Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Zittern, Zitterung
Zittern, Zitterung, Tremor, Frémissement.

Man hat diesen Namen einer Bewegung beygelegt, welche in den kleinsten Theilchen der schallenden Körper statt finden, und in sehr schnellen und kurzen Vibrationen, oder einem geschwinden Hin- und Hergehen derselben durch kleine Räume, bestehen soll. Es ist bereits beym Worte Schall (Th. III. S. 801 u. f.) hievon gehandelt, und dabey den Versuchen des Herrn D. Chladni zufolge geäussert worden, daß dieses vermeinte Zittern oder Beben der kleinsten Theile zum Schalle nicht nothwendig und bey klingenden Körpern gar nicht vorhanden sey, daß vielmehr gewisse Stellen solcher Körper ganz unbewegt bleiben, und um diese herum die übrigen Theile nicht zittern, sondern so oscilliren, daß sie auf beyden Seiten der festen Stellen allemal nach entgegengesetzten Richtungen gehen, daher man den Klang nicht aus den Zitterungen der kleinsten, sondern vielmehr aus Schwingungen größerer Theile zu erklären habe.

Herr Professor Voigt (Magazin für das Neuste a. d. Physik u. Naturg. VII B. 1stes Stück, S. 46 u. f.) giebt einen artigen Versuch an, welcher allerdings soviel zeigt, daß der bekannte Harmonika-Ton, den man aus gläsernen Gefäßen durch Streichen des Randes erhält, nicht durch Schwingungen oder Hin-und Hergehen der ganzen Masse des Gefäßes, sondern durch eine schwingende Bewegung gewisser Theile desselben entstehe. Wenn man nemlich auf dem Rande eines mit Wasser gefüllten Weinglases mit dem reinen nassen Finger herumfährt, so erscheint mit dem Momente, in welchem sich zuerst der feine schneidende Ton hören läst, auch die Oberfläche des Wassers ringsum vom Rande bis etwa zur Helfte nach dem Mittelpunkte, wie mit einem äusserst feinen Netze oder feinem Milchflohre bedeckt. Diese wellenförmige Bewegung erstreckt sich bis auf einige Tiefe unter der Wasserfläche, und ist am stärksten an der Stelle, über der sich jedesmal die streichende Fingerspitze befindet, und an der gerade gegenüber stehenden. Dieser Versuch, den schon Galilei erwähnt (s. Schall, Th. III. S. 803. 804.), zeigt deutlich, daß der gestrichne Glasring seine Gestalt verändert, indem seine beyden Helften Schwingungen um feste Punkte oder um Schwingungsknoten machen, deren Stelle von dem jedesmaligen Orte des streichenden Fingers abhängt. Die feinen sich durchkreuzenden Wasserwellen entstehen daher, weil die Stellen, wo das Wasser am stärksten gestoßen wird, und die Richtungen, nach welchen es gestoßen wird, sich durch Herumführung des Fingers alle Augenblicke ändern. Sie beweisen aber keinesweges, daß in Carre's, de la Hire's und Musschenbroeks Sinne alle einzelne kleinste Theile des Glases beben und sich an einander verschieben.

Zodiakallicht, s. Thierkreislicht.

Zodiakus, s. Thierkreis.

Zoll, s. Fuß.

Zonen, s. Erdstriche.