Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Abweichung wegen der Gestalt der Gläser
Abweichung wegen der Gestalt der Gläser

Aberratio ob figuram s. sphaericitatem lentium, Aberration de sphéricité. Diese entsteht daher, weil eine Glaslinse, deren Oberflächen eine sphärische Krümmung haben, die aus einem Punkte des Gegenstandes kommenden Lichtstralen nie wieder völlig in einen Punkt vereiniget. Jedoch vereinigen sich diejenigen Stralen, welche nahe bey der Axe oder um die Mitte des Glases einfallen, in einem sehr engen Raume, und für sie ist also diese Abweichung geringer, als für die weiter von der Axe ab und gegen den Rand zu einfallenden Stralen. Man vermeidet daher den größten Theil dieser Abweichung, wenn man den Rand der Gläser mit etwas undurchsichtigem bedeckt, und nur in der Mitte eine kreisrunde Oefnung frey läst. s. Blendung und Apertur. Gewöhnlich werden dadurch die Wirkungen dieser Abweichung so stark vermindert, daß man den noch übrigbleibenden Fehler für unbeträchtlich halten kan.

Man schrieb ehedem die Undeutlichkeit, die in den dioptrischen Werkzeugen noch immer unvermeidlich blieb, ganz allein dieser Art von Abweichung zu, und suchte daher zu Verbesserung der Fernröhre noch andere und wirksamere Mittel zu finden, als die damals gewöhnlichen starken Bedeckungen waren. Die Theorie der Brechung lehrt, daß planconvexe Gläser, mit elliptischen Hinterflächen von einer bestimmten Krümmung, Parallelstralen genau in einen Punkt vereinigen; Gläser mit hyperbolischen Vorderflächen aber die aus ihrem Brennpunkte kommenden Stralen wieder parallel aussenden. Man dachte daher, nach dem Vorschlage des Cartesius, die Abweichung wegen der Gestalt der Gläser durch Linsen mit elliptisch und hyperbolisch gekrümmten Flächen zu vermeiden. D. Wrenn gab dazu (Philos. Transact. no. 53.) ein sinnreiches Mittel an; ja Newton selbst beschäftigte sich im ersten Anfange seiner Untersuchungen mit Schleifung optischer Gläser von anderer, als sphärischer Gestalt.

Nachdem aber der letztere im Jahre 1666 die zweyte weit beträchtlichere Abweichung der Gläser entdeckt hatte, verwarf er sogleich diese Bemühungen, elliptische und hyperbolische Gläser zu schleifen, als unnütz, weil jede andere Brechung eine andere Gestalt der Gläser erfordere, und also bey der verschiedenen Brechbarkeit des Lichts ein Glas von bestimmter Gestalt nur für eine gewisse Gattung von Lichtstralen, keinesweges aber für alle Stralen, die Abweichung heben könne. Ueberdieß fand er die Wirkungen der zweyten neuentdeckten Abweichung mehrere tausendmal größer, als die Wirkungen der bisher bekannten, und schloß daher mit Recht, daß die Unvollkommenheiten der Fernröhre fast gänzlich auf die Rechnung der zweyten Art der Abweichung zu setzen wären, daher es überflüßig sey, für die Vermeidung der erstern weiter Sorge zu tragen, bevor man nicht Mittel gefunden habe, der zweyten abzuhelfen, von welcher der folgende Artikel handelt.