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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Thierkreislicht, Zodiakallicht, Zodiakalschein |
Lumen zodiacale, Lumiere zodiacale. Wenn die Sonne eben untergegangen ist, oder eben aufgehen will, sieht man besonders im Frühjahre und im Herbste ein weisses Licht am Himmel, das von der Sonne ab, am Horizonte schief aufwärts, nach der Richtung der Ekliptik oder vielmehr im Thierkreise fortgeht, und an seinem obern Ende spitzig zuläuft. Im ersten Theile dieses Wörterbuchs stellt Taf. II. Fig. 26. diese Erscheinung so dar, wie fie in unsern Gegenden um den Anfang des März nach Sonnenuntergang in die Augen fällt. Betrachtet man diese Figur von der Rückseite gegen das Licht, oder im Spiegel, so zeigt sie die Erscheinung, wie selbige in der Mitte des Octobers am Morgenhorizonte vor Sonnenaufgang sichtbar ist.
Cassini sahe dieses Licht zuerst am 18 März 1683, und beobachtete es damals bis zum 26 März (Decouverte de la lumiere célesle, qui paroist dans le zodiaque par M. Cassini in den Anciens memoires Tom. VIII. p. 119.). Fatio de Duillier zu Genf setzte die Beobachtungen von 1684 bis 1686 fort, so wie Kirch und Eimmart von 1688 bis 1693 (Miscell. Natur. Curios. Dec. III. ann. 1. p. 285. sqq.). Nachher hat noch Herr von Mairan (Traité phys. & histor. de l'aurore boreale in den Mem. de Paris, 1731. und besonders Paris 1733. 4.), der von dieser Erscheinung bey Erklärung des Nordlichts Gebrauch macht, einige Beobachtungen darüber mitgetheilt.
Cassini muthmasset, es sey diese Erscheinung ebendieselbe, welche die Alten durch den Namen der Balken (δοκοι, trabes) andeuten. Er beschreibt sie als ein Licht, das dem Scheine der Milchstraße ähnlich, aber heller, in der Mitte glänzender, und gegen die Enden schwächer sey. Mairan erklärt es für stärker und dichter, als das Licht der Milchstraße, und bemerkt, es scheine gegen den Horizont zu gelblich oder röthlich. Beyde wollen bisweilen kleine sprühende Funken darinn bemerkt haben; sie setzen aber hinzu, eine solche Erscheinung könne auch von der Anstrengung der Augen herrühren.
In der Schrift des Herrn von Mairan findet man alles, was zur Beschreibung und Erklärung des Thierkreislichts gehört, mit vielem Scharfsinn ausgeführt. Man kan nach diesem allen nicht zweifeln, daß es eine entweder selbst leuchtende oder von der Sonne erleuchtete Atmosphäre sey, welche in Form eines sehr abgeplatteten linsenförmigen Sphäroids die Sonne so umgiebt, daß sie nach der Richtung der Axe der Sonnenumdrehung die geringste, und nach der Richtung des Sonnenäquators, welche mit der Ekliptik einen Winkel von 7 1/2° macht, die gröste Ausdehnung hat, s. Atmosphäre der Sonne, und ABC Taf. II. Fig. 26.
Wenn die Erdkugel nicht selbst in diese Atmosphäre eingesenkt ist, so müssen uns die Grenzen derselben täglich sichtbar werden, und wir müssen ihren westlichen Theil des Morgens vor Sonnenaufgang, und den östlichen des Abends nach Sonnenuntergang in Gestalt eines zugespitzten Streifens (fuseau) erblicken. Aber oft ist die Lage des Thierkreises gegen den Horizont so flach, daß sich die Erscheinung ganz in der Dämmerung verliert. Hingegen macht um den Anfang des März, wenn der Frühlingspunkt im Abendhorizonte steht, die Ekliptik mit dem Horizonte einen Winkel von 38 2/3 + 23 1/2, d. i. von mehr als 62 Graden, und weil wir zu eben der Zeit auch die kürzeste Dämmerung haben, so wird der Zodiakalschein, wenn die letztere aufhört, gegen Westen sichtbar, erhebt sich gegen die linke Hand in Gestalt einer schiefliegenden Pyramide, und geht durch die Sterne am Bande der Fische und den Kopf des Wallfisches, beym Widder vorbey bis an die Hyaden im Stier. Dagegen ist die Erscheinung um diese Zeit des Morgens, da die Ekliptik gegen den Horizont sehr flach liegt, gar nicht zu erkennen. Um die Mitte des Octobers aber zeigt sich das Zodiakallicht am besten vor der Morgendämmerung, wenn der Herbstpunkt im östlichen Horizonte steht. Es geht alsdann gegen die rechte Hand schräg aufwärts durch den Löwen und Krebs bis an die Zwillinge; und ist dagegen um diese Zeit des Abends nicht zu erkennen.
In den Ländern der heissen Zone machen Aequator und Ekliptik mit dem Horizont immer so große Winkel, und die Dämmerungen sind so kurz, daß der Zodiakalschein fast das ganze Jahr hindurch Morgens und Abends sichtbar ist, wenn es nicht das Mondlicht oder die trübe Luft verhindert. Man sieht ihn zuweilen senkrecht auf den Horizont und sehr lebhaft, wie auch de la Caille auf seiner Reise nach Afrika bemerkt hat.
Bisweilen kan man auch in unsern Ländern das Thierkreislicht an einem und ebendemselben Tage Morgens und Abends bemerken, vorzüglich um die Zeit der Wintersonnenwende, da die Ekliptik mit dem Horizonte früh und Abends gleich große Winkel macht. So sahe es Cassini am 4 Dec. 1687 um 6 1/2 Uhr Abends, und am folgenden Morgen um 4 Uhr 40 Min. Um die Zeit der Sommersonnenwende hindert dies die flache Lage des Thierkreises und die längere Dämmerung.
Die scheinbare Länge des Zodikalscheins ist nach den verschiedenen Stellungen der Erde gegen die Sonne sehr veränderlich. Sie geht, von der Sonne aus gerechnet, von 45° bis 100° auf einer Seite. Wenn sie 90° und drüber beträgt, so müssen wir uns in der Atmosphäre der Sonne selbst befinden, und da sie uns alsdann eigentlich auf allen Seiten umgiebt, so müssen ihre Grenzen sehr undeutlich erscheinen. Die Breite gegen den Horizont geht aus gleichen Gründen von 8° bis 30°. Sie ist am grösten, wenn die Sonne in den Zeichen der Fische und der Jungfrau steht, weil alsdann die Stellung der Erde so ist, daß wir auf die Ebne des Sonnenäquators unter dem grösten möglichen Winkel von 7 1/2° sehen, s. Sonnenflecken.
v. Mairan physikal. und histor. Abhandl. vom Nordlichte, in den physikal. Abhandl. der königl. Akademie der Wiss. in Paris. von Steinwehr. IX. B. S. 256 u. f.
Bode Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels. Dritte Aufl. Berlin, 1775. gr. 8. S. 595 u. f.