;em
Wa&longs;&longs;er &longs;chwimmt das zweyte etwas kleinere Gef&auml;&szlig;, welches
leer bleibt, und ganz ver&longs;chlo&longs;&longs;en i&longs;t; damit es nicht
&longs;chief &longs;chwimme, &longs;tehen St&auml;be mit Rollen zur Seite, zwi&longs;chen
denen es frey auf- und ab&longs;teigen, aber nicht &longs;eitw&auml;rts
weichen kan. Das er&longs;te mit Wa&longs;&longs;er gef&uuml;llte Gef&auml;&szlig; i&longs;t
auch ver&longs;chlo&longs;&longs;en, aber in &longs;einem Deckel &longs;ind drey L&ouml;cher.
Durch die&longs;e gehen drey metallne F&uuml;&szlig;e, welche auf dem
&longs;chwimmenden leeren Gef&auml;&szlig;e auf&longs;tehen und das dritte offne
Gef&auml;&szlig; tragen, welches mit dem ausd&uuml;n&longs;tenden Wa&longs;&longs;er angef&uuml;llt
i&longs;t. So, wie nun etwas von die&longs;em Wa&longs;&longs;er ausd&uuml;n&longs;tet,
und das Gef&auml;&szlig; dadurch leichter wird, dr&uuml;ckt es
weniger auf das &longs;chwimmende Gef&auml;&szlig;, das letztere hebt &longs;ich
daher im Wa&longs;&longs;er h&ouml;her, und die F&uuml;&szlig;e, die &longs;ich in den L&ouml;chern
des Deckels frey bewegen k&ouml;nnen, treten mehr heraus,
heben al&longs;o das obere Gef&auml;&szlig;, welches eine an ihm befe&longs;tigte
Scale an einem Zeiger hinf&uuml;hrt, und dadurch die Gr&ouml;&szlig;e
der Hebung anzeigt. Wie viel Gran jeder Theil der Scale
gelte, kan man durch hineingeworfene Gewichte leicht
vorher ausmachen, und &longs;o durch die Scale die Gr&ouml;&szlig;e der
Ausd&uuml;n&longs;tung bis auf die fein&longs;ten Theile abme&longs;&longs;en. Taf.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 25. i&longs;t ein Entwurf von den we&longs;entlich&longs;ten Theilen
die&longs;es Atmometers.</P><P TEIFORM="p">Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure's</HI> Anzeige hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mo&longs;cati</HI> in
Mayland neuerlich eine andere zugleich bequemere und genauere
Einrichtung die&longs;es Werkzeugs vorge&longs;chlagen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure</HI> E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrom&eacute;trie. &sect;. 244-50.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;ph&auml;re" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;ph&auml;re, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Atmo&longs;phaera</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Atmo&longs;ph&egrave;re</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;er
ur&longs;pr&uuml;nglich &longs;o viel, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dun&longs;tkugel,</HI> bedeutende
Name i&longs;t zwar anf&auml;nglich blo&szlig; von der um un&longs;ere Erde
ver&longs;ammelten Luft, dem Luftkrei&longs;e, gebraucht worden,
wird aber jetzt im Allgemeinen allen Anh&auml;ufungen eines
feinen ela&longs;ti&longs;chen fl&uuml;&szlig;igen We&longs;ens beygelegt, welche einen<PB ID="P.1.158" N="158" TEIFORM="pb"/>
K&ouml;rper von allen Seiten umgeben, und &longs;ich mit ihm fortbewegen,
&longs;o wie der Luftkreis die Erde umringt und mit
ihr bewegt wird.</P><P TEIFORM="p">Viele Naturfor&longs;cher nehmen um alle K&ouml;rper Atmo&longs;ph&auml;ren
an, oder glauben, da&szlig; der im Weltraume verbreitete
Aether &longs;ich in der N&auml;he eines jeden K&ouml;rpers verdichte,
und eine Atmo&longs;ph&auml;re um ihn bilde, woraus &longs;ie neb&longs;t andern
Er&longs;cheinungen auch die Beugung der Licht&longs;tralen erkl&auml;ren,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Beugung des Lichts.</HI> Da dies blo&szlig; hypotheti&longs;ch
i&longs;t, &longs;o bleibe ich hier nur bey den Atmo&longs;ph&auml;ren der
Erde, der Sonne und des Monds &longs;tehen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&auml;re der Erde, &longs;. Luftkreis.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;ph&auml;re der Sonne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;ph&auml;re der Sonne</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phaera &longs;olaris,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&egrave;re &longs;olaire.</HI></HI> Eine feine um die Sonne verbreitete
und gegen die&longs;elbe gravitirende Materie, welche
&longs;ich uns unter der Ge&longs;talt des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zodiakallichts</HI> zeiget, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Thierkreislicht.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Alten, welche die Sonne f&uuml;r das rein&longs;te und
unverderblich&longs;te We&longs;en hielten, konnten dem Gedanken
von einem Dun&longs;te um die&longs;elbe nicht Raum geben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Epit. a&longs;tron. Copernic. L. VI. p. 595.),</HI> wo er erkl&auml;rt,
warum die totalen Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;e nicht eine v&ouml;llige
Nacht machen, redet von einer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;ub&longs;tantia cra&longs;&longs;a circa
&longs;olem, non hic in no&longs;tro a&euml;re, &longs;ed in ip&longs;a &longs;ede &longs;olis.</HI>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;&longs;ini</HI> aber, der das Thierkreislicht im Jahre 1683 entdeckte,
nahm keinen An&longs;tand, es f&uuml;r die vom weiten erblickte
Atmo&longs;ph&auml;re der Sonne zu erkl&auml;ren (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">D&eacute;couverte de
la lumi&eacute;re cele&longs;te, qui paroi&longs;t dans le zodiaque,</HI> in den
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">anciens M&eacute;m. To. VII.).</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Trait&eacute; de l' aurore
boreale. Paris 1733. 4. &longs;ec. edit. 1754. gr. 4.)</HI>
hat &longs;ehr ausf&uuml;hrlich von die&longs;er Sonnenatmo&longs;ph&auml;re gehandelt,
und ihr Da&longs;eyn wird jetzt von keinem A&longs;tronomen
mehr in Zweifel gezogen.</P><P TEIFORM="p">Aus welcher Materie &longs;ie be&longs;tehe, ob die&longs;e Materie ein
Ausflu&szlig; aus der Sonne, oder eine Sammlung von heterogenen
aus dem Aether gegen die Sonne gefallenen Theilen
&longs;ey, dar&uuml;ber k&ouml;nnen wir nicht ent&longs;cheiden. Wir &longs;ehen<PB ID="P.1.159" N="159" TEIFORM="pb"/>
nur, da&szlig; &longs;ie leuchtet und durch&longs;ichtig i&longs;t; ihr Licht kan entweder
ihr eigen &longs;eyn, oder davon herkommen, da&szlig; ihre
Theilchen einen Theil des Sonnenlichts zur&uuml;ckwerfen.</P><P TEIFORM="p">Die Ge&longs;talt der Sonnenatmo&longs;ph&auml;re mu&szlig;, den Er&longs;cheinungen
des Thierkreislichts zufolge, ein &longs;ehr abgeplattetes
Sph&auml;roid &longs;eyn, oder einer auf beyden Seiten erhabnen
Glaslin&longs;e gleichen. Wir &longs;ehen das Thierkreislicht &longs;tets
unter der Ge&longs;talt eines zuge&longs;pitzten Streifens, wie etwa
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">ACB</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">26. (<HI REND="ital" TEIFORM="hi">fu&longs;eau</HI>),</HI> und es giebt keinen runden
K&ouml;rper, der &longs;o er&longs;chiene, als das lin&longs;enf&ouml;rmige Sph&auml;roid,
wenn es aus der Ebne &longs;eines gr&ouml;&szlig;ten Krei&longs;es betrachtet
wird. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ca&longs;&longs;ini</HI> Beobachtungen i&longs;t die&longs;e Ebne die
Ebne des Sonnen&auml;quators, oder der Umdrehung der
Sonne um ihre Axe, gegen welche, wie die Beobachtungen
der Sonnenflecken l&auml;ng&longs;t gelehrt haben, die Ebne der
Erdbahn unter einem Winkel von 7 1/2 Grad geneigt i&longs;t.
Sehr wahr&longs;cheinlich wird al&longs;o die &longs;tarke Abplattung der
Sonnenatmo&longs;ph&auml;re durch die Umw&auml;lzung der Sonne um
ihre Axe eben &longs;o verur&longs;acht, wie die Abplattung der Erde
&longs;elb&longs;t und ihres Luftkrei&longs;es durch die t&auml;gliche Umdrehung
der Erde veranla&longs;&longs;et wird; und die St&auml;rke die&longs;er Abplattung
zeigt eine ungemeine Feinheit und Leichtigkeit der Materie
des Thierkreislichts an. Da die Erdbahn mit der
Ebne des Sonnen&auml;quators nur einen &longs;ehr kleinen Winkel
macht, &longs;o k&ouml;nnen wir nie in Lagen kommen, in welchen
uns die&longs;es Sph&auml;roid anders, als in der Form einer zuge&longs;pitzten
S&auml;ule er&longs;chiene; da es &longs;on&longs;t, aus einem Punkte
in der Axe ge&longs;ehen, als ein Kreis um die Sonne er&longs;cheinen
m&uuml;&longs;te.</P><P TEIFORM="p">Wie weit &longs;ich die&longs;e Sonnenatmo&longs;ph&auml;re er&longs;trecke, kan
aus der Weite ge&longs;chlo&longs;&longs;en werden, um welche die Spitze
des Thierkreislichts von dem &longs;cheinbaren Orte der Sonne
ab&longs;teht. Betr&auml;gt die&longs;e Weite 90&deg;, &longs;o mu&szlig; &longs;ich die Sonnenatmo&longs;ph&auml;re
bis an die Erdbahn er&longs;trecken; betr&auml;gt &longs;ie
noch mehr, &longs;o mu&szlig; die letztere &longs;ogar bis &uuml;ber die Erdbahn
hinausgehen. Da man nun die gedachte Weite bisweilen
93, 95, 100 Grad gefunden hat, &longs;o l&auml;&longs;t &longs;ich hieraus
folgern, da&szlig; der Umfang der Sonnenatmo&longs;ph&auml;re &longs;ich zu<PB ID="P.1.160" N="160" TEIFORM="pb"/>
manchen Zeiten bis &uuml;ber die Erdbahn hinaus er&longs;trecke.
Wenn zu &longs;olchen Zeiten die Erde gerade in einem der
Punkte i&longs;t, in welchen &longs;ich die Ebne des Sonnen&auml;quators
mit der Erdbahn durch&longs;chneidet, &longs;o k&ouml;mmt &longs;ie in die Sonnenatmo&longs;ph&auml;re
&longs;elb&longs;t, und wird gleich&longs;am in die&longs;elbe ver&longs;enkt.
Herr von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI> hat hieraus eine &longs;ehr &longs;innreiche
Erkl&auml;rung der Ph&auml;nomene des Nordlichts hergeleitet, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Nordlicht.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atmo&longs;ph&auml;re des Monds" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atmo&longs;ph&auml;re des Monds</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atmo&longs;phaera lunaris,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&egrave;re lunaire.</HI></HI> Nach der Meynung einiger
A&longs;tronomen &longs;oll auch der Mond mit einer dichtern
Materie oder Dun&longs;tkugel umgeben &longs;eyn. Allein die Erfahrungen,
welche man hier&uuml;ber anf&uuml;hrt, la&longs;&longs;en &longs;ich auch
anders erkl&auml;ren.</P><P TEIFORM="p">Schon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plutarch</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lib. de facie lunae, Op. Plut.
ex edit. Xylandri 1620. fol. To. II. p. 939.)</HI> gedenkt
einer Mondluft. Die neuern A&longs;tronomen hat wahr&longs;cheinlich
der Gedanke, da&szlig; der Mond bewohnt &longs;ey, die Bewohner
aber, wie wir, einer Luft bed&uuml;rfen, zur Annehmung
einer Mondsatmo&longs;ph&auml;re veranla&longs;&longs;et. Daher i&longs;t ihr
Da&longs;eyn von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei, Kepler, Scheiner, Hevel,</HI> und
in die&longs;em Jahrhunderte von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf, Mairan, Bianchini,
Fontenelle</HI> u. a. angenommen und vertheidiget, von
andern Sternkundigen hingegen, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens, Ca&longs;&longs;ini,
Gregory, de la Hire, de l' Isle, Tob. Mayer,</HI>
gel&auml;ugnet worden.</P><P TEIFORM="p">Man hat f&uuml;r das Da&longs;eyn einer Atmo&longs;ph&auml;re des
Monds den hellen concentri&longs;chen Ring, der &longs;ich bey g&auml;nzlichen
Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en um den Mond zeigt, und die
l&auml;ngliche Ge&longs;talt der Planeten, wenn &longs;ie nahe am Mondrande
ge&longs;ehen werden, anf&uuml;hren wollen. Andere haben
&longs;ich auf ein beobachtetes Zittern des Sonnenlichtes beym
Ein- und Austritte der Mond&longs;cheibe in da&longs;&longs;elbe, auf eine
unregelm&auml;&szlig;ige Bewegung der Fix&longs;terne bey dem Anr&uuml;cken
des Mondrandes gegen die&longs;elben, auf die bald gr&ouml;&szlig;ere
bald geringere Deutlichkeit der Mondflecken, auf den im
dunkeln Theile des Mondflecken Plato bemerkten hellen<PB ID="P.1.161" N="161" TEIFORM="pb"/>
Streif, auf&verbar;die Ver&auml;nderlichkeit des Monddurchme&longs;&longs;ers
bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en u. dgl. berufen. Einiger die&longs;er
Gr&uuml;nde bedient &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. A&longs;tron.),</HI> um die
h&ouml;ch&longs;te Aehnlichkeit zwi&longs;chen Erd- und Mondluft zu erwei&longs;en,
die er &longs;o weit treibt, da&szlig; er es im Monde &longs;ogar,
wie bey uns, regnen, hageln, &longs;chneyen und reifen l&auml;&longs;t.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. no. 343.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Louville</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t.
de l' acad. roy. des Sc. 1715.)</HI> wollten bey der Sonnenfin&longs;terni&szlig;
am 3. May 1715 &longs;ogar Blitze im Monde
ge&longs;ehen haben. Von &auml;hnlichen neuerlich beobachteten
Er&longs;cheinungen &longs;. den Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mond.</HI></P><P TEIFORM="p">Einige die&longs;er Bewei&longs;e, z. B. der aus dem hellen
Ringe bey Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en, aus der l&auml;nglichen Ge&longs;talt
der Planeten, und dem unregelm&auml;&szlig;igen Fortr&uuml;cken
der Fix&longs;terne bey Ann&auml;hrung an den Mondrand, la&longs;&longs;en
&longs;ich dadurch entkr&auml;ften, da&szlig; man die&longs;e Ph&auml;nomene eben
&longs;o leicht und nat&uuml;rlich aus der Beugung der Licht&longs;tralen
herleiten kan. Ein &longs;olcher Ring zeigt &longs;ich um jeden
K&ouml;rper, mit dem man &longs;ich die Sonne verdeckt, oder mit
dem man das in einen verfin&longs;terten Ort fallende Sonnenlicht
auff&auml;ngt; wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Hire</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de l'Isle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m.
de l' Acad. des Sc. 1715. p. 147.)</HI> gezeigt haben.
Das Zittern des Sonnenlichts und die gr&ouml;&szlig;ere oder geringere
Deutlichkeit der Mondflecken &longs;cheinen eber von
D&uuml;n&longs;ten in un&longs;erer Atmo&longs;ph&auml;re herzur&uuml;hren; der Licht&longs;tral
in der H&ouml;lung des Plato l&auml;&longs;t &longs;ich durch das Einfallen
des Sonnenlichts zwi&longs;chen Bergen in ein &uuml;brigens dunkles
Thal auch obne Atmo&longs;ph&auml;re begreifen; die Vergr&ouml;&szlig;erung
des &longs;cheinbaren Sonnentellers bey ringf&ouml;rmigen
Sonnenfin&longs;terni&longs;&longs;en kan eine Wirkung der Beugung des
Lichts &longs;eyn, obgleich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. de l' Acad. de
Pru&longs;&longs;e. 1748.</HI> S. 103.) daraus wirklich eine Mondluft
&longs;chlie&szlig;t, die aber 200mal d&uuml;nner, als die un&longs;rige,
&longs;ey.</P><P TEIFORM="p">Die neuern Vertheidiger der Mondatmo&longs;ph&auml;re, z. B.
du <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sejour</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l'Acad. des Sc. 1775. p. 268.)</HI>
wenden dagegen ein, durch Erkl&auml;rungen aus der Beugung
&longs;to&szlig;e man jene Bewei&longs;e nicht um; denn Beugung der<PB ID="P.1.162" N="162" TEIFORM="pb"/>
Stralen am Rande des Monds la&longs;&longs;e &longs;ich ohne Atmo&longs;ph&auml;re
um ihn nicht denken.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Huygens</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Co&longs;motheorus, Hagae Com. 1698. 4.
p. 115.)</HI> wendet gegen das Da&longs;eyn der Mondatmo&longs;ph&auml;re
ein, man w&uuml;rde den Mondrand bey Bedeckungen der
Sterne nicht &longs;o &longs;charf und glatt abge&longs;chnitten, &longs;ondern mit
einem Schimmer umgeben <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(evanida quadam luce, ac
velut lanugine finitam)</HI> finden; auch &longs;ey im Monde kein
Wa&longs;&longs;er, aus dem D&uuml;n&longs;te auf&longs;teigen k&ouml;nnten, wie man denn
auch keine Wolken darinn &longs;ehe. Dagegen erinnert <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mairan</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Tr. de l' aurore boreale, &longs;ec. edit. 1754. p. 276.),</HI>
wenn man die Mondatmo&longs;ph&auml;re in Vergleichung mit dem
Monde &longs;o gro&szlig; &longs;etze, als der Luftkreis in Vergleichung mit
der Erde i&longs;t, &longs;o gehe ein Stern durch den &longs;tralenbrechenden
Theil der&longs;elben in einer Secunde hindurch, welche
Zeit zu kurz &longs;ey, um die Wirkungen der Refraction zu
bemerken; man habe auch manchmal Sterne noch vor
dem Augenblicke ihrer Ver&longs;chwindung an den Mondrand
treten ge&longs;ehen; auf der Erde gebe es auch L&auml;nder, wo der
Himmel &longs;tets heiter &longs;ey; wenn kein Wa&longs;&longs;er im Monde
&longs;ey, &longs;o &longs;ey es leicht begreiflich, da&szlig; auch keine Wolken
da &longs;eyen, zumahl da der vierzehnt&auml;gige Sonnen&longs;chein
die D&uuml;n&longs;te &longs;ehr verd&uuml;nnen m&uuml;&longs;&longs;e; der im Plato ge&longs;ehene
Licht&longs;treif &longs;ey vielleicht ein &longs;olcher verd&uuml;nnter Dun&longs;t gewe&longs;en,
wenig&longs;tens &longs;etze auch einfallendes Sonnenlicht in
dunklen Orten D&uuml;n&longs;te voraus, die es zur&uuml;ckwerfen und f&uuml;r
uns &longs;ichtbar machen k&ouml;nnten u. &longs;. w.</P><P TEIFORM="p">Man &longs;ieht hieraus, da&szlig; der Streit &uuml;ber das Da&longs;eyn
einer Mondatmo&longs;ph&auml;re noch immer unent&longs;chieden, und nur
&longs;o viel gewi&szlig; &longs;ey, da&szlig; der Mond in Ab&longs;icht auf Luft und
Luftbegebenheiten un&longs;erer Erde &longs;o &auml;hnlich nicht i&longs;t, als einige
haben vorgeben wollen. Oft hat &longs;ich auch Vorliebe
zu gewi&longs;&longs;en Hypothe&longs;en mit eingemi&longs;cht, wie denn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hevel,</HI>
der in &longs;einer dem Monde be&longs;onders gewidmeten Selenographie
der Mondatmo&longs;ph&auml;re mit keinem Worte gedacht
hatte, er&longs;t zwanzig Jahre darnach ein Vertheidiger der&longs;elben
ward, als er &longs;ie zu &longs;einer Hypothe&longs;e &uuml;ber die Cometen
n&ouml;thig hatte, wobey er doch &longs;elb&longs;t ge&longs;teht <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Cometograph.<PB ID="P.1.163" N="163" TEIFORM="pb"/>
L. VII. p. 362.), in luna manife&longs;tas atmo&longs;phaerae
ob&longs;ervationes plane deficere.</HI></P><P TEIFORM="p">Chri&longs;tlob <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mylius</HI> Gedanken &uuml;ber die Atmo&longs;ph&auml;re des
Monds, Hamburg 1746. 4. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tner</HI> Anfangsgr. der ang.
Math. 2 Abth. &sect;. 191.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&auml;ren, elektri&longs;che, &longs;. Wirkungskrei&longs;e,
elektri&longs;che.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Elektricit&auml;t, &longs;. Luftelektricit&auml;t.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmo&longs;ph&auml;ri&longs;che Luft, &longs;. Gas, atmo&longs;ph&auml;ri&longs;ches.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Atomen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Atomen</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Atomi, Elementa corporum individua,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Atomes.</HI></HI> So werden von einigen Naturfor&longs;chern
die er&longs;ten nicht weiter theilbaren aber immer noch k&ouml;rperlichen
Be&longs;tandtheilchen der Materie genannt. Da&szlig; wir
die Theilung der K&ouml;rper durch allerley Mittel &longs;ehr weit
treiben k&ouml;nnen, i&longs;t bekannt, und wird bey dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Theilbarkeit</HI>
durch Bey&longs;piele be&longs;t&auml;tiget werden. Aber ob die&longs;e
Theilung ohne Ende fort m&ouml;glich &longs;ey, dar&uuml;ber kan uns die
Erfahrung nicht belehren, weil &longs;ich bey fortge&longs;etzter Theilung
die Theilchen bald un&longs;ern Sinnen entziehen. Ob
man al&longs;o endlich auf gewi&longs;&longs;e letzte k&ouml;rperliche Theile, die
an &longs;ich &longs;elb&longs;t und ihrer Natur nach nicht weiter theilbar
&longs;ind, auf <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atomen,</HI> kommen m&uuml;&longs;&longs;e, oder ob die Materie
ohne Ende theilbar &longs;ey, i&longs;t eine blos &longs;peculative Frage;
die Erfahrung lehrt nur, da&szlig; es Grenzen gebe, bey denen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">wir</HI> zu theilen aufh&ouml;ren m&uuml;&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r die Meinung, da&szlig; alle Materie aus untheilbaren
K&ouml;rperchen zu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, haben &longs;ich &longs;chon im
Alterthum <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mo&longs;chus, Leucippus, Democrit</HI> und
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Epikur</HI> erkl&auml;rt. Des letztern, noch mit vielen Zu&longs;&auml;tzen
vermi&longs;chtes, Sy&longs;tem <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;. Cic. de fin. I. 6.)</HI> wird von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lucretius</HI>
(<HI REND="roman" TEIFORM="hi">De rerum natural, Lib. VI. c. interpr. etnotis
Thom. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Creech.</HI> Oxon. 1695. 8. Ba&longs;il. 1770.</HI> gr. 8.),
und unter den Neuern von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ga&longs;&longs;endi</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ga&longs;&longs;endi Opp.
Lugd. 1685. VI. To. fol.)</HI> vorgetragen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI> haben gelehrt, die Materie be&longs;tehe aus
einer Menge oder Anh&auml;ufung fe&longs;ter, harter, &longs;chwerer, undurchdringlicher,
tr&auml;ger und beweglicher Theilchen, von<PB ID="P.1.164" N="164" TEIFORM="pb"/>
deren ver&longs;chiedner Zu&longs;ammenordnung die Ver&longs;chiedenheit
der K&ouml;rper herr&uuml;hre. Die&longs;e klein&longs;ten Theilchen k&ouml;nnen
&longs;ich durch eine &longs;ehr &longs;tarke Anziehung mit einander verbinden,
und gr&ouml;&szlig;ere Theile ausmachen, welche einander weniger
anziehen; die&longs;e k&ouml;nnen wiederum durch ihren Zu&longs;ammenhang
noch gr&ouml;&szlig;ere Theile bilden, deren Anziehung
gegen einander noch &longs;chw&auml;cher i&longs;t, bis endlich die gr&ouml;bern
in un&longs;ere Sinne fallenden Theile ent&longs;tehen, von welchen
die Farben der K&ouml;rper und die chymi&longs;chen Operationen
ab&auml;ngen, und welche durch ihren Zu&longs;ammenhang die
K&ouml;rper von merklicher Gr&ouml;&szlig;e ausmachen. Die&longs;es Sy&longs;tem,
welches die Eigen&longs;chaften der K&ouml;rper aus der Zu&longs;ammenordnung
der er&longs;ten Theilchen zu erkl&auml;ren &longs;ucht,
wird mit dem Namen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;ophia &longs;. Phy&longs;ica corpu&longs;cularis</HI>
bezeichnet.</P><P TEIFORM="p">Wer die Exi&longs;tenz der Materie einr&auml;umt, kan ihr
auch er&longs;te <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ungetheilte</HI> Elemente nicht f&uuml;glich ab&longs;prechen.
Ob die&longs;e ungetheilten K&ouml;rperchen zugleich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">untheilbar</HI>
&longs;ind, das k&ouml;mmt auf den Begrif an, den man mit den
Worten untheilbar und Materie verbindet. Ver&longs;teht
man unter Theilbarkeit die M&ouml;glichkeit, &longs;ich in jedem
Theile der Materie, den man als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ausgedehnt</HI> betrachtet,
eine rechte und linke, eine obere und untere Seite
zu gedenken, welche der Ver&longs;tand als abge&longs;ondert betrachten
kan, &longs;o i&longs;t jedes Theilchen, &longs;o klein es auch &longs;ey,
noch theilbar. Ver&longs;teht man aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">wirkliche</HI> Theilung,
&longs;o i&longs;t Theilbarkeit ins unendliche ein Ausdruck ohne Bedeutung,
und es giebt eine letzte Grenze, auf welcher
alle men&longs;chliche M&ouml;glichkeit der Theilung aufh&ouml;rt, und
bey aller etwa k&uuml;nftig noch zu hoffender Vervollkommnung
der mechani&longs;chen und chymi&longs;chen Theilungs- und Zer&longs;etzungsmittel
&longs;tets aufh&ouml;ren wird. Will man nun das,
was an die&longs;er letzten m&ouml;glichen Grenze der Theilug &uuml;brig
bleibt, untheilbar nennen, &longs;o mu&szlig; man in die&longs;em Sinne <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atomen</HI>
einr&auml;umen, das i&longs;t, er&longs;te untheilbare K&ouml;rperchen,
welche immer noch ausgedehnt &longs;ind, und, da &longs;ie &longs;ich durch
phy&longs;i&longs;che Kr&auml;fte nicht weiter trennen la&longs;&longs;en, H&auml;rte, folglich
auch alle &uuml;brige Eigen&longs;chaften der Materie be&longs;itzen.<PB ID="P.1.165" N="165" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Diejenigen, welche den er&longs;ten Theilen der Materie
die Ausdehnung ab&longs;prechen, machen &longs;ich freylich hievon,
&longs;o wie von der Materie &uuml;berhaupt, andere Begriffe, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Materie.</HI> Unter&longs;uchungen hier&uuml;ber geh&ouml;ren mehr f&uuml;r
den Metaphy&longs;iker, als f&uuml;r den Naturfor&longs;cher, und gehen
allem Vermuthen nach weiter, als der Sch&ouml;pfer dem Men&longs;chen
hier zu &longs;ehen verg&ouml;nnt hat; man t&auml;u&longs;cht &longs;ich dabey
mit dem Wahn, etwas zu wi&longs;&longs;en, welchem der wei&longs;ere
und be&longs;cheidnere Naturfor&longs;cher ein offenherziges Ge&longs;t&auml;ndni&szlig;
der Unwi&longs;&longs;enheit weit vorziehet.</P></DIV2><DIV2 N="Attraction, Anziehung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Attraction, Anziehung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Attractio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Attraction</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Ph&auml;nomen der K&ouml;rperwelt, da K&ouml;rper &longs;ich einander
n&auml;hern, oder, wenn &longs;ie aufgehalten werden, &longs;ich zu n&auml;hern
&longs;treben, da &longs;ie nach der Ber&uuml;hrung an einander bleiben,
oder doch der Trennung wider&longs;tehen, ohne da&szlig; man eine
&auml;u&szlig;ere in die Sinne fallende Ur&longs;ache davon, einen Druck,
Sto&szlig; u. dergl. gewahr wird. So f&auml;llt ein freygela&longs;&longs;ener
K&ouml;rper &longs;enkrecht auf die Erdfl&auml;che nieder, n&auml;hert &longs;ich der
Ma&longs;&longs;e der Erde, oder &auml;u&szlig;ert doch, wenn man ihn daran
hindert, &longs;ein Be&longs;treben zu fallen, durch &longs;ein Gewicht,
durch Druck auf das, was ihn tr&auml;gt; &longs;o flie&szlig;en zween einander
ber&uuml;hrende Wa&longs;&longs;ertropfen in Einen zu&longs;ammen u. &longs;. w.
ohne da&szlig; man eine &auml;u&szlig;ere Ur&longs;ache davon bemerkte; die
Erfahrung zeigt uns, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">da&szlig;</HI> es ge&longs;chehe, belehrt uns aber
gar nicht dar&uuml;ber, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">warum</HI> es ge&longs;chehe.</P><P TEIFORM="p">Wie weit &longs;ich die&longs;es Ph&auml;nomen er&longs;trecke, l&auml;&longs;t &longs;ich
aus folgenden Bey&longs;pielen &uuml;ber&longs;ehen. Die Theile aller fe&longs;ten
K&ouml;rper h&auml;ngen zu&longs;ammen, und wider&longs;tehen der Trennung;
auch die Theile der fl&uuml;&szlig;igen la&longs;&longs;en &longs;ich nicht ohne
Wider&longs;tand trennen, und vereinigen &longs;ich in Tropfen; fl&uuml;&longs;&longs;ige
K&ouml;rper h&auml;ngen &longs;ich an fe&longs;te, die &longs;ie benetzen; polirte
Marmorfl&auml;chen oder Spiegeltafeln h&auml;ngen bey der Ber&uuml;hrung,
auch bey dazwi&longs;chen liegenden feinen Haaren oder
Seidenf&auml;den, zu&longs;ammen; das Licht beugt &longs;ich beym Vor&uuml;bergange
beym Rande der K&ouml;rper vom geraden Wege
ab; jeder K&ouml;rper n&auml;hert &longs;ich freygela&longs;&longs;en der Erde, oder
f&auml;llt gegen die&longs;elbe; der &longs;on&longs;t &longs;enkrecht gedehnte Bleywurf<PB ID="P.1.166" N="166" TEIFORM="pb"/>
richtet &longs;ich &longs;chief in der N&auml;he gro&szlig;er Berge; das Meer
hebt &longs;ich gegen den Mond, der Mond &longs;elb&longs;t wird durch
eine unbekannte Ur&longs;ache &longs;tets an die Erde, die Erde neb&longs;t
den &uuml;brigen Planeten an die Sonne gefe&longs;&longs;elt; in dem ganzen
Laufe der himmli&longs;chen K&ouml;rper herr&longs;cht das unverkennbare
Ge&longs;etz eines be&longs;t&auml;ndigen Be&longs;trebens die&longs;er gro&szlig;en
Ma&longs;&longs;en nach wech&longs;el&longs;eitiger Ann&auml;herung. Sollte man nicht
ein Recht haben, die&longs;es Ph&auml;nomen, das &longs;ich bey fe&longs;ten und
fl&uuml;&szlig;igen, kleinen und gro&szlig;en, &longs;ich ber&uuml;hrenden und von
einander entfernten K&ouml;rpern, auf der Erde, wie im Himmel,
zeigt, f&uuml;r ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">allgemeines Ph&auml;nomen</HI> der K&ouml;rperwelt,
f&uuml;r die Regel anzunehmen, und die F&auml;lle, in denen
es &longs;ich nicht zu zeigen &longs;cheint, nur f&uuml;r Ausnahmen zu
erkl&auml;ren, bey welchen es durch irgend eine Ur&longs;ache aufgehoben,
oder nur f&uuml;r uns unbemerkbar gemacht wird?</P><P TEIFORM="p">In die&longs;em Sinne hat der gro&szlig;e <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> das Wort
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI> gebraucht, um das allgemeine Ph&auml;nomen des
Be&longs;trebens der K&ouml;rper nach wech&longs;el&longs;eitiger Ann&auml;herung
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(conatus accedendi)</HI> damit zu bezeichnen, nicht um eine
Ur&longs;ache die&longs;es Ph&auml;nomens dadurch anzugeben. Die&longs;er
bey der Gr&ouml;&szlig;e &longs;eines Genies dennoch &longs;o be&longs;cheidne Naturfor&longs;cher
gieng &longs;tets den &longs;ichern Weg der Experimentalunter&longs;uchung,
zog aus vielen &auml;hnlichen Erfahrungen allgemeine
Ge&longs;etze, und be&longs;timmte, unbek&uuml;mmert um die verborgenen
Ur&longs;achen der&longs;elben, durch die erhaben&longs;ten Kun&longs;tgriffe
der Geometrie, die Folgen die&longs;er Ge&longs;etze f&uuml;r F&auml;lle,
&uuml;ber welche unmittelbare Erfahrungen fehlten. Die&longs;e
nachahmungsw&uuml;rdige Methode gr&uuml;ndet &longs;ich einzig auf Induction,
oder auf den der ge&longs;unden Vernun&longs;t einleuchtenden
Schlu&szlig;, da&szlig; das, was in allen beobachteten F&auml;llen
wahr gefunden ward, auch in &auml;hnlichen unbeobachteten
&longs;tatt finden, und all&longs;o allgemein wahr &longs;eyn werde. Die
h&auml;ufigen Bey&longs;piele von Fallen, N&auml;hern, Anh&auml;ngen der
K&ouml;rper gegen und an einander veranla&szlig;ten ihn, die&longs;es
N&auml;hern als ein allgemeines Ph&auml;nomen anzu&longs;ehen, er entdeckte
das Ge&longs;etz de&longs;&longs;elben f&uuml;r Erde und Mond, &longs;chlo&szlig;,
da&szlig; eben die&longs;es Ge&longs;etz f&uuml;r Sonne und Planeten, und f&uuml;r
die Planeten unter einander &longs;elb&longs;t gelten werde, und mit<PB ID="P.1.167" N="167" TEIFORM="pb"/>
welcher bewundernsw&uuml;rdigen Richtigkeit &longs;timmen nicht
&longs;eine hieraus berechneten Folgen mit dem wirklichen
Laufe des Himmels &uuml;berein! Die&longs;e Methode i&longs;t &longs;o untadelhaft,
und die dadurch gemachte Entdeckung der
Mechanik des Himmels &longs;o be&longs;t&auml;tiget, da&szlig; nur Unwi&longs;&longs;ende
jene &longs;chm&auml;hen und die&longs;e verwerfen k&ouml;nnen.</P><P TEIFORM="p">Ur&longs;achen die&longs;es Ph&auml;nomens angeben zu k&ouml;nnen, hat
&longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> nie ger&uuml;hmt. Er erkl&auml;rt an einigen Stellen
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Princip. L. I. Def. 8. et Sect. 11. Optice. Qu. 23.),</HI> er gebrauche
die Worte: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Attractio, Impul&longs;io, Propen&longs;io,</HI> ohne
Unter&longs;chied, u. wolle durch Attraction nicht die Wirkungsart
oder die wirkende Ur&longs;ache anzeigen, u. etwa behaupten,
da&szlig; in den Mittelpunkten der K&ouml;rper eine anziehende Kraft
vorhanden &longs;ey; vielleicht &longs;ey die&longs;e Attraction, phy&longs;ikali&longs;ch
zu reden, ein Sto&szlig;, oder die Wirkung einer andern uns
ganz unbekannten Ur&longs;ache. So &longs;agt auch 's <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Grave&longs;ande</HI>
(<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Phy&longs;. elem. mathem. Leid. 1742.</HI> gr. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. L. I. c. 5.)
Attractionem vocamus vim quamcunque, quo duo
corpora ad &longs;e invicem tendunt; et&longs;i forte hoc per impul&longs;um
fiat. Hoc nomine phaenomenon, non cau&longs;am
defignamus.</HI> Man thut daher <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton Unrecht,</HI> wenn
man glaubt, er habe durch die Attraction das Ph&auml;nomen
erkl&auml;ren wollen, da er es dadurch blos <HI REND="bold" TEIFORM="hi">benennen</HI> will.</P><P TEIFORM="p">Aber auch als Benennung hat mir das Wort <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Attraction</HI>
nie wohl gew&auml;hlt ge&longs;chienen. Unerfahrne &longs;tellen
&longs;ich dabey nat&uuml;rlich ein Ziehen, eine Kraft vor, welche in
dem einen K&ouml;rper ihren Sitz hat, und den andern, wie an
einem Bande, gegen &longs;ich f&uuml;hrt. Dergleichen verkehrte Begriffe,
die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> wahrer Meinung ganz zuwiderlaufen,
haben manche Philo&longs;ophen be&longs;tritten, und dabey gegen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> zu &longs;treiten geglaubt. Inzwi&longs;chen i&longs;t die&longs;es
Wort &longs;o allgemein angenommen, da&szlig; man &longs;chwerlich wagen
d&uuml;rfte, ein anderes einzuf&uuml;hren; man mu&szlig; am Ende
zufrieden &longs;eyn, da&szlig; die Wahl nicht noch &longs;chlimmer ausgefallen
i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> z. B. &longs;chl&auml;gt unter andern
das noch un&longs;chicklichere Wort <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Amicitia</HI> vor. &rdquo;Was
&rdquo;w&uuml;rde nicht er&longs;t,&ldquo; &longs;agt Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (Erxlebens
Naturl. neu&longs;te Ausg. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&sect;. 113. b.),</HI> &rdquo;mancher gefolgert<PB ID="P.1.168" N="168" TEIFORM="pb"/>
&rdquo;haben, wenn Newton die&longs;e Er&longs;cheinung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehn&longs;ucht</HI> ge&rdquo;nannt
h&auml;tte? Man &longs;ollte &longs;ich freylich h&uuml;ten, da &longs;ich, wie
&rdquo;Haller &longs;agt, un&longs;er Aug' am Kleid der Dinge &longs;t&ouml;&szlig;t, &uuml;ber
&rdquo;die&longs;es Kleid noch andere zu ziehen, an denen &longs;ich die Ein&rdquo;bildungskraft
&longs;t&ouml;&szlig;t, noch ehe das Auge bis zu jenem un&rdquo;durch&longs;chaubaren
eindringt.&ldquo;</P><P TEIFORM="p">Solche Kleider hatte Newtons &longs;on&longs;t vortreflicher Vorg&auml;nger,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> de&longs;&longs;en Einbildungskraft &longs;ehr oft einen
dichteri&longs;chen Schwung nahm, &uuml;ber den Begrif der Attraction
gezogen, von welchem in &longs;einen Schriften h&auml;ufige
Spuren vorkommen, &longs;. den Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation.</HI> Er
nahm nicht nur in den K&ouml;rpern eine innere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">anziehende
Kraft</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">vim attractivam</HI>)</HI> an; er redete auch von
Freund&longs;cha&longs;t, Gef&uuml;hl, Abneigung, Er&longs;chrecken der K&ouml;rper
vor einander, von Sympathie, Stralen, mit welchen
einer den andern um&longs;chlinge u. &longs;. f. Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roberval</HI>
nahm die Attraction als eine in den K&ouml;rpern befindliche
Kraft <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">vim corporibus in&longs;itam</HI>)</HI> an. Wenn man dies behauptet,
und das Ph&auml;nomen dadurch zu <HI REND="bold" TEIFORM="hi">erkl&auml;ren</HI> glaubt,
&longs;o &longs;agt man nichts mehr, als was die Schola&longs;tiker &longs;agten,
wenn &longs;ie das Auf&longs;teigen des Wa&longs;&longs;ers in Saugpumpen
durch den Ab&longs;cheu der Natur vor der Leere, oder das Ein&longs;chl&auml;fern
des Opium durch eine darinn befindliche &longs;chlafbringende
Qualit&auml;t erkl&auml;rten. Dadurch ward <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI>
bewogen, &longs;ich der Attraction, als einer von den verborgenen
Qualit&auml;ten der &longs;chola&longs;ti&longs;chen Weltweisheit entgegenzu&longs;etzen,
und &longs;ie &longs;chien durch ihn g&auml;nzlich aus der Naturlehre
verbannt, als &longs;ie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> nicht in Ge&longs;talt einer zur
Erkl&auml;rung dienenden phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache, &longs;ondern als Benennung
eines allgemeinen, durch unz&auml;hlbare Erfahrungen
be&longs;t&auml;tigten Ph&auml;nomens, wieder einf&uuml;hrte, u. mit einer
St&auml;rke bewafnete, deren man &longs;ie nie f&auml;hig geglaubt h&auml;tte.
In die&longs;er nat&uuml;rlichen und von fal&longs;chem Schmucke entbl&ouml;&szlig;ten
Ge&longs;talt hat &longs;ie ihre nun allgemein anerkannten Rechte
gegen allen Wider&longs;tand behauptet.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newtons</HI> Sch&uuml;ler &longs;ind inzwi&longs;chen viel weiter gegangen,
haben dadurch aufs neue manches Mi&szlig;ver&longs;t&auml;ndni&szlig;
und viele unn&ouml;thige Einwendungen veranla&longs;&longs;et, und<PB ID="P.1.169" N="169" TEIFORM="pb"/>
die Ausbreitung der newtoni&longs;chen Entdeckungen auf dem
fe&longs;ten Lande fa&longs;t um ein halbes Jahrhundert zur&uuml;ckgehalten.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roger Cotes</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Praefatio ad Newtoni Princ. ed.
Cantabr. 1713. 4.)</HI> z&auml;hlet die Gravitation unter die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;entlichen</HI>
Eigen&longs;chaften der Materie, ohne welche Materie
gar nicht gedacht werden k&ouml;nne oder &longs;olle, dergleichen
Ausdehnung, Beweglichkeit, Undurchdringlichkeit rc. &longs;ind.
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Quemadmodum,</HI> &longs;agt er, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">nulla concipi debent corpora,
quae non &longs;int exten&longs;a, mobilia et impenetrabilia;
ita dicendum e&longs;t, nulla concipi debere, quae non &longs;int
gravia.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> hingegen verwahrt &longs;ich ausdr&uuml;cklich, er
behaupte keinesweges, da&szlig; die Schwere den K&ouml;rpern we&longs;entlich
&longs;ey. Man &longs;ieht hieraus, wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Joh. Bernoulli</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nouvelles
pen&longs;&eacute;es &longs;ur le &longs;y&longs;teme de Descartes. Op. To. lll.
p. 138.)</HI> &longs;agt, da&szlig; der Sch&uuml;ler weit k&uuml;hner, als &longs;ein Lehrer,
gewe&longs;en &longs;ey. Die&longs;e der Materie we&longs;entliche und von ihr untrennbare
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">innere Kraft</HI> &longs;ollte nun die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ur&longs;ache</HI> der Schwere,
des Zu&longs;ammenhangs, der Anh&auml;ngung, der chemi&longs;chen
Verwandt&longs;chaften, Aufl&ouml;&longs;ungen und Nieder&longs;chl&auml;ge, der
Beugung, Brechung und Zur&uuml;ckwerfung des Lichts, der im
Laufe der Himmelsk&ouml;rper &longs;ichtbaren Centripetalkr&auml;fte und
&uuml;berhaupt fa&longs;t aller Er&longs;cheinungen der K&ouml;rperwelt &longs;eyn.
Welchen &longs;tarken Einw&uuml;rfen man &longs;ich durch die&longs;e Behauptung
einer vermeinten phy&longs;i&longs;chen Ur&longs;ache aus&longs;etzt, will ich
bey dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation,</HI> um&longs;t&auml;ndlicher zeigen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;er Begrif der Attraction, als einer we&longs;entlichen
Eigen&longs;chaft oder eines innern Verm&ouml;gens der Materie,
&longs;cheint mir nicht viel be&longs;&longs;er, als die Sympathien, Antipathien
und verborgnen Qualit&auml;ten der Peripatetiker, und
&longs;ollte aus einer ge&longs;unden Phy&longs;ik g&auml;nzlich entfernt bleiben;
da hingegen die Attraction als Ph&auml;nomen betrachtet, wenn
man &longs;ich nicht anmaa&szlig;et, die Ur&longs;ache davon anzugeben,
durch klare und unl&auml;ugbare Erfahrungen be&longs;t&auml;tiget i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Erfahrungen durch den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sto&szlig;</HI> einer Materie
zu erkl&auml;ren, hat &longs;ehr gro&szlig;e Schwierigkeiten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Carte&longs;ens,
Huygens, Joh. Bernoullis, Bil&longs;ingers</HI> u. a. Erkl&auml;rungen
haben im Allgemeinen das wider &longs;ich, &verbar;da&szlig; die<PB ID="P.1.170" N="170" TEIFORM="pb"/>
Erfahrungen bey bewegten K&ouml;rpern eben &longs;o, wie bey ruhenden,
erfolgen, und da&szlig; bey der Schwere insbe&longs;ondere
die Gr&ouml;&szlig;e der Wirkung &longs;ich wie die Ma&longs;&longs;e, und nicht,
wie die Oberfl&auml;che verh&auml;lt. Und &uuml;berhaupt wird ein &longs;olcher
Sto&szlig; auch nur auf Gerathewohl angenommen, ohne
einige Erfahrung, die uns von &longs;einer Wirklichkeit belehrte.
Da wir nun in der Phy&longs;ik, &longs;obald uns Erfahrung und
Induction verla&longs;&longs;en, nichts mehr wi&longs;&longs;en, warum wollen
wir uns &longs;ch&auml;men, die&longs;e Unwi&longs;&longs;enheit zu ge&longs;tehen? warum
wollen wir uns entweder mit leeren Worten t&auml;u&longs;chen, die
nichts erkl&auml;ren, oder mit Erkl&auml;rungen behelfen, die aus
der Luft gegriffen, und durch keine Erfahrung unter&longs;t&uuml;tzt
&longs;ind? Solchen chim&auml;ri&longs;chen Theorien hat die Welt noch
bis heut nicht eine einzige n&uuml;tzliche Wahrheit zu verdanken.
Ich bin nicht abgeneigt, mit Hrn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (a. a.
O.) zu glauben, da&szlig; das Ph&auml;nomen der Attraction noch
allzuzu&longs;ammenge&longs;etzt &longs;ey, als da&szlig; man es in die Cla&longs;&longs;e
der ganz einfachen Ph&auml;nomene, der Ausdehnung, Undurchdringlichkeit
u. &longs;. w. &longs;etzen, und alle Bem&uuml;hungen,
es zu erkl&auml;ren, aufgeben &longs;ollte. Allein Bem&uuml;hungen, es
zu erkl&auml;ren, &longs;ind wohl etwas anders, als der eitle Wahn,
es ohne Beyh&uuml;lfe der Erfahrung erkl&auml;rt zu haben. Auch
werden &longs;olche Bem&uuml;hungen allem Vermuthen nach nie
anders, als auf dem Wege der Experimentalunter&longs;uchung
gelingen. Aber von Kr&auml;ften oder Mechanismen reden,
die &longs;ich durch nichts un&longs;ern Sinnen dar&longs;tellen, die&longs;e nach
Ge&longs;etzen wirken la&longs;&longs;en, von denen man auch keine Erfahrung
hat, &longs;ondern die man nur &longs;o annimmt, wie man &longs;ie
n&ouml;thig hat, das hei&szlig;t, nach Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI> Ausdruck
(Pr&uuml;fung eines von Hrn. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">le Sage</HI> angegebnen Ge&longs;etzes
fallender K&ouml;rper, im deut&longs;chen Mu&longs;eum, Jun. 1776. und
in der deut&longs;chen Ueber&longs;. des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de L&uuml;c</HI> &uuml;ber die Atmo&longs;ph&auml;re,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. S. 660.), nicht erkl&auml;ren, &longs;ondern erdichten. Da
die Ur&longs;ache der Attraction kein Gegen&longs;tand un&longs;erer Sinne
mehr zu &longs;eyn &longs;cheint, &longs;o &longs;teht es dahin, ob wir je in der
gegenw&auml;rtigen Welt zu einer zuverl&auml;&szlig;igen Kenntni&szlig; der&longs;elben
gelangen werden; wenig&longs;tens m&uuml;&longs;&longs;en wir vorjetzt
un&longs;ere g&auml;nzliche Unwi&longs;&longs;enheit hier&uuml;ber aufrichtig ge&longs;tehen.<PB ID="P.1.171" N="171" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton,</HI> ohne &longs;ich bey den Ur&longs;achen des Ph&auml;nomens
aufzuhalten, bem&uuml;hte &longs;ich vielmehr, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;etze</HI>
de&longs;&longs;elben zu be&longs;timmen. Dies gelang ihm zwar nur f&uuml;r
diejenigen F&auml;lle, in welchen die Attraction in betr&auml;chtlichen
Entfernungen wirkt; aber es i&longs;t unbe&longs;chreiblich, welch eine
reichhaltige Quelle von den wichtig&longs;ten Folgen die&longs;e Entdeckung
unter &longs;einen und &longs;einer Nachfolger H&auml;nden geworden
i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Das Ph&auml;nomen der Attraction zeigt &longs;ich entweder
an K&ouml;rpern, welche in betr&auml;chtlichen oder merklichen Entfernungen
von einander ab&longs;tehen, und hei&szlig;t dann <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gravitation,
allgemeine Schwere</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Gravitation</HI>); oder
an K&ouml;rpern, welche &longs;ich ber&uuml;hren, deren Entfernungen unmerklich
&longs;ind, und f&uuml;hrt dann bey Theilen eines und ebende&longs;&longs;elben
K&ouml;rpers den Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Coh&auml;&longs;ion,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammenhangs</HI>
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Coh&auml;&longs;ion</HI>), und wenn es zwi&longs;chen Theilen
eines fl&uuml;&szlig;igen und einem fe&longs;ten K&ouml;rper &longs;tatt findet, den
Namen der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adh&auml;&longs;ion,</HI> des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anh&auml;ngens</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Adh&auml;&longs;ion</HI>).
Wenn man auch &longs;chon nicht alle einzelne Unterabtheilungen
die&longs;es Falles aufz&auml;hlen und mit be&longs;ondern Namen belegen
kan, &longs;o geh&ouml;ren doch dahin auch die chemi&longs;chen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verwandt&longs;chaften,</HI>
auf welche &longs;ich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ungen Nieder&longs;chl&auml;ge,
Kry&longs;talli&longs;ationen, G&auml;hrungen, Gerinnungen,</HI>
und andere chemi&longs;che Proce&longs;&longs;e gr&uuml;nden. Sie &longs;ind
be&longs;ondere Attractionen gewi&longs;&longs;er Stoffe, werden auch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wahlanziehungen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">attractiones electivae</HI>)</HI> genannt.
Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">magneti&longs;che</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">elektri&longs;che Anziehung,</HI> welche
&longs;chon in merklichen Entfernungen wirken, aber doch
von der Gravitation &longs;ehr ver&longs;chieden &longs;ind, erkl&auml;rt
man gemeiniglich durch den Sto&szlig; be&longs;onderer fl&uuml;&szlig;iger Materien,
&uuml;ber deren Da&longs;eyn man Erfahrungen zu haben
glaubt.</P><P TEIFORM="p">Unter allen die&longs;en be&longs;ondern Arten der Attraction i&longs;t
die Gravitation die einzige, deren <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ge&longs;etze</HI> genau entdeckt
und bewie&longs;en &longs;ind. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> hat die&longs;elben aus den auf
Erfahrung und Beobachtung gegr&uuml;ndeten Entdeckungen
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galilei</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplers</HI> entwickelt. Die St&auml;rke der
Gravitation verh&auml;lt &longs;ich direkt, wie die Ma&longs;&longs;e des anziehenden<PB ID="P.1.172" N="172" TEIFORM="pb"/>
K&ouml;rpers, und umgekehrt, wie die Quadratzahl
&longs;einer Entfernung von dem angezognen. Dies i&longs;t das Ge&longs;etz,
nach welchem die K&ouml;rper gegen die Erde, die Erde
&longs;elb&longs;t und alle Planeten in ihren Bahnen um die Sonne,
und die Monden um ihre Hauptk&ouml;rper getrieben werden,
nach welchem die Himmelsk&ouml;rper &longs;&auml;mtlich in einander wirken,
und aus welchem die Kepleri&longs;chen, blos aus Tychons
Beobachtungen gezognen, Regeln, nothwendige Folgen
&longs;ind. So wenig die Wahrheit die&longs;es Ge&longs;etzes f&uuml;r die Gravitation
in Zweifel gezogen werden kan, &longs;o i&longs;t man doch
keinesweges dadurch berechtiget, es f&uuml;r das allgemeine Ge&longs;etz
aller Attractionen anzunehmen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Princip.
L. I. Sect. 13. Prop. 85.)</HI> bewei&longs;et, da&szlig; die Anziehung,
wenn &longs;ie bey der Ber&uuml;hrung viel &longs;t&auml;rker, als in einer geringen
Entfernung i&longs;t, in umgekehrtem Verh&auml;ltni&szlig; einer
h&ouml;hern Potenz als des Quadrats der Entfernung abnehmen
m&uuml;&longs;&longs;e. Nun i&longs;t es aber allen Erfahrungen gem&auml;&szlig;,
da&szlig; eine im Ber&uuml;hrungspunkte &longs;ehr &longs;tarke Anziehung, in
einer &longs;ehr geringen Entfernung von die&longs;em Punkte fa&longs;t unmerklich
wird. Es i&longs;t al&longs;o ziemlich ent&longs;chieden, da&szlig; die
Anziehung bey der Ber&uuml;hrung im umgekehrten Verh&auml;ltni&longs;&longs;e
einer h&ouml;hern als der zweyten Potenz der Entfernung
abnehmen, und al&longs;o andern Ge&longs;etzen, als die Gravitation,
folgen m&uuml;&longs;&longs;e. Aber die&longs;e Ge&longs;etze &longs;ind noch unentdeckt, und
bey weitem nicht &longs;o leicht zu erfor&longs;chen, als es das Ge&longs;etz
der Schwere war. Die in der Ber&uuml;hruug auf einander
wirkenden Stoffe befinden &longs;ich in einem ganz andern und
weit verwickeltern Falle, als die &longs;o weit von einander entfernten
und &longs;o regelm&auml;&szlig;ig geformten Himmelsk&ouml;rper, deren
ganze Ma&longs;&longs;e man in einen Punkt ver&longs;ammlet annehmen
kan, und bey denen die Wirkung der Anziehung &longs;o
einfach und von andern Einwirkungen fa&longs;t g&auml;nzlich frey
bleibt. Bey den Ber&uuml;hrungen vervielf&auml;ltiget &longs;ich die
Menge der wirkenden Theilchen und der Ber&uuml;hrungspunkte,
in jedem Augenblicke ver&auml;ndert &longs;ich die Lage der
Theile gegen einander, und jeder der&longs;elben &longs;t&ouml;rt und ver&auml;ndert
die Wirkung der andern. Wer den Ausgang aus
die&longs;em Labyrinthe f&auml;nde, und die Ver&longs;uche und Beobachtungen<PB ID="P.1.173" N="173" TEIFORM="pb"/>
der Chymiker auf allgemeine Regeln und ein einfaches
Ge&longs;etz bringen k&ouml;nnte, der w&uuml;rde weit mehr, als
Kepler und Newton, gelei&longs;tet haben.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> &longs;elb&longs;t &longs;cheint geneigt, die Gravitation von der
Anziehung beym Ber&uuml;hren ganz zu unter&longs;cheiden. Nach
die&longs;en Grund&longs;&auml;tzen, &longs;agt er <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Trait&eacute; d' optique, Am&longs;terd.
1720. p. 373.),</HI> wird man die Natur durchg&auml;ngig mit
&longs;ich &uuml;berein&longs;timmend und &longs;ehr einfach in ihren Wirkungen
finden; &longs;ie bewirkt alle gro&szlig;e Bewegungen der Himmelsk&ouml;rper
durch die Attraction der Schwere, welche auf die
ganzen K&ouml;rper wirkt, und fa&longs;t alle kleine Bewegungen
ihrer Theile durch eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">andere</HI> anziehende Kraft, welche
durch die Theile verbreitet i&longs;t. In der That mu&szlig; &longs;chon
der Um&longs;tand, da&szlig; die Gravitation &longs;ich blos nach der
Quantit&auml;t der Ma&longs;&longs;e, die Verwandt&longs;chaft aber nach der
Qualit&auml;t ihrer Theile richtet, auf den Gedanken einer
Ver&longs;chiedenheit beyder Ph&auml;nomene leiten, die aber vielleicht
auch ihren Grund blos in der Form und Dichtigkeit
der klein&longs;ten Theile haben kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keill,</HI> ein Sch&uuml;ler Newtons <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Indroductio ad veram
phy&longs;icam, Oxon. 1700. 8.).</HI> hat f&uuml;r die Anziehung
beym Ber&uuml;hren und in geringen Entfernungen einige Regeln
anzugeben, und daraus Coh&auml;&longs;ion, Fl&uuml;&szlig;igkeit, Ela&longs;ticit&auml;t,
Aufbrau&longs;en, Nieder&longs;chlag u dgl. zu erkl&auml;ren ver&longs;ucht.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Freind</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Praelectiones chymicae, Oxon. 1704.
4.)</HI> hat eben die&longs;e Grund&longs;&auml;tze noch um&longs;t&auml;ndlicher auf die
chemi&longs;chen Er&longs;cheinungen und Operationen angewendet.
Den mei&longs;ten die&longs;er Erkl&auml;rungen aber fehlt allerdings die
Deutlichkeit und befriedigende Voll&longs;t&auml;ndigkeit, welche Kenner
der Chemie, zumal bey dem jetzigen &longs;ehr verbe&longs;&longs;erten
Zu&longs;tande die&longs;er Wi&longs;&longs;en&longs;chaft, fordern w&uuml;rden.</P><P TEIFORM="p">Geometri&longs;che Unter&longs;uchungen &uuml;ber das ur&longs;pr&uuml;ngliche
oder allgemeine Ge&longs;etz der Attraction hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Maupertuis</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sur l' attraction Neutonienne, M&eacute;m de l' ac. roy. des
Sc. de Paris 1732.)</HI> ange&longs;tellt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hollmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Succincta
attractionis hi&longs;toria, in Comm. &longs;oc. reg. Gotting. To.
IV.)</HI> erz&auml;hlt die Ge&longs;chichte der Anziehung. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad Philo&longs;. nat. Cap. 20. de corporum<PB ID="P.1.174" N="174" TEIFORM="pb"/>
attractionibus)</HI> hat die vornehm&longs;ten Ph&auml;nomene der Attraction
fe&longs;ter und fl&uuml;&szlig;iger K&ouml;rper ge&longs;ammlet, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Euler</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Lettre &agrave; une prince&longs;&longs;e d' Allemagne, lettr. 68. &longs;q.)</HI>
be&longs;treitet den Begrif, den &longs;ich einige von Attraction, als
von einer we&longs;entlichen Eigen&longs;chaft der Materie, gemacht
haben. Ich verwei&longs;e &uuml;brigens wegen ver&longs;chiedener hiemit
noch zu&longs;ammenh&auml;ngenden Bemerkungen auf die Artikel:
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Coh&auml;&longs;ion, Gravitation.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufbrau&longs;en" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufbrau&longs;en, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Efferve&longs;centia</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Efferve&longs;cence</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Eine im Augenblicke der Verbindung gewi&longs;&longs;er Sub&longs;tanzen
ent&longs;tehende heftige und mit Bla&longs;enwerfen verbundene
Bewegung.</P><P TEIFORM="p">Das Aufbrau&longs;en ent&longs;teht allezeit durch die Entbindung
leines Gas, welches mit dem neuent&longs;tandnen Gemi&longs;ch
nicht verbunden bleiben kan, und das &longs;ich durch
&longs;chickliche Vorrichtungen auf&longs;ammlen l&auml;&longs;t. S&auml;uren mit
Kalcherden oder laugenartigen Sub&longs;tanzen, denen man
ihr Gas noch nicht entzogen hat, vermi&longs;cht, brau&longs;en allezeit
auf; auch ent&longs;teht die&longs;e Wirkung bey Aufl&ouml;&longs;ungen
der Metalle durch S&auml;uren, und beym Schmelzen der
Alkalien mit Sand oder Erde.</P><P TEIFORM="p">Da bey der G&auml;hrung allezeit eine innerliche bla&longs;enwerfende
Bewegung vorgeht, &longs;o brauchte man &longs;on&longs;t die
Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">G&auml;hrung</HI> ohne Unter&longs;chied;
neuere Chymiker unter&longs;cheiden einfache Aufl&ouml;&longs;ungen &longs;owohl
als G&auml;hrung von dem Aufbrau&longs;en, und &longs;ehen das
letztere mit Recht als einen jene Verbindungsarten begleitenden
Um&longs;tand an.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufbrau&longs;en.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufgang der Ge&longs;tirne" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufgang der Ge&longs;tirne, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ortus &longs;iderum</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Lever
des A&longs;tres</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Hervorkommen der Ge&longs;tirne &uuml;ber den
Horizont des Beobachters. Man kan die Stunde des
Aufgangs eines jeden Ge&longs;tirns f&uuml;r jeden Beobachtungsort
auf eine mechani&longs;che Art durch die k&uuml;n&longs;tliche Himmelskugel
finden, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Himmelskugel, k&uuml;n&longs;tliche.</HI> Genauer wird
&longs;ie aus der halben Dauer der Sichtbarkeit (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;io-</HI><PB ID="P.1.175" N="175" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">naldifferenz, Tagbogen</HI>), und der Zeit der Culmination
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Culmination</HI>), berechnet. Es i&longs;t alsdann
<HI REND="math" TEIFORM="hi">Zeit der Culm.&mdash;1/2 Dauer der Sichtb.=Stunde
des Aufgangs.</HI>
So findet &longs;ich f&uuml;r die Fix&longs;terne die Stunde des Aufgangs
in Sternzeit, welche man nach den Anwei&longs;ungen in dem
Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonnenzeit,</HI> die Sonnenzeit verwandein kan.
F&uuml;r die Planeten i&longs;t noch eine Berichtigung, wegen ihrer
eignen Bewegung vom n&auml;ch&longs;tvorhergehenden Mittage an
bis zur Stunde des Aufgangs, n&ouml;thig; &longs;ie i&longs;t aber nicht
betr&auml;chtlich, au&szlig;er beym Monde, f&uuml;r welchen man die
ganze Rechnung noch einmal wiederholen, und dabey die
Data &longs;o annehmen mu&szlig;, wie &longs;ie f&uuml;r die durch die er&longs;te
Rechnung gefundene Stunde des Aufgangs gelten.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r die Sonne i&longs;t die Stunde des Aufgangs der
halben Nachtl&auml;nge gleich, auch die Verwandlung der
Zeit unn&ouml;thig, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. A&longs;cen&longs;ionaldifferenz.</HI></P><P TEIFORM="p">Da die Stralenbrechung im Horizonte alle Ge&longs;tirne
etwa um 32 1/2 Min. erhebt, &longs;o gehen &longs;ie alle etwas fr&uuml;her
auf, als die Rechnung angiebt: wie man bey der Rechnung
&longs;elb&longs;t hierauf R&uuml;ck&longs;icht zu nehmen habe, werde ich
bey dem Worte: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagbogen,</HI> angeben.</P><P TEIFORM="p">Unter dem Aequator der Erde gehen alle Ge&longs;tirne
und zwar &longs;enkrecht, unter den Polen der Erde gehen gar
keine, in den zwi&longs;chenliegenden Orten der Erde nur diejenigen
auf, deren n&ouml;rdliche oder &longs;&uuml;dliche Abweichung kleiner
als die Aequatorh&ouml;he des Orts i&longs;t. Daher geht uns die
Sonne t&auml;glich auf, weil ihre Abweichung nie &uuml;ber 23 1/2
Grad &longs;teigen kan, und al&longs;o jederzeit kleiner, als un&longs;ere
Aequatorh&ouml;he (38 2/3&deg;) bleiben mu&szlig;.</P></DIV2><DIV2 N="Aufgang der Ge&longs;tirne nach dem Sinne der alten Dichter" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufgang der Ge&longs;tirne nach dem Sinne der alten
Dichter, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Ortus &longs;iderum po&euml;ticus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Lever des a&longs;tres
&longs;elon les anciens</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Da der Horizont der merklich&longs;te Kreis
am Himmel i&longs;t, &longs;o fieng man &longs;chon im h&ouml;ch&longs;ten Alterthum
an, den Aufgang der Ge&longs;tirne mit dem Auf- oder Untergange
der Sonne zu vergleichen, und daraus Eintheilungen
und Kennzeichen der Zeit herzunehmen. Die&longs;e waren
&longs;icherer, als die Be&longs;timmungen nach den damaligen<PB ID="P.1.176" N="176" TEIFORM="pb"/>
h&ouml;ch&longs;t mangelhaften Kalendern. Die Vor&longs;chrift z. B.
eine Feldarbeit am er&longs;ten Tage des Jahres vorzunehmen,
war vergeblich; denn der Anfang des b&uuml;rgerlichen
Jahres r&uuml;ckte nach und nach durch alle Jahrszeiten durch:
hingegen die Regel, &longs;ie an dem Tage zu verrichten, an
welchem der Hunds&longs;tern mit Sonnenuntergang aufgeht,
war &longs;icher, weil &longs;ie auf eine be&longs;timmte Stellung der
Sonne, mithin immer auf eben die&longs;elbe Jahrszeit, hinwies.
Die&longs;e uralte Art, gewi&longs;&longs;e Tage zu bezeichnen,
k&ouml;mmt noch in einigen Schriften der Alten vor, be&longs;onders
bey den Schrift&longs;tellern &uuml;ber den Feldbau, und bey
den Dichtern, welche die dabey n&ouml;thigen Erw&auml;hnungen
der Sternbilder als Veranla&longs;&longs;ungen zu Digre&longs;&longs;ionen und
dichteri&longs;chen Aus&longs;chm&uuml;ckungen n&uuml;tzten. Sie nahmen die
Sachen &longs;elb&longs;t gro&szlig;entheils aus &auml;ltern Schrift&longs;tellern anderer
L&auml;nder, ohne eigne Kenntni&longs;&longs;e davon zu haben, daher
das, was z. B. Ovid in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Fa&longs;tis</HI> vorbringt, weder auf &longs;eine
Zeit und auf die Lage von Rom pa&longs;&longs;end, noch auch unter
&longs;ich &longs;elb&longs;t &uuml;berein&longs;timmend i&longs;t (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. K&auml;&longs;tner,</HI> a&longs;tronomi&longs;ches
Mancherley, in Vollborths philolog. Bibl. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Band.).
Man findet auch in den a&longs;tronomi&longs;chen Schriften der Alten
keine &longs;onderlichen Belehrungen hier&uuml;ber; das mei&longs;te
Licht geben noch die Elemente des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Geminus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Gemini
I&longs;agoge in Phaenomena &longs;. Elementa a&longs;tron. in Petavii
Vranologio. Pari&longs;. 1600. fol.)</HI></P><P TEIFORM="p">Die Neuern haben gefunden, da&szlig; man im Alterthum
unter dem Worte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang,</HI> haupt&longs;&auml;chlich dreyerley ver&longs;tanden
habe, das Hervortreten eines Sterns aus den
Sonnen&longs;tralen, &longs;einen Aufgang bey Aufgang der Sonne,
und &longs;einen Aufgang bey Untergang der Sonne. Die&longs;en
drey Arten des poeti&longs;chen Aufgangs haben &longs;ie die Namen:
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus heliacus, co&longs;micus</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">acronychos,</HI> beygelegt.</P><P TEIFORM="p">Das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus
heliacus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever heliaque,</HI></HI> ereignet &longs;ich an dem Tage,
an welchem der Stern, der bisher nahe bey der Sonne ge&longs;tanden
hat, und durch ihren Glanz un&longs;ern Augen entzogen
gewe&longs;en i&longs;t, &longs;ich zum er&longs;tenmale wieder zeigt, und in
der Morgend&auml;mmerung auf eine kurze Zeit &longs;ichtbar wird.<PB ID="P.1.177" N="177" TEIFORM="pb"/>
An die&longs;em Tage, &longs;agt man, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gehe er</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">heliace</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">auf.</HI> Die&longs;er
Aufgang i&longs;t &longs;eit den &auml;lte&longs;ten Zeiten ein Gegen&longs;tand
der Aufmerk&longs;amkeit der Egyptier gewe&longs;en. Die Ueber&longs;chwemmung
ihres Landes durch den Nil erfolgte j&auml;hrlich
zu eben der Zeit, da der Hunds&longs;tern aus den Sonnen&longs;tralen
hervortrat; die&longs;es Hervortreten aber ge&longs;chahe bey ihrem
Jahre von 365 Tagen aller 4 Jahre um einen Tag &longs;p&auml;ter,
und r&uuml;ckte daher in 4 X 365 1/4 oder in 1461 juliani&longs;chen
Jahren durch alle Jahrszeiten hindurch; dies hat bey ihnen
den bekannten Hunds&longs;terncyclus <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(periodum canicularem
&longs;. Sothiacam)</HI> veranla&longs;&longs;et, de&longs;&longs;en Anfang in das 1321&longs;te
Jahr vor der chri&longs;tlichen Zeitrechnung f&auml;llt.</P><P TEIFORM="p">Da Sterne er&longs;ter Gr&ouml;&szlig;e &longs;ichtbar werden, wenn bey
ihrem Aufgange die Sonne nur wenig&longs;tens 10 Grad tief
unter dem Horizonte i&longs;t, &longs;o findet man ihr Hervortreten
aus den Sonnen&longs;tralen, wenn man den Stern unter den
Morgenhorizont der k&uuml;n&longs;tlichen Himmelskugel f&uuml;hrt, und
den Grad der Ekliptik bemerkt, der alsdann 10&deg; tief unter
dem Morgenhorizonte liegt. Der Tag des Jahres,
an welchem die Sonne die&longs;en Grad der Ekliptik erreicht, i&longs;t
der Tag des Hervortretens oder der Wiederer&longs;cheinung des
Sterns. So findet man, da&szlig; heut zu Tag der Hunds&longs;tern
f&uuml;r die Polh&ouml;he von Leipzig etwa den 23 Augu&longs;t aus
den Sonnen&longs;tralen hervortritt. F&uuml;r &auml;ltere Zeiten w&auml;re
freylich eine andere Einrichtung der Himmelskugel n&ouml;thig,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Himmelskugel, k&uuml;n&longs;tliche.</HI> In Ermanglung &longs;olcher
Einrichtungen mu&szlig; man &longs;ich f&uuml;r die Zeiten des Alterthums
an die Berechnung halten, welche z. B. f&uuml;r das
Jahr 138 n. C. G. in welchem nach dem Cen&longs;orinus ein
neuer Hunds&longs;terncyclus anfieng, und die Polh&ouml;he von Heliopolis,
die Wiederer&longs;cheinung des Sirius auf den 20
Jul. giebt.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang eines Sterns mit Aufgang der
Sonne,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus co&longs;micus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever co&longs;mique,</HI></HI> f&auml;llt f&uuml;r Sterne,
welche nahe bey der Ekliptik &longs;tehen, gew&ouml;hnlich 12 bis
15 Tage fr&uuml;her, als das Hervortreten aus den Sonnen&longs;tralen.
Man findet den Tag de&longs;&longs;elben, wenn man auf
der k&uuml;n&longs;tlichen Himmelskugel den Grad der Ekliptik &longs;ucht,<PB ID="P.1.178" N="178" TEIFORM="pb"/>
welcher mit den Sternen zugleich in den Morgenhorizont
k&ouml;mmt. Der Tag, an welchem die Sonne die&longs;en Grad
erreicht, i&longs;t der Tag des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">kosmi&longs;chen</HI> Aufgangs f&uuml;r den
Stern. F&uuml;r Leipzig geht jetzt der Hunds&longs;tern den 8 Augu&longs;t
kosmi&longs;ch oder mit der Sonne auf.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufgang mit Untergang der Sonne,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ortus
acronyctos, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Lever acronyche,</HI></HI> wird gefunden, wenn
man den Grad der Ekliptik &longs;ucht, der im Abendhorizonte
&longs;teht, wenn der Stern im Morgenhorizonte i&longs;t. Die&longs;er
Grad i&longs;t dem, welcher dem kosmi&longs;chen Aufgange zugeh&ouml;rt,
gerade entgegenge&longs;etzt, und es &longs;ind daher die Tage des
kosmi&longs;chen und akronykti&longs;chen Aufgangs ohngef&auml;hr um ein
halbes Jahr aus einander. So geht bey uns der Hunds&longs;tern
um den 8 Febr. akronykti&longs;ch oder mit Sonnenuntergang
auf.</P><P TEIFORM="p">Zur Erkl&auml;rung der Alten mu&szlig; man hiebey auf die
Polh&ouml;hen ihrer Beobachtungsorte und auf die damaligen
Stellungen der Fix&longs;terne, welche von den heutigen ver&longs;chieden
&longs;ind, R&uuml;ck&longs;icht nehmen. Wie man dies f&uuml;r einzelne
Sterne bewerk&longs;telligen k&ouml;nne, hat Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheibel</HI>
(Unterricht vom Gebrauch der Himmels- und Erdkugel.
Bresl. 1779. 8. &sect;. 216.) gelehrt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">de la Lande</HI> a&longs;tronom. Handb. &sect;. 205. u. f. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">K&auml;&longs;tners</HI>
Anfangsgr. der angew. Math. Zweyte Abth. A&longs;tr. &sect;. 127.</P></DIV2><DIV2 N="Aufl&ouml;&longs;ung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufl&ouml;&longs;ung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Solutio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Di&longs;&longs;olution</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die&longs;en Namen
f&uuml;hrt die Verbindung der Grund&longs;toffe zweener K&ouml;rper
von ver&longs;chiedener Natur, aus welcher eine Trennung der
vorigen Verbindung ihrer Theile, und eine neue Verbindung
der&longs;elben, mithin ein neuer anders, als beyde vorige,
zu&longs;ammenge&longs;etzter K&ouml;rper ent&longs;teht. So wird z. B. ein
St&uuml;ck Silber im Scheidewa&longs;&longs;er aufgel&ouml;&longs;et, d. h. die Salpeter&longs;&auml;ure
trennt den Zu&longs;ammenhang der Be&longs;tandtheile des
Silbers, und verbindet &longs;ich mit dem darinn enthaltenen
Brennbaren; der erdichte Theil des Silbers hingegen verbindet
&longs;ich, wie es &longs;cheint, mit dem in der Salpeter&longs;&auml;ure
enthaltenen luftartigen Stoffe; aus allem zu&longs;ammen ent&longs;teht
ein neuer fl&uuml;&szlig;iger K&ouml;rper, die Silberaufl&ouml;&longs;ung, in<PB ID="P.1.179" N="179" TEIFORM="pb"/>
welchem die Theile ganz anders verbunden &longs;ind, als &longs;ie es
vorher im Silber und Scheidewa&longs;&longs;er, jedem be&longs;onders genommen,
waren.</P><P TEIFORM="p">Da hiebey der vorige Zu&longs;ammenhang der Theile getrennt
werden, und al&longs;o ein K&ouml;rper in die Zwi&longs;chenr&auml;ume
des andern eindringen mu&szlig;, welches einen fl&uuml;&szlig;igen Zu&longs;tand
des eindringenden K&ouml;rpers voraus&longs;etzt, &longs;o mu&szlig; bey
jeder Aufl&ouml;&longs;ung wenig&longs;tens der eine K&ouml;rper fl&uuml;&szlig;ig &longs;eyn.
Daher der chymi&longs;che Grund&longs;atz: <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Corpora non agunt,
ni&longs;i fluida.</HI></P><P TEIFORM="p">Man nennt insgemein den fl&uuml;&szlig;igen K&ouml;rper das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ungsmittel</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(men&longs;truum).</HI> Dies kan zugela&longs;&longs;en werden;
nur mu&szlig; man nicht den fal&longs;chen Begrif damit verbinden,
als ob das Aufl&ouml;&longs;ungsmittel allein &longs;ich th&auml;tig, und
der fe&longs;te K&ouml;rper nur leidend verhielte. Sie wirken beyde
in einander. Bisweilen &longs;ind beydes fl&uuml;&szlig;ige K&ouml;rper und
dann i&longs;t es gar nicht mehr &longs;chicklich, den einen als Aufl&ouml;&longs;ungsmittel,
den andern als aufgel&ouml;&szlig;t werdenden, zu betrachten.
Wenn hingegen der eine fe&longs;t i&longs;t, &longs;o mu&szlig; der
fl&uuml;&szlig;ige den &longs;t&auml;rkern Zu&longs;ammenhang &longs;einer Theile trennen,
und in die&longs;er R&uuml;ck&longs;icht etwas mehr thun, als jener. Hier
i&longs;t es &longs;ehr &longs;chicklich, den fl&uuml;&szlig;igen das Aufl&ouml;&longs;ungsmittel zu
nennen; man mu&szlig; nur nicht verge&longs;&longs;en, da&szlig; der fe&longs;te K&ouml;rper
ebenfalls wirkt, und das Men&longs;truum aufl&ouml;&longs;et.</P><P TEIFORM="p">Aufl&ouml;&longs;ungen ge&longs;chehen entweder auf dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">na&longs;&longs;en
Wege,</HI> d. i. durch Aufl&ouml;&longs;ungsmittel, die im gew&ouml;hnlichen
Zu&longs;tande fl&uuml;&szlig;ig &longs;ind; oder auf dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">trocknen
Wege,</HI> d. i. durch Schmelzung, wo einer oder beyde
K&ouml;rper er&longs;t durchs Feuer fl&uuml;&szlig;ig gemacht werden.</P><P TEIFORM="p">Wenn alle und jede Grund&longs;toffe beyder K&ouml;rper mit
einander vereiniget werden, &longs;o i&longs;t die Aufl&ouml;&longs;ung <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen.</HI>
Aus dergleichen vollkommnen Aufl&ouml;&longs;ungen ent&longs;tehen
durch&longs;ichtige K&ouml;rper, z. B. das Glas aus einer vollkommnen
Aufl&ouml;&longs;ung der Erden durch Alkalien auf dem
trocknen Wege.</P><P TEIFORM="p">Alle Aufl&ouml;&longs;ungen &longs;ind Wirkungen der Anziehung
zwi&longs;chen den Theilen der K&ouml;rper, Wirkungen der Attraction
bey der Ber&uuml;hrung, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Attraction.</HI> Wenn Aufl&ouml;&longs;ung<PB ID="P.1.180" N="180" TEIFORM="pb"/>
erfolgen &longs;oll, &longs;o mu&szlig; die Anziehung zwi&longs;chen den
Theilen ver&longs;chiedener K&ouml;rper &longs;t&auml;rker &longs;eyn, als der Zu&longs;ammenhang
der Theile jedes K&ouml;rpers, einzeln genommen, i&longs;t.
Wenn die Anziehung den Zu&longs;ammenhang der Theile nur
im fl&uuml;&szlig;igen, nicht aber im fe&longs;ten K&ouml;rper, zu trennen verm&ouml;gend
i&longs;t, &longs;o erfolgt nur Adh&auml;&longs;ion, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Adh&auml;&longs;ion.</HI> Die
Anziehung zwi&longs;chen Glas und Wa&longs;&longs;er vermag nur den Zu&longs;ammenhang
der Wa&longs;&longs;ertheile, nicht den der Glastheile zu
trennen; daher h&auml;ngt Wa&longs;&longs;er dem Gla&longs;e an, kan es aber
nicht aufl&ouml;&longs;en. So erfolgen Anh&auml;ngen und Aufl&ouml;&longs;ung aus
einerley Grunde. Auch l&ouml;&longs;en &longs;ich nie K&ouml;rper auf, die
nicht an einander anh&auml;ngen.</P><P TEIFORM="p">Hieraus l&auml;&szlig;t &longs;ich leicht das Eindringen des fl&uuml;&szlig;igen
K&ouml;rpers in des fe&longs;ten innere Theile bey den Aufl&ouml;&longs;ungen
erkl&auml;ren. Des fe&longs;ten Zwi&longs;chenr&auml;ume &longs;ind eben &longs;o viele
Haarr&ouml;hren, in welche der fl&uuml;&szlig;ige verm&ouml;ge des Anh&auml;ngens
eindringt, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Haarr&ouml;hren.</HI> Die&longs;e Erkl&auml;rung der
Newtonianer i&longs;t wenig&longs;tens wahr&longs;cheinlicher, als die von
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes,</HI> welcher hier &longs;eine &longs;ubtile Materie wirken,
und die &longs;pitzigen Keile der Aufl&ouml;&longs;ungsmitel in die aufzul&ouml;&longs;enden
K&ouml;rper hineintreiben lie&szlig;.</P><P TEIFORM="p">Man k&ouml;nnte die Aufl&ouml;&longs;ungen in &longs;olche theilen, wobey
blos der Zu&longs;ammenhang der aggregirten Theile getrennt
wird (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;uperficielle Aufl&ouml;&longs;ung,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Solution</HI>),</HI> und
in &longs;olche, wobey dem einen oder beyden K&ouml;rpern gewi&longs;&longs;e
Theile entzogen, und mit Theilen des andern K&ouml;rpers inniger
verbunden werden (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;entliche Aufl&ouml;&longs;ung,</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Di&longs;&longs;olution</HI>).</HI>
Eine &longs;uperficielle Aufl&ouml;&longs;ung giebt Salz im Wa&longs;&longs;er,
eine we&longs;entliche Metall im Scheidewa&longs;&longs;er aufgel&ouml;&szlig;t.
Im er&longs;ten Falle erh&auml;lt man durch Ab&longs;cheidung des unver&auml;nderten
Aufl&ouml;&longs;ungsmittels den vorigen K&ouml;rper wieder,
im zweyten Falle &longs;ind bey veran&longs;talteter Ab&longs;onderung beyde
K&ouml;rper ver&auml;ndert. Da inzwi&longs;chen beyde Arten aus einerley
Grunde erfolgen, &longs;o h&auml;lt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> f&uuml;r unn&ouml;thig, &longs;ie
zu unter&longs;cheiden.</P><P TEIFORM="p">Da&szlig; oft ganz leichte Fl&uuml;&szlig;igkeiten &longs;chwere fe&longs;te K&ouml;rperin
&longs;ich aufgel&ouml;&szlig;t halten, i&longs;t leicht begreiflich, da die
Trennung der vorigen Theile auch die vorige &longs;pecifi&longs;che<PB ID="P.1.181" N="181" TEIFORM="pb"/>
Schwere &auml;ndert, und der neue Zu&longs;ammenhang weit &longs;t&auml;rker,
als die Schwere wirkt.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Macquer</HI> chym. W&ouml;rterb. Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ung,</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leonhardi</HI>
Anm.</P></DIV2><DIV2 N="Aufl&ouml;&longs;ungsmittel" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufl&ouml;&longs;ungsmittel, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Men&longs;trua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Men&longs;trues</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">hei&longs;&longs;en
diejenigen K&ouml;rper, welche andere aufzul&ouml;&longs;en ge&longs;chickt
&longs;ind, vornehmlich die fl&uuml;&szlig;igen, welche man zu Aufl&ouml;&longs;ung
der fe&longs;ten gebraucht. Da&szlig; eigentlich bey jeder Aufl&ouml;&longs;ung
beyde K&ouml;rper in einander wirken, al&longs;o der aufgel&ouml;&szlig;te K&ouml;rper
allezeit auch das Men&longs;truum aufl&ouml;&longs;e, i&longs;t &longs;chon bey dem
Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ung</HI> bemerkt worden.</P><P TEIFORM="p">Der Name Men&longs;truum k&ouml;mmt von dem Wahn der
Alchymi&longs;ten her, da&szlig; eine vollkommne Aufl&ouml;&longs;ung einen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">philo&longs;ophi&longs;chen Monat,</HI> oder vierzig Tage Zeit erfordere.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigender Knoten, &longs;. Knoten.</HI></P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Auf&longs;teigende Zeichen, &longs;. Zeichen.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Auf&longs;teigung, gerade, Recta&longs;cen&longs;ion" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auf&longs;teigung, gerade, Recta&longs;cen&longs;ion, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;io
recta</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;ion droite</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Hierunter wird (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig.
5.) der Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> ver&longs;tanden, welcher
zwi&longs;chen dem Fr&uuml;hlingspunkte <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> und dem Abweichungskrei&longs;e
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">PSDp</HI> eines Ge&longs;tirns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> enthalten i&longs;t. Der letzte
Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> die&longs;es Bogens geht unter dem Aequator der Erde,
wo die Sterneunter rechten Winkeln aufgehen, mit dem
Sterne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich auf, d. h. er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;teigt</HI> mit ihm <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gerade</HI>
auf, daher der Bogen, den er begrenzt, den Namen der
geraden Auf&longs;teigung erhalten hat.</P><P TEIFORM="p">Die Grade des Aequators werden vom Fr&uuml;hlingspunkte
aus von Abend gegen Morgen, oder von der Rechten
zur Linken in einem fort gez&auml;hlt, daher ein Ge&longs;tirn nahe
an 360&deg; Recta&longs;cen&longs;ion haben kan.</P><P TEIFORM="p">Wenn die gerade Auf&longs;teigung oder Recta&longs;cen&longs;ion eines
Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D,</HI> und &longs;eine Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DS,</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung,</HI>
bekannt i&longs;t, &longs;o wird dadurch die Stelle, die er
am Himmel einnimmt, be&longs;timmt, und von den Stellen
aller &uuml;brigen Ge&longs;tirne unter&longs;chieden; denn es i&longs;t kein Punkt
weiter am Himmel, dem eben die&longs;e Recta&longs;cen&longs;ion und Abweichung<PB ID="P.1.182" N="182" TEIFORM="pb"/>
zuk&auml;me. Daher i&longs;t es f&uuml;r die Sternkunde &longs;ehr
wichtig, die Recta&longs;cen&longs;ionen der Ge&longs;tirne durch Beobachtungen
zu finden.</P><P TEIFORM="p">Die Recta&longs;cen&longs;ion der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sonne</HI> wird, wenn man ihre
Abweichung durch Beobachtung gefunden hat, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Abweichung,</HI>
leicht berechnet. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 27. &longs;ey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> der
Aequator, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">EL</HI> die Ekliptik oder Sonnenbahn, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> der Ort
der Sonne, deren Abweichung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD,</HI> die Recta&longs;cen&longs;ion
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> i&longs;t, Der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> i&longs;t die Schiefe der Ekliptik
=23&deg; 28&prime; 8&Prime;. Die Aufl&ouml;&longs;ung des Kugeldreyecks <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI>
giebt al&longs;o die Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">&longs;in.</HI> Recta&longs;c. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">=(tang.</HI> Abw.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">/tang.</HI> Schiefe d. Ekl.)</HI>
wo es zweydeutig bleibt, ob die Recta&longs;cen&longs;ion unter oder
&uuml;ber 90&deg; betrage, und &longs;&uuml;dliche oder negative Abweichungen
eine Recta&longs;cen&longs;ion &uuml;ber 180&deg; anzeigen, die unter oder
&uuml;ber 270&deg; &longs;eyn kan, daher man aus andern Um&longs;t&auml;nden
wi&longs;&longs;en mu&szlig;, in welchem Quadranten ihrer Bahn die
Sonne &longs;tehe.</P><P TEIFORM="p">Auch aus dem Ab&longs;tande der Sonne vom Fr&uuml;hlingspunkte
<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>, in dei Ekliptik gerechnet, oder ihrer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">L&auml;nge</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>S</HI> (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. L&auml;nge der Ge&longs;tirne</HI>), giebt das Dreyeck <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI>
ihre Recta&longs;cen&longs;ion durch die Formel
<HI REND="math" TEIFORM="hi"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">tang.</HI> Recta&longs;c.<HI REND="roman" TEIFORM="hi">=tang.</HI> L&auml;nge<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Xco&longs;.</HI> Schiefe d. Ekl.</HI>
wo die Recta&longs;cen&longs;ion &longs;tets in einerley Quadranten mit der
L&auml;nge f&auml;llt. Der Unter&longs;chied zwi&longs;chen der L&auml;nge und der
geraden Auf&longs;teigung <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>S&mdash;<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D)</HI> hei&szlig;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reduction
der Ekliptik auf den Aequator.</HI> Daf&uuml;r findet &longs;ich
eine Tabelle in der Berliner Sammlung a&longs;tronomi&longs;cher Tafeln,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> B. S. 268 u. f., wo man f&uuml;r jede L&auml;nge der Sonne
die Reduction auf&longs;chlagen, und mit dem dabey&longs;tehenden
Zeichen zur L&auml;nge &longs;etzen kan, um die Recta&longs;cen&longs;ion zu
finden.</P><P TEIFORM="p">Ueberdies findet man auch in den a&longs;tronomi&longs;chen
Ephemeriden, namentlich in des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bode</HI> Jahrb&uuml;chern,
die gerade Auf&longs;teigung der Sonne f&uuml;r den Mittag
jeden Tages angegeben.<PB ID="P.1.183" N="183" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Die Recta&longs;cen&longs;ion der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sterne</HI> findet man aus der
Zeit ihres Durchgangs durch den Mittagskreis. Der
Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5.) i&longs;t eben derjenige, der mit dem
Sterne zugleich in den Mittagskreis k&ouml;mmt; die Zeit,
welche zwi&longs;chen dem Durchgange der Sonne und dem des
Sterns verflo&longs;&longs;en i&longs;t, in Bogen des Aequators verwandelt,
&longs;. die Art. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aequator, Sternzeit,</HI> giebt an, was
f&uuml;r ein Bogen des Aequators &longs;ich zwi&longs;chen beyden Durchg&auml;ngen
durch den Mittagskreis ge&longs;choben habe, d. i. um
wie viel des Sterns Recta&longs;cen&longs;ion gr&ouml;&szlig;er &longs;ey, als die
Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne am vorhergehenden Mittage.
Die&longs;er Bogen, zur Recta&longs;cen&longs;ion der Sonne addirt, giebt
al&longs;o die des Sterns. K&ouml;mmt hiebey mehr als 360&deg;, &longs;o
mu&szlig; man nur den Ueber&longs;chu&szlig; &uuml;ber 360&deg; behalten, weil
im Aequator nie weiter gez&auml;hlt, &longs;ondern bey 360&deg; von
neuem angefangen wird. Man hatte nemlich <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>DQA<FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI>
gefunden, da man nur <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>D</HI> finden wollte.</P><P TEIFORM="p">Aus gleichen Gr&uuml;nden giebt die Zeit, welche zwi&longs;chen
den Durchg&auml;ngen zweener Sterne durch den Mittagskreis
verflie&szlig;t, in Bogen des Aequators verwandelt, den Unter&longs;chied
zwi&longs;chen den geraden Auf&longs;teigungen beyder Sterne.
I&longs;t nun die des einen bekannt, &longs;o findet man daraus die
des andern, da&szlig; al&longs;o die Be&longs;timmung der Recta&longs;cen&longs;ionen
der Sterne lediglich von den Beobachtungen der Zeit ihres
Durchgangs durch den Mittagskreis abh&auml;ngt.</P><P TEIFORM="p">Da in vier Sekunden Zeit ein Bogen von einer Minute
durch den Mittagskreis gehet, &longs;o giebt ein Beobachtungsfehler
von 4 Sek. eine ganze Minute Irrthum in der
geraden Auf&longs;teigung. Man &longs;ieht hieraus, wie genaue Abme&longs;&longs;ungen
der Zeit zu die&longs;er Be&longs;timmung der geraden Auf&longs;teigungen
n&ouml;thig &longs;ind. Die Alten hatten hiezu keine Mittel;
ihre Wa&longs;&longs;eruhren <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(clep&longs;ydrae)</HI> reichten bey weitem
nicht an eine &longs;olche Genauigkeit. Sie be&longs;timmten daher
die Stellen der Sterne durch Armillen oder Ringe, welche
mit H&uuml;lfe der Sonne in eine dem Aequator und der Ekliptik
am Himmel &auml;hnliche Stellung gebracht wurden, und
dann vermittel&longs;t eines auf den Stern gerichteten Diopterlineals
de&longs;&longs;en Lage gegen den Aequator oder die Ekliptik<PB ID="P.1.184" N="184" TEIFORM="pb"/>
angaben. Durch &longs;olche H&uuml;lfsmittel &longs;uchten &longs;ie an Tagen,
da Sonne und Mond zugleich &longs;ichtbar waren, zuer&longs;t den
Unter&longs;chied der geraden Auf&longs;teigungen die&longs;er beyden Ge&longs;tirne,
und dann nach Untergang der Sonne den Unter&longs;chied
der&longs;elben f&uuml;r den Mond und die nun &longs;ichtbar gewordenen
Sterne. Da der Mond &longs;eine Stelle &longs;ehr ge&longs;chwind
&auml;ndert, und ihnen die Ungleichheiten &longs;eines Laufs nur unvollkommen
bekannt waren, &longs;o kamen durch die&longs;e un&longs;ichere
Methode &longs;ehr gro&szlig;e Fehler in ihre Be&longs;timmungen. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tycho,</HI>
der noch immer Armillen f&uuml;r den Aequator gebrauchte,
w&auml;hlte &longs;tatt des Mondes die Venus, welche lang&longs;amer
fortr&uuml;ckt, und be&longs;timmte &longs;o die Stellen von 777 Fix&longs;ternen
genauer, als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hipparch</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ptolem&auml;us</HI> gethan
hatten. Aber er&longs;t die Erfindung be&longs;&longs;erer Uhren hat die
A&longs;tronomen in den Stand ge&longs;etzt, die Recta&longs;cen&longs;ionen der
Sterne, und dadurch die wahren Stellen, die &longs;ie am Himmel
einnehmen, richtiger anzugeben, und in die Catalogen
einzutragen, von welchen wir unter dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fix&longs;ternverzeichni&longs;&longs;e,</HI>
reden werden.</P></DIV2><DIV2 N="Auf&longs;teigung, &longs;chiefe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auf&longs;teigung, &longs;chiefe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">A&longs;oensio obliqua</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">A&longs;cen&longs;ion
oblique</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Der Bogen des Aequators <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE>O,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI>
Fig. 24., welcher zwi&longs;chen dem Fr&uuml;hlingspunkte <FIGURE TEIFORM="figure"></FIGURE> und
dem mit einem Ge&longs;tirne <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> zugleich aufgehenden Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">O</HI>
enthalten i&longs;t. Jedes Ge&longs;tirn hat unter andern Polh&ouml;h&egrave;n
andere &longs;chiefe Auf&longs;teigungen.</P><P TEIFORM="p">Der Unter&longs;chied der geraden und &longs;chiefen Auf&longs;teigung
eines Ge&longs;tirns hei&szlig;t &longs;eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">A&longs;cen&longs;ionaldifferenz,</HI> von der
ein eigner Artikel handelt. Die&longs;e i&longs;t wichtiger, als die
&longs;chiefe Auf&longs;teigung &longs;elb&longs;t. Es i&longs;t aber
<HI REND="math" TEIFORM="hi">&longs;chiefe Auf&longs;t.=gerade Auf&longs;t.&mdash;A&longs;c. Diff.</HI>
wo man bey negativem Werthe der A&longs;cen&longs;ionaldifferenz,
&longs;tatt zu &longs;ubtrahiren, addiren mu&szlig;.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufthaupunkt, &longs;. Thermometer.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Aufthauen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Aufthauen</HEAD><P TEIFORM="p">des Ei&longs;es, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Thauwetter.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Auge" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auge, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Oculus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Oeil</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Werkzeug des Sehens.
Bey der Be&longs;chreibung die&longs;es gro&szlig;en Mei&longs;ter&longs;t&uuml;cks<PB ID="P.1.185" N="185" TEIFORM="pb"/>
der Natur &longs;chr&auml;nke ich mich blos auf das men&longs;chliche Auge
und die Theile des Augapfels &longs;elb&longs;t ein. Die unz&auml;hlbaren
Ver&longs;chiedenheiten in der Anzahl und dem Bau der Augen
der Thiere und die Be&longs;chreibung der Bedeckungen und Nebentheile
des Augapfels geh&ouml;ren mehr f&uuml;r die Naturge&longs;chichte
und Zergliederungskun&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augapfel</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bulbus oculi)</HI> liegt in der kegelf&ouml;rmig
gebildeten <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenh&ouml;hle</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(orbita),</HI> ragt nur wenig aus
der&longs;elben hervor, und wird am vordern Theile durch die
beyden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenlieder</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(palpebrae)</HI> gehalten und gegen &auml;u&longs;&longs;ere
Verletzungen und allzuheftiges Licht ge&longs;ch&uuml;tzt. Er hat
ziemlich die Ge&longs;talt einer Kugel, i&longs;t aber am vordern
Theile bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> Fig. 28. mehr erhaben. Er i&longs;t
hart, und wegen &longs;einer runden Ge&longs;talt in dem weichen
Fette, in welchem er liegt, leicht beweglich. Hinten h&auml;ngt
er am <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehnerven</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(nervus opticus).</HI> Der Durchme&longs;&longs;er
des Augapfels betr&auml;gt bey einem erwach&longs;enen Men&longs;chen
etwa 11 1/3 pari&longs;er Linien. Er wird durch &longs;echs Muskeln
bewegt, deren vier gerade, zween &longs;chief wirken.</P><P TEIFORM="p">Seine Haupttheile &longs;ind drey <HI REND="bold" TEIFORM="hi">H&auml;ute</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunicae),</HI> die
harte Augenhaut, braune Haut und Netzhaut, und drey
&longs;ogenannte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Feuchtigkeiten</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humores),</HI> die&verbar; w&auml;&longs;&longs;erichte,
gl&auml;&longs;erne und kry&longs;tallene.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">harte Augenhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(&longs;clerotica, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">corn&eacute;e opaque</HI>)</HI>
i&longs;t eine &longs;tarke, dicke, ela&longs;ti&longs;che Haut, welche den &auml;u&szlig;ern
Um&longs;chlu&szlig; des ganzen Augapfels ausmacht. Sie i&longs;t wei&szlig;
und fa&longs;t ganz ohne Gef&auml;&szlig;e. Hinten beym Eintritte des
Sehnerven i&longs;t &longs;ie auf eine Linie dick, gegen den vordern
Theil wird &longs;ie d&uuml;nner, bis in die Gegend <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA.</HI> Bis dahin
i&longs;t &longs;ie auch undurch&longs;ichtig; bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AA</HI> wird &longs;ie wieder
&longs;t&auml;rker, erhebt &longs;ich zu einer rundern Ge&longs;talt, und wird
durch&longs;ichtig. Die&longs;er durch&longs;ichtige Theil hei&szlig;t die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hornhaut</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Cornea, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">corn&eacute;e transparente</HI>).</HI> Der Sehnerve <HI REND="roman" TEIFORM="hi">N</HI>
geht durch ein rundes Loch der harten Haut hindurch, und
die&longs;e Haut h&auml;ngt hier mit der aus der dicken Hirnhaut
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(dura mater)</HI> ent&longs;prungnen &auml;u&szlig;ern H&uuml;lle des Sehnerven
zu&longs;ammen. Die innere Lamelle der harten Haut ent&longs;pringt
aus der innern H&uuml;lle des Sehnerven, welche eine Fort&longs;etzung<PB ID="P.1.186" N="186" TEIFORM="pb"/>
der d&uuml;nnen Hirnhaut <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pia mater)</HI> i&longs;t, und &longs;ich bis
an die Hornhaut er&longs;treckt. Den vordern Theil des Augapfels,
auch die Hornhaut &longs;elb&longs;t, bedeckt noch von au&szlig;en
die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">angewach&longs;ene Haut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunica adnata &longs;. conjunctiva),</HI>
welche mit der innern Haut der Augenlieder einerley i&longs;t.
Unter die&longs;e letztere &longs;etzen noch viele Zergliederer eine wei&szlig;e
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(albuginea),</HI> welche von den tendin&ouml;&longs;en Verl&auml;ngerungen
der Augenmuskeln, oder auch von einer Fort&longs;etzung
ihrer Membranen herkommen, und die Wei&szlig;e des Augapfels
verur&longs;achen &longs;oll: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> aber l&auml;ugnet &longs;ie, und &longs;chreibt
die Wei&szlig;e der harten Haut &longs;elb&longs;t zu.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">braune Haut, Gef&auml;&szlig;haut, Aderhaut</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(chorioides, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">choroide, Uv&eacute;e</HI>)</HI> liegt unter der harten Haut,
i&longs;t weich, zart, und mit Gef&auml;&szlig;en und Zellgewebe ver&longs;ehen,
mit welchem &longs;ie an der harten Haut anh&auml;ngt, und
&longs;o vom Rande des Sehnerven bis an die Hornhaut fortl&auml;uft.
Von au&szlig;en i&longs;t die braune Haut mit einem dunkeln,
aber die Finger nicht &longs;chw&auml;rzenden Ueberzuge, auf der innern
Fl&auml;che aber mit einem &longs;chwarzen Leime bekleidet.
Nach Wegnehmung die&longs;es Leims findet man der braunen
Haut innere Fl&auml;che rauch und za&longs;ericht. Die&longs;e Haut ent&longs;teht
nicht aus der d&uuml;nnen Hirnhaut, &longs;ondern h&auml;ngt mit
der innern H&uuml;lle des Sehnerven durch Zellgewebe zu&longs;ammen,
und um&longs;chlie&szlig;t die kegelf&ouml;rmige Warze, mit welcher
&longs;ich das Mark die&longs;es Nerven endigt, genau. Nach
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruy&longs;ch</HI> &longs;oll &longs;ich die braune Haut in zwo Lamellen theilen
la&longs;&longs;en, deren innere nach ihm <HI REND="roman" TEIFORM="hi">tunica Ruyschiana</HI> genannt
worden i&longs;t. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus, Haller</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> aber l&auml;ugnen
die&longs;e Theilbarkeit der braunen Haut, und r&auml;umen &longs;ie nur
in den Augen einiger Thiere ein. Am vordern Theile gegen
die Hornhaut zu befindet &longs;ich an der &auml;u&szlig;ern Seite der
braunen Haut das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenband</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ligamentum ciliare,
plexus ciliaris Lieutaudii, annulus cellulo&longs;us Zinnii),</HI>
ein wei&szlig;licher Ring, ohngef&auml;hr eine Linie breit und von betr&auml;chtlicher
Dicke, welcher die braune Haut mit dem um
die Hornhaut herumgehenden &longs;chwarzen Ringe der harten
Haut verbindet. Aus die&longs;em Stralenbande ent&longs;tehen nun
die weiter einw&auml;rts gehenden und bis an den Rand der<PB ID="P.1.187" N="187" TEIFORM="pb"/>
Kry&longs;tallin&longs;e reichenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenfa&longs;ern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(proce&longs;&longs;us ciliares),</HI>
welche um die Kry&longs;tallin&longs;e herum einen &longs;ehr &longs;ch&ouml;nen
ge&longs;treiften Ring, den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenk&ouml;rper</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(corpus ciliare)</HI> bilden,
der gegen die Schl&auml;fe zu etwa 2 Lin. breit, gegen die
Na&longs;e zu &longs;chm&auml;ler i&longs;t. Am &auml;u&szlig;ern Umkrei&longs;e i&longs;t die&longs;er Ring
noch ganz mit dem &longs;chwarzen Leime bekleidet, der die
braune Haut bedeckt; gegen die Kry&longs;tallin&longs;e zu wird er
&longs;chwarz und wei&szlig; ge&longs;treift oder geflammt, weil &longs;ich der
Leim zwi&longs;chen die Fa&longs;ern oder Falten legt, und die hervorragenden
Theile wei&szlig; l&auml;&szlig;t. Die&longs;er von den Stralenfa&longs;ern
gebildete Ring legt &longs;ich um den Rand der Kry&longs;tallin&longs;e,
und fa&longs;&longs;et den&longs;elben von beyden Seiten ein. In die&longs;em
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenk&ouml;rper</HI> entdeckte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> einen neuen Kanal,
den der j&uuml;ngere <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Murray</HI> genauer unter&longs;ucht hat. Er i&longs;t
drey&longs;eitig, und f&uuml;llt denjenigen Raum aus, welcher zwi&longs;chen
dem Stralenringe und dem Rande der harten Augenhaut,
wo die Hornhaut aufliegt, befindlich i&longs;t. Es
i&longs;t unterde&longs;&longs;en die&longs;er <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Stralenkanal</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Canalis ciliaris)</HI> im
K&auml;lberauge deutlicher, als in dem men&longs;chlichen. Ueber
die Natur der Stralenfa&longs;ern &longs;ind die Meynungen der Zergliederer
auf eine be&longs;ondere Wei&longs;e getheilt. Man h&auml;lt fie
bald f&uuml;r vaskul&ouml;s, bald f&uuml;r muskul&ouml;s, bald f&uuml;r nervicht.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> ver&longs;ichert, &longs;elb&longs;t mit dem &longs;t&auml;rk&longs;ten Vergr&ouml;&szlig;erungsgla&longs;e
keine muskul&ouml;&longs;en Fa&longs;ern, &longs;ondern nur Gef&auml;&szlig;e darinn
gefunden zu haben, welche unmittelbar aus den Gef&auml;&szlig;en
der braunen Haut ent&longs;pr&auml;ngen. Er ver&longs;ichert auch, &longs;ie
ausge&longs;pritzt zu haben, und erkl&auml;rt &longs;ie daher f&uuml;r eine Fort&longs;etzung
der braunen Haut. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> h&auml;lt &longs;ie f&uuml;r Fort&longs;&auml;tze
aus dem Stralenbande, welches nach ihm nervicht
i&longs;t. Sehr viele haben &longs;ie muskul&ouml;s angenommen, wohin
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave</HI> und einige Sch&uuml;ler von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus</HI> zu rechnen
&longs;ind. Zwi&longs;chen den Stralenfa&longs;ern und der Hornhaut liegt
die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regenbogenhaut,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augen&longs;tern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Iris),</HI> deren
hintere, mit &longs;chwarzem Leime bekleidete, Fl&auml;che oft auch die
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Traubenhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(uvea)</HI> genennt wird. In ihrer Mitte,
jedoch etwas mehr gegen die Na&longs;e zu, befindet &longs;ich ein
kreisrundes Loch, die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Oefnung des Augen&longs;terns,</HI> die
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehe</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(pupilla, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">pupille, prunelle</HI>),</HI> wodurch das Licht ins<PB ID="P.1.188" N="188" TEIFORM="pb"/>
Auge f&auml;llt. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> i&longs;t die Iris eine&verbar;Fort&longs;etzung
der innern Lamelle der braunen Haut, nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> eine be&longs;ondere
Haut, die am Stralenbande mit der harten zu&longs;ammenk&ouml;mmt.
Ihre vordere Seite zeigt bunte ge&longs;chl&auml;ngelte
Streifen, die vom Umkrei&longs;e gegen den Rand der Oefnung
laufen. Die hintere Seite zeigt, vom &longs;chwarzen Leime
gereiniget, gerade Streifen, die gegen die Oefnung zu
d&uuml;nner werden, auch l&auml;nger &longs;ind, als die Streifen der
Vorder&longs;eite, daher die Oefnung des Sterns hinten enger,
als an der Vorder&longs;eite, i&longs;t. Gegen die Oefnung werden
die Streifen d&uuml;nner, und bilden ein zartes H&auml;utchen, das
die Oefnung umringt. Einige, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ruy&longs;ch</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hei&longs;ter,</HI>
haben auch ringf&ouml;rmige Fibern um den Rand der
Pupille finden, und die&longs;e &longs;owohl als die geraden Streifen
f&uuml;r muskul&ouml;s erkl&auml;ren wollen. Sie haben hieraus die
Verengerung und Erweiterung der Pupille bey &longs;t&auml;rkerm
und &longs;chw&auml;cherm Lichte hergeleitet, und jene den geraden,
die&longs;e den ringf&ouml;rmigen Fibern zuge&longs;chrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> erkl&auml;rt
das, was man f&uuml;r ringf&ouml;rmige Fibern ange&longs;ehen habe,
f&uuml;r kleine Arterien; doch i&longs;t er nicht abgeneigt, eine muskul&ouml;&longs;e
Structur der Iris anzuerkennen; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> hingegen
&longs;pricht der Iris die Reizbarkeit g&auml;nzlich ab, und erkl&auml;rt
die Verengerung und Erweiterung der Pupille blos durch
den &longs;chw&auml;chern oder &longs;t&auml;rkern Zuflu&szlig; der S&auml;fte in die feinen
Gef&auml;&szlig;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(va&longs;a decolora)</HI> die&longs;er Haut.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Netzhaut, Markhaut</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(retina, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">R&eacute;tine</HI>)</HI> i&longs;t
eine Verbreitung des ins Auge eingetretenen Markes des
Sehnerven. Die&longs;er tritt ein wenig unter dem der Pupille
gegen&uuml;ber&longs;tehenden Punkte, nicht in der Mitte, &longs;ondern
ziemlich weit einw&auml;rts gegen die Na&longs;e zu, ein, wird merklich
d&uuml;nner, und geht durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Siebplatte</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(lamina cribro&longs;a),</HI>
welche in der H&ouml;hlung der harten Haut liegt, und
die durch ihre L&ouml;cher, deren man auf drey&szlig;ig z&auml;hlt, das
Mark des Nerven durchl&auml;&szlig;t. Mitten durch den Nerven
und die&longs;es H&auml;utchen l&auml;uft die Centralarterie und eine Blutader.
Gleich nach dem Durchgange durch die&longs;es H&auml;utchen
endigt &longs;ich der Nerve nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Winslow</HI> und den mei&longs;ten
Zergliederern in eine wei&szlig;e kegelf&ouml;rmige Warze, von<PB ID="P.1.189" N="189" TEIFORM="pb"/>
der aber <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> &longs;agt, er habe &longs;ie nie deutlich wahrnehmen
k&ouml;nnen. Von hier aus bilden die durch die Siebplatte
gegangenen B&uuml;&longs;chel durch ihre Vereinigung eine Haut,
welche &longs;ich an die braune Haut anlegt, und die ganze innere
Fl&auml;che der&longs;elben bis an den Ur&longs;prung der Stralenfa&longs;ern
umkleidet. Die an der braunen Haut anliegende
Seite der&longs;elben i&longs;t markartig, weich und zart, die innere
Seite membran&ouml;&longs;er und fe&longs;ter. Das Mark des Sehnerven
i&longs;t, wie das Hirnmark, wovon es eine Fort&longs;etzung i&longs;t,
grau, und, wo es &longs;ich in die Netzhaut verbreitet, &longs;ehr zart
und durch&longs;ichtig; im Alter wird es undurch&longs;ichtiger, und
da die Netzhaut an dem &longs;chwarzen Leime der braunen Haut
anliegt, &longs;o k&ouml;mmt es daher, da&szlig; der Grund des Auges
bey Kindern &longs;chwarz, um das drey&szlig;ig&longs;te Jahr grau, und
im Alter fa&longs;t wei&szlig; aus&longs;iehet.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">w&auml;&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humor aqueus,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">humeur aqueu&longs;e</HI>)</HI> erf&uuml;llt den vordern Theil des Auges <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II,</HI>
der &longs;ich von der Hornhaut bis an die Vorder&longs;eite der Kry&longs;tallin&longs;e
er&longs;treckt, und von den mei&longs;ten in die vordere Kammer
zwi&longs;chen der Hornhaut und Iris, und die hintere
Kammer zwi&longs;chen der Iris und Kry&longs;tallin&longs;e eingetheilt
wird, obgleich einige mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Winslow</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lieutaud</HI> die
hintere Kammer verwerfen und die Iris an der Kry&longs;tallin&longs;e
unmittelbar anliegend annehmen. Die w&auml;&longs;&longs;erichte
Feuchtigkeit treibt die Hornhaut auf, macht, da&szlig; &longs;ie &longs;ich
mehr r&uuml;ndet, dr&uuml;ckt auch nach einigen die Kry&longs;tallin&longs;e ein
wenig von der Iris ab, wodurch eben die hintere Kammer,
welche wenig&longs;tens &longs;tets &longs;ehr klein i&longs;t, gebildet werden &longs;oll.
Sie i&longs;t ein d&uuml;nner, durch&longs;ichtiger, etwas &longs;alziger Liquor,
der durch die Zwi&longs;chenr&auml;ume der Hornhaut verd&uuml;n&longs;tet,
und durch den Zuflu&szlig; aus den Gef&auml;&szlig;en immer wieder er&longs;etzt
wird.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gl&auml;&longs;erne Feuchtigkeit</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(humor vitreus, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">humeur
vitree</HI>)</HI> nimmt den hintern Raum des Auges <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VV</HI>
ein, der &longs;ich von der Kry&longs;tallin&longs;e und den Stralenfa&longs;ern
bis an den Eintritt des Sehnerven er&longs;treckt. Sie i&longs;t eine
durch&longs;ichtige gallertartige Ma&longs;&longs;e, von einer &longs;ehr feinen cellul&ouml;&longs;en
Structur, in deren Zwi&longs;chenr&auml;umen &longs;ich ein durch&longs;ichtiger,<PB ID="P.1.190" N="190" TEIFORM="pb"/>
der w&auml;&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit &auml;hnlicher, aber gallertartiger,
Liquor befindet. Sie i&longs;t mit einem zarten H&auml;utchen
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(tunica vitrea, hyaloides)</HI> umgeben, aus welchem
auch die Lamellen ihres innern zelligen Baues ent&longs;pringen.
Eben da, wo die Stralenfa&longs;ern anfangen, geht aus die&longs;em
H&auml;utchen zwi&longs;chen dem Stralenk&ouml;rper und der gl&auml;&longs;ernen
Feuchtigkeit ein anderes feines H&auml;utchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(membrana
coronae ciliaris Zinn.)</HI> hervor, und bis an die Kry&longs;tallin&longs;e
fort, in deren Kap&longs;el es &longs;ich einf&uuml;gt. Es i&longs;t mit &longs;tarken
Fibern durch&longs;chnitten, welche k&uuml;rzer, als das H&auml;utchen
&longs;elb&longs;t &longs;ind. Durch den dreyeckichten Raum, den die&longs;es
H&auml;utchen, die fortgehen de gl&auml;&longs;erne Feuchtigkeit, und ein
Theil der Vorderfl&auml;che der Kry&longs;tallin&longs;e zwi&longs;chen &longs;ich leer
la&longs;&longs;en, wird der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Petiti&longs;che Canal</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Canal godronn&eacute;</HI>)</HI> gebildet,
den die gedachten Fibern &longs;tellenweis zu&longs;ammenziehen,
daher er, durch eine Oefnung aufgebla&longs;en, nur an
den Stellen an&longs;chwillt, wo die Fibern nicht &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kry&longs;tallin&longs;e</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CC (lens cry&longs;tallina, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Cry&longs;tallin</HI>)</HI>
wird zwar unter die Feuchtigkeiten des Auges gez&auml;hlt, i&longs;t
aber vielmehr ein fe&longs;ter durch&longs;ichtiger K&ouml;rper, wie ein auf
beyden Seiten erhabnes Glas ge&longs;taltet, und liegt am vordern
Theile der gl&auml;&longs;ernen Feuchtigkeit, welche da&longs;elb&longs;t &longs;o
ausgeh&ouml;hlt i&longs;t, da&szlig; die erhabne hintere Fl&auml;che der Kry&longs;tallin&longs;e
bis an den Rand in die&longs;er H&ouml;hlung liegen kan. Der
Kry&longs;tallin&longs;e hintere Seite i&longs;t mehr erhaben, als die vordere;
beyde Seiten aber werden mit zunehmendem Alter
immer fl&auml;cher. Sie be&longs;teht aus mehreren mit Gef&auml;&szlig;en
ver&longs;ehenen &longs;ph&auml;ri&longs;chen Lamellen von denen die &auml;u&szlig;ern
weicher, die innern, welche den Kern ausmachen, dichter
&longs;ind; die&longs;e Lamellen verbindet eine feine zellige Sub&longs;tanz,
in deren Zellen &longs;ich Wa&longs;&longs;er befindet. Bey neugebohrnen
Kindern i&longs;t die Kry&longs;tallin&longs;e r&ouml;thlich, wird aber bald farbenlos,
und nach dem drey&szlig;ig&longs;ten Jahre von Zeit zu Zeit
gelblicher. Das Gelbwerden f&auml;ngt im Kerne an, und
verbreitet &longs;ich nach und nach in die &auml;u&szlig;ern Lamellen. Auch
wird die Lin&longs;e im Alter h&auml;rter und fl&auml;cher, weil die Gef&auml;&szlig;e
nicht mehr &longs;o viel Feuchtigkeit zuf&uuml;hren. Sie i&longs;t in
eine durch&longs;ichtige Kap&longs;el einge&longs;chlo&longs;&longs;en, welche am vordern<PB ID="P.1.191" N="191" TEIFORM="pb"/>
Theile &longs;tark, fe&longs;t und ela&longs;ti&longs;ch, am hintern Theile &longs;chw&auml;cher
und weicher i&longs;t, und mit Zellgewebe an dem H&auml;utchen
der gl&auml;&longs;ernen Feuchtigkeit anh&auml;ngt. Zwi&longs;chen der Kap&longs;el
und der Lin&longs;e befindet &longs;ich eine Feuchtigkeit. Wenn die&longs;e
vertrocknet, &longs;o wird die Lin&longs;e verdunkelt, und w&auml;ch&longs;t mit
der Kap&longs;el zu&longs;ammen. Aus den Stralenfa&longs;ern &longs;owohl,
als aus der Centralarterie, die &longs;ich am hintern Theile der
Lin&longs;e in mehrere Ae&longs;te theilt, kommen die Gef&auml;&szlig;e, welche
die Lin&longs;e unterhalten und mit den zu ihrer Durch&longs;ichtigkeit
n&ouml;thigen S&auml;ften ver&longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Nach den von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Petit</HI> an vielen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augen</HI> ange&longs;tellten
Me&longs;&longs;ungen giebt <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurin</HI> (Abhdl. vom deutlichen Sehen, in
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Smiths</HI> Lehrbegr. der Optik durch K&auml;&longs;tner. S. 486.) &verbar;in
Decimallinien des engli&longs;chen Zolles
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Den Halbme&longs;&longs;er der Kr&uuml;mmung der Horn-<LB TEIFORM="lb"/>
haut insgemein -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,3294</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; &mdash; &mdash; der vordern Kr&uuml;mmung<LB TEIFORM="lb"/>
des Kry&longs;talls, ein Mittel aus 26<LB TEIFORM="lb"/>
Augen genommen -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">3,3081</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash; &mdash; &mdash; der hintern, eben &longs;o' ge-<LB TEIFORM="lb"/>
funden - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2,5056</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Gr&ouml;&szlig;te Dicke des Kry&longs;talls, aus eben den<LB TEIFORM="lb"/>
Augen - -</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,8525</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Axe der Hornhaut und der w&auml;&longs;&longs;erichten<LB TEIFORM="lb"/>
Feuchtigkeit zu&longs;ammen, insgemein</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot; VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1,036</CELL><CELL REND="VALIGN=&quot;BOTTOM&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">&mdash;</CELL></ROW></TABLE></P><P TEIFORM="p">Ein &longs;o bewundernsw&uuml;rdig gebautes Werkzeug hat
uns der Urheber der Natur zum Behuf eines Sinnes gegeben,
durch welchen wir die mei&longs;ten Begriffe erhalten
und die &longs;ch&auml;tzbar&longs;ten Erfahrungen &uuml;ber die Dinge au&szlig;er
uns an&longs;tellen. Auf die&longs;es Werkzeug wirken die &auml;u&szlig;ern
K&ouml;rper vermittel&longs;t des Lichts nach den Ge&longs;etzen der Brechung.
Die&longs;e Wirkung &longs;elb&longs;t i&longs;t noch ein Gegen&longs;tand die&longs;es
Artikels; was aber un&longs;ere Empfindungen bey der&longs;elben
und un&longs;ere Urtheile &uuml;ber die&longs;e Empfindungen betrift, &longs;oll
dem Artikel: <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sehen,</HI> vorbehalten bleiben.</P><P TEIFORM="p">Da das Licht von jedem Punkte eines &longs;ichtbaren K&ouml;rpers
nach allen Richtungen in geraden Linien ausgehet,<PB ID="P.1.192" N="192" TEIFORM="pb"/>
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Licht, Licht&longs;tralen,</HI> &longs;o wird man &longs;ich Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig.
29. die vordere Fl&auml;che der Hornhaut <HI REND="roman" TEIFORM="hi">KK,</HI> als die Grundfl&auml;che
der Stralenkegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AKK, BKK, CKK,</HI> vor&longs;tellen
k&ouml;nnen, deren Spitzen in den Punkten <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A, B, C</HI> des &longs;ichtbaren
K&ouml;rpers liegen. Die&longs;e Stralenkegel dringen durch
die Hornhaut und w&auml;&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit; ein Theil ihrer
Stralen wird zwar von der vorliegenden Iris aufgefangen;
das auf die Pupille fallende Licht aber trift die Kry&longs;tallin&longs;e
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HH,</HI> dringt durch die&longs;elbe und durch die gl&auml;&longs;erne
Feuchtigkeit bis an die Netzhaut in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a b c</HI> durch, und leidet
bey &longs;einem Durchgange durch vier ver&longs;chiedene Mittel,
nemlich die Hornhaut und die drey &longs;ogenannten Feuchtigkeiten,
vier Brechungen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Brechung der Licht&longs;tralen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Brechungen genau zu berechnen, i&longs;t im Allgemeinen
unm&ouml;glich, da die Gr&ouml;&szlig;e der Brechung in jeder
Feuchtigkeit nicht genau genug be&longs;timmt, auch nicht jedes
Auge dem andern hierinn vollkommen &auml;hnlich i&longs;t. Es
l&auml;&szlig;t &longs;ich aber &uuml;ber&longs;ehen, da&szlig; die Brechung in der Hornhaut
wegen der Ge&longs;talt und D&uuml;nne der&longs;elben unbedeutend
i&longs;t; da&szlig; ferner die divergirenden Stralen der Kegel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AKK,
BKK, CKK,</HI> in der w&auml;&longs;&longs;erichten Feuchtigkeit und noch
mehr in der weit &longs;t&auml;rker brechenden und wie ein erhabnes
Lin&longs;englas wirkenden Kry&longs;tallin&longs;e &longs;ehr convergirend werden
m&uuml;&longs;&longs;en, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;engl&auml;&longs;er.</HI> Man wird al&longs;o erwarten, die
Stralen eines jeden Kegels in einiger Entfernung von
der Lin&longs;e wieder in einen Punkt vereiniget zu finden.
Die&longs;e Vereinigungspunkte &longs;ind in der Figur mit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">a, b, c</HI>
bezeichnet.</P><P TEIFORM="p">Es geht auf die&longs;e Art im Auge eben das vor, was
im verfin&longs;terten Zimmer ge&longs;chieht, de&longs;&longs;en Oefnung mit einem
erhabnen Gla&longs;e ver&longs;ehen i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Zimmer, verfin&longs;tertes.</HI>
Die aus einem Punkte des &longs;ichtbaren Gegen&longs;tandes
kommenden Stralen vereinigen &longs;ich hinter der Kry&longs;tallin&longs;e
wieder, und bilden, wenn die&longs;er Vereinigungspunkt genau
auf die &verbar;Netzhaut trift, auf der&longs;elben den Punkt deutlich
ab; aus den Bildern mehrerer Punkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">&verbar;a, b, c</HI> ent&longs;teht,
wie die Figur deutlich zeigt, ein umgekehrtes Bild des<PB ID="P.1.193" N="193" TEIFORM="pb"/>
Gegen&longs;tandes <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ABC,</HI> wie im verfin&longs;terten Zimmer umgekehrte
Bilder der Gegen&longs;t&auml;nde auf der dem Gla&longs;e gegen&uuml;berliegenden
Wand ent&longs;tehen. Auch i&longs;t der innere mit
der gl&auml;&longs;ernen Feuchtigkeit erf&uuml;llte Raum des Auges einem
&longs;olchen Zimmer v&ouml;llig &auml;hnlich, und wird durch den
&longs;chwarzen die braune Haut von innen bekleidenden und
durch die durch&longs;ichtige Netzhaut durch&longs;cheinenden Leim
verdunkelt.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Aehnlichkeit des Auges mit dem verfin&longs;terten
Zimmer, welche <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porta</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De refractione, optices
parte libri IX. Neapol. 1583. 4.)</HI> zuer&longs;t entdeckt hat,
leitete die Naturfor&longs;cher auf be&longs;&longs;ere Wege zur Erkl&auml;rung
des Sehens, und bewies, da&szlig; dabey etwas von au&szlig;en her
ins Auge komme, da unter den Alten viele geglaubt
hatten, die Stralen giengen vom Auge aus, wie etwa
der Stock, durch den man etwas bef&uuml;hlt, von der Hand
ausgeht. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porta</HI> &longs;elb&longs;t war inzwi&longs;chen von der richtigen
Erkl&auml;rung noch weit entfernt. Er nahm die Oefnung
des Sterns f&uuml;r das Loch im Laden des Zimmers
und die Kry&longs;tallin&longs;e f&uuml;r die Wand an, auf welcher &longs;ich
das Bild abmahle; er behauptete auch die&longs;er Theorie
gem&auml;&szlig;, da&szlig; von jedem Punkte der Sache nur ein einziger
Stral ins Auge komme.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler,</HI> der &longs;o viel neue Wahrheiten gelehrt hat,
lehrte auch zuer&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Paralipomena ad Vitellionem, Frf.
1604. 4. cap. 5.)</HI> die Art und Wei&longs;e der Ent&longs;tehung des
Bildes richtig. Er zeigte, da&szlig; es auf die Netzhaut falle,
und da&longs;elb&longs;t deutlich &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;e, wenn man deutlich &longs;ehen
&longs;olle. Er war der er&longs;te, der aus jedem Punkte des Gegen&longs;tandes
mehrere einen Kegel bildende Stralen ins Auge
kommen, und durch den Punkt ihrer Wiedervereinigung
den Ort be&longs;timmen lie&szlig;, in welchem &longs;ich das deutliche Bild
des &longs;tralenden Punkts entwirft. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> in Rom &longs;etzte
endlich im Jahre 1625 die&longs;e Kepleri&longs;che Erkl&auml;rung ganz
au&szlig;er Zweifel. Er &longs;chnitt von einem Och&longs;en- oder Schaafauge
die hintern H&auml;ute bis auf die Netzhaut weg, und erblickte
nun die Bilder &longs;olcher Gegen&longs;t&auml;nde, die &longs;ich in der
geh&ouml;rigen Entfernung befanden, auf der blo&szlig;en Netzhaut<PB ID="P.1.194" N="194" TEIFORM="pb"/>
deutlich abgemahlt. Eben dies nahm er auch an einem
men&longs;chlichen Auge wahr.</P><P TEIFORM="p">Inzwi&longs;chen mu&szlig; man &longs;ich h&uuml;ten, die Aehnlichkeit
des Auges mit dem verfin&longs;terten Zimmer allzuweit zu
treiben, &longs;ich etwa die Seele als den Zu&longs;chauer vorzu&longs;tellen,
der das Bild betrachtet, und zu glauben, das,
was &longs;te empfindet, &longs;ey das auf der Netzhaut entworfene
Bild &longs;elb&longs;t. Die&longs;es Bild zu &longs;ehen, m&uuml;&longs;te &longs;ie noch ein
zweytes Auge haben, womit &longs;ie das Bild im er&longs;ten anblicken
k&ouml;nnte. Deutliches Bild und deutliches Sehen
&longs;ind zwar unzertrennlich mit einander verkn&uuml;p&longs;t;
allein nur als zwo Wirkungen einer und ebender&longs;elben
Ur&longs;ache. Die genaue Wiedervereinigung der Stralen,
welche aus einerley Punkte des &longs;ichtbaren K&ouml;rpers ausgiengen,
i&longs;t die Ur&longs;ache der Deutlichkeit des Bildes
und der Deutlichkeit des Sehens zugleich, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Sehen.</HI></P><P TEIFORM="p">Die Deutlichkeit des Bildes auf der Netzhaut
wird ge&longs;t&ouml;rt, wenn die Vereinigungspunkte nicht genau
auf die&longs;elbe treffen, &longs;ondern entweder vor ihr, oder
hinter ihr liegen. Bey&longs;piele beyder F&auml;lle geben Fig.
30. und 31. Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> In Fig. 30. haben &longs;ich die
Stralen des Kegels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK</HI> &longs;chon vor der Netzhaut bey
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> vereiniget, und durchkreuzt; in Fig. 31. erreichen
&longs;ie einander bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> er&longs;t hinter der Retzhaut. In beyden
F&auml;llen bilden &longs;ie &longs;tatt des Punkts <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> einen Kreis ab, der
die Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ac</HI> zum Durchme&longs;&longs;er hat. Man &longs;ieht aber
leicht, da&szlig; ein Bild undeutlich werden mu&szlig;, wenn &longs;ich
jeder Punkt de&longs;&longs;elben in einen Kreis ausbreitet. Mit
die&longs;em undeutlichen Bilde nun ent&longs;teht auch zugleich
undeutliches Sehen.</P><P TEIFORM="p">Entfernte Gegen&longs;t&auml;nde &longs;enden von jedem ihrer Punkte
einen Stralenkegel ins Auge, de&longs;&longs;en Stralen nahe am Auge
keine merkliche Divergenz zeigen, eben darum, weil &longs;ie,
r&uuml;ckw&auml;rts betrachtet, er&longs;t in einem entfernten Punkte zu&longs;ammenlaufen.
Ein &longs;olcher Kegel l&auml;&longs;t &longs;ich al&longs;o als ein
Stralencylinder an&longs;ehen, de&longs;&longs;en Stralen parallel laufen.
So i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK,</HI> Fig. 30. vorge&longs;tellt. R&uuml;ckte der ge&longs;ehene<PB ID="P.1.195" N="195" TEIFORM="pb"/>
Punkt n&auml;her, etwa bis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> heran, &longs;o w&uuml;rde der Vereinigungspunkt
&longs;einer nun divergirenden Stralen weiter hinter
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> hinausr&uuml;cken (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;engl&auml;&longs;er</HI>), u. auf die Netzhaut
fallen, und das Bild w&uuml;rde deutlich &longs;eyn. Ein Auge, wie
Fig. 30. &longs;ieht al&longs;o nur in der N&auml;hei, nicht in der Ferne
deutlich. Die &longs;olche Augen haben, hei&szlig;en <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kurz&longs;ichtige,
Myopen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(myopes).</HI> Die letztere Benennung k&ouml;mmt
von dem Zu&longs;ammen&longs;chlie&szlig;en oder Blinzen der Augenlieder,
womit &longs;ie die Augen vor dem einfallenden vielen Lichte
zu &longs;ch&uuml;tzen &longs;uchen, u. welches man an den Augen der M&auml;u&longs;e
ebenfalls bemerkt. Der Punkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> in welchem &longs;ie die Gegen&longs;t&auml;nde
deutlich &longs;ehen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(punctum vi&longs;ionis di&longs;tinctae),</HI>
liegt allzunahe vor ihren Augen. Gemeiniglich i&longs;t ihre
Hornhaut erhabner und ihre Pupille weiter er&ouml;fnet.
Eine allzu convexe oder zu dichte Kry&longs;tallin&longs;e, welche
parallele Stralen zu &longs;tark bricht, und al&longs;o zu &longs;chnell
vereiniget, oder ein allzugro&szlig;er Ab&longs;tand der Lin&longs;e von
der Netzhaut &longs;ind die unmittelbaren Ur&longs;achen der
Kurz&longs;ichtigkeit. Hohlgl&auml;&longs;er zer&longs;treuen die parallelen
Stralen, und machen, da&szlig; &longs;ie &longs;o divergiren, als ob
&longs;ie aus dem Zer&longs;treuungsraume die&longs;er Gl&auml;&longs;er herk&auml;men,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;engl&auml;&longs;er.</HI> H&auml;lt daher ein Kurz&longs;ichtiger &longs;einem
Auge ein Hohlglas &longs;o vor, da&szlig; de&longs;&longs;en Zer&longs;treuungsraum
in die Gegend von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> (dem Punkte des deutlichen
Sehens f&uuml;r &longs;ein Auge) f&auml;llt, &longs;o empf&auml;ngt er die Stralenkegel
&longs;o, als ob &longs;ie aus der Gegend von <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> k&auml;men,
und &longs;ieht auch entfernte Dinge deutlich.</P><P TEIFORM="p">Naher Gegen&longs;t&auml;nde Punkte hingegen &longs;enden Stralen
aus, die noch beym Eintritte ins Auge merklich divergiren,
wie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BKK,</HI> Fig. 31., deren Vereinigungspunkte al&longs;o
weiter hinter die Lin&longs;e fallen, als die der parallelen Stralen,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;engl&auml;&longs;er.</HI> R&uuml;ckte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> in eine gr&ouml;&szlig;ere Entfernung
hinaus, &longs;o w&uuml;rde der Vereinigungspunkt <HI REND="roman" TEIFORM="hi">b</HI> n&auml;her
r&uuml;cken, und endlich die Netzhaut &longs;elb&longs;t treffen, al&longs;o ein
deutliches. Bild geben. Ein Auge, wie Fig. 31., &longs;ieht
al&longs;o nur in der Ferne, nicht in der N&auml;he, deutlich. Diejenigen,
deren Augen &longs;o gebildet &longs;ind, hei&szlig;en <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weit&longs;ichtige,
Presbyten</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bresbytae),</HI> weil man die&longs;en Fehler<PB ID="P.1.196" N="196" TEIFORM="pb"/>
gew&ouml;hnlich an den Augen alter Per&longs;onen findet. Man
z&auml;hlt &longs;chon diejenigen zu den Presbyten, die eine Sache,
um &longs;ie deutlich zu &longs;ehen, einen Schuh weit vom Auge
entfernen m&uuml;&longs;&longs;en. Manche m&uuml;&longs;&longs;en &longs;ie 2&mdash;3 Schuh
weit abhalten. Die Presbyten haben insgemein eine
flache Hornhaut, eine flache Kry&longs;tallin&longs;e und ein kurzes
Auge, in welchem die Netzhaut der Lin&longs;e zu nahe &longs;teht.
Bey alten Leuten i&longs;t auch die Pupille enger, und die
Lin&longs;e platter und trockner. Erhabne Gl&auml;&longs;er machen,
da&szlig; die Stralen aus nahen Punkten nach dem Durchgange
&longs;o gehen, als ob &longs;ie aus entferntern Punkten
herk&auml;men, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Lin&longs;engl&auml;&longs;er, Brillen.</HI> Daher bedienen
&longs;ich Weit&longs;ichtige und Alte der Brillen, um auch
nahe Dinge deutlich zu &longs;ehen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Fehler der Augen, und die &longs;chon l&auml;ng&longs;t bekannten
Mittel, ihnen durch Gl&auml;&longs;er abzuhelfen, hat
vor <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keplern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Paralip. in Vitell. p. 200.)</HI> niemand
richtig erkl&auml;ren k&ouml;nnen. Da man aus jedem Punkte
nur Einen Stral ins Auge kommen lie&szlig;, &longs;o konnte man
auf die richtige Idee von Vereinigungspunkten nicht
kommen. Kepler ver&longs;ichert, da&szlig; er die&longs;er Sache drey
Jahre lang nachgedacht habe.</P><P TEIFORM="p">F&uuml;r jedes Auge mu&szlig; es eine gewi&longs;&longs;e Weite geben,
in welcher es in &longs;einem nat&uuml;rlichen Zu&longs;tande und ohne
alle An&longs;trengung deutlich &longs;iehet. Die&longs;e Weite <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(di&longs;tantia
vi&longs;ionis di&longs;tinctae)</HI> i&longs;t fa&longs;t f&uuml;r jedes Auge eine andere;
die Optiker pflegen &longs;ie zwar f&uuml;r ein gutgebautes
Auge im Durch&longs;chnitte auf 8 Zoll zu &longs;etzen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurin</HI> aber
nimmt 15 bis 16 engl. Zoll an, und &longs;ie kan, zumal f&uuml;r
weit&longs;ichtige Augen, vielleicht noch gr&ouml;&szlig;er &longs;eyn. Das
Auge be&longs;itzt ein Verm&ouml;gen, &longs;eine Einrichtung zu &auml;ndern,
und dadurch auch noch auf gr&ouml;&szlig;ere und kleinere
Weiten vollkommen deutlich zu &longs;ehen. Weil es aber
auch noch einige Undeutlichkeit vertragen kan, &longs;o la&longs;&longs;en
&longs;ich die&longs;e Weiten noch mehr aus einander r&uuml;cken, da&szlig;
&longs;ich al&longs;o die Grenzen, in welchen ein gutgebautes und
&longs;eine Einrichtung &longs;tark zu &auml;ndern f&auml;higes Auge mit ziemlicher
Deutlichkeit &longs;ehen kan, ungemein weit er&longs;trecken.<PB ID="P.1.197" N="197" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Worinn aber die&longs;es Verm&ouml;gen des men&longs;chlichen Auges,
&longs;eine Einrichtung f&uuml;r n&auml;here und entferntere Gegen&longs;t&auml;nde
zu &auml;ndern, eigentlich be&longs;tehe, dar&uuml;ber &longs;ind die
Meinungen &longs;ehr getheilt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kepler</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. prop. 64.)</HI>
glaubte, wenn man nahe Gegen&longs;t&auml;nde betrachte, &longs;o mache
der Stralenk&ouml;rper <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(corpus ciliare)</HI> durch &longs;eine Zu&longs;ammenziehung
das Auge l&auml;nger, indem er die gl&auml;&longs;erne Feuchtigkeit
dr&uuml;cke, welche daher die Kry&longs;tallin&longs;e vorw&auml;rts treibe,
und weiter von der Netzhaut entferne. Die&longs;e Meinung
hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porterfield</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Treati&longs;e on the eye. Edinb. 1759.
II. Vol. 8.)</HI> mehr ausge&longs;chm&uuml;ckt, und behauptet, im nat&uuml;rlichen
Zu&longs;tande &longs;ey der Stralenk&ouml;rper &longs;chlaff und das
Auge k&uuml;rzer, daher man entfernte Gegen&longs;t&auml;nde ohne An&longs;trengung
betrachten k&ouml;nne; nahe Gegen&longs;t&auml;nde deutlich zu
&longs;ehen, m&uuml;&longs;&longs;e der Stralenk&ouml;rper zu Verl&auml;ngerung des Auges
wirken, daher es durch die&longs;e An&longs;trengung erm&uuml;de.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dioptr. c. 3.)</HI> nahmen an,
durch die Zu&longs;ammenziehung des Stralenk&ouml;rpers werde
vielmehr die Ge&longs;talt der Kry&longs;tallin&longs;e &longs;elb&longs;t convexer; und
&uuml;berhaupt, &longs;agt der letztere, wird die Figur des Auges, ja
&longs;ogar eines Theils vom Gehirn ver&auml;ndert, wodurch die
Seele die Entfernungen zu &longs;ch&auml;tzen wei&szlig;. Die&longs;er Meinung,
in &longs;o fern &longs;ie die Kry&longs;tallin&longs;e betrift, i&longs;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurins</HI>
Hypothe&longs;e (vom deutl. Sehen im Smith nach K&auml;&longs;tner
S. 497.) gerade entgegenge&longs;etzt. Er meint, f&uuml;r <HI REND="bold" TEIFORM="hi">entlegnere</HI>
Sachen z&ouml;gen &longs;ich die Stralenfa&longs;ern zu&longs;ammen, und
br&auml;chten die vordere Seite der Kap&longs;el der Kry&longs;tallin&longs;e etwas
vorw&auml;rts und ausw&auml;rts, dadurch flie&szlig;e das Wa&longs;&longs;er
in der Kap&longs;el von der Mitte nach dem erhabnen Theile
hin, die w&auml;&longs;&longs;erichte Feuchtigkeit aber von dem erhabnen
Theile der Kap&longs;el nach der Mitte, und die Vorderfl&auml;che
der Lin&longs;e werde weniger convex. F&uuml;r n&auml;here Gegen&longs;t&auml;nde
wirke ein Muskelring an der Iris, der die Hornhaut erhabner
mache. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Pemberton</HI> glaubt, die Kry&longs;tallin&longs;e
&longs;elb&longs;t &longs;ey mit muskul&ouml;&longs;en Fibern ver&longs;ehen, welche ihren
Fl&auml;chen die f&uuml;r die Entfernung der Gegen&longs;t&auml;nde geh&ouml;rige
Kr&uuml;mmung g&auml;ben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroeck</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad philo&longs;.<PB ID="P.1.198" N="198" TEIFORM="pb"/>
nat. To. II. &sect;. 1884.),</HI> oder vielmehr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albinus,</HI> von dem
die anatomi&longs;chen Stellen die&longs;es Buchs herr&uuml;hren, &longs;ucht
die Ur&longs;ache in der <HI REND="roman" TEIFORM="hi">corona ciliari,</HI> welche bey nahen Gegen&longs;t&auml;nden
er&longs;chlaffe, daher die von den H&auml;uten gepre&szlig;te gl&auml;&longs;erne
Feutigkeit die Kry&longs;tallin&longs;e vordr&uuml;cke und von der
Netzhaut entferne, wodurch auch die Lin&longs;e &longs;elb&longs;t fl&auml;cher
werde. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Camper</HI> nimmt eine durch den Petiti&longs;chen Canal
bewirkte Ver&auml;nderung der Ge&longs;talt der Lin&longs;e an, und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sauvages</HI>
glaubt, die&longs;er Canal werde, wenn wir etwas &longs;charf
betrachten, von elektri&longs;cher Materie aufgetrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Molinet</HI>
behauptete, die vier geraden Augenmuskeln z&ouml;gen
bey entfernten Gegen&longs;t&auml;nden die harte Haut zu&longs;ammen
und verk&uuml;rzten das Auge; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bohn</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhave,</HI> &longs;ie z&ouml;gen
die harte Haut von der Hornhaut ab, und verl&auml;ngerten
das Auge f&uuml;r nahe Gegen&longs;t&auml;nde; andere haben theils die
eine, theils die andere Wirkung den &longs;chiefen Augenmuskeln
zuge&longs;chrieben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">De la Hire</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Sur les differens accidens
de la vue. M&eacute;m. de l' acad. de Paris. 1749.)</HI> behauptete,
es &longs;ey zum Deutlich&longs;ehen in ver&longs;chiedenen Entfernungen
blos eine ver&longs;chiedne Er&ouml;fnung der Pupille n&ouml;thig, die
&longs;ich bey Betrachtung naher Gegen&longs;t&auml;nde merklich verengert.
Die&longs;e Meinung, die &longs;chon l&auml;ng&longs;t verworfen war, haben
le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roi</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m, de Paris 1755.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Elem.
Phy&longs;iolog. ed. Lau&longs;ann. 1763.</HI> gr. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">4. To. V. p. 516.</HI>)
wieder erneuert. Die Stralenfa&longs;ern, &longs;agen &longs;ie, &longs;ind zu
&longs;chwach, h&auml;ngen auch nicht an die Lin&longs;e an, und &longs;ind nicht
muskul&ouml;s, und bey dem gro&szlig;en Umfange der Grenzen des
deutlichen Sehens mancher Augen m&uuml;&longs;&longs;en die Wirkungen
weit betr&auml;chtlicher &longs;eyn, als Bewegung und Ver&auml;nderung
der Ge&longs;talt der Lin&longs;e &longs;ie je hervorbringen k&ouml;nnten. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI>
behauptet, es &longs;ey im Auge gar keine innere Bewegung zu
finden, als die Erweiterung und Verengerung der Pupille,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iurins</HI> Muskelring &longs;ey ein Unding, die Kraft der &auml;u&szlig;ern
Augenmuskeln &longs;ey zu grob f&uuml;r &longs;o feine Ver&auml;nderungen,
auch gebe die harte Haut &longs;olchen Ver&auml;nderungen nicht nach
und die Verengerung der Pupille &longs;ey v&ouml;llig hinreichend,
weil auch im verfin&longs;terten Zimmer die Bilder naher Dinge
deutlicher w&uuml;rden, wenn man die Oefnung verengere.<PB ID="P.1.199" N="199" TEIFORM="pb"/>
Die&longs;er gro&szlig;e Phyfiolog hat aber nicht daran gedacht, da&szlig;
bey der Betrachtung entfernter Gegen&longs;t&auml;nde der Stern &longs;ich
nicht verengert, &longs;ondern erweitert, da doch die Erfahrung
lehrt, da&szlig; auch entfernter Dinge Undeutlichkeit durch eine
gewi&longs;&longs;e uns f&uuml;hlbare Einrichtung des Auges gehoben wird,
wozu al&longs;o auch andere H&uuml;lfsmittel vorhanden &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;en.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zinn</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Progr. de ligamentis ciliaribus. Gotting. 4.)</HI>
pflichtet Keplers Meinung bey, da&szlig; der Stralenk&ouml;rper die
Lage der Kry&longs;tallin&longs;e &auml;ndere; nur ge&longs;chehe die&longs;es nicht durch
muskul&ouml;&longs;e Fibern, &longs;ondern durch den Zuflu&szlig; mehrerer S&auml;fte
in die Gef&auml;&szlig;e des Stralenk&ouml;rpers, wodurch der&longs;elbe auf&longs;chwelle,
die gl&auml;&longs;erne Feuchtigkeit pre&longs;&longs;e und die Kry&longs;tallin&longs;e
vordr&uuml;cke.</P><P TEIFORM="p">Eben &longs;o &longs;ehr &longs;ind die Meinungen &uuml;ber die Ur&longs;ache
der allgemein bekannten Verengerung der Pupille bey &longs;tarkem
Lichte, und ihrer Erweiterung im Dunkeln, getheilt.
Die&longs;e unwillk&uuml;hrliche Bewegung kan leicht vor dem Spiegel
wahrgenommen werden, wenn man das Auge bey &longs;tarker
Erleuchtung abwech&longs;elnd mit der Hand deckt und frey
l&auml;&longs;t. Auch i&longs;t &longs;ie &longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Galen</HI> und den Arabern erw&auml;hnt
worden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Scheiner</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Oculus p. 31.)</HI> bemerkt auch,
da&szlig; &longs;ich der Stern bey Betrachtung einer nahen Sache,
z. B. einer Nadel, verengere, und, wenn &longs;ie entfernt wird,
wieder &ouml;ffne. Auch erweitert &longs;ich der Stern bey der Blindheit,
bey Wahnwitzigen, beym Schlagflu&szlig;, Ein&longs;chl&auml;fern
durch Opium, Fieberphanta&longs;ien, &uuml;berhaupr bey vielen
Krankheiten, die das Gehirn betreffen, und im Tode
&longs;elb&longs;t. Man hat zu Erkl&auml;rung die&longs;er Bewegungen der
Iris Muskelfibern angenommen, von welchen die geraden
zu Erweiterung, die ringf&ouml;rmigen zu Verengerung der
Oeffnung dienen &longs;ollten. Dies haben viele gro&szlig;e Zergliederer
wie <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rau, Ruy&longs;ch, Hei&longs;ter, Winslow,</HI> angenommen,
denen auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Porterfield</HI> bey&longs;timmt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mery,
Mdrgagni, Zinn</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Haller</HI> aber haben wenig&longs;tens
die ringf&ouml;rmigen nicht finden k&ouml;nnen. Der letztere fand
durch Ver&longs;uche die Iris nicht reizbar, und da er Reizbarkeit
f&uuml;r ein we&longs;entliches Kennzeichen der Muskelfa&longs;er h&auml;lt,<PB ID="P.1.200" N="200" TEIFORM="pb"/>
&longs;o &longs;pricht er die&longs;er Haut alle Muskelfibern &uuml;berhaupt ab.
Auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Demours</HI> hat in der Iris keine Reizbarkeit gefunden.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI> lie&szlig; Licht&longs;tralen durch einen papiernen Kegel
auf die Iris eines Thiers fallen, welche dadurch nicht
im gering&longs;ten bewegt wurde. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lambert</HI> (Photometrie
S. 371.) lie&szlig; vor einem Spiegel durch ein Lin&longs;englas das
Bild der Lichtflamme blos auf die Iris eines &longs;einer Augen
fallen; aber beyder Augen Oefnungen blieben gleich gro&szlig;;
&longs;obald hingegen noch &longs;o wenig von dem Lichtbilde auf die
Pupille &longs;elb&longs;t fiel, ward die letztere kleiner, und dreymal &longs;o
klein, als die im andern Auge, wenn das ganze Bild der
Flamme darauf fiel. Dies bewei&longs;t nun wohl, da&szlig; das
Zu&longs;ammenziehen von demjenigen Lichte ent&longs;tehe, was auf
die Netzhaut f&auml;llt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hartley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ob&longs;ervations on Man,
Vol. I. p. 219.)</HI> vermuthet deswegen, da&szlig; Nerven&auml;&longs;te
aus der Netzhaut in die Iris laufen; die Phy&longs;iologen der
Stahli&longs;chen Schule la&longs;&longs;en die Seele &longs;elb&longs;t den Stern erweitern,
wenn &longs;ie findet, da&szlig; ihr der Ueberflu&szlig; des Lichts
nicht &longs;chaden k&ouml;nne. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hallern</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phy&longs;iolog. To. V.
p. 378.)</HI> erregt der Reiz des Lichts auf der Netzhaut einen
pl&ouml;tzlichen Zu&longs;ammenflu&szlig; der S&auml;fte in die Gef&auml;&szlig;e und Z&auml;&longs;erchen
der Iris, wodurch &longs;ich die&longs;e verl&auml;ngern, und die
Oefnung enger machen. Die Erweiterung der Oefnung
i&longs;t die R&uuml;ckkehr in den nat&uuml;rlichen Zu&longs;tand. Den Reiz
des &longs;tarken Lichts f&uuml;hlt man mit Schmerz, wenn man in
die Sonne &longs;ieht, und ein allzu&longs;tarker Reiz kan das ganze
Werkzeug des Sehens zer&longs;t&ouml;ren. Er f&uuml;hrt noch an, da&szlig;
er an einer er&longs;&auml;uften Katze 23 Stunden nach dem Tode
an der gelinden W&auml;rme des Ofens die &longs;ehr erweiterte Oefnung
des Augen&longs;terns &longs;ich fe&longs;t wieder habe &longs;chlie&szlig;en ge&longs;ehen,
wo al&longs;o der blo&szlig;e Reiz der W&auml;rme die Kr&auml;fte, welche
die Iris erweitern, in Bewegung ge&longs;etzt habe. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fontana</HI>
h&auml;lt vielmehr den zu&longs;ammengezognen Zu&longs;tand des Augen&longs;terns
f&uuml;r den nat&uuml;rlichen, und leitet die Erweiterung von
einer Verminderung der S&auml;fte in der Iris her.</P><P TEIFORM="p">Unmittelbare Ur&longs;achen der Blindheit &longs;ind unter andern
Verdunkelung oder Undurch&longs;ichtigwerden der Kry&longs;tallin&longs;e,<PB ID="P.1.201" N="201" TEIFORM="pb"/>
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">graue Stahr</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(cataracta, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">cataracte</HI>),</HI> und L&auml;hmung
oder Unempfindlichkeit des Sehnerven und der Netzhaut,
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;chwarze Stahr</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(amauro&longs;is, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">goutte &longs;ereine</HI>).</HI>
Dem grauen Stahre wird durch Hinwegdr&uuml;ckung oder
Herausziehung der Kri&longs;tallin&longs;e abgeholfen. Denn da die
w&auml;&longs;erichte und gl&auml;&longs;erne Feuchtigkeit ebenfalls die Stralen
brechen und ihre Kegel convergent machen, &longs;o ent&longs;teht
auch ohne Kri&longs;tallin&longs;e ein Bild, ob &longs;ich gleich viele Operirte
der Stahrbrillen bedienen m&uuml;&longs;&longs;en, um die Brechung
zu ver&longs;t&auml;rken, und den Mangel der Kry&longs;tallin&longs;e zu er&longs;etzen,
da &longs;on&longs;t die Vereinigungspunkte allzuweit hinter
die Netzhaut fallen w&uuml;rden.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. c. 35. 36.
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Zinn</HI> de&longs;criptio anatomica oculi humani. Gotting. 1755. 4.
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> Elem. Phy&longs;iolog. To. V. L. 19.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Licutaud</HI> Zergliederungskun&longs;t,
mit <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Portals</HI> Anm. aus dem Franz. mit Zu&longs;&auml;tzen.
Leipzig <HI REND="roman" TEIFORM="hi">1782. 8. II.</HI> Band. Cap. 5. Ab&longs;chn. 2. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> Ge&longs;chichte
der Optik, durch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kl&uuml;gel</HI> an mehreren Stellen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Augenglas, &longs;. Fernrohr.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnbarkeit" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnbarkeit, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Dilatabilitas</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Dilatabilit&eacute;</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Die F&auml;higkeit der K&ouml;rper, &longs;ich in einen gr&ouml;&szlig;ern Raum ausdehnen
oder verbreiten zu la&longs;&longs;en, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ausdehnung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Dilatatio).</HI>
Der K&ouml;rper, der die&longs;e F&auml;higkeit be&longs;itzt, hei&szlig;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">ausdehnbar.</HI>
Fa&longs;t alle bekannte K&ouml;rper &longs;ind ausdehnbar.</P><P TEIFORM="p">Das Wort i&longs;t von Dehnbarkeit <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Ductilitas)</HI> zu unter&longs;cheiden,
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Dehnbarkeit.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Exten&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Etendue des corps</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das allgemeine Ph&auml;nomen der K&ouml;rper, verm&ouml;ge de&longs;&longs;en
ein jeder in einem Raume enthalten zu &longs;eyn &longs;cheint, den
man nach dreyerley auf einander &longs;enkrecht &longs;tehenden Richtungen
abme&longs;&longs;en, oder in welchem man L&auml;nge, Breite und
H&ouml;he unter&longs;cheiden kan. Die &longs;innlichen Eindr&uuml;cke, welche
die K&ouml;rper auf uns machen, belehren uns davon, da&szlig; ihre
Theile <HI REND="bold" TEIFORM="hi">neben einander</HI> liegen, und da&szlig; die Stellen,
welche wir uns im Innern eines K&ouml;rpers gedenken k&ouml;nnen,
von den Theilen des K&ouml;rpers &longs;elb&longs;t nach allen m&ouml;glichen
Richtungen umgeben werden, weil uns des K&ouml;rpers &auml;u&longs;&longs;ere<PB ID="P.1.202" N="202" TEIFORM="pb"/>
Theile die&longs;e innern Stellen verdecken, von welcher
Seite wir auch den K&ouml;rper betrachten m&ouml;gen. Dies i&longs;t
nun eben das, was wir mit dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">k&ouml;rperlicher
Raum, k&ouml;rperliche Ausdehnung,</HI> bezeichnen, und
da wir dies an allen K&ouml;rpern ohne Unter&longs;chied wahrnehmen,
und es al&longs;o nothwendig mit dem Begriffe von K&ouml;rpern
&uuml;berhaupt, der aus den &longs;innlichen Eindr&uuml;cken abgezogen
i&longs;t, verbinden, &longs;o k&ouml;nnen wir uns keinen K&ouml;rper anders,
als ausgedehnt, denken, daher die mei&longs;ten Phy&longs;iker
die Ausdehnung eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft der K&ouml;rper
oder der Materie nennen.</P><P TEIFORM="p">Denkt man &longs;ich die Materie des K&ouml;rpers aus die&longs;em
Raume hinweggenommen, doch &longs;o, da&szlig; die Vor&longs;tellung
des Raumes &longs;elb&longs;t noch zur&uuml;ckbleibt, &longs;o hat man das, was
den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">geometri&longs;chen Raumes,</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">geometri&longs;chen
Ausdehnung</HI> f&uuml;hrt, und de&longs;&longs;en Grenzen auf
die Begriffe von Fl&auml;chen, Linien, Punkten leiten. Der
Geometer betrachtet die&longs;en Raum als eine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;tetige Gr&ouml;&szlig;e</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(continuum),</HI> deren Theile im ununterbrochen&longs;ten Zu&longs;ammenhange
fortgehen, wo zwi&longs;chen dem Ende des einen und
dem Anfange des folgenden Theils nichts i&longs;t, was nicht
zum Ganzen &longs;elb&longs;t mit geh&ouml;rte. Er &longs;ieht die&longs;en Raum an
als <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen</HI> ausgef&uuml;llt durch &longs;eine Theile; daher kan
er&verbar; ihn auch &longs;o lange er will, d. h. ohne Ende theilen, weil
in dem Begriffe, den er &longs;ich davon macht, nichts liegt,
was der M&ouml;glichkeit einer fortge&longs;etzten Theilung je entgegen&longs;t&uuml;nde.</P><P TEIFORM="p">Denkt man &longs;ich aber die Materie des K&ouml;rpers wieder
in die&longs;en Raum gebracht, &longs;o f&uuml;llt hn die&longs;e nicht &longs;o &longs;tetig,
&longs;o <HI REND="bold" TEIFORM="hi">vollkommen</HI> aus, wie ihn der Geometer ausgef&uuml;llt
annahm. Sie l&auml;&longs;t leere unausgef&uuml;llte Zwi&longs;chenr&auml;ume
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Leere, zer&longs;treute</HI>), und der ab&longs;olut volle Raum
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> i&longs;t l&auml;ng&longs;t aus der be&longs;&longs;ern Naturlehre verwie&longs;en.
Die&longs;e Zwi&longs;chenr&auml;ume darf der Phy&longs;iker nicht &longs;o
in den phy&longs;ikali&longs;chen K&ouml;rper mit einrechnen, wie der Geometer
alle Theile des Raums ohne Unter&longs;chied zu dem geometri&longs;chen
K&ouml;rper rechnet. Dies i&longs;t nun eine Betrachtung,<PB ID="P.1.203" N="203" TEIFORM="pb"/>
die der M&ouml;glichkeit einer Theilung der Materie ins
Unendliche wohl Hinderni&longs;&longs;e entgegen &longs;etzen m&ouml;chte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Theilbarkeit.</HI> Es l&auml;&longs;t &longs;ich hier wenig&longs;tens als m&ouml;glich an&longs;ehen,
da&szlig; es gewi&longs;&longs;e letzte Theile der Materie (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Atomen</HI>),
geben k&ouml;nnte, welche an &longs;ich nicht weiter theilbar w&auml;ren.
Ob nun die&longs;e letzten Theile noch ausgedehnt &longs;eyn oder &longs;cheinen
w&uuml;rden, dar&uuml;ber haben wir wenig&longs;tens keine Erfahrungen,
weil wir &longs;olche letzte Theile nie einzeln und abge&longs;ondert
ge&longs;ehen haben. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Prie&longs;tley</HI> hat &longs;ich die Materie als
eine Menge von Kr&auml;ften vorge&longs;tellt, die &longs;ich auf mathemati&longs;che
Punkte bez&ouml;gen, und unter dem Worte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Materie</HI>
wird man &auml;hnliche Vor&longs;tellungsarten andrer Weltwei&longs;en
antreffen. So viel &longs;ich metaphy&longs;i&longs;ch dagegen di&longs;putiren
l&auml;&longs;t, &longs;o i&longs;t es doch unm&ouml;glich, durch Erfahrung etwas dar&uuml;ber
auszumachen. Die&longs;e Betrachtungen haben mich bewogen,
die Ausdehnung nicht eine we&longs;entliche Eigen&longs;chaft
der Materie, &longs;ondern ein allgemeines Ph&auml;nomen der K&ouml;rper
zu nennen, da das We&longs;en der Materie vor &longs;terblichen
Augen verborgen i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Die Art, wie K&ouml;rper ihren Raum einnehmen, i&longs;t
von der Art, wie &longs;ich der Geometer den Raum ausgef&uuml;llt
denkt, gerade &longs;o unter&longs;chieden, wie die Ausf&uuml;llung eines
Maa&szlig;es durch K&ouml;rner von dem ganzen Raume des Maa&szlig;es
&longs;elb&longs;t, wie der aus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">z&auml;hlbaren Mengen</HI> be&longs;tehende
Gegen&longs;tand der Rechenkun&longs;t von dem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">me&szlig;baren</HI> Gegen&longs;tande
der Geometrie. Wer das We&longs;en der Materie durch&longs;chauen
k&ouml;nnte, m&uuml;&longs;te anzugeben verm&ouml;gen, wie viel er&longs;te
Theile, wie viel Atomen in jedem K&ouml;rper vorhanden w&auml;ren.
Obgleich dies unm&ouml;glich i&longs;t, &longs;o werden wir doch
durch das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gewicht</HI> der K&ouml;rper davon belehrt, wie &longs;ich
die&longs;e Mengen von Materie in ver&longs;chiednen K&ouml;rpern gegen
einander verhalten, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ma&longs;&longs;e.</HI> Der Raum, den die K&ouml;rper
einzunehmen &longs;cheinen, durch geometri&longs;che Ausme&longs;&longs;ung
be&longs;timmt, hei&szlig;t ihr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Volumen;</HI> die&longs;es mit dem durchs
Gewicht be&longs;timmten Verh&auml;ltni&longs;&longs;e der Ma&longs;&longs;en verglichen,
f&uuml;hrt auf die Begriffe von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dichte, &longs;pecifi&longs;cher Schwere,</HI>
worauf &longs;ich ein gro&szlig;er Theil desjenigen gr&uuml;ndet, was
wir von den K&ouml;rpern wi&longs;&longs;en.<PB ID="P.1.204" N="204" TEIFORM="pb"/></P></DIV2><DIV2 N="Ausdehnung, Ausbreitung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausdehnung, Ausbreitung</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Dilatatio, Expan&longs;io,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Dilatation, Expan&longs;ion.</HI></HI> Die Verbreitung eines
K&ouml;rpers durch einen gr&ouml;&szlig;ern Raum, als er vorher einnahm,
oder die Vergr&ouml;&szlig;erung &longs;eines Volumens. Da
hiebey vorausge&longs;etzt wird, da&szlig; der K&ouml;rper der&longs;elbe bleibe,
oder da&szlig; die Menge &longs;einer Materie nicht ver&auml;ndert werde,
&longs;o erfordert die Ausdehnung, da&szlig; &longs;ich &longs;eine Theilchen weiter
von einander entfernen, und gr&ouml;&szlig;ere Zwi&longs;chenr&auml;ume
zwi&longs;chen &longs;ich leer la&longs;&longs;en m&uuml;&longs;&longs;en, d. i. da&szlig; der K&ouml;rper d&uuml;nner
werde, daher die Ausdehnung in die&longs;er R&uuml;ck&longs;icht auch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verd&uuml;nnung</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Rarefactio)</HI> hei&szlig;t.</P><P TEIFORM="p">Die Hauptur&longs;achen der Ausdehnung der K&ouml;rper &longs;ind
die W&auml;rme, welche fa&longs;t alle bekannte K&ouml;rper ausdehnt
(<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. W&auml;rme</HI>), und die Ela&longs;ticit&auml;t, verm&ouml;ge welcher &longs;ich
K&ouml;rper, wenn &longs;ie durch irgend eine &auml;u&szlig;ere Kraft zu&longs;ammengepre&szlig;t
waren, &longs;obald die&longs;e Kraft zu wirken aufh&ouml;rt,
oder &longs;chw&auml;cher wird, von &longs;elb&longs;t in einen gr&ouml;&szlig;ern Raum
ausdehnen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ela&longs;ticit&auml;t.</HI> So wird die Luft durch die
W&auml;rme ausgedehnt, und da &longs;ie &longs;chon in dem Zu&longs;tande,
in welchem &longs;ie &longs;ich um uns her befindet, zu&longs;ammengedr&uuml;ckt
i&longs;t, &longs;o dehnt &longs;ie &longs;ich von &longs;elb&longs;t aus, &longs;obald ihr Raum dazu
gegeben wird.</P><P TEIFORM="p">Einige Schrift&longs;teller haben die Namen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ausdehnung</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verd&uuml;nnung</HI> unter&longs;cheiden, und den er&longs;ten
f&uuml;r die Wirkung der Ela&longs;ticit&auml;t, den zweyten f&uuml;r die Wirkung
der W&auml;rme brauchen wollen; da aber jede Ausdehuung
mit Verd&uuml;nnung begleitet, und &uuml;berdies das, was
die W&auml;rme thut, im Grunde nichts anders, als eine Ver&longs;t&auml;rkung
der &longs;pecifi&longs;chen Ela&longs;ticit&auml;t i&longs;t, &longs;o &longs;ehe ich keinen
Grund, einen &longs;olchen Unter&longs;chied einzuf&uuml;hren.</P><P TEIFORM="p">Die Ausdehnung i&longs;t der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Zu&longs;ammendr&uuml;ckung, Zu&longs;ammenziehung</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdichtung</HI> entgegenge&longs;etzt.</P></DIV2><DIV2 N="Ausd&uuml;n&longs;tung" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausd&uuml;n&longs;tung, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Exhalatio, Evaporatio</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Evaporation</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So nennt man die Aufl&ouml;&longs;ung fl&uuml;&szlig;iger Materien
und be&longs;onders des Wa&longs;&longs;ers in der Luft, durch welche der
Luftkreis unaufh&ouml;rlich mit D&uuml;n&longs;ten, d. i. mit aufgel&ouml;&longs;ten
Theilen der K&ouml;rper und mit Feuchtigkeit erf&uuml;llt wird.<PB ID="P.1.205" N="205" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Fa&longs;t aus allen fl&uuml;&szlig;igen, ja auch aus vielen fe&longs;ten
K&ouml;rpern &longs;teigen, wenn &longs;ie der Luft ausge&longs;etzt &longs;ind, Theile
in die&longs;elbe auf, durch deren Abgang das Gewicht der
K&ouml;rper vermindert wird. Man findet, da&szlig; die&longs;er Uebergang
der Theile durch gr&ouml;&szlig;ere W&auml;rme, Sonnen&longs;chein,
Reinigkeit der Luft, gr&ouml;&szlig;ere Oberfl&auml;che, Bewegung
der Luft rc. ver&longs;t&auml;rkt wird. Die&longs;e fremdartigen
Theilchen machen die Luft nicht undurch&longs;ichtig, la&longs;&longs;en
&longs;ich auch nicht leicht in der&longs;elben bemerken. Sie erheben
&longs;ich aber im Luftkrei&longs;e oft zu betr&auml;chtlichen H&ouml;hen,
und vereinigen &longs;ich endlich durch irgend eine im Luftkrei&longs;e
vorgehende Ver&auml;nderung in kleine Ma&longs;&longs;en, welche
der Luft ihre Durch&longs;ichtigkeit benehmen, und die Be&longs;tandtheile
der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolken</HI> ausmachen.</P><P TEIFORM="p">Be&longs;onders i&longs;t das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wa&longs;&longs;er</HI> die&longs;em Uebergange &longs;einer
Theile in die Luft in einem &longs;ehr hohen Grade ausge&longs;etzt,
und obgleich einige fl&uuml;chtige Gei&longs;ter, z. B. der Aether,
der rauchende Salpetergei&longs;t, die fl&uuml;chtige Schwefel&longs;&auml;ure
rc. noch weit &longs;chneller, als das Wa&longs;&longs;er, verd&uuml;n&longs;ten, &longs;o
macht doch die gro&szlig;e Menge des auf der Erdoberfl&auml;che
verbreiteten und in den K&ouml;rpern enthaltenen Wa&longs;&longs;ers,
da&szlig; man die&longs;e Materie allerdings f&uuml;r den vornehm&longs;ten
Stoff halten mu&szlig;, mit welchem &longs;ich die Luft bey der Ausd&uuml;n&longs;tung
verbindet, und welcher das Vehikulum &longs;ehr vieler
&uuml;brigen in den Luftkreis auf&longs;teigenden Theile i&longs;t. Daher
hat auch die Ausd&uuml;n&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers die Phy&longs;iker
von jeher am mei&longs;ten be&longs;ch&auml;ftiget. Sie i&longs;t ohne Zweifel
die Hauptur&longs;ache der mei&longs;ten im Luftkrei&longs;e vorgehenden
Ver&auml;nderungen, und macht in die&longs;er R&uuml;ck&longs;icht einen
&longs;ehr wichtigen Gegen&longs;tand der Naturlehre aus.</P><P TEIFORM="p">Man hat durch die Werkzeuge, welche die Gr&ouml;&szlig;e
der Ausd&uuml;n&longs;tung zu be&longs;timmen dienen (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Atmometer</HI>),
gefunden, da&szlig; in der Gegend von Paris die Ausd&uuml;n&longs;tung
des Wa&longs;&longs;ers, wenn &longs;ie &uuml;ber die Oberfl&auml;che,
von welcher &longs;ie auf&longs;tieg, wieder ergo&longs;&longs;en w&uuml;rde, j&auml;hrlich
28 bis 30 Zoll H&ouml;he betragen w&uuml;rde. Nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sedileau</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de l' acad. des &longs;c, de Paris 1792.)</HI> war
die Ausd&uuml;n&longs;tung in Paris<PB ID="P.1.206" N="206" TEIFORM="pb"/>
<TABLE TEIFORM="table"><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll.</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Lin.</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1689</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jan.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Febr.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">M&auml;rz</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7 3/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">April</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">May</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">5</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jun.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Jul.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">7 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Aug.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">4 1/2</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Sept.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">2</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">9</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Oct.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">1 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Nov.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">8 2/3</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Dec.</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">0</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell"></CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">6 1/4</CELL></ROW><ROW ROLE="data" TEIFORM="row"><CELL REND="ALIGN=&quot;CENTER&quot; COLSPAN=&quot;2&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Summe</CELL><CELL REND="ALIGN=&quot;RIGHT&quot;" ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">28</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">Zoll</CELL><CELL ROLE="data" ROWS="1" COLS="1" TEIFORM="cell">(8 5/12) Linien.</CELL></ROW></TABLE>
Man &longs;ieht hierin den Einflu&szlig; der W&auml;rme und des Sonnen&longs;cheins
in den Sommermonaten deutlich. In England
fand <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. trans. no. 189.)</HI> die Ausd&uuml;n&longs;tung
in der w&auml;rm&longs;ten Jahrszeit t&auml;glich (1/10)engl. Zoll; in
Holland <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Crucquius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Phil. Trans. no. 381.)</HI> j&auml;hrlich 26
Zoll; in Schweden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwed. Abhdl. 1739.)
um das Ende des Iunius t&auml;glich 1/4 Zoll.</P><P TEIFORM="p">Rechnet man 30 Zoll j&auml;hrlich als eine Mittelzahl,
&longs;o betr&auml;gt die j&auml;hrliche Ausd&uuml;n&longs;tung aus jedem Quadratfu&szlig;e
Wa&longs;&longs;erfl&auml;che drey Cubikfu&szlig;; und wenn die halbe
Oberfl&auml;che der Erde mit Wa&longs;&longs;er bedeckt i&longs;t, &longs;o &longs;teigen j&auml;hrlich
168 1/2 Cubikmeilen Wa&longs;&longs;er daraus in die Atmo&longs;ph&auml;re.
Setzt man hiezu die Ausd&uuml;n&longs;tung der thieri&longs;chen K&ouml;rper,
welche f&uuml;r einen mittelm&auml;&szlig;igen Men&longs;chen j&auml;hrlich auf 8
Zoll &longs;teigt, und f&uuml;r hundert Millionen Men&longs;chen allein
1280 Millionen Cubikfu&szlig; austr&auml;gt, ferner die Ausd&uuml;n&longs;tung
der Pflanzen, welche bey der Sonnenblume <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Helianthus
annuus)</HI> nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hales</HI> in einem Sommertage auf (1/40)
Zoll &longs;teigt, und die des feuchten Landes, welche in England
j&auml;hrlich 8 Zoll betragen &longs;oll, ingleichen des &longs;ehr &longs;tark ausd&uuml;n&longs;tenden
Ei&longs;es, &longs;o &longs;ieht man wohl, da&szlig; die Atmo&longs;ph&auml;re
durch die Ausd&uuml;n&longs;tung mit einer ungemeinen Menge von
Sub&longs;tanzen ver&longs;ehen werde, welche &longs;ich in ihr auf ver&longs;chiedene&verbar;<PB ID="P.1.207" N="207" TEIFORM="pb"/>
Wei&longs;e verbinden, neue Materien erzeugen
und betr&auml;chtliche Ver&auml;nderungen hervorbringen k&ouml;nnen.</P><P TEIFORM="p">Die Theorie der Ausd&uuml;n&longs;tung hat die Phy&longs;iker von
jeher be&longs;ch&auml;ftiget. Es i&longs;t die Frage davon, auf welche
Art die K&ouml;rper &longs;o getheilt werden k&ouml;nnen, da&szlig; &longs;ie in der
Luft, als einer leichtern Materie, auf&longs;teigen, und eine l&auml;ngere
oder k&uuml;rzere Zeit &longs;chwebend erhalten werden k&ouml;nnen.
Man hat hier&uuml;ber &longs;eit den &auml;lte&longs;ten Zeiten mancherley Hypothe&longs;en
ausgedacht, deren Fehler vornehmlich darinn be&longs;tehen,
da&szlig; jeder Raturfor&longs;cher den Grund aller Ph&auml;nomene
der D&uuml;n&longs;te in einer einzigen Ur&longs;ache gefunden zu
haben glaubte, da &longs;ich doch hiebey gewi&szlig; mehrere Ur&longs;achen
mit einander vereinigen. Da die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">W&auml;rme</HI> oder das Feuer
in die Ausd&uuml;n&longs;tung einen &longs;o merklichen Einflu&szlig; hat, &longs;o
hat &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ari&longs;toteles</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Meteorologic. L. I. c. 9.)</HI> die
Ent&longs;tehung der D&uuml;n&longs;te der Wirkung oder dem Sto&szlig;e des
Feuers zuge&longs;chrieben. Einige neuere &longs;ind ihm hierinn gefolgt.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">'s Grave&longs;ande</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Phy&longs;. &sect;. 2543.)</HI> glaubt,
der Sto&szlig; allein reiche zwar nicht hin, aber die Wa&longs;&longs;ertheilchen
w&uuml;rden durch die Wirkung der W&auml;rme verd&uuml;nnt,
und &longs;pecifi&longs;ch leichter gemacht, &longs;o da&szlig; &longs;ie den hydro&longs;tati&longs;chen
Ge&longs;etzen gem&auml;&szlig; &longs;o hoch auf&longs;tiegen, bis &longs;ie eine Luft&longs;chicht
von gleicher &longs;pecifi&longs;chen Leichtigkeit antr&auml;fen. Wenn
man bedenkt, da&szlig; das Wa&longs;&longs;er im gew&ouml;hnlichen Zu&longs;tande
auf 800mal &longs;chwerer, als die Luft, i&longs;t, und da&szlig; dennoch
das Eis &longs;ehr &longs;tark, &longs;elb&longs;t &longs;t&auml;rker als Wa&longs;&longs;er, ausd&uuml;n&longs;tet,
&longs;o wird die&longs;e Erkl&auml;rung unwahr&longs;cheinlich, da ein &longs;ehr geringer
Grad der W&auml;rme eine 800mal gr&ouml;&szlig;ere &longs;pecifi&longs;che
Leichtigkeit bewirken m&uuml;&longs;te. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;chenbroek</HI> aber <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elementa
phy&longs;. Lugd. 1734. 8.)</HI> &longs;ucht die&longs;em Einwurfe durch
folgende Rechnung zu begegnen. &rdquo;Die D&auml;mpfe des ko&rdquo;chenden
Wa&longs;&longs;ers, &longs;agter, &longs;ind 14000mal d&uuml;nner, als
&rdquo;das Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t; die Hitze, welche die&longs;e Verd&uuml;nnung
&rdquo;bewirkt, i&longs;t nach Fahrenheits Thermometer 212 Grad;
&rdquo;daher kan eine Sommerw&auml;rme von 90 Graden noch im&rdquo;mer
eine 5943fache, und die Temperatur des Eispunkts
&rdquo;von 32 Graden eine 2113fache Verd&uuml;nnung bewirken,
&rdquo;mithin D&auml;mpfe erzeugen, welche weit leichter, als die<PB ID="P.1.208" N="208" TEIFORM="pb"/>
&rdquo;Luft, &longs;ind.&ldquo; Die&longs;e Berechnung i&longs;t zwar blos ein ungef&auml;hrer
Ueber&longs;chlag, und gr&uuml;ndet &longs;ich auf die &longs;ehr willk&uuml;hrlich
angenommene Eintheilung der Fahrenheiti&longs;chen Thermometer&longs;cale;
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Reaum&uuml;rs</HI> Scale w&uuml;rde man eben
&longs;o finden, da&szlig; die Temperatur des Eispunkts <HI REND="bold" TEIFORM="hi">gar</HI> keint
D&auml;mpfe mehr erzeugen k&ouml;nnte; &longs;ie hat al&longs;o eigentlich
keine Beweiskraft. Da man aber doch wei&szlig;, da&szlig; &longs;elb&longs;t
in denen Temperaturen, die wir die k&auml;lte&longs;ten nennen,
noch W&auml;rme anzutreffen &longs;ey, &longs;o kan man es wohl als
m&ouml;glich an&longs;ehen, da&szlig; die beym Eispunkte noch anzutreffende
W&auml;rme eine ziemliche Verd&uuml;nnung bewirken
k&ouml;nnte, welches die Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Zahlen &longs;innlich
machen. Es l&auml;&longs;t &longs;ich aber auch au&szlig;erdem noch einwenden,
da&szlig; die D&uuml;n&longs;te, wenn &longs;ie blos der Verd&uuml;nung der Theile
wegen auf&longs;tiegen, im Winter nicht &longs;o hoch als im Sommer
w&uuml;rden &longs;teigen k&ouml;nnen; da doch die Beobachtungen
lehren, da&szlig; das Auf&longs;teigen oder Niederfallen der D&uuml;n&longs;te
keinesweges von der W&auml;rme allein abhange.</P><P TEIFORM="p">Viele Naturfor&longs;cher haben, um die Ent&longs;tehung und
das Auf&longs;teigen der D&uuml;n&longs;te zu erkl&auml;ren, angenommen, da&szlig;
die im Wa&longs;&longs;er enthaltene Luft, oder auch das Feuer &longs;elb&longs;t
aus dem Wa&longs;&longs;er kleine <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bl&auml;schen</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bullulas, ve&longs;iculas)</HI>
bilde, in welchen eine &longs;ehr verd&uuml;nnte Luft oder eine andere
&auml;u&szlig;er&longs;t feine und leichte Materie mit einer d&uuml;nnen Wa&longs;&longs;erhaut
&uuml;berzogen &longs;ey. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Halley</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Philo&longs;. Trans. no. 192.)</HI>
&longs;ucht durch &longs;olche Bl&auml;schen die Ph&auml;nomene der Ausd&uuml;n&longs;tung
zu erkl&auml;ren; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Chauvin</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nova circa vapores hypothe&longs;is
in Mi&longs;c. Berol. To. I. p. 120.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Leibnitz</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De elevatione vaporum et de corporibus, quae ob
inclu&longs;am cavitatem in a&euml;re natare po&longs;&longs;unt, Mi&longs;c. Berol.
To. I. p. 123.)</HI> nehmen &longs;olche Bl&auml;schen ebenfalls an.
Der letztere berechnet, wenn die im Bl&auml;schen einge&longs;chlo&longs;&longs;ene
Luft zehnmal d&uuml;nner, als die &auml;u&szlig;ere, &longs;ey, &longs;o m&uuml;&longs;&longs;e
ein mit der &auml;u&szlig;ern Luft im Gleichgewichte &longs;tehendes Wa&longs;&longs;erbl&auml;schen
888mal gr&ouml;&szlig;er &longs;eyn, als der Raum, den &longs;eine
Wa&longs;&longs;erhaut allein einnehmen w&uuml;rde, und pr&uuml;ft dabey zugleich
den Vor&longs;chlag des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lana,</HI> eine luftleere k&uuml;pferne Kugel
in die Luft zu erheben, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Aero&longs;tat.</HI> Fa&longs;t die mei&longs;ten<PB ID="P.1.209" N="209" TEIFORM="pb"/>
Phy&longs;iker haben dergleichen Bl&auml;schen bey ihren Erkl&auml;rungen&verbar;des
Auf&longs;teigens der D&uuml;n&longs;te zu H&uuml;lfe genommen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad philo&longs;. nat. To. II.
&sect;. 2297.)</HI> glaubt, die Bewegung der Theile durch den
Sto&szlig; des Feuers allein reiche zur Erkl&auml;rung nicht hin;
die D&uuml;n&longs;te m&uuml;&longs;ten &longs;on&longs;t &longs;o &longs;chnell, als der abge&longs;cho&longs;&longs;ene
Schrot, auf&longs;teigen, welches man doch nie wahrnehme;
auch verla&longs;&longs;e das Feuer d&uuml;nne K&ouml;rper bald. Das Feuer
dringe vielleicht in die Theilchen ein, vergr&ouml;&szlig;ere ihren
Durchme&longs;&longs;er, und verwandle &longs;ie in Bl&auml;schen, in welchen
eine d&uuml;nne Wa&longs;&longs;erhaut etwas weniges Feuer um&longs;chlie&szlig;e.
Werde der Durchme&longs;&longs;er nur 10mal vergr&ouml;&szlig;ert, &longs;o werde
das Theilchen in den 1000fachen Raum ausgedehnt, al&longs;o
1000mal leichter. Er h&auml;lt aber doch das Da&longs;eyn der
Bl&auml;schen nicht ganz f&uuml;r erwie&longs;en, zumal, da das Eindringen
der Luft &longs;elb&longs;t in &longs;olche hohle K&ouml;rperchen die ganze Wirkung
wieder vereiteln w&uuml;rde; er nimmt daher noch eine
&longs;chon von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Descartes</HI> angenommene umdrehende Bewegung
der Wa&longs;&longs;ertheilchen zu H&uuml;lfe, und &longs;chlie&szlig;t endlich
doch, das Feuer allein k&ouml;nne nicht die Ur&longs;ache des Auf&longs;teigens
der D&uuml;n&longs;te bis in die Region der Wolken &longs;eyn. Es
komme daher noch die Elektricit&auml;t zu H&uuml;lfe, woraus auch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">De&longs;aguliers</HI> (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Philo&longs;. Transact. no. 407.</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Cour&longs;e of
exper. philo&longs;. To. II. lect. 10.</HI>) die Sache erkl&auml;rt hat;
wenn kleine K&ouml;rper von die&longs;er umgeben w&auml;ren, w&uuml;rden &longs;ie
von der ebenfalls elektri&longs;chen Luft angezogen; &longs;o &longs;ey das
Feuer <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ignis mas)</HI> die Ur&longs;ache des er&longs;ten Herausgehens,
und die Elektricit&auml;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(ignis femina)</HI> die Ur&longs;ache des fernern
Auf&longs;teigens der D&uuml;n&longs;te, wozu er denn auch noch das unterirdi&longs;che
Feuer, die G&auml;hrungen im Innern der Erde,
die Winde rc. hinzu&longs;etzt. Die&longs;e kurze Dar&longs;tellung der
Mu&longs;&longs;chenbroeki&longs;chen Meinungen wird zeigen, wie ungewi&szlig;
man damals &uuml;ber die Ur&longs;achen der Ausd&uuml;n&longs;tung war, und
mich dar&uuml;ber rechtfertigen, da&szlig; ich nicht noch mehrere Hypothe&longs;en
hinzu&longs;etze.</P><P TEIFORM="p">Die Akademie der Wi&longs;&longs;en&longs;chaften zu Vordeaux &longs;etzte
im Jahre 1743 einen Preis auf die Erkl&auml;rung des Auf&longs;teigens
der D&uuml;n&longs;te, welchen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Kratzen&longs;tein</HI> (Abhol. vom<PB ID="P.1.210" N="210" TEIFORM="pb"/>
Auf&longs;teigen der D&uuml;n&longs;te und D&auml;mpfe, Halle 1744. 8.) und
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hamberger</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. &longs;ur la cau&longs;e de l' elevation des vapeurs,
Bordeaux 1743. 4.)</HI> beyde erhielten. Der er&longs;tere
hielt &longs;ich ganz an das Sy&longs;tem der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Bl&auml;schen</HI> (Ve&longs;icular&longs;y&longs;tem),
deren Gr&ouml;&szlig;e und &longs;pecifi&longs;che Schwere er durch
&longs;innreiche Methoden zu be&longs;timmen &longs;uchte, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. D&uuml;n&longs;te;</HI>
der zweyte erkl&auml;rte das Auf&longs;teigen durch die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adh&auml;&longs;ion</HI> der
Theilchen an Feuer und Luft; an das Wa&longs;&longs;ertheilchen auf
der Oberfl&auml;che h&auml;ngt &longs;ich nach ihm von innen das Feuer,
welches &longs;einen Zu&longs;ammenhang mit dem &uuml;brigen Wa&longs;&longs;er
trennt, und von au&szlig;en die Luft; da aber die Luft &longs;t&auml;rker
darauf wirkt, als das Feuer, &longs;o nimmt die&longs;e es an &longs;ich,
und &longs;o wird es aus einer Luft&longs;chicht in die andere erhoben.
In &longs;einen 1750 neu herausgekommenen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Elementis phy&longs;ices</HI>
aber hat <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hamberger</HI> die Ausd&uuml;n&longs;tung g&auml;nzlich durch
eine Aufl&ouml;&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers in der Luft erkl&auml;rt, und von der&longs;elben
eben &longs;o, wie von allen andern chymi&longs;chen Aufl&ouml;&longs;ungen,
Rechen&longs;chaft abzulegen ver&longs;ucht.</P><P TEIFORM="p">Am weitl&auml;ufig&longs;ten i&longs;t die Theorie der Ausd&uuml;n&longs;tung
als einer <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ung</HI> des Wa&longs;&longs;ers in Luft von le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roi</HI>
(<HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. &longs;ur l' elevation et la &longs;u&longs;pen&longs;ion de l' eau
dans l' air,</HI> in den <HI REND="roman" TEIFORM="hi">M&eacute;m. de l' acad. de Paris 1751. p.
481.</HI>) ausgef&uuml;hrt worden. Seine S&auml;tze verdienen
wohl einige Anf&uuml;hrung.</P><P TEIFORM="p">1. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Das Wa&longs;&longs;er wird in der Luft wirklich aufgel&ouml;&longs;et.</HI>
Man werfe an einem heitern Sommertage etwas
Eis in ein recht trocknes Glas. Das Glas wird
davon bald tr&uuml;b gemacht, und an &longs;einen &auml;u&szlig;ern W&auml;nden
zeigt &longs;ich eine unz&auml;hlbare Menge kleiner Wa&longs;&longs;ertr&ouml;pfchen.
Das Wa&longs;&longs;er, das &longs;ich in &longs;o gro&szlig;er Menge an die &auml;u&szlig;ern
Glasw&auml;nde legt, mu&longs;te doch vorher in der Luft &longs;chweben,
und da es die Heiterkeit und Durch&longs;ichtigkeit der&longs;elben nicht
minderte, mu&longs;te es in ihr vollkommen aufgel&ouml;&longs;et &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">2. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Die&longs;e Aufl&ouml;&longs;ung hat gleiche Eigen&longs;chaften</HI>
mit den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Aufl&ouml;&longs;ungen</HI> der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Salze</HI> im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wa&longs;&longs;er.</HI> Luft
von gegebner W&auml;rme kan nicht mehr als eine be&longs;timmte
Menge Wa&longs;&longs;er in &longs;ich aufgel&ouml;&longs;t halten; wird &longs;ie k&auml;lter, &longs;o
&longs;chl&auml;gt &longs;ich ein Theil des aufgel&ouml;&longs;ten Wa&longs;&longs;ers nieder; wird<PB ID="P.1.211" N="211" TEIFORM="pb"/>
&longs;ie w&auml;rmer, &longs;o l&ouml;&longs;et &longs;ie mehr auf. Dies lehren die Ver&longs;uche
deutlich. Eine wohl ver&longs;topfte gl&auml;&longs;erne Kugel auf
eiskaltes Wa&longs;&longs;er gelegt, &uuml;berzieht &longs;ich nach 3&mdash;4 Minuten
inwendig mit vielen Wa&longs;&longs;ertr&ouml;pfchen, die aber
bald wieder ver&longs;chwinden, wenn &longs;ich die Kugel erw&auml;rmt;
die&longs;er Wa&longs;&longs;ertr&ouml;pfchen &longs;ind weniger, wenn das Wa&longs;&longs;er,
worauf die Kugel gelegt wird, w&auml;rmer i&longs;t. Uebrigens
will le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roi</HI> durch den Ausdruck: Aufl&ouml;&longs;ung der Salze
in Wa&longs;&longs;er, nur &longs;o viel &longs;agen, es gehe eine wahre <HI REND="bold" TEIFORM="hi">chymi&longs;che
Aufl&ouml;&longs;ung</HI> vor; er gebraucht das Bey&longs;piel der
Salze blos, die Sache &longs;innlicher zu machen, weil die
Naturfor&longs;cher damals noch nicht &longs;o, wie jetzt, an die
Sprache der Chymie gew&ouml;hnt waren.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Le Roi</HI> &longs;chlie&szlig;t aus die&longs;er Theorie, es m&uuml;&longs;&longs;e f&uuml;r
jeden Zu&longs;tand der Luft eine gewi&longs;&longs;e Temperatur geben,
bey welcher &longs;ie anfangen w&uuml;rde, einen Theil des in ihr
aufgel&ouml;&longs;ten Wa&longs;&longs;ers fallen zu la&longs;&longs;en. Die&longs;e Temperatur
nennt er den <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Grad der S&auml;ttigung der Luft.</HI>
W&auml;re z. B. die&longs;er Grad der S&auml;ttigung f&uuml;r einen gewi&longs;&longs;en
Tag der zehnte Grad des Reaum&uuml;ri&longs;chen Thermometers,
&longs;o w&uuml;rde die Luft, &uuml;ber die&longs;en Grad erw&auml;rmt, immer
noch mehr Wa&longs;&longs;er aufl&ouml;&longs;en; gerade auf die&longs;en Grad
erk&auml;ltet, zwar keines mehr aufl&ouml;&longs;en, aber auch noch keines
fallen la&longs;&longs;en; unter die&longs;en Grad erk&auml;ltet aber de&longs;to mehr
fallen la&longs;&longs;en, je mehr &longs;ie erk&auml;ltet w&uuml;rde. Ergiebt Methoden
an, die&longs;en Grad der S&auml;ttigung zu jeder Zeit zu be&longs;timmen,
und &longs;chl&auml;gt Beobachtungen hier&uuml;ber, mit andern
meteorologi&longs;chen Wahrnehmungen verglichen, als die be&longs;ten
Mittel vor, die wahren Ur&longs;achen der ver&auml;nderlichen
Aufl&ouml;&longs;ungskraft der Luft zu entdecken, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Hygrometer.</HI></P><P TEIFORM="p">Man k&ouml;nnte gegen die&longs;e Theorie des le <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Roi</HI> einwenden,
das Wa&longs;&longs;er d&uuml;n&longs;te nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (&longs;chwed. Abhdl.
1740. S. 27.) auch im luftleeren Raume aus; allein da
unter der Glocke der Luftpumpe eine &longs;o gro&szlig;e Menge Luft
aus dem Wa&longs;&longs;er &longs;elb&longs;t hervorgehet, &longs;o kan ein Raum, in
welchem Wa&longs;&longs;er ausd&uuml;n&longs;tet, nie vollkommen luftleer &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;te und vorjetzt die befriedigend&longs;te Theorie
der Ausd&uuml;n&longs;tung hat Herr de <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sau&longs;&longs;ure</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(E&longs;&longs;ais &longs;ur l'hygrometrie.<PB ID="P.1.212" N="212" TEIFORM="pb"/>
a Neuch&acirc;tel. 1783. 8. E&longs;&longs;ai III.)</HI> vorgetragen.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">D&auml;mpfe</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">D&uuml;n&longs;te</HI> &longs;ind nach ihm Ausfl&uuml;&longs;&longs;e,
welche &longs;ich aus den K&ouml;rpern in die Luft erheben, und in
der&longs;elben &longs;chwebend bleiben, bis &longs;ie durch andere Ur&longs;achen
wieder von ihr getrennt und in gr&ouml;berer Form mit einander
vereiniget werden. Alle K&ouml;rper k&ouml;nnen durch Natur
oder Kun&longs;t in D&auml;mpfe aufgel&ouml;&longs;et werden; be&longs;onders wird
das Wa&longs;&longs;er durch H&uuml;lfe des Feuers in den ela&longs;ti&longs;chen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Dampf</HI> verwandelt, welchen man aus ber Aeolipile (<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Windkugel</HI>) herausgehen &longs;ieht, und der die Dampfma&longs;chinen
treibt. Die&longs;er ela&longs;ti&longs;che Dampf ent&longs;teht durch eine
Verbindung des Feuers mit dem Wa&longs;&longs;er; mit &longs;einer Ent&longs;tehung
hat die Luft nichts zu thun, &longs;ie i&longs;t vielmehr durch
ihren Druck der&longs;elben mehr hinderlich, und im luftleeren
Raume kan &longs;chon die geringe W&auml;rme der Hand das Wa&longs;&longs;er
in Dampf verwandeln, oder zum Sieden bringen, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;.
Sieden.</HI> Die&longs;e Aufl&ouml;&longs;ung des Wa&longs;&longs;ers im Feuer hei&szlig;t
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Verdampfung, &longs;. D&auml;mpfe.</HI></P><P TEIFORM="p">Au&szlig;erdem aber l&ouml;&longs;et auch die Luft das Wa&longs;&longs;er auf,
und verbindet &longs;ich vorz&uuml;glich &longs;ehr leicht mit dem durchs
Feuer hervorgebrachten ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben,
wenn er nicht mehr Kraft genug hat, die Luft aus der
Stelle zu treiben. Nach Herrn de Sau&longs;&longs;ure &longs;oll die
Luft das Wa&longs;&longs;er gar nicht unmittelbar aufl&ouml;&longs;en, &longs;ondern
blos &longs;ich mit dem ela&longs;ti&longs;chen Dampfe de&longs;&longs;elben vermi&longs;chen,
oder es &longs;oll keine Ausd&uuml;n&longs;tung ohne Verdampfung
geben. Ausd&uuml;n&longs;tung i&longs;t al&longs;o nach ihm Au&longs;l&ouml;&longs;ung der
ela&longs;ti&longs;chen D&auml;mpfe des Wa&longs;&longs;ers in der Luft.</P><P TEIFORM="p">Hieraus erkl&auml;rt &longs;ich nun leicht das Ph&auml;nomen, da&szlig;
die Ausd&uuml;n&longs;tung K&auml;lte erzeugt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Richmann</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Nov.
Comm. Petropol. To. I. p. 290.)</HI> und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Mairan</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Di&longs;&longs;. &longs;ur la glace, P. II. Sect. 2. ch. 8. et 9.)</HI> hatten
&longs;chon bemerkt, da&szlig; das Thermometer f&auml;llt, wenn man
&longs;eine Kugel aus dem Wa&longs;&longs;er zieht und an der Luft trocknen
l&auml;&longs;t, oder wenn man &longs;ie abwech&longs;elnd befeuchtet und trocknen
l&auml;&longs;t, allein &longs;ie &longs;chrieben das Ph&auml;nomen nicht der wahren
Ur&longs;ache zu. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cullen</HI> (Edinburgi&longs;che Ver&longs;uche, Th. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.)</HI>
leitete es zuer&longs;t von der Ausd&uuml;n&longs;tung her. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Franklin</HI> be&longs;chreibt<PB ID="P.1.213" N="213" TEIFORM="pb"/>
in &longs;einem 60&longs;ten Briefe einen Ver&longs;uch mit einer
d&uuml;nnen Glasr&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 32.), an deren Enden
&longs;ich zwo luftleere und halb mit Wa&longs;&longs;er oder Weingei&longs;t
gef&uuml;llte Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> befinden. H&auml;lt man beyde Kugeln
in den H&auml;nden, &longs;o zeigt &longs;ich keine Bewegung; h&auml;lt
man aber nur die eine Kugel, indem die andere kalt bleibt,
&longs;o geht das Wa&longs;&longs;er &longs;ogleich aus der erw&auml;rmten in die kalte
&uuml;ber, und kocht darinn &longs;o lange, als man die leere Kugel
in der Hand beh&auml;lt. So lange die&longs;e Kugel noch Wa&longs;&longs;er
enth&auml;lt, das &longs;ich in D&auml;mpfe verwandlet, bleibt &longs;ie immer
kalt, &longs;o warm auch die Hand &longs;eyn mag; &longs;obald aber das
Wa&longs;&longs;er heraus i&longs;t, wird &longs;ie &longs;ogleich warm. Sie entzog
nemlich vorher der Hand die W&auml;rme, die zur Verdampfung
verwendet ward, und erregte dadurch Empfindung
der K&auml;lte.</P><P TEIFORM="p">Auch erkl&auml;rt &longs;ich, warum Wind oder Bewegung der
Luft die Ausd&uuml;n&longs;tung in &longs;o hohem Grade bef&ouml;rdere. Die
Winde erneuren die Luft um den ausd&uuml;n&longs;tenden oder trocknenden
K&ouml;rper be&longs;t&auml;ndig, und f&uuml;hren neue noch nicht ge&longs;&auml;ttigte
Luft herbey, welche die D&auml;mpfe &longs;chneller aufl&ouml;&longs;et.
Daher trocknen die Winde &longs;o &longs;chnell.</P><P TEIFORM="p">Die W&auml;rme bef&ouml;rdert die Ausd&uuml;n&longs;tung, 1) weil &longs;ie
mehr Elementarfeuer herbeybringt, 2) weil &longs;ie die aufl&ouml;&longs;ende
Kraft der Luft ver&longs;t&auml;rkt, 3) weil &longs;ie Bewegungen in
der Luft verur&longs;achet.</P><P TEIFORM="p">Die nicht in der Luft aufgel&ouml;&longs;ten D&auml;mpfe &longs;etzen &longs;ich
an den Oberfl&auml;chen kalter K&ouml;rper als Thau oder Kry&longs;tallen
an. Finden &longs;ie keinen kalten K&ouml;rper hierzu, &longs;o vereinigen
&longs;ie &longs;ich in Tropfen, Nadeln oder Bl&auml;schen, und geben
dadurch die Anlagen zu Regen, Schnee, Wolken und
Nebeln, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. D&uuml;n&longs;te.</HI></P><P TEIFORM="p">In d&uuml;nnerer Luft en&longs;tehen zwar wegen des geringern
Drucks die D&auml;mpfe leichter, es wird aber auch weniger
davon in der Luft aufgel&ouml;&longs;et. Daher i&longs;t die Ausd&uuml;n&longs;tung
in d&uuml;nnerer Luft &longs;chw&auml;cher, wofern nicht das Wa&longs;&longs;er &longs;ehr
warm i&longs;t, und durch kalte Oberfl&auml;chen ein be&longs;t&auml;ndiger Nieder&longs;chlag
bewirkt wird. Man &longs;ieht bisweilen unter der
Glocke der Luftpumpe, bald nach den er&longs;ten Z&uuml;gen, eine<PB ID="P.1.214" N="214" TEIFORM="pb"/>
Wolke ent&longs;tehen, welche wieder ver&longs;chwindet, und aufs
neue er&longs;cheint, wenn man wieder Luft unter die Glocke l&auml;&longs;t,
und das Auspumpen von neuem anf&auml;ngt. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Le&ccedil;ons
de Phy&longs;ique exp. To. III. p. 364.)</HI> hatte die&longs;en
Dun&longs;t &longs;chon bemerkt, glaubte, er ent&longs;tehe aus der Luft,
die bey der Verd&uuml;nnung Feuchtigkeit fallen la&longs;&longs;e, und erkl&auml;rte
&longs;o die Ent&longs;tehung des Regens bey verd&uuml;nnter Luft.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">De Sau&longs;&longs;ure</HI> hingegen zeigt, er ent&longs;tehe aus dem feuchten
K&ouml;rper der Luftpumpe, de&longs;&longs;en Feuchtigkeit bey vermindertem
Drucke der Luft mehr verdampfe, die n&auml;ch&longs;ten Luft&longs;chichten
bald &longs;&auml;ttige, und durch den Ueberflu&szlig; einen bla&longs;enf&ouml;rmigen
Nieder&longs;chlag bilde, den aber die folgenden
Luft&longs;chichten bald aufl&ouml;&longs;en. Eben die&longs;er Dampf er&longs;cheint
auch, wenn man verdichtete Luft wieder verd&uuml;nnet, aus
gleichen Ur&longs;achen.</P><P TEIFORM="p">Da&szlig; die Ausd&uuml;n&longs;tung durch ein <HI REND="bold" TEIFORM="hi">mechani&longs;ches
Fortrei&szlig;en</HI> der Wa&longs;&longs;ertheilchen vom Feuer bewirkt werde,
haben viele daher bewei&longs;en wollen, weil man Abends
nach Sonnenuntergang eine &longs;o &longs;tarke Ausd&uuml;n&longs;tung des &longs;ich
abk&uuml;hlenden Erdbodens wahrnimmt. Allein de Sau&longs;&longs;ure
zeigt &longs;ehr wohl, da&szlig; hiebey die Ausd&uuml;n&longs;tung nicht &longs;t&auml;rker,
nur wegen der k&uuml;hlen Luft &longs;ichtbarer &longs;ey. Wa&longs;&longs;er &uuml;ber
dem Feuer d&uuml;n&longs;tet nicht wegen des ausgehenden Feuers
aus. Denn wenn die M&uuml;ndung des Gef&auml;&szlig;es in ein anderes
gleich hei&szlig;es geht, &longs;o i&longs;t die Ausd&uuml;n&longs;tung weit &longs;t&auml;rker,
obgleich alsdann gar kein Feuer aus dem Wa&longs;&longs;er herausgeht;
daher darf auch beym De&longs;tilliren die Vorlage
nicht allzupl&ouml;tzlich oder zu &longs;tark erk&auml;ltet werden. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mechani&longs;che</HI>
Austreibung w&uuml;rde auch das Schweben der D&uuml;n&longs;te
in der Luft nicht erkl&auml;ren, welches eine Fe&longs;thaltung durch
chymi&longs;che Aufl&ouml;&longs;ung anzeigt.</P><P TEIFORM="p">Die St&auml;rke der Ausd&uuml;n&longs;tung h&auml;ngt von W&auml;rme des
Wa&longs;&longs;ers, Gr&ouml;&szlig;e der Oberfl&auml;che, W&auml;rme, Trockenheit,
Bewegung und Dichte der Luft ab. Sie wird durch
Werkzeuge geme&longs;&longs;en, von welchen das Wort <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Atmometer</HI>
nachzu&longs;ehen i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Das Eis d&uuml;n&longs;tet, wie &longs;chon <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Plinius</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Hi&longs;t. natur.
XXXI. 3.)</HI> bemerkt hat, &longs;ehr &longs;tark aus. Doch vermindert<PB ID="P.1.215" N="215" TEIFORM="pb"/>
die K&auml;lte die&longs;e Ausd&uuml;n&longs;tung. Was <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Gauteron</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m.
de l' acad. de Paris. 1708. p. 451.)</HI> bemerkt haben will,
da&szlig; es bey &longs;t&auml;rkerm Fro&longs;te &longs;t&auml;rker d&uuml;n&longs;te, i&longs;t nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI>
(&longs;chwed. Abhandlung. 1746.) nur f&uuml;r dem Augenblick
der Ent&longs;tehung des Ei&longs;es wahr, in welchem die Ausd&uuml;n&longs;tung
&uuml;berhaupt ungew&ouml;hnlich &longs;tark i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Eis.</HI></P><P TEIFORM="p">Volatile Beymi&longs;chungen bef&ouml;rdern die Ausd&uuml;n&longs;tung
des Wa&longs;&longs;ers; &longs;alzige hemmen &longs;ie. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wallerius</HI> (a. a. O.)
giebt dies nur f&uuml;r die er&longs;ten 24&mdash;28 Stunden zu, nach
deren Verlauf Salzwa&longs;&longs;er eben &longs;o &longs;tark, als reines Wa&longs;&longs;er,
d&uuml;n&longs;te. Auch will er es nur f&uuml;r Koch&longs;alz und Salpeter zugeben;
Vitriol und Alaun &longs;ollen die Ausd&uuml;n&longs;tung bef&ouml;rdern.
Es bleibt hierinn noch &longs;ehr viel zu unter&longs;uchen
&uuml;brig. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">v. Haller</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. de&verbar;l' acad. de Paris. 1764.),</HI>
der aus der Sole bey Bevieux in der Schweiz durch Ausd&uuml;n&longs;ten
an der Sonne Salz zu ziehen ver&longs;uchte, fand auch,
da&szlig; mehr Salzgehalt die Ausd&uuml;n&longs;tung &longs;chw&auml;che.</P><P TEIFORM="p">Die neu&longs;ten Ver&longs;uche in Paris und London haben
gelehrt, da&szlig; Ausd&uuml;n&longs;tung des Wa&longs;&longs;ers negative Elektricit&auml;t
errege&mdash;ein Zeichen, da&szlig; die auf&longs;teigenden D&uuml;n&longs;te
&longs;elb&longs;t po&longs;itiv elektri&longs;irt &longs;eyn m&uuml;&longs;&longs;en.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">Bri&longs;&longs;on</HI> Dictionnaire rai&longs;onn&eacute; de Phy&longs;. art. <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Evaporation.
Mu&longs;&longs;chenbroek</HI> Introd. ad philo&longs;. nat. To. II. &sect;. 2297.
&longs;qq.</HI> <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Torb. Bergmann</HI> phy&longs;. Be&longs;chreibung der Erdkugel durch
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">R&ouml;hl.</HI> Greifsw. 1780. &sect;. 106. u. f. <HI REND="roman" TEIFORM="hi"><HI REND="ital" TEIFORM="hi">de Sau&longs;&longs;ure</HI> E&longs;&longs;ais &longs;ur
l' hygrometrie, E&longs;&longs;ai III.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Ausfl&uuml;&longs;&longs;e" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Ausfl&uuml;&longs;&longs;e</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Ef&longs;luvia, Emanationes, Exhalationes,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Emanations, Emi&longs;&longs;ions, Exhalai&longs;ons.</HI></HI> Wenn &longs;ich
Theile, die vorher zu einem K&ouml;rper geh&ouml;rten, von dem&longs;elben
trennen, und in fl&uuml;&szlig;iger oder wenig&longs;tens &longs;ehr verfeinerter
Ge&longs;talt durch das ihn umgebende Mittel verbreiten,
&longs;o nennt man &longs;owohl die&longs;e Begebenheit, als auch dasjenige
&longs;elb&longs;t, was aus dem K&ouml;rper herausgeht, einen Ausflu&szlig;.
Die Trennung der Ausfl&uuml;&longs;&longs;e von dem K&ouml;rper kan auf
mehrere Arten, z. B. durch eine innere Bewegung &longs;einer
Theile, durch Aufl&ouml;&longs;ung rc. bewirkt werden.</P><P TEIFORM="p">So erzeugen die Verdampfung und Ausd&uuml;n&longs;tung der
K&ouml;rper, die Trans&longs;piration der Thiere und Pflanzen, die<PB ID="P.1.216" N="216" TEIFORM="pb"/>
G&auml;hrung, die Entbindungen der ela&longs;ti&longs;chen fl&uuml;&szlig;igen Materien
oder Gasarten, be&longs;t&auml;ndige Ausfl&uuml;&longs;&longs;e. Die Ger&uuml;che
verbreiten &longs;ich durch Ausfl&uuml;&longs;&longs;e aus den riechenden K&ouml;rpern,
welche durch unmittelbare Ber&uuml;hrung auf das Werkzeug
des Geruchs wirken.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;e Ausfl&uuml;&longs;&longs;e &longs;ind oft von einer bewundernsw&uuml;rdigen
Feinheit. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boyle</HI> hat Bey&longs;piele hievon in einer
eignen Schrift <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Exerc. de mira &longs;ubtilitate e&longs;&longs;luviorum,
in Opp. Genevae 1680. 4.)</HI> ge&longs;ammlet. Ein Gran Mo&longs;chus
kan 20 Jahr lang einen gro&szlig;en Raum mit merklichem
Geruch erf&uuml;llen, ungeachtet die Luft alle Tage abge&auml;ndert
wird. Eine Ma&longs;&longs;e A&longs;a f&ouml;tida verlohr des heftigen
Geruchs ohngeachtet in 6 Tagen an freyer Luft nur 1/8 Gran
von ihrem Gewichte, woraus <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Keil</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Introd. ad ver. phy&longs;.
Lect. V.)</HI> berechnet, da&szlig; die Gr&ouml;&szlig;e eines jeden Theilchens
geringer, als ein 38 Trilliontheilchen eines Cubikfu&szlig;es gewe&longs;en
&longs;ey. Die Ausfl&uuml;&longs;&longs;e dringen daher oft durch die fein&longs;ten
Zwi&longs;chenr&auml;ume, und werden von andern K&ouml;rpern,
ohne Zweifel durch eine Wirkung der Anziehung, entweder
auf der Oberfl&auml;che fe&longs;tgehalten oder in das Innere einge&longs;ogen.
Die verderblichen Ausfl&uuml;&longs;&longs;e kranker K&ouml;rper haben
bisweilen auf wunderbare und fa&longs;t unbegreifliche Arten
Pe&longs;t und andere an&longs;teckende Krankheiten verbreitet. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Sennert</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De febribus, L. IV. c. 5.)</HI> erz&auml;hlt, nach der Pe&longs;t
zu Breslau im Jahre 1542 habe ein Pack Leinwand 14
Jahre gelegen, und nach Verlauf die&longs;er Zeit in einer andern
Stadt aufgewickelt, noch eine gef&auml;hrliche An&longs;teckung
an mehrere Orte verbreitet; und nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Diemerbroek</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(De
pe&longs;te, L. IV.)</HI> &longs;tie&szlig; ein Mann in Nim&auml;gen etwas Stroh,
worauf ein Pe&longs;tkranker vor acht Monaten gelegen hatte,
das aber den ganzen Winter &uuml;ber der freyen Luft ausge&longs;etzt
gewe&longs;en war, mit dem Fu&szlig;e fort, und bekam an die&longs;em
Fu&szlig;e eine Pe&longs;tbeule, ohne Fieber zu f&uuml;hlen, oder &longs;on&longs;t
krank zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die men&longs;chlichen und thieri&longs;chen K&ouml;rper, &longs;o wie die
Pflanzen, verlieren durch die Ausfl&uuml;&longs;&longs;e bey ihrer Trans&longs;piration
unaufh&ouml;rlich etwas von ihren Be&longs;tandtheilen, welches
durch Nahrung und andere Zug&auml;nge wieder er&longs;etzt<PB ID="P.1.217" N="217" TEIFORM="pb"/>
wird. Die&longs;e Ver&auml;nderungen treffen fl&uuml;&szlig;ige und fe&longs;te Theile,
und es i&longs;t ausgemacht, da&szlig; wir nach Verlauf einer Anzahl
von Jahren gro&szlig;entheils einen andern K&ouml;rper &longs;tatt des vorigen
bekommen.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t daher nicht zu l&auml;ugnen, da&szlig; die Ausfl&uuml;&longs;&longs;e der
K&ouml;rper ein &longs;ehr wirk&longs;ames Mittel &longs;ind, wodurch die Natur,
ganz &longs;till und unbemerkt, manche Ver&auml;nderung von
gro&szlig;en Folgen hervorbringt. Man hat &longs;ie aber auch
oft zu Erkl&auml;rungen von Ph&auml;nomenen und zu Theorien gemi&szlig;braucht,
welche nur den Aberglauben und die Betr&uuml;gerey
zu n&auml;hren dienten. Ein Bey&longs;piel hievon i&longs;t die Erkl&auml;rung
des Ph&auml;nomens, da&szlig; der Wein in den F&auml;&longs;&longs;ern
tr&uuml;b wird, wenn in den entfernten L&auml;ndern, wo die&longs;er
Wein wuchs, die Trauben reifen. Man hat behaupten
wollen, da&szlig; die Ausfl&uuml;&longs;&longs;e der reifenden Trauben, die &longs;ich
durch die ganze Atmo&longs;ph&auml;re verbreiteten, den Wein an
den entlegen&longs;ten Orten tr&uuml;b machten, ohne zu bedenken,
da&szlig; eine gewi&longs;&longs;e Be&longs;chaffenheit der Luft in die&longs;er Jahrszeit
zugleich die Ur&longs;ache des Reifens und Tr&uuml;bwerdens
&longs;eyn kann. So hat man die fabelhafte&longs;ten Erz&auml;hlungen
von &longs;ympatheti&longs;chen und antipatheti&longs;chen Wirkungen und
Heilmitteln, von Auf&longs;uchung der Metalle oder Entdeckung
der M&ouml;rder durch die W&uuml;n&longs;chelruthe, vom Sp&uuml;ren oder
vielmehr F&uuml;hlen des Wa&longs;&longs;ers in einer gro&szlig;en Tiefe unter
der Erde, u. dgl. durch Ausfl&uuml;&longs;&longs;e begreiflich zu machen,
und viele abge&longs;chmackte M&auml;hrchen durch ein umgehangenes
Gewand einer phy&longs;ikali&longs;chen Erkl&auml;rung ihrer verdienten
Verachtung zu entrei&szlig;en ge&longs;ucht. Ein &longs;olches Verfahren
i&longs;t der Entdeckung und Ausbreitung der Wahrheit ungemein
hinderlich; es zieht von genauer Unter&longs;uchung der
That&longs;achen und von Entlarvung der Betr&uuml;ger ab, unterh&auml;lt
die Leichtgl&auml;ubigkeit, und verf&uuml;hrt auch denjenigen
Theil des Publikums, der &longs;on&longs;t wei&longs;e und aufgekl&auml;rt &longs;cheinen
will, durch den Vorwand, da&szlig; &longs;ich gewi&longs;&longs;e Sachen
doch phy&longs;ikali&longs;ch erkl&auml;ren lie&szlig;en. Ich l&auml;ugne nicht, da&szlig;
gegen die Ausfl&uuml;&longs;&longs;e der K&ouml;rper, die &longs;ich oft &longs;ehr weit verbreiten,
gewi&longs;&longs;e Men&longs;chen, Thiere u. &longs;. w. empfindlicher
als andere &longs;ind; von den Hunden z. B. i&longs;t dies unl&auml;ugbar;<PB ID="P.1.218" N="218" TEIFORM="pb"/>
allein man mu&szlig; ihnen nicht Wirkungen, wie Bewegung
einer Ruthe u. dgl., die &longs;ie nie haben k&ouml;nnen, zu&longs;chreiben,
und &uuml;berhaupt nie eher erkl&auml;ren wollen, als bis die That&longs;achen
und Beobachtungen zuverl&auml;&szlig;ig ausgemacht und geh&ouml;rig
be&longs;timmt &longs;ind.</P><P TEIFORM="p">Man hat auch die elektri&longs;chen und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen
durch Ausfl&uuml;&longs;&longs;e aus den K&ouml;rpern zu erkl&auml;ren
ge&longs;ucht. Es k&ouml;mmt hiebey auf den Begriff an, den man
mit dem Worte Ausflu&szlig; verbindet. Ver&longs;teht man darunter
die in der Luft aufgel&ouml;&longs;eten Ausd&uuml;n&longs;tungen oder fl&uuml;chtigen
Be&longs;tandtheile der K&ouml;rper, durch welche die&longs;e einen
Abgang ihrer Ma&longs;&longs;e leiden, ihren Geruch verbreiten u. &longs;. f.,
&longs;o &longs;ind die&longs;e Ausfl&uuml;&longs;&longs;e, &longs;o fein &longs;ie immer &longs;eyn m&ouml;gen, doch
noch zu grob, um &longs;ich mit den weit feinern Ur&longs;achen der
Elektricit&auml;t und des Magneti&longs;mus vergleichen zu la&longs;&longs;en.
Nennt man aber Ausflu&szlig; alles ohne Unter&longs;chied, was aus
den Zwi&longs;chenr&auml;umen eines K&ouml;rpers k&ouml;mmt, &longs;o kan man
es allenfalls zula&longs;&longs;en, die Materien, welche bey den elektri&longs;chen
und magneti&longs;chen Er&longs;cheinungen aus den K&ouml;rpern
aus&longs;tr&ouml;men, Ausfl&uuml;&longs;&longs;e zu nennen, wie z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Mu&longs;&longs;chenbroek</HI>
und <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nollet</HI> thun, ob es gleich nicht dem neuern
phy&longs;ikali&longs;chen Sprachgebrauche gem&auml;&szlig; i&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Da <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Newton</HI> das Licht f&uuml;r einen &longs;olchen Ausflu&szlig;
aus den leuchtenden K&ouml;rpern angenommen bat, &longs;o wird
&longs;eine Theorie des Lichts insgemein das <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Emanations-</HI>
oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Emi&longs;&longs;ions&longs;y&longs;tem</HI> genannt.</P></DIV2><DIV2 N="Auslader" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auslader, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Excitator electricus</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Excitateur, Arcconducteur</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&szlig;en ver&longs;chiedene zur elektri&longs;chen Ger&auml;th&longs;chaft
geh&ouml;rige Werkzeuge, welche zum Ausziehen der
Funken und zur Entladung der Fla&longs;chen und Batterien
dienen.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">De Romas</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(M&eacute;m. pre&longs;ent&eacute;s &agrave; l' Acad. des Sc.
To. II. p. 393.)</HI> gab zu &longs;icherer Ausziehung der Funken
aus einer Werter&longs;tange bey Gewittern einen Auslader an.
Die&longs;er be&longs;teht aus einer gl&auml;&longs;ernen, etliche Schuh langen,
R&ouml;hre, an deren einem Ende &longs;ich eine blecherne R&ouml;hre befindet.
Von der blechernen R&ouml;hre h&auml;ngt eine Kette von<PB ID="P.1.219" N="219" TEIFORM="pb"/>
Me&longs;&longs;ingdrath bis auf die Erde herab. H&auml;lt man die&longs;en
Auslader an der gl&auml;&longs;ernen R&ouml;hre in der Hand, und n&auml;hert
das blecherne Ende der Wetter&longs;tange oder dem mit der
Elektricit&auml;t der Gewitterwolke geladenen Conductor, &longs;o
bricht der Funken aus, geht aber durch die Kette &longs;ogleich
in die Erde &uuml;ber. Die Hand wird durch den gl&auml;&longs;ernen
Handgriff be&longs;ch&uuml;tzt, und f&uuml;hlt nichts von der durch den
Funken verur&longs;achten Er&longs;ch&uuml;tterung. Die Glasr&ouml;hre &longs;oll
nach <HI REND="bold" TEIFORM="hi">de Romas</HI> Vor&longs;chrift wenig&longs;tens einen halben Zoll
im Durchme&longs;&longs;er halten, auch &longs;o lang als m&ouml;glich, und vollkommen
trocken, die Kette aber 10&mdash;12 Schuh lang &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Die Auslader, welche gew&ouml;hnlich zu Entladung der
Fla&longs;chen oder Batterien gebraucht werden, be&longs;tehen aus
einem Stabe von Me&longs;&longs;ing (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 33.), der insgemein
in Ge&longs;talt eines <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> gekr&uuml;mmt i&longs;t; man macht &longs;ie auch
aus zween Schenkeln, die &longs;ich wie ein Zirkel &ouml;fnen la&longs;&longs;en.
Die&longs;er Stab hat an &longs;einen beyden Enden <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> metallene
Kn&ouml;pfe, und einen nichtleitenden Handgriff <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D,</HI> etwa
von Glas oder ged&ouml;rrtem Holz, der in der Mitte de&longs;&longs;elben
befe&longs;tiget i&longs;t. Beym Gebrauche fa&szlig;t man das In&longs;trument
bey dem Handgriff, ber&uuml;hrt eine von den bey den Seiten
des geladenen elektri&longs;chen K&ouml;rpers mit dem eineu Knopfe,
und n&auml;hert den andern an die andere belegte Seite,
oder an eine mit der&longs;elben verbundene leitende Sub&longs;tanz <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A,</HI>
&longs;o wird dadurch die Verbindung zwi&longs;chen beyden Seiten
erg&auml;nzt, der Schlag bricht aus, und der elektri&longs;che K&ouml;rper
wird entladen, ohne da&szlig; die Hand den Schlag f&uuml;hlt.
Wenn die Ladung nicht &longs;tark i&longs;t, &longs;o kan man auch ohne
gl&auml;&longs;ernen Handgriff den blotzen Stab <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CB</HI> anfa&longs;&longs;en, weil
die Elektricit&auml;t den Weg durch das Metall nimmt, ohne
in die Hand zu wirken; bey &longs;t&auml;rkern Ladungen aber hat
man die Lateralexplo&longs;ion zu f&uuml;rchten.</P><P TEIFORM="p">Bey Entladung einer Batterie wird insgemein der
Haken an der Seite des Ka&longs;tens, worinn die Fla&longs;chen &longs;tehen,
welcher mit der &auml;u&szlig;ern Belegung verbunden i&longs;t, durch
einen Drath mit dem einen Arme des Ausladers zu&longs;ammengehangen,
der andere Arm aber mit &longs;einem Knopfe an<PB ID="P.1.220" N="220" TEIFORM="pb"/>
einen von den St&auml;ben gen&auml;hert, welche die innern Seiten
der Fla&longs;chen mit einander verbinden.</P><P TEIFORM="p">Es i&longs;t &longs;ehr bequem, die Dr&auml;the <HI REND="roman" TEIFORM="hi">B</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> an den Enden
zuzu&longs;pitzen, und hohle me&longs;&longs;ingene Kugeln darauf zu
&longs;tecken. Wenn man alsdann die Kugeln abnimmt, &longs;o
kan man vermittel&longs;t der Spitzen eine &longs;tille Entladung ohne
Funken und Schlag bewirken.</P><P TEIFORM="p">Das Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 34. vorge&longs;tellte von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Henly</HI> erfundene
In&longs;trument f&uuml;hrt den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">allgemeinen
Ausladers</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(<HI REND="ital" TEIFORM="hi">univer&longs;al di&longs;charger</HI>),</HI> und i&longs;t zu &longs;ehr vielen
elektri&longs;chen Ver&longs;uchen brauchbar. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">A</HI> i&longs;t ein Bret, welches
den Fu&szlig; des In&longs;truments abgiebt, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">BB</HI> zwo Glas&longs;&auml;ulen,
in das Bret eingek&uuml;ttet, und oben mit me&longs;&longs;ingnen Hauben
ver&longs;ehen, deren jede ein doppeltes Charnier hat, und
in einer gl&auml;&longs;ernen R&ouml;hre den Drath <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DC</HI> tr&auml;gt, der &longs;ich
nicht nur in der R&ouml;hre ver&longs;chieben, &longs;ondern auch vermittel&longs;t
der Charniere &longs;owohl vertikal, als horizontal herumdrehen
l&auml;&longs;t. Jeder Drath hat an dem Ende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> einen Ring
und an dem zuge&longs;pitzten Ende <HI REND="roman" TEIFORM="hi">D</HI> eine me&longs;&longs;ingene Kugel, die
man auch abnehmen kan. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> i&longs;t eine &longs;tarke h&ouml;lzerne Scheibe,
f&uuml;nf Zoll im Durchme&longs;&longs;er, auf deren Fl&auml;che ein Streif
Elfenbein eingelegt i&longs;t, und die einen &longs;tarken cylindri&longs;chen
Fu&szlig; hat. Die&longs;er Fu&szlig; geht in den hohlen Cylinder <HI REND="roman" TEIFORM="hi">F,</HI> der
in der Mitte des untern Brets befe&longs;tiget i&longs;t, und worinn
der Fu&szlig; der h&ouml;lzernen Scheibe vermittel&longs;t der Stell&longs;chraube
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">G</HI> auf jede erforderliche H&ouml;he ge&longs;tellt werden kan. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> i&longs;t
eine kleine zu die&longs;em In&longs;trumente geh&ouml;rige Pre&longs;&longs;e; &longs;ie be&longs;teht
aus zweyen l&auml;nglichen Bretern, welche durch zwey
Schrauben an einander gepre&longs;&longs;et werden k&ouml;nnen, und l&auml;&longs;t
&longs;ich mit einem an dem unter&longs;ten Brete befe&longs;tigten Fu&szlig;e
&longs;tatt der Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E</HI> in das In&longs;trument ein&longs;etzen.</P><P TEIFORM="p">Die&longs;es In&longs;trument dient, elektri&longs;che Schl&auml;ge aus geladenen
Fla&longs;chen oder Batterien durch oder &uuml;ber jeden beliebigen
K&ouml;rper gehen zu la&longs;&longs;en. Verlangt man z. B.
den Schlag &uuml;ber die Fl&auml;che eines Kartenblatts zu f&uuml;hren,
&longs;o lege man das Blatt auf die Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E,</HI> und &longs;telle die
Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> an die Fl&auml;che de&longs;&longs;elben, etwa 3/4 Zoll aus einander.
Verbindet man nun den einen Drath <HI REND="roman" TEIFORM="hi">CD</HI> durch<PB ID="P.1.221" N="221" TEIFORM="pb"/>
eine Kette mit der &auml;u&szlig;ern Belegung einer geladenen Fla&longs;che
oder Batterie, und bringt den Knopf der Fla&longs;che oder
den Knopf eines mit der innern Seite der Batterie verbundnen
gew&ouml;hnlichen Ausladers gegen den andern Drath,
&longs;o geht der Schlag aus einer Kugel in die andere &uuml;ber die
Oberfl&auml;che des Kartenblatts hin. Will man durch ein
Spiel Karten &longs;chlagen, &longs;o &longs;tellt man da&longs;&longs;elbe aufrecht auf
die Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">E,</HI> &longs;o da&szlig; es die Kugeln <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> auf beyden Seiten
ber&uuml;hren. Legt man Goldbl&auml;ttchen zwi&longs;chen zwey St&uuml;cken
Glas, l&auml;&longs;t &longs;ie an beyden Seiten ein wenig herausgehen,
pre&szlig;t dann die Glas&longs;t&uuml;cken mit der Pre&longs;&longs;e zu&longs;ammen,
und legt die herausgehenden Enden der Goldbl&auml;ttchen an
die Enden der Dr&auml;the <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DD</HI> an, &longs;o verbindet der durchgehende
Schlag das Metall &longs;o innig mit dem Gla&longs;e, da&szlig; es
davon weder abge&longs;chabt, noch durch die gew&ouml;hnlichen Aufl&ouml;&longs;ungsmittel
herausgebracht werden kan.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Cavallo</HI> voll&longs;t. Abhdl. der Lehre von der Elektricit&auml;t, aus
d. Engl. dritte Aufl. Leipzig 1785. gr. 8. S. 129.</P></DIV2><DIV2 N="Austritt" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Austritt, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Emer&longs;io</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Emer&longs;ion</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">So hei&szlig;t in der
Sternkunde der Augenblick, in welchem bey Verfin&longs;terungen
oder Bedeckungen ein Ge&longs;tirn aus dem Schatten oder
hinter dem bedeckenden K&ouml;rper wieder hervortritt. Der
Augenblick, in welchem nach totalen Verfin&longs;terungen ein
Ge&longs;tirn zuer&longs;t wieder &longs;ichtbar zu werden anf&auml;ngt, hei&szlig;t
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anfang des Austritts;</HI> der Augenblick, in welchem
es ganz vom Schatten oder von dem bedeckenden K&ouml;rper
verla&longs;&longs;en wird, i&longs;t der <HI REND="bold" TEIFORM="hi">g&auml;nzliche Austritt.</HI></P><P TEIFORM="p">Bey Durchg&auml;ngen der Venus und des Merkurs
durch die Sonnen&longs;cheibe hei&szlig;t <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Anfang des Austritts</HI>
der Augenblick, in welchem der vorangehende Rand des
Planeten den Sonnenrand von innen ber&uuml;hrt; <HI REND="bold" TEIFORM="hi">g&auml;nzlicher
Austritt</HI> der, in welchem der nachfolgende Rand
den Sonnenrand von au&szlig;en ber&uuml;hrt, oder der Planet
die Sonnen&longs;cheibe ganz verl&auml;&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Fin&longs;terni&longs;&longs;e, Bedeckungen,
Durchg&auml;nge.</HI></P></DIV2><DIV2 N="Avtomate" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Avtomate, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Avtomata, Machinae, quae &longs;ua &longs;ponte
moveri videntur</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Automates</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Mechani&longs;che Kun&longs;twerke,<PB ID="P.1.222" N="222" TEIFORM="pb"/>
welche ihre bewegende Kraft in &longs;ich &longs;elb&longs;t verborgen
halten, und &longs;ich al&longs;o von &longs;elb&longs;t, ohne merkliche &auml;u&szlig;ere
Kraft, zu bewegen &longs;cheinen. Gemeiniglich &longs;ind die
bewegenden Kr&auml;fte Federn oder Gewichte, weil &longs;ich die&longs;e
in den klein&longs;ten Raum zu&longs;ammenziehen, und am be&longs;ten
verbergen la&longs;&longs;en. Die gew&ouml;hnlichen Ta&longs;chenuhren geben
das bekannte&longs;te Bey&longs;piel von Avtomaten.</P><P TEIFORM="p">Einige Mechaniker haben die Kun&longs;t in Ab&longs;icht auf
dergleichen avtomati&longs;che Werke zu einer bewundernsw&uuml;rdigen
H&ouml;he getrieben. Die mei&longs;te Bewunderung verdienen
diejenigen Avtomate, welche unter der Ge&longs;talt men&longs;chlicher
Figuren allerley men&longs;chliche Handlungen vorzunehmen
&longs;cheinen. Sie hei&szlig;en <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Androide</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(hominem &longs;imulantia.)</HI>
Die Tradition &longs;agt von <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Albert Grot,</HI> insgemein
Albertus Magnus genannt, er habe bereits im dreyzehnten
Jahrhunderte ein Avtomat in men&longs;chlicher Ge&longs;talt
verfertiget, welches den Anklopfenden &longs;eine Th&uuml;re ge&ouml;fnet,
und dabey einen Laut, als ob es &longs;ie anredete, von &longs;ich gegeben
habe. So &longs;oll auch <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Regiomontan</HI> nach dem Anf&uuml;hren
des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ramus</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Schol. math. L. II. p. 65.)</HI> eine
ei&longs;erne Fliege verfertiget haben, welche &longs;ich aus &longs;einer Hand
um die Tafel herumbewegte, und wieder zu ihm zur&uuml;ckkam.
Beyde Erz&auml;hlungen aber &longs;ind nicht glaubw&uuml;rdig.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> verfertigte im Jahre 1738 zu Paris
&longs;einen mit Recht &longs;o ber&uuml;hmt gewordenen <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Fl&ouml;ten&longs;pieler,</HI>
welcher von ihm &longs;elb&longs;t (<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Le M&eacute;cani&longs;me du Fl&ucirc;teur automate.
Paris. 1738.</HI> &uuml;ber&longs;. im Hamb. Mag. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> St.)
um&longs;t&auml;ndlich be&longs;chrieben worden i&longs;t. Die Figur war 5 1/2
pari&longs;er Schuh hoch, &longs;itzend, und mit einem Piede&longs;tal ver&longs;ehen,
in welchem die Haupttheile des Mechani&longs;mus verborgen
waren. Mit einer unglaublichen Ge&longs;chicklichkeit
hatte der Urheber die&longs;es Kun&longs;t&longs;t&uuml;cks die fein&longs;ten mechani&longs;chen
H&uuml;lfsmittel &longs;o zu n&uuml;tzen und zu verbinden gewu&szlig;t,
da&szlig; die&longs;e Ma&longs;chine ver&longs;chiedene mu&longs;ikali&longs;che St&uuml;cke auf
der Querfl&ouml;te mit der gr&ouml;&longs;ten Genauigkeit in Unter&longs;cheidung
des ver&longs;chiedenen Takts und des Vortrags ausf&uuml;hrte,
ohne anders in die Fl&ouml;te zu wirken, als der Men&longs;ch, nemlich
mit den Lippen zum An&longs;atz, und mit den Fingern zur<PB ID="P.1.223" N="223" TEIFORM="pb"/>
Modulation der T&ouml;ne. Wenn die le&longs;ensw&uuml;rdige Be&longs;chreibung
die&longs;er Ma&longs;chine nicht Erkl&auml;rung eines &longs;chon
vollendeten Werks, &longs;ondern Entwurf eines er&longs;t auszuf&uuml;hrenden
Plans w&auml;re, &longs;o w&uuml;rden die mei&longs;ten &longs;ie f&uuml;r eine
&longs;innreiche Chim&auml;re erkl&auml;ren. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> verfertigte
noch au&szlig;erdem einen Trommel&longs;chl&auml;ger, der mit der einen
Hand das Flageolet &longs;pielte, und mit der andern das
St&uuml;ck auf der Trommel mit einfachen, doppelten und
Wirbel&longs;chl&auml;gen begleitete; ingleichen eine Ente, welche
die K&ouml;rner mit dem Schnabel aufnahm, kaute, ver&longs;chlang,
und durch die nat&uuml;rlichen Wege in einer verdauten K&ouml;rnern
&auml;hnlichen Ge&longs;talt wieder von &longs;ich gab. Die&longs;e Ente
&longs;chlug mit den Fl&uuml;geln, richtete &longs;ich auf den F&uuml;&szlig;en in
die H&ouml;he, drehte den Hals u. &longs;. w., und der Bau ihres
K&ouml;rpers war der Natur &longs;o viel m&ouml;glich nachgeahmt.
Die&longs;e Vaucan&longs;on&longs;chen Avtomate be&longs;itzt gegenw&auml;rtig Herr
Hofrath <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Beireis</HI> in Helm&longs;t&auml;dt.</P><P TEIFORM="p">Die beyden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Iaquet Droz</HI> in der Chaux-de-Fonds,
Vater und Sohn, haben die&longs;e von Vaucan&longs;on zuer&longs;t in
Aufnahme gebrachte Kun&longs;t noch h&ouml;her getrieben, und durch
avtomati&longs;che Mechani&longs;men alles ausgef&uuml;hrt, was nur das
fruchtbar&longs;te ganz f&uuml;r die Mechanik gebohrne Genie hat erdenken
k&ouml;nnen. In der von Herrn Bernoulli herausgegebenen
Be&longs;chreibung des F&uuml;r&longs;tenthums Wel&longs;ch-Neuenburg
und Vallengin (Sammlung kurzer Rei&longs;ebe&longs;chreib.
er&longs;ter &uuml;berz&auml;hliger Band. Berlin 1783. S. 152 u. f.)
findet &longs;ich eine kurze Anzeige der Werke die&longs;er ber&uuml;hmten
K&uuml;n&longs;tler, von deren j&uuml;ngerem <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Vaucan&longs;on</HI> &longs;elb&longs;t ge&longs;agt
haben &longs;oll, die&longs;er junge Mann fange da an, wo er aufgeh&ouml;rt
habe. Die merkw&uuml;rdig&longs;ten die&longs;er Avtomate &longs;ind
die Figur eines zweyj&auml;hrigen Kindes, das &longs;itzend an einem
Pulte &longs;eine Feder eintancht, das Ueberfl&uuml;&szlig;ige weg&longs;ch&uuml;ttelt,
und alles, was man ihm in franz&ouml;&longs;i&longs;cher Sprache vor&longs;agt,
nach&longs;chreibt; eine andere &auml;hnliche Figur, welche mit dem
Bley&longs;tifte kleine Zeichnungen auf einer Schreibtafel verfertiget;
ein M&auml;dchen, das den Fl&uuml;gel &longs;pielt, und ein zu&longs;ammenge&longs;etztes
St&uuml;ck von 4 1/2 Schuh ins Gevierte und
2&mdash;3 Schuh H&ouml;he, welches mancherley Scenen der Natur<PB ID="P.1.224" N="224" TEIFORM="pb"/>
und Kun&longs;t mit mehreren avtomati&longs;chen Figuren dar&longs;tellet.
Ueberhaupt i&longs;t die Uhrmacherkun&longs;t und die feinere
prakti&longs;che Mechanik in der Chaux-de-Fonds und im Locle
&longs;ehr weit getrieben worden. Man wird in der angef&uuml;hrten
Be&longs;chreibung noch mehrere Avtomate anderer K&uuml;n&longs;tler
erw&auml;hnt finden, und es &longs;cheint das Clima die&longs;er Gegenden
dem mechani&longs;chen Genie be&longs;onders g&uuml;n&longs;tig zu &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Unter den neu&longs;ten Avtomaten hat der in Pre&szlig;burg
verfertigte <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Schach&longs;pieler</HI> des Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Kempelen</HI>
das mei&longs;te Auf&longs;ehen erreget. Be&longs;chreibungen des Aeu&szlig;ern
die&longs;er Ma&longs;chine und ihres Spiels haben Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">von Windi&longs;ch</HI>
(Briefe &uuml;ber den Schach&longs;pieler des Herrn von Kempelen.
Ba&longs;el 1783. 8.) und Herr Prof. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hindenburg</HI>
(Ueber den Schach&longs;pieler des H. v. K. Leipzig 1784. 8.
auch im Leipziger Magazin zur Naturk. Math. u. Oekon.
1784. drittes St&uuml;ck) gegeben. Aber den innern Bau
der&longs;elben und die Art der &auml;u&szlig;ern Einwirkung, welche nach
Be&longs;chaffenheit der Z&uuml;ge des Gegners die bewegende Kraft
&longs;o modificirt, da&szlig; &longs;ie pa&longs;&longs;ende Gegenz&uuml;ge bewirkt, h&auml;lt der
K&uuml;n&longs;tler geheim; auch i&longs;t die&longs;e Einwirkung dem Zu&longs;chauer
v&ouml;llig un&longs;ichtbar, und auf die Walze und das R&auml;derwerk
in einer vor der Figur &longs;tehenden und das Schachbret tragenden
Kommode werden nur vor Anfang des Spiels
fl&uuml;chtige Blicke erlaubt. Herrn <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Nicolai</HI> Vermuthung
(Be&longs;chreibung einer Rei&longs;e durch Deut&longs;chland. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">VI.</HI> Band),
da&szlig; die Sache ein grober Betrug, und ein Knabe in der
Figur verborgen &longs;ey, wird dem, der die Ma&longs;chine ge&longs;ehen
hat, durch den Mangel des Raums, durch die Be&longs;chaffenheit
der Bewegungen &longs;elb&longs;t, und durch das Ein&longs;icht und
Be&longs;cheidenheit verrathende Betragen des K&uuml;n&longs;tlers, unwahr&longs;cheinlich.
Auch Herr <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> (Magazin f&uuml;r
das Neue&longs;te aus der Phy&longs;. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> B. 2. St.) glaubt, die&longs;er
Schach&longs;pieler &longs;ey kein mechani&longs;ches Kun&longs;twerk. Hr. Prof.
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Hindenburg</HI> hingegen (a. a. O.) vermuthet eine mechani&longs;che
Anordnung, welche Bewegung hervorzubringen
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;trebt,</HI> aber er&longs;t durch den Zutritt einer Kraft von au&szlig;en,
vielleicht der magneti&longs;chen, wirklich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">hervorbringt,</HI> und
glaubt, das Spiel der Figur &longs;ey gro&szlig;entheils mechani&longs;ch<PB ID="P.1.225" N="225" TEIFORM="pb"/>
und determinirt vorbereitet, und werde nur bey unvorherge&longs;ehenen
Z&uuml;gen des Gegen&longs;pielers auf eine unmerkliche
Art abge&auml;ndert. Herr von Kempelen l&auml;ugnet
nicht, da&szlig; bey dem Spiele die&longs;er Figur T&auml;u&longs;chung vorgehe;
i&longs;t aber die&longs;e T&auml;u&longs;chung nur eine feinere, als
Herr Nicolai vermuthet, &longs;o wird die Bekanntmachung
der&longs;elben dem K&uuml;n&longs;tler, obgleich nicht eintr&auml;glicher,
doch gewi&szlig; r&uuml;hmlicher &longs;eyn, als &longs;ein bisher beobachtetes
geheimni&szlig;volles Zur&uuml;ckhalten.</P></DIV2><DIV2 N="Avtomati&longs;che Bewegungen" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Avtomati&longs;che Bewegungen</HEAD><P TEIFORM="p"><HI REND="roman" TEIFORM="hi">Motus automatici,
<HI REND="ital" TEIFORM="hi">Mouvemens automatiques,</HI></HI> hei&szlig;en nach
<HI REND="bold" TEIFORM="hi">Boerhaave</HI> diejenigen Bewegungen, welche von dem
innern Bau des thieri&longs;chen K&ouml;rpers abh&auml;ngen, und
nicht willk&uuml;hrlich hervorgebracht werden, z. B. der Umlauf
des Bluts, die Ab&longs;onderungen der S&auml;fte, die
wurmf&ouml;rmige Bewegung der Ged&auml;rme, die Erweiterung
und Verengerung des Augen&longs;terns u. &longs;. w.</P></DIV2><DIV2 N="Auzometer" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Auzometer</HEAD><P TEIFORM="p">eigentlich wohl <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Avxometer, Vergr&ouml;&szlig;erungsmaa&szlig;,</HI>
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">Auxometrum, <HI REND="ital" TEIFORM="hi">Auzometre.</HI></HI> Ein
Werkzeug, womit &longs;ich die St&auml;rke der Vergr&ouml;&szlig;erung
bey einem Fernrohre me&longs;&longs;en l&auml;&longs;t.</P><P TEIFORM="p">Man kan zwar durch Berechnung finden, wie &longs;tark
ein Fernrohr vergr&ouml;&szlig;ere, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Fernrohr.</HI> Allein, weil man
hiezu die Brennweiten aller Gl&auml;&longs;er genau kennen mu&szlig;, und
in F&auml;llen, wo die Ocularr&ouml;hre mehrere Lin&longs;en hat, die
Rechnung manchem be&longs;chwerlich f&auml;llt, &longs;o haben &longs;chon &auml;ltere
Lehrer der Dioptrik, z. B. <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Wolf</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Elem. Dioptr.
Probl. 38.)</HI> die Vergr&ouml;&szlig;erung durch die Erfahrung zu finden,
angewie&longs;en. Sie &longs;chreiben vor, Ziegeln auf dem
For&longs;te eines Hau&longs;es mit dem einen Auge durchs Fernrohr,
und zugleich mit dem andern ohne Fernrohr zu betrachten,
das Fernrohr &longs;o zu wenden, da&szlig; der Anfang beyder Bilder
auf einander falle, und zu z&auml;hlen, wie viel mit dem
blo&szlig;en Auge ge&longs;ehene Ziegel von dem durchs Fernrohr vergr&ouml;&szlig;erten
Bilde eines einzigen Ziegels verdeckt werden.
Die&longs;e Anzahl, die &longs;ich mit H&uuml;lfe des Fernrohrs leicht be&longs;timmen
l&auml;&longs;t, wird die Vergr&ouml;&szlig;erungszahl &longs;eyn. Die&longs;e<PB ID="P.1.226" N="226" TEIFORM="pb"/>
Methode aber i&longs;t f&uuml;r jeden unbrauchbar, de&longs;&longs;en beyde
Augen nicht gleiche G&uuml;te haben.</P><P TEIFORM="p">Der engli&longs;che Mechaniker <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Adams</HI> hat daher ein
&longs;ehr bequemes Werkzeug hiezu vorge&longs;chlagen, de&longs;&longs;en Be&longs;chreibung
&longs;ich im <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rozier</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(Journal de phy&longs;ique, Janvier
1783. p. 65.)</HI> findet. Die Einrichtung de&longs;&longs;elben gr&uuml;ndet
&longs;ich auf den Satz, da&szlig; die Vergr&ouml;&szlig;erungszahl dem
Quotienten des Durchme&longs;&longs;ers der Oefnung des Objectivs
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">bd</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 35.) durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fg,</HI> oder den Durchme&longs;&longs;er
des hellen Bildes, welches von der Oefnung des
Objectivgla&longs;es auf dem letzten Augengla&longs;e entworfen
wird, gleich &longs;ey. Wenn z. B. beym a&longs;tronomi&longs;chen
Fernrohre die Brennweiten beyder Gl&auml;&longs;er in <HI REND="roman" TEIFORM="hi">n</HI> vereiniget
&longs;ind, &longs;o i&longs;t die Vergr&ouml;&szlig;erungszahl eigentlich <HI REND="roman" TEIFORM="hi">= (an/nz)</HI>
welches aber wegen der Aehnlichkeit der Dreyecke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">bnd</HI>
und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">fng</HI> eben &longs;o viel als <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(bd/fg)</HI> i&longs;t. Die Dioptrik lehrt,
da&szlig; der Satz f&uuml;r alle Fernr&ouml;hre, auch f&uuml;r die mit mehreren
Ocularen, gelte.</P><P TEIFORM="p">Das Werkzeug &longs;elb&longs;t be&longs;teht aus drey kleinen metallnen
R&ouml;hren, die zu&longs;ammenge&longs;choben nur etwa 1 1/4 Zoll lang
&longs;ind, und 11 Linien im Durchme&longs;&longs;er haben. Die er&longs;te
R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">aben</HI> (Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 36.) &longs;teckt in der zweyten,
und hat bey <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> eine Glaslin&longs;e in einiger Entfernung vom
Augenloche <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C.</HI> Die zweyte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">pmof</HI> i&longs;t am Ende mit einer
durch&longs;ichtigen Horn&longs;cheibe bedeckt, die durch Parallel&longs;triche,
welche nur (1/100) Zoll von einander ab&longs;tehen, getheilt
i&longs;t. Die &auml;u&szlig;er&longs;te R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">gstr</HI> i&longs;t an beyden Seiten offen,
und dient blos dazu, der Scheibe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">mo</HI> den geh&ouml;rigen Ab&longs;tand
zu geben, damit &longs;ie das Bild der Oefnung des Objectivgla&longs;es
auffangen k&ouml;nne, welches &longs;ich am Ende der
Ocularr&ouml;hre da, wo man &longs;on&longs;t das Auge anh&auml;lt, entwirft.
Auf eben die&longs;er R&ouml;hre i&longs;t ein Zoll in Zehntheile, und
das eine Zehntel in Hunderttheilchen getheilt.</P><P TEIFORM="p">Der Gebrauch i&longs;t folgender. 1) Man richtet das
Fernrohr &longs;o ein, da&szlig; man den Gegen&longs;tand deutlich &longs;ehen<PB ID="P.1.227" N="227" TEIFORM="pb"/>
kan. 2) Man zieht nun die R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">aben</HI> &longs;o weit aus,
da&szlig; man, gegen den Himmel, die Parallel&longs;triche auf
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">mo</HI> durch die Lin&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">d</HI> deutlich erkennt. 3) Man &longs;etzt
das Auzometer an die Ocularr&ouml;hre, und ver&longs;chiebt die
R&ouml;hre <HI REND="roman" TEIFORM="hi">gstr</HI> &longs;o lange, bis man durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">C</HI> das durchs Fernrohr
gemachte Bild auf der Horn&longs;cheibe deutlich &longs;ehen
kan. 4) Man z&auml;hlt, wie viel Parallel&longs;triche der
Durchme&longs;&longs;er die&longs;es Bildes einnimmt. 5) Man mi&szlig;t
mit einem Zirkel den Durchme&longs;&longs;er der Oefnnng des Objectivgla&longs;es
in Hunderttheilchen des Zolles, und dividirt
ihn durch die Anzahl der Hunderttheilchen, die &longs;ein
Bild einnimmt. Der Quotient i&longs;t der obigen Theorie
gem&auml;&szlig; die Vergr&ouml;&szlig;erungszahl. Nimmt z. B. das
Stralenbild auf der Horn&longs;cheibe 5 Hunderttheile ein,
und i&longs;t der Durchme&longs;&longs;er des Objectivgla&longs;es 1 1/2 Zoll oder
150 Hunderttheile, &longs;o wird die Vergr&ouml;&szlig;erung (150/5) oder
30fach &longs;eyn.</P><P TEIFORM="p">Beym galil&auml;i&longs;chen oder holl&auml;ndi&longs;chen Fernrohre kan
die&longs;es Auzometer nicht gebraucht werden, weil man da wegen
des hohlen Augengla&longs;es kein eigentliches Bild hat;
wohl aber bey Spiegeltele&longs;copen, wenn man es &longs;o anbringt,
da&szlig; das Bild auf der Horn&longs;cheibe recht deutlich er&longs;cheint.</P><P TEIFORM="p"><HI REND="bold" TEIFORM="hi">Lichtenberg</HI> Magazin f&uuml;r das Neue&longs;te aus der Phy&longs;ik,
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">II.</HI> B. 2 St. S. 74. u. f.</P></DIV2><DIV2 N="Axe" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Axe, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Axis</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Axe</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">In der Sph&auml;rik oder der Lehre
von den Kugel&longs;chnitten wird die&longs;er Name als ein allgemeines
Kun&longs;twort der geraden Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">III.</HI> Fig. 37.
beygelegt, welche die Mittelpunkte der aus mehreren parallellaufenden
Kugel&longs;chnitten ent&longs;tandenen Krei&longs;e, wie
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HI, DE, AQ, FG, KL,</HI> mit einander verbindet. Die
Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> geht al&longs;o auch durch den Mittelpunkt der Kugek
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> welcher zugleich der Mittelpunkt des gr&ouml;&longs;ten unter die&longs;en
Krei&longs;en, des Krei&longs;es <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> i&longs;t. Auch &longs;teht &longs;ie &longs;enkrecht
auf den Ebnen aller die&longs;er Krei&longs;e oder Kugel&longs;chnitte.
Wenn man daher aus dem Mittelpunkte eines auf der Kugelfl&auml;che
be&longs;chriebenen Krei&longs;es eine Linie auf &longs;eine Ebne
lothrecht aufrichtet, und auf beyden Seiten bis an die Kugelfl&auml;che
verl&auml;ngert, &longs;o i&longs;t die&longs;e des Krei&longs;es Axe.<PB ID="P.1.228" N="228" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Stellt man &longs;ich vor, die Kugel w&uuml;rde an den Punkten
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> und <HI REND="roman" TEIFORM="hi">R</HI> fe&longs;tgehalten, und &longs;o um die unbewegliche
Linie <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> umgedrehet, &longs;o mu&szlig; bey die&longs;er Umdrehung jeder
Punkt der Kugelfl&auml;che einen von den parallelen
Krei&longs;en be&longs;chreiben, von welchen <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR</HI> die Axe i&longs;t. Daher
k&ouml;mmt auch die Benennung, welche ur&longs;pr&uuml;nglich
eine Linie bedeutet, um welche etwas gedreht wird.</P><P TEIFORM="p">So &longs;cheint &longs;ich das ganze Weltgeb&auml;ude in 24
Stunden um eine unbewegliche Linie zu drehen, welche
die <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Weltaxe</HI> hei&szlig;t, und die Axe des Aequators und der
mit ihm gleichlaufenden <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Tagekrei&longs;e</HI> i&longs;t, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Weltaxe.</HI>
Eigentlich aber i&longs;t es die Erdkugel, welche in die&longs;er Zeit
&longs;ich um die Erdaxe dreht. Die&longs;e i&longs;t die Axe des Aequators
der Erde und &longs;einer Parallelkrei&longs;e, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Erdaxe.</HI></P><P TEIFORM="p">F&uuml;r jeden Kreis der Himmelskugel l&auml;&longs;t &longs;ich eine Axe
denken. So hat die Ekliptik ihre eigne Axe, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ekliptik,</HI>
die Scheitellinie i&longs;t die Axe des Horizonts, die Morgenund
Abendlinie die Axe des Mittagskrei&longs;e, die Mittagslinie
die Ach&longs;e des er&longs;ten Scheitelkrei&longs;es.</P><P TEIFORM="p">Ein Rad dreht &longs;ich um das Holz, das man &longs;eine
Axe nennt, wie der Kreis <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AQ</HI> um &longs;eine Axe <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PR.</HI> Eben
&longs;o dreht &longs;ich ein M&uuml;hlrad an &longs;einer Welle, ein Uhrrad an
&longs;einer Spindel rc. um die von einem Zapfen zum andern
gezogne Linie; eben &longs;o i&longs;t der Kreis, den der umgedrehte
Arm einer Winde, eines Ha&longs;pels, einer Kurbel be&longs;chreibt,
gegen die durch ihre Zapfen oder Lager gezogene Linie gerichtet.
In die&longs;en Ma&longs;chinen hei&szlig;en daher die genannten
Theile &longs;&auml;mmtlich <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Axen.</HI> Auch f&uuml;hrt die&longs;e ganze Cla&longs;&longs;e von
Ma&longs;chinen den Namen des <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Rads an der Axe, &longs;. Rad.</HI></P><P TEIFORM="p">Axe eines Cylinders hei&szlig;t die gerade Linie, welche die
Mittelpunkte &longs;einer beyden Grundfl&auml;chen verbindet, Axe
eines Kegels die Linie aus &longs;einer Spitze in der Grundfl&auml;che
Mittelpunkt. Die Ur&longs;ache der Benennung i&longs;t, weil man
&longs;ich beym &longs;enkrechten Cylinder und Kegel vor&longs;tellen kan,
&longs;ie &longs;eyen aus der Umdrehung eines Rechtecks oder rechtwinklichten
Dreyecks um die&longs;e Linie ent&longs;tanden.</P><P TEIFORM="p">Auch den Kegel&longs;chnitten, z. B. der Ellip&longs;e Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI>
Fig. 17. werden Axen zuge&longs;chrieben. Sie &longs;ind diejenigen<PB ID="P.1.229" N="229" TEIFORM="pb"/>
Linien, welche alle auf &longs;ie rechtwinklicht gezognen Sehnen
des Kegel&longs;chnitts halbiren. Die Ellip&longs;e und Hyperbel haben
zwo Axen, die Parabel nur eine. So i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AP</HI> die
gro&szlig;e, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">DE</HI> die kleine Axe der&verbar; Ellip&longs;e <HI REND="roman" TEIFORM="hi">AMmDPE.</HI> Da
die Planetenbahnen Ellip&longs;en &longs;ind, &longs;o wird man hieraus
ver&longs;tehen, was gro&szlig;e Axe der Planetenbahn &longs;ey, <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&longs;. Ap&longs;idenlinie.</HI>
Beyde Axen der Ellip&longs;e gehen durch den Mittelpunkt
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">C,</HI> die gro&szlig;e auch durch die Brennpunkte, z. B.
durch <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S.</HI> Man nennt die&longs;e Linien vermuthlich darum Axen,
weil die Kegel&longs;chnitte &longs;ich um &longs;ie drehen m&uuml;&longs;&longs;en, wenn die
K&ouml;rper erzeugt werden &longs;ollen, die man <HI REND="bold" TEIFORM="hi">Ellip&longs;oide, Hyperboloide,
Paroboloide</HI> nennt.</P><P TEIFORM="p">Axe eines Lin&longs;engla&longs;es hei&szlig;t die gerade Linie durch die
Mittelpunkte der Kr&uuml;mmungen beyder Fl&auml;chen. Sie geht
durch die Mitte der Lin&longs;e, und i&longs;t die Axe des gr&ouml;&longs;ten
Krei&longs;es der&longs;elben. Axe eines erhabnen oder hohlen Spiegels,
die Linie durch &longs;eine Mitte und den Mittelpunkt &longs;einer
Kr&uuml;mmung. Axe eines Fernrohrs, die gemein&longs;chaftliche
Axe aller &longs;einer Gl&auml;&longs;er. Axe des Auges, oder Ge&longs;ichtsaxe,
die gerade Linie durch die Mitte des Augen&longs;terns
und die Mittelpunkte der Kr&uuml;mmungen der Kry&longs;tallin&longs;e
und der &uuml;brigen Feuchtigkeiten.</P></DIV2><DIV2 N="Azimuth" TYPE="entry" ORG="UNIFORM" SAMPLE="COMPLETE" PART="N" TEIFORM="div2"><HEAD TEIFORM="head">Azimuth, <TERM LANG="LA" REND="roman" TEIFORM="term">Azimuth</TERM>, <TERM LANG="FR" REND="ital" TEIFORM="term">Azimuth</TERM>.</HEAD><P TEIFORM="p">Das Azimuth
eines Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S,</HI> Taf. <HI REND="roman" TEIFORM="hi">I.</HI> Fig. 5. hei&szlig;t der Bogen des Horizonts
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HT,</HI> welcher zwi&longs;chen dem Mittagspunkte <HI REND="roman" TEIFORM="hi">H</HI> und
dem Scheitelkrei&longs;e des Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ZST</HI> enthalten i&longs;t. Das
Azimuth i&longs;t das Maa&szlig; des Winkels <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HZT,</HI> welchen der
Scheitelkreis des Sterns mit dem Mittagskrei&longs;e macht.
Es kan <HI REND="bold" TEIFORM="hi">&ouml;&longs;tlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(orientale)</HI> oder <HI REND="bold" TEIFORM="hi">we&longs;tlich</HI> <HI REND="roman" TEIFORM="hi">(occidentale)</HI>
&longs;eyn, je nachdem der Stern <HI REND="roman" TEIFORM="hi">S</HI> vor oder nach &longs;einem Durchgange
drrch den Mittagskreis beobachtet wird. Beym
Durchgange &longs;elb&longs;t i&longs;t das Azimuth=0.</P><P TEIFORM="p">Durch die a&longs;tronomi&longs;chen Quadranten, an welchen
zu die&longs;er Ab&longs;icht ein getheilter horizontaler Kreis, der Azimuthalkreis,
befindlich i&longs;t, wird, mittel&longs;t einer einzigen
Beobachtung, das Azimuth <HI REND="roman" TEIFORM="hi">HT</HI> mit des Sternes H&ouml;he
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">ST</HI> zugleich gefunden.<PB ID="P.1.230" N="230" TEIFORM="pb"/></P><P TEIFORM="p">Im Kugeldreyecke <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ZPS,</HI> de&longs;&longs;en drey Spitzen Scheitelpunkt,
Weltpol und Stern &longs;ind, i&longs;t <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ZP</HI> der Aequatorh&ouml;he
des Orts, <HI REND="roman" TEIFORM="hi">PS</HI> dem Complemente der Abweichung
des Sterns <HI REND="roman" TEIFORM="hi">SD, ZS</HI> dem Complemente &longs;einer H&ouml;he <HI REND="roman" TEIFORM="hi">ST</HI>
gleich; der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">Z</HI> i&longs;t der Nebenwinkel des Azimuths
<HI REND="roman" TEIFORM="hi">HZT;</HI> der Winkel <HI REND="roman" TEIFORM="hi">P</HI> der Stundenwinkel, de&longs;&lon