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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Wetterharfe. |
N. A.
Wetterharfe, Riesenharfe. Herr Hauptmann Haas zu Basel hat diesen Namen einer Vorrichtung beygelegt, welche bey Veränderungen des Wetters Töne mit den mannigfaltigsten Abwechselungen von sich giebt. Er hat nach einer im Jahre 1787 gegebnen Nachricht, aus seinem Gartenhause 15 Eisendräthe über den Garten hin nach dem Hofe gespannt, die 320 Fuß lang sind. Sie stehen ohngefähr 2 Zoll weit von einander ab; die dicksten haben 2 Lin. im Durchmesser, die mittlern 1 1/2, und die dünnsten sind 1 Lin. stark. Sie liegen in der Mittagsfläche, machen mit dem Horizont einen Winkel von 20—30 Graden, und sind durch Walzen mit Stirnrädern und Sperrhaken stark gespannt. Bey jeder Veränderung des Wetters tönen diese Saiten; bald glaubt man den Ton eines Theekessels zu hören, ehe das Wasser in demselben zum Sieden kömmt, bald eine Harmonika, bald ein fernes Geläute, bald eine Orgel. Oft wird das Getöne so stark, daß das Concert im Gartensaale dadurch gestört wird.
Der Erfinder dieses sonderbaren Wetterzeigers ist der P. Ventan, Probst zu Bürckli unweit Basel. Er schoß zuweilen aus dem Fenster nach der Scheibe, mochte aber nicht nach jedem Schusse zu der Scheibe gehen, hieng also dieselbe an einem langen Eisendrath auf, um sie daran herbey- und wieder zurückziehen zu können. Nun bemerkte er des Nachts zuweilen, daß sein Drath tönte. Er gab genauer Acht, und es zeigte sich, daß jeder Eisendrath, wenn er mit der Mittagslinie parallel gespannt wird, bey jeder Aenderung des Wetters dieses Getöne mache. Messingdrath tönte nicht, eben so wenig Eisendrath von Osten nach Weften gespannt. So weit die oben erwähnte Nachricht.
Herr Hofrath Lichtenberg, der dieselbe im Göttingischen Taschenbuche für 1789 mittheilt, sucht die Ursache dieses Phänomens entweder in Bewegung der Luft, oder in Veränderung der Dräthe durch Hitze und Kälte, oder in verschiedener Spannung derselben durch Feuchtigkeit, die auf das Gebäude wirkt, woran sie befestiget sind. Alle diese Ursachen, glaubt er, können stoßweise wirken. Das regelmäßige Knacken der Ofenplatten und der eisernen Ofenthüren beym Einheizen und Erkalten zeige, daß diese Ausdehnung beym Eisen ruckweise geschehe, wodurch ein Prallen und ein Ton entstehen könne, der bey dem empfindlichern Messing, dessen Ausdehnung steter sey, nicht statt finde. Vorzüglich müsse man die Bewegung der Luft in Betrachtung ziehen, welche auch kleine Zweige oder Hälmchen in Schwingungen bringe, mithin auch lange Saiten durch wellenförmige Bewegung tönen machen könne. Man s. hierüber den Art. Aeolusharfe (oben S. 12). Daß bey der Spannung von Osten nach Westen kein Ton entstanden sey, beweise noch nichts für einen vermutheten Magnetismus, bis erst ausgemacht sey, ob alle übrigen Umstände gleich gewesen, welches kaum zu erwarten stehe.
Herr D. Chladni hat gezeigt, daß die Saiten oder ihre aliquoten Theile sich auch nach der Richtung ihrer Länge in sich selbst zusammenziehen und wieder ausdehnen, und dadurch nach ganz andern Gesetzen tönen, als durch die gewöhnlichen Lateralschwingungen, s. den Zusatz des Art. Ton, oben S. 891. Herr Prof. Hindenburg (Archiv der reinen und angewandten Mathematik. Erstes Heft, 1794. gr. 8. S. 128) erklärt die Wetterharfe für ein Instrument, das solche Längentöne giebt, und zugleich an Länge und Dicke der Saiten alle andere besaitete Instrumente übertrift, welche ihre Töne durch Lateralschwingungen hervorbringen.
Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen für das Jahr 1789 beym Göttingischen Taschenkalender d. I. S. 129—132.