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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Unbiegsamkeit, Steife |
Inflexibilitas, Rigiditas, Inflexibilité, Roideur. Die Unfähigkeit eines festen Körpers sich beugen zu lassen, d. i. Kräften, die auf seine Theile wirken, so nachzugeben, daß dadurch eine Veränderung der Gestalt nach der Länge entsteht. Unfähigkeit einer Veränderung der Gestalt überhaupt heißt Härte (Th. II. S. 553.); der Name Unbiegsamkeit oder Steife ist dem besondern Falle eigen, da von Veränderung der Lage der Theile nach derjenigen Richtung die Rede ist, welche der Sprachgebrauch die Länge des Körpers nennt, besonders wenn Theile, die dieser Richtung nach vorher in geraden Linien lagen, in krumme gebracht werden, oder die Körper gebogen werden sollen, s. Biegsamkeit. Unbiegsamkeit ist also nur ein besonderer Fall oder eine Gattung der Härte.
Da wir keinen vollkommen harten Körper kennen, so findet sich auch an keinem eine vollkommne oder absolute Unbiegsamkeit. So wird zwar in der Mechanik der Hebel als eine unbiegsame Verbindung dreyer Punkte angenommen; der physische Hebel aber kan nie völlig unbiegsam seyn. Man muß ihn nur so stark machen, daß die Kräfte, die man wirklich an ihm anbringt, so schwach sind, ihn zu beugen. Alsdann ist seine relative Unbiegsamkeit eine Folge des starken Zusammenhanges seiner vielen Theile, den die angebrachten Kräfte nicht zu trennen vermögen.
Im Gegentheil werden in der mechanischen Theorie Körper für völlig biegsam angenommen, die in der Ausübung einigen Grad von Steife haben, oder der Beugung einigen Widerstand entgegensetzen, z. B. die Seile, auf deren Steife man in der praktischen Mechanik Rücksicht nehmen muß, s. Rolle (Th. III. S. 730.).