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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Kieselerde |
Eine eigne von den übrigen wesentlich verschiedene Erde, welche von keiner Säure, ausser der des Flußspaths, aufgelöset wird, mit derselben beym Anschießen den Bergkrystall giebt, von den ätzenden fixen Laugensalzen auf dem nassen Wege angegriffen wird, auf dem trocknen mit ihnen Glas giebt, rein hingegen dem Feuer ausserordentlich widerstehet.
Die reine Kieselerde ist im Wasser unauflöslich, und kan nur fein zertheilt unsichtbarer Weise darinn schweben. Sie erregt auch ganz und gar keinen Geschmack auf der Zunge. Für sich allein kan sie weder durch unser Küchenfeuer, noch durch die Hitze des Brennpunkts geschmolzen werden, und führt also den Namen der verglaslichen Erde nicht ganz schicklich. Man hielt sonst die fixen Laugensalze für die einzigen Auflösungsmittel derselben; neuere Entdeckungen aber haben gelehrt, daß die Flußspathsäure ebenfalls zu denselben gehöre, s. Flußspathsäure. Beym Zusammenschmelzen der Kieselerde mit den Laugensalzen entsteht ein starkes Aufschwellen und Aufbrausen, wobey eine Menge Luftsäure entbunden wird.
Wenn man reine kieselartige Steine mit vier Theilen Weinsteinsalz, oder auch gutes weisses Glas mit drey Theilen desselben schmelzet, so erhält man eine durchsichtige, alkalisch schmeckende Masse, welche an der Luft zerfließt, und dadurch die Kieselfeuchtigkeit (liquor silicum) giebt. Das Laugensalz läst hiebey die Luftsäure fahren, welche seine Vereinigung mit der Kieselerde hinderte, und wird das Zwischenmittel der Verbindung des Wassers mit der Kieselerde. Aus der Kieselfeuchtigkeit schlägt jede Säure die Erde wiederum nieder, und man bedient sich dieses Mittels, die Kieselerde so rein zu erhalten, als die Natur sie nie liefert, indem man Vitriolsäure im Uebermaaße zusetzt, in welcher sich die beygemischten fremden Erden auflösen. Bergmann (De terra silicea in Opusc. Vol. II.) giebt die specifische Schwere dieser getrockneten reinen Kieselerde 1,975 an.
Da die Kieselerde die Eigenschaften, welche die Erden vornehmlich auszeichnen, als Härte, Schwere, Unschmelzbarkeit, Feuerbeständigkeit rc. in vorzüglich hohem Grade besitzt, so ist sie von einigen Chymikern, welche Elemente anzunehmen geneigt sind, z. B. von Macquer, als die einfachste und elementarische Erde betrachtet worden, aus welcher die Natur erst in der Folge durch Organisation in thierischen Körpern und Pflanzen, und durch andere Bearbeitungen, die übrigen Erden hervorgebracht habe. Es ist aber überhaupt mißlich, von Elementen zu sprechen, und überdies kan man durch keinen Versuch zeigen, wie sich Kieselerde in Thon- oder Kalkerde verwandlen könne. Was man dafür hat anführen wollen, daß der aus der Kieselfeuchtigkeit bereitete Niederschlag einen Antheil von Alaunerde gebe, das kam nach Bergmann (Physik. Erdbeschr. Th. II. S. 258.) und Leonhardi (Anm. zum Macquer, Art. Erde, verglasliche) von der Thonerde her, die das Vitriolöl aus den irdenen Gefäßen aufgelöset hatte, und fiel weg, wenn man eiserne Gefäße gebrauchte.
In der Natur findet sich diese Erde am reinsten im Bergkrystall, welchen Bergmann durchs Anschießen einer Auflösung der Kieselerde in Flußspathsäure erhalten hat, s. Flußspathsäure. Die übrigen Erden, welche sich in allen Säuren auflösen, werden im Gegensatz mit der Kieselerde absorbirende, säurebrechende, auch alkalische Erden genannt.
Gren system. Handbuch der Chemie, Th. I. S. 386. u. f.