Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Heliometer
Heliometer, Heliometrum, Héliometre.

Ein Werkzeug, das, an ein Fernrohr angebracht, dienen kan, den scheinbaren Durchmesser der Sonne (oder des Monds) zu messen, wozu die gewöhnlichen Mikrometer nicht bequem find.

Nach der ersten von Bouguer (Mém. de l' Acad. des sc. 1748.) bekannt gemachten Einrichtung besteht dieses Werkzeug aus einem astronomischen Fernrohre mit zweyen neben einander liegenden Objectivgläsern, welche zwey neben einander liegende Bilder des Gegenstandes machen. Diese Bilder werden beyde zugleich durch ein einziges Ocular betrachtet. Von den beyden Objectivgläsern ist das eine unbeweglich, das andere aber kan jenem mittelst einer Schraube genähert oder auch weiter davon entfernt werden, wodurch sich denn auch die beyden Bilder des Gegenstandes nähern, oder entfernen. Stellt man nun bey Betrachtung der Sonne die Objective so, daß beyde Sonnenbilder sich mit den Rändern berühren, so giebt alsdann die Entfernung der Mittelpunkte beyder Gläser den Durchmesser des Sonnenbilds an, welcher dem scheinbaren Durchmesser der Sonne selbst jederzeit proportional ist. Die Entfernung der Mittelpunkte beyder Gläser wird durch einen am beweglichen Objective angebrachten Zeiger, auf einem Maaßstabe angegeben, wobey die Schraube durch ihre Umdrehung an einer getheilten Scheibe die kleinern Theile beftimmt, deren Werth so wie der Werth, der größern Theile des Maaßstabs, wie beym Mikrometer, durch Erfahrung ausgemacht werden muß, s. Mikrometer. Hiebey ist es gut, große Objective zu haben, weil bey großen Bildern die Berührung der Ränder schärfer wahrgenommen werden kan. Um die Mittelpunkte in allen Fällen nahe genug an einander bringen zu können, wird von jedem Glase an der Seite, die es dem andern zukehrt, ein Theil abgeschnitten, daß also die Gläser die Gestalt der größern Segmente eines Kreises erhalten. So wird auch dieses Werkzeug von de la Lande (Astronomie, §. 2433. der zweyten Ausg.) beschrieben. Umständlicher handelt davon und von der Bestimmung des Werths der Theile am Maaßstabe, Herr Kästner (Astron. Abhandl. II Samml. S. 372 u. f.).

Savery hatte schon im Jahre 1743 der königlichen Societät zu London die Beschreibung eines ähnlichen Werkzeugs übergeben (Philos. Transact. 1753. Vol. XLVIII. P. I. no. 26.), um den Unterschied der Sonnendurchmesser in der Erdnähe und Erdferne zu messen, wenn gleich das Fernrohr so stark vergrößerte, daß man den ganzen Durchmesser nicht auf einmal sehen konnte. Hiebey bleiben beyde Objective unbeweglich; die Bilder stehen mit den Rändern von einander ab, und der veränderliche Abstand wird durch ein gewöhnliches im Brennpunkte angebrachtes Mikrometer gemessen. Savery hatte auch schon den Einfall, nicht zwey ganze Objectivgläser zu gebrauchen (weil man selten zwey von genau gleichen Brennweiten findet), sondern ein einziges in Stücken zu zerschneiden, und diese statt der ganzen anzuwenden.

Dollond (Philos. Trans. a. a. O. no. 27.) halbirt ein Objectivglas, und braucht beyde Helften so, wie Bouguer die ganzen Gläser. Hiebey kann man die Mittelpunkte C und c, Taf. XI. Fig. 69. so nahe man will, zusammenbringen, also ihre Abstände genauer bestimmen, auch kleinere Winkel, als bey der vorigen Einrichtung, messen. Die beyden Helften bewegt Dollond so an einander, wie die Figur zeigt, macht die eine unbeweglich, und mißt die Verschiebung der andern durch einen Maaßstab mit einem Vernier ab. Um die Länge des Fernrohrs abzukürzen, schlägt er vor, hinter die beyden halbirten Objective noch ein ganzes von kürzerer Brennweite zu setzen; oder noch lieber die halbirten Objective an der vordern Oefnung eines Spiegelteleskops anzubringen. Werkzeuge nach dem letztern Vorschlage eingerichtet, heissen Spiegelteleskope mit Objectivmikrometern. Sie werden häufig gebraucht, weil das Spiegelteleskop wegen der Kleinheit seines Bildes das gewöhnliche Mikrometer nicht wohl zuläßt. Beschreibungen davon findet man bey de la Lande (Astron. zweyte Ausg. §. 2438 u. f.) und in einer Disputation von Hallencreuz und Insulin (De micrometro objectivo, Upsala. 1767. 4.).

Das Heliometer kan überhaupt zu Messung kleiner Weiten am Himmel dienen. Lambert (Beyträge zum Gebrauch der Mathem. III Th. Berlin, 1772. 8. Num. VII. §. 25.) beschreibt ein wohlfeiles Werkzeug dieser Art, das er gebraucht hat, Abstände eines Kometen von Fixsternen zu messen.

Kästner Astronomische Abhandlungen, Zweyte Sammlung, Göttingen, 1774. 8. S. 372. u. f.