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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Ruß |
So nennt man diejenigen Theile entzündlicher Körper, welche bey der Verbrennung in der Flamme mit aufsteigen, aber aus Mangel an reiner Luft oder aus andern Ursachen der vollkommnen Verbrennung entgehen, den Rauch bilden, und sich an die erste kalte Fläche, die sie antreffen, als eine schwarze oder braune Masse anlegen. Meistentheils enthält der Ruß noch sehr viel Brennbares, und ein brenzliches halb in Kohle verwandeltes Oel, von welchem auch seine schwarze Farbe herrührt.
Die entzündlichen Körper werden durch die Verbrennung so gewaltsam zersetzt, daß nicht nur ihre flüchtigen Bestandtheile, sondern auch mittelst derselben ein Theil der feuerbeständigen, in Dämpfen aufsteigen, welche glühend die Flamme bilden und in derselben großentheils völlig zersetzt werden, zum Theil aber doch der Zerstörung entgehen und sich durch eine wahre Sublimation in Rauch und Ruß verwandlen. Je vollkommner die Verbrennung ist, desto weniger erhält man Rauch und Ruß.
Der Ruß selbst ist nach Beschaffenheit der Verbrennung und der verbrannten Substanzen verschieden. Der gemeine Ruß der Schorsteine hat einen scharfen, bittern und brenzlichen Geschmack, setzt im Wasser eine färbende Materie ab, und kan aufs neue sehr lebhaft und mit starker Flamme brennen, wie man an dem Brennen der Schorsteine sieht. Dies zeigt, daß er salzige, ölichte, seifenartige Theile und Brennbares enthalte. Durch die Destillation erhält man aus ihm Wasser, Laugensalz in fester und flüßiger Gestalt und ein brenzliches Oel; der Rückstand ist eine häufige kohlenartige Materie, aus der man nach der Einäscherung fixes Alkali bekommen kan. Manche Arten des Rußes geben auch Säuren, und zuletzt bey starkem Feuer etwas Salmiak, wie in Holland der Torfruß, und in Egypten der Ruß von verbranntem Miste der Hausthiere, welche kochsalzhaltige Kräuter fressen.
Da alle Arten des Rußes flüchtiges Alkali liefern, auch wenn sie von bloß vegetabilischen Materien kommen, so schloß man sonst, daß die Verbrennung der Pflanzen, wie die Fäulniß, ein flüchtiges Laugensalz erzeuge. Herr Wiegleb aber (Chemische Versuche über die alkalischen Salze, Berlin und Stettin, 1774. 8. S. 222 u. s.) hat durch seine Versuche mit Büchenholzsägspänen und Ruß vom Büchenholz dargethan, daß der flüchtigalkalische Antheil, den der Ruß giebt, schon vor der Verbrennung im Holze enthalten sey.
Man gebraucht den Ruß zur Bereitung des Salmiaks und zum Färben, indem daraus das Rußbraun (Bistre) gezogen, auch durch Versetzung mit Leim die Tusche, und mit verdicktem Leinöl die Buchdruckerschwärze bereitet wird. Auch die Arzneykunst macht einigen Gebrauch vom Ruße, und den Chymisten dient das Lampenschwarz wegen des darinn enthaltenen Phlogistons als ein Hülfsmittel zur Reduction der Metallkalke.
Macquer chymisches Wörterbuch, mit Leonhardi Anm. Art. Ruß.