Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Frühling, Frühjahr, Lenz
Frühling, Frühjahr, Lenz, Ver, Printems.

Eine der vier Jahrszeiten, welche nach dem Winter und vor dem Sommer fällt, von dem Tage anfängt, an welchem die Sonne beym Aufsteigen in den Aequator tritt, und sich mit dem endiget, an welchem sie zu Mittag ihren höchsten Stand im Jahre erreichet. Da bey uns die aufsteigenden Zeichen vom Steinbock bis zum Krebse gehen, und diese Helfte der Ekliptik vom Aequator im Anfangspunkte des Widders durchschnitten wird, so bestimmt der Eintritt der Sonne in den Widder den Anfang, und der in den Krebs das Ende des Frühlings, der also bey uns um den 20 März mit der Nachtgleiche anfängt, und um den 21 Jun mit dem längsten Tage aufhört, s. Ekliptik.

In der südlichen gemäßigten Zone enthält die andere Helfte der Ekliptik die aufsteigenden Zeichen, daher der Frühling mit der Nachtgleiche um den 23 Sept. anfängt, und mit dem längsten Tage den 21 Dec. aufhört.

Unter dem Aequator und in der heißen Zone lassen sich die Jahrszeiten so regelmäßig nicht abtheilen, und man hat dabey mehr die nasse und trockne Zeit zu unterscheiden. Auch bey uns bezieht man im gemeinen Leben die Benennungen der Jahrszeiten mehr auf Temperatur und Witterung, als auf den Stand der Sonne; da nun jene nicht von diesem allein abhängen, so läst sich der Anfang der Jahrszeiten in diesem Sinne wegen der mitwirkenden veränderlichen Ursachen nicht genau angeben. So versteht man unter Frühling die unbestimmte Zeit, binnen welcher die Kälte aufhört, die Temperatur allmählich milder und wärmer wird, und die erstorbne Natur wieder auflebt.