Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Atmometer, Atmidometer.
Atmometer, Atmidometer.

Zus. zu Th. I. S. 154—157.

Herr de Saussure (Journal de physique To. XXXIV. Mars, 1789. p. 161 sqq. übers. in Grens Iourn. der Physik B. I. S. 443 u. f.) hat sich bey seinen Beobachtungen über die Ausdünstung des Wassers auf dem Col du Geant einer eignen Methode bedient. Seine Absicht war, den Einfluß der dünnen Bergluft auf die Größe der Ausdünstung kennen zu lernen, und er mußte daher die Einflüße der übrigen Ursachen, besonders der Wärme und Trockniß, so viel möglich zu entfernen, oder wenigstens gleichförmig zu erhalten suchen. Dieses nöthigte ihn, schnelle Ausdünstungen in kurzen Zeiträumen zu messen, in denen sich Wärme und Trockenheit der Luft nicht merklich verändern konnten. Hiezu wählte er folgenden Apparat. Ein Rechteck von feiner Leinwand, von 13 Zoll und 10 Zoll Seite, ward in einen leichten Rahmen so gespannt, daß es ihn nirgends berührte; die Leinwand ward hierauf befeuchtet, und an den Balken einer guten Wage aufgehängt. Es findet hiebey noch der besondere Vortheil statt, daß die Leinwand einen der umgebenden Luft nahen Grad der Temperatur annimmt, was bey den mit Wasser gefüllten Gefäßen nicht der Fall ist.

Die aufgespannte Leinwand ließ Herr de Saussure an der Sonne oder am Feuer austrocknen, und wog sie dann mit dem Rahmen ab. Hierauf feuchtete er sie gleichförmig mit einem Schwamm an, wog sie wieder, und wenn er sie nicht 150 Gran schwerer fand, als da sie trocken war, so befeuchtete er sie noch mehr; überschritt aber das Gewicht diese Quantität, so ließ er sie an der Wage hängen, bis sie nicht mehr, als 150 Gran, Feuchtigkeit hatte. Unterdessen hieng er 6 Zoll weit der Mitte der Leinwand gegen über ein sehr empfindliches Thermometer und Hygrometer auf. Von dem Augenblicke an, da die Leinwand auf 150 Gran Feuchtigkeit gekommen war, beobachtete er die Zeit der Uhr und die Grade des Thermometers und Hygrometers, und fuhr mit diesen Beobachtungen von 20 zu 20 Minuten so lange fort, bis die Leinwand 60—65 Grad von der anfänglichen Feuchtigkeit verloren hatte, weil über diese Grenze hinaus die Verdünstung nachläßt, und die Leinwand das noch übrige Wasser mit allzuviel Kraft anhält.

Nach dieser Methode sind die Versuche auf dem Col du Geant, wo das Barometer auf 18 Zoll 9 Lin., und zu Genf, wo es 27 Zoll 3 Lin. zeigte, angestellt, deren Vergleichung lehrte, daß auf dem Berge die Wärme weit stärker, als die Trockenheit, in den Plänen hingegen die Trockenheit etwas mehr als die Wärme, auf die Größe der Ausdünstung wirkt. Aus eben diesen Versuchen erhellet, daß bey übrigens gleichen Umständen eine Verminderung der Dichtigkeit der Luft von ohngefähr einem Drittel die Quantität der Ausdünstung mehr als doppelt so groß macht, indem bey eben denselben Graden des Hygrometers und Thermometers in der Pläne nur 37 Gran Wasser verdünsten würden, bey welchen auf dem Berge 84 Gran verdünsteten, aus welchen Sätzen Herr de Saussure die große austrocknende Kraft der Bergluft herleitet, s. den Zusatz des Artikels Berge.