Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Elektrische Körper, an sich elektrische, idioelektrische Körper, Nicht-leiter
Elektrische Körper, an sich elektrische, idioelektrische Körper, Nicht-leiter, Corpora electrica, per se electrica, idioelectrica, Corps électriques, idioélectriques, Non-conducteurs.

Diejenigen Körper, deren Reibung an andern einen merklichen Grad von Elektricität erregt. Dazu gehört nun, daß solche Körper die erregte Elektricität nicht selbst fortführen, oder durch ihre eigne Substanz verbreiten, sondern sie auf ihrer Oberfläche behalten, d. h. daß sie nicht leitend sind. Daher heißen sie auch Nicht-leiter.

Ein vollkommen elektrischer Körper würde derjenige seyn, der der Elektricität gar keinen Durchgang durch seine Substanz verstattete. Das Glas ist nach Franklins Behauptung ein solcher Körper. Man hat zwar diesen Satz durch Versuche bestreiten wollen; aber man hat dabey oft die Wirkungen der Ladung mit den Wirkungen der Mittheilung oder des Durchdringens verwechselt. Noch neuerlich hat Lyon (Exp. and Observ. made with a view to point out the errors of the present received theory of electr. Kent. 1780 4. und Farther proofs, that glass is permeable by the electric effluvia, Lond. 1781. 4.) diese Undurchdringlichkeit des Glases bestritten; allein Herr Lichtenberg (Magaz. für das Neuste aus der Physik, B. I. St. 1. S. 170 u. f.) zeigt sehr richtig, daß seine Versuche vielmehr Beweise für dieselbe enthalten. Da inzwischen erhitztes Glas unstreitig ein Leiter ist, so kan man doch sagen, daß es keinen Körper gebe, welcher stets und unter allen Umständen ein vollkommner Nicht-leiter wäre.

Die elektrischen Körper verstatten der Elektricität den Durchgang durch ihre Substanz und die Verbreitung über ihre Fläche nur mit Schwierigkeit. Sie behalten daher die Elektricität, die durch Reiben ihrer Oberfläche erregt worden ist, eine lange Zeit, und können nur schwer durch Mittheilung elektrisiret werden.

Die vornehmsten elektrischen Körper sind folgende:

Glas, und alle Verglasungen, selbst die metallischen.

Alle Edelsteine, am besten die durchsichtigsten.

Alle Harze und resinöse Mischungen.

Bernstein.

Schwefel.

Im Ofen gedörrtes, oder sonst sehr trocknes Holz. (Ammersin brevis rel. de electricitate propria lignorum, Lucernae 1754. 12.)

Alle Erdharze.

Wachs.

Seide.

Baumwolle.

Alle trockne thierische Substanzen, als Federn, Wolle, Haare rc.

Papier.

Zucker.

Luft.

Oele.

Metallische und halbmetallische Kalke.

Asche von animalischen oder vegetabilischen Substanzen.

Rost der Metalle.

Alle trockne vegetabilische Substanzen.

Alle harte Steine, am besten die härtesten.

Hartgefrornes Eis in einer Kälte von 13 Grad unter 0 nach Fahrenheit oder — 20° nach Reaumur (Achard Mém. de Berl. 1776.)

Viele, und vielleicht alle angeführte Körper werden, wenn man sie erhitzt, Leiter, z. B. glühendes Glas, geschmolzenes Harz, heiße Luft, sehr erhitzes gedörrtes Holz u. s. w. Ueberhaupt laufen die Grenzen der Nicht-leiter und Leiter so in einander, daß es viele Körper giebt, die durchs Reiben merklich elektrisirt werden, und dennoch ganz gute Leiter sind. Diese heißen Halbleiter, wie z. B. trocknes nicht gedörrtes Holz, trockne Marmorplatten, u. s. w.

Oft ist das härteste und beste Glas ein Leiter, und wird erst, nachdem man es eine Zeitlang gebraucht hat, ein Nicht-leiter. Eine luftleere Glaskugel zeigt auf der äußern Seite keine Elektricität; alle elektrische Erscheinungen zeigen sich nur innerhalb der Kugel; ist aber die Luft in einem Glascylinder nur ein wenig verdünnt, so ist nach Beccaria (Elettricismo artific. §. 411.) seine Elektricität, wenn er gerieben wird, am stärksten.

Cavallo vollständige Abhandlung der Lehre von der Elektricität, Th. I. Cap. 2.