Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Himmel.
Himmel.

Zusatz zu Th. II. S. 593.

Auch Hr. von Saussure (Journal de physique. Mars. 1791) leitet die blaue Farbe des Himmels von den reflectirten Stralen her. In sofern die Luft durchsichtig ist, färbt sie nach ihm die Gegenstände nicht; denn die Schneeberge, von der Sonne erleuchtet, sehen nicht blau, sondern rosenfarb oder weißlich aus, wenn man sie gleich durch eine Masse Luft von 20—30 Meilen hindurch betrachtet. Dieses ist die Farbe der Dünste, durch welche die Sonnenstralen auf sie fallen. Ließe die Luft die blauen Stralen mehr, als andere, durch, so müßten die Gletscher in solchen Distanzen stets blau erscheinen. Aber Berge von dunkler, besonders grüner, Farbe senden überhaupt nicht viel Licht ins Auge, zumal wenn sie wenig erhellt sind; in diesem Falle werden die blauen Stralen, welche die vorliegende Luft reflectirt, von keinem Ueberschuße anders gefärbter Stralen überwogen, und jene Berge, durch diese Luft angesehen, erscheinen blau, desto dunkler, je weiter sie sind. Dieses kann zur Erklärung dessen dienen, was im Wörterbuche hierüber angeführt ist.

Wäre die Luft vollkommen durchsichtig, ohne Farbe und ganz frey von undurchsichtigen gefärbten Dünsten, so müßte der Himmel durchaus schwarz erscheinen. Je reiner daher die Luft ist, desto dunkler erscheint ihre Farbe; nur die Dünste, und zwar die unaufgelößten, reflectiren verschiedene Farben, und diese mit dem natürlichen Blau der Luft vermischt bringen die verschiedenen Nuancen der Farbe des Himmels hervor. Am Horizonte ist sein Blau blässer, als am Zenith; und das Verhältniß dieser Nuancen drückt eine Function des Verhältnißes aus, das zwischen den Mengen der Dünste an beyden Stellen statt findet. Diese Betrachtung leitete Hrn. de Saussure auf die Idee, die Menge der concreten Dünste durch den Grad der blauen Farbe des Himmels zu bestimmen, und zu dieser Absicht einen eignen Apparat vorzurichten, s. Kyanometer (unten in diesem Bande).

Um eine Probe hiemit zu machen, bereitete Herr de Saussure zween Liquoren, einen blauen von gesättigter Kupferauflösung im flüchtigen Alkali, und einen (der die in der Luft schwebenden undurchsichtigen Dünste vorstellen sollte) aus 2 Unzen Alaun in 12 Unzen Wasser aufgelößt und durch 1 Unze flüchtiges Alkali in 6 Unzen Wasser niedergeschlagen. Der blaue Liquor ward in einer viereckigten Flasche von sehr durchsichtigem Krystallglase, die von allen Seiten, ausgenommen an der Vorderfläche, mit schwarzem Papier umgeben war, mit dem Kyanometer von 52 Numern verglichen, und stimmte mit Num. 48 oder 49 überein; der reine weiße Liquor entsprach, eben so behandlet, der Null; das Gemisch von gleichen Theilen beyder Liquoren der Num. 23 oder 24; ein Gemisch von 3 Theilen Blau und 1 Theil Weiß kam mit 34 oder 35; und endlich eines von 3 Theilen Weiß und 1 Theil Blau mit 12 überein. Es scheint demnach, daß man aus der Numer, die das Kyanometer für die Farbe angiebt, ziemlich sicher auf die Menge der undurchsichtigen Beymischungen schließen kann.

Im Jahre 1788 beobachteten Hr. de Saussure und sein Sohn den Himmel auf dem Col du Geant, 1763 Toifen über der Meeresfläche, während die Herren Senebier und Pictet in Genf, und Hr. l'Eveque in Chamouny, gleichzeitige Beobachtungen anstellten. Auf dem Berge war die Farbe des Himmels am Zenith früh um 4 Uhr zwischen |15 und 16, stieg bis 6 Uhr auf 27, bis 10 Uhr auf 31, erhielt sich auf diesem Maximum bis 2 Uhr, nahm bis 4 Uhr auf 24, bis 6 Uhr auf 18 1/2, bis 8 Uhr auf 5 1/2 ab. Zu Chamouny war die Farbe früh um 4 Uhr 14 1/2, und stieg langsam bis 11 Uhr auf 18—19. So erhielt sie sich den Nachmittag bis 6 Uhr, und nahm bis 8 Uhr auf 16 ab. Zu Genf stieg sie früh von 6 bis 8 Uhr von 15 bis 21, erreichte um 10 Uhr das Maximum bey 22 1/2, und fiel von 4 bis 6 Uhr von 20 auf 16.

Man wird bey diesen Beobachtungen mehr Uebereinstimmung zwischen dem Geant und Genf, als zwischen dem Geant und Chamouni bemerken. Das dunkelste Blau des Himmels war auf dem Berge 37, zu Chamouni 24, und zu Genf 26 1/2. Hiedurch bestätigt sich, daß es mehr Dünste am Zenith eines Thals, als am Zenith einer Ebne giebt, weil sie sich dort nicht blos vom Boden des Thals, sondern auch von den Seiten der umgebenden Berge erheben.

Im Jahre 1787 hatte Hr. de Saussure den Montblanc bestiegen, und daselbst den Himmel von einer Farbe gefunden, welche mit Num. 39 des Kyanometers übereinstimmte. Dieser düstre Teint kömmt von einer ausserordentlichen Dünne und Durchsichtigkeit der Luft her, welche nicht verstattet, viel Stralen zu reflectiren, so daß man gleichsam die Schwärze der leeren Himmelräume durchscheinen sieht; die wahre Farbe der Luft schätzt Hr. de S. um 34, welches Blau sehr lebhaft, rein und ohne Beymischung von Schwarz ist.

Am Horizonte fand man die Farbe stets sehr blaß, um den Mittag noch am dunkelsten. Auf dem Geant stieg sie von 4 Uhr früh bis Mittags von 4 1/2 auf 11 1/2, und nahm Abends so ab, daß man um 8 Uhr gar keinen blauen Teint mehr wahrnehmen konnte, sondern der Himmel ganz roth oder gelblich schien. Zu Chamouni waren die Veränderungen weit unbeträchtlicher, indem die Farbe von früh 4 Uhr bis Mittag von 5 1/2 auf 9 stieg, und bis Abends 8 Uhr wieder auf 5 abnahm. Man kann aber zu Chamouni den eigentlichen Horizont nicht sehen, weil die Berge 4—5 Grad davon bedecken, dagegen man auf den Geant tiefer in die Region der Dünste hinabsieht.

Die Abstufungen vom Horizont bis zum Zenith lassen sich aus folgender Tabelle übersehen. HöhenFarbenGeantGeantGenf15 Jul.17 Jul.21 Apr. 17900 Gr.11- -—-410-20- -18-920-31- -20-1330-34- -29-15 1/240-37- -32-17 1/250-37- -33-1960—9037- -34-20

Auf dem Berge sind diese Progressionen sehr unregelmäßig, weil in einem so abwechselnden Lande, als das um den Col du Geant, die Vertheilung der Dünste nicht anders, als sehr ungleichsörmig, seyn kann, dagegen sich in der gleichförmigen Pläne um Genf weit mehr Regelmäßigkeit zeigt.

Euler (Briefe über verschiedene Gegenstände aus der Naturlehre, a. d. frz. aufs neue übers. von Kries. I Band, Leipzig, 1792. gr. 8. 33ster Brief. S. 177 u. f.) leitet die blaue Farbe des Himmels davon her, daß die kleinsten Theilchen der Luft von Natur bläulich sind. Nimmt man an, diese Farbe der Lufttheilchen entstehe von den Stralen, die sie zurückwerfen, nicht von denen, die sie durchlassen, so stimmt diese Erklärung mit der Saussurischen überein. Euler aber hat sich gerade über diesen Punkt nicht deutlich ausgedrückt.

Beschreibung eines Kyanometers von Hrn. von Saussure aus d. Journ. de phys. übers. in Grens Journal d. Phys. B. VI. S. 93 u. f.