Gehler, J. S. T.
Physicalisches Wörterbuch


Abdampfen
Abdampfen, Abrauchen, Evaporatio, Evaporation.

Eine chymische Arbeit, durch welche man vermittelst der Luft und eines gewissen Grades der Wärme flüchtige Substanzen von feuerbeständigen oder weniger flüchtigen scheidet. So läst man z. B. aus Salzauflösungen das überflüssige Wasser an der warmen Luft abdampfen, um die Salze, welche alsdann in Krystallen anschießen, übrig zu behalten.

Das Abdampfen ist von der Destillation nur darinn unterschieden, daß man die flüchtige Substanz beym Destilliren aufsammlet, beym Abdampfen aber davon gehen läst; daher geschieht das Abdampfen in ofnen und flachen Gefäßen, welche der Luft viel Oberfläche aussetzen, z. B. in Schaalen, Näpfen, Scherben. Der nöthige Grad der Wärme richtet sich nach den Graden der Flüchtigkeit und Feuerbeständigkeit beyder Substanzen und nach der Stärke ihres Zusammenhangs. Ist die Substanz, welche zurückbleiben soll, weniger feuerbeständig, und hängt sie fest an der flüchtigen, so muß die Wärme gelind und langsam wirken. Im entgegengesetzten Falle ist ein höherer Grad der Wärme, und ein auf die Oberfläche der Mischung gerichteter Luftzug dienlich.

Macquers chymisches Wörterbuch, Art. Abdampfen.