Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Athmen, Athemholen
Athmen, Athemholen, Respiratio, Respiration.

Die zum Leben der Menschen und Thiere nothwendige Bewegung, durch welche die Brust abwechselnd erweitert und verengert wird, um Luft in die Lungen zu ziehen, und wieder aus denselben herauszutreiben. Das Athmen besteht aus zwoen entgegengesetzten Bewegungen, dem Einathmen (Inspiratio) und dem Ausathmen (Exspiratio). Bey jenem erweitert sich die Brusthöhle, und die äußere Luft dringt durch die Luftröhre in die Lungenbläschen ein; beym Ausathmen wird diese Luft gröstentheils wieder herausgetrieben, und die Brusthöle zusammengezogen.

Mit Uebergehung dessen, was hiebey dem Anatomiker und Physiologen zu überlassen ist, z. B. des von Boerhave zuerst erklärten Mechanismus des Athmens rc. wollen wir blos einige Untersuchungen berühren, in welche sich der Naturforscher, auch ohne Arzt zu seyn, einlassen kan.

Die Wirkungen der eingeathmeten atmosphärischen Luft auf die Lungen und den thierischen Körper überhaupt, sind: eine mechanische Verdünnung und Verfeinerung des Bluts, eine Ausführung überflüßiger oder schädlicher Theile, und die Unterhaltung der Wärme des Bluts.

Mechanisch werden durch das Ein- und Ausathmen die Bläschen der Lungen abwechselnd aufgeschwellt und wieder zusammengezogen, und daher die darüber hingehenden zarten Blutgefäße bald verlängert und gespannt, bald wiederum nachgelassen. Dieses immer fortgehende Abwechseln der Verlängerung und Verkürzung muß nothwendig das darinn befindliche Blut feiner verarbeiten, seine Bestandtheile inniger vermischen, das im Körper schon umgelaufene verbessern, und dem aus dem hinzukommenden Milchsafte neu entstehenden die gehörige Vollkommenheit geben.

Daß ferner das Athmen etwas dem thierischen Leben zuträgliches in den Körper bringe, und etwas überflüßiges oder schädliches herausführe, erhellet daraus, weil die ausgeathmete Luft von einer ganz andern Beschaffenheit, als die eingeathmete, ist. Es ist eine längst bekannte Erfahrung, daß Thiere in eingeschloßner Luft nur eine Zeitlang athmen können, daß sie darinn nach einer gewissen Anzahl von Athemzügen endlich mit Verzuckungen sterben, und daß in solcher durch das Athemholen eines darinn gestorbenen Thieres verdorbner Luft, andere Thiere oft augenblicklich und auf den ersten Athemzug sterben. Eben dies widerfährt dem Menschen, und es haben davon die in Bengalen in die sogenannte schwarze Höle gesperrten 146 Engländer (s. Yves Reisen nach Indien und Persien, übers. v. Dohm, Th. I. S. 162.), von welchen in diesem 11 Fuß langen und 18 Fuß breiten Gefängnisse in einer Nacht 123 starben, ein trauriges Beyspiel gegeben. Man erklärte dies sonst durch ein gewisses in der Luft enthaltenes pabulum vitae, welches ihr durch das Athmen nach und nach entzogen würde. Da aber nach Priestley's Beobachtungen (Exp. and. Obs. on diff. kinds of air. Vol. I. Sect. 4. III. Sect. 5. ingl. Exp. and Obs. relating to various branches of nat Philos. Sect. XXXIX. no. 9.) Verbrennung, Fäulniß, Verkalkung der Metalle, und andere Processe, wobey sich offenbar Phlogiston oder brennbarer Stof mit der Luft verbindet, die Luft gerade eben so, wie das Athmen, verderben, so ist es weit wahrscheinlicher, daß die ausgeathmete Luft das überflüßige Phlogiston aus dem Körper führe; daher auch die durchs Athmen verdorbene Luft unter die phlogistisirten Luftgattungen oder Gasarten gesetzt worden ist. Dieser Theorie zufolge besteht die aus der Atmosphäre eingeathmete Luft aus einem Gemische verschiedener luftförmigen Stoffe, von welchen eigentlich nur einer, die sogenannte reine Luft oder das dephlogistisirte Gas den zum Athmen geschickten Theil ausmacht. Diese reine Luft steht mit dem Phlogiston in einer genauen Verwandtschaft, und nimmt daher in den Lungen den brennbaren Stof auf, den das aus allen Theilen des Körpers dahin zurückgeführte Blut mit sich gebracht hat, und die große Absicht der Natur bey der Verrichtung des Athmens ist, den thierischen Körper von dem Ueberflusse des durch die Nahrungsmittel eingeführten Brennbaren zu befreyen, das ihn sonst tödten und in Fäulniß übergehen lassen würde.

Priestley sucht diese Theorie durch einige Versuche zu bestätigen, welche angeführt zu werden verdienen. ”Alles ”Blut, sagt er, geht durch die Lungen, und nimmt nach ”den Beobachtungen der Aerzte in denselben eine röthere ”Farbe an. Es kan daher fast nicht bezweiflet werden, ”daß die ausgeathmete Luft durch das Blut in den Lungen ”phlogistisiret werde. Inzwischen schien es mir dienlich, ”durch einen Versuch zu bestimmen, ob das Blut auch ”noch außer dem Körper und im Zustande der Gerinnung ”eine ähnliche Wirkung auf die Luft äußere. Ich ließ da”her Schafblut an der Luft gerinnen, goß daß wässerige ”davon ab (wobey die der Luft ausgesetzte Oberfläche be”kanntermaßen eine hellrothe Farbe annimmt, das innere ”hingegen dunkelroth und fast schwarz wird), und brachte ”einige von den dicken geronnenen Stücken, theils durch ”Wasser, theils durch Quecksilber in verschiedene Luftgat”tungen. Die schwärzesten Stücken wurden in gemeiner ”Luft roth, und noch mehr in dephlogistisirter, welche zum ”Athmen noch geschickter ist; hingegen wurden die hellsten ”rothen Theile in allen zum Athmen ungeschickten Luftgat”tungen, z. B. in fixer, brennbarer, salpeterartiger, phlo”gistisirter Luft sogleich schwarz; die in phlogistisirter Luft ”schwarz gewordenen erhielten in gemeiner oder dephlogisti”sirter Luft ihre rothe Farbe wieder, und so konnte ich sie ”abwechselnd schwarz und roth färben.“ Fernere Versuche lehrten, daß dephlogistisirte Luft durch geronnene Stücken Blut, die er ihr ausgesetzt hatte, in einigen Stunden, auch durch schwarze mehr, als durch rothe, verdorben ward. Priestley macht sich selbst die Einwendung, das Blut komme in den Lungen nicht in unmittelbare Berührung mit der Luft, sondern werde durch Häutgen von derselben getrennt, deren Dicke Hales (1/1000) Zoll schätze. Er setzte daher eine Menge schwarzes Blut in einer zugebundenen Blafe, mit etwas von dem wässerigen Theile des Bluts angefeuchtet, der Luft aus, und fand den folgenden Tag die untere Fläche desselben hellroth, in eben der Dicke, in welcher sie, unmittelbar der freyen Luft ausgesetzt, würde roth geworden seyn. Dieser Versuch, der auch bey nicht angefeuchteter Blase gelang, zeigte, daß das Dazwischenkommen eines Häutchens die Einwirkung nicht hindere, auch, daß die Veränderung der Farbe nicht von der Ausdünstung herrühre. Der wässerige Theil des Bluts selbst hält die Einwirkung der Luft nicht ab; die schwarzen Stücke wurden roth, wenn sie gleich einige Zoll hoch mit diesem Serum bedeckt waren. Und daß nicht etwa das Serum selbst diese Färbung bewirke, ward dadurch erwiesen, daß schwarzes Blut, einen halben Zoll hoch mit Serum bedeckt, unter der ausgeleerten Glocke der Luftpumpe schwarz blieb, ob es gleich eine ganze Nacht gestanden hatte, an freyer Luft aber unter übrigens ähnlichen Umständen, bald roth ward, woraus er schließt, daß die Blutkügelchen durch die Flüßigkeit, in welcher sie schwimmen, nicht verhindert werden, ihr Phlogiston an die Luft abzugeben.

Dieser Priestleyschen Theorie des Athmens ist inzwischen diejenige, welche Herr Scheele (Chemische Abhdl. von Luft und Feuer, von Hrn. Leonhardi. Leipz. 1782. 8.) vorgetragen hat, gerade entgegengesetzt. Nach der Meinung dieses großen Chymisten ist seine Feuerluft (eben dieselbe, welche Priestley dephlogistisirte nennt) eine mit Brennbarem gesättigte und versüßte Luftsäure, und die reine Luft soll das Blut nicht des Brennbaren berauben, sondern vielmehr mit mehrerem Brennbaren versehen, und es dadurch flüßiger, beweglicher und röther machen. Durch die Absetzung eines Theils vom Brennbaren soll sich die Feuerluft in verdorbene Luft verwandlen, dergleichen die ausgeathmete ist. Scheele läst es übrigens ganz unausgemacht, wohin das viele Phlogiston komme, welches auf diese Art dem Körper durch die Feuerluft unaufhörlich müste zugeführt werden. Er gründet seine Behauptung auf Ideen, welche mit seinem ganzen System über Feuer, Luft und Verbrennung so genau zusammenhängen, daß sie ohne Weitläuftigkeit hier nicht beygebracht werden können, die ich daher den Artikeln: Feuer, Gas, Phlogiston vorbehalte. Uebrigens beruft sich Scheele auf einen von ihm angestellten Versuch, wobey es ihm gelungen, selbst brennbare Luft durch wiederholtes Ein- und Ausathmen derselben in verdorbne Luft zu verwandlen, und ihr ihre brennbare Eigenschaft zu benehmen. Dieses streitet aber völlig mit den sorgfältig angestellten Versuchen des Fontana (Phil. Trans. Vol. LXIX. P. II. no. 24.), welcher das Athmen der brennbaren Luft für die Thiere ohne Ausnahme tödtlich fand, auch selbst sie nicht mehr, als höchstens eilfmal, athmen, und nach dem Athmen noch immer, selbst dicht vor seinem Munde, entzünden konnte.

Die sinnreiche Erklärung, welche Crawford (Experiments and observations on animal heat, and the inflammation of combustible bodies, London. 1779. 8.) von der thierischen Wärme und der Verbrennung gegeben hat, stimmt nicht nur mit Priestleys Behauptungen besser überein, sondern giebt auch zugleich von der durchs Athmen erzeugten und unterhaltenen Wärme des Bluts im thierischen Körper auf eine sehr ungezwungene Art Rechenschaft. Nach seiner Meinung sind Feuer und Phlogiston zween besondere einander ganz entgegengesetzte Stoffe. Das Feuer ist entweder frey, wirkt dann aufs Gefühl und aufs Thermometer, und verursacht fühlbare Wärme; oder es ist gebunden, und macht einen Bestandtheil der Körper selbst aus (s. Feuer). Wird mit einem Körper mehr Phlogiston verbunden, so wird dadurch ein verhältnißmässiger Theil seines Feuers frey. Wird ihm Phlogiston entzogen, so bindet er dagegen mehr Feuer, das er aus den ihn berührenden Körpern an sich nimmt. Crawford nennt ferner die Fähigkeit, Wärme anzunehmen oder mitzutheilen, specifische Wärme, deren jeder Körper desto mehr hat, je weniger Phlogiston in seiner Mischung enthalten ist. Seine Methode, die specifische Wärme der Körper zu bestimmen, s. unter dem Art. Wärme, specifische. Nach Crawfords Versuchen nun hat das flüßigere und röthere Blut der Pulsadern, welches in den Lungen der Wirkung der eingeathmeten Luft ausgesetzt gewesen ist, in dem Verhältnisse 23:20 mehr specifische Wärme, und enthält daher weniger Phlogiston, als das durch den Umlauf im Körper wieder geänderte dickere und schwärzere Blut der Blutadern. Dagegen hat die ausgeathmete Luft 67 mal weniger specifische Wärme, als die eingeathmete atmosphärische, woraus denn folgt, daß die ausgeathmete weit mehr Phlogiston enthalten und also den brennbaren Stof aus dem Körper ausführen müsse.

Die dritte Wirkung des Athemholens ist die Erzeugung und Unterhaltung der Wärme des thierischen Körpers, s. Wärme, thierische. Es ist längst beobachtet worden, daß alle Thiere, welche vermittelst vollkommner Lungen athmen, und die Luft in Menge in sich ziehen, warmes Blut, und daher weit mehr innere Wärme haben, als ihnen die Temperatur der sie umgebenden Luft mittheilen könnte. Diejenigen Thiere hingegen, welchen die Lungen fehlen, sind nicht wärmer, als das Mittel, in welchem sie leben. Die Vögel, als die wärmsten Thiere, haben in Vergleichung mit der Größe ihres Körpers die grösten Lungen. Je schneller man athmet, und je mehr Luft man also in einer bestimmten Zeit einziehet, desto mehr wird das Blut erwärmt; daher kömmt die Erhitzung desselben durch Bewegung und durch alles, was das Athmen beschleuniget.

Dies erklärt Crawfords eben angeführte Theorie auf eine sehr leichte Art. Indem nemlich die reine oder zum Athmen taugliche Luft das Phlogiston des Bluts in den Lungen an sich nimmt, wird ihr Vermögen, Feuer zu enthalten oder zu binden, vermindert, und durch das Freywerden ihres Feuers entsteht fühlbare Wärme. Beym Umlaufe durch den Körper theilt das Blut diese fühlbare Wärme den Theilen des Körpers mit, verliert zugleich einen Theil des in ihm gebundenen Feuers, und nimmt dafür Phlogiston aus dem Körper an sich. So entsteht ein beständiger Kreislauf, der einer wechselseitigen chemischen Anziehung gleichet. Daß der ausgeathmete Hauch wärmer ist, als die äußere Luft, ist dagegen keine Einwendung; seine fühlbare Wärme kömmt blos von dem zugleich ausgehenden freyen Feuer her, und ist vielmehr ein Zeichen, daß er weniger Feuer binde, als die äußere Luft. Ausführlicher wird sich von dieser Wirkung des Athmens unter dem Worte: Wärme, thierische, sprechen lassen.

Dies sind die neusten Theorien über die Wirkungen des Athmens. Die Aerzte haben hierüber sehr verschieden gedacht. Hippocrates, Aristoteles und Galen liessen die eingeathmete Luft in das Blut und die Säfte übergehen, die Lebenskraft in denselben unterhalten und das Herz bewegen. Den Ursprung der thierischen Wärme leiteten sie vom Herzen her, in welchem sie ein Lebensfeuer (ignem vitalem) annahmen, und glaubten, dieses Feuers übermäßige Hitze werde durch das Einathmen der frischen Luft abgekühlt und durchs Ausathmen sein Dampf abgeführt (Galen. de usu partium. L. VII. c. 9. de util. respir. c. 3.). Auch neuere Aerzte haben einen Uebergang der Luft in elastischer Gestalt in das Blut angenommen, und daraus die Flüßigkeit, innere Bewegung, Wärme, Dünne, ja sogar den Umlauf desselben im Körper herleiten wollen. Van Helmont glaubte, die Luft bringe die Lebensgeister in den Körper; welcher Meinung selbst Boerhave, Mead und Sauvage unter gewissen Einschränkungen den Beyfall nicht versagen; andere haben durch die Luft ein salziges oder nitröses Principium in den Körper bringen wollen. Auch die Meinung der Alten von der Abkühlung der innern Wärme durch die eingeathmete Luft ist von vielen neuern Aerzten angenommen worden; einige haben noch hinzugesetzt, das dünnere Blut der Blutadern werde durch diese Abkühlungen verdichtet. Beyde Behauptungen widerlegt Haller (De partium corp. hum. fabrica et funct. L. VIII. Sect. 5. § 16. 17.), der übrigens annimmt, es komme Luft zur Mischung des Bluts, und beym Ausathmen werden flüchtige, salzige, faule Ausdünstungen, auch Phlogiston ausgeführt. Den Gedanken, daß die Wärme des Bluts durchs Athmen entstehe, äußert Stahl (Theor. medica. p. 288.) mit der Bemerkung, daß er ihm schon seit dem Jahre 1684 eigenthümlich zugehöre. Auch Boerhave, Hales und Arbuthnot glauben, das Blut werde in den Lungen durch das Athmen verdichtet und erwärmt; Buffon nimmt die Lungen für das Gebläse an, das zur Belebung des Lebensfeuers diene. Priestley schloß aus der Aehnlichkeit der durchs Athmen verdorbenen Luft mit der durch Verbrennung und Fäulniß verdorbenen, daß das Athmen Phlogiston aus dem Körper führe, fast zu eben der Zeit, da Scheele gefunden zu haben glaubte, daß sie brennbaren Stof hineinbringe. Priestleys und Crawfords Meinungen haben vor den älteren wenigstens das voraus, daß sie sich mehr auf Experimentaluntersuchung gründen.

Gewöhnlich athmet der Mensch während 4—5 Pulsschlägen einmal, d. i. in einer Minute 20 mal, da die mittlere Anzahl der Pulsschläge in einer Minute 80 ist. Man kan rechnen, daß ein gesunder Mann von gewöhnlicher Größe auf einmal dreyßig Eubikzoll Luft einathme. Beym Ausathmen bleibt viel Luft in den Lungen, der Luftröhre und dem Munde zurück. Bey einem starken Ausathmen können vielleicht nach einem natürlichen Einathmen 60 Cubikzoll ausgestoßen werden. Durch Beschleunigung des Pulses, Bewegung, Lungenkrankheiten, Unreinigkeit oder Verdünnung der Luft wird das Athmen beschleuniget. Thiere athmen in eingeschloßner oder verdünnter Luft immer schneller und stärker.

Ueber die Beschasfenheit der ausgeathmeten Luft kan der Artikel: Gas, phlogisticirtes, und über die Mittel, wodurch die Natur die durchs Athmen verdorbene Luft der Atmosphäre wieder verbessert, der Artikel: Gas, atmosphärisches, nachgesehen werden.

Haller de part. corp. humani fabrica et funct. edit. Bernae et Lausannae. To. VII. 1778. 8. Lib. VIII. Tib. Cavalle treatise on the nature and properties of air. London. 1771. gr. 4. p. 376. sq.

Atmometer, Atmidometer, Ausdünstungsmaaß, Atmometrum, Atmométre. Eine Vorrichtung, wodurch sich die Größe der Ausdünstung bestimmen läst.

Man kan bey den Beobachtungen über die Größe der Ausdünstung zweyerley Absichten haben; entweder wünscht man die absolute Menge der in verschiedenen Jahreszeiten oder Jahren aus den Gewässern aufsteigenden Dünste zu kennen, oder man will nur für einen gegebnen Augenblick die auflösende Kraft der Luft bestimmen. Jede Absicht erfordert eine eigne Einrichtung des Werkzeugs.

Zu der ersten Absicht ist es hinreichend, ein Gefäß mit Wasser der Luft eine bestimmte Zeit lang auszusetzen, und den Verlust, den es diese Zeit über durch die Ausdünstung erlitten hat, durch Abwägen oder Ausmessen zu bestimmen. Auf diese Art haben Musschenbrock (Tentamina experimentorum capt. iu academ. del Cimento. To. II. p. 62.), Richmann (Comm. Petropol. To. XIV. p. 273. Nov. Comm. Petropol. To. I. p. 198. To. II. p. 145.), Wallerius (schwed. Abhdl. 1746. S. 3. 1747. S. 235.) und Lambert (Essai d' hygrometrie. Mém. de l'Acad. de Prusse 1769. p. 68. 1772. p. 65. Hygrometrie, aus dem Französ. übers. Augsb. 1774. Fortsetzung Augsb. 1775. 8.) die Größe der Ausdünstung untersucht. Musschenbroek brauchte bleyerne Gefäße von sechs Zollen ins Gevierte, fand die Ausdünstung aus einem solchen Gefäße von 12 Zoll Höhe stärker, als aus einem von 6 Zoll Höhe, und glaubte endlich daraus das Resultat ziehen zu können, daß sich unter übrigens gleichen Umständen die Größen der Ausdünstung, wie die Cubikwurzeln aus der Höhe der Gefäße verhielten, wenn er die Versuche im freyen anstellte, auf seinem Zimmer hingegen konnte er zwischen der Größe der Ausdünstung aus hohen und niedrigen Gefäßen nie einen merklichen Unterschied finden. Richmann fand ebenfalls die Ausdünstung aus tiefern Gefäßen stärker, und erklärt dies dadurch, daß die Ausdünstung von dem Unterschiede der Temperaturen des Wassers und der Luft abhänge, und dieser Unterschied in tiefern Gefäßen größer und dauerhafter sey, weil sie die Temperatur der umliegenden Luft nicht so schnell annehmen. Hieraus erhellet auch, warum Musschenbroek diesen Unterschied nur im freyen, nicht auf seinem Zimmer, fand, weil sich da die Temperatur nur sehr wenig und langsam änderte. Wallerius fand die Ausdünstung aus hohen und niedrigen Gefäßen gleich stark, wenn er beyderley Gefäße in Thon versenkte, und dadurch beständig in einerley Temperatur erhielt. In Lamberts Versuchen ist dieser Unterschied zwischen der Größe der Ausdünstung aus hohen und niedrigen Gefäßen gar nicht anzutreffen; in des P. Cotte Versuchen (Iournal de physique, Oct. 1781.) aber zeigt er sich wieder; cubische Gefäße von verschiedenen Größen dünsteten in ganz verschiedenen Verhältnissen aus. Aus diesem Grunde müste man sich wohl bey dergleichen Beobachtungen darüber vereinigen, überall Gefäße von gleicher Gestalt und Größe zu gebrauchen. Auch dünstet nach Saussure (Essais sur l' hygrometrie. Neufchatel. 1783. 8. §. 243.) ein Quadratschuh Wasserfläche stärker aus, wenn er auf einem dürren Boden steht, als wenn er mitten in einen Teich, oder See gesetzt wird; weil in jenem Falle die auf ihn wirkende Luft trokner ist, und mehr Wasser auflöset. Daher müste man, um die wahre Größe der Ausdünstung der Gewässer zu finden, ein solches zum Atmometer bestimmtes Gefäß mitten aufs Wasser setzen, so daß das Wasser in demselben mit dem äußern Wasser in einerley Horizontalebne stünde; auch müste es eben so, wie die ausdünstenden Gewässer selbst, der Sonne, der Luft und dem Winde ausgesetzt seyn. Man müste auch ein Hyetometer oder Regenmaaß dabey haben, um die Menge des etwa aufs Gefäß gefallnen Regens bestimmen und abziehen zu können. Endlich hat Richmann (Comm. Petrop. To. XIV. p. 273. sq.) vorgeschlagen, das Atmometer mit einem größern von oben bedeckten und mit Wasser gefüllten Gefäße in Communication zu setzen, damit die Höhe des Wassers im Atmometer selbst weder durch die Ausdünstung merklich vermindert, noch durch den Regen vermehrt werden möge.

Will man aber die Größe der Ausdünstung für einen bestimmten kleinern Zeitraum kennen, wobey es auf genaue Abwägung eines kleinen Verlustes ankömmt, so kan man sich eines kleinen und leichten Gefäßes bedienen, das der Luft viel Oberfläche darbietet und an eine sehr genaue und empfindliche Wage gehangen werden kan. Sollen dergleichen Werkzeuge unter einander verglichen werden können, um daraus Folgerungen über die verhältnißmässige Ausdünstung an verschiednen Orten herzuleiten, so müssen die Gefäße von einerley Gestalt, Größe und Materie seyn, Wasser von gleicher Reinigkeit enthalten, und, so viel möglich, in gleiche Stellungen gebracht werden. Ein Werkzeug zu feinern Versuchen dieser Art beschreibt Richmann (Atmometri s. machinae hydrostaticae constructio in Nov. Comm. Petrop. To. II. p. 121.). Er bestimmt es eigentlich zu Abmessung der Ausdünstungen des Wassers von verschiedener Temperatur. Es besteht aus drey cylindrischen Gefäßen von Blech. Das weitste und tiefste derselben wird mit Wasser gefüllt. In diesem Wasser schwimmt das zweyte etwas kleinere Gefäß, welches leer bleibt, und ganz verschlossen ist; damit es nicht schief schwimme, stehen Stäbe mit Rollen zur Seite, zwischen denen es frey auf- und absteigen, aber nicht seitwärts weichen kan. Das erste mit Wasser gefüllte Gefäß ist auch verschlossen, aber in seinem Deckel sind drey Löcher. Durch diese gehen drey metallne Füße, welche auf dem schwimmenden leeren Gefäße aufstehen und das dritte ofne Gefäß tragen, welches mit dem ausdünstenden Wasser angefüllt ist. So, wie nun etwas von diesem Wasser ausdünstet, und das Gefäß dadurch leichter wird, drückt es weniger auf das schwimmende Gefäß, das letztere hebt sich daher im Wasser höher, und die Füße, die sich in den Löchern des Deckels frey bewegen können, treten mehr heraus, heben also das obere Gefäß, welches eine an ihm befestigte Scale an einem Zeiger hinführt, und dadurch die Größe der Hebung anzeigt. Wie viel Gran jeder Theil der Scale gelte, kan man durch hineingeworfene Gewichte leicht vorher ausmachen, und so durch die Scale die Größe der Ausdünstung bis auf die feinsten Theile abmessen. Taf. II. Fig. 25. ist ein Entwurf von den wesentlichsten Theilen dieses Atmometers.

Nach de Saussure's Anzeige hat Moscati in Mayland neuerlich eine andere zugleich bequemere und genauere Einrichtung dieses Werkzeugs vorgeschlagen.

de Saussure Essais sur l' hygrometrie. §. 244—250.