Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Weltgebäude.
Weltgebäude.

Zusatz zu diesem Artikel Th. IV. S. 688—697.

Zu S. 690. Kepler betrachtet die Sonne als einzig in ihrer Art und als den Hauptkörper des ganzen Weltgebäudes; um das Sonnensystem setzt er einen leeren Raum, und läßt erst in einem Abstande von 600000 Erddurchmessern die hohle Kugelfläche des Fixsternhimmels anfangen. In diesem Himmel stehen nun nach ihm die Fixsterne viel dichter beysammen (confertius stellis coelum), welches er so beweiset. Die größten, also die nächsten, scheinen so klein, daß man ihren Durchmesser nicht mehr messen kann. Gäbe es nun welche, die doppelt oder dreymal so weit von uns weg wären, so würden diese noch zwey- oder dreymal kleiner scheinen. So würde man bald auf solche kommen, die ganz unsichtbar wären: man würde sehr wenig Sterne, und von höchst verschiedener Größe sehen müssen, da man ihrer doch über 1000, und ziemlich von einerley Größe, sieht. Diesen Beweiß widerlegt Huygens sehr richtig, indem er bemerkt, bey hellen Gegenständen, z. B. schon bey den Straßenlaternen, komme die Weite, in der man sie sieht, nicht auf den Gesichtswinkel an.

Von der Lage unserer Sonnenwelt gegen die Milchstraße urtheilte Kepler weit richtiger. Herr Kästner führt davon (aus der Epitome Astr. Copern. L. I. p. 38) folgendes an. Die Milchstraße halbirt ohngefähr die scheinbare Sternkugel, zeigt sich als ein kreisförmiger Streifen, zwar nicht überall von gleicher Breite, aber doch sieht ein Theil des Umfangs ziemlich, wie der andere, aus. Wären wir ausser ihrer Ebne, etwa um ihren Halbmesser entfernt, so erschiene sie uns als ein kleinerer Kreis der Kugel, oder als eine Ellipse, und wir sähen auf einmal ihren völligen Umfang. Wären wir in dieser Ebne, aber einem Theile des Umfangs viel näher, als dem andern, so erschiene uns jener groß, dieser enge. Also ist die Sphäre der Fixsterne nicht nur durch die Sternkugel, sondern auch niederwärts, gegen uns zu, durch die Milchstraße begrenzt.

Zu S. 692. In Herrn Kants höchst merkwürdigem Buche findet man viele diesem großen Weltweisen eigne Gedanken und Muthmaßungen, von denen sich einige durch neuere Beobachtungen wirklich bestätiget haben, obgleich die darinn vorgetragne Theorie des Himmels viel Willkührliches enthält, und mit den wahren Gesetzen der Mechanik nicht in allen Stücken übereinstimmt, s. die Zusätze der Art. Saturn, Saturnsring. Unter andern hat schon Herr Kant (sechs Jahre früher, als Lambert) den erhabnen Gedanken, daß die Milchstraße ein Sternsystem sey, zu dem unsere Sonne mit gehöre, und daß die Nebelsterne ähnliche von uns entfernte Sternsysteme oder Milchstraßen seyn, und mehrere derselben wiederum neue Systeme höherer Ordnungen bilden können.

Ein Auszug aus diesem Buche, unter der Aufsicht des Verfassers von Hrn. Gensichen verfertiget, ist der deutschen Uebersetzung von Herschels Aufsätzen aus den Transactionen d. I. 1785. 1786 u. 1789 beygefügt worden (William Herschel Aufsätze über den Bau des Himmels, a. d. engl. von G. M. Sommer, nebst einem Anhange, welcher einen authentischen Auszug aus Imm. Kants allgemeiner Naturgeschichte und Theorie des Himmels enthält. Königsberg, 1791. gr. 8).

Zu S. 695. 696. Herrn Herschels Gedanken über den Bau des Himmels findet man auch in Bodens astronomischem Jahrbuche für 1788 (S. 238 u. f.), mit Hrn. von Zach Auszuge aus einer besonders gedruckten Herschelischen Abhandlung (Account of some observations tending to investigate the Construction of the Heavens).

Von der bewundernswürdigen Menge der Sterne in der Milchstraße sagt Herr Herschel, das Gesichtsfeld seines Teleskops enthalte, auf den dichtesten Theil der Milchstraße gerichtet, oft nicht weniger, als 588 Sterne zugleich, so daß in Zeit von einer Viertelstunde auf 116000 Sterne durch dasselbe giengen. Auch ausser der Milchstraße habe er oft in Zeit von 1 Stunde 50000 Sterne so deutlich vorübergehen sehen, daß er sie hätte zählen können. Dagegen hat man erinnert (Journal de Paris. Dec. 1787. u. Gothaisches Magazin, V. B. 2tes St. S. 171), es sey nicht möglich, in so kurzen Zeiten so weit zu zählen; die Sterne schienen bey ganz reinem Himmel in voller Bewegung zu seyn, diese beständige Vibration täusche das Auge so, daß man je länger je mehr Sterne zu sehen glaube. Aber Herrn Schröters Beobachtungen mit dem 25schuhigen Teleskop (Götting. gel. Anz. 1794. 60stes St.) bestätigen völlig die Herschelischen Angaben, s. oben den Zus. des Art. Spiegelteleskop. In der Gegend des Schwanes waren in keiner einzigen Abtheilung der Milchstraße die fichtbaren größern und kleinern teleskopischen Sterne zu zählen, und die weissen Stellen schienen dicht mit Sternen übersäet. Nur schätzen konnte Herr Schröter die zugleich sichtbaren auf 150, und in weniger zahlreichen Gegenden auf 50—60, eben so viel auch noch am Rande des Nebels. Je mehr sich das Auge daran gewöhnte, desto mehr äusserst entfernte matte Pünktchen blickten aus dem Hintergrunde hervor, die mit dem 13füßigen Teleskope nicht zu sehen waren.

Kästner Anfangsgr. der angew. Mathem. 4te Aufl. 1792. Astronomie, §. 226. VIII.

Lichtenberg, 6te Aufl. v. Erxlebens Anfangsgr. der Naturl. Anm. zu §. 670.