Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Lambert
Lambert

(Pyrometrie, Berlin, 1779. 4.) fand das Volumen der Luft bey der Kälte des Eispunkts, durch eine Vermehrung der Wärme bis zum Siedpunkte, um 375 Tausendtheile vergrößert, wofür er jedoch bey der Anwendung nur 370 nimmt. So darf man auf jeden fahrenheitischen Grad (wofern auf jeden gleich viel kömmt) 2,05 Tausendtheile rechnen.

De Lüc (Recherches sur les modif. de l'atmosph. To. II.) schließt aus seinen Beobachtungen, die Höhe einer Luftsäule ändere sich, wenn die Temperatur (16 3/4) Grad nach Reaumür ist, für jeden Grad Aenderung der Wärme, um (1/215), s. Höhenmessung, barometrische. Wäre sie nun bey der angegebenen Temperatur = 215, so würde sie beym Eispunkte =198 1/4, beym Siedpunkte = 278 1/4 feyn, und sich von jenem bis zu diesem um (80/(198 1/4)) d. i. um 403 Tausendtheile ändern. So kommen auf jeden fahrenheitischen Grad 2,23 Tausendtheile.

Der Ritter Shukburgh (Phil. Trans. 1777. P. l. n. 29.) giebt aus eignen Versuchen an, das Volumen der Luft beim Eispunkte wachse, wenn die Wärme um 1 fahrenh. Grad zunimmt, um 2,43 Tausendtheile.

Roy (Philos. Tr. 1777. n. 34.) bestimmt aus sehr sorgfältigen Versuchen mit dem Luftthermometer die Ausdehnung bey den gewöhnlichen Temperaturen (66—70° fahr.) für jeden Grad Aenderung der Wärme, auf 2,45 Tausendtheile des Volumens. Dies macht 2,69 Tausendtheile desjenigen Volumens aus, welches die Luft bey der Temperatur des Eispunkts hat.

Herr Kramp (Gesch. der Aerostatik, Th. I. S. 112.) nimmt aus Mayers Bestimmungen der astronomischen Stralenbrechung an, wenn das reaumürische Thermometer auf 10 Grad stehe, ändere sich die specifische Federkraft der Luft, bey 1 Grad Aenderung der Wärme, um (1/220). Nun setze man sie bey 10 Grad Wärme = 220, so wird sie beym Eispunkte = 210 beym Siedpunkte = 290 seyn, und sich von jenem bis zu diesem um (80/210) d. i. um 381 Tausendtheile ändern, wovon auf 1 fahrenh. Grad 2,117 kommen.

Herr de Saussüre (Essais sur l'hygrometrie p. 156.) giebt an, daß ein Grad Thermometerveränderung sein Manometer um (22/16) Lin. ändere, und berechnet daraus für den Barometerstand 27 Zoll die Ausbreitung der Luft auf 4,24383 Tausendtheilchen auf den reaumürischen, oder 1,88615 für den fahrenheitischen Grad.

Diese verschiedenen Resultate bequem zu übersehen, dient folgende Tabelle. Volumen der Luft beym Eispunktebeym SiedpunkteAusdehnung für jeden fahr. Gr.nach Amontons1000- -1400- -2,22— Lambert1000- -1375- -2,05— de Lüc1000- -1403- -2,23— Shuckburgh1000- -1437,4- -2,43— Roy1000- -1484,21- -2,69— Kramp1000- -1381- -2,117— de Saussüre1000- -1339- -1,886

Aus Roy's Versuchen ist noch zu bemerken, daß die Ausbreitung weder für jede Dichte der Luft, noch für jeden Grad der Wärme, gleich groß ist. War z. B. die Dichte der Luft 2 1/2 mal so groß, als bey der Barometerhöhe 30 engl. Zoll, so betrug die Ausdehnung vom Eis - zum Siedpunkte nur 434 Tausendtheile. War die Dichte 5/6 von der Dichte der Atmosphäre, so machte sie 484, und war die Dichte 1/6, nur 141,5 Theile aus. Vom 52 sten bis zum 72 sten Grade der fahrenheitischen Scale war die Ausdehnung am stärksten: das Marimum schien bey 57 Grad zu seyn. Beym Eispunkte und zwischen 112 und 132 Grad waren die Ausdehnungen der Luft und des Quecksilbers übereinstimmend; bey Fahrenheits Null und beym Siedpunkte dehnte sich die Luft weniger, als das Quecksilber, aus. Feuchte Luft, und besonders heiße Dämpfe, waren einer weit beträchtlichern Ausdehnung unterworfen.

Unter den Resultaten der Tabelle hält doch de Lücs Angabe ziemlich das Mittel. Nach ihr verhält sich die specifische Federkraft der Luft, wenn das reaumürische Thermometer r Grade zeigt, allezeit, wie 198 1/4 + r. Diese Veränderung beträgt vom Eispunkte bis zum Siedpunkte ohngefähr zwey Fünftel, von der größten gewöhnlichen Kälte in unsern Gegenden (-8°) bis zur Sommerwärme (30°) ein Fünftel des Ganzen, s. Höhenmessung, barometrische. Beym Worte: Aerostat habe ich angenommen, die Hitze beym Füllen der Montgolfieren dehne die Luft um ein Drittel aus.

Was höhere Grade der Hitze wirken, läst sich auf folgende Art untersuchen. Man erhitzt ein Gefäß mit enger Oefnung bis auf einen gewissen Grad, so dehnt sich die Luft darinn stark aus, und geht großentheils durch die Oefnung aus dem Gefäße. Man hält alsdann die Oefnung unter Wasser, so zieht sich beym Abkühlen die Luft wieder zusammen, und der Druck der äussern Luft treibt Wasser ins Gefäß, aus dessen Menge man alsdann auf die Größe der Ausdehnung schließen kan. So hat Robins (Neue Grundsätze der Artillerie, durch Euler, Berlin 1745. 8. S. 963. f.) gefunden, daß die Hitze eines weißglühenden Eisens die Luft in einen 4mal größern Raum ausdehne, als den sie kalt einnimmt.

Wie stark Dünste oder Feuchtigkeit auf die specifische Federkraft der Luft wirken, ist noch weniger genau bestimmt. Lambert (Abhandl. von den Barometerhöhen und ihren Veränd. in den Abhandl. der churbayr. Akad. der Wiss. III. B. 2 Th.) hat hieher gehörige Untersuchungen angestellt, und dabey das Barometer mit dem Luftthermometer des Bernoulli zu verbinden vorgeschlagen. Er nimmt an, daß die Dünste die Federkraft der Luft aus zwoen Ursachen verstärken, weil sie die Lufttheilchen zusammenpressen, und weil sie das Gewicht der obern Luft vergrößern. Auf diese Grundsätze baut er eine Methode, die Menge der Dünste zu erfahren, und also die gedachten Werkzeuge als Hygrometer zu gebrauchen. Aber dieser sinnreiche Gedanke, wovon man auch Karsten (Lehrbegrifder ges. Math. III. Th. Aerostatik, VIII. Abschn. §. 110 u. f.) nachlesen kan, würde in der Ausführung großen Schwierigkeiten unterworfen seyn.

Man muß vielmehr die Menge der Dünste oder den Grad der Feuchtigkeit vorher kennen, ehe man aus Beobachtungen bestimmen kan, wie groß der Einfluß derselben auf die Federkraft der Luft sey. Daher gehört zu diesen Bestimmungen eine genauere Hygrometrie, als wir noch bis jezt haben, s. Hygrometer. Herr de Saussüre (Essais sur l'hygrometrie §. 110.) fand, daß die absolute Elasticität der eingeschloßnen Luft, bey einer Temperatur von 14-15 Grad nach Reaumür, durch den Uebergang von der größten Trockenheit bis zur größten Feuchtigkeit um (1/54) ihrer Größe zunahm; indem sein Barometer in einer verschloßnen Glaskugel bey diesem Uebergange von 27 Zoll auf 27 Zoll 6 Lin. stieg, welche Veränderung den 54 sten Theil von 27 Zollen ausmacht.

Weil sich aber durch die Sättigung mit Feuchtigkeit (wobey 751 Gran trokne Luft 10 Gran Wasser auflösen) auch zugleich die Dichte ändert, und zwar hier in gleichem Verhältniße mit der Masse, weil in verschloßnen Gefäßen das Volumen immer dasselbe bleibt, so ergeben sich hieraus folgende Verhältniße für eine gieich warme Luftmasse: trokne Luftfeuchte Luftabsolute Elast. A751- -751+(751/54)=751+14=765Dichte D751- -751+10=761specisische El. E=A/D1- -(765/761) daß also die specifische Federkraft der Luft beym Uebergange von der völligen Trockenheit zur völligen Nasse um (4/761) oder (1/190) verstärkt wird. In freyer Luft wird sich also, bey ungeänderter Barometerhöhe und Wärme, des Volumen der Luft, wenn sie feucht wird, um eben soviel ausdehnen. Im Durchschnitt wäre dies (1/19000) für jeden Grad des Saussürischen Hygrometers. Es kömmt aber nicht aufjeden Grad gleich viel. Auch ändern sich die Grössen dieser Ausdehnung für andere Barometerhöhen und Temperaturen. Herr de Saussüre hat zwar über dies alles die Resultate seiner Versuche in Tabellen gebracht; er erinnert aber selbst, daß man sie für nichts mehr, als die erste Anlage zu fernern Untersuchungen zu halten habe.

Endlich ändert sich auch die Federkraft der Luft durch die chymische Mischung derselben. Die Atmosphäre ist ein Gemisch mehrerer luftförmigen Stoffe, vornemlich dephlogistisirter, phlogistisirter und fixer Luft, s. Gas, atmosphärisches. Alle diese Stoffe haben verschiedene specifische Schweren, d. h. bey gleichem Drucke verschiedene Dichten, mithin auch sehr verschiedene specifische Elasticitäten; also muß ihre Verbindung in abwechselnden Verhältnißen vielfältige Aenderungen in der Federkraft dtr Luft veranlassen. Hierauf hat Bouguer zuerst ausmerksam gemacht; die besten Bemerkungen darüber sind die von Herrn Kramp (Anhang zur Gesch. der Aerostatik, Straßburg, 1786. gr. 8.)

Boyle, Hales und Desaguliers glaubten, die Federkraft der Luft werde durch verschiedene Mittel, z. B. durch angezündeten Schwefel, Steinkohlen, Zunder, durch eine Lichtflamme u. s. w. geschwächt. Man weiß aber jezt, daß dieses bey allen Verbrennungen in eingeschloßner Luft vorkommende Phänomen, nicht Schwächung der Federkraft, sondern wahre Verminderung der Masse ist, wobey die specifische Schwere vermindert, mithin die specifische Federkraft sogar vergrössert wird, s. Gas, phlogistisirtes. Dichte und Gewicht der Luft an der Erdfläche.

Das Manometer giebt nur Verhältniße verschiedener Dichtigkeiten der Luft an. Um diese mit der Dichte anderer Körper zu vergleichen, muß man wenigstens eine derselben, welche bey einer bestimmten Barometerhöhe, Wärme rc. statt findet, mit der Dichte des Wassers oder Quecksilbers zusammenhalten. Das natürlichste Mittel dazu schien dieses zu seyn, daß man ein bestimmtes Volumen Luft abwöge, und sein Gewicht mit dem Gewichte eines gleichen Volumens Wasser vergliche, s. Schwere, specifische.

Galilei, der die Schwere der Luft schon kannte, beweiset dieselbe in seinen Dialogen (Discorsi intorno a due nuove scienze. 1638 Giornata 1.) unter andern daraus, weil eine hohle Kugel schwerer wird, wenn man mehr Luft in sie hineinpresset. Er hatte den Versuch mit Hülfe einer Spritze wirklich zu Stande gebracht, und meldet, er habe die Luft 400mal leichter, als eben soviel Wasser, gefunden: er hat aber ohne Zweifel noch nicht die richtigen Gründe einer solchen Berechnung gekannt.

Der P. Mersenne bediente sich einer Aeolipile, s. Windkugel, die er zuerst mit der Luft darinn abwog, dann aber auf Kohlen legte, die Luft durch die Hitze heraus rieb, und hierauf die Kugel leichter sand. Daraus berechnete er, die Luft sey 1346mal leichter, als Wasser. Weil aber die Hitze nie alle Luft heraustreibt, so giebt diese Methode das Gewicht derselben viel zu gering an. Boyle (Exp. physico-mech. de vi äeris elastica) wiederholte den Versuch mit mehr Vorsicht, und fand die Luft nur 938mal leichter.

Riccioli (Almag. nov. L.II. c. 5.) verfuhr noch fehlerhafter. Er wog eine leere Ochsenblase, bließ sie dann mit Luft auf, und fand sie um 2 Gran schwerer. Hieraus schloß er, die Luft in der Blase habe 2 Grangewogen, und sey 10000mal leichter, als Wasser, gewesen. Es kan aber die aufgeblasene Blase nicht mehr wiegen, als die leere, wie Jacob Bernoulli (Act. Erud. Lips. 1085. p. 436.) sehr richtig zeigt. Sie nimmt nemlich aufgeblasen mehr Raum ein, treibt also mehr äussere Luft aus der Stelle, und verliert dadurch gerade soviel mehr von ihrem Gewichte, als die hineingeblasene Luft wiegt, s. Gewicht (Th. II. S. 493.). Daß sie bey Riccioli 2 Gran mehr wog, kam vermuthlich nur daher, weil er beym Einblasen und Zubinden die innere Luft etwas mehr zusammengedrückt hatte. Diese 2 Gran waren also nur das Gewicht des geringen mit Gewalt hineingepreßten Ueberschußes. Boyle (Paradoxa hydrost. in prolegom.) führt dieses falsche Verfahren auch an, und setzt nach selbigem die Luft 7500mal leichter, als Wasser.

Soll der Versuch richtig ausfallen, so muß man feste unbiegsame Gefäße, welche beständig einerley Raum einnehmen, dazu gebrauchen. Am besten schicken sich kupferne hohle Kugeln mit einem Hahne, die man auf das Saugrohr der Luftpumpe schrauben kan. Eine solche Kugel wiegt man vorher ab, zieht alsdann die Luft so genau, als möglich, aus, verschließt den Hahn, und wiegt die luftleere Kugel wieder. Der Unterschied des Gewichts vom vorigen wird dem Gewichte der Luft, die in ihr Raum hat, sehr nahe kommen. Freylich kan man nicht alle Luft aus der Kugel ziehen; aber eine gute Luftpumpe wird immer soviel leisten, daß der zurückbleibende Theil unbeträchtlich wird.

So hat Wolf (Nützl. Versuche 1 Theil §. 86.) den Versuch angestellt. Seine Kugel hatte 132 rheinl. Decimallinien im Durchmesser, hielt also im körperlichen Raume 1203708 Cubiklinien. Luftleer wog sie 704 Gran weniger, als sonst. Also wiegen 1000000 Cubiklinien oder 1 rheinisch. Cubikschuh Luft (704000000/1203708) d. i. beynahe 585 Gran. Ein Cubikschuh Wasser wiegt nach Wolfs Angabe 495000 Gran; und so giebt dieser Versuch die Luft (495000/585) oder fast 846 mal leichter als das Wasser.

Durch ähnliche Versuche fanden Burkard de Volder (Quaest. acad. de aëris grauitate, §. 52.) die Luft 970 mal, Homberg (Mém. de Paris, 1693.) 800 mal, Hawksbee 885 mal leichter, als Wasser. Halley nahm sie 800 — 860 mal leichter an, und Musschenbrock (Introd. ad philos. nat. To. II. §. 2059.) setzt die Grenzen 606 bis 1000 mal. s'Gravesande (Phys. Elem. math. L. IV. c. 5. §. 2164.) bediente sich einer von Jacob Bernoulli vorgeschlagnen Methode; das luftleere Gefäß im Wasser zu wägen, und findet dadurch die specifischen Schweren des Wassers und der Luft, wie 798 zu 1.

Wenn solche Versuche etwas bestimmtes lehren sollen, so muß dabey wenigstens Barometerstand und Wärme (eigentlich auch Feuchtigkeit und Reinigkeit der Luft) angegeben, und auf die Verschiedenheit des Wassers Rücksicht genommen werden. Das haben aber die genannten Naturforscher gar nicht beobachtet, daher man auch keinen genauen Gebrauch von ihren Resultaten machen kan. Inzwischen läßt sich im Durchschnitte, für eine mittlere Barometerhöhe (27 1/2 par. Zoll) und bey einer mittlern Temperatur (10° Reaum.) die Luft etwa 800 mal leichter, als Wasser annehmen. So ist, des Wassers Dichte = 1 gesetzt, die Dichte dieser Luft =(1/800) oder = 0,00125.

Die barometrischen Höhenmessungen zeigen einen andern Weg, die Dichte der Luft zu bestimmen. Man findet bey dem Worte: Höhenmessung (Th. II. S. 618.) erwiesen, daß die Subtangente oder das c der dort gefundenen allgemeirien Formel, durch die Barometerhöhe f dividirt, anzeige, wievielmal das Quecksilber schwerer ist als die Luft bey dieser Barometerhöhe. Könnte man nun unter den (S. 632.) angegebnen Werthen von c einen als zuverläßig ansehen, so wäre daraus die Dichte der Luft für jede Barometerhöhe leicht zu finden, und dem Grade der Wärme gemäß zu berichtigen.

Nach Lambert, Mayer und de Lüc ist c=4342 Toisen, wenn nach letzterm die Temperatur + 16 3/4 Grad nach Reaumür ist. Dies gäbe für die Barometerhöhe 27 1/2 Zoll c/f=(4342.6.12/27,5)=11368 also die Luft 11368 mal leichter, als Quecksilber, oder (die Dichten von Quecksilber und Wasser, wie 14:1 gesetzt) 816 mal leichter, als Wasser. Für jeden Grad Aenderung der Wärme ändert sich diese Zahl um (1/215), d. i. um 3,8. Für 10 Grad Temperatur wird sie also 816—6 3/4.3,8 =791, welches dem oben angegebenen Mittel 800 sehr nahe kömmt.

Setzt man nun das Gewicht des rheinländischen Cubikschuhs Wasser 64 1/2 Pfund, des pariser Eubikschuhs 72 Pf. s. Wasser, so findet sich das absolute Gewicht des rheinl. Cubikschuhs Luft=(64,5.7680/800)=619Gran,des pariser———=(72.7680/800)=691— oder 2 7/8 Loth. Hr. D. Gren (Grundriß der Naturlehre, Halle, 1788. 8. §. 620.) setzt aus eignen Versuchen das Gewicht eines rheinländischen Cubikschuhs Luft, welche nicht sehr feucht ist und die Temperatur 65° Fahrenh. hat, bey der Barometerhöhe 27 Zoll 8 Lin., auf 615,083 Gran Medicinalgewicht. Luft in den Körpern. Luftgestalt der Materie.

Einige Körper, z. B. Glas, Metall, nasses Leder, sind für die Luft undurchdringlich, andere nicht. Diese Verschiedenheit hängt nicht bloß von der Größe der Zwischenräume ab, sondern kömmt auch auf Verwandschaft und Anhängen der Luft an. Man darf also nicht mit Nollet schließen, die Luft habe gröbere Theile, als das Wasser, weil sie nicht durch nasses Leder geht.

An viele Körper hängt sich die Luft stark und häufig, und kan nur mit großer Schwierigkeit aus ihren Zwischenräumen gebracht werden. So ist das Holz gewöhnlich voll Luft. Auch in flüßigen Körpern, z. B. Wasser, Bier, Milch, Seifenwasser, hält sie sich in großer Menge auf, und steigt aus denselben, wenn man sie erwärmt, oder unter die Glocke der Luftpumpe bringt, in Blasen in die Höhe. Legt man Holz mit einer daran gebundnen Bleykugel unter Wasser, und pumpt die Luft darüber hinweg, so steigen diese Blasen in noch größerer Menge auf, und das Holz sinkt nach Anstellung dieses Versuchs im Wasser unter — ein Zeichen, daß es bloß wegen der Menge seiner mit Luft angefüllten Zwischenräume auf dem Wasser schwimmt. Selbst im Quecksilber hält sich Luft auf, und es kostet Mühe, sie herauszutreiben, s. Barometer. Auch nehmen Körper, welche von der Luft befreyt worden sind, dergleichen wieder in sich, wenn sie ihr eine Zeitlang ausgesetzt werden.

Ausser dieser Luft in den Zwischenräumen der Körper (aër porositatis) nahm man sonst noch eine zu ihren Bestandtheilen selbst gehörige und mit ihnen gleichsam verkörperte Luft (aër mixtionis) an. Man sahe nemlich aus den meisten Körpern, wenn sie durch Säuren, Feuer u. dgl. zersetzt wurden, einen luftförmigen Stof hervorgehen, der oft einen viele hundertmal größern Raum einnahm, als der zersetzte Körper selbst. Eben darinn besteht das bey Auflösungen so gewöhnliche Auf brausen. Boyle, Hales u. a. glaubten, dieser Stof sey wesentlich luftartig, und mache, als ein solcher, einen Bestandtheil der Körper aus. Sie nannten ihn künstliche oder figirte, feste Luft (aër factitius, fixus), und als neuere Untersuchungen lehrten, daß es mehrere und sehr wesentlich unterschiedene Stoffe dieser Art gebe (s. Gas), so glaubten die meisten Physiker, diese Luftgattungen wären als ursprünglich luftartige Stoffe in der Mischung der Körper äußerst eng zusammengepreßt oder eingekerkert, woher denn auch die gewöhnlichen Ausdrücke des Entbindens oder Entwickelns der Gasarten entsprungen sind.

Nun ist es zwar unleugbar, daß eben die Materie, welche nach der Entwickelung den luftförmigen Stof ausmacht, vorher in der Mischung des Körpers enthalten war. So wird niemand zweifeln, daß die durch Vitriolsäure aus der Kreide getriebne Luftsäure zuvor einen Bestandtheil der Kreide selbst ausgemacht habe. Allein man muß sich hiebey nicht vorstellen, daß sie im festen Körper schon Luft gewesen, und nur durch Einsperrung oder Cohäsion verhindert worden sey, ihre Elasticität zu zeigen; welchen falschen Begrif dennoch viele Schriftsteller mit den Worten: verkörperte, eingekerkerte Luft (aër incorporatus, incarceratus) verbinden. Eine solche Einkerkerung elastischer Luft würde die schrecklichsten Erplosionen veranlassen, die auch in der That ersolgen, wenn sich plötzlich erzeugte Gasarten nicht sogleich genugsam ausbreiten können, s. Knallpulver, Schießpulver.

Vielmehr ist die Materie, so lang sie sich in der Mischung des zersetzten Körpers befindet, noch nicht Luft, und ihr Uebergang in eine Luftart macht eine eigne Veränderung ihrer Form oder ihres Zustands aus. So wie Festigkeit und Flüßigkeit, wie Dampfgestalt und Tropfbarkeit, verschiedene Zustände sind, in welchen sich eine und eben dielelbe Substanz zeigen kan, so ist auch Lufrgestalt oder permanent- elastische Form ein bloßer Zustand der Materie, welchen dieselbe annehmen oder verlassen kan, ohne daß sich ihre Substanz ändert. So ist es vielleicht ein und ebenderselbe Stof, der in fester Gestalt Eis, in trepfbarer Wasser, in Dampfgestalt Wasserdampf, in Luftgestalt dephlogistisirte Luft genannt wird.

Man findet also in der Mischung der Körper nicht Luft (aërem mixtionis), sondern Stoffe, welche durch gewisse Bearbeitungen die Luftgestalt annehmen. Einige dieser Stoffe kennt man freylich bloß unter dem Namen der Luft. Man wird mich daher nicht falsch verstehen, wenn ich hin und wieder sage, man finde im Salpeter dephlogistisirte, in den Mineralwassern sixe, in vielen Körpern brennbare Luft u. f. w.

Da die Uebergänge aus Festigkeit in Flüßigkeit, und aus Tropfbarkeit in Dampfgestalt, durchs Feuer oder durch den Stof der Wärme bewirkt werden, s. Flüßig, Dämpfe, so ist es wahrscheinlich, daß eben dieses Feuer den Substanzen, durch eine noch innigere Verbindung mit denselben, auch die Luftgestalt gebe. Wenigstens ist dies fast die allgemeine Meinung der besten neuern Naturforscher, s. Elasticität (dieses Wörterb. Th. I. S. 705.) Gas (Th. II. S. 350. u. f.). Vermehrung der Wärme verstärkt die specifische Federkrast. Das wesentliche Kennzeichen der Gasgrten, daß sie durch die Kälte nicht tropfbar werden, zeigt eine innige Vereinigung mit dem Stof der Wärme an. Bey den Versuchen mit den Luftgattungen zeigt sich deutlich, daß bey jedem Uebergange in den luftförmigen Zustand Wärme gebunden, und bey jeder Verwandlung einer Gasart in einen festen, tropfbaren oder dampfähnlichen Körper Wärme frey werde. Dies macht es sehr glaublich, daß die Luftgestalt blos als ein eigner von inniger Verbindung mit dem Feuer herrührender Zustand der Materie zu betrachten sey.

Kästners Aerometrie in den Anfangsgr. der angew. Mathem. II Th. 1. Abth. Gött. 1780. 8.

Karstens Lehrbegrif der gesammt. Math. III Theil, Uerostatik, VI Th. Pneumatik.

Wolfs nützl. Versuche zur Erkenntniß der Natur und Kunst. I Theil. Halle, 1721. 8. Cap. V.

Errlebens Aufangsgr. der Naturl. 4te Aufl. Gött. 1787. 8. §. 202. und f.

F. U. C. Grens Grundriß der Naturlehre. Halle, 1788. 8. §. 579. und f.

Luft, fixe, feste, s. Gas, Gas, mephitisches.

Luftarten, s. Gas.

Luftball, s. Aerostat.

Luftbegebenheiten, s. Meteore.