Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Diamant.
Diamant.

Zus. zu diesem Art. Th. I. S. 575—578.

Die Antiphlogistiker rechnen den Demant zu den einfachen Körpern. Einige vermuthen, er sey ganz reiner Kohlenstoff; denn in verschlossenen und mit dephlogistisirter Luft gefüllten Gefäßen verbrannt werde er ganz in fixe Luft (kohlengesäuertes Gas) verwandelt. Wäre diese Vermuthung gegründet, so sollte bey den Versuchen über die Zerlegung der Luftsäure, welche unten im Zusatze des Art. Gas, mephitisches, angeführt werden, statt des schwarzen Kohlenpulvers ein Demantstaub zum Vorschein kommen. Macquers Versuche über die Verbrennung des Diamants sind in Frankreich mehreremale, vorzüglich von Bucquet im Jahre 1775 wiederholet worden.

Der Graf von Bubna (Abhandl. einer Privatgesellschaft in Böhmen, B. VI.) hat über das Verbrennen des Demants ebenfalls Versuche angestellt. Er konnte nichts von der Flamme bemerken, welche sich nach Macquer dabey zeigen soll; er sahe blos den gewöhnlichen weißblauen phosphorischen Schein. Zwey brasilianische Demante ließen doch etwas reine Kieselerde zurück; aber ein alter orientalischer Dickstein hatte sich völlig verflüchtiget, so daß keine Spur mehr von ihm übrig war. Da ein Theil des letztern unter einer mit Kalkwasser gesperrten Glasglocke vermittelst des Brennglases zerstört ward, so fand sich das Kalkwasser getrübt; daher vermuthet wird, der Diamant sey aus Kieselerde und Flußspathsäure zusammengesetzt. Die Versuche sind aber unzulänglich, dieses zu erweisen, und es kann das Trübwerden des Kalkwassers eben sowohl für ein Merkmal des kohlengesäuerten Gas angesehen werden, welches durch die Verbrennung entstanden war.

Am 25. Sept. 1791 zerstörte der Herr Graf von Sternberg in einer feyerlichen Versammlung der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag einen Diamant in dephlogistisirter Luft (s. Grens Journal der Physik, B. IV. S. 410). Von der Art, diesen Versuch anzustellen, schreibt der Chevalier Landriani an Madame Lavoisier (Annales de Chimie. To. XI. 1791. s. Grens Journal der Physik, B. VII. S. 428) unterm 14. Sept. 1791. ”Man verbrennt ”den Diamant ganz so, wie einen Messingdrath, indem ”man an seine Spitze ein kleines Ende eines Eisendraths be”festigt, das man rothglühend macht, und in eine mit dephlo”gistisirter Luft gefüllte Flasche taucht. Das Verbrennen ”des Eisens theilt sich dem Diamant mit, der in dieser Luft ”mit dem größten Glanze verbrennt. Es giebt Diamanten, ”die man durch dieses Mittel nicht zum Brennen bringen ”kann: die Brasilianischen sind von dieser Art. Man hat ”diese Versuche noch nicht so weit getrieben, als sie es ver”dienen. Der theure Preiß der Substanzen ist daran schuld. ”Insbesondere wäre die Quantität und Qualität der Rück”stände, die Veränderung, welche die Luft dabey erleidet, ”und die Ursache des großen Unterschiedes der Diamanten ”zu bestimmen.“

Ueber die brasilianischen Diamanten findet man einen lesenswürdigen Aufsatz des Herrn d'Andrada, der jedoch blos das Naturgeschichtliche betrift, im Gothaischen Magaz. für das Neuste rc. (IX. B. 2tes St. S. 47 u. f.).

Die Verbrennlichkeit des Diamants hatte Newton schon durch Schlüsse vermuthet, die er aus der starken Stralenbrechung desselben zog (Optice, libri tres, aut. Is. Newtono. Latine redd. Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. p. 232—234). Newtons Tabelle über Brechungsverhältniß und brechende Kraft verschiedener Körper ist bey dem Worte Brechung (Th. I. S. 431) zu finden. Es wird darinn die brechende Kraft des Diamants = 4,949 und seine Dichte = 3,4 angegeben, wenn die brechende Kraft des Wassers = 0,7845, und dessen Dichte = 1 ist. Der Exponent des Verhältnisses zwischen beyden, aus der letzten Spalte der Tafel, ist beym Diamant = 1,4556, beym Wasser = 0,7845; also bey jenem die brechende Kraft in Vergleichung mit der Dichte fast doppelt so groß, als bey diesem. Ein so großes Verhältniß der brechenden Kraft findet sich bey keinem andern Körper: die Substanzen, bey denen es nächstdem am stärksten ist, sind: Bernstein, Terpentinöl, Leinöl, Baumöl, Kampher, lauter brennbare Materien. Newton führt sie in umgekehrter Ordnung auf mit dem Zusatze, quae sunt corpora pinguia, sulphurea, unctuosa, und beschließt die Gradation mit den Worten: atque Adamas (qui, ut probabile est, subftantia est unctuosa coagulata).

Girtanner Anfangsgr. der antiphlogistisch. Chemie. Kap. 21.

Gren Journ. der Physik, a. a. O.