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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Rauch |
Dasjenige, was aus brennenden oder sehr erhitzten Körpern in sichtbarer Gestalt entweicht, und in der atmosphärischen Luft in die Höhe steigt, ohne doch zu glühen oder zu brennen. Wenn diese Ausflüße selbst glühen, bilden sie die Flamme. Aus den meisten brennenden Körpern steigt Flamme und Rauch zugleich auf, so daß der Rauch da anfängt, wo die Flamme aufhört. Er ist an den Grenzen der Flamme noch sehr heiß, und läst sich daher durch Annäherung einer andern Flamme leicht wieder entzünden, beym Aufsteigen in der Luft aber wird er bald kälter. Viele stark erhitzte Körper senden auch blos Rauch aus (oder dampfen, wie die Dachte ausgeblasener Kerzen), der bey Annäherung einer brennenden Kerze wieder in Flamme ausbricht. Dagegen giebt es auch Flammen ohne wirklichen Rauch, welche unter allen die reinsten und heissesten sind, s. Flamme.
Die Erscheinungen geben zu erkennen, daß Rauch und Flamme zwar vieles gemein haben, aber doch auch wesentlich unterschieden sind. Das, was den Rauch ausmacht, bildete, als es noch glühte, die Flamme. Je vollkommner aber die Zersetzung des brennenden Körpers ist, desto lebhafter sind Flamme und Hitze, und desto weniger entstehk Rauch, wie bey der argandischen Lampe. Dagegen dampft ein Körper desto mehr, je unvollkommner seine Verbrennung von statten geht, wie z. B. nasses Holz, ein ausgeblasener Dacht u. dgl. Demnach scheint das, was den Rauch ausmacht, der Flamme selbst nicht wesentlich, sondern sremdartig zu seyn, und von einer nicht gänzlich vollendeten Zersetzung des brennenden Körpers herzurühren. Das Product der reinsten Flammen würde den neusten Muthmaßungen zufolge in bloßem Wasser und vielleicht einigem Antheile von Säuren bestehen.
Der Rauch enthält gröstentheils die flüchtigen Theile des brennenden Körpers, er führt aber auch sehr oft feuerbeständige Theile, die die Gewalt des Feuers fortgerissen hat, in großer Menge mit sich. Daher besteht er aus erdigten, ölichten, wässerichten, salzigen Stoffen, welche sublimirt oder in Dampfgestalt aufgetrieben, und entweder mit der atmosphärischen Luft vermischt werden, oder sich an den ersten kalten Körper, der ihnen begegnet, unter der Gestalt des Rußes ansetzen, s. Ruß.
Es giebt Körper, besonders flüßige, welche bey stärkern oder schwächern Graden der Wärme an der Luft ohne Zersetzung verdampfen. Man kan den Dämpfen dieser Körper auch den Namen eines Rauchs geben, obgleich dieser Rauch nichts weiter ist, als der Stof des Körpers selbst in Dampfgestalt. So nennt man die Dämpfe des Salzgeists und rauchenden Salpetergeists einen Rauch, und sagt im gemeinen Leben, daß das kochende Wasser und die heissen Speisen rauchen.
Der Rauch steigt in der atmosphärischen Luft auf, weil ihm Hitze und Verbindung mit dem Wärmestof eine größere specifische Elasticität geben, als die äußere Luft hat. Diese Elasticität dehnt ihn so weit aus, bis er mit der Luft eine, gleiche absolute Elasticität erhält, welches erst erfolgt, wenn er dünner, als die Luft, mithin specifisch leichter, geworden ist. Er steigt also aus eben dem Grunde, wie die mit erhitzter Luft gefüllten Montgolfieren, und zwar so weit, bis er in die Luftschicht gelangt, welche mit ihm gleiche specifische Schwere hat. Im luftleeren Raume sinkt er abwärts, eben so auch in der sehr verdünnten Luft auf den Gipfeln hoher Berge. Der Rauch des Aetna fließt aus dem Crater längst der Seite des Berges hinab bis in die gleich schwere Luftschicht, wo er sich erst wie eine Wolke ausbreitet.
Die Luftsäure oder fixe Luft zieht den Rauch der Kerzen und Fackeln an sich, hält ihn fest, und wird durch ihn sichtbar, s. Gas, mephitisches. Da diese Mischung von Dämpfen und Luftsäure etwas schwerer ist, als die atmosphärische Luft, so sinkt sie in der letztern nieder. So kan man Rauch aus einer Flasche in Gesäße gießen; wenn diese voll sind, laufen sie über, und der Rauch scheint an ihren Wänden herabzufließen.