Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Arsenik, Arseniksäure.
Arsenik, Arseniksäure.

Zus. zu Th. I. S. 128. 129.

Nach der antiphlogistischen Theorie ist das Arsenikmetall, Arsenic (der Arsenikkönig) ein einfacher, wenigstens noch unzerlegter Stoff, der durch unvollkommene Säurung die Arsenikhalbsäure, Oxide d'arsenic (weissen Arsenikkalk), durch vollkommene die Arseniksäure, Acide arsenique, giebt, deren Verbindungen den Namen arsenikgesäuerter Salze, Arseniates, bekommen. Operment und Sandarac sind geschwefelte Arsenikkalke, und führen in der neuern Nomenclatur die Namen Oxide d'arsenic sulfure jaune et rouge, gelbe und rothe geschwefelte Arseniksäure (Girtanner).

Die Arsenikhalbsäure wird in Arseniksäure verwandlet, wenn man sie mit übersaurer Kochsalzsäure oder mit Salpetersäure destillirt. Macquer bemerkte schon 1746, daß, wenn man eine Mischung von weisser Arsenikhalbsäure und Salpeter einem starken Feuer aussetze, man eine arsenikgesäuerte Pottasche erhalte. Nach der Erklärung der Antiphlogistiker raubt die Arsenikhalbsäure der Salpetersäure einen Theil ihres Sauerstoffs, sie verwandlet sich dadurch in eine Säure, und verbindet sich nachher mit der Pottasche des Salpeters.

Man erhält die Arseniksäure am reinsten, wenn man die weisse Arsenikhalbsäure in dreymal ihrem Gewichte Kochsalzsäure auflöset. Während diese Auflösung kocht, gießt man zweymal soviel Salpetersäure zu, als das Gewicht der weissen Arsenikhalbsäure beträgt. Die Salpetersäure wird zerlegt; ihr Sauerstoff verbindet sich mit der Halbsäure, und der Salpeterstoff geht als salpeterhalbsaures (nitröses) Gas fort. Die Kochsalzsäure verwandelt sich in kochsalzgesäuertes Gas, und wenn die Operation im ofnen Feuer bis zum Glühen des Tiegels fortgesetzt wird, so bleibt die reine Arseniksäure zurück.

Die Antiphlogistiker benützen diese Erscheinungen zu einem starken Einwurfe gegen die phlogistische Theorie, nach welcher allen hiebey vorkommenden Stoffen (dem Arsenikkalke, der Kochsalzsäure und Salpetersäure) das Phlogiston fehlet, und dennoch das nitröse Gas, welches dabey in großer Menge zum Vorschein kömmt, aus Salpetersäure, Wasser und Phlogiston bestehen soll; daher sich nicht wohl begreifen läßt, woher das häufige Phlogiston kommen könne, welches zur Erzeugung des Salpetergas erforderlich ist. Man hat aber im phlogistischen System angenommen, der Arsenikkalk enthalte nach einen Theil Brennstoff, durch dessen gänzliche Entfernung er in Arseniksäure verwandlet werde.

Girtanner Anfangsgr. der antiphlog. Chemie. Berlin, 1792. S. 312. u. f.