|
Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
![]() |
| Passatwinde, Mussons |
Venti anniversarii, Moussons, engl. Trade - winds, Monsoons. Winde, welche eine Zeit des Jahres hindurch nach einer gewissen Richtung, die andere Zeit nach der gerade entgegengesetzten wehen. Sie sind besonders häufig in verschiedenen Gegenden des indischen Meeres.
Zwischen Madagascar und den afrikanischen Küsten wehet der Südostwind vom October bis zum May, aber den übrigen Theil des Jahres hindurch der Westwind. Zwischen Ajan, Arabien und Malabar und im bengalischen Meerbusen bis gegen die Linie herab, herrscht vom April bis zum October ein heftiger Südwestwind mit schwarzen Wolken, Regen und Sturm, aber die übrigen sechs Monate ist der Himmel klar und ein gelinder Nordost. Zwischen Madagascar, Java und Sumatra von 2° — 10° südl. Breite bläset der Südostwind vom May bis zum October, aber den Rest des Jahres durch ist der Wind Nordwest. Von Sumatra längst der chinesischen Küste geht der Nord-nordost im October und die folgenden sechs Monate, aber den übrigen Theil des Jahres Süd-süd-west. Zwischen Java, Timor, Neuholland und Neuguinea theilt sich der Wind das erste halbe Jahr nach Nord und Nordwest, aber vom April an geht er aus Südost.
Man bemerkt aber dergleichen auch in andern Meeren. Bey der Küste von Brasilien ist der Wind vom April bis zum September Südwest, aber hernach Nordost. Von Carthagena bis Portobello bläset der Nordostwind einen Theil des Novembers und die folgenden Monate bis zur Mitte des Mays; diese Jahrszeit wird für Sommer gehalten, und die herrschenden Winde heissen Bizes. Alsdann folgt Südwestwind, der sich aber nur bis 12 oder 12 1/2 Grad Breite erstreckt.
Wenn die Passatwinde umwechseln, ist die Luft an einigen Orten gleichsam unentschlossen, wohin sie sich wenden soll, wobey sich gern Regen, Donnerwetter und Stürme einfinden; an andern Stellen aber geht sie geschwind in die entgegengefetzte Richtung über.
Zu dieser Art von Winden scheinen auch diejenigen zu gehören, deren die Alten unter dem Namen der Etesien erwähnen. Sie weheten in Griechenland nach der Zeit der Sommersonnenwende den Tag über aus Norden, und kühlten die Hitze der Hundstage. Dagegen herrschte im Winter ein gelinder und nicht so anhaltender Wind aus Süden, unter dem Namen der Chelidonien oder Ornithyien.
Die meisten Nachrichten von den Passatwinden hat aus den Berichten der Ostindienfahrer und der ältern Geographen, Halley (An historical account of the tradewinds and monsoons observable in the seas between and near the tropiks in den Philos. Trans. num. 183. p. 153.) gesammlet. Man findet eben diese Nachrichten und noch mehrere dabey beym Musschenbroek (Introd. ad philos. natur. To. II. §. 2570 sqq.), der sie Motiones nennt, vielleicht, um den Ursprung des niederdeutschen Namens Monsoons dadurch anzudeuten. Am vollständigsten handlet von den Passatwinden des indischen Meeres eine Schrift von Capitän Forrest (A treatise on the Monsoons in East-India. Lond. 1784. 8.).
Die Ursachen dieser Winde sind noch nicht gänzlich entwickelt. Da sie nach den Jahrszeiten abwechseln, so sieht man leicht, daß die Stellung der Sonne und der Wechsel der Wärme und Kälte in den Luftschichten der an das indische Meer grenzenden Länder rc. daran vorzüglichen Antheil haben müsse. Hiezu kan nun die Beschaffenheit des Bodens, die Lage der Gebirge, das Zerschmelzen des Schnees u. dgl. vieles beytragen. Halley hat sich sehr bemühet, aus diesen Ursachen die besondern Umstände der Beobachtungen zu erklären. Nach ihm verursacht die Erwärmung der Luft in Arabien, Persien und Indien vom April bis zum September einen Wind, der dem allgemeinen in diesen Gegenden herrschenden Nordost entgegengesetzt ist, also einen Südwestwind; dagegen der Nordost im Winter durch die Kälte der mit Schnee bedeckten Gebirge im Lande noch mehr verstärkt wird. Da aber eben diese Winde im äthiopischen Meere unter gleicher Breite von eben denselben Ursachen nicht entstehen, so müssen noch andere in der eignen Beschaffenheit jener Länder liegende Umstände mitwirken.
Torb. Bergmann Physical. Beschreibung der Erdkugel, a. d. schwed. von Röhl. Greifsw. 1780. gr. 8. B. II. S. 94 u. f.