Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Achromatische Fernröhre.
Achromatische Fernröhre.

Zus. zu Th. I. S. 35.

In Eulers hier angeführter Stelle wird erwähnt, schon Newton habe Objectivgläser aus zwo Linsen mit dazwischen gefülltem Wasser, zur Verbesserung der Fernröhre, jedoch nur in Absicht auf die Abweichung wegen der Gestalt, für dienlich gehalten. Dieser Vorschlag Newtons (Optice, lat. redd. Sam. Clarke. Lond. 1706. 4. L. I. Prop. VII. p. 84.) ist folgender. Taf. XXVIII. Fig. 1. sey ADFC ein Objectivglas aus zwo Linsen ABED und BEFC, deren äußere Flächen AGD und CHF gleich conver, die innern BME und BNE gleich concav sind; der Raum BMEN sey mit Wasser gefüllt. Das Brechungsverhältniß aus Glas in Luft sey = I : R, aus Wasser in Luft = K : R; also aus Glas in Wasser = I : K. Der Durchmesser der Kugelflächen AGD und CHF sey = D. Wenn nun die hohlen Flächen BME und BNE nach einem Durchmesser geschliffen sind, der sich zu D verhält, wie die Cubikwurzel aus KK — KI zur Cubicwurzel aus RR — RI (hier steht beym Newton durch einen Druckfehler RK — RI); so werden die Fehler der Brechungen in den convexen Flächen, in soweit sie aus der sphärischen Gestalt entstehen, durch die Brechungen in den hohlen Flächen ungemein verbessert werden; und man würde auf diese Art sehr vollkommene Fernröhre verfertigen können, wenn die verfchiedenen Arten der Lichtstralen nicht verschiedene Brechbarkeit hätten.

Newton giebt diesen Satz ohne Beweis, und er ist daher, immer mit Beybehaltung des Druckfehlers (der den Sinn ganz entstellt) von mehrern Schriftstellern, z. B. Martin (Philos. Britannica, Vol. III), dem Grafen von Redern (Mém. de l' acad. de Prusse. 1760.), u. a. m. wiederholet worden, bis Matth. Young (Transact. of the Royal Irish Academy. Vol. IV. art. 11.) erst 1791 den Beweis der Formel aufgesucht, und den Fehler angezeigt hat.

Eulers schöner Gedanke, daß das Auge vermöge seiner Zusammensetzung aus verschiedenen Mitteln die Farbenverbreitung aufhebe, ist doch neuerlich von D. Maskelyne (An Attempt to explain a difficulty in the Theory of Vision depending on the different refrangibility of Light. Philos. Transact. sor. 1789. Vol. LXXIX. p. 256. übers. in Grens Iournal der Phys. B. II. S. 370 u. f.) sehr in Zweifel gezogen worden. Dieser englische Gelehrte erzählt, es habe schon Dollond gegen ihn bemerkt, daß weder Eulers noch Newtons Theorie der Farbenverbreitung im Stande sey, die Deutlichkeit des menschlichen Gesichts auf diese Art zu erklären, indem die Brechungen in den verschiedenen Feuchtigkeiten des Auges alle nach einerley Seite geschähen, mithin die durch die erste Brechung entstandenen Farben durch die beyden folgenden, anstatt vermindert zu werden, vielmehr zunehmen müßten. Herr Maskelyne führt hierüber eine Rechnung, wozu die Data theils aus Petit's Angaben bey Jurin (s. Auge, Th. I. S. 191.), theils aus Hawksbee's Versuchen genommen sind, und findet dadurch nach Newtons Lehrsätzen, daß der Durchmesser des undeutlichen Kreises im menschlichen Auge einem äußern Winkel von 15′ 8″ zugehöre, und die wirkliche Undeutlichkeit im Auge 14 bis 15mal geringer, als in einem gemeinen dioptrifchen Fernrohre, sey. Weil aber die Stralen in der Mitte des Zerstreuungskreises unendlich dichter, als am Rande, beysammen sind, und überdieses die blauen das Auge weit schwächer, als die gelben und rothen rühren, so kann man nach Newton den Durchmesser des merklichen Zerstreuungskreises noch im Verhältnisse 250 : 55 herabsetzen, und folglich im Auge = 3′ 18″ annehmen. Diese Undeutlichkeit bleibt allemal noch übrig, und erklärt sehr gut, warum wir z. B. die Firsterne unter einem kleinen scheinbaren Durchmesser sehen u. dergl.; sie ist aber so gering, daß sie beym gewöhnlichen Sehen wenig hindert; und so erhellet der zweckmäßige und weise Bau des Auges aus andern Gründen, wenn gleich die Eulerische Behauptung einer gänzlichen Aufhebung der Farbenverbreitung durch die verschiedenen Mittel nicht statt findet.