Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Blitz.
Blitz.

Zus. zu diesem Art. Th. I. 367—386.

Der im Wörterbuche (S. 373 u f.) befindliche Unterricht von der Natur und den Wirkungen des Blitzes ist aus dem vortreflichen Buche des Herrn Reimarus gezogen. Dieser würdige Gelehrte hat vor kurzem eben den Gegenstand von neuem bearbeitet, und seine Abhandlung (Neuere Bemerkungen vom Blitze. Hamburg, 1794. gr. 8.) so eingerichtet, daß sie sowohl als eine Fortsetzung des vorigen Werks betrachtet werden, als auch denen, welche jenes nicht besitzen, für sich allein dienen kan. Auch hier wird nun aus diesem classischen Werke das Nöthigste nachzutragen seyn: die Erfahrungen, welche zum Grunde liegen, sind im ersten Abschnitte des Buchs zusammengestellt, und im zweyten werden daraus die erforderlichen Schlüsse gezogen.

Zwar wird von Herrn Reimarus, wie gewöhnlich, angenommen, die Luftelektricität sey in den Wetterwolken angehäuft, und der Blitz bestehe in einer Entladung derselben gegen andere Wolken oder auf irdische Gegenstände; man könne also aus elektrischen Versuchen die allgemeinen Eigenschaften und Wirkungen des Blitzes (mit Ausnahme des Grades der Stärke) richtig erläutern; allein im Vortrage selbst hat Hr. R. alles aus Beobachtungen wirklicher Wetterschläge hergeleitet, und so allerdings die Ueberzeugung allgemeiner und eindringender gemacht, als es durch die elektrischen Versuche im Kleinen geschehen kan. Diese Methode ist an sich vortreflich, und jetzt um so mehr nöthig, da man gegen die Vergleichung der Wolken mit den isolirten Conductoren unserer Elektrisirmaschinen überhaupt wichtige Zweifel erhoben hat, s. den Zusatz zu dem Artikel Luftelektricität.

Der Ausbruch des Blitzes erfolgt, wenn die Wetterwolke sich einem andern Körper bis zur Schlagweite genähert hat. Vorher entsteht in der gegenüber befindlichen Seite des Körpers die entgegengesetzte Elektricität, mit Ladung der zwischenliegenden Luftscheibe. Dieses wird durch elektrische Versuche erläutert, und Herr Kirchhoff in Hamburg (s. Götting. Mag. 1780. 2tes St. S. 322.) hat durch einen Apparat mit einer wagrecht schwebenden elektrisirten Tafel angegeben Man hat dieses die drückende oder drängende Elektricität genannt; man muß aber durch diesen Namen die Art der Wirkung nicht erklären wollen. Der Drang der Wetterwolke erneuert sich nach gewissen Zwischenzeiten. So schlug in Halle nach Herrn Klügels Erzählung (Beschreibung der Wirkungen eines heftigen Gewitters, welches am 12. Jul. 1789. die Stadt Halle betroffen. Halle. 8) der Blitz innerhalb 2 — 3 Min. an vier Orte, die in einem Striche 420, 670, 170 Schritt von einander lagen. Durch diese drängende Wirkung kan auch in Nebenwolken das elektrische Gleichgewicht gestört werden. Was Hr. R. hiebey über den Rückschlag erinnert, s. im Zusatze des Artikels Rückschlag.

Der Blitz oder Durchbruch zur gegensetigen Elektricität hat sein Ziel, nach dem er strebt, und nach dem er seine Bahn von der ersten getroffenen Stelle an auf dem leichtesten Wege versolgt. Aufwärts fahrende Blitze machen darinn keinen Unterschied; und es sind also besondere Zurüstungen gegen dieselben, dergleichen Bertholon de St. Lazare (Mém. sur un nouveau moyen de se préserver de la foudre, in den Mém. de la soc. roy. des sc. de Montpellier, und in s. Buche De l'électricité des meteores, To. I. p. 228 u. f. 251 u. f.) vorschlägt, ganz unnöthig; denn von unten äußert sich immer die Wirkung da, wo die beste Leitung von oben hinweiset. Solche Wetterschläge kommen nicht von Ueberhäufung der Elektricität im Innern der Erde, weil sie sonst die Erde, die kein guter Leiter ist, aufsprengen, und wie eine Mine wirken müßten, wovon man keine Erfahrungen hat.

Die Gesetze der Leitung des Strals beruhen auf der leitenden oder nicht-leitenden Beschaffenheit der Körper, die man am sichersten aus Erfahrungen über Wetterschläge selbst erforscht. Das deutlichste Zeichen einer geringen Anlockung ist, wenn man den Blitz unter einerley Umständen einen Körper verlassen sieht, um einem andern zuzuspringen. So wird der Blitz durch alle feste Körper mehr, als durch die Luft, gelockt; er fährt z. B. nie durch ofne Thüren und Fenster, sondern streicht an Sparren, Mauern, Pfosten u. s. w. herab. Darum kann man sich auch nicht darauf verlassen, daß der Blitz gewisse Körper niemals treffe, von denen man dergleichen gesagt hat, z. B. Buchen, Tannen, Lorbeerbäume und Zweige (Plin. H. N. XVI. 30.). Es kömmt immer darauf an, ob er außer ihnen eine bessere Leitung findet.

Der Ausbruch oder Anfall des Blitzes auf einen gewissen Gegenstand kan befördert oder bestimmt werden 1) durch den Drang der Wetterwolke, 2) durch ihre Annäherung, 2) durch eine Zwischenwolke, wenn gleich die Hauptwolke noch außer der Schlagweite steht, 4) durch die Materie des Gegenstandes, wenn sie ein guter Leiter ist, und 5) durch dessen Gestalt, indem der Durchbruch durch entgegenstehende Hervorragungen, Spitzen oder Ecken erleichtert wird, ja sogar auf die Ecken eines Gebäudes eher, als auf höhere Stellen am Dache, Schorsteine u. s. w. zu fallen scheint.

Diese Beförderung des Anfalls ist aber für keine Anlockung der Wolke selbst zu halten. Der Zug der Wetterwolken wird durch ganz andere Ursachen bestimmt. Gebirge können ihn aufhalten, daher man einige derselben Wetterscheiden nennt; auch scheint der Lauf der Ströme, nebst Ebbe und Fluth einigen Einfluß darauf zu haben. Woher es komme, daß die Gewitter manche Jahre ihren Zug häufig über gewisse Gegenden nehmen, und sie dann wieder verschonen, weiß man nicht. Im Ganzen wird zwar die Wetterwolke von der in entgegengesetzte Elektricität versetzten Erdfläche angezogen; aber die besondere Anlockung eines leitenden Körpers ist gewiß nicht vermögend, eine ganze Wolke heran zu ziehen. Wo keine hervorstechenden Leiter sind, da wird der Ausbruch nur zurückgehalten; die Ladung häuft sich desto mehr an, und bricht nachher desto gewaltsamer aus. Daher die heftigen Schläge auf den ersten hervorragenden Gegenstand, wenn die Wolke über Wasser oder ein flaches Feld herankömmt.

Was die leitenden Materien betrift, so geht der Blitz durch alle feste Körper eher, als durch die freye Luft; grüne Bäume zieht er dem Mauerwerke vor; feuchten Körpern folgt er eher, als trocknen, wiewohl die Feuchtigkeit immer nur ein schlechter Leiter ist. Er verläßt Mauerwerk, Holz, grünende Bäume und Kleidungsstücke, selbst seuchte, um an der Oberfläche des menschlichen Körpers herabzufahren. Bäume, an welchen Menschen stehen, werden vor andern getroffen. Endlich zieht der Blitz alle Metalle jeder andern Leitung merklich vor; auch werden die Metallstrecken, wenn sie nur nicht von gar zu geringem Umfange sind, von dem durchfahrenden Blitze nicht beschädiget, oder es werden wenigstens die angrenzenden Körper nicht verletzt, wenn auch schmale und dünne Metallstrecken, z. B. Dräthe, Vergoldungsleisten u. dergl. durch den Blitz abspringen oder schmelzen. Der Blitz folgt im Ganzen genommen der Bahn, auf der er den wenigsten Widerstand antrift; er nimmt nicht eben den nächsten, allemal aber den leichtesten Weg zur Erde, und sein Gang wird, wohl zu merken, nicht durch einzelne Stellen, sondern durch die Beschaffenheit des ganzen Zwischenraumes bestimmt, den er bis zur gegenseitigen Elektricität, als seinem Ziele, zu durchlaufen hat. So macht ein einzelnes Metall auf einem Gebäude noch nicht, daß diese Stelle vorzüglich getroffen wird; dagegen der Blitz, wenn er auch auswärts kein Metall findet, doch mit Zertrümmerung der zwischenliegenden Nicht-leiter dahin schlägt, wo sich ihm inwendig die bequemste Leitung zum Ziele darbietet.

Eine zusammenhängende Strecke Metall verläßt der Blitz nur da, wo er einen leichtern Weg zur Erde findet, d. i. 1) wenn das übrige Ende der Strecke ihn nicht zur Erde, sondern in die freye Luft führen würde, 2) wenn die Umwege zu weit sind, und er in der Nähe zu einer kürzern oder bessern Leitung gelangen kan, 3) wenn der Umfang eines Leiters zu gering, und ein reichlicherer in der Nähe ist; in diesem Falle theilt er sich zwischen beyde. Eben dieses bestätigen auch die elektrischen Versuche an der großen Maschine zu Harlem (van Marum Premiere continuation des experiences faites par le moyen de la machine Teylerienne. à Harlem. 1787. 4maj. Chap. 7.) 4) Wenn eine Metallstrecke den Stral am Ende auf widerstehende Körper führen würde, und eine andere, wenn gleich unvollkommene, Leitung ihn beträchtlich tiefer bringen kan, so verläßt er jenes Metall da, wo er den leichtesten Uebersprung oder Durchbruch zu dem andern Wege machen kan. Diesen Fall muß man sich nicht irre machen lassen. Wenn gleich der Stral eine Strecke verläßt, an der er weiter hätte gehen können, so kömmt es doch hier nicht auf das weiter an, sondern auf das leichter zum Ziele kommen. So wird der Blitz z. B. Taf. XXVIII. Fig. 5. weder von a bis c, noch von d bis g, fortlaufen, und über mn, hk nur quer hinstreichen, um zu seinem Ziele in x zu gelangen, wenn er gleich dabey kleine Zwischenräume Luft, wie bey b und f, durchbrechen muß. So weicht er von einem kupfernen Thurmdache, dessen Rand unten nur auf die Mauer führen würde, mitten ab, um auf eine weiter herunter reichende Stange, Drath u. dergl. zu springen.

Theilung in mehrere Stralen kan entstehen, 1) wenn keine vollständige Bahn durch gute Leiter, sondern mehrere abgebrochene, gleich bequeme, Metallstrecken vorhanden sind, 2) wenn der Leiter zwar vollständig, aber an Umfang nicht zureichend ist, und andere Metallstrecken in der Nähe erreicht werden können, 3) wenn an dem Metalle, das der Blitz ergriffen hat, mehrere andere zusammenhängende und ziemlich weit herunter führende Metallstrecken angetroffen werden, und 4) wo der Blitz seinen Weg durch schlechtere Leiter nehmen muß. Daher die ausgebreiteten Beschädigungen in Gebäuden, wo sich keine Strecken von Metall befinden, die Entzündung der Strohdächer von einem Ende zum andern u. s. f.

Besonders fährt der Stral oft an der Oberfläche der Körper hin, ohne in ihre Substanz einzudringen. So leiten ihn Anstriche von Theer oder Kienruß, oder Uebermalungen von Oelfarbe, die er ohne Beschädigung des Holzes abschälet. Fährt der Stral über die Oberfläche einer Glasscheibe, so werden davon zuweilen Splitter abgeschälet, wie solches auch der elektrische Schlag thut, den man über eine Scheibe Spiegelglas hinfahren läßt.

Eine solche Leitung über die Oberfläche scheint nun auch statt zu finden, wenn Menschen vom Blitze getroffen werden, ein Gegenstand, bey welchem Hr. R. etwas umständlicher verweilet. Ehemals glaubte man, der Blitz durchdringe den Körper und zerschmettere die Knochen; nachmals muthmaßte man aus Betrachtung der Elektricität, daß ihn die Flüßigkeiten leiteten; endlich kam die Lehrmeinung auf, daß er durch die Nerven gehe, weil diese vorzüglich gute Leiter sind, und ihre Wirkung überhaupt eine besondere Gemeinschaft mit der Elektricität haben soll.

Allein es scheint vielmehr der Stral blos an der Oberfläche des menschlichen und thierischen Körpers herabzufahren, und meistens nur durch Erschütterung der Nerven Betäubung oder Tod zu verursachen. Die von Hrn. R. sowohl in seiner ältern Abhandlung vom Blitze (§. 62—66.), als auch hier (§. 55—67.) sorgfältig gesammelten Wahrnehmungen über Wetterschläge auf Menschen scheinen diesen Satz aus folgenden Gründen zu bestätigen.

1) Allenthalben zeigten sich dabey fleckweise und strichweise Versengungen an der Oberfläche der Haut, und der innern Seite der Bekleidung.

2) Die Bahn, welche dadurch bezeichnet ward, war weder nach der Lage der Knochen, noch nach dem Laufe der Adern oder Nerven, sondern, einige unregelmäßige Zertheilung und Ausbreitung abgerechnet, im Ganzen von der Stelle des Zusprungs zum Absprunge zur Erde oder zu einem Metalle hin gerichtet.

3) Außer den Stellen des Zu- und Absprungs waren die Verletzungen am stärksten, wo die freye Ausbreitung unter der Kleidung am meisten gehindert worden war. Die Kleider wurden an den Stellen des Ab- und Zusprungs verletzt, überdies auch durch die Platzung abwärts zersprengt, zuweilen über den ganzen Körper, ohne sonderliche Versehrung desselben.

4) Der Grad der Verletzung nahm von außen nach innen ab; nicht umgekehrt. Es wurden Haare versengt; dann die Oberhaut, weiter die Haut, bisweilen auch einige darunter liegende Theile verletzt; aber immer litten die äußern mehr, als das Innere.

5) Die öftere Wiederherstellung der vom Blitze getroffenen Menschen ließe sich nicht erklären, wenn der Stral durch die innern Theile gefahren wäre.

6) Wenn auch bisweilen Verletzungen der mit Haut bedeckten Theile und Blutergießungen entstanden, oder Knochen zerbrochen wurden, so blieben doch dabey die zärtern innern Theile unverletzt, zum Beweise, daß die Wirkung nicht durch den einwärts dringenden Stral, sondern durch den äußern Stoß und die Platzung verursacht worden sey. Bey einem Falle, wo das Trommelfell im Ohre zerrissen, und Spaltungen im Hirnschädel entstanden waren, fand sich doch weder die Haut noch die harte Hirnhaut durchbohrt, Gehirn und Eingeweide unverleßt, und die übrigen Spuren zeigten offenbar ein Herabstreifen an der Haut. Wo auch Wunden in der Haut verursachet waren, hatte doch der Stral seinen Weg nicht durch die Blutgefäße fortgesetzt, sondern seine Bahn, wie sonst, autzerhalb verfolgt. Verletzungen durch den Druck anliegender Metalle, umhergeflogne Splitter, durch den Fall u. dergl. sind von Wunden, die der Blitz selbst gemacht hätte, sehr leicht zu unterscheiden.

Die Knochen findet man nie durchbohrt oder zerschmettert, wie dem Holze geschieht, wenn es vom Blitze getroffen wird, die| Adern nie zerrissen oder von Blute leer. Auch bey den durch elektrische Schläge getödteten Thieren fand Landriani (Dei conduttori elettrici p. 30.) die Pulsadern immer voll von Blut, selbst viele Stunden nach dem Tode des Thieres. Es wird nemlich die Reizbarkeit, die sonst das Blut heraustreibt, durch den Schlag gänzlich zerstört, und das Thier stirbt gleichsam auf einmal in allen seinen Theilen, ohne daß irgend ein Hauptgefäß zerrissen würde. Hiemit stimmen auch die Versuche überein, welche Herr van Marum (Schreiben an Herrn de la Metherie über die Wirkung der sehr verstärkten Elektricität auf Thiere, aus d. Journ. de phys. Janv. 1791 übers. in Grens Journ. der Phys. VI. B. S. 37. u. f.) mit der großen Teylerischen Elektrisirmaschine zu Harlem angestellt hat. Sie beweisen, daß die verstärkte Elektricität die Reizbarkeit im thierischen Körper zerstöre, wobey jedoch Herr v. M. zu glauben scheint, daß der Blitz in der That durch das Herz und die Arterien gehe.

Was die Nerven betrift, so läßt sich aus den Phänomenen der thierischen Elektricität und der elektrischen Fische hier nichts Sicheres schließen. Zwar will der Abt Hemmer (Comment. Acad. Theod. Palat. Vol. V. p. 156.) die Durchfahrt des Blitzes durch die Nerven mit einem elektrischen Versuche beweisen, bey dem eine leidner Flasche durch den Nerven einer frisch getödteten Katze eben so leicht, als durch Metall, entladen ward. Allein hier ist die Frage, ob der Blitz auch bey unentblößten Nerven den Weg durch sie aufsuche, und vor andern wähle, und diese läßt sich nicht durch elektrische Versuche, sondern nur durch wirkliche Erfahrungen von Wetterschlägen entscheiden. Bey diesen findet man keine Spur davon, daß der Blitz vorzüglich durch die Nerven gehe; in einem Falle, den Hemmer selbst erzählt, traf ein Schlag einen Mannheimer Soldaten im Nacken, dicht am Rückenmarke, ohne doch durchzudringen: die Spuren zeigten eine ganz andere Bahn, die Verletzungen waren nur oberflächlich, und der Getroffene in eilf Tagen wieder hergestellt. Was müßte auch der Blitz für Zerstörungen in so zarten Theilen anrichten, da er einen weit stärkern Metalldrath schmelzt und in Dampf verwandelt? Dagegen ist oft vom Blitze die Haut stark versengt worden, ohne daß der Schlag tödtete, und also gewiß ohne Verletzung der Nerven. Auch ist die Erschütterung schon hinreichend, um alle Wirkungen des Wetterschlags auf Menschen, von der Betäubung an bis zur Erstarrung und Tod, zu erklären. Ueberhaupt ist Betäubung die gewöhnlichste Wirkung, selbst bey solchen, die sich in einiger Entfernung befinden. Erschütterung durch Fallen, Schlagen, Stoßen bringt ebenfalls Betäubung hervor, und kan die gefährlichsten Zufälle veranlassen. Nie aber könnten sich solche Personen wieder erholen, wenn der Blitz selbst durch innere Theile, zumal durch die Nerven, gefahren wäre.

Zur Rettung der vom Blitz Getroffenen scheint das dienlichste Mittel zu seyn, daß man die gehemmte Lebenskraft durch einen Reiz herzustellen suche. Die Spannkraft der Adern, worinn das Blut stockt, kan, wenn der Getroffene noch nicht erkaltet ist, am leichtesten durch frische Luft und Bespritzen mit kaltem Wasser belebt werden. Auch kalte Umschläge auf den Kopf können von Nutzen seyn. Reiben mit flüchtigen Mitteln, Klystiere von kaltem Wasser, Eßig, oder einem Aufguß von reizenden Kräutern, Einblasen der Luft, und der Gebrauch der Elektricität, als des stärksten Reizungsmittels, sind nicht zu verabsäumen. Die elektrische Erschütterung ist in der Gegend der Brust anzubringen; D. Fothergill (Reports of the humane society for 1785— 1786. p. 167. u. f.) erzählt Fälle, wo dieses Mittel sehr glücklich angewendet worden, und Partington stellte einen jungen Hund, dem ein elektrischer Schlag auf den Kopf Sinne und Bewegung geraubt hatte, durch kleine Erschütterungen in der Brust wieder her. Ist der Körper schon kalt, so suche man durch Reiben oder Auflegen einer Blase mit heißem Wasser die Wärme wieder zu erwecken. Hat sich der Kranke so weit erholt, daß er innerliche Mittel gebrouchen kan, so werden ihm nervenstärkende, als Wein, Hofmanns Liquor oder flüchtige Salze gegeben. Die Hautverbrennungen sind größtentheils nur oberflächlich, und mit kühlenden Mitteln zu behandeln; nur auf den eingebrannten Stellen sind Eiterungsmittel anzuwenden.

Beym Durchbrechen des Blitzes durch widerstehende Körper, auch bey seiner Fahrt durch unzureichende Leiter entsteht eine Platzung, d. i. ein Auseinanderwerfen der Luft und der umgebenden festen Körper, die oft mit großer Gewalt zersprengt und in Stücken umhergeworfen werden. Eine solche Platzung zeigt sich nicht nur beym ersten Anfalle durch die Luft, sondern auch bey jedem Sprunge von einem Körper zum andern, ja bey Ketten sogar von einem Gliede zum andern. Bey unzureichenden Leitern und bey der unvollkommnen Leitung an der Oberfläche werden dadurch die Umkleidungen abgesprenget. Die Richtung dieser Platzungen geht nach allen Seiten, oder, wenn die Umstände nicht gleich sind, dahin, wo der wenigste Widerstand ist. Wasser ist ein schlechter Leiter, und muß schon von beträchtlichem Umfange seyn, wenn es den Blitz ohne Platzung fortführen soll. Die Erde leitet noch schlechter, daher entsteht beym Hineinschlagen des Blitzes Platzung und Aufsprengen, z. B. da, wo er von einer Ableitung, die ihn geführt hat, zur Erde abspringt; diese Platzung aber ist unschädlich, wofern der Blitz nur freyen Raum zu seiner Ausbreitung findet.

Zu Beobachtung der Wetterschläge und der dadurch veranlaßten Beschädigungen giebt Herr Reimarus am Ende seines Buchs eine vortrefliche Anweisung. Sie ist in Fragen abgefaßt, die die Umstände angeben, auf welche der Beobachter seine Aufmerksamkeit vornehmlich zu richten hat.

Zu S. 384. 385. Zu den Merkmalen, woraus man die Größe der Gefahr bey nahen Donnerwettern beurtheilen kan, hat Hr. Bergcommissär Rosenthal (im Gothaischen Magaz. für das Neuste aus d. Phys. IV. B. 1. St. S. 1. u. f.) folgenden schätzbaren Beytrag geliefert.

Wenn sich ein Donnerwetter dem Orte nähert, wo ein Barometer hängt, so wird das Quecksilber in der Röhre zu steigen anfangen. Je näher das Barometer dem Scheitel des Beobachters kömmt, desto höher wird das Quecksilber steigen, und es wird seinen höchsten Stand erreichen, wenn die Gewitterwolke in der kleinsten Entfernung von dem Beobachter ist. Sobald aber die Wolke das Zenith verläßt, oder ihre Entfernung von dem Beobachter wächst, so fängt auch das Gewicht der Atmosphäre wiederum an sich zu vermindern, und das Quecksilber fällt in der Barometerröhre. So lange also das Barometer noch nicht steiget, wenn es donnert, so hat man nichts zu befürchten: sobald es aber zu steigen anfängt, so wächst die Gefahr: sobald es wieder zu fallen anfängt, so hat der Beobachter für seine Person keine Gefahr mehr zu befürchten.

Herr Rosenthal bestätiget diesen Satz durch mehrere von Planer in Erfurt und von ihm selbst gemachte Erfahrungen, von denen ich hier nur die letzte anführe. Am 20. August 1784 früh um 2 Uhr war zu Nordhausen das Gewicht der Atmosphäre 5275 Scrupel (27 Zoll 5 (11/16) Lin.). Vier Minuten nachher erfolgten einige fürchterliche Schläge, worauf Herr R. den Barometerstand 5278 fand. Während er noch mit dieser Beobachtung beschäftigt war, sahe er das Quecksilber über das Pferdehaar der Diopter emporsteigen, und 5280 erreichen. Nunmehr glaubte er den Stand des Quecksilbers richtig bemerkt zu haben, fand aber beym Hinsehen, daß es bereits wieder gestiegen war, und mußte die Diopter bis 5285 erheben. Dieses Steigen, wodurch das Barometer innerhalb einer halben Minute von 5278 bis 5285 gekommen war, erregte ihm Schauder, da er die Bedeutung davon schon kannte. Er eilte, um aus dem Zimmer, worinn sich viel Metall befand, zu kommen, und kaum hatte er sein Wohnzimmer erreicht, als die Entladung der Wolke erfolgte. Blitz und Schlag schienen ihm gleichzeitig, und ehe er recht empfand, was vorgieng, erfolgte schon ein zweyter und dritter Schlag. Alle drey Schläge hatten getroffen und zwey davon gezündet.

Das Läuten der Glocken wird jetzt allgemein für ein fruchtloses Mittel zu Vertreibung der Gewitter erkannt; man kan aber eben so wenig behaupten, daß es den Blitz herbeylocke. Inzwischen vermehrt es die Furcht bey abergläubischen oder nervenschwachen Personen, und ist den Läutenden gefährlich, da die Glocke mit dem hanfenen Strick, wenn Menschen letztern mit der Erde verbinden, eine gute Leitung abgiebt, und den Blitz, der sonst vielleicht an der Mauer herabgefahren wäre, auf die Glocke hinlocken kan (s. C. G. von Zengen über das Läuten beym Gewitter, besonders in Hinsicht der deshalb zu treffenden Policeyverfügungen. Gießen, 1791. 8.).

Vom Abfeuern des Geschützes will man aus militärischen Erfahrungen versichern, daß es die Gewitterwolken zertheile. Vom Schalle oder der Explosion kan man dieses nicht herleiten, weil sonst der Donner des Gewitters selbst eine gleiche Wirkung thun müßte. Allein die beym Kanoniren erzeugte Luft, und noch mehr, wenn es häufig geschieht, der aufsteigende Dampf, könnte wohl etwas zu Schwächung des Gewitters beytragen. Große auf Bergen angezündete Feuer sind nach den schönen Erfahrungen des Herrn Volta (Meteorologische Briefe; aus d. Ital. übers. Leipzig, 1793. 8. 5ter Brief) eines der kräftigsten Mittel, Donner und Hagel abzuhalten. Vielleicht waren die im Alterthum gewöhnlichen Opfer auf den Höhen zu dieser Absicht veranstaltet.

I. A. H. Reimarus neuere Bemerkungen vom Blitze. Hamburg, 1794 gr. 8.

Magazin für das Neuste aus der Phys. u. Naturg. herausg. v. Lichtenberg, fortg. v. Voigt. IV. B. 1. St. S. 1. u. f.

Erxleben Anfangsgr. der Naturl. durch Lichtenberg. 6te Aufl. Göttingen, 1795. 8. Anmerk. zu §. 753.