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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Fibern, Fasern |
So nennt man die feinen cylindrischen oder fadenförmigen Körper, aus welchen verschiedne Theile der Pflanzen und der thierischen Körper zusammengesetzt sind. Aus den Fasern des Hanfs, Leins, der Baumwolle und einiger Baumrinden werden nach gehöriger Zubereitung Fäden gesponnen, und zu Geweben verbraucht. Weit merkwürdiger aber sind die Fibern des thierischen Körpers, vorzüglich diejenigen, aus welchen die Muskeln bestehen, die Muskelfibern, Fleischfasern (fibrae musculares), weil durch sie alle Bewegungen der thierischen Körper hervorgebracht werden, die eine so wichtige Quelle von Bewegung in der Körperwelt ausmachen, s. Bewegung.
Man hat, um die Bewegung und Wirkung der Muskeln zu erklären, eine Menge verschiedner Muthmassungen vorgebracht, von denen einige der vornehmsten bey dem Worte: Muskeln vorgetragen werden sollen. Eine der wahrscheinlichsten ist die, welche den Fleischfasern eine Reizbarkeit (irritabilitatem) beylegt, d. i. ein Vermögen, sich durch jeden mechanischen Reiz zusammenzuziehen. Diese Muthmaßung hat vorzüglich Herr von Haller (Mémoires sur la nature sensible et irritable des parties du corps animal, à Lausanne, 1756. To. IV. 12m. ingl. De partibus corporis humani sentientibus et irritabilibus, Sermo I—IV. in Nov. Comm. Gotting. To. I—IV. Man s. auch I. Ge. Zimmermann Diss. de irritabilitate, Gott. 1751. 4.) dadurch wahrscheinlich gemacht, daß die Bewegungen der Muskeln bey einer äussern Reizung selbst nach ihrer Trennung vom Gehirn noch eine Zeit lang, zuweilen mehrere Stunden fortdauren, auch die Bewegung des Herzens nach dessen Absonderung vom Körper noch eine Zeit lang anhält. Diese Meinung hat soviel Beyfall gefunden, das man anjetzt die Reizbarkeit, d. i. das Zusammenziehen und Bewegen bey einer äussern Reitzung für ein entscheidendes und wesentliches Kennzeichen der Muskelfaser annimmt. Inzwischen ist es mit dem System der Reizbarkeit eben so, wie mit so vielen andern Theorien der Naturlehre beschaffen: Reizbarkeit ist eben so, wie Attraction u. dgl. mehr ein Ausdruck eines allgemeinen Phänomens, als eine Erklärung der Ursache desselben; und die Art, wie die willkührlichen Bewegungen vermöge der Muskelfibern hervorgebracht werden, möchte wohl für uns auf immer ein unerforschliches Geheimniß bleiben.
Auch andere feste Theile des thierischen Körpers, Gefäße, Knochen u. dgl. sind aus Fibern oder Fasern zusammengesetzt. Man nimmt von den Fibern überhaupt an, daß sie aus erdigten Theilen bestehen, welche durch eine Gallerte (gluten) von Oel und Wasser zusammengehalten werden. Man schreibt einer jeden Fiber eine elastische Kraft zu, vermöge der sie sich, wenn sie ausgedehnt worden ist, wiederum in ihren vorigen Zustand setzet; und legt überdies den reizbaren Fibern eine tonische Kraft bey, vermöge der sie sich zusammenzuziehen streben, auch ohne vorher ausgedehnt worden zu seyn. Im Alter erschlaffen die Fibern durch den langen Gebrauch, und der Körper wird zu allen davon abhangenden Verrichtungen und Bewegungen von Zeit zu Zeit unfähiger. Die Empfindungen und Leidenschaften haben auf die tonische Kraft der reizbaren Fibern einen ungemein starken Einfluß; der Zorn verstärkt, und die Furcht schwächt diese Kraft derselben, ob gleich die Art und Weise, wie dies bewirkt wird, ganz unerklärbar bleibt. Noch einiges hiemit zusammenhängende wird man bey dem Worte: Muskeln finden.
Figur, s. Gestalt.