|
Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
![]() |
| Zitterfische. |
Zusatz zu Th. IV. S. 879—885.
Zu S. 883. Folgendes ist Broussonets Beschreibung des Zitterwels (Silurus electricus), dem er den Namen le Trembleur beylegt.
Der Körper des Zitterwels, den man zuweilen bis 20 Zoll lang findet, ist länglich, glatt und ohne Schuppen, gegen den vordern Theil breiter und flächer. Die Augen sind von mittlerer Größe, und mit eben der Haut bekleidet, die den ganzen Kopf bedeckt. Beyde Kiefern sind mit vielen kleinen Zähnen besetzt. Um den Mund hat dieser Fisch sechs faserigte Anhänge, vier an der Ober- und zwey an der Unterlippe, wovon die beyden äußersten oder vom Munde entferntesten an der Unterlippe, die längsten sind. Die Farbe des Fisches ist grau; gegen den Schwanz zu hat er einige schwarze Flecken. Sein elektrisches Organ scheint auch gegen den Schwanz zu zu liegen, wo die Haut dicker, als an dem übrigen Körper, ist. Man kan hier unter der Haut eine weiße faserigte Substanz, welche vermuthlich das elektrische Werkzeug ist, unterscheiden. Man sagt, daß der Zitterwels die Eigenschaft habe, gleich dem Zitteraale einen Schlag oder betäubenden Stoß zu geben, und daß dieser Schlag durch Körper, welche die Elektricität leiten, fortgepflanzt werde; es sind aber hievon keine weitern Umstände mit einiger Gewißheit bekannt.
Zu S. 884. Schon jetzt ist ein fünfter elektrischer Fisch, Trichiurus indicus, Anguilla indica, bekannt geworden, der in den indischen Meeren lebt, und von dem in der Gmelinischen Ausgabe von Linne's Natursystem (To. I. P. III. p. 1142.<*> einige Schriftsteller angeführt werden.
Den Gedanken des D. Ingenhouß, die am Schlusse dieses Artikels vorgetragen werden, kömmt eine Muthmassung des Hrn. Prof. Klügel (Encyklopädie, neue Ausg. Th. I. S. 482.) sehr nahe. ”Die thierischen Kräfte,“ sagt dieser einsichtsvolle Naturforscher, ”sind von einer ganz an”dern Beschaffenheit, als die mechanischen, deren Wir”kungsart wir deutlich aus einander setzen können. Viele ”sehen die Nerven als höchst feine mit einer äußerst zarten ”und beweglichen Flüßigkeit gefüllte Röhrchen an, eine ”Vorstellung, die zuviel Willkührliches hat. Eher könnte ”man die Nerven nach der Art der elektrischen Leiter, der ”Metalle und ähnlicher Körper, auch als Leiter für eine thie”rischelektrische Materie ansehen, die von dem Gehirne zu ”den Muskeln geführt wird, und wegen der entgegengesetz”ten Beschaffenheit der Muskeln mit einer Erschütterung in ”diese übergeht. Die Nervenfasern, die den Reiz in einem ”Gliede nach dem Gehirn fortpflanzen, könnten von einer ”andern Beschaffenheit seyn, als diejenigen, welche zur ”Bewegung der Gliedmaßen und anderer Theile des Kör”pers dienen. Gelähmte Glieder schmerzen oft, und Mus”kelbewegung findet ohne Empfindlichkeit statt.“ Die Galvanischen Versuche, welche unter dem Worte Elektricität, thierische (oben S. 266. u. f.) erzählt werden, schienen anfänglich große Aufklärungen über diese Muthmaßung zu versprechen. Man hat zwar gefunden, daß sich die meisten dieser Erscheinungen durch äußere Elektricität und den längst bekannten Nervenreiz erklären lassen; dennoch scheint die Meinung, daß dabey ein eignes mit dem thierischen Leben in Verbindung stehendes Princip mitwirke, den neusten Untersuchungen zufolge, wenigstens noch nicht widerlegt zu seyn.