|
Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
![]() |
| Vulkane, feuerspeyende Berge |
Berge, welche von Zeit zu Zeit glühende und calcinirte Steine, geschmolzene glühende Materien, Wirbel von Rauch und Flammen u. dergl. oft bis zu ansehnlichen Höhen ausstoßen und um sich werfen, wodurch bisweilen ganze Strecken Landes verwüstet werden. Der Anblick eines tobenden Vulkans wird von den Beobachtern als das fürchterlich-erhabenste Schauspiel in der Natur beschrieben, und die Wirkungen davon erfolgen mit einer bewundernswürdigen Gewalt. Die Vulkane brannten ohne Zweifel in den ältesten Zeiten der Erde weit häufiger, als jetzt, und haben an der Bildung und Veränderung ihrer Oberfläche einen ausgezeichneten Antheil genommen.
Der Ausbruch der brennenden und geschmolzenen Materie geschieht allezeit aus einer Oefnung oder einem Schlunde, dem man den Namen des Craters giebt Die Materien selbst fließen zum Theil als Ströme von Lava an den Seiten herab, zum Theil steigen sie hoch in die Luft, und fallen als ein Hagel wieder herunter. Sie häufen sich dadurch zu einem Kegel auf, eben so, wie durch die aufgeworfene Erde der Maulwurfshügel, oder durch den herabfallenden Sand der kleine Hügel in einer Sanduhr entsteht. Inzwischen bleibt der Canal, durch welchen die Ausbrüche gehen, offen, und der Crater erhält dadurch die Gestalt eines hohlen kegelförmigen Bassins, welches sich nahe bey der Spitze des durch die Auswürfe gebildeten Kegels oder Zuckerhuts befindet. Daher kömmt die regelmäßige Gestalt der meisten Vulkane, welche inzwischen sehr oft gestört wird, wenn sich die vorige Oefnung verstopft, oder vom Feuer verlassen wird, und dieses sich neue Schlünde an den Seiten des Kegels eröfnet. Dadurch stürzen die Kegel ein, und es geht ein Theil ihrer regelmäßigen konischen Gestalt verlohren. Inzwischen lassen sich fast immer noch die Spuren eines großen dem Ganzen zum Grunde liegenden Kegels, und so vieler kleinen Kegel, als Seitenöfnungen entstanden sind, sammt den zugehörigen Cratern, wiederfinden. An diesen Spuren und den herumliegenden vulkanischen Producten erkennt man auch die alten jetzt aus- gebrannten oder erloschenen Vulkane (Volcans éteints), wiewohl manche zu weit gehen, wenn sie jeden kegelförmigen Berg für einen ehemaligen Vulkan erklären.
Hieraus erhellet nun, daß der Ausbruch des Feuers, selbst wenn er im platten Lande geschieht, dennoch um sich her einen höhern oder niedrigern Berg bildet, daher alle fortdaurende Ausbrüche dieser Art aus Bergen geschehen, von welchen ich nun einige der vornehmsten beschreiben will.
Der Vesuv, nahe bey Neapel, giebt durch seine Gestalt ein deutliches Beyspiel des angeführten. Er besteht aus einer von den Apenninen ganz abgesonderten Masse vulkanischer Berge, die sich ringsum gleichförmig mitten aus einer Pläne erhebt, und augenscheinlich das Werk einer einzigen Oefnung ist, weiche ehedem im Mittel gestanden hat. Eine große Katastrophe, vielleicht die im Jahre 79 n. C. G., die Herculanum und Pompeji verschüttete und dem ältern Plinius das Leben kostete, hat den alten Gipfel eingestürzt, und es ist nur ein Theil des Randes von dem ehemaligen großen Crater stehen geblieben. Dies sind die Berge Somma und Ottajano, welche den jetzigen Vesuv auf der Nordseite in Form eines Halbkreises umgeben, und von ihm durch das halbkreisförmige Thal Atrio del Cavallo abgesondert sind. Der jetzige Kegel in diesem Thale ist erst seit Entstehung der neuen Oefnung gebildet worden. Man findet noch eine Menge kleiner Kegel an der Seite, und fast jeder neue Ausbruch verändert die Gestalt dieses merkwürdigen Berges.
Die Städte Herculanum und Pompeji waren erst 16 Jahr vorher durch ein fürchterliches Erdbeben erschüttert worden, als sie durch den schrecklichen Ausbruch des Vesuvs am 24. Aug. 79 von einer unglaublichen Menge schwarzgrauer Asche, mit Bimstein- und Kaiksteinstücken untermengt, verschüttet wurden. Dio Cassius erzählt, es sey eben zu der Zeit geschehen, da man im Schauspiele gewesen, die Asche habe die Sonne verdunkelt, und sey bis Rom, ja bis Syrien und Egypten geflogen, womit man auch die Erzählung des jüngern Plinius von dem Tode seines Mutterbruders bey Stabiä (Epist. VI. 16. 20.) vergleichen kan. Nachherige Ausbrüche haben über diese erste Füllung noch mehrere Lagen gedeckt, zwischen welchen sich immer etwas Dammerde befindet; ein Zeichen, daß jede dieser Lagen eine Zeit lang frey auf der Oberfläche geblieben und zur Cultur fähig geworden sey. So ward Herculanum nach und nach über dem Theater auf 74, und näher nach dem Meere zu auf 110 Fuß hoch bedeckt, und in spätern Zeiten Portici und Resina über diese Stelle gebaut. Im Jahre 1706 fand man zufällig beym Graben einige Statüen, die eine verschüttete Stadt vermuthen ließen, die Regierung verbot aber das weitere Nachsuchen. Erst 1738, da König Carl das Eigenthum dieses Platzes kaufte, fand man die ganze Stadt wieder, ward gewiß, daß sie das alte Herculanum sey, füllte aber die Plätze, so bald die beweglichen Merkwürdigkeiten hinweggeräumt waren, zur Sicherheit der darüber stehenden Gebäude wieder aus, und ließ blos die Schaubühne offen, zu deren Parterre man jetzt von der Erde 80 Stufen hinabsteigt.
Die Masse, welche Herculanum überdeckt hat, scheint doch nicht blos ein trockner Aschenregen, sondern zugleich eine flüßige oder breyartige heisse Substanz gewesen zu seyn. Denn sie hat die Zimmer ausgefüllt, Statüen u. dergl. in sich abgeformt — und durch ihre Hitze selbst inwendig in den Häusern alles Holz von außen verkohlt. Sie hat sich zu einer sogenannten Tufa verhärtet, s. Vulkanische Producte, welche sich leicht zerschlagen läßt, und bey weitem nicht so hart ist, als die neuern Laven werden.
Pompeji hingegen ist blos mit trockner Asche, Bimstein und kleinen granatähnlichen Krystallen bedeckt, welches zusammen zu einer ähnlichen Tufa von 16—18 Fuß Höhe verhärtet ist. Hier ist nichts ins Innere der Häuser gedrungen, oder verbrannt, auch überhaupt alles besser erhalten, und was man seit 1755 entblößt hat, alles offen gelassen worden, so daß die Gebäude, Tempel, Schaubühnen rc. am hellen Tage besehen werden können. Schon die alte Stadt ist auf einer lockern sehr tiefen Lava von drey über einander liegenden Schichten erbaut, und ihre Straßen sind mit Lava gepflastert. Auch Stabiä ist nur mit Asche bedeckt. Hier hat man die gefundenen Alterthümer in das königliche Museum zu Portici gebracht, und die Stellen wieder zugeworfen.
Seit diesem großen Ausbruche des Vesuv giebt die Geschichte von weit mehrern Nachricht, deren sich allein in diesem Jahrhunderte auf zwölf bis dreyzehn zählen lassen. Paragallo (Istoria naturale del monte Vesuvio. Neap. 1705. 4.), du Perron de Castera (Histoire du mont Vesuve, trad. de l'Ital. à Paris, 1741. 12.) und der P. della Torre (Storia e fenomeni del Vesuvio. Nap. 1755. 4. Histoire et phénomenes de Vesuve, exposées par le P. de la Torre. à Naples, 1776. 8. übers. v. Lentin. Altenb. 1783. 8.) haben die Nachrichten hievon gesammelt (s. auch Geschichte des Vesuvs, in den vermischten Beyträgen zur physikal. Erdbeschreibung. Brandenburg, 1774. 8. B. I. St. 1. S. 92. u. f. ingl. Wunder der feuerspeyenden Berge, in Briefen von F. Knoll. Erfurt, 1784. 8.).
Um hier nur einen schwachen Begrif von diesen Erscheinungen zu geben, rücke ich aus des Duchanoy Beschreibung des fürchterlichen Ausbruchs vom Jahre 1779 (Rozier Journal de phys. Juill. 1780. übers. in den leipziger Sammlungen zur Phys. und Naturg. II. B. 5. St. S. 541. u. f.) folgenden kurzen Auszug ein.
Der Crater des Vesuvs war 1779 cirkelrund, und mochte etwa 90 Schritt im Durchmesser haben. Mitten aus ihm erhob sich ein kleiner Berg (montagnola), der etwa 100 Schritt hoch war, und 40 im Durchmesser hatte. Aus dieser Montagnola, die gleichsam den Schorstein des Vulkans ausmachte, stieg schon im May 1779 alle halbe Viertelstunden eine 10—12 Schuh starke Feuersäule auf, die sich fast 250 Schritt hoch über den Berg erhob, und einen Regen von verbrannten Erden, halbcalcinirtem Sande, Harz und Asche verbreitete, welches Gemisch man in Neapel Rapillo (lapillos) nennt. Vor und nachher hörte man ein starkes Brausen, und der Knall der Explosion selbst glich einem Kanonenschusse. So oft die Materie im Innern des Berges aufstieg, um eine Explosion zu verursachen, erhob sich am Fuße des Kegels ein Hügel von Erde, der 6—12 Schuh in die Höhe stieg, und dadurch die eine Seite des Kegels gegen sich zog. Dieser Hügel blieb im Augenblicke der Explosion stehen, und da diese in zween bis dreyen kurz auf einander folgenden Stößen bestand, so sahe man in den kurzen Pausen zwischen denselben den Hügel sinken, und wieder steigen, bis er sich nach geendigter Explosion wieder in die Ebene des Craters niedersenkte. Diese Erscheinung hatte völlig das Ansehen einer Blase, die sich vom Athem erweitert und verengert, und kam von einer neuen Lava her, welche unter der schon hart gewordenen Kruste einer kurz vorher ausgebrochnen Lava, die den Crater damals bedeckte, einen Ausgang suchte, auch nachher sich denselben an der Seite, etwa 5—600 Schuhe weit vom Crater, wirklich eröfnete. Wenn der Hügel wieder einsank, so hörte man diese Lava sehr deutlich abfliessen, und durch Spalten in das Innere des Berges zurückgehen.
Im August 1779 wurden die Explosionen immer stärker und häufiger. Am 8. August Abends bildete der aufsteigende Rauch eine ungeheure Masse, wie eine stillstehende Wolke, worinn man eine Feuersäule bemerkte, vermengt mit einer Menge großer Steine, welche nach ihrem Falle vom Berge herabrollten. Mit Einbruch der Nacht spritzte schon alle halbe Minuten ein neuer Strom brennender Materie hervor, der endlich so stark ward, daß er eine gerade Richtung nahm, und dem Winde gar nicht mehr nachgab. Gegen 8 1/2 Uhr folgten die Explosionen fast ununterbrochen auf einander; die Feuerströme, die nun den ganzen Crater zur Grundfläche hatten, stiegen in pyramidalischer Form auf eine unglaubliche Höhe, schütteten eine Menge brennender Materien herab, und verbreiteten einen Rauch, der das Licht des Feuers zurückwarf, und den Glanz des ganzen Schauspiels erhöhete.
Endlich hörte man um 9 1/2 Uhr eine schreckliche Explosion, stärker als den Knall des gröbsten Geschützes; und mit ihr stieg ein dicker schwarzer Rauch in die Luft, der einen Theil des Craters mit sich führte. In wenig Augenblicken zeigte sich durch diesen Rauch die Feuersäule wieder, welche sich nun auf eine Höhe erhob, die man dreymal größer, als die Höhe des ganzen Berges, d. i. auf 6000 Schuh, schätzen konnte. Die Masse des Rauchs nahm ihre Hauptrichtung auf den Somma und Ottajano zu, stieg aber so hoch, daß man zu Neapel und überall in der Nähe glaubt, sie erreiche den Scheitel und werde alles unter Steine und Asche begraben. Sie zeigte nach allen Richtungen wirbelnde Bewegungen, und theilte sich in Gruppen, die von dem Feuer und den überall hervorschießenden Blitzen auf tausend verschiedene Arten erleuchtet wurden.
Die Feuersäule war so stark, als ob die Erde einen Theil ihrer brennenden Eingeweide auswürfe. Der Regen von brennenden Materien verstärkte noch ihre scheinbare Größe und das Meer, das ihren Glanz zurückwarf, glich dem eröffneten Schlunde der Hölle. Bey diesem Lichte konnte man in Neapel die kleinste Schrift lesen. Die unten senkrechte Säule bog sich am obern Ende; ein Theil von ihr ward vom Winde in die Ferne geführt, ein anderer siel auf den Vesuv und das Atrio del Cavallo zurück, welche davon wie in einen feurigen Schleyer verhüllt wurden. In wenig Augenblicken verwandelte sich der Berg in eine feurige Halbkugel, und verschwand endlich ganz in einem glühenden rosenfarbnen Dampfe, der sich mit keinen Worten beschreiben läßt. Wenn man sich eine feine durchsichtige rosenfarbne Atmosphäre, und in ihrer Mitte einen Berg von lebhaft rothem, heftig bewegtem, Feuer vorstellt, so hat man nur eine schwache Anlage zu der Idee dieses Schauspiels, dessen Größe keine Schilderung eines Malers hat erreichen können. Alles schien so in einander geflossen, daß man glauben mußte, der Berg sey verschlungen, oder in die Luft geworfen worden.
Die Feuersäule und Rauchmasse wurden auf allen Seiten von Blitzen durchschnitten, die theils aus der Erde, theils aus der Luft, zu kommen schienen. Das Ganze stellte eine brennende Wolke vor, aus der ein unaufhörlicher Feuerregen überall Tod und Verwüstung drohte. Hin und wieder fielen Steine von ungeheurer Größe, deren Fall 25 Secunden lang dauerte, ob sie gleich bey weitem nicht so hoch, als die kleinen, stiegen. Mit solchen Steinen schien das Thal des Somma ganz verschüttet. Die Gesträuche und Castanienwälder des Ottajano entzündeten sich augenblicklich durch die glühenden Steine und Blitze. Nach der ersten Betäubung empfand man nichts als die Gefahr, mit welcher dieses schreckliche Phänomen drohete, und nun überließ sich das Volk, besonders in Neapel, den gewöhnlichen Unordnungen. Die Stadt Ottajano ward am meisten vom Feuerregen beschädiget.
Dennoch hörte dieser schreckliche Ausbruch, nachdem er etwa 37 Min. gedauert hatte, binnen 2 Min. gänzlich auf. Man sahe den Berg fast in seiner vorigen Gestalt wieder, aber ganz mit glühenden Steinen bedeckt, die noch einen guten Theil der Nacht hindurch leuchteten. Da aber kein eigentlicher Strom von Lava ausgebrochen war, so legte sich auch das Toben des Berges noch nicht, und es gab in den folgenden Tagen noch Explosionen, die der beschriebnen nicht viel nachgaben.
So weit diese Beschreibung. Aehnliche Schilderungen mit Abbildungen begleitet enthält das prächtige Werk des Ritter Hamilton (Campi Phlegraei or observ. on the vulcanos of the two Sicilies. Napoli, 1776. II. Vol. fol.). Sonst hat man noch Beschreibungen einzelner Ausbrüche (Phil. Trans. 1730. N. 424. v. 1733 u. 1737. N. 455, v. 1751 eb. Vol. XLVII. ferner Vol. XLIX. u. LII.), ingleichen von Mercati (Raconto istorico-silosofico del Vesuvio. Nap. 1753. 4.), und von dem großen Ausbruche 1767 von Catani (Lettera critica filosofica su della vesuviana eruzzione accaduta nell' anno 1767. Catania, 1768. 4.) und Gaetano de Bottis (Ragionamento istorico del incendio del Vesuvio. Nap. 1768. 4. ingl. 1779. 4.).
Die Laven, mit deren Ausbruche gewöhnlich das Toben der Vulkane nachläßt, fließen entweder wie ein Schaum aus dem Crater selbst hervor, oder sie brechen an den Seiten oder Fuße des Berges, schon mehr geronnen, mit einem heftigen Knalle, aus. Sie bilden einen Strom dickflüßiger geschmolzener Materie, dessen Geschwindigkeit im Anfange am größten ist, selten aber über 3000 Fuß in einer Stunde beträgt. Doch setzt Hamilton die Geschwindigkeit der Lava vom 28. März 1767 dreymal größer. An der Luft wird die Oberfläche bald hart, und trennt sich in Stücken, die auf die Seite fallen, und eine Art von Canal bilden, in welchem der noch flüßige Theil fortgeht. Dieser Canal wird weiter hin immer breiter, bis endlich die Oberfläche ganz erhärtet, da die Lava nur noch auf dem Grunde fließt, die oben schwimmenden festen Stücken mit sich fortführt, und das ganze einem fortrollenden Steinhaufen ähnlich macht. Eine sehr deutliche Beschreibung hievon giebt Herr de Lüc aus den Nachrichten seines Bruders (Briefe über die Geschichte der Erde. Th. I. L. Brief.). Die Lava von 1757 war oben beym Ausbruche, auf einem Abhange von 30°, 2 Toisen breit, und die glühenden Stücken auf der Oberfläche giengen 40—50 Schuh weit in einer Minute. Weiter herab ward der Lauf so langsam, daß sie kaum einen Schuh weit in 1 Minute fortgiengen. Endlich bestand der ganze Fortgang darinn, daß die inwendig angehäufte flüßige Materie die äußern harten Theile durchbrach, und mit Geräusch herausstürzte.
Die Ströme der Laven sehen im Dunkeln glühend aus, am Tage aber zeigt sich nur ein weißer Rauch. Hindernisse, welche diese Ströme antreffen, z. B. Bäume, Gebäude rc. halten sie durch Widerstand und Kühlung auf; sie müssen sich dann anhäufen, um durchzubrechen. Auf diese Art bilden sich Brücken, Arkaden, Spalten, Hügel, ein wahres Bild des Chaos, welches noch unordentlicher wird, wenn die Laven ins Wasser treten, wo sie sich bald verhärten, und der folgende Theil über den vorangehenden stürzt. Die Hitze ist am Orte des Ausbruchs so stark, daß man zuweilen nach einem Jahre die Hand noch nicht auflegen kan. Die Oberfläche glüht mehrere Tage, und das Innere oft Monate lang, oder bleibt doch so heiß, daß ein Stock, mit dem man die äußere Rinde durchsticht, brennend herausgezogen wird.
Die ganze Gegend um Neapel, welche Ferber (Briefe aus Wälschland an Herrn v. Born. Prag, 1773. 8. S. 136. u. f.) und Hamilton (in den Campis Phlegraeis, ingleichen in Philos. Trans. Vol. LXI. P. I. n. 1. Sir William Hamilton Beobacht. über den Vesuv, Aetna u. s. w. aus d. Engl. Berlin, 1773. 8.) beschreiben, ist vulkanisch, und enthält unter dem 4—5 Fuß tiefen Erdreiche lauter Producte des Feuers, dahingegen die Berge hinter Caserta kalkartig sind. Auf der andern Seite von Neapel liegt die bekannte Solfatara (Forum Vulcani oder Colles Leucogaei der Alten), ein Feld auf einer Anhöhe von 1400 Schuh Länge und 900 Schuh Breite, dessen Grund hohl und mit lockerer weißer Erde bedeckt ist, aus der an vielen Stellen ein schweslichter Dampf aufsteigt, welcher blaue Pflanzenfarben in rothe verwandelt. Schon bey den Alten (s. Plin. H. N. XXXV. 15.) hat man aus Boden und Wänden dieses Feldes Schwefel bereitet. Nach Ferbers Nachricht erhält man jetzt Alaun, indem man kleine Thonhaufen an die Stellen führt, wo die häufigsten Dünste der Schwefelsäure hervordringen. Am Fuße der Anhöhe gegen N. O. laufen bey Pisciarelli zwo heisse Quellen (fontes Leucogaei. Plin. H. N. XXXI. 2.) mit hepatischem nach Alaun schmeckenden Wasser aus (s. Observ. sur le lieu appellé Solfatare par M. Fougeroux de Bondaroy, in Mém. de Paris, 1765. übers. in den Mineralog. Belust. Th. V. Leipz. 1770. gr. 8. S. 330. u. f.). Der See Agnano ist allem Ansehen nach ein alter Crater, so wie auch der nebenstehende Berg Astruni ein vielleicht noch später entstandener Vulkan gewesen zu seyn scheint. Der Monte-nuovo ward erst im Jahre 1538 am 29. Sept. aufgeworfen. Das Meer zog sich zurück, und es brachen aus einer Oefnung Flammen hervor, welche Rauch und Asche auswarfen. In 48 Stunden ward eine Erhöhung von 2000 Fuß und einer halben Meile im Umkreise zusammengehäuft, welche die Mündung verstopfte. Der dabey liegende Monte Barbaro oder Gauro ist deutlich ein alter Vulkan. Auch giebt es in dieser Gegend mehrere Moffeten, wovon die Grotta del Cane am See Agnano ein merkwürdiges Beyspiel ist. Die fire Luft auf dem Boden dieser Höhle löscht Lichter aus, und tödtet Thiere. Eine ähnliche Moffete zeigte sich vor dem Ausbruche des Vesuvs 1767 in der königlichen Capelle zu Portici, und tödtete einen Bedienten, der die Thür öfnete; auch bemerkte Hamilton um eben die Zeit eine gleiche in einem Thiergarten daselbst.
Der Aetna oder Monte Gibello in Sicilien hat von uralten Zeiten gebrannt, wovon Kircher (Mund. subterran. To. I.) die Zeugnisse der Alten zusammenstellt. Virgil (Georg. I. 472.) erwähnt unter andern bey ihm die Laven oder fließenden Schlacken, von denen sonst die Alten wenig melden, Vidimus undantem ruptis fornacibus Aetnam Flammarumque globos liquefactaque volvere saxa. Von 1447 bis 1536 war dieser Berg so ruhig, daß man schon die ältern Berichte in Zweifel zu ziehen ansieng. Aber in diesem und den folgenden Jahren flossen starke Laven, bis endlich 1669 und 1693 die schrecklichsten Ausbrüche erfolgten (Philos. Trans. Num. 48. 51. 202. 207.), welche vornehmlich durch die dabey entstandenen Erdbeben verderblich wurden. Diese Erdbeben verschlangen 1693 in drey Tagen 16 Städte und mehrere Landgüter, und kosteten mehr als 90000 Menschen das Leben. Die letzten stärkern Ausbrüche sind in den Jahren 1755, 1766 und 1769 erfolgt. Von dem neusten im I. 1787 handelt ein Aufsatz von Mirone (aus den Novelle litterar. de Firenze, im Gothaischen Magazin für das Neuste a. d. Phys. V. B. 4. St. S. 9. u. f.) und überdies eine eigne Schrift von Dolomieu (Mém. sur les isles ponces, et catalogue raisonné des produits de l' Etna, suivis de la descript. de l' eruption de l' Etna en 1787. Paris, 1788. 8.). Die Laven des Aetna sind weit stärker, als die vom Vesuv; ihre Ströme erreichen oft eine Länge von mehrern Meilen, und haben bis 50 Fuß Tiefe. Sie fließen gewöhnlich ins Meer, und bilden steile Küsten mit Gruppen von sehr unregelmäßigen Gestalten.
Den Aetna beschreiben außer Hamilton (Philos. Trans. Vol. LXI. P. I.) die Verfasser der neuern Reisebeschreibungen durch Sicilien, wovon ich nur Brydone (A tour through Sicily and Maltha. London, 1773. 8. P. Brydone's Reise durch Sicilien und Maltha; a. d. Engl. Leipzig, 1774. II. Th. 8.) nennen will, obgleich seine Nachrichten in der Folge noch viele Berichtigungen erfordert haben. Dieser Berg ist von hohem Alter und so beträchtlicher Höhe, daß der Schnee auf seinem Gipfel nicht schmelzt. Der große Crater desselben hat gegen eine halbe Meile im Umkreise. Man sieht aber an den Seiten und am Fuße des Berges mehr als 40 kleinere Kegel mit ausgehöhlten Gipfeln, welche aus eben so vielen durch die Hauptmasse des großen Berges ausgebrochnen Feuerschlünden entstanden sind. De Lüc vergleicht den Aetna mit einem Polypen, der viele kleinere aus sich hervortreibt. Aus diesen Oefnungen sind die Laven ausgeflossen, welche die ganze umliegende Gegend bedecken, und sich durch ihre ausnehmende Fruchtbarkeit auszeichnen. Auch hier findet man, nach den von Brydone mitgetheilten Beobachtungen des Canonikus Recupero, mehrere Lagen von Lava übereinander abwechselnd mit Schichten von Dammerde. Brydone scheint nicht abgeneigt, hieraus ein Alter der Erde von mehr als 14000 Jahren zu folgern, weil jede Lava, um zu fruchtbarer Erde zu verwittern, über 2000 Jahre Zeit brauche. Da sich aber dieses letztere blos auf die Voraussetzung gründet, daß eine gewisse jetzt noch nicht fruchtbare Lava eben diejenige sey, welche nach Diodors Bericht zur Zeit des zweyten punischen Krieges ausfloß, so ist der ganze Schluß sehr schwankend, und ihm widerspricht die Bemerkung Hamilton's, daß über Herculanum seit 1700 Jahren sechs verschiedene Laven geflossen sind, zwischen deren Schichten sich in dieser Zeit sechsmal Dammerde gebildet hat.
Die liparischen Inseln, nordwärts von Sicilien, machen eine ganze Sammlung theils alter, theils noch brennender, Vulkane, aus, worunter Volcano und Stromboli die vornehmsten sind. Beschreibungen derselben geben de Lüc (Briefe über die Geschichte der Erde. I. Th. XLIX. Brief), und Dolomieu (Reise nach den liparischen Inseln; aus dem Franz. von Lichtenberg. Leipzig, 1783. 8.).
Der Hekla auf Island hat in ältern Zeiten bis 1693 häufig Feuer ausgeworfen. Seit dieser Zeit blieb er still, fieng aber am 5. April 1766 unter heftigem Erdbeben wieder zu toben an. Auch hat Island noch mehr Vulkane (s. Olafsens und Povelsens Reise durch Island. Kopenh. u. Leipz. 1774. gr. 4.). Im Junius des Jahres 1783 brachen auf dieser Insel Feuersäulen aus der Erde, die zu einer unglaublichen Höhe stiegen, und Sand, Staub, Asche rc. weit um sich her warfen. Dieser schreckliche Erdbrand tobte zween Monate lang, eröfnete große Spalten und Klüfte, leitete dadurch einige große Flüsse ab verheerte einen großen Theil der Insel, und erfüllte alles mit einem erstickenden Schwefeldampse. Weit und breit rauchte das Erdreich (s. Nachricht von dem großen isländischen Erdbrande, in dem Gothaischen Magazin für das Neuste aus der Phys. V. Band 3. Stück, S. 128 u. f.).
In den übrigen Welttheilen sind die Vulkane noch häufiger, als in Europa. Die peruanischen beschreibt Bouguer. Cotopaxi ist darunter der beträchtlichste. Er hat an seinem Fuße über 20 verschiedene Lagen verbrannter Materien. Auch Pichincha oder Chimboraço sind Vulkane. Doch strömen aus diesen Bergen keine Laven, und der größte Schade geschieht durch das plötzliche Schmelzen des Schnees, welches im Jahre 1742 eine Fluth von 130 Fuß Höhe veranlaßte, die sich vom Cotopaxi herab binnen drey Stunden ins Meer stürzte, und Häuser, Menschen und Vieh mit sich führte. Die meisten Inseln, welche die sogenannten Archipelagos ausmachen, scheinen aus Vulkanen entstanden zu seyn; vorzüglich diejenigen, welche zwischen Kamtschatka und Japan liegen. Ueberhaupt findet sich im indischen und stillen Meere eine große Menge vulkanischer Inseln. Die Vulkane in Asien und auf den philippinischen und moluckischen Inseln zeigt Lulofs an (Einleit. zur Kenntniß der Erdkugel; a. d. Holl. durch Kästner. Altenb. 1755. 4. §. 233.).
Spuren ehemaliger nunmehr erloschener Vulkane finden sich auch auf dem festen Lande häufiger, als man ehedem glaubte. Man erkennt sie an der kegelförmigen oder zuckerhutähnlichen Gestalt der Berge, an den Spuren der verfallenen Crater, die zum Theil mit Wasser angefüllt sind, und Landseen bilden, und an den vulkanischen Producten der umliegenden Gegend. In Frankreich hat man die meisten Berge der Provinz Auvergne, den Volvic, Puy- de Dome, Mont d'or u. s. w. für ausgebrannte Vulkane erkannt. Guettard (Mém. de Paris. 1752.), Monnet (Sur les restes des montagnes volcaniques en Auvergne in Rozier Journal de phys. Juillet, 1774.) und Faujas de St. Fond (Recherches sur les Volcans éteints du Vivarais et du Velay. Paris, 1778. fol. Herrn de la Lande Auszug daraus, übers. in den leipziger Sammlungen zur Physik und Naturgesch. II. B. 1. St. S. 72 u. f.) haben dieses außer Zweifel gesetzt.
In Deutschland insbesondere sind die Berge an der nordwestlichen Seite von Cassel, insgemein der Habichswald genannt, an deren Abhange Landgraf Carl die berühmte Cascade am Weißenstein erbaut hat, ganz ausgezeichnet vulkanisch. Raspe (Beytrag zur allerältesten natürlichen Historie von Hessen, oder Beschreibung des Habichswaldes und anderer niederhessischen alten Vulkane. Cassel, 1774. gr. 8.) hat hierauf zuerst aufmerksam gemacht. Bald nachher bemerkte Collini (Journal d'un voyage mineralogique etc. Manh. 1776. 8. überf. Collini Tagebuch einer Reise; a. d. Franz. von Schröter. Manheim, 1777. 8.) Spuren alter Vulkane an den Ufern des Rheins zwischen Bingen und Bonn. Diese Gegenden sind nachher mit ihren Producten noch umständlicher von Hamilton (Philos. Trans. Vol. LXVIII. P. I. n. 1. übers. in den leipz. Sammlungen zur Phys. u. Naturgesch. II. B. 4. St. S. 453 u. f.) und de Lüc (Briefe über die Gesch. der Erde, I. Theil, 82. Brief, II. Th. 92. 93. Brief) bekannt gemacht worden. Der Letztere, der sehr aufmerksam auf diesen Gegenstand war, entdeckte auf seinen Reisen durch Deutschland noch mehrere vulkanische Gegenden, z. B. ganze vulkanische Kränze, oder Grundflächen eingestürzter großer Kegel am Locher See bey Andernach (93-96 Brief), Vulkane durch Schieferberge ausgebrochen am westlichen Ufer des Rheins zwischen Andernach und Oberwinter (100 Brief), um Cassel und bey Dransfeld ohnweit Göttingen (107-110 Brief). Hiedurch ward die allgemeine Aufmerksamkeit rege, und man fand nun Spuren von Vulkanen an Orten, wo man sonst dergleichen kaum vermuthet hätte. Wenn auch hiebey Mancher der Einbildungskraft zu viel verstattet, und überall erloschene Vulkane gesehen hat, wo nur kegelförmige Berge, Basalte und andere zu den vulkanischen Produkten gezählte Materien vorkamen (von welchem Vorwurfe Herr de Lüc selbst nicht ganz frey blieb); so ist doch soviel durch unläugbar richtige Beobachtungen erwiesen, daß die Vulkane in den ältesten Zeiten sehr häufig gewesen sind, und an der Bildung und jetzigen Gestalt der Erdfläche einen überaus großen Antheil genommen haben.
Um die Ursache einer so wichtigen und furchtbaren Naturbegebenheit zu erklären, nahmen die ältern Physiker ein immerwährendes mitten im Kerne der Erdkugel brennendes Feuer an, s. Centralfeuer. Man sahe sich aber in neuern Zeiten bald genöthiget, diesen groben Begrif zu verwerfen, das unterirdische Feuer, welches die offenbare nächste Ursache der vulkanischen Ausbrüche ist, näher an die Oberfläche zu versetzen, und von seiner Entstehung und Erhaltung weitere Ursachen aufzusuchen. Hiebey war es nun natürlich, auf Erklärungen aus irgend einer Selbstentzündung zu verfallen. Man kannte aber damals noch wenig Erscheinungen dieser Art.
D. Martin Lister (The cause of the Earth-quakes and Volcano's in Philos. Trans. Num. 157. p. 512.), der sonst durch viele seltsame Erklärungen bekannt ist, fiel zuerst darauf, Vulkane, Erdbeben und Gewitter aus entzündeten Dämpfen der Schwefelkiese herzuleiten, von welchen Dämpfen er behauptet, daß sie aus einem wahren Schwefel bestünden, und die Fähigkeit hätten, sich durch Reiben oder Vermischung mit andern Substanzen von selbst zu entzünden. Doch hielt er die freywillige Entzündung nicht einmal für nöthig zur Erklärung der Vulkane, weil er glaubte, daß diese noch von der Schöpfung her unaufhörlich fortbrennten.
Der ältere Lemery (Explication phys. et chymique des feux souterrains, des tremblemens de terre etc. in Mém. de l' acad. de Paris, 1700.) gab diesem Gedanken ein unerwartetes Licht, indem er folgenden in der Physik sehr berühmt gewordenen Versuch bekannt machte. Er mischte gepülverten Schwefel mit Eisenfeile zu gleichen Theilen, und knetete die Masse mit eben so viel Wasser zu einem Teige. Es stieg sogleich ein hepatischer Geruch auf, und wenn man warmes Wasser genommen hatte, so erhitzte sich das Gemisch augenblicklich (mit kaltem erst nach 4 Stunden), ward schwarz, schwoll auf, erhärtete an der Oberfläche, sprang endlich auf, und verbreitete durch die Risse brennende Dämpfe, die sogleich bey Berührung der Luft in Flammen ausbrachen. Dieser Brand dauerte 10 Stunden, und das Feuer ließ sich durch Anblasen wieder erneuern. Fünf und zwanzig Pfund von jener Materie zur Sommerszeit in einem mit Leinwand bedeckten Topfe in die Erde vergraben, und einen Fuß hoch mit Erde bedeckt, hoben nach 3—4 Tagen die darüber liegende Erde, gaben heiße Schwefeldämpfe, und endlich eine Flamme, welche schwarz und gelbes Pulver umher warf. Dieser Versuch stellte gleichsam einen Vulkan im Kleinen dar. Er ist nachher mehreremale, unter andern noch von Baumé, mit gleichem Erfolge wiederholt worden.
Nun ist in den Schwefelkiesen die sich in großer Menge unter der Erde befinden, Schwefel und Eisen chymisch vereiniget. Beym Zugange der Luft und Feuchtigkeit erleiden diese Kiese eine Zersetzung, welche man ihr Verwittern (fermentatio fossilis) nennt. Sie verlieren ihren metallischen Glanz und zerfallen in ein Pulver, welches nun einen herben salzigen Geschmack hat. Sie sind in beträchtlicher Menge beysammen, und können Luft und Feuchtigkeit gemeinschaftlich wirken, so entsteht dabey eine beträchtliche Hitze, die unter günstigen Umständen in wirkliche Entzündung ausbricht. Was hiebey vorgeht, läßt sich anjetzt deutlicher, als zu Lemery's Zeiten, aus einander setzen. Die Luft nimmt das Phlogiston des Schwesels in sich, dessen Säure frey wird, und mit dem Eisen einen Vitriol, mit den erdigten Theilen der Kiese Mittelsalze bildet; das Wasser befördert die Auflösungskraft dieser Stoffe; Hitze und Entzündung entstehen, wie bey jeder Operation, wo locker gebundnes Phlogiston schnell und stark entbunden wird, s. Selbstentzündungen.
Es ist daher seit Lemery's Zeiten fast allgemein angenommen worden, daß das unterirdische Feuer durch das Verwittern der Kiese bey hinlänglichem Zutritte der Luft und des Wassers entstehe. Man hat auch um so viel sichrere Anleitung, dieses zu glauben, da alle Vulkane häufige Spuren von Eisen zeigen, alle Laven mit Antheilen dieses Metalls versetzt sind, die Asche vom Magnet gezogen wird, und unter den vulkanischen Producten Eisenvitriole und andere Eisenerze vorkommen; da der Dampf der Vulkane deutliche Spuren der Schwefelsäure an sich trägt, und in ihrer Nachbarschaft Selenit, Alaun und andere vitriolische Salze erzeugt; da endlich alle noch brennende Vulkane sich in der Nähe des Meers oder auf Inseln befinden, und also einen hinlänglichen Zugang von Wasser haben können, die erloschenen im festen Lande aber zu der Zeit, da sie brannten, auf einem Boden standen, den das Meer nicht längst verlassen hatte, oder der dazumal wohl gar noch vom Meere bedeckt ward.
So wahrscheinlich nun diese Erklärung durch viele Umstände wird, so schließt sie doch darum die Möglichkeit nicht aus, sich noch andere Ursachen der Entzündung, die etwa in der Natur vorkommen können, als mitwirkend zu gedenken, so daß ich es eben nicht für nothwendig halte, alle unterirdische Brände gerade von verwitterten Kiesen herzuleiten. Insbesondere wird es nöthig, zur Erhaltung und Fortdauer des unterirdischen Feuers mehr brennbare Materien im Schooß der Erde aufzusuchen, da die Schwefelkiese allein zu Unterhaltung eines Brandes von Jahrtausenden kaum hinreichend scheinen. Ihre Zersetzung ist bald vollendet, und scheint die Gluth zwar entzünden, aber nicht anhaltend nähren zu können.
Die besten Chymiker und Mineralogen halten Steinkohlen und Alaunschiefer für die schicklichsten, ja vielleicht einzigen unterirdischen Materien, auf welche man hiebey fallen kan. Beyde findet man in ansehnlichen Flötzen und Lagern in der Erde, allezeit mit eingesprengtem Schwefelkies, und mit dem Vermögen zu brennen; da hingegen andere brennbare Stoffe nicht in erforderlicher Menge vorhanden, wenigstens bisher noch nicht in solcher Menge entdeckt sind. Bergmann setzt noch hinzu, der Gehalt der vulkanischen Producte bestehe hauptsächlich aus Thon mit Kiesel- und Kalkerde, welche Stoffe, nebst Erdharz und Kies auch zugleich die Bestandtheile der Alaunschiefer ausmachten. Vom Vesuv insbesondere sey es fast entschieden, daß der Brand seinen Sitz in einem Schieferflötze habe, über welches ein Bette von Kalkstein (vermuthlich zu einem Zweige der Apenninen gehörig) hinwegstriche. Denn die Auswürfe, die das Feuer wenig oder gar nicht verändert habe, seyen allemal Kalkstein, darinn oft noch klarer Kalkspath sitze, der nicht einmal von der Hitze dunkel geworden, indem das Feuer seine volle Stärke nicht eher erhalte, als bis die darüber liegende Decke weggeräumt und abgeworfen sey. Von Schiefern hingegen werde nichts unzersetztes und unverändertes ausgeworfen. Die Entstehung des Salmiaks, der bey den Vulkanen sublimirt angetroffen wird, erklärt Bergmann durch das in den Thonschiefern (worinn oft viel Seethiere begraben sind) enthaltene flüchtige Laugensalz, verbunden mit der Salzsäure, die sich aus dem im Meerwafser befindlichen Bittersalze durch die Hitze entwickle; das Kochsalz des Meerwassers helfe die Schmelzung befördern, das Wasser selbst werde zum Theil ausgeworfen, zum Theil in Dämpfe verwandelt, deren Elasticität, verbunden mit der Menge der entwickelten brennbaren Luft, die schreckliche Gewalt der Explosionen und die Größe der entstehenden Flamme erkläre.
Daß auf eine ähnliche Art entbrannte Steinkohlenflötze zu vulkanischen Ausbrüchen Anlaß geben, und dieselben lange Zeit unterhalten können, ist sehr wahrscheinlich, und unter andern von Herrn Inspector Werner in Freyberg in einem eignen Aufsatze deutlich dargethan worden.
Diese Ursachen sind auch vollkommen hinreichend, alle Phänomene der Vulkane und der mit ihnen osfenbar verwandten Erdbeben, so schrecklich und gewaltsam sie auch immer seyn mögen, zu erklären. Denkt man sich eine große in den innern Hölungen und Gängen der Erde entzündete oder geschmolzene Masse, zu welcher durch ofne Canäle Luft und Wasser Zutritt haben, so ist keine Wirkung so groß, daß man sie nicht von einem so heftigen, und doch gewissermaßen eingeschloßnen Brande mit Grunde herleiten könnte. Die Chymie giebt uns tausend Beyspiele von Erzeugungen elastischer Dämpfe und plötzlichen Entwickelungen von Luftarten, die fast allemal die Wirkung des Feuers begleiten. Das Wasser wird bey Berührung glühender oder schmelzender Massen gewaltsam umher geworfen und verdampft, und die Glühhitze dehnt nicht nur die atmosphärische Luft beträchtlich aus, sondern entbindet auch fast aus allen mineralischen Körpern und ihren Vermischungen eine Menge höchst elastischer Gasarten, deren Daseyn bey den Vulkanen durch die in ihrer Nachbarschaft vorhandnen Moffeten, durch den Geruch und die heftige Flamme ihrer Ausbrüche unläugbar bewiesen wird. Wie groß die Gewalt solcher Dämpfe und elastischen Materien bey der geringsten Sperrung des freyen Ausgangs, zumal bey plötzlicher Entstehung und beym Mitwirken der Hitze sey, beweisen die Erscheinungen des Schießpulvers, Knallpulvers, papinischen Digestors u. s. w. zur Gnüge. Diese Macht der Elasticität löset alle Bande der Schwere und Cohäsion, und kan ohne Widerspruch stark genug gedacht werden, um einen ansehnlichen Theil der Erdfläche, gleich einer Mine, zu erschüttern und zu zersprengen.
Wie man nun die Erdbeben sehr wahrscheinlich aus dem in Gängen und Höhlen gesperrten unterirdischen Feuer herleitet, so scheinen die Vulkane gleichsam die Schorsteine zu seyn, durch welche die Flammen dieses Feuers hervorbrechen und die Dämpfe nebst allen im Wege stehenden Materien auswerfen. Die Erdbeben, welche die Gegenden um den Vesuv und Aetna erschütterten, hörten gewöhnlich auf, sobald ein hinlänglicher Ausbruch der Berge oder Ausfluß der Lava erfolgte, und nie fürchtet man mehr von ihnen, als wenn die Vulkane dabey ganz still sind. Die elastischen Materien, welche vielleicht an mehrern zerstreuten Orten der Gegend erzeugt sind, drängen sich von allen Seiten herbey zu dem Feuerheerde des Vulkans, um durch dessen Mündung auszugehen. Daraus erklärt sich das Geheul oder Getöse, welches vor jedem Ausbruche, ja vor jedem Stoße des Vulkans vorhergeht, und oft einem gewissen Takte folgt, indem sich Dämpfe und Luftarten an verstopften Orten eine Zeit lang ansammeln, bis ihr Druck stark genug wird, um sich durchzubrechen, und sie mit dem Sausen oder Pfeifen eines Windes durch die engen Oefnungen zu führen. Dieses Getöse, das dem Poltern von Wasser, Blasebälgen, Hämmern rc. gleicht, gab den Alten Anlaß, die Werkstätte des Vulkans in den Aetna zu setzen, woraus die Benennung der Vulkane entstanden ist.
Die unglaubliche Höhe und Weite, auf welche oft schwere Blöcke oder zahllose Mengen kleiner Steintrümmern von den Vulkanen erhoben und fortgeschleudert werden, kan nicht unbegreiflich scheinen, wenn man bedenkt, wie hoch und weit die wenige elastische Materie, die aus einer Hand voll Schießpulver entwickelt wird, schwere Geschützkugeln oder Schrot forttreibt, wenn diese ihrem Ausgange durch eine Mündung im Wege stehen.
Es ist merkwürdig, daß die Ausbrüche der Vulkane von elektrischen Erscheinungen begleitet werden. Ferber (Briefe aus Wälschland, S. 148.) ward von dem Professor Vairo zu Neapel versichert, daß man an senkrecht aufgerichteten eisernen Stangen während der Ausbrüche des Vesuvs allezeit Merkmale der Elektricität finde. Vornehmlich aber gedenken fast alle Beschreibungen vulkanischer Eruptionen der häufigen Blitze, welche bey heftigen Auswürfen zwischen der Erde und den aufsteigenden Feuersäulen und Rauchwolken entstehen. Man kan dies nicht für Täuschung halten, weil sich diese Blitze durch ihre schlängelnde Bewegung und Farbe von der wirklichen Flamme des Vulkans deutlich unterscheiden. Auch ist es nicht schwer, diese Erscheinung zu erklären, da wahrscheinlich alle Veränderungen der Temperatur, besonders plötzliche, auf die Luftelektricität wirken, s. Blitz, (Th. I. S. 374.), Lustelektricität (Th. III. S. 34.), bey den vulkanischen Ausbrüchen aber eine der stärksten und plötzlichsten Erhitzungen eines großen Theils der Atmosphäre erfolgt. Ueberdies sind Rauch und Flamme Leiter der Elektricität, durch deren schnelle Erhebung die Erde mit den obern Regionen des Luftkreises in Verbindung gesetzt wird, wodurch ein häufiger Uebergang der Elektricität, und zwar nicht stillschweigend, sondern durch Funken oder Blitze, wegen der Gestalt der Rauchwolken und wegen der sie trennenden Luft, entstehen muß. Hamilton versichert auch, daß bey heftigen Ausbrüchen viele Feuerkugeln fallen, und alle diese Luftfeuer in Neapel Ferilli genannt werden.
Offenbar sind diese elektrischen Erscheinungen blos begleitende Umstände. Nur einige, welche lieber die ganze Natur durch Elektricität erklären möchten, haben aus dieser Quelle den Ursprung der Vulkane selbst herleiten wollen. Beccaria (Lettere del l'elettr. p. 226.) drückt sich zwar hierüber sehr gemäßigt aus, und begnügt sich, Nachrichten von Blitzen aus Vulkanen beyzubringen: auch Hamilton (Beobacht. über den Vesuv, den Aetna u. a. Vulkane; aus dem Engl. Berl. 1773. 8. S. 182 u. f.) schränkt sich auf solche Nachrichten ein, ob ihm gleich die Meinung vom elektrischen Ursprunge der Vulkane insgemein beygelegt wird. Aber die hauptsächlichsten Vertheidiger dieser Erklärung sind der Abbé Bertholon de St. Lazare (Journal de physique de l'Abbé Rozier, Août. 1779.) und der neapolitanische Leibarzt Giovanni Vivenzio (Istoria e teoria de tremuoti. Napoli, 1783. 8maj.), welche Erdbeben und Vulkane lediglich der Elektricität zuschreiben, und als Gegenmittel wider dieselben eiserne an beyden Enden zugespitzte und unter der Erde in mehrere Zweige ausgebreitete Stangen, unter dem Namen der Para-tremblemens de terre und Para-Volcans aufzurichten, vorschlagen. Man hat dabey noch angeführt, daß unmittelbar nach den Ausbrüchen die Vegetation äußerst lebhaft wird, (welches allerdings Folge der Elektricität ist), daß die Vulkane hohe hervorragende Gegenstände sind, nahe am Wasser liegen, viel Metallisches enthalten u.s.w. Allein es ist doch augenscheinlich bey den Vulkanen ein Vorrath brennender Stoffe vorhanden, der nicht blos eine vorübergehende augenblickliche Flamme erzeugt, sondern einen auf bestimmter Stelle fortdauernden Brand unterhält. Die elektrischen Phänomene sind Wirkungen des Ausbruchs, die sich aus der Erhitzung der Luft und den aufsteigenden Rauchwolken eben so gut, wie jedes andere Gewitter, erklären: aber die Ursache des ganzen Ausbruchs selbst liegt doch handgreiflich in dem Brande, den wohl kein unbefangner Erklärer für ein blos elektrisches Phänomen halten wird (s. Reimarus vom Blitze, §. 100.). Da die Erdbeben mit den Vulkanen augenscheinlich zusammenhängen, so mag das Elektrische bey den Erdbeben wohl auch nur begleitend seyn, s. Erdbeben.
Die Wirkungen und Veränderungen, welche die Vulkane auf der Erdfläche hervorgebracht haben, sind ohne Zweifel sehr beträchtlich. Man sieht leicht, daß die ausfließenden und ringsum sich über einander häufenden Laven, die weit umher geworfenen Steine und Blöcke, die Aschen u. s. w. viel Einfluß auf die Beschaffenheit des Bodens haben müssen. Dazu kömmt noch, daß sich an den Orten der Ausbrüche selbst, wie zu Anfang dieses Artikels angeführt ist, Kegel mit Cratern bilden, die bisweilen eine sehr ansehnliche Höhe erreichen, nach der Zeit aber zum Theil wieder zusammenstürzen, und nur dunkle Spuren ihres ehemaligen Daseyns zurücklassen. Solche Berge und Spuren finden sich so häufig, daß man genöthigt ist, eine eigne Classe der Berge unter dem Namen der vulkanischen von den übrigen zu unterscheiden, s. Berge (Th. I. S. 311.). Diese vulkanischen Berge machen selten zusammenhängende Gebirge aus; es ist ihnen vielmehr eigen, sich freystehend in der bekannten zuckerhutähnlichen Gestalt, insgemein mit Spuren eines Craters, zu zeigen.
Diese Classe von Bergen hat kein genau bestimmtes Alter. Einige scheinen zwischen der Epoche der Flötz- und aufgeschwemmten Gebirge (d. i. der zweyten und dritten Ordnung), andere erst zur Zeit der Entstehung der letztern gebrannt zu haben. Denn bisweilen haben sie nur eine dieser beyden Hauptgebirgsarten, bisweilen beyde, durchbrochen und überschüttet. Daß ihre Lagerstätten innerhalb der ursprünglichen Gebirge vorkämen, davon hat man noch keine ganz zuverläßigen Beobachtungen. Man findet aber vulkanische Materien mit Kalkflötzen und calcinirten Conchylien überdeckt, deren Ursprung in die Zeit fallen muß, da unser Land noch Meergrund war.
Nach dem System des Herrn de Lüc sind die alten Vulkane unserer Länder noch unter dem ehemaligen Meere ausgebrochen, dessen Wasser sich durch den Boden filtrirte, und in den unterirdischen Höhlen innere Gährungen erzeugte. Die Laven häuften sich und bildeten die größern vulkanischen Berge; bisweilen brannte das Feuer in abwechselnden Perioden, und es entstanden abwechselnde Lagen von Bodensätzen des Meers und vulkanischen Producten. Die heftigen Erdbeben erschütterten die alten und hauptsächlich die Schieferberge, und erzeugten die Spalten oder Gänge, die sich nachher mit fremden Materien anfüllten. Die Ausbrüche warfen Trümmern des ursprünglichen Bodens weit umher, die sich auf dem Meergrunde rollten, abrundeten und unter die Bodensätze mengten. Durch eingestürzte Höhlen ward die Fläche des alten Meeres immer niedriger, und es bildete zuletzt nur noch sandige und thonichte Bodensätze. Zu dieser Zeit wütheten die Vulkane heftiger, und warfen hie und da ungeheure Granitblöcke umher. Endlich erfolgte die große Revolution, die unser Land aufs Trockne brachte, ebenfalls durch unterirdisches Feuer, welches die Höhlen unter dem alten festen Lande durchbrach und einstürzte. Nun wirkten die Vulkane in den neuentstandnen Ländern noch eine Zeit lang in voller Stärke; aber nach und nach verloschen sie, weil die Materien vertrockneten, und es an Verbindung mit Wasser gebrach; sie erhielten sich nur noch in der Nähe des Meers: dagegen brachen im neuen Meere neue Vulkane aus, die eine Menge Inseln bildeten.
Herr de Lüc hat die meisten dieser Behauptungen durch mehrere auf seinen Reisen gemachte Beobachtungen bestärkt. Sollte er auch hiebey manches für vulkanisch gehalten haben, dessen Entstehung sich besser vom Wasser herleiten ließe; sollte man überhaupt seine Beweise nicht allemal überzeugend, und seine Einbildungskraft bisweilen zu lebhaft finden; so wird man doch einräumen müssen, daß unter allen Hypothesen über die Bildung der Erdfläche die seinige noch immer die gründlichste und gemäßigste bleibe, und daß er den großen Antheil, der dabey den Vulkanen zugehört, unläugbar erwiesen habe. Alle Umstände und Bestimmungen überzeugend anzugeben, ist in einer Sache dieser Art, ihrer Natur nach, unmöglich.
Von Moro's System, welches die Entstehung und Erhebung aller Berge vom unterirdischen Feuer herleitet, und von mehreren andern, welche die Vulkane auf verschiedene Weise zu Hülfe nehmen, ist bereits beym Worte Erdkugel gehandelt worden.
J. A. de Lüc Physikal. u. moral. Briefe über die Gesch. der Erde und des Menschen, a. d. Franz. Leipzig, 1781. II. Th. gr. 8. an mehreren Stellen.
Torb. Bergmann phys. Beschreibung der Erdkugel, a. d. Schwed. durch Röhl. II. B. Greifsw. 1780 gr. 8. §. 150.
Erxleben Anfangsgr. der Naturl. 4te Aufl §. 785—787.
Gren Grundriß der Naturlehre. §. 941—945.