Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Verpuffen.
Verpuffen.

Zusatz zu diesem Art. Th. IV. S. 464—466.

Die leichte und schöne Erklärung, welche das antiphlogistische System von dem Verpuffen giebt, ist schon S. 465 angeführt. Sie ist auch in der Hauptsache vollkommen passend, und gewiß die schicklichste Vorstellung, die man sich von dieser so sonderbaren Erscheinung machen kann.

Daß die Salpetersäure hiebey ganz zersetzt werde, ist durch die Versuche entschieden. Wenn man einen Flintenlauf etwa zum sechsten Theile mit einem Gemenge von 1 Theil Kohlenstaub und 3 Theilen Salpeter füllt, sein Ende unter den pnevmatischen Apparat bringt, und ihn an der Stelle, wo sich das Gemisch befindet, glühend macht, so erfolgt die Verpuffung mit einer heftigen Entwickelung von Gas. Dieses Gas ist kohlengesäuertes (fixe Luft) und Stickgas; das zum Sperren gebrauchte Wasser enthält nichts von Salpetersäure, der Rückstand ist kohlensaures Alkali mit etwas unverbrannter Kohle. Die Salpetersäure ist also ganz zersetzt, und die ansehnliche Menge Stickgas, die sich in den Vorlagen sammlet, ist wieder ein starker Beweis für die Behauptung, daß die Basis des Stickgas, oder das Azote, auch die Basis der Salpetersäure sey.

Uebrigens kömmt diese Theorie des Verpuffens ganz mit der Theorie des Verbrennens überein; denn sie betrachtet das Verpuffen als eine plötzliche Verbrennung in der aus dem Salpeter durchs Glühen entwickelten Lebensluft. Die große Menge von Wärmestoff, die aus der zersetzten Salpetersäure frey wird, erklärt die starke Erhitzung, und die große Menge der plötzlich gebildeten Gasarten giebt hinlängliche Rechenschaft von den gewaltsamen Wirkungen, welche die Elasticität derselben bey ihrer Einsperrung in enge Räume hervorbringt.

Dennoch bleiben in den begleitenden Umständen einige Schwierigkeiten zurück. Warum verpufft z. B. nur der Salpeter, und nicht auch der Braunstein, aus dem sich doch im Glühen eben soviel Lebensluft entwickelt? Woher kömmt das starke Licht, das man hier nicht, wie beym Verbrennen in freyer schon gebildeter Luft, aus der Lebensluft herleiten kann, weil diese hier erst im Versuche selbst entsteht, und also das Licht, das sie gäbe, nothwendig erst anderswoher empfangen müßte?

Diesen letztern Umstand hält Hr. Gren für einen überzeugenden Beweis, daß man bey der Verbrennung überhaupt nicht alles in der Lebensluft, sondern auch etwas, und besonders die Quelle des Lichts, im verbrennlichen Körper suchen müsse. Diese Betrachtung hat ihn bewogen, mit den Erklärungen der Antiphlogistiker noch einen Brennstoff, der die Basis des Lichts ist, zu verbinden. Nach dieser Theorie ist nun die Erklärung folgende.

Wenn der Salpeter mit einem verbrennlichen Körper, z. B. der Kohle, in Berührung kömmt, und irgend ein Theilchen hinlänglich erhitzt wird, so zieht die salpetersaure Grundlage den Brennstoff der Kohle stark an sich, wird dadurch zum Azote, und überläßt dagegen ihre Lebensluftbasis der Kohle, die damit eine Kohlensäure bildet. Allein die salpetersaure Grundlage ist nicht vermögend, allen den häufigen Brennstoff aufzunehmen, den die Lebensluftbasis aus der Kohle frey macht. Es bleibt also ein beträchtlicher Theil Brennstoff oder Lichtbasis übrig, welcher nun mit dem häufigen Wärmestoff, der aus der zersetzten Salpetersäure frey wird, Licht und Feuer bildet.

Gren system. Handbuch der ges. Chemie. Halle, 1794. I. Band. §. 732—736.