Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Aether
Aether

Aether, Naphtha, Spiritus aethereus, Ether. In der Chemie ist dies der Name einer weißen durchsichtigen Feuchtigkeit, von einem besondern höchstdurchdringenden Geruche, welche ungemein leicht, flüchtig und entzündbar ist, und aus dem Weingeiste vermittelst der Säuren bereitet wird. Der Aether vermischt sich nicht in allen Verhältnissen mit dem Wasser; er scheint überhaupt einigen Chymikern das Mittel zwischen dem Weingeiste und den Oelen zu halten, und ein Weingeist zu seyn, der durch die Säure seines Wassers zum Theil beraubt, und der Natur der Oele näher gebracht worden ist; andere glauben, die Säure wirke mehr auf des Weingeists ölichte Theile, und erzeuge mit ihnen den Aether.

Der Aether wird durch die Destillation des rectificirten Weingeists mit Säuren bereitet; je nachdem man hiezu Vitriolsäure, Salpetersäure, Eßigsäure oder Salzgeist gebraucht, erhält er die Namen Vitriolaether (Naphtha vitrioli), Salpeteraether, Eßigaether, Salzaether. Ohne nähere Bestimmung des Worts wird unter Aether gemeiniglich Vitriolaether verstanden.

Der Aether verdünstet äußerst leicht, und bringt dabey eine große Kälte hervor. Baume hat ein Reaumürisches Thermometer durch Umwicklung der Kugel mit Leinwand, die in Aether getaucht war, bis auf 40 Grad unter den Eispunkt fallen fehen. Man kan also damit im heißesten Sommer Wasser zum Gefrieren bringen. Etwas Aether in einem kleinen Löffel verdünstet bald in der Lust, und verschwindet aus den Augen. Er ist ein kräftiges Auflösungsmittel aller ölichten Materien, z. B. des Copals, des elastischen Harzes u. s. w., nimmt das Gold aus dem Königswasser an sich, und wird in der Arzneykunst mit Weingeist vermischt zu dem Hofmannischen schmerzstillenden Geiste (liquor anodynus mineralis) gebraucht.

Macquer's chym. Wörterbuch, Art. Aether.

Aetzbarkeit, s. Kausticität.

Affinität, s. Verwandtschaft.