Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Adhäsion.
Adhäsion.

Zus. zu Th. I. S. 45—48.

Ueber das Anhängen der Metalle an Quecksilber hat Herr de Morveau (Exp. faites en presence de l'Acad. de Dijon le 12. Fevr. 1773 in Rozier Journal de physique. To. I. p. 172. 460. ingl. Anfangsgr. der theoretischen und praktischen Chemie von Hrn. de Morveau, Maret und Durande a. d. Fr. von Weigel, Th. I. Leipz. 1779. 8. S. 49.) Versuche angestellt. Platten von 1 Zoll im Durchmesser, von gleicher Gestalt und Größe, hiengen an der Oberfläche des Quecksilbers mit folgender Kraft. Goldmit 446 GranZinkmit 204 GranSilber— 429 —Kupfer— 142 —Zinn— 418 —Spießglaskönig— 126 —Bley— 397 —Eisen— 115 —Wismuth— 372 —Kobalt— 8 — Auch Herr Achard (Versuche über die Kraft, mit welcher die festen und flüßigen Körper zusammenhängen; in s. Chymisch- physischen Schriften. Berlin, 1780. gr. 8. S. 354. ff.) hat Resultate einer großen Anzahl von Versuchen dieser Art mitgetheilt.

Das S. 46 angeführte Gesetz ist von Hamberger, der überhaupt die Lehre von der Adhäsion sehr aufgeklärt hat, (Elem. physices. Jenae, 1735. 8. §. 157. 158.) in die Physik eingeführt worden. Es läßt sich aber den Versuchen zufolge keineswegs allgemein behaupten; vielmehr scheint die Dichtigkeit der Körper mit ihrem Anhängen an einander in gar keiner Verbindung zu stehen.

Wenn man zwey platte reine Glasstreifen unter einem spitzigen Winkel über einander setzt, und einen Tropfen dünnes Oel, Wasser oder Weingeist so dazwischen bringt, daß der Tropfen beyde Glasplatten berührt, so wird er sich mit beschleunigter Geschwindigkeit nach der Spitze des Winkels hin bewegen. Nemlich das Anhängen ändert die Gestalt des Tropfens, und bringt Bewegung gegen beyde Glasflächen hervor, woraus eine zusammengésetzte Bewegung nach der Spitze des Winkels entsteht.

Wenn aus der Mündung einer engen Röhre, die etwa eine halbe Linie im Durchmesser hat, ein Wasserstral senkrecht hervorspringt, und es wird derselbe zur Seite mit einem cylindrischen Körper berührt, an den das Wasser anhängt, so wird sich der Stral um den cylindrischen Körper herum bewegen und herabfallen. Aus einer senkrechten Röhre, die nicht sehr weit und deren Mündung schief abgeschnitten ist, springt das Wasser nicht in senkrechter, sondern in einer geneigten Richtung hervor. Diese Erscheinungen aber zeigen sich nicht, wenn die Mündung der Röhre sehr weit ist, oder wenn die hervorspringende Flüßigkeit unter sich stärker zusammenhängt, als sie an der Materie des Cylinders oder der Röhre anhängt (Hamberger elem. phys. §. 168.).

Gren Grundriß der Naturl. 1793. §. 134. 137. 147. 152.