Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Hebel
Hebel, Vectis, Levier.

Wenn man sich an einer festen unbiegsamen Verbindung von Körpern drey Punkte gedenken kan, um deren einen, den Ruhepunkt, die ganze Verbindung sich drehen läßt, indem an den beyden andern Punkten zwo Kräfte einander entgegen wirken, so heißt diese Verbindung ein Hebel. Ein Beyspiel hievon giebt der Wagbalken, dessen Ruhepunkt in der Mitte liegt, indeß die Gewichte in beyden Wagschalen den Balken selbst nach entgegengesetzten Richtungen umzudrehen streben. Der Hebel ist die einfachste unter allen Maschinen, und seine Theorie liegt bey der Betrachtung aller übrigen zum Grunde.

Wenn man die Materie des Hebels nebst ihrem Gewichte bey Seite setzt, und sich die genannten drey Punkte blos durch mathematische Linien verbunden denkt, so heißt diese Verbindung ein mathematischer, und wenn alle drey Punkte in einer geraden Linie liegen, ein geradlinigter mathematischer Hebel, wie ACB Taf. X. Fig. 51., CAB Fig. 52. und CBA Fig. 53. Der Ruhepunkt C heißt auch der Bewegungs- oder Umdrehungspunkt (centrum motus, point d'appui), und das, worauf der Hebel in C liegt, die Unterlage (hypomochlium). In manchen Fällen, wie bey Fig. 52. wird es eine Ueberlage; oder es ist eigentlich als ein Zapfen anzusehen, um den sich der Hebel dreht, ohne auf- und abwärts weichen zu können.

Liegt der Ruhepunkt C zwischen den beyden andern Punkten A und B, an welchen die Kräfte angebracht sind, wie bey Fig. 51., so heißt dies ein Hebel der ersten Art, ein doppelarmichter oder zweyseitiger Hebel (vectis heterodromus), bey dessen Bewegung die Kräfte nach verschiedenen Seiten gehen, z. B. D fällt, wenn E steigt. Befindet sich aber der Ruhepunkt C an einem Ende wie Fig. 52. und 53., so ist es ein Hebel der andern Art, ein einarmichter, einseitiger Hebel (vectis homodromus), bey dessen Bewegung beyde Kräfte nach einerley Seite gehen. Hier ist nemlich in A eine aufwärts ziehende Kraft D angebracht, welche zugleich mit E|steigen und sinken muß.

Unnöthiger Weise nehmen einige, z. B. Wolf, noch einen Hebel der dritten Art, oder Wurfhebel an. Sie unterscheiden nemlich die Kraft von der Last, geben blos dem Falle Fig. 53., wo die Last in der Mitte ist, den Namen der zweyten Art, und führen Fig. 52., wo sich die Kraft in der Mitte befindet, als die dritte Art, auf. Es ist aber diese Abtheilung ganz überflüßig, weil Kraft und Last blos bey der Ausübung unterschieden, in der Theorie aber zusammen als zwo entgegengesetzte Kräfte betrachtet werden müssen.

Gesetz des Gleichgewichts der Kräfte am Hebel.