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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Verglasung |
Die Verglasung ist eine Art der Schmelzung, wodurch harte seste Körper in Fluß gebracht, und in Glas, d. i. in ein Product verwandlet werden, welches man nach dem Erkalren mehr oder weniger durchsichtig, glänzend, hart, spröde, unauflöslich und endlich wieder im Feuer schmelzbar sindet, s. Glas. Die vollkommne Verglasung, welche mit einer völligen Auflösung und Schmelzung aller Theile begleitet ist, liefert durchgängig gleichförmige und ganz durchsichtige Gläser; die unvollkommne hingegen, wobey viele Theile ungeschmolzen bleiben, wenigstens nicht bis zur Verglasung geschmolzen werden, giebt undurchsichtige oder nur halbdurchsichtige Producte, die oft nur auf dem Bruche glasigt und glänzend aussehen, und besonders bey den Hüttenarbeiten den Namen der Schlacken (scoriae) erhalten.
Die der Verglasung fähigen Stoffe sind insgemein erdigte, salzige und metallische Gemische. Die Erden sind zwar an sich desto unschmelzbarer, je größer ihre Reinigkeit ist; in der Vermischung aber dienen sie einander selbst zu Schmelzungsmitteln. Kieselerde, Kalk- und Thonerde, die für sich allein nicht im Feuer fließen, geben nach gewissen Verhältnißen vermischt, in starker Hitze ein vollkommnes Glas (s. Scheffers chem. Vorles. § 75. c.). Die Kalke der unvollkommnen Metalle fließen meistentheils schon für sich im Feuer zu glasartigen Massen, welches man dem noch mit ihnen vereinigten Phlogiston zuschreibt. Vor allen andern sind die Bleykalke zur Verglasung geschickt, und geben schon für sich allein bey mäßigen Graden der Hitze ein Bleyglas, dessen Schmelzbarkeit, Dünnflüßigkeit und Wirksamkeit so groß ist, daß es alle Schmelztiegel durchdringt, s. Bley (Th. I. S. 365). Durch Vermischung metallischer Kalke mit Erden erhält man sehrdichte und schwere Glasarten, die nicht so spröde sind, die plötzliche Abwechselung der Hitze und Kälte besser aushalten und sich glätter anfühlen.
Sehr viele salzige Stoffe, welche den nöthigen Grtd der Feuerbeständigkeit haben, insbesondere die feuerbeständigen Laugensalze und der Salpeter, äussern beym Schmelzen auf die Kieselerde eine große Wirksamkeit. Daher wird das gemeine Glas aus Sand mit Asche, oder andern laugenartigen Substanzen, bereitet. Einige Salze, welche viel erdigten Grundstof bey sich führen, z. B. Borax und schmelzbares Harnsalz, schmelzen schon ohne erdigten Zusatz zu glasartigen Massen. Auch der Arsenik kan, seiner großen Flüchtigkeit ohnerachtet, als Schmelzungsmittel beym Verglasen gebraucht werden. Die mit reinen Salzen bereiteten Gläser sind nicht so schwer und hart, als die metallischen, aber glänzender und zerbrechlicher, und wenn die Salze darinn die Oberhand haben, so lassen sie sich von den Säuren angreifen, und verlieren an der Luft ihren Glanz und ihre Durchsichtigkeit.
Das Gemenge, woraus Glas geschmolzen werden soll, heißt der Einsatz, oder die Fritte. Diese Fritte wird vorher in dem Calcinir- oder Glühofen unter beständigem Umrühren gebrannt und ausgeglühet, um sie von dem überflüßigen Phlogiston und von der im Laugensalze enthaltenen Luftsäure zu befreyen; dann aber in starken irdenen Gefäßen im Glas- oder Schmelzofen bey dem dazu erforderlichen ansehnlichen Grade der Hitze geschmolzen, bis sie gleichartig und dünn genug fließt, und die herausgenommenen Tropfen keine Blasen mehr zeigen. Ist das Salz nicht rein gewesen, so sondert sich oben die Glasgalle (Axungia, fel vitri) ab, welche man sorgfältig abnimmt, weil sie sonst unverglasete Knoten in der Glasmasse bilden würde. Die den salzigen Gläsern anhängende grünliche oder olivenähnliche Farbe benimmt man ihnen durch Beymischungen von Braunstein oder weißem Arsenik, und kühlt das Glas, wenn es durch Blasen oder in Formen die verlangte Gestalt bekommen hat, im Kühlofen nach und nach ab, weil es durch ein allzuschnelles Erkalten an der Luft zuviel Sprödigkeit annehmen würde, s. Glas.
Macquer chymisches Wörterbuch, durch Leonhardi, Art. Verglasung.
Gren systematisches Handbuch der Chemie, I. Theil §. 595. u. f.