Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Amalgama, elektrisches.
Amalgama, elektrisches.

Zusatz zu diesem Art. Th. I. S. 95. 96.

Die gewöhnlichste Bereitungsart des elektrischen Amalgama aus Zink und Quecksilber, besonders in England, ist diese, daß man zu 5 Theilen Quecksilber 1 Theil Zink setzt, und dieses Gemisch durch Schmelzen oder Reiben zu der Consistenz einer Butter bringt. Durch einen Zusatz von klar geriebner und sorgfältig getrockneter Kreide oder weisser Schminke (blanc d'Espagne) verwandelt man es in ein Pulver und streut es so auf die mit etwas Fett bestrichenen Küssen der Elektrisirmaschine. Eben so wird auch das Amalgama aus Zinn und Quecksilber bereitet. Das Musivgold erhält man aus 12 Theilen reinem Zinn, die geschmolzen mit 3 Theilen Quecksilber vermischt, und mit 7 Theilen Schwefelblumen und 3 Theilen Salmiak in einem steiner nen Mörsel zusammengerieben werden. Das Gemisch wird in einem gläsernen Kolben im Sandbade sublimirt, da man denn das Musivgold auf dem Boden unter dem entstandenen Sublimate findet.

Das kienmayerische Amalgama, dem man jetzt vor allen andern den Vorzug giebt, ward zuerst von dem Mechanikus Bienvenu in Paris (Journal de Paris, 1788. no. 230.) als ein schwarzes Pulver angekündiget, welches die Funken einer Elektrisirmaschine, wenn sie beym Gebrauch des Malergoldes 3 Zoll lang wären, bis auf 12 Zoll verlängere, dessen Zusammensetzung man aber verschwieg. Herr von Kienmayer machte darauf in einem Briefe an D. Ingenhouß (Journal de physique. Août. 1788. p. 96.) die Erfindung selbst bekannt.

Die bisherigen Arten von Amalgama hatten die Unbequemlichkeit, daß sich das Quecksilber von dem Metalle trennte, und in kleinen Kügelchen auf die Maschine fiel oder am Glase anhieng; ferner, daß bey anhaltendem Elektrisiren die Maschine schwächer ward, und die Küssen entweder von neuem mit Amalgama versehen oder gar mit einem Messer gesäubert werden mußten, endlich daß die Friction zu groß ward, wenn man die Küssen stärker ans Glas andrückte.

Herr von Kienmayer verfertigt sein Amalgama aus 2 Theilen Quecksilber, 1 Theile gereinigtem Zink, und 1 Theile Zinn. Um es im Großen zu bereiten, reinigt man den Zink nach Cramers Methode (s. Macquer's chemisches Wörterbuch Art. Zink), nimmt den gleichen Theil Zinn dazu, schmelzt beyde bis zur genauen Vereinigung, und mischt sie, ehe sie noch völlig erkaltet sind, mit so viel Quecksilber, als sie zusammen wiegen. Dieses Quecksilber hält man schon vorher bereit in einer hölzernen Büchse, die mit einem Deckel und in der Mitte desselben mit einem Stöpsel versehen, auch inwendig mit Kreide überzogen ist. Diese ganze Masse wird nun durch einander gerüttelt, indem man die Büchse auf dem Boden hin und her rollt. Ehe nun das Ganze noch völlig erkaltet ist, nimmt man den Deckel ab, schüttet das harte und silberfarbige Amalgama anf eine Marmortafel, und in gläserne oder steinerne Mörsel, und stößt und reibt es darinn zu feinem Pulver.

Indem man das anfänglich weisse Amalgama lange Zeit reibt, wird es nach und nach grau und endlich ganz schwarz. Man muß es so lange reiben, bis es ganz fein ist, und zwischen den Fingern keine harten Theile mehr zeigt. Mit der Zeit wird es immer zärter, und zerfällt, wenn es älter wird, ganz in Staub.

Bey der Bereitung im Großen ist dieses Verfahren allemal nöthig; es würde gefährlich seyn, mit den fließenden Metallen so viel Quecksilber in einem ofnen Gefäße zu mischen; auch würde durch die Verdampfung zuviel Quecksilber verloren gehen. Begnügt man sich aber, nur einige Unzen zu machen, so kann man nach Reinigung des Zinks denselben mit dem Zinn in einer eisernen Kelle schmelzen, nachher das Quecksilber dazu thun, die Masse mit einem eisernen Spatel umrühren, und sie alsdann auf vorbeschriebene Art klar reiben.

Aus diesem Amalgama sondert sich das Quecksilber nicht ab, wenn man es gleich stark schüttelt, oder Jahre lang in trocknen und wohlverstopften Flaschen aufbewahret. Auch bleibt sich bey dessen Gebrauch die Kraft der Maschine beständig gleich; die Friction wird beträchtlich vermindert, und die Wirkung der Maschine wenigstens um zwey Fünftel vermehrt.

Man kann dieses Amalgama auf eine doppelte Art gebrauchen, entweder als Pulver, oder indem man es durch Schweinefett in eine Salbe verwandelt. Bey der ersten Methode säubert man das Küssen von aller Unreinigkeit, nimmt das vorige Amalgama, wenn man sich zuvor eines andern bedient hätte, mit einem Messer sorgfältig hinweg, und macht das Küssen durch leichtes Ueberfahren mit einem Talglichte etwas fettig. Nun trägt man das Pulver mit einer Messerklinge so dünn und gleichförmig, als möglich, auf die Küssen, bis sie davon über und über eine Bleyfarbe bekommen zu haben scheinen. Das in eine Salbe verwandelte wird ohne weitere Umstände ganz dünn auf das vorher gereinigte Küssen getragen. Diese letztere Methode hat vor jener den Vorzug, daß das untergemischte Fett die Bewegung sanfter macht.

Herr von Kienmayer konnte mit seiner Maschine, die eine Glasscheibe von 24 Zoll Durchmesser hatte, mit dem gewöhnlichen Zinnamalgama eine cylindrische Flasche von 17 Zoll Höhe, 4 Zoll Durchmesser und 1 1/3 Quadratfuß Belegung, durch 10 Umdrehungen laden: mit diesem Amalgama hingegen geschahe dasselbe schon durch 6 Umdrehungen.

Eine Batterie aus 25 solchen Cylindern, die zusammen 33 Fuß Belegung enthielten, wurde mit dem gewöhnlichen Amalgama durch 250 Umdrehungen geladen; jede Umdrehung erforderte 1 Secunde Zeit, und die ganze Batterie lud sich etwa in 5 Minuten. Mit dem neuen Amalgama lud sie sich höchstens durch 150 Umdrehungen bis zur Selbstentladung, und die Friction war dabey so vermindert, daß man fast 2 Umdrehungen auf 1 Secunde rechnen konnte, mithin waren zum Laden der ganzen Batterie höchstens 2 Minuten erforderlich.

Man konnte, wenn es nöthig war, 5000 Umdrehungen machen, ohne nach dem Küssen zu sehen, und wenn ja einmal die Scheibe einen Ueberzug von schwarzen Bogen erhielt, so durfte man dieselben nur mit einem leinenen Tuche abwischen, indem dieser Schmutz gar nicht fest am Glase hieng. Mit keinem andern Amalgama ließ sich das Elektrisiren so lange fortsetzen, und soviel Elektricität erhalten. Hr. v. K. verbesserte auch durch dasselbe schlechte und fehlerhaft eingerichtete Maschinen.

Die vorzügliche Wirksamkeit dieser Zubereitung, bey welcher inzwischen die obigen Vorschriften genau befolgt werden müssen, ist jetzt allgemein anerkannt, und man wird in den Zusätzen zum Art. Elektrisirmaschine finden, daß Herr van Marum selbst einen großen Theil der stärkern Wirkung, die er durch seine verbesserten Reibzeuge erhielt, dem dabey gebrauchten Kienmayerschen Amalgama zuschreibt.

Ueber den Grund dieser verstärkten Wirkung äussert Hr. v. K. folgende Vermuthungen. Erstens trage vielleicht der Zink dazu bey; wenigstens hätten schon die Engländer von Higgins Zinkamalgama die besten Wirkungen gesehen. Ferner vereinige sich bey der vorgeschriebenen Bereitungsart das Quecksilber aufs innigste mit dem Zinn, da es bey der gewöhnlichen Methode sich leicht ablöse, das Glas überziehe und dadurch die Elektricität wieder ins Küssen zurückleite. Auch sey dieses Amalgama ein völlig reines metallisches Pulver, ein Leiter ohne Zusatz, dessen Güte durch zugesetzte Kreide oder weisse Schminke, so trocken sie immer seyen, merklich verringert werde. Vielleicht errege auch dieses harte Pulver eine der Elektricität günstigere Reibung, als ein weicheres, wie z. B. das Malergold, oder das gewöhnliche butterartige Amalgama. Ein Zusatz von Zinnasche vermehre die Wirksamkeit nicht, er sey vielmehr schädlich, in sofern die Zinnasche als ein Nicht-leiter die Leitungsfähigkeit vermindere. Dagegen sey die Wirkung allemal größer, wenn man die Küssen mit Schweinefett einschmiere, das man aber vorher über dem Feuer zerlassen müsse. Denn das im Handel vorkommende sey bisweilen mit Wasser gebleicht, wovon man es ohne Schmelzung schwerlich befreyen könne. Habe eine Maschine eine Zeitlang gestanden, und wirke nicht mehr stark genug, so erhalte sie die ganze vorige Kraft wieder, wenn man die Küssen, ohne neues Amalgama darauf zu bringen, blos mit etwas von solchem Fett bestreiche. Dagegen sey aber auch soviel wahr, daß man bey allzustark aufgetragenem Fette eine beträchtliche Verunreinigung der Theile zu fürchten habe.

Herr Cuthbertson bedient sich bey seinen neuesten Verbesserungen der Scheibenmaschinen ebenfalls des Kienmayerischen Amalgama, das er mit Schweineschmalz zu einer Salbe verbindet, und das Reibzeug damit bestreicht.

Ueber eine neue Bereitungsart des elektrischen Amalgama, und die Wirkungen desselben vom Hrn. Baron von Kienmayer im Magazin für das Neuefte aus der Physik u. Naturg. VI. B. 3tes St. S. 104 u. f.