Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Aeolusharfe.
Aeolusharfe.

N. A.

Aeolusharfe, Windharfe. Diese Namen giebt man einem Saiteninstrumente, das dem Winde ausgesetzt für sich zu tönen anfängt. Kircher, der (Phonurgia, p. 148.) davon handlet, wird insgemein für den Erfinder angegeben. Ein Saitenspiel, das vom Winde gerührt, harmonische Töne verbreitet, wie Orpheus-Harfe bey Spenser (Ruins of time), ist ein reizendes Bild für die Phantasie; inzwischen hatte man seit Kirchers Zeit dieses Ideal wenig oder gar nicht ausgeführt, bis es neuerlich in England wieder erweckt worden ist. Hievon giebt Herr Lichtenberg aus William Iones (Physiological disquisitions or discourses on the natural philosophy of the elements. Lond. 1781. 4.) folgende Nachricht.

Pope hatte im Eustathius gefunden, daß der Wind, wenn er auf gespannte Saiten stoße, harmonische Töne erzeuge. Ein schottischer Componist, Oswald, ward dadurch veranlaßt, die Sache zu versuchen, hörte endlich nach vielen vergeblichen Bemühungen seine Laute tönen, als sie an die Oesnung eines nur etwas gelüfteten Aufschiebfensters (Sash - window) gelegt war, und schloß daraus, daß alles auf einen dünnen, aber breiten, Luftstrom ankomme.

Dem zufolge spannt er in einem schmalen, etwas hohen und langen Kasten von trocknem Tannenholze, der unten einen Resonanzboden hat, über zwey Stege, die nahe an den schmalen Enden einander gegenüber liegen, acht bis zehn Darmsaiten, alle im Einklang (unisono), nicht allzustark auf. Eine der breiten Seiten läßt sich aufschieben, so daß man einen dünnen, aber breiten, Luftstrom queer auf die Saiten leiten kann. Um diesem den Durchgang zu verschaffen, kann der obere schmale Boden, wie ein Pultdeckel, aufgehoben werden, der an beyden Seiten noch Flügel hat. So eingerichtet, wird das Instrument mit der Oefnung am Schieber dem Winde ausgesetzt. Sobald dieser durchzieht, tönt es: die tiefsten Töne sind die des Einklanges, aber so, wie sich der Wind mehr hebt, entwickelt sich eine Mannigfaltigkeit entzückender Töne, die alle Beschreibung übertrift. Es ist schwer zu erklären, wie eine einzige Saite alle diese harmonischen Töne, sieben bis acht an der Zahl, durchlaufen, und zuweilen mehrere derselben zugleich hören lassen könne. Vielleicht wird die von Herrn Chladni entworfene Theorie der Längentöne (s. unten den Art. Wetterharfe) hierüber einiges Licht geben.

Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen, beym Göttingischen Taschenkalender d. I. 1792. S. 137—145.