Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Warltire
Warltire

dessen Versuche Priestley (Vers. und Beob. über verschiedene Gattungen der Luft. V. Band) mittheilt, brannte entzündbare Luft mit gemeiner in gläsernen Kugeln an, um das Gewicht der Wärme zu bestimmen, welche bey diesem Versuche verlohren gehen würde. Er fand hiebey die Wände seiner Kugeln inwendig mit Feuchtigkeit überzogen, sahe aber in dieser Erscheinung nichts weiter, als eine Bestätigung seines Satzes, daß die gemeine Luft das in ihr aufgelößte Wasser durch die Phlogistication absetze.

Inzwischen gab diese von Warltire gemachte Bemerkung den nächsten Anlaß zu den merkwürdigen Versuchen, welche Herr Cavendish im Jahre 1781 anstellte, und die im 74sten Bande der philosophischen Transactionen erzählt werden. Diese Versuche gaben bey jeder Verbrennung eine Quantität Wasser, deren Gewicht mit dem Gewichte der verbrannten Luftarten (die rückständige Stickluft abgerechnet) übereinstimmte, und einen säuerlichen Geschmack hatte.

Unter den französischen Chemisten, welche seit 1783. diese Versuche wiederholten, war der erste Herr Monge in Mezieres. Er erhielt nach dem Verbrennen Wasser, welches etwas säuerlich war.

Nachher machten die Herren Lavoisier und Meusnier in Gegenwart der Commissarien der Akademie der Wissenschaften einen zweyten Versuch. Die dephlogistisirte Luft, deren man sich dabey bediente, wog 5 Unzen, 5 Quentchen und 12 Gran. Sie ließ in einer engen mit trocknem Laugensalze angefüllten Röhre, durch welche sie geleitet ward, 35 Gran Wasser zurück, welches sie enthalten hatte. Die brennbare Luft wog 6 Quentchen und 30 Gran, und ließ in dem trocknen Laugensalze 44 Gran Feuchtigkeit zurück. Folglich ward verbrannt 5 Unz.4 Quentch. 49 Gran dephlogistisirtemit5 Quentch. 58 Gran brennbarer Luft6 Unz.2 Quentch. 35 Gran.

Nach dem Verbrennen blieben 6 Quentchen 24 Gran gemischtes Gas übrig; mithin waren 5 Unzen 4 Quentch. 11 Gran verbrannt worden. Das erhaltene Wasser wog 5 Unz. 4 Quentch. 41 Gran, solglich 30 Gran mehr, als die verbrannten Gasarten, welcher Unterschied durch einen kleinen Fehler der Wage veranlasset ward. Das erhaltene Wasser war säuerlich, und jede Unze desselben enthielt 5 Gran Salpetersäure, welche man, wie schon im Art. S. 652. bemerkt ist, bey allen Versuchen dieser Art ohne Ausnahme mit erhalten hat.

Diese Versuche gaben nun den Anlaß zur Vollendung des antiphlogistischen Systems. Es ward in dasselbe der Wasserstoff eingeführt, und das Wasser als eine Verbindung desselben mit dem Sauerstoffe betrachtet; der Stickstoff aber für die Basis der Salpetersäure angenommen, und dem zufolge die bey obigen Versuchen erschienene Salpetersäure aus der Verbindung des Sauerstoffs mit dem Stickstoff hergeleitet, indem das Eudiometer zeigte, daß der zwölfte Theil der zum Versuche gebrauchten dephlogistisirten Luft aus Stickgas bestanden hatte.

Zu diesen Versuchen wurden eigne Geräthschaften unter dem Namen der Gazometer (Combustionsmaschinen) eingeführt, von welchen ein eigner Artikel in diesem Bande (S. 466.) handelt.

Der Mechanikus Fortin stellte mit einer von ihm selbst verfertigten Maschine in Gegenwart des Herrn Lefevre einen dritten Versuch an. Man verbrannte 254 Quentchen 10 Gran dephlogistisirte Luft, mit 66 Quentchen brennbarer, und erhielt 280 Quentchen 33 Gran Wasser. Der unverbrannte elastische Rückstand wog 39 Quentchen 23 Gran. Das Wasser war etwas säuerlich (Journ. de phys. Dec. 1788).

Weil D. Priestley behauptete, es|könne die Salpetersäure aus den Grundstoffen der dephlogistisirten und brennbaren Luft enstanden seyn, so ward zu Widerlegung dieses Einwurfs von den Herren Fourcroy, Seguin, Vauquelin und Arejula im Jahre 1790 ein neuer Versuch angestellt. Um die dephlogistisirte Luft recht rein zu erhalten, bereiteten sie dieselbe aus dem mit dephlogistisirter Salzsäure gesättigten Gewächslaugensalze so, daß 100 Cubikzolle davon nur 3 Cubikzoll Stickgas enthielten. Die brennbare Luft ward aus einer Auflösung des Zinks in verdünnter Schwefelsäure gezogen. Das Verbrennen geschah mit der größten Vorsicht und sehr langsam. Man verbrannte 25582 Cubikzoll brennbare und 12457 Cubikzoll dephlogistisirte Luft, wovon erstere 1039,358 Gran, letztere 6209,869 Gran wog. Beyde zusammen wogen also 12 Unzen, 4 Quentchen, 49 Gran. Das nach dem Versuche erhaltene Wasser wog 12 Unzen 4 Quentchen, 45 Gran, daß also nur 4 Gran fehlten. Das Wasser war ganz rein, von aller Säure frey, und an eigenthümlichem Gewicht dem destillirten Wasser vollkommen gleich.

D. Priestley hat bey seinen neusten Untersuchungen über diesen Gegenstand (Philos. Trans. Vol. LXXXI. p. 213. übers. in Greus Journal der Physik, B. VI. S. 240.) gefunden, daß bey dem Verbrennen beyder Luftarten die Säure nur dann zum Vorschein kömmt, wenn ein Ueberschuß von dephlogistisirter Luft statt findet, daß hingegen das Resultat der Explosion simples Wasser ist, wenn ein Ueberschuß von entzündbarem Gas vorhanden ist. Man erklärt dieses zwar im antiphlogistischen System durch das Azote, das sich stets in der dephlogistisirten Luft mit befinde. Dieses, sagt man, erzeuge Salpetersäure mit dem Ueberschusse des Sauerstoffs; sey aber inflammable Luft genug vorhanden, um den Sauerstoff ganz in Wasser zu verwandeln, so bleibe das Azote als Stickgas unverändert zurück. Allein Priestley fand, wenn Säure entstand, ihre Menge immer größer, als sie die angewandte phlogistische Luft hätte liefern können. Er zieht hieraus den Schluß, daß man die Basis der Säure nicht in der phlogistisirten, sondern in der dephlogistisirten und brennbaren Luft suchen müsse, und wird dadurch in der Meinung bestärkt, daß das Wasser schon vorher in allen Luftarten enthalten sey.

Gegen den hieraus gezognen Einwurf, daß nemlich das Wasser bey der Verbrennung der Gasarten nur abgeschieden werde, führen die Antiphlogistiker an, das erhaltene Wasser betrage doch genau so viel am Gewicht, als die verbrannten Gasarten zusammen, also mache es den ganzen wägbaren Stoff beyder Gasarten aus. Nun könne es diesen, als Wasser, nicht ausmachen, weil sonst dephlogistisirte und brennbare Luft beyde ganz aus Wasser bestehen müßten, da doch zwey Körper, die ganz verschiedene Eigenschaften hätten, unmöglich einerley seyn könnten. Es bleibe daher nichts übrig, als dem Wasser zwey Bestandtheile zu geben, von denen der eine der dephlogistisirten, der andere der brennbaren Luft, als wägbarer Grundtheil, zugehöre. Man ist aber bey den Versuchen genöthiget, auf Fehler der Wage Rücksicht zu nehmen — ein Beweis, daß diese Abwägungen viel zu fein und die Werkzeuge zu unvollkommen sind, um eine unfehlbare Bestätigung so wichtiger Lehrsätze darauf zu bauen.

Die Vertheidiger der Wassererzeugung berufen sich ferner auf die Reduction der Metallkalke in der brennbaren Luft. Man fülle eine mit Quecksilber angefüllte und auf Quecksilber stehende Glocke mit brennbarer Luft, bringe einen metallischen Kalk unter dieselbe, und lasse die Sonnenstralen durch ein Brennglas darauf fallen: so wird der Kalk reducirt, sein Gewicht nimmt ab, das Gas vermindert sich, und es entsteht eine beträchtliche Menge Wasser, deren Gewicht mehr ausmacht, als das Gewicht der brennbaren Luft betrug. Demzufolge, sagen sie, konnte dieses Wasser nicht vorher in der brennbaren Luft enthalten seyn: es hat sich vielmehr aus dem Sauerstoffe des Kalks und dem Wasserstoffe des Gas gebildet. Diese Erklärung ist leicht und schön, aber sie enthält keinen Beweis; denn die Gegner können mit gleichem Rechte annehmen, der Zusatz von Wasser sey (nicht als Sauerstoff, sondern als Wasser selbst) aus dem Kalke gekommen.

Herr de Luc (Erster Brief an de la Metherie über die Natur des Wassers u. s. w. im Journ. de phys. Fevr. 1790. p. 144. übers. in Grens Journ. der Physik. B. II. S. 254. § 4. 5.) setzt es sehr deutlich aus einander, daß die Antiphlogistiker bey ihren Veweisen der Wassererzeugung eine Petitionem principii begehen. Die Gegner behaupten im brennbaren und dephlogistirten Gas sey schon vor der Verbrennung Wasser enthalten, nur in jedem mit einer andern, die besondere Natur des Gas bestimmenden, Substanz verbunden. Dawider kan man die Entstehung des Wassers durch die Verbrennung nicht zum Beweise gebrauchen, ohne stillschweigend anzunehmen, diese Entstehung sey nicht anders, als durch Zusammensetzung möglich. Dieses ohne allen Beweis annehmen, ist ganz eigentlich Petitio principii. Die Antiphlogistiker sollten entweder a priori zeigen, daß man durch Absonderung aus den Luftarten kein Wasser erhalten könne, oder durch Versuche darthun, daß in denselben keines enthalten sey.

Ich komme nun auf die Versuche über die Zerlegung des Wassers. Diese schreiben sich ganz aus Frankreich, größtentheils von Lavoisier selbst her, welcher gleich bey den ersten Anwendungen der Wassererzeugung auf sein System die Nothwendigkeit fühlte, einen Satz, der für dasselbe so wichtig war, nicht blos aus der Synthesis zu folgern, sondern auch durch die Analysis zu bestätigen. Die ersten Proben waren noch sehr unvollkommen (s. Journ. de phys. Dec. 1783. und daraus im Gothaischen Magazin für das Neueste rc. II. Band, 4tes St. S. 91. 92.). Er brachte in ein mit Quecksilber gefülltes und in Quecksilber umgestürztes Glas etwas Wasser mit sehr reiner unverrosteter Stahlfeile. Nach den ersten 24 Stunden fieng das Eisen an zu rosten, oder sich zu verkalken, und es entwickelte sich zugleich etwas brennbare Luft. Nach der Trocknung fand man das Gewicht des Eisens vermehrt. Hieraus ward geschlossen, das Wasser sey in zween Bestandtheile zerlegt worden, der Sauerstoff habe das Eisen verkalkt, und der Wasserstoff die Gestalt der brennbaren Luft angenommen. Man sieht in diesem Versuche blos die schon bekannten Phänomene der Verkalkung, und in der Folgerung nur die Art, wie sie Lavoisier erkläret.

Bald nachher aber wurden die genauern, im Art. Wasser (Th. IV. S. 648 u. f.) erzählten Versuche über die Zerlegung des Wassers durch Eisen und Kohle bekannt, welche die Herren Lavoisier und de la Place im Jahre 1783. angestellt hatten (s. Mém. ou l'on prouve, que l'eau n'est pas une substance simple, in den Mém. de Paris. 1781, welcher Band erst 1784. herausgekommen ist). Diese Versuche waren mit einem genauen Calcul belegt, aus dem sich ergab, daß man 100 Theile Wasser in 85 Theile Oxygen und 15 Theile Hydrogen, dem Gewichte nach, zerlegen könne.

Der erste, der diesen Versuchen widersprach, war Herr de la Metherie (Journ. de phys. Janv. 1784.). Er läugnete das Factum der Zersetzung des Wassers durch Eisen, weil man nach seinen Versuchen keine brennbare Luft erhalte, wenn man Wasser über Eisenfeile hinweggehen lasse. Wichtigere Einwürfe setzten diesen Versuchen Fontana, Priestley, und unter den Deutschen Westrumb, Achard, Klaproth rc. entgegen, wovon der wesentlichste dieser ist, daß die Zerlegung des Wassers von den Antiphlogistikern nicht durch das Factum selbst, sondern erst durch die angenommene Erklärung erwiesen wird, s. den Art. Wasser, Th. IV. S. 653.

Da von Einigen die Versuche selbst bezweifelt wurden, so suchte man ihnen durch öffentliche Anstellung Bestätigung zu geben. Das merkwürdigste Experiment dieser Art war nach Herrn Girtanners Erzählung folgendes. Man füllte einen Flintenlauf mit dickem Eisendrath an, welcher vorher mit dem Hammer war breit geschlagen worden. Dieser Flintenlauf wurde mit dem Drathe sorgfältig gewogen, mit einem Kütt überzogen, und in einer schiefen Stellung in einen Ofen gelegt. Seine obere Oefnung ward mit einem großen Trichter verbunden, der voll Wasser war, dieses aber nur tropfenweise, durch eine sehr enge Oefnung mit einem Hahne, durchließ. Oben war der Trichter verschlossen, um des Ausdünsten des Wassers zu verhüten. Am untern Ende des Flintenlaufs war eine tubulirte Vorlage angebracht, um das nicht zerlegte Wasser aufzufangen. Aus der Vorlage gieng eine gläserne Röhre unter die zum Auffangen der Gasarten bestimmten Gefäße. Um den Versuch desto entscheidender zu machen, ward vor demselben der ganze Apparat luftleer gepumpt, hierauf das Feuer angezündet, und der Flintenlauf glühend gemacht. Dann ließ man das Wasser aus dem Trichter tropfenweise in denselben. Es entwickelte sich eine große Menge brennbarer Luft. Nach geendigtem Versuche ward der Flintenlauf aus dem Ofen genommen, und, nachdem der Kütt rein abgeschlagen war, gewogen. Er hatte am Gewicht merklich zugenommen, und diese Zunahme zu dem Gewichte der brennbaren Luft addirt, war ziemlich genau dem Gewichte des zersetzten Wassers gleich. Der Eisendrath darin und die innere Seite des Flintenlaufs selbst waren ganz in schwarzen Eisenkalk verwandelt, welcher schön krystallisirt war, und wie das Eisenerz von der Insel Elba aussahe. Die durch den Versuch erhaltene brennbare Luft wurde mit soviel dephlogistisirter vermischt, als sich während des Versuchs mit dem Eisen verbunden hatte, und nachher verbrannt. Man erhielt daraus mehr Wasser, als zu dem Versuche angewandt war.

”Solche decisive Versuche,“ sagt Herr Girtanner, ”lassen sich nicht durch hypothetisches Raisonnement wegdis”putiren.“ Aber man bezweifelt auch nicht den Versuch, sondern blos dessen Erklärung, welche doch wenigstens eben so hypothetisch, als das Raisonnement der Gegner, ist. Denn diese behaupten nichts weiter, als es sey eben so möglich, daß der Wasserdunst durch Feuer unterstützt dem Eisen etwas rauben und damit brennbaren Gas bilden, zum Theil aber sich selbst mit dem Eisen verbinden und krystallisiren könne. Der Versuch zeigt, ein Theil des Wassers komme in die Zusammensetzung der brennbaren Luft, ein anderer in die der Eisenkrystallen. Dieses ist Factum. Ob aber beyde Theile noch Wasserdunst, oder ob es zwey verschiedene Bestandtheile sind, in die der Dunst zerlegt wird, davon sagt der Versuch nichts. Die Wahrheit zu gestehen, weiß man es auch gar nicht, und die zweyte Behauptung ist eben sowohl Hypothese, als die erste. Der bescheidne Naturforscher kann beyde, als Vorstellungsarten, zulassen; er wird aber keine davon, wie die Antiphlogistiker thun, mit der Thatsache selbst verwechseln.

Man hat gegen die Wasserzerlegung durch Eisen noch folgenden von D. Priestley angestellten Versuch angeführt. Unter einer Glocke mit dephlogistisirter Luft ward ein Stück Eisen den Sonnenstralen im Brennpunkte eines Brennglases ausgesetzt. Die Luft verminderte sich, und das Eisen ward in einen schwarzen Kalk verwandelt, der schwerer war, als das Metall. Diesen Kalk setzte Priestley unter eine Glocke mit brennbarer Luft, und ließ den Brennpunkt darauf fallen. Es entstand Wasser, das Gas verminderte sich, und das Eisen ward zum Theil reducirt. Hier scheint es vielmehr, als sauge das Eisen Wasser aus der dephlogistisirten Luft ein, und gebe es nachher wieder, um dafür aus der brennbaren Luft etwas an sich zu nehmen, wodurch es reducirt wird. Wenigstens wird hier durch das Eisen nicht Wasser zerlegt, sondern hervorgebracht. Aber die Antiphlogistiker haben auch für diesen Versuch ihre Erklärung. Sie nehmen an, die Verwandtschaft des Sauerstoffs zum Eisen sey zwar stärker, als die zum Wasserstoff, habe doch aber ihre Grenzen. Das Eisen entziehe daher dem Wasser niemals mehr Sauerstoff, als soviel nöthig sey, um in einen schwarzen krystallisirten Eisenmohr verwandelt zu werden. Aus der dephlogistisirten Luft aber nehme es weit mehr Sauerstoff an, als es nachher, in der brennbaren Luft, behalten könne. Daher gehe dieser nunmehr überflüßige Sauerstoff heraus, verbinde sich mit dem Wasserstoff der brennbaren Luft zu Wasser, und das vorher weit stärker verkalkte Metall trete in den Zustand des Eisenmohrs zurück. Hier giebt also wiederum jedes System seine eigne Erklärung, und der Versuch entscheidet am Ende für keines von beyden, ob ihn gleich Hr. Girtanner einen der auffallendsten Beweise für die antiphlogistische Theorie nennt.

Unter allen Versuchen für die Wasserzerlegung schien der entscheidendste derjenige zu seyn, der im Jahre 1789 zu Amsterdam von den Herren Paets van Troostwyck und Deiman angestellt ward. Diese Herren verwandelten Wasser durch den bloßen elektrischen Funken in eine entzündliche gasförmige Mischung. Diesen Versuch, der schon im Wörterbuche (Th. IV. S. 653. 654.) erwähnt ist, hat auch Hr. Schurer (Annales de Chimie, To. V. p. 276.) als Augenzeuge beschrieben. Hrn. Cuthbertson's Nachricht davon ist folgende.

Man nahm eine Glasröhre, die ohngefähr (1/10) Zoll im Lichten weit war, und bog sie zweymal, daß sie die Gestalt bekam, welche Taf. XXXI. Fig. 38. darstellt. Das untere Ende der Röhre blieb offen, in das obere ward ein Golddrath gesteckt, der ohngefähr einen Zoll weit in die Röhre hinein gieng, auswendig aber noch etwas über dieselbe hervorragte, und in dieser Lage ward die obere Oefnung der Röhre zugeschmolzen. Ein anderer langer Golddrath ward durch die unterste Oefnung soweit in die Röhre geschoben, bis dessen oberstes Ende von dem untersten des vorigen Drathes noch ohngefähr 3/4 Zoll abstand. Die Röhre ward alsdann mit destillirtem Wasser gefüllt, und mit dem ofnen Ende in ein Glas gesetzt, welches eben dergleichen Wasser enthielt. Beydes zusammen brachte man darauf unter eine Glocke auf dem Teller der Luftpumpe, und zog soviel möglich alle noch übrige Luft aus dem Wasser. Alsdann ließ man eine wiederholte Entladung einer leidner Flasche von einem Quadratfuß Belegung vermitt<*>elst des Golddraths durch das in der Röhre enthaltene Wasser gehen (Der untere Golddrath muß zu dieser Absicht weit genug aus der Röhre hervorstehen, damit er in dem Glase wieder in die Höhe gebogen werden kan, und sein äußerstes Ende, welches mit der Belegung der Flasche verbunden wird, außer dem Wasser ist). Bey jedem Funken, der von dem obern Drathe auf den untern absprang, zeigten sich an dem letztern Luftbläschen, welche in der Röhre in die Höhe stiegen, sich daselbst ansammelten und eine kleine Luftsäule bildeten. War nun diese Luftsäule so lang geworden, als der obere Drath in die Röhre hineingieng, so entzündete sie sich bey der nächsten Entladung (welche nun nicht mehr blos durch Wasser, sondern durch die erzeugte Luft selbst gieng), sie verbrannte und das Wasser stieg wieder bis an die Spitze der Röhre in die Höhe. Diese Wirkung des elektrischen Funkens auf die entstandene Luft gab deren Beschaffenheit hinlänglich zu erkennen. (Man schloß nemlich, weil der Funken sie entzündet habe, so müsse sie ein Gemisch von dephlogistisirter und brennbarer Luft gewesen seyn).

Dieser Versuch scheint nun allerdings der Zerlegung des Wassers sehr günstig zu seyn. Hr. Hermbstädt (in Lavoisier System der antiphlogistischen Chemie, I. B. 1792. Zusatz S. 120.) sagt hierüber folgendes: ”Bey diesem ”Versuche kömmt keine Kohle, kein Eisen mit dem Wasser ”in Verbindung: der Golddrath dient blos dazu, um dem ”elektrischen Funken einen Weg durch das Wasser zu bah”nen, und seine Auflößung in zwey gasförmige Flüßigkeiten, ”die in ihrer Vermischung eine Knallluft bilden, zu bewir”ken, aus der durch die Entzündung wieder Wasser erzeugt ”wird. Will man vielleicht einwenden, daß hier die in”flammable Luft von Seiten der elektrischen Materie erzeugt ”worden sey, so muß ich gestehen, daß eine solche Einwen”dung blos Chimäre seyn würde, und daß ich nicht begreifen ”könnte, wie man absolut das Wahre von sich stoßen kan, ”um nach Phantomen zu haschen.“

Dennoch hat man den Folgerungen, welche die Antiphlogistiker aus diesem Versuche ziehen, wie mich dünkt, mit Grund, zwo wichtige Einwendungen entgegengestellt.

Die erste ist, daß man jenes erzeugte elastische Fluidum nicht gehörig herausgenommen und eudiometrisch geprüft hat, wie doch nothwendig hätte geschehen müssen, wenn die Versicherung, daß es die gehörige Mischung von Gas oxygène und hydrogène gewesen sey, mehr als bloße Präsumtion seyn sollte. Der Schluß: Weil sich ein Gemisch von diesen zwo Gasarten entzündet, und Wasser giebt, so muß jedes Gas, das sich entzündet und Wasser giebt, ein Gemisch von diesen zwo Gasarten seyn — ist nach den Regeln der Logik auffallend unrichtig, und enthält eine ganz unerlaubte Conversion.

Die zweyte noch wichtigere Einwendung betrift die gänzliche Vernachläßigung des chemischen Einflusses der Elektricität. Dieser Einwurf ist von Hrn. Hofr. Lichtenberg (Vorr. zur sechsten Aufl. von Erxleb. Naturl. Gött. 1794. S. XXVIII. u. f.) sehr eindringend dargestellt worden. Den Antiphlogistikern fällt es gar nicht ein, zu fragen, was die Elektricität hiebey eigentlich thue. Erschüttert sie blos, oder wurfelt sie blos, oder erhitzt sie blos, oder verbindet sie sich etwa, ganz oder selbst zersetzt, mit dem Wasser, und hilst ihm die Luftgestalt geben? Diese Fragen müssen denn doch dem unbefangenen Naturforscher immer erlaubt bleiben. Es ist ungerecht, sie als Chimären und Phantome mit Verachtung zurückweisen, und zu sagen, wer so frage, stoße die Wahrheit von sich. Bey jedem andern Stoffe, durch den man die Verwandlung bewirkt hätte, wäre sicherlich von chemischer Verbindung gesprochen worden: nur beym elektrischen Funken will man daran gar nicht gedacht wissen. Und aus welchem Grunde? Weil wir, sagt man, noch keine chemischen Verbindungen der elektrischen Materie kennen. Das ist ein sehr arger Cirkel im Schließen. Es kann ja gerade hier eine solche Verbindung vorgehen, die wir uns eben bemühen sollten, kennen zu lernen. Man zersetzt ja durch die Elektricität auch die alkalinische Luft, die Salpeterluft, die schwerern brennbaren Luftarten, man vermindert dadurch die atmosphärische, und erhält durch sie Salpetersäure aus dephlogistisirter und Stickluft. Sind dieses nicht Facta genug, die auf chemische Verbindungen und Wirkungen hinweisen? Wenn man nach Hrn. Lichtenbergs (vielleicht im Scherz gemeinten) Vorschlage die elektrische Materie aus Oxygen und Hydrogen mit Wärmestoff bestehen ließe, jene Facta nach dieser Hypothese erklärte, und den Erklärungen das Gepräge von Thatsachen aufdrückte, so ließe sich mit ein wenig Witz und Schreibart ein Gebäude einer elektrischen Chemie, errichten, das der antiphlogistischen an äußerm Schimmer wenig nachgeben würde. In diesem Lehrgebäude würde man aus dem Amsterdamer Versuche erweisen, daß Wasser und Oxygen die Grundlage der dephlogistisirten, so wie Wasser und Hydrogen die der brennbaren Luft wären; und dieses mit eben dem Rechte, und eben so logisch, als jetzt die Antiphlogistiker daraus die Zerlegung und Wiederzusammensetzung des Wassers erweisen.

Hr. de Luc hat gegen die Antiphlogistiker mehrmals erinnert, daß Wärmestoff allein mit Wasser allein nur Dampf, nie Luft, gebe; komme aber zu diesem zwo Substanzen noch ein Drittes, z. B. Licht, so entstehe eine permanent elastische Flüßigkeit. Diese Theorie ist es eigentlich, welche durch den Versuch der holländischen Gelehrten eine neue Bestärkung erhält. Auch in diesem Versuche ist das Wasser die einzige wägbare Substanz, die etwas zur Bildung einer Luftart beytragen konnte. Durch Feuer allein konnte nur Wasserdampf entstehen; allein durch die elektrischen Funken bildete sich Luft, und so oft jene mitgetheilt wurden, so oft zeigten sich auch kleine Luftbläschen. Hier ist also wiederum ein neues Zwischenmittel ohne merkbares Gewicht, welches aus dem, was nur Wasserdämpfe darzustellen vermochte, eine besondre Art von Luft bildet.

Wenn nun alle bisher angeführte Versuche in beyden Systemen erklärt, und einige davon sogar zur Bestätigung von beyden benützt werden können, so wird unstreitig daraus folgen, daß die Versuche selbst für keines entscheidend beweisen, und daß also die Zusammensetzung und Zerlegung des Wassers noch keinesweges als unwidersprechliche Thatsache anzusehen sey.

Hält man aber beyde Systeme als hypothetische Vorstellungsarten gegen einander, so scheint zwar das antiphlogistische, vermittelst der Zerlegung des Wassers, im Kleinen sehr leichte und gefällige Erklärungen zu verschaffen, wiewohl es dazu immer noch eine größere Anzahl hypothetischer Stoffe nöthig hat, als das andere System, welches das Wasser als einen einfachen Stoff betrachtet. Sobald aber der Physiker die chemischen Werkstätte verläßt, und sich zur Betrachtung der Atmosphäre, als der großen Werkstätte der Natur selbst, wendet, möchte ihm doch wohl die Wassererzeugung aus inflammabler Luft bey Erklärung des Regens und anderer Luftbegebenheiten wenig Befriedigung gewähren. Er wird die überwiegende Menge brennbarer Luft, welche zu Erzeugung der Regengüsse erfordert würde, weder durch schickliche Mittel in die Atmosphäre zu schaffen, noch in derselben durch wirkliche Beobachtung anzutreffen, noch ohne Blitz in Wasser zu verwandeln, noch endlich ohne den schrecklichsten Brand des ganzen Luftkreises zu entzünden wissen; und am Ende sich immer gezwungen sehen, in den Stoffen, die den Luftkreis ausmachen, nicht blos Bestandtheile, die eine Entzündung erst vereinigen soll, sondern das Wasser selbst zu suchen.

Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie von Chr. Girtanner. Berlin, 1792. gr. 8. Kap. 12. 13. 14.

Lavoisiers System der antiphlogistischen Chemie; a. d. Frz. mit Anm. u. Zus. von Hermbstädt. Berlin u. Stettin, 1792. gr. 8. I B. 8 Abschnitt.

Versuche u. Beob. über die Elektricität und Wärme der Atmosphäre, nebst einer Abhdl. über das Wasser von W. A. E. Lampadius. Berlin u. Stettin, 1793. 8. S. 165 u. f

Auszug eines Briefes von Hrn. Cuthbertson d. 19 Nov. 1789, in den Leipziger Sammlungen für Physik u. Naturgeschichte. IV. Band. 4tes Heft.

F. A. C. Gren Grundriß der Naturlehre, neu bearbeitet. Halle, 1793. 8. §. 765. 838.

Erxlebens Anfangsgr. der Naturlehre. Sechste Auflage mit Verbess. u. vielen Zusätzen von G. C. Lichtenberg. Gött. 1794. 8. Vorrede S. XXVIII u. f. auch an mehrern Stellen.

Brief des Hrn. de Luc an Hrn. de la Metherie über die Natur des Wassers u. s. w. vom 19 Jan. 1790, aus d. Journal de phys. übersetzt in Grens Journal der Physik, B. II. S. 252 u. f.