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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Hagel, Schloßen |
Der Hagel besteht aus gefrornen Wassertheilen, welche in Eisklumpen vereint aus der Atmosphäre niederfallen. Die Regentropfen nemlich können vielleicht nach ihrer Entstehung aus den höchsten Gegenden, welche man daher die Region des Hagels nennet, in niedrigere Gegenden des Luftkreises gelangen, welche vorzüglich kalt sind, wo sie sich in Eiskügelchen oder Kerne verwandeln. Beym weitern Fallen nehmen sie dann die feuchten Dünste, die ihnen begegnen, auf; diese frieren um den Kern herum an, und bilden die ihn umgebenden Schalen oder Eisrinden; oft hängen sich mehrere solche Kerne in eckichten Klumpen an einander, und so kömmt es, daß man die Schloßen oder Hagelkörner bisweilen rund, als einen festen mit dünnen Eisschalen umgebnen Kern, bisweilen in unregelmäßigen und eckichten Gestalten findet. Dies ist wenigstens die gewöhnliche Erklärung dieser für Felder und Saaten so verderblichen Luftbegebenheit.
Die Hagelkörner sind von sehr verschiedner Größe. Man hat dergleichen, wiewohl selten, von dem Gewichte eines Pfundes gesehen. Die auf den Bergen fallen, sind nach Scheuchzer und Beccaria(Lettere del elettricismo. Lett. 15.) kleiner, als die in den Plänen. Selten ist ihre Gestalt vollkommen rund; sie sind vielmehr unregelmäßig abgeplattet, und oft, wenn sie mit starken Stürmen niederfallen, durch das Aneinanderschlagen zerbrochen. Ihr innerer Kern ist undurchsichtig und einem compacten Schnee ähnlich; die äußere Schale ist hell und durchsichtig.
Es ist eine sehr bekannte Sache, daß es äußerst selten im Winter hagelt, und daß die heftigsten Hagelwetter, welche insgemein mit Sturm, Donner und Blitz begleitet sind, in den Monaten May, Iunius, Iulius und August auch meistens bey Tage, einfallen. Der Wind ist dabey sehr veränderlich, und mehrentheils geht unmittelbar vor dem Hagelwetter eine Hauptveränderung seiner Richtung vorher. Das Aneinanderstoßen der Hagelkörner verursacht ein Getöse in der Luft. Oft fällt der Hagel mit Regen vermischt, bisweilen aber geht auch der Regen voran, und verwandelt sich in der Folge in Hagel. Vor den heftigen Gewittern, welche die Hagelwetter begleiten, ist es gemeiniglich sehr schwül; beym Herabfallen des Hagels aber und noch mehr nach demselben, findet man die Luft abgekühlet.
Dennoch giebt es einzelne Beyspiele von Hagelwettern, die im Winter oder in der Nacht gekommen sind, wie z. B. in Montpellier am 30 Iänner 1741. (Mém. de Paris 1741. p. 218.). Sie sind alsdann desto heftiger und allezeit mit schrecklichen Donnerwettern begleitet. Diese Fälle sind jedoch nur Ausnahmen, und die Regel bleibt allemal diese, daß es blos im Winter schneyt und blos im Sommer hagelt, so wie in den Zwischenzeiten, zumal im Frühling, der zarte Graupenhagel (gresil) fällt, der vom Schnee die Weichheit und vom Hagel die Figur hat.
Diese Regel hat man sonst dadurch zu erklären gesucht, daß im Winter der ganze Luftkreis zu kalt sey, als daß das Wasser darinn in Tropfen sollte zusammenfließen können. Aber der Umstand, daß die schweren Hagelwetter allemal Donnerwetter sind, scheint wohl deutlich zu beweisen, daß zur Entstehung des Hagels ein Ausbruch der Elektricität erforderlich sey. Mongez (Lettre sur la formation de la grèle, in Rozier Journal de phys. Sept. 1778.) führt ein Beyspiel an, daß es bey einem Regen, der einige Tage, ohne zu blitzen, angehalten hatte, sogleich zu hageln anfieng, als es anfieng zu blitzen. Welcher Zusammenhang aber zwischen der Elektricität und der Erzeugung des Hagels statt finde, ist noch sehr dunkel.
Herr de Lüc (Idées sur la meteorologie, To. II. Sect. 3. ch. 2.) schließt aus dem schneeähnlichen Kerne der Hagelkörner, daß sie sich nicht aus Regentropfen, sondern aus Schneeflocken bilden, welche im obern Theile der Gewitterwolke durch ein plötzliches Erkalten, das von irgend einer chymischen Ursache abhängt, entstehen und im Fallen durch das Gewölk streichen. Nach dieser Hypothese kan sich der Hagel nicht, wie man sonst gewöhnlich annahm, in den höchsten Gegenden der Atmosphäre bilden, weil die Gewitterwolken immer sehr niedrig gehen. Und dann wird es wiederum sehr schwer, die bisweilen so beträchtliche Größe und unregelmäßige Gestalt der Hagelkörner zu erklären. Diese Luftbegebenheit gehört also noch zur Zeit unter diejenigen, über welche wir erst in Zukunft von genauern Untersuchungen des Luftkreises richtigere Belehrungen erwarten müssen.
Musschenbroek Introd. in philos. nat. To II. §. 2391 sq.
Erxlebens Anfangsgr. der Naturlehre, Vierte Auflage durch Lichtenberg, §. 736.