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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Meteorologie, Witterungslehre |
Meteorologia, Metéorologie. Die Lehre von den Veränderungen, die sich im Luftkreise zutragen. Man giebt dem Zustande der Atmosphäre in Absicht auf die Meteore, den Namen der Witterung oder des Wetters. Die Veränderungen dieses Zustands hängen von gewissen veränderlichen Eigenschaften der Luft, z. B. von ihrer Dichte, Warme, Feuchtigkeit, Elektricität, chymischen Mischung u. s. w. ab, deren jedesmalige Größen und Veränderungen man durch Barometer, Thermometer, Hygrometer, Luftelektrometer, Eudiometer rc. erkennt. Andere Werkzeuge z. B. die Windmesser, Regenmaaße, Blitzmesser u. dergl. dienen, die Größe und Veränderung verschiedner Meteore selbst zu messen. Alle diese Instrumente werden zusammen unter dem Namen der meteoroskopischen oder meteorologischen Werkzeuge begriffen, so wie auch die damit angestellten Beobachtungen meteorologische heissen.
Die Absicht der Meteorologie ist vorzüglich auf Erklärung der Ursachen der Witterung, und ihres Zusammenhangs mit den Veränderungen der meteorologischen Werkzeuge gerichtet. Könnte man diesen Zusammenhang vollkommen erklären, so würde sich die so wichtige Aufgabe von Vorhersagung der Witterung, leichter auflösen lassen. Wie weit man aber von diesem Ziele noch entfernt sey, ist unter andern in dem Artikel: Barometerveränderungen, gezeigt worden. Inzwischen hat man sich in unsern Zeiten durch wichtige Verbesserungen und Vermehrungen der Werkzeuge, und durch zahlreiche Vervielfältigung, Sammlung und Vergleichung der Beobachtungen dem Zwecke immer mehr zu nähern gesucht.
In ältern Zeiten bestand die Witterungslehre blos aus einigen auf angebliche Erfahrung gegründeten Regeln, die mitunter sehr abergläubisch und mit thörigten Erklärungen der Ursachen vermengt waren. Man kan sich hievon aus der Meteorologie des Aristoteles, und aus vielen von den Vorzeichen der Witterung handlenden Stellen der alten Dichter und Schriftsteller vom Landbau sattsam überzeugen. Im mittlern Zeitalter ward diese Lehre sogar mit der Astrologie vermengt. Bey den damaligen höchst unvollkommnen Kenntnißen vom Luftkreise schrieb man nicht blos der Sonne und dem Monde, sondern auch allen übrigen Gestirnen einen unmittelbaren Einfluß auf die Witterung zu, und suchte aus den Stellungen derselben Wetterprophezeihungen herzuleiten, woraus ein eigner Zweig der Sterndeuterey (Astrologia meteorologica) erwachsen ist. Daher kommen noch die in den Kalendern üblichen Vorhersagungen der Witterung — ein Ueberbleibsel der ehemaligen Barbarey, welches man in unsern Tagen völlig vertilgen sollte. Beyspiele solcher astrologischen Witterungsregeln hat Funk (Natürliche Magie, Berlin und Stettin, 1783. gr. 8. S. 5. u. f.) aus einem noch im Jahre 1733. zu Berlin herausgekommnen Haus- und Reise- Calender beygebracht. Was für Begriffe von den Ursachen der Naturbegebenheiten die Erfinder dieser Regeln hatten, zeigt z. B. des Theophrastus Paracelsus Buch De Meteoris (deutsche Ausgabe, Strasb. 1616. Fol.), welcher die Nebensonnen für ein messingnes Fabricat der Luftgeister und die Sternschnuppen für Ercremente der Gestirne aus der Verdauung ihrer astralischen Speisen erkläret. So nichtig und abgeschmackt im Ganzen genommen, der Kalenderaberglaube ist, so muß man doch darum nicht alle alte Wetterregeln schlechthin verwerfen. Manche darunter, z. B. die aus dem Verhalten der Thiere genommenen Anzeigen u. dergl. werden doch wirklich durch die Erfahrung bestätigt, und lassen sich auch zum Theil aus der Natur der Sache ganz wohl erklären.
Erst seit der Erfindung des Barometers bekamen die Naturforscher bessere Begriffe vom Luftkreise, fehlten aber nun wieder darinn, daß sie das neuerfundene Werkzeug allein für einen untrüglichen Vorboten der Wetterveränderungen ansehen, und den ganzen Zustand der Atmosphäre blos aus der Dichte und Federkraft der Luft erkennen wollten. Dieser Wahn, der dem Barometer den Namen des Wetterglases verschafte, erzeugte eine Menge Hypothesen über den Zusammenhang der Witterung mit der Dichte der Luft, und über die Ursache des Steigens und Fallens der Barometer. Da aber keine dieser Hypothesen zureichend war, so leitete dies endlich bey den Untersuchungen über diesen Gegenstand auf einen richtigern Weg. Man fand nemlich nach und nach, daß man ausser der Dichte der Luft noch weit mehrere Eigenschaften derselben untersuchen, die dazu nöthigen Werkzeuge zuvor verbessern, ihre Angaben gehörig bestimmen, und die Anzahl der Beobachtungen möglichst vervielsältigen müsse, ehe man zu richtigen Erklärungen und Vorhersagungen der Witterung gelangen könne. Diese Bemühungen um Verbesserung der Werkzeuge und Vervielfältigung der Beobachtungen beschäftigen nun noch bis jetzt die Naturforscher, und es steht zu erwarten, was für Resultate dereinst unsre Nachkommen daraus werden herleiten können.
Ganz mechanisch sucht die Lufterscheinungen Descartes (Meteora, in Opp. philos. Amst. 1685. 4. p. 153. sqq.), chymisch hingegen Stahl (Einleitung zur Witterungsdeutung, Halle, 1716. 8.) zu erklären. Die Menge der darüber entworfenen Hypothesen ist fast unzählbar; nur die vornehmsten derselben werden bey den Worten: Barometerveränderungen, Winde, Dünste, Regen, Wolken, Schnee, Hagel u. s. w. angeführt. Ihre Geschichte erzählt der Abbe Richard (Hist. naturelle de l'air et des metéores, à Paris. VII To. 1770. gr. 12mo. deutsch, Frankf. 1773. gr. 8.). Le Roy's Gedanke, daß die Ausdünstung als eine wahre Auflösung des Wassers in der Luft anzusehen sey, verbreitete ein neues Licht über die Natur der wässerichten Meteore, s. Ausdünstung. Neuerlich aber haben die Herren de Saussure (Essais sur l'hygrometrie. Neufch. 1783. 8maj. Ess. IV.) und de Lüc (Idees sur la metéorologie. à Londres, 1786. 8maj. To. II.) über diesen Gegenstand sehr scharfsinnige Bemerkungen und Erklärungen mitgetheilt, welche sich vornehmlich auf die neuern Entdeckungen über die Natur der beständig elastischen Flüßigkeiten gründen, und, ob sie gleich noch immer Hypothesen bleiben, dennoch der Aufmerksamkeit aller Naturforscher werth sind. Als ein Lehrbuch der Meteorologie kan man das Werk des P. Cotte (Traité de Metéorologie. à Paris, 1774. 4maj.) ansehen.
Meteorologische Beobachtungen findet man schon in ziemlicher Menge in den Mémoires de l'academie des Sciences de Paris, den Philosophical Transactions und den Werken mehrerer gelchrten Gesellschaften. Eine lange Reihe von Beobachtungen zu Kopenhagen hat Horrebow (Tractatus historico - meteorol. continens obs. XXVI annorum in obseruatorio Havniensi factas. Havn. 1780. 4maj.) herausgegeben. Aus sehr vielen, hauptsächlich in Frankreich angestellten, giebt der P. Cotte (Traité de metéorol. L. III.) einen Auszug in Tabellenform. So allgemeine Auszüge aber verschaffen der Wissenschaft nicht so viel Vortheil, als die umständliche Bekanntmachung der Beobachtungen selbst, wobey die Veränderungen der Witterung in kleinen Zeiträumen, nach allen Umständen, von so vielen Gegenden, als nur immer möglich ist, mit einander verglichen werden können. Dabey kömmt es nicht sowohl auf lange Reihen, als auf Vervielfältigung der Beobachtungsorte an.
In dieser Absicht hat sich der jetztregierende Churfürst von Pfalz- Bayern, mit Beyhülfe des Herrn Abt Hemmer zu Manheim, durch Errichtung einer eignen fehr weit ausgebreiteten meteorologischen Gesellschaft im Jahre 1780, höchst verdient gemacht. Durch seine Veranstaltung und auf seine Kosten werden nicht nur in den churfürstlichen Landen, sondern überhaupt in- und ausserhalb Europa, an schicklichen Orten, correspondirende Instrumente aufgestellt, und damit täglich zu bestimmten Stunden Beobachtungen gemacht. Das Directorium dieser Anstalt führt die meteorologische Classe der churpfälzischen Akademie zu Manheim. Die von der Societät versendeten Instrumente sind ein Barometer, ein Thermometer mit reaumurischer Scale und ein Gänsekielhygrometer, bisweilen auch ein branderisches Declinatorium, deren Behandlung und Gebrauch in einer ausführlichen Instruction angegeben sind. Die Gesellschaft wünscht, daß sich die Beobachter auch noch mit einem Luft- und Wolkenelektrometer, Wind- Regen- und Ausdünstungsmesser versehen möchten. Die Beobachtungen selbst werden täglich dreymal, als früh um 7, Nachmittags um 2, und Abends um 9 Uhr angestellt, und mit sehr schicklich ausgedachten und vorgeschriebnen Bezeichnungen der begleitenden Umstände, in Tafeln eingetragen. Von diesen der Societät eingesendeten Beobachtungen sind nun bereits 5 Jahrgänge (Ephemerides societatis meteorologicae palatinae. Historia et obseruationes. Manhemii, 1783 - 1787. 4maj.) erschienen, welche die Beobachtungen der Jahre 1781 bis 1785 mit angehangenen schätzbaren Bemerkungen und Abhandlungen enthalten; auch hat Herr Hemmer (Descriptio instrumentorum societatis meteorol. palat. Manh. 1782. 4maj.) die gebrauchten Werkzeuge besonders beschrieben. Dieses Werk, dessen vierter Band bereits Beobachtungen von 30 verschiedenen Orten enthält, ist für die Witterungslehre von äusserster Wichtigkeit, und verspricht sehr viel für die Zukunft, ob es gleich, nach dem unvermeidlichen Schicksale menschlicher Unternehmungen, nicht von allem Tadel frey geblieben istUnter den Barometerbeobachtungen sind blos die des Herrn Prof. Planer zu Erfurt wegen der Wärme berichtiget. Die übrigen müssen beym Gebrauch erst nach den dabey befindlichen Thermometerangaben berichtiget werden. Wie sehr dies den Gebrauch erschwere, fällt in die Augen. Ich habe bey dem Worte: Barometer (Th. I. S. 264.) erinnert, daß zu dieser Berichtigung Tabellen, nach den dort angegebnen allgemeinen Formeln berechnet, sehr brauchbar seyn würden. Solche Reductionstabellen, die ganz besonders für das manheimische Institut eingerichtet sind, haben wir nunmebr wirklich erhalten (Tabulae pro reductione quorumuis statuum barometri ad normalem quendam caloris gradum publico vsui datae a P. Guarino Schlögl. München und Ingolst. 1787. 4.). Es ist darinn angenommen, daß sich 27 Zoll Quecksilber von 0 bis 80 Gr. Reaum. um 5, 5 Lin. ausdehnen..
Ein Beyspiel von Regeln, welche als Resultate aus vieljährigen Witterungsbeobachtungen anzusehen sind, geben Toaldo's 24 meteorologische Aphorismen (in Rozier Journal de physique, Nov. 1785. p. 388.). Man hat schon längst vorgeschlagen, in der Meteorologie den Weg zu gehen, den die Astronomen bey den Beobachtungen und der Vorherbestimmung des Himmelslaufs mit so vielem Glücke befolgt haben — den Weg der Tafeln, wobey das, was von der Hauptursache abhängt, als eine mittlere Bewegung oder Veränderung, zum Grunde gelegt, und wegen der mitwirkenden Nebenursachen durch Gleichungen verbessert und berichtigt wird. So behandlete schon Mayer die Veränderungen der Wärme, s. Rlima. Für die Witterungslehre hat unter andern Lambert (Exposé de quelques observations, qui pourroient servir pour repandre du jour sur la metéorologie in Nouv. Mém. de Berlin, 1771. S. 60.) diesen Vorschlag gethan. Niemand aber hat auf diesem Wege so mühsame Untersuchungen angestellt, als Herr Hofrath Gatterer in Göttingen (s. Lichtenbergs Magazin für das Neuste aus der Phys. und Naturgesch. I. B. 2. St. S. 1. u. f.). Dieser hat für die Einwirkungen der Sonne und des Monds, die er als Hauptursachen der Wetterveränderungen annimmt, eine große Menge von Tafeln berechnet, welche noch mit Vergleichungstafeln und Ortstafeln vermehrt sind, in denen er die Localwirkungen der Meere, Gewässer, Berge, Beschaffenheit des Erdreichs u. s. w. berechnet hat. Diese Tafeln nun brauchbar zu machen, verlangt er einen einzigen Jahrgang oder ein meteorologisches Grundjahr von ununterbrochenen Beobachtungen, für einen gewißen Ort, dergleichen er selbst vom 8ten Now. 1779 bis zum 18ten Nov. 1780. in Göttingen fast stündlich angestellt hat. Durch gehörige Ausführung dieses Plans, meint er, werde man nicht nur in der Gegeno, wo die Beobachtungen angestellt sind, sondern überall, künftige Witterungen vorhersagen, und meteorologische Kalender, wie astronomische, verfertigen können.
Das Mittel, woran man sich bey Vorhersagung der Witterung noch bisher am meisten gehalten hat, ist die Rückkehr derselben nach Perioden, besonders nach der Periode von neunzehn Jahren. Herr Gatrerer verwirst dieses Mittel nicht ganz; glaubt aber, da die von ihm angenommenen Ursachen der Witterung nicht alle in einerley Perioden wieder zusammen kämen, so würden dabey sehr viele Epakten und Gleichungen nöthig seyn. Die Perioden, welche solcher Berichticungen am wenigsten bedürften, sind nach ihm für den Mond 350, für die Sonne fast 400 Jahre. Auf diese Art würden freylich die jetzt angestellten Witterungsbeobachtungen erst der spätern Nachwelt unmittelbar nützlich seyn.
Mikroelektrometer, s. Condensator der Elektricität.