Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Athmen.
Athmen.

Zus. zu diesem Art. Th. I. S. 146—154.

D. Priestley und Crawford, deren Theorien des Athmens den größten Theil dieses Artikels ausmachen, nehmen beyde an, das Athmen führe überflüßiges Phlogiston aus dem Körper, und eben die Verbindung mit diesem Phlogiston sey dasjenige, was die ausgeathmete Luft untauglich zu fernerer Unterhaltung des thierischen Lebens mache, und sie zum Theil in Luftsäure (fixe Luft), zum Theil in Stickgas (phlogistisirte Luft) verwandle.

D. Crawford hatte schon bey der neuern Ausgabe seines Werks über die thierische Wärme (London, 1788. 8.) beträchtliche Aenderungen nöthig gefunden, welche für die Zuverlässigkeit seiner Angaben eben nicht das günstigste Vorurtheil erweckten. Ich habe diese Aenderungen bereits unter den Artikeln: Wärme, specifische (Th. IV. S. 574—582), Wärme, thierische (Th. IV. S. 592—595) beygebracht, und zugleich von den Einwendungen Nachricht gegeben, welche man schon damals der Crawfordischen Theorie entgegensetzte.

Das antiphlogistische System hat nun alle die Theorien, welche das| Athmen als einen phlogistischen Proceß betrachteten, von ihrem ehemaligen Ansehen sehr herabgesetzt. Und es ist gerade hier der Punkt, in welchem dieses neue System durch deutliche Versuche einen entscheidenden Sieg erhalten hat. Denn da es unbezweifelt erwiesen ist, daß das Stickgas nicht erst durch die phlogistischen Processe erzeugt, sondern nur abgeschieden werde (s. die Zusätze zu den Art. Gas, phlogistisirtes, Verbrennung), so folgt auch, daß das Athmen, welches von der respirabeln Luft nur den einen unbrauchbaren Theil abscheidet und wiedergiebt, den andern Theil zurücklassen, mithin dem thierischen Körper vielmehr etwas zuführen müsse. Dies widerlegt alle Systeme, welche sonst die Wirkung des Athmens in einer bloßen Ausführung des überflüßigen Brennstoffs bestehen ließen.

Es sind aber die Antiphlogistiker über die Theorie des Athmens unter sich selbst verschiedener Meinung. Nach einigen wird der in der respirabeln Luft enthaltene Sauerstoff (Oxygène) durch das Athemholen dem Körper zugeführt und im Blute zurückgelassen. Dagegen werden Wasserstoff und Kohlenstoff, die sich im Ueberfluß in der Organisation befinden, und durch die Nahrungsmittel häufig in den Körper kommen, vermittelst des Athmens aus dem Blute abgesondert, und mit der ausgeathmeten Luft herausgeführet. Lavoisier hingegen, und Crawford selbst, welcher in der neuern Ausgabe seines Werks sich sehr nach dem antiphlogistischen System bequemet, läugnen die Verbindung des Sauerstoffs oder der Lebensluftbasis mit dem Blute gänzlich, und glauben vielmehr, daß der Sauerstoff mit zu Erzeugung der fixen Luft verwendet werde, welche beym Ausathmen aus den Lungen hervorgeht. Es sind, ehe ich von diesen Theorien rede, noch einige Erfahrungen vorauszuschicken, die ich hier nach der antiphlogistischen Vorstellungsart vortrage.

Die Menge der ausgeathmeten Luft ist nie ganz der Menge der eingeathmeten gleich. Während des Athemholens geht (1/60)—(1/50) davon verlohren. Die atmosphärische Luft, welche eingeathmet wird, besteht aus Sauerstoffgas, Stickgas und kohlengesäuertem Gas (Luftsäure). Durch das Athemholen wird die Menge des kohlengesäuerten Gas vermehrt, die Menge des Sauerstoffs vermindert, und die Menge des Stickgas unverändert gelassen. Wenn 100 Theile atmosphärische Luft eingeathmet sind, welche aus 80 Theilen Stickgas, 18 Theilen Sauerstoffgas und 2 Theilen kohlengesäuerten Gas bestehen, so erhält man nach dem Ausathmen nur 98 Theile wieder, und diese bestehen nunmehr aus 80 Theilen Stickgas, 5 Theilen Sauerstoffgas, und 13 Theilen kohlengesäuertem Gas.

Ein erwachsener Mann von gewöhnlicher Größe athmet nach den Versuchen des Herrn Menzies jedesmal 40 engl. Cubikzolle Luft ein, und er athmet achtzehnmal in jeder Minute: folglich zieht er mit jeder Minute 720 Cubikzolle atmosphärische Luft in seine Lungen. Diese enthalten ohngefähr (27/100) des Ganzen, oder 194,4 Cubikzolle Sauerstoffgas, welches durch das Athemholen verändert wird. Bey jedem Athemzuge werden 0,05 Theile der eingeathmeten atmosphärischen Luft in Kohlensäure verwandelt. Folglich erzeugen sich in den Lungen eines Mannes von gewöhnlicher Größe in jeder Minute 36 Cubiczolle, und in einem Tage 51840 Cubiczolle oder nahe an 4 Pfund kohlengesäuertes Gas.

Nach wiederholtem Einathmen und Ausathmen derselben Luft wird die Menge des Sauerstoffgas immer geringer, hingegen die Menge des kohlengesäuerten Gas immer größer, und zuletzt wird die Luft ganz untüchtig zu fernerm Athemholen. Allein nicht die Zunahme des kohlengesäuerten Gas, sondern die Abnahme des Sauerstoffgas ist es, was die Luft irrespirabel macht. Das kohlengesäuerte ist nur schädlich, in sofern es durch seine Schwere das Eindringen des Sauerstoffgas in die Lunge verhindert.

Ein Theil des eingeathmeten Sauerstoffgas wird während des Athemholens in Wasser verwandelt, und geht bey dem Ausathmen, als Wasser, fort. Dieses Wasser ist sichtbar, sobald die Temperatur unter 40 Grad nach Reaum. ist, in dichterer Luft auch bey noch höhern Temperaturen.

Das Athemholen steht mit dem Umlaufe des Bluts im allergenauesten Verhältnisse; daher ist auch zwischen dem Pulse und dem Athemholen die genaueste Uebereinstimmung. Je schneller das Athemholen ist, desto schneller ist der Puls, und umgekehrt. Man zählt zwischen dem Einathmen und Ausathmen 4—5 Pulsschläge. Bey drey gesunden sitzenden Personen von verschiedener Länge waren des Morgens der Pulsschläge 65, 72, 116, und der Athemzüge 17, 19, 30. Die mittlere Zahl der Pulsschläge und der Einathmungen in einer gegebenen Zeit stehen demzufolge miteinander im Verhältnisse.

Je mehr Blut aus dem Herzen in die Lunge kömmt, desto öfteres Athemholen ist nöthig; je weniger, desto langsameres. Je kleiner die Einathmung, desto schneller ist dieselbe: solche schnelle und unvollkommne Einathmungen finden gemeiniglich kurz vor dem Tode statt.

Das Blut, welches durch die Lungenpulsader aus der rechten Herzkammer in die Lunge kömmt, hat eine schwarze Farbe. Dasjenige hingegen, welches durch die Venen aus der Lunge in die linke Herzkammer kömmt, sieht hochroth aus. Mithin wird durch das Athemholen, wie schon im Artikel (S. 148. 149) bemerkt ist, die schwarze Farbe des Bluts in eine rothe verwandelt.

Nicht blos die warmblütigen Thiere, sondern auch die mit kaltem Blute, bewirken durch ihr Athmen Veränderungen der Luft. Selbst Insecten und Gewürme zersetzen bey ihrer Respiration, nach neuern Erfahrungen, die Lebensluft (Chemische und physiologische Beob. über die Respiration der Insecten und Würmer, von Vauquelin, aus den Annal. de chimie T. XII. p. 273. übers. in Grens Iournal d. Phys. B. VII. S. 453 u. f.) auf eine Art, die dem Einund Aushauchen der Pflanzen ähnlicher ist.

Nach Lavoisier und Crawford ist nun die Erklärung dieser Phänomene folgende. Bey dem Athemholen sondert sich aus dem venösen Blute gekohltes Wasserstoffgas (schwere brennbare Luft, s. den Zusatz zu dem Art. Gas, brennbares) ab, und verbindet sich mit dem Sauerstoffgas der atmosphärischen Luft; aus der Verbindung des Kohlenstoffs mit diesem Sauerstoffgas entsteht das kohlengesäuerte Gas, welches beym Ausathmen zum Vorschein kömmt; ferner entstehen aus der Verbindung des Wasserstoffs mit dem Sauerstoff der Atmosphäre die Wasserdämpfe, welche sich bey dem Ausathmen zeigen; endlich kömmt die veränderte Farbe des Bluts ganz allein von dem Verluste des gekohlten Wasserstoffgas her, und der Sauerstoff geht in keine Verbindung mit dem venösen Blute über. Man sieht leicht, daß diese Theorie von der Priestleyischen nicht weit abweicht. Sie setzt blos an die Stelle des Priestleyischen Phlogistons das gekohlte Wasserstoffgas, und läßt aus dessen Verbindung mit der atmosphärischen Luft nicht, wie bey Priestley, phlogistisirte oder Stickluft, sondern Luftsäure und Wasser entstehen, wobey das Stickgas, das schon in der eingeathmeten Luft präexistirte, beym Ausathmen unverändert wieder hinweggeht.

Hingegen hat Hr. Girtanner (in Rozier Journ. de phys. 1790. Juin. p. 422. sq. übers. in Gren Iourn. der Phys. B. III. S. 317 u. f. 507 u. f.) eine andere Theorie aufgestellt, und durch eine zahlreiche Menge von Versuchen zu bestätigen gesucht, nach welcher die Reizbarkeit als das Lebensprincip in der ganzen organisirten Natur, und das Oxygen als der Grundstoff dieser Reizbarkeit, betrachtet wird. Nach dieser Theorie soll sich nun der Sauerstoff der atmosphärischen Luft in den Lungen mit dem Blute selbst verbinden, diesem die hellrothe Farbe geben, und sich allen Theilen des thierischen Systems, zu Unterhaltung ihrer Reizbarkeit und ihres Lebens, durch die Circulation mittheilen. Herr Girtanner selbst giebt von dieser Theorie folgenden kurzen Abriß.

Während des Athemholens wird das Sauerstoffgas der Atmosphäre zersetzt. Ein Theil des Sauerstoffs verbindet sich mit dem venösen Blute, und verwandelt seine dunkle Farbe in eine hellrothe. Ein anderer Theil des Sauerstoffs verbindet sich mit dem Kohlenstoffe, welcher aus dem venosen Blute abgesondert wird, und erzeugt kohlengesäuertes Gas. Ein dritter Theil verbindet sich mit dem Kohlenstoffe des schwärzlichen Schleims, welcher sich in den Aesten der Lunge in großer Menge absondert: dieser erzeugt ebenfalls kohlengesäuertes Gas. Ein vierter Theil verbindet sich mit dem aus dem venösen Blute abgesonderten Wasserstoffgas, und erzeugt Wasser, welches sich beym Ausathmen zeigt. Der Wärmestoff des zerlegten Sauerstoffgas bleibt zum Theil mit demjenigen Sauerstoffe verbunden, welcher sich mit dem venösen Blute verbindet; darum ist auch die Menge des Wärmestoffes größer in dem arteriellen Blute, als in dem venösen, wie Crawford bewiesen hat. Ein anderer Theil des Wärmestoffs geht in die Verbindung des kohlengesäuerten Gas über. Ein dritter Theil desselben verbindet sich mit den entstandenen Wasserdämpfen.

Dem zusolge sind die Wirkungen des Athmens folgende:

1) Das venöse Blut verliert gekohltes Wasserstoffgas, und saugt Sauerstoffgas ein. Dadurch erhält es eine rothe Farbe, so wie die metallischen Halbsäuren (Metallkalke), das salpetersaure Gas, und andere Körper, durch ihre Verbindung mit dem Sauerstoffe rothe Farben erhalten.

2) Die Capacität des Bluts für den Wärmestoff nimmt zu: denn die Fähigkeit aller Körper, Wärme zu enthalten, wird größer, wenn dieselben mit dem Sauerstoffe verbunden werden.

3) Das Sauerstoffgas der Atmosphäre wird zum Theil von dem venösen Blute eingesogen; zum Theil durch den Kohlenstoff des Bluts und den Kohenstoff des Schleims der Lunge, in kohlengesäuertes Gas umgeändert, und zum Theil durch den Wasserstoff des venösen Bluts in Wasser verwandlet.

Die Producte, welche durch das Athemholen entstehen, sind 1) eine flüßige thierische Halbsäure (arterielles Blut), 2) kohlengesäuertes Gas, 3) Wasser, 4) eine kleine Menge ungebundenen Wärmestoffs.

Das venöse Blut, welches aus der rechten Herzkammer in die Lunge kömmt, wird durch den Beytritt des Sauerstoffs reizend, und nun vermögend, die linke Herzkammer zum Zusammenziehen zu reizen. Venöses Blut, welches von der Luft nicht berührt worden ist, reizt die linke Herzkammer nicht, ob es gleich fähig ist, die rechte zu reizen. Dieses ist die eigentliche Ursache des Todes der Ertrunkenen und Erstickten, daß nämlich schwarzes venöses von der Luft nicht berührtes Blut in die linke Herzkammer kömmt, wodurch die Bewegung dieser Herzkammer aufhört, weil dieselbe nicht mehr zum Zusammenziehen gereizt wird.

Sobald das Athemholen nicht gehörig von statten geht, ist das arterielle Blut mehr oder weniger schwarz, und wenn das Athemholen aufhört, so bleibt auch alles Blut schwarz. Diejenigen Stellen, wo das Blut aus den äussersten Enden der Arterien in die äussersten Enden der Venen übergeht, liegen an einigen Theilen des Körpers so nahe unter der Haut, daß man die Farbe des Bluts deutlich durchschimmern sieht, z. B. an den Wangen, den Lippen, unter den Nägeln, an der innern Seite des Mundes. Bey Personen, welche eine große Lunge haben, und stark Athem holen, ingleichen in einer Luft, welche viel Sauerstoffgas enthält, sind diese Stellen hochroth. Bey Personen, bey denen das Athemholen nicht so gut von statten geht, oder welche in einer schlechten Luft athmen, die wenig Sauerstoffgas enthält, sind diese Stellen blaß, gelb, blau oder violett, z. B. im Frost der Wechselfieber; zum Theil auch bey skorbutischen Personen, deren Gesicht gelb, und deren Zahnfleisch blau aussieht. Bey Ertrunkenen oder Erstickten, bey denen das Athemholen ganz aufgehört hat, findet man diese Theile violett oder dunkelblau gefärbt. Auch neugebohrne Kinder sehen oft so aus, aber sie verlieren diese Farbe, nachdem sie einige Tage Athem geholt haben.

Man hat versucht, das Athemholen kranker und vorzüglich schwindsüchtiger Personen zu erleichtern, indem man sie in Zimmern athmen ließ, welche mit reinem und unvermischtem Sauerstoffgas angefüllt waren. Anfänglich versprach man sich viel von diesem Mittel; aber die Erfahrung hat bewiesen, daß dasselbe höchst schädlich sey, und daß schwindsüchtige Personen in dem Sauerstoffgas zwar freyer athmen, als in der atmosphärischen Luft, aber daß sie auch weit früher sterben; so wie ein Licht in dem Sauerstoffgas zwar mit hellerer Flamme brennt, aber sich dagegen auch weit schneller verzehret. Bey der Lungenschwindsucht nimmt das schon vorhandene Fieber beträchtlich zu, wenn die Kranken reines Sauerstoffgas einathmen, und sie werden durch dasselbe in kurzer Zeit aufgerieben. Weit besser ist es, wenn man Kranke, die an der Lungenschwindsucht leiden, eine unreinere Luft einathmen läßt, welche weniger Sauerstoff, als die gewöhnliche Luft der Atmosphäre, enthält. Hingegen thut das Einathmen des Sauerstoffgas vortrefliche Dienste gegen die venerische Krankheit, die Skropheln, die Hypochondrie, Bleichsucht, asthmatische Zufälle, und gegen alle chronische Krankheiten, welche aus Schwäche entstehen.

Der während des Athemholens mit dem venösen Blute verbundene Sauerstoff verbreitet sich, vermöge der Circulation in den Arterien, durch alle Theile des Körpers. Er verbindet sich mit dem Körper, und sein Wärmestoff wird frey. Daher entsteht die thierische Wärme, s. den Zusatz zu dem Art. Wärme, thierische. Soweit die Theorie des Herrn Girtanner.

Herr Robert Menzies (Tentamen physiologicum de respiratione. Edinb. 1790, im Auszuge in Grens Iournal der Phys. B. VI. S. 107 u. f.) hat sich vornehmlich mit Bestimmung der Luftmenge beschäftiget, die bey jedem Einathmen von den Lungen aufgenommen wird. Er bediente sich zu diesem Zwecke einer Blase, deren Inhalt er kannte, und an der eine mit Ventilen versehene Röhre angebracht werden konnte, wodurch es leicht ward, alle in der Blase enthaltene Luft einzuathmen, und sie vermittelst einer andern Röhre mit entgegengesetzter Stellung der Ventile, durch die bey jeder Exspiration austretende Luft wieder aufzublasen. Durch dieses Mittel fand Herr Menzies eine Blase, von 2400 Cubikzoll Inhalt, durch ein 56maliges Ausathmen, das er mit fest geschlossener Nase verrichtete, angefüllt. Dieser Versuch, der bey häufiger Wiederholung immer denselben Erfolg gewährte, giebt 42,8 Cubikzoll für die Luftmenge, die bey jeder Exspiration aus der Lunge tritt. Um diese Bestimmung noch auf andere Art zu prüfen, stellte Herr M. nach dem schon von Boerhaave angegebnen Vorschlage, einen starken, 5 Fuß 8 Zoll langen Mann, dessen Brusthöle 3 Fuß 3 Zoll Umfang hatte, in ein mit Wasser angefülltes Gefäß von bekannten Dimensionen so, daß er bis an den Hals im Wasser stand, und beobachtete während des Athmens das abwechselnde Aufsteigen und Sinken der Wasserfläche. Die Temperatur des Wassers war 90 Grad nach Fahrenheit: der Puls schlug bey dem Manne in einer Minute 64—65 mal vor und in dem Bade, und in eben der Zeit geschahe das Einathmen 14—14 1/2 mal; das Wasser stieg jedesmal um 1 1/4 Zoll, woraus nach den Dimensionen des Gefäßes folgte, daß bey jedem Einathmen 46,76 Cubikzoll Luft in die Brusthöle des Mannes traten. Fast eben dieses Resultat gab bey diesem Manne der Versuch mit der Blase. Bey einem kleinern Menschen, dessen Höhe nur 5 Fuß 1 Zoll betrug, schlug der Puls in einer Minute 72 mal, die Zahl der Inspirationen war 18, und das Wasser stieg und sank 0,95 Zoll. Hieraus folgte der Luftraum, den dieser Mann bey jeder Inspiration einzog, = 40,78 Cubikzoll. Der Versuch mit der Blase gab ebendasselbe Resultat. Das Mittel zwischen beyden Versuchen giebt für die Luftmenge, welche bey jeder Inspiration in die Lunge tritt, 43,77 Cubikzoll.

Herr Menzies betrachtet die Lungen selbst als den Heerd der thierischen Wärme, welche von der Zersetzung der Luft in ihnen herrühre, und in directem Verhältnisse der Quantität der zersetzten Lebensluft und der gebildeten Luftsäure sey.

Herr Gren hat in seinem Iournal der Physik die angeführten Abhandlungen der Herren Girtanner und Menzies mit Anmerkungen begleitet, und darinn gegen die antiphlogistischen Erklärungen des Athemholens einige Einwendungen gemacht. Bey allen diesen Erklärungen wird angenommen, der Kohlenstoff zersetze die atmosphärische Luft, verbinde sich mit ihrem Sauerstoff, und mache dagegen ihren Wärmestoff frey. Demzufolge wäre das Athemholen eine Art von schwacher Verbrennung des Carbone. Aber nach den Behauptungen der Antiphlogistiker soll der Carbone das Sauerstoffgas nicht eher, als bey der Glühhitze, zersetzen, und man sieht es ja auch, daß Kohlen ohne Glühen nicht verbrennen, und daß bey der Temperatur der Blutwärme, und noch weit darüber, Kohle und respirable Luft einander nicht zersetzen. Wenn nun dieses nach Herrn Lavoisier eignen Behauptungen nicht der Fall ist, so kann auch der Kohlenstoff des Bluts und des Lungenschleims bey der bloßen Wärme des thierischen Körpers mit dem Oxygen der reinen Luft nicht Luftsäure erzeugen. Es geschieht dieses ja nur bey der Entzündung, die doch wohl in der Respiration schwerlich anzutreffen seyn möchte. Eben diese Bewandniß hat es mit dem Wasser, welches beym Athemholen entstehen soll. Man erfordert zur Wassererzeugung aus Hydrogen und Oxygen die Entzündung, und nicht blos die Temperatur des thierischen Körpers. Freylich können die Antiphlogistiker hierauf antworten, die Entzündungstemperatur sey nur bey den gewöhnlichen Versuchen nöthig, wo die Stoffe als feste Körper oder in Luftgestalt mit einander verbunden werden: dahingegen der Kohlenstoff und Wasserstoff des Bluts in einer ganz andern Form, als die Kohle und die brennbare Luft bey den gewöhnlichen Versuchen, erscheinen, und daher vielleicht in weit niedrigern Temperaturen das Oxygen schon anziehen können.

Ferner läugnet Herr Gren, daß die Respiration die Quelle der thierischen Wärme sey, und sieht vielmehr die Lungen als das hauptsächlichste Werkzeug zur Ausscheidung der freyen Wärme aus dem Blute, und folglich zur Abkühlung des Körpers, an. Alle die Thatsachen, wodurch man beweisen will, das Athmen sey die Quelle der thierischen Wärme (s. den Art. Athmen Th. I. S. 152.), sind nicht zwingende Demonstrationen, sondern dieser Meinung nur angepaßt. Man kann eben so gut umgekehrt behaupten, je größer die Wärme des Körpers sey, desto mehr müsse die Lunge arbeiten, um das Blut abzukühlen. Man kann sagen, die Vögel haben große Lungen, weil ihr Körper mit einem schlechten Leiter der Wärme, den Federn, umgeben ist, und die Abführung der überflüßigen Wärme fast ganz allein durch ihre Lungen geschehen muß. Die Hunde athmen schnell und heftig, wenn sie erhitzt sind, oder in heisser Luft leben. Man kann sagen, sie finden in dem häufigen und schnellen Athmen ihre Abkühlung. Was würde daraus entstehen, wenn sie dadurch verhältnißmäßig ihrem Körper noch mehr Hitze zuführten? Und so können alle diese Thatsachen, die man für den Ursprung der Wärme aus dem Athmen anführt, eben sowohl als Beweise der Abkühlung des Bluts durch die Respiration ausgelegt werden.

Durch das Athmen werden nach Herrn Gren vielmehr Feuchtigkeit und Stoff der Luftsäure (Kohlenstoff) aus dem Körper geführt. Von diesem letztern nimmt Hr. G. an, er sey in den Blutgefäßen durch den Brennstoff gebunden, und lasse sich nicht eher luftförmig entwickeln, als bis der Brennstoff abgeschieden sey. Diese Abscheidung aber geschehe durch die respirable Luft, die wir zum Athmen brauchen. Die Entstehung der elastischen Flüßigkeiten, nemlich des Wasserdunstes und luftsauren Gas, welche ausgehaucht werden, geschehe nie ohne Bindung von Wärmestoff, folglich sey damit Verminderung der freyen Wärme, nicht Entstehung oder Vermehrung derselben, verknüpft. Ueberdieses sey die Temperatur des Hauches merklich höher, als die der umgebenden Luft, und also werde auch dadurch freyer Wärmestoff ausgeführt.

D. Priestley (Philos. Trans. Vol. LXXX. 1790. p. 106 sqq. übers. in Grens Iournal der Phys. B. IV. S. 472.) ändert seine ehemalige Behauptung, daß der Proceß des Athemholens in einer bloßen Entlassung des Phlogistons aus den Lungen bestehe, nunmehr dahin ab, daß er annimmt, ausser der Abscheidung des Phlogistons vom Blute werde auch dephlogistisirte Luft, oder ihr sauermachendes Princip, zu gleicher Zeit vom Blute aufgenommen. Da nun auch ein Theil der dephlogistisirten Luft zur Bildung der fixen Luft verwendet werden muß, die sich beym Athemholen erzeugt, so sucht D. Priestley zu bestimmen, wie groß dieser Theil sey, und findet durch einige Versuche nach angestellten Berechnungen, daß von der beym Athemholen verzehrten dephlogistisirten Luft drey Viertel in das Blut übergehen, ein Viertel aber zur Bildung der fixen Luft in den Lungen verwendet werde. Ob nun gleich diese Angabe mit den Behauptungen der Antiphlogistiker ziemlich übereinstimmt, so sind doch die Gründe, auf welche D. Priestley seine Versuche und Berechnungen gebaut hat, ganz aus dem phlogistischen System genommen, indem dabey vorausgesetzt wird, die fixe Luft bestehe aus Lebensluft und Phlogiston, und das letztere sey selbst wägbar. Denn es wird aus einigen Verfuchen gefolgert, daß ohngefähr 1/4 des Gewichts der fixen Luft Phlogiston sey, und folglich die andern 3/4 aus dephlogistisirter Luft bestehen. Diese Voraussetzungen und Schlüße dürften wohl jetzt von den Vertheidigern des Phlogistons selbst nicht mehr zugegeben werden, welche den Brennstoff, wenn sie auch einen annehmen, dennoch mit allgemeiner Uebereinstimmung als eine unwägbare Substanz betrachten.

Ansangsgrunde der antiphlogistischen Chemie von Chr. Girtanner. Berlin, 1792. gr. 8. Kap. 34.

Abhandlung über die Irritabilität, als Lebensprincipin der organisirten Ratur, von Hrn. Girtanner, in Grens Journal der Physik, Erste Abhdl. B. III. S. 317 u. f. Zweyte Abhandlung ebend. S. 507 u. f.

Bemerkungen über das Athemholen von Iös. Priestley, in Grens Journ. d. Phys. B. IV. S. 472 u. f.

Ueder das Athemholen von Robert Menzies aus d. Annal. de Chimie To. VIII. 1791. p. 211. übers. in Grens Journ. der Physik. B. VI. S. 109 u. f.