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Gehler, J. S. T. Physicalisches Wörterbuch |
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| Donnerhaus |
Maison du tonnerre. Ein kleines zur elektrischen Geräthschaft gehöriges Modell eines Hauses, wodurch man die schädlichen Wirkungen des Wetterstrals auf ein unbeschütztes Gebäude und den Nutzen der Blitzableiter erweisen kan.
Taf. V. Fig. 89. ist A ein in Gestalt der Giebelseite eines Hauses ausgeschnittenes Bret, welches senkrecht auf dem Fußbrete B aufgerichtet ist. Auf eben diesem Fußbrete steht auch, etwa acht Zoll weit von der Grundfläche des Brets A, die senkrechte Glassäule CD. An dem Brete A befindet sich ein viereckigter Einschnitt ILMK, etwa 2/8 Zoll tief, und einen Zoll breit ins Gevierte, in welchem ein viereckigtes Holz liegt, das beynahe eben dieselbe Größe hat, damit es locker in dem Einschnitte liege, und bey dem geringsten Schütteln herausfalle. An dieses viereckigte Holz ist nach der Diagonallinie der Drath LK befestiget. An dem Brete A befindet sich noch ein anderer Drath IH, von einerley Stärke mit dem vorigen, an dessen zugespitztes Ende die messingene Kugel H angeschraubt wird, so auch der Drath MN, der bey O in einen Ring umgebogen ist. Aus dem obern Ende der Glassäule CD geht ein gebogner Drath E mit einer Hülse F hervor, in welcher sich ein Drath, mit Knöpfen an beyden Enden, senkrecht verschieben läst, dessen unterer Knopf G gerade über die Kugel H trift. Die Glassäule CD steht nicht ganz fest im Fußbrete, sondern läst sich ganz leicht um ihre Axe drehen, wodurch man denn den Knopf G der Kugel H näher bringen oder von ihr entfernen kan, ohne den Theil EFG zu berühren. Wenn nun das viereckigte Holz LMIK (welches einen Fensterladen, oder etwas ähnliches, vorstellen kann) in dem Einschnitte so gelegt ist, daß der Drath LK in der punktirten Lage IM stehet, so ist von H bis O eine vollständige metallische Verbindung gemacht, und das Modell stellt nun ein Haus vor, das, wie gehörig, mit einem ununterbrochenen metallischen Blitzableiter versehen ist. Wird aber das Holz LMIK so eingelegt, daß der Drath nach der Richtung LK steht, so ist die metallische Leitung HO, die von der Spitze des Hauses bis an den Fußboden gehen sollte, bey IM unterbrochen, und das Modell giebt in diesem Falle ein Beyspiel eines nicht gehörig beschützten Gebäudes.
Man lege nun das Holz auf diese letztere Art ein, stelle den Knopf G etwa einen halben Zoll hoch senkrecht über die Kugel H, drehe alsdann die Glassäule, und entferne dadurch den Knopf von der Kugel, verbinde den Drath EF durch eine Kette mit der innern Seite einer Verstärkungsflasche, und führe noch eine andere Kette von dem Ringe O bis an die äußere Belegung eben dieser Flasche. Nachdem nun die Flasche durch eine Elektrisirmaschine geladen worden, drehe man die Glassäule zurück, und bringe den Knopf G nach und nach der Kugel H näher. Wenn nun beyde einander nahe genug kommen, so entladet sich die Flasche, und das Holz LMIK wird aus dem Einschnitte heraus auf eine beträchtliche Weite hinweg geworfen. Nun stellt der Knopf G bey diesem Versuche eine Gewitterwolke vor, aus welcher, wenn sie dem höchsten Orte des Gebäudes nahe genug kömmt, die Elektricität in das Gebäude schlägt, und da es nicht gehörig durch ununterbrochene Leitung beschützt ist, durch diesen Schlag das Holz IM abwirft, d. h. einen Theil des Gebäudes zerschmettert.
Man wiederhole nun den Versuch mit dieser einzigen Veränderung, daß man dem Holze IM die andere Lage giebt, in welcher der Drath LK in die Richtung IM kömmt, wobey die Leitung HO nicht unterbrochen wird: so wird der Schlag nicht die geringste Wirkung auf das Holz LM thun, sondern es wird dasselbe in dem Einschnitte unbewegt bleiben; wodurch sich der Nutzen metallischer Ableitungen von gehöriger Continuität überhaupt an den Tag legt.
Endlich schraube man von dem Drathe HI die messingene Kugel H ab, so daß die Spitze des Draths blos bleibe, und wiederhole nach dieser Veränderung beyde erstangeführte Versuche: so wird das Holz IM bey demal unbewegt bleiben, auch wird man gar keinen Slag bemerken, sondern es wird die Flasche stillschweigend entladen werden. Man sieht hieraus nicht allein, wie sehr zugespitzte Blitzableiter den stumpfgeendeten vorzuziehen sind, sondern es läst sich daraus auch schließen, daß die Spitzen schon an sich, auch ohne eine regelmäßige Ableitung einigen Schutz gewähren, und den Schlag verhüten, obgleich andere Versuche zeigen, daß es gefährlich seyn würde, sich ohne Continuität der Leitung auf die Spitze allein zu verlassen.
Diese von Cavallo beschriebene Einrichtung des Donnerhauses ist sehr einfach, und läst sich mit. geringen Abänderungen zu Nachahmung der meisten Phänomene des Blitzes gebrauchen; ich füge ihr noch eine andere von Sigaud de Lafond angegebene bey.
Die vier Wände eines kleinen hölzernen Hauses sind mit dem Fußboden durch leicht bewegliche Charniere verbunden. Sie werden lothrecht aufgerichtet, und in dieser Lage durch das aufgesetzte Dach erhalten, welches zu dem Ende einen Falz hat, in welchen die obern Kanten der Wände einpassen. Aus dem Dache geht durch einen Schorstein ein Metalldrath hervor, der sich oben in eine metallne Kugel endiget, und inwendig unter dem Dache auf einem Kupferbleche aufliegt, welches mit einer Patrone voll Schießpulver in Verbindung stehet. Diese Patrone liegt auf zwoen Säulen, deren eine von Metall ist, bis unter den Fußboden des Hauses hinabreicht, und durch eine Kette mit der äußern Belegung einer Verstärkungsflasche verbunden wird.
Wird nun die Flasche geladen, und ein mit ihrer innern Seite verbundener Knopf etwa so, wie bey Cavallo's Donnerhause, der aus dem Schorsteine hervorragen den Kugel genähert, so erfolgt eine Entladung, der Schlag dringt in das Innere des Hauses, entzündet das Pulver, und erregt dadurch eine Explosion, welche das Dach abhebt und die Wände auseinander wirft; eben so, wie der Blitz ein gewöhnliches Gebäude zerstört, wenn er an demselben keine ununterbrochne metallische Leitung findet, oder auf seinem Wege durch entzündbare ihm widerstehende Mittel brechen muß.
Will man nun das Haus gegen diese zerstörende Wirkung schützen, so setze man es aufs neue zusammen, bringe wieder eine Patrone an den vorigen Ort, hänge aber jetzt eine Kette, oder noch besser einen Drath, an das aus dem Schorsteine hervorgehende Metall, und verbinde diesen mit der äußern Belegung der Flasche. Wenn nach dieser Vorbereitung der Versuch wiederholt wird, so trift zwar der Schlag, wie vorhin, die auf dem Schorsteine stehende Kugel, aber er wird jetzt durch den von außen angehangenen Drath auf einem kürzern und leichtern Wege zu seinem Ziele, nemlich zur äußern Seite der Flasche, geführt, ohne das Innere des Hauses zu treffen und zu beschädigen — ein deutlicher Beweis, daß Schläge, die sonst das Innere der Gebäude würden getroffen haben, durch ununterbrochne metallische Leitungen ohne Schaden zu ihrem Ziele geführet werden.
Cavallo vollständige Abhandlung der Lehre von der Elektricität, a. d. Engl. dritte Aufl. Leipz. 1785. 8. S. 210 u. f.
Sigaud de la Fond Dictionnaire de physique, art. Maison du tonnerre.
Doppelbarometer, s. den Artikel Barometer, unter dem Abschnitte: Verschiedne Einrichtungen dieses Werkzeugs.
Doppelstein, s. Krystall, isländischer.
Drache, fliegender, s. Feuerkugel.