Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Attraction, Anziehung
Attraction, Anziehung, Attractio, Attraction.

Das Phänomen der Körperwelt, da Körper sich einander nähern, oder, wenn sie aufgehalten werden, sich zu nähern streben, da sie nach der Berührung an einander bleiben, oder doch der Trennung widerstehen, ohne daß man eine äußere in die Sinne fallende Ursache davon, einen Druck, Stoß u. dergl. gewahr wird. So fällt ein freygelassener Körper senkrecht auf die Erdfläche nieder, nähert sich der Masse der Erde, oder äußert doch, wenn man ihn daran hindert, sein Bestreben zu fallen, durch sein Gewicht, durch Druck auf das, was ihn trägt; so fließen zween einander berührende Wassertropfen in einen zusammen u. s. w., ohne daß man eine äußere Ursache davon bemerkte; die Erfahrung zeigt uns, daß es geschehe, belehrt uns aber gar nicht darüber, warum es geschehe.

Wie weit sich dieses Phänomen erstrecke, läst sich aus folgenden Beyspielen übersehen. Die Theile aller festen Körper hängen zusammen, und widerstehen der Trennung; auch die Theile der flüßigen lassen sich nicht ohne Widerstand trennen, und vereinigen sich in Tropfen; flüssige Körper hängen sich an feste, die sie benetzen; polirte Marmorflächen oder Spiegeltafeln hängen bey der Berührung, auch bey dazwischen liegenden feinen Haaren oder Seidenfäden, zusammen; das Licht beugt sich beym Vorübergange beym Rande der Körper vom geraden Wege ab; jeder Körper nähert sich freygelassen der Erde, oder fällt gegen dieselbe; der sonst senkrecht gedehnte Bleywurf richtet sich schief in der Nähe großer Berge; das Meer hebt sich gegen den Mond, der Mond selbst wird durch eine unbekannte Ursache stets an die Erde, die Erde nebst den übrigen Planeten an die Sonne gefesselt; in dem ganzen Laufe der himmlischen Körper herrscht das unverkennbare Gesetz eines beständigen Bestrebens dieser großen Massen nach wechselseitiger Annäherung. Sollte man nicht ein Recht haben, dieses Phänomen, das sich bey festen und flüßigen, kleinen und großen, sich berührenden und von einander entfernten Körpern, auf der Erde, wie im Himmel, zeigt, für ein allgemeines Phänomen der Körperwelt, für die Regel anzunehmen, und die Fälle, in denen es sich nicht zu zeigen scheint, nur für Ausnahmen zu erklären, bey welchen es durch irgend eine Ursache aufgehoben, oder nur für uns unbemerkbar gemacht wird?

In diesem Sinne hat der große Newton das Wort Attraction gebraucht, um das allgemeine Phänomen des Bestrebens der Körper nach wechselseitiger Annäherung (conatus accedendi) damit zu bezeichnen, nicht um eine Ursache dieses Phänomens dadurch anzugeben. Dieser bey der Größe seines Genies dennoch so bescheidne Naturforscher gieng stets den sichern Weg der Experimentaluntersuchung, zog aus vielen ähnlichen Erfahrungen allgemeine Gesetze, und bestimmte, unbekümmert um die verborgenen Ursachen derselben, durch die erhabensten Kunstgriffe der Geometrie, die Folgen diefer Gesetze für Fälle, über welche unmittelbare Erfahrungen fehlten. Diese nachahmungswürdige Methode gründet sich einzig auf Induction, oder auf den der gesunden Vernunft einleuchtenden Schluß, daß das, was in allen beobachteten Fällen wahr gefunden ward, auch in ähnlichen unbeobachteten statt finden, und also allgemein wahr seyn werde. Die häufigen Beyspiele von Fallen, Nähern, Anhängen der Körper gegen und an einander veranlaßten ihn, dieses Nähern als ein allgemeines Phänomen anzusehen, er entdeckte das Gesetz desselben für Erde und Mond, schloß, daß eben dieses Gesetz für Sonne und Planeten, und für die Planeten unter einander selbst gelten werde, und mit welcher bewundernswürdigen Richtigkeit stimmen nicht seine hieraus berechneten Folgen mit dem wirklichen Laufe des Himmels überein? Diese Methode ist so untadelhaft, und die dadurch gemachte Entdeckung der Mechanik des Himmels so bestätiget, daß nur Unwissende jene schmähen und diese verwerfen können.

Ursachen dieses Phänomens angeben zu können, hat sich Newton nie gerühmt. Er erklärt an einigen Stellen (Princip. L. I. Def 8 et Sect. 11. Optice. Qu. 23.), er gebrauche die Worte: Attractio, Impulsio, Propensio ohne Unterschied, und wolle durch Attraction nicht die Wirkungsart oder die wirkende Ursache anzeigen, und etwa behaupten, daß in den Mittelpunkten der Körper eine anziehende Kraft vorhanden sey; vielleicht sey diese Attraction, physikalisch zu reden, ein Stoß, oder die Wirkung einer andern uns ganz unbekannten Ursache. So sagt auch 's Gravesande (Phys. elem. mathem. Leid. 1742. gr. 4. L. I. c. 5.) Attractionem vocamus vim quamcunque, qua duo corpora ad se invicem tendunt; etsi forte hoc per impulsum fiat. Hoc nomine phaenomenon, non causam designamus. Man thut daher Newton Unrecht, wenn man glaubt, er habe durch die Attraction das Phänomen erklären wollen, da er es dadurch blos benennen will.

Aber auch als Benennung hat mir das Wort Attraction nie wohlgewählt geschienen. Unerfahene stellen sich dabey natürlich ein Ziehen, eine Kraft vor, welche in dem einen Körper ihren Sitz hat, und den andern, wie an einem Bande, gegen sich führt. Dergleichen verkehrte Begriffe, die Newtons wahrer Meinung ganz zuwiderlaufen, haben manche Philosophen bestritten, und dabey gegen Newton zu streiten geglaubt. Inzwischen ist dieses Wort so allgemein angenommen, daß man schwerlich wagen dürfte, ein anderes einzuführen; man muß am Ende zufrieden seyn, daß die Wahl nicht noch schlimmer ausgefallen ist. Musschenbroek z. B. schlägt unter andern das noch unschicklichere Wort Amicitia vor. ”Was ”würde nicht erst,“ sagt Herr Lichtenberg (Erxlebens Naturl. neuste Ausg. §. 113. b.), ”mancher gefolgert ”haben, wenn Newton diese Erscheinung Sehnsucht ge”nannt hätte? Man sollte sich freylich hüten, da sich, wie ”Haller sagt, unser Aug am Kleid der Dinge stößt, über ”dieses Kleid noch andere zu ziehen, an denen sich die Ein”bildungskraft stößt, noch ehe das Auge bis zu jenem un”durchschaubaren eindringt.“

Solche Kleider hatte Newtons sonst vortreflicher Vorgänger, Kepler, dessen Einbildungskraft sehr oft einen dichterischen Schwung nahm, über den Begrif der Attraction gezogen, von welchem in seinen Schriften häufige Spuren vorkommen, s. den Artikel: Gravitation. Er nahm nicht nur in den Körpern eine innere anziehende Kraft (vim attractivam) an; er redete auch von Freundschaft, Gefühl, Abneigung, Erschrecken der Körper für einander, von Sympathie, Stralen, mit welchen einer den andern umschlinge u. s. f. Auch Roberval nahm die Attraction als eine in den Körpern befindliche Kraft (vim corporibus insitam) an. Wenn man dies behauptet, und das Phänomen dadurch zu erklären glaubt, so sagt man nichts mehr, als was die Scholastiker sagten, wenn sie das Aufsteigen des Wassers in Saugpumpen durch den Abscheu der Natur für der Leere, oder das Einschläfern des Opium durch eine darinn befindliche schlafbringende Qualität erklärten. Dadurch ward Descartes bewogen, sich der Attraction, als einer von den verborgenen Qualitäten der scholastischen Weltweisheit entgegenzusetzen, und sie schien durch ihn gänzlich aus der Naturlehre verbannt, als sie Newton, nicht in Gestalt einer zur Erklärung dienenden physischen Ursache, sondern als Benennung eines allgemeinen durch unzählbare Erfahrungen bestätigten Phänomens, wieder einführte, und mit einer Stärke bewafnete, deren man sie nie fähig geglaubt hätte. In dieser natürlichen und von falschem Schmucke entblößten Gestalt hat sie ihre nun allgemein anerkannten Rechte gegen allen Widerstand behauptet.

Newtons Schüler sind inzwischen viel weiter gegangen, haben dadurch aufs neue manches Misverständniß und viele unnöthige Einwendungen veranlasset, und die Ausbreitung der newtonischen Entdeckungen auf dem festen Lande fast um ein halbes Jahrhundert zurückgehalten. Roger Cotes (Praefatio ad Newtoni Princ. ed. Cantabr. 1713. 4.) zählet die Gravitation unter die wesentlichen Eigenschaften der Materie, ohne welche Materie gar nicht gedacht werden könne oder solle, dergleichen Ausdehnung, Beweglichkeit, Undurchdringlichkeit rc. sind. Quemadmodum, sagt er, nulla concipi debent corpora, quae non sint extensa, mobilia et impenetrabilia; ita dicendum est, nulla concipi debere, quae non sint gravia. Newton hingegen verwahrt sich ausdrücklich, er behaupte keinesweges, daß die Schwere den Körpern wesentlich sey. Man sieht hieraus, wie Joh. Bernoulli (Nouvelles penseés sur le systeme de Descartes. Op. To. III. p. 138.) sagt, daß der Schüler weit kühner, als sein Lehrer, gewesen sey. Diese der Materie wesentliche und von ihr untrennbare innere Kraft sollte nun die Ursache der Schwere, des Zusammenhangs, der Anhängung, der chemischen Verwandtschaften, Auflösungen und Niederschläge, der Beugung, Brechung und Zurückwerfung des Lichts, der im Laufe der Himmelskörper fichtbaren Centripetalkräfte und überhaupt fast aller Erscheinungen der Körperwelt seyn. Welchen starken Einwürfen man sich durch diese Behauptung einer vermeinten physischen Ursache aussetzt, will ich bey dem Worte: Gravitation, umständlicher zeigen.

Dieser Begrif der Attraction, als einer wesentlichen Eigenschaft oder eines innern Vermögens der Materie, scheint mir nicht viel besser, als die Sympathien, Antipathien und verborgnen Qualitäten der Peripatetiker, und sollte aus einer gesunden Physik gänzlich entfernt bleiben; da hingegen die Attraction als Phänomen betrachtet, wenn man sich nicht anmaaßet, die Ursache davon anzugeben, durch klare und unläugbare Erfahrungen bestätiget ist.

Diese Erfahrungen durch den Stoß einer Materie zu erklären, hat sehr große Schwierigkeiten. Cartesens, Huygens, Joh. Bernoullis, Bilfingers u. a. Erklärungen haben im Allgemeinen das wider sich, daß die Erfahrungen bey bewegten Körpern eben so, wie bey ruhenden, erfolgen, und daß bey der Schwere insbesondere die Größe der Wirkung sich wie die Masse, und nicht, wie die Oberfläche verhält. Und überhaupt wird ein solcher Stoß auch nur auf Gerathewohl angenommen, ohne einige Erfahrung, die uns von seiner Wirklichkeit belehrte. Da wir nun in der Physik, sobald uns Erfahrung und Induction verlassen, nichts mehr wissen, warum wollen wir uns schämen, diese Unwissenheit zu gestehen, warum wollen wir uns entweder mit leeren Worten täuschen, die nichts erklären, oder mit Erklärungen behelfen, die aus der Luft gegrisfen, und durch keine Erfahrung unterstützt sind? Solchen chimärischen Theorien hat die Welt noch bis heut nicht eine einzige nützliche Wahrheit zu verdanken. Ich bin nicht abgeneigt, mit Hrn. Lichtenberg (a. a. O.) zu glauben, daß das Phänomen der Attraction noch allzuzusammengesetzt sey, als daß man es in die Classe der ganz einfachen Phänomene, der Ausdehnung, Undurchdringlichkeit u. s. w. setzen, und alle Bemühungen, es zu erklären, aufgeben sollte. Allein Bemühungen, es zu erklären, sind wohl etwas auders, als der eitle Wahn, es ohne Beyhülfe der Erfahrung erklärt zu haben. Auch werden solche Bemühungen allem Vermuthen nach nie anders, als auf dem Wege der Experimentaluntersuchung gelingen. Aber von Kräften oder Mechanismen reden, die sich durch nichts unsern Sinnen darstellen, diese nach Gesetzen wirken lassen, von denen man auch keine Erfahrung hat, sondern die man nur so annimmt, wie man sie nöthig hat, das heist, nach Herrn Kästners Ausdruck (Prüfung eines von Hrn. le Sage angegebnen Gefetzes fallender Körper im deutschen Museum, Jun. 1776. und in der deutschen Uebers. des de Lüc über die Atmosphäre, II. B. S. 660.) nicht erklären, sondern erdichten. Da die Ursache der Attraction kein Gegenstand unserer Sinne mehr zu seyn scheint, so steht es dahin, ob wir je in der gegenwärtigen Welt zu einer zuverläßigen Kenntniß derselben gelangen werden; wenigstens müssen wir vorjetzt unsere gänzliche Unwissenheit hierüber aufrichtig gestehen.

Newton, ohne sich bey den Ursachen des Phänomens aufzuhalten, bemühte sich vielmehr, die Gesetze desselben zu bestimmen. Dies gelang ihm zwar nur für diejenigen Fälle, in welchen die Attraction in beträchtlichen Entfernungen wirkt, aber es ist unbeschreiblich, welch eine reichhaltige Quelle von den wichtigsten Folgen diese Entdeckung unter seinen und seiner Nachfolger Händen geworden ist.

Das Phänomen der Attraction zeigt sich entweder an Körpern, welche in beträchtlichen oder merklichen Entfernungen von einander abstehen, und heist dann Gravitation, allgemeine Schwere (s. Gravitation); oder an Körpern, welche sich berühren, deren Entfernungen unmerklich sind, und führt dann bey Theilen eines und ebendesselben Körpers den Namen der Cohäsion, des Zusammenhangs (s. Cohäsion), und wenn es zwischen Theilen eines flüßigen und einem festen Körper statt findet, den Namen der Adhäsion, des Anhängens (s. Adhäsion). Wenn man auch schon nicht alle einzelne Unterabtheilungen dieses Falles aufzählen und mit besondern Namen belegen kan, so gehören doch dahin auch die chemischen Verwandtschaften, auf welche sich Auflösungen, Niederschläge, Krystallisationen, Gährungen, Gerinnungen, und andere chemische Processe gründen. Sie sind besondere Attractionen gewisser Stoffe, werden auch Wahlanziehungen (attractiones electivae) genannt. Die magnetische und elektrische Anziehung, welche schon in merklichen Entfernungen wirken, aber doch von der Gravitation sehr verschieden sind, erklärt man gemeiniglich durch den Stoß besonderer flüßiger Materien, über deren Daseyn man Erfahrungen zu haben glaubt.

Unter allen diesen besondern Arten der Attraction ist die Gravitation die einzige, deren Gesetze genau entdeckt und bewiesen sind. Newton hat dieselben aus den auf Erfahrung und Beobachtung gegründeten Entdeckungen des Galilei und Keplers entwickelt. Die Stärke der Gravitation verhält sich direkt, wie die Masse des anziehenden Körpers, und umgekehrt, wie die Quadratzahl seiner Entfernung von dem angezognen. Dies ist das Gesetz, nach welchem die Körper gegen die Erde, die Erde selbst und alle Planeten in ihren Bahnen um die Sonne, und die Monden um ihre Hauptkörper getrieben werden, nach welchem die Himmelskörper sämtlich in einander wirken, und aus welchem die Keplerischen, blos aus Tychons Beobachtungen gezognen, Regeln, nothwendige Folgen sind. So wenig die Wahrheit dieses Gesetzes für die Gravitation in Zweifel gezogen werden kan, so ist man doch keinesweges dadurch berechtiget, es für das allgemeine Gesetz aller Attractionen anzunehmen. Newton (Princip. L. I. Sect. 13. Prop 85.) beweiset, daß die Anziehung, wenn sie bey der Berührung viel stärker, als in einer geringen Entfernung ist, in umgekehrter Verhältniß einer höhern Potenz als des Quadrats der Entfernung abnehmen müsse. Nun ist es aber allen Erfahrungen gemäß, daß eine im Berührungspunkte sehr starke Anziehung, in einer sehr geringen Entfernung von diesem Punkte fast unmerklich wird. Es ist also ziemlich entschieden, daß die Anziehung bey der Berührung im umgekehrten Verhältnisse einer höhern als der zweyten Potenz der Entfernung abnehmen, und also andern Gesetzen, als die Gravitation, folgen müsse. Aber diese Gesetze sind noch unentdeckt, und bey weitem nicht so leicht zu erforschen, als es das Gesetz der Schwere war. Die in der Berührung auf einander wirkenden Stoffe befinden sich in einem ganz andern und weit verwickeltern Falle, als die so weit von einander entfernten und so regelmäßig geformten Himmelskörper, deren ganze Masse man in einen Punkt versammlet annehmen kan, und bey denen die Wirkung der Anziehung so einfach und von andern Einwirkungen fast gänzlich frey bleibt. Bey den Berührungen vervielfältiget sich die Menge der wirkenden Theilchen und der Berührungspunkte, in jedem Augenblicke verändert sich die Lage der Theile gegen einander, und jeder derselben stört und verändert die Wirkung der andern. Wer den Ausgang aus diesem Labyrinthe fände, und die Versuche und Beobachtungen der Chymiker auf allgemeine Regeln und ein einfaches Gesetz bringen könnte, der würde weit mehr, als Kepler und Newton, geleistet haben.

Newton selbst scheint geneigt, die Gravitation von der Anziehung beym Berühren ganz zu unterscheiden. Nach diesen Grundsätzen, sagt er (Traité d' optique, Amsterd. 1720. p. 373.), wird man die Natur durchgängig mit sich übereinstimmend und sehr einfach in ihren Wirkungen finden; sie bewirkt alle große Bewegungen der Himmelskörper durch die Attraction der Schwere, welche auf die ganzen Körper wirkt, und fast alle kleine Bewegungen ihrer Theile durch eine andere anziehende Kraft, welche durch die Theile verbreitet ist. In der That muß schon der Umstand, daß die Gravitation sich blos nach der Quantität der Masse, die Verwandtschaft aber nach der Qualität ihrer Theile richtet, auf den Gedanken einer Verschiedenheit beyder Phänomene leiten, die aber vielleicht auch ihren Grund blos in der Form und Dichtigkeit der kleinsten Theile haben kan.

Keill, ein Schüler Newtons (Introductio ad veram physicam, Oxon. 1700. 8.), hat für die Anziehung beym Berühren und in geringen Entfernungen einige Regeln anzugeben, und daraus Cohäsion, Flüßigkeit, Elasticität, Aufbrausen, Niederschlag u. dgl. zu erklären versucht. Freind (Praelectiones chymicae, Oxon. 1704. 4.) hat eben diese Grundsätze noch umständlicher auf die chemischen Erscheinungen und Operationen angewendet. Den meisten dieser Erklärungen aber fehlt allerdings die Deutlichkeit und befriedigende Vollständigkeit, welche Kenner der Chemie, zumal bey dem jetzigen sehr verbesserten Zustande dieser Wissenschaft, fordern würden.

Geometrische Untersuchungen über das ursprüngliche oder allgemeine Gesetz der Attraction hat Maupertuis (Sur l'attraction Neutonienne, Mém. de l'ac. roy. des Sc. de Paris. 1732.) angestellt. Hollmann (Succincta attractionis historia in Comm. soc. reg. Gotting. To. IV.) erzählt die Geschichte der Anziehung. Musschenbroek (Introd. ad Philos. nat. Cap. 20. de corporum attractionibus) hat die vornehmsten Phänomene der Attraction fester und flüßiger Körper gesammlet, und Euler (Lettre à une princesse d' Allemagne, lettr. 68. sq.) bestreitet den Begrif, den sich einige von Attraction, als von einer wesentlichen Eigenschaft der Materie, gemacht haben. Ich verweise übrigens wegen verschiedener hiemit noch zusammenhängenden Bemerkungen auf die Artikel: Cohäsion, Gravitation.