Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Aräometer
Aräometer, Solwage, Salzspindel, Solspindel, Bierwage, Araeometrum, Hygrobaroscopium, Baryllion, Aréometre, Pese-liqueur.

Ein Werkzeug, durch dessen Einsenkung in flüßige Materien, z. B. Wasser, Solen, Biere rc. man die Verhältnisse der Dichten oder specifischen Schweren dieser Materien bestimmen kan. Der griechische Name Aräometer bedeutet ein Maaß der Dünne.

Die Theorie der Aräometer beruht auf folgenden Gründen. Die Dichten oder specifischen Schweren, D und d, zweener Körper, verhalten sich, wie die Quotienten ihrer Gewichte, P und p, durch ihre körperlichen Räume oder Volumina, V und v (s. Dichte und Schwere, specifische), oder es ist D:d=P/V:p/v. Ferner taucht ein schwimmender fester Körper sich in den flüßigen so tief ein, bis er so viel flüßige Materie, als mit ihm selbst gleich wiegt, aus der Stelle getrieben hat. (s. Schwimmen). Senkt man nun einen schwimmenden festen Körper, dessen Gewicht =P seyn mag, in zwo verschiedene flüßige Materien, in deren erster er sich um den körperlichen Raum V, in der andern um den Raum v eintaucht, so haben diese Materien unter den gedachten Räumen beyde das Gewicht P, und es ist I.) D:d=P/V:p/v=v:V Senkt man aber den festen Körper in beyden Materien bis an ein bestimmtes Merkmal oder beydemal um den Raum V ein, und findet, daß dazu bey der ersten flüßigen Materie sein Gewicht P, bey der andern p seyn müsse, so ist V der Raum, unter welchem die erste dieser Materien das Gewicht P, die andere das Gewicht p hat, daher II.) D:d=P/V:p/V=P:p.

Diese Sätze heißen mit andern Worten:

I.) Wenn ein Aräometer von unverändertem Gewichte in zwo flüßige Materien eingesenkt wird, so verhalten sich die Dichten dieser Materien umgekehrt, wie die Räume, um welche das Aräometer sich in dieselben eingetaucht hat.

II.) Wenn ein Aräometer in zwo flüßige Materien bis zu gleicher Tiefe, oder bis an ein daran befindliches Merkmal, eingesenkt wird, so verhalten sich die Dichten dieser Materien, wie die Gewichte, die man in beyden Fällen dem Aräometer hat geben müssen, um es gleich tief einzusenken.

Jeder dieser beyden Sätze giebt eine besondere Einrichtung des Aräometers. Man sieht leicht, daß diejenige vorzüglicher ist, welche sich auf den zweyten Satz gründet, weil sich Gewichte leichter und genauer bestimmen lassen, als körperliche Räume. Nach dieser Theorie werden sich nun die verschiedenen Einrichtungen des Aräometers übersehen und prüfen lassen.

Daß bereits im vierten Jahrhunderte nach C. G. etwas dem Aräometer ähnliches unter dem Namen Baryllion bekannt gewesen sey, erhellet aus dem funfzehnten Briefe des Bischofs zu Ptolemais, Synesius von Cyrene, der an seine Lehrerin, die berühmte Hypathia in Alexandrien, gerichtet ist. Fermat (Opera mathematica Fermatii. Tolosae 1679. fol. sub fin.) hat diese Stelle zuerst richtig erklärt. Ob aber dieses Baryllion unter die Erfindungen der Hypathia gehöre, ist ungewiß.

Unter den Deutschen scheint der Gebrauch solcher Werkzeuge zu Salzproben ziemlich alt zu seyn. Leupold (Theatr. Stat. univ. P. II. cap. 6.) führt an, daß Thölden in seiner 1603 herausgekommenen Halographie einer Solspindel (die aus einem hölzernen Cylinder, unten zugespitzt, und mit Bley ausgegossen, bestanden habe), als einer längst bekannten Sache gedenke.

Die gewöhnlichste Art der neuern Aräometer ist diejenige, die sich auf den ersten der obigen Sätze gründet. Diese hat Boyle (Philos. Transact. num. 24. p. 447.) beschrieben, und einige Jahre darauf (Phil. Trans. num. 115. p. 329.) auch als Goldwage zu brauchen gelehrt. Gewöhnlich besteht ein solches Werkzeug (Taf. I. Fig. 18.) aus einer Kugel B von dünnem Glas, an welche an einer Glaslampe ein langer dünner Stiel oder Hals AC und eine kleinere Kugel S angeblasen wird. In diese Kugel S bringt man etwas Schrot oder Quecksilber, dessen Gewicht den Schwerpunkt des ganzen Instruments tief herabbringt, damit es beym Einsenken ins Wasser ausrechtstehend erhalten werde, und nicht umschlage. Die Hölungen B und S müssen so groß seyn, daß durch Einsenkung in Liquoren allezeit mehr Liquor aus der Stelle getrieben wird, als das ganze Instrument wiegt, weil es sonst nicht schwimmen würde. Dieses Werkzeug nun taucht sich, dem ersten der obigen Sätze gemäß, in leichtere Liquoren tiefer, in dichtere oder schwerere weniger ein; es wird z. B. im Salzwasser bis D, im Wasser bis E, im Weine bis F, im Weingeiste bis G, einsinken. Eine am Stiele AC angebrachte Theilung zeigt, wie weit es sich in jeden Liquor senke, also welcher unter zweenen der schwerere und leichtere sey; obgleich dies allein noch nicht hinreichend ist, das Verhältniß beyder specifischen Schweren in Zahlen anzugeben.

Man hat dieses sehr wesentlichen Mangels ohngeachtet das Aräometer dennoch unter der angegebnen Gestalt lang genug gebraucht, und zu verschiedenen Absichten angewendet. Man hat es aus Glas, Holz, Horn, Bernstein, Kupfer, Messing, Silber rc. verfertiget, und dem Stiele AD entweder willkührliche Theile von gleicher Größe, oder auch nur ein einziges aufgemahltes oder eingeschnittenes Merkmal gegeben, um dadurch anzuzeigen, wie tief sich das Instrument in einen gewissen Liquor eintauchen müsse, wenn er genau die gehörige Güte haben solle. Von dieser Art sind die von Bernstein verfertigten Danziger Bierproben, die ein zu leichtes Bier anzeigen, wenn sie sich darein tiefer, als bis an das gemachte Merkmal, tauchen. Man hat auch zu andern Absichten die Größe der Theile durch angestellte Versuche bestimmt, oder das Aräometer graduirt. Löset man z. B. zuerst in 99 Loth Wasser ein Loth Salz, dann in 98 Loth Wasser zwey Loth Salz u. s. w. auf, so erhält man künstliche Solen, die auf 100 Loth Sole 1, 2 u. s. w. Loth Salz enthalten, dergleichen man bey uns einlöthige, zweylöthige rc. Solen zu nennen pflegt. Senkt man das Aräometer in eine dieser Solen nach der andern ein, und bemerkt mit Zeichen am Stiele, wie tief es in jeder sinket, so geben diese Zeichen eine Theilung, welche zur Prüfung des Salzgehalts natürlicher Solen dienet. Denn wofern man annehmen darf, daß jede natürliche zweylöthige Sole eine gleiche specifische Schwere mit der künstlich bereiteten zweylöthigen u. s. w. habe, so folgt, daß das Aräometer in beyde gleich tief einsinken müsse. Unter dieser Gestalt bekömmt das Instrument den Namen der Solwage, Gradirwage, Salzprobe, Salzspindel, wovon Leupold (Theatr. stat. univers. P. II. c. 6.) verschiedene Arten beschreibt. Aber die Schwierigkeit, bey so vielerley Versuchen den Punkt des Einsinkens jederzeit genau zu bemerken und richtig zu bezeichnen, macht, daß man sich von der Vollkommenheit eines solchen Werkzeugs insgemein nicht viel versprechen kan.

Man sieht leicht, daß sich auf eine ähnliche Art auch Bierproben zubereiten lassen. So hat Faggot (Abh. der königl. schwed. Akad. der Wiss. übers. durch Kästner, für 1763. S. 49.) für das schwedische Bier, ein solches Aräometer ins stärkste Bier und in Mischungen von 3, 2, 1 Theilen Bier mit 1, 2, 3 Theilen Wasser zu senken und die Punkte des Einsinkens zu bemerken, vorgeschlagen. Und, weil man nicht überall gleich gutes Starkbier finden möchte, räth er an, künstliche Solen zu verfertigen, welche mit den angegebnen Bierarten (von welchen ein Cubikzoll 563, 558 1/2, 554, 550 Aß wog) gleiche Schwere hätten, und die Bierprobe in diesen Solen zu graduiren. Vielleicht wäre dieser Vorschlag für die Praxis nicht unbrauchbar; es müste aber für jede Sorte von Bier, deren wir bey uns so vielerley haben, eine besondere Probe verfertiget werden. Die Graduirung durch Solen ist auch nur dann sicher, wenn stets Salz und Wasser von gleicher Art, auch unter gleichen Graden der Wärme, gebraucht wird.

Da es so mühsam und unsicher ist, jeden Grad eines Aräometers durch einen besondern Versuch zu bestimmen, so haben einige vorgeschlagen, nur zwey feste Punkte durch wirkliche Versuche zu bestimmen, und den Zwischenraum in gleiche Theile zu theilen. Es ist aber zu bemerken, 1. daß hiebey der Stiel des Aräometers vollkommen cylindrisch seyn müsse, welches bey gläsernen Röhren nicht so leicht zu erhalten ist; 2. daß auf diese Art die Grade der Theilung nicht völlig gleiche Unterschiede der Dichtigkeiten oder specifischen Schweren angeben, mithin noch eine Rechnung nöthig ist, wenn man die wahren Verhältnisse der Dichten finden will.

Ein solches Aräometer (Tafel I. Figur 19.) schlägt Musschenbroek (Introd. ad Philos. natur. To. II. §. 1384.) vor. Es soll sich im Regenwasser, mit Hülfe eines unten angeschraubten Gewichts, ganz bis ans Ende des Stiels, und in einem Liquor, der unter dem Volumen des Aräometers 40 Gran schwerer, als Regenwasser, ist, nur bis an den Anfang des Stiels eintauchen. Nun theilt er den Stiel in 40 gleiche Theile, und meint, so werde sich beym Einsenken in einen andern Liquor zeigen, wie viel derselbe schwerer sey, als Regenwasser. Für Liquoren, welche leichter, oder über 40 Gran schwerer, als Wasser wären, müsten unten leichtere oder schwerere Gewichte angeschraubt werden. Da sich Musschenbroek nicht ganz deutlich ausdrückt, so könnte man dies so verstehen: Wenn das Wasser unter dem Volumen des Aräometers 100 Gran wiegt, und das Instrument in einem schwerern Liquor nicht ganz untertaucht, sondern um 1 Theil des Stiels hervorragt, so soll dieser Liquor unter eben dem Volumen 1 Gran mehr wiegen, also das Verhältniß der Dichten 100:101 seyn. Daß dies theoretisch unrichtig wäre, lehret folgende Betrachtung: Soll sich das Aräometer in einem Liquor, von welchem 140 Gran so viel Raum einnehmen, als 100 Gran Wasser, nur bis C (Taf. I. Fig. 19.) eintauchen, so muß das Volumen von PC (100/140), das Volumen des Stiels AC (40/140), und ein Grad der Theilung (1/140) des ganzen Volumens PA ausmachen. War also im Wasser alles eingetaucht, und ragt jezt in einem Liquor (1/140) hervor, oder sind jezt nur (139/140) eingetaucht, so ist das Verhältniß der Dichtigkeiten nach dem ersten der obigen theoretischen Sätze=139:140, nicht wie oben 100:101. Ragen 7 Theile hervor, oder sind 33 eingetaucht, so ist es 133:140; und überhaupt, wenn das Aräometer p Gran Wasser aus der Stelle treibt, und die Anzahl der eingetauchten Grade der Theilung n heist, p+n:p+40; nicht, wie oben p:p+40—n. So verstanden, ist Musschenbroeks Theorie richtig; er scheint auch die Sache so genommen zu haben, weil er in der Figur die Theile am Stiele von unten hinauf zählt, und also die eingetauchten, nicht die hervorragenden, in Ansatz bringt. Aber seine Worte lassen auch die oben angegebne falsche Erklärung zu. Uebrigens soll das Werkzeug von Messing seyn, und wegen des Anhängens der Liquoren nur für die gröbere Praxis bestimmt bleiben. Die Verfertigung desselben nach den vorgeschriebnen Bedingungen würde allemal höchst mühsam, und denen, die sich mit der gröbern Praxis befriedigen, gar nicht vorzuschlagen seyn.

Eine andere auf zween feste Punkte gegründete Einrichtung des Aräometers hat Herr Baume (Avant-Coureur 1768. no. 45, 50, 51, 52; 1769 no. 2.) vorgeschlagen. Sie soll den Grad der Rectification geistiger Liquoren und die specifische Schwere derselben zugleich angeben; da aber, wie Brisson (Mém. de l'Acad. roy. des Sc. 1769.) zeigt, beym Weingeiste die Rectification dem Grade der specifischen Schwere nicht proportional ist, so kan beydes zugleich nicht mit einerley Werkzeuge gemessen werden. Uebrigens senkt Baume das Aräometer zuerst in eine Mischung von 9 Theilen Wasser und 1 Theil trocknen Kochsalzes und dann in reines Wasser, bemerkt die Punkte des Einsinkens mit 0 und 10, theilt den Zwischenraum in zehn gleiche Grade, und trägt solche Grade bis 50 auf dem übrigen Theile des Stiels fort. Er erhält auf diese Art eine Scale mit gleichen Theilen, welche nie gleiche Unterschiede der Dichtigkeiten anzeigen. Zwar sucht er auch nicht Verhältnisse der Dichtigkeiten selbst zu bestimmen, sondern nur durch seine Vorschriften alle Aräometer mit einander übereinstimmend zu machen, so daß man durch den Grad derselben die Dichte oder Güte eines Liquors auf eine überall verständliche Art ausdrücken könne. So soll 0 Grad die Dichte eines Liquors, der (9/10) Wasser und (1/10) Salz hat, 10 Grad die Dichte des Wassers bezeichnen. Nun ließen sich zwar hieraus die Verhältnisse der Dichten selbst berechnen, wenn die Dichte der zum festen Punkte gebrauchten Sole bekannt wäre; allein da Salze von verschiedener Art auf das Wasser verschiedentlich wirken, und also Gemische von andern Dichtigkeiten geben können, wenn sie gleich in einerley Verhältniß mit dem Wasser vermischt werden, so ist man nie sicher, aus 9 Theilen Wasser und einem Theile Salz überall eine gleich dichte Sole, und eine mit andern übereinstimmende Theilung des Aräometers zu erhalten; und für die geistigen Liquoren ändern sich die Dichtigkeiten, die sie durch Vermischung mit Wasser annehmen, noch unregelmäßiger.

Die von den Ständen in Languedoc 1771 und 1773 aufgegebnen Preißfragen über die beste Art, die Güte der geistigen Liquoren zu prüfen, haben noch andere Vorschläge zu Brantewein- und Weingeistproben von den Herren Poncelet, Pouget und Bories veranlasset, welche anzuführen hier zu weitläuftig wäre.

Da die Bestimmung zweener festen Punkte durch Versuche unsicher ist, weil es Schwierigkeit macht, außer dem destillirten oder Regenwasser, noch einen Liquor von stets gleicher Dichte zu erhalten, und da die gleichen Theile der Scale niemals gleiche Unterschiede der Dichtigkeiten geben, so hat man vorgeschlagen, das Aräometer durch Veränderung seines Gewichts so zu graduiren, daß es durch den Punkt seines Einsinkens sogleich die Dichte des Liquors anzeige. Diese sinnreiche Methode lehrt Brisson (Dictionnaire de Physique, art. Aréometre). Es sey die Dichte des Wassers zur Dichte eines Liquors =D:d; im Wasser senke sich das Aräometer um den Raum b ein, so muß es sich im Liquor um den Raum (bD/d) einsenken (weil sich die Räume umgekehrt wie die Dichten verhalten müssen). Soll es sich nun im Wasser eben so weit, oder auch um den Raum (bD/d) einsenken, so muß sein Gewicht, welches wir p nennen wollen, verändert werden. Mit dem ansänglichen Gewichte p sank es im Wasser um den Raum b ein, also wird es, um den Raum (bD/d) einzusinken, das Gewicht (pD/d) haben müssen (weil sich die Räume des Einsinkens in einerley flüßige Materie, wie die Gewichte, verhalten). Verändert man also das Gewicht p in (pD/d), d. h. vermehrt man es um (pD/d)—p=p[middot](D—d/d), so sinkt das Instrument im Wasser so tief ein, als es unter seinem anfänglichen Gewichte p in einen Liquor von der Dichte d einsinkt. Nimmt man nun die Dichte des Wassers= 1000 an, und läst d nach einander 990, 980, 970 rc. gelten, so wird p[middot](D—d/d) nach einander (10/990) p, (20/980) p, (30/970) p rc. Hierauf gründet sich folgendes Verfahren. Man wiege das Aräometer genau, senke es in destillirtes oder in Regenwasser unter einem bestimmten Grade der Wärme (wozu Brisson den 14ten Grad des Reaumurischen Thermometers vorschlägt), und bezeichne den Punkt, bis auf den es einsinkt, mit 1000. Man vermehre hierauf das anfängliche Gewicht des Instruments durch etwas hinzugegossenes Quecksilber um (10/990) oder (1/99), senke es von neuem ein, und bemerke den Punkt mit 990; man nehme das hinzugethane Quecksilber wieder hinweg, vermehre das anfängliche Gewicht um (20/980) oder (1/49), und bemerke den Punkt des Einsinkens mit 980 u. s. w. So ist das Werkzeug von 10 zu 10 Graden für leichtere Liquoren, als Wasser, graduirt. Um einzelne Grade zu haben, kan man entweder die Zwischenräume in 10 gleiche Theile theilen, oder, wenn man die Genauigkeit aufs höchste treiben will, die Punkte für die Dichten 999, 998 rc. durch Vermehrung des anfänglichen Gewichts um (1/999), (2/998) rc. suchen. Für schwerere Liquoren, als Wasser, wird D—d negativ, und das anfängliche Gewicht p ist um (d—D/d)[middot]p zu vermindern. Diese Verminderungen betragen (10/1010), (20/1020), (30/1030) rc. für die Dichten 1010, 1020, 1030 rc.; woraus das Verfahren leicht erhellet. Endlich giebt man dem Instrumente sein anfängliches Gewicht p wieder; und wenn es sich nun bey einer Temperatur von 14 Graden nach Reaumür in einen gewissen Liquor bis an den mit 980 bemerkten Punkt senkt, so kan man schließen, daß des Liquors Dichte zur Dichte des Wassers wie 980:1000 sey. Diese Methode würde vor allen andern den Vorzug verdienen, wenn nicht die Ausführung äußerst mühsam wäre. Sie ist nicht von der Art, daß man sie gemeinen Mechanikern überlassen könnte; die Physiker müssen sich dergleichen Werkzeuge selbst verfertigen.

Zum genauern Graduiren empfiehlt Brisson folgende von Montigny (Mém. de l' academ. roy. des Sc. 1768. p. 435.) angegebne Methode. An der Seite des Gefäßes VV Taf. I. Fig. 20. geht der elfenbeinerne Stab CD in die Höhe, und ist mit einem wohlgearbeiteten messingnen Schieber EF versehen. Man füllt das Gefäß mit Regenwasser, und giebt stets Acht, daß dasselbe darinn gleich hoch stehe. Das bis G eingesenkte Aräometer reiche mit dem Ende des Stiels bis A, so wird der Schieber so gestellt, daß er A genau berührt, und auf dem elfenbeinernen Stabe DG wird bey g ein Strich mit Bleystift gemacht. Sinkt in andern Liquoren, oder unter anderm Gewichte, das Aräometer bis H, I rc. ein, so wird der Schieber die Punkte h, i rc. angeben, und die Bleystiftstriche g, h, i geben eine Theilung, welche vom elfenbeinernen Stabe auf ein Papier gebracht, und umgekehrt in das Aräometer befestiget wird, so daß der Punkt D, der beym ersten Einsenken der Oberfläche des Wassers im Gefäße VV gegenüberstand, an das Ende des Stiels A kömmt, und die Theilung in die Lage G, H, I bringt. Der Schieber muß an den Stab GD nur auf drey Seiten anschließen, und die vierte, auf welche die Bleystiftstriche kommen, frey lassen, damit er beym Fortschieben nichts auslösche. Graduirt man nach Brissons Art, so muß das Papier, auf welches die Theilung kommen soll, mit gewogen, und sein Gewicht in das anfängliche Gewicht des Aräometers mit eingerechnet werden.

Aus der bisherigen Theorie läst sich auch die Einrichtung übersehen, die le Raz de Lanthenee in einer kleinen Schrift von 32 Seiten 12mo vorgeschlagen hat, und welche von Brisson (Dictionnaire de phys. art. Aréometre) angesührt wird. Sie scheint eine etwas veränderte Nachahmung der Musschenbroekischen zu seyn. Er senkt nemlich ein Aräometer, welches 1000 Gran wiegt, in Wasser, vermehrt hierauf das Gewicht um 40 Gran, senkt es nochmals ein, und theilt den Raum zwischen beyden Punkten in 40 gleiche Theile. Er bekömmt hiedurch zu festen Punkten die Dichte des Wassers und die Dichte eines um (40/1040) oder (1/26) leichtern Liquors; und so ist sein Aräometer allerdings vorzüglicher, als die, welche zur Bestimmung des zweyten Punkts die Bereitung einer Sole u. dgl. voraussetzen. Auch ist es richtig, daß bey einem Aräometer, welches nicht gerade 1000 Gran wiegt, die Zulage statt 40 Gran, eine andere seyn muß, die sich aber zum Gewichte des Aräometers verhält, wie 40:1000, z. B. bey einem Aräometer von 800 Gran darf man nur 32 Gran zulegen. Man muß aber dennoch in 40 Theile theilen, wenn solche Aräometer mit einander übereinstimmen sollen, und die Behauptung des Erfinders, man müsse in so viel Theile theilen, als man bey der Bestimmung des zweyten Punkts Grane zugelegt habe, ist ein offenbarer Irrthum. Uebrigens ist bey diesem Werkzeuge, wenn sein Gewicht in Granen p, und die Zahl der eingetauchten Grade der Theilung n heist, des Wassers Dichte zu des Liquors Dichte, wie p+n:p.

Noch eine sehr einfache Art des Aräometers gäbe ein bloßes Stäbgen ohne Kugel, wie AB, Taf. II. Fig. 21., das etwa von einem leichten aber festen Holze verfertiget und überfirnißt werden könnte. Das Stäbgen müste ein genau gearbeitetes rechtwinklichtes Parallelepipedum seyn, und längst der Mitte jeder Seitenfläche müste eine etwa in 1000 Theile getheilte Linie herabgehen, auf der man auch bey einer schiefen Lage des Stäbgens, dennoch das Verhältniß des eingetauchten Theils zum Ganzen richtig würde bemerken können. Ein solches Stäbgen würde sich in einen Liquor gesenkt, und bey E an einem Faden gehalten (nicht gezogen), bis D, z. E. um 600 Theile einsenken. Sänke es nun im Regenwasser um 550 Theile ein, so würde sich des Regenwassers Dichte zu des Liquors Dichte, wie 600:550 verhalten. Ich habe diese Einrichtung in den hydrostatischen Vorlesungen meines ehemaligen Lehrers, des Prof. Heinsius in Leipzig, kennen gelernt, der sie zu Prüfung der specifischen Schweren der Mineralwasser vorschlug.

Es ist zu verwundern, daß man die bisher beschriebenen Aräometer, welche die Dichte der Liquoren durch die Tiefe des Einsinkens messen, noch immer beybehält, und so viel daran künstelt, da doch die Bestimmung der festen Punkte und das Graduiren so viel Mühe und Unzuverlässigkeit veranlassen, daß Instrumente dieser Art aller angewandten Bemühungen ohngeachtet doch immer unvollkommen bleiben werden. Die Begierde, sogleich an einer Scale zu sehen, wie gut oder dicht ein Liquor sey, ohne daß es erst einer Rechnung bedürfe, mag wohl die Ursache davon seyn; es heißt aber nicht die Chymiker ehren, wenn man ihnen unzuverläßige Weingeistproben in die Hände giebt, um ihnen eine Division zu ersparen.

Weit einfacher, leichter zu verfertigen, und in der Anwendung sicherer ist dasjenige Aräometer, welches die Dichten der Liquoren durch Gewichte abmißt. Es führt gemeiniglich den Namen des Fahrenheitischen allgemeinen Aräometers, obgleich nach Leupold (Theatr. Stat. P. II. §. 28. 29.) schon Moncony, ein Arzt in Lyon († 1665) in seiner Reisebeschreibung, auch der P. Feuillee (Journal des observ. de phys. Paris 1714. 4.) ähnliche Einrichtungen beschreiben. Dieses Instrument besteht aus einer holen gläsernen oder messingnen Kugel B (Taf. II. Fig. 22.), an welcher sich unten noch eine andere mit etwas Quecksilber oder Schrot beschwerte S befindet. Der Hals AC ist sehr dünn, und hat oben bey A eine kleine Schale, um leicht Gewichte hineinwerfen zu können. Am Halse befindet sich bey a ein Merkmal. An Moncony's Wage fehlen die Schale A und das Merkmal a; denn die Gewichte werden wie Ringe geformt und auf den etwas stärkern Hals aufgesteckt, und das Instrument wird bis an die Spitze eingesenkt; bey Feuillee's Angabe fehlt nur die Schale, und die Gewichte, als durchlöcherte Blättchen gesormt, werden über den Hals auf die Kugel gelegt; bey Leutmanns Angabe (Comm. Petropol. T. V. p. 273.) ist die Röhre CA offen, und die Gewichte werden durch die Oefnung A hineingeworfen.

Um ein solches Werkzeug zu gebrauchen, muß zuerst das Gewicht desselben=p sorgfältig bestimmt werden. Man senkt es hierauf in destillirtes oder Regenwasser, und legt in die Schale A so viel Gewicht=q, bis es sich bis an das Merkmal a eintaucht. Muß man nun, um es in einem Liquor eben so weit einzutauchen, das Gewicht r in die Schale legen, so ist nach dem zweyten der im Anfang dieses Artikels vorgetragnen Sätze des Wassers Dichte zu des Liquors Dichte, wie das ganze Gewicht des Werkzeugs beym erstern Einsenken zum ganzen Gewichte beym letztern, oder wie p+q:p+r. Wiegt zum Beyspiel das Aräometer 496 Gran, und müssen im Regenwasser 32, in einer Sole 64 Gran zugelegt werden, so verhalten sich beyder Dichten oder specifische Schweren, wie 496+32: 496+64=528:560=1:1,060.

Es fällt in die Augen, wie weit dieses Instrument die vorherbeschriebenen an Simplicität, Leichtigkeit der Ausführung und Sicherheit des Resultats übertrift. Es bleibt nur noch die Einwendung übrig, daß das Anhängen der Liquoren verhindere, genau wahrzunehmen, wenn der Liquor gerade bis an das Merkmal reiche. Diese Einwendung trift aber auch die Aräometer von jener Classe, und der zu besorgende Fehler ist bey einem dünnen Halse ganz unbeträchtlich. Noch wäre zu befürchten, daß es bey allzuviel oben eingelegten Gewichten umschlagen möchte; allein ein nachdenkender Künstler wird die Einrichtung leicht so treffen, daß nie starke Gewichte eingelegt werden dürfen, und S immer schwer genug bleibt, um das Ganze aufrecht zu erhalten. Es sollten also die Naturforscher billig mehr Gebrauch von dieser Einrichtung machen, als insgemein zu geschehen pflegt.

Wie man die Aräometer als Goldwagen gebrauchen könne, beschreibt Cornelius Meyer (Nuovi Ritrovamenti divisi in due parti. Rom 1696. fol.) Er hat seine Methode um das Jahr 1668 erfunden; und giebt a. a. O. sechs verschiedene Arten solcher Goldwagen an, worunter die meisten dem Fahrenheitischen Universalaräometer sehr ähnlich sind. Man hängt unten eine ächte Goldmünze an, und bemerkt, wie weit sich das mit ihr beschwerte Instrument ins Wasser tauche. Eine falsche Münze unten angehangen, wird es nicht so weit eintauchen. Meyer erzählt, die Generalstaaten hätten ihn durch Abgeordnete um Mittheilung dieser Erfindung ersuchen lassen. Boyle hat sein dazu dienliches Instrument 1674 in den Transactionen bekannt gemacht, und Leupold (Theatr. Stat. univers. P. II. c. 6.) handlet von der ganzen Sache sehr umständlich.

Bey dem Gebrauche aller Aräometer überhaupt sind folgende von Nollet (Leçons de Phys. To. II. p. 388.) angegebne Vorsichtsregeln zu beobachten.

1) Die Liquoren, in welche man das Aräometer einsenkt, müssen jederzeit auf einerley Grad der Wärme gebracht werden. Andere Grade der Wärme würden die Dichte des Liquors sowohl, als das Volumen des Werkzeugs, ändern.

2) Bey Aräometern, die durch Eintheilung in gleiche Theile graduirt werden, muß der Stiel genau cylindrisch, d. i. durchgehends von gleicher Dicke seyn. Unregelmäßige und ungleich dicke Stücken geben bey gleich getheilter Länge nicht gleich getheilte Volumina.

3) Beym Einsenken müssen die Aräometer genau senkrecht stehen. Eine schiefe Stellung verhindert, den Punkt des Einsinkens genau zu beobachten.

4) Das Instrument muß stets sehr rein und sauber gehalten, auch, ehe man es aus einem Liquor in den andern bringt, sorgfältig abgetrocknet werden. Auf den Liquoren selbst darf kein Schaum seyn, weil Luftblasen sich an das Werkzeug hängen, und es höher, als gehörig, emporheben würden. Bey aller dieser Vorsicht bleibt es noch immer schwer, den Punkt des Einsinkens mit der gehörigen Genauigkeit zu bemerken, weil manche Liquoren genauer an das Glas anschließen, als andere, auch viele am Glase mehr oder weniger in die Höhe steigen.

Zum Beschluß dieses Artikels will ich noch eines Instruments gedenken, welches zwar nach der oben angegebnen Definition nicht unter die Aräometer gehört, aber doch zu Abmessung der Dichte der Liquoren dient, und von seinem Erfinder den Namen eines Aräometers bekommen hat. Es ist von Homberg (Mém. de l' acad. roy. des sc. 1699.) angegeben worden, und besteht aus einem gläsernen Gefäße ABCD Taf. II. Fig. 23., dessen Hals so eng ist, daß ein Wassertropfen darinn 6—7 Lin. Raum einnimmt; oben ist er trichterförmig ausgeschweift. An der Seite bey D geht eine eben so enge 6 Lin. lange Röhre mit AB parallel heraus, um der Luft einen Ausgang aus dem Gefäße zu verstatten. Wenn man dieses Gefäß allemal bis an das Merkmal e mit einem Liquor füllet, so hat man wegen des engen Halses, der keinen beträchtlichen Fehler dabey verstattet, immer einerley Volumen der Liquoren. Wiegt man also das Gefäß zuerst mit einem und dann mit dem andern Liquor bis e gefüllt, und zieht von beyden Gewichten das Gewicht des leeren Gefäßes ab, so hat man die Gewichte der beyden Liquoren unter einerley Volumen, welche sich wie ihre specifischen Schweren verhalten. Der hiebey zu besorgende Fehler kan wegen der Enge des Halses nicht groß seyn; es entsteht aber daraus zugleich die Unbequemlichkeit, daß der Hals ein Haarröhrchen wird, und das Anhängen der Liquoren ungemein befördert.

Armillarsphäre, s. Ringkugel.

Armirung des Magnets, s. Magnet.