Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Hagel.
Hagel.

Zusatz zu Th. II. S. 553—555.

Den Zusammenhang der Elektricität mit der Entstehung des Hagels bestätigen noch folgende Beobachtungen. Herr Lichtenberg (Anmerk. zu Erxlebens Naturl. §. 736) führt aus einem Briefe des Hrn. Past. Häcker zu Peringersdorf bey Nürnberg an, am 13 Jan. 1791 habe es daselbst von Morgens 3 Uhr an geregnet, um 5 Uhr Abends aber angefangen zu hageln, und gleich darauf sey ein Blitz mit einem starken Schlage erfolgt. Dabey habe das Barometer ungewöhnlich tief, auf 26 pariser Zoll 2 Lin., das Thermometer auf + 4 nach Reaumur gestanden. Auch in Göttingen sahe man am 12 Jan. 1791 bey kleinkörnigem Hagel blitzen, und hörte entfernten Donner. Auch von den Graupeln merkt Senebier (Journal de phys. May. 1787) an, daß sie immer bey starker Luftelektricität fallen. Stephensen (Schilderung der gegenwärtigen Verfassung von Island. Altona, 1786) bemerkt, bey dem isländischen Erdbrande sey der Ausbruch des Vulkans allemal mit Hagel von der Dicke von Sperlingseyern begleitet gewesen.

Herr Seiferheld, Rathsadvocat in Schwäbischhall (Elektrischer Versuch, wodurch Wassertropfen in Hagelkörner verändert worden, sammt der Frage an die Naturforscher: Ist eine Hagelableitung ausführbar, und wie? Nürnberg, 1790. 8) fand Wassertropfen, die er auf den Conductor einer Elektrisirmaschine oder auf das Rohr an einer Ladungsflasche gesetzt hatte, augenblicklich zu Milcheis gefroren, sobald er den elektrischen Schlag durch sie gehen ließ, indeß andere Tropfen daneben, durch welche der Schlag nicht gegangen war, flüßig blieben. Die Temperatur des Zimmers war — 13° nach Reaumur; vielleicht war es also die erschütternde Bewegung, die das Gefrieren begünstigte, s. Eis, Th. I. S. 677 u. f.

Hr. S. glaubt, die Zersetzung elektrischer Materie binde Wärmestoff, und erzeuge dadurch Kälte, besonders in verdünnter oder durch Wärme ausgedehnter Luft. Er schlägt zu Ableitung des Hagels vor, an jedem Morgen Landes an beyden Enden 2 Stangen, eine von 3 und eine von 20 Fuß Höhe über der Erde zu errichten, und an jeder einen fein zugespitzten mit Pech überzognen Eisendrath anzubringen, der oben etliche Zolle hervorrage und unten 2 Fuß tief in die Erde gehe. Die kleinere Stange soll den aufsteigenden Dünsten ihre Elektricität rauben, und was dieser entgeht, soll die größere nachholen. Man müßte die ganze Erdfläche mit Stangen besetzen, und gesetzt es gelänge, der Atmosphäre alle Elektricität zu nehmen, was sollte wohl im Ganzen aus dem Gange der Witterung werden?

Hr. Lichtenberg meint, der Zusammenhang der Elektricität mit dem Hagel könnte dieser seyn, daß Elektricität Ausdünstung befördere, und Ausdünstung Kälte erzeuge. Nach Hrn. de Luc (Siebenter Brief an de la Metherie in Grens Journ. d. Phys. B. IV. S. 290) wissen wir nichts weiter, als daß in irgend einem Theile der Wolke (nicht in den höhern Regionen) eine Erkältung entstehen müsse, die einen Reif (gresil) bildet, der kalt genug ist, um das Wasser der Nebel, durch die er fällt, rings um sich her zum Gefrieren zu bringen. Man könnte annehmen, die Erkältung entstehe durch Entziehung des Feuers, das zur Bildung des elektrischen Fluidums verwendet wird; allein es hagelt auch oft ohne Gewitter, und blitzt ohne Hagel. Jedoch findet man nach Hrn. Lampadius Bemerkung den Hagel, und selbst die kleinsten Graupeln, nie ohne Elektricität.

Ueber die Grundgestalt der Hagelkörner oder der in freyer Luft gebildeten Eiskrystallen hat d'Antic (Journal de phys. Jul. 1788 s. auch Gothaisches Magazin VII. B. 1 St. S. 32 u. f.) eine schöne Beobachtung mitgetheilt. Rome de l'Isle hatte die Krystallisation des Wassers als ein gleichseitiges Octaeder, Hassenfratz als ein sechsseitiges Prisma angegeben. D'Antic fand am 13 Jul. 1788 bey einem starken Hagelwetter de l'Isle's Behauptung bestätiget. Die größten Hagelstücken hatten keilförmige hervorspringende Ecken über 6 Lin. lang, an denen man deutlich die Enden vierseitiger an ihren Seitenflächen verbundener Pyramiden erkannte. Hieraus ließ sich schließen, jedes Hagelstück sey eine Zusammenhäufung von Octaedern, die im Mittel mit ihren Spitzen zusammenlaufen. In den dichtesten Stücken ließen sich ganze Octaeder entdecken, das schönste darunter war 14 Lin. lang und 4 breit; der Winkel an der Spitze der Pyramide ward 35°, und der an der Vereinigung beyder Pyramiden 135° gefunden.

Die unförmliche Gestalt scheint also blos vom Zusammenfrieren mehrerer Krystallen und vom Zusammenschlagen herzurühren. Sonst leitete man sie vom plötzlichen Gefrieren ab, wobey die Theile nicht Zeit hätten, sich regelmäßig zu ordnen (s. Gren Grundriß der Naturl. §. 1168).