Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Hydraulik
Hydraulik, Hydraulica, Hydraulique.

Die Lehre von der Bewegung flüßiger Materien, und insbesondere des Wassers. Die Gesetze der Bewegung sind bey den flüßigen Körpern weit schwerer, als bey den festen, zu entdecken, weil die Theile flüßiger Körper sich bey der Bewegung trennen, und verschiedene Geschwindigkeiten erlangen, daher die Bewegung an jeder Stelle besonders betrachtet werden muß. Hiezu sind Anwendungen der höhern Mathematik nothwendig, deren Kenntniß nicht bey jedem vorausgesetzt werden kan. Man hat also um derer willen, die diese Kenntniße entbehren, und doch etwas von den praktischen Mitteln, Wasser in Bewegung zu setzen, wissen wollen, die gemeine Hydraulik von der höhern oder der Hydrodynamik unterschieden. In der gemeinen Hydraulik begnügt man sich, Werkzeuge zu beschreiben, womit das Wasser theils zum wirklichen Nutzen in der Oekonomie, dem Bergbaue, verschiedenen Künsten u. s. w., theils auch zum Vergnügen, gehoben und bewegt werden kan. Man ist aber ohne Beyhülfe der höhern Mathematik nicht einmal im Stande, die Wirkungen dieser Werkzeuge gehörig zu berechnen; ein gründliches Studium der Hydraulik muß daher stets mit Anwendungen der höhern Mathematik oder mit Hydrodynamik begleitet werden.

Die Hydraulik ist ferner von der Hydrotechnik oder Wasserbaukunst unterschieden, welche letztere eigentlich einen Theil der Baukunst ausmacht, und von der Lenkung und Schifbarmachung der Ströme, Anlegung der Häfen, den Wasserleitungen, Deich- und Schleussenbau, Brückenbau u. s. w. handelt.

Bey den Alten waren schon verschiedene noch jetzt gebräuchliche Maschinen zu Erhebung des Wassers bekannt. Vitruv (De architectura L. X. c. 12.) eignet die Erfindung der Wasserschraube dem Archimedes, und die des Druckwerks mit doppeltem Stiefel, s. Druckwerk, dem Ctesibius von Alexandrien zu. Heron zu Alexandrien, des Ctesibius Schüler, hat in einem besondern Buche (πνευματικω̄ν s. Spiritalium liber ed. a Commandino, Paris. 1575. 4.) eine Menge hydraulischer Maschinen und besonders artiger Springbrunnen gesammlet, und aus der Vermeidung des leeren Raumes erklärt. Sie beruhen meistens auf dem Drucke und den übrigen Eigenschaften der Luft, s. Heber, Springbrunnen.

Der P. Schott (Mechanica hydraulico- pnevmatica, Herbip 1657. 4.) und Böckler (Architectura curiosa, oder Bau- und Wasserkunst, Nürnberg, 1704. fol.) beschreiben eine große Anzahl Erfindungen von Springbrunnen und andern Wassermaschinen, jedoch ohne davon eine gründliche Theorie zu liefern. Die beste praktische Sammlung der meisten Wassermaschinen ist die von Leupold (Theatrum machinarum hydraulicarum, Tomi II. Leipzig, 1724 und 1725. fol.), deren Verfasser sich zwar, soviel bey ihm stand, guter Gründe beflissen, dennoch aber seine Theorie viel zu mangelhaft gelassen hat, so schätzbar übrigens sein Unterricht in Absicht des praktischen ist.

Die Theorie der hydraulischen Maschinen hat zuerst Mariotte (Traité du mouvement des eaux. Paris, 1686. 8. Mariotte's Grundlehren der Hydrostatik und Hydraulik, a. d. frz. von D. Meinig, Leipzig, 1723. 8.) zu verbessern angefangen. Nachdem sie schon durch mehrere hydrodynamische Untersuchungen und Erfindungen bereichert war, erschien das schätzbare Werk des Belidor (Architecture hydraulique Paris, 1737. IV. Vol. gr. 4. Architectura hydraulica von Belidor, mit Wolfs Vorrede, Augsburg, 1740—1769. 4 Bände. kl. Fol.) wo man Theorie und Praxis sehr glücklich vereiniget findet. Dieses Buch begreift ausser der eigentlichen Hydraulik auch die Mühlen und andere Maschinen, welche durch Wasser bewegt werden und die Wasserbaukunst. Die neusten Erweiterungen der Hydrodynamik haben noch einzelne Anwendungen auf besondere Gattungen hydraulischer Maschinen veranlasset, welche an den gehörigen Orten angeführt werden, s. Druckwerk, Pumpen, Wasserschraube, Springbrunnen. Eine kurze Uebersicht dessen, was zur Hydraulik gehört, mit einem Verzeichniße der vornehmsten Schriften findet man beym Eberhard (Neue Beyträge zur Mathesi applicata, Halle, 1773. 8.).