Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Anaklastisches Werkzeug
Anaklastisches Werkzeug

Instrumentum anaclasticum, Instrument anaclastique. Ein Werkzeug, womit man die Größe der Stralenbrechung in verschiedenen durchsichtigen Mitteln, und bey verschiedenen Einfallswinkeln, messen kan.

Die alten Optiker (man s. Kircher Ars magna lucis et umbrae, Romae 1686. p. 681. und Priestley Geschichte der Optik durch Klügel S. 86.) bedienten sich hiezu einer Halbkugel mit einem auf ihrem Rande stehenden Quadranten, und einer um dessen Mittelpunkt beweglichen Regel. Man füllte die Halbkugel mit der durchsichtigen flüßigen Materie an, neigete die Regel unter einem gewissen Einfallswinkel, und bemerkte die Stelle, wo sie wegen der Brechung den untern Theil der Kugel zu berühren schien.

Kepler (Dioptr. Aug. Vind. 1611. 4. L. I. c. 3.) beschreibt ein anderes Instrument, welches Wolf aus ihm anführt, durch den es in die Experimentalgeräthschaft der neuern Physiker gekommen ist. Ein gläserner Würfel HCBEGF (Taf. I. Fig. 13.) wird in den Winkel zweyer rechtwinklicht zusammengesetzten Breter ABIN und INOP gesetzt, von welchen das eine ABIN um das Stück CAHN vor dem Würfel vorraget, übrigens aber mit ihm eine gleiche Höhe hat. Setzt man dieses Instrument horizontal gegen die Sonne, so wird der Schatten des Bretes ABIN außer dem Würfel bis ML, innerhalb desselben aber nur bis KQ reichen. Man kan alsdann die Linien HL und HK messen, und aus ihnen nebst HC, durch trigonometrische Auflösung der Dreyecke HCL und HCK, die Winkel HCL und HCK bestimmen, deren erster dem Einfallswinkel SCR gleich, der andere der Brechungswinkel ist. So lassen sich, wenn man den Versuch unter verschiedenen Sonnenhöhen anstellet, Tafeln verfertigen, welche angeben, was für ein Brechungswinkel jedem Einfallswinkel zugehöre.

Vermittelst dieses Werkzeugs fand Kepler, daß sich bey der Brechung aus Luft in Glas, der Einfallswinkel SCR, wenn er nicht über 30° betrage, zum Brechungswinkel KCH, wie 3 zu 2, verhalte; ein Gesetz, welches von der Wahrheit wenig abweicht, und also für Linsengläser zu Fernröhren, deren Krümmung, vom Mittel an bis an den Rand gerechnet, selten 20° beträgt, ohne Fehler brauchbar war, daher Kepler die Abstände der Vereinigungspunkte daraus schon sehr richtig hergeleitet hat. s. die Art. Brechung der Lichtstralen, Linsengläser.

Will man eine andere durchsichtige flüßige Materie anstatt des Glases untersuchen, so kan man einen hohlen mit dieser Materie angefüllten Würfel anstatt des gläsernen gebrauchen.

Von neuern Werkzeugen und Veranstaltungen zu Messung der Stralenbrechung s. Priestley Geschichte der Optik durch Klügel, S. 241. f. ingl. S. 363. f. und weiter unten den Art. Brechung der Lichtstralen.

Analyse, s. Zerlegung, Zersetzung.