Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Oele
Oele

bestehen nach dem antiphlogistischen System aus Wasserstoff und Kohlenstoff; die riechenden enthalten mehr von dem erstern, die fetten mehr von letzterm. Durch allmählige Verbindung mit dem Sauerstoffe werden die Oele ranzig, eine schnelle Verbindung mit demselben bewirkt Entzündung und Verbrennen. An der Luft oder in Berührung mit Sauerstoffgas wird das Oel bald ranzig, und das Sauerstoffgas vermindert. In fest verschloßnen Gefäßen, wozu das Sauerstoffgas der Luft keinen Zutritt hat, verändert sich das Oel nicht.

Nach Lavoisier (Mém. de Paris, 1784. p. 593 sqq.) verzehren 19 1/4 Gran Baumöl beym Verbrennen 62 Gran Lebensluft, und das Product davon besteht aus 54 1/4 Gran kohlensaurem Gas und 27 Gran Wasser. Diesen Resultaten zufolge scheint das fette Oel aus 78,96 Theilen Kohlenstoff und 21,04 Theilen Wasserstoff zu bestehen. Hr. Gren nimmt auch noch Basis der Lebensluft und Brennstoff als wesentliche Beftandtheile der fetten Oele an, weil sie bey der Destillation schon für sich und mit Ausschluß der respirabeln Luft ein saures Phlegma und kohlensaures Gas geben. Beym Ranzigwerden entlassen die Oele den Brennstoff, und nehmen mehr Basis der Lebenslust an.

Die riechenden Oele sind aus eben denselben Bestandtheilen zusammengesetzt. Unter einer Glocke mit Lebensluft verbrannt, geben sie Wasser und kohlensaures Gas, und lassen eine geringe Menge sehr reiner Kohle zurück, die sonst auch den Ruß ihrer Flamme ausmacht. Durch concentrirte Säuren werden sie entzündet oder verdickt; durch verdünnte Salpetersäure aber läßt sich in der Digestionshitze das riechende Oel in eine wahre Sauerkleesäure verwandeln.

Die empyrevmatischen oder brandigen Oele sind Producte, welche aus eben diesen Bestandtheilen erst durch die Einwirkung des Feuers erzeugt werden. Nur das verschiedene Verhältniß dieser Bestandtheile kann die Verschiedenheit dieser Oele und ihre endliche Annäherung an das Harz hervorbringen.

Girtanner Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie. Berl. 1792. S. 411 ff.

Gren systemat. Handbuch der gesammten Chemie. II Band. 1794. §. 955. 1250 ff. 1310 ff.