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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Weinsteinsaures |
(Girtanner), Weinsteinsäure (Gren), Acidum tartarosum s. tartari, Sal essentiale tartari, Acide tartareux. Eine unvollkommene Säure, die einen Bestandtheil des Weinsteins ausmacht, sonst aber auch noch in einigen sauren Früchten, z. B. in den Tamarinden, enthalten ist. Wegen der unvollkommnen Verbindung mit dem Sauerstoff erhält der systematische Name die Endung in eux, und die Verbindungen mit Laugensalzen und Erden heißen Tartrites, weinsteinsaure Salze.
Die Entdeckung dieses Sauren ist von Scheele gemacht, die Bereitung aber zuerst von Retzius (Schwed. Abhandl. 1770. S. 207) gelehrt worden. Man löst gereinigten Weinstein in kochendem Wasser auf, und sättigt das Saure darinnen mit Kalkerde. Die weinsteinsaure Kalkerde (Tartrite de chaux), welche hierdurch entsteht, ist im Wasser fast gar nicht auflöslich, und fällt, vorzüglich wenn die Flüßigkeit erkaltet, zu Boden. Man gießt das Flüßige ab, wäscht den Niederschlag mit kaltem Wasser aus, und trocknet denselben. Dann gießt man Schwefelsäure zu, welche mit 8 bis 9mal soviel Wasser, als sie selbst wiegt, verdünnt seyn muß. Man läßt die Mischung zwölf Stunden lang in einer gelinden Wärme digeriren, und schüttelt sie von Zeit zu Zeit um. Die Schwefelsäure verbindet sich mit der Kalkerde zu Gyps, und das Weinsteinsaure wird frey. Man gießt nun das Flüßige ab, wäscht den Gyps aus, um die letzten Theile des Weinsteinsauren davon zu trennen, filtrirt alles dieses Wasser, dampft es ab, und erhält dadurch das Weinsteinsaure in blätterförmigen Krystallen von überaus saurem Geschmack, die in der Luft beständig sind, in der Hitze aber zersetzt werden, kohlensaures und brennbares Gas nebst einer wäßrigen und brandigen Säure und einem empyrevmatischen Oele geben, auch eine Kohle zurücklassen.
Nach dem antiphlogistischen System besteht das Weinsteinsaure aus Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff, wozu Herrn Grens neueres System noch Brennstoff setzt. Im Weinsteinsauren ist weniger Sauerstoff, als in der Sauerkleesäure. Setzt man ihm also Sauerstoff zu, so kan man dasselbe in Sauerkleesäure, Aepfelsäure und Essigsäure umändern, wobey doch wahrscheinlich auch das Verhältniß des Wasserstoffs zu dem Kohlenstoffe verändert wird.
Mit dem Gewächslaugensalze gesättigt, bildet das Weinsteinsaure die weinsteinsaure Pottasche, Tartrite de potasse (tartarisirten Weinstein); ist aber des Laugensalzes zu wenig, so daß das Saure das Uebergewicht behält, so giebt diese Verbindung den gewöhnlichen Weinstein (Weinsteinkrystallen, Weinsteinrahm), dem daher im System der Name Tartrite acidule de pôtasse, säuerlich weinsteingesäuerte Pottasche, zukömmt. Da der Weinstein überschüßige Säure hat, so läßt sich diese auch mit Soda oder Ammoniak sättigen, und es entstehen daraus dreyfache Salze, mit einer Säure und zwey Laugensalzen, mit der Soda nämlich das Seignettesalz, und mit dem Ammoniak der auflösliche Weinstein.
Das brenzliche oder brandige Weinsteinsaure, Acidum pyro-tartarosum, Acide pyro-tartareux, erhält man aus dem gereinigten Weinstein durch die trockene Destillation. Es ist jederzeit mit etwas Oel verbunden, wovon es sich durch wiederholte Rectification zwar in etwas, schwerlich aber ganz, befreyen läßt. Besser aber reiniget man es davon nach Herr Lowitz durch Digestion mit Kohlenpulver (s. Crells chem. Annal. 1786. B. I. S. 293). Herr Gren betrachtet diese brandige Säure als ein durch die Operation zerlegtes Weinsteinsaures, und ist nicht geneigt, es als eine eigne Säure aufzunehmen.
Girtanner Anfangsgr. der antiphlogist. Chemie, S. 378.
Grens syst. Handb. der gesammten Chemie. Th. II. 1794. §. 1020 u. f. §. 1002.