Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Akustik
Akustik, Acustice, Acoustique.

Diesen Namen führt die Lehre vom Schall und Ton, welche zugleich die physikalischen und mathematischen Gründe der Musik in sich begreift. Der Name ist griechischen Ursprungs, und bedeutet: Gehörlehre.

Die mathematische Theorie der Musik hat schon die Alten beschäftiget. Man schreibt ihre Erfindung dem Pythagoras zu, welcher nach der Erzählung des Iamblichus in dem Klange der Schmiedehämmer Accorde bemerkt, und aus dem Gewichte der Hämmer die Verhältnisse derselben geschlossen haben soll. Es wird hinzugesetzt, er habe Saiten durch angehangene Gewichte von gleicher Größe mit den Gewichten der Hämmer gespannt, und dadurch eben diese Accorde erhalten. Dieser Zusatz ist offenbar falsch, weil die Verhältnisse der Accorde oder Consonanzen (z. B. für die Octave 1:1/2) nicht Verhältnisse der Spannungen, sondern vielmehr der Längen der Saiten sind, und angehangene Gewichte, wenn sie Saiten von gleicher Länge zu einem Accorde spannen sollen, sich nicht, wie jene Längen, sondern umgekehrt, wie die Quadratzahlen derselben (für die Octave wie 1/4:1) verhalten müssen.

Die theoretischen Musiker der Alten haben sich in zwo Secten, die Pythagoräer und Aristoxenianer, getheilt. Jene sahen mit Recht auf die Zahlen, welche die Verhältnisse der Accorde ausdrücken, hiengen aber an gewissen willkührlich angenommenen Sätzen, z. B. daß die Quarte über der Octave keine Consonanz gebe, weil ihr Verhältniß (1:3/8) nicht einfach genug sey. Diese verwarfen die Verhältnisse gänzlich, beriefen sich blos auf Empfindung, und rechneten alle Intervalle nach Tönen und halben Tönen, ohne sich zu bekümmern, was ein Ton, und ob jedes Intervall eines ganzen oder halben Tons so groß, als das andere, sey.

Die ältesten Schriftsteller über die Musik hat Marcus Meibom unter dem Titel: Musici veteres, 1652. in zween Quartbänden herausgegeben. Des Claudius Ptolomäus Harmonica nebst des Porphyrius Commentar und Manuels von Bryenne Harmonica sind von Wallis zn Oxford, 1682. 4. edirt, und nachher in den dritten Band seiner Werke (Io. Wallisii Opera mathematica. Oxon. 1699. III Vol. fol.) eingerückt worden.

Die neuere Tonkunst weicht von den Grundsätzen der Alten beträchtlich ab. Die Harmonie, oder Zusammenstimmung mehrerer einander begleitenden Stimmen, ist, wie Bürette (Histoire de l' Acad. des inscriptions et belles lettres. a. 1716.) sehr wahrscheinlich gezeigt hat, den Alten ganz unbekannt gewesen; unter den Neuern aber anfänglich blos nach Empfindung und Gehör behandlet, und erst von Rameau (Traité de la harmonie. Paris 1722. 4.), wiewohl mit vielem willkührlichen vermischt, in ein System gebracht worden. Seit dieser Zeit haben sich Mathematiker und Tonkünstler vereiniget, um die Regeln der Musik auf bestimmte Grundsätze zu bringen. Euler (Tentamen novae theoriae musices. Petrop. 1739. gr. 4.) behandlet die Tonkunst ganz mathematisch, und hat zuerst über die vorher blos durch Proben und Erfahrung verbesserten Blasinstrumente etwas gründliches gefagt; brauchbare Werke für die Tonkünstler selbst haben Kirnberger (Die Kunft des reinen Satzes in der Musik. Berlin 1771. 4.), Marpurg (Versuch über die musikalische Temperatur. Breslau 1776. 8.) und Sulzer (Allgem. Theorie der schönen Künste in alphabetischer Ordnung. Leipz. 1773. gr. 8.) geliefert.