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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Ventilator. |
Zus. zu diesem Artikel Th. IV. S. 426—430.
Um die wichtige und noch wenig bearbeitete Lehre von den Ventilatoren hat sich neuerlich Hr. Parrot, Prof. der Mathematik und Physik zu Offenbach (Ge. Fr. Parrot's zweckmäßige Luftreiniger theoretisch und praktisch beschrieben. Frf. am Mayn, 1793. 8) ungemein verdient gemacht. Seine Theorie geht von dem Grundsatze aus, um die Luft eines Zimmers zu reinigen, müsse darinn eine doppelte Röhre vorhanden seyn, eine, die mit dem obern und eine, die mit dem untern Theile der Luft im Zimmer in Verbindung stehe. Es ist dieses eben der Gedanke, der im Wörterbuche S. 428 aus Cavallo angeführt und empfohlen wird. Hr. Parrot erläutert ihn noch durch folgende Erfahrung. An jeder Oefnung zwischen zwey Räumen von verschiedener Temperatur, z. B. in der ofnen Thür zwischen einem geheitzten und einem kalten Zimmer, geht ein doppelter Luftstrom, der untere aus dem kalten ins warme, der obere umgekehrt aus dem wärmern ins kalte. Stellt man eine Lichtflamme in die Thür, so giebt ihre Richtung diese Ströme an, je nachdem man sie tief oder hoch stellt. In der Mitte steht sie ruhig, als ob gar kein Strom vorhanden wäre (Auch dieser Versuch, der sich vom D. Franklin herschreiben soll, wird schon von Cavallo a. a. O. S. 174 angeführt). Hr. P. legt diesem allen gemäß den Vorschlag zum Grunde, in jedem Zimmer zwo solche Röhren oder Oefnungen anzubringen, die mit der äussern Luft in Verbindung sind; weil sie aber für sich allein zu schwach wirken, so unterstützt er die abführende Röhre durch einen sogenannten Saugventilator, die zuführende Röhre oder Oefnung aber durch einen Druckventilator.
Der Saugventilator ist dem von de l'Isle de St. Martin (Wörterbuch S. 429 u. f. Taf. XXV. Fig. 60) ähnlich, so daß ich ihn hier mit Beziehung auf die dortige Figur beschreiben kann. TC ist eine an beyden Enden ofne Röhre. Auf ihrer obern Mündung sitzt der abgekürzte Kegel ABLP, der an der obern Fläche offen ist, und damit auf die Mündung der Röhre paßt. Gerade über ihm ist ein zweyter abgekürzter Kegel NMQ, dem erstern gleich und ähnlich, dessen untere Grundfläche mit der obern Grundfläche des untern in einerley Horizontalebne liegt. Die untere Mündung der Röhre steht mit einem wohlverschloßnen Behältniße RS in Verbindung, aus welchem Röhren in alle Zimmer gehen, in denen die Luft gereiniget werden soll. Der Durchschnitt der Röhre TC muß so groß seyn, als die Summe der Durchschnitte aller dieser Leitröhren, und man kann ihm doppelt soviel Quadratzolle geben, als Menschen sind, sür welche die Maschine die Luft reinigen soll. Das ganze Behältniß wird im obersten Theile des Hauses angebracht; die beyden Kegel ragen über das Dach hervor, und sind von allen benachbarten Gegenständen wenigstens 20 Fuß entfernt. Bläßt nun der Wind zwischen ML hinein, so saugt er wegen der schiefen Richtung zwischen den Kegelflächen die Luft aus der Oefnung AB, folglich auch aus den Leitröhren und den Zimmern. Hr. P. untersucht die Gesetze der Reflexion des Windes, wenn er in vorgeschriebenen Wegen auf schiefe Ebnen stößt, leitet daraus eine Theorie seiner fächerförmigen Ausbreitung (amplitudo reflexionis) her, und gründet darauf die Dimensionen dieses Saugventilators.
Das Behältniß RS dient blos zu festen Punkten, um communicirende Röhren anzubringen. Die Abstände der Mündungen der Leitröhren von der Mündung T hängen von der Geschwindigkeit des Luftstroms ab, und da hiezu die von 1 Fuß in der Secunde hinreichend ist, so kann man zur Breite und Länge des Kastens 2 Fuß + dem Durchmesser von TC, und zur Höhe 1 Fuß 1 Zoll + dem Durchmesser einer Leitröhre nehmen. Die Mündungen der Leitröhren kommen 1 Zoll über den Boden des Kastens. Bleibt eine Seite des Kastens frey von Röhren, so muß diese Seite nur 1 Zoll von der Röhre TC entfernt werden. An die Leitröhren muß man nirgends ein Knie anbringen, sondern wo sich ihre Richtung ändern soll, muß man einen Nebenkasten anlegen, dessen Dimensionen aber nur halb so groß sind, als bey dem Kasten RS. Der Winkel, den die Seite der Kegel mit ihrer Grundfläche macht, ist 24—25°; und der obere Durchmesser jedes Kegels der dritte Theil des untern. Der Raum zwischen beyden Kegeln ist in 8 Kammern abgetheilt, deren Wände den obern Kegel tragen, und verlängert durch die Axe der Röhre TC gehen; ihre Länge beträgt aber nicht mehr, als die Hälfte des Radius der untern Grundfläche, oder 3/4 von der Seite des Kegels. Auf diese Art ist die äussere Oefnung jeder Kammer beynahe dem Durchmesser der kleinern Kegelgrundfläche gleich. Bläßt nun der Wind in die ihm entgegenstehende Kammer, so füllt er sie mit einem Strome, dessen Dichtigkeit gegen den Mittelpunkt immer zunimmt. Wo aber die Wände aufhören, wirkt dieser Strom durch Adhäsion, und bringt dadurch eine Dilatation der Luft über der Oefnung AB hervor. Die Oefnung des obern Kegels N darf nicht unbedeckt bleiben, weil sonst die obersten Windstralen ohne Saugung unbenützt zu ihr hinausgehen würden; man verschließt sie also mit einer kreissörmigen Scheibe, die von aussen zum Ablaufen des Regens etwas erhaben gemacht werden kann. Hr. P. berechnet, daß die Geschwindigkeit, mit welcher diese Maschine die Luft aussaugt, sich zu der, mit welcher der Wind von aussen zwischen die Kegel bläßt, wie 2 : 5, verhalte. Mannigfaltige Versuche mit Ventilatoren von allerley Gattungen und Größen, bis auf die von 2 Fuß im Durchmesser, haben diese Theorie bestätiget.
Der Saugventilator würde zu wirken aufhören, wenn nicht eine zuführende Röhre den Abgang im Zimmer immer wieder durch frische Luft ersetzte. Dazu ist nun zwar eine bloße Oefnung, ein Windrädchen, oder eine in die freye Luft reichende Röhre schon hinlänglich. Aber um zugleich die Wirkung der Saugmaschine zu vermehren, giebt Herr P. noch einen eignen Druckventilator an, der eine Quantität frischer Lust in den zu reinigenden Ort hineinpreßt. Hiezu wird ein Kasten mit den Leitröhren und der Röhre TC, wie im vorigen, angelegt: nur der Kopf wird so umgekehrt, daß die größern Grundflächen der Kegel sich aufwärts kehren. Auch werden die Kegel etwas spitziger, und die Seitenfläche des obersten, wie die Oefnung einer Trompete, krummlinigt gemacht. Der Durchmesser der kleinern Grundfläche ist hier nur 1/4 des größern, die größern Grundflächen beyder Kegel sind gleich, und der Durchmesser der Hauptröhre hat, wie beym Saugventilator, 1/3 vom Durchmesser der größern Grundfläche. Zwischen beyden Kegelflächen werden hier 12 Kammern angelegt. Zur Beschützung gegen das Wetter dient ein niedriges kegelförmiges Dach mit einer Rinne und 6 Oefnungen, wie Tagelöchern. Inwendig hängt diesen Oefnungen gegenüber ein leichtes Bretchen frey an zwey Lederstücken, an welches der Wind beym Eintritt stößt, und dadurch gegen die untere Mündung gerichtet wird.
Hr. Parrot giebt noch ausserdem einen andern Sauger an, bey welchem ein mit der Kurbel gedrehtes Windrad gebraucht wird. Man könnte dabey noch Schwunggewichte an der Welle des Windrads anbringen, um durch eine Schnur, die an den Aufenthaltsort reichte, die Maschine zu jeder Zeit selbst in Bewegung zu setzen und zu erhalten.
Im praktischen Theile des Werks wird durch Versuche erwiesen, daß die reine Luft, welche ein Mensch durch Athmen und Ausdünstung in 1 Min. verbraucht, auf 1/3 Cubikfuß zu rechnen sey, daß also der Saugventilator soviel fortschaffen, und der Druckventilator soviel liefern müsse. Es wird auch aussührlich gezeigt, wie man diese Maschinen bey Wohngebäuden, französischen Caminen, Krankenhäusern, Gefängnißen, Kirchen, Schauspielhäusern, Schiffen, Bergwerken, Reinigungskanälen, auch Schorsteinen und Reverber-Laternen anwenden, und zu Kühlhäusern benützen könne.
Herr Parrot bemerkt, er habe den ersten Gedanken zu seinem Luftreiniger aus einem französischen Werke (La theorie du fen. 1710) geschöpft, den Vorschlag des Herrn de l'Isle de St. Martin aber vor Abfassung seiner Schrift nicht gekannt.
Nachricht von den Maschinen des Hrn. Prof. Parrot, die Behältniße von der verdorbenen atmosphärischen Luft zu reinigen, und sie dafür mit frischer anzufüllen, im Gothaischen Magazin für das Neuste rc. IX B. 4tes St. S. 86 u. f.